Trump und Co – Unberechenbarkeit als Prinzip?

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Kai Ehlers
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Trump und Co – Unberechenbarkeit als Prinzip?
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Trump und Co – Unberechenbarkeit als Prinzip?

Donald Trumps unberechenbare Wendemanöver beunruhigen die Weltgemeinschaft. Der Kampf um die Erhaltung der US-amerikanischen Vorherrschaft nimmt irrationale und existenzielle Formen an: Raketenangriff auf Syrien, Megabombe in Afghanistan, Interventionsdrohungen gegen Nordkorea. Was demnächst? Eine strategische Linie ist nicht erkennbar außer Demonstrationen von „Entschlossenheit“.

pleitegeier_staatsschulden_financial_crash_finanzcrash_isolationismus_kritisches_netzwerk_make_america_great_again_exceptionalism_america_first_kapitalismus_neoliberalismus_neoliberalism.jpgFragt sich, Entschlossenheit wozu? Sind die USA unter Trump bereit, den von vielen Menschen befürchteten finalen Crash zu riskieren, um ihre Vormacht zu halten? Sind die Europäer und die übrigen Staaten der Welt bereit, das Risiko mit zu tragen? Wofür? Gegen wen? Was gibt es zu retten?

Betrachten wir die entstandene Situation aus der Sicht der frühen Kritiker des Kapitalismus, dann finden wir vielleicht einen Zugang zur Beantwortung dieser Fragen:

Der moderne Arbeiter,“ schrieben die Verfasser des Kommunistischen Manifestes (hier und hier), Karl Marx und Friedrich Engels dem entstehenden Kapitalismus 1848 als Schlusswort ihrer Analyse ins Stammbuch, „statt sich mit dem Fortschritt der Industrie  zu heben, sinkt immer tiefer unter die Bedingungen seiner eigenen Klasse. Der Arbeiter wird zum Pauper, und der Pauperismus  entwickelt sich noch schneller als Bevölkerung und Reichtum. Es tritt hiermit offen hervor, daß die Bourgeoisie unfähig ist, noch länger die beherrschende Klasse der Gesellschaft zu bleiben und die Lebensbedingungen ihrer Klasse der Gesellschaft als regelndes Gesetz aufzuzwingen, Sie ist unfähig zu herrschen, weil sie unfähig ist, ihrem Sklaven die Existenz selbst innerhalb seiner Sklaverei zu sichern, weil sie gezwungen ist, ihn in eine Lage herabsinken zu lassen, wo sie ihn ernähren muss, statt von ihm ernährt zu werden.

Es folgt das bekannte Schlusswort: „Die Bedingung des Kapitals ist die Lohnarbeit. Die Lohnarbeit beruht ausschließlich auf der Konkurrenz der Arbeiter unter sich. Der Fortschritt der Industrie, dessen willenloser und widerstandsloser Träger die Bourgeoisie ist, setzt an die Stelle der Isolierung der Arbeiter durch die Konkurrenz  ihre revolutionäre Vereinigung durch die Assoziation. Mit der Entwickelung der großen Industrie wird also unter den Füßen der Bourgeoisie die Grundlage selbst hinweggezogen, worauf sie produziert und die Produkte sich aneignet. Sie produziert vor allem ihre eigenen Totengräber. Ihr Untergang und der Sieg des Proletariats sind gleich unvermeidlich.“ [1]

Absehbare Revolten

donald_trump_uncle_sam_cat_don_make_america_great_again_establisment_federal_reserve_system_wall_street_republican_party_republicans_kritisches_netzwerk_stock_exchange.jpgNun vereinigt die heutige industrielle Entwicklung die Arbeiter und die Belegschaften von Betrieben immer weniger in revolutionären Assoziationen, sondern bringt stattdessen in steigendem Maße individualisierte Arbeitsprozesse hervor, die zugleich immer Menschen als nicht mehr benötigte ‚Überflüssige‘ freisetzen, als Subproletariat aussondern. Zugleich wächst die Erdbevölkerung von von jetzt bereits 7,5 Milliarden Menschen um rund achtzig Millionen Menschen jährlich.

Daraus erwächst für die herrschenden Verhältnisse eine noch fundamentalere Gewissheit ihres drohenden Unterganges, wenn anstelle der von Marx prognostizierten „revolutionären Assoziation“ Revolten atomisierter, entwurzelter Individuen treten, in denen sich die blanke Überlebensnot gewaltsam Bahn bricht – nicht zuletzt in Formen eines hilflosen, ziellosen Terrorismus.

Vor diesem Hintergrund gewinnt Donald Trumps Poltern als Vertreter der Vormacht des an seine Grenzen stoßenden Kapitalismus seine Bedeutung. Vor diesem Hintergrund werden auch die ‚verständnisvollen‘ Kommentare zu den ‚entschlossenen‘ Maßnahmen seiner Politik wie etwa die der deutschen Kanzlerin, aber auch die zurückhaltenden Reaktionen anderer westlicher Staaten als das transparent, was sie ihrem Wesen nach sind: als Versuch, den absehbaren Untergang der herrschenden kapitalistischen Weltordnung mit allen Mitteln und sei es militärisch aufzuhalten. Zweimal ist dieser Versuch unter ungeheuren Opfern gelungen; erster Weltkrieg, zweiter Weltkrieg. Stehen wir jetzt vor dem nächsten, vielleicht letzten Versuch?

Die Offenbarungen Trumps

stars_and_stripes_donald_trump_nationalismus_isolationismus_kritisches_netzwerk_make_america_great_again_exceptionalism_america_first_kapitalismus_neoliberalismus_neoliberalism.jpgDie Aktivitäten des neuen US-amerik. Präsidenten lassen solche Befürchtungen in die Wahrscheinlichkeit treten. Aber es ist nicht  etwa so, dass Donald Trump, wie manche Zeitgenossen meinen, durch seine Unberechenbarkeit eine völlig neue Qualität der US-Politik präsentierte, indem er die Kriterien, nach denen diese Politik betrieben wird, undurchschaubar macht. Nein, im Gegenteil, er offenbart nur den tatsächlichen Charakter der US-Politik in ihrer nackten nationalistischen Egozentrik.

Fraktionierung der Weltgemeinschaft nach dem Prinzip ‚teile und herrsche‘, Politik des ‚Regime Changes‘, all dies ist ja nicht neu. Auch die Willkür, mit der die US-Politik ihre Ziele durchsetzt, ist nicht neu. Es ist nur so, dass unter Trump die Rücksichten, die unter Obama noch genommen wurden, jetzt fallen gelassen werden, sei es weil Trump keine Ahnung davon hat, wie Diplomatie funktioniert, ja, nicht einmal als Demagoge geschickt genug ist, sich zu verstellen, sei es, dass es ihm vollkommen gleich ist oder weil er einfach provozieren will.

Der entscheidende Punkt ist, dass unter Trump Weltpolitik nach dem Prinzip einer US-Unternehmensführung betrieben wird, ‚hire and fire‘. Wer mir nicht nützt, wird gefeuert. Das war schon das Prinzip unter George W. Bush. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Das war unter Barack Obama im Grunde nicht anders, nur leicht verdeckt, weil die USA durch die Politik, die Bush angelegt hatte, zu stark in die Isolation gekommen waren.

Im Prinzip wurde das Durchstechen, der Alleingang der US-Politik von Obama nur auf eine technische Ebene gehoben, weg von der sichtbaren und demonstrativ vorgeführten plumpen Intervention auf die Ebene des weniger sichtbaren, heimlichen, ‚sauberen‘ Drohnenkrieges. Mit dem Drohnenkrieg ging die amerikanische Politik unter verbindlichem Lächeln ihres Präsidenten zu direkter Liquidation der von ihr zu Gegnern erklärten Personen über, klar gesagt, zu globaler Lynchjustiz unter Missachtung jeglicher völkerrechtlicher Regeln.

Neue Formen des Krieges

Lassen wir also die moralische Empörung, die sich an Trumps persönlichen Mängeln als ‚unerhört‘, ‚unverantwortlich‘ und dergl. abarbeitet, beiseite und schauen wir, was konkret passiert. - Konkret passiert nichts anderes, als dass die USA in ihrer Situation der niedergehenden Weltmacht wie ein wildes Tier um sich schlagen, so wie, um ein altes Bild aus der chinesischen Politik zu gebrauchen, der Tiger, der in die Enge getrieben wird, um sich schlägt.  

Aber was bedeutet das? Bedeutet das, dass wir morgen den großen, den dritten Weltkrieg zu erwarten haben? Vermutlich trotz allem nicht, nicht in der Art jedenfalls, die wir von den beiden großen vorangegangenen Weltkriegen kennen. Nur kann dies keine Entwarnung sein. Unsere Vorstellungen vom Krieg müssen neu gedacht werden. Es muss neu wahrgenommen werden, wie Krieg heute geführt wird.

Heute geht es nicht mehr um Landnahme, wie noch im zweiten Weltkrieg, wie selbst noch unter Bush, der in den Irak einmarschieren ließ. Alles Gerede, von wegen ‚einmarschieren in Syrien oder nicht einmarschieren‘, kann man getrost als hohle Propaganda beiseitelassen. Darum geht es nicht. Heute geht es darum, die möglichen Gegner zu diffamieren, klein zu machen, einzudämmen, zurückzudrängen, zu schwächen, seine Gesellschaft lahm zulegen und zu spalten, Unfrieden zwischen ihnen zu schüren, damit  sie sich möglichst gegenseitig bekämpfen etc.pp.

Den großen Krieg zu führen, das hieße den Atomkrieg zu riskieren. Das wäre der totale Widersinn auch für die, die einen solchen Krieg beginnen sollten. Widersinnig bleibt es selbst unter der Voraussetzung, dass heute ‚nukes‘ existieren, deren Einsatz örtlich begrenzbar ist. Ein solcher Einsatz müsste in jedem Falle eine Eskalation nach sich ziehen.

friedenstaube_taube_tarnkappenflugzeug_friedenstauben_dove_of_peace_colombe_de_la_paix_stealthflugzeug_stealth_aircraft_auslegungssache_interpretation_kritisches_netzwerk.jpgSchauen wir genau hin: Das Gerede um die Modernisierung der NATO: Was wird da modernisiert? – Modernisiert wird die NATO als Kriseninterventionsinstrument im globalen Maßstab, auf der Ebene des Cyberkrieges, des Internetkrieges, des Weltraumkrieges, des sog. ‚hybriden Krieges‘, das heißt, des entgrenzten, vielstufigen Krieges.

Was sich heute entwickelt, ist der unerklärte Krieg, in dem Krieg oder Frieden fließend ineinander übergehen, in dem nicht mehr klar zu unterscheiden ist, wo Frieden aufhört und wo Krieg schon begonnen hat. Der Krieg beginnt bereits im Kindergarten, in der Schule, in den Medien, in der Propaganda, in der Wirtschaft. Er steigt über all diese Ebenen hinein bis in die sog. „Innere Sicherheit“, bis in die Generalprävention gegenüber einer täglich beschworenen globalen Bedrohung.

Irreführende Feinderklärungen

Von wo kommt die Bedrohung? Von Russland? Von China? Vom Islam? Von Nordkorea? Vordergründig mag das so scheinen. Langfristig gesehen kommen die Bedrohungen jedoch nicht von Russland, nicht von China, erst recht nicht von Nordkorea. Jedenfalls nicht primär. Diese Konflikte sind konjunkturell und können geregelt werden, wenn man sich in der Hauptsache einig ist. Die Hauptsache aber heißt: Die eigentliche Bedrohung kommt aus der Masse der Menschen, die heute aus den Industriegesellschaften ausgegrenzt werden. Hier hat denn auch die Kritik ihre tiefere Ursache, die von den wichtigsten der heutigen ‚player‘, also von Russland, ebenso wie von China gegen die US-Politik vorgebracht wird, nämlich, dass die USA nicht bereit seien, gemeinsam gegen ‚den‘Terrorismus vorzugehen.

‚Gemeinsam gegen den Terrorismus‘ heißt im Kern eben nichts anderes, als gemeinsam gegen die Unterprivilegierten, die Ausgestoßenen, die in ihrer Ohnmacht, Wut  und Verblendung zu Terror greifenden Minderversorgten und zivilisatorisch Zurückgestauten vorzugehen, um sie niederzuhalten, sie wenn nötig nieder zu bomben. Da liegt das Ziel der NATO, die sich anschickt eine Weltorganisation zur Krisenprävention werden zu wollen. Da liegt die eigentliche Struktur, um die es heute geht – lokal wie global. Hier sei nur an Zbigniew Kazimierz Brzezińskis Warnungen vor dem „Awakening of people“, dem "Erwachen der Völker und Personen" erinnert. [2] Alles andere sind vordergründige Techtelmechtel, sind Ablenkungen, Ersatzkämpfe, auch wenn sie brutal daherkommen und immer wieder die Schlagzeilen der Presse füllen.

kai_ehlers_die_kraft_der_ueberfluessigen_macht_ueberfluessigsein_bedarfsgesellschaft_selbstorganisation_kritisches_netzwerk_russland_ueberlebenskampf_eugenik_terra_nova.jpg Was heute heranwächst, sind Stellvertreterkriege einer ganz neuen Art, Abwehrkämpfe einer zum Untergang verurteilten Ordnung, die nach dem Gießkannenprinzip weltweit inszeniert werden. Im Kern geht es um die Millionen, besser wohl sogar zu sagen, die Milliarden der ‚Überflüssigen‘. Milliarden Menschen, die nach Teilhabe verlangen, welche ihnen in zunehmendem Maße verwehrt ist, lassen sich ja nicht einfach mit einem großen Krieg auslöschen, bei dem das Risiko besteht, dass die herrschenden Kreise selbst mit untergehen.

Nein, die Ausgegrenzten müssen propagandistisch so eingelullt, so in Angst versetzt, so eingeschüchtert werden, dass sie eine manipulierbare Masse werden, in der sich die ‚Überflüssigen‘ möglichst noch gegenseitig dezimieren. Die dazu langfristig angelegten Präventionsstrategien in ihrer Abstufung von der Indoktrination bis zur Bombe sind die eigentliche Kriegführung von morgen – und schon heute erkennbar. [3]  

Der Wunsch nach Grundversorgung, nach Selbstbestimmung, nach Autonomie, nach anderen als den kapitalistischen Beziehungen ist der eigentliche Gegner der gegenwärtigen Großmächte. Diese Bestrebungen unten zu halten, darin sind sich die Führungen der Großmächte, bei aller Unterschiedlichkeit der dazu verfolgten Strategien einig. Die einen, wie Trump, wollen das durch die Dominanz eines bewaffneten großen Nationalstaates erreichen, eben der USA als Weltpolizist, die anderen wie Russland oder China über die Stärkung einer Völkerordnung, wie sie die gegenwärtige UNO darstellen könnte, wenn sie als Vertretungsorgan mehr Macht hätte.

Das sind erhebliche Unterschiede, die Stoff für aktuelle Konflikte enthalten. Unter dem Strich aber steht die als gemeinsame Bedrohung ausgemachte Gefahr: die Unkontrollierbarkeit möglicher Revolten rund um den Globus gegen die gegenwärtigen Herrschaftsstrukturen.

Es ist Zeit aufzustehen

Lassen wir uns also nichts vormachen. Lassen wir uns nicht erfundene Feindbilder aufdrängen, nicht in eine Angstpsychose jagen, die einzig und allein auf Wohlverhalten, auf Stillhalten der Bevölkerung zielt, damit  die Herrschaften, die heute noch das Sagen haben, weiterhin das Sagen haben können.

Es ist Zeit den Ursachen der heutigen Probleme wirklich an die Wurzel zu gehen. An die Wurzel gehen heißt, es ist Zeit, die kapitalistische Produktionsweise, die katastrophentreibende Priorität der Ökonomie zu durchbrechen zugunsten einer Weltordnung, einer Menschenordnung, einer Völkerordnung, die den Menschen, jeden einzelnen, das Individuum und seine Bedürfnisse, wirtschaftliche, geistige und rechtliche in den Vordergrund stellt in einer Welt, die geleitet wird von gegenseitiger Hilfe statt einer Welt, in der Konkurrenz als Leitwert gilt.

Es wird Zeit, sich nicht weiter in die Ohnmacht pressen zulassen, es wird Zeit sich zu wehren, es wird Zeit aufzustehen, es wird Zeit, da, wo wir leben, jede und jeder an seinem und ihrem Ort, die Prinzipien, nach denen diese kapitalistische Gesellschaft heute funktioniert – genau gesagt, eben nicht mehr funktioniert – in Frage zu stellen, dem Krieg da  entgegenzuwirken, wo er im Alltag bereits als Ellbogengesellschaft beginnt. Zäune gegen Armut, Bomben gegen den Terror - das wird die sich abzeichnende Entwicklung nicht aufhalten. Krieg gegen ‚den‘ Terror ist nichts anderes als eine Eskalationsspirale.

Man muss sich dieser Eskalationsspirale entziehen. Wenn es bei Marx heißt, dass die kapitalistische Produktionsweise notwendig zum Untergang bestimmt ist, dann ist das unter ökonomischen Gesichtspunkten eine unbestreitbare Wahrheit, zumal, wenn sie durch die heutige Entwicklung des Kapitalismus zur roboterisierten Gesellschaft zugespitzt wird, aus der kein rettendes Proletariat mehr herauswächst, sondern die Perspektive weltweiter Revolten von marginalisierten ‚Überflüssigen‘ am Horizont auftaucht. Dennoch, ja, gerade deswegen, muss gesagt werden, dass zwischen die Pole von Krieg oder Nichtkrieg immer noch die Entscheidung des Menschen, einzelner wie die von Staatsführungen gestellt ist, ja, dass mehr noch als je zuvor jeder einzelne Mensch an dem Platz, an dem er oder sie steht, die Möglichkeit hat, ja zu sagen, zu einer anderen als der bloß ökonomischen Priorität. Dieses Recht dürfen wir uns nicht nehmen lassen. Es ist unsere einzige Chance, aber die gibt es.

Kai Ehlers, www.kai-ehlers.de .

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pin_red.gif Bitte auch den Kommentar von KN-Red. LOGOS beachten! (bitte runterscrollen)

Podcast:

Vortrag Kai Ehlers-Krise des Nationalstaats und Dreigliederung
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Vortrag Kai Ehlers beim Kieler Friedensforum
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pin_green.gif Anmerkungen zum Thema:

"Die Kraft der Überflüssigen und die Macht der Über-Flüssigen", (erweiterte Neuauflage von „Die Kraft der ‚Überflüssigen‘ – Der Mensch in der globalen Perestroika“ )
Eigenverlag, Erschienen bei „Verein zur Förderung der deutsch-russischen Medienarbeit e.V.“, Hannover, Dezember 2016, ISBN 9783-7412-98066, 10.99 €

Das Buch zeigt, wer die „Überflüssigen“ sind und welche Kräfte in ihrem „Überflüssigsein“ liegt, welchen Widerständen bis hin zu eugenischen Selektionsphantasien ihr Aufbruch ausgesetzt ist, wie der Weg der Selbstorganisation in einer neuen, sozial orientierten Gesellschaft aussehen könnte. (Bestellungen über: info@kai-ehlers.de)

[1] Manifest der Kommunistischen Partei, Ende von Teil I, Bourgoisie und Proletariat, in Kröner, Frühschriften, S. 538

[2] Zbigniew Brzezinski, Strategic vision, America and the crisis of Global power, basic Books, New York, 2013, S. 30 ff

[3] Siehe dazu: Gunnar Heinsohn, Söhne und Weltmacht, orellfüssli, Zürich, 2003
Ausserdem: Kai Ehlers, die Kraft der Überflüssigen und die Macht der Über-Flüssigen“, erweiterte Neuauflage, 2016



pin_green.gif Vortragsangebote, für die Kai Ehlers gebucht werden kann: (Kontakt über: www.kai-ehlers-de)

Aktuell:

Was kommt nach Putin?
Stichwort: Putin als interner und externer Krisenmanager und seine Grenzen.

Angst vor Russland – warum?
Stichwort: Russlands Autarkie und Unberechenbarkeit.

Russland ohne Europa?
Stichwort: Ist Russland ohne Europa und Europa ohne Russland denkbar?

Bündniskarussell - Neugruppierung der Weltmächte?
Stichwort: Trump, Putin, Xi Jinping - neue Weltordnung oder neue Fronten?

Ukraine-Syrien-Korea
Stichwort: ‚Eingefrorene Konflikte‘ und ‚failed-states‘: Minen des Jahrhunderts

‚Aus für die NATO‘?
Stichwort: NATO in der Krise – oder entstehen nur neue Formen des Krieges?

Nachdenken über Deutschland
Stichwort: Deutscher Geist – Segen oder Fluch?

Was ist am Islam so attraktiv?
Stichwort: Islam als ganzheitliches, sozio-politisches Angebot jenseits der Alternative von Kapitalismus oder Sozialismus

Regionalisierung – Signal wofür?
Stichwort: Neues Staatsverständnis oder neuer Nationalismus?

Russland:

Putin Aggressor oder Krisenmanager?
Stichwort: Blick auf Putins Konsenspolitik

Was ist das Russische an Russland?
Stichwort: Vielvölkerorganismus statt Nationalstaat

Russland – Entwicklungsland neuen Typs?
Stichwort: Nicht sozialistisch, nicht kapitalistisch – was dann?

Von Russland lernen?
Stichwort: Impulse aus der russischen  Gemeinschaftstradition

Russlands religiöser Pluralismus
Stichwort: Russlands nach-atheistische spirituelle Dynamik

Gibt es eine ‚russische Idee‘?
Stichwort: Hat Russland eine  Kulturaufgabe für das 21. Jahrhundert?

Russland in Eurasien – immer noch ‚Herzland‘?
Stichwort: Annäherung an eine nach wie vor verfolgte geopolitische Zielvorgabe

Modell Kasan – Beispiel eines säkularen Islam in Russland

Europa:

Gibt es eine europäische Idee/Mission?
Stichwort: Europa ist mehr als die EU – aber was?

EU – Puffer zwischen USA und Russland?
Stichwort: EU nur ein Instrument der US-Politik?

Nachdenken über Deutschland im globalen Koordinatenkreuz
Stichwort: Deutschland neue Führungsmacht oder Vermittler?

Deutsch-Russische Achse – Rettung oder Trauma?
Stichwort: Geschichte und mögliche Zukunft deutsch-russischer Zusammenarbeit

Deutscher Geist – Segen oder Fluch?
Stichwort: Gibt es einen spezifischen deutschen Charakter?

Generell:

Krise des Nationalstaats und Perspektiven der Dreigliederung heute
Stichwort: Ist die Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus inzwischen zur historischen Notwendigkeit herangereift?

Krise des Nationalstaats?
Stichwort: Kommunalisierung, Regionalisierung, Föderalisierung, Dreigliederung von Wirtschaftsleben, Geistesleben, Rechtsleben – bilden sich heute neue Formen des sozialen Organismus heraus? Oder erlebt die Welt einen Rückfall in Nationalismus?

Hat Mitteleuropa heute noch eine Aufgabe zwischen westlichem Herrschaftsanspruch und östlichem Kulturkeim?
Stichwort: Rückblick auf das zurückliegende Jahrhundert 1917-2017. Ist eine Vermittlung von westl. Individualismus u. östl. Gemeinschaftstraditionen möglich?

Heimat in der Globalisierung – was kann das sein?
Stichwort: Gemeinschaftsbildung, Wahlfamilie und Beziehungsgesellschaft.    

Migration, Revolte, Terror, Revolution – eine notwendige Reihe?
Stichwort: Kann es eine gewaltfreie Lösung der globalen Krise geben?

Kapitalismus, Sozialismus, Dreigliederung – ein Lernprozess?
Stichwort: Russische Revolution, realer Sozialismus – nur ein gescheitertes Experiment oder eine Lehre für die Zukunft?

Großbritannien / USA – Russland: eine historische Polarität.
Stichwort: Westen/Osten, Seemacht/Landmacht Neue Welt / alte Welt.

Präventionswahn – neue Formen der Eugenik.
Stichwort: Strategien gegen die ‚Überflüssigen‘ von heute und morgen.

Bild- und Grafikquellen:

1. Pleitegeier vor den "Stars and Stripes". Sind die USA unter Trump bereit, den von vielen Menschen befürchteten finalen Crash zu riskieren, um ihre Vormacht zu halten? Sind die Europäer und die übrigen Staaten der Welt bereit, das Risiko mit zu tragen? Wofür? Gegen wen? Was gibt es zu retten? Foto/Grafik: IoSonoUnaFotoCamera. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0).

2. Trump aka Uncle Sam will die Steuern für Reiche und für Unternehmen massiv senken und die Steuertricks US-amerikanischer Firmen legalisieren. Die Steuersätze sollten 10, 25 und 35 Prozent betragen. Das vorgesehene billionenfache Investitionsprogramm könnte nur über eine Kürzung der Sozialausgaben und über Steuern auf Importe finanziert werden. Oder Trump finanziert es über weitere Staatsverschuldung. Dies würde weiter an den nächsten Finanzcrash heranführen. Trumps Wirtschaftskonzept ist wirr und erkennbar unwirksam, so weit es die Versprechungen für die Mittelklasse und die Arbeiter angeht. Foto/Gemälde: Dan Lacey. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung-Nicht kommerziell 2.0 Generic (CC BY-NC 2.0).

3. Stars and Stripes - shadow of Donald Trump. Foto: IoSonoUnaFotoCamera. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0).

4. "THERE ARE NO HUMANITARIAN WEAPONS." Grafik: Tjebbe van Tijen. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung-Keine Bearbeitung 2.0 Generic (CC BY-ND 2.0).

5. "Je nach Gesinnung haben die Menschen unterschiedliche Vorstellungen von Friedenstauben". Grafik: Wilfried Kahrs (WiKa).

6. Buchcover: "Die Kraft der Überflüssigen und die Macht der Über-Flüssigen."; von Kai Ehlers; Erweiterte und kommentierte Neuauflage Dezember 2016;

Überflüssig? Abgedrängt? Kein Ausweg? Keine Perspektive? Nur noch der große Crash? Nur noch Selektion von Nützlichen und nicht Nützlichen? Oder Revolten?

Schauen wir genau hin: Die „Überflüssigen“ sind nicht das Problem, das entsorgt werden müßte – sie sind die Lösung. Sie sind Ausdruck des über Jahrtausende angesammelten Reichtums der Menschheit – wirtschaftlich, sozial und kulturell. Sie sind Ausdruck der Kräfte, welche die Menschheit heute zur Verfügung hat, um vom physischen Überlebenskampf aller gegen alle in eine ethische Kulturgemeinschaft überzugehen, die am Aufstieg des Menschen zum Menschen orientiert ist und keinen Menschen mehr ausschließt.

Das vorliegende Buch zeigt: Wer die „Überflüssigen“ sind, welche Kräfte in ihrem „Überflüssigsein“ liegen, welchen Widerständen bis hin zu eugenischen Selektionsphantasien der heute Mächtigen ihr Aufbruch ausgesetzt ist, welche Kraft die „Überflüssigen“ bilden, wenn sie sich entschließen, ihr Leben selbst zu organisieren – und schließlich, wie der Weg der Selbstorganisation in einer neuen, sozial orientierten Gesellschaft aussehen könnte. KAUFTIPP!

7. KRIEG ist . . . wenn Deine Regierung Dir erzählt wer der Feind ist. REVOLUTION ist . . wenn Du es selbst herausfindest. Grafikbearbeitung: Wilfried Kahrs (WiKa).

8. Textgrafik: Die Blutspur der NATO: Vietnam, Jugoslawien, Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien, Mali und Jemen. Grafik: Wilfried Kahrs (WiKa) / QPress.de .

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Beigetreten: 10.09.2016 - 11:31
Trumps „Poltern“ hat nichts mit Kapitalismus-Infarkt zu tun


Trumps „Poltern“ hat nichts mit einem Infarkt des Kapitalismus zu tun

Die Wurzeln heutiger Probleme liegen überwiegend im durch und durch asozialen Neoliberalismus

donald_trump_rechtspopulismus_make_america_great_again_white_house_kritisches_netzwerk_establisment_republican_party_republicans_neoliberalism_neoliberalismus_president-elect.jpg Donald Trumps unberechenbare Wendemanöver beunruhigen die Weltgemeinschaft? Wer genau ist mit „Weltgemeinschaft“ gemeint? Wenn damit vernünftig denkende Menschen gemeint sind, dann stimmt dies sicherlich. Wenn aber unter Weltgemeinschaft die politischen „VertreterInnen“ und selbsternannte Eliten der Nationen verstanden werden, so sieht die Angelegenheit gleich ganz anders aus: Vor und nach der Wahl wurde Trump durch Politik und Medien als Irrer dargestellt. Als er hingegen tatsächlich eine irre Tat vollzog, nämlich den völkerrechtswidrigen Luftangriff auf den syrischen Luftwaffenstützpunkt Shayrat Airbase (KN-Artikel dazu hier und hier), bevor auch nur entfernt eine seriöse Untersuchung und Aufklärung der wahren Täterschaft erfolgen konnte, da klatschen die Gleichen, die ihn zuvor als Irren darstellten, Beifall und fabulierten etwas von „nachvollziehbar“ und "plausibel". DAS ist doch irre.

Was sagt das über die Berechenbarkeit unserer Politiker? Wie beunruhigend ist so ein Irrsinn für vernünftig denkende Menschen?

Dass US-amerikanische Präsidenten bei ihrer Bevölkerung im Ansehen stiegen, wenn diese Krieg führten und dank eines irren Patriotismus selbst ehemalige Gegner hinter sich scharen konnten, ist doch wirklich nichts Neues. Hat jemand ernsthaft etwas anderes erwartet?

Marx und Engels haben nur die sozialen Tiefpunkte des Kapitalismus mit all seinen Verwerfungen kennengelernt. Die sozialen Aufstiege „des Proletariats“ in den 60er und siebziger Jahren haben beide weder erlebt noch erwartet. Dass seit vielen Jahrzehnten soziale Errungenschaften abgebaut und Armut wieder zunimmt, hat in aller erster Linie etwas mit den nicht-verstandenen Wirkmechanismen des Kapitalismus und obendrein noch einer totalen Fehlsteuerung durch den Neoliberalismus zu tun.

Was die wahren Interessen der herrschenden Klasse sind, darüber kann nur spekuliert werden. Angeblich soll es Kräfte gegen, die meinen, dass der Planet überbevölkert ist und auf 500 Millionen zurückgestutzt werden sollte. Sofern das wahr wäre, haben diese überhaupt keine Interesse daran, 7 Milliarden Sklaven ein Überleben in Würde und freiheitlicher Selbstbestimmung zu sichern, wenn es rund eine halbe Milliarde auch tut. Die vermeintlich diagnostizierte Unfähigkeit zu herrschen wären dann dahin.

Dass ausgerechnet "durch die Entwicklung der großen Industrie der Bourgeoisie die Grundlage unter den Füßen hinweggezogen wird, worauf sie produziert und sich Produkte aneignet", ist nicht einmal im Ansatz erkennbar: gerade die immer höhere Investitionskosten erfordernde Technik bewirkt eine Machkonzentration (Akkumulations des Kapitals), welche neben dem neoliberalen Umverteilungsprozess von arm nach reich mit dazu beiträgt, dass immer weniger Hyperreiche immer mehr besitzen.

Weder ihr Untergang, noch der Sieg des Proletariats sind unvermeidlich: durch einen immer weiter überbordenden Überwachungsstaat, eine Militarisierung der Polizei und die neoliberale [verlogene] Gehirnwäsche, dass jeder das erhält, was er durch seinen Leistung verdient, ist durchaus vorstellbar, dass Aufstände unterdrückt oder gar im Keim erstickt werden. Außerdem funktioniert "Brot und Spiele" noch immer hinreichend gut. Der durch die immer schlechter werdenden sozialen Verhältnisse vorangetriebenen Rassismus und Nationalismus spielen den Herrschenden weiter in die Hände, indem durch falsche Feindbilder von ihnen abgelenkt wird.

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Wo bleibt denn die Vereinigung der Proletarier aller Länder? Statt Solidarisierung über nationale Grenzen hinweg findet doch aktuell exakt das glatte Gegenteil statt. Entlang nationaler Grenzen wird Hass geschürt und innerhalb der Gesellschaften findet eine Entsolidarisierung statt. Unvermeidlicher Sieg des Proletariats? Im Wolkenkukuksheim womöglich. Die Realität sieht leider anders aus!

Atomisierte Revolten sollen wirkmächtiger sein als die eine „revolutionäre Assoziation“? Warum angeblich? Es wird doch sogar selbst zugegeben: der Terrorismus ist hilf- und ziellos! Wo hat denn ein Terroranschlag je die Mächtigen getroffen? Tatsächlich spielt der Terrorismus wieder den Machthabern in die Hände. Als Stichworte seien "tiefer Staat", "Terrormanagement", "Förderung und perfider Ausbau des Überwachungsstaates" und das ablenkende "Feindbild Terrorismus" genannt.

Trumps „Poltern“ dürfte wenig bis gar nichts mit einem an seine Grenzen stoßenden Kapitalismus zu tun haben, sondern vielmehr mit einer Kombination folgender Sachverhalte:

1) Die US-Wirtschaft soll inkl. Zulieferer zu rund 40% vom militärisch-industriellen Komplex (MIK) abhängen. Die USA benötigen eine Vielzahl militärischer Schamützel und Stellvertreterkriege, damit ihre Wirtschaft nicht endgültig kollabiert.

2) Das Überziehen der Welt mit Kriegen ist typisch für ein Imperium in seiner Endphase.

3) Trump dürfte um die positiven Wirkungen für sich wissen, wenn er Krieg führt.

4) Inwieweit selbst der US-amerikanische Präsident nicht auch Marionette des US-Systems ist, hat bereits Obama demonstriert, als er an der Umsetzung fast aller seiner Zielvorgaben jämmerlich gescheitert ist. Er begann Friedensnobelpreisträger und endete als Drohnenkriegskönig und Massenmörder (s.u.).

Ich bin sehr gut im Töten von Menschen [durch Drohnen] - aus dem engl. Original: I’m ‘really good at killing people
Barak Obama, ehemal. US-Präsident, Friedensnobelpreisträger [Quelle1] [Quelle2]

Den Ausführungen ab „Die Offenbarungen Trumps“ hingegen sind weitgehend zustimmungsfähig.

Im mit „Der Wunsch nach Grundversorgung“ beginnenden Satz wäre „kapitalistischen“ gegen „neoliberale“ auszutauschen.

Die Wurzeln der heutigen Probleme liegen überwiegend im durch und durch asozialen Neoliberalismus, der nur den Großkonzernen und Superreichen dient, dem zinseszins-Geldsystem und einer Politik, die sich selbst zu willfährigen Handlangern der Mächtigen degradiert hat und nicht im Kapitalismus!

Es ist schon bemerkenswert, was Carl Friedrich von Weizsäcker, der ältere Bruder des ehemaligen Bundespräsidenten Richard v. W., in seinem 648 Seiten umfassenden Werk "Der bedrohte Friede" schrieb. Das Buch erschien 1981 erstmals im Münchner Carl Hanser Verlag unter der ISBN 3-446-13454-9. Es handelt sich um eine Zusammenstellung "Politische Aufsätze 1945-1981". Im Jahre 1982 erschien sogar eine Ausgabe für die Mitglieder im Bertelsmann-Club. Der Deutsche Taschenbuch-Verlag brachte 1983 und 1984 eine Taschenbuchausgabe mit der ISNBN 3-423-10182-2 auf den Markt. Im Jahre 1994 versuchte sich wiederum der Carl Hanser Verlag an einer Neuauflage mit geändertem Titel: "Der bedrohte Friede – heute" ; ISBN-10 3-446-17697-7. Auffällig ist, dass diese Version nur noch 335 Seiten hat. Hier wurde entweder stark gekürzt oder eine neues Buch-Layout bzw. kleinere Schrift gewählt. Alle Ausgaben der Bücher sind bis heute vergriffen, man findet sie antiquarisch ab 50€ z.B. bei Booklooker.de .

Von Weizsäcker prognostizierte bereits 1981, also vor ~ 36 Jahren, den Niedergang des Sowjet-Kommunismus innerhalb weniger Jahre. Dafür wurde er ausgelacht: (Anmerkung: Und dieses Buch ist offensichtlich auf Anweisung medial ignoriert worden). Seine Prognose, auf welches Niveau der Lohn,- Gehaltsabhängige zurückfallen würde, wenn der Kommunismus nicht mehr existiert, war schockierend. Weizsäcker beschreibt die Auswirkungen einer dann einsetzenden Globalisierung - obwohl es damals dieses Wort noch nicht gab - so wie er sie erwartete. (Hinweis: so nicht wörtlich im Buch, aber zumindest angedacht).

- Die Arbeitslosenzahlen werden weltweit ungeahnte Dimensionen erreichen.

- Die Löhne werden auf ein noch nie da gewesenes Minimum sinken.

- Alle Sozialsysteme werden mit dem Bankrott des Staates zusammenbrechen. Rentenzahlungen zuerst. Auslöser ist eine globale Wirtschaftskrise ungeheurer Dimension, die von Spekulanten ausgelöst wird.

- Ca. 20 Jahre nach dem Untergang des Kommunismus werden in Deutschland wieder Menschen verhungern.

- Die Gefahr von Bürgerkriegen steigt weltweit dramatisch.

- Die herrschende Elite wird gezwungen, zu ihrem eigenen Schutz Privatarmeen zu unterhalten.

- Um ihre Herrschaft zu sichern, werden diese Eliten frühzeitig den totalen Überwachungsstaat schaffen, eine weltweite Diktatur einführen.

- Die ergebenen Handlanger dieses Geldadels sind korrupte Politiker.

- Die Kapitalwelt fördert wie eh und je, einen noch nie dagewesen Nationalismus (Faschismus), als Garant gegen einen eventuell wieder erstarkenden Kommunismus.

- Zum Zweck der Machterhaltung wird man die Weltbevölkerung auf ein Minimum reduzieren. Dies geschieht mittels künstl. erzeugter Krankheiten. Hierbei werden Bio-Waffen als Seuchen deklariert, aber auch mittels gezielten Hungersnöten und Kriegen. Als Grund dient die Erkenntnis, dass die meisten Menschen ihre eigene Ernährung nicht mehr finanzieren können, jetzt wären die Reichen zu Hilfsmaßnahmen gezwungen, andernfalls entsteht für sie ein riesiges, gefährliches Konfliktpotential.

- Um Rohstoffbesitz und dem eigenen Machterhalt dienend, werden Großmächte Kriege mit Atomwaffen und anderen Massenvernichtungswaffen führen.

- Die Menschheit wird nach dem Niedergang des Kommunismus, das skrupelloseste und menschenverachtendste System erleben, wie es die Menschheit noch niemals zuvor erlebt hat, ihr Armageddon („Endkampf“). Das System, welches für diese Verbrechen verantwortliche ist, heißt "unkontrollierter Kapitalismus".

C.F. von Weizsäcker sagte bereits vor Jahrzehnten, dass sein Buch, welches er als sein letztes großes Werk bezeichnete, mit Sicherheit von der Bevölkerung nicht verstanden werden würde und die Dinge somit ihren Lauf nehmen! Das deutsche Volk bewertete er wenig schmeichelhaft wie folgt:

  • Absolut Obrigkeitshörig,
  • des Denkens entwöhnt,
  • typischer Befehlsempfänger,
  • ein Held vor dem Feind, aber ein totaler Mangel an Zivilcourage!
  • Der typische Deutsche verteidigt sich erst dann, wenn er nichts mehr hat, was sich zu verteidigen lohnt. Wenn er aber aus seinem Schlaf erwacht ist, dann schlägt er in blindem Zorn alles kurz und klein, auch das was ihm noch helfen könnte.

Die einzige Lösung die Weizsäcker bietet, ist die Hoffnung: dass nach diesen unvermeidlichen Turbulenzen dieser Planet noch bewohnbar bleibt. Denn Fakt ist, die kleine Clique, der diese Welt schon jetzt gehört, herrscht nach dem einfachen aber klaren Motto:

"Eine Welt, in der wir nicht das alleinige Sagen haben, die braucht es auch in Zukunft nicht mehr zu geben"

Wie bereits oben erwähnt, Weizsäcker rechnete nicht damit, verstanden zu werden. Auf die Frage eines Journalisten, was ihn denn am meisten stören würde, antwortete er: "[ . ] mich mit einem dummen Menschen unterhalten zu müssen"

LOGOS

_________________

pin_green.gif  Lesetipps:

"Kapitalismus und Neoliberalismus - ein wesensmäßiger Vergleich" >> weiter.

"Warum schweigen die Lämmer? Strategien der Erzeugung von Duldung und Lethargie" >> weiter.

"KEIN KAPITALISMUS IST AUCH KEINE LÖSUNG" >> weiter.



► Bild- und Grafikquellen:

1. Donald Trump-Karikatur. Nicht die aktuelle Einkommenslage treibt die Menschen zu Trump, sondern die Angst vor der Zukunft. Und die abgrundtiefe Verachtung gegenüber dem Elitenklüngel in Washington, den Clinton so perfekt abbildet. Bildbearbeitung: Wilfried Kahrs / QPRESS.de .

2. NEOLIBERALISM SUCKS. Grafik: Wilfried Kahrs, QPress.de

3. Barack Hussein OBAMA, Nobelpreisträger und Kriegsverbrecher in Personalunion - 2012 Kampagnen-Slogan FORWARD. Foto: Image by Twitter buddy JK Anaracho. Von Jayel Aheram auf Flickr. gesetzt. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung 2.0 Generic (CC BY 2.0).

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Kai Ehlers
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Beigetreten: 18.07.2014 - 21:31
Differenzierung – Kapitalismus, Neo-Liberalismus


ich denke, man kann diese Differenzierung – Kapitalismus, Neo-Liberalismus vornehmen. Damit sind sicher unterschiedliche Dinge gemeint. In meinem Text will ich aber ausdrücklich nicht auf das Ende der neo-liberalen Ära hinführen, sondern auf die Grenzen des Kapitalismus, wie er seinerzeit vom ollen Marx definiert wurde und wie er ja unter allen Weiterentwicklungen und konkreten heutigen Formen auch weiterhin das Grundmuster ist, um das es geht.

Genereller angesehen, geht es natürlich nicht darum ‚das‘ Kapital abzuschaffen oder dergl., sondern es geht um die aus dem Kapital entwickelte Gesellschaft des Konkurrenz-Kapitalismus, wie wir ihn seit 150 Jahren kennen…. Dieser Kapitalismus kommt heute an die im Kommunistischen Manifest beschriebenen Grenzen, seine eigenen „Sklaven“ nicht mehr ernähren zu können.

@ Helmut Schnug: Ist ja vielleicht aus Deiner Sicht eine zu steile These, aber ich kann es nicht anders sehen.

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Beigetreten: 10.09.2016 - 11:31
Marx hat die Grenzen des Kapitalismus definiert? Und das wars?


Karl Marx hat die Grenzen des Kapitalismus definiert?

Und das war´s?

1. Marx hat auch ein baldiges Ende des Kapitalismus vorausgesagt. Damit hat er geirrt!

2. Marx ist tot und kann daher diese Grenzen selbst nicht mehr umdefinieren, um sie an aktuelle Entwicklungen anzupassen. Damit stehen die Grenzen also „dank Marx Definition“ unverrückbar fest !?

Konsequenz: Warten. Denn Tätigwerden kann ja nichts ändern, wenn Marx die Grenzen definiert hat. Mit Warten und Untätigkeit hingegen spielt man der herrschenden Klasse der Superreichen in die Hände.

3. Die Bemerkung „Kapitalismus kommt heute an seine... beschriebene Grenzen führt” führt in Konsequenz erneut in die Untätigkeit! SO werden keine Zustände verbessert!

4. Kapitalismus wie ich ihn verstehe, und zwar in absoluter Übereinstimmung mit Marx, ist ein durch Technik und deren fortlaufender Innovation getriebener Prozess. Hunger aber grassiert überwiegend in Afrika. Da jedoch herrscht (infolge fehlender Technik) kein Kapitalismus, sondern pure Ausbeutung, Abzocke bis bin zu Raub und Mord. Wenn in Afrika infolge Hungers alle Menschen weggestorben wären, würde das den in den entwickelten Industrienationen herrschenden Kapitalismus nur in sofern behindern, wie damit ggf. Absatzmärkte wegbrechen. Mehr aber nicht!

5. Ja, der Kapitalismus hat systemische Grenzen, nämlich die begrenzte Umwelt und die begrenzten Ressourcen. Genau diese Grenzen wurden von Marx jedoch nicht „definiert”.

6. Was hat Marx eigentlich zur Ausbeutungs- und Umverteilungsideologie des Neoliberalismus geschrieben? Nichts? Warum nicht? Weil es diese für unwichtig hielt? NEIN, im Gegenteil: die katastrophalen Zustände, die Marx kritisierte, sind die Ideale, auf welche die neoliberalen Forderungen und deren gesetzliche Umsetzungen hinauslaufen werden. Marx konnte sich nur nicht explizit dazu äußern, weil dieses ideologische Phänomen erst nach seiner Zeit seine häßliche Fratze erhob.

7. Wenn man zur Verbesserung übler Zustände beitragen will, muss erst einmal eine korrekte Problemanamnese erfolgen, welche die tatsächlichen Ursachen und Wirkmechanismen identifiziert. Wenn diese jedoch falsch ist und Probleme dem Kapitalismus zugeschrieben werden, anstatt korrekterweise dem Neoliberalismus, der ein völlig anderes Phänomen ist, dann können die vermeintlich abgeleiteten Maßnahmen auch keine Zustände verbessern. Es ist also von fundamental wichtiger Bedeutung, die Probleme korrekt zu verorten. Genau das ist nicht der Fall, „der Kapitalismus aufgehalten“ werden soll. Diagnose falsch. Thema verfehlt.

8. Wenn Marxismus dazu führt, dass die aktuellen Probleme weder ursächlich identifiziert noch kritisiert werden, dann konterkariert das jegliche Intention, die Marx hatte.

Irgend etwas passt da vorne und hinten nicht zusammen. Finde den Fehler.

Lesetipps:

pin_green.gif Das kapitalistische Manifest. Was Kapitalisten, Kommunisten und Andere endlich begreifen sollten! - weiterlesen.

pin_green.gif Kapitalismus und Neoliberalismus - ein wesensmäßiger Vergleich - weiterlesen.

pin_green.gifKEIN KAPITALISMUS IST AUCH KEINE LÖSUNG (Literatur + Vortrag) - weiterlesen.

karl_marx_workers_of_all_lands_unite_trier_highgate_cemetry_london_jenny_das_kapital_kapitalismus_capitalism_kritisches_netzwerk.jpg

Bildquelle: Karl Marx Grab mit Gedenkstein auf dem Highgate Cemetery in London, wo er am 14. März 1883 im Alter von 64 Jahren starb.  Am 14. März 1956 enthüllte Harry Pollitt dann das neue Grabmal mit der Porträtbüste von Laurence Bradshaw und der Inschrift „WORKERS OF ALL LANDS UNITE“ (Proletarier aller Länder, vereinigt Euch) aus dem Kommunistischen Manifest und der 11. These über Feuerbach: „THE PHILOSOPHERS HAVE ONLY INTERPRETED THE WORLD IN VARIOUS WAYS – THE POINT HOWEVER IS TO CHANGE IT“ („Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretirt; es kömmt drauf an, sie zu verändern“).

Foto: Ann Wuyts, Geel / Belgien. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung 2.0 Generic (CC BY 2.0).

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Beigetreten: 18.07.2014 - 21:31
Ist ‚Gier‘ tatsächlich vom Kapitalismus zu trennen


Ist ‚Gier‘ tatsächlich vom Kapitalismus zu trennen?

Lieber Helmut, . . und Kollege

danke für das ausführliche Material. Sehr interessante Fragen.

Ich habe es aufmerksam studiert, wobei ich hinzufügen muss, dass mir die Positionen und die Personen nicht unbekannt waren.

Worauf läuft das Ganze hinaus? Dass Neoliberalismus, um es etwas flapsig zusagen, auf Grund der Tatsache, dass die Kapitaleigner selbst die Mechanismen des Kapitalismus nicht begriffen haben und sich stattdessen von der ‚Gier‘ leiten lassen, zu einer Verhunzung des eigentlich fortschrittlichen Kapitalismus geführt hat?

Dass also, wenn wir die ‚Gier‘ abschafften, der Kapitalismus weiter sein segnenden Wirkungen auf die Menschheit ausüben könnte? Dies schiene mir denn doch, wenn es so gemeint sein sollte, bei allem Würdigung der fortschrittlichen Aspekte des Kapitalismus, doch über das Ziel hinauszuschießen.

Wie wäre denn der Neo-Liberalismus, also die ‚Gier‘ ‚abzuschaffen‘, wenn der Kapitalismus als Grunddynamik erhalten bliebe?

Anders gefragt:

Ist denn die ‚Gier‘ tatsächlich vom Kapitalismus zu trennen? Wie ordnet man da die Dynamik der Profitmaximierung ein?

Wie die Tendenz zur Akkumulation toten Kapitals auf Kosten der lebenden Arbeit? Das sind doch systemimmanente Prozesse – sozusagen auch eine Art ‚Gier‘, aber nicht die subjektive Gier eines nichts begreifenden Kapitalisten, sondern die Dynamik der Kapitalakkumulation selbst, die darauf hinausläuft, die menschliche Arbeitskraft (als Kostenfaktor) überflüssig zu machen.

Das ist doch wohl der Kern des Kapitalismus, dessen ‚Wachstum‘ sich am Kapitalzuwachs und nicht am Bedarf orientiert, bzw. soweit er sich am Bedarf orientiert und in diesem Sinne ‚plant‘, dann nicht mit dem Ziel der Bedarfsdeckung, sondern der Kapitalvermehrung.

Und dies, bitte sehr, zieht sich durch alle Formen des Kapitalismus – bis in sein (bisheriges) neo-liberalistisches Extrem.  

Sei herzlich gegrüßt, Kai

_______________________

Bildquelle: Schach dem neoliberalen Finanzmarkt-Kapitalismus! Krisen, also kurzzeitige, tatsächliche oder vorgebliche Erschütterungen des politischen Gefüges, seien sie nun selber politisch, militärisch, wirtschaftlich, sozial oder ökologisch, werden von den herrschenden Eliten heutzutage nicht bekämpft, sondern genutzt. Karikatur: Originalzeichner nicht ermittelbar, gefunden in diversen Artikeln, u. A. bei EconMatters.com, Veteranstoday.com, GlobalResearch.org etc.

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Beigetreten: 10.09.2016 - 11:31
Über das Verhältnis von Gier, Neoliberalismus & Kapitalismus


Über das Verhältnis von Gier, Neoliberalismus & Kapitalismus

Meinen herzlichen Dank an Herrn Ehlers für´s aufmerksame Studium meiner Ausführungen. Die von Ihnen aufgeworfenen Fragen sind sehr gut und auch mehr als berechtigt - sie bedürfen daher eines konkreten, konstruktiven und detaillierten Feedbacks. Im Gegenzug ersuche ich um ebensolche Beantwortung meiner vier Fragen am Ende dieses Kommentars.

Es sei mit dem einfachsten Punkt begonnen, der den argumentativen Ankerpunkt setzt - Bezugahme auf eine fiktive Nummerierung ihrer Absätze:

Zu 6.: Mit dem im KN bereits veröffentlichten Artikel "Kapitalismus und Neoliberalismus - ein wesensmäßiger Vergleich" (>> Artikel) ist anhand von 37 Kriterien der bislang unwiderlegte Nachweis erbracht, dass Neoliberalismus eben kein Extrem des Kapitalismus ist, sondern etwas wesensmäßig völlig anderes. Kapitalismus ist ein realer Wirtschaftsprozess, Neoliberalismus hingegen eine völlig durchgeknallte Ideologie, die nur Großkonzernen und Superreichen dient. Diese Erkenntnis ist für dessen Abschaffung von fundamentaler Bedeutung.

Zu 2. + 3.: Ganz kurz vorangestellt zu Fortschritt und Kapitalismus: Kapitalismus bringt, in Übereinstimmung mit Marx, technischen Fortschritt - und zwar systemisch. Ob Kapitalismus auch sozialen Fortschritt hervorbringt hängt jedoch ganz von dessen Steuerung ab. Selbige ist politischer/gesetzlicher Natur - somit ein externes Phänomen und somit nicht systemisch kapitalistisch. Die Frage der Steuerung, die von der politischen Entscheidung abhängt, zieht sich wie ein roter Faden durch die folgenden Ausführungen.

Neoliberalismus ist nicht Gier und Gier nicht Neoliberalismus. Gier ist leider ein menschlicher Wesenszug und lässt sich nicht abschaffen. Der „neue Mensch“ wird wohl nicht kommen. Die Gier ist vom Menschen nicht zu trennen und somit leider auch Teil jeglicher Gesellschaft  - und damit auch jeglichen Wirtschaftssystems - auch des Kapitalismus (im Kommunismus ist es nicht anders!). Neoliberalismus hingegen ist kein vom Menschen untrennbarer Wesenszug, sondern eine völlig irre, realitätsferne Ideologie. Ideologien lassen sich immer abschaffen - zumindest deren Umsetzung.

Auch wenn die Abschaffung der Gier unmöglich ist, so kann es allemal vermieden werden, dieser durch einen ideologischen Unterbau, welche sie als „Motor des Antriebs“ verbrämt, auch noch Vorschub zu leisten. Die Unterscheidung zwischen Gier und einem gesunden Gewinnbestreben (oder dem Unterschied zwischen Profitmaximierung um jeden Preis und dem Bemühen um Profit), ohne asoziale Folgen wie Ausbeutung etc., ist dabei sehr wichtig: Es gibt ja durchaus noch den ein oder anderen verantwortungsvollen und sozial eingestellten Unternehmer. Kapitalismus muss nicht zwingend zu Gier führen. Neoliberalismus allerdings beflügelt systemisch die Gier - explizit:

Die soziale Verantwortung der Wirtschaft ist es, ihre Profite zu vergrößern.
Es ist unmoralisch, Geld von den Reichen zu nehmen, um es den Armen zu geben. Den Menschen treibt die Gier, und wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht.

Milton Friedman, DER Wegbereiter des heute meinungsdiktatorisch dominierenden Neoliberalismus

Es bedarf auch keiner illusorischen Hoffnung, dass möglichst wenige Kapitalisten von Gier zerfressen sind: der zersetzenden Wirkung der Gier (für Dritte) kann nämlich durch Gesetze Grenzen gesetzt werden, z.B. durch Arbeitnehmer-, Umwelt-, und Verbraucherschutzgesetze (sowie Whistleblowerschutz) oder „wirtschaftliche Standards“ wie hinreichend hohe Mindestlöhne. Die Abschaffung genau jener ist erklärtes Ziel des Neoliberalismus! Womit wir erneut bei der [politischen] Steuerung wären, die kein kapitalistischer Systemzwang ist!

Noch wichtiger: Im Gegensatz zur Gier, die einfach existiert, ist Neoliberalismus zwingend auf die gesetzliche bzw. faktische Umsetzung seiner Forderungen angewiesen. Beides ist menschengemacht könnte zumindest theoretisch sofort beendet werden, wenn die politische und gesellschaftliche Einsicht über den asozialen Character des Neoliberalismus und seiner fürs wirtschaftliche Wachstum kontraproduktiven Wirkung vorhanden wäre.

Was sind neoliberale Forderungen? Generelle Forderungen sind:

A) Privatisierung

B) Liberalisierung, Flexibilisierung

C) Deregulierung

Konkrete neoliberale Forderungen sind:

a) Lohnzurückhaltung, Lohnverzicht, Lohndumping

b) Steuersenkungen für Reiche & Konzerne

c) Austeritätspolitik

All dies wurde schon durch neoliberale Lobbyhuren und deren willfährigen politischen Handlangern in zahlreiche Gesetze gepresst. Gesetze lassen sich aufheben oder rückgängig machen. Oder noch besser: neoliberale Forderungen in ihr Gegenteil verkehren und dies gesetzlich verankern. Dafür bedarf es „nur“ des politischen Willens seitens der Regierung. Oder um noch konkreter zu werden: (nur auszugsweise angerissen)

1. Die arbeitende Bevölkerung muss mindestens in der Höhe der Produktivitätssteigerungen am Wachstum partizipieren

2. Deutliche Anhebung der Unternehmens- und Spitzensteuersätze

3. Anhebung der Kapitalertragssteuer über den Spitzensteuersatz

4. Einführung einer signifikanten Vermögenssteuer mit entsprechendem Freibetrag für „Normalvermögende“

5. Signifikante Erbschaftssteuer für Unternehmenserben

Das alles lässt sich zwar mit unseren neoliberal-durchseuchten Parteien nicht machen, dürfte aber dennoch prinzipiell leichter umzusetzen sein, als den Kapitalismus abzuschaffen. In Übereinstimmung mit Marx ist Kapital Produktions-Technik (Maschinen und Anlagen). Die immer extremeren Kosten für weitere Effizienzsteigerungen der Produktions-Technik führen zur Kapital-Akkumulation. Die gesamte menschliche Historie aber hat gelehrt, dass sich technischer Fortschritt nicht aufhalten lässt. Siehe dazu meine 1. Gegenfrage am Ende.

Zu 4: in völliger Übereinstimmung mit Marx ist Kapitalakkumulation ein systemischer Effekt des Kapitalismus. Diese Kapitalakkumulation ist nur schwer (tatsächlich mal Anwendung von Kartellverboten) bis gar nicht aufzuhalten. Aber durch entsprechende Besteuerung (>> politische Steuerung!) könnte den damit verbundenen Konsequenzen Einhalt geboten werden. Neoliberalismus behauptet und fordert das Gegenteil. Hingegen Kapitalismus als abstrakter Prozess kann gar nichts fordern.

Übrigens ist Kapitalakkumulation der einzige Aspekt von 37, wo Neoliberalismus eine Steigerung zum Kapitalismus aufweist: Neoliberalismus sattelt auf die systemisch kapitalistische Akkumulation noch eine ideologisch verbrämte Umverteilung von arm nach reich durch die politische Umsetzung seiner Forderungen (>> Steuerung!) auf.

Zu 5: „Das kapitalistische Manifest“, von mir verfasst, enthält in Kapitel 1.1 allein 4 Faktoren, die den Kapitalismus [an-]treiben. Welcher davon nun den Kern des Kapitalismus darstellt, dürfte zu diskutieren müßig sein. Eines aber ist klar: der Kapitalzuwachs kann sich nicht völlig und dauerhaft vom Bedarf freimachen, sonst kommt es zur Überproduktion und damit zu schweren Krisen, an welcher der Kapitalismus durchaus zerbrechen kann (wie die Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre eindrücklich bewiesen hat), wenn nicht entsprechend gegengesteuert wird.

Zu 1: Kapitalismus ist ein abstrakter Prozess, der systemisch sowohl gute wie schlechte Konsequenzen hat - siehe Kapitel 1.5 und 1.6 des „kapitalistischen Manifestes“ . Seine Steuerung bestimmt, welche von beiden Seiten die Überhand gewinnt. Ja, die meisten Kapitalisten haben die Wirkprinzipien des Kapitalismus nicht begriffen - eine sehr einleuchtende Begründung ist am Ende von Kapitel 1.4.6 (Mikro- vs. Makroökonomie) zu finden. Zumindest teilweise könnte da Aufklärung abhelfen, auch wenn das schwierig werden dürfte.

► Fazit:

Gier ist nicht vom Kapitalismus zu trennen - was aber nicht dem Wesen des Kapitalismus, sondern des Menschen geschuldet ist. Aber dies ist nicht der Punkt, um den es geht. Die entscheidende Frage lautet: ist Neoliberalismus vom Kapitalismus zu trennen? Ja, ohne Zweifel! Das Wohl und Wehe des Kapitalismus hängt von dessen Steuerung ab!

Fehlsteuerung - und der Neoliberalismus ist in Verkennung sämtlicher kapitalistischer Wirkmechanismen die Fehlsteuerung par exzellence - führt zu Krisen und menschlichem Leid. Letzteres hat Marx zu Recht kritisiert - und damit indirekt die Forderungen des Neoliberalismus. Ausbeutung ist nicht ein systemisch kapitalistisches, sehr wohl aber ein systemisch neoliberales Phänomen. In sofern müssten Marxisten, wenn sie die Natur des Neoliberalismus einmal intellektuell begriffen und internalisiert hätten, eigentlich die glühendsten Feinde des Neoliberalismus und nicht des Kapitalismus sein. Leider mangelt es an Einsicht.

Eine Idealsteuerung, die es so zwar noch nie gab (wegen Inkompetenz) aber zumindest ansatzweise in den 50er und 60er Jahren erkennbar war (soziale Marktwirtschaft, die diesen Namen im Gegensatz zu heute auch zu Recht verdiente), kann zwar nicht das Paradies, aber dennoch so gute Zustände für die Menschen bringen, dass selbst Marx entzückt wäre.

► Meine vier Gegenfragen lauten:

1. Wie sieht ein hinreichend konkretes Modell zur Abschaffung des Kapitalismus aus?

2. Welche Ausführungen waren nicht überzeugend oder welche können stichhaltig widerlegt werden?

3. Haben die Argumente einen Sinneswandel bewirkt und falls nein, warum nicht?

4. Ist die Verdeutlichung des Unterschieds zwischen Gier, Neoliberalismus und Kapitalismus gelungen? Besteht anhand der 37 Kriterien die Anerkennung des Sachverhaltes, dass Neoliberalismus kein Extrem des Kapitalismus ist? Falls nein, warum nicht?

Die rhetorische Frage, welche Antwort Marx auf die Probleme hatte, an welcher der Kapitalismus scheitern wird, nämlich Umwelt- und Ressourcenschranken (in der UdSSR gab es die größten Umweltverpester), verkneife ich mir, weil ich bis zum Beweis des Gegenteils von „gar keine“ ausgehe.

Liebe Grüße nach HH. Ich freue mich auf einen regen Austausch mit Ihnen und schätze Ihre zahlreichen Veröffentlichungen im KN.

Bildquellen:

1. Eat Money: Only when the last tree has died and the last river has been poisoned and the last fish has been caught will we realise we cannot eat money. (Cree Indian Proverb) Foto: Lynne Hand, Nottingham / UK. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 2.0 Generic (CC BY-NC-ND 2.0).

2. End Poverty to Stop Crime - Greed is deadly. Foto: Bart Everson, New Orleans, Louisiana, USA. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung 2.0 Generic (CC BY 2.0).

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Kai Ehlers
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Beigetreten: 18.07.2014 - 21:31
Neoliberalimus ist vom Kapitalismus nicht zu trennen


Lieber Helmut,

zu der Frage vier:

Klar gesprochen: Nein, Neoliberalismus ist nach meinem Verständnis vom Kapitalismus nicht zu trennen.

Ich möchte die damit zusammenhängenden Fragen sogar dahin gehend zuspitzen, dass der Neoliberalismus nur aus dem Kapitalismus heraus entstehen konnte und auch jetzt nur auf dieser Grundlage besteht und wirksam sein kann, gewissermaßen die Profitproduktion, die dem Kapitalismus eigen ist, in ihrer sich verselbständigen Dynamik, die im Kapitalismus ursprünglich angelegten fortschrittlichen Entwicklungsimpulse durch die Verselbstständigung der Profitmaximierung bis hin zum reinen Geldhandel (Spekulationsgelder statt konkreter Produktion) zerstört.

Hierüber lohnt es sich sicherlich, genauer zu sprechen – aber nicht, indem man Kapitalismus und Neoliberalismus auseinanderreißt, sondern die Entstehung des Neoliberalismus als Folge des Kapitalismus begreift.

Statt diese Art ‚Ehrenrettung‘ für den ursprünglich fortschrittlichen Kapitalismus vorzunehmen, scheint es mir sinnvoller zu sein, der Frage nachzugehen, in welchem Stadium ihrer historischen Überholtheit die ursprünglich fortschrittliche Kraft der kapitalistischen Produktionsweise sich heute befindet – und in welches neue Stadium gesellschaftliche Arbeit heute nach der Entwicklung der Produktionsverhältnisse übergehen müsste – wenn die gesellschaftlichen, die politischen, die Machtverhältnisse es zuließen…  

Und was geschehen wird, wenn dieser Übergang nicht zugelassen wird.

Hierzu gibt es viel zu denken und zu sagen – und übrigens auch zu tun.

Ich lasse es erst einmal bei dieser kurzen Antwort, werde mich aber bemühen, diese Frage auch an andere Menschen heranzutragen.

Liebe Grüße, Kai

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Beigetreten: 10.09.2016 - 11:31
Das intellektuelle Versagen der politisch Linken


Das intellektuelle Versagen der politisch Linken

Eine Minimalrekapitulation . . . . schade.

Sehr geehrter Herr Ehlers

In Ihrem zweiten Kommentar haben Sie richtig gute Fragen gestellt - berechtigte Fragen, die sich aus meiner Darstellung durchaus ergeben können. Auf alles davon bin ich konkret und im Detail eingegangen. Mit Argumenten - keinen Statements. Argumente, die mehrfach selbst auf Marx referenzieren. Wo also eigentlich Konsens bestehen sollte. Was ich erhalte als Reaktion - „Antwort“ kann das allerbestensfalls nur in rudimentären Ansätzen genannt werden – sind Statements statt Argumente! Schade!

Was kommt auf die Frage an einen Kapitalismuskritiker, der den Kapitalismus abschaffen wird, wie die Gestaltung dessen konkret aussehen sollte? Nichts! Absolut gar nichts! Zur Erinnerung: Auf die vorausgehenden Frage, wie denn Neoliberalismus abzuschaffen wäre, wurde im Detail und sehr konkret geantwortet! Mit Argumenten. Unwiderlegten Argumenten.

Darauf folgte Ihrerseits nur das Statement, dass Neoliberalismus nach eigenem Verständnis vom Kapitalismus nicht zu trennen ist! Argumente? NULL! Begründungen, was an den meinerseits vorgebrachten Argumenten als falsch erachtet wurde: KEINE!

Durch den Austausch von Überzeugungen und Meinungen wird doch keine zielführende Diskussion geführt, die sich um die Lösung wichtiger gesellschaftlicher Probleme bemüht, sondern durch konstruktive Argumente! Nicht durch deren Ignoranz! Wenn nur Statements vorgebracht werden, mangelt es ja sogar fundamental an Substanz, auf die eingegangen werden könnte – und sollte.

Wogegen soll denn argumentiert werden, wenn jemand die Dogmen seiner präferierten Ideologie rezitiert? Es reicht doch nicht die Meinungsäußerung, dieses oder jenes sei gut oder schlecht - da mangelt es fundamental an einem „weil“! Die entscheidenden Fragen, warum Sie der Argumentation nicht gefolgt sind, bleiben sämtlich komplett unbeantwortet.

Auf drei Bemerkungen, obwohl diese rein gar nichts widerlegen oder zur Beantwortung wichtiger Fragen beigetragen haben, sei dennoch eingegangen:

1.

Zunächst ein paar Statements meinerseits als Grundlage: Ich lehne Ideologien ab! Kategorisch. Begründung: s.u. Wahrheitsfindung und Gerechtigkeit sind meine Anliegen. Wenn Sie „bessere“, also zielführende Argumente vorbringen als ich, ändere ich meine Haltung! Und gerne auch fundamental! (Aktuell beispielsweise meine Haltung zum BGE). Wenn sie allerdings keine besseren Argumente haben - und tatsächlich mangelte es Ihnen nicht nur an schlechten, sondern sie hatten gar keine - bin ich der Letzte, der sich von Statements oder Glaubensbezeugungen „umdrehen“ lässt. Das als Einstieg für die Nachfolgende:

Als Maschienbau-Ing. (Dipl.) bin ich professionell qualifiziert, die Natur und das Wesen von Prozessen zu erforschen und zu verstehen, um diese korrekt, d.h. mit maximalem Nutzen, zu steuern.

Kapitalismus ist ein abstrakter Prozess, keine Ideologie. Ideologien werden von Menschen gemacht, nicht von Prozessen. Prozesse haben weder Bewusstsein, noch Wollen oder Ehre. Der Ansatz, die Ehre eines Prozesses retten zu wollen, ist absurd. Derartigen Nonsens lehne ich ebenfalls kategorisch ab! Mit anderen Worten: Ehrenrettungen von Prozessen sind mir wesensfremd. Vergessen sie diesen Ansatz - zumindest bei mir!

Prozesse lassen sich gut oder schlecht steuern. Neoliberalismus ist die Fehlsteuerung schlechthin. Ein willenloser und abstrakter Prozess kann nicht darüber befinden oder bestimmen, wie er gesteuert wird. Das machen Menschen. Nicht der Prozess. Der Prozess hat aber aufgrund seiner Natur gewisse Wirkprinzipien. Die kann man, hinreichend Willen und Intelligenz vorausgesetzt, erforschen, erkennen und dann zur optimalen Steuerung nutzen. Man kann, muss aber nicht. Der Prozess zwingt zu nichts. Man kann auch total fehlsteuern - wie beim Neoliberalismus. Was dann in schwere Krisen führt.

Meine Anliegen sind die der Wahrheitssuche und der Erarbeitung von Konzepten zur Verbesserung gesellschaftlich erodierender Verhältnisse! Im Gegensatz zu Ihnen leite ich diese Konzepte nicht anhand einer verinnerlichten Ideologie ab, sondern erarbeite mir diese durch Logik, intensive Beschäftigung mit der Sachlage und der Analyse der Pro- und Contra-Argumente. Auch gerade der Argumente, die meiner aktuellen Haltung zuwider laufen. Wenn diese Gegenargumente auch nach intensiver Suche und langer Überlegung nicht stichhaltig zu widerlegen sind, müssen sie logischerweise "besser" als die derzeit vertretene Position sein. Dann ändere ich meine Überzeugung. Nichts davon ist in ihrem letzten Kommentar auch nur ansatzweise erkennbar. Sie können meine Argumente offensichtlich nicht widerlegen - beharren aber dennoch auf ihrer ideologisch verfestigten und damit unflexiblen Sichtweise. Was typisch für Ideologien ist. Ich zitiere mal aus meiner schon vor vielen Jahren schriftlich fixierten und veröffentlichen Anamnese:

"Ideologien weisen [nahezu] immer dogmatische Züge auf. Ideologie führt i.d.R. dazu, sich von der Suche nach besserer Erkenntnis zu verabschieden. Weder das ideologische Modell noch die Sinnhaftigkeit des eigenen Handelns werden mehr kritisch hinterfragt, sondern als unerschütterliche Wahrheit geglaubt. Infolgedessen verzerrt sich die Sicht der Dinge: Fakten und stichhaltige Argumente werden nicht mehr genutzt, um einer realistischeren Sicht der Dinge zu dienen, sondern die Wahrnehmung wird solange umgebogen und Tatsachen uminterpretiert, bis sie sich in das ideologische Dogma/Weltmodell einfügen. Das hat nichts mehr mit Wahrheitsfindung zu tun - und dies sollte immer ein Anliegen sein."

Das sollte als Verdeutlichung und Begründung meiner kategorischen Ablehnung von Ideologien allemal ausreichen.

Aus den vorgenannten Sachverhalten gibt es zwischen Kapitalismus und Neoliberalismus auch nichts „auseinanderzureißen“, sondern nur die Fakten zu erkennen, dass beides völlig unterschiedliche Sachverhalte sind. Das eine ein abstrakter Prozess und das andere seine menschlich / ideologische Fehlsteuerung. Eine postulierte, zwingend beiderseitige Zusammengehörigkeit ist schlicht weg falsch (siehe auch 3.). Eine Fehldiagnose. Oder, um es ganz hart zu formulieren: Folge intellektuellen und erkenntnismäßigen Versagens - nicht als Angriff, sondern als Ermutigung zu verstehen, dieser aktuellen Diagnose zukünftig abzuhelfen.

Selbst wenn in völlig anderem Kontext geäußert, passt folgendes Zitat auch hier wie die sprichwörtliche Faust auf´s Auge:

"Ich bin Anhänger der These, dass Entwicklung mit dem intellektuellen Niedergang der politischen Linken zu tun hat. Seit den 1980 Jahren, seit der konservativen [Anmerkung: & neoliberalen] Revolution durch Reagan, Thatcher und Johannes Paul II, seit dem Zusammenbruch des „evil empire“ der Sowjetunion, hat die Linke nichts mehr anzubieten und alle Debatten um die Kernfragen, die sich in freien westlichen Gesellschaften stellen, verloren."
    - Joachim Nikolaus Steinhöfel, Rechtsanwalt

Eine aus meiner Sicht völlig korrekte Diagnose, die dem traurigen Umstand geschuldet ist, dass sich Linke aufgrund ihrer sakrosankten ideologischen Dogmatik weder um das Verständnis neuer Phänomene bemühen und ebenjene schon gar nicht verstanden haben.

2.

Zu: "...der Frage nachzugehen, in welchem Stadium ihrer historischen Überholtheit die ursprünglich fortschrittliche Kraft der kapitalistischen Produktionsweise sich heute befindet – und in welches neue Stadium gesellschaftliche Arbeit heute nach der Entwicklung der Produktionsverhältnisse übergehen müsste – wenn die gesellschaftlichen, die politischen, die Machtverhältnisse es zuließen…"

Das Bild vom“ Stadium“ und deren Nutzung in dem von Ihnen gewählten Kontext ist schon in sich widersprüchlich:

A) Entweder es gibt eine systemische Prädestination der Stadien ähnlich der Entwicklungsstadien von Lebewesen. Dann sind Natur und Reihenfolge der Stadien festgelegt und eine wesentliche Beeinflussung über eine Beschleunigung oder Verzögerung hinaus unmöglich. Dann sind wieder Zuschauen und Untätigkeit angesagt.

B) Oder aber die Stadien unterliegen einer menschlichen Absicht, worauf das „...übergehen müsste...“ (müsste im Sinne von "sollte") hindeutet. Dann jedoch sind die Stadien eben nicht systemisch, sondern von menschlicher Entscheidung abhängig.

Ergo: Sofern also Neoliberalismus als „Stadium“ im Sinne von B) ansehen wird, was ihre Formulierung nahelegt, dann wäre auch dieser von menschlicher Entscheidung abhängig und könnte verworfen werden. Damit wäre Neoliberalismus eben doch vom Kapitalismus zu trennen! Sie haben sich somit selbst widersprochen und mir indirekt und unfreiwillig Recht gegeben!

3.

Zu „[ . . ] dass der Neoliberalismus nur aus dem Kapitalismus heraus entstehen konnte und auch jetzt nur auf dieser Grundlage besteht und wirksam sein kann, gewissermaßen die Profitproduktion, die dem Kapitalismus eigen ist [ . . ].“

Dies ist an sich völlig korrekt - nur in der Sachfrage überhaupt keine Widerlegung, dass Neoliberalismus nicht vom Kapitalismus zu trennen wäre. Kapitalismus ist notwendig aber nicht hinreichend für Neoliberalismus.

Neoliberalismus ist nicht nur eine komplette Fehlsteuerung des Kapitalismus - im übertragenen Sinne könnte man ihn als parasitäres System / Ideologie betrachten. Ja, der Parasit (B) ist auf einen Wirt (A) angewiesen, sonst stirbt er. Aus B folgt A. Aber aus A folgt nicht B. Nicht als „Gesetz“ - nicht zwingend. Es gibt jede Menge potenzielle Wirte, die nicht von einem Parasiten befallen sind. Wirte KÖNNEN von einem Parasiten befallen werden - aber sie müssen nicht: Es ist eben KEINE systemische Konsequenz.

Dass dem konkret in Bezug auf den Kapitalismus nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch so ist, haben die 50er und 60er Jahre sowie die Zeiten nach den von Karl Marx zu Recht kritisierten katastrophalen Zustände bewiesen. Mit anderen Worten: es gab geschichtlich schon mal die Idealumsetzung neoliberaler Forderungen: zu Marx Zeiten. Danach aber wurde es besser. Wie ist das mit ihrem „Verständnis“ vereinbar?!

Neoliberalismus ist von Menschen eingeführt worden - da stehen Personen dahinter, die sich namentlich benennen lassen (Ludwig von Mises, Friedrich August von Hayek, Milton Friedman) - nicht vom abstrakten Prozess Kapitalismus, der systemisch dazu gar nicht in der Lage ist!

  • Hat der abstrakte Kapitalismus zu der Absenkung des Spitzensteuersatzes, der Absetzung der Vermögenssteuer für Superreiche und einem Erbschaftssteuergesetz, welches Unternehmenserben verfassungswidrig bevorzugt, geführt oder waren das Parlamentarier, also Menschen?
  • Gab es einen äußeren, unausweichlichen Zwang des Parlaments für diese Entscheidungen oder hätten die auch anders ausfallen können?
  • Waren die Entscheidungen womöglich politischer Überzeugung, ideologischer Verblendung und/oder lobbyistischer Einflussnahme geschuldet?
  • War es de facto unmöglich, sich anders zu entscheiden?

Herr Ehlers, welches Maß an ideologischer Verblendung ist erforderlich, um trotz der Evidenz korrekter Antworten auf diese Fragen immer noch von einem systemisch kapitalistischen Zusammenhang zu fabulieren?

Wie konnte es nach extremst fehlgesteuertem Kapitalismus zu Marx´ Zeiten doch zu sozialer Marktwirtschaft in den 50ern und 60ern kommen, wenn doch angeblich Neoliberalismus ein systemischer Zwang des Kapitalismus ist? Eine rhetorische Frage, denn nach ihrem letzten Kommentar erwarte ich von Ihnen keine Reaktion mehr, die zu Recht den Anspruch einer konkreten Antwort erfüllen kann. Oder doch? Ich würde mich freuen.

Fazit:

Die Substanzlosigkeit ihrer Reaktion, die alles mögliche ist, nur keine Antwort, lässt mich fassungslos zurück. Bin zutiefst enttäuscht. Auf dem „Niveau“ ist die Weiterführung des Versuchs der Aufnahme einer zielführenden Diskussion sinnlos. Wenn das typisch für Marxisten und/oder Kommunisten ist, dann bleibt nur die bittere Erkenntnis, dass diese als Hilfe für die Herbeiführung besserer Zustände unbrauchbar sind.

Das Ganze ist für mich nur so zu erklären, dass hier grundlegendes Unwissen über das Wesen des Neoliberalismus besteht. Wenn Neoliberalismus als Synonym für Turbokapitalismus, Raubtierkapitalismus oder Killerkapitalismus etc. auffasst und nicht begriffen wird, was Neoliberalismus tatsächlich ist, dann wird das ihrerseits vorgetragene völlige Fehlverständnis nachvollziehbar. Marxisten bzw. Kommunisten wären daher gut beraten, nicht nur ständig im Saft ihrer bevorzugten Ideologe zu schwimmen, sondern mal über den Tellerrand zu sehen, um das Wesen der weltweit beherrschenden Ideologie, die seit Jahrzehnten Länder und Gesellschaften aussaugt, zu verstehen: Neoliberalismus.

Wenn die Anamnese grundlegend falsch ist, werden Diagnose und Behandlung nicht nur nicht helfen, sondern die Heilung mit gewisser Wahrscheinlichkeit sogar konterkarieren.

Letztlich läuft dies in diesem Kontext für Sie auf eine alles entscheidende Frage hinaus; was ist ihnen wichtiger:

Das Festhalten an ihrer verinnerlichten Ideologie oder die Herbeiführung besserer gesellschaftlicher Zustände?

Auch wenn sie dazwischen keinen Widerspruch erkennen können: mit ihrer derzeitigen Haltung konterkarieren sie nicht nur Marx´ Ansinnen, sondern insbesondere letztgenanntes Anliegen. Falls ihnen Letzteres doch wichtiger sein sollte, können Sie sich hier über das Wesen des Neoliberalismus kundig machen. (Der Link wird hier nicht veröffentlicht, sondern Herrn Ehlers persönlich zugestellt.)

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Jahrgang 64, Dipl.-Ing. Maschinenbau

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