Krieg dem Krieg: Bevor die Ukraine Atommacht wird

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Ulrich Gellermann
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Beigetreten: 22.03.2013 - 15:43
Krieg dem Krieg: Bevor die Ukraine Atommacht wird
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Krieg dem Krieg: Bevor die Ukraine Atommacht wird

Als Andrij Melnyk, seit dem 19. Dezember 2014 Botschafter der Ukraine in Deutschland, vor wenigen Tagen gegenüber der Berliner Zeitung den ukrainischen Verzicht auf Atomwaffen in Frage stellte, hielten Kenner der russisch-ukrainischen Gemengelage den Atem an: Wie würde Russland auf diese erneute Bedrohung seiner Sicherheit reagieren?

► Über einen nuklearen Status nachdenken

Schon vor einem Jahr hatte Melnyk gegenüber dem Deutschlandfunk die atomare Karte gezogen: „Entweder sind wir Teil eines Bündnisses wie der NATO und tragen auch dazu bei, dass dieses Europa stärker wird, (...) oder wir haben eine einzige Option, dann selbst aufzurüsten. Kiew werde dann „vielleicht auch über einen nuklearen Status nachdenken. Wie sonst können wir unsere Verteidigung garantieren?

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► NATO-Partnerschaft

Die Paten der Ukraine in den USA haben ihre Handlanger vor Ort nie zurückgepfiffen. Im Gegenteil: Das Spiel der Ukraine mit der NATO-Mitgliedschaft lief ungehindert weiter. Auf dem NATO-Gipfel in Bukarest im April 2008 erhielt die Ukraine eine grundsätzliche Beitrittsperspektive. Am 1. Juli 2010 nahm das ukrainische Parlament ein Gesetz an, das eine Fortsetzung der Partnerschaft mit der NATO zum Ziel hat. Seit 2021 gehört die Ukraine zu jenen Ländern, die im Rahmen des Individuellen Partnerschaftsaktionsplans („Individual Partneship Action Plan", IPAP) von der NATO Unterstützung erhalten.

► Ständige Angriffe des ukrainischen Militär gegen den Raum Donezk

Zugleich wurde die Lage der Menschen in den Volksrepubliken Donezk und Lugansk immer prekärer: Die Ukraine hielt sich kaum an das im Februar 2015 geschlossene Minsk-II-Abkommen. Weder gab es die vorgesehene Verfassungsreform, die eine Autonomie des Donbass ermöglichen sollte, noch kam es jemals zu direkten Verhandlungen mit den politischen Führern der Volksrepubliken Donezk und Lugansk. Stattdessen gab es ständige Angriffe des ukrainischen Militär gegen den Raum Donezk. Mehr als 10.000 Tote waren das Ergebnis. Die Ukraine verfolgte weiter erbarmungslos ihre russischen Staatsbürger.

► Ukraine zum Standort von Atomwaffen

Natürlich hat die Russische Föderation legitime Sicherheits-Interessen. Seit dem Ende der Sowjetunion war den Gewinnern des kalten Krieges die Zerschlagung der Sowjetunion nie genug: Immer mehr ehemalige Staaten, die zum sowjetischen Staatenverbund gehörten, wurden NATO-Mitglieder. Die NATO kreiste Russland immer weiter militärisch ein. In diesen Tagen droht die Ukraine zum Standort von Atomwaffen zu werden. Die ukrainische Weltraumagentur verfügt über Träger-Raketen in ausreichender Zahl, um einen atomaren Angriff auf russisches Territorium zu starten.

Entwicklung der NATO: konsequente, provokative Osterweiterung in Richtung Russland

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► Aggressive Russophobie

In der Erklärung des russischen Präsidenten zur „Sonderoperation“ russischer Truppen in der Ukraine lässt ein Satz besonders aufhorchen: „Wir (werden) die Demilitarisierung und Entnazifizierung der Ukraine anstreben“. Tatsächlich ist mit dem ungebrochenen Bandera-Nazi-Kult in der Ukraine die Erinnerung an die ukrainisch-deutsche Kooperation im zweiten Weltkrieg genau dort lebendig, wo sie sich mit aggressiver Russophobie trifft.

► Atomarer Erpressung zuvorkommen

Der Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine ist die Ultima Ratio eines Landes, dessen Kriegserfahrung im Angriff der Deutschen auf die Sowjetunion wurzeln. Millionen Opfer führten zu einer Konsequenz: Einen Überfall auf die Sicherheit des Landes und seiner Bürger werden die russischen Erben des großen Krieges nicht dulden. Offenkundig hat die russische Führung einer atomaren Erpressung zuvorkommen wollen und begreift den Einmarsch als Krieg gegen den Krieg.

Ulrich Gellermann, Berlin

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Anmerkung Helmut Schnug: Die höchsten Verluste im WW2 musste die Sowjetunion verzeichnen: Rund 9.750.000 Soldaten der Roten Armee wurden getötet oder starben in Kriegsgefangenschaft, 14.250.000 zivile Opfer gab es. Insgesamt verloren also mindestens 24 Millionen sowjetische Bürger ihr Leben - bedingt durch den Rassenwahn des nationalsozialistischen Deutschlands. Die meisten Zivilisten wurden hingegen in China ermordet. (Quelle: statista).

Die Belagerung Leningrads, dem heutigen Sankt Petersburg, durch die deutsche Heeresgruppe Nord und spanische Truppen (Blaue Division) während des Zweiten Weltkriegs dauerte vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944, also etwa 28 Monate. Geschätzt verloren etwa 1,1 Millionen zivile Bewohner der Stadt auf Grund der Blockade ihr Leben, etwa 90 % dieser Opfer verhungerten. Die Einschließung der Stadt durch die deutschen Truppen mit dem Ziel, die Leningrader Bevölkerung systematisch verhungern zu lassen, gilt als eines der eklatantesten Kriegsverbrechen der deutschen Wehrmacht während des Kriegs gegen die Sowjetunion. Im Norden riegelten finnische Truppen die Stadt ab.


Quelle: erstveröffentlicht am 24. Februar 2022 auf meinem Blog RATIONALGALERIE >> Artikel .

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ACHTUNG: Die Bilder, Grafiken und Illustrationen sind nicht Bestandteil der Originalveröffentlichung und wurden von KN-ADMIN Helmut Schnug eingefügt. Für sie gelten ggf. folgende Kriterien oder Lizenzen, s.u.. Grünfärbung von Zitaten im Artikel und einige zusätzliche Verlinkungen wurden ebenfalls von H.S. als Anreicherung ergänzt.

Bild- und Grafikquellen:

1. S.E. Dr. Andrij Jaroslawowytsch Melnyk  (* 7. September 1975 in Lwiw, Ukrainische SSR, Sowjetunion) ist seit dem 19. Dezember 2014 der ukrainische Botschafter in Deutschland. Foto: © Botschaft der Ukraine in der Bundesrepublik Deutschland, Albrechtstrasse 26, 10117 Berlin >> Webseite der Botschaft >> Fotogalerie. All content is available Creative Commons Attribution 4.0 International license / der gesamte Inhalt der Botschaftswebseite ist mit der CC-Lizenz  Namensnennung 4.0 International (CC BY 4.0) lizenziert.

2. Entwicklung der NATO - konsequente Osterweiterung in Richtung Russland. Karte erstellt: User: Patrick Neil, basierend auf der Ausgangsversion >> Image:EU1976-1995.svg by glentamara. Quelle: Wikimedia Commons. Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0) lizenziert. Die ursrüngliche Karte wurde aktualisiert: Montenegro wurde als 29. NATO-Mitgliedsstaat am 6. Juni 2017 in den christlich-offensiven Angriffspakt aufgenommen wurde. Seit dem 27. März 2020 ist Nordmazedonien ebenfalls NATO-Mitglied und damit der 30. Staat.