Reichtumspyramide: Mehr Millionäre mit immer größeren Geldvermögen

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Reichtumspyramide: Mehr Millionäre mit immer größeren Geldvermögen
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Reichtumspyramide:

Mehr Millionäre mit immer größeren Geldvermögen

von Fred Schmid / isw München e.V.

club-rich-Reichtumspyramide-geldadel-geldelite-geldherrschaft-milliardaere-multimillionaere-neofeudalismus-plutarchie-plutokratie-reichenliste-Kitisches-Netzwerk-OXFAM Im Vorfeld des Weltwirtschaftsforums veröffentlichte die Welt-Entwicklungsorganisation Oxfam den BerichtPublic Good or Private Wealth?“ (Gemeinwohl oder Privater Wohlstand?). Die Vermögensverteilung ist außer Kontrolle geraten, stellt Oxfam fest, was sich in den enormen Vermögenszuwächsen in den Händen weniger Superreicher und Unternehmen einerseits und in der weltweiten Unterfinanzierung von Bildung, Gesundheit und sozialer Sicherung niederschlägt.

Und nicht zu vergessen, die Ärmsten dieser Welt. Zwar hat die Armut weltweit abgenommen – insbesondere durch die erfolgreiche Armutsbekämpfung in China – aber nach wie vor lebt jeder zehnte Erdenbürger (2015: 736 Millionen Menschen; Oxfam) in extremer Armut; er muss mit weniger als 1,90 Dollar pro Tag auskommen. 800 Millionen Menschen können sich nicht satt essen, sie hungern und sind lebensgefährlich unterernährt. Ein Bruchteil des Vermögens der Reichen und Superreichen würde ausreichen, um absolute Armut, Hunger und Seuchen in der Welt zu beseitigen und Kindern und Jugendlichen eine zukunftsweisende Bildung und Berufsausbildung zu geben.(>> isw-Artikel v. Willi S.)

Die Oxfam-Berechnungen zur globalen Vermögensungleichheit stützen sich beim Vermögen auf Erhebungen der Schweizer Großbank Credit Suisse in ihrem jährlichen „Global Wealth Report“ [>>siehe CS-Artikel dazu, H.S.]. Darin findet sich die „Globale Vermögenspyramide“, aus der hervorgeht, dass es 2018 an der Spitze 42 Millionen Millionäre, Multi-Millionäre und Milliardäre – jeder mit einem Gesamtvermögen von mehr als einer Million US-Dollar – gab, insgesamt 0,8 Prozent der Weltbevölkerung (gegenüber 2017 ein Anstieg um 17 Prozent). Diese 0,8 Prozent besaßen insgesamt 44,8 Prozent des Gesamtvermögens auf der Welt (Credit Suisse Global Wealth Databook 2018): 142 Billionen Dollar (eine Zahl mit 12 Nullen); im Durchschnitt 3,4 Millionen Dollar).

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Nach den Erhebungen von Oxfam besaßen 2017 44 Superreiche so viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. 2018 verfügten 26 Personen über ebenso viel Vermögen wie die untere Hälfte der Weltbevölkerung – das sind 3,8 Milliarden Menschen. Das Vermögen der Milliardäre wuchs 2018 um 900 Milliarden US-Dollar, täglich um 2,5 Milliarden Dollar (Oxfam-Factsheet, 21.1.19). Allein mit dem Zuwachs ließe sich der Tagessatz für jeden extrem Armen von 1,90 Dollar auf 5,30 Dollar fast verdreifachen – die globale Armut wäre beseitigt.

Das Vermögen der Milliardäre ist von 2017 auf 2018 um 12 Prozent gewachsen. Die ärmere Hälfte der Bevölkerung verlor dagegen 11 Prozent, oder 500 Millionen Dollar am Tag. Eine andere Schweizer Großbank – UBS – hat sich auf die Analyse der Milliardärs-vermögen spezialisiert und gibt dazu, zusammen mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC), den jährlichen Bericht „Billionaires insigths“ (Milliardärs-Einblicke) heraus. Danach gab es 2017 weltweit 2.158 Milliardäre, die ein Gesamtvermögen von 8,9 Billionen (8.900 Milliarden) Dollar ihr Eigen nannten. Ihr Vermögen hat sich gegenüber dem Jahr 2000 versechsfacht; gegenüber 2007, dem Jahr vor der Weltwirtschaftskrise, ist es mehr als eine Verdoppelung.

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Capgemini S.E. wiederum, eine der größten Unternehmens- und Vermögensberatungsfirmen, veröffentlicht jährlich einen Bericht zur Entwicklung des globalen Geldvermögens: World Wealth Report. Erfasst werden dabei die sogenannten HNWI-Personen (High Net Worth Individuals) mit einem anlagefähigen Geldvermögen von mehr als einer Million Dollar. Danach gab es 2017 weltweit 18,1 Millionen HNWIs mit einem gesamten Geldvermögen von 70,2 Billionen Dollar; jeder Dollar-Millionär nannte damit fast 4 Millionen US-Dollar sein Eigen (2010: 10,9 Millionen HNWI mit 42,7 Billionen Dollar) (World Wealth Report 2018, Juni 2018). „Anlagefähiges Geldvermögen“, das sind die Gelder, die zu den volatilen Finanzmärkten führen, die Geld- und Immobilienblasen bewirken, an den Aktienbörsen Booms und Crashs auslösen und das ganze Wirtschaftssystem immer mehr zu einem Spekulations-Casino verkommen lassen.

Deutschland: 200 Milliardäre, 2.183 Geld-Millionäre (in $)

2,55 Millionen Kinder in Armut,

4,1 Mio. Hartz-IV-Empfänger

Privates-Geldvermoegen-Vermoegen-Kritisches-Netzwerk-Finanzwerte-Milliardaere-Hyperreiche-Multimilliardaere-Multimillionaere-Vermoegensungleichheit-Superreiche-GeldadelAuch in Deutschland widerspiegelt sich die krass ungerechte Vermögens-Verteilung der Welt. Nach Berechnungen von Credit Suisse gab es allein in einem Jahr (2017) 253.000 neue Vermögens-Millionäre (Dollar-Basis): insgesamt 2,18 Millionen. Das Geldvermögen überschritt 2018 erstmals die 6-Billionen-Euro-Grenze (2018, 3. Quartal: 6.052 Milliarden): Der Löwenanteil entfiel auf die 1.365 Geld-Millionäre (auf Dollarbasis) in Deutschland (2017). Sie besaßen davon etwa die Hälfte (49 %).

Nach Oxfam verfügt das reichste Prozent der Deutschen über ebenso viel Vermögen wie die 87 Prozent der ärmeren deutschen Bevölkerung. Im internationalen Vergleich zählt Deutschland zu den Industrienationen mit der größten Vermögensungleichheit. 2017 waren 15,8 Prozent der Bevölkerung von Einkommensarmut betroffen – ein Negativrekord – und jedes fünfte Kind galt als arm.

Dafür wird der Geldadel immer reicher. Das "manager magazin" berechnet das Vermögen der 1001 reichsten Deutschen. Zum Bericht 2018 heißt es im Vorspann: „Nie zuvor gab es in Deutschland so viele Milliardenvermögen. Auf 200 Individuen und familiäre Verbünde ist ihre Zahl in diesem Jahr gestiegen. In 2001, als manager magazin diese Zahl erstmals schätzte, waren es gerade mal 69.“ (mm, Okt.,2018). In 17 Jahren also eine Verdreifachung.

Doch die Zahl der Geldaristokraten ist nicht nur größer geworden, ihre Schätze haben um einiges zugenommen. 2001verfügten die zehn ultrareichsten Deutschen über 95 Milliarden Euro, 2018 waren es 199 Milliarden. Die Tabellenführung hatten 2018 die Quandts (Susanne Klatten/Stefan Quandt: BMW und anderes) mit 34 Milliarden Euro inne.

BMW-Stefan-Quandt-Susanne-Klatten-Familienclan-Geldaristokraten-Geldaristokratie-Vermoegenspyramide-Geldadel-Superreiche-Hyperreiche-kritisches-netzwerk-zwangsarbeiter-MilliardaereDie BMW-Arbeiter machten die beiden in einem Jahr um 2.500 Millionen Euro (2017: 31,5 Mrd.) reicher: 6,8 Millionen Euro pro Tag. Ein Arbeiter, der 50 Jahre in den BMW-Werken schuftet, verdient in diesem halben Jahrhundert gerade mal 3,5 Millionen Euro (nach heutiger Lohntabelle). Noch krasser ist das Missverhältnis bei den Einzelhandelskonzernen und Discountern: Dieter Schwarz (Lidl) wurde im vergangenen Jahr um 3 Milliarden Euro reicher, + 8,2 Millionen am Tag. Dafür muss eine Beschäftigte an der Aldi-Kasse mindestens 273 Jahre arbeiten.

Nach "manager magazin" ist die „Verdreifachung der Milliardäre Ausweis unternehmerischen Wagemuts in einem stabilen, weltoffenen und prosperierenden Land“. Der „Wagemut“ der Quandts bestand z.B. darin, dass sie dicke Aktienpakete mit in die Wiege gelegt bekamen, von denen sie jedes Jahr Hunderte Millionen Euro Dividenden kassieren: 2018 für die Geschwister zusammen: 1,14 Mrd. Euro.

Das "manager magazin" schreibt: „Vergangenes Jahr fühlten wir uns angesichts der Vermögensmehrung an das Märchen vom Sterntaler erinnert, wo die Münzen wie Regentropfen vom Himmel fallen“. Aber nur für die Gold-Marie – auf die Pech-Marie hagelt es Unglück und Not.

► Vermögenszuwachs wegsteuern!

Das akkumulierte Vermögen der 200 Milliardäre betrug im Jahre 2018 739,9 Milliarden Euro; pro Kopf 3,69 Milliarden Euro. In Deutschland wurde die Vermögensteuer von der damaligen Kohl-Regierung ab 1997 abgeschafft (1996 letztes Jahr der Erhebung). Allein die Besteuerung der Milliardärsvermögen wäre eine ergiebige Quelle zur Finanzierung sozialer Staatsausgaben, wie Bildung, Familie, Gesundheit, Umweltschutz/regenerative Energien, usw. Bereits ein relativ niedriger Steuersatz von 5 Prozent auf die Milliardärs-vermögen würde ein Steueraufkommen von fast 37 Milliarden Euro erbringen. Er würde zu keinem Eingriff in die Vermögens-Substanz führen, sondern lediglich den weiteren Vermögensaufbau etwas verlangsamen. Selbst ein Steuersatz von zehn Prozent (Aufkommen: 73,8 Mrd.) hätte keine verteilungspolitische Wirkung, sondern würde höchstens den Zuwachs wegsteuern. Denn Milliardäre sind bei der Mehrung ihres Vermögens nicht auf die normalen Zinssätze angewiesen, sie haben dazu andere Hebel, wie Profite, Dividenden, Spekulation, Vermögensverwalter…

Der Artikel ist dem neuen isw-wirtschaftsinfo 55, April 2019, entnommen.

Fred Schmid


"Das Schweigen der Quandts" - ein sehenswerter Dokumentarfilm von Eric Friedler (VOLLVERSION: 1:29:45)

Der Dokumentarfilm zeigt, inwieweit die Industriellenfamilie Quandt in der NS-Zeit in das Nazi-System verstrickt war. Besonders betroffen ist das damalige Oberhaupt der Familie Günther Quandt, der im Dritten Reich als sogenannter Wehrwirtschaftsführer mit den Nazis zusammenarbeitete. Zeitzeugen belegen, dass die Familie einen erheblichen Teil des Familienreichtums auf der Basis von Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg erwirtschaftete. Filmaufnahmen und schriftliches Archivmaterial untermauern die zentrale These und belegen die Verstrickungen des Industriellen Günther Quandt während des NS-Regimes. Die Familie Quandt nutzte seinerzeit offenbar wirtschaftliche Vorteile, die die maßgeblichen Leute während der Zeit des Nationalsozialismus ihnen angeboten hatten.

KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter ermöglichten große Profite und den Konzernausbau. Die Vermögenszuwächse, die die Familie Quandt zwischen 1933 und 1945 erzielte, begründeten zum Teil auch den Aufstieg in der deutschen Nachkriegswirtschaft.

Für Das Schweigen der Quandts recherchierten die Filmemacher Eric Friedler und Barbara Siebert über fünf Jahre lang in Archiven im In- und Ausland. Mit Hilfe der zusammengetragenen Dokumente ist es ihnen gelungen, Stück für Stück die Herkunft von Teilen des Familienvermögens offenzulegen.

Das Schweigen der Quandts - Vollversion!

Frontal 21: BMW sponsert Betriebsrat - schwarze Kassen


► Quelle: Erstveröffentlicht am 13. April 2019 bei isw-München >> Artikel. Die Bilder und Grafiken sind nicht Bestandteil des Originalartikels und wurden von KN-ADMIN Helmut Schnug eingefügt. Für sie gelten ggf. andere Lizenzen, s.u..

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1. CLUB RICH - WE OWN YOU, WE OWN YOUR MONEY, WE RULE YOU - SERVE US. Grafik: johnhain / John Hain  •  Carmel/United States. Quelle: Pixabay. Alle bereitgestellten Bilder und Videos auf Pixabay sind gemeinfrei (Public Domain) entsprechend der Verzichtserklärung Creative Commons CC0. Das Bild unterliegt damit keinem Kopierrecht und kann - verändert oder unverändert - kostenlos für kommerzielle und nicht kommerzielle Anwendungen in digitaler oder gedruckter Form ohne Bildnachweis oder Quellenangabe verwendet werden. >> Grafik.

2. Globale Vermoegenspyramide 2018 >> Vermögensstufe, Erwachsenenzahl, Gesamtvermögen, Finanzwerte, Sachwerte. Quelle: Credit Suisse Global Wealth Databook 2018 >> isw-Grafik bb

3. "DIE GI€R DER SCHAMLOSEN IST SCHIER UNERSÄTTLICH". Grafik: Wilfried Kahrs (WiKa).

4. Privates Geldvermögen in Deutschland (jeweils 3. Quartal) >> isw-Grafik mz

5. BMW-Autoplakette mit Blutspritzer. Die Quandts sind eine weit verzweigte Sippe. Zurückzuführen lassen sich die Zweige auf Günther Quandt. Der wurde gut reich durch die „Arisierung“ jüdischer Unternehmen, als Produzent von Rüstungs- und Industriegütern in der Nazi-Zeit und durch die brutale Ausbeutung von Zwangsarbeitern. Zwar wurde er auf Anordnung der US-Militärregierung verhaftet und blieb zwei Jahre interniert, aber der Kriegsverbrecher Quandt entkam der blinden alliierten Justiz. Er wurde 1948 zum „Mitläufer“ erklärt. Alles Geld der Quandts ist verzinstes Blutgeld.

Einem der Quandt-Erben, Sven Quandt, fielen dazu diese Sätze aus dem Mund: „Wir haben ein Riesenproblem in Deutschland: Dass wir nie vergessen können. In der Familie … und wir haben über die Themen oft genug gesprochen … Wir finden es aber schade, denn es hilft Deutschland unheimlich wenig weiter. Je mehr wir […] da drüber nachdenken und daran erinnert werden alle, genauso wird man im Ausland daran erinnert. Und wir müssten endlich mal versuchen, das zu vergessen“. UNHEIMLICH ist das Wort: Leider hat niemand den Quandt zu einem Todesmarsch zum KZ Bergen-Belsen befohlen, wie es jenen VARTA-Zwangsarbeitern geschah, die den Erben Sven und Sonja Quandt das VARTA-Erbe erst ermöglichten. Unheimlich auch, dass die bewährte Firma erst die U-Boote der Nazi-Marine und später die U-Boote der Bundesmarine mit Batterien ausrüstete.

Selbst wenn in den untertänigen Medien mal zaghaft an die Nazi-Quandts erinnert wurde, blieb die moderne, schicke, neoliberale Sklavenarbeit in den Medien außen vor. Leiharbeiter und Werksvertragsarbeiter – Menschen im Niedriglohnsektor – sichern BMW heute prima Gewinne. Nein, man hängt heute niemanden mehr auf, um das Arbeitstempo zu steigern. Man stellt Leute ein, die der Belegschaft eine lebende Mahnung sind: Mucke ja nicht auf, sonst gehörst Du auch zu denen, die umgehend gefeuert werden können und schlechtere Löhne bekommen. (Text: Ulrich Gellermann, Berlin)

Foto: bernardsie. Quelle: Pixabay. Alle bereitgestellten Bilder und Videos auf Pixabay sind gemeinfrei (Public Domain) entsprechend der Verzichtserklärung Creative Commons CC0. Das Bild unterliegt damit keinem Kopierrecht und kann - verändert oder unverändert - kostenlos für kommerzielle und nicht kommerzielle Anwendungen in digitaler oder gedruckter Form ohne Bildnachweis oder Quellenangabe verwendet werden. Die Grafik wurde digital verändert (Blutspritzer) durch Wilfried Kahrs (WiKa).