Entwicklung der Reallöhne im Jahr 2017: eine magere Bilanz

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Entwicklung der Reallöhne im Jahr 2017: eine magere Bilanz
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Entwicklung der Reallöhne im Jahr 2017: eine magere Bilanz

von Markus Krüsemann / miese-jobs.de  

Der im vierten Quartal 2017 schwächelnde Nominallohnanstieg hat die Lohnentwicklung für das Jahr 2017 zum Schluss noch einmal nach unten gezogen. Im Verein mit einer gegenüber den Vorjahren deutlich erhöhten Inflationsrate blieb den Lohnabhängigen am Ende nur ein Mini-Reallohnplus von 0,8 Prozent.

Die abhängig Beschäftigten durften ein wenig am Glas nippen, den großen Schluck aus der Pulle haben andere genommen, so könnte man die Lohnentwicklung für das Jahr 2017 beschreiben. Wie das Statistische Bundesamt (DESTATIS) am 23. März 2018 meldete, sind die um Preissteigerungen bereinigten Löhne der vollzeit-, teilzeit- und geringfügig beschäftigten ArbeitnehmerInnen im Produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich im Jahr 2017 um magere 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

Damit haben die Löhne zwar im vierten Jahr in Folge inflationsbedingte Wertverluste mehr als ausgeglichen, doch reichen die im Vergleich zum Vorjahr sogar etwas höheren nominalen Verdienstanhebungen nicht mehr aus, um die Erwerbstätigen über ein ordentliches Reallohnplus vom kräftigen Wirtschaftswachstum (Wachstum des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts 2017: +2,2 %) wenigstens einigermaßen angemessen profitieren zu lassen.

Entwicklung der Real- und der Nominallöhne 2008 bis 2017 (in Prozent)

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Vor allem die bescheidene Nominallohnentwicklung im vierten Quartal 2017 hat die Jahresbilanz heruntergezogen. Mit einem Plus von 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal wurde die schwächste Steigerung seit anderthalb Jahren eingefahren. Bei einer gleichzeitigen Preissteigerungsrate von 1,8 Prozent blieb am Ende ein reales Plus von gerade mal 0,5 Prozent übrig. Eine geringere Reallohnsteigerung gab es zuletzt im vierten Quartal 2013, dem Jahr der Reallohnverluste.

► Das Sozialprodukt wird ungerecht verteilt

Eine schwache Lohnentwicklung kann verschiedene Ursachen haben. Fakt ist aber: Wenn die Entwicklung der Bruttolöhne- und gehälter hinter der Steigerung von Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen zurückbleibt, dann profitieren die abhängig Beschäftigten zu wenig vom gerade auch durch ihre Arbeit geschaffenen Wohlstand, dann stimmt etwas nicht bei der Verteilung des Sozialprodukts. Genau dies ist aber seit dem Jahr 2003 der Fall, wie die folgende Grafik zeigt.

Entwicklung der Arbeitnehmerentgelte und Gewinneinkommen in Deutschland

Indexdarstellung; Basisjahr 1991 (=100)

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So sind die Bruttolöhne zwischen 2003 und 2016 nur um gut 53 Prozent angestiegen, während die Unternehmens- und Vermögenseinkommen im gleichen Zeitraum um 73,5 Prozent zulegen konnten. Der starke Anstieg bei Unternehmensgewinnen und Vermögen ist sozusagen das Spiegelbild der schwachen Lohnentwicklung. Von dem insgesamt gestiegenen Verteilungsvolumen und damit vom Wohlstand haben die ArbeitnehmerInnen in den vergangenen Jahren nur unterproportional profitiert, eine Entwicklung, die sich mit ziemlicher Sicherheit auch 2017 fortgesetzt hat.

Das ist zuletzt auch dem neuen Arbeits- und Sozialminister, Hubertus Heil, „aufgefallen“, übrigens jener Heil, der erst als entschlossener Befürworter, dann als hartnäckiger Verteidiger der neoliberalen Agendapolitik u.a. ja mitverantwortlich für die Aufblähung des Niedriglohnsektors ist. Quasi zu Amtsantritt forderte er medienwirksam höhere Löhne, damit auch Arbeitnehmer „von der guten Wirtschaftsentwicklung profitieren“. Gut gebrüllt, Löwe. Mal sehen, ob andere Taten als in der ersten Dekade des neuen Jahrtausends folgen werden.

Markus Krüsemann
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Quellen:

Pressemitteilung Nr. 107 des Statistischen Bundesamtes (BA) vom 23.03.2018. >> weiter.

Arbeitsminister Heil fordert höhere Löhne in Deutschland“, DerWesten.de vom 19.03.2018. >> weiter.



► Quelle: Erstveröffentlicht durch Markus Krüsemann am 24. März 2018 auf dessen Infoportal miese-jobs.de >> Artikel. Verbreitung des Textes unter der CC-Lizenz Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland (CC BY-NC-ND 3.0 DE). Die beiden Grafiken sind Bestandteil des Originlartikels.

► Bild- und Grafikquellen:

1. Grafik 1: Entwicklung der Real- und der Nominallöhne 2008 bis 2017 (in Prozent). Quelle: Statist. Bundesamt: Reallohnindex.

2. Grafik 2: Entwicklung der Arbeitnehmerentgelte und Gewinneinkommen in Deutschland, Indexdarstellung; Basisjahr 1991 (=100). Quelle: Volkswirtschaftl. Gesamtrechnung (VGR) des Statistischen Bundesamts.