Vom Verstehen in der Zeit. Entdecken wir den Rhythmus des Lebens in uns.

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Peter Frey
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Beigetreten: 09.04.2018 - 15:05
Vom Verstehen in der Zeit. Entdecken wir den Rhythmus des Lebens in uns.
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Vom Verstehen in der Zeit

Achtsamkeit und Respekt machen spürbar, dass jeder Mensch seinen eigenen zeitlichen Rhythmus hat.

von Peter Frey / Peds Ansichten

Der Takt unseres Lebens wird im Großen durch die Natur bestimmt, aus der wir erwuchsen und deren integraler Bestandteil wir sind. Auch wenn wir – mehr als nur gelegentlich – in arroganter Weise die Natur behandeln, als wäre sie uns unterworfen und damit beliebig formbar. Diese pathologische Herangehensweise gegenüber einer Umwelt, die unsere tagtägliche Existenz überhaupt erst ermöglicht, schlägt auf uns selbst zurück. Es ist Zeit für einen Versuch, die Natur wieder besser zu verstehen – und damit auch unsere eigene Natur.

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Tag und Nacht, Wärme und Kälte, zeitliche Verfügbarkeit von Nahrung, die uns in wechselnden Zeiträumen in unterschiedlichem Maße zur Verfügung stehende Energie; all das wirkt sich auf unsere Aktivitäten aus. Doch innerhalb dieses großen, universellen Taktes menschlichen Lebens können wir höchst mannigfaltige Varianzen ausmachen. Dazu bedarf es Achtsamkeit (Herz) und Reflexion. Wenn uns das gelingt, können wir viel besser verstehen – uns und andere.

Kennen Sie diese Sprüche (noch)?

„Hast Du es immer noch nicht begriffen!?“

oder:

„Wie oft soll ich Dir das noch sagen?!“

oder:

„Warum hörst Du nicht richtig zu!?!“

oder das:

„Bist Du so schwer von Begriff?!“

aber auch:

„Bleib endlich RUHIG sitzen!“

Die einfachste Variante der Erinnerung kann unter Umständen eine Selbstbestätigung enthalten; nämlich beispielsweise die, wie schwer von Begriff doch die Kinder waren – oder bestimmte Kollegen es heute sind. Es ist der natürliche Rückgriff auf das eigene Koordinatensystem – und zwar auf das der Zeit. Unser eigenes Maß von Schwingungen der Zeit ist der Maßstab. Wir legen ihn bei anderen an und bewerten diese an Hand dieses, unseres ganz eigenen Maßstabs. Das ist typischer, dem Menschen innewohnender Egotismus.

Bei Anwendung unseres Koordinatensystems der Zeit machen wir uns in der Regel keine Gedanken, woher wir das eigentlich bezogen haben; ob dessen Takt tatsächlich aus unserem Selbst kommt oder fremdbestimmt und damit faktisch erlernt wurde.

sten_nadolny_die_entdeckung_der_langsamkeit_kritisches_netzwerk_john_franklin_horncastle_baumber_stocktag_rutentag_lebensrhythmus_einzigartigkeit_zuechtigung_rohrstock_kindheit.jpgWie wir Abfolgen in der Zeit unterschiedlich wahrnehmen – und das ist natürlich nicht auf menschliches Handeln beschränkt – werde ich im Folgenden an diversen Beispielen veranschaulichen. Diese habe ich dem Romans „Die Entdeckung der Langsamkeit“ des Schriftstellers Sten Nadolny entnommen. Die Biografie des (authentischen) Heldens John Franklin ist spannend, soll hier jedoch nicht thematisiert werden. Aber sein Wesen hat Nadolny auf ganz wunderbare Weise lebendig gemacht.

Das erste Zitat zeigt die Gedanken Johns im Vorfeld einer Reise vom Dorf in die Stadt Horncastle (Lincolnshire), gelegen in den östlichen Midlands an der Schwelle zum 19. Jahrhundert:

Das war das Erstaunliche: In dichter Nähe funkelte und hüpfte es, Zaunpfähle, Blumen, Zweige. Weiter hinten gab es Kühe, Strohdächer und Waldhügel, da hatte das Erscheinen und Verschwinden schon einen feierlichen und beruhigenden Rhythmus. Die fernsten Berge aber waren wie er selbst, sie standen einfach da und schauten.

Wahrnehmung und Fühlen, Disharmonie und Harmonie, die Gefühle des damals zehnjährigen John lassen sich schon aus diesen wenigen Worten herauslesen. Die Welt in anderen Schwingungen zu beobachten, ist Gabe und Schwäche zugleich. Auf der einen Seite erschließen sich uns neue Sichten und wir nehmen Veränderungen in Dimensionen wahr, die anderen verschlossen bleiben.

Gehen wir aus unserer angeborenen oder auch antrainierten Schwingung heraus, dann geraten wir in Dissonanz. Wie sich das anfühlt? Der kleine John vermittelt es uns an einem recht banalen Beispiel. Hühner brachten seine Wahrnehmung, seine Suche nach Ordnung, der nach dem unterbewussten Bestreben, Informationen in Form einer Geschichte strukturiert und mit entsprechenden Merkern versehen wieder abrufbar im Kopf abzulegen (Stichwort Narrativ), arg in Schwierigkeiten:

[…] Hühner waren nicht angenehm. Sie suchten dem Auge auf plumpe Art Streiche zu spielen. Regungslos standen sie da, kratzten dann, pickten, erstarrten wieder, als hätten sie nie gepickt, täuschten frech vor, sie stünden seit Minuten unverändert. Schaute er aufs Huhn, dann zur Turmuhr, dann wieder aufs Huhn, so stand es starr und warnend wie vordem, hatte aber inzwischen gepickt, gekratzt, mit dem Kopf geruckt, den Hals gewandt, die Augen glotzten anderwärts, alles Täuschung!

Wir tauchen in eine Welt ein, die anders tickt und werden uns bewusst, dass, wenn unser Takt langsamer ist, wir nicht in der Lage sind, alle Informationen aufzunehmen.

Stellen Sie sich nun vor, Ihr Verhalten, Ihr Denk- und Handlungsrhythmus, der, den Sie auch für den „ganz normalen“ Rhythmus halten, wird nun von einem Menschen wahrgenommen, der langsamer tickt. Was wird passieren?

Dabei meine ich:

Es gibt ihn gar nicht, DEN ganz normalen Rhythmus, der, den man als Norm und damit als allgemein gültigen Maßstab definieren könnte, um daraus Richtlinien abzuleiten, die eine objektive Bewertung menschlichen Verhaltens erlauben würden.

Es ist nur so, dass wir diese Perspektive in der Regel überhaupt nicht in Betracht ziehen, wenn wir mit Verhaltensweisen in Berührung kommen, die uns, weil ungewohnt anders und daher als „unnormal“ empfunden, in Dissonanz bringen. Dabei haben wir einen Sensor für so etwas – und das ist unser Herz. Das, wenn wir uns ihm gegenüber öffnen und auf seine Botschaften hören, es uns erlaubt, die Botschaften anderer Menschen zu verstehen. Und eine davon heißt eben:

Habe Geduld, ich vermag es nicht, dir so schnell zu folgen. Aber ich belohne Dich mit einer Welt, die du bisher noch nicht kanntest. Denn ich bin befähigt, dir von Dingen zu erzählen, die du nicht sehen kannst. Wenn du mit mir Geduld hast, gibst du mir außerdem von deiner Welt. Denn ich wiederum kann Dinge nicht sehen, von denen du mir berichten kannst.

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Geduld – aus dieser Sicht betrachtet – ist eine Tugend besonderer Art. Es ist eine Tugend, die Ungeduld unseres Egos mit der Empathie unseres Herzens zu besänftigen und uns dabei zu belohnen. Weil wir uns doch auf diese Weise bereichernden Zugang zur Welt unseres, im ersten Eindruck nicht zu verstehenden, Gegenüber verschafft haben.

Diese „Eigenart“, Dinge und Bewegungen in einem anderen Pulsschlag wahrzunehmen, ist also keinesfalls ein Defekt oder abnormal, gar eine Krankheit. Es kommt eben darauf an, wie weit man sich aus der Festung des eigenen Egos wagt. Wenn Herauswagen gelingt, könnte es zur neidlosen Anerkennung eines Talents beitragen, dessen Fähigkeiten uns sonst möglicherweise für immer verschlossen bleiben. Wir betrachten also einen Aspekt von Einzigartigkeit.

Vergnügen wir uns – zumindest für mich ist es ein Vergnügen – an der Art und Weise von Betrachtung, wie sie dem Helden John innewohnt:

Er [John] konnte lesen, aber er vertiefte sich lieber in den Geist der Buchstaben. Sie waren im Geschriebenen das Dauerhafte, das immer Wiederkehrende, er liebte sie. Die Grabsteine stellten sich tagsüber auf, der eine steiler, der andere schräger, um für ihre Toten etwas Sonne aufzufangen. Nachts legten sie sich flach und sammelten in den Vertiefungen ihrer Inschriften mit großer Geduld den Tau. Grabsteine konnten auch sehen. Sie nahmen Bewegungen wahr, die für menschliche Aufgaben zu allmählich waren: den Tanz der Wolken bei Windstille, das Herumschwenken des Turmschattens von West nach Ost, die Kopfbewegungen der Blumen nach der Sonne hin, sogar den Graswuchs.

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Das Leben des John Franklin ist – historisch belegt – bis zu seinem Ende dramatisch verlaufen. Dramen erzeugen Traumata, weil sie Harmonie verletzen, schmerzhafte und mehr oder weniger schlecht heilende seelische Verletzungen erzeugen. In jener Zeit, in der wir mit unserer Seele wachsen, in der wir am formbarsten sind, haben Traumata auch die größte und nachhaltigste Wirkung. Ja, sie programmieren geradezu unsere Persönlichkeit. Das ist die Zeit, in der wir auch am schwächsten und im wahrsten Sinne des Wortes voller Unschuld sind. Es ist die Zeit unserer Kindheit.

Gerne würde ich wissen, wieviele „Experten“ John heute eine ausgeprägte Lernschwäche attestieren würden. Wie würde John wohl in unser heutiges Schulsystem passen? So er doch „nicht normal“ ist.

Die Glattgelutschten, die mit Zwang in das System gepressten, die Konditionierten, Jene denen man ihre Einzigartigkeit austrieb, damit sie im gesellschaftlich durch Macht vordefinierten Regelwerk fehlerfrei funktionieren. Die sind also dann normal?

Vielleicht ist ja gerade das Normale, die Norm, der per Dekret verabreichte Standard das Unnormale?

Es wird kaum überraschen, dass der kleine John auch nicht in das puritanische, doktrinäre Schulsystem im Englands des zu Ende gehenden 18. Jahrhunderts passte; dies mit dramatischen, traumatischen Folgen. Eine dieser Folgen bestand für den Jungen darin, seine Eigenart der Einzigartigkeit als Schuld zu begreifen. Dazu gehörte der aufgezwungene Lernprozess aus dieser vermeintlichen Schuld. Was sich in Johns Kopf so abspielte:

Er [John] liebte die Ruhe, aber mann musste auch das Eilige tun können. Wenn er nicht mitkam, lief alles gegen ihn. Er musste also aufholen. […] Er musste jetzt Schnelligkeit studieren wie andere Menschen die Bibel oder die Spuren des Wildes. Eines Tages würde er schneller sein als alle, die ihm jetzt noch überlegen waren. Ich möchte richtig rasen können, dachte er, ich möchte sein wie die Sonne, die zieht nur scheinbar langsam über den Himmel! Ihre Strahlen sind schnell wie ein Blick des Auges, sie erreichen frühmorgens auf einen Schlag die fernsten Berge. “Schnell wie die Sonne!“ sagte er laut und ließ sich in die Kissen zurückfallen.

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Schuld gebiert Zwang, was sich in Johns Denken insofern ausdrückte, dass er Dinge (gegen seine Natur) tun MUSSTE. Um gegen seinen Willen zu handeln, muss man diesen betrügen, man tut so, als ob man es wollte. Das ist das, was man Kindern antun kann. Sie mit Schuld beladen, um an ihnen ein Gefühl von Macht auszuleben.

So vererben sich Traumata. Zumal, wenn sich die Sehnsucht, einer sozialen Gemeinschaft anzugehören auf eine Gruppe legt, in der Kinder trainiert werden, selbst empathielos Macht auszuüben. In der Kindern auf diese Weise ihre Unschuld genommen wird. Kleine Menschen, die sich in das System nicht einordnen wollen oder es auch gar nicht können, weil ihre Einzigartigkeit eben auch ein Fehlen allgemein geforderter Fähigkeiten einschließt. So bekam John Druck aus dem autoritären Elternhaus, dem Bildungssystem und von den Gruppenmitgliedern, denen er sich auf selbstverständliche Weise zugehörig fühlte.

Wie fühlt ein Kind in solchen Situationen? Wie handelt es?

Nichts konnte John elend machen, seine Hoffnung war die eines Riesen. […] Meistens wusste er sich […] zu helfen. Er hatte an die hundert Redewendungen auswendig gelernt, sie lagen bereit und nützten sehr, denn ihre Geläufigkeit gab manchem Zuhörer den Mut, noch ein wenig zu warten, bis John zum Kern seiner Antwort kam. “Wenn du so willst“, “zuviel der Ehre“ oder “das ergibt sich aus der Sache selbst“, “vielen Dank für die Bemühung“ – das ließ sich schnell hersagen.

Schaffte John das nicht, drohte das „Korrektorat“.

Es gab zwei [Tage der Korrektur], den Stocktag und den Rutentag. Konnte eine Pflanze in Freiheit wachsen, dass ein Rohrstock daraus wurde? Seltsam war auch, dass es so viele Bezeichnungen gab, wenn es ums Bestrafen ging. Der Kopf hieß Rübe oder Poetenkasten, der Hintern Register, die Ohren Löffel, die Hände Tatzen und die zu Bestrafenden Malefaktoren. […] Die Strafe selbst ignorierte er. Den Mund geschlossen, den Blick auf die ferne Welt gerichtet, so überstand man alle Tage der Korrektur. Schmählich war, dass die Moderatoren den Delinquenten festhielten, als wolle er fortlaufen.

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Was in der Schule, mit all seiner Entwürdigung, öffentlich zelebriert wurde, setzte sich im Elternhaus fort. Wenn Sie sich fragen, wie das „ruhmreiche Empire“ so „ruhmreich“ sein Kolonialreich zusammenrauben konnte, dann finden Sie eine Antwort mit Sicherheit in dieser Jahrhunderte alten Sozialisierung der Menschen schon im Kindesalter.

Macht bestimmte was gut war und bestrafte entsprechend nach Gutdünken.

Strafen gab es auch außer der Reihe. Zu spät beim Gebet, zum Baum nicht abgemeldet [der Lieblingsspielplatz des kleinen John], beim Würfeln erwischt: da kam es ad hoc! Im Siegel der Schule stand: “Qui parcit virgam, odit filium“ – “Wer die Rute spart, hasst das Kind“.“[1]

Das tagtäglich vorgelebte und trainierte Sozialverhalten schlug schnell auf die Kinder durch:

Die Schüler waren mit allem rasch fertig und merkten sofort, wenn einer nachklappte. Namen nannten sie stets nur einmal. Fragte er nach, dann buchstabierten sie. Beim schnellen Buchstabieren kam er schlechter mit als beim langsamen Sprechen. Die Ungeduld der anderen aushalten, […], die wetzten an John ihre Schnäbel, wo es ging.

Die Geschichte des John Franklin ist insofern auffällig, dass er durch die Zufälle des Lebens später in hohe Positionen der britischen Kriegsmarine gelangte, in denen er sein überragendes Auffassungsvermögen, sein analytisches Denken ausspielen konnte. Er war schon als Kind seinen gleichaltrigen Gefährten diesbezüglich voraus. Nur war kaum ein Mensch, gefangen im eigenen Ego, das zu erkennen in der Lage. Sie verstanden nicht, dass es zuvor galt, die Langsamkeit seines Wesens als integralen Bestandteil seiner Gaben zu begreifen.

In auf Macht und Herrschaft basierenden Systemen ist jedoch das Verstehen, das empathische Hineinversetzen in andere Menschen zu einem Mauerblümchendasein verdammt. Zu hoffen, dass dies durch einen Umsturz oder die Reparatur eines komplexen Systems änderbar ist, halte ich für ausgesprochen ambitioniert. Die Änderung durch Selbsterkenntnis und Freilegen verschütteter empathischer Fähigkeiten in uns selbst finde ich da schon vielversprechender.

Suchen Sie in Ihren Kindern nicht nach den Schwächen, denn die werden an Normen festgemacht, die oft auch nicht einmal Ihre eigenen Normen sind, sondern Ihnen antrainiert wurden und die nun verdammt fest in Ihrem Unterbewussten verankert sind. Seien Sie vielmehr wachen Blickes ob der Einzigartigkeit Ihrer Kinder und geben Sie ihnen die Möglichkeit, diese ihre Einzigartigkeit zu leben. Begleiten Sie Ihre Kinder als Helfende, Stärkende, mit Gefühl Vorlebende auf dem Weg derer Einzigartigkeit, statt Sie zu erziehen, zu verziehen.

Wenn Ihr Kind mal wieder nicht schnell genug begreift, kann es Ihnen vielleicht nützen, dass Sie sich die Mühe dieses Textes antaten – und Sie sich an ihn erinnern.

Nicht zuletzt, entdecken Sie auf diese Weise vielleicht etwas in Ihrem eigenen inneren Wesen, dass Ihnen hilft, sich selbst zu verstehen – und so Mut macht, sich selbst zu lieben.

Bleiben Sie in dem Sinne schön aufmerksam.

Peter Frey
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Quelle: "Die Entdeckung der Langsamkeit", Sten Nadolny; 1983; R.Piper & Co. Verlag, München; ISBN 3-492-10700-1. Die grün eingefärbten Zitate im Artikel sind diesem Buch entnommen.

Sten Nadolny hat die Biografie des englischen Seefahrers und Nordpolforschers John Franklin (1786–1847) zu einer subtilen Studie über die Zeit umgeschrieben. »Die Entdeckung der Langsamkeit« beschreibt, angelehnt an das Leben des Polarforschers Franklin, den Werdegang eines Menschen, der ungemein langsamer ist als der Rest der Welt und trotz oder gerade wegen seiner Langsamkeit seinen Weg geht und ein berühmter Kapitän und Entdecker wird. Der Roman ist inzwischen zum modernen Klassiker der deutschsprachigen Literatur geworden und wurde in alle Weltsprachen übersetzt.

Peter Frey, Jahrgang 1960, ist seit 1965 Dresdner, gelernter Autoschlosser, war LKW-Fahrer, Taxifahrer, selbständig in der IT-Beratung. Nach der Insolvenz war er Sozialhilfeempfänger, Hartz-IV-Empfänger, und studierte schließlich ab 2004 Informationstechnik und ist seit Jahren in Dresden in der Friedensbewegung aktiv. Er will Menschen aufwecken und so zu aktivem, selbst bestimmten, dem kleinen wie dem großen Frieden gewidmeten Handeln bewegen. Seit einigen Jahren ist er hauptberuflich als Administrator tätig und betreibt nebenher den Blog Peds Ansichten. >> bitte weiterlesen.

[1] Anm. KN-ADMIN H.S.: Latein: "Qui parcit virgae suae odit filium suum qui autem diligit illum instanter erudi" - Deutsch: "Wer seine Rute schont, der haßt seinen Sohn; wer ihn aber liebhat, der züchtigt ihn bald." (Version Lutherbibel 1912) oder: "Wer seiner Rute schont, der haßt seinen Sohn; wer ihn aber lieb hat, ist auf Züchtigung bedacht". (Textbibel 1899)



sten_nadolny_tb_die_entdeckung_der_langsamkeit_kritisches_netzwerk_john_franklin_nordwestpassage_nordpolforscher_kindheit_konditionierung_normalalitaet_seelische_verletzungen.jpg► Quelle: Dieser Artikel wurde am 08. Juli 2018 veröffentlicht auf peds-ansichten.de/ >> Artikel. Der Text wurde vorab am 4.7.2018 auf der Online-Plattform Rubikon unter dem Titel "Wachsen meint lernen" veröffentlicht.

Dieses Werk von Peter Frey ist unter Creative Commons-Lizenz (Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International lizenziert. (CC BY-NC-ND 4.0). Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen. Die Bilder und Grafiken im Artikel wurden von KN-ADMIN Helmut Schnug eingefügt. Für sie gelten ggf. andere Lizenzen, s.u..

► Bild- und Grafikquellen:

1. Junge Frau im Wald: Der Takt unseres Lebens wird im Großen durch die Natur bestimmt, aus der wir erwuchsen und deren integraler Bestandteil wir sind. Auch wenn wir – mehr als nur gelegentlich – in arroganter Weise die Natur behandeln, als wäre sie uns unterworfen und damit beliebig formbar. Diese pathologische Herangehensweise gegenüber einer Umwelt, die unsere tagtägliche Existenz überhaupt erst ermöglicht, schlägt auf uns selbst zurück. Foto: Emily_WillsPhotography. Quelle: Pixabay. Alle bereitgestellten Bilder und Videos auf Pixabay sind gemeinfrei (Public Domain) entsprechend der Verzichtserklärung Creative Commons CC0. Das Bild unterliegt damit keinem Kopierrecht und kann - verändert oder unverändert - kostenlos für kommerzielle und nicht kommerzielle Anwendungen in digitaler oder gedruckter Form ohne Bildnachweis oder Quellenangabe verwendet werden. >> Foto.

2. Buchcover „Die Entdeckung der Langsamkeit des Schriftstellers Sten Nadolny. 1983; R.Piper & Co. Verlag, München; ISBN 3-492-10700-1. Als Taschenbuch (Broschur, 384 Seiten) ist der Titel bei Piper am 01.04.1987 erschienen und unter ISBN-13: 978-3-492-20700-3 noch erhältlich. € 11,00 [D], € 11,40 [A]. Die E-Pub-Version (WMEPUB) erschien am 17.07.2012, ISBN-13: ISBN 978-3-492-95793-9, € 10,99 [D], € 10,99 [A].

3. Zwei Menschen im Gespräch: Habe Geduld, ich vermag es nicht, dir so schnell zu folgen. Aber ich belohne Dich mit einer Welt, die du bisher noch nicht kanntest. Denn ich bin befähigt, dir von Dingen zu erzählen, die du nicht sehen kannst. Wenn du mit mir Geduld hast, gibst du mir außerdem von deiner Welt. Denn ich wiederum kann Dinge nicht sehen, von denen du mir berichten kannst. Foto: rawpixel. Quelle: Pixabay. Alle bereitgestellten Bilder und Videos auf Pixabay sind gemeinfrei (Public Domain) entsprechend der Verzichtserklärung Creative Commons CC0. Das Bild unterliegt damit keinem Kopierrecht und kann - verändert oder unverändert - kostenlos für kommerzielle und nicht kommerzielle Anwendungen in digitaler oder gedruckter Form ohne Bildnachweis oder Quellenangabe verwendet werden. >> Foto.

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4. Cincinnati – Spring Grove Cemetery & ArboretumThe Nature Of Morning Light”. Foto: David Paul Ohmer. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung 2.0 Generic (CC BY 2.0).

5. Schlafender Junge. Foto: Mark Probst. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0).

6. Erniedrigung, Misshandlung und Prügelstrafe: Kinder sind kleine Menschen, die sich in das System nicht einordnen wollen oder es auch gar nicht können, weil ihre Einzigartigkeit eben auch ein Fehlen allgemein geforderter Fähigkeiten einschließt. Was in der Schule, mit all seiner Entwürdigung, öffentlich zelebriert wurde, setzte sich im Elternhaus und auch in der religiösen Erziehung (schwarze Pädagogik) fort. Wenn Sie sich fragen, wie das britische Empire so „ruhmreich“ sein Kolonialreich zusammenrauben konnte, dann finden Sie eine Antwort mit Sicherheit in dieser Jahrhunderte alten Sozialisierung der Menschen schon im Kindesalter.

Doch auch heute sind Kinder und Jugendliche noch vielfach erheblichem Konformitätsdruck und autoritären, völlig überforderten Elternhäusern ausgesetzt. Stockschläge und körperliche Züchtigung sind in Deutschland zwar gesellschaftlich weitestgehend verpönt, doch seelische und psychische Verletzungen sind weiterhin Anzeichen einer in weiten Teilen kranken Gesellschaft, in der Konditionierung, Unterdrückung, Gruppenzwang, Mobbing, Selbstüberhöhung und Normerfüllung ihren Platz einnehmen. Das Thema stark wachsender Kinderarmut wurde auf dieser Seite ja auch schon mehrfach thematisiert.

Verbrechen an Schutzbefohlenen durch schwere Körperverletzung in Serie, Stockschläge, sexuelle Ausbeutung, Freiheitsberaubung, Nötigungen, Beleidigungen und Erniedrigungen. Originalfoto: Piers Nye, Oxford/UK. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung-Nicht kommerziell 2.0 Generic (CC BY-NC 2.0). Bildidee: Helmut Schnug. Bildbearbeitung: Wilfried Kahrs (WiKa). Bei Verwendung bitte unbedingt Hinweis auf www.Kritisches-Netzwerk.de - Diese Lizenz gilt auch für das digital veränderte Bild.

Die Schwarze Pädagogik bediene sich dabei der Mittel des Initiationsritus (z. B. Introjektion einer Todesdrohung), der Hinzufügung von Schmerz (auch seelischem), der umfassenden Überwachung des Kindes (Körperkontrolle, strenger Verhaltenskodex, Forderung unbedingten Gehorsams), der Tabuisierung von Berührung, der Versagung grundlegender Bedürfnisse und eines übertriebenen Ordnungsdrills. Bildidee: Helmut Schnug. Bildbearbeitung: Wilfried Kahrs / QPress.de. Bei Verwendung bitte unbedingt Hinweis auf Kritisches-Netzwerk.de

7. Schwarze Pädagogik: Beim weltberühmten Knabenchor der Regensburger Domspatzen herrschte jahrzehntelang Angst und Furcht vor Prügelstrafen und sexuellen Übergriffen. Die Schwarze Pädagogik ist ein negativ wertender Sammelbegriff für Erziehungsmethoden, die Gewalt und Einschüchterung als Mittel enthalten. Der Begriff wurde 1977 von der Soziologin Katharina Rutschky mit der Veröffentlichung eines Buches unter gleichem Titel eingeführt. Unausgesprochen diene die Schwarze Pädagogik der Rationalisierung von Sadismus und der Abwehr eigener Gefühle des Erziehers oder der Bezugsperson.

8. Buchcover Die Entdeckung der Langsamkeit des deutschen Schriftstellers Sten Nadolny. 1983; R.Piper & Co. Verlag, München; ISBN 3-492-10700-1. Als Taschenbuch (Broschur, 384 Seiten) ist der Titel bei Piper am 01.04.1987 erschienen und unter ISBN-13: 978-3-492-20700-3 noch erhältlich. € 11,00 [D], € 11,40 [A]. Die E-Pub-Version (WMEPUB) erschien am 17.07.2012, ISBN-13: ISBN 978-3-492-95793-9, € 10,99 [D], € 10,99 [A].