Karin Leukefeld: "… weil es nicht so läuft, wie die USA sich das vorgestellt haben"

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Karin Leukefeld: "… weil es nicht so läuft, wie die USA sich das vorgestellt haben"
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"… weil es nicht so läuft, wie die USA sich das vorgestellt haben"

von Redaktion NDS

Karin Leukefeld, seit vielen Jahren anerkannte Nahost-Expertin, hat auf Einladung von Attac-Augsburg im Zeughaus einen Vortrag gehalten zum Thema: Jemen – Der vergessene Krieg und die aktuelle Situation am Golf (USA-Iran). Der Vortrag wird demnächst im Internet nach zu verfolgen sein. Im Interview kommen Aspekte zur Sprache, die im Vortrag keine so große Rolle spielten. Wir dokumentieren das Interview im folgenden. Die Fragen stellte P. Rapke.

P. Rapke: Welche Rolle spielen der Iran und der Jemen in den geostrategischen Plänen der USA und welche Pläne sind das?

Karin Leukefeld: Die Region in der Iran und Jemen liegen ist eine Region reich an Rohstoffen, Öl und Gas, und sie ist eine strategisch wichtige Region für Transportwege. Also 25% der weltweiten Erdölvorkommen sind in dieser Region der arabischen Halbinsel und der Iran hat ja auch sehr große Vorkommen. Wir haben westlich der Arabischen Halbinsel das Rote Meer und den Suezkanal, sehr wichtige Transportwege. Und wir haben östlich der Arabischen Halbinsel den Persischen Golf mit Zugang zu den Erdölfeldern im Süden des Irak, Kuwaits, Bahrain, Katar. Das sind alles sehr wichtige Ressourcen und Europa aber auch die USA sind Abnehmer des Öls und des Flüssiggases aus Katar. Um diese Region weiter zu sichern, gibt es diesen militärischen Aufmarsch in dieser Region schon seit dem 2. Weltkrieg. Es geht weiter zurück bis in die Kolonialzeit. Frankreich, Großbritannien im 19. Jahrhundert. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass die Situation in Syrien nicht so läuft, wie sich die USA das vorgestellt haben.

P. Rapke: Es sieht so aus als würden die USA eine Art Entscheidungsschlacht herbeiführen wollen, ökonomisch und vielleicht auch militärisch. Nicht nur im Nahen Osten sondern global. Warum ausgerechnet jetzt?

Arabisches_Rotes_Meer_Arabian_Red_Sea_Persischer_Golf_von_Aden_Oman_Strasse_von_Hormus_Strait_of_Hormuz_Iran_United_Arab_Emirates_VAE_Irak_Kritisches_Netzwerk_MeereKarin Leukefeld: Das hat unterschiedliche Aspekte. Es gibt einen innenpolitischen Aspekt in den USA. Die Administration ist ja in sich gespalten. Es gibt unterschiedliche Ansatzpunkte im Außenministerium, im Pentagon und im Weißen Haus, es gibt Konkurrenz und Widersprüche. Und es hat einen regionalen Aspekt mit der Situation in Syrien und im Irak, weil es mit dem Sturz der Regierung in Damaskus auf der einen Seite und den politischen Veränderungen im Irak zugunsten des Iran nicht so läuft, wie die USA sich das vorgestellt haben. Der Iran hat einfach sehr viel mehr Einfluss in der Region bekommen - im Grunde seit der völkerrechtswidrigen US-amerikanischen Intervention 2003.

Auf der anderen Seite gibt es eben den wachsenden Einfluss Russlands, also die Stärkung Russlands in der Region. Last but not least hat es natürlich mit China zu tun. Die Region ist Teil des Neuen Seidenstraßen Projektes von China und gerade die Häfen im Persischen Golf, im Roten Meer, der Suezkanal, die Häfen der Levante, also von Libanon und Syrien sind Teil dieses Projekts.

Wir befinden uns in einer Zeit, in der die Rohstoffe knapper werden und eine internationale Auseinandersetzung sich beschleunigt, um den Zugang zu den Rohstoffen und um ihre geostrategische Kontrolle. In diesem Zusammenhang muss man das sehen.

P. Rapke: Können Sie sich vorstellen, dass die USA militärisch eingreifen?

Karin Leukefeld: Im Augenblick nicht, denn es gibt eine ganz offensichtliche Diskrepanz zwischen dem nationalen Sicherheitsberater John Robert Bolton, ein Hardliner, der unbedingt den Krieg im Iran will, und dem Außenminister Mike Pompeo, ehemaliger Chef des CIA, der lieber andere Mittel anwenden möchte, um den Iran langsam, langsam zu destabilisieren.

Auch US-Präsident Trump hat eigentlich nicht vor, diesen Krieg zu befeuern, sondern will den Iran durch wirtschaftlichen Druck (Sanktionen) in die Knie zwingen. Da sind sie sich uneinig. Und der Iran ist auch nicht mehr der Iran von vor 20 oder 30 Jahren. Der Iran ist militärisch stark und hat mit Russland einen Verbündeten. Es gibt sehr viele Militärbasen in der Region, eben der USA aber auch Großbritanniens, Frankreichs, der NATO insgesamt, die natürlich Ziel des Irans würden, wenn die USA den Iran oder auch Israel angreifen. Das ist gemeint mit den nationalen Interessen die die USA vorgeben, dort zu verteidigen. Auf der einen Seite sagen sie: ihr dürft uns nicht angreifen, auf der anderen Seite haben sie aber auch Angst davor, dass angegriffen wird.

P. Rapke: Ist Saudi-Arabien so eine Art Stellvertreter der USA, der ausprobieren soll, was sich tut, wenn Saudi-Arabien z. B. im Jemen Krieg führt. Wie weit kann diese Allianz gehen?

Karin Leukefeld: Die USA haben Saudi-Arabien lange Zeit benutzt um dort für sich die Ölinteressen zu sichern. Das ist eine langfristige Perspektive und fing nach dem 2. Weltkrieg an. Es gab damals, also 1945, das Treffen von König Saud und Roosevelt, wo das besprochen wurde. Die saudisch-amerikanische Ölgesellschaft ARAMCO besteht seit den 30er Jahren. Das Verhältnis Saudi-Arabien – USA war lange Zeit geprägt nach dem Motto: wir beschützen euch und ihr sichert uns das Öl. Mit Trump hat sich das geändert. Der sagt jetzt: ihr müsst auch dafür bezahlen, nicht nur in Öl, sondern auch in Cash.

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Trump ist Lobbyist der Rüstungsindustrie in den USA. Die freuen sich über gigantische Aufträge. Trump macht das alles sehr offen. Er zeigt auch gerne, was die Saudis alles gekauft haben. Es ist völlig klar, dass wenn so viele Waffen an einem Ort sind, die auch eingesetzt werden. Die Rüstungsindustrie lebt ja davon, dass Waffen eingesetzt werden. Dass nicht nur Saudi-Arabien, sondern auch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) zu einer Art Söldnerheer für die USA werden, hat sich besonders mit dem Krieg in Syrien nochmals verstärkt. Die Diskussion über eine arabische NATO, dass die Golfstaaten enger angebunden werden, soll unter der Führung Israels langsam umgesetzt werden. Kooperationsverträge haben sie ja sowieso schon.

P. Rapke: Geht das?

Karin Leukefeld: Israel hat ja mittlerweile klar gemacht, dass sie Kontakt haben zu den Golfstaaten, mit Katar auch schon lange mit Saudi-Arabien. Und im Zuge dieses sogenannten Jahrhundertdeals von Trump, Frieden zwischen Israel und den Palästinensern zu machen, basiert diese Vorstellung auch darauf, dass sich arabische Staaten mit Israel zusammentun, um die Palästinenser und diejenigen, die sie noch unterstützen, unter Druck zu setzen. Es ist auch ein Wirtschaftsplan, der umgesetzt werden soll. Das Ziel der USA ist, selber aus der Region mehr zurückzutreten, weil die vielen Kriegseinsätze innerhalb der US-Gesellschaft starke Verwerfungen mit sich bringen. Deshalb wollen sie vermehrt andere für sich kämpfen lassen. Ob das private Einsatzkräfte sind, sogenannte Sicherheitsdienste, kann dann jedoch immer unterschiedlich aussehen.

P. Rapke: Was bedeutet die vorläufige Niederlage in Syrien und ihr schwindender Einfluss im Irak für die US-amerikanische Militärstrategie?

Karin Leukefeld: Diese Formation (Kooperation mit Israel P. R.) ist instabil, weil diese Politik nicht von allen arabischen Staaten getragen wird. Sie sind nämlich damit konfrontiert, dass wenn die USA nicht mehr als Schutzmacht zur Verfügung stehen, sie ihre eigne Position stärken müssen, sich ihren Nachbarn zuwenden und zum anderen, dass sie sich an Schutzmächte wenden, die aktuell in der Region stärker und zuverlässiger sind als die USA.

Das ist Russland und wirtschaftlich ist das China. Die EU spielt eigentlich hier überhaupt keine Rolle. Die EU ist in ihrer Politik so eng an die USA gebunden, dass sie in den arabischen Ländern keine große Bedeutung hat. Das sehen wir konkret am Irak. Der Irak ist ja 2003 völkerrechtswidrig besetzt worden. Das hat dazu geführt, dass der Einfluss des Iran, mit dem G. W. Bush damals kooperiert hatte, größer wurde und nicht der Einfluss der USA. Der Irak ist ein religionsmäßig mehrheitlich schiitisches Land … und gerade die letzten Parlamentswahlen zeigen deutlich, dass der Irak mit dem Iran kooperieren will und gegenüber den US-Truppen und der westlichen Präsenz sehr kritisch ist. Die USA haben sich hier völlig verrechnet, den Irak haben sie langfristig verloren. Der Irak hat eine ganz klare Zusammenarbeit mit Syrien, Russland und dem Iran. Militärisch und geheimdienstlich, alles unter den Augen der USA, die da gar nichts machen können.

P. Rapke: Ist es vorstellbar, dass Russland militärisch eingreift, wenn der Iran angegriffen wird, z. B. von Israel?

Karin Leukefeld: Das ist die 100000-€-Frage. Also Israel greift den Iran nach eigenen Aussagen schon in Syrien an. Sie bombardieren regelmäßig „iranische Stellungen“ in Syrien. Es gibt in Syrien keine großen iranischen Truppenverbände, auch wenn Syrien mit Iran kooperiert. Ich denke, noch hat die USA soviel Einfluss auf Israel, dass sie den Iran nicht angreifen. Und Russland, das ja sehr gute Kontakte zu Israel hat, bemüht sich durch Dialog zu vermitteln. Es gibt jetzt im Juni ein Treffen von Sicherheitsberatern Russlands, den USA und Israel in Jerusalem. Russland spricht mit den Iranern, den Israelis, es versucht alles, um die Probleme auf der Dialogebene zu lösen. Gleichzeitig drohen sie aber auch militärisch, indem sie z. B. diese neuen Luftabwehr-Systeme in Syrien stationiert haben und indem sie klar sagen: Iran ist unser strategischer Partner in der Region. Ich denke, wenn Israel den Iran angreift, wird die Hisbollah und der Iran zurückschlagen. Und Russland wird sich dazu verhalten müssen, wegen der eignen Truppen und Stützpunkte in Syrien in Tartus und Hmeimim. Russland wird aber alles tun, um eine solche militärische Auseinandersetzung zu vermeiden.

P. Rapke: Zum Jemen. Welche Gruppierungen spielen dort ein größere Rolle und in wessen Interesse oder Auftrag handeln die?

Karin Leukefeld: Der Jemen ist ein Mosaik. Es gibt unglaublich viele verschiedene Stämme dort. Diese Stämme kooperieren zum Teil mit der VAE oder mit Saudi-Arabien. Großbritannien spielt dort eine Rolle im Süden der Arabischen Halbinsel. Wir haben die international anerkannte Regierung unter dem Herrn Al Hadi. Er ist ein Mann Saudi-Arabiens und hat relativ wenig Gefolgschaft. Außer eben der Unterstützung aus Saudi-Arabien, der VAE und Europa. Diese Unterstützung ist größer als die innerhalb der Landes. Es gibt eine Art fortschrittliche Sammlungsbewegung auch im Süden um Aden herum. Diese Bewegung ist weder auf der Seite der Huthis noch auf der Seite Al Hadis. Sie ist allerdings sehr schwach, es gibt für sie keine internationale Unterstützung.

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Die Huthi-Bewegung aus dem Norden des Landes vertritt tatsächlich eine große Zahl der Jemeniten mit fast 50% der Bevölkerung. Militärisch werden sie unterstützt von der Hisbollah im Libanon und in gewisser Weise vom Iran, aber nicht in dem Maße wie die Al Hadi-Regierung durch Saudi-Arabien. Die Huthis haben z. B. keine Luftwaffe, sind aber sehr entschlossene Kämpfer. Die Bewegung hat eine lange Geschichte, ist verankert in der Bevölkerung, auch religiös. Sie sind Saiditen und gehören zur Familie der schiitischen Muslime, nicht aber in der gleichen Weise wie die Schiiten in Teheran. Al Hadi und die Sammlungsbewegung gehören zur Gruppe der sunnitischen Muslime.

Die Huthis haben es tatsächlich geschafft, zeitweise bis Aden vorzurücken, sind dann aber durch die Intervention Saudi-Arabiens 2015 wieder zurückgedrängt worden. Das sind die innerjemenitischen Organisationen, die eigentlich eine Rolle spielen. Wobei man sagen muss, dass die Stämme ihre Haltung immer wieder wechseln. Diese Stammesgesellschaft ist sehr schwer einzuschätzen. Und dann gibt es einen großen breiten Streifen des Landes, der sich vom Süden bis an die Grenze zu Saudi-Arabien zieht, der von der Al Kaida kontrolliert wird. Das sind Wahhabiten, wie in Saudi-Arabien. Auf der einen Seite sind sie ein Unsicherheitsfaktor für den gesamten Jemen, auf der anderen Seite sind sie ein Grund dafür, dass US-Spezialkräfte oder europäische dort im Rahmen des „Antiterrorkampfes“ intervenieren können.

P. Rapke: Frau Leukefeld vielen Dank.

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Karin Leukefeld, Jahrgang 1954, studierte Ethnologie, Islam- und Politikwissenschaften und ist ausgebildete Buchhändlerin. Seit dem Jahr 2000 ist sie als freie Korrespondentin im Mittleren Osten tätig und seit 2010 in Damaskus akkreditiert.

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Quelle: Dieser Text erschien als Erstveröffentlichung am 10. Juni 2019 auf den „NachDenkSeiten – die kritische Website“ >> Artikel. Die Formulierungen der Übernahmebedingung für Artikel der NachDenkSeiten änderte sich 2017 und 2018 mehrfach. Aktuell ist zu lesen:

"Sie können die NachDenkSeiten auch unterstützen, indem Sie unsere Inhalte weiterverbreiten – über ihren E-Mail Verteiler oder ausgedruckt und weitergereicht. Wenn Sie selbst eine Internetseite betreiben, können Sie auch gerne unsere Texte unter Nennung der Quelle übernehmen. Schreiben Sie uns einfach kurz an redaktion(at)nachdenkseiten.de und wir geben Ihnen gemäß unserer Copyrightbestimmungen eine Erlaubnis."

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KN-ADMIN Helmut Schnug suchte zur Rechtssicherheit ein Gespräch mit Albrecht Müller, Herausgeber von www.Nachdenkseiten.de und Vorsitzender der Initiative zur Verbesserung der Qualität politischer Meinungsbildung (IQM) e. V. Herr Müller erteilte in einem Telefonat und nochmal via Mail am 06. November 2017 die ausdrückliche Genehmigung. NDS-Artikel sind im KN für nichtkommerzielle Zwecke übernehmbar, wenn die Quelle genannt wird. Herzlichen Dank dafür.

ACHTUNG: Die Verlinkungen wurden von H.S. als Anreicherung gesetzt, ebenso wurde der Text an mehreren Stellen redigiert. Die Bilder und Grafiken sind nicht Bestandteil der Originalveröffentlichung und wurden von KN-ADMIN Helmut Schnug eingefügt. Für sie gelten ggf. folgende Kriterien oder Lizenzen, s.u..

Bild- und Grafikquellen:

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Wer ist Arbeiterfotografie? >> weiter. Bitte besuchen Sie auch das Reportage-Angebot unter www.arbeiterfotografie.com/reportage .

2. Das Arabische Meer ist ein Randmeer des Indischen Ozeans zwischen der Arabischen Halbinsel und Indien. Es hat eine Flächenausdehnung von 3,9 Millionen km². Seine größte Tiefe von 4481 Metern liegt im Süden.

Im Nordwesten grenzt es an den Golf von Oman, der wiederum mit dem Persischen Golf verbunden ist. Im Südwesten verbindet der Golf von Aden das Arabische Meer mit dem Roten Meer. Im Südosten grenzt das Arabische Meer an die Lakkadivensee. Die meisten Ozeanographen betrachten die Lakkadivensee als Teil des Arabischen Meeres. Weiter im Osten grenzt diese, bzw. das Arabische Meer im erweiterten Sinn, an den Golf von Bengalen.

Länder mit Küstenabschnitten am Arabischen Meer sind die Malediven, Indien, Pakistan, Oman, Jemen und Somalia. (Text: Wikipedia).

Urheber: Wiki-User Norman Einstein, derivative work: Hämbörger. Quelle: Wikimedia Commons. Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“ lizenziert.

3. Die Kontrolle über den Fluss des Erdöls nach Europa, Japan, China und in die anderen Bereiche der asiatischen Wirtschaft brachten den USA einen großen strategischen Vorteil. Karikatur von Carlos Latuff, einem "Politischen Karikaturist", geboren November 1968 in Rio de Janeiro, Brazil. Quelle: Wikimedia Commons. Dieses Werk wurde von seinem Urheber Carlos Latuff als gemeinfrei veröffentlicht. Dies gilt weltweit. Carlos Latuff (eigentlich Carlos Henrique Latuff de Souza) gewährt jedem das bedingungslose Recht, dieses Werk für jedweden Zweck zu nutzen, es sei denn, Bedingungen sind gesetzlich erforderlich. Sein Blog > latuffcartoons.wordpress.com

Die Aussage Henry Kissingers aus den 70ern "Control oil and you control nations, control food and you control the people." wurde in die Karikatur nachträglich von WiKa eingearbeitet. (⇒ Quelle für das Zitat).

4. Bin Salman - the Butcher of Yemen: Nach über tausend Tagen nach dem saudischen Bombenangriff auf den Jemen, der fast vollständig von Großbritannien und den USA ausgerüstet und unterstützt wird, fand am 7. März 2018 in London der erste große Protest von einigen hundert Menschen außerhalb der Downing Street statt. Urheber: Alisdare Hickson, Canterbury. Hickson is a passionate interest in the Arab world and especially in the Arab spring and popular protest. Please see his blog at www.arabspring.net. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0).    

Sie sind empört darüber, dass die britische Regierung nicht nur den roten Teppich für eine der brutalsten Familiendiktaturen im Nahen Osten ausrollt, sondern auch ganz bewusst den saudischen Terroranschlag auf zivile Ziele im Jemen, darunter zahlreiche Schulen und Krankenhäuser, erleichtert und unterstützt, in dem Wissen, dass dies die schwerste humanitäre Krise der Welt nur verschärfen wird.

Seit Beginn des Krieges im Jemen hat das Vereinigte Königreich Waffen im Wert von über 4,6 Milliarden Pfund exportiert, darunter Taifun- und Tornadoflugzeuge sowie Waffen und Paveway IV-Bomben, die im Jemen mit verheerenden Folgen eingesetzt wurden. Wir haben sogar die saudische Luftwaffe ausgebildet.

Am selben Tag des Protests gegen die Begrüßung von Mohammad bin Salman in der Downing Street starteten die britischen Mainstream-Medien eine massive Kampagne, um den Kronprinzen, der zum gefürchteten absoluten Herrscher Saudi-Arabiens geworden ist und dessen korruptes Regime ein gemütliches Verhältnis zu vielen der größten britischen Unternehmen hat, zu beschönigen.

Der Tod von Zehntausenden im Jemen war, wie mehrere Zeitungen behaupteten, im Vergleich zum Reformeifer des Prinzen von geringer oder gar keiner Bedeutung. Die Entscheidung, Frauen das Fahren zu gestatten und die Wiedereinführung von Kinos zu ermöglichen, wurde als Beweis dafür hervorgehoben, dass es sich um ein Regime handelt, das Großbritannien wirtschaftlich und diplomatisch unterstützen könnte und sollte. Dass die saudische Regierung gerade eine brutale Säuberung der politischen Gegner und der schiitischen Minotonie des Landes eingeleitet hat, wurde nicht als wichtig oder relevant angesehen.

Seit Hitler 1934 eine Säuberung seiner paramilitärischen SA einleitete, ist die britische Presse so weit gegangen, einen mörderischen Diktator zu loben. Dann wurde Hitler als moderierender Einfluss auf die Nazi-Partei gelobt. Dies war eine Täuschung, die von Hitlers Propagandaminister Jozeph Goebbels sorgfältig gepflegt wurde. Heute ist die saudische Diktatur auch hoch qualifiziert in der Entwicklung einer Propagandakampagne, um die sie Goebbels beneidet hätte, und das britische Spectator-Magazin hat sogar die MBS, eine Standardabkürzung des Namens des saudischen Tyrannen, mit dem Titel "Prince of PR...." ausgezeichnet.

MBS versteht deutlich, dass Bilder von toten und sterbenden Kindern im Jemen ihn teuer zu stehen kommen könnten. Deshalb hat er Hunderte von Millionen Dollar ausgegeben, um die britischen Medien und die Öffentlichkeit zu beeinflussen, indem er zahlreiche Seiten Werbung in mehreren Zeitungen, vor allem aber in der Financial Times kaufte, die für die Beeinflussung der britischen Wirtschaftselite so entscheidend ist. Ebenso wurden in ganz London Plakate aufgestellt, auf denen Bin Salman als "großer Reformer" gelobt wurde.

Wer sich von dem Versuch der Medien, das saudische Regime zu beschönigen, auch nur teilweise überzeugt fühlen könnte, sollte sich vorstellen, wie die Medien in einer anderen ähnlichen Situation reagieren würden. Nehmen wir an, der Iran, der umfassende Reformen eingeleitet hat und heute weitaus demokratischer ist als Saudi-Arabien, das bei der Durchführung von Wahlen nicht vorgibt, bombardiert seit drei Jahren israelische Zivilisten und tötet Zehntausende. Nehmen wir an, die britische Regierung begrüßt jetzt nicht nur den iranischen Führer, der London besucht, sondern verspricht, weiterhin britische Flugzeuge und Bomben an den Iran zu liefern, in dem vollen Wissen, dass dies bedeuten würde, dass mehr israelische Schulen und Krankenhäuser bombardiert würden und dass ein großer Teil der israelischen Bevölkerung an Cholera und Hunger sterben könnte. Wären die britischen Medien dann so unterstützend? Natürlich nicht, sie würden mit ziemlicher Sicherheit eine Militäraktion gegen den Iran fordern. Das genaue Gegenteil von dem, was sie jetzt tun!

Umfragen des Jemen Data Project, einer Gruppe von Akademikern, Menschenrechtlern und Experten für nationale Sicherheit, zeigten, dass bis 2016 mindestens ein Drittel aller saudischen Luftangriffe zivile Ziele getroffen hatten, wobei die Vereinten Nationen im Jahr 2017 schätzten, dass 5.000 Zivilisten durch den saudischen Bombenangriff getötet wurden. Die vorhersehbaren indirekten Folgen der Bombardierung waren jedoch noch katastrophaler.

Großbritannien ist nach wie vor an einem der schlimmsten Kriegsverbrechen des 21. Jahrhunderts beteiligt, indem es die Flugzeuge und Waffen liefert und diplomatische Unterstützung für den dreijährigen Bombenangriff Saudi-Arabiens leistet. Dies zusammen mit einer strengen Blockade der grundlegenden Importe von Nahrungsmitteln, Treibstoffen und anderen lebenswichtigen Gütern hat nach Angaben des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen die schwerste humanitäre Krise der Welt ausgelöst: 76% der Bevölkerung benötigen humanitäre Hilfe und 8,4 Millionen sind von Hungersnöten. Darüber hinaus haben sich inzwischen über eine Million Jemeniten mit Cholera infiziert, während sich ein neuer Ausbruch von Diphtherie rasch ausbreitet.

Während sich britische Medien auf angebliche iranische Verstöße gegen das Waffenembargo gegen den Jemen konzentrieren, schweigt man ohrenbetäubend über die verheerende Rolle britischer Flugzeuge und Waffen, wobei die Regierung allein im Jahr 2017 Waffenausfuhrgenehmigungen im Wert von 1,12 Mrd. £ an Saudi-Arabien erteilt. (Autor: Alisdare Hickson, Canterbury. Hickson hat ein leidenschaftliches Interesse an der arabischen Welt und besonders an dem Arabischen Frühling und dem Volksprotest. Bitte besucht seinen Blog >> www.arabspring.net. - übersetzt von H.S.)

5. Saudi Arabia massacres civilians in Yemen with U.K. assistance. - Saudi-Arabien massakriert Zivilisten im Jemen mit britischer Hilfe. Urheber: Alisdare Hickson, Canterbury. Hickson is a passionate interest in the Arab world and especially in the Arab spring and popular protest. Please see his blog at www.arabspring.net. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0).    

karin_leukefeld_flaechenbrand_syrien_irak_die_arabische_welt_der_islamische_staat_damaskus_damascus_kritisches_netzwerk_fruchtbarer_halbmond_fertile_crescent_syria_russland.jpg6. Buchcover "Flächenbrand - Syrien, Irak, die Arabische Welt und der Islamische Staat" von Karin Leukefeld. Verlag: PapyRossa Verlagsgesellschaft. ISBN 978-3-89438-577-4. Dritte grundlegend erweiterte u. aktualisierte Auflage April 2017.

Bis vor wenigen Jahren war Syrien ein aufstrebendes, heute ist es ein verbranntes Land. Millionen Menschen haben alles verloren, die Gesellschaft ist tief gespalten. Der von außen angeheizte Krieg, die politische Isolierung und die Sanktionen von USA und EU haben ebenso die aufblühende Ökonomie zerstört wie die syrische Reformbewegung. Nicht besser sieht es im Irak aus. Gesellschaftlich zerrüttet, konfessionell zerrissen, wirtschaftlich am Boden, von Terrorismus überzogen, so lautet das Ergebnis der US-geführten Militärintervention und Besatzungspolitik.

Nichtstaatliche Akteure wie der 'Islamische Staat' und andere Kampfverbände bestimmen hier wie in Syrien das Geschehen. Der Krieg mit seiner Flüchtlingskatastrophe destabilisiert aber auch zunehmend die Nachbarländer. Das Buch erläutert, wie und warum die Region des 'Fruchtbaren Halbmondes' – die Wiege der Zivilisation – in Flammen aufgeht, welche Auswirkungen dies auf die betroffenen Staaten und ihre Gesellschaften hat und welche Perspektiven sich abzeichnen. (Verlagstext).

Inhalt

Vorwort zur dritten Auflage . . . . . 7

Vorbemerkung des Verlags zur zweiten Auflage . . . . . 11

Vorwort zur ersten Auflage . . . . . 13

Teil I

Entwicklung und Lage in Syrien

1. Sechs Jahre Krieg in Syrien - Ein Rückblick . . . . . 20

2. Die Lage in Syrien - Zur nationalen und internationalen Ebene des Konflikts . . . . . 71

3. Aleppo, die Rolle Russlands und der kurdische Faktor . . . . . 97

Teil II

Syriens Nachbarn: Anrainerstaaten und Akteure

1. Die Lage in den Nachbarstaaten - Eine Einführung . . . . . 116

2. Die Türkei . . . . . 119

3. Der Irak . . . . . 139

4. Jordanien . . . . . 159

5. Israel . . . . . 173

6. Der Libanon . . . . . 191

7. Die Palästinenser . . . . . 212

Teil III

Befund: Flächenbrand

1. Regionale Interessen und Konkurrenzen in der Arabischen Welt . . . . . 228

2. Aufstieg und Fall der »Freunde Syriens« . . . . . 247

3. Im Irak und in der Levante: Der »Islamische Staat« . . . . . 255

Teil IV

Korrespondenzen aus Damaskus

1. Meine Arbeit in Damaskus - Warum ich immer wieder nach Syrien reise und doch keine Kriegsberichterstatterin bin . . . . . 276

2. Ein neues Kriegsjahr beginnt . . . . . 284

3. Ausblick . . . . . 288

Anhang

Dokumente  

1. Abschlusskommuniqué der Syrien-Aktionsgruppe, 2012 . . . . . 299

2. Stellungnahme der Internationalen Unterstützungsgruppe für Syrien (ISSG), 2015 . . . . . 301

3. Bericht des US-Militärgeheimdienstes DIA, 2012 . . . . . 304