Donald Trump und Wladimir Putin – ein prekäres Patt

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Kai Ehlers
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Beigetreten: 18.07.2014 - 21:31
Donald Trump und Wladimir Putin – ein prekäres Patt
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Donald Trump und Wladimir Putin – ein prekäres Patt

Am 16. Juli dieses Jahres soll geschehen, was schon längst hätte geschehen sollen: der russische und der amerikanische Präsident wollen sich zu einem Zweiergipfel in Helsinki treffen. Die Wahl des Ortes darf man getrost als Botschaft verstehen, die von diesem Treffen ausgehen soll. Wurden doch in Helsinki Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts mit der „Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“ erste Zeichen für die Beendigung des ‚Kalten Krieges‘ und eine beginnende Entspannung zwischen ‚Westen‘ und ‚Osten‘ gesetzt, West- und Ostblock, wie es damals hieß.

In  der „Schlussakte von Helsinki“ verpflichteten sich nach zweijährigen Verhandlungen im Jahr 1975 fünfunddreißig Staaten zu Zusammenarbeit, Unverletzlichkeit der Grenzen, friedlicher Konfliktlösung, Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten und Achtung, sowie Förderung der Menschenrechte. Des Weiteren vereinbarten die Staaten eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Wirtschaft, Technik, Wissenschaft und Umweltfragen. Die neue deutsche Ostpolitik, Glasnost und Perestroika in der UdSSR, die Öffnung der deutschen Grenzen gingen aus diesem Geist hervor.
 
► Dem Frieden dienen…?

Themen des bevorstehenden Treffens sollen, glaubt man Donald Trump, alle gegenwärtigen Konfliktpunkte sein – von der Ukraine, zur Krim, über Syrien, Korea, Iran, die Sanktionen bis hin zu Fragen der atomaren Abrüstung. Man könne sparen, wenn man die Rüstung zurückfahren könne, ließ Trump verlauten und außerdem könne die Abrüstung dem Frieden dienen.

wuerfel_eu_russland_usa_european_union_russia_cube_kritisches_netzwerk_weltordnung_nationalstaaten_entspannungspolitik_fraktionierungspolitik_sicherheitspartnerschaft_voelkerordnung.jpgWladimir Putin wiederholt, was er und seine Vorgänger über Jahre schon immer wieder angeboten haben: die Bereitschaft eine Sicherheitspartnerschaft mit den USA einzugehen, die von den USA gekündigten Verträge zur Begrenzung der strategischen Atomwaffen zu erneuern, die UNO in ihrem Anspruch als internationales Kontrollorgan zu bestärken usw..
 
Obwohl Putins Vorstellungen von einer übergreifenden Sicherheitspartnerschaft mit den USA selbstverständlich auch Europa, konkret die Europäische Union mit einschließen, fürchten sich deren Politiker, übergangen und von Abmachungen zwischen den beiden Kontrahenten zerdrückt zu werden. Das darf man zunächst einmal als politische Hysterie einordnen. China hält sich zurück.

Das Treffen ist zweifellos zu begrüßen, ebenso wie das vorangegangene Treffen zwischen Trump und Kim Jong-un. Aber mehr noch als bei dem Treffen in Korea stellt sich die Frage, was tatsächlich bewegt werden wird. Das Treffen wird vor dem Hintergrund stattfinden, dass der US-Senat mit einer Mehrheit von 85 zu 10 Stimmen soeben eine Erhöhung der Militärausgaben von bisher 634 auf 716 Milliarden Dollar, also um 82 Mrd. beschlossen hat, nachdem das US-Repräsentantenhaus die Vorlage schon im Mai durchgewunken hatte. Allein diese neue Erhöhung des Etats übersteigt den gesamten russischen Militärhaushalt, der bei 61 Mrd. liegt.

Forciert werden soll zudem das Arsenal der amerikanischen Atomwaffen; insbesondere soll das Verbot der „Produktion von Atomsprengköpfen mit geringer Sprengkraft“ aufgehoben werden.
 
► ...aber genau hinschauen

Diese Tatsachen könnten eigentlich schon reichen, um die Erwartungen an das bevorstehende Treffen in Helsinki auf ein realistisches Maß zu reduzieren. Vollends nachdenklich machen muss aber die Konstellation, in der die beiden Präsidenten aufeinander treffen: Trump, der in radikaler Fortsetzung der Fraktionierungspolitik seiner Vorgänger erkennbar an der Dekonstruktion der bestehenden Weltordnung arbeitet, Putin, dessen Interesse ebenso offensichtlich und ebenso radikal darin liegt, in diese Weltordnung nicht nur einzutreten, sondern sie zu erhalten.

► Destabilisierung steht gegen Stabilisierung – nichts geht mehr. Was kann es da Gemeinsames geben?

Eine Antwort auf diese Frage ergibt sich, wenn die Weltordnung genauer betrachtet wird, zu der die beiden Präsidenten scheinbar so unterschiedlich stehen: Es ist die Völkerordnung des einheitlichen Nationalstaats, die unter dem Einfluss der wichtigsten Siegermacht USA aus dem Ersten Weltkrieg hervorging. Das Credo des einheitlichen Nationalstaats, das heißt, eines Staates, der, dominiert von der Ökonomie, sämtliche Lebensbereiche einer begrenzten Bevölkerung monopolistisch umschließt, überlebte bis heute ungeachtet der wechselnden politischen Konstellationen im Lauf der weiteren Geschichte seit 1918.
 
► Konkurrenz der Nationalstaaten

Schon 1918 aber war offensichtlich, dass die Konkurrenz der imperialen Nationalstaaten in den ersten Weltkrieg geführt hatte und dass eine Erhebung des Nationalstaats zum Credo der zukünftigen Weltordnung zu einer Wiederholung der Konflikte führen würde, statt der Entwicklung einer offenen Weltwirtschaft und Weltkultur förderlich zu sein. Angesichts der heutigen Globalisierung sind die Nationalstaaten nur noch Relikte, die von internationalen Monopolen zur Durchsetzung ihrer örtlichen oder regionalen Interessen benutzt werden. Gleichzeitig müssen die einzelnen Staaten in Konkurrenz zu allen anderen auf die knapper werdenden Ressourcen zugreifen.

Ein globales prekäres Patt ist entstanden, in dem die Weltmacht USA sich auf nationale Interessen zurückzieht, zugleich aber die bestehende globale Nationalstaatsordnung unter Einsatz der globalen Machtapparate einer Weltmacht sprengt.

flag_flagge_usa_russland_russia_wladimir_putin_entspannungspolitik_sicherheitspartnerschaft_fraktionierungspolitik_voelkerordnung_weltmacht_weltordnung_kritisches_netzwerk.jpg

Demgegenüber steht der Vielvölkerstaat Russland, der sich im Interesse des eigenen Überlebens gezwungen sieht, die Nationalstaatsordnung zu verteidigen. In dieser Anordnung der Widersprüche stimmt keiner der herkömmlichen Begriffe vom Staat mehr. Nur das ist klar: Im Ergebnis läuft beides, Trumps Angriff auf die marode nationalstaatliche Weltordnung von heute wie deren Verteidigung durch Putin, auf die Zementierung des Credos vom einheitlichen Nationalstaat und damit auf eine Verschärfung der darin liegenden Konkurrenz hinaus. Ideen, die über die bestehende nationalstaatliche Grundordnung hinaus weisen könnten, stehen weder bei Trump noch bei Putin auf der Tagesordnung.
 
► …krisenträchtig

Klar gesagt: Die so entstandene Lage ist nicht nur krisen-, sie ist kriegsträchtig. Sie wird zurzeit nur durch die Existenz der Atomwaffen in der Waage gehalten.

Es ist offensichtlich: Eine tiefgreifende Veränderung muss her, welche die überfällige nationalstaatliche Ordnung, das heißt, die Unterwerfung des gesamten Lebens unter die staatliche monopolisierte wirtschaftliche Dominanz überwindet – ohne die Welt im Gegenzug dem unkontrollierten Zugriff globaler Monopole auszuliefern, versteht sich.

Das dies keine Tagesaufgabe ist, liegt auf der Hand. Mehr als ein Einfrierender laufenden Konflikte auf dem Niveau des prekären globalen Patts ist vor diesem Hintergrund nicht zu erwarten – weder von Trump noch von Putin. Wenn es gut kommt, schaffen sie es, das Patt zu halten. Das könnte die Basis sein, die Botschaft von Helsinki neu aufzugreifen, erweitert um die Aufgabe, Wege zur Entflechtung des einheitlichen Nationalstaats zu suchen, die es erlauben, Beziehungen zwischen den Menschen zu entwickeln, die nicht von ökonomisch dominierten Staatsinteressen monopolisiert werden, sondern am Wohl des Einzelnen und seiner Gemeinschaft orientiert sind.

Kai Ehlers, info@kai-ehlers.de / https://kai-ehlers.de/ 

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Aktuell:

Ukraine, Syrien, Korea
Stichwort: ‚Eingefrorene Konflikte‘ und ‚failed-states‘: Minen des Jahrhunderts. Bestandsaufnahme und Analyse des aktuellen Propagandakrieges

Kann Deutschland neutral sein?
Stichwort: Überlegungen zur Rolle Deutschlands als Scharnier und Mitte im Ost-West-Konflikt

Angst vor Russland, warum?
Stichwort: Putin im Fadenkreuz – Warum und wie Russland das durchhalten kann. Eintauchen in die Frage der russischen Autarkie

Europa ohne Russland? Kann es Europa ohne Russland geben?
Stichwort: Betrachtungen zu paradoxen Verbundenheit und Russland und Europa.

Was treibt die Menschen in den Krieg?
Stichwort: Egoismus, Altruismus, ethischer Individualismus

Bündniskarussell - Neugruppierung der Weltmächte?
Stichwort: Trump, Putin, Xi Jinping - neue Weltordnung oder neue Fronten?

‚Aus für die NATO‘?
Stichwort: NATO in der Krise – oder entstehen nur neue Formen des Krieges?

Nachdenken über Deutschland
Stichwort: Deutscher Geist – Segen oder Fluch?

Was ist am Islam so attraktiv?
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Regionalisierung – Signal wofür?
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Russland:

Angst vor Russland – warum?
Stichwort: Putin im Fadenkreuz – Warum und wie Russland das durchhalten kann. Eintauchen in die Frage der russischen Autarkie und Unberechenbarkeit.

Putin: Aggressor oder Krisenmanager?
Stichwort: Blick auf Putins Konsenspolitik

Was kommt nach Putin?
Stichwort: Putin als interner und externer Krisenmanager und seine Grenzen.

kai_ehlers_russland_aufbruch_oder_umbruch_zwischen_alter_macht_neuer_ordnung_kritisches_netzwerk_russische_transformation_smuta_parallelgesellschaft_vielvoelkerorganismus_vielvoelkerstaat.jpgWas ist das Russische an Russland?
Stichwort: Vielvölkerorganismus statt Nationalstaat

Russland – Entwicklungsland neuen Typs?
Stichwort: Nicht sozialistisch, nicht kapitalistisch – was dann?

Auf der Suche nach der russischen Idee. Skizze aktueller Ansätze.
Stichwort: Gibt es einen russischen Nationalismus? Dreigliederung – Traum oder Weg aus der globalen Krise?

Russland ohne Europa?
Stichwort: Ist Russland ohne Europa und Europa ohne Russland denkbar?

Von Russland lernen?
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Russland in Eurasien – immer noch ‚Herzland‘?
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Modell Kasan
Stichwort: Beispiel eines säkularen Islam in Russland

Europa:

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EU – Puffer zwischen USA und Russland?
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Stichwort: Geschichte und mögliche Zukunft deutsch-russischer Zusammenarbeit

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Stichwort: Gibt es einen spezifischen deutschen Charakter?

Generell:

Krise des Nationalstaats und Perspektiven der Dreigliederung heute
Stichwort: Ist die Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus inzwischen zur historischen Notwendigkeit herangereift?

Krise des Nationalstaats?
Stichwort: Kommunalisierung, Regionalisierung, Föderalisierung, Dreigliederung von Wirtschaftsleben, Geistesleben, Rechtsleben – bilden sich heute neue Formen des sozialen Organismus heraus? Oder erlebt die Welt einen Rückfall in Nationalismus?

Hat Mitteleuropa heute noch eine Aufgabe zwischen westlichem Herrschaftsanspruch und östlichem Kulturkeim?
Stichwort: Rückblick auf das zurückliegende Jahrhundert 1917-2017. Ist eine Vermittlung von westlichen Individualismus und östlichen Gemeinschaftstraditionen möglich?

Heimat in der Globalisierung – was kann das sein?
Stichwort: Gemeinschaftsbildung, Wahlfamilie und Beziehungsgesellschaft.    

Migration, Revolte, Terror, Revolution – eine notwendige Reihe?
Stichwort: Kann es eine gewaltfreie Lösung der globalen Krise geben?

Kapitalismus, Sozialismus, Dreigliederung – ein Lernprozess?
Stichwort: Russische Revolution, realer Sozialismus – nur ein gescheitertes Experiment oder eine Lehre für die Zukunft?

Großbritannien / USA – Russland: eine historische Polarität.
Stichwort: Westen/Osten, Seemacht/Landmacht Neue Welt / alte Welt.

Präventionswahn – neue Formen der Eugenik.
Stichwort: Strategien gegen die ‚Überflüssigen‘ von heute und morgen.

► Bild- und Grafikquellen:

kai_ehlers_russland_aufbruch_oder_umbruch_zwischen_alter_macht_neuer_ordnung_kritisches_netzwerk_russische_transformation_smuta_parallelgesellschaft_vielvoelkerorganismus_vielvoelkerstaat.jpg1. EU - RUSSLAND - USA - WÜRFEL. Obwohl Putins Vorstellungen von einer übergreifenden Sicherheitspartnerschaft mit den USA selbstverständlich auch Europa, konkret die Europäische Union mit einschließen, fürchten sich deren Politiker, übergangen und von Abmachungen zwischen den beiden Kontrahenten zerdrückt zu werden. Das darf man zunächst einmal als politische Hysterie einordnen. China hält sich zurück. Grafik: Balkan Photos / BalkanPhotos. Quelle: Flickr. Lizenz: CC0 1.0 Universell (CC0 1.0) Public Domain Dedication - Kein Urheberrechtsschutz.

2. Flaggenkombination USA - Russische Föderation: Konkurrenz der Nationalstaaten. Grafik: Balkan Photos / BalkanPhotos. Quelle: Flickr. Lizenz: CC0 1.0 Universell (CC0 1.0) Public Domain Dedication - Kein Urheberrechtsschutz.

3. Buchcover: "Russland: Aufbruch oder Umbruch Zwischen alter Macht und neuer Ordnung. Gespräche und Impressionen." von Russlandforscher Kai Ehlers. Verlag: Futurum (Pforte Entwürfe 2005), ISBN: 978-3-85636-184-6 .

Aus dem Inhalt:

Putins ‹Politik der Stärke› – Rückfall in den totalitären Staat?

Parteien und außerparlamentarische Bewegungen: Gibt es politische Alternativen?

Anti-Globalisierungs-Einerlei zwischen Protest und Resignation

Die Entwicklung des Kooperativwesens: seelische und materielle Grundlagen des Überlebens

Aufhebung der Lohnarbeit: Abkehr von den Zwängen der Marktwirtschaft und das neue Verlangen nach kooperativen Strukturen

Neue Formen der Selbstorganisation

kai_ehlers_die_kraft_der_ueberfluessigen_macht_ueberfluessigsein_bedarfsgesellschaft_selbstorganisation_kritisches_netzwerk_russland_ueberlebenskampf_eugenik_terra_nova.jpgDie Kriegserklärung der Modernisierer gegen Selbstversorgungsstrukturen

Funktionswandel des Staats und Entwicklung eines neuen Staatsverständnisses

4. Buchcover: "Die Kraft der Überflüssigen und die Macht der Über-Flüssigen."; von Kai Ehlers; Erweiterte und kommentierte Neuauflage Dezember 2016;

Überflüssig? Abgedrängt? Kein Ausweg? Keine Perspektive? Nur noch der große Crash? Nur noch Selektion von Nützlichen und nicht Nützlichen? Oder Revolten?

Schauen wir genau hin: Die „Überflüssigen“ sind nicht das Problem, das entsorgt werden müßte – sie sind die Lösung. Sie sind Ausdruck des über Jahrtausende angesammelten Reichtums der Menschheit – wirtschaftlich, sozial und kulturell. Sie sind Ausdruck der Kräfte, welche die Menschheit heute zur Verfügung hat, um vom physischen Überlebenskampf aller gegen alle in eine ethische Kulturgemeinschaft überzugehen, die am Aufstieg des Menschen zum Menschen orientiert ist und keinen Menschen mehr ausschließt.

Das vorliegende Buch zeigt: Wer die „Überflüssigen“ sind, welche Kräfte in ihrem „Überflüssigsein“ liegen, welchen Widerständen bis hin zu eugenischen Selektionsphantasien der heute Mächtigen ihr Aufbruch ausgesetzt ist, welche Kraft die „Überflüssigen“ bilden, wenn sie sich entschließen, ihr Leben selbst zu organisieren – und schließlich, wie der Weg der Selbstorganisation in einer neuen, sozial orientierten Gesellschaft aussehen könnte. KAUFTIPP!