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Aktualisiert: vor 1 Stunde 33 Minuten

Iran richtet Anhänger der Volksmudschahedin hin

30. März 2026 - 15:00

In Iran sind zwei Oppositionelle hingerichtet worden. Nach Angaben der Regime-Justiz wurden die beiden Männer am Morgen durch Erhängen exekutiert. Staatliche Medien bezeichneten sie als „Elemente der terroristischen Gruppe der Heuchler“ – eine gängige Bezeichnung für die Volksmudschahedin. Sie sollen Angriffe geplant haben, zitierte die Nachrichtenagentur Fars das Regime. In ihrer Wohnung seien Waffen sichergestellt worden.

Menschenrechtsorganisationen widersprechen dieser Darstellung deutlich. Der Direktor der in Norwegen ansässigen Organisation Iran Human Rights (IHR), Mahmood Amiry-Moghaddam, erklärte, es habe sich um politische Gefangene gehandelt. Diese seien über längere Zeit in Einzelhaft gehalten, gefoltert und ohne Zugang zu einem Rechtsbeistand festgehalten worden.

Die Volksmudschahedin zählen zu den bekanntesten Oppositionsgruppen gegen das iranische Herrschaftssystem und verfolgen das Ziel eines politischen Umsturzes. Ihre Anhänger:innen gründeten 1981 im Exil den Nationalen Widerstandsrat. Gleichzeitig ist die Organisation auch innerhalb der Opposition umstritten und wird von vielen Gruppen abgelehnt.

Die Hinrichtungen erfolgen vor dem Hintergrund einer verschärften Repressionspolitik im Land. Seit Beginn des Krieges zwischen Israel, den USA und Iran geht die Regime-Justiz verstärkt gegen Oppositionelle vor. In mehreren Fällen wurden bereits Todesurteile wegen angeblicher Spionage zugunsten Israels vollstreckt.

Menschenrechtsorganisationen kritisieren seit Jahren den systematischen Einsatz der Todesstrafe. Sie werfen der Führung in Teheran vor, Hinrichtungen gezielt zur Einschüchterung der Bevölkerung einzusetzen. Nach Angaben des Menschenrechtsnetzwerks HRANA wurden im vergangenen Jahr mehr als 2.000 Menschen in Iran exekutiert – so viele wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

https://deutsch.anf-news.com/menschenrechte/iran-regime-richtet-drei-protestierende-hin-50775 https://deutsch.anf-news.com/menschenrechte/aktivist-aus-ostkurdistan-in-der-turkei-festgenommen-50927 https://deutsch.anf-news.com/menschenrechte/ngo-iran-richtet-2025-so-viele-menschen-wie-nie-hin-49501
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Syrischer Übergangspräsident von Merz im Kanzleramt empfangen

30. März 2026 - 15:00

Bundeskanzler Friedrich Merz hat den syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa zu dessen Antrittsbesuch in Berlin empfangen. Am Montag begrüßte Merz den neuen Machthaber im Kanzleramt, wo zunächst ein Vier-Augen-Gespräch und ein gemeinsames Mittagessen auf dem Programm standen. Für 14 Uhr ist ein gemeinsamer Auftritt vor der Presse geplant.

Im Mittelpunkt der Gespräche stehen der Wiederaufbau Syriens nach Jahren des Bürgerkriegs sowie Fragen der Rückführung syrischer Geflüchteter. Auch die regionalen Spannungen im Zuge des Krieges Israel, den USA und Iran dürften eine Rolle gespielt haben. Al-Scharaa war zuvor bereits von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue empfangen worden. Zudem nahm er an einem deutsch-syrischen Wirtschaftsforum im Auswärtigen Amt teil.

Der Besuch ist politisch hoch umstritten. In Berlin kam es zeitgleich zu Protesten gegen das Treffen. Kritiker:innen werfen der neuen Führung in Damaskus vor, Gräueltaten gegen Minderheiten zu verüben. Besonders im Fokus steht dabei die Vergangenheit al-Scharaas. Der heutige Übergangspräsident war zuvor Anführer islamistischer Milizen und stand an der Spitze der Al-Nusra-Front, die zeitweise mit dem Terrornetzwerk Al-Qaida verbunden war. Später führte er die Nachfolgeorganisation Hajat Tahrir al-Scham.

Die von al-Scharaa geführten Milizen hatten Ende 2024 Langzeitherrscher Baschar al-Assad gestürzt und die Macht im Land übernommen. Seitdem bemüht sich die neue Führung um internationale Anerkennung und diplomatische Kontakte, geht zugleich gegen Minderheiten in Syrien vor. Im März vergangenen Jahres kam es zu Massakern syrischer Regierungstruppen gegen die Alawit:innen, im Juli folgten gezielte Angriffe auf die Drus:innen. Im Januar führte Damaskus eine Offensive gegen die Kurd:innen. Menschenrechtsorganisationen dokumentierten außergerichtliche Tötungen, kollektive Bestrafungen, Vertreibungen und Verschleppungen.

https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/kon-med-kritisiert-empfang-von-al-scharaa-keine-normalisierung-von-gewalt-50930 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/kein-roter-teppich-fur-al-scharaa-einladung-nach-berlin-sendet-fatales-signal-50911 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/gfbv-kein-roter-teppich-fur-kriegsverbrecher-und-islamisten-50901

 

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CPT: 14 Tote durch iranischen Beschuss in Südkurdistan

30. März 2026 - 13:00

In der Kurdistan-Region des Irak (KRI) wurden seit Beginn des Krieges zwischen den USA, Israel und Iran mindestens 14 Menschen getötet und 93 weitere verletzt. Das geht aus einem neuen Bericht der Friedensinitiative Community Peacemaker Teams (CPT) hervor. Unter den Opfern befinden sich auch zahlreiche Zivilpersonen.

Die Organisation verzeichnete mindestens 474 Angriffe seit Kriegsbeginn Ende Februar. Den Angaben zufolge gingen 179 Angriffe direkt von der iranischen Revolutionsgarde aus. Weitere 295 Angriffe wurden von mit Iran verbundenen Gruppen im Irak durchgeführt. Schwerpunkt der Attacken war die Provinz Hewlêr (Erbil), auf die mit 370 Vorfällen mehr als drei Viertel aller registrierten Angriffe entfielen. In Silêmanî wurden 90 Angriffe gezählt, während Duhok und Helebce deutlich seltener betroffen waren.

Ein großer Teil der Angriffe richtete sich laut CPT gegen US-Militärstandorte sowie Stützpunkte kurdischer Parteien aus Rojhilat. Nach Einschätzung von CPT wurden jedoch wiederholt auch zivile Ziele getroffen. Insgesamt dokumentierte die Organisation 172 Angriffe auf Wohngebiete, öffentliche Einrichtungen und zivile Infrastruktur.

Die Analyse zeigt zudem eine klare Entwicklung bei den eingesetzten Mitteln: 359 der Angriffe wurden mit sogenannten Kamikaze-Drohnen durchgeführt, 104 mit Raketen, weitere mit Artillerie. Ein Teil der Geschosse wurde abgefangen oder verfehlte sein Ziel, dennoch entstanden erhebliche Schäden.

Neben den Todesopfern und Verletzten wurden mindestens 46 Wohnhäuser sowie 32 zivile Fahrzeuge beschädigt. Die Angriffe wirkten sich auch direkt auf den Alltag aus: In mehreren Fällen musste der Unterricht an Schulen und Universitäten unterbrochen werden.

CPT warnt vor einer weiteren Eskalation und bezeichnet insbesondere die Angriffe auf zivile Infrastruktur als ernsthafte Bedrohung für die Bevölkerung. Die Organisation fordert ein Ende der Angriffe sowie Schritte zum Schutz der Zivilbevölkerung. Gleichzeitig wird die irakische Regierung aufgefordert, gegen Verantwortliche für Angriffe vom eigenen Staatsgebiet vorzugehen.

https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/anwesen-von-necirvan-barzani-in-duhok-bombardiert-50913 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/peschmerga-ministerium-verurteilt-raketenangriff-barzani-spricht-von-feindlichem-akt-50851 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/luftangriffe-auf-iranische-stellungen-an-grenze-zwischen-basur-und-rojhilat-50834

 

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Mannheim: Konferenz prangert Repression in Türkei und Kurdistan an

30. März 2026 - 13:00

In Mannheim hat am Sonntag eine Konferenz zu Demokratie, Gerechtigkeit und gesellschaftlichem Frieden stattgefunden, bei der die politische Entwicklung in der Türkei und in Nordkurdistan im Zentrum stand. Die Veranstaltung im Cem-Haus brachte Vertreter:innen aus Politik, Zivilgesellschaft und der alevitischen Gemeinschaft zusammen.

Bereits in den einleitenden Beiträgen wurde deutlich, dass die aktuelle politische Situation von den Teilnehmenden als tiefgreifende demokratische Krise bewertet wird. Im Fokus standen insbesondere die Einsetzung staatlicher Zwangsverwalter anstelle gewählter Kommunalverwaltungen, anhaltende Repressionen gegen oppositionelle Kräfte sowie die Perspektiven des neuen Friedensprozesses.

Gemeinsam Haltung zeigen

Der Moderator der Konferenz, Özkan Mat, stellte den politischen Anspruch der Veranstaltung heraus. „Wir haben ein Wort: auf der Seite des Guten, des Friedens und des Widerstands“, sagte er. Es gehe darum, gemeinsam Haltung zu zeigen und Perspektiven für eine demokratische Zukunft zu entwickeln. Auch internationale Entwicklungen wurden aufgegriffen. In mehreren Beiträgen wurde auf die Kriege in der Ukraine und in Syrien verwiesen, deren Auswirkungen auf die Region und die politischen Dynamiken im Nahen Osten thematisiert wurden.

 


Scharfe Kritik richtete sich gegen die Praxis, gewählte Bürgermeister:innen in der Türkei abzusetzen und durch staatliche Verwalter zu ersetzen. Diese Eingriffe wurden von mehreren Redner:innen als Angriff auf demokratische Grundprinzipien bewertet. In diesem Zusammenhang war auch von systematischen Maßnahmen gegen oppositionelle Strukturen die Rede.

Anerkennung von Cem-Häusern

Der Vorsitzende des Mannheimer Cem-Haus, Barış Yılmaz, betonte, dass die Türkei vor allem einen politischen Wandel hin zu Dialog und demokratischen Verfahren benötige. „Rechtsstaatlichkeit und Gerechtigkeit müssen für alle gelten“, erklärte er. Zugleich verwies er auf die Forderungen der alevitischen Gemeinschaft nach Gleichberechtigung und der Anerkennung von Cem-Häusern als offizielle Orte des Glaubens und der Religionsausübung. Yılmaz informierte zudem über ein geplantes neues Projekt in Mannheim.

Der Vorsitzende der Alevitischen Gemeinde Deutschland, Hüseyin Mat, zog einen Vergleich zur Situation in Europa. Während konfessionelle Konflikte in vielen europäischen Ländern an Bedeutung verloren hätten, sei Gleichberechtigung in der Türkei weiterhin nicht verwirklicht. Insbesondere Kurd:innen und Alevit:innen seien weiterhin struktureller Diskriminierung ausgesetzt, so Mat.

Hatimoğulları kritisiert Zwangsverwaltungen

Die Ko-Vorsitzende der DEM-Partei, Tülay Hatimoğulları, stellte die Kritik an den Zwangsverwaltungen in einen verfassungsrechtlichen Kontext. Die Einsetzung solcher Verwalter sei „verfassungswidrig“, sagte sie und forderte die Wiedereinsetzung abgesetzter Bürgermeister:innen in ihre Ämter. Darüber hinaus forderte Hatimoğulları die Freilassung politischer Gefangener. „Alle politischen Gefangenen müssen freigelassen werden“, erklärte sie und verwies insbesondere auf Selahattin Demirtaş und Figen Yüksekdağ.

Mit Blick auf eine politische Lösung unterstrich die Politikerin die Bedeutung des Friedensprozesses. Dieser müsse weiterentwickelt werden. Die jüngsten Newroz-Feierlichkeiten hätten gezeigt, dass in der Bevölkerung weiterhin eine starke Hoffnung auf Frieden bestehe. In diesem Zusammenhang nahm sie auch Bezug auf den von Abdullah Öcalan angestoßenen Prozess.

Neben politischen Fragen wurden auch gesellschaftliche Entwicklungen thematisiert. Hatimoğulları verwies auf eine zunehmende Gewalt gegen Frauen, eine Krise im Kultur- und Kunstbereich sowie die wachsende Abwanderung qualifizierter Fachkräfte aus der Türkei.

Gemeinsames demokratisches Zusammenleben

Der CHP-Abgeordnete Umut Akdoğan kritisierte insbesondere strukturelle Probleme innerhalb des politischen Systems. Dazu zählten die Konzentration von Medienmacht, die Politisierung der Justiz sowie sicherheitsorientierte staatliche Strategien. Gleichzeitig betonte er die Notwendigkeit eines gemeinsamen demokratischen Zusammenlebens unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen.

Zum Abschluss der Konferenz wurde hervorgehoben, dass Demokratie, Gerechtigkeit und gesellschaftlicher Frieden nur durch das Zusammenwirken verschiedener Identitäten, Glaubensgemeinschaften und politischer Kräfte erreicht werden können. Die Teilnehmenden betonten, dass es dafür sowohl politischen Willen als auch gesellschaftlichen Druck brauche.

https://deutsch.anf-news.com/menschenrechte/ihd-bericht-dokumentiert-tausende-menschenrechtsverletzungen-in-kurdistan-50899 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/anklage-gegen-28-personen-wegen-antikriegswache-in-silopiya-50884 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/razzien-in-istanbul-und-Sirnex-dutzende-festnahmen-nach-newroz-50893

 

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Nach Angriffen auf Kurd:innen: Massengrab bei Aleppo entdeckt

30. März 2026 - 9:00

Nach den Angriffen auf die kurdischen Stadtteile Eşrefiyê und Şêxmeqsûd in Aleppo ab dem 6. Januar mehren sich Hinweise auf schwere Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung. Während das Schicksal tausender verschleppter Kurd:innen weiterhin ungeklärt ist, berichten lokale Quellen von einem Massengrab mit mehr als 270 Leichen im Osten der Stadt. Unabhängige Untersuchungen stehen bislang aus.

Die Offensive der von der Türkei unterstützten syrischen Übergangsregierung, die sich in kurzer Zeit von Aleppo auf weitere Teile Nord- und Ostsyriens ausweitete, markiert einen Einschnitt für Rojava. Die Angriffe richteten sich gezielt gegen die kurdische Bevölkerung und ihre Errungenschaften. Zehntausende Menschen wurden vertrieben, Hunderte sollen getötet worden sein, zahlreiche weitere gelten seither als vermisst.

Unklare Zahlen, widersprüchliche Angaben

Wie viele Menschen seit Beginn der Angriffe tatsächlich verschwunden sind, lässt sich bislang nicht eindeutig beziffern. Unterschiedliche Quellen sprechen von teils erheblich abweichenden Zahlen – ein Umstand, der die Aufarbeitung zusätzlich erschwert. Der Oberkommandierende der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD), Mazlum Abdi, hatte in früheren Erklärungen von 1.070 Personen gesprochen, die von Truppen der syrischen Übergangsregierung festgehalten werden, darunter auch Zivilist:innen. Im Rahmen eines Abkommens zwischen den QSD und Damaskus wurden am 19. März rund 300 Gefangene freigelassen. Doch selbst diese Zahl bietet nur begrenzte Klarheit. Lokale Quellen weisen darauf hin, dass sich unter den Freigelassenen offenbar viele Personen befanden, die bereits vor den Angriffen vom 6. Januar inhaftiert waren. Für die während der Offensive Verschleppten bleibt die Lage damit weiterhin unübersichtlich.

„Wir wissen nicht, wo sie sind“

Ein deutlich größeres Ausmaß der Vermisstenfälle beschreibt Nesrîn Silêman von der Vereinigung der Vertriebenen aus Efrîn. Sie spricht von rund 3.000 Menschen, deren Verbleib ungeklärt ist. Diese Zahl tauchte auch in einem Bericht der Basler Kantonsabgeordneten Franziska Stier auf, die Anfang Februar Teil einer Delegation war, die nach Rojava reiste. In einem Beitrag unter dem Titel „Ihr müsst unsere Stimmen in die Welt tragen“ griff sie die Aussagen Silêmans auf und machte die Situation der Vermissten international öffentlich. Silêman selbst formuliert die Lage im Gespräch mit der Zeitung Yeni Özgür Politika nüchtern: „Wir wissen nicht, wo diese Menschen sind oder was mit ihnen geschehen ist.“ Es gebe keine verlässlichen Informationen darüber, ob die Verschwundenen noch am Leben seien, wo sie festgehalten würden oder ob sie getötet worden seien.

Nesrîn Silêman

Flucht unter Beschuss und ohne Kontakt zur Außenwelt

Die Angriffe auf Eşrefiyê und Şêxmeqsûd verliefen nach Schilderungen von Betroffenen unter Bedingungen, die eine geordnete Flucht nahezu unmöglich machten. Kommunikationswege seien gezielt unterbrochen worden, berichtet Silêman. Telefon- und Internetverbindungen seien ausgefallen oder abgeschaltet worden. Viele Menschen hätten ihre Wohnungen überstürzt verlassen müssen – oft nachts, ohne sichere Fluchtrouten. „Die Angriffe dauerten acht Tage und waren sehr umfassend“, sagt Silêman. In dieser Zeit hätten zahlreiche Familien versucht, die Stadtteile zu verlassen, häufig in Richtung Efrîn oder anderer Gebiete. Doch die Fluchtwege selbst wurden für viele zur Falle.

Entführungen entlang der Fluchtrouten

Nach Angaben von Nesrîn Silêman wurden viele der fliehenden Zivilist:innen gezielt auf den Straßen abgefangen. Bewaffnete Milizen hätten entlang der Routen Kontrollpunkte eingerichtet oder Hinterhalte gelegt. „Viele unserer Menschen wurden unterwegs gefangen genommen, verschleppt oder direkt entführt“, berichtet sie. Betroffen seien insbesondere Familien gewesen, die versuchten, die umkämpften Stadtteile zu verlassen. Andere seien in den Orten aufgegriffen worden, in denen sie Schutz gesucht hatten. Auch diejenigen, die es zunächst in weiter entfernte Regionen wie Tabqa oder Raqqa geschafft hatten, waren offenbar nicht in Sicherheit. „Selbst dort mussten viele später wieder fliehen“, sagt Silêman. Die Frontlinien und Einflusszonen verschiedener bewaffneter Akteure hätten sich in kurzer Zeit mehrfach verschoben.

Fragmentierte Kontrolle und fehlender Zugang

Besonders unübersichtlich ist die Lage in Regionen wie Raqqa und Deir ez-Zor. Diese Gebiete gehörten zuvor zur Demokratischen Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien, gelten inzwischen jedoch als Räume, in denen verschiedene Milizen um Einfluss konkurrieren. Silêman beschreibt die Situation als kaum kontrollierbar: Zwar beanspruche die Übergangsregierung die Hoheit über diese Gebiete, tatsächlich seien sie jedoch zu Zonen geworden, in denen unterschiedliche Akteure parallel agierten. Für die Aufklärung von Entführungen, Tötungen oder Verschwindenlassen hat das weitreichende Folgen. „Wir haben dort keine Möglichkeit, verlässliche Informationen zu sammeln“, sagt Silêman. Der Zugang sei aus Sicherheitsgründen stark eingeschränkt oder gar nicht möglich.

Tausende Fälle, aber kaum dokumentiert

Vor diesem Hintergrund bleibt das tatsächliche Ausmaß der Gewalt schwer zu erfassen. Während einige Fälle dokumentiert sind, etwa über Aussagen von Betroffenen oder registrierte Gefangene, existiert für viele andere keinerlei gesicherte Information. Silêman betont, dass insbesondere während der intensiven Angriffsphase zwischen dem 6. und 29. Januar zahlreiche Vorfälle nicht erfasst werden konnten. Menschen seien auf der Flucht verschwunden, ohne dass ihre Namen registriert oder ihre Fälle dokumentiert worden seien. „Wenn wir auch die früheren Entführungen mit einbeziehen, sprechen wir von tausenden Menschen, deren Schicksal wir nicht kennen“, sagt sie.

Gefangenenaustausch mit großen Lücken

Zwar laufen zwischen den Konfliktparteien Gespräche über Gefangenenaustausch, doch auch hier zeigt sich ein fragmentiertes Bild. Nach Angaben von Silêman verlaufen diese Prozesse schleppend und selektiv. Besonders auffällig sei, dass die Freilassung von Frauen nur zögerlich behandelt werde. „Die Freilassung von Frauen wird hinausgezögert oder gar nicht thematisiert“, sagt sie. Unter den bislang freigelassenen Gefangenen seien Frauen deutlich unterrepräsentiert. Zudem betreffen die bekannten Austauschprozesse ausschließlich Fälle, in denen Gefangene registriert oder identifiziert sind. Für die große Zahl der Vermissten, deren Schicksal völlig unklar ist, greifen diese Mechanismen nicht.

Offene Fragen ohne Antworten

Damit bleibt ein zentraler Komplex weitgehend im Dunkeln: Was ist mit denjenigen geschehen, die weder unter den Gefangenen auftauchen noch als Tote identifiziert wurden? „Wir wissen nicht, wo sie entführt wurden, ob sie noch leben oder ob sie getötet wurden“, sagt Silêman. Es handle sich um eine Vielzahl offener Fragen, die bislang unbeantwortet geblieben seien. Aus ihrer Sicht kann dieses Problem nicht im Rahmen bestehender Gefangenenaustauschprozesse gelöst werden. Vielmehr brauche es eine eigenständige Untersuchung der Vermisstenfälle.

Entführungen als Geschäftsmodell

Neben politisch motivierter Gewalt deuten zahlreiche Berichte auf eine systematische ökonomische Dimension der Entführungen hin. Nach Angaben von Nesrîn Silêman wurden Angehörige von Verschleppten wiederholt telefonisch kontaktiert und unter Druck gesetzt. Milizen hätten Familien mit dem Tod ihrer Angehörigen bedroht und Lösegeld gefordert. „Unsere Menschen werden zu einem Mittel der Erpressung gemacht“, sagt Silêman. In einigen Fällen sei versucht worden, selbst die Herausgabe von Leichen nur gegen Bezahlung zu ermöglichen. Diese Praxis deutet darauf hin, dass sich Teile der Gewalt verselbstständigt haben und nicht allein politisch motiviert sind, sondern auch als Einnahmequelle dienen.

Berichte über Hinrichtungen und extreme Gewalt

Parallel zu den Entführungen gibt es Hinweise auf gezielte Tötungen. Augenzeug:innen hätten berichtet, dass festgenommene Personen teilweise unmittelbar nach ihrer Gefangennahme hingerichtet worden seien. Einige dieser Berichte gehen noch weiter: So ist von Fällen die Rede, in denen Opfer nach ihrer Tötung verbrannt worden sein sollen. Auch diese Angaben konnten bislang nicht unabhängig überprüft werden, werden jedoch von verschiedenen lokalen Quellen in ähnlicher Form geschildert. Für die Betroffenen und ihre Familien entsteht dadurch eine Situation völliger Ungewissheit: zwischen Hoffnung auf Überleben und der Angst, dass die Verschwundenen bereits getötet wurden.

Hinweise auf Massengrab bei Naqqarin

Besonders schwer wiegen die Berichte über ein mögliches Massengrab im Gebiet Naqqarin (auch Nakarin), östlich von Aleppo entlang der M4-Straße in Richtung al-Bab. Nach Angaben von Nesrîn Silêman, die sich auf Zeugenaussagen stützt, sollen sich dort in einem Kanal mehr als 270 Leichen befinden. Die Informationen stammen unter anderem von einer Familie aus Efrîn, die bei der Suche nach einem Angehörigen auf das Grab gestoßen sein soll. Demnach hätten Augenzeug:innen berichtet, dass in dem Gebiet festgenommene Personen zusammengebracht und anschließend getötet worden seien. Einige der Leichen sollen sichtbare Spuren schwerer Gewalt aufgewiesen haben.

Kein Zugang, keine unabhängige Überprüfung

Eine unabhängige Untersuchung des mutmaßlichen Massengrabs war bislang nicht möglich. Das Gebiet gilt weiterhin als unsicher und ist für unabhängige Beobachter:innen kaum zugänglich. „Wir haben keine Möglichkeit, selbst dorthin zu gehen und die Informationen zu überprüfen“, sagt Silêman. Die Angaben beruhen daher vollständig auf Aussagen von Zeug:innen und indirekten Berichten. Gleichzeitig weisen mehrere Faktoren darauf hin, dass die Hinweise plausibel sind. Die Lage des Gebiets – rund zehn Kilometer von Eşrefiyê entfernt – entspricht den Fluchtrouten vieler Zivilist:innen aus den kurdischen Stadtteilen Aleppos.

Hinweise verdichten sich

Nach Einschätzung lokaler Quellen könnte es sich bei den Toten um Menschen handeln, die während der Angriffe auf Eşrefiyê und Şêxmeqsûd verschleppt oder unmittelbar danach getötet wurden. Zugleich wird davon ausgegangen, dass die bislang genannte Zahl von über 270 Leichen nicht das gesamte Ausmaß widerspiegelt. Viele halten es für möglich, dass weitere Grabstellen existieren oder die tatsächliche Zahl der Opfer höher liegt. Solange keine unabhängige Untersuchung erfolgt, bleiben diese Angaben jedoch vorläufig und die genaue Dimension der Ereignisse unklar.

Forderung nach internationaler Untersuchung

Angesichts der Vielzahl ungeklärter Fälle fordern kurdische Organisationen eine unabhängige internationale Untersuchung. Nesrîn Silêman spricht sich für die Entsendung einer Kommission aus, an der unter anderem die Vereinten Nationen und die Europäische Union beteiligt sein sollen. Eine solche Untersuchung sei notwendig, um das Schicksal der Verschwundenen aufzuklären und mögliche Verbrechen zu dokumentieren. Die lokalen Strukturen seien aufgrund der Sicherheitslage und der fragmentierten Kontrolle über viele Gebiete derzeit nicht in der Lage, diese Aufgabe zu übernehmen. „Wenn eine solche unabhängige Kommission gebildet wird, sind wir bereit, sie mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu unterstützen“, sagt Silêman.

Europäische Union zwischen Anspruch und Realität

Die Forderungen richten sich auch an die Europäische Union, die trotz der Berichte über Gewalt und Menschenrechtsverletzungen den Kontakt zur Übergangsregierung in Damaskus intensiviert hat. Nach einem Besuch hochrangiger EU-Vertreter:innen in Syrien wurde finanzielle Unterstützung in Höhe von 620 Millionen Euro angekündigt. Die Mittel sollen unter anderem für humanitäre Hilfe sowie für den Wiederaufbau eingesetzt werden.

Diese Unterstützung steht jedoch in einem Spannungsverhältnis zu den Entwicklungen vor Ort. Das Europäische Parlament hatte in einer Resolution darauf hingewiesen, dass die Gewalt gegen Zivilist:innen möglicherweise als Kriegsverbrechen einzustufen sei und die Rechte der kurdischen Bevölkerung garantiert werden müssten. Gleichzeitig wurde die Übergangsverwaltung in Damaskus in politischen Erklärungen dafür kritisiert, ihrer Verantwortung zum Schutz der Bevölkerung nicht ausreichend nachzukommen.

Zwei Fragen an die EU

Vor diesem Hintergrund hat Yeni Özgür Politika dem Europäischen Auswärtigen Dienst zwei zentrale Fragen zur Beantwortung übermittelt: Zum einen, ob die EU angesichts ihrer finanziellen Unterstützung konkrete Informationen über das Schicksal der Verschwundenen bei der Übergangsverwaltung einfordert. Zum anderen, ob sie bereit ist, eine unabhängige Untersuchung zu den Berichten über Tötungen, Vertreibungen, sexualisierte Gewalt und Verschwindenlassen in Auftrag zu geben.

EU: Umsetzung des Abkommens entscheidend

In einer schriftlichen Stellungnahme erklärte ein Sprecher der EU, man verfolge die Lage in Nordostsyrien aufmerksam und habe alle beteiligten Akteure wiederholt zur Einstellung der Gewalt, zum Schutz der Zivilbevölkerung und zur Sicherstellung humanitärer Hilfe aufgerufen. Wörtlich hieß es, die EU „verfolge die Situation in Nordostsyrien sehr genau“. Zugleich betonte die EU die zentrale Bedeutung des am 29. Januar geschlossenen Abkommens zwischen Damaskus und den QSD. Dessen vollständige Umsetzung sei entscheidend, um eine weitere Eskalation zu verhindern.

„Jetzt mehr denn je ist es entscheidend, dass die syrischen Übergangsbehörden und die Demokratischen Kräfte Syriens das am 29. Januar erzielte Abkommen vollständig und im Geist von gutem Willen und Kompromissbereitschaft umsetzen“, heißt es in der Stellungnahme. Zugleich betonte die EU, dass die Wahrung der Rechte der kurdischen Bevölkerung ein zentraler Bestandteil ihrer diplomatischen Kontakte sei. Verantwortliche für schwere Menschenrechtsverletzungen müssten zur Rechenschaft gezogen werden, unabhängig von ihrer Zugehörigkeit.

Zwischen diplomatischen Erklärungen und ungeklärten Verbrechen

Trotz dieser Stellungnahmen bleibt die Diskrepanz zwischen diplomatischen Formulierungen und den Berichten aus der Region bestehen. Während auf politischer Ebene von Stabilisierung und Übergangsprozessen die Rede ist, zeichnen lokale Quellen ein Bild anhaltender Gewalt, Unsicherheit und fehlender Aufklärung. Die Berichte über ein mögliches Massengrab, systematische Entführungen und tausende Vermisste werfen Fragen auf, die bislang unbeantwortet sind.

Eine offene Bilanz

Mehrere Monate nach den Angriffen vom Januar ist das Schicksal zahlreicher Menschen weiterhin ungeklärt. Für Angehörige bedeutet dies eine anhaltende Situation zwischen Hoffnung und Gewissheit, ohne Zugang zu verlässlichen Informationen. Ohne unabhängige Untersuchungen dürfte sich daran wenig ändern. Die zentrale Frage bleibt bestehen: Was ist mit den Menschen geschehen, die seit Beginn der Angriffe verschwunden sind?

https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/erfahrungsbericht-der-delegation-for-humanity-in-rojava-50264 https://deutsch.anf-news.com/frauen/nach-verschleppung-kampferin-narin-axin-wieder-in-den-reihen-der-ypj-50848 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/eu-abgeordnete-fordern-aufklarung-uber-verschwundene-journalist-innen-in-syrien-50846 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/nrls-bericht-1-200-zivilist-innen-bei-angriffen-auf-kurd-innen-getotet-50434 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/kurdischer-roter-halbmond-drei-mitarbeiter-in-aleppo-entfuhrt-49666

 

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PJAK fordert in London demokratische Einheit für die Zukunft Irans

29. März 2026 - 23:00

Der Sprecher der Partei für ein freies Leben in Kurdistan (PJAK), Rivar Abdanan, hat auf dem „Iran Freedom Congress“ in London zu einer breiten demokratischen Zusammenarbeit für die Zukunft Irans aufgerufen. In seiner per Video übermittelten Rede betonte er die Notwendigkeit einer gemeinsamen politischen Perspektive jenseits der Islamischen Republik.

Abdanan beschrieb die aktuelle Lage in Iran als tiefgreifende Krise, die zugleich von Unsicherheit und einem starken gesellschaftlichen Veränderungswillen geprägt sei. „Die Situation ist von Angst und Hoffnung zugleich bestimmt“, sagte er und verwies auf die Dynamik innerhalb der Gesellschaft.

Keine einfachen Modelle für die Zukunft

Vor diesem Hintergrund warnte er davor, bestehende politische Modelle unkritisch zu übernehmen. Stattdessen müssten Lösungen entwickelt werden, die sich an den konkreten gesellschaftlichen Realitäten in Iran orientieren. „Politische Kräfte sollten nicht einfach bestehende Systeme kopieren, sondern praktikable Lösungen für die eigenen Bedingungen entwickeln“, erklärte Abdanan.

 


Zugleich unterstrich der PJAK-Sprecher, dass der Sturz der Islamischen Republik allein nicht ausreiche. Entscheidend sei, bereits jetzt eine klare Perspektive für die Zeit danach zu formulieren. Gruppen, die diese Debatte aufschieben, würden kaum in der Lage sein, eine überzeugende Alternative anzubieten.

Demokratische Einheit als Voraussetzung

Ein zentraler Punkt der Rede war die Forderung nach demokratischer Einheit. Abdanan rief politische Parteien, Organisationen und gesellschaftliche Akteure dazu auf, gemeinsame Mindestprinzipien zu definieren. „Ohne Zusammenarbeit und demokratische Einheit wird es nicht möglich sein, diesen historischen Moment zu bewältigen“, sagte er. Dabei betonte Abdanan die Notwendigkeit eines offenen und pluralistischen Dialogs. Vorurteile, Ausgrenzung und politische Stigmatisierung müssten überwunden werden, um ein gemeinsames politisches Projekt zu ermöglichen.

Vielfalt als Grundlage eines neuen Systems

Mit Blick auf die gesellschaftliche Realität in Iran hob Abdanan die ethnische, kulturelle und soziale Vielfalt des Landes hervor. Unterschiedliche Gemeinschaften müssten ihre Erfahrungen und Forderungen gegenseitig besser verstehen. Das zentralistische Nationalstaatsmodell habe sich in den vergangenen Jahrzehnten als unzureichend erwiesen. Gleichzeitig sprach er sich gegen einfache Gegenmodelle aus. Weder strikte Zentralisierung noch vollständige Dezentralisierung könnten die bestehenden Probleme lösen. Stattdessen plädierte Abdanan für ein System, das auf breiter politischer Teilhabe und lokaler Selbstverwaltung basiert. Als möglichen Rahmen nannte er eine demokratische Republik, zeigte sich jedoch auch offen für föderale Modelle. „Kein politisches Thema darf tabu sein“, erklärte Abdanan und betonte die Bedeutung offener Debatten für die Entwicklung eines demokratischen Konsenses.

Frauen als Schlüssel für demokratischen Wandel

Ein Schwerpunkt seiner Rede lag auf der Rolle von Frauen. Abdanan stellte klar, dass ohne die Freiheit von Frauen keine echte Demokratie möglich sei. „Ohne die Freiheit der Frauen bleibt Demokratie bedeutungslos“, sagte er. Frauen müssten die Kontrolle über ihr eigenes Leben haben und in allen Bereichen der Gesellschaft gleichberechtigt teilnehmen können. In diesem Zusammenhang verwies er auf die Bewegung „Jin, Jiyan, Azadî“ (Frau, Leben, Freiheit) als Ausdruck eines tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandels in Iran.

Kurdische Frage als Gradmesser

Abschließend betonte Abdanan, dass die Anerkennung eines politischen Status für die Kurd:innen ein zentraler Indikator für die Demokratisierung des Landes sei. In einem System, das auf Gleichberechtigung basiert, gebe es keinen Raum für Gewalt oder bewaffnete Konflikte. Die PJAK sei bereit, sich aktiv an der Gestaltung eines neuen politischen Systems zu beteiligen, erklärte er zum Abschluss seiner Rede und bekräftigte dies mit der Losung „Jin, Jiyan, Azadî“.

Zunächst vom Kongress ausgeschlossen

Die Teilnahme der PJAK an dem Kongress war im Vorfeld zunächst verhindert worden. Obwohl die Partei ursprünglich eingeladen war, wurde ihre Vertretung ohne nähere Begründung kurzfristig aus dem Programm gestrichen. Nach Kritik und Unterstützung durch verschiedene politische Akteure wurde diese Entscheidung jedoch revidiert. Die PJAK wurde erneut eingeladen und konnte schließlich mit einem eigenen Beitrag am Kongress teilnehmen.

https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/vor-iran-kongress-in-london-pjak-erhebt-vorwurfe-der-politischen-ausgrenzung-50904 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/nach-ausschluss-pjak-nimmt-am-iran-freedom-congress-teil-50920 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/pjak-weist-spekulationen-um-zusammenarbeit-mit-den-usa-zuruck-50854 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/pjak-unterstutzt-initiative-fur-kurdische-einheit-und-ruft-zu-nationalkongress-auf-50889

 

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KON-MED kritisiert Empfang von al-Scharaa: „Keine Normalisierung von Gewalt“

29. März 2026 - 21:00

Die Konföderation der Gemeinschaften Kurdistans in Deutschland (KON-MED) verurteilt den geplanten Empfang des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa in Berlin. „Wer Ahmed al-Scharaa im Kanzleramt empfängt, sendet ein fatales Signal an all jene Menschen in Syrien, die seit Jahren unter Krieg, Verfolgung, Vertreibung und islamistischer Gewalt leiden“, betonte der Dachverband am Sonntag in einer Stellungnahme. Darin heißt es:

„Ahmed al-Scharaa kann kein Partner für Demokratie, Frieden und Menschenrechte sein. Unter der Verantwortung der syrischen Übergangsregierung und ihr zugerechneter Kräfte sind schwere Verbrechen gegen Zivilist:innen und Minderheiten dokumentiert worden. Internationale Berichte sprechen von Massakern an Alawit:innen und Drus:innen, von schweren Übergriffen im Nordosten Syriens gegen die Kurd:innen sowie von Angriffen auf Christ:innen und andere religiöse Minderheiten. Wer einen solchen Akteur politisch aufwertet, legitimiert nicht Stabilität, sondern Straflosigkeit.

Schicksal von Eva Maria Michelmann und Ahmed Polad ungeklärt

Besonders skandalös ist dieser Besuch auch deshalb, weil weiterhin das Schicksal der vermissten Journalist:innen Eva Maria Michelmann und Ahmed Polad ungeklärt ist. Beide verschwanden im Januar 2026 in Raqqa, nachdem Truppen der Übergangsregierung die Stadt eingenommen hatten. Solange Entführungen, Verschleppungen und Angriffe auf Minderheiten und oppositionelle Kräfte nicht aufgeklärt werden, darf es keine politische Normalisierung mit al-Scharaa geben.

Anstatt Ahmed al-Scharaa den roten Teppich auszurollen, sollte die Bundesregierung diejenigen in Syrien stärken, die sich für Demokratie, Selbstverwaltung, Frauenrechte sowie das friedliche Zusammenleben der Völker und Religionsgemeinschaften einsetzen. Rojava und die Demokratische Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien haben trotz Krieg und Bedrohungen gezeigt, dass eine andere Zukunft für Syrien möglich ist. Das islamistische Regime von al-Scharaa stellt für dieses Beispiel einer gelebten Demokratie ebenso eine Gefahr dar wie für die Errungenschaften der Frauenrevolution, die in Rojava und darüber hinaus in den letzten 15 Jahren erreicht wurden.

Gök: Syrien braucht Schutz seiner demokratischen Kräfte

KON-MED fordert deshalb die Bundesregierung auf, jede politische Aufwertung Ahmed al-Scharaas zu beenden, die Angriffe auf Rojava klar zu verurteilen und endlich den Schutz sowie die politische Anerkennung der Demokratischen Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien auf die Tagesordnung zu setzen.“ Kerem Gök, Ko-Vorsitzender von KON-MED, erklärt dazu: „Wer Ahmed al-Scharaa in Berlin empfängt, macht sich blind gegenüber den Verbrechen, die unter seiner Verantwortung und durch mit ihm verbundene Kräfte in Syrien verübt wurden. Während Kurd:innen, Drus:innen, Alawit:innen und Christ:innen um Sicherheit und Gerechtigkeit kämpfen, öffnet die Bundesregierung einem Mann die Tür, der nicht für Frieden steht, sondern für Angst, Vertreibung und Gewalt. Was Syrien braucht, ist nicht die politische Legitimierung eines islamistischen Machthabers, sondern der Schutz demokratischer Kräfte wie in Rojava.“

Kundgebungen vor dem Kanzleramt

Der Dachverband ruft Demokrat:innen, Menschenrechtsaktivist:innen und solidarischen Kräfte dazu auf, sich an den Protesten gegen den Besuch Ahmed al-Scharaas in Berlin zu beteiligen. Für Montag ist ab 11 Uhr vor dem Kanzleramt zunächst eine Kundgebung der Initiative „Wo sind Eva und Ahmet?“ angekündigt. Um 14 Uhr geht es dann weiter mit einer Protestveranstaltung unter dem Motto „Al-Jolani nicht unser Gast – Von Deutschland bis Rojava – Frauenrevolution verteidigen“. Dazu rufen auf die Kurdische Frauenbewegung in Europa (TJK-E) und die Kurdische Gemeinde zu Berlin-Brandenburg (KGBB). In einem gemeinsamen Aufruf erklären die Organisationen:

Schweigen bedeutet Zustimmung

„Die Einladung an Ahmed al-Scharaa ist kein Zufall, sondern ein politisches Signal: Während in Deutschland Abschiebungen verschärft werden, wird ein Akteur mit gewaltgeprägter Vergangenheit politisch aufgewertet. Seine Verantwortung für Massaker, Feminizide und Unterdrückung darf nicht ignoriert werden. Wir sagen klar: Keine Normalisierung von Gewalt und autoritären Strukturen. Unsere Solidarität gilt den Frauen, der demokratischen Selbstverwaltung und allen Menschen in Nord- und Ostsyrien, die für Freiheit, Würde und ein friedliches Zusammenleben kämpfen. Jetzt ist der Moment, Haltung zu zeigen – Schweigen bedeutet Zustimmung.“

https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/protest-gegen-empfang-von-al-scharaa-jolani-ist-nicht-willkommen-50919 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/kein-roter-teppich-fur-al-scharaa-einladung-nach-berlin-sendet-fatales-signal-50911 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/gfbv-kein-roter-teppich-fur-kriegsverbrecher-und-islamisten-50901 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/syriens-Ubergangsprasident-kommt-am-montag-nach-berlin-50872

 

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Ausstellung in Amed verbindet Erinnerung und Ökologie

29. März 2026 - 19:00

Der Tigris ist mehr als ein Fluss. Er ist Erinnerung, Lebensader und Konfliktlinie zugleich. Die Ausstellung „Auf den Spuren des Tigris: Kulturelle und ökologische Erinnerungen“, die nun im historischen Cemil-Paşa-Herrenhaus im Altstadtbezirk Sûr der nordkurdischen Metropole Amed (tr. Diyarbakır) eröffnet wurde, nähert sich diesem vielschichtigen Raum aus unterschiedlichen Perspektiven.

Entstanden ist die Ausstellung aus der Zusammenarbeit der beiden Stadtplanerinnen Dilan Kaya Taşdelen und Gizem Kıygı. Sie basiert auf einer 15-tägigen Reise entlang des Dîcle, wie der kurdische Name des Tigris lautet, die im Herbst 2025 von Xarpêt (Elazığ) über Amed und Êlih (Batman) bis nach Cizîr (Cizre) führte. Was dabei entstand, ist kein klassisches Ausstellungsprojekt, sondern eine vielschichtige Annäherung an eine Landschaft im Wandel.

„Uns hat interessiert, wie Eingriffe in den Fluss und die damit verbundenen Veränderungen das Leben der Menschen prägen“, sagt Dilan Kaya Taşdelen mit Blick auf die Feldforschungen, die unter anderem die Hevsel-Gärten einschlossen.

Dilan Kaya Taşdelen (r.) und Gizem Kıygı © MA

Die Ausstellung verbindet unterschiedliche Materialien und Wahrnehmungen: gesammelte Pflanzen, Tonaufnahmen, Fotografien und Erzählungen aus der Region treten miteinander in Dialog. Sie zeichnen ein Bild davon, wie sich ökologische Veränderungen in den Alltag in Dörfern ebenso wie in Städten einschreiben.

Im Zentrum stehen Fragen nach Zugang zu Wasser, nach räumlicher Gerechtigkeit und nach den Folgen ökologischer Eingriffe. Zugleich wird der Tigris als Träger kultureller Erinnerung sichtbar und damit als Raum, in dem sich Geschichte, Identität und Gegenwart überlagern.

Auch die Eingriffe in die Landschaft selbst werden thematisiert: Veränderungen des Flusslaufs, infrastrukturelle Projekte und deren mediale Darstellung sind Teil der Ausstellung. Damit wird deutlich, dass ökologische Prozesse hier nicht losgelöst von politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen verstanden werden können.

Die Arbeit der beiden Forscherinnen bewegt sich bewusst zwischen Dokumentation und künstlerischer Annäherung. Sie macht sichtbar, wie sich Beziehungen zwischen Menschen und ihrer Umwelt verändern – und welche Spuren diese Veränderungen hinterlassen. Die Ausstellung, die im Rahmen des Kulturprogramms CultureCIVIC der Europäischen Union gefördert wurde, ist noch bis zum 12. April zu sehen.

https://deutsch.anf-news.com/Oekologie/sorge-um-hevsel-garten-und-tigris-tal-stadt-kundigt-massnahmen-an-49087 https://deutsch.anf-news.com/kultur/unesco-beratergremium-zehnbogenbrucke-in-amed-durch-bebauung-gefahrdet-47352 https://deutsch.anf-news.com/kultur/amed-grundet-neues-gremium-fur-kulturelles-erbe-und-stadtentwicklung-46557

 

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YPJ veröffentlichen Identitäten von drei gefallenen Kämpferinnen

29. März 2026 - 17:00

Die Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) haben die Identitäten von drei Kämpferinnen veröffentlicht, die in den zurückliegenden Monaten bei Gefechten in Nordostssyrien ums Leben gekommen sind. In einer Erklärung würdigte der Verband ihren Einsatz im Kampf für die Verteidigung der Selbstverwaltung und die Freiheit von Frauen und sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus.

Die YPJ bezeichneten die Gefallenen als „Teil einer Generation von Frauen, die ihre Existenz durch den Gedanken der Freiheit bewiesen“ haben. „Sie haben in ihrem Leben die wahrhaftigste Definition einer freien Frau verkörpert und sich aktiv am Widerstand zur Verteidigung der Gesellschaft beteiligt.“

Biografien der Gefallenen

Als erste wurde Toprak Deniz genannt. Die Kämpferin, die bürgerlich Azize Ekinci hieß, wurde nach YPJ-Angaben1991 in der nordkurdischen Provinz Sêrt (tr. Siirt) geboren und wuchs im Umfeld der Serhildan in der Botan-Region auf. Früh habe sie sich politisiert und sich in der Jugendarbeit engagiert. Später studierte sie in Istanbul Politikwissenschaften und Geophysik.

Mit dem Aufstieg der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) schloss sie sich 2014 den Reihen der YPJ in Rojava an. Dort übernahm sie nach militärischer und ideologischer Ausbildung auch Führungsaufgaben. Sie kam am 18. Januar 2026 bei Gefechten in der Stadt Raqqa.

                                         

Vor- und Nachname: Azize Ekinci

Codename: Toprak Deniz

Geburtsort: Sêrt

Name der Mutter: Suheyla

Name des Vaters: Isa

Todestag und -ort: 18. Januar 2026 / Raqqa

 

 

Vor- und Nachname: Vercîn Menal

Codename: Hêzil Tolhildan

Geburtsort: Aleppo

Name der Mutter: Nura

Name des Vaters: Elî

Todestag und -ort: 19. Januar 2026 / Deir ez-Zor

 

 

Vor- und Nachname: Culyana Sîdo

Codename: Cûdî Rohilat

Geburtsort: Aleppo

Name der Mutter: Roşîn

Name des Vaters: Dilbirîn

Todestag und -ort: 18. Dezember 2026 / Raqqa

 

Die zweite Kämpferin, Hêzil Tolhildan (Vercîn Menal) stammte aus Aleppo. Die YPJ beschreiben sie als eine Kämpferin, die sich früh der Überzeugung angeschlossen habe, dass Freiheit erkämpft werden müsse. Sie nahm unter anderem an Kämpfen in Deir ez-Zor und an der Tişrîn-Front teil. Am 19. Januar 2026 fiel sie bei einem „brutalen Angriff“ von Milizen der syrischen Übergangsregierung in Deir ez-Zor.

Als dritte wurde Cûdî Rohilat (Culyana Sîdo) genannt, ebenfalls aus Aleppo. Sie schloss sich in jungen Jahren den YPJ an und wurde laut Erklärung zu einer wichtigen moralischen Stütze innerhalb ihrer Einheit. Sie kam bereits am 18. Dezember 2025 im Zuge eines Hinterhalts von islamistischen Milizen ums Leben.

Würdigung durch die YPJ

Die YPJ hoben hervor: „Unsere gefallenen Weggefährtinnen machten niemals Kompromisse bei den Prinzipien der Wahrheit und übernahmen eine strategische Rolle im Kampf für das Ideal einer demokratischen Nation.“ Ihr Einsatz habe sich insbesondere auf den Schutz von Frauen und der Bevölkerung konzentriert. Weiter heißt es in der Erklärung: „Wir erneuern unser Versprechen, die Fahne des Kampfes der Gefallenen in jedem Moment unseres Lebens hochzuhalten.“ Zugleich erklärten die YPJ, dass der Einsatz der Gefallenen als Maßstab für den weiteren Kampf dienen werde. Ziel bleibe der Aufbau einer freien und sicheren Gesellschaft.

https://deutsch.anf-news.com/frauen/nach-verschleppung-kampferin-narin-axin-wieder-in-den-reihen-der-ypj-50848 https://deutsch.anf-news.com/frauen/ypj-hezil-arjin-bei-gefechten-in-raqqa-gefallen-50667 https://deutsch.anf-news.com/frauen/ypj-zum-8-marz-wir-sind-entschlossen-unsere-errungenschaften-zu-verteidigen-50619

 

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Aktivist aus Ostkurdistan in der Türkei festgenommen

29. März 2026 - 17:00

Ein Menschenrechtsaktivist aus Ostkurdistan ist in der Türkei festgenommen worden und befindet sich derzeit in einem Abschiebezentrum. Die Organisation Hana Human Rights warnt vor einer möglichen Abschiebung und fordert internationalen Schutz für den Betroffenen. Nach Angaben der Organisation handelt es sich um den 40-jährigen Sirwan Mikaeili aus der Stadt Sine (Sanandadsch). Er sei auf seiner Flucht nach Europa in der Türkei festgenommen und in ein Abschiebezentrum in der kurdischen Grenzprovinz Agirî (tr. Ağrı) gebracht worden.

Laut Informationen des Vereins der Geflüchteten aus Iran, der seinen Sitz in der südkurdischen Metropole Silêmanî hat, war Mikaeili 2022 im Zuge der „Jin, Jiyan, Azadî“-Proteste wegen seines menschenrechtlichen Engagements und humanitärer Hilfe für Demonstrierende ins Visier des iranischen Machtapparats geraten. Aufgrund des zunehmenden Drucks habe er seine Heimat verlassen und sei in die Kurdistan-Region des Irak (KRI) geflohen.

Doch auch dort sei Mikaeili weiterhin Bedrohungen durch das Mullah-Regime ausgesetzt gewesen, das in der KRI auf ein breites Netzwerk an Agenten zurückgreifen kann. Aus Sicherheitsgründen habe er sich daher gezwungen gesehen, seine Flucht fortzusetzen, so die Organisation.

Seine Festnahme in der Türkei und die Unterbringung in einem Abschiebezentrum haben laut Hana Human Rights erhebliche Sorgen ausgelöst. Die Menschenrechtsgruppe warnt, dass eine Abschiebung nach Iran für den Aktivisten schwerwiegende Konsequenzen haben könnte. Aufgrund seiner dem Regime bekannten Aktivitäten drohten ihm ernsthafte Menschenrechtsverletzungen, darunter willkürliche Inhaftierung, Folter oder andere unmenschliche Behandlung.

Hana Human Rights fordert die türkischen Behörden auf, ihre internationalen Verpflichtungen einzuhalten und von einer Abschiebung abzusehen. „Stattdessen muss sichergestellt werden, dass Sirwan Mikaeili Zugang zu einem fairen Asylverfahren und rechtlichem Beistand erhält“, betonte die Organisation. Zugleich rief sie internationale Institutionen, insbesondere das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR), dazu auf, den Fall aufmerksam zu verfolgen und Maßnahmen zum Schutz des Aktivisten zu ergreifen.

https://deutsch.anf-news.com/menschenrechte/iran-regime-richtet-drei-protestierende-hin-50775 https://deutsch.anf-news.com/menschenrechte/warnung-vor-humanitarer-krise-tausende-gefangene-in-iran-in-akuter-gefahr-50514 https://deutsch.anf-news.com/menschenrechte/kampagne-meldet-uber-300-hinrichtungen-im-februar-in-iran-50340

 

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Brand in Getreidelager nach Drohnenangriff bei Hesekê

29. März 2026 - 17:00

Nach dem nächtlichen Drohnenangriff mutmaßlich pro-iranischer Gruppen mit Quelle Irak auf einen US-geführten Militärstützpunkt im Nordosten Syriens ist es in der Region zu erheblichen Sachschäden gekommen. In der Nähe der Qesrik-Basis im Umland von Tell Baydar nördlich von Hesekê geriet ein Getreidelager in Brand, nachdem mehrere Drohnen das Gebiet getroffen hatten.

Den Angaben zufolge schlugen mehrere Drohnen direkt in ein Getreidesammelzentrum nahe des Stützpunkts ein. Dabei wurde ein Weizenlager der Landwirtschafts- und Bewässerungsbehörde der nordostsyrischen Selbstverwaltung schwer beschädigt. Große Mengen gelagerten Getreides wurden zerstört und gingen in Flammen auf.

 


Der Angriff erfolgte in den frühen Morgenstunden und war Teil einer größeren Angriffswelle auf die Region. Nach Angaben vor Ort konnten Luftabwehrsysteme der Koalition mehrere Drohnen abfangen. So wurden unter anderem Drohnen über einem Wohnviertel in Til Temir sowie über dem Dorf Til Masas abgeschossen. Neben den Abwehrsystemen kamen auch Kampfflugzeuge zum Einsatz, die den Luftraum über der Region überwachten und an der Abwehr beteiligt waren.

Der Angriff ist bereits der vierte dieser Art seit der jüngsten Eskalation im Zusammenhang mit dem Krieg zwischen den USA, Israel und Iran. Beobachter:innen sehen darin eine zunehmende Ausweitung des Konflikts auf Nordostsyrien. Angaben zu möglichen Opfern lagen zunächst nicht vor. Der materielle Schaden, insbesondere durch die Zerstörung landwirtschaftlicher Ressourcen, dürfte jedoch erheblich sein.

https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/drohnenangriff-auf-koalitionsbasis-nahe-heseke-abgewehrt-50922

 

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Suryoye feiern Akitu-Fest in Nordostsyrien

29. März 2026 - 17:00

In Nordostsyrien finden die Vorbereitungen für das assyrische Neujahrsfest Akitu am 1. April statt. Der Countdown läuft schon seit Newroz, dem eigentlichen Beginn der Feierlichkeiten. Fleißig werden die Siedlungsgebiete der christlichen Suryoye-Völker geschmückt für diesen bedeutenden Tag, der bereits zum 6.776 Mal begangen wird.

Akitu, auch bekannt unter dem aramäischen Namen Kha b' Nisan („Erster April“), markiert nicht nur den Frühlingsbeginn, sondern auch den Start des assyrischen Kalenders. Die Ursprünge des Festes reichen bis ins dritte Jahrtausend v. Chr. zurück und machen Akitu zu einem der ältesten bekannten Feste der Menschheitsgeschichte.

Ein Fest der Fruchtbarkeit und Erneuerung

Der Name Akitu leitet sich vom sumerisch-akkadischen Wort für Gerste ab – eine symbolische Referenz auf Fruchtbarkeit, Neuanfang und Zivilisation. Ursprünglich wurde das Fest im antiken Mesopotamien gefeiert, insbesondere in Babylon, wo es sich über mehrere Tage erstreckte. Dort war Akitu ein sowohl religiöses als auch politisches Ereignis.

Die Menschen dankten ihren Göttern für die Fruchtbarkeit des Landes, während gleichzeitig die Macht des Königs durch rituelle Akte legitimiert wurde. Im Lauf der Jahrtausende wandelte sich das Fest, blieb jedoch tief in der Identität der Suryoye-Völker verankert. In der Diaspora sowie in den Herkunftsregionen der Suryoye ist Akitu heute ein Ausdruck kultureller Kontinuität und gemeinschaftlicher Selbstvergewisserung.

Zentrale Feiern und Autokorsos

In Nordostsyrien finden die zentralen Feierlichkeiten am 1. April in mehreren Orten gleichzeitig statt. Wie die Assyrische Einheitspartei am Sonntag mitteilte, findet der Auftakt traditionell im Ort Tall Wardiyat nahe der Stadt Til Temir (Tell Tamer) statt, gefolgt von Feiern in Qamişlo, Tirbespiyê und Dêrik. Weitere Veranstaltungen gibt es bereits im Vorfeld. Die Union der progressiven Suryoye-Jugend und die Assyrische Jugendbewegung haben zwei Autokorsos für Montagabend, 30. März, in Hesekê und Qamişlo angekündigt.

Forderung nach Anerkennung als nationaler Feiertag

Neben kulturellen Programmen und religiösen Zeremonien sollen bei den Veranstaltungen auch politische Botschaften vermittelt werden. Vertreter:innen der Gemeinschaft kündigten an, die Anerkennung des Akitu-Festes als nationalen Feiertag in Syrien sowie verfassungsrechtliche Garantien für den Schutz ihrer kulturellen Identität einzufordern. Im Oktober hatte die islamistische Übergangsregierung in Damaskus mehrere Minderheiten-Feiertage gestrichen, darunter auch Akitu und Newroz.

https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/syrische-Ubergangsregierung-streicht-minderheiten-feiertage-48250 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/feiern-zum-assyrischen-neujahrsfest-akitu-45787 https://deutsch.anf-news.com/kultur/vorbereitungen-fur-akitu-in-nord-und-ostsyrien-45748

 

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Autonomierat Şengals beschließt ezidischen Einheitskongress

29. März 2026 - 15:00

Der Demokratische Autonomierat von Şengal (MXDŞ) hat nach seinem am Sonnabend abgehaltenen 6. Kongress eine Abschlusserklärung veröffentlicht und darin einen umfassenden politischen und organisatorischen Kurs für die kommenden Jahre festgelegt. Im Zentrum steht der Aufbau eines weltweiten Kongresses für die ezidische Einheit sowie die weitere Stärkung der Selbstverwaltung.

An dem Kongress nahmen rund 250 Delegierte sowie Vertreter:innen politischer Parteien und gesellschaftliche sowie religiöse Persönlichkeiten teil. Die Versammlung fand vor dem Hintergrund der anhaltenden Kriege im Nahen Osten statt, die von den Teilnehmenden als Teil eines umfassenden regionalen Konfliktprozesses eingeordnet wurden.

Demokratische Gesellschaft als Gegenmodell

In der Abschlusserklärung wird die aktuelle Krise in der Region als Ergebnis eines Systems beschrieben, das von Nationalismus, patriarchalen Strukturen und religiösem Dogmatismus geprägt sei. Dem wird ein Modell der „demokratischen Gesellschaft“ entgegengestellt, das auf Frauenbefreiung, Ökologie und kollektiver Selbstorganisierung basiert. „Die demokratische Gesellschaft ist der einzige Lösungsweg“, heißt es in der Erklärung. In diesem Zusammenhang wird auch die im Februar 2025 durch den kurdischen Repräsentanten Abdullah Öcalan ausgerufene Initiative für „Frieden und eine demokratische Gesellschaft“ als zentraler politischer Ansatz hervorgehoben.

Bilder © Zehra Şengalî

Selbstverwaltung und Wiederaufbau

Der Kongress zog eine kritische Bilanz der vergangenen zwei Jahre, betonte jedoch zugleich, dass die ezidische Gesellschaft trotz anhaltender Angriffe ihre Existenz sichern konnte. Als bedeutender Fortschritt wird insbesondere die Rückkehr und Wiederansiedlung von Familien hervorgehoben, die nach dem von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) verübten Genozid vom 3. August 2014 in Vertriebenenlagern lebten. Gleichzeitig wurden Defizite in den Bereichen Bildung, politische Bewusstseinsarbeit und Organisierung benannt. Diese sollen künftig durch den Ausbau des kommunalen Systems überwunden werden.

Strukturelle Neuausrichtung

Eine zentrale Entscheidung betrifft die Umstrukturierung der Selbstverwaltung. Die politischen Arbeiten sollen künftig vom neu konstituierten Volksrat von Şengal mit 51 Mitgliedern getragen werden. Die bisherige Exekutivstruktur wurde abgeschafft und durch eine Leitung mit Ko-Vorsitzenden und Stellvertretungen ersetzt. Frauen und Jugendliche wurden im Kongress als tragende Kräfte definiert. Gewalt gegen Frauen könne nur durch stärkere Organisierung überwunden werden, heißt es. Entsprechend sollen sie eine führende Rolle im weiteren Aufbau der demokratischen Gesellschaft übernehmen.

Bezug auf Abdullah Öcalan

In der Erklärung wird zudem ein direkter Zusammenhang zwischen der Situation der Ezid:innen und der Freiheit von Abdullah Öcalan hergestellt. Solange Öcalan nicht frei sei, bestehe weiterhin die Gefahr von Vernichtung und Angriffen auf die ezidische Bevölkerung. Seine Freiheit wird daher als zentrales politisches Ziel definiert.

Ezidischer Einheitskongress als strategisches Projekt

Als eine der wichtigsten Entscheidungen wurde die Gründung eines ezidischen Einheitskongresses beschlossen. Ziel ist es, innerhalb von zwei Jahren Ezid:innen aus verschiedenen Teilen der Welt in einer gemeinsamen politischen Struktur zusammenzuführen. Zugleich kritisiert der Autonomierat, dass der Genozid an den Ezid:innen international weiterhin nicht umfassend anerkannt sei. Die Bemühungen um eine Anerkennung auf staatlicher und internationaler Ebene sollen intensiviert werden.

Selbstverteidigung und politische Perspektiven

Die Erklärung unterstreicht zudem die Bedeutung von Selbstverteidigung als Voraussetzung für das Überleben der Gesellschaft. „Kein Lebewesen kann ohne Selbstverteidigung existieren“, heißt es. Parallel dazu soll die politische, kulturelle und militärische Organisierung weiter gestärkt werden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf einer politischen Lösung im Irak. Der Kongress spricht sich für eine „demokratische Integration“ aus, bei der die Rechte der Ezid:innen im Rahmen eines pluralistischen und demokratischen Systems anerkannt werden. Dies wird als Voraussetzung für Stabilität und Demokratisierung im gesamten Land dargestellt.

Zweijähriger Arbeitsplan

Der verabschiedete Arbeitsplan sieht unter anderem vor, die politische Kampagne für die Freiheit Abdullah Öcalans zu intensivieren, den Aufbau von kommunalen Strukturen in allen Dörfern voranzutreiben, die internationale Anerkennung des Genozids vom 3. August 2014 zu erreichen, den ezidischen Einheitskongress aufzubauen, Beziehungen zum Irak und internationalen Akteuren für eine politische Lösung zu entwickeln sowie Projekte zur ökologischen Entwicklung und zum Schutz der Region Şengal umzusetzen. Mit der Wahl der neuen Führung und den weitreichenden Beschlüssen unterstreicht der Kongress den Anspruch, die Selbstverwaltung in Şengal weiter zu konsolidieren und die ezidische Gesellschaft politisch, sozial und organisatorisch eigenständig zu stärken.

https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/Sengal-autonomierat-schliesst-kongress-ab-und-wahlt-neue-fuhrung-50916 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/autonomierat-von-Sengal-berat-uber-einheit-reformen-und-politische-zukunft-50910 https://deutsch.anf-news.com/hintergrund/Sengal-aufbau-demokratischer-autonomie-in-einer-umkampften-region-32945

 

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HRANA: Schwerste Angriffe auf Iran seit Kriegsbeginn

29. März 2026 - 15:00

Der Krieg zwischen Israel und Iran setzt sich unvermindert fort. Beide Seiten greifen sich weiterhin gegenseitig an, während die Zahl der Opfer weiter steigt. Die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtete, Raketen seien am Sonntag in einem Wohngebiet südlich von Teheran eingeschlagen. Dabei seien zehn Menschen ums Leben gekommen, darunter sechs afghanische Migrant:innen. Israels Armee bestätigte Angriffe in der iranischen Hauptstadt sowie anderen Gebieten in dem Land. Ziel sei Infrastruktur des iranischen Machtapparats gewesen, hieß es.

Das in den USA ansässige iranische Menschenrechtsnetzwerk HRANA spricht von einer massiven Ausweitung der Angriffe. Die jüngsten Luftschläge Israels gehörten demnach zu den schwersten seit Kriegsbeginn. Nach Angaben der NGO wurden mehr als 3.400 Menschen getötet, darunter mindestens 1.550 Zivilist:innen. Unter ihnen sind demnach auch 236 Kinder.

Allein am Samstag wurden laut der Organisation 24 Zivilpersonen getötet und fast 90 weitere verletzt. Zudem wurden seit Beginn des Krieges1.200 Militärangehörige getötet, während bei 700 weiteren Todesopfern keine eindeutige Zuordnung möglich ist. 74 Prozent aller bisherigen Angriffe hätten sich in Teheran ereignet.

Derweil berichtet die „Washington Post“, dass sich die USA auf einen Einsatz von Bodentruppen in Iran vorbereiten. Im Pentagon würden die Vorbereitungen darauf bereits auf Hochtouren laufen, so die Zeitung. Der nächste Kriegsschritt sei eine „wochenlange Bodenoperation in Iran“. Dafür soll das US-Verteidigungsministerium tausende Soldaten in den Nahen Osten versetzen. Aktuell fehle für einen Einmarsch jedoch noch grünes Licht von US-Präsident Donald Trump, heißt es in dem Bericht.

https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/anwesen-von-necirvan-barzani-in-duhok-bombardiert-50913 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/drohnenangriff-auf-koalitionsbasis-nahe-heseke-abgewehrt-50922 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/peschmerga-ministerium-verurteilt-raketenangriff-barzani-spricht-von-feindlichem-akt-50851

 

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Drohnenangriff auf Koalitionsbasis nahe Hesekê abgewehrt

29. März 2026 - 15:00

Ein Koalitionsstützpunkt im Nordosten Syriens ist in der Nacht zum Sonntag Ziel eines massiven Drohnenangriffs geworden. Nach Angaben vor Ort konnte die Luftabwehr mehrere Drohnen abfangen, die in Wellen auf die Anlage zuflogen. Der Angriff richtete sich gegen den Stützpunkt Qesrik (Qasrak) im Umland von Til Temir im Norden der Provinz Hesekê. Berichten von vor Ort zufolge waren die Luftabwehrsysteme über Stunden im Einsatz, nachdem kurz nach Mitternacht mehrere Drohnen identifiziert worden waren.

Demnach wurden mehrere Drohnen über dem ländlichen Raum um Til Temir abgeschossen. Die Abwehrmaßnahmen gingen mit wiederholten Explosionen und sichtbaren Lichtblitzen rund um den Stützpunkt einher. Auch US-Kampfflugzeuge waren im Einsatz und flogen intensive Patrouillen über dem Gebiet, um die Drohnen abzufangen. Bewohner:innen umliegender Ortschaften berichteten von anhaltenden Detonationen während der Nacht. Angaben zu möglichen Opfern oder Schäden lagen zunächst nicht vor.

Im Zusammenhang mit dem Angriff äußerte sich auch Sîpan Hemo (Samir Oso), Kommandant der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) und stellvertretender syrischer Verteidigungsminister für die östliche Region. Vier Drohnen aus dem Irak hätten den US-Stützpunkt angegriffen, erklärte er und verurteilte die Attacke. „Wir betrachten den Irak als verantwortlich und rufen dazu auf, eine Wiederholung von Angriffen zu verhindern, die unsere Stabilität gefährden“, so Hemo. 

https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/anwesen-von-necirvan-barzani-in-duhok-bombardiert-50913 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/peschmerga-ministerium-verurteilt-raketenangriff-barzani-spricht-von-feindlichem-akt-50851 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/drohnen-und-raketenangriff-auf-ehemaligen-koalitionsstutzpunkt-bei-rimelan-50839

 

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KCK verurteilt Angriff auf Residenz von Nêçîrvan Barzanî

29. März 2026 - 13:00

Der Exekutivrat der Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans (KCK) hat den Angriff auf das Anwesen von Nêçîrvan Barzanî in Duhok scharf verurteilt. In einer Erklärung sprach die Leitung des Dachverbands der kurdischen Befreiungsbewegung dem Präsidenten der Kurdistan-Region des Irak (KRI) seine vollste Solidarität aus. Am Samstag war die Residenz von einer Drohne bombardiert worden, mutmaßlich durch pro-iranische Milizen. Zur selben Zeit wurden in der KRI mehr als ein halbes Dutzend Drohnenangriffe registriert. 

Weiter heißt es in der KCK-Erklärung: „Seit Beginn des Krieges zwischen den USA, Israel und Iran sind kurdische Kräfte wiederholt Ziel von Angriffen geworden, und es kam zu Angriffen auf Kurdistan. Dabei gab es Tote und Verletzte sowie erhebliche materielle Schäden. Den Familien der Getöteten sprechen wir unser Beileid aus, den Verletzten wünschen wir Genesung.

Die Kurd:innen sind nicht Teil dieses Krieges und keine Konfliktpartei. Dennoch kommt es zu Angriffen auf die Kurd:innen und auf Kurdistan. Es ist offensichtlich, dass diese Angriffe darauf abzielen, die Kurd:innen in den Krieg hineinzuziehen. Wir verurteilen all diese Angriffe und warnen die dafür verantwortlichen Kräfte.

Das kurdische Volk führt seit Jahrzehnten einen Freiheitskampf unter den Bedingungen von Verleugnung, Vernichtung und Genozid. Unser Volk will seine Freiheitsfrage nicht durch Krieg, sondern durch Dialog und politische Lösungen lösen. In diesem Sinne rufen wir alle dazu auf, den Kurd:innen gegenüber verantwortungsvoll zu handeln. Gegenüber dem legitimen Kampf unseres Volkes muss Respekt gezeigt werden, und niemand sollte falsche Kalkulationen anstellen.“

Abschließend betont die KCK, dass die aktuellen Entwicklungen erneut die Notwendigkeit einer stärkeren Zusammenarbeit kurdischer politischer Kräfte verdeutlichten. Die Angriffe auf Kurdistan machten deutlich, wie wichtig es sei, auf Grundlage demokratischer Einheit zu handeln.

https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/anwesen-von-necirvan-barzani-in-duhok-bombardiert-50913 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/allianz-ostkurdischer-parteien-verurteilt-iranische-angriffe-in-soran-50858 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/peschmerga-ministerium-verurteilt-raketenangriff-barzani-spricht-von-feindlichem-akt-50851

 

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Nach Ausschluss: PJAK nimmt am Iran Freedom Congress teil

29. März 2026 - 13:00

Partei für ein freies Leben in Kurdistan (PJAK) wird am „Iran Freedom Congress“ teilnehmen, nachdem sie zuvor ohne Begründung aus dem Programm gestrichen worden war. In einer Erklärung teilte die Partei am Sonntag mit, sie sei nach erneuten Gesprächen wieder eingeladen worden und werde sich aktiv an dem Kongress beteiligen.

Nach eigenen Angaben hatte PJAK die ursprüngliche Einladung zunächst positiv aufgenommen. Die spätere Streichung ihrer Teilnahme ohne transparente Begründung habe jedoch „den demokratischen Prinzipien widersprochen“, erklärte die Partei.

Auf die Kritik reagierten zahlreiche politische Akteure und demokratische Kräfte mit Unterstützung für die PJAK. Diese breite Reaktion zeige, dass es in der Gesellschaft und unter politischen Gruppen ein „starkes und aktives Interesse an Freiheit und Demokratie“ gebe, heißt es in der Erklärung.

 Im Anschluss hätten Mitglieder des Koordinationsrats des Kongresses Gespräche geführt, um die Entscheidung zu korrigieren. Diese Verhandlungen führten schließlich zu einer Einigung, in deren Folge die PJAK erneut eingeladen wurde.

Demnach wird ein Hauptvertreter der Partei am „Iran Freedom Congress“ teilnehmen und dort auch eine Rede halten. Die PJAK dankte allen Beteiligten, die sich für die Wahrung demokratischer Standards eingesetzt und zur Korrektur des Prozesses beigetragen hätten.

https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/vor-iran-kongress-in-london-pjak-erhebt-vorwurfe-der-politischen-ausgrenzung-50904 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/pjak-unterstutzt-initiative-fur-kurdische-einheit-und-ruft-zu-nationalkongress-auf-50889 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/pjak-weist-spekulationen-um-zusammenarbeit-mit-den-usa-zuruck-50854

 

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Protest gegen Empfang von al-Scharaa: „Jolani ist nicht willkommen“

29. März 2026 - 9:00

Der anstehende Besuch des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa am kommenden Montag in Berlin stößt auf scharfe Kritik. Die Initiative „Wo sind Eva und Ahmet?“ ruft für Montag zu einem Protest in der Hauptstadt auf und fordert, den Empfang abzusagen. Al-Scharaa wird auf Einladung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in der deutschen Hauptstadt erwartet. Offiziell geht es um politische Gespräche, unter anderem zur Situation syrischer Geflüchteter. Kritiker:innen sehen darin jedoch vor allem den Versuch, die Zusammenarbeit mit der syrischen Übergangsregierung auszubauen und politischen Einfluss in der Region zu sichern.

Vom Dschihadistenchef zum Staatsoberhaupt

Al-Scharaa, auch bekannt als Abu Muhammad al-Jolani, war über Jahre führend in dschihadistischen Organisationen aktiv und stand auf internationalen Terrorlisten. Er kämpfte im Irak an der Seite von IS-Gründer Abu Bakr al-Baghdadi gegen US-Truppen und gründete später die Al-Nusra-Front, die als syrischer Ableger von al-Qaida agierte. In der Folge baute er die Organisation Hayat Tahrir al-Sham (HTS) auf, die bis heute eine zentrale Rolle in Teilen Syriens spielt.

Wo sind Eva Maria Michelmann und Ahmed Polad?

Die Initiative erhebt schwere Vorwürfe gegen die von ihm geführte Übergangsregierung und verweist auf Gewalt gegen Minderheiten sowie Angriffe auf kurdische Gebiete. In der Erklärung heißt es: „Jolani ist nicht willkommen.“ Genannt werden die Massaker an den Alawit:innen und Drus:innen sowie die Angriffswellen gegen die Kurd:innen und ihre Selbstverwaltung in Nordostsyrien. Im Zentrum der Kritik steht jedoch das Schicksal der deutschen Journalistin Eva Maria Michelmann und ihres kurdischen Kollegen Ahmed Polad (andere Schreibweise Ahmet Polat). Beide waren am 18. Januar während der jüngsten Offensive gegen Rojava von Regierungstruppen verschleppt worden, seitdem fehlt jede Spur. Unter dem Motto „Jolani, wo ist Eva?“ fordern die Aktivist:innen Aufklärung.

Bundesregierung hält sich bedeckt

Zugleich wirft die Initiative der Bundesregierung vor, den Fall nicht konsequent zu verfolgen. Statt Transparenz gebe es lediglich ausweichende Antworten. Man werde „mit dem Hinweis auf Datenschutz abgespeist“, selbst Angehörige und der Familienanwalt Michelmanns erhielten keine Informationen. Vor diesem Hintergrund kritisieren die Aktivist:innen insbesondere, dass al-Scharaa nach Deutschland eingeladen wird, obwohl zugleich das Schicksal zahlreicher Entführter ungeklärt ist. In der Erklärung wird er als „hauptverantwortlich für das Schicksal Tausender“ bezeichnet, die verschleppt wurden und bis heute vermisst werden.

Kundgebung vor dem Kanzleramt

Für Montagvormittag ist eine Kundgebung vor dem Kanzleramt angekündigt. Die Initiative will dort öffentlichen Druck aufbauen und ihre Forderungen bekräftigen. Dazu heißt es: „Beteiligt euch an der Aktion, um deutlich zu machen: Jolani ist nicht willkommen! Jolani, Wo ist Eva?“ Beginn der Protestveranstaltung ist um 11:00 Uhr.

https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/eu-abgeordnete-fordern-aufklarung-uber-verschwundene-journalist-innen-in-syrien-50846 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/kein-roter-teppich-fur-al-scharaa-einladung-nach-berlin-sendet-fatales-signal-50911 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/familie-fordert-aufklarung-uber-verschwinden-der-journalistin-eva-maria-michelmann-50658 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/gfbv-kein-roter-teppich-fur-kriegsverbrecher-und-islamisten-50901 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/syriens-Ubergangsprasident-kommt-am-montag-nach-berlin-50872

 

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Kurdische Unternehmer:innen beraten über politische Rolle und wirtschaftliche Perspektiven

29. März 2026 - 8:00

Kurdische Unternehmer:innen aus verschiedenen Teilen Europas sind am Sonnabend in Deutschland zur Generalversammlung der Association of Kurdish Employers in Europe (AKEE) zusammengekommen. Die 11. ordentliche Versammlung im nordrhein-westfälischen Königswinter verband wirtschaftliche Fragen mit einer politischen Einordnung der aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten und in Kurdistan.

Viele Politiker:innen zu Gast

An der Versammlung nahmen neben zahlreichen Unternehmern auch mehrere Politiker:innen teil, darunter der Ko-Vorsitzende der DEM-Partei, Tuncer Bakırhan, die für Außenbeziehungen der Partei zuständige Politikerin Ebru Günay, der ehemalige HDP-Abgeordnete Idris Baluken sowie der Europa-Vertreter der Demokratischen Partei Kurdistans (PDK), Serhed Gafurî. In den Beiträgen wurde die wachsende Bedeutung der kurdischen Diaspora als wirtschaftlicher und politischer Akteur hervorgehoben.

 


In seiner Eröffnungsrede betonte AKEE-Vorsitzender Hasan Sirel die Erfolge kurdischer Unternehmer:innen in Europa und verwies auf das Potenzial, diese Erfahrungen stärker in den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen in Kurdistan einzubringen. Zugleich unterstrich er die Notwendigkeit einer engeren Organisierung, um die wirtschaftliche Kraft der Diaspora gezielter zu bündeln.

Rede von Tuncer Bakırhan

Einen zentralen politischen Akzent setzte Tuncer Bakırhan, der die wirtschaftlichen Entwicklungen der kurdischen Diaspora mit den aktuellen politischen Prozessen im Nahen Osten verknüpfte. Er verwies auf die anhaltenden Kriege in der Region und erklärte, dass militärische Lösungen keine Perspektive mehr böten. „Der Krieg hat seine Zeit überschritten, er führt zu keiner Lösung mehr.“

Vor diesem Hintergrund griff er den „Aufruf für Frieden und eine demokratische Gesellschaft“ auf, den der kurdische Repräsentant Abdullah Öcalan 2025 formuliert hatte. Bakırhan stellte heraus, dass eine politische Lösung auf Dialog und Verhandlungen beruhen müsse und die Voraussetzungen für demokratische Rechte, lokale Selbstverwaltung und gesellschaftliche Stabilität schaffen könne. Es sei „Zeit für Versöhnung und Frieden“.

Zugleich warnte der DEM-Vorsitzende vor einer einseitigen Abhängigkeit von internationalen Akteuren und verwies auf Erfahrungen aus verschiedenen Konflikten, in denen externe Kräfte ihre Unterstützung „an eigene Interessen geknüpft und keine verlässliche Perspektive für die Region geboten“ hätten. Die kurdische Gesellschaft habe dagegen über Jahrzehnte hinweg eigene politische und gesellschaftliche Strukturen entwickelt und verfüge über das Potenzial, eine stabilisierende Rolle in der Region zu spielen. „Die Kurd:innen sind eines der ältesten und zugleich dynamischsten Völker des Nahen Ostens“, so Bakırhan.

Einschätzungen zur wirtschaftlichen Lage auf globaler und regionaler Ebene

Auch weitere Redner:innen sowie Unternehmer:innen aus verschiedenen europäischen Ländern brachten ihre Einschätzungen ein. Beiträge aus Frankreich, Großbritannien und Skandinavien verdeutlichten die Bandbreite der wirtschaftlichen Aktivitäten der kurdischen Diaspora und deren zunehmende Vernetzung. Ein eigener Programmpunkt widmete sich der wirtschaftlichen Lage auf globaler, europäischer und regionaler Ebene. In einem Vortrag wurden Entwicklungen der Weltwirtschaft sowie deren Auswirkungen auf Europa und die Türkei analysiert, wodurch die ökonomische Dimension der Konferenz unterstrichen wurde.

Hasan Sirel als Vorsitzender bestätigt

Im organisatorischen Teil der Versammlung wurden Tätigkeits- und Finanzberichte vorgestellt und bestätigt. Darüber hinaus beschlossen die Delegierten Änderungen an der Satzung sowie Anpassungen der internen Struktur, um die Arbeit der Organisation effizienter zu gestalten. Bei den anschließenden Wahlen wurde entschieden, den Vorstand künftig aus neun Mitgliedern zu bilden. Hasan Sirel wurde in seinem Amt als Vorsitzender bestätigt.

Die Versammlung machte deutlich, dass kurdische Unternehmer:innen in Europa nicht nur als wirtschaftliche Akteure auftreten, sondern zunehmend auch ihre Rolle im politischen Prozess definieren und ihre Erfahrungen in die Entwicklungen in Kurdistan einbringen wollen.

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Kurdische Jugend führt Umstrukturierungskonferenz durch

29. März 2026 - 8:00

Kurdische Jugendliche aus verschiedenen Teilen Europas sind am Sonnabend in Basel in der Schweiz zu einer Konferenz zur Umstrukturierung der Jugendbewegung zusammengekommen. Im Mittelpunkt standen die zukünftige Organisierung sowie die politische Rolle der Jugend im kurdischen Befreiungskampf.

Die Konferenz stand im Zusammenhang mit dem Aufruf zu Frieden und einer demokratischen Gesellschaft, den der kurdische Repräsentant Abdullah Öcalan im Februar 2025 formuliert hatte. Ziel der Zusammenkunft war es, diesen politischen Impuls in konkrete organisatorische Schritte zu überführen.

 


Zum Auftakt wurde mit einer Schweigeminute der Gefallenen des Befreiungskampfes gedacht. In anschließenden Diskussionen nahmen die Teilnehmenden eine politische Lageeinschätzung vor und hoben die Bedeutung der europaweiten Vernetzung kurdischer Jugendlicher hervor. Dabei wurde betont, dass die kommenden Entwicklungen maßgeblich von der aktiven Rolle der Jugend geprägt sein werden.

Im weiteren Verlauf wurden die seit 2015 in Europa aufgebauten Strukturen der kurdischen Jugendbewegung bilanziert. Eine Präsentation zeichnete zentrale Etappen und Erfahrungen der vergangenen Jahre nach. Zudem wurden Einschätzungen von Abdullah Öcalan zur Rolle der Jugend verlesen, die als Orientierung für die zukünftige Arbeit dienen sollen.

Die Konferenz endete am Abend mit einer Abschlussveranstaltung. Ergebnisse oder konkrete Beschlüsse wurden zunächst nicht im Detail veröffentlicht.

https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/Ocalan-es-liegt-in-unserer-hand-dieses-jahr-zu-einem-jahr-der-freiheit-zu-machen-50801 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/Ocalan-botschaft-an-die-jugend-organisiert-euch-und-organisiert-andere-45810 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/Ocalan-ohne-organisierte-jugend-keine-freie-gesellschaft-49442

 

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