Der Boom geht, der Neoliberalismus kommt

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Ernst Wolff
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Der Boom geht, der Neoliberalismus kommt

Kapitel 17 aus meinem Buch "Finanztsunami - wie das globale Finanzsystem uns alle bedroht"

neoliberalism_devolution_neoliberalismus_kapitalismus_capitalism_milton_friedmann_friedrich_ausbeutung_von_hayek_homo_oeconimicus_kritisches_netzwerk_marktradikalismus.jpg Vier Monate nach der Abkoppelung des US-Dollars vom Gold legten die USA wegen anhaltender Turbulenzen auf den Finanzmärkten mit den größten Handelsnationen der Welt im „Smithsonian Agreement“ neue Wechselkurse fest. Der japanische Yen und die Währungen der EWG-Länder [1] wurden um 7,5 % bis 16.9 % aufgewertet. Das aber reichte auf Dauer nicht aus, um die Lage zu beruhigen.

Der freigegebene Goldkurs übte einen so starken Druck auf den Dollar aus, dass die US-Regierung ihn im Februar 1973 um weitere 10 % abwertete. Als Spekulanten daraufhin den Schweizer Franken und die D-Mark unter Druck setzten (indem sie große Mengen davon aufkauften und so auf deren erneute Aufwertung wetteten), entkoppelten die Schweiz, die Mitglieder der EWG und Japan ihre Währungen endgültig vom Dollar.

Damit gehörte aber nicht nur das System von Bretton Woods der Geschichte an: Im selben Jahr endete auch der Nachkriegsboom, der der globalen Wirtschaft ein Vierteljahrhundert lang Leben eingehaucht hatte. Ihm folgte ein gewaltiger Wirtschaftseinbruch. In den Jahren 1974 – 1975 kam es zur schwersten globalen Rezession seit der Großen Depression der Dreißiger Jahre. Die Gewinne der multinationalen Konzerne schrumpften so stark wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht. Um im internationalen Konkurrenzkampf bestehen zu können, mussten sie ihre bis dahin erfolgreiche Strategie - immer neue Märkte mit immer neuen Produkten zu erobern - ändern. Aber wie?

Angesichts der weitgehenden Sättigung der globalen Märkte und einer zu befürchtenden längeren Stagnation der Weltwirtschaft, blieben ihnen nur drei Möglichkeiten: Die Produktionskosten zu senken, die Produktivität zu steigern oder sich auf die Suche nach neuen Profitquellen zu begeben. Zu diesem Zweck wurden zunächst vor allem in der Textil- und der Elektronikindustrie neue Techniken in den Bereichen Herstellung und Informationstechnologie eingeführt, Produktionsprozesse in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und entweder automatisiert oder in Niedriglohnländer verlegt.

Das Ergebnis nannte sich „Globalisierung“ und zeichnete sich durch zwei herausragende Merkmale aus:

Zum einen durch die Internationalisierung des Produktionsprozesses, die dazu geführt hat, dass man nationale Wirtschaften heute nur noch verstehen kann, wenn man sie nicht als isolierte Einheiten, sondern als Zahnräder im wirtschaftlichen Weltgetriebe betrachtet.

Zum anderen bedeutete die Globalisierung die massenweise Auslagerung von Arbeitsplätzen aus den Industrienationen nach Asien, Afrika oder Südamerika.

Da die Löhne an den neuen Produktionsstandorten im Vergleich zu denen im Inland extrem niedrig und Begriffe wie Arbeitsrecht, Sozialleistungen und Sicherheitsstandards oft unbekannt waren, verbuchten die Konzerne eine kräftige Senkung der Lohnstückkosten. [2] Aber auch im Inland wirkte sich die Globalisierung kostensenkend aus, denn Niedriglohnjobs im Ausland ließen sich hervorragend als Druckmittel gegen die heimischen Beschäftigten einsetzen: Wer z.B. in Westeuropa eine aus Unternehmenssicht zu hohe Lohnforderung stellte, der wurde häufig durch den Hinweis auf die Möglichkeit der Verlegung seines Arbeitsplatzes nach Osteuropa oder Asien ruhiggestellt.

Für die von ihrer Arbeit lebenden Menschen bedeutete die Globalisierung also nicht nur den Verlust zahlloser Arbeitsplätze, sondern auch den Beginn einer Phase der Stagnation und des Rückgangs der Löhne. Die zum Teil zweistelligen Lohnerhöhungen während des Booms gehörten für immer der Vergangenheit an. Außer der Erhöhung der Produktivität und der Senkung der Lohnkosten entdeckte das Heer der Großinvestoren aber noch eine weitere Profitquelle, die es bis dahin kaum angezapft hatte – den Finanzsektor. Er bestand damals hauptsächlich aus Börsen und außerbörslichem Wertpapierhandel, war erheblich kleiner als die Realwirtschaft und dazu international stark reguliert.

Ursache dieser Regulierung war der New Yorker Börsencrash von 1929, bei dem Millionen von Menschen ihre Ersparnisse verloren hatten, und in dessen Folge die Banken in den USA und Europa auf Grund des Protestes der Bevölkerungen staatlicher Kontrolle und Aufsicht unterworfen worden waren. Diese Einschränkungen waren auch nach dem Zweiten Weltkrieg beibehalten worden. Das ökonomische Glaubensbekenntnis, das hinter dieser Regulierung stand, war das des Keynesianismus. Seine Anhänger gingen (und gehen) davon aus, dass der Staat als Regulativ über der Wirtschaft stehen und in Zeiten der Krise helfend eingreifen sollte.

Dieser Philosophie setzten die an der Finanzspekulation interessierten Kräfte nun ihr eigenes Glaubensbekenntnis entgegen – den Neoliberalismus. Er geht auf die „Österreichische Schule“ und den Ökonomen Friedrich von Hayek zurück und wurde in seiner heutigen Form in den Sechziger Jahren von Milton Friedman und seinen Anhängern an der „Chicago School of Economics“ entwickelt. 1973 geriet er zum ersten Mal weltweit in die Schlagzeilen, als der chilenische Diktator Pinochet nach seinem Militärputsch die „Chicago Boys“, ein Team von Friedmans Ökonomen, in sein Land holte und sie beauftragte, die chilenische Wirtschaft „umzubauen“.

Die Folgen für Chiles arbeitende Bevölkerung waren fatal: Die Löhne fielen, die Arbeitslosigkeit stieg, Sozialleistungen wurden gekürzt und der Lebensstandard sank. Das aber störte das Heer internationaler Investoren nicht, denn sie hatten Blut geleckt. Die Freigabe des Goldpreises und der Wechselkurse und die damit verbundenen Spekulationsmöglichkeiten hatten dazu geführt, dass Währungsschwankungen und Goldhandel innerhalb kurzer Zeit zu einem lukrativen Betätigungsfeld für Spekulanten geworden waren.

Also begann die Finanzindustrie immer stärker auf die Eröffnung neuer Profitquellen im Finanzsektor zu pochen. Unter dem Motto der Zurückdrängung des Staates, der Entbürokratisierung und der Privatisierung forderte sie die Abschaffung der sie einengenden Gesetze. Dabei kam ihr die Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation nach dem Ende des Booms entgegen. In Deutschland z.B. stieg die Arbeitslosigkeit zwischen 1970 und 1975 von 0,7 % auf 4,6 % an. Das Bruttosozialprodukt, das 1970 noch um 5,4 % gewachsen war, lag 1975 mit -1,1 % sogar im Minusbereich, die Inflation, die 1970 noch bei 3 % gelegen hatte, betrug 1974 7 %. Auch in anderen Ländern sah die Situation nicht besser aus.

Die Finanzindustrie nutzte den Druck, unter den die nationalen Regierungen gerieten und behauptete, dass zum Beispiel durch die Erleichterung von Börsengängen und durch die Freigabe der Spekulation ganz neue Verdienstmöglichkeiten geschaffen und die Wirtschaft in Schwung gebracht werden könnten. Dennoch reagierten die meisten Regierungen in den Siebziger Jahren sehr zögerlich. Das lag vor allem am politischen Klima und der Stärke der Gewerkschaftsbewegung, sollte sich aber mit der (durch Gelder der Finanzindustrie unterstützten) Wahl Margaret Thatchers zur britischen Premierministerin 1979 und der Wahl Ronald Reagans zum US-Präsidenten 1981 ändern.

Beide Politiker schlugen einen rücksichtslosen Kurs zugunsten des großen Geldes ein. Reagan setzte im ersten Jahr seiner Präsidentschaft ein klares Zeichen, indem er die Unternehmenssteuern senkte und den Spitzensteuersatz für Großverdiener von 70 % auf 33 % herabsetzte. Thatcher übertrumpfte Reagan 1986 mit einer finanzpolitischen Revolution, die als „Big Bang“ („Urknall“) in die Geschichte eingegangen ist.

Die Trennung zwischen normalen und Investmentbanken wurde aufgehoben, aber nicht nur britische, sondern auch in Großbritannien aktive ausländische Banken durften von nun an wie in den Zwanziger Jahren in den USA mit Kundengeldern spekulieren. Das führte zu einem wahren Run ausländischer (vor allem US-amerikanischer) Banken auf die Londoner City. Das Ergebnis waren immer riskantere Transaktionen, extrem hohe Gewinne – und immer höhere Bonuszahlungen für das Führungspersonal im Finanzgewerbe.

Anders sah es am anderen Ende der Gesellschaft aus. Sowohl Reagan, als auch Thatcher machten unmissverständlich klar, dass sie keinen Widerstand gegen ihre Politik duldeten: Reagan beendete im Sommer 1981 einen landesweiten Streik der Fluglotsen, indem er 11.000 am Streik Beteiligte entließ und mit lebenslangem Arbeitsverbot belegte. Margaret Thatcher beendete 1985 mit Gewalt den britischen Bergarbeiterstreik und nahm dabei tausende Verletzte und zehn Tote in Kauf.

Nach dem Auftakt in Chile enthüllte der Neoliberalismus auf diese Weise auch in den USA und in Europa immer deutlicher sein wahres Gesicht: Hinter den Behauptungen, man wolle einen „schlanken Staat“, weniger Regulierung und setze mehr auf private unternehmerische Initiative, steckte in Wirklichkeit der Versuch des großen Geldes, mit Unterstützung der Politik alle Hindernisse auf dem Weg zur Anhäufung noch größerer Vermögen durch die Finanzindustrie und die Großkonzerne aus dem Weg zu räumen.

Ernst Wolff, Berlin
_________________

[1] Zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), der Vorgängerin der EU, gehörten 1973 die Bundesrepublik Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, die Niederlande, Luxemburg, Irland und Dänemark.

[2] Um die Lohnstückkosten zu ermitteln, teilt man die Arbeitskosten durch die Produktivität.

"Finanztsunami - wie das globale Finanzsystem uns alle bedroht" >> zur ausführlichen Buchvorstellung mit weiteren Kapiteln!



► Bild- und Grafikquellen:

1. "Neo-liberalism: the devolution starts here." Der Neoliberalismus ist die räuberischste Phase unmenschlicher Entwicklung und muss daher als Rückentwicklung betrachtet werden!

ernst_wolff_finanztsunami_wie_das_globale_finanzsystem_uns_alle_bedroht_kritisches_netzwerk_tsunami_finanzcrash_finanzelite_finanzindustrie_neoliberalismus_bretton_woods_deregulierung.jpg2. Schach dem neoliberalen Finanzmarkt-Kapitalismus! Krisen, also kurzzeitige, tatsächliche oder vorgebliche Erschütterungen des politischen Gefüges, seien sie nun selber politisch, militärisch, wirtschaftlich, sozial oder ökologisch, werden von den herrschenden Eliten heutzutage nicht bekämpft, sondern genutzt. Karikatur: Originalzeichner nicht ermittelbar, gefunden in diversen Artikeln, u. A. bei EconMatters.com, Veteranstoday.com, GlobalResearch.org etc.

3. Premierministerin Margaret Thatcher und US-Präsident Ronald Reagan, 1981. Quellen: Ronald Reagan Presidential Library / Wikimedia Commons. Dieses Bild ist gemeinfrei, weil All the photographs from the Reagan Library Archives are in the public domain and may be credited "Courtesy Ronald Reagan Library."

4. Thatcherism, extremist capitalism, neo-liberalism. 22,000 people died last year simply because they could no longer afford to heat their homes. This is one of the many consequences of Thatcher, her ideology and this current government's continued support of it, nearly demented in it's stubborn determination to put the needs of a greedy and wealthy few above the real needs of the majority of us. Margaret Thatcher herself has gone. Now her ideology and all that is associated with it must follow, before it finally ruins us all. Foto/Grafik: Byzantine_K. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung 2.0 Generic (CC BY 2.0)

5. Buchcover: "Finanztsunami - Wie das globale Finanzsystem uns alle bedroht" von Ernst Wolff, erschienen im September 2017. ISBN: 978-3-94131-081-0. Verlag: edition e. wolff; Portofreie Bestellung bspw. bei hugendubel.de - weiter. >> zur Buchvorstellung im KN.

Das Finanzwesen erschließt sich nur Fachleuten und braucht euch Normalbürger nicht zu interessieren, weil es euer Alltagsleben nur am Rande berührt“ – so wurde es uns jahrzehntelang eingebläut. Das Gegenteil ist der Fall: Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, hat sich die Finanzindustrie zur mächtigsten Größe auf unserem Planeten entwickelt. Dabei bleibt ihr Führungspersonal im Dunkeln und lenkt die Geschicke der Welt auf eine Weise, die selbst bei genauer Betrachtung nur schwer zu durchschauen ist.

Mit seiner packenden Darstellung der Machenschaften und Akteure der Finanzwirtschaft weist Ernst Wolff ein weiteres Mal auf sein zentrales Anliegen hin: die Herrschaft einer übermächtigen Elite zu beenden, deren Gier unsere Lebensgrundlagen zerstört und unsere Zukunft gefährdet.

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Beigetreten: 10.09.2016 - 11:31
Aufstieg neoliberaler Ideologie


Der Aufstieg neoliberaler Ideologie

Meiner Ansicht nach wäre die Darstellung der Aufstiegs der neoliberalen Ideologie anders treffender, stringenter und nachvollziehbarer zu beschreiben:

Während der Weltwirtschaftskrise in den 1920-30er Jahren herrschten katastrophale Zustände: völlig entrechtete Arbeitnehmer, keine Umwelt- und Arbeitnehmerschutzrechte bei gleichzeitiger Verelendung in weiten Teilen der Gesellschaft infolge ausbeuterischer Verhältnisse (Hungerlöhne und weniger), keine Vorschriften für Umweltschutz etc.. Die Unternehmer konnten schalten und walten wie sie wollten. Sie allein bestimmten wer wann, wie, wo und unter welchen Bedingungen zu arbeiten hatte.

Das war im Grunde die Idealumsetzung der Gesamtheit aktueller Forderungen des Neoliberalismus. Solchen verheerenden Zuständen nähern sich die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse in dem Maße wieder an, wie die Politik sich weiter als Erfüllungsgehilfe neoliberaler Forderungen verdingt und durch entsprechende Gesetzgebung vollstreckt.

Diese „Laissez-faire-Ideologie“, die auch zur Weltwirtschaftskrise führte und die dem Neoliberalismus sehr ähnlich ist, war also krachend gescheitert. Im Folgenden wurde durch Präsident Roosevelt mit den „New Deal“-Reformen, der die Geldmächtigen erheblich mehr in finanzielle Verantwortung nahm, und mit dem Keynesianismus erfolgreich eine staatliche Regulierung eingezogen. Diese Sachverhalte und der erfolgreich geführte Arbeitskampf durch die Gewerkschaften mündete u.a. in einer wachsenden Partizipierung der abhängig Beschäftigten an den steigenden Unternehmensgewinnen. Damit aber fiel die Gewinnquote der Geldmächtigen.

Mit der in den 1970er Jahren einsetzen Stagflation (ein Kofferwort aus den Begriffen „Stagnation“ und „Inflation“), auf die der Keynesianismus keine Antwort hatte, sahen die Geldmächtigen und deren willfährige Handlanger, Steigbügelhalter, Wasserträger und Lobbyhuren [in Lehrbetrieben, Wirtschaft und Politik] ihre Stunde gekommen, indem sie den Neoliberalismus als „Ausweg“ aus der Krise propagierten. Damit hatten sie bei Reagan und Thatcher durchschlagenden Erfolg, welche diese asoziale Umverteilungsideologie von arm nach reich gegen die eigenen Gesellschaften exekutierten.

Die gut situierte Kaste politischer Handlanger und Erfüllungsgehilfen der Herrschenden und Geldmächtigen werden in einem gesellschaftlichen Umfeld - insbesondere durch die Erziehung des Elternhauses - in einer Weise sozialisiert, in dem unisono ein gewisses Denken vorherrscht, sodass in den wirtschaftspolitischen Grundfragen Einigkeit besteht:

der Staat kann mit Geld nicht umgehen und deswegen sollte ihm keines gegeben werden

das wichtigste und drängendste Problem ist der Abbau der Staatsschulden

die Wirtschaft muss weiter „flexibilisiert“ werden (d.h. konkret Abbau von Umwelt- & Arbeitnehmerschutzrechten)

es muss vor allem an den Sozialetats gespart werden

die bestehende Umverteilung von unten nach oben wird nicht infrage gestellt

nach den wissenschaftlichen Studien des Soziologen Prof. Michael Hartmann - siehe dazu diesen Vortrag ab Min. 12:34 sowie in Teil 2 ab 10:48 .

Dabei ist die Ideologie des Neoliberalismus ein willkommenes Instrument, weil es einerseits dieses Denken bedient und anderseits die intendierte Umverteilung von unten nach oben einen ideologischen Unterbau bietet:

"Wenn Plündern für eine Gruppe in der Gesellschaft zur Lebensart wird, schaffen sie im Laufe der Zeit ein Rechtssystem, welches dies legalisiert, und einen Moralkodex, der es glorifiziert.
–  Claude Frédéric Bastiat (1801-1850), französischer Ökonom und Politiker

Allerdings sind die Geldmächtigen auch schnell bereit, von ihren zuvor geäußerten neoliberalen Forderungen Abstand zu nehmen, sofern es ihnen nützt. Z. B. bei Bankenrettungen, die einen Eingriff des Staates darstellen, welche die neoliberale Ideologie eigentlich ablehnt. In anderen Fällen heißt es sonst von neoliberaler Seite „Pleitegehen lassen - das nennt sich Marktbereinigung“.

Man kann es nicht genug betonen, dass heutzutage eine asoziale Umverteilungsideologie von unten nach oben namens Neoliberalismus die Meinungsdiktatur in Wirtschaft, Politik, Medien und Lehrbetrieben (Unis, Fachhochschulen etc.) an sich gerissen hat und damit gesellschaftliche Verhältnisse dominiert und determiniert. Neben einem perversen (Zinseszinsschuld-)Geldsystem, dem Aktienspekulationswahnsinn, der Macht des Bankenkartells (Finanzmafia) und historisch gewachsener Machtstrukturen sind sehr viele große Probleme auf den Neoliberalismus zurückzuführen. Die außerordentliche Bedeutung der neoliberalen Ideologie für sehr viele katastrophale Zustände in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu angemessener Darstellung zu führen ist dem Autor in diesem Kapitel des Buches leider nicht hinreichend gelungen. Möglicherweise deswegen, weil es ihm selbst nicht bewusst ist.

Neoliberalismus wird nur seltenst angemessen und hinreichend erklärt. Hier eine Ausnahme als Lesetipp >> weiterlesen.

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Jahrgang 64, Dipl.-Ing. Maschinenbau

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