Religionszugehörigkeiten in Deutschland 2015 - aktualisiert im Dezember 2016

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Religionszugehörigkeiten in Deutschland 2015 - aktualisiert im Dezember 2016
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Religionszugehörigkeiten in Deutschland 2015

von Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid)

Der Anteil der Katholiken und Protestanten in der deutschen Bevölkerung ist 2015 auf 28,9 beziehungsweise 27,1 Prozent gesunken. 36 Prozent der Bevölkerung gehörten keiner Religionsgemeinschaft an. Der Anteil der konfessionsgebundenen Muslime lag bei 4,4 Prozent. Die Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften (u. a. Orthodoxe Kirchen, Freikirchen, Juden, Hindus und Buddhisten) stellten rund 3,6 Prozent der Bevölkerung.

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In den letzten vier Jahrzehnten haben die beiden christlichen Großkirchen empfindliche Mitgliederverluste hinnehmen müssen: 1970 waren (in der damaligen Bundesrepublik) 92,3 Prozent der Bevölkerung Protestanten (47,7 Prozent) oder Katholiken (44,6 Prozent). 1987 hatte sich der Anteil der Kirchenmitglieder auf 84,5 Prozent reduziert, wobei die Evangelische Kirche Deutschlands (EKD) mit 41,6 Prozent sehr viel stärkere Verluste verkraften musste als die römisch-katholische Kirche, deren Mitglieder damals 42,9 Prozent der Bevölkerung stellten.

Mit der deutschen Einheit verringerten sich die Anteile der beiden Amtskirchen weiter, da die Bürgerinnen und Bürger in den „neuen Ländern“ mehrheitlich konfessionsfrei waren. Dennoch gehörten 1990 noch über 72 Prozent der Bevölkerung der römisch-katholischen oder evangelischen Kirche an. Seither ist der Anteil der Katholiken und Protestanten noch einmal beträchtlich gesunken. Im Jahr 2015 waren nur noch 56 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen in einer der beiden Großkirchen organisiert, nämlich 28,9 Prozent in der römisch-katholischen und 27,1 Prozent in der evangelischen Kirche (EKD).

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Halten die gegenwärtigen Trends an, dürfte bereits in etwa zehn Jahren die 50-Prozent-Marke unterschritten sein, also mehr als die Hälfte der Bevölkerung keiner der beiden Großkirchen mehr angehören. Ansteigen werden hierdurch die Bevölkerungsanteile der anderen „Weltanschauungsgruppen“, vor allem der Konfessionsfreien, die schon 2015 mit 36 Prozent die größte Gruppe in Deutschland stellten, sowie die konfessionsgebundenen Muslime, deren Bevölkerungsanteil 2015 nach fowid-Berechnungen bei 4,4 Prozent lag. Zuwächse wird es wohl auch bei den Mitgliedern anderer Religionsgemeinschaften (u. a. Orthodoxe Kirchen, Freikirchen, Juden, Hindus und Buddhisten) geben, die 2015 auf einen Bevölkerungsanteil von 3,6 Prozent kamen.

Es ist demnach davon auszugehen, dass die Verteilung der Religionszugehörigkeiten in Deutschland künftig noch etwas vielfältiger ausfallen wird. Jedoch ist „Religionszugehörigkeit“ kein leicht zu bestimmender Begriff. Zwar scheint die Zuordnung bei den großen Kirchen (und einigen kleineren) einfach zu sein, weil dort die Religionszugehörigkeit zum Zwecke des Kirchensteuereinzugs staatlich erfasst wird. Allerdings ist diese Kirchenmitgliedschaft in den meisten Fällen nicht das Ergebnis einer bewussten Entscheidung, sondern eine Konsequenz der Säuglingstaufe.

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Nur etwa ein Viertel der Kirchenmitglieder zahlt Kirchensteuer, und wer keine Kirchensteuer zahlt, hat nicht nur keinen Grund, seinen Kirchenaustritt zu erklären, sondern er wird oft auch noch durch eine Austrittsgebühr davon abgehalten. Über eine Million Menschen arbeiten in kirchlichen Einrichtungen wie Kindergärten, Krankenhäusern oder Pflegeheimen und könnten de facto aus beruflichen Gründen selbst dann nicht aus der Kirche austreten, wenn sie es wollten. Fragt man daher die zentralen Inhalte des christlichen Glaubensbekenntnisses ab, so wird deutlich, dass viele nominelle Kirchenmitglieder diese ablehnen (etwa die Vorstellung von der leiblichen Auferstehung der Toten, oft schon den Glauben an einen personalen Gott).

Im Grunde, so könnte man sagen, sind viele Katholiken und Protestanten keine Christen im Sinne des Glaubensbekenntnisses, sondern nur noch Zähl-Christen. Dennoch werden diese rein formalen Kirchenmitglieder (trotz ihrer subjektiven Glaubensferne) in den Religionsstatistiken (auch in der obigen fowid-Berechnung) den Katholiken und Protestanten zugerechnet.

Umgekehrt bedeutet die Tatsache, dass eine Person formal keiner Religionsgemeinschaft angehört, nicht notwendigerweise, dass sie im engeren Sinne „religionsfrei“ ist und nicht an „höhere Mächte“ glaubt. Zwar ist die Gruppe der Konfessionsfreien in sich homogener als die Gruppe der formalen Kirchenmitglieder (siehe die fowid-Meldungen zur Humanistenquote in Deutschland, der Einstellungen der verschiedenen weltanschaulichen Gruppen zur Tatsache der Evolution, zu Gottesvorstellungen oder zu ethischen Werten), dies heißt jedoch nicht, dass Konfessionsfreiheit notwendigerweise mit einer naturalistischen, wissenschaftlich orientierten Weltsicht einhergehen muss.

Besonders schwierig zu berechnen, ist der Anteil der Muslime in der Bevölkerung, da hierzu keine anerkannten statistischen Daten vorliegen. Das zentrale Problem in diesem Zusammenhang besteht darin, dass gläubige Muslime zu einem sehr geringeren Grad, nämlich nur zu etwa 20 Prozent, religiös organisiert sind.

Würde man (wie im Falle der Bestimmung der Katholiken und Protestanten) die Mitgliedschaft in einer religiösen Vereinigung zum Bestimmungsmerkmal des Muslimseins machen, so würde man zu dem Ergebnis gelangen, dass nur 20 Prozent der Menschen, die sich als „Muslime“ begreifen, in der Religionsstatistik als Muslime zu bezeichnen sind. Dies jedoch wäre eine höchst problematische Schlussfolgerung, da die Mitgliedschaft in einer religiösen Vereinigung für Muslime nicht den gleichen Stellenwert hat wie für Christen. Für die Beantwortung der Frage, ob eine Person im religiösen Sinne Muslim ist oder nicht, gelten völlig andere Kriterien, etwa das Praktizieren des täglichen Pflichtgebets, das zu den „fünf Säulen des Islam“ gehört.

In diesem Kontext muss auch berücksichtigt werden, dass viele Menschen, die sich als Muslime bezeichnen, damit nur die Zugehörigkeit zum muslimischen Kulturkreis ausdrücken, nicht jedoch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten muslimischen Konfession. Ähnliches ist von säkularen Juden bekannt, die sich, obwohl sie mit dem religiösen Judentum nichts zu tun haben, weiterhin als „Juden“ verstehen. In den gängigen Religionsstatistiken werden diese säkularen Juden nicht dem religiösen Judentum zugerechnet. Entsprechend sollten auch die reinen „Kulturmuslime“ nicht zur Gruppe der konfessionsgebundenen Muslime gezählt werden.

Dies wurde in der vorliegenden fowid-Berechnung berücksichtigt: Statt nur die 20 Prozent religiös organisierten Muslime den konfessionsgebundenen Muslime zuzurechnen, geht fowid davon aus, dass 80 Prozent der Menschen, die sich als „Muslime“ bezeichnen, tatsächlich als konfessionsgebundene Muslime zu verstehen sind, was einem Bevölkerungsanteil von rund 4,4 Prozent entspricht. Ein Fünftel der etwa 4,5 Millionen „Muslime“ (die aktuelle Hochrechnung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge geht für 2015 von 4,4 - 4,7 Millionen „Muslimen“ in Deutschland aus) sollten als „Kulturmuslime“ verstanden werden, da Religion in ihrem Leben keine Rolle spielt (sie gehören keiner religiösen Organisation an, glauben nicht, beten nicht, fasten nicht und besuchen keine Moscheen).

Der Anteil dieser reinen „Kulturmuslime“ dürfte innerhalb der muslimischen Community künftig weiter ansteigen, wie u.a. die Studie des BAMF zu den Wertehaltungen der neu nach Deutschland gekommenen Einwanderer und Flüchtlinge nahelegt. Denn in allen relevanten Bereichen gleichen diese neuen Einwanderer/Flüchtlinge eher der weitgehend säkularisierten deutschen Bevölkerung als der traditionellen (von konservativen Türken dominierten) Gruppe der Muslime in Deutschland. Der Säkularisierungstrend, so scheint es, ist inzwischen auch in der islamischen Welt angekommen.

(MSS, CF, MK) Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland
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Die obige Darstellung der „Religionsverteilung 2015“ wurde am 20.12.2016 aktualisiert. Grund hierfür war u.a. eine neue Hochrechnung des "Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge" zur Zahl der Muslime in Deutschland, die am 14.12.2016 veröffentlicht wurde. (zum Lesen und Download des PDF_Symbol.gif bitte weiterscrollen). Bitte beachtet auch eine Studie des BAMF zu den Wertehaltungen der neu nach Deutschland gekommenen Einwanderer und Flüchtlinge, November 2016 - zum Lesen und Download der PDF_Symbol.gifbitte bis ans Seitenende weiterscrollen!

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► Quelle: Erstveröffentlicht bei https://fowid.de/ > aktualisierter Artikel vom 20.12.2016.

Die Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid) wurde im Jahr 2005 von der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) gegründet. Fowid ist ein Projekt der gbs und wird von einem offenen Mitgliederkreis getragen. Auf dieser Seite informieren wir Sie über unsere Ziele, Arbeitsweise, Mitglieder und Möglichkeiten der Kooperation und Unterstützung:

Ziele

Auf empirischer Grundlage und mit robusten wissenschaftlichen Methoden will fowid Daten und Fakten zu relevanten Aspekten von Weltanschauungen in Deutschland (und der Welt) erheben, auswerten und der Allgemeinheit zugänglich machen. Wir tragen zu einer wissensbasierten, und gut informierten öffentlichen Debatte in Deutschland bei - tagesaktuell und mit Hintergrundinformationen. Hierzu decken wir die gesamte Bandbreite an Fragen und Themen ab, die mit Weltanschauungen – gleich ob politischer, religiöser oder nicht-religiöser Art – einhergehen. Bitte hier weiterlesen.

► Bild- und Grafikquellen:

1. Grafik: Religionszugehörigkeiten in Deutschland 2015 - Aufbereitung: fowid / CF. Quellen: EKD, DBK, REMID.

carsten_frerk_kirchenrepublik_deutschland_christlicher_lobbyismus_kritisches_netzwerk_kirchensteuer_aemterverquickung_kirchenkritik_kirchenaustritt_ministerialbuerokratie_einfluss_politik.jpg2. Tabelle: Deutschland - Bevölkerungsanteile nach Religionszugehörigkeit. Aufbereitung: Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid / CF), EKD, Bischofskonferenz, REMID, BAMF, Religionsmonitor).

3. Kindstaufe: Die Kirchenmitgliedschaft ist in den meisten Fällen nicht das Ergebnis einer bewussten Entscheidung, sondern eine Konsequenz der Säuglingstaufe. Erst ab dem vollendeten 14. Lebensjahr können Minderjährige selber den Austritt erklären, auch gegen den Willen der gesetzlichen Vertreter. Jugendliche stehen dann aber meist noch unter der Fuchtel der Eltern und beeinflussender Verwandter und trauen sich nicht, ihr Selbstbestimmungsrecht wahrzunehmen.

Foto: keskieve. Quelle: Pixabay. Alle bereitgestellten Bilder und Videos auf Pixabay sind gemeinfrei (Public Domain) entsprechend der Verzichtserklärung Creative Commons CC0. Das Bild unterliegt damit keinem Kopierrecht und kann - verändert oder unverändert - kostenlos für kommerzielle und nicht kommerzielle Anwendungen in digitaler oder gedruckter Form ohne Bildnachweis oder Quellenangabe verwendet werden.

4. Kirchenkriminalität - in der katholischen Kirche erwiesenermaßen seit Jahrhunderten angewandte Methode durch zahllose verhaltenssgestörte Priester und Würdenträger. Auch beim weltberühmten Knabenchor der Regensburger Domspatzen herrschte jahrzehntelang Angst und Furcht vor Prügelstrafen und sexuellen Übergriffen. Bildidee: Helmut Schnug. Bildbearbeitung: Wilfried Kahrs / QPress.de. Bei Verwendung bitte unbedingt Hinweis auf www.Kritisches-Netzwerk.de

5. Texttafel: "Freigabe ab 18 Jahren. Religion schadet Ihnen und Ihrer Gesundheit und kann zu seelischer Abhängigkeit und emotionaler Instabilität führen." Grafik: © Wolfgang van de Rydt

6. Kirchenaustritt.de - Diese Seite informiert Sie über den Kirchenaustritt in Deutschland, Österreich und der Schweiz. René Meintz aus Berlin hat zahlreiche interessante Statistiken und Infos zusammengestellt, z.B. "Wie erklärt man seinen Kirchenaustritt" und ggf. anfallende Austrittsgebühren, einen Kirchensteuerrechner, das Kirchensteueraufkommen, Buchtipps und vieles mehr.

7. Buchcover: "Kirchenrepublik Deutschland. Christlicher Lobbyismus." von Carsten Frerk. Verlag: Alibri. ISBN 978-3-86569-190-3, erschienen 2015, 303 Seiten, kartoniert, Euro 18. Dr. Carsten Frerk, Politologe/Sozialwissenschaftler, Berlin (Mitglied und Koordinator der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid).

Carsten Frerk beschreibt, wie die Kirchen in Deutschland systematisch Einfluss auf die Politik nehmen. Dabei zeigt sich, dass katholische und evangelische Stellen in einer Weise in Gesetzgebungsverfahren eingebunden sind wie keine zweite zivilgesellschaftliche Kraft.

Das Buch untersucht – erstmalig für Deutschland – die Arbeit der kirchlichen Büros und ihre Kontakte in die Ministerialbürokratie. Dabei stößt es auf interessante personelle Überschneidungen und Karriereverläufe. Es stellt dar, über welche Kanäle die Kirchen ihre Informationen erhalten und welche Strukturen begünstigen, dass politische Entscheidungen im Sinne der Kirchen ausfallen.

carsten_frerk_violettbuch_kirchenfinanzen_wie_der_staat_die_kirchen_finanziert_kritisches_netzwerk_kirchenaustritt_christen_christentum_katholiken_evangelische_kirche_fowid.jpgAls Fazit kommt Carsten Frerk zu der Einschätzung, dass die Kirchen – wo es um ihre ureigenen Belange als Organisationen geht – die erfolgreichsten Lobbyisten der Republik sind. Das Buch schafft Problembewusstsein für Ämterverquickung und „Seitenwechsler“. Es fordert Befangenheitsregeln für Parlamentarier und thematisiert den durch die Kirchen. (Verlagstext, ⇒ Inhaltsverzeichnis und Probekapitel PDF_Symbol.gif bitte weiterscrollen!)

8. Buchcover: "Violettbuch Kirchenfinanzen: Wie der Staat die Kirchen finanziert" von Carsten Frerk. Verlag: Alibri. ISBN 978-3-86569-039-5. Dr. Carsten Frerk, Politologe/Sozialwissenschaftler, Berlin (Mitglied und Koordinator der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid).

Obwohl die beiden großen christlichen Kirchen heute weniger als zwei Drittel der Bevölkerung organisieren, werden viele ihrer Belange durch die öffentliche Hand finanziert. Und das betrifft keineswegs nur Krankenhäuser oder Sozialstationen, die von der Allgemeinheit in Anspruch genommen werden können. Ob Bischofsgehälter, die Ausbildung kirchlichen Personals oder Missionswerke – konfessionslose und andersgläubige Bürgerinnen und Bürger zahlen alle kräftig mit.

Carsten Frerk gibt einen systematischen Überblick, zu welchen Gelegenheiten der Staat von den Kirchen zur Kasse gebeten wird. Er problematisiert versteckte Begünstigungen wie die steuerliche Absetzbarkeit der Kirchensteuer, erläutert die rechtliche und historische Fragwürdigkeit der so genannten Staatsleistungen und stellt die Frage, warum die Allgemeinheit soziale Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft bezuschusst, obwohl dort die Arbeitnehmerrechte weitgehend außer Kraft gesetzt sind.

Dabei geht es nicht um Kleinigkeiten: Die Zuwendungen der öffentlichen Hand an die Kirchen übersteigen deren Einnahmen aus der Kirchensteuer beiweitem. Und da die Kirchen steuerbefreit sind, tragen sie nichts zur Finanzierung der gesellschaftlichen Infrastruktur bei, von der sie profitieren. (Verlagstext ⇒ Inhaltsverzeichnis und Probekapitel PDF_Symbol.gif bitte weiterscrollen!)