Meinungsfreiheit ist nicht nur das Recht, zu Allem seinen Senf dazu zu geben wie an einer Würstelbude. Es ist das Recht, Behauptungen der Mächtigen in Frage zu stellen, Erklärungen und Fakten einzuklagen und Alternativen einzufordern. Das mag unbequem sein, lästig, nerven, bremsen. Aber es ist der Motor des Fortschritts. Ohne Nörgler, Zweifler und Besserwisser kein Fortschritt. Zweifel ist eine gesellschaftliche Produktivkraft. Seine Diffamierung durch angeblich alternativlose Politik ist Rückschritt in vormoderne Zeiten. Deutschland braucht wieder einen Grundkurs in Debatte und Wiederbelebung der Streitkultur.» (- Roland Tichy, Journalist und Publizist)
Transition News
«Die Neutralität ist zu wichtig, als dass man sie den Politikern überlassen dürfte.»
Vor kurzem hat sich das Abstimmungskomitee Ja zu einer integralen Neutralität gebildet, initiiert von Albert Stähli, dem Gründer und ehemaligen Rektor des GSBA/Oekreal Zürich. Präsidiert wird das Komitee vom Historiker René Roca, der das Forschungsinstitut direkte Demokratie leitet. Das Komitee, das sich auch als Bewegung versteht, besteht aus bekannten Unternehmerpersönlichkeiten.
Das Komitee setzt ganz bewusst auf den Souverän und nicht auf die Politiker. Denn mit der Abstimmung über die Neutralitätsinitiative liegt die staatspolitische Verantwortung für die künftige Ausrichtung der schweizerischen Aussenpolitik und damit auch für die Neutralität bei uns Bürgerinnen und Bürgern.
In kurzer Zeit hat das Komitee ein grosses Echo und breiten Zuspruch gefunden. Es zählt bereits 1650 Mitglieder. Das Credo der Bewegung für integrale Neutralität formulierte Stähli an der Pressekonferenz wie folgt:
«Die Neutralität ist zu wichtig, als dass man sie den Politikern überlassen dürfte.»
Der Souverän bestimme, wie die Neutralität konkret ausgestaltet werden müsse und nicht der Bundesrat. Das Durchwursteln des Schweizer Aussenminister, Bundesrat Cassis (FDP/Tessin) habe die Schweiz «in eine gefährliche Situation hineinmanövriert». Das müsse ein Ende haben, so Dr. Stähli. Am 27. September werden die Weichen entweder Richtung Krieg oder Richtung Frieden gestellt. Stähli sagte dazu:
«Wenn wir uns mit Machtblöcken vereinigen, werden wir automatisch zu Feinden, wenn wir hingegen getreu unserer nationalen DNA eine strikte integrale, bewaffnete und dauernde Neutralität leben, können wir unser einzigartiges Land heil durch turbulente Zeiten steuern und als Vermittler von guten Diensten zwischen Kriegsparteien und als Heimat des IKRK unsere humanitäre Rolle weiterhin ausüben.»
Ausserordentlich erfreulich sei, so Roca, dass die ganze Bewegung all der Menschen von links bis konservativ zugenommen habe, die sich für ein Ja zur Neutralitätsinitiative einsetzen. Roca legte dar, dass die Schweizer Neutralität ein historisch gewachsenes Friedensprojekt erster Güte ist. Das Konzept der Neutralität, entstanden in der frühen Neuzeit, wurde nach der Niederlage bei der Schlacht von Marignano 1515 schrittweise weiter entwickelt, gefestigt und 1815 vom Wiener Kongress als immerwährende Neutralität der Schweiz völkerrechtlich anerkannt. Mit der Neutralität wurden die Unabhängigkeit und der innere Zusammenhalt gesichert, und die Schweiz blieb von Kriegen verschont. Gleichzeitig ermöglichte die Neutralität eine aktive humanitäre Politik mit den Guten Diensten und dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz.
Im Kalten Krieg hat die neutrale Schweiz diplomatisch durch Vermittlung und die Mitwirkung an der KSZE zur weltweiten Entspannung beigetragen. Mit dem Ende des Kalten Krieges wurde die Neutralität zunehmend ausgehöhlt, insbesondere durch völkerrechtswidrige Sanktionen und internationale Anbiederung zum Beispiel an die NATO. Dr. Roca plädierte dafür, dass die Schweiz zur integralen, bewaffneten Neutralität zurückkehrt und sich wieder stärker auf ihre Guten Dienste und damit auf den Frieden ausrichtet.
Stähli beantwortete die Frage, was es der Volkswirtschaft bringe, wenn die Schweiz neutral sei, wie folgt:
«Das ist eine zentrale Frage. In unserem Komitee gibt es viele Wirtschaftler. Die Neutralität ist auch eine Sicherheit für das Management. Der internationale Handel kann geplant und sichergestellt werden, was dann auch entsprechende Resultate gibt.»
Mit einem Ja zur Neutralitätsintitiative werden auch völkerrechtswidrige Sanktionen unterbunden, die Risiken für die Volkswirtschaft bedeuten. Ein weiterer Aspekt sei, dass eine neutrale Schweiz per se auch langfristig ein sicherer Hafen sei, in den Kapitalien einfliessen. Aus einem unsicheren Hafen fliesse Kapital ab. Auch für den Tourismus sei eine neutrale Schweiz mit ihrer Kontinuität und immer gleichen Stabilität ein Land, in das man gerne reise.
René Roca und Alfred Stähli betonten, dass unabhängig von einem Ja oder einem Nein zur Neutralitätsinitiative die Arbeit der neugegründeten Bewegung JA zur Neutralität selbstverständlich aktiv weitergehen werde. Das gibt Hoffnung und ermöglicht, dass wir als Bürgerinnen und Bürger aufgrund unserer staatspolitischen Verantwortung das Heft für die Zukunft der Neutralität und für die Schweiz wieder selber in die Hand nehmen.
Die Autorin ist Vorstandsmitglieder der Bewegung für Neutralität (bene.swiss)
Russischer Botschafter Garmonin: «Die Schweiz ist schon seit Jahren nicht mehr neutral»
Sergej Garmonin, Botschafter der Russischen Föderation in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein, hat in einem Interview mit dem Journalisten Patrik Baab scharfe Kritik an der Außenpolitik Berns geäußert und darauf hingewiesen, dass «die Schweiz schon seit Jahren nicht mehr neutral ist».
Der Schweizer Rechtsanwalt Philipp Kruse bezeichnet dieses Gespräch als «beeindruckend, aber für die Schweiz peinlich». Er ist überzeugt: «Käme dieses Interview in der Schweizer Tagesschau, müsste der Bundesrat seine Politik der blinden NATO- und EU-Gefolgschaft mitsamt Sanktionen aufgeben.» Im Gespräch mit Baab erklärte Garmonin zum Beispiel:
«(...) Russland ist keine Bedrohung, sondern eine Quelle von Möglichkeiten für die Eidgenossenschaft, ihre Beziehungen in einer sich rasch wandelnden Welt vielfältiger zu gestalten. Die Zusammenarbeit mit Russland bietet eine Chance, nicht vollständig von den Launen Brüssels oder anderer westlicher Länder abhängig zu sein, sondern einen alternativen Partner zu haben. Russland ist ein riesiger und profitabler Markt, wissenschaftliche Zusammenarbeit ohne Hindernisse, fortschrittliche Kernenergie und Luftraum für Langstreckenflüge. Sanktionen bedeuten verlorene Vorteile und Abhängigkeit von der Europäischen Union, die blinde Unterwerfung als selbstverständlich ansieht (...)»
Kruse schreibt: «Meinen Respekt vor dem Herrn Botschafter, dass er trotz jahrelanger Geringschätzungen und Herabsetzungen vonseiten des Schweizer Aussenministeriums keine deutlicheren Worte gebraucht. Das Departement Cassis fügt der Schweiz grossen Schaden zu, indem es ausschliesslich die Interessen der EU und der NATO wahrnimmt, und nicht die der Schweiz. Das muss ein Ende haben: Endlich zurück zur bewährten Schweizer Diplomatie und NEUTRALITÄT!»
Lesen Sie hier das ganze Interview von Baab auf Forum Geopolitica.
Kulturmediale Heuchelei rund um den Fall Alphaville
Die derzeitige Diskussion rund um die deutsche Band Alphaville ist ein Paradebeispiel für die Doppelmoral des kulturmedialen Establishments. Was war passiert? Im Grunde nicht viel: Die Pop-Gruppe, bekannt geworden mit Songs wie «Big in Japan» und «Forever Young», sollte erst auf dem Glücksgefühle-Festival auf dem Hockenheimring spielen, wurde dann ausgeladen und schließlich doch wieder eingeladen.
So weit, so unspektakulär. Interessant wird es erst, wenn man den Grund und die Reaktionen betrachtet. Die Organisatoren des Festivals befürchteten, dass Alphaville auf der Bühne wie so oft politische Statements abgeben würden, und wollten das tunlichst vermeiden. Das riecht zunächst nach Cancel Culture, ist es aber nicht, wenn man sich die Begründung genau ansieht:
«Unsere Bühne ist keine Plattform für politische Äußerungen», erklärte Organisator Markus Krampe öffentlich. Das Glücksgefühle-Festival sei komplett unpolitisch, «und das gilt unabhängig davon, in welche politische Richtung eine Äußerung geht: für rechts, für links oder für jede andere politische Richtung.»
Es ist völlig legitim, ein Festival ausrichten zu wollen, das Politik komplett ausklammert, erst recht, wenn Weltsicht, Parteienpräferenz oder Haltung keine Rolle dabei spielen. GOOD VIBES ONLY, lautet das Motto des Festivals. Eigentlich nicht schwer zu verstehen. Wenn das Ziel ausschließlich darin besteht, gute Stimmung zu verbreiten und die Gäste einen Tag lang vom politischen Alltag zu entlasten, läuft der Cancel-Culture-Vorwurf ins Leere.
Wieder einmal CampinoDoch das kulturmediale Establishment will diesen Aspekt einfach nicht sehen – oder nicht akzeptieren. Also wird sich empört, langatmig und öffentlichkeitswirksam. Auf einmal ist von «Meinungsfreiheit» die Rede, von «Maulkorberlass» und «Demokratie». Am lautesten sind ausgerechnet diejenigen, die während der Corona-Krise die Cancel-Culture gegenüber maßnahmenkritischen Künstlern bereitwillig hinnahmen oder gar befeuerten. Kollegen wie Die Ärzte zum Beispiel – oder Campino.
«Letztendlich ist es so, dass wir das schon extrem fragwürdig finden und auch absurd, jemanden auszuladen, der sich gegen die AfD äußert oder gegen Trump oder wie auch immer», wendete sich dieser beim Konzert in Münster an das Publikum. «Jemand, der stabil ist für die Demokratie», legte Campino nach, um noch einmal zu unterstreichen, wer hier die «Guten» sind.
Die Leitmedien greifen diesen Fall gerne auf, heben vor allem die Empörung hervor, sprechen von «bundesweiter Kritik», die die Festival-Organisatoren zum Einlenken gebracht habe. Nicht weniger genüsslich zitieren sie die Aussagen von Mateo, dem Sänger der Band Culcha Candela. Die Entscheidung der Organisatoren sei als kompliziertes Verhältnis zur Demokratie zu werten, sagte er und sprach von einem «Level AfD-Hauptsponsor». Das allein ist schon harter Tobak, aber der Frontmann legte nach: «Leben wir schon in Russland oder ist es noch Deutschland, die BRD, Demokratie?»
Erinnerung an die Corona-ZeitHat der gute Mann in den letzten Jahren geschlafen? Demokratie gibt es schon lange nicht mehr, oder soll man ihn beispielsweise an die Ausladung Uli Masuths erinnern. Der Kabarettist sollte im Januar 2022 im Kinoverein Bordesholm spielen, bekam dann aber kurzzeitig eine Absage, weil die Vereinsmitglieder im Internet von Masuths Kritik der Corona-Politik erfahren hatten.
Der Unterschied zum Alphaville ist ein gewaltiger: Die Absage erfolgte in Masuths Fall nicht, weil er auf der Bühne generell politisch werden könnte. Das wäre bei einem Kabarettisten geradezu absurd. Nein, der Vertrag wurde gekündigt, weil er die «falsche» Meinung hatte.
Schrie damals im Mainstream jemand laut von Einschränkung der Kunstfreiheit, beklagte jemand einen Maulkorberlass? Verteidigte Campino und andere Gratismut-Künstler die Demokratie? Pustekuchen. Wenn solche Fälle – und diese betrafen nicht nur Masuth – überhaupt die Oberfläche des kulturmedialen Establishments erreichten, dann wurden sie beklatscht.
Was Meinungsfreiheit ist, bestimmen wirDie Attitüde, mit der Campino und die Mainstream-Presse auftreten, ist geradezu autoritär: Wir bestimmen, was Demokratie bedeutet und was von der Meinungsfreiheit gedeckt ist. Und wer zu den «Guten» gehört sowieso! Erst wenn wir definieren, auf wen gezielt werden darf, ist politische Kritik erlaubt. Andernfalls wird es als «Populismus» delegitimiert.
Besonders bedauerlich ist, dass das kulturmediale Establishment damit Erfolg hat. Festival-Chef Markus Krampe ist nach der öffentlichen Empörung sofort zurückgerudert. «Wie wir gehandelt haben, war in der Tat ein Fehler», entschuldigte er sich und wählte für seinen Gang nach Canossa das reichweitenstärkste Blatt – die «Bild». «Das tut mir leid», beteuerte er, «Meinungsfreiheit ist das höchste Gut, das wir in Deutschland haben, sie ist zu schützen».
Es wäre schön gewesen, wenn die vielen Veranstalter und Organisatoren genauso gehandelt hätten, deren Cancel-Maßnahmen in den vergangenen Jahren viele Künstler aus dem Bereich der Gegenöffentlichkeit zum Opfer gefallen sind. Aber auch hier hatte das kulturmediale Establishment seine Hand im Spiel.
Als Masuth, Jens Fischer Rodrian oder Marta Murvai (um nur einige wenige zu nennen) damals die Corona-Maßnahmen kritisierten, solidarisierte sich dieses Mainstreampersonal nicht mit ihnen, sondern mit den Veranstaltern – oder übte Druck auf sie aus, damit sie die angeblichen «Schwurbler» ausluden.
Das gleiche Spiel, nur unter umgekehrtem Vorzeichen. Alphaville-Sänger Marian Gold schrieb nach dem Einlenken der Festival-Organisatoren die folgenden Worte: «Wir nehmen die Entschuldigung und Wiedereinladung des Veranstalters Markus Krampe zur Kenntnis und hoffen, dass er von nun an die Bedeutung von Rede- und Kunstfreiheit beim ‹Glücksgefühle Festival› gebührend respektiert».
Gold wäre gut beraten, auch die Doppelmoral zur Kenntnis zu nehmen, mit der er und das kulturmediale Establishments diese Debatte führen. Diese Schieflage darf er beim nächsten Bühnenauftritt gerne kritisieren!
Eugen Zentner ist Kulturjournalist und Autor. Zuletzt sind von ihm das Sachbuch «Kunst und Kultur gegen den Strom», der Kurzgeschichtenband «Corona-Schicksale» und der Gedichtband «Die Welt steht Kopf» erschienen.
Wenn der Interviewer zum Stichwortgeber wird
Früher galt das Interview als Königsdisziplin des Journalismus. Ein guter Interviewer bereitete sich vor, hakte nach, konfrontierte sein Gegenüber mit Widersprüchen und ließ es nicht bei wohltemperierten Stichworten bewenden. Der Lohn: Erkenntnis, Reibung, manchmal sogar ein denkwürdiger Satz.
Heute genügt offenbar schon die Mikrofonübergabe. Das Gespräch von Sandro Benini und Sofiya Miroshnyk mit Roger de Weck auf der Schweizer Plattform Tamedia ist ein Beispiel dafür. Roger de Weck ist nicht irgendwer. Abkömmling einer zweisprachigen Freiburger Familie, der Bruder ein einflussreicher Banker, er selber früher Tagesanzeiger-Chef und SRG-Generaldirektor.
Er darf seine politischen Grundüberzeugungen ausbreiten, während die Interviewer erstaunlich oft die Rolle des Stichwortgebers übernehmen. Kritische Fragen gibt es zwar. Aber sobald de Weck scharf zurückschießt, wird nicht nachgesetzt. Dabei hätte es genügend Ansatzpunkte gegeben.
Zum Beispiel die Republik. De Weck war als designierter Verwaltungsratspräsident des links-woken Online-Magazins vorgesehen und zog sich zurück, noch bevor er das Amt antrat. Das wäre eine interessante erste Frage gewesen: Was ist passiert? Warum der Rückzug? Welche Differenzen gab es?
Stattdessen beginnt das Gespräch mit einer kleinen Laudatio auf das neue Buch «Glanz und Elend der Konservativen». Schon der Titel klingt nach großer historischer Geste – und erinnert nicht ganz zufällig an Balzacs berühmtes «Glanz und Elend der Kurtisanen». Dann geht es in die Geschichte. Und dort wird es unerquicklich.
De Weck erklärt mit Blick auf Deutschland, Russland und den Westen, von Bismarck bis Hitler sei Deutschland «nirgends eingebunden» gewesen, mit verheerenden Folgen. Adenauer habe die Bundesrepublik schließlich im Westen verankert.
Das kann man so vertreten. Man kann es aber auch hinterfragen. Denn Adenauers Westbindung war keineswegs von Anfang an ein unbestrittenes historisches Geschenk. Sie war Teil einer hoch umkämpften politischen Entscheidung, die die deutsche Teilung auf Jahrzehnte festigte und mit der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik verbunden war. Und ausgerechnet bei Bismarck wäre eine Nachfrage besonders naheliegend gewesen: Hatte der nicht gerade versucht, ein Auseinanderbrechen des europäischen Gleichgewichts durch eine Verständigung mit Russland zu verhindern – unter anderem mit dem Dreikaiserabkommen und dem Rückversicherungsvertrag? Und ist es nicht so, dass immer dann, wenn Preußen, oder später Deutschland gute Beziehungen zu Russland unterhielten, Frieden herrschte? Das wussten die deutschen Politiker bis hin zum Jahrhundert-Staatsmann Gustav Stresemann noch. Nach dem Ersten Weltkrieg tat Außenminister Walter Rathenau 1922 mit dem Rapallo-Vertrag einen mutigen Schritt auf die Sowjetunion zu. Der Vertrag löste eine sofortige Panikreaktion in London, Washington und Paris hervor. Aber trotz aller Unkenrufe war er ein Win-Win-Vertrag und funktionierte. Ein Interview hätte daraus etwas machen können. Dieses macht daraus wenig.
De Weck warnt vielmehr vor einem Deutschland, das sich eines Tages wieder Russland «anbiedern» und den Westen gegen den Osten ausspielen könnte. Das klingt dramatisch. Nur wäre die Anschlussfrage zwingend gewesen: Wann genau hat Deutschland das getan – und welche der behaupteten Katastrophen gingen daraus hervor? Sie kommt nicht.
Noch komfortabler wird es bei der AfD. De Weck nennt sie kurzerhand eine «Putin-Partei». Als Begründung dienen unter anderem ihre Forderungen nach einer Aufhebung der Russland-Sanktionen und nach mehr Russischunterricht in Sachsen-Anhalt.
Auch hier wäre Differenzierung kein Luxus gewesen. Eine Partei kann eine bestimmte Russlandpolitik vertreten, ohne deshalb zur fremdgesteuerten «Putin-Partei» zu werden. Und Russischunterricht als Beleg für eine geopolitische Gesinnung zu präsentieren, ist zumindest eine bemerkenswert grobe Verkürzung.
Doch das Gespräch interessiert sich offenbar weniger für solche lästigen Zwischentöne als für die nächste These. De Weck verteidigt die Brandmauer gegen die AfD und behauptet, niemand habe plausibel dargelegt, wie deren Beseitigung die Partei schwächen könnte. Gleichzeitig prophezeit er der CDU den politischen Selbstmord, sollte sie die Brandmauer einreißen.
Auch das hätte eine Nachfrage verdient. Denn eine Gegenposition liegt nicht gerade im Nebel: Man könnte argumentieren, dass eine Partei durch tatsächliche Regierungsverantwortung gezwungen wird, ihre großen Versprechen an der Realität zu messen. Dass sie regiert, statt nur zu protestieren. Dass sich zeigt, was von der Rhetorik übrigbleibt, wenn aus Forderungen konkrete Politik werden.
Ob die CDU deshalb «implodieren» würde, ist keine Analyse. Es ist eine Prognose. Eine ziemlich selbstsichere dazu. Besonders problematisch wird es dort, wo politische Polemik als Tatsache daherkommt.
De Weck behauptet, Björn Höcke begrüße «bewaffnete Neonazis» als Mitglieder der AfD. Das ist eine Formulierung, die einen erheblichen Sachverhalt suggeriert und deshalb nach Präzisierung schreit. Die Frage ist nicht, ob es im Umfeld der AfD Personen gibt, denen schwere Vorwürfe gemacht werden. Die Frage ist, was konkret Höcke gesagt oder getan hat, gegenüber wem und in welchem rechtlichen und tatsächlichen Zusammenhang.
Gerade ein Journalist mit publizistischem Anspruch sollte hier sauber zwischen Vorwurf, politischer Position, Mitgliedschaft und erwiesener Tatsache unterscheiden. Die Interviewer tun es nicht. Damit wird aus dem Gespräch keine Auseinandersetzung, sondern eine komfortable Bühne für den an sich schon privilegierten de Weck.
Und dann kommt jene Frage, die tatsächlich einmal etwas unbequem werden könnte. De Weck wird darauf angesprochen, dass ein Intellektueller seines sozioökonomischen Status kaum mit jenen Lebensrealitäten konfrontiert sei, die viele AfD-Wähler beschäftigen.
Das wäre der Moment für eine ernsthafte Auseinandersetzung über soziale Herkunft, politische Milieus und die Grenzen intellektueller Empathie. De Weck antwortet stattdessen sinngemäß: Sie glauben selbst nicht an die Frage, die Sie stellen. Das ist rhetorisch bequem, aber schon semantisch abenteuerlich. Denn wer die Frage des Gegenübers kurzerhand für illegitim erklärt, muss sich mit ihrem Inhalt nicht mehr beschäftigen.
Anschließend erklärt er, er verweigere sich einer «identitätspolitischen Logik», nach dem Menschen durch ihre Herkunft so stark geprägt seien, dass sie Erfahrungen anderer Milieus nicht erschließen könnten. Das sei «populistisches Anti-Elite-Denken».
Auch hier hätte ein guter Interviewer einfach nachhaken können: Wer behauptet denn eigentlich, dass soziale Herkunft Erfahrungen anderer Milieus grundsätzlich unzugänglich macht? Und folgt daraus tatsächlich, dass die Frage nach unterschiedlichen Lebensrealitäten «Anti-Elite-Denken» ist? Stattdessen herrscht weitgehend Funkstille. Dabei ist genau das die interessante Frage: Wie gut kann ein bestens abgesicherter, gesellschaftlich etablierter und ökonomisch privilegierter Publizist tatsächlich beurteilen, was Menschen beschäftigt, deren Alltag von ganz anderen Zwängen bestimmt wird? Das bedeutet nicht, dass Herkunft politische Urteile determiniert. Aber zu behaupten, sie spiele keine Rolle, wäre ebenso naiv.
Zum Schluss darf de Weck noch einmal gegen die SVP und Bundesrat Albert Rösti austeilen. Die Partei habe sich trotz Regierungsverantwortung nicht gemäßigt, sondern radikalisiert – «ähnlich wie die US-Republikaner». Rösti wiederum versuche sich bei der Kernkraft oder der Halbierungsinitiative über Volksentscheide hinwegzusetzen.
Wieder wären Präzisierungen möglich gewesen: Was genau bedeutet «sich über Volksentscheide hinwegsetzen»? Welche konkreten Entscheidungen sind gemeint? Wo endet politische Interpretation und wo beginnt die Tatsachenbehauptung? Und ist das wirklich eine Spezialität der SVP? Versucht nicht die bernische Regierungsrätin Aline Trede genau das gleiche, indem sie den Gemeinden das Vetorecht für Windparks vorenthalten will?
Das Gespräch plätschert weiter. So bleibt am Ende vor allem ein bemerkenswertes Missverhältnis: große historische Diagnosen, große politische Etiketten, große Gewissheiten – und erstaunlich wenig Gegenwehr. Das Problem ist nicht, dass Roger de Weck pointierte politische Ansichten hat. Das Problem eines Interviews ist, wenn solche Ansichten kaum noch auf Widerstand stoßen.
Ein Gespräch soll einen klugen Menschen nicht möglichst elegant bestätigen. Es soll ihn unter Druck setzen. Dieses Interview tut das kaum. Und so hat es immerhin einen praktischen Nutzen: Wer wissen wollte, ob er de Wecks neues Buch unbedingt lesen muss, bekommt hier eine ziemlich deutliche Entscheidungshilfe.
Lipid-Nanopartikel vom Pfizer-Typ erhöhen Ausbreitung von Krebs bei Mäusen
Wissenschaftler der Sichuan-Universität haben herausgefunden, dass Lipid-Nanopartikel (LNP), die den in mRNA-Impfstoffen verwendeten nachempfunden sind, die Ausbreitung von Krebs bei Mäusen förderten, selbst wenn die Nanopartikel keine mRNA enthielten.
Der Journalist Jon Fleetwood weist darauf hin, dass diese alarmierenden Ergebnisse zu einem Zeitpunkt kommen, an dem die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA kürzlich den LNP-basierten COVID-19-Impfstoff von Pfizer ohne neue Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit der neuen XFG-Formulierungen zugelassen hat (wir berichteten).
Die Studie, die in Nano Today veröffentlicht wurde, trägt den Titel: «Ein in einem mRNA-Impfstoff verwendetes Lipidnanopartikel fördert die Tumormetastasierung in einem Mausmodell durch mtDNA-induzierte Neutrophilenaktivierung und NETose». Das 18-köpfige Forschungsteam berichtet:
«Wir zeigen hier, dass die Verabreichung von Lipid-Nanopartikeln die Tumormetastasierung durch die Auslösung einer systemischen Entzündungsreaktion fördert. LNP zeigten einen fördernden Effekt auf die Tumormetastasierung.»
Die Arbeit wurde durch das Nationale Schlüsselprogramm für Forschung und Entwicklung Chinas (Förderkennzeichen 2024YFC2310700) und das «1.3.5-Projekt für Exzellenzdisziplinen» des Westchinesischen Krankenhauses der Sichuan-Universität finanziert. Die Forscher gaben an, keine Interessenkonflikte zu haben.
Laut Fleetwood werfen die Ergebnisse der Studie direkte Fragen hinsichtlich der Sicherheitsprüfung von Lipidnanopartikeln auf, die bei Massenimpfungen eingesetzt werden. Der Journalist betont auch, dass eine im Januar 2024 in Nature Reviews Drug Discovery veröffentlichte Studie, an der Wissenschaftler von Moderna mitwirkten, unumwunden eingeräumt habe, dass die Vermeidung «inakzeptabler Toxizität» bei mRNA-Impfstoffen weiterhin eine große Herausforderung darstelle.
Die Autoren hätten davor gewarnt, dass «die Strukturkomponenten von Lipidnanopartikeln, die Herstellungsverfahren, der Verabreichungsweg und die aus komplexierten mRNAs produzierten Proteine allesamt toxische Risiken bergen», und dass die Art und Weise, wie sich diese Impfstoffe im Körper verteilen, aufgrund von «Zelltropismus und Gewebeverteilung (...) und ihrer möglichen Reaktogenität» Schäden verursachen könne.
Unternehmen können bald eigenständig Drohnen abwehren
In Deutschland sollen Unternehmen künftig eigenständig Drohnen abwehren dürfen. Das teilte der deutsche Bundesinnenminister Alexander Dobrindt bei einer Pressekonferenz mit. Allerdings brauche es dafür noch die notwendigen rechtlichen Grundlagen, betonte er. Nach seinen Worten erwägt sein Ministerium nun eine sogenannte Beleihung. Das bedeutet, dass der Bund die Aufsicht behält, die hoheitliche Aufgabe der Drohnenabwehr aber an private Akteure abtritt.
Betreiber von kritischen Infrastrukturen wie Kraftwerken, Stromnetzen oder Chemie-Anlagen könnten dann eigenständig handeln. Allerdings muss noch über Regelungen nachgedacht werden, die Haftung und die Höhe möglicher Kosten betreffen. Die Opposition begrüßt den Vorstoß, mahnt aber an, dass die stärkere Einbindung privater Betreiber sehr maßvoll erfolgen sollte.
Das Gewaltmonopol des Staates müsse dabei unberührt bleiben, sagte etwa der AfD-Innenpolitiker Steffen Janich. Mit Blick auf die aktuelle Situation zweifelte er gleichzeitig daran, ob die staatlichen Hoheitsträger allein in der Lage sein würden, den Schutz von Stromversorgung, Wasser, Telekommunikation, Flughäfen und anderen lebenswichtigen Einrichtungen zu erfüllen.
Daten der Berliner Landesverwaltung im Darknet veröffentlicht
Eine Hackergruppe hat fast sechs Terabyte an Daten der Berliner Landesverwaltung im Darknet veröffentlicht. Darunter sollen sich auch hochsensible Informationen befinden. Insgesamt wurden 1,44 Millionen Dateien veröffentlicht, unter anderem ein Ordner mit dem Titel «AG CBRN-Rahmenplanung», der Informationen zu chemischen, biologischen, radiologischen und nuklearen Gefahren enthält.
Betroffen sind Unterlagen zum sogenannten Verteidigungsfall sowie zur kritischen Infrastruktur und besonders gefährdeten Rüstungsunternehmen. Vorausgegangen war eine Forderung an den Berliner Senat, ein Lösegeld von 30 Bitcoin (umgerechnet zwei Millionen Euro) zu zahlen. Dies wurde abgelehnt. Nach Ablauf des Ultimatums veröffentlichten die Hacker das Datenpaket im Darknet.
Für die schwarz-rote Regierungskoalition in der Hauptstadt ist der Fall insofern belastend, als der Senat noch im Februar intern vermerkt hatte, dass es keinen digitalen Geheimschutz in der Berliner öffentlichen Verwaltung gebe. Dennoch wurden entsprechende Verschlusssachen weiter in den betroffenen Systemen gespeichert.
Himmel über Europa: Bilder sagen mehr als 1.000 Worte
Wetter- und Klimamanipulationen haben in den letzten Jahren weltweit zugenommen – sie sind keine Verschwörungstheorie, sondern eine katastrophale Realität. Was über unseren Köpfen genau geschieht, wissen wir nicht, denn bei solchen Geoengineering-Projekten gibt es keinerlei Transparenz von Seiten der verantwortlichen Behörden. So hat die EU zwischen 2021 und 2027 zwar 95 Milliarden Euro Steuergelder für das Geoengineering-Projekt «Horizont Europa» ausgegeben, aber was genau damit geschieht, ist unklar. Bekannt ist nur, dass die Mitgliedsländer keinerlei Mitspracherecht haben – und dass für den Zeitraum 2028 bis 2034 für solche Projekte weitere 175 Milliarden Euro fließen sollen.
Nach meinem Beitrag über ein höchst seltsames «Regenereignis» im spanischen Andalusien haben mir unsere Leser viele Fotos zugeschickt und ihre Besorgnis über diese mysteriösen Aktivitäten am Himmel ausgedrückt. Denn sie bringen diese mit Geoengineering in Verbindung. Dabei beziehen sie sich in der Regel auf Militärflugzeuge, die zuerst seltsame «Kondensstreifen» erzeugen, die sich ausbreiten, ausgefranste Formen annahmen, wenn die Substanzen mit der Luft reagieren, dann den Himmel vollständig verschmieren – und im Anschluss dramatische Wolkenbildungen erzeugen und die Sonne verschleiern. Auch wird darüber berichtet, dass die nächtlichen Flugzeug-Aktivitäten in der letzten Zeit zugenommen haben und dass die Flugzeuge nicht mehr sichtbar sind, weil sie in großer Höhe fliegen.
Nach dem Motto «Bilder sagen mehr als 1.000 Worte» werden wir deshalb in den nächsten Wochen die uns zugesandten Fotos veröffentlichen. Ziel der Initiative ist es, den Menschen bewusst zu machen, dass ungewöhnliche Vorgänge am Himmel keine Spinnerei, sondern eine Realität sind. Zudem geht es darum, den Blick für solche Phänomene zu schärfen.
Viele unserer Leser sind jedenfalls der Meinung, dass es dringend notwendig ist, über Geoengineering aufzuklären, denn das, was sie seit Jahren am Himmel beobachten, macht ihnen Angst. Sie befürchten, dass nicht nur die Menschen, sondern auch Tiere und Natur unbekannten Giftstoffen ausgesetzt werden. Die eindringlichen Bilder, die uns zugeschickt wurden, kamen aus der Schweiz, Deutschland, Österreich, Schweden, Frankreich, Griechenland, Italien und Spanien.
Fotoserie Geoengineering in Europa – Teil 1Deutschland
Himmel über Berlin, 2. September 2026
Himmel über Frankfurt am Main, 2. Juni 2026
Himmel über Frankfurt am Main, 2. Juni 2026
Nächtlicher Himmel; Plau am See in Südmecklenburg
Himmel über Bokanaes, 12. August 2026
Himmel über Malmö, 28. Juni 2026
Himmel über der Provence
Himmel über der Provence
Himmel über der Provence
Himmel über Andalusien, 19. Januar 2025
Himmel über Andalusien, 19. Januar 2025
Meerenge von Gibraltar, Andalusien, 18. Dezember 2024
«Kondensstreifen», Andalusien, Algatocín, 26. März 2026
«Kondensstreifen» in Andalusien, Gaucín
Himmel über Macugnaga, 11. August 2018
Das war es für heute, liebe Leserinnen und Leser, nächste Woche folgt Teil 2 der Fotoserie. In einer der nächsten Folgen werde ich auch über seltsame Phänomene berichten, die einige Leser mit Geoengineering-Operationen in Verbindung bringen – und die sich am Boden zeigen.
In diesem Rahmen möchte ich Sie bitten, mir auch weiterhin Fotos zuzuschicken. Auch würde ich mich freuen, wenn Sie mir Ihre Meinung mitteilen, ob Ihnen diese Phänomene am Himmel normal oder eher ungewöhnlich erscheinen. Denn einige Leser haben mir berichtet, dass sie oft auf Unverständnis stoßen, wenn sie ihre Mitmenschen darauf hinweisen, dass am Himmel nichts mehr stimmt.
Die meisten wollten oder könnten nicht erkennen, dass über unseren Köpfen etwas passiere, das eindeutig Grund zur Sorge gebe. Manche verglichen diese «Blindheit» gegenüber Geoengineering-Phänomenen sogar mit der Corona-«Pandemie». Auch damals hätten viele aufgrund der Propaganda die Realität nicht sehen können.
Ein Leser hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass US-Vizepräsident Lyndon B. Johnson bereits 1962 gesagt habe: «Wer das Wetter beherrscht, beherrscht die Welt». Bush Jr. habe den Satz wiederholt, mit dem Zusatz: «2025 sind wir soweit, spätestens». Sobald dieses Thema ins Rampenlicht komme, werde gegengesteuert. In den USA berühre das Thema «Wetter als Waffe» die «nationale Sicherheit» und deshalb werde interveniert.
In diesem Zusammenhang wies unser Leser auf das Buch «Kriegswaffe Planet Erde» hin, das für ihn ein Standardwerk ist. Weitere Informationsquellen finden sich auf YouTube-Kanälen, zum Beispiel hier, hier, hier und hier.
Das Portal Freie Welt informiert, dass Dane Wigington von Geoengineering Watch, der den Film «The Dimming» produziert hat, davon ausgehe, dass jährlich 40 bis 60 Millionen Tonnen toxischer Nanopartikel (Aluminium, Barium, Strontium, Quecksilber, Mangan, Graphen, Polymere) aus Flugzeugen freigesetzt würden. Dabei berufe er sich auf Labortests von Regenwasser, Fotos spezieller Flugzeuge, Dokumente und Whistleblower-Aussagen, die ein geheimes Programm beweisen sollen, dass das Wetter als Waffe eingesetzt wird.
US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. sagte laut Freie Welt im April 2025: «Diese Materialien werden dem Kerosin beigemischt. Ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, um es zu stoppen, herauszufinden, wer es tut, und sie zur Rechenschaft ziehen.» («Those materials are put in jet fuel. I'm going to do everything in my power to stop it. Find out who's doing it and holding them accountable.»)
Zurück zu den Fotos: Die Auflösung sollte 72 dpi betragen, bei einer maximalen Breite und Höhe von 40 cm. Bitte senden Sie mir Ihr Bildmaterial und Nachrichten an diese E-Mail-Adresse: info@transition-news.org
Ceuta-Krise bringt Spanien zum Brodeln
In Spanien haben sich die Spannungen aufgrund der Migranten-Krise in Ceuta verschärft. Lange hat die Regierung von Pedro Sánchez behauptet, in Ceuta sei die «Normalität» wieder eingezogen, nachdem ein Großteil der illegalen Immigranten nach Marokko zurückgekehrt war, doch die Realität in der spanischen Exklave sieht anders aus. Tausende von Immigranten sind noch in der Stadt, die Stimmung in der Bevölkerung ist explosiv. Bürger protestierten und zerstörten die Camps, die über 3.000 Immigranten am Strand El Trampolin errichtet hatten. Schließlich wurde der Strand von der Polizei geräumt.
Die Menschen haben Angst, denn die Gewaltbereitschaft der Immigranten nimmt zu. In den letzten Wochen gab es Randale und Plünderungen und es wurde von mindestens 20 Vergewaltigungen berichtet. Demonstranten wurden auf offener Straße von Unbekannten mit Flaschen voller Terpentin angegriffen. Und laut Jupol, der größten Gewerkschaft der Nationalpolizei, gab es bereits 53 Anzeigen gegen illegale Immigranten wegen Angriffen auf Polizisten und Soldaten.
Die Polizei hat unter den Eindringlingen in Ceuta schon rund hundert Personen ausfindig gemacht, die in Spanien verurteilt wurden und denen die Rückkehr eigentlich untersagt ist. Auch wurden Rekrutierer von Dschihadisten des IS entdeckt.
Derweil bringt die NGO «Save the Children», die vom Soros-Clan finanziert wird, den erwachsenen Immigranten in Ceuta bei, wie sie Altersprüfungen verweigern können, um als minderjährige Ausländer in Spanien bleiben zu können. Eine deutsche NGO baute einen Stand am Strand Trampolín auf und verschenkte Handys und Ladegeräte. Eine andere linksextreme NGO ging noch weiter: Sie verteilte Pfefferprays, damit sich die Illegalen gegen spanische Bürger wehren können.
Wegen der fehlenden Bereitschaft der spanischen Regierung, das Problem in Ceuta zu lösen, fordert Jupol den Rücktritt des Regierungsbeauftragten in Ceuta, Miguel Ángel Pérez Triano, des Generaldirektors der Polizei, Francisco Pardo Piqueras, und vor allem den von Innenminister Fernando Grande Marlaska. Die Polizeigewerkschaft ist überzeugt, dass sie die Lage in weniger als 48 Stunden in den Griff kriegen könnte, würde sie entsprechende Anweisungen von der Regierung erhalten. Doch das will Sánchez anscheinend nicht.
Die Stimmung brodelt. Denn obendrein gibt es Differenzen darüber, wie der Sturm auf Ceuta zustande kam. Mittlerweile haben Polizei- und Geheimdienstberichte eindeutig bestätigt, dass die spanische Regierung schon vor der Invasion über die Möglichkeit einer massiven illegalen Grenzüberschreitung informiert war (hier, hier und hier).
Auch wird Marokko beschuldigt, die Invasion organisiert zu haben. Schon Ende Juli zeigten diverse Videos, die in den sozialen Medien kursierten, dass die marokkanische Polizei die illegalen Immigranten nicht vom Sturm auf Ceuta abhielt, ganz im Gegenteil, sie war ihnen sogar behilflich. Das wurde kürzlich durch einen Bericht der Nationalpolizei bestätigt. Zudem wurden Aussagen von 300 illegalen Migranten aufgezeichnet, die erklären, dass Marokko sie dazu ermutigt habe, nach Ceuta einzureisen.
Vermutet wird, dass der Migrantenansturm von Marokko mit dem Ziel geplant wurde, Rabats territoriale Ansprüche auf Ceuta und Melilla durchzusetzen. Der Anwalt Aitor Guisasola hat in diesem Zusammenhang schon von einem «hybriden Krieg» gesprochen. Dass Marokko die beiden Städte tatsächlich zurückhaben will, wurde in den letzten Wochen mehrfach öffentlich zugegeben.
Trotz der vernichtenden Beweislage haben Sánchez, Grande Marlaska und einige andere Minister wochenlang vehement abgestritten, vorherige Kenntnis über den Ansturm auf Ceuta gehabt zu haben. Auch eine Beteiligung Marokkos an der Krise schlossen sie empört aus. Sánchez forderte Respekt für Marokko und erklärte, niemand dürfe Rabat für die Invasion verantwortlich machen, solche Sachen würden halt passieren.
Gleichzeitig machte Sánchez Desinformation aus Russland, Israel und dem Umfeld der extremen Rechten für den massiven Grenzübertritt verantwortlich. Russland hat bereits reagiert und von der spanischen Regierung Beweise für diese Anschuldigungen gefordert.
Sánchez wird Hochverrat vorgeworfenSánchez hat keinerlei Skrupel hinsichtlich der Vorwürfe zu lügen. Das hat er am 31. August in einem Interview mit dem Sender SER bestätigt. Dabei stritt er erneut ab, dass seine Regierung frühzeitig über den Ansturm auf Ceuta informiert war – und er behauptete, Marokko trage keine Schuld an dem Vorfall. Dieses Verhalten könnte ihm ein Verfahren wegen Hochverrats einbringen. Laut Anwalt Guisasola drohen in einem solchen Fall bis zu 25 Jahre Haft. Das gilt auch für Innenminister Grande Marlaska.
Um ein solches Verfahren in die Wege zu leiten, müsste Artikel 102 der Verfassung angewendet werden. Dieser besagt, dass zur Anklage eines Regierungsmitglieds wegen Hochverrats ein Viertel der Abgeordneten des Kongresses erforderlich ist, um den Antrag zu stellen. Die Oppositionspartei Vox hat diesen Schritt bereits eingeleitet und die PP aufgefordert, sie bei ihrem Antrag zu unterstützen.
Derweil hat die Generalstaatsanwaltschaft die Leitung eines Verfahrens im Fall Ceuta übernommen, das von der Partei Justitia Europa angestrengt wurde. Dieses soll klären, ob hinsichtlich des Vorgehens der Regierung ein Strafdelikt vorliegt. Die Generalstaatsanwaltschaft soll entscheiden, ob die Ermittlungen weitergeführt werden. Allerdings hat der Oppositionsführer der PP, Alberto Núñez Feijoo, bereits angekündigt, dass er die Verweisung der Angelegenheit an den Obersten Gerichtshof beantragen wird.
Zudem wurde gegen den Regierungsbeauftragten in Ceuta, Miguel Ángel Pérez Triano, wegen Amtsmissbrauchs Anklage erhoben. Ihm wird vorgeworfen, nicht auf die frühzeitigen Warnungen des Geheimdienstes CNI reagiert zu haben. Dieser hatte am 29. Juli, also am Tag vor der Invasion, davor gewarnt, dass sich rund 180.000 Menschen darauf vorbereiteten, illegal von Marokko aus nach Spanien einzureisen – und zwar zeitgleich mit den Feierlichkeiten zum Thronfest. Doch Triano tat nichts, um die Invasion zu verhindern.
Sánchez steht enorm unter DruckAngesichts dieser Lage stellt sich die Frage, warum Sánchez und seine Minister so auffällig und ungeschickt lügen. Diesbezüglich wird vermutet, dass das Verhalten des Regierungschefs mit einem Spionageangriff auf sein Handy im Jahr 2021 zu tun haben könnte. Eingesetzt wurde dabei das israelische Spyware-Tool Pegasus.
Der Angriff ging mit einem Besuch von Sánchez in Ceuta einher, auch die Handys seiner Minister für Inneres, Verteidigung und Landwirtschaft wurden gehackt. 2022 musste die Regierung diesen Vorfall öffentlich zugeben. Die Informationen, die Marokko dadurch gesammelt hat, könnten Sánchez' Verhalten zweifelsohne beeinflussen, denn seine Regierung und sein engstes familiäres Umfeld sind in zahlreiche Korruptionsskandale verstrickt.
Sánchez ist auf jeden Fall enorm unter Druck. Beim Interview mit dem Sender Ser zitterten seine Hände extrem, obwohl er gerade einen Monat Urlaub hinter sich hatte (ab Minute 3:45). Abgesehen davon schien er komplett von der Rolle zu sein. Als das Thema aufkam, warum er dem König untersagt hat, nach der Invasion Ceuta zu besuchen, erklärte Sánchez mehrfach, der König sei seit über 20 Jahren auf dem Thron und habe Ceuta in dieser Zeit nicht einmal sehen wollen (ab Min. 4:45). Felipe VI. ist allerdings erst seit 2014 im Amt.
Sánchez' Verhältnis zum König ist angespannt. Kürzlich hatten die beiden ein dreieinhalbstündiges Treffen, mit dem Ergebnis, dass Felipe VI. nun doch nach Ceuta reisen darf. Auch wurde am 3. September bekannt, dass Sánchez plötzlich eingeräumt hat, dass die marokkanische Gendarmerie den Grenzübertritt zehn Stunden lang «zugelassen» hat. Trotzdem vermeidet er es weiterhin, Rabat «Untätigkeit» vorzuwerfen.
Das, obwohl ein mit Rabat verbundener marokkanischer Krisenexperte in einer Analyse bereits klargestellt hat, dass Marokko von der geplanten Invasion von Ceuta gewusst und Spanien und die EU vorbeugend gewarnt habe. Rabat kontrolliere sowohl die sozialen Netzwerke als auch die Routen. Sollten sich diese Aussagen bestätigen, wäre das der Todesstoß für Sánchez. Und plötzlich würde die Frage im Raum stehen, warum die EU nicht eingegriffen hat.
Bürger fordern Sánchez' RücktrittViele Bürger haben die Nase voll von ihrem Regierungschef. Am 2. September gab es landesweite Demonstrationen für Ceuta. Besonders Madrid wurde zum Symbol des Protests, obwohl Sánchez' Regierung sogar versucht hatte, diese Veranstaltung zu verbieten. Nach Angaben der Regierungsdelegation nahmen rund 50.000 Menschen teil, Quellen der Stadtverwaltung sprachen dagegen von 150.000. Die Botschaft der Demonstranten war laut und unmissverständlich: Sánchez muss zurücktreten, weil er «ein Anti-Spanier und ein Verräter am Vaterland ist».
Die PP zählte 1.996 Demonstrationen in ganz Spanien, 72 davon in sozialistischen Gemeinden. Dabei hatte Sánchez seine PSOE-Mitglieder im Vorfeld extra aufgefordert, nicht an den Protesten teilzunehmen. Doch anscheinend sinkt auch in seiner eigenen Partei die Unterstützung für ihn.
In Spanien bleibt es jedenfalls spannend, vor allem, weil die Hackergruppe Jabaroot, die kürzlich die Daten von 70.000 marokkanischen Spionen aufgedeckt hat, nun erwägt, die Originalinformationen von Sánchez' Handy zu veröffentlichen, die Marokko mittels Pegasus erbeutet hat.
Weitere Informationen zur Invasion von Ceuta finden Sie hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.
30.000 Tote, Lockdowns und Medienhype: Wie Althaus & Co. die Schweiz in den Alarmmodus versetzten
Der Wissenschafter Christian Althaus warnte zu Beginn der Coronazeit vor einer Infektionssterblichkeit (IFR) von rund einem Prozent und hielt 30.000 Corona-Tote in der Schweiz für ein mögliches Worst-Case-Szenario. Diese Einschätzung prägte die öffentliche Debatte – und fügte sich nahtlos in eine Medienberichterstattung ein, die vielfach die dramatischsten Szenarien ins Zentrum stellte. Heute ist klarer, wie unsicher die Datenlage damals war. Und genau das macht die damalige Kommunikation so problematisch. Der Infosperber hat in den letzten Wochen die Kontroverse aufgearbeitet. Wir fassen diese zusammen (siehe hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier).
Eine Zahl mit enormer WirkungAm 25. Februar 2020 sagte Althaus gegenüber der NZZ, die Sterblichkeit liege bei rund einem Prozent. Wenn sich 30, 40 Prozent oder mehr der Bevölkerung anstecken würden, könnten in der Schweiz 26.000 bis 34.000 oder noch mehr Menschen sterben. Auf Nachfrage bestätigte er: Bei einer Sterblichkeit von einem Prozent seien 30.000 Tote ein mögliches Worst-Case-Szenario. Kurz darauf war daraus bei 20 Minuten die Schlagzeile «Im schlimmsten Fall gibt es bei uns 30.000 Tote» geworden.
Althaus betont heute, er habe keine Prognose abgegeben, sondern eine Risikobeurteilung unter großer Unsicherheit. Das ist formal ein wichtiger Unterschied. Aber gerade deshalb stellt sich die entscheidende Frage: Wie wurde aus einer unsicheren Modellannahme eine öffentlich wirksame Alarmbotschaft – und welche Folgen hatte diese Kommunikation?
Denn gleichzeitig gab es bereits andere renommierte Stimmen. Anthony Fauci und Robert Redfield wiesen Ende Februar 2020 darauf hin, dass nicht erfasste leichte und symptomlose Infektionen wesentlich häufiger sein könnten als die registrierten Fälle. Die tatsächliche Sterblichkeit könne deshalb deutlich unter einem Prozent liegen. Dieser Hinweis fand in den Schweizer Medien laut Infosperber praktisch keine Beachtung.
Das ist aber kein nebensächliches Detail. Bei einer neuen Infektionskrankheit ist die Dunkelziffer der entscheidende Faktor für die Berechnung der Infektionssterblichkeit. Wer nur die bekannten Fälle betrachtet, überschätzt das Risiko zwangsläufig.
Aus einem Prozent wurden 0.5 – und später deutlich wenigerDie entscheidende Schwäche der damaligen Debatte war damit nicht bloß, dass Wissenschaftler unterschiedliche Meinungen hatten. Problematisch war, dass eine extrem unsichere Kennzahl in der öffentlichen Kommunikation zunehmend wie eine feste Tatsache behandelt wurde.
Die Zürcher Antikörperstudie zeigte beispielsweise eine erhebliche Dunkelziffer. Anfang April 2020 lässt sich daraus eine IFR von ungefähr 0.3 Prozent ableiten. Anfang Mai kamen die Zürcher Wissenschaftler auf rund 0.5 Prozent – exakt den Wert, den Althaus später ebenfalls modellierte. Seine anfängliche Schätzung von einem Prozent war damit bereits halbiert.
Althaus selbst senkte seine Schätzung später auf 0.5 Prozent. Das geht aus einer Modellierung hervor, die er mit Kollegen im Jahr 2022 einreichte. Dennoch verweist er heute auf die damalige Stellungnahme der Science Taskforce, wonach die IFR für die Schweizer Allgemeinbevölkerung «konsistent» auf 0.5 bis ein Prozent geschätzt worden sei.
Doch auch diese Argumentation verdient eine kritische Betrachtung: Als Beleg für die Einschätzung von 0.5 bis ein Prozent führte die Taskforce unter anderem Althaus' eigene Modellierungsstudie an. Einen solchen Selbstbeleg kann man durchaus als Zirkelschluss kritisieren. Zudem waren mehrere der angeführten Erhebungen klein oder nicht repräsentativ.
Die später verfügbaren Daten zeichnen jedenfalls ein wesentlich differenzierteres Bild. Die IFR war keineswegs eine konstante Zahl. Sie variierte erheblich nach Alter, Zeitraum und Situation. Die dramatische Zahl von einem Prozent war also keineswegs eine zeitlose Eigenschaft des Virus. Sie war eine frühe Schätzung unter außergewöhnlich dünner Datenlage.
Aber die Maßnahmen waren realDas Problem wird noch größer, wenn man die zweite Ebene betrachtet: Aus den frühen Risikoeinschätzungen wurden politische Forderungen und weitreichende Eingriffe in das gesellschaftliche Leben.
Lockdowns, Maskenpflichten, Massentests, Schulschließungen und Kontaktnachverfolgung verursachten nicht nur Kosten. Sie veränderten den Alltag von Millionen Menschen und hatten Nebenwirkungen – auf Bildung, Pflege, medizinische Versorgung, psychische Gesundheit und Wirtschaft.
Die vom Infosperber interviewte Ärztin Ursel Heudorf kritisiert insbesondere, dass Regierungen weit über vorbereitete Pandemiepläne hinausgingen, ohne die Evidenz, Nebenwirkungen und das Kosten-Nutzen-Verhältnis ausreichend zu bewerten. Sie verweist darauf, dass der deutsche Pandemieplan beispielsweise keinen Lockdown und keine langfristigen Schulschließungen vorgesehen habe.
Auch bei den Massentests stellt sie die Verhältnismäßigkeit infrage. Für Deutschland seien allein für Schultests enorme Mengen an Tests eingesetzt und Milliardenbeträge ausgegeben worden, ohne belastbare Belege dafür, dass dadurch Übertragungen oder Sterblichkeit reduziert wurden.
Und bei den Masken bleibt ebenfalls eine zentrale Frage: Wenn eine Maßnahme tief in den Alltag eingreift, müsste dann nicht ihr Nutzen überzeugend belegt sein? Heudorf verweist darauf, dass umfassende Cochrane-Auswertungen keine eindeutigen Belege für eine Wirkung von Masken in der Allgemeinbevölkerung gefunden hätten.
Das bedeutet nicht, dass jede Maßnahme wirkungslos war. Heudorf ist zum Beispiel der Meinung, dass die Reduktion von Kontakten etwas bewirkte. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Welche Maßnahme hatte welchen Nutzen – und zu welchem Preis? Genau diese Kosten-Nutzen-Abwägung kam in der öffentlichen Debatte oft zu kurz.
Wenn Modellrechnungen zur politischen Waffe werdenBesonders heikel war die enge Verbindung zwischen wissenschaftlicher Modellierung, Politikberatung und öffentlicher Kommunikation. Althaus saß bis Anfang 2021 in der Schweizer Science Taskforce. Gleichzeitig war er außerordentlich medienpräsent: Rund 1.400-mal tauchte sein Name allein 2020 im Zusammenhang mit Corona in den Medien auf. Auf Twitter beziehungsweise X veröffentlichte oder verbreitete er während der Pandemie mehr als 3.600 Beiträge.
Das ist nicht automatisch problematisch. Wissenschaftler dürfen und sollen sich in öffentliche Debatten einmischen. Aber mit der Sichtbarkeit steigt auch die Verantwortung. Denn wissenschaftliche Modelle sind keine Orakel. Sie rechnen Szenarien unter bestimmten Annahmen durch. Ändern sich die Annahmen, ändern sich die Ergebnisse. Gerade in einer völlig neuen Pandemie war die Datenlage anfangs extrem unsicher. Das Phänomen wird auch etwas burschikos als «garbage in, garbage out» bezeichnet – füttert man das Modell mit Abfall, kommt als Ergebnis auch Abfall heraus.
Trotzdem wurden Modellrechnungen in den Medien häufig wie Vorhersagen behandelt. Als die Taskforce im April 2021 vor schnellen Öffnungsschritten warnte, hieß es etwa, die Modellierungen zeigten «eindeutig», dass solche Schritte mit großen Risiken verbunden seien. Wenige Wochen später sanken die positiven Testzahlen nach Öffnungsschritten – entgegen den damaligen Erwartungen der Taskforce. Das ist ein Punkt, der in der rückblickenden Aufarbeitung nicht unter den Tisch fallen darf: Wenn Prognosen falsch liegen, muss nicht nur gefragt werden, warum das Modell danebenlag. Es muss auch gefragt werden, welche politische Bedeutung man einer solchen Prognose geben durfte.
Die Medien waren nicht bloß ZuschauerDamit sind wir bei der dritten Ebene der Kontroverse: den Medien. Sie haben die Pandemie nicht nur dokumentiert. Sie haben mitentschieden, welche Stimmen sichtbar waren, welche Zahlen Schlagzeilen machten und welche Szenarien als plausibel erschienen.
Besonders auffällig ist der Kontrast zwischen der enormen Medienpräsenz einzelner Taskforce-Mitglieder und ihrer wissenschaftlichen Publikationsleistung im Covid-Bereich. John Ioannidis verweist in seinem Infosperber-Interview auf eine Untersuchung, wonach die in mehreren Ländern medial sichtbarsten Experten keineswegs jene waren, deren wissenschaftliche Arbeiten besonders häufig von anderen Wissenschaftlern zitiert wurden. Die Pandemie habe eine Klasse von «Influencer-Wissenschaftlern» hervorgebracht. Das ist eine unbequeme Erkenntnis: Mediale Prominenz und wissenschaftliche Bedeutung sind zwei verschiedene Dinge.
Auch die Schweizer Zahlen illustrieren diese Diskrepanz. Marcel Salathé, ebenfalls Taskforce-Mitglied, wurde 2020 rund 3.000-mal in den Medien erwähnt und war zeitweise nahezu täglich bei SRF präsent. Gleichzeitig verzeichnete PubMed für ihn in jenem Jahr lediglich drei wissenschaftliche Covid-Publikationen.
Das Problem war also nicht, dass Journalisten Experten interviewten. Das Problem war die Konzentration der Öffentlichkeit auf wenige immer gleiche Stimmen – und damit die Gefahr, dass aus wissenschaftlicher Beratung eine Art mediales Expertentum wurde.
Die Gegenseite kam schwer durchBesonders deutlich wird die Schieflage am Umgang mit Kritikern. John Ioannidis warnte früh vor den möglichen Schäden eines langen Lockdowns und forderte eine Abwägung zwischen Nutzen und Nebenwirkungen. Er geriet damit unter politischen Verdacht und verlor nach eigener Darstellung einen Teil seiner früheren Medienpräsenz. Ein von ihm angebotener Text wurde von der New York Times schließlich nicht veröffentlicht, Stat News verlangte umfangreiche Änderungen, Youtube löschte ein Interview mit ihm. Eine Zeitlang liehen ihm praktisch nur noch griechische Lokalsender in griechischer Sprache ihr Ohr.
Dabei ist wichtig, Ioannidis nicht zum unfehlbaren Gegenhelden zu stilisieren. Auch er lag daneben. Im April 2020 sagte er voraus, dass Covid in den USA in jener Saison zu weniger als 40.000 Todesfällen führen werde. Diese Einschätzung war schon bald überholt. Ioannidis räumte den Fehler später ausdrücklich ein.
Gerade dieser Punkt macht die Geschichte aber interessanter: Wissenschaft funktioniert nicht dadurch, dass eine Seite immer recht hat. Sie funktioniert durch Kritik, Korrektur und offene Auseinandersetzung mit Unsicherheit.
Was von Althaus' Verteidigung bleibtAlthaus hat deshalb durchaus ein Argument: Ende Februar 2020 wusste niemand, wie sich das Virus entwickeln würde. Ein Worst-Case-Szenario auszurechnen, ist in der Risikoanalyse legitim. Nur: Aus der Legitimität eines Worst-Case-Modells folgt nicht die Legitimität jeder daraus abgeleiteten Maßnahme. Und schon gar nicht folgt daraus, dass eine frühe Schätzung im Nachhinein automatisch richtig war.
Althaus verweist heute auf rund 14.000 «laborbestätigte Covid-Todesfälle» bis Ende 2023. Daraus ergibt sich – gemessen an der Gesamtzahl der Infektionen – eine deutlich niedrigere IFR als ein Prozent. Selbst unter der Annahme einer gewissen Untererfassung der Covid-Todesfälle kommt Infosperber auf etwa 0.2 Prozent. Zudem infizierten sich viele Menschen mehrfach. Wenn man bedenkt, dass auch Todesfälle Corona zugerechnet wurden, die nichts damit zu tun hatten – wenn beispielsweise jemand positiv getestet war, aber an einem Autounfall starb – («mit Corona», nicht nur «an Corona») dann relativiert das die damalige Horrorziffer erheblich.
Die eigentliche LehreDie wichtigste Lehre aus dieser Kontroverse lautet deshalb nicht, dass «die Wissenschaft» falsch und ihre Kritiker richtig lagen. Das wäre lediglich die Umkehrung desselben Problems. Die Lehre lautet vielmehr: In einer Krise darf Unsicherheit nicht verschwinden, sobald sie die Schlagzeile erreicht.
Wissenschaftler müssen zwischen Daten, Modellannahmen, Szenarien und Prognosen unterscheiden. Politiker müssen auch die Schäden ihrer Maßnahmen berücksichtigen. Und Medien sollten nicht nur die lautesten oder dramatischsten Experten zu Wort kommen lassen.
Gerade in einer Krisensituation ist das entscheidend. Denn wenn ein Wissenschaftler eine falsche Prognose abgibt, kann er später eine neue Studie veröffentlichen. Wenn eine Regierung aufgrund dieser Prognose Grundrechte einschränkt, Schulen schließt, Milliarden ausgibt oder Menschen über Monate isoliert, lassen sich die Folgen nicht einfach zurücknehmen.
Die Kontroverse um Christian Althaus ist deshalb mehr als ein Streit über eine Zahl. Sie ist eine Auseinandersetzung darüber, wie viel Macht wissenschaftliche Modelle in einer Demokratie bekommen dürfen – und wie kritisch Medien sein müssen, wenn aus unsicheren Modellen politische Handlungsanweisungen werden.
Und vielleicht ist genau das die unangenehmste Erkenntnis: Nicht nur einzelne Prognosen waren falsch. Auch das System, das aus unsicheren Prognosen Gewissheiten, aus Gewissheiten politische Forderungen und aus politischen Forderungen Schlagzeilen machte, hat seine eigenen Fehler bis heute nur unzureichend aufgearbeitet.
«Zaubersamen»: Bill Gates gescheiterter Plan zur Bekämpfung des Hungers in Afrika
Vor zwanzig Jahren gründeten die Gates- und Rockefeller-Stiftungen die «Allianz für eine grüne Revolution in Afrika» (AGRA). Sie versprachen Afrika eine Transformation der Landwirtschaft durch verbessertes Saatgut, Kunstdünger, Mechanisierung und kommerzielle Märkte. Diese Maßnahmen, so hieß es, würden die Ernteerträge und das Einkommen der Bauern verdoppeln und die Ernährungsunsicherheit in einer der hungerstärksten Regionen der Welt halbieren.
Um diese Ziele zu erreichen, wurden die afrikanischen Regierungen aufgefordert, Betriebsmittel zu subventionieren, politische Reformen durchzuführen und private Investitionen zu gewinnen. Nun liegen die Daten zur Entwicklung des Projekts vor – und sie zeigen ein schleppendes Ertragswachstum und zunehmenden Hunger.
Bill Gates war laut dem Portal U.S. Right To Know einer der führenden Befürworter dieser Idee. Der vermeintliche «Philanthrop» argumentierte, dass die Technologien der ursprünglichen Grünen Revolution – insbesondere «Zaubersamen» und die «magische Innovation» des Düngers – Millionen von Menschen aus der Armut befreien könnten. Bei diesen «Zaubersamen» bezieht sich Gates auf Nutzpflanzen, die gentechnisch so verändert wurden, dass sie sich an den Klimawandel anpassen und gegen landwirtschaftliche Schädlinge resistent sind.
Gates beschrieb diesen Ansatz als «kreativen Kapitalismus» – die Nutzung von Anreizen für Unternehmen, Investitionen von Konzernen und staatlicher Unterstützung, um neue Märkte zu schaffen, die das Einkommen der Bauern erhöhen und dadurch den Hunger verringern. Afrika könne viele der Probleme der früheren Grünen Revolution in Asien vermeiden, indem es eine von Gates so genannte «grünere Revolution» anstrebe, eine, die «von Kleinbauern geleitet wird, an die lokalen Gegebenheiten angepasst und nachhaltig für Wirtschaft und Umwelt ist».
Viele afrikanische Gruppen hatten von Anfang an widersprochen und argumentiert, dass agrarökologische Ansätze den Hunger stärker bekämpfen würden, indem sie Böden regenerieren, die Abhängigkeit der Bauern von teuren Betriebsmitteln verringern, die Anbaukulturen diversifizieren und die Betriebe widerstandsfähiger gegen Klima- und Wirtschaftskrisen machen.
Was sagt die Bilanz von AGRA aus?Nach fast 20 Jahren liegen nun Daten vor, und die Ergebnisse von AGRA bleiben weit hinter den Erwartungen zurück. Und sie werfen grundlegende Fragen zu AGRA, der Gates-Stiftung und deren Einfluss auf afrikanische Regierungen und Institutionen auf.
Die AGRA-Initiative erhielt Spenden in Höhe von über 1,5 Milliarden Dollar (zwei Drittel davon von der Gates-Stiftung), während afrikanische Regierungen schätzungsweise eine Milliarde Dollar jährlich für Subventionen von Düngemitteln und anderen Betriebsmitteln in den Zielländern von AGRA ausgaben. Jetzt hat die Allianz für Ernährungssouveränität in Afrika (AFSA) in einem neuen Bericht festgestellt:
«Die Grüne Revolution ist in Afrika gescheitert. Zwanzig Jahre sind genug Zeit, um das Modell der Grünen Revolution anhand seiner Ergebnisse zu beurteilen. Die vorliegenden Erkenntnisse rechtfertigen kein weiteres Jahrzehnt mit denselben Prioritäten in größerem Umfang.»
Der Bericht basiert auf einem Arbeitspapier, das im August veröffentlicht wurde. Es wertete Daten der Vereinten Nationen und der Weltbank aus 18 Jahren (2006–2024) aus. Die Analyse zeigt, dass sich in den 13 Ländern, die im Fokus der AGRA-Initiative standen, der Düngemittelverbrauch mehr als verdoppelt und die Anbaufläche um 46 % zugenommen hat – die Erträge wichtiger Grundnahrungsmittel stiegen jedoch nur um 25 %, weit weniger als die von AGRA versprochene Verdopplung. Das Ertragswachstum bei Grundnahrungsmitteln lag bei 1,2 % und damit etwas niedriger als in den zwölf Jahren vor AGRA, als es 1,3 % betrug. In den letzten sechs Jahren verlangsamte es sich weiter auf etwa 0,4 % pro Jahr.
Besonders besorgniserregend ist der Anstieg der Zahl chronisch unterernährter Menschen um durchschnittlich 58 % in den AGRA-Ländern.
Wie U.S. Right To Know informiert, reagierte die Gates-Stiftung nicht auf Anfragen nach einer Stellungnahme zu dem Bericht. AGRA-Sprecher Humphrey Chola erklärte, der Bericht und die zugrundeliegenden Daten würden «wichtige Fragen zur 20-jährigen Bilanz, zur Rechenschaftspflicht und zur zukünftigen Ausrichtung der AGRA aufwerfen».
Auch AGRAs eigener 20-Jahres-Bericht räumt ein, dass der Hunger zugenommen hat, die Bauern noch nicht wirtschaftlich erfolgreich sind und die Fortschritte der letzten zwei Jahrzehnte «noch keine grundlegende Transformation bewirkt haben». Die Zusammenfassung des AGRA-Berichts, veröffentlicht am 31. August, besagt jedoch, die vergangenen 20 Jahre hätten «echte Fortschritte» für Afrikas Agrar- und Ernährungssysteme gebracht, und plädiert für weitere Investitionen nach demselben marktorientierten Ansatz. Dort heißt es:
«Transformation bedeutet mehr als nur mehr Nahrungsmittel zu produzieren. Es geht um den Übergang von wenig produktiven Anbaumethoden hin zu einer produktiven, marktorientierten Agrar- und Ernährungswirtschaft.»
Der vollständige Bericht soll laut AGRA in Kürze veröffentlicht werden.
Verlust der AnbauvielfaltDa AGRA und staatliche Subventionen Landwirte in Richtung kommerziell orientierter Nutzpflanzen wie Mais und Reis lenkten, verloren einheimische Nutzpflanzen wie nährstoffreiche Hirse und Sorghum an Bedeutung. Das hat Folgen: Viele traditionelle Nutzpflanzen sind toleranter gegenüber Trockenheit, Hitze und kargen Böden und tragen gleichzeitig zu einer vielfältigeren Ernährung bei.
Nur zwei Beispiele: In Sambia, wo die Zahl der unterernährten Menschen um 33 % gestiegen ist, ging die Anbaufläche für nährstoffreiche Hirse um 42 % zurück, und die Sorghumproduktion sank seit 2006 um 62 %. Der Düngemitteleinsatz stieg dort um 155 % und erreichte damit den höchsten Wert aller AGRA-Länder, während die Maiserträge nur um 14 % zunahmen.
Senegal – das kein AGRA-Land war – bietet laut U.S. Right To Know einen bemerkenswerten Kontrast. Das Land förderte eine größere Vielfalt an Nutzpflanzen und verfolgte eine weniger düngemittelintensive Entwicklungsstrategie. Senegal halbierte die Zahl der Unterernährten, während der Ertragsindex für Grundnahrungsmittel um 73 % stieg.
Philanthropische Projekte ohne Rechenschaftspflicht
Seit Jahren kritisieren afrikanische Gruppen die AGRA und legten der Gates-Stiftung nahe, Forschung und Unterstützung für agrarökologische Ernährungssysteme auszuweiten. Im Jahr 2022 forderten afrikanische Religionsführer die Gates-Stiftung auf, die Förderung des Modells der Grünen Revolution einzustellen, da dieses ihrer Ansicht nach die humanitäre Krise verschärfe. 2024 forderten sie von der Stiftung sogar Entschädigungen für die verursachten ökologischen und sozialen Schäden. Die Gates-Stiftung hat sich dazu bisher nicht öffentlich geäußert.
Million Belay, Generalkoordinator der Allianz für Ernährungssouveränität in Afrika, erklärte: «Alle Investitionen, die in Agrarchemikalien und verbesserte Sorten geflossen sind, haben nichts gebracht, doch dieses Modell breitet sich trotz der Beweislage weiter aus.»
Dennoch ist Gates' Vision zur Transformation der afrikanischen Landwirtschaft im Laufe der Zeit zu mehr als nur einem philanthropischen Experiment geworden. Es ist zum vorherrschenden Modell für die landwirtschaftliche Entwicklung geworden, die Politik der Regierungen geprägt und Milliarden von Dollar von nationalen Regierungen, ausländischen Hilfsorganisationen und multilateralen Institutionen angezogen hat.
Bill Gates AGRA spielt laut Belay auch eine Schlüsselrolle beim jüngsten 10-Jahres-Agrarplan der Afrikanischen Union, der darauf abzielt, 100 Milliarden Dollar zu mobilisieren und die Nahrungsmittelproduktion bis 2035 drastisch zu steigern. Obwohl die Afrikanische Union festgestellt habe, dass kein Land auf dem richtigen Weg war, die im vorherigen Plan festgelegten Ziele für Ernährung und Landwirtschaft zu erreichen, setze die neue Strategie weiterhin auf denselben produktivitäts- und marktorientierten Ansatz, anstatt agroökologische Methoden zu fördern.
Die AFSA-Koalition wandte sich schriftlich an die Gates-Stiftung und andere AGRA-Geber und äußerte Bedenken hinsichtlich des Einflusses der AGRA auf afrikanische Ernährungssysteme und die Politik afrikanischer Regierungen. Belay konstatiert: «Als es schließlich zu einem Treffen kam, versuchten die Vertreter der Gates-Stiftung, sie vom Wert ihres Ansatzes zu überzeugen, anstatt ihnen zuzuhören, die Daten zu prüfen und gegebenenfalls Kurskorrekturen vorzunehmen.»
Und Raj Patel, Forschungsprofessor an der University of Texas in Austin und designierter Co-Vorsitzender des Internationalen Expertengremiums für nachhaltige Ernährungssysteme, fasste die Lage so zusammen:
«Wenn Unternehmen Fehler machen, werden sie vom Markt bestraft. Und wenn Regierungen Fehler machen, werden sie von den Wählern abgewählt. Philanthropie unterliegt diesem Druck nicht.»
RFK Jr. untersucht, ob Soldaten an den Folgen einer Covid-«Impfung» gestorben sind
Eine Ärztin der US-Armee sagte vor einem Bundesgericht in Virginia aus, dass sie mit Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. und Verteidigungsminister Pete Hegseth zusammenarbeite. Dabei gehe es darum, zu untersuchen, ob Militärangehörige an COVID-19-«Impfungen» starben, nachdem der damalige Präsident Joe Biden 2021 eine Impfpflicht für Truppenmitglieder angeordnet hatte.
In einer eidesstattlichen Aussage vom 14. August, die Politico vorliegt, erklärte Theresa Long, dass Hegseth sie als leitende militärmedizinische Beraterin für Kennedy abkommandiert habe. Im Rahmen ihrer Aufgabe untersucht Long nach eigener Aussage, ob 2.544 unbestätigte Todesfälle unter Militärangehörigen, die an das Vaccine Adverse Event Reporting System (VAERS) des Gesundheitsministeriums gemeldet wurden, durch die Injektionen gegen «COVID» verursacht wurden.
Long, die Fachärztin für Luft- und Raumfahrtmedizin ist und einen Master in öffentlicher Gesundheit hat, erklärte demnach vor Gericht, sie hoffe, ihre Recherchen zu potenziellen Impfkomplikationen «innerhalb eines Jahres» abschließen zu können. Sie berichtete, ihr seien 28 Personen bekannt, die an der COVID-Injektion gestorben sind. Sie habe dazu jedoch keine weiteren Details nennen dürfen, so Politico.
Viele von Longs Behauptungen über tödliche Nebenwirkungen der COVID-Injektionen würden die mRNA-Präparate von Pfizer und Moderna betreffen, die das Risiko einer Myokarditis erhöhen sollen. In diesem Zusammenhang weist Politico auf eine Studie aus dem Jahr 2024 hin, die von der Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde (FDA) finanziert und mitverfasst wurde. Darin wurden etwa 300 Personen untersucht, die nach Erhalt der ursprünglichen Formulierung der mRNA-«Impfstoffe» von Pfizer oder Moderna eine Myokarditis entwickelten. Sie ergab, dass sich der Zustand bei einigen, aber nicht allen dieser Personen im Laufe der Zeit verbesserte.
Danach ordnete die Behörde Warnhinweise auf den Gebrauchsanweisungen für die Formulierungen 2023–2024 der Präparate der beiden Hersteller an. Darin wird darauf hingewiesen, dass die Häufigkeit von Myokarditis und Perikarditis in der ersten Woche nach der Injektion bei jungen Männern bei 27 Fällen pro Million lag – verglichen mit acht pro Million in der Allgemeinbevölkerung.
Zudem stellte ein Bericht des Pentagons aus dem Jahr 2026 zur Bewertung des Gesundheitszustands von aktiven Soldaten nach der COVID-Injektion fest, dass die Zahl der Myokarditis- und Perikarditis-Fälle «kurzfristig nach der Impfung anstieg, dieser Anstieg jedoch über einen Zeitraum von einem Jahr nicht anhielt». Der Bericht erwähnt keine Todesfälle.
Laut Politico teilte Long mit, dass sie sich die Daten hinter dem Bericht erneut ansehe, da Hegseth und Kennedy sie beauftragt hätten, «das Gesundheitsüberwachungssystem während der Pandemie» sowie zwei militärmedizinische Datenbanken zu untersuchen. Eine dieser Datenbanken habe im Jahr 2021 einen steilen Anstieg von Erkrankungen unter Militärangehörigen gezeigt. Das Verteidigungsministerium habe später erklärt, dies sei das Ergebnis eines Fehlers bei der Tabellierung früherer Erkrankungsraten gewesen. Dieser Fehler habe jedoch skeptische Beiträge in den sozialen Medien angeheizt. Auch Long habe ausgesagt, skeptisch gewesen zu sein, und ergänzt:
«Was sie getan haben, ist, dass sie all diese Zahlen angehoben haben auf (...) ein Niveau, das es so aussehen ließ, als hätte der Impfstoff quasi alles geheilt (...) und wäre vorteilhaft gewesen.»
Von Politico nach Longs Rolle gefragt, erklärte das Verteidigungsministerium, es habe «derzeit nichts anzukündigen». Die Behörde verwies auf eine Erklärung vom Mai zur Ankündigung seiner Covid-19 Reinstatement and Reconciliation Task Force. Diese unterstützt Soldaten, die das Militär wegen ihrer Impfweigerung verlassen mussten und nun zurückkehren möchten. Wie die Zeitung mitteilt, hatte das Verteidigungsministerium fast 9.000 Militärangehörige wegen Verweigerung dieser Injektionen entlassen, bevor der Kongress das Ministerium durch ein Gesetz im Jahr 2022 anwies, diese Regelung zu beenden. In der Erklärung heißt es:
«Das Ministerium korrigiert weiterhin das Unrecht der Vergangenheit und stellt das Vertrauen in sowie die Ehre unserer Truppe wieder her.»
Politico zufolge argumentierte Kennedy, dass die Impfpflicht für Militärangehörige deren Rechte verletzte.
Die Zeitung weist darauf hin, dass Biden 2021 auch im privaten Sektor versuchte, eine Regelung durchzusetzen, nach der Beschäftigte geimpft sein oder sich wöchentlich testen lassen mussten. Der Oberste Gerichtshof habe die Regelung jedoch wenige Monate später mit der Begründung gekippt, Biden fehle dafür die Befugnis.
Longs Aussage erfolgte gemäß Politico im Rahmen einer Klage der ehemaligen CIA-Ärztin Terry Adirim gegen die Behörde und den konservativen Influencer Ivan Raiklin wegen ihrer Entlassung.
Adirim habe behauptet, entlassen worden zu sein, nachdem Raiklin sie online dafür kritisiert hatte, die Covid-Impfpflicht der Biden-Regierung für Militärangehörige mit umgesetzt zu haben. In jenem Zeitraum sei Adirim eine hochrangige Gesundheitsbeamtin im Verteidigungsministerium gewesen.
US-Bezirksrichter Michael Nachmanoff habe der Behörde im vergangenen Jahr erlaubt, Adirim zu entlassen, aber die Klage von Adirim gegen Raiklin laufe weiter. Long sei letzten Monat zur Aussage erschienen, um Raiklin zu unterstützen.
Estland: Verteidigungsminister tritt nach gescheitertem Waffendeal für die Ukraine zurück
Der estnische Verteidigungsminister Hanno Pevkur ist zurückgetreten, nachdem eine estnische staatliche Behörde fast 70 Millionen Euro im Voraus an ein von Indern geführtes italienisches Unternehmen gezahlt hat, das für die Ukraine Artilleriegeschosse beschaffen sollte. Der Clou: Die Firma hatte laut dem Portal Estonian World zuvor noch nie eine Granate verkauft.
Pevkur kündigte seinen Rücktritt am 2. September an, nachdem Enthüllungen über diese gescheiterte Munitionsbeschaffung die Krise um die finanziellen Kontrollen im Verteidigungsapparat verschärft hatten. So hatte die estnische Wochenzeitung Eesti Ekspress eine Untersuchung zu den Scheinfirmenverträgen durchgeführt – und der Rechnungshof hatte einen vernichtenden Bericht über die Verwaltung von Geldern und Vermögenswerten durch das Verteidigungsministerium, das estnische Zentrum für Verteidigungsinvestitionen (ECDI) und die estnischen Streitkräfte erstellt.
Auf jeden Fall hatte die ECDI vier Verträge mit Datasel S.R.L. unterzeichnet, einem kleinen italienischen Unternehmen, das von einem indischen Rüstungskonzern übernommen wurde. Im Voraus wurden rund 70 Millionen Euro für Artilleriegeschossegezahlt, die für die Ukraine bestimmt waren. Die Munition gelangte jedoch nicht in die Ukraine, und Estland geht nun vor estnischen Gerichten und im Rahmen eines internationalen Schiedsverfahrens gegen das Unternehmen vor.
Die Verträge wurden laut Estonian World zu einem Zeitpunkt ausgehandelt, als die Ukraine unter einem akuten Mangel an Artilleriemunition litt und europäische Regierungen weltweit nach verfügbaren Granaten suchten. Estland hatte sich zu einem aktiven Beschaffungsmittler entwickelt und vermittelte Militärgüter im Wert von mehr als 500 Millionen Euro für die Ukraine. Ein Großteil der Finanzierung erfolgte über die Europäische Friedensfazilität aus Erlösen aus eingefrorenen russischen Vermögenswerten, ergänzt durch weitere Beiträge der Mitgliedstaaten der EU. So werden Steuergelder verschwendet.
Trump will Europa auffordern, Geld für an die Ukraine gelieferte Munition zurückzuzahlen
US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, dass seine Regierung Europa auffordern wird, die Gelder für die Munition zurückzuzahlen, die unter dem ehemaligen Präsidenten Joe Biden an die Ukraine geliefert wurde. Laut Politico schrieb Trump am Donnerstag auf Truth Social:
«Hunderte Milliarden Dollar wurden der Ukraine und der NATO kostenlos gegeben, die Europa bezahlt hätte, wenn man es nur darum gebeten hätte. Aber wir werden um dieses Geld bitten, wenn auch etwas verspätet!»
Gleichzeitig machte Trump seinen Vorgänger Biden für etwaige Engpässe bei den Munitionsvorräten verantwortlich. Unter Biden schickte die US-Regierung Milliarden an Militärhilfe nach Kiew. Im vergangenen Jahr einigten sich das Weiße Haus und Europa dann auf einen Plan, wonach Washington Waffen an die Ukraine schicken sollte, die durch Transaktionen der Verbündeten auf dem europäischen Kontinent finanziert werden.
Doch der Krieg im Iran hat laut Politico «einen weiteren, wohl größeren, Druckpunkt geschaffen». Ende Juli hätte das US-Militär seit Beginn des Krieges etwa 1.500 seiner Patriot-Luftabwehrabfangraketen eingesetzt, so dass weniger als 1.000 auf Lager gewesen seien. Der Bestand an Abfangraketen des Terminal High Altitude Area Defense sei unterdessen von 452 auf deutlich unter 300 gesunken.
Trump hätte trotzdem darauf beharrt, dass «wir praktisch unbegrenzte Mengen an Munition mittlerer bis hoher Qualität haben». Zudem hätte er Berichte, die das Gegenteil nahelegten, als «verräterisch» bezeichnet. Er habe erklärt, das Militär würde seine Vorräte wieder aufbauen, indem es Munition «für uns selbst, die USA, nimmt, anstatt sie an andere zu verkaufen».
Bekam das Schnüffelprogramm KIVI auch indirekt Geld von der Bundesregierung?
Seit 2021 durchsucht die KI-Schnüffelsoftware KIVI anlasslos das Internet nach mutmaßlich rechtswidrigen Äußerungen von Privatpersonen, Publizisten und Journalisten (wir berichteten). Relevante Funde werden den Verfassungsschutz- und Polizeibehörden gemeldet. Das Programm wird von allen Landesmedienanstalten (LMA) genutzt – wobei die Rechtsgrundlage sehr zweifelhaft ist.
Laut der Landesmedienanstalt NRW wurden Entwicklung und Betrieb von KIVI aus den Haushalten der Landesmedienanstalten finanziert. Eine Datenbank-Recherche des Wissenschaftsjournalisten und Autors Norbert Häring ergab allerdings, dass der Entwickler des KI-Programms, die Condat AG, zur fraglichen Zeit Millionen von der Bundesregierung erhalten hat.
Wie Häring auf seinem Blog Geld und mehr berichtet, bezifferte die LMA NRW auf einer Pressekonferenz im Mai 2022 die einmaligen Kosten für Entwicklung und Weiterentwicklung auf 164.640 Euro. Für die laufenden, monatlichen Gebühren für Hosting, Support und Lizenzen würden 2.300 Euro netto aufgewendet. Häring kommentiert:
«Das wäre fast unglaublich günstig für ein spezialisiertes Programm, das befähigt werden musste, verschiedene Social-Media-Kanäle zu durchsuchen, und darauf trainiert werden musste, rechtswidrige Video- und Tonsequenzen ebenso zu erkennen wie rechtswidrige Inhalte in Texten.»
Laut dem Wirtschaftsjournalisten speisen sich die Budgets der Landesmedienanstalten aus einem Anteil von zwei Prozent am Aufkommen des Rundfunkbeitrags. Somit stellt er fest, dass es die Rundfunkbeitragszahler sind, die die Ausforschung ihrer öffentlichen Kommunikation durch die LMA bezahlen.
Häring wies LMA NRW darauf hin, dass die angegebenen Kosten für KIVI ungewöhnlich niedrig erscheinen, und fragte, ob die Entwicklung und die Anpassung des Programms für die Nutzung durch mehrere Anstalten zusätzlich von Dritten gefördert worden seien. Die Antwort lautete:
«Die Entwicklung wurde nicht durch Dritte (öffentlich oder privat) gefördert. Die Kosten für die Anpassung von KIVI für eine föderal organisierte Nutzung betrugen 29.988 Euro brutto und wurden in Gänze von den Landesmedienanstalten bezahlt.»
Da die Antwort den Grund für die geringen Kosten nicht klärt, fragte sich Häring, ob die Condat AG aus anderen Quellen sehr viel mehr öffentliches Geld zur Förderung der KI-Entwicklung bekam. Somit führte er eine Datenbankrecherche durch, die ergab, dass die Condat AG im Juni 2021 einen Zuschuss von gut einer Million Euro aus dem Förderprogramm «Entwicklung digitaler Technologien» erhielt. Das Programm wurde demnach von der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DLR) verwaltet.
Und im November 2024 bekam Condat von der DLR Häring zufolge eine weitere knappe Million Euro für die Entwicklung digitaler Technologien bewilligt. Dabei sei Condat Konsortialmitglied. Das zeige, dass für die Entwicklung digitaler Technologien üblicherweise mindestens eine Million angewendet werden müsse. Laut dem Bundesforschungsministerium förderten diese Zuschüsse an Condat die KI-Entwicklungsprogramme ResKriVer und Gen KI 4 Media, die keinen direkten Zusammenhang mit KIVI haben.
Anders sehe es bei einem weiteren Zuschuss vom Oktober 2021 von gut einer halben Million Euro vom Bundesforschungsministerium aus dem Programm «Erforschung, Entwicklung und Nutzung von Methoden der Künstlichen Intelligenz in KMU» aus, so der Journalist. Dieser Zuschuss an Condat habe mehr als die Hälfte des im ersten Jahr des Programms ausgeschütteten Fördervolumens von 936.000 Euro ausgemacht. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt antwortete auf Härings Frage, ob dieses Geld in direktem oder indirektem Zusammenhang mit der Entwicklung von KIVI stand:
«Das damalige BMBF (Anm. d. Red.: Bundesministerium für Bildung und Forschung) hat von 2021 bis 2024 im Rahmen der Richtlinie zur Förderung von Projekten zum Thema ‹Erforschung, Entwicklung und Nutzung von Methoden der Künstlichen Intelligenz in KMU› (KI4KMU) das Verbundvorhaben FedXtract ‹Föderierte KI-Lösung zur Verarbeitung komplexer Dokumente› der Firma Condat AG gefördert. In dem Projekt ging es um die Entwicklung eines Open-Source-Systems zum föderierten Lernen von KI-Modellen, insbesondere für die Dokumentenanalyse. Einen Zusammenhang der Projektarbeiten mit dem Projekt KIVI der Condat für die Landesanstalt für Medien NRW gibt es laut den vorliegenden Unterlagen nicht.»
Häring zufolge ist der Zusammenhang der Mittelvergabe im Oktober 2021 mit der Ausweitung der Nutzung von KIVI auf andere Landesmedienanstalten im November 2021 nicht nur zeitlich eng. Condat weise in der Beschreibung des geförderten FedXtract-Projekts ausdrücklich als relevantes Know-how darauf hin, dass es «KI-Technologien zur Analyse und Verarbeitung von Text, Bild und Video sowie den dazugehörigen Metadaten bei Kunden wie rbb, ZDF, ARD digital, mdr, GVL und LFM (Landesanstalt für Medien NRW) im realen Betrieb» einsetzt.
Der Schwerpunkt von FedXtract auf «föderiertem Lernen» und Dokumentenanalyse passt gemäß dem Journalisten sehr gut auf die Beschreibung der gemeinsamen Nutzung von KIVI durch die Landesmedienanstalten. Somit erscheine eine enge Verknüpfung mit KIVI gegeben, da die geförderte Entwicklungsarbeit die Grundlage geschaffen habe, um das System auf alle Landesmedienanstalten auszuweiten.
Auch weist Häring darauf hin, dass die LNA NRW Anfang 2025 eine KIVI-Finanzierung mit Steuergeld in Zusammenhang mit einer Ausweitung der Analyse auf Englisch und Arabisch erwähnte.
Abschließend stellt Häring fest, dass die Landesmedienanstalten einen allgemein gehaltenen Auftrag hätten, auf die Einhaltung der Gesetze in den Internet-Medien zu achten. Sie hätten keine konkrete Befugnis, dafür anlasslos und automatisiert die öffentliche Kommunikation aller Bürger und von Journalisten zu überwachen «und sich dabei als Hilfspolizisten und Zuarbeiter der Strafverfolgungsbehörden zu betätigen». Dennoch täten sie es. Der Journalist schlussfolgert:
«Eine wirklich staatsferne Anstalt betätigt sich nicht durch Überwachung der gesamten Bürgerkommunikation als Hilfspolizei, die mögliche Gesetzesverstöße sucht, vorprüft und an die Kriminalpolizei meldet. Tut sie es doch, auch noch mit Geld vom Staat – mindestens von der Staatskanzlei NRW, mutmaßlich indirekt auch von Bundesministerien – so ist das nicht mit der behaupteten Staatsferne vereinbar. Fehlende Staatsferne macht die Eingriffe in die Pressefreiheit von Publizisten und Journalisten durch die inhaltliche Aufsicht der Landesmedienanstalten über Internetmedien nach §19 Medienstaatsvertrag rechtlich noch fragwürdiger als sie ohnehin schon sind.
Wenn die Landesregierungen sich tatsächlich auf den Medienänderungsstaatsvertrag in derzeitiger Form einigen, der die bisher mutmaßlich rechtswidrige Praxis der Landesmedienanstalten legalisieren soll, so macht das den Skandal nicht kleiner. Denn verfassungsgemäß ist dieser Übergang zu einem Schnüffelstaat, der die gesamte öffentliche Kommunikation von pseudo-staatsfernen Behörden komplett überwachen lässt, auf keinen Fall.»
Deutschland prüft weitere Staatsbeteiligungen bei Rüstungsunternehmen
Die deutsche Regierungskoalition strebt weiterhin einen Einstieg des Bundes beim Panzerhersteller KNDS an. «Wir sollten das Instrument der Staatsbeteiligungen häufiger und strategischer einsetzen», sagte der SPD-Haushaltspolitiker Andreas Schwarz. Dies würde angeblich dazu beitragen, Arbeitsplätze zu erhalten oder zu schaffen. Angefangen werden sollte demnach bei der Weltraumindustrie.
Um Deutschland einen eigenen Zugang ins All zu verschaffen, sei es sinnvoll, wenn die Regierung durch einen Einstieg bei den jungen deutschen Unternehmen entsprechende Launch-Kapazitäten sichern würde, so Schwarz.
Auch der als Falke bekannte CDU-Sicherheitspolitiker Roderich Kiesewetter bezeichnete es als zwingend, Schlüsselindustrien zu benennen und sie durch strategische staatliche Beteiligungen zu entwickeln. Nach seinen Worten müssten diese Zweige dann besonders vor Spionage und vor nicht-europäischen Investoren geschützt werden. Die Union und die SPD hatten bereits in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, das Beteiligungsportfolio des Bundes strategisch weiterzuentwickeln.
Dutschland: Serienproduktion von 5.000 Kamikaze-Drohnen gestartet
In München hat die Massenproduktion von Kampfdrohnen für die Ukraine begonnen. Der Umfang beläuft sich auf 5.000 Fluggeräte. Hergestellt werden sie von dem deutsch-amerikanischen Rüstungsunternehmen Auterion und seinem ukrainischen Joint-Venture-Partner Airlogix. Den Auftrag aufgegeben hatte die deutsche Bundesregierung.
Die Kosten belaufen sich auf rund 300 Millionen Euro. Nach Aussagen der Bundesregierung soll die Produktion Mitte 2027 abgeschlossen werden. Danach erfolgt die Lieferung der Drohnen an die Ukraine.
Das im Februar gegründete Joint-Venture erwartet weitere Aufträge und eine langfristige Zusammenarbeit mit der Bundesregierung. Dabei soll die Produktion neben dem Standort bei München auch in einer weiteren Anlage in Ostdeutschland erfolgen.
Die derzeitige Koalition aus Union und SPD investiert aktuell vermehrt in den Rüstungssektor. Begründet werden die Staatsaufträge mit einer angeblichen Gefahr durch Russland.
Hauptverfahren zu Nord-Stream-Anschlägen eröffnet
In Deutschland ist das Hauptverfahren zu den Anschlägen auf die Nord-Stream-Pipelines eröffnet worden. Das teilte das Hanseatische Oberlandesgericht in Hamburg mit. Demnach ließ das Gericht die Anklage des Generalbundesanwalts gegen einen früheren ukrainischen Offizier zu. Der Prozess gegen den Mann soll am 14. Oktober beginnen.
Der Ukrainer war im August 2025 aufgrund eines von Deutschland ausgestellten Europäischen Haftbefehls in der kroatischen Küstenstadt Pula festgenommen worden. Ihm wird vorgeworfen, Anführer einer Gruppe gewesen zu sein, die im September 2022 von eine Segelyacht aus in der Ostsee Sprengsätze an den Pipelines angebracht haben soll.
Durch die Explosion in der Nähe der dänischen Insel Bornholm wurden diese so sehr beschädigt, dass kein russisches Erdgas mehr durchgeleitet werden konnte. Die Ermittlungen dazu sind schleppend, unter anderem weil die Regierungen in Berlin und den USA kein Interesse daran zeigen. Viele Bundesbürger hoffen nun, dass mit der Eröffnung des Hauptverfahrens Bewegung in die Angelegenheit kommt.
Es stellt sich allerdings die Frage, ob Deutschland auf der richtigen Spur ist. Denn laut dem US-Investigativjournalisten Seymour Hersh hat die US-Regierung unter Joe Biden den Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines vorbereitet und durchführen lassen. Die Pipelines seien vom US-Geheimdienst CIA zusammen mit norwegischen Spezialkräften gesprengt worden. Er bezeichnet die Geschichte von ukrainischen Attentätern auf einer Segeljacht als «lächerlich» (wir berichteten).
Sensation: Publizist Oliver Janich gewinnt Verfassungsbeschwerde
Es kommt selten vor, dass eine Verfassungsbeschwerde Erfolg hat. Im Jahr 2023 beispielsweise gab es das genau 55-mal beim Bundesverfassungsgericht. Nur etwas über ein Prozent der Beschwerden sind erfolgreich. Umso bemerkenswerter ist es, dass der oppositionelle Publizist Oliver Janich mit einem oppositionellen Anwalt, dem Verfasser dieses Berichts, in Karlsruhe Erfolg hatte.
Sogar der Generalbundesanwalt teilte in einem Schriftsatz mit, dass der größtenteils zulässig erhobenen Verfassungsbeschwerde der Erfolg nicht zu versagen sein dürfte. Eine herbe Klatsche für die bayerische Justiz, deren häufig autoritäres Rechtsverständnis wieder einmal offenkundig wurde, was den Gang nach Karlsruhe nötig machte.
Das Landgericht München muss nunmehr erneut über die sofortige Beschwerde von Janich entscheiden, dem eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand bezüglich des Einspruchs gegen seinen Strafbefehl verwehrt wurde, obwohl er sich in einer offenkundigen Nötigungssituation in einem philippinischen Gefängnis befand.
Janich wurde im Gefängnis vielfach mitgeteilt, dass er erst wieder aus der Haft entlassen werden würde, wenn sein Fall in Deutschland abgeschlossen («closed») sei. Nur deshalb wurde der Strafbefehl von seinem ehemaligen Verteidiger «akzeptiert». Direkt nach der Entlassung haben wir für unseren Mandanten Einspruch eingelegt und Wiedereinsetzung in den vorigen Stand beantragt.
Nach der nunmehr anstehenden erneuten Entscheidung des Landgerichts München wird der Fall zurück zum Amtsgericht gehen, um dort verhandelt zu werden. Die Vertretung übernehmen Rechtsanwältin Viktoria Dannenmaier und der Verfasser.
Weitere Infos können einem Artikel auf Tichys Einblick und einem Interview bei Auf1 entnommen werden.
Hier finden Sie die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts.
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Dieser Beitrag wurde mit freundlicher Genehmigung von Haintz.media übernommen.
Schule macht krank
Für Kritiker unseres «Bildungssystems» ist der Befund kaum überraschend: Die Schule macht krank. So ermittelte eine neue Studie von gfs.bern im Auftrag der Stiftung Mercator Schweiz, dass 44 Prozent der Kinderärztinnen und Kinderärzte mindestens einmal täglich bereits bei der Anmeldung mit schulbezogenen Belastungen konfrontiert sind. Und die «Schulprobleme» nehmen laut 89 Prozent jener, die Erfahrung mit solchen Fällen haben, zu. Neben sozialen Problemen sehen sie Über- oder Unterforderung als Ursache.
Die Befragung der 469 Kinderärztinnen und Kinderärzten in der Schweiz, über die die SRF-«Tagesschau» berichtete, zeigt: 95 Prozent davon sind der Ansicht, dass schulische Maßnahmen zumindest einen Teil der Probleme der Kinder besser vermeiden könnten als medizinische.
Die Symptome, welche die Belastungen in der Schule den Kindern zufügen, sind je nach Alter unterschiedlich. Der Projektleiter der Studie, Tobias Keller, fasst sie so zusammen:
«Im Kindergarten und in den ersten Klassen sind es Bauchweh, auffälliges Sozialverhalten und Schwierigkeiten mit der Konzentration. Auf der Sekundarstufe wird es breiter und schwerer: Schulabsentismus, depressive Verstimmung, Essstörungen. Rund jede zweite befragte Person aus der Kinderärzteschaft gibt an, auf dieser Stufe suizidale Gedanken zu beobachten.»
Laut der Studie sind die Ursachen der Schulprobleme insbesondere «Mobbing, eine Unter- oder Überforderung durch den Lernstoff und ein gespanntes Verhältnis zur Lehrperson». Eine wichtige Rolle spiele dabei die äußerst unterschiedliche und unterschiedlich weite Entwicklung der Kinder im selben Alter, was die Forschung seit langem zeige. Denn die Anforderungen seien im Gegensatz dazu oft für die ganze Klasse beziehungsweise den ganzen Jahrgang dieselben.
Da die Möglichkeit einer individuelleren Unterstützung für ein Kind oft von einer Abklärung oder Diagnose abhängt, landen viele Familien in der Praxis. Keller erklärt:
«Eltern erhoffen sich Zugang zu Therapien oder zu einem Nachteilsausgleich, Lehrpersonen brauchen Ressourcen wie eine Klassenassistenz für ihre Klasse. Beide Wege enden im Wartezimmer der Kinderärzteschaft. Eine grosse Mehrheit der Kinderärztinnen und Kinderärzte erlebt entsprechend, dass Kinder vorschnell pathologisiert werden. Was früher als normal galt, wird heute abgeklärt. Entlasten kann eine Diagnose durchaus, weil sie benennbar macht, was vorher unklar blieb. Sie bindet aber knappe Kapazitäten, die anderswo wirksamer eingesetzt würden.»
Im ausführlichen Bericht erwähnen die Autoren zudem, dass durch diese vorschnelle Pathologisierung auch Medikamente verabreicht werden. Jedenfalls ergibt sich so eben, dass 95 Prozent der Kinderärzte schulische Maßnahmen besser geeignet finden, um einen Teil der Probleme zu vermeiden, als medizinische.
Die Ärzte wurden auch nach möglichen Lösungen gefragt. Diese erachten die Beziehung zu den Lehrpersonen und anderen Kindern sowie ein passendes Anforderungsniveau des Lernstoffs als wesentlich. Durch genügend Sensibilität für den unterschiedlichen Entwicklungsstand der Kinder ließen sich viele Symptome verbessern. Auch müsse das, was als normal gelte, allenfalls wieder ausgeweitet werden.
Das würde den Lehrkräften zufolge ausreichende Ressourcen erfordern, nicht nur bei Diagnosen. Wichtig seien zudem: kleinere Klassen, Teamteaching, qualifiziertes Personal, Tagesstrukturen und eine generelle Entlastung beim Bewertungs- und Selektionsdruck.