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Aktualisiert: vor 2 Stunden 33 Minuten

Ausstellung in Amed verbindet Erinnerung und Ökologie

29. März 2026 - 19:00

Der Tigris ist mehr als ein Fluss. Er ist Erinnerung, Lebensader und Konfliktlinie zugleich. Die Ausstellung „Auf den Spuren des Tigris: Kulturelle und ökologische Erinnerungen“, die nun im historischen Cemil-Paşa-Herrenhaus im Altstadtbezirk Sûr der nordkurdischen Metropole Amed (tr. Diyarbakır) eröffnet wurde, nähert sich diesem vielschichtigen Raum aus unterschiedlichen Perspektiven.

Entstanden ist die Ausstellung aus der Zusammenarbeit der beiden Stadtplanerinnen Dilan Kaya Taşdelen und Gizem Kıygı. Sie basiert auf einer 15-tägigen Reise entlang des Dîcle, wie der kurdische Name des Tigris lautet, die im Herbst 2025 von Xarpêt (Elazığ) über Amed und Êlih (Batman) bis nach Cizîr (Cizre) führte. Was dabei entstand, ist kein klassisches Ausstellungsprojekt, sondern eine vielschichtige Annäherung an eine Landschaft im Wandel.

„Uns hat interessiert, wie Eingriffe in den Fluss und die damit verbundenen Veränderungen das Leben der Menschen prägen“, sagt Dilan Kaya Taşdelen mit Blick auf die Feldforschungen, die unter anderem die Hevsel-Gärten einschlossen.

Dilan Kaya Taşdelen (r.) und Gizem Kıygı © MA

Die Ausstellung verbindet unterschiedliche Materialien und Wahrnehmungen: gesammelte Pflanzen, Tonaufnahmen, Fotografien und Erzählungen aus der Region treten miteinander in Dialog. Sie zeichnen ein Bild davon, wie sich ökologische Veränderungen in den Alltag in Dörfern ebenso wie in Städten einschreiben.

Im Zentrum stehen Fragen nach Zugang zu Wasser, nach räumlicher Gerechtigkeit und nach den Folgen ökologischer Eingriffe. Zugleich wird der Tigris als Träger kultureller Erinnerung sichtbar und damit als Raum, in dem sich Geschichte, Identität und Gegenwart überlagern.

Auch die Eingriffe in die Landschaft selbst werden thematisiert: Veränderungen des Flusslaufs, infrastrukturelle Projekte und deren mediale Darstellung sind Teil der Ausstellung. Damit wird deutlich, dass ökologische Prozesse hier nicht losgelöst von politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen verstanden werden können.

Die Arbeit der beiden Forscherinnen bewegt sich bewusst zwischen Dokumentation und künstlerischer Annäherung. Sie macht sichtbar, wie sich Beziehungen zwischen Menschen und ihrer Umwelt verändern – und welche Spuren diese Veränderungen hinterlassen. Die Ausstellung, die im Rahmen des Kulturprogramms CultureCIVIC der Europäischen Union gefördert wurde, ist noch bis zum 12. April zu sehen.

https://deutsch.anf-news.com/Oekologie/sorge-um-hevsel-garten-und-tigris-tal-stadt-kundigt-massnahmen-an-49087 https://deutsch.anf-news.com/kultur/unesco-beratergremium-zehnbogenbrucke-in-amed-durch-bebauung-gefahrdet-47352 https://deutsch.anf-news.com/kultur/amed-grundet-neues-gremium-fur-kulturelles-erbe-und-stadtentwicklung-46557

 

Kategorien: Externe Ticker

YPJ veröffentlichen Identitäten von drei gefallenen Kämpferinnen

29. März 2026 - 17:00

Die Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) haben die Identitäten von drei Kämpferinnen veröffentlicht, die in den zurückliegenden Monaten bei Gefechten in Nordostssyrien ums Leben gekommen sind. In einer Erklärung würdigte der Verband ihren Einsatz im Kampf für die Verteidigung der Selbstverwaltung und die Freiheit von Frauen und sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus.

Die YPJ bezeichneten die Gefallenen als „Teil einer Generation von Frauen, die ihre Existenz durch den Gedanken der Freiheit bewiesen“ haben. „Sie haben in ihrem Leben die wahrhaftigste Definition einer freien Frau verkörpert und sich aktiv am Widerstand zur Verteidigung der Gesellschaft beteiligt.“

Biografien der Gefallenen

Als erste wurde Toprak Deniz genannt. Die Kämpferin, die bürgerlich Azize Ekinci hieß, wurde nach YPJ-Angaben1991 in der nordkurdischen Provinz Sêrt (tr. Siirt) geboren und wuchs im Umfeld der Serhildan in der Botan-Region auf. Früh habe sie sich politisiert und sich in der Jugendarbeit engagiert. Später studierte sie in Istanbul Politikwissenschaften und Geophysik.

Mit dem Aufstieg der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) schloss sie sich 2014 den Reihen der YPJ in Rojava an. Dort übernahm sie nach militärischer und ideologischer Ausbildung auch Führungsaufgaben. Sie kam am 18. Januar 2026 bei Gefechten in der Stadt Raqqa.

                                         

Vor- und Nachname: Azize Ekinci

Codename: Toprak Deniz

Geburtsort: Sêrt

Name der Mutter: Suheyla

Name des Vaters: Isa

Todestag und -ort: 18. Januar 2026 / Raqqa

 

 

Vor- und Nachname: Vercîn Menal

Codename: Hêzil Tolhildan

Geburtsort: Aleppo

Name der Mutter: Nura

Name des Vaters: Elî

Todestag und -ort: 19. Januar 2026 / Deir ez-Zor

 

 

Vor- und Nachname: Culyana Sîdo

Codename: Cûdî Rohilat

Geburtsort: Aleppo

Name der Mutter: Roşîn

Name des Vaters: Dilbirîn

Todestag und -ort: 18. Dezember 2026 / Raqqa

 

Die zweite Kämpferin, Hêzil Tolhildan (Vercîn Menal) stammte aus Aleppo. Die YPJ beschreiben sie als eine Kämpferin, die sich früh der Überzeugung angeschlossen habe, dass Freiheit erkämpft werden müsse. Sie nahm unter anderem an Kämpfen in Deir ez-Zor und an der Tişrîn-Front teil. Am 19. Januar 2026 fiel sie bei einem „brutalen Angriff“ von Milizen der syrischen Übergangsregierung in Deir ez-Zor.

Als dritte wurde Cûdî Rohilat (Culyana Sîdo) genannt, ebenfalls aus Aleppo. Sie schloss sich in jungen Jahren den YPJ an und wurde laut Erklärung zu einer wichtigen moralischen Stütze innerhalb ihrer Einheit. Sie kam bereits am 18. Dezember 2025 im Zuge eines Hinterhalts von islamistischen Milizen ums Leben.

Würdigung durch die YPJ

Die YPJ hoben hervor: „Unsere gefallenen Weggefährtinnen machten niemals Kompromisse bei den Prinzipien der Wahrheit und übernahmen eine strategische Rolle im Kampf für das Ideal einer demokratischen Nation.“ Ihr Einsatz habe sich insbesondere auf den Schutz von Frauen und der Bevölkerung konzentriert. Weiter heißt es in der Erklärung: „Wir erneuern unser Versprechen, die Fahne des Kampfes der Gefallenen in jedem Moment unseres Lebens hochzuhalten.“ Zugleich erklärten die YPJ, dass der Einsatz der Gefallenen als Maßstab für den weiteren Kampf dienen werde. Ziel bleibe der Aufbau einer freien und sicheren Gesellschaft.

https://deutsch.anf-news.com/frauen/nach-verschleppung-kampferin-narin-axin-wieder-in-den-reihen-der-ypj-50848 https://deutsch.anf-news.com/frauen/ypj-hezil-arjin-bei-gefechten-in-raqqa-gefallen-50667 https://deutsch.anf-news.com/frauen/ypj-zum-8-marz-wir-sind-entschlossen-unsere-errungenschaften-zu-verteidigen-50619

 

Kategorien: Externe Ticker

Aktivist aus Ostkurdistan in der Türkei festgenommen

29. März 2026 - 17:00

Ein Menschenrechtsaktivist aus Ostkurdistan ist in der Türkei festgenommen worden und befindet sich derzeit in einem Abschiebezentrum. Die Organisation Hana Human Rights warnt vor einer möglichen Abschiebung und fordert internationalen Schutz für den Betroffenen. Nach Angaben der Organisation handelt es sich um den 40-jährigen Sirwan Mikaeili aus der Stadt Sine (Sanandadsch). Er sei auf seiner Flucht nach Europa in der Türkei festgenommen und in ein Abschiebezentrum in der kurdischen Grenzprovinz Agirî (tr. Ağrı) gebracht worden.

Laut Informationen des Vereins der Geflüchteten aus Iran, der seinen Sitz in der südkurdischen Metropole Silêmanî hat, war Mikaeili 2022 im Zuge der „Jin, Jiyan, Azadî“-Proteste wegen seines menschenrechtlichen Engagements und humanitärer Hilfe für Demonstrierende ins Visier des iranischen Machtapparats geraten. Aufgrund des zunehmenden Drucks habe er seine Heimat verlassen und sei in die Kurdistan-Region des Irak (KRI) geflohen.

Doch auch dort sei Mikaeili weiterhin Bedrohungen durch das Mullah-Regime ausgesetzt gewesen, das in der KRI auf ein breites Netzwerk an Agenten zurückgreifen kann. Aus Sicherheitsgründen habe er sich daher gezwungen gesehen, seine Flucht fortzusetzen, so die Organisation.

Seine Festnahme in der Türkei und die Unterbringung in einem Abschiebezentrum haben laut Hana Human Rights erhebliche Sorgen ausgelöst. Die Menschenrechtsgruppe warnt, dass eine Abschiebung nach Iran für den Aktivisten schwerwiegende Konsequenzen haben könnte. Aufgrund seiner dem Regime bekannten Aktivitäten drohten ihm ernsthafte Menschenrechtsverletzungen, darunter willkürliche Inhaftierung, Folter oder andere unmenschliche Behandlung.

Hana Human Rights fordert die türkischen Behörden auf, ihre internationalen Verpflichtungen einzuhalten und von einer Abschiebung abzusehen. „Stattdessen muss sichergestellt werden, dass Sirwan Mikaeili Zugang zu einem fairen Asylverfahren und rechtlichem Beistand erhält“, betonte die Organisation. Zugleich rief sie internationale Institutionen, insbesondere das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR), dazu auf, den Fall aufmerksam zu verfolgen und Maßnahmen zum Schutz des Aktivisten zu ergreifen.

https://deutsch.anf-news.com/menschenrechte/iran-regime-richtet-drei-protestierende-hin-50775 https://deutsch.anf-news.com/menschenrechte/warnung-vor-humanitarer-krise-tausende-gefangene-in-iran-in-akuter-gefahr-50514 https://deutsch.anf-news.com/menschenrechte/kampagne-meldet-uber-300-hinrichtungen-im-februar-in-iran-50340

 

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Brand in Getreidelager nach Drohnenangriff bei Hesekê

29. März 2026 - 17:00

Nach dem nächtlichen Drohnenangriff mutmaßlich pro-iranischer Gruppen mit Quelle Irak auf einen US-geführten Militärstützpunkt im Nordosten Syriens ist es in der Region zu erheblichen Sachschäden gekommen. In der Nähe der Qesrik-Basis im Umland von Tell Baydar nördlich von Hesekê geriet ein Getreidelager in Brand, nachdem mehrere Drohnen das Gebiet getroffen hatten.

Den Angaben zufolge schlugen mehrere Drohnen direkt in ein Getreidesammelzentrum nahe des Stützpunkts ein. Dabei wurde ein Weizenlager der Landwirtschafts- und Bewässerungsbehörde der nordostsyrischen Selbstverwaltung schwer beschädigt. Große Mengen gelagerten Getreides wurden zerstört und gingen in Flammen auf.

 


Der Angriff erfolgte in den frühen Morgenstunden und war Teil einer größeren Angriffswelle auf die Region. Nach Angaben vor Ort konnten Luftabwehrsysteme der Koalition mehrere Drohnen abfangen. So wurden unter anderem Drohnen über einem Wohnviertel in Til Temir sowie über dem Dorf Til Masas abgeschossen. Neben den Abwehrsystemen kamen auch Kampfflugzeuge zum Einsatz, die den Luftraum über der Region überwachten und an der Abwehr beteiligt waren.

Der Angriff ist bereits der vierte dieser Art seit der jüngsten Eskalation im Zusammenhang mit dem Krieg zwischen den USA, Israel und Iran. Beobachter:innen sehen darin eine zunehmende Ausweitung des Konflikts auf Nordostsyrien. Angaben zu möglichen Opfern lagen zunächst nicht vor. Der materielle Schaden, insbesondere durch die Zerstörung landwirtschaftlicher Ressourcen, dürfte jedoch erheblich sein.

https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/drohnenangriff-auf-koalitionsbasis-nahe-heseke-abgewehrt-50922

 

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Suryoye feiern Akitu-Fest in Nordostsyrien

29. März 2026 - 17:00

In Nordostsyrien finden die Vorbereitungen für das assyrische Neujahrsfest Akitu am 1. April statt. Der Countdown läuft schon seit Newroz, dem eigentlichen Beginn der Feierlichkeiten. Fleißig werden die Siedlungsgebiete der christlichen Suryoye-Völker geschmückt für diesen bedeutenden Tag, der bereits zum 6.776 Mal begangen wird.

Akitu, auch bekannt unter dem aramäischen Namen Kha b' Nisan („Erster April“), markiert nicht nur den Frühlingsbeginn, sondern auch den Start des assyrischen Kalenders. Die Ursprünge des Festes reichen bis ins dritte Jahrtausend v. Chr. zurück und machen Akitu zu einem der ältesten bekannten Feste der Menschheitsgeschichte.

Ein Fest der Fruchtbarkeit und Erneuerung

Der Name Akitu leitet sich vom sumerisch-akkadischen Wort für Gerste ab – eine symbolische Referenz auf Fruchtbarkeit, Neuanfang und Zivilisation. Ursprünglich wurde das Fest im antiken Mesopotamien gefeiert, insbesondere in Babylon, wo es sich über mehrere Tage erstreckte. Dort war Akitu ein sowohl religiöses als auch politisches Ereignis.

Die Menschen dankten ihren Göttern für die Fruchtbarkeit des Landes, während gleichzeitig die Macht des Königs durch rituelle Akte legitimiert wurde. Im Lauf der Jahrtausende wandelte sich das Fest, blieb jedoch tief in der Identität der Suryoye-Völker verankert. In der Diaspora sowie in den Herkunftsregionen der Suryoye ist Akitu heute ein Ausdruck kultureller Kontinuität und gemeinschaftlicher Selbstvergewisserung.

Zentrale Feiern und Autokorsos

In Nordostsyrien finden die zentralen Feierlichkeiten am 1. April in mehreren Orten gleichzeitig statt. Wie die Assyrische Einheitspartei am Sonntag mitteilte, findet der Auftakt traditionell im Ort Tall Wardiyat nahe der Stadt Til Temir (Tell Tamer) statt, gefolgt von Feiern in Qamişlo, Tirbespiyê und Dêrik. Weitere Veranstaltungen gibt es bereits im Vorfeld. Die Union der progressiven Suryoye-Jugend und die Assyrische Jugendbewegung haben zwei Autokorsos für Montagabend, 30. März, in Hesekê und Qamişlo angekündigt.

Forderung nach Anerkennung als nationaler Feiertag

Neben kulturellen Programmen und religiösen Zeremonien sollen bei den Veranstaltungen auch politische Botschaften vermittelt werden. Vertreter:innen der Gemeinschaft kündigten an, die Anerkennung des Akitu-Festes als nationalen Feiertag in Syrien sowie verfassungsrechtliche Garantien für den Schutz ihrer kulturellen Identität einzufordern. Im Oktober hatte die islamistische Übergangsregierung in Damaskus mehrere Minderheiten-Feiertage gestrichen, darunter auch Akitu und Newroz.

https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/syrische-Ubergangsregierung-streicht-minderheiten-feiertage-48250 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/feiern-zum-assyrischen-neujahrsfest-akitu-45787 https://deutsch.anf-news.com/kultur/vorbereitungen-fur-akitu-in-nord-und-ostsyrien-45748

 

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Autonomierat Şengals beschließt ezidischen Einheitskongress

29. März 2026 - 15:00

Der Demokratische Autonomierat von Şengal (MXDŞ) hat nach seinem am Sonnabend abgehaltenen 6. Kongress eine Abschlusserklärung veröffentlicht und darin einen umfassenden politischen und organisatorischen Kurs für die kommenden Jahre festgelegt. Im Zentrum steht der Aufbau eines weltweiten Kongresses für die ezidische Einheit sowie die weitere Stärkung der Selbstverwaltung.

An dem Kongress nahmen rund 250 Delegierte sowie Vertreter:innen politischer Parteien und gesellschaftliche sowie religiöse Persönlichkeiten teil. Die Versammlung fand vor dem Hintergrund der anhaltenden Kriege im Nahen Osten statt, die von den Teilnehmenden als Teil eines umfassenden regionalen Konfliktprozesses eingeordnet wurden.

Demokratische Gesellschaft als Gegenmodell

In der Abschlusserklärung wird die aktuelle Krise in der Region als Ergebnis eines Systems beschrieben, das von Nationalismus, patriarchalen Strukturen und religiösem Dogmatismus geprägt sei. Dem wird ein Modell der „demokratischen Gesellschaft“ entgegengestellt, das auf Frauenbefreiung, Ökologie und kollektiver Selbstorganisierung basiert. „Die demokratische Gesellschaft ist der einzige Lösungsweg“, heißt es in der Erklärung. In diesem Zusammenhang wird auch die im Februar 2025 durch den kurdischen Repräsentanten Abdullah Öcalan ausgerufene Initiative für „Frieden und eine demokratische Gesellschaft“ als zentraler politischer Ansatz hervorgehoben.

Bilder © Zehra Şengalî

Selbstverwaltung und Wiederaufbau

Der Kongress zog eine kritische Bilanz der vergangenen zwei Jahre, betonte jedoch zugleich, dass die ezidische Gesellschaft trotz anhaltender Angriffe ihre Existenz sichern konnte. Als bedeutender Fortschritt wird insbesondere die Rückkehr und Wiederansiedlung von Familien hervorgehoben, die nach dem von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) verübten Genozid vom 3. August 2014 in Vertriebenenlagern lebten. Gleichzeitig wurden Defizite in den Bereichen Bildung, politische Bewusstseinsarbeit und Organisierung benannt. Diese sollen künftig durch den Ausbau des kommunalen Systems überwunden werden.

Strukturelle Neuausrichtung

Eine zentrale Entscheidung betrifft die Umstrukturierung der Selbstverwaltung. Die politischen Arbeiten sollen künftig vom neu konstituierten Volksrat von Şengal mit 51 Mitgliedern getragen werden. Die bisherige Exekutivstruktur wurde abgeschafft und durch eine Leitung mit Ko-Vorsitzenden und Stellvertretungen ersetzt. Frauen und Jugendliche wurden im Kongress als tragende Kräfte definiert. Gewalt gegen Frauen könne nur durch stärkere Organisierung überwunden werden, heißt es. Entsprechend sollen sie eine führende Rolle im weiteren Aufbau der demokratischen Gesellschaft übernehmen.

Bezug auf Abdullah Öcalan

In der Erklärung wird zudem ein direkter Zusammenhang zwischen der Situation der Ezid:innen und der Freiheit von Abdullah Öcalan hergestellt. Solange Öcalan nicht frei sei, bestehe weiterhin die Gefahr von Vernichtung und Angriffen auf die ezidische Bevölkerung. Seine Freiheit wird daher als zentrales politisches Ziel definiert.

Ezidischer Einheitskongress als strategisches Projekt

Als eine der wichtigsten Entscheidungen wurde die Gründung eines ezidischen Einheitskongresses beschlossen. Ziel ist es, innerhalb von zwei Jahren Ezid:innen aus verschiedenen Teilen der Welt in einer gemeinsamen politischen Struktur zusammenzuführen. Zugleich kritisiert der Autonomierat, dass der Genozid an den Ezid:innen international weiterhin nicht umfassend anerkannt sei. Die Bemühungen um eine Anerkennung auf staatlicher und internationaler Ebene sollen intensiviert werden.

Selbstverteidigung und politische Perspektiven

Die Erklärung unterstreicht zudem die Bedeutung von Selbstverteidigung als Voraussetzung für das Überleben der Gesellschaft. „Kein Lebewesen kann ohne Selbstverteidigung existieren“, heißt es. Parallel dazu soll die politische, kulturelle und militärische Organisierung weiter gestärkt werden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf einer politischen Lösung im Irak. Der Kongress spricht sich für eine „demokratische Integration“ aus, bei der die Rechte der Ezid:innen im Rahmen eines pluralistischen und demokratischen Systems anerkannt werden. Dies wird als Voraussetzung für Stabilität und Demokratisierung im gesamten Land dargestellt.

Zweijähriger Arbeitsplan

Der verabschiedete Arbeitsplan sieht unter anderem vor, die politische Kampagne für die Freiheit Abdullah Öcalans zu intensivieren, den Aufbau von kommunalen Strukturen in allen Dörfern voranzutreiben, die internationale Anerkennung des Genozids vom 3. August 2014 zu erreichen, den ezidischen Einheitskongress aufzubauen, Beziehungen zum Irak und internationalen Akteuren für eine politische Lösung zu entwickeln sowie Projekte zur ökologischen Entwicklung und zum Schutz der Region Şengal umzusetzen. Mit der Wahl der neuen Führung und den weitreichenden Beschlüssen unterstreicht der Kongress den Anspruch, die Selbstverwaltung in Şengal weiter zu konsolidieren und die ezidische Gesellschaft politisch, sozial und organisatorisch eigenständig zu stärken.

https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/Sengal-autonomierat-schliesst-kongress-ab-und-wahlt-neue-fuhrung-50916 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/autonomierat-von-Sengal-berat-uber-einheit-reformen-und-politische-zukunft-50910 https://deutsch.anf-news.com/hintergrund/Sengal-aufbau-demokratischer-autonomie-in-einer-umkampften-region-32945

 

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HRANA: Schwerste Angriffe auf Iran seit Kriegsbeginn

29. März 2026 - 15:00

Der Krieg zwischen Israel und Iran setzt sich unvermindert fort. Beide Seiten greifen sich weiterhin gegenseitig an, während die Zahl der Opfer weiter steigt. Die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtete, Raketen seien am Sonntag in einem Wohngebiet südlich von Teheran eingeschlagen. Dabei seien zehn Menschen ums Leben gekommen, darunter sechs afghanische Migrant:innen. Israels Armee bestätigte Angriffe in der iranischen Hauptstadt sowie anderen Gebieten in dem Land. Ziel sei Infrastruktur des iranischen Machtapparats gewesen, hieß es.

Das in den USA ansässige iranische Menschenrechtsnetzwerk HRANA spricht von einer massiven Ausweitung der Angriffe. Die jüngsten Luftschläge Israels gehörten demnach zu den schwersten seit Kriegsbeginn. Nach Angaben der NGO wurden mehr als 3.400 Menschen getötet, darunter mindestens 1.550 Zivilist:innen. Unter ihnen sind demnach auch 236 Kinder.

Allein am Samstag wurden laut der Organisation 24 Zivilpersonen getötet und fast 90 weitere verletzt. Zudem wurden seit Beginn des Krieges1.200 Militärangehörige getötet, während bei 700 weiteren Todesopfern keine eindeutige Zuordnung möglich ist. 74 Prozent aller bisherigen Angriffe hätten sich in Teheran ereignet.

Derweil berichtet die „Washington Post“, dass sich die USA auf einen Einsatz von Bodentruppen in Iran vorbereiten. Im Pentagon würden die Vorbereitungen darauf bereits auf Hochtouren laufen, so die Zeitung. Der nächste Kriegsschritt sei eine „wochenlange Bodenoperation in Iran“. Dafür soll das US-Verteidigungsministerium tausende Soldaten in den Nahen Osten versetzen. Aktuell fehle für einen Einmarsch jedoch noch grünes Licht von US-Präsident Donald Trump, heißt es in dem Bericht.

https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/anwesen-von-necirvan-barzani-in-duhok-bombardiert-50913 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/drohnenangriff-auf-koalitionsbasis-nahe-heseke-abgewehrt-50922 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/peschmerga-ministerium-verurteilt-raketenangriff-barzani-spricht-von-feindlichem-akt-50851

 

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Drohnenangriff auf Koalitionsbasis nahe Hesekê abgewehrt

29. März 2026 - 15:00

Ein Koalitionsstützpunkt im Nordosten Syriens ist in der Nacht zum Sonntag Ziel eines massiven Drohnenangriffs geworden. Nach Angaben vor Ort konnte die Luftabwehr mehrere Drohnen abfangen, die in Wellen auf die Anlage zuflogen. Der Angriff richtete sich gegen den Stützpunkt Qesrik (Qasrak) im Umland von Til Temir im Norden der Provinz Hesekê. Berichten von vor Ort zufolge waren die Luftabwehrsysteme über Stunden im Einsatz, nachdem kurz nach Mitternacht mehrere Drohnen identifiziert worden waren.

Demnach wurden mehrere Drohnen über dem ländlichen Raum um Til Temir abgeschossen. Die Abwehrmaßnahmen gingen mit wiederholten Explosionen und sichtbaren Lichtblitzen rund um den Stützpunkt einher. Auch US-Kampfflugzeuge waren im Einsatz und flogen intensive Patrouillen über dem Gebiet, um die Drohnen abzufangen. Bewohner:innen umliegender Ortschaften berichteten von anhaltenden Detonationen während der Nacht. Angaben zu möglichen Opfern oder Schäden lagen zunächst nicht vor.

Im Zusammenhang mit dem Angriff äußerte sich auch Sîpan Hemo (Samir Oso), Kommandant der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) und stellvertretender syrischer Verteidigungsminister für die östliche Region. Vier Drohnen aus dem Irak hätten den US-Stützpunkt angegriffen, erklärte er und verurteilte die Attacke. „Wir betrachten den Irak als verantwortlich und rufen dazu auf, eine Wiederholung von Angriffen zu verhindern, die unsere Stabilität gefährden“, so Hemo. 

https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/anwesen-von-necirvan-barzani-in-duhok-bombardiert-50913 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/peschmerga-ministerium-verurteilt-raketenangriff-barzani-spricht-von-feindlichem-akt-50851 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/drohnen-und-raketenangriff-auf-ehemaligen-koalitionsstutzpunkt-bei-rimelan-50839

 

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KCK verurteilt Angriff auf Residenz von Nêçîrvan Barzanî

29. März 2026 - 13:00

Der Exekutivrat der Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans (KCK) hat den Angriff auf das Anwesen von Nêçîrvan Barzanî in Duhok scharf verurteilt. In einer Erklärung sprach die Leitung des Dachverbands der kurdischen Befreiungsbewegung dem Präsidenten der Kurdistan-Region des Irak (KRI) seine vollste Solidarität aus. Am Samstag war die Residenz von einer Drohne bombardiert worden, mutmaßlich durch pro-iranische Milizen. Zur selben Zeit wurden in der KRI mehr als ein halbes Dutzend Drohnenangriffe registriert. 

Weiter heißt es in der KCK-Erklärung: „Seit Beginn des Krieges zwischen den USA, Israel und Iran sind kurdische Kräfte wiederholt Ziel von Angriffen geworden, und es kam zu Angriffen auf Kurdistan. Dabei gab es Tote und Verletzte sowie erhebliche materielle Schäden. Den Familien der Getöteten sprechen wir unser Beileid aus, den Verletzten wünschen wir Genesung.

Die Kurd:innen sind nicht Teil dieses Krieges und keine Konfliktpartei. Dennoch kommt es zu Angriffen auf die Kurd:innen und auf Kurdistan. Es ist offensichtlich, dass diese Angriffe darauf abzielen, die Kurd:innen in den Krieg hineinzuziehen. Wir verurteilen all diese Angriffe und warnen die dafür verantwortlichen Kräfte.

Das kurdische Volk führt seit Jahrzehnten einen Freiheitskampf unter den Bedingungen von Verleugnung, Vernichtung und Genozid. Unser Volk will seine Freiheitsfrage nicht durch Krieg, sondern durch Dialog und politische Lösungen lösen. In diesem Sinne rufen wir alle dazu auf, den Kurd:innen gegenüber verantwortungsvoll zu handeln. Gegenüber dem legitimen Kampf unseres Volkes muss Respekt gezeigt werden, und niemand sollte falsche Kalkulationen anstellen.“

Abschließend betont die KCK, dass die aktuellen Entwicklungen erneut die Notwendigkeit einer stärkeren Zusammenarbeit kurdischer politischer Kräfte verdeutlichten. Die Angriffe auf Kurdistan machten deutlich, wie wichtig es sei, auf Grundlage demokratischer Einheit zu handeln.

https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/anwesen-von-necirvan-barzani-in-duhok-bombardiert-50913 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/allianz-ostkurdischer-parteien-verurteilt-iranische-angriffe-in-soran-50858 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/peschmerga-ministerium-verurteilt-raketenangriff-barzani-spricht-von-feindlichem-akt-50851

 

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Nach Ausschluss: PJAK nimmt am Iran Freedom Congress teil

29. März 2026 - 13:00

Partei für ein freies Leben in Kurdistan (PJAK) wird am „Iran Freedom Congress“ teilnehmen, nachdem sie zuvor ohne Begründung aus dem Programm gestrichen worden war. In einer Erklärung teilte die Partei am Sonntag mit, sie sei nach erneuten Gesprächen wieder eingeladen worden und werde sich aktiv an dem Kongress beteiligen.

Nach eigenen Angaben hatte PJAK die ursprüngliche Einladung zunächst positiv aufgenommen. Die spätere Streichung ihrer Teilnahme ohne transparente Begründung habe jedoch „den demokratischen Prinzipien widersprochen“, erklärte die Partei.

Auf die Kritik reagierten zahlreiche politische Akteure und demokratische Kräfte mit Unterstützung für die PJAK. Diese breite Reaktion zeige, dass es in der Gesellschaft und unter politischen Gruppen ein „starkes und aktives Interesse an Freiheit und Demokratie“ gebe, heißt es in der Erklärung.

 Im Anschluss hätten Mitglieder des Koordinationsrats des Kongresses Gespräche geführt, um die Entscheidung zu korrigieren. Diese Verhandlungen führten schließlich zu einer Einigung, in deren Folge die PJAK erneut eingeladen wurde.

Demnach wird ein Hauptvertreter der Partei am „Iran Freedom Congress“ teilnehmen und dort auch eine Rede halten. Die PJAK dankte allen Beteiligten, die sich für die Wahrung demokratischer Standards eingesetzt und zur Korrektur des Prozesses beigetragen hätten.

https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/vor-iran-kongress-in-london-pjak-erhebt-vorwurfe-der-politischen-ausgrenzung-50904 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/pjak-unterstutzt-initiative-fur-kurdische-einheit-und-ruft-zu-nationalkongress-auf-50889 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/pjak-weist-spekulationen-um-zusammenarbeit-mit-den-usa-zuruck-50854

 

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Protest gegen Empfang von al-Scharaa: „Jolani ist nicht willkommen“

29. März 2026 - 9:00

Der anstehende Besuch des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa am kommenden Montag in Berlin stößt auf scharfe Kritik. Die Initiative „Wo sind Eva und Ahmet?“ ruft für Montag zu einem Protest in der Hauptstadt auf und fordert, den Empfang abzusagen. Al-Scharaa wird auf Einladung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in der deutschen Hauptstadt erwartet. Offiziell geht es um politische Gespräche, unter anderem zur Situation syrischer Geflüchteter. Kritiker:innen sehen darin jedoch vor allem den Versuch, die Zusammenarbeit mit der syrischen Übergangsregierung auszubauen und politischen Einfluss in der Region zu sichern.

Vom Dschihadistenchef zum Staatsoberhaupt

Al-Scharaa, auch bekannt als Abu Muhammad al-Jolani, war über Jahre führend in dschihadistischen Organisationen aktiv und stand auf internationalen Terrorlisten. Er kämpfte im Irak an der Seite von IS-Gründer Abu Bakr al-Baghdadi gegen US-Truppen und gründete später die Al-Nusra-Front, die als syrischer Ableger von al-Qaida agierte. In der Folge baute er die Organisation Hayat Tahrir al-Sham (HTS) auf, die bis heute eine zentrale Rolle in Teilen Syriens spielt.

Wo sind Eva Maria Michelmann und Ahmed Polad?

Die Initiative erhebt schwere Vorwürfe gegen die von ihm geführte Übergangsregierung und verweist auf Gewalt gegen Minderheiten sowie Angriffe auf kurdische Gebiete. In der Erklärung heißt es: „Jolani ist nicht willkommen.“ Genannt werden die Massaker an den Alawit:innen und Drus:innen sowie die Angriffswellen gegen die Kurd:innen und ihre Selbstverwaltung in Nordostsyrien. Im Zentrum der Kritik steht jedoch das Schicksal der deutschen Journalistin Eva Maria Michelmann und ihres kurdischen Kollegen Ahmed Polad (andere Schreibweise Ahmet Polat). Beide waren am 18. Januar während der jüngsten Offensive gegen Rojava von Regierungstruppen verschleppt worden, seitdem fehlt jede Spur. Unter dem Motto „Jolani, wo ist Eva?“ fordern die Aktivist:innen Aufklärung.

Bundesregierung hält sich bedeckt

Zugleich wirft die Initiative der Bundesregierung vor, den Fall nicht konsequent zu verfolgen. Statt Transparenz gebe es lediglich ausweichende Antworten. Man werde „mit dem Hinweis auf Datenschutz abgespeist“, selbst Angehörige und der Familienanwalt Michelmanns erhielten keine Informationen. Vor diesem Hintergrund kritisieren die Aktivist:innen insbesondere, dass al-Scharaa nach Deutschland eingeladen wird, obwohl zugleich das Schicksal zahlreicher Entführter ungeklärt ist. In der Erklärung wird er als „hauptverantwortlich für das Schicksal Tausender“ bezeichnet, die verschleppt wurden und bis heute vermisst werden.

Kundgebung vor dem Kanzleramt

Für Montagvormittag ist eine Kundgebung vor dem Kanzleramt angekündigt. Die Initiative will dort öffentlichen Druck aufbauen und ihre Forderungen bekräftigen. Dazu heißt es: „Beteiligt euch an der Aktion, um deutlich zu machen: Jolani ist nicht willkommen! Jolani, Wo ist Eva?“ Beginn der Protestveranstaltung ist um 11:00 Uhr.

https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/eu-abgeordnete-fordern-aufklarung-uber-verschwundene-journalist-innen-in-syrien-50846 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/kein-roter-teppich-fur-al-scharaa-einladung-nach-berlin-sendet-fatales-signal-50911 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/familie-fordert-aufklarung-uber-verschwinden-der-journalistin-eva-maria-michelmann-50658 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/gfbv-kein-roter-teppich-fur-kriegsverbrecher-und-islamisten-50901 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/syriens-Ubergangsprasident-kommt-am-montag-nach-berlin-50872

 

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Kurdische Unternehmer:innen beraten über politische Rolle und wirtschaftliche Perspektiven

29. März 2026 - 8:00

Kurdische Unternehmer:innen aus verschiedenen Teilen Europas sind am Sonnabend in Deutschland zur Generalversammlung der Association of Kurdish Employers in Europe (AKEE) zusammengekommen. Die 11. ordentliche Versammlung im nordrhein-westfälischen Königswinter verband wirtschaftliche Fragen mit einer politischen Einordnung der aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten und in Kurdistan.

Viele Politiker:innen zu Gast

An der Versammlung nahmen neben zahlreichen Unternehmern auch mehrere Politiker:innen teil, darunter der Ko-Vorsitzende der DEM-Partei, Tuncer Bakırhan, die für Außenbeziehungen der Partei zuständige Politikerin Ebru Günay, der ehemalige HDP-Abgeordnete Idris Baluken sowie der Europa-Vertreter der Demokratischen Partei Kurdistans (PDK), Serhed Gafurî. In den Beiträgen wurde die wachsende Bedeutung der kurdischen Diaspora als wirtschaftlicher und politischer Akteur hervorgehoben.

 


In seiner Eröffnungsrede betonte AKEE-Vorsitzender Hasan Sirel die Erfolge kurdischer Unternehmer:innen in Europa und verwies auf das Potenzial, diese Erfahrungen stärker in den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen in Kurdistan einzubringen. Zugleich unterstrich er die Notwendigkeit einer engeren Organisierung, um die wirtschaftliche Kraft der Diaspora gezielter zu bündeln.

Rede von Tuncer Bakırhan

Einen zentralen politischen Akzent setzte Tuncer Bakırhan, der die wirtschaftlichen Entwicklungen der kurdischen Diaspora mit den aktuellen politischen Prozessen im Nahen Osten verknüpfte. Er verwies auf die anhaltenden Kriege in der Region und erklärte, dass militärische Lösungen keine Perspektive mehr böten. „Der Krieg hat seine Zeit überschritten, er führt zu keiner Lösung mehr.“

Vor diesem Hintergrund griff er den „Aufruf für Frieden und eine demokratische Gesellschaft“ auf, den der kurdische Repräsentant Abdullah Öcalan 2025 formuliert hatte. Bakırhan stellte heraus, dass eine politische Lösung auf Dialog und Verhandlungen beruhen müsse und die Voraussetzungen für demokratische Rechte, lokale Selbstverwaltung und gesellschaftliche Stabilität schaffen könne. Es sei „Zeit für Versöhnung und Frieden“.

Zugleich warnte der DEM-Vorsitzende vor einer einseitigen Abhängigkeit von internationalen Akteuren und verwies auf Erfahrungen aus verschiedenen Konflikten, in denen externe Kräfte ihre Unterstützung „an eigene Interessen geknüpft und keine verlässliche Perspektive für die Region geboten“ hätten. Die kurdische Gesellschaft habe dagegen über Jahrzehnte hinweg eigene politische und gesellschaftliche Strukturen entwickelt und verfüge über das Potenzial, eine stabilisierende Rolle in der Region zu spielen. „Die Kurd:innen sind eines der ältesten und zugleich dynamischsten Völker des Nahen Ostens“, so Bakırhan.

Einschätzungen zur wirtschaftlichen Lage auf globaler und regionaler Ebene

Auch weitere Redner:innen sowie Unternehmer:innen aus verschiedenen europäischen Ländern brachten ihre Einschätzungen ein. Beiträge aus Frankreich, Großbritannien und Skandinavien verdeutlichten die Bandbreite der wirtschaftlichen Aktivitäten der kurdischen Diaspora und deren zunehmende Vernetzung. Ein eigener Programmpunkt widmete sich der wirtschaftlichen Lage auf globaler, europäischer und regionaler Ebene. In einem Vortrag wurden Entwicklungen der Weltwirtschaft sowie deren Auswirkungen auf Europa und die Türkei analysiert, wodurch die ökonomische Dimension der Konferenz unterstrichen wurde.

Hasan Sirel als Vorsitzender bestätigt

Im organisatorischen Teil der Versammlung wurden Tätigkeits- und Finanzberichte vorgestellt und bestätigt. Darüber hinaus beschlossen die Delegierten Änderungen an der Satzung sowie Anpassungen der internen Struktur, um die Arbeit der Organisation effizienter zu gestalten. Bei den anschließenden Wahlen wurde entschieden, den Vorstand künftig aus neun Mitgliedern zu bilden. Hasan Sirel wurde in seinem Amt als Vorsitzender bestätigt.

Die Versammlung machte deutlich, dass kurdische Unternehmer:innen in Europa nicht nur als wirtschaftliche Akteure auftreten, sondern zunehmend auch ihre Rolle im politischen Prozess definieren und ihre Erfahrungen in die Entwicklungen in Kurdistan einbringen wollen.

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Kurdische Jugend führt Umstrukturierungskonferenz durch

29. März 2026 - 8:00

Kurdische Jugendliche aus verschiedenen Teilen Europas sind am Sonnabend in Basel in der Schweiz zu einer Konferenz zur Umstrukturierung der Jugendbewegung zusammengekommen. Im Mittelpunkt standen die zukünftige Organisierung sowie die politische Rolle der Jugend im kurdischen Befreiungskampf.

Die Konferenz stand im Zusammenhang mit dem Aufruf zu Frieden und einer demokratischen Gesellschaft, den der kurdische Repräsentant Abdullah Öcalan im Februar 2025 formuliert hatte. Ziel der Zusammenkunft war es, diesen politischen Impuls in konkrete organisatorische Schritte zu überführen.

 


Zum Auftakt wurde mit einer Schweigeminute der Gefallenen des Befreiungskampfes gedacht. In anschließenden Diskussionen nahmen die Teilnehmenden eine politische Lageeinschätzung vor und hoben die Bedeutung der europaweiten Vernetzung kurdischer Jugendlicher hervor. Dabei wurde betont, dass die kommenden Entwicklungen maßgeblich von der aktiven Rolle der Jugend geprägt sein werden.

Im weiteren Verlauf wurden die seit 2015 in Europa aufgebauten Strukturen der kurdischen Jugendbewegung bilanziert. Eine Präsentation zeichnete zentrale Etappen und Erfahrungen der vergangenen Jahre nach. Zudem wurden Einschätzungen von Abdullah Öcalan zur Rolle der Jugend verlesen, die als Orientierung für die zukünftige Arbeit dienen sollen.

Die Konferenz endete am Abend mit einer Abschlussveranstaltung. Ergebnisse oder konkrete Beschlüsse wurden zunächst nicht im Detail veröffentlicht.

https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/Ocalan-es-liegt-in-unserer-hand-dieses-jahr-zu-einem-jahr-der-freiheit-zu-machen-50801 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/Ocalan-botschaft-an-die-jugend-organisiert-euch-und-organisiert-andere-45810 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/Ocalan-ohne-organisierte-jugend-keine-freie-gesellschaft-49442

 

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Şengal: Autonomierat schließt Kongress ab und wählt neue Führung

29. März 2026 - 4:00

Der Demokratische Autonomierat von Şengal (MXDŞ) hat seinen 6. ordentlichen Kongress abgeschlossen und einen neuen Vorstand bestimmt. Im Zentrum der Beratungen standen der weitere Ausbau der Selbstverwaltung der Ezid:innen sowie politische und gesellschaftliche Perspektiven nach dem Genozid von 2014.

Während des Kongresses diskutierten die Delegierten umfassend über politische, gesellschaftliche und organisatorische Fragen. Beschlossen wurden unter anderem die Überarbeitung des Gesellschaftsvertrags sowie Maßnahmen zur Stärkung der kommunalen Strukturen. Zudem wurden Leitlinien zur weiteren Organisierung der Bevölkerung und zur politischen Koordinierung festgelegt.

An den Wahlen beteiligten sich etwa 250 Delegierte. Dabei wurden Xoxê Dexîl und Azad Hisên zu den Ko-Vorsitzenden des Volksrats von Şengal gewählt. Das Amt der stellvertretenden Ko-Spitze übernehmen Besê Xelef und Hisên Sedo.

In Beiträgen nach der Wahl wurde der Kongress als Teil des anhaltenden Aufbaus der Selbstverwaltung seit 2015 eingeordnet. Vertreter:innen betonten, dass die politischen Strukturen in Şengal eine direkte Antwort auf den Genozid an den Ezid:innen darstellen und auf kollektiver Organisierung sowie Selbstschutz beruhen.

Die neu gewählten Ko-Vorsitzenden erklärten, dass sie die Verantwortung übernehmen wollen, die Selbstverwaltung weiter auszubauen und die Einheit der ezidischen Gesellschaft zu stärken. Zugleich verwiesen sie auf die hohen Verluste seit dem Ferman von 2014 und bekräftigten, den eingeschlagenen politischen Weg fortzusetzen.

Im Anschluss an die Wahlen trat die neue Führung offiziell ihr Amt an. Vor den 51 Mitgliedern des Volksrats legten sie ihren Eid ab. Eine detaillierte Abschlusserklärung mit den Ergebnissen und Planungen des Kongresses soll in den kommenden Tagen veröffentlicht werden.

https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/autonomierat-von-Sengal-berat-uber-einheit-reformen-und-politische-zukunft-50910 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/ezidische-stammesfuhrer-warnen-vor-destabilisierung-in-Sengal-50330 https://deutsch.anf-news.com/hintergrund/Sengal-aufbau-demokratischer-autonomie-in-einer-umkampften-region-32945

 

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Islamisten greifen christliche Stadt in Hama an

29. März 2026 - 0:00

In der mehrheitlich von antiochenisch-orthodoxen Christ:innen bewohnten Kleinstadt Suqailabiyya (auch Suqaylabiyah) in der syrischen Provinz Hama ist es Freitagnacht zu schweren Angriffen durch bewaffnete islamistische Gruppen gekommen. Die Nachrichtenagentur ANHA berichtet von einem groß angelegten Übergriff auf christliches Eigentum und spricht von einer bisher unbekannten Zahl an Verletzten, einige von ihnen schwer.

The attacks against the Christian community in Suqaylabiyah (Hama, Syria) may continue tonight.

Syrians from the surrounding cities and villages are flocking to Suqaylabiyah. pic.twitter.com/gouLTOMyFv

— Scharo Bajalan (@ScharoBajalan) March 28, 2026

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) begann die Eskalation mit Belästigungen christlicher Mädchen durch junge Männer aus der benachbarten, mehrheitlich sunnitischen Stadt Qalaat al-Madiq. Bewohner der Stadt hätten daraufhin eingegriffen und die Angreifer zunächst vertrieben. Kurze Zeit später kehrten diese jedoch in größerer Zahl und begleitet von bewaffneten Gruppen zurück.

“Break it, break it, break it, smash it! It belongs to the pigs (Christians)”

Footage shows Syrians raiding and destroying a Christian owned cafe in Suqaylabiyah (Hama) https://t.co/ZrVXojaXwR pic.twitter.com/XsdZXbVUAr

— Scharo Bajalan (@ScharoBajalan) March 27, 2026

Die Angreifer drangen auf Motorrädern in die Stadt ein, eröffneten das Feuer und griffen gezielt Häuser und Geschäfte an. Videoaufnahmen zeigen Szenen von Plünderungen, Zerstörung und Brandstiftung sowie bewaffnete Gruppen, die weitere Angriffe auf Suqailabiyya ankündigen. Oppositionelle Medien sowie lokale Quellen werfen staatlichen Stellen vor, die Angriffe zu dulden oder nicht einzugreifen. Einige Berichte sprechen davon, dass die Angreifer teilweise von regierungsnahen Strukturen unterstützt worden seien. Zudem sollen mehrere christliche Männer festgenommen worden sein.

It is a very serious situation.

In the town itself, stores continue to be looted and Christian sites such as the Virgin Mary statue has been destroyed - gun fire can be heard in the background.

On top of that, Syrian Government forces are threatening the Christian’s in Syria… https://t.co/0JOyREZGIV pic.twitter.com/5BNXWCkYgQ

— Scharo Bajalan (@ScharoBajalan) March 27, 2026

Warnung vor weiterer Gewalt

Die Ereignisse sorgen überregional für Besorgnis. Beobachter:innen warnen, dass weitere Angriffe folgen könnten. Die Iraqi Christian Foundation sprach von einer dramatischen Eskalation: „Am Vorabend von Palmsonntag und der Karwoche greifen bewaffnete Islamisten christliche Geschäfte, Häuser und Kirchen an.“ Die Organisation sieht die Angriffe im Zusammenhang mit einer breiteren Entwicklung: „Christen im Nahen Osten sind derzeit von Syrien bis in den Irak zunehmenden Angriffen ausgesetzt.“

On the eve of Palm Sunday and Holy Week, in the ancient Christian town of Suqaylabiyah, Syria, groups of armed Islamists are attacking Christian shops, homes, and churches. The Al-Qaeda/ISIS-aligned Syrian government is encouraging these attacks and has been a catastrophic… pic.twitter.com/TPHukOiLx6

— Iraqi Christian Foundation (@iraqschristians) March 28, 2026

Übergriffe Teil einer größeren Entwicklung

Die Ereignisse in Suqailabiyya stehen exemplarisch für die wachsende Unsicherheit für Minderheiten in Syrien. Seit der Machtübernahme der Islamistenallianz Hayat Tahrir al-Sham (HTS) Ende 2024 werden Alawit:innen, Christ:innen, Drus:innen und Kurd:innen gezielt von Truppen und Milizen der selbsternannten Übergangsregierung in Damaskus angegriffen.

https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/un-sehen-mogliche-kriegsverbrechen-bei-massakern-in-drusischen-gebieten-50902 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/nrls-bericht-1-200-zivilist-innen-bei-angriffen-auf-kurd-innen-getotet-50434 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/gfbv-kein-roter-teppich-fur-kriegsverbrecher-und-islamisten-50901

 

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Rojava nimmt Abschied von Ehmed Huseynî

28. März 2026 - 22:00

Der kurdische Dichter und Intellektuelle Ehmed Huseynî ist am Samstag in seiner Geburtsstadt Amûdê in Rojava beigesetzt worden. Zahlreiche Menschen nahmen Abschied von dem Poeten, der mit seinem literarischen Werk zu den wichtigen Stimmen der modernen kurdischen Poesie gehörte und über Jahrzehnte hinweg die kurdische Literatur prägte.

Huseynî war am 10. März im schwedischen Stockholm an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. Sein Leichnam wurde anschließend nach Nordostsyrien überführt. In Qamişlo wurde der Sarg zunächst vor dem Gebäude des Verbands der Intellektuellen empfangen.

Trauerzug nach Amûdê

Weggefährt:innen, Künstler:innen sowie Vertreter:innen politischer und gesellschaftlicher Institutionen begleiteten die Zeremonie. Unter den Anwesenden waren Delegationen der Partei PYD, des Demokratischen Syrienrats (MSD) sowie der kurdischen Frauenbewegung Kongra Star. Begleitet wurde das Zeremoniell von Aufnahmen, in denen Huseynî eigene Gedichte vortrug.

Anschließend setzte sich der Trauerzug in Richtung Amûdê in Bewegung. Auf dem zentralen Jina-Azadî-Platz wurde der Sarg von einer großen Menschenmenge empfangen. Begleitet von der kurdischen Nationalhymne „Ey Reqîb“ wurde Huseynî zur Selahaddin-Eyyubi-Moschee gebracht, wo das Totengebet stattfand. Danach erfolgte die Beisetzung auf dem alten Friedhof der Stadt.

Gedenkveranstaltung und Würdigungen

Im Anschluss fand im Horî-Kulturzentrum eine Gedenkveranstaltung statt, organisiert vom Kulturkomitee der Cizîrê-Region sowie dem Zusammenschluss kurdischer Schriftsteller:innen und Intellektueller. In den Redebeiträgen wurde Huseynî als prägende Stimme der kurdischen Literatur gewürdigt. Abdulmecid Xelef erklärte, die große Teilnahme zeige, „wie sehr Ehmed Huseynî im kollektiven Gedächtnis verankert ist“, und rief dazu auf, kulturelle Werte und Intellektuelle stärker zu schützen.

„Eine Stimme aus dem Herzen des Volkes“

Die Ko-Vorsitzende des Intellektuellenverbands, Enahîta Sîno, bezeichnete Huseynî als „eine Stimme aus dem Herzen des kurdischen Volkes“. Er habe sich zeitlebens für die kurdische Sprache, Literatur und die Einheit der Intellektuellen eingesetzt und sei Mitbegründer zentraler kultureller Strukturen gewesen.

„Ein Derwisch seines Volkes“

Der Ko-Vorsitzende der PYD, Xerîb Hiso, würdigte Huseynî als „Dichter, Intellektuellen und Patrioten“: „Er hat viel Leid erlebt und war ein Derwisch seines Volkes. Sein größter Traum war die kurdische Einheit – es liegt an uns, diesen Traum weiterzutragen.“

Vermächtnis und politisches Engagement

Auch der MSD betonte die Bedeutung Huseynîs für die kulturelle Entwicklung in Rojava. Er habe „die Rolle der Poesie als Träger von Geschichte und Bewusstsein“ gestärkt. Familienangehörige erinnerten zudem daran, dass Huseynî bereits nach dem Aufstand von 2004 in Qamişlo am Aufbau kurdischer Intellektuellenstrukturen beteiligt war und später im Exil weiterarbeitete, bevor er nach Rojava zurückkehrte.

Zum Abschluss erklärte Mûnir Şêxî im Namen der Familie: „Wir werden seinen Weg weitergehen und die von ihm aufgebauten Strukturen stärken.“

https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/kurdischer-dichter-ehmed-huseyni-gestorben-50650

 

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Anwesen von Nêçîrvan Barzanî in Duhok bombardiert

28. März 2026 - 18:00

Das Wohnhaus des Präsidenten der Kurdistan-Region des Irak (KRI), Nêçîrvan Barzanî, ist Ziel eines Angriffs geworden. Nach bisherigen Informationen wurde das Anwesen in der Provinz Duhok bombardiert. Barzanî blieb unverletzt. Ob es weitere Opfer oder Schäden gibt, war zunächst unklar.

Bagdad kündigt Untersuchung an

Der irakische Premierminister Mohammed Schia al-Sudani verurteilte den Angriff scharf und kündigte eine umfassende Untersuchung an. Nach Angaben des Regierungsbüros in Bagdad soll eine gemeinsame Kommission aus Vertreter:innen der irakischen Zentralregierung und der kurdischen Regionalregierung eingerichtet werden. Ziel sei es, die Hintergründe des Angriffs aufzuklären und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Al-Sudani sprach telefonisch mit Barzanî und betonte die Notwendigkeit, den Vorfall schnell aufzuklären. Im Zusammenhang mit dem Angriff warnte der Premier vor einer weiteren Destabilisierung des Landes. „Wir werden nicht zulassen, dass irgendeine illegale Gruppe oder externe Akteure den Irak in die aktuellen regionalen Konflikte hineinziehen“, erklärte er.

Verdacht auf pro-iranische Milizen

Sicherheitskreisen zufolge wird vermutet, dass pro-iranische Milizen hinter dem Angriff stehen könnten. Eine offizielle Bestätigung gibt es bislang nicht. Seit Beginn des US-israelisch-iranischen Krieges ist die Kurdistan-Region des Irak wiederholt von Irans Revolutionsgarde sowie Teheran-treuen Milizen angegriffen worden. Nach ANF-Recherchen wurden seit Ende Februar insgesamt mehr als 460 Drohnen- und Raketenangriffe in der Region registriert. Dabei kamen mindestens 14 Menschen ums Leben, 85 weitere wurden verletzt.

https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/allianz-ostkurdischer-parteien-verurteilt-iranische-angriffe-in-soran-50858 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/peschmerga-ministerium-verurteilt-raketenangriff-barzani-spricht-von-feindlichem-akt-50851 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/luftangriffe-auf-iranische-stellungen-an-grenze-zwischen-basur-und-rojhilat-50834

 

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Rückkehr nach Efrîn unter schwierigen Bedingungen

28. März 2026 - 17:00

Acht Jahre nach der Besetzung durch die Türkei und mit ihr verbündete islamistische Milizen kehren erste vertriebene Kurd:innen in ihre Heimatregion Efrîn zurück. Für viele ist es ein zutiefst emotionaler Moment: Einige küssen den Boden ihrer Dörfer, andere umarmen die verbliebenen Olivenbäume oder sitzen schweigend in den Höfen ihrer Häuser. Doch so bedeutend diese Rückkehr für die Betroffenen ist, so sehr wird sie von den Bedingungen vor Ort überschattet.

Vierfache Vertreibung seit 2018

Mit der Invasion der Türkei und ihrer Proxy-Truppen der sogenannten „Syrischen Nationalarmee“ (SNA) im Jahr 2018 wurden mehr als 300.000 Menschen aus Efrîn vertrieben. Ein Großteil floh in die benachbarte Wüstenregion Şehba, wo sich über Jahre hinweg eine neue, prekäre Lebensrealität entwickelte. Diese Phase hielt bis Ende 2024 an.

Dann begann eine neue Angriffswelle auf Şehba, diesmal durch die Dschihadistenallianz Hayat Tahrir al-Sham (HTS) sowie die nach dem Sturz des Assad-Regimes gebildete syrische Übergangsregierung. Rund 200.000 Menschen wurden erneut vertrieben und auf verschiedene Gebiete Nord- und Ostsyriens verteilt, darunter Tabqa, Raqqa, Kobanê, die Cizîr-Region und Aleppo. Viele Familien fanden Aufnahme in provisorischen Unterkünften oder bei anderen Familien.

Auch Anfang 2026 kam es im Zuge der jüngsten Offensive gegen die nordostsyrische Selbstverwaltung zu weiteren Angriffen, insbesondere auf die Aleppiner Stadtteile Şêxmeqsûd und Eşrefiyê, in denen sich viele Geflüchtete aus Efrîn befanden. Erneut mussten zehntausende Menschen fliehen. Damit wurden zahlreiche Familien aus Efrîn innerhalb von acht Jahren mindestens viermal vertrieben.

Rückkehr nach Vereinbarung mit Damaskus

Die Rückkehrbewegung begann erst nach dem Abkommen zwischen den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) und der Übergangsregierung in Damaskus am 29. Januar. In der Vereinbarung ist festgehalten, dass Vertriebene in ihre Herkunftsorte zurückkehren können und lokale Verwaltungsstrukturen wieder aufgebaut werden sollen. Anfang März machte sich ein erster Konvoi mit rund 400 Familien – etwa 3.000 Menschen – auf den Weg zurück nach Efrîn. Sie kehrten unter anderem in die Bezirke Mabeta, Şiyê und Cindirês zurück. Nach aktuellen Angaben bereiten sich rund 10.000 weitere Familien auf ihre Rückkehr vor.

Abfahrt des Konvois Richtung Efrîn am 9. März © ANHA

Kein Rückkehrkorridor – langsamer Prozess

Ein zentrales Problem bleibt die Organisation der Rückkehr. Die Selbstverwaltung hatte vorgeschlagen, einen Korridor von Qamişlo nach Efrîn einzurichten, um die Rückkehr zügig zu ermöglichen. Die Übergangsregierung in Damaskus lehnte diesen Vorschlag jedoch ab. Stattdessen erfolgt die Rückkehr nun schrittweise: Familien können nur dann zurückkehren, wenn ihre Häuser tatsächlich frei sind. Dadurch verzögert sich der Prozess erheblich.

Milizenfamilien bleiben in kurdischen Häusern

Eines der größten Hindernisse ist die Situation der Wohnhäuser. Nach der Besetzung wurden zahlreiche Familien aus anderen Teilen Syriens, insbesondere aus Homs, Hama, Damaskus und Deir ez-Zor, in Häusern vertriebener Kurd:innen angesiedelt. Dabei handelt es sich vielfach um Angehörige islamistischer Milizen, die unter türkischer Kontrolle stehen. Zwar sieht die Vereinbarung zwischen den QSD und Damaskus vor, dass diese Häuser geräumt werden müssen. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass viele dieser Gruppen sich weigern zu gehen. Aus verschiedenen Dörfern wird berichtet, dass Rückkehrende unter Druck gesetzt oder an der Rückkehr gehindert werden.

Türkische Militärstützpunkte verhindern Rückkehr

Hinzu kommt die fortdauernde militärische Präsenz der Türkei. In mehreren Dörfern, darunter Şêxûrzê, Dêwrîş sowie Basilê und Kîmarê, bestehen weiterhin türkische Militärstützpunkte. Dort stationierte Islamistenmilizen blockieren teilweise die Rückkehr oder verweigern die Räumung von Häusern vollständig. Beobachtungen vor Ort zeigen, dass diese Gruppen nicht primär den Anweisungen aus Damaskus folgen, sondern weiterhin unter direktem Einfluss Ankaras stehen.

Forderung nach lokaler Sicherheitsstruktur

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Sicherheitsfrage zentrale Bedeutung. Viele Bewohner:innen fordern die Einrichtung einer lokalen Einheit, die ausschließlich aus Menschen aus Efrîn bestehen soll. Dieser Vorschlag wird innerhalb der Selbstverwaltung diskutiert. Eine endgültige Entscheidung steht jedoch noch aus.

Eine Vertriebene und ihre Katze. Beide sind inzwischen nach Efrîn zurückgekehrt © ANHA

Newroz-Angriffe zeigen anhaltende Spannungen

Wie angespannt die Lage weiterhin ist, zeigte sich auch bei den diesjährigen Newroz-Feiern am 21. März. Dabei kam es zu Angriffen durch Mitglieder von Dschihadistenmilizen und deren Anhänger gegen kurdische Familien, die ihr Neujahrsfest feierten. Teilweise wurden offen rassistische und antikurdische Parolen geäußert, und kurdische Symbole wurden angegriffen. Lokale Vertreter:innen sehen darin gezielte Provokationen. Der Ko-Vorsitzende des Sozialrats von Efrîn etwa erklärte, Ziel sei es gewesen, Spannungen zu erzeugen und die Botschaft zu senden, dass Efrîn nicht zu Rojava gehöre.

Zerstörte Lebensgrundlagen

Neben der Sicherheitslage stellt auch die wirtschaftliche Situation eine massive Herausforderung dar. Vor dem Angriffskrieg von 2018 lebte die Bevölkerung Efrîns überwiegend vom Olivenanbau und dem Handel mit Olivenöl. Während der Besatzung wurden jedoch große Teile der Olivenhaine zerstört oder abgeholzt. Schätzungen zufolge wurden rund eine Million Bäume gefällt, Wälder verbrannt und landwirtschaftliche Flächen militärisch genutzt. Viele Rückkehrende finden ihre Existenzgrundlage daher zerstört vor.

Serêkaniyê: Rückkehr weiterhin unmöglich

Während in Efrîn erste Rückkehrbewegungen stattfinden, ist die Lage in Serêkaniyê (Ras al-Ain) noch deutlich schwieriger. Die Stadt wurde im Oktober 2019 von der Türkei und verbündeten Milizen besetzt. Rund 75.000 Menschen wurden vertrieben. Auch dort wurden Häuser enteignet und an Islamistenfamilien übergeben. Zudem sind große Teile der Infrastruktur zerstört, etwa 45 Dörfer wurden zu großen Teilen vernichtet. Vertreter:innen der Vertriebenen betonen, dass eine Rückkehr derzeit nicht möglich sei.

Forderungen der Vertriebenen

„Es gibt keine sichere Umgebung für eine Rückkehr“, erklärte der Anwalt Ciwan Îso. Häuser würden nicht geräumt, Eigentum geplündert und gezielt zerstört. Trotz der massiven Hindernisse halten viele Menschen an ihrer Rückkehr fest. Für sie ist die Rückkehr nach Efrîn und Serêkaniyê nicht nur eine praktische Notwendigkeit, sondern Ausdruck eines politischen Anspruchs auf Heimat, Selbstbestimmung und Rückkehr. Die Bevölkerung formuliert klare Bedingungen: den Abzug der türkischen Truppen, die Räumung besetzter Häuser, Sicherheitsgarantien und den Wiederaufbau lokaler Selbstverwaltung.

https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/rassistische-angriffe-auf-kurd-innen-nach-newroz-feiern-in-nordsyrien-50812 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/ruckkehr-von-vertriebenen-nach-efrin-nach-newroz-verschoben-50750 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/erste-ruckkehr-nach-acht-jahren-konvoi-mit-vertriebenen-erreicht-efrin-50645 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/ilham-ehmed-begrusst-ruckkehr-erster-kurdischer-familien-nach-efrin-50647 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/400-familien-aus-efrin-kehren-aus-heseke-in-ihre-heimat-zuruck-50640

 

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Kein roter Teppich für al-Scharaa: Einladung nach Berlin sendet fatales Signal

28. März 2026 - 15:00

Die Einladung an Ahmed al-Scharaa nach Berlin sorgt in der kurdischen Community in Deutschland für Entsetzen. Sie wirft grundlegende Fragen zur Menschenrechtsbindung der Bundesrepublik und zu ihrer politischen Signalwirkung auf.

Ahmed al-Scharaa war über Jahre hinweg führend in mehreren islamistischen Terrororganisationen tätig, darunter Gruppierungen, die international für schwerste Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind. Seine spätere Streichung von Terrorlisten einzelner Staaten aufgrund seiner jetzigen führenden Rolle in der sogenannten syrischen Übergangsregierung ändert nichts an seinen Taten und der Verantwortung der Organisationen, denen er angehörte.

Die plötzliche politische Aufwertung al-Scharaas kommt einer Rehabilitierung gleich, obwohl weder eine juristische noch eine politische Aufarbeitung seiner Rolle stattgefunden hat. Dass einem solchen Akteur am kommenden Montag in Berlin der rote Teppich ausgerollt werden soll, ist für viele Menschen ein zutiefst verstörendes Signal.

Gewalt gegen Minderheiten bleibt Realität

Gerade für Kurd:innen, Ezid:innen, Alawit:innen, Drus:innen, Christ:innen und weitere Volks- und Religionsgruppen, die unter den verschiedenen islamistischen Milizen in Syrien systematisch verfolgt wurden, ist dieser Schritt ein schmerzhafter Affront. Sie empfinden es als Relativierung und Legitimierung der Gewalt, die sie erlitten haben und die wir alle vor wenigen Wochen erneut mitansehen mussten, als Angriffe auf Rojava stattfanden.

Rojin Çelik-Dilek © privat

Vor laufender Kamera wurde der Leichnam einer getöteten Frau von Milizionären der syrischen Übergangsregierung von einem Gebäude geworfen und unter Jubelrufen misshandelt. Diese Bilder stehen exemplarisch für jene Strukturen, die Ahmed al-Scharaa über Jahre hinweg mitgetragen hat – und die er nun nicht mehr in Kampfmontur, sondern im Anzug und mit Krawatte repräsentiert.

Die erneuten Angriffe auf Rojava, das westliche Kurdistan, stellen Verstöße gegen fundamentale Normen des humanitären Völkerrechts dar. Vor diesem Hintergrund wirkt die Einladung an al-Scharaa wie ein politisches Signal, das die Bundesregierung in eine gefährliche Nähe zu Akteuren rückt, die Teil eines Systems systematischer Gewalt, Unterdrückung und ethnisch motivierter Vertreibungen und Tötungen sind.

Völkerrechtliche und migrationspolitische Konsequenzen

Sollte die Einladung dazu dienen, Abschiebungen nach Syrien zu koordinieren, ist festzuhalten, dass die Lage in Syrien, insbesondere in Gebieten, die von islamistischen Gruppen kontrolliert werden, weiterhin geprägt ist von willkürlichen Festnahmen, Folter, Verschwindenlassen und religiöser wie ethnischer Diskriminierung. Eine Kooperation mit einem Akteur wie al-Scharaa kann daher unter keinen Umständen eine rechtssichere Grundlage für Rückführungsentscheidungen bilden.

Wer Akteure legitimiert, die für schwerste Verbrechen verantwortlich sind, verletzt das Vertrauen jener Gemeinschaften, die in Deutschland Schutz gesucht haben. Vor allem aber sendet es fatale politische und juristische Signale.

Klare Erwartungen an die Bundesregierung

Wir stellen daher klare Erwartungen an Herrn Merz: eine eindeutige Ablehnung jeglicher Form der Annäherung an islamistische Gewaltregime oder deren Repräsentanten, Solidarität mit Rojava und den Völkern in Syrien, die unter schwierigsten Bedingungen Menschenrechte und Minderheitenschutz verteidigen, die Anerkennung der besonderen Gefährdungslage von Kurd:innen, Ezid:innen, Christ:innen, Alawit:innen, Drus:innen und weiteren betroffenen Bevölkerungsgruppen in Syrien sowie einen klaren Fokus auf einen Friedensprozess unter Einbeziehung der Selbstverwaltung von Rojava.

Ebenso erwarten wir, dass Herr Merz unmissverständlich auf der Einhaltung menschenrechtlicher Standards in der gesamten Region beharrt und diese zur Grundlage jeder politischen Entscheidung mit Bezug auf Rojava und Syrien macht. Dazu gehört auch die offizielle Anerkennung von Rojava.

Die Bundesregierung muss deutlich machen, dass deutsche Migrationspolitik nicht auf Kosten von Menschenrechten betrieben wird. Die Einladung an Ahmed al-Scharaa steht derzeit im klaren Widerspruch zu diesem Anspruch.

*Rojin Çelik-Dilek ist Rechtsanwältin in Bielefeld und hat ihre Schwerpunkte im Asyl- und Ausländerrecht sowie Arbeits-, Familien- und Strafrecht. 

https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/eu-abgeordnete-fordern-aufklarung-uber-verschwundene-journalist-innen-in-syrien-50846 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/gfbv-kein-roter-teppich-fur-kriegsverbrecher-und-islamisten-50901 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/syriens-Ubergangsprasident-kommt-am-montag-nach-berlin-50872 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/nrls-bericht-1-200-zivilist-innen-bei-angriffen-auf-kurd-innen-getotet-50434

 

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Autonomierat von Şengal berät über Einheit, Reformen und politische Zukunft

28. März 2026 - 14:00

Der Demokratische Autonomierat Şengals (MXDŞ) veranstaltet an diesem Samstag seinen sechsten ordentlichen Kongress. Die Zusammenkunft tagt unter der Losung „Einheit, Freiheit und Lösung“ und wird in einer Veranstaltungsstätte im Kersê-Tal in Şengal abgehalten. Auch wenn es sich formal um einen regulären Kongress handelt, wird er als ein Treffen mit besonderer politischer Bedeutung bewertet. Hintergrund sind die kriegsbedingte Lage im Nahen Osten sowie geplante Änderungen am Gesellschaftsvertrag Şengals. Rund 250 Delegierte aus politischen, gesellschaftlichen und zivilen Strukturen nehmen teil. Neben Vertreter:innen der Selbstverwaltung sind auch Frauen- und Jugendbewegungen, Stammesrepräsentanten sowie verschiedene Parteien und Initiativen aus Şengal beteiligt.

Fokus auf Wandel und Neuorientierung

Zur Eröffnung betonte der Ko-Vorsitzende des MXDŞ, Nayif Şemo, die Notwendigkeit von Veränderungen. Die Autonomieverwaltung sei seit ihrer Gründung 2015 als Antwort auf staatliches Versagen aufgebaut worden. „Wir haben unsere eigenen gesellschaftlichen und demokratischen Strukturen geschaffen“, sagte er. Zugleich verwies er auf bestehende Probleme im Verhältnis zum irakischen Staat und betonte, dass Anpassungen notwendig seien. Der Kongress solle dazu beitragen, die politische, gesellschaftliche und auch militärische Einheit der ezidischen Bevölkerung zu stärken.

Nayif Şemo

Einheit als zentrale Botschaft

Auch in den Beiträgen von gesellschaftlichen Vertreter:innen wurde die Bedeutung von Einheit hervorgehoben. In einer Botschaft der Familien von Gefallenen hieß es, viele junge Ezid:innen hätten ihr Leben für die Verteidigung Şengals gegeben. „Unsere Hoffnung ist die Einheit und der Erfolg unseres Volkes“, betonte Dayê Pakîz in einer verlesenen Erklärung.

Rolle der Frauenbewegung

Die Sprecherin der ezidischen Frauenbewegung TAJÊ, Riham Hico, unterstrich die Bedeutung des Kongresses angesichts der anhaltenden Konflikte in der Region. „Wir sind hier zusammengekommen, um unsere eigene Lösung zu diskutieren“, sagte sie. In den vergangenen zehn Jahren sei sowohl militärisch als auch politisch ein umfassender Widerstand aufgebaut worden. Zugleich betonte sie die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft: „Wir sind unserem Volk, den Kindern der Gefallenen und ihren Familien verpflichtet.“ Hico erklärte, der Kampf für ein freies Şengal, eine freie Gesellschaft und die Freiheit der Frauen werde fortgesetzt. Dabei gehe es auch um die Einheit der Ezid:innen über Şengal hinaus, etwa in Rojava, Nordkurdistan und Südkurdistan.

Riham Hico

Ausblick auf politische Entscheidungen

Im weiteren Verlauf des Kongresses werden neben strukturellen Fragen auch politische Perspektiven diskutiert. Dazu zählen mögliche Anpassungen des Gesellschaftsvertrags sowie Fragen der Beziehung zum irakischen Staat im Rahmen einer demokratischen Integration. Zudem werden Botschaften aus der ezidischen Diaspora sowie aus verschiedenen politischen Strukturen verlesen. Auch Videobotschaften verschiedener Politiker:innen wurden an den Kongress übermittelt und sollen im weiteren Verlauf abgespielt werden.

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