Anfangen mit Frieden: Freiwirtschaft

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Anfangen mit Frieden: Freiwirtschaft

Mit welcher Wirtschaftstheorie kann die ungleiche Vermögensverteilung überwunden werden?

von Georg Lehle, Rothenburg o/T

Papst Franziskus prangert die ungleiche Vermögensverteilung und den Kapitalismus an, „diese Wirtschaft tötet“. Der französische Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty wies dementsprechend nach, dass Kapitalrenditen stärker als die Gesamtwirtschaft wachsen. Dies wird darin sichtbar, dass es im Kapitalismus mehr und mehr Super-Reiche und Arme gibt. Gleichzeitig herrscht zunehmend wirtschaftliche Stagnation oder Depression. Welche Wirtschaftstheorie kann das Problem der Ungleichheit und Stagnation lösen?

Die „WELTN24 GmbH“ beschreibt Pikettys Forschungsergebnisse so: „Seine Formel ist einfach: Weil in der Regel die Kapitalerträge höher sind als das Wachstum der Volkswirtschaft, ist Ungleichheit keine versehentliche Begleiterscheinung des Kapitalismus, sondern eine zwangsläufige Konsequenz.

Es gibt drei wesentliche Wirtschaftstheorien, aus der Krise herauszufinden. Die heute vorherrschende neoliberale Theorie (hier und hier) und auf der anderen Seite die keynesianische Theorie (benannt nach dem Wirtschaftswissenschaftler John Maynard Keynes) sowie die mit ihr verwandte Freiwirtschaftliche. Der Gründervater der „Freiwirtschaft“ ist Silvio Gesell.

Alle Theorien basieren auf zwei wichtigen Erkenntnissen:

bernd_senf_neoklassisch_geldfluss_realwirtschft_finanzmaerkte_sozialprodukt_einkommen_kapitaleinkommen_investitionen_wirtschaftskreislauf_kritisches_netzwerk_neoliberalismus.jpg► “Produktions-Einkommens-Kreislauf”

Durch Arbeit entsteht das Sozialprodukt (SP) (Waren und Dienstleistungen). Mit dem Verkauf des SP entsteht [Volks-]Einkommen [VE] (Arbeits-, Kapitaleinkommen). Das eingenommene Geld fragt das SP nach, ein anderer Teil wird gespart (S). Der gesparte Teil wird durch Investitionen (I) auch zur Nachfrage. Der Kreislauf ist geschlossen. Die Grafik rechts zeigt diesen Wirtschaftskreislauf.

► Geldvermögen entsprechen Verschuldung

Das Bargeld, was zur Bank gebracht und gespart wird, wird für den Einzahler zum Guthaben. Die Bank verleiht das Guthaben an Krediteure. So fließt das Bargeld wieder in den Wirtschaftskreislauf zurück. Die Bargeldmenge ist abgestimmt auf die Wirtschaftsleistung. In der Summe sind Geldvermögen und Verschuldung gleich groß, zwei Seiten einer Medaille.

1. Neoliberale, angebotsorientierte Wirtschaftstheorie

Die Europäische Kommission (kurz EU-Kommmission, EK) und Zentralbank (EZB) sowie der Internationale Währungsfonds (IWF) setzen diese Theorie gerade in Europa durch, etwa in Griechenland.

Die Ursache der wirtschaftlichen Misere läge nicht auf der Nachfrageseite, sondern im Gegenteil auf der Angebotsseite. Der Staat hätte „über seinen Verhältnissen“ gelebt und wäre deshalb überschuldet. Wie eine „schwäbische Hausfrau“ müsste er jetzt sparen. Wegen zu hohen Steuern würde Sparvermögen nicht investiert, weil es keine rentablen Anlagemöglichkeiten existieren. Daher müssten die Löhne gedrückt, der Sozialstaat gerupft und Arbeitnehmerrechte beschnitten werden, sowie Bürokratie abgebaut. Wegen Steuer- und Lohnerhöhungen in der Vergangenheit würde jetzt zunehmend der Anreiz bei Investoren fehlen, ihr Geld zu investieren.

Die Forderungen nach Einschnitten wird auch begründet, dass die heimischen Angebote in Zeiten globalisierter Märkte nicht konkurrenzfähig mit ausländischen Angeboten wären. Sogar im Inland würde die Leute die günstigeren ausländischen, importierten Produkte bevorzugen.

Wenn angebotsfreundliche Rahmenbedingungen geschaffen würden, würden die Renditeaussichten steigen und die Kapitalbesitzer ihr Geld investieren und wieder Arbeitsplätze schaffen.

Bewertung

Im Grunde ist für diese Theorie die Ursache der Krise, dass es noch zu wenig Ungleichheit gibt. Nach konsequenter Durchführung von Sozialabbau etc. wäre die Gesellschaft wie im Mittelalter re-feudalisiert. Anstelle der Feudalherren stünden Kapitalisten, ähnlich beim Spiel „Monopoly“.

Das Resultat der neoliberalen Reformen ist heute zu sehen: Es gibt immer mehr und mehr Geldvermögen. Grund- und Bodenbesitz sammelt sich bei einigen Super-Reichen an, die ihre Machtposition immer weiter ausbauen. Die Wirtschaft geht auf dieser Weise das Zahlungsmittel Bargeld aus und rutscht in eine Deflation.

Breite Massen der Bevölkerung haben kein Geld mehr. Die neoliberale Wirtschaftstheorie ignoriert diese Grundproblematik der Ungleichheit und schlägt daher auch keine Lösungsmöglichkeiten vor.

Eine weitere Schwachstelle dieser Theorie ist, dass die Renditeaussichten zwar kurzfristig steigen mögen, aber mittel- und langfristig wieder fallen. Die Nachfrage bricht durch die steigende Ungleichheit ein. Wer soll die kostengünstig produzierten Produkte kaufen, wenn die Leute immer weniger verdienen oder gar keine Arbeit und immer weniger Geld haben?


Dirk Müller (Mister Dax) - "Verarmung der Bevölkerung ist gewollt...!!!" (Dauer 7:51 Min.)

Überall in der Welt, wo diese neoliberale Theorie zur Anwendung kam, führte sie zur Ausbeutung und Niedergang des Mittelstandes, zu mehr Armut auf Kosten einer kleinen Minderheit von Super-Reichen, die im Luxus schwelgen. Eine weitere Konsequenz des Neoliberalismus ist eine eskalierende staatliche Überschuldung, die fundamental gegen die eigene Rhetorik verstößt. Es stellte sich heraus, dass sinkende Steuern zu wachsender Staatsverschuldung führen. Das beste Beispiel sind die USA. Es ist zwar Musterland der neoliberaler Wirtschaftstheorie, trotzdem sind die Wirtschaftsdaten (wegen der Ungleichheit) schwach, die Staatsverschuldung hoch. Hier wird auf eklatanter Weise sichtbar, dass es sich beim Neoliberalismus nur um ein Deckmäntelchen handelt, um die Gier der Reichen zu verdecken.

► Vermögen in den USA, Ideal und Wirklichkeit (brilliante Visualisierung) - Dauer 6:53 Min. (Übersetzung Dirk Hannemann, Berlin)

Harvard fragte 5000 Amerikaner, wie sie die Ungleicheit in den USA einschätzen, und stellt dagegen die Realität. Sehr gute Visualisierung!

Der linke Bundestagsabgeordnete Michael Schlecht kritisiert die Ausbeutung der US-Arbeitnehmer, die nicht von der gestiegenen Wirtschaftsleistung profitieren:

Weniger Schutz und ein „schlankes“ Sozialsystem (Deutsche Bank) bedeuten: Die amerikanischen Beschäftigten sind erpressbar. Und das bedeutet niedrige Löhne. Vor allem im Süden der USA, wo die Politik dafür gesorgt hat, dass die Beschäftigten „frei“ von Gewerkschaften leben dürfen. So kostet die Arbeitnehmer-Stunde in Mississippi nur 17 Dollar – in Deutschland sind es 31, in Frankreich gar 34 Dollar. Da siedeln sich auch deutsche Autokonzerne gerne im amerikanischen Süden an.

Damit kommen wir zum aktuellen Problem. Zwar ist die Wirtschaftsleistung der USA in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen, die us-amerikanischen Beschäftigten arbeiteten immer produktiver. Dieser Wohlstandszuwachs jedoch floss komplett in die Taschen der Unternehmer. Aufgrund ihrer schwachen Verhandlungsmacht konnten die Beschäftigten nur Lohnerhöhungen erreichen, die gerade mal die Inflation ausgleichen.

Und das ist kein neuer Trend im Land der unbegrenzten (Unternehmer-)Möglichkeiten: Das mittlere US-Haushalts-Einkommen lag vergangenes Jahr bei 51.000 Dollar, rund 39.000 Euro – und damit so hoch wie im Jahr 1989. 25 Jahre ohne reales Einkommensplus – das ist schon echt eine Leistung eines flexiblen Arbeitsmarkts.“ („Lohndrückerei in den USA“, michael-schlecht-mdb.de)

us_flagge_whisper_tattered_frayed_flag_usa_military_budget_expenditure_marode_infrastruktur_ailing_infrastructure_kollaps_collapse_militarismus_imperialism_kritisches_netzwerk.jpg

Obwohl der Internationale Währungsfonds (IWF) eine neoliberale Wirtschaftstheorie verfolgt, veröffentlichte er eine kritische Studie über die negativen wirtschaftlichen Folgen von Ungleichheit.

Der IWF-Untersuchung zufolge bremst sich das wirtschaftliche Wachstum ein, wenn sich das Einkommen der Spitzenverdiener in einer Gesellschaft erhöht. Die Forscher errechneten, dass ein Zuwachs um einen Prozentpunkt bei den 20 Prozent Einkommensstärksten das jährliche Bruttoinlandsprodukt (BIP) mittelfristig um rund 0,1 Prozent schrumpfen lässt. Werde dagegen das Einkommen der 20 Prozent Niedrigstverdiener um einen Prozentpunkt erhöht, erhalte man eine mittelfristige Wachstumsrate von nahezu 0,4 Prozent.“ (derstandard.at)

2.  Keynesianische Theorie

Hier wird die Ungleichheit und die daraus resultierende Nachfragelücke als Ursache der wirtschaftlichen Probleme anerkannt. Das produzierte Angebot wird nicht nachgefragt, Unternehmen gehen bankrott, Investitionen werden runtergefahren, Arbeitslosigkeit entsteht.

Die Ungleichheit würde daher rühren, dass Staaten in den letzten Jahrzehnten zunehmend eine angebotsorientierte, neoliberale Wirtschaftspolitik betrieben: Der Staat verteilt mit Steuern zuwenig um, von unten nach oben. Die Krise wäre erst aufgetreten, als der Staat den Spitzensteuersatz für Einkommensmillionäre senkte, genauso wie Vermögens- und Erbschaftssteuern. Außerdem würden Unternehmen zuwenig Löhne bezahlen. Gewerkschaften versagten, höhere Löhne durchzusetzen.

Ein prominenter Vertreter ist Heiner Flassbeck (hier und hier). Er kritisierte in einer Diskussion, dass die deutsche Volkswirtschaft zu stark vom Export abhängt und sich das Ausland dafür bei Deutschland verschuldet. Stattdessen sollte Deutschland seine Produkte selbst nachfragen und sich bei sich selbst verschulden. Er stellte seine Position dar:

Und wer sind die Schuldner? Immer nur im Ausland. Denn wir sind ja solid. (…) Wir machen alle keine Schulden mehr. Und die EZB, komischerweise, sucht neue Schuldner. Das ist die Idee, deswegen sind die Zinsen null. Deswegen gibt es bei den Banken frische Liquidität. Damit man Schuldner findet. (…) Wie finden wir Schuldner, die dann das Geld ausgeben (…) für frische Investitionen?”

“Und dazu braucht man auch mehr Nachfrage. Das geht nicht nur mit null Zinsen. (…) Wie bekommen wir Nachfrage? Wenn die Leute wieder Einkommen haben, indem die Löhne erhöht werden und zwar stärker als vorher, in Österreich, in Deutschland ganz vornehinweg.” (Quelle: ORF, Link nicht mehr verfügb.)

Heiner Flassbeck weist darauf hin, dass die Löhne hierzulande nicht mit den Produktivitätsfortschritt mitgewachsen sind. „Der Grund ist, dass wir glauben, nur wenn wir verzichten, unsere Produktivität selbst zu verfrühstückigen, selbst uns anzueignen und diese Produktivität dazu zu nützen, um die Preise zu senken, um andere in dieser Welt in die Schranken zu weisen, nur dann können wir wirtschaftlich überleben.“ Als Ausweg schlägt er vor, dass deutsche Unternehmen zum Schulden-Machen und zum investieren gezwungen werden und die Steuern einfach erhöht werden!

… man kann ihnen einfach das Geld wegnehmen. Sie haben offensichtlich soviel Geld, dass sie es offensichtlich nicht notwendig haben zu investieren und das Geld zur Bank tragen und dass ist nicht die Aufgabe von Unternehmen“. Die Aufgabe der Unternehmen wäre, dass die gebildeten Ersparnisse investiert werden. Ihre eigentliche Funktion ist, Investor und Schuldner zu sein. Darüberhinaus müssten in Deutschland die Löhne steigen.

► Wem gehört die Welt? Machtkampf um Ressourcen | Heiner Flassbeck | SWR Tele-Akademie

Heiner Flassbeck analysiert den globalen Kampf um wirtschaftliche Macht, um Ressourcen, Wissen und Technologie, und er beschreibt die Rolle der Finanzmärkte bei diesen Auseinandersetzungen. „Dazu müssten die Löhne steigen und dazu müsste man wieder die Steuern erhöhen.

► Heiner Flassbeck: Europa braucht einen Neuanfang (Dauer: 55:57)

Referat von Heiner Flassbeck auf einer Veranstaltung vom DGB, IG Metall und ver.di in Kiel am 25. März 2014: "Europas Wirtschafts- und Sozialpolitik in der Krise - Europa braucht einen Neuanfang"

Bewertung

Bei dieser Theorie muss hinterfragt werden, ob Regierungen nur aus neoliberaler Verblendung die neoliberale Reformpolitik betrieben und, warum Gewerkschaften in Tarifverhandlungen nicht höhere Löhne durchsetzten.

  • Könnte der Grund darin liegen, dass Staat und Unternehmen im Zuge steigender Verschuldung zunehmend vom Finanzkapital erpressbar geworden sind?
  • Dass die Tarifparteien und der Staat von den Kapitalmärkten gezwungen wurden?
  • Dass Unternehmen Gewerkschaften drohten, im (billigeren) Ausland produzieren zu lassen?
  • Dass die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte zurückging?

Linke Politiker verkennen, dass die Macht des Kapitals im Zuge grenzenlosen Warenverkehrs inzwischen größer als die Macht der Demokratie geworden ist. Das kann auch in der Steuerhinterziehung gesehen werden.

Schätzungsweise 20 bis 30 Billionen Dollar werden jedes Jahr in Steuerparadiesen versteckt. Dies entspricht zwei Dritteln der weltweiten Schulden.” (Arte: „Zeitbombe Steuerhinterziehung“ – Horst Seehofer kapituliert.)

Führte vielleicht ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder deshalb neoliberale Reformen durch, weil es trotz keynesianischer Verhältnisse in Deutschland 4,3 Millionen (offizielle) Arbeitslose gab, weil der Staat sich immer weiter verschuldete, weil die „Märkte das Vertrauen verloren“? Kurzzeitig war Heiner Flassbeck Staatssekretär im Finanzministerium unter Oskar Lafontaine, der im Streit mit Schröder seinen Posten aufgab.

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Durch Hartz IV zwang dann der Staat viele Arbeitslose in den Niedriglohn-Sektor. Auf Kosten der Armen entlastete sich der Staat und Unternehmen. Dadurch stieg die Rentabilität von Investitionen. Schröders Politik verstärkte die Ungleichheit, dafür erfüllte Deutschland kurzzeitig die Erwartungen seiner Kapitalgeber. Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche, dass Nachforderungen gestellt werden, etwa nach einer „Agenda 2020“.

In einer ähnlichen Lage wie Deutschland (vor den neoliberalen Reformen) ist Frankreich. Der französische Präsident François Gérard Georges Hollande weigert sich standhaft, den Schröderischen Weg zu gehen. Aufgrund der wirtschaftlichen Probleme und wachsender Staatsverschuldung ist Holland nun einer der unbeliebtesten Präsidenten in der Geschichte Frankreichs. Er macht einen hilflosen Eindruck. Nach Darstellung von Flassbeck, hätte Frankreich jedoch alles richtig gemacht. Die französische Wirtschaftskrise wäre die Schuld Deutschlands, da es zu wenig Löhne bezahle, Sozialabbau betrieb und deshalb Frankreich wirtschaftlich überflügeln könne.

3. Freiwirtschaft

silvio_gesell_freihandel_freigeld_humane_wirtschaft_freiwirtschaft_freiwirtschaftslehre_umlaufgesichertes_geld_kritisches_netzwerk_umlaufsicherung_natuerliche_wirtschaftsordnung.jpg Auch hier wird die Ungleichheit, die Nachfragelücke, als Ursache der wirtschaftlichen Probleme anerkannt. Anders als bei den „Keynessianern“ sind hier nicht primär zu niedrige Löhne oder zu geringe Steuern verantwortlich, sondern die Überschuldung und die damit zusammenhängende zinsbedingte Umverteilung von unten nach oben. Die sich (immer) einstellende Überschuldung wäre in der im Kapitalismus ein Naturgesetz und nicht die Schuld einzelner Staaten oder Menschen. Das Geldsystem hätte einfach eine begrenzte Haltbarkeitszeit.

Als Lösung soll deshalb staatlicherseits nicht an diesen beiden Stellschrauben gedreht werden: Steuern und Löhne. Die Gefahr wäre, dass bei „Überdrehung“ der Schrauben Investitionen zurückgehen, der Wirtschaftsstandort an Attraktivität verliere. Die Wettbewerbsfähigkeit des Landes würde zurückgehen, da höhere Steuern und Löhne höhere Kosten bedeuten. In diesem Punkt wird der neoliberalen Wirtschaftstheorie Recht gegeben.

Für die Ausbeutung wären nicht Unternehmer verantwortlich, nicht das Wirtschaftsgeschehen von Angebot und Nachfrage, sondern der Finanz- und Kapitalmarkt. Durch den Zinses-Zins-Effekt und der Aneignung von Grund- und Bodenmonopolen können sich Kapitalbesitzer bereichern, ohne selbst als Unternehmer arbeiten zu müssen.

Das Ende der Haltbarkeitsszeit wäre durch Überschuldung der breiten Masse einerseits gekennzeichnet, und Übervermögen bei einer kleinen Minderheit andererseits.  Trotz riesiger Geldvermögen könnten Banken (wegen der Hortbarkeit von Bargeld) die Zinsen von Sichtguthaben nicht tief ins Minus durchsetzen. Deshalb würde im Moment Bargeld in Sichtguthaben eingezahlt, um damit spekulieren zu können. Die schnelle Verfügbarkeit von Bargeld wäre der „Liquiditäts-Vorteil“, der 2-3% der Kaufkraft des Bargeldes beträgt. Im Falle von tiefen Minus-Zinsen in Sichtguthaben würde das Guthaben bar abgehoben werden, um diesen Vorteil weiter zu besitzen.

Bewertung

Der Geldgeber ist in einer stärkeren Position als Unternehmer, Privatpersonen und Staaten. Kapital kann sich zurückziehen. Die Hortbarkeit von Bargeld ist der entscheidende Vorteil, warum Einkünfte aus Kapitel stärker steigen als die Wirtschaftskraft, was die Studie von Piketty beschreibt. Geldvermögen und Schulden wachsen deshalb durch den Zinses-Zins-Effekt stärker als die Volkswirtschaft.

Damit entsteht zwangläufig Überschuldung und wachsende Erpressbarkeit durch Kapitalgeber, bis das Schneeballsystem zusammenbricht. Das ist der Fall, wenn die Nachfragelücke nicht mehr durch neue Schuldner aufgefüllt werden kann. Spekulationsblasen können den wirtschaftlichen Zusammenbruch hinauszögern, etwa im Immobiliensektor, oder eine expansive Geldpolitik der Zentralbanken.

Durch die Möglichkeit Bargeld zu horten, sind Vermögende in einer machtvolleren Position als Staaten und Unternehmen. Ihre Zinserwartungen und Risikoaufschläge diktieren, ob investiert wird oder nicht, den wirtschaftlichen Erfolg und die Überlebensfähigkeit ganzer Staaten, nach dem Motto „wenn ihr mir keine guten Bedingungen und Zinsen gibt, leihe ich Euch mein Geld nicht.“ Bargeld kann „streiken“.

► Geringe Zinsen bedingen heute Investitionsstau

Freiwirte schlagen deswegen vor, die Hortbarkeit dem Bargeld wegzunehmen. Bargeld soll durch eine Umlaufsicherung rosten, wie alle Güter in der Natur. Die Umlaufsicherung besteht in einer Gebühr auf nicht umlaufendes Bargeld. Es verliert an Kaufkraft, wenn es nicht ausgegeben wird. Nur wer es nicht selbst investiert oder ausgibt, muss diese Gebühr bezahlen. Da das Horten von Bargeld Kosten verursacht, fällt die Null-Zins-Schranke bei Sichtguthaben weg.

In der unteren Grafik von Helmut Creutz steht die Gebühr bei –4%, der Minus-Zins bei Sichtguthaben dementsprechend bei –3,5%. Die Banken bieten für langfristige Geldanlagen 0% Zinsen, welche eine Vermeidung jeglicher Gebührenzahlung bedeutet! Wer sein Bargeld langfristig bei der Bank anlegt, zahlt keine Umlaufsicherungsgebühr.

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Dies ist langfristig auch im Interesse des Sparers selbst: Wegen des geringeren Zinses wird die Einlage sicherer, da keine Überschuldung der Schuldner eintritt. Außerdem behält die Einlage ihre Kaufkraft, da Inflation nicht mehr notwendig ist, um Bargeld aus der privaten Hortung zu „peitschen“.

Geldvermögen können weiterhin ins Ausland verschoben werden, aber es wird wegen der Umlaufsicherung in eine andere Währung umgetauscht. Es kann durchaus zu einer Flucht in Fremdwährungen kommen. Das umlaufgesicherte Bargeld verbleibt jedoch weiter im heimischen Bankensektor und fließt als Kredit wieder dem Nachfrage-Produktions-Kreislauf zu, denn: Nachfrage nach billigen Kredit ist immer vorhanden. Für die Bank ist es egal, von wem sie Bargeld erhält, etwa von einer Bar-Einzahlung, Überweisung (Zentralbankgeld-Konto) oder einfach durch einen Währungstausch.

Im Endeffekt ist das Resultat, dass trotz geringer oder gar Minus-Zinsen, Geld wieder als Kredit in Investitionen/Konsum fließt. Im Übrigen würde ein sich verschlechternder Kurs den Preis für Fremdwährungen kostspieliger werden lassen. Auf diese Weise werden Unternehmer und der Staat von der Zinslast befreit. Geldguthaben von erpressten Zinsgeld, was sich einst auf Konten auftürmte, fließt stattdessen in Bildung, Investitionen und neue Unternehmungen. Die Wirtschaft wird belebt, die Löhne steigen. Die Nachfrageseite wird gestärkt, ohne dass wie beim Keynesianismus die Wettbewerbsfähigkeit des Landes darunter leidet.

Durch eine gleichzeitig durchzuführende bodenwertbasierte Grundsteuer müsste der Staat jedoch vermehrte Grund- und Bodenspekulationen unterbinden. Durch die so erzielten Einnahmen könnte zusätzlich die Steuerlast gesenkt werden.

Dies wäre ein Weg in eine ausbeutungsfreie Wirtschaft!

Georg Lehle, Rothenburg o/T

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► Quelle: Erstveröffentlicht am 4.09.2015 auf dem Blog FRIEDENSBLICK > Artikel. Das Blog ist eine private werbefreie Initiative von Georg Lehle. Vielen Dank für die Freigabe zur Veröffentlichung im Kritischen Netzwerk.  

"Die Kritik von Silvio Gesell an Karl Marx" - weiter.

"Kapitalismuskritiker – auf ewig gespalten? Was Kapitalismus überhaupt ist?" - weiter.

"Geld neu denken: Die schmerzlose Beseitigung der perversen Geldwirtschaft" - weiter.

"Zinseszins und fiktives Kapital" - weiter.

"Bernd Senf: Geldfluss, Realwirtschaft und Finanzmärkte aus der Sicht versch. Wirtschaftstheorien" - ZfS 156-157/2008 - PDF

"Das Marx´sche Kapital" Bd. I-III im Internet

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Fehler im Geldsystem (Dauer 7:38 Min.)

Dieser Film von MonNetA.org zeigt in anschaulichen Grafiken und Animationen welche Folgen Zins und Zinseszins in der Finanzwirtschaft haben und wie systematisch von der großen Mehrheit der Bevölkerung zu den Vermögenden umverteilt wird. Die im Film gezeigten Grafiken und Berechnungen basieren zum teilweise auf Arbeiten von Helmut Creutz. Die Idee eines von der "Liquiditätsverzichtsprämie" oder vom "Urzins" befreiten Geldes, des *Freigelds*, geht auf Silvio Gesell zurück.


            

Wo ist unser Geld? Natürliches, lineares und exponentielles Wachstum u.v.m. (Dauer 6:48 Min.)


Margrit Kennedy „Geld neu gestalten – Die Vorzüge komplementärer Währungen (Dauer: 1:01:21 Std.)

Wer verstehen will, wie Geld funktioniert und in welcher Weise es unser Leben beeinflusst, sollte Margrit Kennedy fragen. Mit ihren Büchern und Vorträgen deckt sie systematische Fehler unseres Geldsystems auf. Als Ausweg aus dem krisenanfälligen Monopolgeld beschreibt Kennedy die Einführung einer Vielfalt von komplementären Geldsystemen, die für spezielle Zwecke entworfen werden können, ähnlich dem Prinzip der Vielfalt in der Natur. Auf sehr persönliche Weise erzählt sie von ihrer eigenen Spurensuche in der Finanzwelt und berichtet von erfolgreichen Geldexperimenten, mit denen man in Zu­kunft Finanzkrisen vermeiden kann.


          

Geld frisst Welt - Tobias Plettenbacher am Top Info Forum - Reportage/doku (Dauer: 57:31 Min)


        

► Bild- und Grafikquellen:

1. Gold scheffeln. CHE, Switzerland, Basel, 2013, by Stefan Pangritz - Safe der ehemaligen Schweizerischen Volksbank. Foto: Generation Grundeinkommen - Daniel Häni. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung-Nicht kommerziell 2.0 Generic (CC BY-NC 2.0).

2. “Produktions-Einkommens-Kreislauf”: Durch Arbeit entsteht das Sozialprodukt (SP) (Waren und Dienstleistungen). Mit dem Verkauf des SP entsteht Einkommen (Arbeits-, Kapitaleinkommen). Das eingenommene Geld fragt das SP nach, ein anderer Teil wird gespart (S). Der gesparte Teil wird durch Investitionen (I) auch zur Nachfrage. Der Kreislauf ist geschlossen. Quelle: Prof. Bernd Senf, “Geldfluss, Realwirtschaft und Finanzmärkte aus der Sicht verschiedener Wirtschaftstheorien”, pdf - weiter.

3. Eat Money: Only when the last tree has died and the last river has been poisoned and the last fish has been caught will we realise we cannot eat money. (Cree Indian Proverb) Foto: Lynne Hand, Nottingham / UK. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 2.0 Generic (CC BY-NC-ND 2.0).

4. Whisper America: Whisper America because it's no longer united, whisper America for it makes profits with fighting, whisper America the citizens are divided, whisper America it's desensitized with violence, whisper America poverty is ignored and blinded, whisper America drugs run rapid in society, whisper America mental health takes over and help is not provided, whisper America leaders lead the future with crimes and defiance, whisper America for there is nothing left but muck and grime the mighty have ruined many of our lives. Originalbild: Flickr-user drazz, New York. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0). Textinlet-Idee: Helmut Schnug, techn. Umsetzung: Wilfried Kahrs (WiKa), QPress.de .

5. John Maynard Keynes, Baron Keynes (* 5. Juni 1883 in Cambridge; † 21. April 1946 in Tilton, Firle, East Sussex) war ein britischer Ökonom, Politiker und Mathematiker. Er zählt zu den bedeutendsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts und ist Namensgeber des Keynesianismus. Seine Ideen haben bis heute Einfluss auf ökonomische und politische Theorien. Foto: IMF. 1. Quelle: This file from http://www.imf.org/ is in the public domain and can be used for any purpose, including commercial use. 2. Quelle: Wikimedia Commons. Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für alle Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 100 Jahren oder weniger nach dem Tod des Urhebers.

6. Heiner Flassbeck (* 12. Dezember 1950 in Birkenfeld) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler. Er war von 1998 bis 1999 Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen und von Januar 2003 bis Ende 2012 Chef-Volkswirt (Chief of Macroeconomics and Development) bei der UNO-Organisation für Welthandel und Entwicklung (UNCTAD) in Genf. Darüber, ob die Bundesregierung sich in der Eurokrise erfolgreich verhalte, äußerte sich Flassbeck in einem Interview mit n-tv wie folgt: „Bei der Binnenkonjunktur ist nichts passiert. Die anderen Länder haben wir an die Wand gefahren, unsere Kunden sind auf dem Weg in die Pleite ... Ich weiß nicht, ob man das erfolgreich nennen kann.

Foto: Stephan Röhl, Berlin. - www.stephan-roehl.de/. Quelle: Flickr-Account der Heinrich-Böll-Stiftung. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0).

7. Silvio Gesell 1920. Das Foto wurde der Webseite http://www.silvio-gesell.de/ entnommen. Diese von der "Stiftung für Reform der Geld- und Bodenordnung" verantwortete Website bietet auf authentische Quellen gestützte Informationen über Gesells Leben und Werk.

Johann Silvio Gesell (* 17. März 1862 in Sankt Vith, damals Preußen, heute Belgien; † 11. März 1930 in der Obstbau-Genossenschaft Eden bei Oranienburg) war ein deutscher Kaufmann, Finanztheoretiker, Sozialreformer und Begründer der Freiwirtschaftslehre.

Silvio Gesell vertrat eine weltbürgerliche Einstellung. Nach seiner Überzeugung sollte die Erde allen Menschen gleichermaßen gehören, ohne Unterschied von Rasse, Geschlecht, Stand, Vermögen, Religion, Alter oder Leistungsfähigkeit. Landesgrenzen müssten überflüssig werden. Gesell war ethischer Vegetarier, der aus Achtung vor Tieren das Fleischessen ablehnte.

Gesell baute seine volkswirtschaftlichen Überlegungen auf den Eigennutz des Menschen als gesundem, natürlichem Antrieb, der es ihm erlaube, seine Bedürfnisse zu verfolgen und wirtschaftlich tätig zu sein. Dieser Gegebenheit müsse auch eine Wirtschaftsordnung gerecht werden, sonst sei sie zum Scheitern verurteilt. Deshalb nannte Gesell die von ihm entworfene Wirtschaftsordnung „natürlich“. Mit dieser Haltung stellte er sich bewusst in Gegensatz zu Karl Marx, der eine Änderung der gesellschaftlichen Verhältnisse forderte.

In Berücksichtigung des Eigennutzes trat Gesell ein für freien, fairen Wettbewerb mit gleichen Chancen für alle. Dazu gehörte für ihn der Abbau aller ererbten und gesetzlichen Vorrechte. Jeder sollte einzig seine persönlichen Fähigkeiten einsetzen, damit aber auch sein Auskommen finden können. In der von ihm angestrebten „natürlichen Wirtschaftsordnung“ würde der freie Wettbewerb den Begabtesten gerechterweise das höchste Einkommen sichern, ohne Verfälschung durch Zins und Bodenrente. Ebenso würde sie den weniger Befähigten ein ausreichendes Auskommen gewähren, weil ihnen keine Abgaben für Zins und Bodenrente auferlegt sein würden. Ein gerechter Ausgleich von Arm und Reich wäre möglich. Daneben stünden für die Unterstützung von Bedürftigen genügend Mittel zur Verfügung, weil das erhöhte Durchschnittseinkommen jedem erlaube, für sie das Nötige aufzuwenden. (Text: Wikipedia, bitte weiterlesen)

8. Buchcover "Silvio Gesell und die natürliche Wirtschaftsordnung: eine Einführung in Leben und Werk" von Werner Onken. 194 Seiten, Pb., ISBN 978-3-87998-439-8. VKP: 19,90 EURO

9. Grafik: Zinssätze ohne und mit Geld-Umlaufsicherung. © Helmut Creutz. Herzlichen Dank für die Freigabe zur Veröffentlichung im KN.

10. Die Bedeutung des Geld- und Währungsbereichs im Vergleich mit einem Gebäude. GELD / WÄHRUNG bildet das Fundament. Crasht das derzeitige Geld- und Währungssystem, crashen auch die darüberliegenden Bereiche Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Urheber der Originalgrafik: © Helmut Creutz, Aachen. Optische Aufarbeitung: Wilfried Kahrs (WiKa).

11. Grafik: „Unser heutiges Geldsystem bewirkt . . . . . und am Ende konventionelle oder atomare Kriege, aus dem Buch „Das Geldsyndrom 2012“ von Helmut Creutz, S. 400, farblich gestaltet von Wilfried Kahrs / QPress.

12. Buchcover: "Das Geld-Syndrom 2012 – Wege zu einer krisenfreien Wirtschaftsordnung"; aktualisierte Neuausgabe, 2014 nochmals updated! (v. Helmut Creutz) ISBN 10: 3-8107-0140-8, ISBN 13: 978-3-8107-0140-4, Druck & Verlagshaus Mainz, Wissenschaftsverlag, Aachen, Euro 16,80.

"Warum werden die weltweit vagabundierenden Geldströme immer größer, weshalb reagieren die Kurse an den Aktien- und Vermögensmärkten immer hektischer und warum bekommen die Notenbanken Geldmenge und Kaufkraft nicht in den Griff? Vielleicht haben Sie sich das auch schon gefragt, vor allem angesichts der Ereignisse in den letzten zehn Jahren, wahrscheinlich aber auch, warum wir jedes Jahr unsere Wirtschaftsleistung steigern müssen und trotzdem die Staatsverschuldungen ständig zunehmen und ebenso die Scherenöffnung zwischen Arm und Reich? -

Helmut Creutz veranschaulicht auf verblüffende Weise, wie alle diese Fehlentwicklungen mit den Strukturen unseres Geldsystems zusammenhängen und bietet sinnvolle und kompetente Lösungsvorschläge. Helmut Creutz, geboren 1923, ein erfahrener Wirtschaftspraktiker und -analytiker, hat in zahlreichen Veröffentlichungen, Vorträgen und Seminaren seine wirtschaftsanalytischen Untersuchungen dargelegt.

1990 erhielt er einen Lehrauftrag an der Universität Kassel und wurde mehrfach für den Alternativen Nobelpreis vorgeschlagen. Eigentlich kann ich Helmut Creutz als den wichtigsten Lehrer meines Lebens bezeichnen. Ich denke, dass er einen Platz in der Geschichte unserer Evolution bekommen sollte."
(Prof. Dr. Margrit Kennedy, Steyerberg/A.).

13. Grafik "DIE MONETÄRE TEUFELSSPIRALE" Automatische Eskalation der Geldvermögen und Schulden. © Helmut Creutz. Herzlichen Dank für die Freigabe zur Veröffentlichung im KN.

14. "Occupy Money - Damit wir zukünftig ALLE die Gewinner sind" (v. Margrit Kennedy) - zur Buchvorstellung oder hier eine ausführliche Leseprobe.

15. Buchcover "Silvio Gesell - Die natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld." Verlag für Sozialökonomie.

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Beigetreten: 10.09.2016 - 11:31
Geldsystemtheorie ist keine Wirtschaftstheorie

Sehr geehrter Herr Lehle,

Es ist dringend erforderlich, dass an der verheerenden neoliberalisten Ideologie, deren Dogmen per Aneignung der Meinungshoheit sowohl Politik und Wirtschaft wie auch das gesellschaftliche Denken durchdrungen und zu so viel Leid und Ungerechtigkeit geführt haben, Kritik geübt und Aufklärung betrieben wird. In diesem Sinne vielen Dank für Ihren Artikel!

Bitte als konstruktive Kritik verstehen:

1) Freigeld ist eine Geldsystemtheorie. Das Geldsystem ist eine oft unabhängige* Untermenge der Wirtschaft. Insofern kann eine Geldsystemtheorie keine Wirtschaftstheorie sein.

*Sowohl ein Zinseszinssytem wie ein Freigeldsystem lassen sich im keynseniarischen Kapitalismus wie auch im Kommunismus denken. Sie stellen keine prinzipiellen Widersprüche dar. Was belegt, dass das Geldsystem eine vom Wirtschaftsystem unabhängige Qualität darstellt. Nur mit dem Neoliberalmus ist Freigeld unvereinbar. Warum? Weil Freigeld im Gegensatz zu einem Zinseszinssytem kein gigantisches Umverteilungssystem von arm nach reich ist, worin aber faktisch die Kernintention des Neoliberalismus liegt. Allerdings ist Neoliberalmus auch kein Wirtschaftsystem, sondern eine irre, völlig durchgeknallte Ideologie, die nur den Superreichen und Großkonzernen dient.

2) Das Geldsystem ist unbestritten absolut wichtig. Ihm kommt fundamentale Bedeutung zu. Aber so wie allerdings alle komplexen Probleme nicht monokausal erklärt oder beseitigt werden können, sondern IMMER nur multifaktoriell, so ist das Geldsystem EINE, aber nicht DIE Ursache der „der Ungleichheit und Stagnation“. Insofern ist das Zinseszinsystem zwar EIN wichtiges aber dennoch nicht DAS Problem. Die Ursachen der gewaltigen Probleme „der Ungleichheit und Stagnation“ sind ungleich vielfältiger - eben multifaktoriell und bedürfen daher der ganzheitlichen Analyse. Genau das wird der von mir in Arbeit befindliche Artikel leisten, der neben Kapitalismus und Neoliberalismus auch einige andere Faktoren benennt - selbstverständlich auch das Geldsystem.

mit besten Grüßen

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Jahrgang 64, Dipl.-Ing. Maschinenbau

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