Meinungsfreiheit ist nicht nur das Recht, zu Allem seinen Senf dazu zu geben wie an einer Würstelbude. Es ist das Recht, Behauptungen der Mächtigen in Frage zu stellen, Erklärungen und Fakten einzuklagen und Alternativen einzufordern. Das mag unbequem sein, lästig, nerven, bremsen. Aber es ist der Motor des Fortschritts. Ohne Nörgler, Zweifler und Besserwisser kein Fortschritt. Zweifel ist eine gesellschaftliche Produktivkraft. Seine Diffamierung durch angeblich alternativlose Politik ist Rückschritt in vormoderne Zeiten. Deutschland braucht wieder einen Grundkurs in Debatte und Wiederbelebung der Streitkultur.» (- Roland Tichy, Journalist und Publizist)
Transition News
COVID-«Impfung» bei Kindern steht im Zusammenhang mit Autismus, ADHS und Angststörungen
Ein Team um den Epidemiologen Nicolas Hulscher hat die bislang erste Studie auf Bevölkerungsebene abgeschlossen, die die COVID-19-«Impfung» im Kindesalter direkt in Bezug auf Autismus und andere neurofunktionelle Entwicklungsstörungen untersucht. Dazu wurden offizielle Daten der US-Regierung verwendet, um geimpfte und ungeimpfte US-amerikanische Kinder zu vergleichen. Die Studie wurde noch nicht begutachtet.
Die Daten stammen aus dem National Health Interview Survey (NHIS), einer der wichtigsten Informationsquellen des Landes über die Gesundheit der US-Zivilbevölkerung. Der NHIS wird vom National Center for Health Statistics (NCHS) durchgeführt, das zu den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) gehört, und ist darauf ausgelegt, durch fortlaufende Haushaltsbefragungen bundesweit repräsentative Schätzungen zu erstellen.
Unter Verwendung der NHIS-Daten von 2022–2024 haben die Forscher eine bundesweit repräsentative Stichprobe von 21.990 US-Kindern analysiert. Im Vergleich zu Kindern ohne COVID-Injektion wiesen «geimpfte» Kinder signifikant höhere Wahrscheinlichkeiten auf für:
- Autismus: +32 %
- ADHS: +33 %
- Jede neurofunktionelle Entwicklungsstörung: +23 %
- Inanspruchnahme von Sonderpädagogik: +19 %
- Asthma: +24 %
- Angststörungen: +27 %
- Einnahme von Psychopharmaka: +57 %
- Psychotherapie / Mental-Health-Therapie: +60 %
Die Assoziationen blieben auch bestehen, nachdem zahlreiche Faktoren berüchtigt wurden.
Bedenklich ist laut Hulscher das Ergebnis zu Autismus bei Kindern im Alter von fünf bis sieben Jahren. In dieser Altersgruppe hatten Kinder, die drei oder mehr Dosen einer COVID-Injektion erhalten hatten, eine um 154 % höhere Wahrscheinlichkeit für einen aktuellen Autismus im Vergleich zu Kindern, die keine Dosen erhalten hatten. Der Epidemiologe erklärte:
«Diese Altersspanne ist besonders wichtig, da die Jahre von 5 bis 7 eine kritische Phase für die Entwicklung des Gehirns, der Sprache, des Verhaltens, des Sozialverhaltens und der Bildung darstellen – und sich zudem mit dem Zeitraum überschneiden, in dem viele Kinder eine Autismus-Diagnose erhalten.»
Die Studie ergab zudem, dass unter den fünf- bis achtjährigen Kindern, die im Alter von fünf Jahren oder jünger und mindestens ein Jahr vor dem Interview erstmals «geimpft» wurden, diejenigen mit mehr als drei Dosen eine 2,46-fach höhere Wahrscheinlichkeit für einen aktuellen Autismus hatten im Vergleich zu Kindern, die nie gegen COVID «geimpft» wurden.
Einer der wichtigsten Befunde war den Forschern zufolge das Vorhandensein eines Dosis-Wirkungs-Musters. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit für mehrere Erkrankungen mit der Anzahl der erhaltenen COVID-Impfdosen stieg – darunter Autismus, ADHS, Angststörungen, neurofunktionelle Entwicklungsstörungen, Asthma und psychiatrische Störungen.
Die Wissenschaftler haben auch die Grippeimpfung als Negativkontroll-Exposition untersucht. Dabei war diese Impfung mit mehreren derselben Zielgrößen assoziiert, darunter Autismus, ADHS und Asthma. Das bedeute, so Hulscher, dass eine verbleibende Verzerrung durch die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen nicht vollständig ausgeschlossen werden könne. Er erläutert:
«Im direkten Vergleich hatten Kinder, die eine COVID-Impfung, aber keine kürzliche Grippeimpfung erhalten hatten, jedoch eine höhere Wahrscheinlichkeit für Autismus als Kinder, die eine Grippeimpfung, aber keine COVID-Impfung erhalten hatten.
Die stärksten Autismus-Schätzungen wurden zudem bei Kindern beobachtet, die sowohl COVID- als auch Grippeimpfungen erhalten hatten. Dies wirft die Möglichkeit auf, dass das beobachtete Signal nicht nur die COVID-Impfung selbst, sondern eine kumulative Impfexposition widerspiegeln könnte.»
Einer der wohl beunruhigendsten Aspekte dieser Thematik ist laut Hulscher, dass die ursprünglichen klinischen Studien, auf deren Grundlage die mRNA-Spritzen für Kinder zugelassen wurden, nie darauf ausgelegt waren, langfristige Auswirkungen auf das Gehirn oder das Verhalten zu untersuchen. Diese ersten Studien hätten nur wenige tausend Kinder umfasst, sie über relativ kurze Zeiträume verfolgt und sich ausschließlich darauf konzentriert, ob die Injektionen Antikörper bildeten, anstatt psychiatrische oder neurologische Entwicklungsergebnisse zu überwachen.
Selbst nach der Zulassung habe sich die offizielle Sicherheitsüberwachung in erster Linie auf unmittelbare medizinische Notfälle wie Herzentzündungen oder schwere allergische Reaktionen konzentriert, während die langfristige Gehirnentwicklung weitgehend unberücksichtigt geblieben sei.
Ein plausibler biologischer Mechanismus der beobachteten Nebenwirkungen hängt den Forschern zufolge mit der Feststellung zusammen, dass das vom «Impfstoff» stammende Spike-Protein nach der Injektion monate- bis jahrelang systemisch im Körper zirkuliert. Es sei in humanen Studien in den Gehirngefäßen nachgewiesen worden. Experimentelle Arbeiten hätten gezeigt, dass die S1-Untereinheit die Integrität der Blut-Hirn-Schranke stören und entzündliche Effekte in den Endothelzellen des Gehirns auslösen kann.
Tierstudien mit pränataler Spike-Protein-Exposition hätten zudem unter anderem über autismusähnliche Verhaltensänderungen, neuronale Entzündungen und Veränderungen sowie veränderte Zytokinsignale berichtet. Das sich entwickelnde Gehirn habe während verschiedener Phasen einen außergewöhnlich hohen Stoffwechselbedarf. Eine entzündliche oder metabolische Schädigung während dieser Zeitfenster könnte demnach zu Veränderungen der Gehirnentwicklung führen.
Die Forscher räumen einige Einschränkungen ein. So identifiziere die Arbeit ein Signal auf Bevölkerungsebene. Sie beweise für sich genommen nicht, dass die COVID-Injektionen Autismus oder die anderen berichteten Ergebnisse verursachen. Die größte Einschränkung bestehe darin, dass der NHIS eine Querschnittsstudie ist und keine genauen Diagnosedaten liefert. Das bedeute, dass die Studie nicht feststellen könne, ob die «Impfung» bei jedem Kind der Diagnose vorausging.
Der NHIS erfasse auch nicht sämtliche Routineimpfungen, die möglicherweise zusammen mit dem COVID-Präparat verabreicht wurden. Daher könnten die beobachteten Assoziationen die COVID-Injektion selbst, andere zur gleichen Zeit erhaltene Impfstoffe oder die kombinierten Effekte einer kumulativen Impfexposition widerspiegeln.
Als nächsten Schritt fordern die Autoren eine umfassende Langzeitstudie, die Kinder bereits vor dem dritten Geburtstag an begleitet. Dabei sollen vollständige Impfdaten über Jahre hinweg mit den offiziellen Krankenakten und professionell gesicherten Entwicklungsdiagnosen verglichen werden.
US-Rüstungsfirma eröffnet Produktionshalle in Leipzig – Petition dagegen
Am Montag ist die US-Rüstungsfirma Covenant in Leipzig symbolisch in die Produktionshalle für ihr erstes europäisches Werk eingezogen. Wie der MDR berichtet, plant das Unternehmen dort nach eigenen Angaben weitreichende Marschflugkörper zu produzieren. Gegenüber dem Sender erklärte der CEO Michael Kaufman, mit einer Produktionsfläche von mehr als 10.000 Quadratmetern werde Leipzig zum größten Produktionsstandort seiner Firma, noch vor dem in Grand Prairie (Texas) und in Israel.
Nächstes Jahr soll laut der Firmenchefin Abigail Denburg mit der Produktion des Systems Anthem für europäische Kunden begonnen werden. Im ersten Jahr sollen etwa 1.000 Stück produziert werden und dann 5.000 Stück im Jahr.
Der frühere Bundeswehr-Generalmajor Markus Kurczyk, auch Vorsitzender des Mitteldeutschen Sicherheitsinstitutes (MISI), erklärte kürzlich:
«Wer die Zeitenwende ernst nimmt, muss auch akzeptieren, dass sie irgendwo konkret wird.»
Wie der MDR informiert, handelt es sich beim MISI um einen neu gegründeten Branchenverband in Leipzig, der das Ziel hat, Ostdeutschland stärker vom Rüstungsboom profitieren zu lassen.
Nicht einverstanden damit ist die Initiative «Leipzig bleibt friedlich». So hat sie zum Weltfriedenstag am 1. September eine Online-Petition mit dem Titel «Aus der Stadt der Friedlichen Revolution darf keine Stadt der Waffen werden!» Gestartet. Leipzig sei Weltfriedensort, so die Initiatoren. Beanstandet wird auch die mangelnde Transparenz:
«Während die Stadt Jahr für Jahr an die Friedliche Revolution und den Mut der Menschen erinnert, wurde die Ansiedlung eines US-Rüstungsunternehmens zum Bau von Mittelstreckenwaffen aktiv wirtschaftspolitisch gefördert – ohne dass zuvor irgendeine öffentliche Debatte über diese strategische Weichenstellung stattgefunden hätte.»
Bislang haben über 8.000 Menschen den Aufruf an Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) unterzeichnet.
Der WDR weist auch auf den Leipziger Theologen und Pfarrer Christian Wolff hin, der auf seinem Blog mahnt:
«Das einseitige Setzen auf Hochrüstung dient weder dem gesellschaftlichen Frieden im Innern, noch wird es Angriffskriege verhindern. Vielmehr werden Bedingungen für neue Kriege geschaffen. Darum muss gerade von der SPD erwartet werden, dass sie endlich neue Überschriften setzt – ohne sich irgendwelche Illusionen zu machen über die Gefährlichkeit eines Putin-Russlands und Trump-Amerikas. In diesem Sinn sollten wir heute an die erfolgreiche Friedenspolitik eines Willy Brandt anknüpfen.»
Laut dem WDR stehen die Stadt Leipzig und Sachsen dem Einzug der Waffenschmiede in der Nähe des Flughafens hingegen wohlwollend gegenüber. So sagte Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD):
«Freiheit braucht Sicherheit. Die Region und der Freistaat profitieren davon: In Leipzig werden neue, hochwertige Arbeitsplätze geschaffen, die industrielle Basis gestärkt und das technologische Know-how ausgebaut.»
Der Sprecher der Stadt, Matthias Hasberg, habe die künftigen Arbeitsplätze und Einnahmen für die Gemeinde betont. So sucht die Firma auf ihrer Website für Leipzig unter anderem Geschäftsführer, IT-Manager sowie Produktionsleiter und -techniker. Gemäß dem MDR rechnet das MISI mit anfangs 60 bis 70 Arbeitsplätzen.
Der Sender weist abschließend auf weitere Rüstungsfirmen hin, die sich kürzlich in Sachsen niedergelassen haben. In Gnaschwitz bei Bautzen habe die Rüstungs- und Technologieholding Czechoslovak Group (CSG) im August 2026 das Werk des Zündtechnik-Herstellers Maxam übernommen. CSG plane, rund 100 Millionen Euro zu investieren, um in Gnaschwitz Nitroglycerin und künftig auch Munition herzustellen.
Anfang 2025 habe der deutsch-französische Panzerbauer KNDS in Görlitz das traditionsreiche Waggonbau-Werk vom Hersteller Alstom übernommen. Seitdem werde der Standort für rund 100 Millionen Euro zu einem zentralen deutschen Rohbauzentrum für Panzer umgebaut. Und letzte Woche habe die Elbe Flugzeugwerke (EFW) in Dresden einen Wartungsvertrag mit der Bundeswehr unterschrieben. Damit sollen in dem Werk in den nächsten sieben Jahren die Wartungs- und Reparaturarbeiten an NH90-Hubschraubern durchgeführt werden. Darüber habe Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) «seine Follower» informiert.
Ex-BND-Chef festgenommen
Wie die Medien berichten, ist der ehemalige Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, festgenommen worden. Laut der Zeit ermittelt der Generalbundesanwalt gegen den 80-Jährigen und einen BND‑Mitarbeiter. Die Vorwürfe seien: landesverräterische Ausspähung, Auskundschaften von Staatsgeheimnissen, versuchter Landesverrat und geheimdienstliche Agententätigkeit. Sein ehemaliger Büroleiter stehe zudem im Verdacht, Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zur landesverräterischen Ausspähung geleistet zu haben. «Wegen der laufenden Ermittlungen» habe die Bundesregierung laut einem Sprecher den Fall nicht kommentieren wollen.
Parallel zu den Verhaftungen der Verdächtigen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen in Bayern und im Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen seien in Berlin Räume durchsucht worden. Der Zeit zufolge war Hanning im Rahmen des sogenannten «Block-Prozesses» von den Ermittlern ins Visier genommen worden. Dabei handelt es sich um Ermittlungen rund um die Entführung der Kinder der Steakhouse-Erbin Christina Block. Im Zuge derer seien unter anderem im September 2025 Räume von Hanning durchsucht worden. Objekte, die dabei gefunden worden seien, hätten zu Ermittlungen gegen Hanning wegen Spionage geführt.
Gemäß Informationen, die der Zeit vorliegen, hat sich Hanning als Pensionär die Briefings des BND für eine streng vertrauliche wöchentliche Sitzung im Kanzleramt liefern lassen, die sogenannte ND‑Lage. Demnach wurde dafür ein Mitarbeiter im Leitungsstab des Nachrichtendienstes, der das Dokument weiterleitete, bezahlt. Der Bundesanwaltschaft zufolge soll er Hanning auf diese Weise über die Jahre gut 2.000 Dokumente zur Verfügung gestellt haben.
Die Ermittler würden der Spur nachgehen, wonach Hanning die Dokumentationen für seine Tätigkeiten als Berater mehrerer Firmen verwendete und möglicherweise sogar verkaufen wollte. In mindestens einem Fall geht es auch um die Weitergabe von Informationen an einen ausländischen Nachrichtendienst. Ob diese Informationen ihr Ziel erreicht haben, konnte dem Generalbundesanwalt zufolge bislang nicht festgestellt werden. Laut Reuters soll Hanning für einen Mitarbeiter eines fremden Geheimdienstes sogar eine Analyse erstellt haben. Zudem soll er einem anderen Geheimdienstmitarbeiter eines weiteren Landes jahrelang politische Auskünfte geliefert haben. Gemäß der Nachrichtenagentur AFP handelt es sich dabei allerdings um dieselbe Person.
Konstantin von Notz von den Grünen, Mitglied des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestags, forderte laut der Zeit von der Bundesregierung eine schnellstmögliche Klärung des womöglich entstandenen nachrichtendienstlichen Schadens. Gegenüber dem Spiegel sprach er von einer «eisenharten und abgründigen Geschichte». Er äußerte auch die Ansicht, dass die privaten Geschäfte von früheren Nachrichtendienstchefs nach ihrer Amtszeit eingeschränkt werden müssten.
Bremerhaven soll zum NATO-Drehkreuz werden – und zu «Putins Zielscheibe»?
Der Bund beabsichtigt, den Hafen in Bremerhaven mit bis zu 1,35 Milliarden Euro zur zentralen Drehscheibe für NATO-Truppen auszubauen. Wie zum Beispiel die Berliner Zeitung berichtete, unterzeichnete der Verteidigungsminister Boris Pistorius gemeinsam mit dem Bremer Bürgermeister Andreas Bovenschulte, wie Pistorius von der SPD, eine Absichtserklärung. Ziel des Vorhabens ist es, dass im Ernstfall Truppen und schweres Gerät der Verbündeten nach Osten verlegt werden können.
In der Stadt herrscht nicht nur Begeisterung über den Plan. So gab es laut der Bremerhavener Nordsee-Zeitung lautstarke Proteste, bei denen Parolen wie «Kriegstreiber» und «Wir wollen keine Zielscheibe werden» skandiert wurden. Und die Zeitung fragt im Titel des Beitrags: «Wird Bremerhaven jetzt Putins Zielscheibe?»
Zu den 1,35 Milliarden des Bundes soll Bremen 200 Millionen Euro beisteuern. Hinzu kämen private Investoren. 40 Einzelprojekte seien vorgesehen, darunter «Schwerlastbrücken und -flächen, ein Verbindungskanal mit Drehbrücke, tiefere Hafenbecken, neue Binnenkaianlagen, bessere Anschlüsse an Schiene und Straße sowie eine Feuerwache im Hafengebiet».
Das Projekt beschränkt sich jedoch nicht auf den Hafen. Am Bremer Flughafen sollen Logistikflächen zur Verfügung gestellt werden. Und wenn es nach dem Ministerium geht, soll Bremerhaven selbst Unterkünfte und Verpflegungsmöglichkeiten für Zehntausende Soldaten bieten sowie Kraftstoff, Abstellflächen und Wartung für Tausende Fahrzeuge auf dem Weg an die NATO-Ostflanke. Straßen und Brücken müssen dann fähig sein, neben Autos auch schwere Panzer tragen zu können. Laut der Berliner Zeitung erinnerte Pistorius zudem an die langjährige Zusammenarbeit mit den US-Streitkräften in Bremerhaven. Er ergänzte:
«Wir stärken den Standort Bremerhaven: Wir investieren in einen sogenannten Deployment Hub und sorgen dafür, dass wir die Logistik für unsere Streitkräfte sicherstellen – und in einem Ernstfall auch für die unserer Verbündeten.» Damit sei «ein wichtiger Baustein für die Umsetzung des O-Plans» gesetzt, womit er den Operationsplan Deutschland meinte.
«Bovenschulte freute sich über den Geldsegen für das ewig klamme Bremen», kommentierte die Zeitung. So stellte der Bürgermeister fest:
«Die Milliardeninvestition aus dem Haushalt des Verteidigungsministers ist die mit Abstand höchste Förderung, die der Bund jemals für ein Projekt im Land Bremen bereitgestellt hat.»
Und gemäß Matthias Magnor, Chef der Bremer Lagerhaus-Gesellschaft (BLG), deren Logistikkonzern für den Umschlag im Hafen zuständig ist, ist Bremerhaven «nicht nur ein leistungsfähiger europäischer Seehafen, sondern zugleich ein strategischer Knotenpunkt für die nationale und europäische Sicherheitsvorsorge».
Beim Airbus-Standort in Bremen, wo unter anderem der Rumpf des A400M gebaut wird, habe Pistorius zudem 16 neue Transportflugzeuge in Aussicht gestellt. Auch könnte dort ein Teil der 53 Maschinen der Bundeswehr erneuert und zum Beispiel mit einem Raketenabwehrsystem ausgestattet werden. Eine Kaufentscheidung stehe noch aus, laut dem Ministerium handelt es sich jedoch um ein «Milliardengeschäft». Wie die Berliner Zeitung erklärt, ist der Transportflieger seit 2014 bei der Bundeswehr im Einsatz, kann Soldaten und Material befördern und andere Flugzeuge in der Luft betanken. Bislang habe Airbus mehr als 140 Maschinen dieses Typs gebaut.
Bezüglich der Sorge, dass Bremerhaven zu «Putins Zielscheibe» werden könnte, zitiert die Berliner Zeitung Ben Hodges, früherer Kommandeur der US Army Europe, der der Welt am Sonntag erklärte:
«Bremerhaven wäre im Falle eines russischen Angriffs auf ein NATO-Land ein zentrales Ziel, weil über diesen Hafen amerikanische und andere alliierte Kräfte nach Europa verlegt würden.»
Schon 2022 habe der frühere Luftwaffengeneral Harald Kujat im Gespräch mit dem Focus gewarnt, russische Angriffe könnten sich gegen «Ziele wie etwa den US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz oder den Überseehafen in Bremerhaven, den die USA für Verstärkungen, also Truppen- und Waffentransporte nach Europa, nutzen», richten.
Zum neuen Marinestandort wird Bremerhaven allerdings nicht. Die Wahl dafür fiel auf das niedersächsische Emden. Laut dem Weser Kurier sollen bis Mitte der 2030er-Jahre maximal 2000 Marine-Angehörige stationiert sein. Die geplante Anlage umfasst eine Fläche von bis zu 450 Hektar – was etwa 630 Fußballfeldern entspricht – sowie eine Kailänge von bis zu 5000 Metern. Die Marine soll die Notwendigkeit von sieben Liegeplätzen für Fregatten, zehn Liegeplätzen für Minensuchboote sowie zehn Liegeplätzen für Schlepper geltend gemacht haben. Der Marinestandort soll als Ergänzung zum bislang einzigen Nordseestützpunkt Wilhelmshaven dienen. Pistorius habe von einer Investition in Milliardenhöhe gesprochen.
Potsdam-Treffen: Correctiv feiert Sieg vor Gericht zu Randnotiz als «Erfolg»
Das Kammergericht Berlin hat am Freitag das für «investigativen Journalismus» stehende Medienhaus Correctiv in einem Berufungsverfahren gegen Ulrich Vosgerau recht gegeben und ein Urteil des Landgerichts Berlin II aufgehoben. Dabei geht es um eine einzige Passage im Bericht «Geheimplan gegen Deutschland»: um die Darstellung von Vosgeraus Äußerungen zur Briefwahl und zu jungen Wählerinnen türkischer Herkunft.
Correctiv feiert dies als «dritten Erfolg» und «Signal für die Pressefreiheit». Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich erneut das Muster, das den gesamten Rechtsstreit um die Recherche zum Treffen in Potsdam im Jahr 2023 prägt: Einzelne Formulierungen werden juristisch durchgekämpft, während die tiefer liegenden Probleme der Berichterstattung – Verzerrung, Auslassungen und die erzeugte öffentliche Wirkung – weitgehend unangetastet bleiben.
Der «nebensächliche Absatz»Im Originaltext hieß es sinngemäß, Vosgerau habe über Briefwahlen und «seine Bedenken in Bezug auf junge WählerInnen türkischer Herkunft, die sich keine unabhängige Meinung bilden könnten», gesprochen und diesen Satz später bestätigt. Vosgerau hatte demgegenüber erklärt, er habe lediglich in einem Nebensatz auf einen möglichen Einzelfall hingewiesen: Eine junge Wählerin, die den Wahlzettel unter Aufsicht von Familienmitgliedern ankreuzt, genieße möglicherweise nicht den verfassungsrechtlich vorausgesetzten Freiheitsgrad.
Das Landgericht Berlin II hatte die Correctiv-Formulierung 2025 noch als unzulässige Verzerrung und «Framing» beanstandet. Das Kammergericht sieht darin nun eine zulässige journalistische Zusammenfassung.
Dass es hier nur um eine von mehreren Passagen geht, die Vosgerau und andere Teilnehmer angegriffen haben, wird in der öffentlichen Kommunikation oft unterschlagen. Correctiv und Teile der Medien stellen das Kammergericht-Urteil als weiteren Beleg für die Rechtmäßigkeit der gesamten Recherche und als «dritten Erfolg gegen Vosgerau» dar. Dabei entsteht der Eindruck, die Gerichte hätten den Correctiv-Bericht in seiner Substanz bestätigt. Genau das ist jedoch unzutreffend beziehungsweise stark verkürzt.
Tatsächlich handelt es sich um eine isolierte Nebenpassage: Gegenstand des jetzt entschiedenen Verfahrens war ausschließlich die Wiedergabe von Vosgeraus Aussagen zur Briefwahl und zu jungen Wählerinnen türkischer Herkunft. Das ist ein persönlicher, relativ randständiger Aspekt von Vosgeraus Vortrag. Er berührt weder den Ablauf des Treffens noch die Kernbehauptungen des Berichts.
Der eigentliche Streitgegenstand bleibt unberührt. Der politisch und medial wirkmächtigste Teil des Correctiv-Textes – die Zusammenfassung «Es bleiben zurück: (…) ein ‹Masterplan› zur Ausweisung von deutschen Staatsbürgern» sowie die damit verknüpfte «Ausbürgerungsidee» – war in diesem Verfahren überhaupt nicht streitgegenständlich. Diese Kernformulierung war Gegenstand anderer Verfahren (unter anderem die Klage von Gerrit Huy vor dem Landgericht Berlin II und die Klagen von Vosgerau/Mörig vor dem LG Hamburg). Da gab es widersprüchliche Entscheidungen: Das Landgericht Berlin II stufte sie als «unwahre, unklare, ungenaue und unvollständige Tatsachenbehauptungen» ein, während das Landgericht Hamburg sie als zulässige Meinungsäußerung wertete (TN berichtete). Beide Entscheidungen sind (beziehungsweise waren) nicht rechtskräftig und in der Berufung.
Correctiv blendet dabei aus, dass Vosgerau und andere in anderen Punkten (zum Beispiel Wahlprüfungsbeschwerden, Teile der Ausbürgerungs-Formulierung, Übernahmen durch Drittmedien) durchaus Unterlassungsansprüche erstritten haben. Die öffentliche Kommunikation suggeriert eine durchgehende gerichtliche Bestätigung der Recherche, obwohl die Gerichte nur über einzelne Formulierungen entschieden haben und dabei teilweise zu entgegengesetzten Ergebnissen kamen.
Die aktuelle Entscheidung hat daher nur begrenzte Tragweite: Sie bestätigt die Zulässigkeit einer journalistischen Zusammenfassung einer einzelnen, persönlich auf Vosgerau bezogenen Passage. Sie ändert nichts an der offenen und widersprüchlichen Rechtslage zur zentralen «Masterplan»-Formulierung. Und sie beendet nicht die Frage, ob Correctiv durch die Art der Darstellung (Wertungen, die als faktisches Resümee wirken, Auslassungen relativierender Aussagen) einen irreführenden Gesamteindruck erzeugt hat – genau den Eindruck, den zahlreiche Medien und die Öffentlichkeit als «Tatsache» übernommen haben.
Die größere Kritik: «vorsätzliche Realitätsverweigerung»Besonders scharf hat Legal Tribune Online das Hamburger Urteil vom Dezember 2025 kritisiert, das Correctiv in zentralen Punkten recht gab. Der LTO-Kommentar von Felix W. Zimmermann spricht von einem «Urteil aus dem Paralleluniversum» und «vorsätzlicher Realitätsverweigerung». Das Gericht ignoriere die tatsächliche Rezeption: Zahlreiche Medien – ARD, ZDF, Spiegel, Taz und andere – hätten die Correctiv-Aussage als Tatsache verstanden und weiterverbreitet. Das Landgericht Hamburg setze ein ideales «Sollen» (wie Leser den Text verstehen sollten) an die Stelle des realen «Seins» (wie er tatsächlich verstanden wurde). Genau das sei kontrafaktisch und schade der Debattenkultur (TN berichtete).
Briefwahl-Kritik ist kein RandthemaInteressant ist in diesem Zusammenhang auch der inhaltliche Kern von Vosgeraus Vortrag, was seine Bedenken zur Briefwahl angeht. Diese sind keineswegs aus der Luft gegriffen. So zeigen wissenschaftliche und empirische Analysen wiederholt eine dramatische Kluft zwischen Urnen- und Briefwahlergebnissen, die sich nicht allein demografisch erklären lassen. Bei den kürzlichen Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern zum Beispiel erreichte die AfD an der Urne mehr als 44 Prozent, kam aber bei der Briefwahl nur auf gut 22 Prozent (TN berichtete). Studien und bekannte Schwachstellen (fehlende lückenlose Kontrolle, «Familienwahl», ungeschützte Verwahrungskette) belegen, dass Briefwahl strukturell anfälliger für Beeinflussung ist.
Vosgeraus Hinweis auf mögliche Einschränkungen der Wahlfreiheit in bestimmten Konstellationen steht damit in einem belegbaren Kontext – der in der Correctiv-Darstellung jedoch in eine pauschale und verzerrte Form gebracht wird.
All dies bedeutet freilich nicht, dass man mit dem, was Vosgerau oder andere Teilnehmer am Treffen in Potsdam 2023 von sich gegeben haben, automatisch einhergeht. Es geht allein um die Aufarbeitung der Fakten. Vergessen werden sollte in diesem Zusammenhang auch nicht, dass Correctiv tatsächlich von sich selbst behauptet, es sei «gemeinwohlorientiert». Fakt ist jedoch, dass «es sich am Futtertrog der Bundesregierung labt» oder, wie es die Weltwoche ausdrückte, «mit Steuergeldern vollgepumpt wird».
Laut Norbert Häring gehört Correctiv gar zur «US-gesteuerten Faktencheck-Mafia». Beispiel: Anfang 2024 behauptete Correctiv, die «angeblichen Belege zu ‹DNA-Verunreinigungen› in mRNA-Impfstoffen gegen COVID-19 sind wissenschaftlich nicht haltbar». Doch nicht nur zeigte eine kurz darauf veröffentlichte Studie auf, dass es starke DNA-Verunreinigungen im BioNTech-Impfstoff Comirnaty gibt. Auch belegte eine unabhängige australische Untersuchung von drei Ampullen von Pfizer/BioNTech und Moderna, dass die DNA-Kontamination in mRNA-Covid-«Impfstoffen» bis zu 145-fach über dem gesetzlichen Grenzwert liegt (TN berichtete).
Geiselflug nach Dubai und RAF-«Anschlag» waren beide inszeniert
Die False-Flag-Angriffe häufen sich in rasender Geschwindigkeit – in dem Versuch, sowohl Donald Trump als auch Bibi Netanjahu über ihr normales Ablaufdatum hinaus im Amt zu halten. Was sie jedoch wirklich offenbaren, ist das Ausmaß, in dem westliche Medien mittlerweile zu einem schmutzigen Werkzeug von Geheimdiensten geworden sind.
Da die Führungskräfte der USA und Israels vor einer Herausforderung ohne Präzedenz für ihr Amt stehen: Ist es da nicht vernünftig anzunehmen, dass beide für ihr Überleben ihre Macht nutzen werden, um sich auf Betrügereien und schmutzige Tricks einzulassen? Was Trump betrifft, so weiß er, dass ihm ein Amtsenthebungsverfahren droht, wenn er die Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses verliert. Ich habe bereits in früheren Artikeln darüber spekuliert, dass er nach beispiellosen Wegen suchen wird, um die Zwischenwahlen entweder abzusagen oder deren Ergebnisse nicht anzuerkennen – unter dem Vorwand eines Krieges mit dem Iran.
Damit so etwas rechtlich durchgezogen werden könnte, müssten die Umstände jedoch von einem Ausmaß wie Pearl Harbor oder 9/11 sein. Die USA müssten nicht nur im Krieg sein, sondern auf eigenem Boden angegriffen werden, damit Trump ein solches Kunststück versuchen könnte – was laut vielen Experten verfassungsrechtlich gar nicht möglich ist. Aber Trump bricht immer wieder Regeln und lotet die Grenzen dessen aus, was er im Amt tun kann. Daher wäre es nicht uncharakteristisch für ihn und sein Juristenteam, bis spät in die Nacht an etwas zu tüfteln, das so gewaltig und bedeutend ist.
Die gleiche Geschichte spielt sich bei Benjamin Netanjahu ab, dem sieben Anklagepunkte wegen Korruption drohen, sollte sein Fall jemals vor Gericht verhandelt werden. Ein sicherer Weg, um das zu verhindern, besteht darin, Israel in einem dauerhaften Kriegszustand mit dem Iran zu halten und den Einsatz so weit zu erhöhen, dass es scheint, als stünde dieses kleine Land unter Beschuss.
Auf die Gefahr hin, als Verschwörungstheoretiker bezeichnet zu werden, werden viele annehmen, dass uns bald ein Angriff unter falscher Flagge – oder sogar eine Reihe davon – bevorstehen könnte, sowohl in Israel als auch im Westen, um einen Krieg zu rechtfertigen. Trumps Behauptung, dass die USA die Bombardierungen nach den Zwischenwahlen wieder aufnehmen werden, könnte ein meisterhafter Schachzug gewesen sein, während er in Wahrheit schon früher einen Angriff auf den Iran plant. Ein groß angelegter Angriff zu einem früheren Zeitpunkt ist natürlich sehr risikoreich: Sollten die Benzinpreise noch weiter steigen oder es US-Opfer geben, könnte dies eine finale politische Suizid-Pille für Trump sein, noch bevor die US-Amerikaner an die Wahlurnen gehen.
Aber dies ist ein US-Präsident, der sich für bedeutend intelligenter hält, als er tatsächlich ist, und der alle Berater um sich herum gefeuert hat, die ihm vernünftige Ratschläge geben könnten – Ratschläge, die wahrscheinlich nicht mit seinen kindischen, idiotischen Vorstellungen über die militärischen Fähigkeiten der USA im Nahen Osten harmonieren würden. Dennoch scheint der Plan zu sein, dem Iran keine Möglichkeit für einen Präventivschlag zu lassen.
Wie sonst könnte ein zynischer Analyst zwei entscheidende «Angriffe» auf Israel und den Westen interpretieren, die uns kürzlich pflichtbewusst von den westlichen Leitmedien präsentiert wurden? Der sogenannte Terroranschlag auf den Flug nach Israel über Dubai ist sehr verdächtig – nicht zuletzt deshalb, weil der Iran nur wenige Stunden vor dem Vorfall eine Warnung herausgegeben hatte, dass ein Angriff unter falscher Flagge auf ein Flugzeug stattfinden würde, um dem Iran die Schuld in die Schuhe zu schieben.
Ein Gerangel im Cockpit, bei dem es zu einer Messerstecherei kam, hat sicherlich stattgefunden. Dass das Flugzeug jedoch außer Kontrolle geriet und im letzten Moment von israelischen Piloten gerettet wurde, die rein zufällig an Bord waren und den Piloten überwältigen konnten, klingt wie das Drehbuch eines wirklich schlechten Hollywood-Films mit B-Movie-Schauspielern. Der Zeitpunkt ist fragwürdig, ebenso wie die Schnelligkeit, mit der Netanjahu und die Medien bereitstanden, das Ganze der Welt als Terroranschlag zu präsentieren.
Nur wenige Tage zuvor sahen wir eine ähnlich phantastische Geschichte im Vereinigten Königreich auf einem RAF-Luftwaffenstützpunkt, wo Männer nach Anti-Terror-Gesetzen festgenommen wurden und Andy Burnham schnell dem Iran die Schuld gab. Aber wo sind die Beweise? Wurde Burnham von Trump gebeten, einen Angriff unter falscher Flagge durchzuführen, als sie sich Anfang des Monats bei der UN-Generalversammlung in New York trafen? Obwohl die Männer festgenommen und nach Anti-Terror-Gesetzen angeklagt wurden, durften sie erstaunlicherweise auf Kautionsbasis freikommen. Und in ihren Lieferwagen, die im Wald geparkt waren, wurde nichts gefunden, was darauf hindeuten würde, dass sie Anschläge planten. Wurden diese Männer reingelegt? Wurden sie dafür bezahlt, spät in der Nacht einen bestimmten Job zu erledigen, im Wissen, dass sie mit Sicherheit abgefangen werden würden? Wenn der Iran hinter solchen Vorfällen stecken würde, gäbe es sicherlich nicht dieses Ausmaß an Laienschauspielerei.
Eine nüchternere Betrachtung sowohl des Geiselflugs nach Israel als auch des angeblichen Terrorziels auf dem britischen Luftwaffenstützpunkt legt nahe, dass beides von den verzweifelten Regierungsspitzen der USA und Israels inszeniert wurde. Ziel war es, die westliche Öffentlichkeit auf einen unmittelbar bevorstehenden Krieg vorzubereiten, an dem das Vereinigte Königreich eindeutig eine erhebliche Rolle spielen wird – allen Augenwischereien des britischen Außenministers zum Trotz, der ankündigte, Israel wegen des Völkermords in Gaza zur Rechenschaft zu ziehen (was wahrscheinlich ebenfalls nur ein PR-Manöver war).
In vielerlei Hinsicht war dies unvermeidlich – noch verstärkt durch die Versuchung, die westliche Presse als willige Komplizen für eine massive, verheerende Verzerrung der Tatsachen zu nutzen, um der übergeordneten Agenda jener Eliten zu dienen, denen die etablierten Leitmedien gehören. Ein Krieg mit dem Iran kommt, und zwar in einem Ausmaß, das mit Sicherheit größer sein wird als die bisherigen «Inkursionen». Die einzige wirkliche Frage ist, wer zuerst zuckt und den Anstoß gibt. Aber für diejenigen, die die Wahrheit suchen, gelten immer die alten Regeln. Glauben Sie in den westlichen Medien niemals denjenigen, die als die Schuldigen präsentiert werden, da diese üblichen Verdächtigen fast nie diejenigen sind, die den Finger am Abzug haben.
Und fragen Sie sich auf jeden Fall: Warum sollte der Iran solche Anschläge planen müssen? Was hätte er davon zu gewinnen? Die einzigen Gewinner sind diejenigen, die sich selbst als Opfer dargestellt haben, um das zu rechtfertigen, was sie zu tun gedenken. Die Lügen der Vergangenheit, die uns von den USA, Großbritannien und allen voran Israel – dem wahren Großmeister im Verpacken von Fake News, insbesondere bei Videos – aufgetischt wurden, sind schlicht zu gewaltig und zahlreich, um sie zu ignorieren. Und solange die westlichen Medien ihre Rolle bereitwillig mitspielen, erleben wir genau das, wozu sie eigentlich da sind – zumal fast alle von ihnen rote Zahlen schreiben.
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Dieser Beitrag ist zuerst auf Strategic Culture Foundation erschienen. Er wurde mit freundlicher Genehmigung übersetzt und übernommen.
Martin Jay ist ein preisgekrönter britischer Journalist. Er ist in Marokko ansässig, wo er als Korrespondent für die Daily Mail tätig ist. Zuvor berichtete er für CNN sowie Euronews über den Arabischen Frühling. Von 2012 bis 2019 lebte und arbeitete er in Beirut für verschiedene internationale Medien wie die BBC, Al Jazeera, RT und DW. Zudem berichtete er freiberuflich für die britische Daily Mail, The Sunday Times und den türkischen Sender TRT World. Seine Karriere führte ihn in fast 50 Länder in Afrika, dem Nahen Osten und Europa für eine Vielzahl großer Medienhäuser. Er hat in Marokko, Belgien, Kenia und dem Libanon gelebt und gearbeitet.
Neues MWGFD-Projekt «Friedensstimmen»: Mit Kultur gegen den Krieg
Lieder und Texte, die vom Frieden erzählen – und davon, was Krieg wirklich bedeutet: Mit ihrem neuen Projekt «Friedensstimmen» greift die Gesellschaft «Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie» (MWGFD) auf kulturelle Mittel zurück, um die hässliche Fratze der «Kriegstüchtigkeit» bloßzulegen.
Was hinter den Zahlen und Phrasen der Militarisierung verschwinde, sei der einzelne Mensch, der den Krieg erleidet. Diese Tatsache wolle man versuchen, mit den Mitteln der Kultur wieder erfahrbar zu machen. Der Ansatz sei lohnenswert und erfolgversprechend, denn:
«Wir sind überzeugt, dass Kultur dort etwas bewegt, wo Argumente allein nicht mehr durchdringen. Ein gutes Lied, genau gehört, sagt über den Krieg manchmal mehr als ein ganzer Leitartikel.»
Die Reihe nehme solche Lieder ernst und höre genau hin, schreibt die MWGFD. Erzählt würden jeweils ihre Entstehung, ihre Bilder und ihre Geschichte. Die Beiträge seien künstlerische und essayistische Auseinandersetzungen mit Musik und Zeitgeschehen gleichermaßen. Daher werde auch der Bogen in die Aktualität gespannt.
Den Auftakt bilden fünf Beiträge von zwei Autoren. Im ersten, sozusagen als Ouvertüre, würdigt Wolf Stelzner das Antikriegs-Opus «Salisbury» von Uriah Heep aus dem Jahr 1971. Die nächsten vier sind ein Zyklus von Peter Bickel über Pink Floyds, stark von Roger Waters geprägtes Album «The Final Cut» von 1983. Vier ausgewählte Songs erzählen eindrucksvoll von drei Figuren, die der Krieg hervorbringt, und einer gemeinsamen Perspektive.
Die Lieder berühren, die Texte auch. Sie legen alle dieselbe Wahrheit offen, resümiert die MWGFD: Krieg ist nicht abstrakt und er kostet nicht abstrakt «Sicherheit». Er kostet Träume, schürt Ängste, produziert Narben und er kostet Leben. All das haben Menschen oft genug erlebt. Diese Reihe bleibe aber nicht im Historischen stecken:
«[Die Beiträge] führen von der Vergangenheit geradewegs in unsere Gegenwart – in Aufrüstungsdebatten, Festreden und die Fragebögen, die seit diesem Jahr wieder an Achtzehnjährige verschickt werden.»
Das Projekt ist eine Einladung, sich die Lieder (mal wieder) anzuhören und die Texte zu lesen. Man darf gespannt sein auf kommende Folgen. Ausdrücklich wird auch um Weitergabe beziehungsweise Mitarbeit gebeten. Wir alle sind bei dem Thema gefordert. Die MWGFD betont abschließend:
«Frieden ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Kulturleistung – eine, die verteidigt werden muss.»
Tierschutz: Proteste in Brüssel gegen die Verschiebung von EU-Reformen
Mehr als 300 Aktivisten aus ganz Europa haben drei Tage lang in Brüssel vor den Sitzen der Europäischen Kommission demonstriert, um zu fordern, dass die EU ihre Zusagen zum Schutz von Nutztieren einhält. Wie L'Indipendente berichtet, stehen im Mittelpunkt des Protests insbesondere das Verbot von Käfigen für Legehennen, das Ende der Tötung männlicher Küken sowie neue Regeln für Zuchtsauen.
Hintergrund ist, dass die Kommission bereits vor Jahren versprochen hatte, einzugreifen, doch die Fristen wurden immer wieder verschoben. Aus diesem Grund haben die Organisationen beschlossen, sich nur wenige Schritte von den Gebäuden der EU-Institutionen entfernt erneut Gehör zu verschaffen und zu fordern, die Absichtserklärungen endlich in konkrete Taten umzusetzen.
L'Indipendente fasst die die Geschichte dieser Verzögerung zusammen: Als Reaktion auf die Europäische Bürgerinitiative «End the Cage Age» («Schluss mit der Käfighaltung»), die von über 1,4 Millionen Unterschriften unterstützt wurde, verpflichtete sich die Europäische Kommission im Jahr 2021, bis Ende 2023 einen Gesetzesvorschlag für den schrittweisen Ausstieg aus der Käfighaltung vorzulegen. Diese Frist ist jedoch verstrichen, ohne dass eine Reform präsentiert wurde.
Im vergangenen Juli setzte die Kommission mit ihrer Viehzuchtstrategie – dem Dokument, das die künftige Ausrichtung des Sektors vorgibt – neue Fristen fest: Bis Ende 2026 soll Brüssel eine gezielte Überarbeitung der Vorschriften für Legehennen vorlegen, einschließlich des schrittweisen Ausstiegs aus der Käfighaltung und Maßnahmen gegen das systematische Keulen männlicher Küken durch die Geschlechtsbestimmung im Ei. Für Schweine, einschließlich des Übergangs von Einzel- zur Gruppenhaltung, ist hingegen Mitte 2027 im Gespräch.
Laut L'Indipendente begann der Protest letzte Woche vor der DG SANTE, der Generaldirektion der Kommission für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, sowie vor dem Berlaymont-Gebäude, dem Sitz der EU-Exekutive. Die von Animal Equality im Rahmen einer im Februar gestarteten Kampagne gegen die Verzögerungen der EU organisierte Demonstration habe drei Tage in Folge angedauert. Die Organisationen hätten sich im Herzen des Europaviertels versammelt, zwischen der Kommission und dem Rat der Europäischen Union, um eine klare Botschaft zu senden: Die Tiere können nicht länger warten. Der EU werfen sie vor, bedeutende Tierschutzreformen seit Jahren zu verschleppen.
Im Visier stünden Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sowie die Kommissare Christophe Hansen (Landwirtschaft und Ernährung), Olivér Várhelyi (Gesundheit und Tierwohl) und Maroš Šefčovič (Handel). Die Forderung sei, dass die Maßnahmen noch im Jahr 2026 umgesetzt werden – ohne durch lange Übergangsfristen, Ausnahmeregelungen oder Argumente bezüglich wirtschaftlicher Auswirkungen entwertet zu werden. Zudem würden gleichwertige Standards auch für importierte Produkte verlangt.
Anhand der Zahlen der Europäischen Kommission beleuchtet L'Indipendente die gegenwärtige Lage: So gibt es in der EU etwa 401 Millionen Legehennen, von denen 35,7 Prozent – mehr als 143 Millionen – nach wie vor in Käfigen gehalten werden. Jeder Henne steht ihr Leben lang lediglich die Fläche eines A4-Blattes zur Verfügung, ohne dass sie ihre Flügel ausstrecken, Staubbäder nehmen oder sich frei bewegen kann.
Die Situation ist von Land zu Land unterschiedlich: Österreich hat Käfige bereits verboten, Luxemburg ist vollständig käfigfrei und Deutschland steht kurz vor dem Abschluss des Ausstiegs. In Polen und Spanien werden jedoch noch etwa 60 Prozent der Hennen in Käfigen gehalten, während dieser Anteil in Malta sogar auf 99 Prozent steigt. Laut dem jüngsten Eurobarometer halten es neun von zehn Europäern für wichtig, das Wohl von Nutztieren zu schützen, und 84 Prozent wünschen sich eine Stärkung dieses Schutzes.
In der Schweiz ist die Käfighaltung bei Legehennen hingegen bereits seit 1992 verboten. Es war damals das erste Land weltweit, das diesen Schritt vollzogen hat.
RKI: Fast 23.000 Todesfälle durch akute Atemwegserkrankungen im Berichtsjahr 2025/2026
Im vergangenen Berichtsjahr 2025/2026 wurden in Deutschland laut dem Robert Koch-Institut (RKI) rund 180 Millionen akute Atemwegserkrankungen verzeichnet, darunter Influenza, «COVID-19», Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV), Rhinoviren und saisonale Coronaviren, wie das Deutsche Ärzteblatt berichtet. Das Berichtsjahr erstreckt sich dabei von der 21. Kalenderwoche bis zur 20. Kalenderwoche des darauffolgenden Jahres.
Demnach wurden bei Kleinkindern im Durchschnitt 4,6 akute Atemwegserkrankungen (ARE) registriert, bei Erwachsenen ab 60 Jahren 1,3. 37 Millionen Mal wurde aufgrund einer ARE ein Arzt aufgesucht. Etwa 429.000 Fälle erforderten eine stationäre Behandlung in einer Klinik, wovon 22.700 zum Tod führten. Das Deutsche Ärzteblatt stellt fest:
«Trotz dieser Bilanz ordnet das RKI die Wintersaison 2025/26 insgesamt als moderat ein. Auf Bevölkerungsebene sowie im ambulanten und stationären Bereich wurden weniger Erkrankungen als in den beiden vorherigen Wintersaisons beobachtet. Auch die Höchstwerte blieben unter denen der Vorsaisons. Der Höhepunkt der Atemwegserkrankungen lag Ende Januar beziehungsweise Anfang Februar 2026 und fiel mit dem Höhepunkt der Grippewelle zusammen.»
Dem RKI zufolge begann die Grippewelle Ende November 2025 und dauerte 15 Wochen. Im Zusammenhang mit Influenza- und RSV-Infektionen starben laut dem Institut schätzungsweise 16.000 Menschen, im Gegensatz zu 19.000 im Vorwinter. Meistens waren Menschen ab 85 Jahren betroffen. Die beiden Erreger ließen sich dabei nicht getrennt zuordnen.
Was «COVID-19» betrifft, gab es gemäß RKI 138.930 «laborbestätigte» Fälle. 55 Prozent davon seien 60 Jahre alt oder älter gewesen. Von allen Fällen seien 50.484 (58 Prozent) hospitalisiert worden. Davon seien wiederum 76 Prozent 60 Jahre oder älter gewesen.
An das RKI seien 1.827 Todesfälle «mit labordiagnostisch bestätigter SARS-CoV-2-Infektion» übermittelt worden. Vorwiegend seien davon die Altersgruppen der ab 80-Jährigen (66 Prozent) und der 60- bis 79-Jährigen (30 Prozent) betroffen gewesen. Der Anteil dieser Todesfälle in der Altersgruppe bis 34 Jahren habe bei weniger als einem Prozent gelegen. Das RKI konstatiert:
«In den Saisons 2024/25 und 2025/26 konnten über die Übersterblichkeitsanalyse keine Übersterblichkeiten überzeugend mit COVID-19 in Verbindung gebracht werden.»
Auf dem Weg zur Totalüberwachung im Verkehr: Neue Multifunktions-Blitzer filmen selbst Intimzonen im Autoinneren
Auf Europas Straßen wird die Verkehrsüberwachung spürbar schärfer. Moderne Blitzeranlagen erfassen nicht mehr nur Raser, sondern gleichzeitig Handynutzung am Steuer, fehlende Sicherheitsgurte und Abstandsverstöße. Das berichtet das Portal Techbook.
Besonders weit ist man in Sachen Überwachung in Frankreich. Seit diesem Jahr kommen dort sogenannte Verhaltensblitzer (radars comportementaux) zum Einsatz. Sie sollen Handy-«Sünder», Gurtmuffel und Drängler automatisch erkennen. Für jeden dieser Verstöße drohen 135 Euro Bußgeld sowie Punkte im Fahreignungsregister. Bis zum Jahr 2028 will das Land die Zahl der Anlagen von derzeit rund 600 auf 1.700 ausbauen, wie Computer Bild schreibt.
Zusätzlich verschärft Frankreich die Sanktionen bei Handynutzung am Steuer: Seit Anfang Oktober können Behörden landesweit den Führerschein für 15 Tage bis zu sechs Monate suspendieren – zusätzlich zu den 135 Euro und drei Punkten. Das vermeldet heute The Local France. Zuvor hatte es bereits Pilotprojekte in einzelnen Départements gegeben.
In Polen und Tschechien sind vergleichbare Multifunktions-Systeme bereits im Einsatz. Der französische Hersteller Idemia liefert etwa den Mesta Fusion RN, der bis zu acht Fahrspuren und 32 Fahrzeuge gleichzeitig überwachen kann. Polen hat zudem die Regeln massiv verschärft: Wer auf bestimmten Land- oder Nationalstraßen mehr als 50 km/h zu schnell fährt, riskiert den sofortigen Führerscheinentzug. Allein 2025 wurden dort nach Behördenangaben über 72.000 Führerscheine eingezogen.
Deutschland hinkt bei den Multifunktions-Anlagen hinterher. Hier dominiert weiterhin die MonoCam, ursprünglich in den Niederlanden entwickelt. Sie filmt von Brücken aus den Innenraum vorbeifahrender Fahrzeuge und filtert mit Künstlicher Intelligenz verdächtige Aufnahmen von Handynutzung heraus. Über ein Bußgeld entscheidet jedoch immer noch ein Beamter. Derzeit drohen 100 Euro und ein Punkt in Flensburg.
Rheinland-Pfalz setzt die Technik seit 2025 landesweit ein; eine bundesweite Rechtsgrundlage fehlt weiterhin. Aktuell läuft im Rahmen der ROADPOL-Aktionswoche vom 5. bis 11. Oktober 2026 eine verstärkte Kontrollkampagne gegen Ablenkung am Steuer, bei der auch MonoCams zum Einsatz kommen können.
Bereits im April hatten wir kritisch auf die Entwicklung hingewiesen, indem wir sogenannte «Crotch Cams» oder «Genitalienkameras» zum Thema gemacht haben – KI-Systeme wie die von Acusensus, die gezielt in den Schoß- und Oberschenkelbereich der Fahrer filmen, um Handy- und Gurtverstöße zu erkennen. Ein schleichender Ausbau des Überwachungsstaats ist hier nicht zu übersehen – mit anlassloser Datenerhebung und dem Risiko, dass die Technik vor allem Einnahmen generiert und Daten sammelt. Der Datenschutzbeauftragte Thomas Fuchs aus Hamburg warnte:
«Durch das MonoCam-System würden zusätzlich auch anlasslos Daten von Autofahrern erhoben, die sich nichts zuschulden haben kommen lassen. Darüber hinaus können auf den Aufnahmen unbeteiligte Personen, etwa Beifahrende oder andere Verkehrsteilnehmende, sichtbar sein. Diese Daten müssten frühzeitig gelöscht werden.»
Die aktuellen Entwicklungen in Europa lassen derlei Warnungen berechtigt erscheinen. Die Technik wird breiter ausgerollt und erfasst immer mehr Verstöße. Gleichzeitig berichten Behörden und Hersteller von spürbaren Verhaltensänderungen. Acusensus-Systeme, die in Großbritannien (Devon & Cornwall, Sussex, Greater Manchester) und den USA im Einsatz sind, sollen an überwachten Stellen Rückgänge bei Handy- und Gurtverstößen um 50 bis 83 Prozent bewirkt haben. In manchen Pilotprojekten stiegen die Aufdeckungsraten auf das Sechs- bis Neunfache im Vergleich zu klassischen Kontrollen (siehe etwa hier und hier).
Unabhängige, groß angelegte Studien zur tatsächlichen Reduktion von Unfällen und Todesfällen fehlen jedoch weitgehend. Kritiker wie der Verkehrsforscher Jon Padfield verweisen weiterhin auf alternative Maßnahmen wie Rumble Strips, also in den Straßenbelag eingefräste oder aufgesetzte Rillen und Erhebungen, die beim Überfahren Vibrationen und laute Geräusche erzeugen, um abgelenkte oder müde Fahrer zu warnen, oder Fußgängerinseln, die Unfälle ohne zusätzliche Überwachung reduzieren.
Noch schärfer formuliert es Terry O'Gorman, australischer Bürgerrechtsanwalt und Vizepräsident des Queensland Council of Civil Liberties. Er meint:
- Die Kameras erfassen manchmal quasi-intime Bilder (Nacktheit, Unterwäsche oder private Momente), da Menschen im Auto in unterschiedlichen Bekleidungszuständen unterwegs sind. Das Autoinnere gilt für die meisten als privater Raum. Es besteht die Gefahr, dass Mitarbeiter der Behörden solche intimen oder anzüglichen Bilder speichern und für private Zwecke nutzen («electronic bottom drawer» – ein elektronischer Geheimschubkasten), wenn sie gelangweilt sind. Es gibt historische Fälle, in denen Personen mit Zugang zu privaten Bildern diese missbräuchlich aufbewahrt haben.
- Damit intime oder quasi-intime Bilder nicht gesammelt und missbraucht werden können, müsse es absolut sichere Datenschutzschutzmaßnahmen geben.
- Fotos von Frauen sollten nur von weiblichen Mitarbeitern angesehen werden dürfen oder können.
Ähnliche Bedenken hatten bereits frühere Privacy Commissioner in Australien und Datenschützer in Deutschland geäußert: Die anlasslose Dauerüberwachung auch unbescholtener Autofahrer und Beifahrer sei ein erheblicher Eingriff in die informationelle Selbstbestimmung.
BND-Chef sieht angebliche Gefahr eines gewaltsamen Konflikts mit Russland
Der Präsident des Deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND), Martin Jäger, sieht die Gefahr einer gewaltsamen Konfrontation Deutschlands mit Russland. In einer öffentlichen Anhörung vor dem Parlamentarischen Kontrollgremium des Deutschen Bundestags sprach er von einer angeblich «neuen und gefährlicheren Qualität».
Er begründete dies wieder mit dem Vorfall am Leipziger Flughafen, auf dem Anfang August in der Nähe von ukrainischen Frachtmaschinen zwei mit Sprengstoff beladene Drohnen entdeckt worden sein sollen. Die deutsche Bundesregierung macht dafür die russischen Geheimdienste verantwortlich. Jäger sprach in diesem Zusammenhang von einem «Schattenkrieg Russlands».
Die deutsche Bundesregierung heizt die Spannungen mit Moskau seit Jahren an, indem sie die Ukraine unter anderem mit Waffenlieferungen unterstützt und Russland verbal angreift.
Deutsche Autoindustrie rutscht tiefer in die Krise
Die Krise in der deutschen Autoindustrie verschärft sich. Laut Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts hat sich die Stimmung in der Branche deutlich verschlechtert. Die Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage deutlich pessimistischer als im Juli, als sie einen bisherigen Tiefstand des Jahres 2026 erreicht hatte.
Die Erwartungen waren schon im August drastisch gesunken und verharrten im September auf niedrigem Niveau. Diese Krisenstimmung ist an vielen Indikatoren zu erkennen. Am meisten erschweren ausufernde Bürokratie, hohe Energiepreise und steigende Steuern das Geschäft. Zuletzt hatte Volkswagen mit weitgreifenden Sparmaßnahmen für Schlagzeilen gesorgt.
Um auf die Krise zu reagieren, kündigte der Automobilhersteller einen Großteil seiner Haustarifverträge. Insgesamt sollen in den kommenden Jahren weltweit 50.000 Stellen gestrichen werden.
Hackerangriff in Dänemark: 8,8 Millionen Bürger betroffen
In Dänemark haben Unbekannte das zentrale Melderegister gehackt und Zugriff auf Daten von 8,8 Millionen Bürgern erhalten. Wie die Digitalministerin Christina Egelund mitteilte, verschafften sich die Angreifer Zugang zu Namen, Adressen und den Sozialversicherungsnummern. Nach ihren Worten handelt es sich um einen «äußerst schwerwiegenden Vorfall». Laut Egelund wird er nun gemeinsam mit den Behörden untersucht.
Das zentrale Melderegister speichert Daten von elf Millionen Menschen. Neben den derzeit lebenden und in Dänemark ansässigen Personen umfasst es auch Informationen über Verstorbene sowie Bürger, die das Land verlassen haben. Von dem Datenleck nicht betroffen sind offenbar Menschen, die unter Adress- und Namensschutz stehen.
Vor rund einem Jahr hatten Hacker bereits die Internetseiten mehrerer dänischer Regierungsbehörden sowie eines Rüstungsunternehmens angegriffen. Dafür wurde wie so oft Russland verantwortlich gemacht.
Geschichte von unten
Transition News: Herr Henkelmann, vor kurzem ist Ihr Buch «Erinnerung an eine Ausnahmezeit – Zeitzeugen der Corona-Jahre» erschienen, mit Interviews, die Sie zwischen 2021 und 2023 geführt haben. Was ging in Ihnen vor, als Sie sich diese Gespräche mit einiger Zeit Abstand noch einmal durchgelesen haben?
Hannes Henkelmann: Durch den zeitlichen Abstand kommen mir diese Geschehnisse so unwirklich vor – das geht sicher vielen Menschen ähnlich. Ich bin wirklich froh, dass es diese Interviews gibt, denn wenn ich sie lese, ist die Zeit wieder unheimlich schnell präsent.
Was macht diese Erlebnisse so unwirklich?
Aus einer gewissen Distanz betrachtet, waren viele Maßnahmen sogar absolut schwachsinnig. Ich hätte nicht gedacht, dass man die Bevölkerung dazu bewegen kann, diesen Regeln zu folgen. Und was da alles passiert ist, das war so surreal. Die Interviews erinnern daran, wie es wirklich war.
Wie würden Sie die 48 Menschen beschreiben, die Sie in diesem Buch in Wort und Bild verewigt haben?
Alle besitzen eine gewisse Stärke und Klarheit und haben deutlich gemacht: «Bei der ganzen Chose mache ich niemals mit.» Und so haben sie auf unterschiedliche Weise Widerstand geleistet. Die einen ganz offen – sie konnten dann weitere Sanktionen erleben – und andere wiederum hielten in ganz kleinem Rahmen dagegen.
Christian Vetter; Foto: Hannes Henkelmann
Wie zum Beispiel Christian Vetter – er ist Autist –, der Jens Spahn zur Rede stellte. Er baute sich vor dem damaligen Gesundheitsminister auf und sagte, «ich möchte, Herr Minister, dass Sie mir einige Fragen beantworten». Nur wurde Vetter daraufhin von der Polizei weggezerrt.
Oder Monika Ril, eine ältere Frau mit einer schmalen Rente. Ihre Form des Widerstandes war es, kleine Zettel zu schreiben und diese zum Beispiel am Geldautomaten oder in fremden Fahrradkörben liegen zu lassen.
Monika Ril; Foto: Hannes Henkelmann
Wie haben Sie Ihre Gesprächspartner gefunden?
Da möchte ich einiges vorwegschicken: Ich habe nur Menschen interviewt, deren Erlebnisse mich persönlich interessiert und berührt haben. Die meisten Interviews sind in der Wochenzeitung Demokratischer Widerstand erschienen. Niemand hat mir dort reingeredet oder mich zensiert. Das war natürlich ideal, so arbeiten zu können.
In den Interviews wird wirklich deutlich, wie unterschiedlich Menschen, die sich selbst treu geblieben waren, mit dem «Corona»-Regime umgingen. Jede Geschichte ist einzigartig. So wie der erste Satz im Roman «Anna Karenina» von Leo Tolstoi – sinngemäß: Im Glück sind alle Familien gleich und im Unglück unterscheidet sich jede Familie von der anderen.
Und genauso war das hier auch. Jeder ist auf seine Art damit umgegangen. Die Gärtnerin Dorothee zum Beispiel hatte an ihrem Kühlschrank eine Karte mit dem Spruch: «Wir können nicht alle Che Guevara sein, einer muss auch Kartoffeln schälen.» Da dachte ich sofort, mit ihr mache ich ein Interview, denn die Überschrift habe ich damit schon. Und sie hatte auch wirklich Interessantes zu erzählen.
Die Gärtnerin Dorothee; Foto: Hannes Henkelmann
Oft habe ich auch Empfehlungen bekommen, wie den Kontakt zu einem Künstler-Ehepaar, die ein Hinterhoftheater in Essen betrieben. So kamen diese mutigen Menschen irgendwie in mein Leben. Jede Begegnung war etwas Besonderes für mich.
Welche Gespräche sind Ihnen besonders nahegegangen?
In dem Buch gibt es auch ein Interview mit einer angehenden Psychotherapeutin, die in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie arbeitete. Sie hat ihren damaligen Alltag geschildert und wie sehr Kinder gelitten haben. Der aufwühlendste Moment für mich war jedoch, als sie erklärte, dass früher Vierzehn- und Fünfzehnjährige in die Einrichtung kamen, wenn sie suizidal waren, dass es seit «Corona» aber schon zehn- und elfjährige Kinder gebe, die versucht hätten, sich umzubringen und dass damit in diesem Land etwas gehörig nicht stimmt.
Foto: Hannes Henkelmann
Und natürlich das Interview mit Sandra Griesel, die nach der ersten Impfung an Grünem Star erkrankte und sich seither darauf einstellen muss, zu erblinden. Zudem konnte sie sich nicht von ihrer sterbenden Mutter verabschieden, weil sie nicht zur ihr ins Heim durfte. Selbst bei der Beerdigung war das Ordnungsamt vor Ort und erlaubte nur zehn Besucher. Da Frau Griesel sage und schreibe neun Geschwister hat, war es Partnern, Enkelkindern oder sonstigen Freunden und Verwandten nicht gestattet, an der Trauerfeier teilzunehmen. Frau Griesels Kommentar:
«Ich vergesse nicht, ich vergebe nicht!»
Das alles zu hören, ging mir sehr nahe.
Sie sind bestimmt mit einigen Ihrer Interviewpartner noch in Kontakt. Können Sie etwas über deren weiteres Schicksal sagen? Wie geht es zum Beispiel Frau Griesel heute?
Sie ist eine der beeindruckendsten Frauen, die ich je getroffen habe. Die Chargennummer ihrer mRNA-Spritze gilt als sehr toxisch. Und trotz ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen hat sie eine kommunalpolitische Karriere gestartet. Sie ließ sich in Melle für die AfD aufstellen und ist tatsächlich auch in den Stadtrat gewählt worden. Sie kämpft weiter und will, solange sie sehen und gehen kann, gegen das Unrecht ankämpfen. Unglaublich, wie viel Energie sie hat.
Sandra Griesel; Foto: Hannes Henkelmann
Oder das Künstlerehepaar Isabel Katharina Sandig und Ralf Gottesleben: Die beiden haben ihr Theater in Essen verkauft, leben inzwischen in Dänemark und haben da ihr Glück gefunden.
Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie begonnen haben, für alternative Medien zu arbeiten?
Im Sommer 2020 habe ich überlegt, mit welchen Talenten ich dagegenhalten kann. Ich entschied mich, die Proteste mit Fotos zu dokumentieren. Schon auf meiner ersten Großdemo am 29. August 2020 in Berlin gelang das sehr gut. In nur zwei Tagen schoss ich achtzig ausdrucksstarke Bilder, die kurz danach in meinem ersten Bildband erschienen.
Die damalige Verlegerin konnte Anselm Lenz vom Demokratischen Widerstand für das Vorwort gewinnen, und so kam es, dass ich Kontakt zu dieser Wochenzeitung bekam. Später übernahm ich die Rubrik «Alltagsinterviews», in der ich Menschen, deren Meinung im Mainstream nicht vorkam, eine Stimme gab. Dabei ist auch meine Erfahrung als gelernter Sozialarbeiter sehr nützlich gewesen.
Dieses alternative Medium gibt es inzwischen nicht mehr. Was machen Sie heute?
Im Dezember 2025 habe ich einen Bildband mit meinen besten Demo-Fotos im Eigenverlag herausgebracht – Titel: «Widerstand beginnt auf dem Asphalt». Und ich biete Bildervorträge an. Es macht mir Spaß, diese Vorträge zu halten, aus meinem Leben als Schwurbler und von den Geschichten hinter den Bildern zu erzählen. So komme ich in ganz Deutschland herum und sehe, aus wie vielen kleinen Gruppen die außerparlamentarische Opposition eigentlich noch besteht – nachdem die große Bewegung leider zersetzt worden ist.
Sie gehören selbst zu den kritischen Zeitzeugen. Wie würden Sie die Jahre der Scheinpandemie beschreiben?
Vor 2020 war die Gesellschaft ja auch schon gespalten. Aber da waren die kontroversen Themen, wie der Putsch in der Ukraine, eher so ein intellektuelles Ding. Wir haben uns gestritten, aber ohne die Freundschaft in Frage zu stellen. «Corona» hat die Auseinandersetzungen aber auf eine gefühlsmäßige und außerdem angstbesetzte Ebene gebracht. Und es war so perfide inszeniert, dass die lebhaften Diskussionen oft in Spaltung endeten. Das hätte ich nie für möglich gehalten.
Nun habe ich wirklich Mühe, mit meinen alten Freunden wieder zueinander zu finden. Ich musste mich entscheiden: Bestehe ich auf eine Entschuldigung für als die Beleidigungen und die Ausgrenzung oder will ich den Kontakt wieder langsam aufbauen? Ich habe mich für die zweite Variante entschieden.
Inzwischen ist «Corona» kein Thema mehr im Mainstream, denn mit Putin und dem Ukrainekrieg wurde ein neues Fass aufgemacht – omnipräsent und brandgefährlich. Die Propaganda sorgt dafür, dass wir jeden Tag unter Stress und unter Angst gehalten werden. Dazu der wirtschaftliche Niedergang. Der Druck steigt überall. Egal, wen man trifft, alle klagen.
Das heißt, der Druck und die Angst halten an?
Klar. Wenn man mit offenen Augen und Ohren durch die Welt geht, kann man nur konstatieren, dass die Stimmung gereizt und das Gros der Leute genervt ist. Wenn 25 Prozent aller Familien nicht mehr wissen, wie sie ihre Grundbedürfnisse finanzieren sollen, während die Regierung zeitgleich neue Schulden macht und auf Kriegswirtschaft umstellt, dann lässt das wenig Raum für Optimismus.
Welche gesellschaftlichen Umbrüche können Sie in Ihrer Heimat – Sie leben in Deutschland – sonst noch feststellen?
Sorgen muss man sich um alle Altersgruppen machen. Den jungen Menschen wurden während der sogenannten Pandemie zwei Jahre ihrer Jugend und ihrer Entwicklung geraubt. Mit dem Ergebnis, dass der Therapiebedarf bei den älteren Jugendlichen um 80 Prozent gestiegen ist. Die Therapieplätze sind überfüllt, Wartelisten lang, aber genau da will die Regierung wieder kürzen. Statt auf die Couch geht es wohl demnächst zur Bundeswehr. Stichwort Wehrpflicht. Das erinnert mich wieder an das alte Shakespeare-Zitat: Wir sind eine Gruppe von Blinden angeführt von Verrückten.
Die Menschen schimpfen, dass sich nichts verändert, aber bekommen selbst den Arsch nicht hoch. Sie können es irgendwie nicht fassen und kommen trotzdem nicht in den Widerstand. Es ist wirklich eine ganz seltsame Stimmung.
Genau genommen werden die Lebensbedingungen für die einfache Bevölkerung seit 30 Jahren immer schwieriger. Nichts hat sich für sie verbessert. Aber die Regierung und die Massenmedien präsentieren ihnen immer einen Schuldigen: Erst die Querdenker, dann die Ungeimpften, Trump, Putin, die Mullahs im Iran und jetzt die AfD.
Ihr Buch dient der Erinnerung. Es ist Geschichte von unten. Was muss passieren, damit diese Geschichte aufgearbeitet werden kann?
Diejenigen, die das entscheiden können, sind zum Teil doch die Täter von damals – die werden aber kaum gegen sich selber ermitteln. Die Enquete-Kommission ist ein Haifisch ohne Zähne. Wir brauchen einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss, aber dafür gibt es eben im Moment noch keine Mehrheit. Aber wir geben nicht auf.
Das Interview führte Sophia-Maria Antonulas.
Europäischer Statistikwettbewerb für Schüler riecht in Deutschland nach Indoktrination
Die Abkürzung «ESC» steht nicht nur für «Eurovision Song Contest», sondern seit ein paar Jahren auch für «European Statistics Competition». Mit Staats- und Mainstream-Medien – und daher auch mit Propaganda – haben allerdings beide Ausscheide etwas zu tun.
Der Statistikwettbewerb wird jährlich vom europäischen Statistikamt Eurostat veranstaltet und ist nach offizieller Lesart eine Initiative zur Förderung der Statistikkompetenz von Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe. Es gibt eine nationale und eine europäische Phase; Erstere wird von den nationalen statistischen Instituten der Teilnehmerländer organisiert.
In Deutschland hat das Statistische Bundesamt (Destatis) gerade über den Start der diesjährigen Konkurrenz informiert. Während das Ziel laut Eurostat ist, «die Schüler zu ermutigen, sich mit Statistiken und offiziellen statistischen Quellen vertraut zu machen», geben die Deutschen ihrem eigenen Süppchen etwas mehr Würze. Wir lesen:
«Angesichts steigender Desinformation hat sich der Wettbewerb in diesem Jahr zum Ziel gesetzt, neben Datenkompetenz auch die Nachrichtenkompetenz junger Menschen zu fördern, um manipulative Inhalte besser zu erkennen. Die Schülerinnen und Schüler lernen Informationen zu hinterfragen und einzuordnen, zuverlässige Quellen zu erkennen und aus Daten eigene Erkenntnisse abzuleiten.»
Nun wäre das an sich schön, denn in der Tat sind dies wichtige Fähigkeiten. Leider muss an dieser Darstellung der Zielsetzung gezweifelt werden. Unschwer erkennbar stecken darin beliebig definierbare Begriffe, mindestens «Desinformation» und «zuverlässige Quellen». Im Fall der deutschen ESC-Teilnahme werden sie von wenig neutralen Organisatoren mit Inhalt befüllt.
Partner der deutschen Bundesoberbehörde sind dieses Jahr der Verein «Journalismus macht Schule» und die Bildungsinitiative «Spreuweizen». Beide sollen angeblich helfen, die «Fähigkeit zur Faktenüberprüfung» der Jugendlichen zu verbessern.
Der Journalismus-Verein beschreibt sich selbst als «bundesweite Initiative zur Stärkung von Nachrichten- und Informationskompetenz». Man wolle den Schülern «zeigen, wie journalistische Arbeit funktioniert und warum sie für eine demokratische Gesellschaft so wichtig ist». In Vorstand und Kuratorium unterstützen dabei zum Beispiel Vertreter von ARD, SWR, RBB, Zeit, FAZ, SZ, DJV und Correctiv. Auch Christian Drostens Co-Autor des «Pandemie-Gesprächs», der ehemalige Spiegel-Chefredakteur Georg Mascolo, ist mit von der Partie.
Die Bildungsinitiative Spreuweizen behauptet, jungen Menschen dabei zu helfen, «in der Flut von Fälschungen und Fakten den Durchblick zu behalten». Man stärke «die Medienkompetenz» und vermittle Medien, Journalismus und Politik spielerisch. Gegen «Desinformation» wappnet man sich und andere durch einen Rückgriff auf die «Kompetenz» der Weltgesundheitsorganisation (WHO):
«Die Weltgesundheitsorganisation warnt vor einer globalen Bedrohung: der Infodemie. (...) Dieses Phänomen wurde erstmals im Zuge der weltweiten Corona-Pandemie beobachtet und benannt, lässt sich jedoch auf verschiedene komplexe und emotionale Themen übertragen: Migration und Flucht, Krieg, Klimawandel, Gesundheit und Medizin, Geschlechtergerechtigkeit.»
Damit ist der ideologische Rahmen für den deutschen Statistik-Nachwuchs abgesteckt. Wenn sich eine Bundesbehörde, der ÖRR und andere Mainstream-Medien, ein Journalistenverband, der zu den illegalen EU-Sanktionen gegen Journalisten schweigt, sowie sogenannte «Faktenchecker» mit vereinten Kräften um die Informationskompetenz von Jugendlichen bemühen, was soll da schon schiefgehen?
Bei der Beurteilung, ob Destatis selber eine «zuverlässige Quelle» ist, sowie beim Hinterfragen und Einordnen der Informationen, um gegebenenfalls manipulative Inhalte zu erkennen, könnte auch Marcel Barz behilflich sein. Der Wirtschaftsinformatiker und Datenspezialist konnte bereits 2021 in den offiziellen Rohdaten des Statistischen Bundesamtes keine «Pandemie» finden.
Später setzte sich der «Erbsenzähler» mit der Behörde auseinander, um darauf hinzuweisen, dass man dort eine unzulässige Modellrechnung anwende, um Sterbedaten zu vergleichen. Ohne altersstandardisierte Zahlen würde man vor allem die Überalterung der Bevölkerung aufzeigen. Entgegen der irreführenden Darstellung von Destatis sei das «Corona-Jahr» 2020 bezüglich der Sterblichkeit vollkommen unauffällig gewesen.
Dieser Fehler sei jedoch nie korrigiert worden, so Barz, und werde von den meisten Medien weiter abgeschrieben. Eine Korrektur würde am großen Corona-Narrativ rütteln, denn nur durch die Destatis-Methode habe man 2020 in den Daten eine Übersterblichkeit und damit eine «Pandemie» (er)finden und Hysterie produzieren können. Heute engagiert sich Barz in mehreren Gremien zur «Corona-Aufarbeitung» und plädiert für die Arbeit mit harten Zahlen.
Die deutsche ESC-Organisation riecht dagegen nach Manipulation, Indoktrination und weiterer Vertuschung. Die vorgesehene «Betreuung» der Schüler dürfte kaum das eigene kritische Denken fördern. Vielmehr könnte sie dazu beitragen, dass auch die nächste Generation wenige unbotmäßige Fragen aufwirft und die «richtigen» Erkenntnisse gewinnt. Genau das mag hier das Ziel sein.
Von Nord Stream zur «Straße von Trump»: Washingtons Plan zur Deindustrialisierung Europas
Mehr als einmal haben wir dargelegt, dass die eigentliche Ursache der aktuellen großen geopolitischen Krise in der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit der Hegemonialmacht der Ära nach dem Fall der Berliner Mauer auf den Weltmärkten zu suchen ist: den Vereinigten Staaten von Amerika.
Diese mangelnde Wettbewerbsfähigkeit ist nicht nur dem Auftauchen neuer Akteure geschuldet, die in der Lage sind, die USA auf industrieller und wissenschaftlicher Ebene herauszufordern – allen voran China. Dessen Aufstieg wurde im Übrigen durch die Entscheidung des Westens begünstigt, einen Großteil der eigenen Produktion ins Reich der Mitte zu verlagern. Ziel war es, das enorme Reservoir an billiger menschlicher Arbeitskraft zu nutzen und so sowohl die direkten Gewinne (Unternehmensgewinne) als auch die indirekten Profite drastisch zu steigern (sprich: als Katalysator für jene riesige Fabrik synthetischer Dollars namens Wall Street zu dienen).
Das Kalkül der USA erwies sich auf lange Sicht als katastrophaler Fehlschluss: China beschränkte sich nicht darauf, billige Arbeitskräfte zu stellen, sondern nutzte die Chance, den Rückstand zum Westen in Forschung, Technologie und Industrie aufzuholen – und mit der Zeit auch im Finanzsektor sowie folglich auf politischer und militärischer Ebene. Kurzum: Die Vereinigten Staaten haben sich den Konkurrenten, der sie im Machtgefüge der Weltpolitik nun auf einen nachgeordneten Platz verweist, im eigenen Schoß herangezogen.
Damit nicht genug. In seiner Risikobereitschaft – getrieben von dem Glauben, dass nach dem Fall der Berliner Mauer das «Ende der Geschichte» erreicht sei – schuf Washington weitere Konkurrenten, die sich als verhängnisvoll erwiesen. Allen voran die Unterzeichnerstaaten des NAFTA-Abkommens, des nordamerikanischen Binnenmarktes: Mexiko und Kanada gelang es, den USA Millionen von Arbeitsplätzen zu entziehen.
Aber auch Europa (insbesondere nordeuropäische Staaten, allen voran Deutschland) nutzte die Globalisierung, um den US-Markt zu erobern – gestützt auf den Wettbewerbsvorteil, den die Russen den Europäern durch spottbillige Energie und Rohstoffe verschafften. Und schließlich die ostasiatischen Staaten Japan, Südkorea und Taiwan, die dank ihrer enormen Innovationskraft den USA im Hochtechnologiesektor, angefangen bei den Mikroprozessoren, Konkurrenz machten.
Dieser Welle der Deindustrialisierung, begleitet von einer faktischen Kolonisierung der eigenen Märkte, trat Washington einerseits durch die krampfhafte Suche nach technologischer Innovation entgegen – vor allem im IT-Bereich (man denke an das Silicon Valley) –, andererseits durch skrupellose Finanzmanöver wie die Blase der sogenannten Subprime-Hypotheken, die 2008 dramatisch platzte und eine globale Finanzkrise auslöste.
Gerade der Ausbruch der Weltfinanzkrise von 2008 machte es den USA unmöglich, die alte Praxis fortzusetzen, den Staub unter den Teppich zu kehren – oder anders gesagt: die vollständige industrielle Wüstenbildung hinter der Fähigkeit der Wall Street (und der FED) zu verbergen, das System mit Dollars zu überschwemmen und so die Kauf- und Konsumkraft der US-Amerikaner künstlich aufzublähen. Um die Großbanken der Wall Street zu retten, musste sich der Bundesstaat bis dahin unvorstellbar hoch verschulden, was eine Schulden-Zins-Spirale italienischer Prägung in Gang setzte. Ganz zu schweigen vom Hauptproblem: Die Staatsfinanzen (Handelsbilanz, Leistungsbilanz und Nettoauslandsvermögen) gerieten völlig außer Kontrolle.
An diesem Punkt beschloss Washington, einzugreifen, um das Problem an der Wurzel zu packen. Der erste US-amerikanische Vorschlag war, das muss man sagen, durchaus vernünftig und friedlich: die Unterzeichnung der Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP). Ein Abkommen, das klar die Aufgabe hatte, die Handelsbilanz zwischen den USA und der EU und längerfristig auch die Leistungsbilanz wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Europa lehnte starrköpfig ab – woraufhin die US-Amerikaner zu härteren Methoden griffen.
Mit Hilfe osteuropäischer Vasallen (allen voran Polen) zettelten sie einen Staatsstreich in der Ukraine an und provozierten Russland so lange, bis es zu einer Invasion in der Ukraine gezwungen war. Diese Verkettung von Ereignissen, die in einen Großkonflikt mündete, zwang die EU dazu, verheerende Sanktionen gegen Russland (und damit gegen sich selbst) zu verhängen und sich finanziell auszuquetschen, um Kiew im Kampf zu unterstützen. Sanktionspaket um Sanktionspaket drehte die EU so die russische Energiequelle endgültig zu, die mittlerweile ohnehin fast vollständig von China absorbiert wird.
Dass eines der Hauptziele dieser von den USA ausgelösten geopolitischen Krise darin besteht, Europa zu deindustrialisieren und in der Folge einen Großteil der europäischen Industrie in den USA anzusiedeln, liegt auf der Hand. Die USA nutzen dabei ihre dynamischere Wirtschaft und vor allem die deutlich niedrigeren Energiekosten im Vergleich zu Europa aus. Mit dem Amtsantritt von Joe Biden in Washington wurde zudem der sogenannte Inflation Reduction Act verabschiedet – das größte Anreiz- und Investitionspaket, das jemals in den USA aufgelegt wurde, im Wert von rund 370 Milliarden Dollar. Ein üppig gedeckter Tisch, der gezielt Investitionen aus dem Ausland, insbesondere aus Europa, anlocken sollte.
Die EU reagierte umgehend mit dem Net-Zero Industry Act und dem Critical Raw Materials Act, um Bürokratie abzubauen und Anreize zu schaffen, mit dem Ziel, eine Kapitalflucht in die USA zu verhindern. Unter der Oberfläche führen die USA und Europa seit Jahren einen lautlosen, schonungslosen Krieg: Auf europäischer Seite geht es darum, das immense industrielle Erbe und damit den Wohlstand aus der Ära der postkommunistischen Globalisierung zu bewahren; auf US-amerikanischer Seite darum, sich auf Kosten Europas zu reindustrialisieren.
Dass dies eines der großen Ziele der USA ist, zeigen auch die unzähligen Besuche von US-Delegationen in Europa, um europäische Unternehmer zur Abwanderung über den Atlantik zu bewegen. Man denke etwa an die Gouverneurin von Michigan, Gretchen Whitmer, die mehrfach Delegationen nach Europa (unter anderem nach Frankreich und Deutschland) anführte, um Unternehmen aus den Bereichen Luft- und Raumfahrt, Verteidigung und Automobilbau anzuwerben. Aber auch Delegationen aus Georgia, Ohio, Indiana und South Carolina führten gezielte «Rekrutierungsmissionen» durch, insbesondere nach Deutschland und Italien, wobei sie offen mit den im Vergleich zum Nach-Krisen-Europa viel niedrigeren Energiekosten in den USA warben.
Ein weiteres eklatantes Beispiel für diesen Versuch eines «industriellen Raubzugs» ist die Niederlassung von Wirtschaftsförderungsagenturen der US-Bundesstaaten in Europa. Ihr Ziel ist es, strauchelnde europäische Unternehmen abzufangen, indem sie spottbilliges Bauland, null Bürokratie und drastisch niedrigere Energiekosten bieten.
Mit der Krise im Persischen Golf, die durch die im Februar dieses Jahres begonnenen US-Bombardierungen im Iran ausgelöst wurde, dürfte dieser verdeckte Krieg zwischen den USA und Europa weiter eskalieren. Durch die Blockade der Straße von Hormus und die partielle Blockade der Meerenge von Bab al-Mandab wurde der ständige Strom von Öl- und Gastankern aus dem Golf nach Europa und Ostasien unterbrochen. Dies führt einerseits zu drastischen Preissteigerungen und erzeugt andererseits massive Versorgungsunsicherheiten in den hochindustrialisierten Staaten.
Außerdem haben die Angriffe der jemenitischen Ansar-Allah-Rebellen (Huthis) auf saudische Ölfelder und Raffinerien sowie Angriffe des Iran im gesamten Golfraum das Problem weiter verschlimmert. So kündigte Katar dieser Tage an, Gaslieferungen an seine Kunden (darunter Italien) unter Berufung auf höhere Gewalt («Force Majeure») vorübergehend auszusetzen.
Erschwerend kommt die ukrainische Strategie hinzu, russische Raffinerien und Treibstoffdepots gezielt anzugreifen, um dem eurasischen Giganten schwere Versorgungsprobleme zu bereiten. Die getroffenen Anlagen gehen mittlerweile in die Dutzende und die Schäden sind enorm. Dies zwang Putin dazu, ein Exportverbot für Treibstoffe zu verhängen; mittlerweile sind sogar Kasachstan und Belarus zu Treibstoffexporteuren nach Russland geworden – ein Zustand, der noch vor zwei Jahren undenkbar gewesen wäre.
In dieser langen, aber notwendigen Aufzählung dürfen weitere Ereignisse nicht vergessen werden: die vorsätzliche Sprengung der Nord-Stream-Pipeline, die russisches Gas direkt nach Deutschland transportierte und als verheerender Schlag gegen die europäische Energiesicherheit gewertet werden kann. Ebenso bedeutsam ist die aktuelle Nachricht über die Schließung der wichtigen libyschen Sarawiya-Raffinerie aufgrund der Instabilität durch bewaffnete Banden in der Region.
Wichtig ist jedoch die Erkenntnis, dass im Grunde alle europäischen Bezugsquellen für Gas, Öl und Treibstoff entweder als gefährdet oder bereits als abgeschnitten gelten müssen. Die einzige Quelle, die nicht nur offen, sondern auch sicher ist, ist die US-amerikanische. Sie ist mittlerweile nicht nur beim Gas, sondern auch beim Treibstoff von zentraler Bedeutung: Jüngsten Daten zufolge stieg der Anteil der Dieselimporte aus den USA von 29 Prozent im Jahr 2025 auf 42 Prozent im Jahr 2026.
In diesem Kontext wird deutlich, dass Trumps Aussage, die USA dächten über einen Stopp der Dieselexporte nach, weit mehr als eine bloße Ankündigung ist; für Europa stellt sie eine veritable existenzielle Bedrohung dar.
In dieser dramatischen Lage könnte ein Stopp der Dieselexporte sogar die gesamte Logistik zum Erliegen bringen oder bestenfalls einen verheerenden Inflationsschub auslösen. Vor allem aber würde es die klare Erkenntnis reifen lassen, dass der Alte Kontinent seine Energiesicherheit verloren hat – kaum anders, als es derzeit in Kuba geschieht oder vor einigen Jahren in Bangladesch der Fall war. Natürlich – und zu unserem Glück – sind wir im Vergleich zu den genannten Ländern wesentlich resilienter, aber der Schaden wäre dennoch immens.
Nur Naive könnten glauben, dass dieses riesige Puzzle, das hier geduldig gegen Europa zusammengesetzt wurde, dem Zufall entspringt: Nord Stream wurde von jemandem sabotiert; eine Konstellation von Satelliten steuert die ukrainischen Drohnen bis zu den sibirischen Raffinerien; und jemand hat den Iran bombardiert, der daraufhin die Schließung von Hormus erzwang. Das alles kann kein Zufall sein. Es ist die nächste Eskalationsstufe im verdeckten Konflikt zwischen Europa und den USA. Und es ist kein Zufall, dass es ausgerechnet die USA sind, die mit der Drohung eines Dieselexport-Stopps eine geladene Pistole auf den Pokertisch gelegt haben, um unmissverständlich klarzumachen, wer in diesem Spiel das Sagen hat.
So paradox es klingen mag: Trumps Glosse, in der er eine Karte des Persischen Golfs postete, auf der die Straße von Hormus in «Straße von Trump» umbenannt wurde, ist etwas sehr viel Ernsteres: Die vom Iran erzwungene Schließung der Meerenge kommt Trump in seiner Auseinandersetzung mit Europa wie gerufen.
Dieser Beitrag wurde mit freundlicher Genehmigung von l'AntiDiplomatico übersetzt und übernommen.
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Giuseppe Masala , geboren in Sardinien, hat einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften und spezialisierte sich auf «ethische Finanzen». Er hat unter anderem den preisgekrönten Roman «Una semplice formalità» («Eine reine Formalität») veröffentlicht, der auch in Frankreich unter dem Titel «Une simple formalité» erschienen ist.
Butscha: Der Westen hat gelogen
Nach dem 31. März 2026 begann ein zwanzigseitiger Bericht mit dem Titel «Heirs of Goebbels: Falsification of the Events in Bucha and Bloody Staged Performances of the Kiev Regime» in englischer Sprache zu zirkulieren («Die Erben von Goebbels: Fälschung der Ereignisse in Butscha und blutige Inszenierungen des Kiewer Regimes»). Unterzeichnet ist er vom «Internationalen Öffentlichen Tribunal zu den Verbrechen der ukrainischen Neonazis», einem Gremium unter dem Vorsitz von Maksim Grigorjew, das die Leser für den Volltext auf die Website der russischen Stiftung zur Erforschung der Demokratie verweist.
Die These wird bereits im Titel deutlich: Die Ereignisse in Butscha im März 2022 seien von der Ukraine mit Unterstützung westlicher Regierungen inszeniert worden – unter Anwendung einer Methode, die der Text mit der nationalsozialistischen Provokation in Gleiwitz im Jahr 1939 vergleicht.
Das Dokument verdient eine sorgfältige Lektüre gerade deshalb, weil es sich nicht auf ein einfaches Dementi beschränkt. Anders als die russischen Dementis vom April 2022 stützt es seine Argumentation auf überprüfbares ukrainisches Material: die Gedenktafeln am Mahnmal, militärische Nachrufe, lokale Gedenkstätten und Erklärungen der Präsidentschaft. Auf diesem Terrain muss die Diskussion geführt werden.
Die Frage, die ich hier stelle, ist enger gefasst als die des Berichts und – wie ich glaube – nützlicher: Wer steht tatsächlich auf der Gedenkwand von Butscha, in welcher Funktion? Und was passiert, wenn eine Kategorie des Gedenkens als rechtliche und statistische Kategorie verwendet wird? Die Antwort stellt sowohl diejenigen infrage, die das offizielle Narrativ konstruiert haben, als auch diejenigen, die es zu demontieren vorgeben.
Die Struktur ist einfach. Nach dem Verweis auf Gleiwitz führt der Text vier Methoden der Fälschung an, die die ukrainische Regierung angewendet haben soll: die Darstellung von im Kampf gefallenen Soldaten als Zivilisten; die Zuschreibung von durch ukrainischen Beschuss verursachten Todesfällen an Russland; die Zählung von an Krankheit gestorbenen älteren Menschen zu den Opfern; und die gezielte Tötung eigener Bürger vor laufenden Kameras. Das erklärte Ziel ist die offizielle Behauptung, das Mahnmal enthalte «509 Namen identifizierter Zivilisten» – eine Aussage, die der Bericht der Website der ukrainischen Präsidentschaft, dem Bürgermeister Anatolij Fedoruk, Euronews und den bei der Gedenkfeier am 31. März 2026 anwesenden europäischen Ministern zuschreibt.
Der Kern des Dokuments besteht aus einer Liste von etwa dreißig Namen, jeweils versehen mit einem Foto der Gedenktafel und häufig einem Ausschnitt aus einem ukrainischen Nachrichtenportal. Sie lassen sich in fünf Kategorien unterteilen. Die erste Kategorie umfasst Personen, die als Mitglieder von Asow oder nahestehenden Einheiten identifiziert wurden (…). Die zweite Gruppe besteht aus regulären Militärangehörigen (...). Die dritte Gruppe setzt sich aus Mitgliedern der Territorialverteidigung oder freiwilligen Einheiten zusammen (...). Die vierte Liste betrifft Zivilisten, die an feindseligen Handlungen teilgenommen haben sollen (...), und der fünfte Abschnitt listet Personen, die außerhalb der Stadt starben, sowie eine 68-jährige Frau, Halyna Semenjuk, die an Krebs starb.
Der Bericht verknüpft diese Liste mit zwei rechtlichen Referenzen, die sachlich korrekt sind: Artikel 51 Absatz 3 des Ersten Zusatzprotokolls, wonach Zivilisten ihren Schutz verlieren, wenn und solange sie unmittelbar an Feindseligkeiten teilnehmen, sowie einer erläuternden Note des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) zu demselben Grundsatz. Schließlich enthalten die Seiten 12–20 sechzehn Zeugenaussagen zu ukrainischen Bombardierungen «für die Kameras». Keine davon betrifft Butscha: Die Zeugen sprechen von Awdejewka, Ugledar, Torezk/Dserschinsk, Lissitschansk und Kurachowo bei Vorfällen aus den Jahren 2021 bis 2024. Der Übergang von diesem Material zu Butscha wird durch eine einzige explizite Aussage hergestellt: Die Praxis gezielter Tötungen «lässt den begründeten Schluss zu», dass dasselbe auch dort geschehen sei.
Der rechtliche RahmenDas humanitäre Völkerrecht definiert den Zivilisten ex negativo. Gemäß Artikel 50 des Ersten Zusatzprotokolls ist Zivilist jede Person, die nicht den Streitkräften im Sinne von Artikel 43 angehört – das heißt allen organisierten Streitkräften, Gruppen und Einheiten, die einem verantwortlichen Kommando unterstellt sind. In Zweifelsfällen gilt eine Person als Zivilist, und das Vorhandensein von Nicht-Zivilisten unter der Bevölkerung nimmt dieser nicht ihren zivilen Charakter. Ein Zivilist, der unmittelbar an Feindseligkeiten teilnimmt, bleibt Zivilist, verliert jedoch für die Dauer dieser Teilnahme den Schutz vor Angriffen.
Die Interpretationshilfe des IKRK stellt drei kumulative Voraussetzungen für eine solche Teilnahme auf (eine Mindestschwelle des Schadens, einen direkten Kausalzusammenhang und einen Bezug zu den Feindseligkeiten) und unterscheidet zwischen einem Zivilisten, der episodisch handelt, und einem Mitglied einer organisierten bewaffneten Gruppe mit einer kontinuierlichen Kampfrolle, das den Schutz für die gesamte Dauer dieser Rolle verliert.
Für den Fall Butscha gelten zwei zusätzliche Regeln. Die erste ist die levée en masse: Bewohner eines noch nicht besetzten Gebiets, die beim Herannahen des Feindes spontan zu den Waffen greifen, ohne Zeit gehabt zu haben, sich zu organisieren, sind rechtmäßige Kombattanten, wenn sie die Waffen offen tragen und die Kriegsgesetze beachten.
Die zweite Regel ist innerstaatlicher Natur. Das ukrainische Gesetz «Über die Grundlagen des nationalen Widerstands», das seit dem 1. Januar 2022 in Kraft ist, machte die Kräfte der Territorialverteidigung zu einem Bestandteil der Streitkräfte und etablierte die freiwilligen Formationen der Territorialgemeinschaften (DFTH) als paramilitärische Einheiten zur Territorialverteidigung. Nach dem humanitären Völkerrecht waren diejenigen, die diesen Strukturen angehörten, keine Zivilisten.
Es gibt jedoch einen Punkt, den der Bericht an keiner Stelle aufgreift. Die Feststellung, dass eine Person Kombattant war, sagt nichts darüber aus, wie sie gestorben ist. Ein Kombattant, der gefangen genommen wird, verwundet ist oder sich ergeben hat, ist hors de combat, und seine Tötung stellt ein Kriegsverbrechen dar.
Im Angesicht des InformationskriegsWestlichen Kommentatoren zufolge fehlt dem Bericht die Glaubwürdigkeit, weil er gewiss rechtliche Ungenauigkeiten enthält. Technische Fehler mögen vorhanden sein, den Blick auf das Nebensächliche zu lenken und das Wesentliche aus den Augen zu verlieren, ist ein kolossaler Fehler. In Butscha wurde das Verbrechen von den Ukrainern begangen, nicht von den Russen. Und es gibt ein scheußliches Verbrechen, das zu einem Propagandawerkzeug geworden ist – Teil eines Informationskriegs, der für den kollektiven Westen unerlässlich war.
Butscha stellte einen der entscheidenden Momente im Informationskrieg dar, der sich rund um den russisch-ukrainischen Konflikt entspann. Nach dem Abzug der russischen Truppen aus der Stadt wurden Bilder von Leichen auf den Straßen und vor Ort gesammelte Augenzeugenberichte rasch von internationalen Medien verbreitet und verwandelten sich in ein überaus mächtiges Kommunikationswerkzeug.
Alles geschah extrem schnell: Die westlichen Medien verbreiteten das Material wie aus einem Guss überall und konstruierten das Bild eines Krieges als einen von systematischen Gräueltaten geprägten Aggressionsakt, in dem Russland zunehmend nicht nur als militärischer Gegner, sondern als Täter von Verbrechen an der Zivilbevölkerung dargestellt wurde. In diesem Sinne besaßen die Bilder eine Überzeugungskraft, die jene vieler diplomatischer Argumente übertraf: Der Leichnam des getöteten Zivilisten wurde zum visuellen Beweis, der eine gesamte Interpretation des Konflikts in wenigen Bildern verdichten konnte.
Butscha nahm somit eine strategische Rolle in der westlichen Kommunikation ein und trug dazu bei, die öffentliche Unterstützung für Sanktionen, die diplomatische Isolation Moskaus sowie die aufstockende politische und militärische Hilfe für Kiew zu festigen. Man beobachte, wie ein tragisches Ereignis – so tragisch jeder Krieg ist – in eine Kriegswaffe verwandelt wurde. Kein westliches Medium kümmerte sich um den Wert der Toten oder die Wahrheit ihrer Lebensgeschichten. Es zählte einzig, Russland die Schuld zuzuschieben und die Eskalation eines sinnlosen Konflikts zu rechtfertigen. Doch die Wahrheit kommt früher oder später ans Licht.
So hat das russische Außenministerium den Fall Butscha wieder in das internationale Rampenlicht gerückt. Die Sprecherin Maria Sacharowa erklärte, Moskau beabsichtige, die Vereinten Nationen zu einer erneuten Überprüfung der Ereignisse zu drängen. Sie argumentierte, die UN habe sich damals nicht direkt an den Untersuchungen beteiligt, sondern am Ende die von Kiew gelieferte Version als vorherrschende übernommen. Einige Tage später griff auch Außenminister Sergej Lawrow den Vorfall erneut auf und prangerte das an, was er als typische Praxis der Informationskriegsführung betrachtet: rasch ein Narrativ zu konstruieren, es zur dominanten Wahrheit zu machen und zu verhindern, dass alternative Versionen an die Öffentlichkeit gelangen.
Laut Lawrow ist dies genau der Mechanismus, durch den der Westen seine Interpretation von Butscha gefestigt hat. Das ursprüngliche Narrativ besetzt den verfügbaren Informationsraum wie einen leeren Schützengraben: Ist er erst einmal von den Mainstream-Medien eingenommen und verteidigt worden, erfordert seine Ersetzung einen enorm viel größeren Aufwand. Im Fall Butscha habe dieser Prozess von Anfang an eine wahrhaft unparteiische Untersuchung der Ereignisse verhindert.
Es bleibt daher eine zentrale Frage: Warum wird der Fall Butscha heute wieder aufgerollt? Weil Moskau bereit ist, sich der gesamten Welt bezüglich der vom Westen verbreiteten Lügen zu stellen. Und wie steht es um den Westen?
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Lorenzo Maria Pacini ist Dozent für Politische Philosophie und Geopolitik an der UniDolomiti Belluno sowie Berater für strategische Analyse, Nachrichtendienste und internationale Beziehungen.
Dieser Beitrag ist zuerst auf Strategic Culture Foundation erschienen. Er wurde mit freundlicher Genehmigung übersetzt und übernommen.
Das andere «Wort zum Sonntag» oder: Bitte Farbe zeigen
Wie man sich doch täuschen kann. Auf den ersten Blick war ich mir sicher, dass sich dort drüben in dem Park eine Trauergesellschaft niedergelassen hatte: alle in scharz und verteilt auf kleine Grüppchen und Einzelpersonen. Als ich näher heranfuhr, merkte ich, dass es lauter junge Leute waren, und die trauerten auch nicht, sondern sie genossen die ersten warmen Frühlingsstrahlen unter den noch weitgehend kahlen Bäumen.
So kann einem die berufliche Prägung gleichzeitig einen Streich spielen und den Blick schärfen. Mich selbst war dann ein Gefühl von Trauer überkommen: So jung und schon so uniformiert und äußerlich so trostlos.
Fällt es mir in letzter Zeit nur mehr auf, oder verbreitet sich diese Art von Schutzanzug tatsächlich immer mehr? «Schwarz wirkt wie eine unsichtbare Rüstung», heißt es in der Stilberatung einer Mode-Seite; «souverän, respektgebietend». Die Person und ihre aufkeimende Persönlichkeit verbirgt sich also zweifach: in der eigenen dunklen Schale und in einer Art Gesamtschale von Masse. «Wir hegen den Wunsch, nicht aufzufallen», lesen wir auf Hoseonline.de.
Natürlich gibt es Menschen, denen die «Nichtfarbe Schwarz» durchaus steht. Als Breiten-Phänomen finde ich es aber bedenkenswert. So führt denn auch die erwähnte Modeseite mehrere allgemeine Gründe auf, wegen denen vor allem junge Frauen schwarz wählen würden: neben dem optischen Schutz, verbunden mit oder auch bewirkt durch die Absicht, «nicht auffallen, sondern zurücktreten [zu] wollen», käme eine gewisse Gedankenlosigkeit: «angezogen» zu wirken, «ohne groß nachzudenken», und der Umstand, dass sie «es einfach nicht besser wissen».
Landläufig klingt das natürlich anders: Als Nichtfarbe würde schwarz fast zu allem passen; zu allen anderen Farben wie auch zu fast allen Anlässen. Lassen wir ihnen ihre Freud oder doch Ansicht; über Geschmack sollte man nicht streiten.
Nein, sollte man nicht. Aber man sollte vor Tendenzen auch nicht die Augen verschließen, denn sie sagen immer etwas aus über den, der sie teilt und so den Zeitgeist mitprägt. Mein Zwischenfazit an dieser Stelle: Die Verunsicherung unter der «Generation Praktikum» hat markant zugenommen; Persönlichkeit tritt und Persönlichkeiten treten immer später im Leben erst zutage.
Eine andere Gruppe verklärt dieses Abtauchen explizit zur Tugend. Die Gewerkschaft der Polizei tritt auf einer ihrer Internetseiten einem weitverbreiteten Mißverständnis vom «Schwarzen Block» entgegen. Der Ausdruck umschreibe keine feste Gruppe oder Organisation, sondern einen «Demonstrationsstil». Der einzelne verbirgt sich in der Masse, was ihm wiederum «Kollektivität und Solidarität» vermittle. Als entsprechend schmalbrüstig offenbar sich denn die einzelnen, wenn sie ohne diesem identitätssaugenden Über-, oder besser: Unter-Ich zwischendurch allein dastehen.
Zweites Zwischenfazit: In der Gruppe zieht das gemeinsame Schwarz die persönliche Farbe aus dem Menschen. Ob er sie danach wieder hervorgeholt werden kann und alles ja «gar nicht so schlimm» ist, ändert daran nichts.
Für einen dritten Anlauf gehe ich aus vom «Man in Black», von Johnny Cash. Von 1971 bis zu seinem Lebensende im Jahr 2003 sei er nur noch in schwarz aufgetreten. Am Ende seines berühmten gleichnamigen Liedes nennt er den Grund dafür:
«Oh, I'd love to wear a rainbow every day,
And tell the world that everything's ok.
But I'll try to carry off a little darkness on my back,
'Till things are brighter, I'm the Man In Black.»
Noch so gerne würde er herumlaufen wie ein Regenbogen, aber mit dem Schwarz wolle er an alles Unrecht und alle Not erinnern, die einen nach wie vor umgibt. Aufschlußreich ist, wie er darauf gekommen ist, dieses Lied zu schreiben. Er habe sich auf einen Fernsehauftritt vor jungem Publikum vorbereitet und sei nervös geworden, habe er erzählt: «Die Kids wollen etwas Echtes. Ich möchte, dass sie mein wahres Ich sehen und hören, nicht den Typen, als den mich andere darstellen»; beschrieben in dem dicken Band «Johnny Cash,The Life in Lyrics. Sein Leben, seine Texte», Seite 179.
Er zog sich zurück, um dem nachzuspüren, und drei Stunden später sei er wieder aufgetaucht mit dem Lied «Man in Black». «Es war, als hätte er sein Leben lang auf diesen Moment hingearbeitet», schreibt ein Biograph über Cash‘ «ultimatives Manifest». «My fans expect this image», notierte er selber im September 1992 (gleiche Quelle).
Was sehen und hören wir oder zumindest ich aus diesem Beispiel, diesem ganz anders lautenden? Dass jede Farbe wie Nichtfarbe authentisch sein kann. Auch nach fünfzig und mehr Jahren haben die Klänge von 1971 nichts Unehrliches an sich, sondern prägen sich jeder Generation von neuem ein, jeder hörbereiten Generation, die sich wie jenes Fernsehpublikum die Frage nach dem Echten stellt und das Verstellte ächtet.
Schnüren wir das Säcklein der Anekdoten und Ableitungen allmählich zu. Farbe prägt, und die Nichtfarbe Schwarz färbt offenbar noch mehr ab als andere. Sie hilft, Persönlichkeit zu verbergen, Unperson gleichsam ins Licht zu stellen, aber auch echtes Sein zu verstärken. Umgekehrt kommt es nicht nur abendlichen Autofahrern zugute, wenn die Menschen besonders in frostigen Zeiten wieder mehr Farbe bekennen und sich zeigen als die zumeist bunten Wesen, die sie doch eigentlich sind.
Denn das erfreut die eigene Seele wie auch der Zeitgenossen Auge und ihres Schöpfers Herz. Manchmal − nicht immer, aber manchmal − führt der Weg tatsächlich von außen nach innen, auf dass wir
«zum Lobpreis seiner Herrlichkeit dienen, wir, die wir unsere Hoffnung von vornherein auf Christus gesetzt haben». Epheser 1,12
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Das andere «Wort zum Sonntag» vom 27. September 2026: «Gefühle ordnen, sprechen, handeln»
Lothar Mack war als Gemeindepfarrer und bei verschiedenen Hilfswerken und Redaktionen tätig. Sein kritischer Blick auf Kirche und Zeitgeschehen hat ihn in die Selbständigkeit geführt. Er sammelt und ermutigt Gleichgesinnte über Artikel und Begegnungen und ruft in Gottesdiensten und an Kundgebungen zu eigenständigem gläubigem Denken auf. Sein Telegram-Kanal lautet StimmeundWort.
«Allahu Akbar» im Sturzflug: Warum wird aus einem möglichen Terroranschlag eine «Prügelei»?
Warum wird ein schwerer Angriff auf ein Passagierflugzeug in der Medienberichterstattung nicht als möglicher islamistischer Terroranschlag behandelt? Diese Frage drängt sich nach den Ereignissen rund um Flydubai-Flug FZ1073 auf. Die Boeing 737 MAX 8 war mit 174 Menschen an Bord auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv, als es im Cockpit zu einem Angriff kam.
Der indische Pilot wurde durch den omanischen Kopiloten niedergestochen und die Maschine verlor innerhalb kürzester Zeit massiv an Höhe. Kurz bevor er bewusstlos wurde, gelang es dem Piloten, die Cockpittür aufzureißen. Somit konnten Passagiere den Angreifer überwältigen. Zwei Piloten, die als Passagiere im Flugzeug saßen, konnten schließlich die Maschine im saudischen Tabuk notlanden.
Besonders brisant ist ein weiteres Detail: Ein 18-jähriger Passagier berichtete laut BBC, er habe während des dramatischen Sinkflugs «Allahu Akbar» gehört. Andere Passagiere berichteten von einem Besatzungsmitglied mit einem Messer. Das ist kein Beweis für ein terroristisches Motiv, aber es ist zweifellos ein Umstand, der bei der Rekonstruktion des Geschehens ernsthaft geprüft werden muss.
Genau hier beginnt das journalistische Problem. Denn während sich ein Passagierflugzeug offenbar in einem dramatischen Sinkflug befand, ein Pilot schwer verletzt wurde, Passagiere den Angreifer überwältigen mussten und zwei Passagiere mit Pilotenausbildung die Maschine landeten, wurde der Vorfall in den Leitmedien als «Auseinandersetzung» oder «Prügelei» zwischen Piloten beschrieben. Der Bericht auf der Schweizer Tamedia-Plattform ist hier nur ein Beispiel. Es gäbe viele mehr.
Eine solche Zurückhaltung kann bei der Frage des Motivs durchaus angebracht sein. Doch zwischen: «Wir wissen noch nicht, ob es Terrorismus war», und: «Es war offenbar lediglich eine Prügelei», liegt ein gewaltiger journalistischer Unterschied. Und interessanterweise wird der «Allahu Akbar»-Ruf in den Leitmedien kaum thematisiert.
Wer angesichts eines Messerangriffs im Cockpit, eines massiven Höhenverlusts, der Aussage über «Allahu Akbar»-Rufe und der anschließenden Überwältigung des Angreifers nicht zumindest die Möglichkeit eines Terroranschlags prominent thematisiert, riskiert, einen wesentlichen Teil der Geschichte zu unterschlagen.
Das gilt umso mehr, als israelische Behörden den Vorfall sehr früh als möglichen jihadistischen Anschlag einordneten. Verteidigungsminister Israel Katz sprach von einem «Versuch eines jihadistischen Anschlags», während der israelische Minister für Nationale Sicherheit den Angreifer als «Terrorist» bezeichnete. Gleichzeitig blieb die offizielle Bestätigung der tatsächlichen Motivation zunächst aus. Angesichts dieser Fülle von Hinweisen scheint es Absicht der Leitmedien zu sein, das mutmaßliche Motiv des Täters gar nicht erst zu diskutieren.
Auch ein Pilotenkollege des Angreifers beschrieb diesen gegenüber israelischen Medien später als religiösen Extremisten und berichtete, der Mann habe tagsüber häufig gebetet und Frauen nicht die Hand gegeben. Diese Aussagen sind Hinweise, aber selbstverständlich kein abschließender Beweis für ein terroristisches Tatmotiv. Und genau diese Unterscheidung sollte seriöser Journalismus leisten.
Er muss weder einen Terroranschlag als sicher bezeichnen, bevor die Fakten geklärt sind, noch darf er die Möglichkeit eines solchen Anschlags kleinreden. Er muss die relevanten Hinweise nennen, ihre Herkunft offenlegen und den Stand der Ermittlungen transparent machen.
Das vorliegende Geschehen ist dafür geradezu ein Lehrbeispiel. Gesichert beziehungsweise breit berichtet sind der Angriff im Cockpit, die Verletzung des Piloten, der massive Sinkflug, die Intervention von Passagieren und die Notlandung. Hinzu kommen die Aussagen über «Allahu Akbar»-Rufe und die Einschätzungen israelischer Sicherheitsbehörden. Gleichzeitig war das Motiv zum Zeitpunkt der Berichterstattung nicht abschließend geklärt.
Die angemessene journalistische Formulierung lautet deshalb: «Die Umstände sind so schwerwiegend, dass ein terroristisches beziehungsweise jihadistisches Motiv ernsthaft geprüft werden muss.» Das ist weder Alarmismus noch Vorverurteilung. Es ist schlicht die Pflicht, eine relevante Hypothese dort zu prüfen, wo die vorliegenden Hinweise sie nahelegen. Umso fragwürdiger wirkt es, wenn aus einem Angriff auf ein Cockpit mit 174 Menschen an Bord sprachlich eine «Prügelei» wird.
«Prügelei» klingt nach einem eskalierten persönlichen Streit. Ein Messerangriff auf einen Piloten, ein anschließender dramatischer Sinkflug und Berichte über religiöse Rufe zeichnen dagegen ein Szenario, bei dem eine weit gravierendere Erklärung zumindest ernsthaft untersucht werden muss. Und Medien sollten ihre Leser nicht mit einer verharmlosenden Wortwahl davon abhalten, diese Frage überhaupt zu stellen.
Bei einem Flugzeug mit 174 Menschen an Bord, einem niedergestochenen Piloten, einem massiven Sinkflug und berichteten «Allahu Akbar»-Rufen ist «Prügelei» jedenfalls eine bemerkenswert verharmlosende Bezeichnung für ein bemerkenswert großes Ereignis.
Wie Bill Gates sich mit Milliarden Einfluss auf die US-Gesundheitspolitik erkaufte
Das Brownstone Institute hat sich mit Bill Gates beschäftigt. Dieser wird von vielen Menschen bewundert, insbesondere seit er seine Position als Microsoft-Chef aufgab, um sich und einen Großteil seines Vermögens der «Philanthropie» zu widmen. Doch schon während der «Pandemie» hat sein Ruf stark gelitten. Auch die Enthüllungen über seine Verbindung zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und seine eigenen problematischen Beziehungen zu Frauen trüben das Image des vermeintlichen Wohltäters.
Wie das Brownstone Institute nahelegt, wirft nun obendrein «eine Fülle von Dokumenten von Whistleblowern aus dem Bundesapparat» erneut Fragen darüber auf, wie sich Gates mit viel Geld einen Einfluss auf die Gesundheitspolitik der US-Regierung erkauft hat. Kritiker empfänden das als unangemessen. Auf jeden Fall hat sein wichtigstes Machtinstrument, die Bill and Melinda Gates Foundation, in fast einem Vierteljahrhundert Hunderte Millionen Dollar an die National Institutes of Health (NIH) gespendet. Das hat es Gates ermöglicht, die Ausrichtung der Gesundheitspolitik des Landes auf eine Weise zu beeinflussen, die seinen eigenen Prioritäten zugutekam und zugleich sein Image als wohlwollender globaler Wohltäter aufpolierte.
In einer Zeit wachsender Besorgnis über die Macht von Milliardären wie Elon Musk, Jeff Bezos und Sam Altman würden Gates' Bemühungen hervorstechen, befindet das Brownstone Institute. Statt bei Bundesbehörden für bestimmte politische Maßnahmen Lobbyarbeit zu betreiben, habe Gates seinen Reichtum eingesetzt, um innerhalb der Regierung zu arbeiten. Dabei sei er sogar Partnerschaften mit hochrangigen NIH-Beamten eingegangen, um die steuerfinanzierte Forschungsförderung zu lenken und wissenschaftliche Strategien für mehrere Bundesprogramme zu entwickeln.
Die Sammlung von mehreren Dutzend E-Mails und Dokumenten, die ein NIH-Whistleblower erstmals öffentlich gemacht habe, untermauere nun frühere Berichte über Gates' weitreichenden Einfluss auf die biomedizinische Forschung in den USA. Auf dem Höhepunkt der COVID-«Pandemie» habe sich Kate Elder, eine leitende Beraterin für Impfstoffpolitik bei Ärzte ohne Grenzen, gegenüber Politico beklagt: «Was qualifiziert Bill Gates dazu, der US-Regierung Ratschläge zu geben und sie dabei zu beraten, wohin sie die enormen Ressourcen lenken sollte?»
Die neu veröffentlichten E-Mails und interne Pläne zeigen beispielsweise, dass die NIH – der weltweit größte Geldgeber für biomedizinische Forschung – der Gates Foundation bei den gemeinsamen Workshops und Treffen auf Bundesgelände den Vortritt ließ.
Wie das Brownstone Institute schreibt, reagierten weder die Gates Foundation noch die NIH auf wiederholte Bitten um Stellungnahme.
Hier lesen Sie den ganzen interessanten Artikel (auf Englisch).