Konzernatlas 2017: Beispiellose Fusionswelle in der Agrar- und Ernährungsindustrie

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Konzernatlas 2017: Beispiellose Fusionswelle in der Agrar- und Ernährungsindustrie
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Konzernatlas 2017

Beispiellose Fusionswelle in der Agrar- und Ernährungsindustrie

von Laurenz Nurk, Dortmund

konzernatlas_2017_daten_fakten_agrarindustrie_lebensmittelindustrie_kritisches_netzwerk_bayer_ag_monsanto_kritisches_netzwerk_lebensmittel_nahrungsmittel_syngenta_chemchina.pngImmer weniger Konzerne bestimmen weltweit über einen immer höheren Anteil der Lebensmittel- bzw. Nahrungsmittelerzeugung und Ernährung. Das stellt der Anfang des Jahres veröffentlichte Konzernatlas 2017 dar.

Er zeigt die enorme Konzentration in der Agrar- und Ernährungsindustrie auf, in denen durch Fusionen und Übernahmen weltweit immer weniger Unternehmen immer mehr Einfluss und Marktmacht erlangen. Die Leittragenden in dieser globalen Entwicklung sind die Kleinbauern und Landarbeiter und die Verbraucher, denen die regionale Lebensmittelversorgung zunehmend gekappt wird.

Die Herausgeber des Konzernatlas – Heinrich-Böll-Stiftung (hbs), Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS), Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), OXFAM Deutschland, GERMANWATCH und Le Monde Diplomatique (Le Diplo) – warnen davor, dass die laufenden Konzentrationsprozesse im Agrarsektor die 2015 beschlossenen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen gefährden. Weil die Konzerne immer wieder die Menschenrechte missachten, reichen freiwillige Maßnahmen nicht aus.

Der Konzernatlas 2017 ist eine umfassende Zusammenstellung von Fakten und Grafiken zur Agrarindustrie, die die zunehmende Konzentration in diesem Sektor aufzeigt.

In den Jahren 2015 und 2016 fanden fünf der zwölf kapitalintensivsten Übernahmen von börsennotierten Konzernen im Agrar- und Ernährungsbereich statt. Der Börsenwert der Fusionen im Landwirtschaftssektor übertraf vielfach den in anderen großen Branchen. So war der Wert der Fusionen von Unternehmen in der Agrar- und Lebensmittelindustrie mit 347 Milliarden Dollar im Jahr 2015 fünf Mal höher als der im Pharma- oder im Ölsektor.

Inzwischen kontrollieren nur noch vier Großkonzerne rund 70 Prozent des Welthandels mit Agrarrohstoffen. Drei Konzerne haben 50 Prozent des Weltmarkts für Landtechnik in der Hand. In Deutschland decken vier Supermarktketten 85 Prozent des Lebensmitteleinzelhandels ab und der Trend geht weiter.

Wenn die weltweit weiteren geplanten Mega-Fusionen stattgefunden haben, werden z.B. nur drei Konzerne mehr als 60 Prozent des globalen Marktes für kommerzielles Saatgut und für Pestizide beherrschen. Als Folgen der Konzentration im Ernährungssektor wurden schon seit langem Massenentlassungen, Höfesterben, Landkonzentration, Patente auf Saatgut und riesige Monokulturen sichtbar, begleitet von der zunehmenden Abhängigkeit für Bauern und Konsumenten und dem Rückgang der Vielfalt für Ernährung und Natur.

Derzeit ist das Geschäft mit Saatgut und Pestiziden stark umkämpft. Aktuell dominieren sechs Konzerne den Weltmarkt. Der deutsche Pharmakonzern Bayer AG steht davor, das US-Saatgutunternehmen Monsanto für 66 Milliarden Dollar zu übernehmen. Der chinesische Staatskonzern ChemChina ist bereit, 43 Milliarden Dollar für den Schweizer Agrochemiekonzern Syngenta zu zahlen. Die zwei großen DuPont und Dow Chemical verhandeln derzeit über eine Fusion. So werden Ende dieses Jahres noch drei Konzerne 70 Prozent des Welthandels mit Agrarstoffen beherrschen. Hier lautete das Motto: „Wer die Saat hat, hat das Sagen. Wer die Kontrolle über das Saatgut hat, hat sie über die Landwirtschaft und am Ende über die Welternährung“.

Die Konzentration der globalen Ernährungsunternehmen wird von einer aggressiven Haltung gegenüber Kritikern der fehlgeleiteten Landwirtschaft und dem Ausschalten der demokratischen Teilhabe begleitet. Notwendig wären stärkere Kontrollen im Agrar- und Ernährungsbereich, aber dies durchzusetzen ist bei der starken Lobby kaum zu realisieren.

Weitere Infos:

Zum Konzernatlas: www.bund.net/konzernatlas .PDF_Symbol.gif

Grafiken und Tabellen zum Download - weiter.

Nahrungsmittel = Lebensmittel? - weiter.

Laurenz Nurk, Dortmund. (Quelle: Konzernatlas 2017, WAZ)

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► Quelle: Erstveröffentlicht am 15.01.2017 auf gewerkschaftsforum-do.de > Artikel. Die Texte (nicht aber Grafiken und Bilder) auf gewerkschaftsforum-do.de unterliegen der Creative Commons-Lizenz (CC BY-NC-ND 3.0 DE), soweit nicht anders vermerkt.

► Bild- und Grafikquellen:

1. Frontcover: "KONZERNATLAS 2017 - Daten und Fakten über die Agrar- und Lebensmittelindustrie" - Januar 2017 - 52 Seiten.

Übernahmen wie von Monsanto durch Bayer oder die Aufteilung der Märkte von Kaiser’s/Tengelmann zwischen Rewe und Edeka sind nur die Spitze des Eisberges. Auf allen Stufen der Lieferkette vom Acker bis zur Ladentheke finden Konzentrationsprozesse mit einer enormen Dynamik statt. Mit dem Konzernatlas 2017 möchten wir eine breit geführte gesellschaftliche Debatte dazu anstoßen.

2. Buchcover: Dr. Max Otto Bruker: „Unsere Nahrung unser Schicksal“ - emu-Verlag .

3. - 7. Die Grafiken sind dem Konzernatlas 2017 entnommen. Die Herausgeber des Konzernatlas 2017 sind – Heinrich-Böll-Stiftung (hbs), Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS), Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), OXFAM Deutschland, GERMANWATCH und Le Monde Diplomatique (Le Diplo). Die Grafiken dürfen redaktionell frei verwendet werden, bitte geben Sie unbedingt als Quelle "Konzernatlas 2017" an.

8. Kollath-Tabelle. Lebensmittel - Nahrungsmittel. Grafik: © emu-Verlag, Lahnstein.

9. Buchcover: Prof. Werner Kollath (1892 – 1970) „Die Ordnung unserer Nahrung“