Weiterer außenpolitischer Rückschlag in Spanien

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Weiterer außenpolitischer Rückschlag in Spanien
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Weiterer außenpolitischer Rückschlag in Spanien

von Jacob G. Hornberger

spanien_spain_madrid_barcelona_las_rambla_boulevard_la_rambla_cambrils_catalonia_katalonien_counterterrorism_lucha_contra_el_terrorismo_kritisches_netzwerk_reino_de_espana_terroranschlag.pngLetzte Woche starben weitere 13 Menschen in Spanien als Folge der US-Außenpolitik im Mittleren Osten und in Afghanistan. Nein, nicht durch Schüsse oder Selbstmordbomben, wie das oft bei „Rückschlägen“ (blowback) der Fall ist, sondern durch Mord per Fahrzeug. Ein von einem Terroristen gelenkter Lieferwagen tötete 13 Fußgänger und verletzte etwa 100 weitere.

Hier ein Ausschnitt aus einem Artikel über diese Angelegenheit in der New York Times, Aug. 19:

"Mehr als ein Jahrzehnt lang schien Spanien immun zu sein gegen die fortwährenden Ausbrüche islamistischer Gewalt, die andere europäische Länder erschüttert haben, in denen radikalisierte, oft aus armen Einwandererverhältnissen stammende junge Männer verheerende Attacken mit Bomben, Schusswaffen oder Fahrzeugen durchführten .... Jetzt beeilen sich die Behörden um die Frage zu beantworten, wie eine Gruppe, an der auch Jugendliche beteiligt sind, imstande war, eine gut geplante und koordinierte Attacke in einem Land auszuführen, das die Gefahr so lange abgewehrt hat, obwohl es ein dermaßen verlockendes und symbolisches Ziel für Islamisten war."

Was soll ein Leser von so etwas halten? Mir kommt vor, dass sich aus einer derartigen Stellungnahme logisch ergibt, dass Spanien vor einer Bedrohung durch islamischen Terrorismus steht – dass der Islam eine gefährliche Religion ist, zumindest wie er von religiösen Extremisten interpretiert wird – dass muslimische Extremisten uns auf den Pelz rücken, um ein weltweites Kalifat zu errichten – dass es nötig ist, islamische Jugend über die westliche Zivilisation zu unterrichten – und dass es notwendig ist, dass U.S.-Truppen dort sind und sie umbringen, ehe sie hierher kommen und uns umbringen.

Natürlich hörten wir diesen selben Quatsch schon während des Kalten Kriegs. Die Kommunisten waren beteiligt an einer internationalen Verschwörung, die ihren Sitz in Moskau hatte und deren Ziel es war, die Vereinigten Staaten und den Rest der Welt zu übernehmen. Überall steckten Millionen von ihnen, darunter unzählige Rote, die als "Fünfte Kolonne" hier in den Vereinigten Staaten dienten. Wenn nicht die US-Streitkräfte geschickt worden wären, um in Korea, Laos, Vietnam und anderswo zu kämpfen und zu sterben und Kommies zu killen, hätten die Dominosteine zu fallen begonnen und Amerika wäre letztendlich zur Gänze ROT.

Als ich den Artikel in der New York Times las, fragte ich mich: Werden sie überhaupt die Möglichkeit eines „Rückschlags” erwähnen, den Begriff, den Chalmers Johnson verwendete, um sein großartiges vor 9/11 erschienenes Buch „Blowback: The Costs and Consequences of America Empire?“ [1] Ja, in der Mitte des Artikels tauchte es auf einmal auf:

"Aber Spanien ragt nicht als wichtiges Ziel für islamistische Militante heraus. Wenn auch ein treuer NATO-Alliierter, hat das Land eine Nebenrolle im Krieg der Vereinigten Staaten gegen den Irak und Afghanistan gespielt. Sogar als sie aggressiv gegen terroristische Zellen vorgingen, haben sich die spanischen Anführer ihrer Bemühungen gerühmt, Moslems in die breite Masse der spanischen Gesellschaft zu integrieren".

Nachdem er Spaniens Rolle in der U.S.-Todesmaschine im Irak und in Afghanistan erwähnt und kleingeredet hatte, kam der Artikel zurück ins übliche Fahrwasser:

"Dennoch kann Spanien seiner symbolischen Bedeutung für Islamisten nicht entkommen, die tief in seiner Geschichte begründet liegt. Vom 8. bis 15. Jahrhundert wurde ein großer Teil der iberischen Halbinsel von muslimischen Kalifen regiert, und extremistische Websites sprechen oft fantasievoll von einer Rückkehr in das Zeitalter von Al-Andalus, unter welchem Namen das mittelalterliche Spanien bekannt war".

Die operativen Begriffe im voranstehenden Zitat sind „NATO-Alliierter” und „Nebendarsteller.” Die NATO, die von der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika kontrolliert und betrieben wird, hat eine führende Rolle gespielt bei Tod und Zerstörung, die die US-Regierung über Afghanistan und den Irak gebracht hat. Abgesehen davon ist jeder „Nebendarsteller“ bei einem Unternehmen genauso auch ein Mitspieler. NATO-Mitglieder und „Nebendarsteller“ bei der Tötung von Moslems und anderen durch die U.S.-Regierung sollen sich darauf einstellen, den Rückschlag zu erleiden, der mit Tod und Zerstörung verbunden ist, den die US-Kriegsmaschinerie gegen andere loslässt.

terroranschlaege_charlottesville_paris_barcelona_london_blowback_islamic_state_berlin_kritisches_netzwerk_terrorangst_counterterrorism_terrorist_attack_islamophobie_latuff.gifSomit ist all das Gerede über muslimische Geschichte oder über die Natur der muslimischen Religion oder über den angeblichen Hang der Moslems zu Gewalt oder über das sogenannte Streben der Moslems, ein weltweites Kalifat einzurichten, völlig irrelevanter Unsinn. Der islamistische Terrorismus gegen die Vereinigten Staaten, die NATO, Frankreich, England und andere NATO-Mitglieder und „Nebendarsteller“ in der U.S.-Todesmaschine ist nichts anderes als „Rückschlag,“ das heißt die unausweichliche Konsequenz der U.S.-Außenpolitik im Mittleren Osten und Afghanistan, die seit über 25 Jahren dabei ist, Moslems und andere umzubringen.

Wie wir das wissen? Einerseits erwähnte den ganzen Kalten Krieg über, als die Kommunisten das offizielle Schreckgespenst waren, kein Mensch jemals die sogenannte Bedrohung durch den Islam. Im Gegenteil, als die U.S.-Regierung auf einer Seite stand mit islamischen Extremisten in Afghanistan, als die Sowjetunion Afghanistan besetzte, waren amerikanische Interventionisten ausser sich und bejubelten die Unterstützung der US-Regierung für islamische Extremisten, von denen einige dann weitermachten und al-Qaida gründeten.

Es erhebt sich natürlich die Frage: warum schaffen es die Interventionisten nicht, sich einzugestehen, dass der islamische Anti-U.S.-Terrorismus lediglich die Konsequenz des Interventionismus der USA im Mittleren Osten und Afghanistan ist? Warum können sie nicht einfach sagen: „Spanien hat gerade 13 Tote und 100 Verletzte erlitten als ein Ergebnis der Teilnahme Spaniens am fortlaufenden interventionistischen Amoklauf der U.S.-Regierung im Mittleren Osten und in Afghanistan?“ Warum halten sie es für nötig, diese einfache Wahrheit mit all dem irrelevanten Quatsch über die muslimische Religion und islamische Geschichte zu beschönigen?

Ich glaube, dass das daran liegt, dass das nationale Sicherheitsestablishment der USA einschließlich der NATO insgesamt von den Interventionisten als heilig und sakrosankt betrachtet wird. Eindeutig und unmissverständlich zu erklären, dass das Pentagon und die CIA die Ursache für terroristische Rückschläge sind, ist für die Hirne der Interventionisten gleichbedeutend mit Ketzerei.

sensenmann_grim_reaper_messenger_of_death_donald_trump_missile_attack_strike_nato_syria_yemen_war_crimes_criminal_kritisches_netzwerk_middle_east_public_national_debt.jpgDarüber hinaus ist das Letzte was Interventionisten wollen, dass die Menschen beginnen, den Interventionismus und die Kosten und Folgen des Interventionismus zu hinterfragen. Besser soll man die Menschen in dem Glauben belassen, dass am Anfang der Kampf der USA gegen den Terrorismus stand, und dass es den U.S.-Interventionismus braucht, um den Terrorismus zu beenden.

Es überrascht nicht, dass die Interventionisten und die Massenmedien sich kaum jemals mit der Schweiz beschäftigen. Dort gibt es keine Attacken mit Fahrzeugen. Der Grund dafür ist, dass die Schweiz kein Teil der NATO ist und kein „Nebendarsteller“ bei dem seit 25 Jahre anhaltenden Morden der U.S.-Todesmaschine in Afghanistan und im Irak.

Seit die U.S.-Todesmaschine weiterhin im Mittleren Osten und in Afghanistan operiert, sollen sich die Bürger aller Länder, die bei dieser Mordaktion mitmachen, sei es als NATO-Partner oder als „Nebendarsteller,“ auf das Unvermeidliche einstellen - nämlich mehr Rückschläge - und sollen den irrelevanten Quatsch dabei aussparen. Es gibt nur einen Weg, den antiamerikanischen terroristischen Rückschlag zu beenden – nämlich alle Soldaten der Vereinigten Staaten zurück nachhause zu holen.

Jacob G. Hornberger

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[1] Chalmers Ashby Johnsons Buch "Blowback" erschien auch in deutscher Sprache: "Ein Imperium verfällt. Wann endet das Amerikanische Jahrhundert?"; Blessing, München 2000, ISBN 3-89667-109-X; als Taschenbuchausgabe: "Ein Imperium verfällt. Ist die Weltmacht USA am Ende?"; Goldmann, München 2001, ISBN 3-442-15158-9.

Ein weiteres Buch von Chalmers Johnson in dt. Übersetzung: "Der Selbstmord der amerikanischen Demokratie". Blessing, München 2003, ISBN 3-89667-226-6.

Die oben genannten empfehlenswerten Bücher findet man antiquarisch zum Schnäppchenpreis ab 3 € am besten bei booklooker.de >> voreingestellte Suche.

Booklooker.de


► Quelle: Erschienen am 21. August 2017 auf "Future of Freedom Foundation" >> Artikel.

Die Weiterverbreitung des Textes ist durchaus erwünscht. In diesem Fall bitte die Angabe der Webadresse www.antikrieg.com nicht zu vergessen! Die deutschsprachige Übersetzung wurde dort freundlicherweise von Klaus Madersbacher / A zur Verfügung gestellt. (Redigiert von KN-ADMIN H.S.)

► Bild- und Grafikquellen:

1. Spanien Flagge als Landkarte. Urheber: GDJ / Gordon Johnson. Quelle: Pixabay. Alle bereitgestellten Bilder und Videos auf Pixabay sind gemeinfrei (Public Domain) entsprechend der Verzichtserklärung Creative Commons CC0. Das Bild unterliegt damit keinem Kopierrecht und kann - verändert oder unverändert - kostenlos für kommerzielle und nicht kommerzielle Anwendungen in digitaler oder gedruckter Form ohne Bildnachweis oder Quellenangabe verwendet werden. 

2. CHARLOTTESVILLE - PARIS - BARCELONA - LONDON . . . - sad days when cars, trucks, vans became weapons of mass destruction. Cartoon / Karikatur von Carlos Latuff, einem "Politischen Karikaturist", geboren November 1968 in Rio de Janeiro, Brazil. Quelle: Wikimedia Commons. Dieses Werk wurde von seinem Urheber Carlos Latuff als gemeinfrei veröffentlicht. Dies gilt weltweit. Carlos Latuff (eigentlich Carlos Henrique Latuff de Souza) gewährt jedem das bedingungslose Recht, dieses Werk für jedweden Zweck zu nutzen, es sei denn, Bedingungen sind gesetzlich erforderlich. Sein Blog > latuffcartoons.wordpress.com

3. Sensenmann - Grim Reaper Donald Trump. Foto: IoSonoUnaFotoCamera. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-LizenzNamensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0).