Neue WikiLeaks-Dokumente enthüllen Manipulationen des Chemiewaffenberichts

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Neue WikiLeaks-Dokumente enthüllen Manipulationen des Chemiewaffenberichts
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Neue WikiLeaks-Dokumente

. . . enthüllen Manipulationen des Chemiewaffenberichts

von Niles Niemuth

Am Freitag [27.12.2019] veröffentlichte WikiLeaks die vierte Serie interner Dokumente der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW). Diese Dokumente beinhalten weitere Enthüllungen über die Manipulation des offiziellen Berichts über einen angeblichen Chemiewaffenangriff im Jahr 2018 in Duma, einem Vorort von Damaskus, der damals durch islamistische Kräfte kontrolliert wurde, die von der CIA unterstützt werden. Das Ziel dieser Manipulation bestand darin, einen Angriff der USA, Großbritanniens und Frankreichs auf die syrische Regierung zu rechtfertigen.

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Aus den Dokumenten geht hervor, dass die von den Ermittlern gefundenen Hinweise systematisch unterdrückt wurden, weil sie erhebliche Zweifel an der offiziellen Darstellung Washingtons und seiner imperialistischen Verbündeten schürten. Laut dieser Darstellung hat die Regierung von Baschar al-Assad bewusst einen Angriff mit Chemiewaffen durchgeführt, dem bis zu 49 Menschen zum Opfer fielen.

Die USA, Großbritannien und Frankreich legten keinen Beweis dafür vor, dass Assads Militär für den angeblichen Angriff verantwortlich ist. Stattdessen wurden in den Leitmedien Videos von Kindern gezeigt, die angeblich unter den Folgen des Angriffs leiden. Er wurde dann als Rechtfertigung benutzt, um eine Woche später Ziele der syrischen Regierung anzugreifen. Der offizielle Bericht der OPCW wurde erst diesen März veröffentlicht, fast ein Jahr nachdem US-Präsident Donald Trump die Luftangriffe befohlen hatte, die einen Krieg mit dem Iran und Russland – den beiden wichtigsten Verbündeten Assads – hätten auslösen können.

Syrien-Syria-Damaskus-Kritisches-Netzwerk-Homs-Bashar-al-Assad-Giftgas Diese Serie von Enthüllungen durch WikiLeaks, gegründet von dem Journalisten Julian Assange, hat die Tatsache aufgezeigt, dass wichtige Beweise und abweichende Meinungen von Ermittlern, die in Duma vor Ort waren, aus der Endfassung des Berichts gestrichen wurden. Dies sollte den Eindruck erwecken, dass die OPCW zu dem Schluss gekommen sei, dass Assad am 7. April 2018 einen Chlorgasangriff durchgeführt habe. Reuters bestätigte Ende November die Echtheit der ersten Serie von E-Mails. WikiLeaks-Gründer Julian Assange ist derzeit Gefangener der britischen Regierung und wartet auf seine Auslieferung in die USA, weil er imperialistische Kriegsverbrechen im Nahen Osten aufgedeckt hat. [siehe Lesetipps unter diesem Artikel; H.S.]

Genauso außergewöhnlich wie die Leaks selbst ist die Tatsache, dass sie von den Leitmedien in den USA und Europa völlig totgeschwiegen werden. Trotz des brisanten Inhalts der bisher veröffentlichten Dokumente, die die angeblich objektive und neutrale OPCW als Werkzeug der USA und ihrer imperialistischen Verbündeten entlarven, haben die Leitmedien nicht in nennenswertem Umfang darüber berichtet. Genauso wenig haben die New York Times, die Washington Post oder irgendein anderes großes Presseorgan versucht, ihren Inhalt zu widerlegen.

Letzten Monat hatte der Newsweek-Reporter Tareq Haddad aus Protest seine Kündigung eingereicht, nachdem Redakteure seine Versuche, über die Leaks zu berichten, mit Zwangsmaßnahmen unterbunden hatten. Angesichts des offenbar erzwungenen Schweigens über diese jetzt öffentlich zugänglichen Dokumente muss man sich fragen, ob die CIA und das Außenministerium eine Zensuranweisung (ähnlich der einer britischen D-Notice) an die Redaktionen in den USA, Europa und anderen Kontinenten geschickt haben, um jede Enthüllung der Lügen zu vertuschen, die sie während der jahrelangen Bestrebungen zum Sturz Assads verbreitet haben.

Syrien-Syria-Bashar-al-Assad-Kritische-Netzwerk-Damaskus-Homs Zur aktuellen Serie von Dokumenten gehört eine E-Mail des Chefs der OPCW [Stellvertretender Ständiger Vertreter Frankreichs bei der OPCW; H.S.], Sebastien Braha, vom 28. Februar 2019, direkt vor der Veröffentlichung des endgültigen Untersuchungsberichts über den Vorfall in Duma. Darin forderte er, dass alle Spuren des Berichts des langjährigen OPCW-Inspektors und Ballistikexperten, Ian Henderson, aus der internen Datenbank der Organisation entfernt werden. Henderson ist in seiner Untersuchung zu dem Schluss gekommen, dass es viel wahrscheinlicher ist, dass die Zylinder, die als Quelle des Chlorgases identifiziert wurden, nicht aus der Luft abgeworfen, sondern am Fundort platziert wurden.

Braha schrieb zu Hendersons Bericht: „Bitte nehmen Sie dieses Dokument aus dem DRA [dem Urkundenarchiv] ... und bitte entfernen Sie, sofern vorhanden, alle Spuren, dass es im DRA eingegangen, gelagert oder sonst etwas damit getan wurde.“

In der Endfassung des Berichts war keine Rede mehr von Hendersons Untersuchungsergebnissen. Sie wurden erst publik, als sie an die Presse geleakt wurden. Der Bericht enthielt auch keine anderen abweichenden Ansichten von Ermittlern, die die Beweise in Duma ausgewertet haben. Ein Ermittler der Untersuchungsmission (Fact Finding Mission, FFM) in Syrien wies in einer E-Mail, die bereits zuvor von WikiLeaks veröffentlicht wurde, darauf hin, dass die Endfassung des Berichts so geändert wurde, dass sie „nicht mehr die Arbeit des Teams wiedergibt“.

Andere wichtige Details, die von den Ermittlern entdeckt wurden, waren u.a. die Tatsache, dass chlorhaltige organische Chemikalien nur in geringen Mengen gefunden wurden. Dies wurde ebenfalls aus dem Bericht gestrichen, sodass der Eindruck entstand, die Ermittler hätten eindeutige Beweise für einen Chlorgasangriff entdeckt.

Eine andere von WikiLeaks veröffentlichte E-Mail von Ende Juli 2018 stammt von Sami Barrek, dem Teamleiter der FFM, und ist an Henderson und mehrere andere Personen adressiert. Darin heißt es, von den acht Ermittlern, die in Duma vor Ort waren, dürfe nur einer an weiteren Diskussionen über die Endfassung des Berichts teilnehmen. Jonathan Steele, der ehemalige Auslandskorrespondent des Guardian, berichtete letzten Monat auf Counterpunch, dass ein OPCW-Whistleblower namens „Alex“ im gleichen Monat von einem Vorfall berichtete, bei dem sich drei anonyme amerikanische Regierungsvertreter mit Ermittlern mit abweichenden Ansichten trafen und ihnen erklärten, es bestehe kein Zweifel, dass Assad für den angeblichen Chlorgasangriff in Duma verantwortlich gewesen sei.

Das jüngste Leak umfasst auch die Protokolle eines Treffens zwischen einem Team von OPCW-Ermittlern und drei Toxikologen, bzw. klinischen Pharmakologen, und einem Bioanalytiker/toxikologischen Chemiker am 6. Juni, die allesamt Experten für den medizinischen Schutz vor Chemiewaffen sind. Der Zweck dieses Treffens mit den vier Experten bestand darin, dass sie dazu Stellung nehmen, ob eine Exhumierung der angeblichen Opfer des Angriffs zweckdienlich sei, um Beweise für Kontakt mit Chlorgas zu suchen. Sie sollten außerdem Videos und Fotos der angeblichen Opfer analysieren, um zu bestimmen, ob ihre Symptome mit denen der Opfer von Chlorgas oder reaktivem Chlorgas übereinstimmten.

Beim ersten Punkt einigten sich die Experten darauf, dass es angesichts der Bedingungen, unter denen die mutmaßlichen Opfer begraben wurden, unwahrscheinlich ist, dass sich Beweise für Kontakt mit Chlorgas finden. Deshalb hielten sie eine Exhumierung für sinnlos. Im zweiten und wichtigeren Punkt einigten sich die Experten laut dem Protokoll darauf, dass es nach Durchsicht der Videos und Fotos schlüssig sei, „dass es keinen Zusammenhang zwischen den Symptomen und Kontakt mit Chlorgas gibt“.

Der leitende Experte schilderte zwei Möglichkeiten für das OPCW-Team: dass es tatsächlich einen Chemiewaffenangriff gab oder dass der ganze Vorfall eine Propagandaaktion war. Die Experten betonten, dass Opfer eines Chlorgasangriffs nicht jeweils in der Mitte ihrer Wohnungen versammelt wären, so wie sie gefunden wurden. Sie wären vielmehr zu den nächsten Ausgängen gerannt, um zu sauberer Luft zu gelangen.

Das Team der OPCW kam nach dem Treffen mit den vier Experten zu dem Schluss, dass die „beobachteten Symptome nicht mit denen der Opfer von Chlorgas oder einer anderen möglichen Chemikalie übereinstimmen, die die Symptome verursacht haben könnte“.

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Marc-Machael Blum, der damalige Chef des OPCW-Labors, erklärte in einer E-Mail vom 28. August 2018 nach der Durchsicht des Protokolls, dass die Überlegungen des Chefexperten während des Treffens, dass der Vorfall in Duma inszeniert sei, „hauptsächlich auf die Tatsache zurückgehen, dass die Todesumstände der Opfer weniger den Opfern von Chlorgas ähneln als vielmehr Leichen, die für Propagandazwecke so hingelegt wurden“.

Diese Feststellungen der Ermittler und Experten, die das offizielle Narrativ widerlegen, erschienen ebenfalls nicht im endgültigen Bericht der OPCW.

Niles Niemuth


Lesetipps von KN-ADMIN H.S.: (Bitte auch die älteren Artikel lesen. Die Liste wird regelmäßig erweitert!)

"Assanges Aussage im Verfahren gegen UC Global. Menschenrechte im Fall Julian Assange massiv verletzt" von Thomas Scripps, 24. Dezember >> weiter.

"Assange suspected a Spanish security firm was spying on him in London. The cyber-activist gave witness testimony before a judge in Spain via videolink, and said he did not authorize anyone to record his conversations with his lawyers"; El País, Madrid, 21 DEC 2019 >> weiter.

"Mit der Zensur kommt unweigerlich die Tyrannei." Nils Melzer: Der UN-Sonderberichterstatter über Folter im Gespräch. Von Johannes Stern, 9. Dezember 2019 >> weiter.

"Spanish judge to question Julian Assange over Ecuador embassy spying claims. British authorities will finally allow a videolink interview with the WikiLeaks founder in a probe against a security firm that allegedly sent illegally obtained material to the CIA"; El País, Madrid, 29 NOV 2019 >> weiter.

"A massive scandal: how Assange, his doctors, lawyers and visitors were all spied on for the U.S.. La Repubblica has had access to the video and audio recordings of the Spanish company, UC Global, which spied on the WikiLeaks founder, his team of journalists and all of us who visited Assange at the Ecuadorian embassy for the last seven years. Video footage and audio recordings reveal an appalling violation of privacy. All the information gathered by UC Global was sent to US intelligence"; La Repubblica, by STEFANIA MAURIZI, 18 NOV 2019 >> weiter.

"Julian Assange ist ein Journalist" von Peter Frey / PEDS ANSICHTEN, 15. November 2019 >> weiter.

"Der Lynchmord an einem charismatischen Sonderling" von Diana Johnstone, 11. November 2019 >> weiter. (NDS-Übersetzung).

"The US trail of the man whose security firm spied on Julian Assange. Emails sent by David Morales, owner of UC Global, place him in Alexandria, in the state of Virginia, near the federal court that has been investigating the Australian cyberactivist for years"; El País, Madrid, 8 NOV 2019 >> weiter.

"Julian Assange im Gerichtssaal – Ein Schatten seiner selbst" von Craig Murray, 25. Oktober 2019 >> weiter. (NDS-Übersetzung).

"UK blocks Spanish judge from questioning Julian Assange over spying allegations. The magistrate has requested to interview the WikiLeaks founder by videoconference as a witness, and says the refusal by British judicial authorities is unprecedented"; El País, Madrid, 23 OCT 2019 >> weiter.

"Director of Spanish security company that spied on Julian Assange arrested. The owner of UC Global, David Morales, was detained in August and has since been released on bail. He is facing offenses related to violating the privacy of the WikiLeaks founder and passing the information on to the United States’ intelligence services."; El País, Madrid, 9 OCT 2019 >> weiter.

"Spanish security company spied on Julian Assange in London for the United States. Spain’s High Court is investigating the director of UC Global S. L. and the activities of his company, which had been hired to protect the Ecuadorian embassy in the English capital."; El País, Madrid, 26 SEP 2019 >> weiter.

"Australische Grüne verabschieden Antrag zu Assanges „Verteidigung“. Aber ihre Abgeordneten schweigen" von Oscar Grenfell, 3. September 2019 >> weiter.

"Spanish security company spied on Julian Assange in London for the United States. EL PAÍS has had access to video, audio and written reports showing that the WikiLeaks founder was the target of a surveillance operation while living at the Ecuadorian embassy in London."; El País, Madrid, 9 July 2019 >> weiter.

"Der Folterung von Julian Assange die Maske herunterreißen" von Nils Melzer, UN-Sonderberichterstatter über Folter. Sein Originalartikel mit dem Titel „Demasking the Torture of Julian Assange“ vom 26. Juni 2019 wurde von NDS am 08. Juli 2019 übersetzt >> weiter.

"Don’t Kill The Messenger! Freiheit für Julian Assange" von Mathias Bröckers, ersch. im WESTEND Verlag, Juli 2019 >> kurze Leseprobe.

"Anhörung zu Auslieferung von Assange an USA verlegt", von Moritz Müller / Red. NDS, Juni 2019 >> weiter.

"Julian Assange wird vergessen gemacht. Tagesschau lässt skandalösen Bruch internationalen Rechts aus der Froschperspektive betrachten.", von Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam, April 2019  >> weiter.

"Die 7 Jahre der Lügen über Assange werden jetzt nicht aufhören.", von Jonathan Cook, April 2019 >> weiter.

"Pressefreiheit und Whistleblower" - Diskussion mit Mathias Bröckers, Sevim Dagdelen, Dietrich Krauß (Dauer 44:24 Min.), 21.10.2019


► Quelle: WSWS.org > WSWS.org/de >> Erstveröffentlicht am 30. Dezember 2019 >> Artikel. Dank an Redakteur Ludwig Niethammer für die Freigabe zur Veröffentlichung. ACHTUNG: Die Bilder und Grafiken sind nicht Bestandteil der Originalveröffentlichung und wurden von KN-ADMIN Helmut Schnug eingefügt. Für sie gelten folgende Kriterien oder Lizenzen, siehe weiter unten. Grünfärbung von Zitaten im Artikel und zusätzliche Verlinkungen wurden ebenfalls von H.S. als Anreicherung gesetzt.

► Bild- und Grafikquellen:

1. Ankriffskrieg der USA gegen den souveränen Staat Syrien, um einen Regimewechsel herbeizuführen. Grafik: kalhh / kai kalhh, Hamburg. Quelle: Pixabay. Alle Pixabay-Inhalte dürfen kostenlos für kommerzielle und nicht-kommerzielle Anwendungen, genutzt werden - gedruckt und digital. Eine Genehmigung muß weder vom Bildautor noch von Pixabay eingeholt werden. Auch eine Quellenangabe ist nicht erforderlich. Pixabay-Inhalte dürfen verändert werden. Pixabay Lizenz. >> Grafik.

2. Syrien im Fadenkreuz. Quelle: Netzfund.

3. Cartoon: Khalaji, Fars News Agency, Iran. Quelle: SYRIA THE TRUTH - https://syriathetruth.wordpress.com/ .

4. Freiheit für Syrien. Das Victory-Zeichen (englisch victory ‚Sieg‘) ist eine Handgeste, bei der der Zeige- und Mittelfinger zu einem „V“ ausgestreckt werden, während der Ringfinger und der kleine Finger eingezogen bleiben. Der Daumen wird über die beiden Finger gelegt und die Handinnenseite zeigt vom Ausführenden weg. >> Grafikquelle.