Kreutzers Ohrfeige: Vernunft vs. Ideologie

1 Beitrag / 0 neu
Bild des Benutzers Helmut S. - ADMIN
Helmut S. - ADMIN
Offline
Beigetreten: 21.09.2010 - 20:20
Kreutzers Ohrfeige: Vernunft vs. Ideologie
DruckversionPDF version

Vernunft vs. Ideologie

von Egon W. Kreutzer, Elsendorf

Es gehört zu den auffälligsten Erscheinungen unserer Zeit, dass die Diskussionen um alle wichtigen Themen inzwischen zu asymmetrischen Auseinandersetzungen geworden sind, in denen – wie im finsteren Mittelalter – die Welt des forschenden Erkennens von der Welt des gläubigen Enthusiasmus in blutrünstiger Vernichtungsabsicht überrollt wird.

Nehmen wir Sahra Wagenknecht als Beispiel.

Nach meinem Eindruck als Außenstehender hat sie, wie kaum eine andere Person innerhalb der Partei „die LINKE“, die Grundlagen kommunistisch-sozialistischer Ideologie studiert und bis auf den innersten Kern durchdrungen und ist bereit, engagiert für eine Welt zu kämpfen, die diesem Ideal nahekommt.

Dennoch erkennt sie die Grenzlinie zwischen visionären Idealen und den Gegebenheiten der Realität so klar, dass sie diese Linie gar nicht als für sie relevante „Kampfzone“ wahrnimmt, weil sie weiß, dass es vollkommen sinnlos ist, gegen Fakten und Logik anzudiskutieren. Damit allerdings zerstört sie den Unfehlbarkeitsanspruch der gesamten Linksheit und macht sich damit zur Ketzerin, die auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden muss.

Dass dem so ist, dass viel zu viele in dem kindischen Glauben leben, das Platzen ihrer Traumschlösser und Trugbilder sei nicht die Folge ihrer eigenen Realitätsverweigerung, sondern der Erfolg feindseliger Saboteure, die es mit aller Härte zu bekämpfen gilt, macht die ganze Erbärmlichkeit  der Spezies Mensch auf wahrhaft beschämende Weise sichtbar.

Ein paar geschickt hingeworfene Phrasen, am besten als Konstrukt aus Panikmache und Heilsversprechen gezimmert, genügen vollauf, um eine friedliche Menge von Menschen in die Furie „Masse“ zu verwandeln, die erst wenn sie vollständig erschöpft und kraftlos selbst am Boden liegt, aufhören wird, alles „Fremde“ niederzumetzeln. Wobei das niederzumetzelnde „Fremde“ vielerlei Erscheinungsformen hat. Herr Maaßen war Frau Merkel fremd, die NAFRIS sind den Nazis fremd, die AfD der Antifa, der weiße Mann der gegenderten Frau, die Diesel der Deutschen Umwelthilfe, der Euro Italienern und Griechen, usw., usw.

Fremdenhass existiert überall. Der Mensch, der nicht „sein Fremdes“ hat, das er tunlichst weit von sich fernhalten will, den gibt es nicht – von Einsiedlern abgesehen, die den anderen Weg gehen und sich selbst fernhalten.

Fremdenhass zu wecken, zu schüren und zu instrumentalisieren, ist nach wie vor leicht, für jeden, der es darauf anlegt. Daran hat sich, seit Gustave Le Bon sein Standardwerk „Psychologie der Massen“ verfasste, nichts geändert, . .

. . außer der Tatsache, dass es nicht mehr die großen Säle, die Balkone über den Marktplätzen, die Tribüne im Sportpalast oder brennende Barrikaden braucht, um aus ganz normalen, vernunftbegabten Menschen „im Nu“ das Meta-Wesen „Masse“ zu schmieden.

Aus dem einst notwendigen, großen Event, dem alle beiwohnten, um vermasst zu werden, ist der Kokon der allgegenwärtigen, alles durchdringenden Medien geworden, die, wie die Kraftlinien eines Magneten, ihre Anhänger an entgegengesetzten Polen versammeln und sie, erst einmal dort angekommen, nicht mehr loslassen.

Und außer der Tatsache, dass die Massen selbst die Straße nicht mehr brauchen, um wie bei der Stierhatz von Pamplona alles wegzufegen, was sich in den Weg stellt, obwohl das auch noch vorkommt, sondern weit im Vorfeld physicher Auseinandersetzungen über subtile Disziplinierungsstrategien und Drohkulissen bereits so viel Macht ausüben, dass  das Gewaltmonopol des Staates dagegen alt aussieht.

Ein schönes Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit bilden die Vorgänge im Hambacher Forst. Versuchen Sie bitte, das was da geschehen ist, neutral und unvoreingenommen zu betrachten. Dann kommen Sie entweder zu dem Schluss,

die Politik habe versagt, als sie den Braunkohleabbau genehmigte,

oder die Politik habe versagt, als es ihr nicht gelang, ihre einmal getroffene, rechtskräftige Entscheidung durchzusetzen.

Doch ein bisschen unwohl sollte Ihnen bei dieser „Entweder-oder-Entscheidung“ schon geworden sein.

Die Auseinandersetzung zwischen den gewählten Vertretern des Rechtsstaats, die ihre Entscheidung nicht hinterfragen lassen wollten und den nicht gewählten und unbefugten Waldbesetzern ging ja nicht zu Ende, weil eine Seite mit ihren Argumenten überzeugt hätte. Sie ging auch nicht zu Ende, weil beide Seiten sich auf einen Kompromiss geeinigt hätten.

Sie ging für den Augenblick zu Ende, weil ein Gericht darauf erkannte, das Habitat der Bechsteinfledermaus sei in diesem Streit das höchste Rechtsgut. Basta!

Wer Lust hat, zu bezweifeln, dass es sich bei diesem Spruch des Oberverwaltungsgerichts Münster um einen eilends eingefädelten Deal handelte, um die drohende Eskalation der Gewalt im Wald zu verhindern, den will ich bei seinem Glauben lassen. Ich selbst bin überzeugt, dass hier von ziemlich weit oben die Notbremse gesucht und in der Klage des Vereins »Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V.« (BUND) gefunden wurde, was zur Vollbremsung vor der Fledermaushöhle führte.

Egal, wie das weitergehen wird, ob auf Gleis 1 der Kohlegipfel irgendwann zu dem Schluss kommen wird, dass es die Braunkohle unter dem Hambacher Waldrest doch noch braucht, um die Energiewende ohne Mega-Blackout zu schaffen, oder ob auf Gleis 2 das OVG in der Hauptsacheverhandlung zu dem Schluss kommt, der Beweis für die Existenz der Bechsteinfledermaus habe von den Klägern nicht erbracht werden können: Die Züge rasen weiter aufeinander zu.

Um die Kollission zu vermeiden, müsste entweder die Landesregierung die Erlaubnis zur Kohleförderung widerrufen und RWE einige Milliarden Euro als Entschädigung zahlen, oder jene aufgehetzte Masse, deren Speerspitzen im Hambacher Forst – aber nicht nur dort – sichtbar sind, müsste unter die kalte Dusche gezerrt, in wieder denkfähige und vernunftbegabte Einzelindividuen aufgelöst und damit zur Besinnung gebracht werden.

Bitte machen Sie sich klar, dass der Zustand, den wir da erleben, nicht normal ist.

Die gerne auch von den Qualitätsmedien als „Aktivisten“ bezeichneten „Waldschützer“ benehmen sich doch wie durchgegangene Gäule, oder wie Kleinkinder, die sich an der Supermarktkasse brüllend auf dem Boden wälzen.

Vermutlich haben die meisten davon auch erlebt und fürs Leben verinnerlicht, dass die Eltern, also die Großen überhaupt, gegen einen quengelnden Knirps keine andere Chance haben, als ihm seinen Willen zu lassen. Dass man nur immer lauter brüllen, immer unkontrollierter um sich schlagen muss, um als zuletzt Lachender im Triumph mit dem gewünschten Unterhaltungsei abziehen zu können.

Der mit einer Ohrfeige verbundene, schmerzhafte Schock, mit dem es erfahrenen Notfalleinsatzkräften immer noch gelingt, psychische Ausnahmezustände, von der Panikstarre bis zum Weinkrampf zu durchbrechen und die Betroffenen in die Wirklichkeit zurückzuholen, ist ja von der Liste zulässiger Erziehungsmittel gestrichen worden. Die Spätwirkung findet sich heute auf den Bäumen im Hambacher Forst.

Bitte machen Sie sich klar, dass jegliche Rechtfertigung für den Zustand, den wir da erleben, den Abschied von den Prinzipien der Demokratie darstellt, zumindest aber die Behauptung stützt, die real existierende Demokratie in diesem unseren Lande funktioniere nicht.

In Ergänzung der bestehenden Antidiskriminierungsvorschriften wird final und unabänderlich für alle Zeiten festgeschrieben:

Die Verpflichtung der Klügeren,
stets nachzugeben,
kennt keine Untergrenze.

Schon gar nicht in Deutschland.

Egon W. Kreutzer

Wie immer finden sich auf der Seite von Egon W. Kreutzer sehr lesenswerte Beiträge, ebenso Leserkommentare. Absolut empfehlenswert!

Liebe Leser, kauft bei Interesse an Büchern aus Kreutzers Verlag diese bitte auf direktem Wege über dessen eigenen Shop! NEIN zu AMAZON!

   

________________

Lesetipp:

Wenn Sie diesen Beitrag bis an diese Stelle mit Interesse gelesen haben, werden Sie auch dieses Buch mit Interesse und Gewinn lesen:

»Demokratie - Fiktion der Volksherrschaft«. Autor: Egon W. Kreutzer, EWK-Verlag GmbH. ISBN 978-3-938175-04-0, 230 Seiten, Hardcover, geb. Ladenpreis 18,00 €. Zur ausführlichen Buchvorstellung mit detaillierter Inhaltsübersicht und 2 Leseproben >> weiter.

Wie kommt es wohl, dass "der Staat" sich gegen seine Bürger in jeder nur erdenklichen Weise zu deren Nachteil und Missfallen durchzusetzen vermag, wo doch in der Demokratie die Bürger Plan und Ziel der Politik bestimmen?

Freiheit und Demokratie

Ein Vorwort

Phrasen, wie „Freiheit und Demokratie“, bis zum Überdruss gehört, haben längst ihre dem ursprünglichen Sinn entsprechende Bedeutung verloren. Wäre es anders, wir würden darum kämpfen.

„Freiheit und Demokratie“ steht für etwas ganz anderes, nämlich für den starken, ja übermächtigen Staat, der seine Macht mit den Mitteln psychologischer Gewalt erhalten kann, weil seine Bürger nach Jahrzehnten subtiler Gehirnwäsche soweit abgestumpft sind, dass die Anwendung physischer Gewalt zur Durchsetzung so genannter „Staatsziele“ nur noch in Ausnahmefällen erforderlich scheint.

Freiheit gibt es, ohne Zweifel, doch sie hat ihren absoluten Charakter eingebüßt. Freiheit ist zur Ware geworden und kann gegen Bezahlung in unterschiedlichsten Graden der Abstufung erkauft werden. Doch es ist nicht der demokratisch verfasste Staat, der mit „Freiheit“ Handel treibt. Der Staat greift nur insoweit in den Freiheitsmarkt ein, als er mithilft, die Freiheit zu einem knappen Gut zu machen und damit die Preise hochzuhalten. Der Staat kauft quasi – per Gesetz – jeden Überschuss an Freiheit auf und zwingt die Bürger damit an jene Futterkrippen, wo die letzten, erbärmlichen „Freiheitskrümel“ wohlfeil angeboten werden.

Die Rechtfertigung für dieses staatliche Agieren liefert – so widersinnig dies zunächst auch scheint – ausgerechnet die Demokratie. Jene Demokratie, die, fernab von ihren Idealen, zur gelebten Selbstverständlichkeit geworden ist. Kaum jemand, der noch widerspricht, wenn es heißt: „Wahlen ändern nichts“, oder: „Die Da-Oben machen ja sowieso was sie wollen.

alexis_de_tocqueville_freiheit_liberty_entdemokratisierung_diktatur_american_society_staat_despotismus_democracy_in_america_demokratie_amerika_kritisches_netzwerk.jpg Doch der damit zum Ausdruck gebrachten Resignation folgen zu wenig Wut, zu wenig Aufbegehren, zu wenig Engagement, als dass die allgemeine Erkenntnis der Fehlentwicklung zu Korrekturen führen könnte. Und wo Wut und Aufbegehren und Engagement sich dennoch sammeln, zu einer Bewegung, zu einer Partei werden, wird diese Energie von den Statthaltern der real existierenden Demokratie neutralisiert und über kurz oder lang in eine rundgeschliffene, angepasste Gestalt gepresst.

Wie aber kommt es, dass „der Staat“ sich gegen seine Bürger in jeder nur erdenklichen Weise zu deren Nachteil und Missfallen durchzusetzen vermag, wo doch in der Demokratie die Bürger Ziel und Plan der Politik bestimmen?

Dieser Frage nachzugehen, die Antworten darauf zu geben und einen Weg aus dem Dilemma zu weisen, das durch die missbräuchliche Interpretation der Weisheit: „Die Freiheit des Einen muss da enden, wo die Freiheit des Anderen beginnt“, erst in unseren Köpfen errichtet wurde, ist die Absicht dieses Buches.

Elsendorf, im Frühjahr 2018
Egon W. Kreutzer

»Demokratie - Fiktion der Volksherrschaft«. Autor: Egon W. Kreutzer, EWK-Verlag GmbH. ISBN 978-3-938175-04-0, 230 Seiten, Hardcover, geb. Ladenpreis 18,00 €.

Zur ausführlichen Buchvorstellung mit detaillierter Inhaltsübersicht und 2 Leseproben >> weiter.



Quelle: erstveröffentlicht auf  Egon W. Kreutzer.de >> Kreutzers Projektseite antides.de/ >> Artikel vom 11. Oktober 2018. Die oben gezeigten Fotos/Grafiken, Hervorhebungen und Verlinkungen sind NICHT Bestandteil des Originalartikels und wurden von KN-ADMIN Helmut Schnug eingefügt, für sie gelten unten genannte CC-Lizenzen.

Bild- und Grafikquellen:

1. Jiddu Krishnamurti: "Es ist kein Anzeichen seelischer Gesundheit sich an eine zutiefst gestörte Gesellschaft anpassen zu können." Grafik: Wilfried Kahrs / QPress. Jiddu Krishnamurti (* 12. Mai 1895 in Madanapalle, Indien; † 17. Februar 1986 in Ojai, Kalifornien) war ein indischer Philosoph, Autor, Theosoph und spiritueller Lehrer. Krishnamurtis Lehre geht von der Möglichkeit vollständiger „geistiger“ Freiheit aus, indem durch aufmerksame Beobachtung des eigenen Geistes und seiner Reaktionen in dem Moment, in dem diese geschehen, seine „Natur“ erkannt wird. Beziehungen zum Taoismus und zum Zen-Buddhismus (mit dessen psychologischen Aspekten sich Erich Fromm beschäftigte).

2. Gustave Le Bon (1841-1931): Foto: Nationalbibliothk Frankreich / Quelle: Wikimedia Commons. Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. »In der Masse sinkt der Verstand mit der Anzahl der Versammelten«.

3. Einzelne Baumhäuser im Hambucher Forst gruppieren sich zu Baumhaussiedlungen. Die im Bild gezeigte wird  von den AKtivisten als "Beach-Town" bezeichnet. Foto: Tim Wagner / caruso.pinguin. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung-Nicht kommerziell 2.0 Generic (CC BY-NC 2.0).

4. Die Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) ist eine Fledermausart, die zur Gattung der Mausohren (Myotis) gehört. Die Mausohren sind der Familie der Glattnasen (Vespertilionidae) zugeordnet. Benannt ist sie nach Johann Matthäus Bechstein, der sich bereits im frühen 19. Jahrhundert für einen Schutz der Fledermäuse eingesetzt hat. Wie alle Fledermäuse orientiert sich auch die Bechsteinfledermaus weniger mit ihren Augen, sondern hauptsächlich mit den Ohren. Sie stößt Ultraschallwellen aus und erkennt am zurückkehrenden Echo ihre Umgebung. Die Annahme, dass bei den Fledermäusen der optische Sinn aufgrund der Entwicklung der Echoortung stark reduziert sei, ist durch Verhaltensversuche widerlegt worden. (Text: Wikipedia). Foto: Gilles San Martin. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0).

5. Baumhaus mit Regenbogenfahne und Transparent "Utopie braucht Freiheit". Foto: Tim Wagner / caruso.pinguin. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung-Nicht kommerziell 2.0 Generic (CC BY-NC 2.0).

6. Die gerne auch von den Qualitätsmedien als „Aktivisten“ bezeichneten „Waldschützer“ benehmen sich wie durchgegangene Gäule, oder wie Kleinkinder, die sich an der Supermarktkasse brüllend auf dem Boden wälzen. Foto: Infoletta Hambach / ihambi. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0).

7. Baumhäuser Hambacher-Forst: Vielleicht höchste und größte Baumhaussiedlung im Hambacher-Forst. Foto: Tim Wagner / caruso.pinguin. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung-Nicht kommerziell 2.0 Generic (CC BY-NC 2.0).

8. Buchcover »Demokratie - Fiktion der Volksherrschaft«. Autor: Egon W. Kreutzer, EWK-Verlag GmbH. ISBN 978-3-938175-04-0, 230 Seiten, Hardcover, geb. Ladenpreis 18,00 €.

9. Alexis de Tocqueville: "Es ist wirklich schwer einzusehen, wie Menschen, die der Gewohnheit, sich selbst zu regieren, vollständig entsagt haben, im stande sein könnten, diejenigen gut auszuwählen, die sie regieren sollen." und "So genügt es dem Staat nicht, alle Geschäfte an sich zu ziehen, er gelangt auch mehr und mehr dazu, sie alle unkontrolliert und ohne Rechtsmittel selbst zu entscheiden."

Charles Alexis Henri Maurice Clérel de Tocqueville (* 29. Juli 1805 in Verneuil-sur-Seine; † 16. April 1859 in Cannes) war ein französischer Publizist, Politiker und Historiker. Er gilt als Begründer der vergleichenden Politikwissenschaft.

»Über die Demokratie in Amerika / De la démocratie en Amérique« ist eines der meistrezipierten Werke der Sozialwissenschaften und wird in vielen Grundlagenseminaren der Politikwissenschaft und Soziologie gelehrt. Eine Reihe sozialwissenschaftlicher Kernkonzepte lässt sich auf das Werk zurückführen. So ist Tocqueville einer der ersten Demokratiekritiker, die die Gefahr einer „Tyrannei der Mehrheit“ sehen.

Besonders in Band 2 der Démocratie en Amérique betont Tocqueville zudem, dass das Streben nach Gleichheit zu einer Uniformisierung unter einer starken Zentralgewalt führe. Diese entmündige die Bürger und mache sie vom Handeln der jeweiligen Regierung abhängig. Die Bürger würden so des selbständigen Handelns entwöhnt. Es ist unübersehbar, dass diese Überlegungen Tocquevilles besonders seinen französischen Erfahrungen entspringen. Er vertieft gerade diese Überlegungen in seinem zweiten Hauptwerk "L'Ancien Régime et la Révolution". Die Gefahren der Tyrannei und der Entmündigung seien in Amerika jedoch durch eine Reihe von Mechanismen begrenzt. So existiere beispielsweise keine starke Zentralregierung, die eine Diktatur der Mehrheit effektiv ausführen könnte. . . ". (Text: Wikipedia)

Lesetipp zum Thema Alexis de de Tocqueville:

"Er sah die Herrschaft der Wirtschaft über die Politik" - Artikel von Wolf Lepenies bei DIE WELT - weiter.

"Der geistige Despotismus der Demokratie: Zwei Typen der Tyrannei der Mehrheit und ihr Zusammenhang bei Tocqueville" von Christoph Heuermann bei FREITUM - weiter.

und natürlich die Tocqueville-Seite bei Wikipedia - weiter.

Bildvorlage ist ein Ölgemälde von 1850 des Malers Théodore Chassériau (1819–1856). Photo © RMN-Grand Palais - D. Arnaudet. Quelle: Wikimedia Commons.  Dies ist eine originalgetreue fotografische Reproduktion eines zweidimensionalen Kunstwerks. Das Kunstwerk an sich ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Parallel zu dieser Lizenz muss auch ein Lizenzbaustein für die United States public domain gesetzt werden, um anzuzeigen, dass dieses Werk auch in den Vereinigten Staaten gemeinfrei ist. Textinlet: WiKa.