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Aktualisiert: vor 1 Stunde 47 Minuten

KON-MED: Europa darf neuen Autoritarismus in Syrien nicht legitimieren

14. September 2026 - 8:00

Die Konföderation der Gemeinschaften Kurdistans in Deutschland (KON-MED) macht die syrische Übergangsregierung für die jüngste Eskalation in Kobanê verantwortlich und fordert Deutschland und die Europäische Union auf, politischen Druck auf Damaskus auszuüben. Unterstützung und Zusammenarbeit dürften nicht bedingungslos erfolgen. Anlass der Erklärung sind die Ermordung des 26-jährigen Sîpan Xiznî und der Tod von neun Menschen beim Brand im Gefängnis von Kobanê. KON-MED sprach den Angehörigen ihr Mitgefühl aus und wünschte den Verletzten schnelle Genesung.

Sîpan Xiznî war nach seiner Zeit bei den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) im Zuge des Integrationsprozesses in die Hesekê-Brigade eingegliedert worden. Nach seiner Entführung und Ermordung am vergangenen Donnerstag durch Angehörige eines arabischen Stammes wurden Aufnahmen der Tat zusammen mit antikurdischen Drohungen in sozialen Netzwerken verbreitet. Daraufhin kam es in Rojava zu Protesten.

Zentralistische Herrschaftslogik in neuer Form

KON-MED verweist neben der Gewalt in Kobanê auf die derzeitigen Auseinandersetzungen um kurdischsprachige Bildung und die politischen Rechte der Bevölkerung Rojavas. Die Einschränkung eines seit Jahren bestehenden muttersprachlichen Bildungssystems und die Missachtung lokaler demokratischer Strukturen weckten Erinnerungen an eine Politik der Unterdrückung der kurdischen Existenz und des politischen Willens.

„Die kurdische Gesellschaft in Rojava und überall auf der Welt wird nicht akzeptieren, dass das neue Syrien die zentralistische Herrschaftslogik des Baath-Regimes in neuer, religiös-nationalistischer Form fortsetzt“, heißt es in der Erklärung. Demokratische Integration dürfe keine Unterordnung bedeuten. Sie müsse die freie und gleichberechtigte Existenz der unterschiedlichen gesellschaftlichen, ethnischen und religiösen Gemeinschaften sowie deren Beteiligung an der Zukunft Syriens garantieren.

Unterstützung für Damaskus an Bedingungen knüpfen

KON-MED nimmt insbesondere Deutschland und die Europäische Union in die Verantwortung. Wer die syrische Übergangsregierung politisch unterstütze, diplomatisch aufwerte und in den Wiederaufbau einbinde, verfüge zugleich über Einfluss auf Damaskus. Europäische Unterstützung müsse deshalb an „nachprüfbare Fortschritte bei Demokratie, Menschenrechten, Minderheitenschutz, lokaler Selbstbestimmung und rechtsstaatlicher Aufarbeitung“ geknüpft werden.

Der Ko-Vorsitzende des Dachverbands, Kerem Gök, erklärte, die Übergangsregierung sei auf internationale Anerkennung, politische Zusammenarbeit und wirtschaftliche Unterstützung angewiesen. Diesen Einfluss müssten Deutschland und die EU nutzen. „Unterstützung für Damaskus muss daran gebunden werden, dass die Rechte der Kurd:innen und aller anderen gesellschaftlichen Gruppen verfassungsrechtlich garantiert, demokratische Strukturen respektiert und Verantwortliche für Gewalt zur Rechenschaft gezogen werden“, erklärte Gök.

Europa dürfe „einem neuen Autoritarismus in Syrien nicht durch Schweigen Legitimität verschaffen“. Syrien brauche keine islamistische und diktatorische Regierung, sondern ein demokratisches System, das die Rechte, die Würde und den politischen Willen aller gesellschaftlichen Gruppen schütze.

https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/tausende-nehmen-abschied-von-sipan-hizni-52710 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/nach-gewaltsamem-vorgehen-gegen-proteste-neun-tote-in-gefangnis-von-kobane-52699 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/proteste-fur-kurdischsprachigen-unterricht-weiten-sich-in-rojava-aus-52677

 

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Veysi Aktaş: Dialog befindet sich in einer sensiblen Phase

14. September 2026 - 8:00

Hunderte Menschen haben am Sonntag in Köln über den Prozess für Frieden und eine demokratische Gesellschaft diskutiert. Bei der Veranstaltung im Eurosaal sprachen Veysi Aktaş, Mitglied des Imrali-Sekretariats, und Ebru Günay aus dem Vorstand der DEM-Partei über den bisherigen Verlauf und die aktuelle Phase des Prozesses.

Die Veranstaltung begann mit einer Schweigeminute für die zuletzt bekannt gegebenen Gefallenen des kurdischen Freiheitskampfes. Ebru Günay ging anschließend auf die historische Entwicklung des Prozesses ein und informierte über den aktuellen Stand. Dabei sprach sie über die bisherigen Schritte des türkischen Staates und der kurdischen Befreiungsbewegung sowie die jüngsten Entwicklungen auf der Gefängnisinsel Imrali.

 


Aktaş: Öcalan arbeitet kontinuierlich weiter

Veysi Aktaş berichtete anschließend über die Einschätzungen des kurdischen Repräsentanten Abdullah Öcalan zum laufenden Prozess. Trotz der schweren Isolationsbedingungen auf Imrali setze Öcalan seine politische und theoretische Arbeit kontinuierlich fort. Aktaş erläuterte, welche Bedeutung das von Öcalan entwickelte Paradigma der demokratischen Gesellschaft für die gegenwärtige Phase habe.

„Der Prozess zielt auch darauf, die kurdische Bevölkerung vor einer erneuten Vernichtungspolitik zu schützen, mit der sie sich ein Jahrhundert später wieder konfrontiert sieht“, erklärte Aktaş. Öcalans historische Analysen und Lösungsvorschläge seien dabei ein grundlegender Orientierungspunkt.

Strategische Bedeutung kurdischer Einheit

Aktaş ging zudem auf Öcalans Lösungsansätze für die Krisen im Mittleren Osten ein und betonte die strategische Bedeutung einer demokratischen nationalen Einheit der Kurd:innen. Die laufenden Dialoge und Gespräche befänden sich in einer sensiblen Phase. Öcalan messe einer friedlichen und demokratischen Lösung große Bedeutung bei. Entsprechend müsse in der gegenwärtigen Phase mit historischem Verantwortungsbewusstsein gehandelt werden. Im Anschluss an die Redebeiträge diskutierten Günay und Aktaş in einer Frage-Antwort-Runde mit den Teilnehmer:innen.

https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/-52675 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/-52544 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/-52660

 

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17 bei Protesten in Kobanê Festgenommene freigelassen

14. September 2026 - 2:00

Insgesamt siebzehn hauptsächlich junge Menschen, die bei Protesten in Kobanê festgenommen und anschließend nach Aleppo gebracht wurden, sind freigelassen worden. Die Männer waren von Truppen der Allgemeinen Sicherheit der syrischen Übergangsregierung festgenommen worden.

In Kobanê hatten nach der Verschleppung und Ermordung des Kämpfers Sîpan Hiznî von der Hesekê-Brigade Proteste begonnen. Beim Vorgehen der Regierungstruppen gegen die Demonstrierenden kam es zu Übergriffen und zahlreichen Festnahmen.

Bei den jetzt Freigelassenen handelt es sich um Mihemed Necîb Hemo, Azad Celal Osê, Welat Mehmûd Horan, Organ Şukrî Oso, Aras Elaedîn Mişo, Behaedîn Mihemed Bozo, Omer El Hemîd Ehmed, Salih Mihemed Elî, Berxwedan Mihemed Şêxo, Hisên Şêx Mihemed Nebo, Yûsif Mistefa Berkel, Zekeriya Îsmaîl Şêxo, Emar Mehmûd Baqî, Fadil Hecî Heyder, Serdar Mihemed Îsmalî, Ehmed Mihemed Reşad und Zekeriya Îsmaîl Hemo.

https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/nach-gewaltsamem-vorgehen-gegen-proteste-neun-tote-in-gefangnis-von-kobane-52699 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/-52683 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/nach-mord-an-sipan-hizni-proteste-in-rojava-weiten-sich-aus-52693

 

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Türkischer Außenminister Fidan in Damaskus

14. September 2026 - 2:00

Der türkische Außenminister Hakan Fidan hat bei einem Besuch in Damaskus die vollständige praktische Umsetzung der Auflösung der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) und ihrer Eingliederung in die syrischen Staatsstrukturen gefordert. Sein syrischer Amtskollege Asaad al-Schaibani erklärte seinerseits, Damaskus strebe eine einzige Armee und die vollständige Eingliederung Nordostsyriens an.

Fidan und al-Schaibani äußerten sich am Sonntag nach einem gemeinsamen Treffen im Rahmen eines zweitägigen Syrienbesuchs des türkischen Außenministers. Neben den QSD standen die Beziehungen zwischen Ankara und Damaskus, die israelischen Angriffe auf Syrien und die wirtschaftliche Zusammenarbeit auf der Tagesordnung.

Fidan: Auflösung der QSD muss praktisch umgesetzt werden

Fidan bezeichnete die Erklärung über die Auflösung der QSD und ihre Integration in die syrischen Staatsinstitutionen als „wichtig und wertvoll“. „Wir erwarten, dass dies ohne Zeitverlust in die Praxis umgesetzt und abgeschlossen wird. Die Phase der Erklärung ist wichtig, aber sie muss auch verwirklicht werden“, sagte der türkische Außenminister. Al-Schaibani formulierte die Zielsetzung der syrischen Übergangsregierung noch einmal aus Sicht von Damaskus. Man gehe entschlossen den Weg, „eine einzige nationale Armee zu schaffen, die Waffen in den Händen der legitimen Institutionen zu konzentrieren und den Nordosten im Rahmen eines vollständig syrischen Prozesses wieder in die nationale Einheit einzugliedern“.

Türkisch als Wahlfach „kein Problem“

Fidan äußerte sich bei seinem Besuch auch zur Sprachenfrage im syrischen Bildungssystem. Gegen die Aufnahme des Türkischen als Wahlfach in die Lehrpläne gebe es „kein Problem“, erklärte er. Die Aussage fällt in eine Zeit massiver Proteste gegen die Bildungspolitik der syrischen Übergangsregierung in Rojava. Seit Tagen boykottieren Schüler:innen den Unterricht und demonstrieren gemeinsam mit Lehrer:innen und weiteren Teilen der Bevölkerung gegen die Beschränkung des Kurdischen auf drei Wochenstunden. Gefordert wird die Fortsetzung der muttersprachlichen Bildung auf Kurdisch.

Erdoğan plant Besuch in Syrien

Fidan kündigte zudem einen Syrienbesuch des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan an. Dieser wünsche sich die Reise bereits seit längerer Zeit. Ankara arbeite derzeit daran, die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Sein eigener Besuch diene auch dazu, vorbereitende Arbeiten einer hochrangigen Planungsgruppe für die geplante Reise Erdoğans zu prüfen. Einen Termin nannte Fidan nicht.

Fidan beschuldigt Israel der Destabilisierung

Mit scharfen Worten wandte sich Fidan gegen die israelischen Angriffe auf Syrien. Israel versuche, das Land zu destabilisieren und greife systematisch dessen militärische Kapazitäten an. Als jüngstes Beispiel nannte er den Angriff auf den Militärflugplatz Abu ad-Duhur. Fidan behauptete darüber hinaus, die israelischen Angriffe würden Organisationen wie den IS indirekt unterstützen. Instabilität in Syrien werde nicht nur das Land selbst, sondern die gesamte Region und darüber hinaus treffen. Al-Schaibani erklärte, die israelischen Angriffe beeinträchtigten die Beziehungen zwischen Damaskus und Ankara nicht. Diese befänden sich vielmehr in ihrer bislang „besten Phase“.

Türkische Unternehmen zeigen großes Interesse

Auch die wirtschaftliche Zusammenarbeit soll ausgebaut werden. Fidan sprach von einer außergewöhnlich großen Nachfrage türkischer Unternehmen und insbesondere von starkem Interesse türkischer Industrieunternehmen am syrischen Markt. Ankara arbeite daran, dafür die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen. Al-Schaibani kündigte an, gemeinsam an Industriegebieten in den Grenzregionen arbeiten zu wollen.

https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/-52699 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/-52700 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/-52682 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/proteste-gegen-steigende-treibstoffpreise-in-syrien-52719

 

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Hunderte demonstrieren in Wien gegen Angriffe auf Rojava

14. September 2026 - 2:00

Hunderte Kurd:innen haben am Sonntag in Wien gegen die Ermordung von Sîpan Hiznî und die jüngsten Ereignisse in Kobanê demonstriert. Die Protestierenden forderten Aufklärung und Konsequenzen für die Verantwortlichen sowie die Anerkennung der politischen, sprachlichen und gesellschaftlichen Rechte der kurdischen Bevölkerung in Syrien. Die Demonstration begann am Karlsplatz. Zum Auftakt wurde Sîpan Hiznî, den neun beim Brand im Gefängnis von Kobanê ums Leben gekommenen Menschen und allen im kurdischen Freiheitskampf Gefallenen mit einer Schweigeminute gedacht.

Teil einer Reihe von Angriffen auf die Kurd:innen

Der Journalist und Politiker Binyad Cizîrî erinnerte daran, dass Sîpan Hiznî am 10. September in der Provinz Hesekê verschleppt und ermordet wurde. Bei dem wenige Tage später ausgebrochenen Brand im Gefängnis von Kobanê sind neun Menschen ums Leben gekommen und zahlreiche weitere verletzt worden. Cizîrî bezeichnete die Ereignisse nicht als voneinander isolierte Vorfälle, sondern als Teil einer Reihe von Angriffen und Rechtsverletzungen gegen die kurdische Bevölkerung Rojavas. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

 


Kritik übte er insbesondere an der Politik der syrischen Übergangsregierung. „Die Ereignisse in Kobanê und die Entsendung von Truppen aus Aleppo in die Region zeigen, dass auch das Prinzip der Selbstverwaltung der Kurd:innen abgelehnt wird“, sagte Cizîrî. Auch die Einschränkung der kurdischsprachigen Bildung sei Ausdruck dieser Politik. Die Begrenzung des Kurdischunterrichts auf drei Wochenstunden widerspreche dem Dekret Nr. 13, mit dem Kurdisch als nationale Sprache in Syrien anerkannt worden sei.

Solidarität mit dem Widerstand in Rojava

Nurcan Alagöz erklärte im Namen der Kurdischen Frauenbewegung in Europa (TJK-E), die Angriffe auf die kurdische Bevölkerung Rojavas bedrohten zugleich Sicherheit und Stabilität der gesamten Region. Die Aktivistin Stêrk Ronahî erinnerte an die Rolle der Kurd:innen im Kampf gegen die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) und erklärte ihre Solidarität mit dem Widerstand der Bevölkerung Rojavas gegen Angriffe und Einschüchterungsversuche.

Die Redner:innen forderten, die Rechte der kurdischen Bevölkerung auf Selbstverwaltung und muttersprachliche Bildung im Rahmen des Abkommens zwischen der Selbstverwaltung und Damaskus zu garantieren. Zugleich riefen sie die internationale Gemeinschaft auf, Druck auf die syrische Übergangsregierung auszuüben und sich für Frieden, Stabilität und ein gleichberechtigtes Zusammenleben in Syrien einzusetzen. Anschließend zog die Demonstration vom Karlsplatz zum österreichischen Parlament. Die Teilnehmer:innen trugen Transparente zum Gedenken an die Getöteten und forderten, die Verantwortlichen für die Angriffe auf die kurdische Bevölkerung zur Rechenschaft zu ziehen.

https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/tausende-nehmen-abschied-von-sipan-hizni-52710 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/nach-gewaltsamem-vorgehen-gegen-proteste-neun-tote-in-gefangnis-von-kobane-52699 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/schulboykott-fur-kurdischsprachige-bildung-dauert-an-52720

 

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Fall Gülistan Doku: Neue Festnahmen wegen Verdachts auf Vertuschung

13. September 2026 - 19:00

Im mutmaßlichen Feminizid an Gülistan Doku in Dersim (tr. Tunceli) ist eine weitere Festnahmeoperation angelaufen. Gegen elf Verdächtige, darunter aktive und ehemalige Angehörige der Polizei, wurden Festnahmen wegen des Verdachts angeordnet, Beweismittel beseitigt oder manipuliert und in die Ermittlungen eingegriffen zu haben. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft von Erzurum (ku. Erzîrom) fanden dazu zeitgleich in sieben Provinzen Festnahmen, Durchsuchungen und Beschlagnahmungen statt. Es handelt sich um die sechste Festnahmeoperation seit der Wiederaufnahme der Ermittlungen zum Verschwinden der damals 21-jährigen Studentin.

Inzwischen befinden sich 32 Personen in Untersuchungshaft, darunter frühere und aktive Staatsbedienstete, Polizeibeamt:innen, Ärzt:innen und weitere Gesundheitsbedienstete. Zu den Inhaftierten gehören auch der damalige Gouverneur von Tunceli, Tuncay Sonel, dessen Sohn Mustafa Türkay Sonel und seine Ehefrau Handan Sonel sowie der damalige Chefarzt des staatlichen Krankenhauses Çağdaş Özdemir und der frühere stellvertretende Kommandeur der Provinzgendarmerie Ali Kahraman.

Verdacht auf organisiertes System der Vertuschung

Gülistan Doku wird seit dem 5. Januar 2020 vermisst. Die aus Amed (Diyarbakır) stammende 21-Jährige studierte Kindheitspädagogik im zweiten Jahr an der Munzur-Universität in Dersim. Ihre Familie erstattete am folgenden Tag Vermisstenanzeige, die damaligen Suchmaßnahmen blieben ohne Ergebnis. Nach der Wiederaufnahme des Verfahrens im Frühjahr haben die Ermittlungen eine neue Richtung genommen. Im Zentrum steht inzwischen der Verdacht, dass Gülistan Doku einem Feminizid zum Opfer fiel und anschließend ein organisiertes System zur Vertuschung der Tat aufgebaut wurde.

Als Hauptverdächtiger gilt Mustafa Türkay Sonel. Er soll Gülistan Doku vergewaltigt und später erschossen haben. Gegen seinen Vater, Ex-Gouverneur Tuncay Sonel, richtet sich der Verdacht, staatliche Strukturen genutzt zu haben, um die Tat seines Sohnes zu vertuschen. Die neuen Ermittlungen gegen aktive und ehemalige Polizeibeamt:innen stehen im Zusammenhang mit diesem Verdacht – Sonel hatte über Jahre öffentlichkeitswirksam auf einer Selbstmordtheorie durch einen Sprung Dokus in den Fluss Munzur spekuliert und immer wieder umfangreiche Suchaktionen durchführen lassen.

Freund des Hauptverdächtigen belastet Mustafa Türkay Sonel

Eine zentrale Rolle spielt auch Umut Altaş, ein Freund von Mustafa Türkay Sonel. Altaş befindet sich in den USA und soll bei einer Vernehmung durch das FBI ausgesagt haben, dass Gülistan Doku von Mustafa Türkay Sonel getötet worden sei. Gegen Altaş liegt ein Haftbefehl vor, die Türkei hat seine Auslieferung aus den USA beantragt.

Weiterhin ungeklärt ist, wo sich die sterblichen Überreste von Gülistan Doku befinden. Justizminister Akın Gürlek erklärte am 10. September, Aussagen in den Ermittlungsakten deuteten darauf hin, dass ihr Leichnam mehrfach an andere Orte gebracht worden sein könnte. Zuletzt soll er demnach an einen Ort an der Straße nach Pêrtag (Pertek) gebracht worden sein. Nach Angaben Gürleks wird zudem der Verdacht untersucht, dass versucht worden sein könnte, den Leichnam mithilfe chemischer Substanzen vollständig zu beseitigen.

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Schulboykott für kurdischsprachige Bildung dauert an

13. September 2026 - 19:00

Der Protest von Schüler:innen gegen die Einschränkung der kurdischsprachigen Bildung in Syrien dauert an. In Girkê Legê, Rimêlan und den umliegenden Dörfern gehen Schüler:innen seit sechs Tagen nicht zur Schule. Sie weigern sich, den Unterricht unter den neuen Vorgaben des syrischen Bildungsministeriums aufzunehmen, und fordern das Recht, ihre Bildung weiterhin in ihrer Muttersprache fortzusetzen.

Die Proteste in der Provinz Hesekê hatten am 6. September begonnen und halten seitdem an. Schüler:innen beteiligten sich in mehreren Orten an Demonstrationen und anderen Protestaktionen. Sie erklären, die Entscheidung des Bildungsministeriums nicht zu akzeptieren.

 


Hintergrund sind Vorgaben für das neue Schuljahr, nach denen Kurdisch in Rojava und weiteren kurdischen Gebieten Syriens auf drei Unterrichtsstunden pro Woche beschränkt werden soll. Schüler:innen, Lehrer:innen, Bildungseinrichtungen und gesellschaftliche Organisationen in Rojava lehnen die Herabstufung des Kurdischen von einer Unterrichtssprache zu einem einzelnen Unterrichtsfach ab.

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Proteste gegen steigende Treibstoffpreise in Syrien

13. September 2026 - 17:00

In mehreren Gebieten Rojavas und Syriens haben Proteste gegen steigende Treibstoffpreise und die Verschlechterung der öffentlichen Versorgung begonnen. Straßen wurden blockiert, Busfahrer traten in den Streik und in Hesekê fielen zahlreiche Generatoren aus, nachdem die Dieselversorgung eingestellt worden war.

In Til Temir blockierten Einwohner:innen den Abschnitt der internationalen Fernstraße M4 Richtung Qamişlo. Sie forderten, die Entscheidung des syrischen Energieministeriums zur Erhöhung der Treibstoffpreise zurückzunehmen. Die Folgen beträfen längst nicht nur den Treibstoff selbst, erklärten die Protestierenden. Mit dem Dieselpreis stiegen auch die Preise für Lebensmittel, Transport und andere Güter des täglichen Bedarfs.

Generatoren in Hesekê fallen aus

Besonders deutlich zeigen sich die Auswirkungen bei der Stromversorgung in Hesekê und den umliegenden Dörfern. Nachdem die Bereitstellung von Diesel für Stromgeneratoren eingestellt wurde, sind zahlreiche Anlagen außer Betrieb. Für viele Haushalte sind die Generatoren eine zentrale Alternative zur unzureichenden öffentlichen Stromversorgung. Ein Einwohner sagte der Nachrichtenagentur ANHA, dass eine Versorgung über Generatoren zuvor rund zehn US-Dollar pro Ampere gekostet habe.

 


Angesichts der hohen Temperaturen und der Stromausfälle habe sich die Lage für die Bevölkerung nun erheblich verschärft. Einige Geschäftsleute seien auf Solarenergie ausgewichen. Zugleich seien die Kosten für Strom auf etwa zwölf Dollar pro Ampere gestiegen, was die finanzielle Belastung für Geschäfte und Bevölkerung weiter erhöhe.

Straßenblockaden von Deir ez-Zor bis Hesekê

Auch aus weiteren Orten werden Proteste gemeldet. In al-Tayana im östlichen Umland von Deir ez-Zor verbrannten Demonstrierende vor dem Gebäude der Stadtverwaltung Reifen. Ähnliche Aktionen fanden in Markada, al-Shaddadi und im Gebiet der 47. Straße im Umland von Hesekê statt. Neben den Treibstoffpreisen richteten sich die Proteste dort gegen die Verschlechterung der Lebensbedingungen und der öffentlichen Versorgung.

 


Im Gebiet der 47. Straße blockierten Demonstrierende zudem die Durchfahrt von Rohöltankern auf der M4. Die Hauptstraße zwischen Deir ez-Zor und Aleppo wurde in der Nähe von Raqqa durch brennende Reifen gesperrt.

Im Großraum von Hesekê blieben zudem mehrere Busbahnhöfe leer, nachdem Fahrer aus Protest gegen die gestiegenen Kosten in den Streik getreten waren und den Personenverkehr einstellten. In sozialen Netzwerken verbreitete Aufnahmen aus Hesekê zeigen zudem einen Motorradfahrer, der aus Protest gegen die Treibstoffpreise sein eigenes Motorrad in Brand setzt.

Angesichts der gestiegenen Kosten für Treibstoff, Transport, Arbeit und Dienstleistungen werden auch in weiteren Teilen Syriens Proteste erwartet. Genannt werden unter anderem Hama, Homs, Idlib, das Umland von Aleppo und Minbic.

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DEM-Delegation trifft Öcalan auf Imrali

13. September 2026 - 17:00

Die Imrali-Delegation der Partei der Völker für Gleichheit und Demokratie (DEM-Partei) ist am Sonntag auf der türkischen Gefängnisinsel Imrali mit dem kurdischen Repräsentanten Abdullah Öcalan zusammengetroffen. Der Besuch war ursprünglich für Montag, 14. September, angekündigt worden.

Der Delegation gehörten die Abgeordneten Pervin Buldan und Mithat Sancar sowie der Rechtsanwalt Faik Özgür Erol von der Istanbuler Kanzlei Asrin an. Sie reisten am Sonntag nach Imrali und kehrten nach dem Gespräch mit Öcalan wieder von der Insel zurück nach Istanbul. Angaben zur Dauer und zum Inhalt des Treffens liegen bislang nicht vor. Die Delegation will sich dazu noch äußern.

Zuletzt hatten Buldan, Sancar und Erol Öcalan am 2. August auf Imrali besucht. Bei dem Gespräch damals stand insbesondere der weitere Verlauf des Prozesses für Frieden und eine demokratische Gesellschaft im Mittelpunkt. Öcalan hatte das damals noch bevorstehende Rahmengesetz als wichtigen Schritt bezeichnet und erklärt, mit ihm beginne ein Demokratisierungsprozess von historischer Bedeutung.

Das Rahmengesetz wurde inzwischen vom türkischen Parlament verabschiedet. Öcalan hatte zugleich betont, dass damit noch nicht alle Fragen gelöst seien und alle Beteiligten Verantwortung für den weiteren Verlauf des Prozesses übernehmen müssten.

https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/-52347 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/-52634 https://deutsch.anf-news.com/hintergrund/-52653

 

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KCK: Damaskus setzt religiöse Variante des Baath-Nationalismus durch

13. September 2026 - 17:00

Die Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans (KCK) hat die syrische Übergangsregierung aufgefordert, von Angriffen auf die Rechte und den politischen Willen der Bevölkerung Rojavas Abstand zu nehmen. Die aktuellen Konflikte um muttersprachliche Bildung und das Vorgehen in Kobanê zeigten grundlegende Probleme im Prozess der demokratischen Integration.

Der Ko-Vorsitz des KCK-Exekutivrats sprach den Angehörigen des in Hesekê ermordeten Sîpan Hiznî und der neun beim Gefängnisbrand in Kobanê ums Leben gekommenen Menschen ihr Beileid aus und wünschten den Verletzten schnelle Genesung.

Die KCK erinnerte an die Angriffe auf Rojava und die Demokratische Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien (DAANES) vom 6. Januar 2026. Der kurdische Repräsentant Abdullah Öcalan hatte daraufhin im Rahmen seiner Politik der demokratischen Integration zu einer friedlichen Lösung aufgerufen. „In der Folge ist eine Vereinbarung zwischen der Übergangsregierung und der Selbstverwaltung zustande gekommen. Eine solche Integration kann jedoch nur auf der Grundlage einer Demokratisierung Syriens erfolgen. Entscheidend ist, dass alle unterschiedlichen Identitäten gleichberechtigt und frei anerkannt werden.“

„Religiöse Variante des Baath-Nationalismus“

Die Selbstverwaltung führe seit Monaten Gespräche mit Damaskus über die demokratische Integration und zugleich einen gesellschaftlichen Kampf für deren Umsetzung, so die KCK weiter. Die jüngsten Entwicklungen zeigten jedoch, dass dieser Prozess zunehmend auf Hindernisse stoße. Das Recht eines Volkes auf Bildung in der eigenen Muttersprache dürfe überhaupt nicht zur Diskussion stehen, erklärte der Exekutivrat. Dennoch werde versucht, die seit 14 Jahren bestehende kurdischsprachige Bildung in Rojava und anderen kurdischen Gebieten Syriens massiv einzuschränken.

„Dieser Angriff auf ein Bildungssystem, das seit 14 Jahren besteht, zeigt, dass die Übergangsregierung in Damaskus die kurdische Existenz in Wirklichkeit nicht anerkennen will. Damit wird eine religiöse Variante des Baath-Nationalismus durchgesetzt.“ Die seit Tagen anhaltenden Proteste zeigten jedoch, dass die Bevölkerung und insbesondere die Jugend diese Politik nicht hinnehmen. „Unsere muttersprachliche Bildung ist unsere rote Linie“, laute ihre Botschaft.

Den Vergleich mit der Baath-Zeit, in der Kurdisch überhaupt nicht unterrichtet wurde, weist die KCK als Demagogie zurück: Einen solchen Zustand zum Maßstab zu machen, schaffe lediglich die Grundlage dafür, das freie und demokratische Leben der kurdischen Bevölkerung erneut einzuschränken.

Kobanê und die Fortsetzung zentralistischer Herrschaft

Auch die jüngsten Ereignisse in Kobanê sieht die KCK als Ausdruck dieses politischen Widerspruchs. Demokratische Integration setze lokale Demokratie und die Anerkennung des Willens der Bevölkerung vor Ort voraus. „Probleme, die vor Ort gelöst werden können, durch die Entsendung von Truppen aus Damaskus und Aleppo lösen zu wollen, bedeutet in Wirklichkeit, die Herrschaftskultur des Baath-Regimes fortzuführen.“ Die Intervention in Kobanê habe über Rojava hinaus in allen Teilen Kurdistans und unter Kurd:innen weltweit Reaktionen hervorgerufen. Dass die kurdische Bevölkerung Rojavas und Syriens zahlenmäßig kleiner sei als in anderen Teilen Kurdistans, bedeute nicht, „dass sie schutzlos ist und diesen Angriff akzeptieren wird“.

„Rechte werden nicht durch Abwarten gewonnen“

Die KCK verweist demgegenüber auf die gesellschaftliche Organisierung, die mit der Revolution von Rojava entstanden ist. Die kurdische Bevölkerung habe dabei politisches Bewusstsein, eigenen Willen und organisierte Kraft entwickelt und könne diese durch demokratische Aktionen gegen Angriffe mobilisieren. „Demokratisierung und grundlegende demokratische Rechte werden weder geschützt noch gewonnen, indem man abwartet“, erklärte die KCK. Die Proteste für muttersprachliche Bildung seien dafür ein konkretes Beispiel. Um diesen Kampf dauerhaft zu führen, müsse die Organisierung der demokratischen Gesellschaft weiter vertieft werden.

KCK warnt Übergangsregierung vor Folgen ihrer Politik

Abschließend richtete die KCK einen deutlichen Appell an Damaskus: „Die Übergangsregierung muss sich von Ansätzen, Haltungen und Interventionen fernhalten, die auch ihr selbst schaden werden. Sie muss die Kraft der Kurd:innen für die Demokratisierung und Stabilität Syriens nutzen.“ Der syrische Staat könne nur dann Stabilität erreichen und stärker werden, wenn er das freie und demokratische Leben aller Identitäten und Glaubensgemeinschaften anerkenne.

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Rojhilat: Aufruf zum Generalstreik am Todestag von Jina Mahsa Amini

13. September 2026 - 17:00

Zum vierten Jahrestag der Ermordung von Jina Mahsa Amini ist in Rojhilat ein Generalstreik angekündigt worden. Die Allianz der politischen Parteien Ostkurdistans rief die Bevölkerung dazu auf, sich am Mittwoch, 16. September, an dem Protest zu beteiligen. Geschäftsleute sollen ihre Läden schließen, auch die Märkte sollen an diesem Tag geschlossen bleiben. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, zu Hause zu bleiben und auf diese Weise am Streik teilzunehmen. Die Allianz appellierte zugleich an politische Parteien, zivilgesellschaftliche Organisationen und unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen, den Generalstreik zu unterstützen.

Der Generalstreik sei nicht allein ein Gedenken an Jina Mahsa Amini sowie die Menschen, die während der Revolution „Jin, Jiyan, Azadî“ (Frau, Leben, Freiheit) getötet wurden, erklärte das Bündnis. Er solle zugleich den anhaltenden Widerstand der kurdischen Bevölkerung sowie ihre politischen und nationalen Forderungen sichtbar machen. Die Allianz bezeichnete den Streik als „friedliche zivile Protestaktion“ und rief zu einer breiten Beteiligung in ganz Rojhilat auf.

Jina Mahsa Amini war am 13. September 2022 während eines Besuchs in Teheran von der sogenannten Sittenpolizei wegen eines angeblichen Verstoßes gegen die staatlichen Verschleierungsvorschriften festgenommen worden. Im Gewahrsam fiel sie infolge schwerer körperlicher Gewalt ins Koma und starb am 16. September 2022 im Alter von 22 Jahren. Ihre Ermordung löste in Rojhilat und ganz Iran einen landesweiten Aufstand aus. Die aus der kurdischen Frauenbewegung stammende Parole „Jin, Jiyan, Azadî“ wurde dabei über die Grenzen Irans hinaus zu einem weltweiten Symbol des Widerstands.

https://deutsch.anf-news.com/menschenrechte/jina-mahsa-amini-un-bericht-macht-iran-verantwortlich-fur-tod-41327 https://deutsch.anf-news.com/frauen/-52687 https://deutsch.anf-news.com/frauen/-52649 https://deutsch.anf-news.com/frauen/-52574 https://deutsch.anf-news.com/frauen/-52711

 

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Asayîş melden Zerschlagung von zwei IS-Zellen in Helebce

13. September 2026 - 15:00

Die Sicherheitskräfte in der Kurdistan-Region des Irak (KRI) haben in Helebce (Halabdscha) zwei Zellen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) zerschlagen. Bei mehreren Operationen innerhalb der vergangenen 96 Stunden seien insgesamt 22 Mitglieder verdeckter IS-Strukturen festgenommen worden, teilte die Generaldirektion für Operationen der Asayîş in Silêmanî am Sonntag mit.

Die Einsätze wurden gemeinsam von der Generaldirektion und der Asayîş-Direktion von Helebce durchgeführt. Dabei seien zahlreiche schwere, mittlere und leichte Waffen, Handgranaten, militärische Ferngläser und Munition beschlagnahmt worden. Nach Angaben der Asayîş war das Material für Anschläge vorgesehen, die der IS noch im September verüben wollte.

Die Ermittlungen dauern an. Sämtliche bislang gesicherten Informationen und Unterlagen zu den festgenommenen Personen befänden sich bei der Generaldirektion für Operationen und dem zuständigen Ermittlungsrichter.

Hochrangiges IS-Mitglied in Xurmal festgenommen

Parallel zu den Operationen in Helebce führten die Sicherheitskräfte in der Nacht zum 12. September einen Einsatz gegen ein mutmaßlich hochrangiges IS-Mitglied in Xurmal durch. Dabei kam es nach Angaben der Asayîş zu einem bewaffneten Zusammenstoß. Der Gesuchte wurde festgenommen, Todesopfer habe es bei dem Einsatz nicht gegeben. Die Asayîş kündigten an, die Aussagen der Festgenommenen und weitere Dokumente zu den IS-Strukturen in Kürze öffentlich zu machen.

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Zweitägige Trauer in Kobanê

13. September 2026 - 15:00

Nach dem Tod von neun Menschen bei einem Brand im Gefängnis von Kobanê ist in der Stadt eine zweitägige Trauer ausgerufen worden. Seit den frühen Morgenstunden blieben Geschäfte und Betriebe geschlossen. Besonders im zentralen Basar ruhte das öffentliche Leben, zahlreiche Straßen waren weitgehend menschenleer.

Mit der Schließung der Geschäfte gedenkt die Bevölkerung der neun Menschen, die in der Nacht zum Samstag bei dem Gefängnisbrand ums Leben kamen.

 


Dem Feuer waren Proteste gegen die Ermordung des 26-jährigen Sîpan Hiznî und das gewaltsame Vorgehen der syrischen Regierungstruppen gegen Demonstrierende vorausgegangen. Zahlreiche Menschen waren festgenommen und in das Gefängnis gebracht worden. Dort eskalierte die Situation, nachdem Gefangene von einer geplanten Verlegung in Haftanstalten der Provinz Aleppo erfahren hatten. Bei dem anschließenden Brand kamen neun Menschen ums Leben, 17 weitere wurden verletzt.

Die Beisetzung der neun Toten war zunächst für Sonntag vorgesehen. Wegen der zweitägigen Trauer wurde die Zeremonie jedoch auf Montag verschoben. Sie soll um 17 Uhr auf dem Şehîd-Dîcle-Friedhof in Kobanê stattfinden.

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KNK ruft zur Unterstützung des Widerstands in Rojava auf

13. September 2026 - 11:00

Der Nationalkongress Kurdistans (KNK) hat zur Unterstützung der Proteste in Rojava für muttersprachliche Bildung aufgerufen. Das Komitee für Sprache, Bildung, Kultur und Kunst des KNK erklärte, täglich gingen tausende Menschen auf die Straße, um ihre Rechte einzufordern. Der KNK unterstütze diesen legitimen Widerstand.

„Das Recht auf Bildung in der eigenen Muttersprache ist ein universelles und unveräußerliches Recht“, betonte das Gremium. Der KNK forderte die syrische Übergangsregierung auf, ihre „antidemokratischen Angriffe“ auf die muttersprachliche Bildung unverzüglich einzustellen und dieses grundlegende Recht anzuerkennen.

Zugleich rief der KNK Kurd:innen in allen vier Teilen Kurdistans, Menschen aus Kurdistan im Ausland sowie internationale und humanitäre Organisationen dazu auf, den Kampf der Bevölkerung Rojavas zu unterstützen. „Das Recht auf Bildung in der Muttersprache ist unveräußerlich, und die Bevölkerung Rojavas wird ihren Kampf fortsetzen, bis diese Forderung zum Erfolg geführt worden ist“, heißt es in der Erklärung.

Der KNK fordert, das Recht auf muttersprachliche Bildung gesetzlich zu verankern und dauerhaft zu garantieren.

Proteste gegen Herabstufung des Kurdischen zur Unterrichtsstunde

Hintergrund der Proteste sind Vorgaben des syrischen Bildungsministeriums für das neue Schuljahr, nach denen Kurdisch in den kurdischen Gebieten künftig auf drei Unterrichtsstunden pro Woche beschränkt werden soll. Dagegen gehen seit Tagen in zahlreichen Städten Rojavas Schüler:innen, Lehrer:innen und weitere Teile der Bevölkerung auf die Straße. Sie fordern die Anerkennung des Kurdischen als Unterrichtssprache und lehnen eine Herabstufung zur bloßen Unterrichtsstunde ab. Auch Bildungseinrichtungen und gesellschaftliche Organisationen in Rojava haben die Entscheidung zurückgewiesen.

https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/tev-Cand-und-hilala-zerin-unsere-sprache-ist-unsere-existenz-52701 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/proteste-fur-kurdischsprachigen-unterricht-weiten-sich-in-rojava-aus-52677 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/kobane-schuler-innen-boykottieren-unterricht-fur-bildung-auf-kurdisch-52636

 

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Großbrand von Izmir: Die Täter sind umstritten, die Verantwortung nicht

13. September 2026 - 11:00

Als der Große Brand von Izmir (Smyrna), der am 13. September 1922 begonnen hatte, fünf Tage später endlich erlosch, lagen bereits zwei Drittel der Stadt in Trümmern. Rund 25.000 Gebäude, darunter Wohnhäuser, Kirchen, Krankenhäuser, Schulen und Hotels, wurden vollständig zerstört. Die historischen griechischen und armenischen Viertel verschwanden von der Landkarte.

Der Brand vernichtete ein Gebiet von rund 2,6 Millionen Quadratmetern, das sich vom heutigen Messegelände von Izmir, das heute für Konzerte, Veranstaltungen und Jahrmärkte bekannt ist, bis zum Kordon erstreckte. Wer für den Brand verantwortlich war, ist auch mehr als ein Jahrhundert später Gegenstand kontroverser Debatten.

Die offizielle Geschichtsschreibung behauptet, Griech:innen auf der Flucht vor der türkischen Armee hätten das Feuer gelegt. Tatsächlich brach der Brand jedoch am 13. September aus – vier Tage nachdem die unter dem Kommando von Mustafa Kemal stehende türkische Armee am 9. September in Izmir einmarschiert war.

Räumliche und demografische Zerstörung

Die Historikerin und Autorin Ayşe Hür beschreibt das Ausmaß der Zerstörung der städtischen und gesellschaftlichen Struktur:

„Bei dem Brand wurden auf einer Fläche von rund 2,6 Millionen Quadratmetern 25.000 Wohnhäuser, Geschäfte, Kirchen, Krankenhäuser, Fabriken, Lagerhäuser, Hotels und Restaurants zerstört. Quellen zufolge belief sich die Zahl der Griechen und Armenier, die vor den türkischen Armeen nach Izmir getrieben worden waren, zusammen mit den dort bereits lebenden Menschen auf annähernd 500.000. Nur 320.000 von ihnen konnten mit Schiffen evakuiert werden, während die übrigen 180.000 während des Brandes auf unterschiedliche Weise ums Leben gekommen sein sollen. In gewisser Weise hatte sich die Stadt damit wie von selbst ihrer nichtmuslimischen Bevölkerung ‚entledigt‘.“

Garnik Stepanyan schilderte Verjine Svazlian den Brand, den er 1922 selbst miterlebt hatte, mit folgenden Worten:

„Als sie Izmir 1922 in Brand setzten, übergossen sie die Kirchen mit Benzin und Petroleum und verbrannten die Armenier und Griechen, die dort Schutz gesucht hatten, bei lebendigem Leib. Zuerst brannten sie das armenische Viertel nieder. Sie setzten die Sankt-Stepanos-Kirche in Brand, weil sich dort alle Armenier in Sicherheit gebracht hatten. Danach flohen wir Armenier und gingen ans Meer. Dort lagen viele Boote, doch ihre Böden waren zuvor durchlöchert worden, damit sie Wasser aufnahmen und die Armenier sich nicht retten konnten. Die armen Menschen stiegen in die Boote, doch nachdem diese ein Stück gefahren waren, liefen sie voll Wasser und die Menschen gerieten ins Meer. Auf der Wasseroberfläche trieben zahlreiche aufgedunsene Leichen.“

Mit dem Brand veränderte sich die über Jahrhunderte gewachsene multikulturelle Bevölkerungsstruktur Izmirs grundlegend. Neben den Menschen, die verbrannten oder ertranken, war auch die überlebende nichtmuslimische Bevölkerung gezwungen, die Stadt zu verlassen. Die zerstörten historischen Gebäude und Siedlungsgebiete wurden nicht wiederaufgebaut. Die Auslöschung dieses räumlichen Gedächtnisses wird als Bestandteil der damaligen Politik zur Schaffung eines homogenen Nationalstaats und einer nationalen Identität betrachtet.

Auch das nach dem Brand zurückgebliebene Eigentum der nichtmuslimischen Bevölkerung wurde vom Staat auf Grundlage der Regelungen über die sogenannten „verlassenen Güter“ (Emval-i Metruke) beschlagnahmt, die etwa einen Monat nach dem 24. April 1915 in Kraft getreten waren. Ab 1923 wurden die Namen von Straßen, Vierteln, Alleen und Gewerbebetrieben in der Stadt in raschem Tempo türkisiert. Auf diese Weise wurden die Identität Izmirs und das städtische Gedächtnis neu geformt.

„Das ist nichts anderes als reine Zerstörungswut“

Der Journalist Falih Rıfkı Atay, ein Zeitzeuge der damaligen Ereignisse, schrieb in seinem Buch Çankaya über den Brand von Izmir und verwies auf die Rolle von Sakallı Nurettin Pascha:

„Das ungläubige Izmir ging zugrunde, nachts lichterloh brennend, tagsüber qualmend. Waren für den Brand, wie man uns damals sagte, wirklich nur armenische Brandstifter verantwortlich? Viele sagten auch, dass Armeekommandeur Nurettin Pascha dabei beträchtlich seine Hand im Spiel hatte … Warum brannten wir Izmir nieder? Fürchteten wir, dass wir die Minderheiten nicht loswerden würden, wenn die Herrenhäuser am Kordon, die Hotels und Vergnügungslokale bestehen blieben? Als die Armenier im Ersten Weltkrieg deportiert wurden, hatten wir aus derselben Angst heraus alle bewohnbaren Viertel und Stadtteile der anatolischen Städte und Ortschaften niedergebrannt. Das ist nichts anderes als reine Zerstörungswut. Dabei spielt auch ein Minderwertigkeitsgefühl eine Rolle. Jeder Winkel, der einem Stück Europa ähnelte, schien dazu verdammt, christlich und fremd und damit zwangsläufig nicht unser zu sein. Wenn es einen weiteren Krieg gegeben und wir ihn verloren hätten – hätte es dann ausgereicht, Izmir als eine Ansammlung leerer Grundstücke zurückzulassen, um den türkischen Charakter der Stadt zu bewahren?“

Auch Generalstabschef Fevzi Çakmak erklärte zur Ausbreitung des Feuers und zur Zerstörung der Stadt, die Katastrophe habe aufgrund der mangelnden Umsicht, Kurzsichtigkeit und Disziplinlosigkeit Nurettin Paschas nicht verhindert werden können.

Von Izmir bis Kurdistan: Sich der Wahrheit stellen

Der Große Brand von Izmir war weder der Anfang noch das Ende dieser Politik zur Schaffung eines homogenen Nationalstaats und einer nationalen Identität. Der Genozid an den Armenier:innen, die Vermögenssteuer (Varlık Vergisi), das Pogrom vom 6. und 7. September, das Dersim-Massaker, die Vertreibung der Griech:innen 1964, die in den 1990er Jahren in Kurdistan niedergebrannten Dörfer und die nicht aufgeklärten politischen Morde bildeten zu unterschiedlichen Zeiten Glieder einer Politik, die auf die Schaffung einer Gesellschaft mit einer Sprache, einer Nation und einer Religion zielte.

Diese historischen Zäsuren tragen die Spuren einer gemeinsamen Staatsräson, die durch Straflosigkeit und eine Politik des Vergessenmachens miteinander verbunden sind. Solange keine Auseinandersetzung mit dem Geschehenen stattfindet, bleibt die Vergangenheit nicht einfach Vergangenheit; auch die Wunden im gesellschaftlichen Gedächtnis werden von Generation zu Generation weitergegeben.

In einer gesellschaftlichen Ordnung, deren Gedächtnis ausgelöscht, deren Räume verödet und die auf der Vernichtung der eigenen Nachbarn errichtet wurde, bleibt jeder Diskurs über Gleichheit unvollständig, solange keine Auseinandersetzung mit dieser Vergangenheit stattfindet. Sich der von den Völkern erlebten Wahrheit zu stellen, ihren Forderungen nach Gerechtigkeit zu entsprechen und die Wiederholung ähnlichen Leids zu verhindern, gehört zu den grundlegenden Voraussetzungen für Frieden und eine demokratische Gesellschaft.

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KJK: Mit der Revolution „Jin, Jiyan, Azadî“ den Sozialismus der demokratischen Gesellschaft aufbauen

13. September 2026 - 9:00

Die Gemeinschaft der Frauen Kurdistans (KJK) hat zum vierten Jahrestag der Revolution „Jin, Jiyan, Azadî“ eine Erklärung veröffentlicht. Darin erinnert der Dachverband der kurdischen Frauenbewegung an die während des Aufstands getöteten und hingerichteten Menschen und ruft insbesondere Frauen in Iran und Rojhilat dazu auf, ihre Selbstorganisierung auszubauen. Das iranische Regime könne mit seiner repressiven Politik keine Antwort auf die gesellschaftlichen Probleme geben, heißt es. Ohne eine Demokratisierung Irans sei auch kein Ausweg aus der tiefen Krise des Landes möglich.

Wir dokumentieren die Erklärung im Wortlaut:

„Am vierten Jahrestag der Revolution ‚Jin, Jiyan, Azadî‘ gedenken wir in der Person von Jina Amini und Shiler Rasouli mit Respekt und Dankbarkeit all jener Gefallenen der Revolution, die auf den Straßen Irans und Rojhilats bei Protesten gegen das Massaker getötet oder hingerichtet wurden. Am vierten Jahrestag der Ermordung Jina Aminis erinnern wir zugleich an Niloufar Mojaver, die brutal gefoltert und ermordet wurde. Wir versprechen, nicht zu schweigen und die Täter durch Kampf und Organisierung zur Rechenschaft zu ziehen. Die systematische und organisierte Gewalt gegen Frauen hat sich in der Person Niloufar Mojaver erneut gezeigt. Gegen dieses organisierte und vorsätzlich mörderische System auf einem freien und sinnvollen Leben zu beharren, ist für uns Frauen der einzige Weg zu einer Lösung.

„Ohne Demokratisierung gibt es keinen Ausweg aus der Krise“

Im 21. Jahrhundert haben sich zweifellos sehr schnelle Veränderungen vollzogen, und sie dauern weiter an. Der Prozess der Wiederauferstehung der Kurd:innen unter der Führung von Rêber Apo [Abdullah Öcalan] hat nicht nur in der Türkei und Nordkurdistan, sondern in allen vier Teilen Kurdistans und in Europa tiefgreifende Resonanz hervorgerufen. Er hat das Projekt einer demokratischen Integration mit den vier Staaten der Region auf der Grundlage ihrer Demokratisierung auf die internationale Tagesordnung gebracht.

Auf dieser Grundlage gehört Rojhilat-Iran angesichts des immer wieder andauernden Krieges zu den Gebieten, die unbedingt demokratisiert werden müssen. Denn das repressive iranische Regime ist nicht in der Lage, Antworten und Lösungen für die Probleme der Bevölkerung Irans hervorzubringen. Solange sich Iran nicht demokratisiert, wird es daher weder eine Lösung noch einen Ausweg aus dieser tiefen Krise geben. Wenn die Völker Irans auf der Grundlage des Prozesses, der am 13. September 2022 mit der Festnahme Jina Aminis und drei Tage später ihrer Ermordung wegen eines Kopftuchs begann und auf der Philosophie ‚Jin, Jiyan, Azadî‘ beruht, am vierten Jahrestag ihres Aufstands für die Alternative eines demokratischen Irans kämpfen, wird zweifellos auch die Demokratisierung Irans möglich sein.

Obwohl der Krieg zwischen Iran, Israel und den USA in unterschiedlichen Formen weitergeht, greift das iranische Regime die Bevölkerung weiterhin an und setzt Festnahmen und Hinrichtungen fort. Insbesondere den Frauen in Iran wird sowohl durch den schweren Krieg zwischen Iran, Israel und den USA als auch durch die Angriffe des Regimes regelrecht die Luft zum Atmen genommen. Frauen und insbesondere kurdischen Frauen wird ein Zustand aufgezwungen, der schlimmer ist als der Tod. Deshalb ist es von existenzieller Bedeutung, diese Situation zu hinterfragen.

„Jin, Jiyan, Azadî“ als Suche nach einem freien Leben

Suche und Hinterfragen führen den Menschen zu den richtigen Antworten. Dass Frauen bei den Protesten in Iran die Führung übernahmen, begann mit der Infragestellung dieses Systems. Kurd:innen, Aseris, Belutsch:innen und Perser:innen und insbesondere Frauen wurde in Iran ein Leben in Knechtschaft aufgezwungen. In der Person Jina Aminis haben die Frauen Irans diese Zumutung zurückgewiesen und sich auf die Suche nach einem freien Leben begeben. Diese Suche erreichte mit der Losung ‚Jin, Jiyan, Azadî‘ ihren Höhepunkt, die der Philosophie Rêber Apos und dem seit mehr als 30 Jahren geführten Kampf der kurdischen Frauenbewegung zugrunde liegt. Erneut hat sich gezeigt, dass die Suche, das Hinterfragen und der Kampf für Freiheit und Gleichheit unter der Führung von Frauen zu Ergebnissen führen.

Ein sinnentleertes Leben ohne die Führung von Frauen kann weder dauerhaft noch nachhaltig sein. Ebenso wenig ist ein Leben fern von Freiheit lebbar. Als die Bevölkerung unter Führung der Frauen auf die Straße ging, folgten auch Männer, die mit diesem Regime und System unzufrieden sind, den widerständigen Frauen auf die Straßen. Auch diese Realität der Männer zeigt, dass in Iran Veränderungen auf der Grundlage von Demokratisierung möglich sind.

Tatsächlich gingen Männer nicht nur gegen die Unterdrückung von Frauen, sondern auch gegen die gegen sie selbst gerichtete Unterdrückung auf die Straße und schlossen sich der Revolution ‚Jin, Jiyan, Azadî‘ an. Auf der einen Seite trat die Realität herrschender und rigider Männlichkeit, auf der anderen die Realität von Männern, die frei und gleichberechtigt leben wollen, im Aufstand der Revolution ‚Jin, Jiyan, Azadî‘ deutlich hervor.

In der Person des Widerstands von Jina Amini, Shiler Rasouli und Niloufar Mojaver sowie aller widerständigen Frauen zeigen uns die in den Städten Irans und Rojhilats getöteten Frauen und jungen Menschen den Weg, die Philosophie ‚Jin, Jiyan, Azadî‘ zu schützen und fortzuführen. Zugleich zeigen die Haltung und der Widerstand in den Gefängnissen des iranischen Regimes, angeführt von  Zeynab Jalalian, Varisheh Moradi, Pakhshan Azizi, dass der Kampf der Revolution ‚Jin, Jiyan, Azadî‘ ohne Unterbrechung fortgeführt werden muss.

Organisierung als Voraussetzung der Selbstverteidigung

Wenn wir den Spuren der widerständigen Frauen folgen, können wir organisiert gegen das mörderische System kämpfen. Denn eine unorganisierte Frau ohne Kommune bleibt innerhalb eines mörderischen Systems, das der Frau feindlich gegenübersteht, schutzlos. Um uns selbst verteidigen zu können, müssen wir am vierten Jahrestag des Aufstands ‚Jin, Jiyan, Azadî‘ unser Bewusstsein schärfen und unseren Kampf ausweiten und vertiefen.

Rêber Apo hat die Kurd:innen vom Hinrichtungstisch an den Verhandlungstisch gebracht. Insbesondere kurdische, persische, belutschische und aserbaidschanische Frauen können in Solidarität und Einheit ihre Kommunen, Organisationen und Akademien sowie Räume der Bildung, Bewusstseinsbildung und des Austauschs entwickeln. Frauen wachsen, indem sie miteinander teilen, und erreichen dadurch alle Frauen. Deshalb wurde die Revolution ‚Jin, Jiyan, Azadî‘ von Frauen überall aufgegriffen. Denn die Vergewaltigungskultur richtet sich überall auf der Welt in gleicher Weise gegen Frauen und Gesellschaft.

Kommunen und Akademien statt Statistiken über ermordete Frauen

Diese Vergewaltigungskultur breitet sich organisiert aus, während das mörderische System die Führung und Organisierung von Frauen fürchtet. Doch je stärker die Angriffe werden, desto stärker werden zweifellos auch die Einheit, Solidarität und der Austausch unter Frauen.

Am vierten Jahrestag der Revolution ‚Jin, Jiyan, Azadî‘ hoffen wir, dass anstelle von Statistiken über die Ermordung von Frauen die Kommunen, Akademien und freien Lernräume von Frauen auf die internationale Tagesordnung gelangen. Am vierten Jahrestag der Ermordung Jina Aminis müssen alle Menschen, allen voran die Frauen, auf die Straße gehen und ihre Reaktion zeigen.

Auf dieser Grundlage sind wir überzeugt, dass alle Frauen, jungen Menschen und unsere Völker den Kampf für die Freiheit der Frauen in einen Kampf für den Aufbau eines demokratischen und gemeinsamen Lebens verwandeln werden.“

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Derya Aydın: Friedensaufbau und Trauer gehen Hand in Hand

13. September 2026 - 8:00

Die kollektiven Trauerfeiern für Gefallene der kurdischen Freiheitsbewegung sind für die Anthropologin Derya Aydın ein sichtbares Zeichen dafür, dass sich die Türkei in einer Übergangsphase der Konfliktlösung befindet. Im Vergleich zu den vergangenen zehn Jahren hätten Versuche, kurdische Trauer zu kriminalisieren, abgenommen. Zugleich sieht Aydın weiterhin klare Grenzen: Der Staat wolle verhindern, dass sich die Trauer im öffentlichen Raum institutionalisiert und zu einer gesellschaftlich legitimierten, dauerhaften Form des Gedenkens entwickelt.

Im zweiten Teil unseres Interviews spricht Aydın über die symbolische Macht politischer Toter, die gesellschaftliche Konkurrenz um legitime Formen des Gedenkens und die Voraussetzungen für einen Übergang vom negativen zum positiven Frieden. Dabei verweist sie auf Erfahrungen von Südkurdistan und Şengal über Spanien und Palästina bis nach Lateinamerika. Friedensprozesse, so Aydın, müssten sich auch der Wahrheit des politischen Todes stellen, Tote identifizieren und ihnen ihre Würde zurückgeben.

„Der Prozess bewegt sich stärker auf Messers Schneide als 2013“

Aus regierungsnahen Kreisen und von faschistischen Parteien kamen provokative Äußerungen gegen die Trauerfeiern. Warum wird auf das Recht zu trauern mit Ablehnung reagiert, während zugleich von Frieden gesprochen wird?

Zunächst einmal muss man, wenn man sich die Missachtung und die entwürdigende Behandlung von Toten in den vergangenen zehn Jahren sowie den Diskurs ansieht, der diese Praktiken legitimiert hat, feststellen, dass die heutigen Versuche der Kriminalisierung zurückgegangen sind. Ja, es gab Festnahmen, doch die Betroffenen wurden wieder freigelassen. Auch aus Regierungskreisen habe ich Äußerungen wahrgenommen, in denen Trauer als etwas Selbstverständliches bezeichnet wurde. Natürlich sollte all das längst selbstverständlich sein. Und ja, man kann sagen, dass wir nach zwei Jahren an einem weiter fortgeschrittenen Punkt stehen müssten. Ich verstehe solche Einschätzungen, doch der Charakter dieser Phase muss genau analysiert werden.

Die einzelnen Schritte werden langsamer vollzogen. Auch wenn es bislang noch nicht zur Anwendung gekommen ist, stellt das Rahmengesetz mit Blick auf die Kurdistanfrage einen ersten Text dieser Art dar und ist von Bedeutung. Wenn Sie mich fragen, bewegt sich dieser Prozess noch stärker auf Messers Schneide als der Prozess von 2013. Sowohl angesichts der weltpolitischen Konjunktur als auch mit Blick auf die Lösung eines inzwischen fast ein halbes Jahrhundert andauernden Konflikts ist bei beiden Seiten, die – wenn man so will – zutiefst erschöpft sind, eine realistischere Herangehensweise zu beobachten.

Von zwei homogenen Seiten kann natürlich kaum die Rede sein. Insbesondere wenn man die Fragmentierung innerhalb des türkischen Staates und die heterogene Struktur der kurdischen Bewegung berücksichtigt, gehen die Seiten insgesamt wesentlich vorsichtiger und behutsamer vor. Vielleicht werden die Gespräche auch deshalb derart abgeschirmt geführt. Es wäre wohl auch nicht falsch zu sagen, dass auf beiden Seiten das Trauma des Konfliktgeschehens der vergangenen zehn Jahre und seiner Folgen nachwirkt.

Ich denke, dass dieses Trauma in der Gesellschaft noch wesentlich tiefer sitzt. Natürlich gibt es auch andere Gründe, doch auch deshalb begleitet die Gesellschaft den Prozess deutlich stiller als 2013/2014. Ich halte den Prozess nicht für fragiler als damals. Doch insbesondere seit zwei Jahren wirken die Seiten darauf bedacht, keine schwerwiegenden Fehler zu machen. Wie bei einem Tauziehen halten sie das Seil auf ihrer jeweiligen Seite fest umklammert, ziehen es zu sich und versuchen dabei, ihre – wenn man so will – „Errungenschaften“ zu bewahren. Denn in diesem seit Jahren andauernden Konflikt gibt es weder Sieger noch Besiegte.

„Der Staat will nicht, dass Trauer zu legitimiertem Gedenken wird“

Wie die Festnahmen zeigen, will der Staat nicht, dass sich diese Trauer im öffentlichen Raum institutionalisiert und zu einer gesellschaftlich legitimierten, dauerhaften Form des Gedenkens wird. Auch wenn zwischen 2013 und 2015 Friedhöfe angelegt, Tote geborgen und kollektive Beisetzungszeremonien abgehalten wurden, zeigten sowohl die Kriminalisierung in den Medien als auch Vorgehensweisen wie die Zerstörung des Denkmals für Mahsum Korkmaz, dass der Staat verhindern wollte, dass dieser Prozess in ein dauerhaftes öffentliches Gedenken mündet, und Trauer nur innerhalb bestimmter Grenzen zuließ.

In meiner Forschung habe ich versucht, die damalige Haltung des Staates gegenüber diesen Friedhöfen zu verstehen, und mich intensiv mit der Frage beschäftigt, wo die Grenzen des staatlich Zugelassenen begannen und wo sie endeten. Die komplexen politischen Strategien und Praktiken des Staates können mitunter den Eindruck erwecken, er handle widersprüchlich. Rückblickend wird jedoch deutlicher, dass er damals im Rahmen einer äußerst konsequenten Politik vorging. Heute verhält es sich ähnlich.

Dass die Trauerfeiern ins Visier genommen werden, hat darüber hinaus unterschiedliche sichtbare und unsichtbare Gründe. Im Kern steht der Wille, die im Bereich der Trauer in der Türkei geschaffene und institutionalisierte Diskriminierung aufrechtzuerhalten. Nach dieser Logik dürfen kurdische politische Tote und die Toten des Staates nicht in gleicher Weise öffentlich erinnert werden. Sie dürfen nicht einmal in derselben Weise betrauert werden wie Tote im Rahmen traditioneller Trauerpraktiken. Denn auch ihrem Leben wird nicht derselbe Wert zugeschrieben. Achten Sie darauf: Diejenigen, die diese Trauer zu kriminalisieren versuchen, stören sich vor allem an dem auch von Kurd:innen verwendeten Begriff „Şehîd“. Denn indem dieser Begriff in einen kurdischen Kontext gestellt wird, dekonstruiert er den im öffentlichen Raum der Türkei geschaffenen „Märtyrermythos“. Für die große Mehrheit der Gesellschaft in der Türkei ist es schwer, dies anzuerkennen.

Das Bemühen der Angehörigen, die Würde des vom Staat und seinen ideologischen Apparaten seit Jahren entmenschlichten „PKK-Lebens“ und parallel dazu auch des entmenschlichten toten Körpers zu schützen – und darüber hinaus der Versuch, diesen mit der Bezeichnung „Şehîd“ zu sakralisieren –, kann die politischen und emotionalen Welten erschüttern, die sich um den „Vertrag der Türkischkeit“ herausgebildet haben. Das ist eine Realität. Diese gesellschaftlichen Verhältnisse muss man genau lesen. Ich denke jedoch, dass sich viele Kurd:innen, die Verluste erlitten haben, dieser Realität bewusst sind. Gerade deshalb erzählen sie trotz all des erlittenen Schmerzes unermüdlich und beharrlich von der Wahrheit dessen, was geschehen ist, versuchen, Kontakte herzustellen, und weisen auf die Bedeutung des Friedens hin.

Die symbolische Macht des politischen toten Körpers

Ein weiterer Grund für die Reaktionen, vielleicht sogar der wichtigste, ist die symbolische Kraft, die von diesen politischen Toten ausgeht, selbst wenn ihre sterblichen Überreste nicht anwesend sind. Das ist die Macht des Todes. Mehr noch: die Macht des politischen toten Körpers. Dieser Körper ist tot und doch lebendig. Der tote Körper tritt uns mit einem politischen Leben gegenüber. Selbst wenn der Körper selbst nicht da ist…

Diese Kraft reicht inzwischen über die kurdische Geografie hinaus bis nach Istanbul, Großbritannien und in die Schweiz. Sie vermag Kurd:innen, die an unterschiedlichen Orten der Welt durch ein gemeinsames Gefühl miteinander verbunden sind, zu mobilisieren. Politisches Leben und politischer Tod besitzen eine solche Kraft, dass sie den gesellschaftlichen und politischen Raum der Kurd:innen seit Jahren prägen. Diejenigen, die mit diesen Reaktionen auftreten, sind sich dieser Kraft bewusst. Ich denke, dass auch der Staat gerade deshalb versucht, sie heute auszubalancieren.

„Wir befinden uns eindeutig in einer Übergangsphase der Konfliktlösung“

Entspricht das, was heute geschieht, tatsächlich den Prozessen der Übergangsjustiz innerhalb einer Konfliktlösung? Unternimmt der Staat einen Schritt im Rahmen dieses Prozesses, indem er Trauerfeiern zulässt und sogar ermöglicht, dass die sterblichen Überreste von Guerillakämpfer:innen vom Friedhof der Namenlosen übergeben und bestattet werden?

Ich weiß nicht, ob es weltweit einen allgemeingültigen Prozess der Übergangsjustiz in dem von Ihnen beschriebenen Sinne gibt. Schließlich ist es normal, dass jede Erfahrung innerhalb ihres eigenen spezifischen Kontextes verläuft. Insofern ist jedoch klar, dass wir uns mit Blick auf die Lösung des Konflikts in einer Übergangsphase befinden, auch wenn diese sehr langsam voranschreitet. Noch vor anderthalb oder zwei Jahren konnten Beisetzungszeremonien unmittelbar zum Ziel von Angriffen werden. Sie wissen selbst am besten, wie viele Trauer- und Beisetzungszeremonien mit Wasserwerfern angegriffen wurden. Bemerkenswerterweise kam es in den vergangenen zehn Jahren auch zu verschiedenen Angriffen von Zivilpersonen auf die Friedhöfe unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen. Wobei das eigentlich gar nicht bemerkenswert ist – schließlich kann sich eine solche Gewalt leider auf die gesamte Gesellschaft ausbreiten.

Als 2015 der PKK-Friedhof in Dersim zerstört wurde, fuhr Aysel Doğan dorthin und bezeichnete das Geschehen als Barbarei. Doch als Doğan 2022, sieben Jahre später, starb, wurde auch ihre Beisetzung angegriffen. Die Bilder der Gewalt gegen tote Körper im Jahr 2016 möchte ich nicht einmal wiederholen; die meisten davon sind der Öffentlichkeit ohnehin bekannt. Insbesondere aus Cizîr, Nisêbîn und Sûr… In Sûr hielten Familien im Dicle-Fırat-Kulturzentrum beinahe drei Monate lang Sitzwachen ab, um die sterblichen Überreste ihrer Angehörigen entgegennehmen zu können. Menschenrechtsorganisationen haben dazu Berichte veröffentlicht, die man einsehen kann. Eine Mutter, die beim MEBYA-DER in Amed tätig ist und damals 66 Jahre alt war, heute 77, erzählte mir, wie sie zu den Friedhöfen gingen, dort Wache hielten, um Angriffe auf die Grabstätten zu verhindern, und dabei selbst angegriffen wurden.

Selbst während der Corona-Pandemie wurden Grabsteine wegen kurdischer Buchstaben beschädigt. Deshalb sind auf den Grabsteinen einiger PKK-Mitglieder, die auf öffentlichen Friedhöfen bestattet wurden, ihre zweiten Namen nicht verzeichnet. Natürlich ist der gegenwärtige Prozess daher auch unter diesem Gesichtspunkt ein Prozess der Konfliktlösung. Die Namen der Verstorbenen werden bekannt gegeben, und es wird kollektiv getrauert. Dass diese Trauerfeiern nicht verhindert werden und Tote aus Friedhöfen der Namenlosen an ihre Angehörigen übergeben werden können, ist wichtig, reicht für sich genommen jedoch nicht aus.

Vom negativen zum positiven Frieden

Es ist wichtig, sich der Wahrheit des politischen Todes zu stellen, die begangenen Verbrechen zu dokumentieren und durch eine gerechte strafrechtliche Aufarbeitung dafür zu sorgen, dass sich das Geschehene – mit den bekannten Worten – ‚nie wieder‘ wiederholt. Ebenso wichtig ist es, den Toten ihre Würde zurückzugeben und die Forderung nach Respekt vor den Toten und nach Gerechtigkeit in das Zentrum des Kampfes für Frieden zu stellen. Ich denke, dass deshalb bereits jetzt die Voraussetzungen für die Suche nach den Toten und ihre Identifizierung geschaffen werden müssen. Das ist ein langfristiger Weg. Doch wenn wir uns die sichtbar werdende Demografie des politischen Todes und die Forderungen der Familien ansehen, muss damit so bald wie möglich begonnen werden.

Es braucht entsprechende Arbeiten unter Beteiligung insbesondere der Familien, aber auch von Rechtsmediziner:innen, forensischen Anthropolog:innen, forensischen Archäolog:innen, Jurist:innen und Menschenrechtsorganisationen. Die erste Voraussetzung dafür ist politische Verantwortung. Zugleich müssen Mechanismen geschaffen werden, in denen Staat und kurdische Bewegung in dieser Frage zusammenarbeiten können. Diese müssen gesetzlich abgesichert werden. Beide Seiten müssen den Weg für diese Arbeit freimachen und zugleich ihren Beitrag dazu leisten. Auch für den Übergang vom negativen zum positiven Frieden ist dies ein entscheidender Schritt.

„In Konfliktlösungsprozessen gibt es immer Trauer“

Gibt es dafür Beispiele aus anderen Teilen der Welt, und wenn ja, welche Erfahrungen wurden dort gemacht?

Natürlich gibt es sie! Manchmal unterliegen wir dem Irrtum, die Gewalt, die wir in unserem Land erleben, sei einzigartig. Doch in allen Konflikten werden tote Körper auf unterschiedliche Weise zum Ziel von Gewalt. Sterbliche Überreste können verschwinden. In all diesen Konflikten bleiben leider Tote zurück, die nicht angemessen bestattet werden können. Deshalb steht Trauer immer im Zentrum von Konfliktlösungsprozessen. Friedensaufbau und Trauer gehen Hand in Hand. Denn überall dort, wo sich Regime der Feindschaft herausbilden, werden im Grunde nicht nur die Lebenden, sondern leider auch die Toten zum Ziel von Gewalt. Schauen wir auf die nächstliegenden Beispiele. Von den Menschen, die bei den Massakern von Helebce und Anfal in Südkurdistan und im Irak getötet wurden, ist bislang nur ein sehr kleiner Teil identifiziert worden. Das hängt auch damit zusammen, dass die Konflikte in der Region in gewisser Weise bis heute andauern.

Noch bevor diese Fragen geklärt werden konnten, wurden dort Ezid:innen vom IS massenhaft ermordet, und bis heute werden immer wieder neue Massengräber von Ezid:innen entdeckt. Die irakische Behörde für Massengräber nimmt bei diesen Arbeiten eine zentrale Rolle ein. Zugleich versuchen internationale Einrichtungen – vom UN-Ausschuss gegen das Verschwindenlassen bis zur Guatemaltekischen Stiftung für Forensische Anthropologie (FAFG) – sowie Universitäten und Menschenrechtsorganisationen vor Ort, Untersuchungen zu den Massengräbern durchzuführen.

Der Nahe Osten und Kurdistan sind in dieser Hinsicht leider eine Geografie der Friedhöfe. Im vergangenen Jahrhundert wiederum war Europa eines der Zentren solcher inneren Konflikte. Von Spanien bis Bosnien wurden an vielen Orten Massengräber geöffnet und Tote identifiziert. Insbesondere der Balkan mit Jugoslawien, Bosnien und Kosovo gehört zu den Regionen, die von schweren inneren Konflikten geprägt wurden.

Wenn ich über Identifizierung und die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit nachdenke, beschäftigt mich immer wieder das Beispiel Spanien. Nach dem Krieg vermieden es die Menschen dort lange Zeit, sich der Frage zuzuwenden, was mit den Toten geschehen war. Erst zwei Generationen später begannen sie, die Gräber zu öffnen. Das hatte auch mit der Härte des Krieges und der großen Zahl der Verluste zu tun. Dass die Menschen zunächst in ihr Leben zurückkehren wollten, war eine Form, mit dem Trauma umzugehen. Doch Tote, die nicht würdig bestattet wurden, hören niemals auf, die Lebenden heimzusuchen. Schließlich waren es die Enkel:innen, die zurückkehrten und fragten: „Was ist mit unseren Vorfahren geschehen?“ Bis heute wird in Spanien zu Massengräbern geforscht.

Auf der anderen Seite ist Palästina das gegenwärtig brennendste Beispiel. Auch die Toten waren nach der Nakba der vielschichtigen Gewalt ausgesetzt, der die palästinensische Bevölkerung unterworfen wurde. Selbst palästinensische Friedhöfe sollten von den Landkarten und aus dem Gedächtnis getilgt werden. Über den Friedhöfen wurden ausgedehnte Wälder angelegt, um die Verbindung Palästinas zu seiner Vergangenheit zu kappen. Was mit den Toten in Gaza geschehen ist, konnte bis heute nicht vollständig aufgeklärt werden, denn die Lebenden kämpfen dort noch immer ums Überleben.

„Aus diesen Erfahrungen können wir viel lernen“

Auch die inneren Konflikte in Asien, etwa der Bürgerkrieg in Sri Lanka, verliefen äußerst blutig, und die sterblichen Überreste Tausender Menschen, die dabei ums Leben kamen, werden bis heute vermisst. Die Beispiele aus Süd- und Mittelamerika sind ohnehin bekannt und äußerst erschütternd. In Chile, Argentinien, Kolumbien und Guatemala waren das gewaltsame Verschwindenlassen von Menschen und konfliktbedingte Todesfälle weit verbreitet. In diesen Ländern dauert der Kampf darum, die Toten zu würdigen und ihre Würde zu schützen, bis heute an. Die FAFG etwa nutzt seit 28 Jahren sämtliche Möglichkeiten der forensischen Wissenschaften im Dienst des Lebens und der Wahrheit, um Tote zu identifizieren.

Durch die Arbeit zahlreicher Rechtsmediziner:innen, Anthropolog:innen, Archäolog:innen, Jurist:innen und Familien hat die Stiftung bislang 20.323 DNA-Proben gesammelt. Im Rahmen von Exhumierungen und Untersuchungen wurden die sterblichen Überreste von 12.666 Opfern geborgen, 3.994 Menschen identifiziert und 993 Zeugenaussagen dokumentiert. Die FAFG hat zudem forensische Untersuchungen in Mexiko, Kolumbien, Bangladesch und Syrien durchgeführt. Mit ihren Ausbildungsprogrammen im Rahmen der Global Academy of Forensic and Physical Anthropology bildet sie weiterhin in einem weiten geografischen Raum – von den Philippinen über den Libanon und Syrien bis nach Südkorea – qualifizierte Fachkräfte aus und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Wahrheitssuche und zu forensischen Untersuchungen im Rahmen von Friedensprozessen.

Auch wenn Kontext und Ergebnisse all dieser Konflikte und Lösungsprozesse unterschiedlich sind, sind wir letztlich Teil dieser Welt, und vieles von dem, was wir erleben, ist nicht einzigartig. In dieser Hinsicht sind all diese Beispiele lehrreich. Auch in unserem Land können wir aus diesen Erfahrungen viel lernen – bei der Aufarbeitung vergangener Verbrechen, ihrer gerechten gerichtlichen Ahndung und der Identifizierung der infolge des Konflikts Getöteten, um ihre Würde zu schützen. Zugleich bieten sich Möglichkeiten, in diesen Fragen zusammenzuarbeiten.

https://deutsch.anf-news.com/hintergrund/derya-aydin-trotz-all-dieser-verluste-halten-die-menschen-am-frieden-fest-52696 https://deutsch.anf-news.com/hintergrund/-50874 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/tausende-erinnern-in-zahlreichen-stadten-an-gefallene-kampfer-innen-52708

 

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Tausende nehmen Abschied von Sîpan Hiznî

13. September 2026 - 8:00

Tausende Menschen aus der Region Cizîrê haben den ermordeten Kämpfer der Hesekê-Brigade Sîpan Hiznî (Samî Şêxmûs Hiso) zu Grabe getragen. Die Beisetzung fand am Sonnabend auf dem Şehîd-Dijwar-Friedhof im Dorf Dawudiyê bei Hesekê statt. Hiznî war am Donnerstag in Hesekê von einer bewaffneten Gruppe verschleppt und ermordet worden. Die Täter filmten die Tat und verbreiteten die Aufnahmen zusammen mit antikurdischen Drohungen in sozialen Netzwerken. Der Mord löste in mehreren Städten Rojavas Proteste aus. In Kobanê gingen Truppen der Allgemeinen Sicherheit gegen Demonstrierende vor und nahmen zahlreiche Menschen fest.

„Symbol für Menschlichkeit und Freiheit“

Die Trauerfeier begann mit einer Schweigeminute für die Gefallenen des kurdischen Freiheitskampfes. Welîda Botî vom Angehörigenrat von Gefallenen sprach der Familie ihr Beileid aus und rief dazu auf, die unter großen Opfern errungenen Errungenschaften der Rojava-Revolution zu verteidigen. Der Ko-Vorsitzende der Partei PYD, Xerîb Hiso, bezeichnete den Mord an Sîpan Hiznî anschließend als „barbarischen und unmenschlichen Akt“. Hiznî habe gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) gekämpft und dabei nicht allein sein eigenes Volk, sondern Menschen unterschiedlicher ethnischer und religiöser Zugehörigkeit verteidigt.

 


„Sîpan war ein Symbol für Menschlichkeit und die Freiheit der Völker“, so Hiso. Schließlich sei er selbst auf brutale Weise ermordet worden. Der Politiker wandte sich entschieden dagegen, den Mord als individuelle Tat oder als Stammeskonflikt darzustellen. Er ordnete ihn in politische Entwicklungen und äußere Einflussnahmen ein, die darauf abzielten, den Willen der Bevölkerung der Region zu brechen. Kurd:innen und Araber:innen hätten über Jahre zusammengelebt, Syrien gemeinsam verteidigt und gemeinsam Menschen im Kampf verloren, erklärte der PYD-Vorsitzende.

Hiso macht Übergangsregierung für Kobanê verantwortlich

Hiso ging bei der Trauerfeier auch auf die tödlichen Ereignisse in Kobanê ein. Er machte die syrische Übergangsregierung für die Eskalation und den Brand im Gefängnis verantwortlich. Das Feuer sei ausgebrochen, nachdem die Allgemeine Sicherheit die Kontrolle über die Sicherheit des Gefängnisses übernahm. Die PYD hatte bereits zuvor schwere Vorwürfe gegen Damaskus erhoben. Nach dem gewaltsamen Vorgehen gegen die Proteste waren Festgenommene in das Gefängnis von Kobanê gebracht worden. Dort kam es zu Unruhen, als Insassen erfuhren, dass sie gegen ihren Willen in Gefängnisse der Provinz Aleppo verlegt werden sollten. In Teilen des Gefängnisses wurde daraufhin Feuer gelegt. Hiso rief die Bevölkerung dazu auf, Versuchen entgegenzutreten, Feindschaft zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen der Region zu schüren.

„Nicht in die Falle eines neuen Krieges geraten“

Auch Sîpan Hiznîs Onkel Ehmed Hiso wandte sich an die Trauergemeinde. Sein Neffe habe die verschiedenen Bevölkerungsgruppen der Region verteidigt, sagte er und rief die Menschen in Rojava dazu auf, angesichts der angespannten Situation besonnen und mit politischem Bewusstsein zu handeln. „Die Bevölkerung darf nicht in das Spiel der Banden geraten, die die Region in einen neuen Krieg treiben wollen“, betinte Hiso.

Nach den Redebeiträgen wurden die Personalien Sîpan Hiznîs verlesen und seiner Familie übergeben. Anschließend wurde er unter „Şehîd namirin“-Rufen beigesetzt.

Opferzahl nach Gefängnisbrand auf acht korrigiert

Unterdessen wurde die Zahl der Todesopfer des Gefängnisbrands in Kobanê nach unten korrigiert. Nachdem zunächst von neun Toten die Rede gewesen war, werden inzwischen acht Gefangene als Todesopfer genannt: Xalid Mihemed, Ezîz Reşîd, Mehmûd Mistefa, Bozan Dalî, Elî Îsa, Delîl Şêx Elî, Elî Eqîlî und Şerwan Şevxan. Die acht Toten sollen am Montag, 14. September, nach Abschluss der Trauerbesuche gemeinsam beigesetzt werden. Die Trauerfeier findet auf dem Şehîd-Dîcle-Friedhof in Kobanê statt.

https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/mazlum-abdi-in-kobane-regierungstruppen-ziehen-sich-aus-stadtzentrum-zuruck-52707 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/kampfer-der-heseke-brigade-nach-entfuhrung-ermordet-52683 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/pyd-macht-Ubergangsregierung-fur-eskalation-in-kobane-verantwortlich-52706 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/msd-warnt-nach-mord-an-sipan-hizni-vor-antikurdischer-gewalt-52700 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/nach-gewaltsamem-vorgehen-gegen-proteste-neun-tote-in-gefangnis-von-kobane-52699

 

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Tausende erinnern in zahlreichen Städten an gefallene Kämpfer:innen

12. September 2026 - 21:00

In zahlreichen Städten Kurdistans und der Türkei dauern die Trauerfeiern für gefallene Mitglieder der HPG und YJA Star an. Tausende Menschen kamen seit Tagen mit den Familien zusammen, gedachten der Gefallenen und erinnerten an ihren Kampf. Besonders große Gedenkveranstaltungen fanden unter anderem in Amed (tr. Diyarbakır) und Istanbul statt.

Die Trauerfeiern werden überwiegend von Vereinen der Angehörigen von Gefallenen organisiert. In den Sälen und Trauerhäusern wurden die Bilder der Gefallenen auf mit grünen, roten und gelben Tüchern geschmückten Tischen aufgestellt. Transparente mit Aufschriften wie „Şehîdên me rûmeta me ne“ (Unsere Gefallenen sind unsere Würde), „Em şehîdên azadiyê bi bîr tînin“ (Wir erinnern an die Gefallenen der Freiheit) und „Şehîd namirin“ (Die Gefallenen sind unsterblich) prägten die Veranstaltungen.

Tausende kommen in Amed mit den Familien zusammen

In Rezan (Bağlar) in Amed wurde die von MEBYA-DER organisierte Trauerfeier am dritten Tag von Tausenden Menschen besucht. Bereits seit den frühen Morgenstunden kamen Vertreter:innen politischer Parteien und zivilgesellschaftlicher Organisationen sowie zahlreiche Einwohner:innen in den Saal und sprachen den Familien ihr Beileid aus.

Neben den Fotografien der Gefallenen und des kurdischen Repräsentanten Abdullah Öcalan waren Transparente mit Botschaften wie „Wir erinnern an die Gefallenen der Freiheit“ und „Wer die Führung und die Gefallenen als Kompass hat, verliert seine Richtung nicht“ angebracht. Im Verlauf des Tages wurde ein Mevlit abgehalten. Ein Film erinnerte mit Bildern und Aufnahmen an das Leben und den Kampf der Gefallenen.

 


Ramazan Dengiz, Ko-Vorsitzender des Ortsverbands von MEBYA-DER in Amed, erinnerte an Mehmet Hayri Durmuş, der am 12. September 1982 infolge des Todesfastens im Gefängnis Nr. 5 von Diyarbakır starb, und gedachte in seiner Person der Gefallenen des kurdischen Freiheitskampfes.

Durmuş’ Schwester Zekiye Ayık wandte sich an die Familien: „Ich danke vor allem Abdullah Öcalan sowie den Familien der Gefallenen und der Guerilla. Ich habe großen Respekt vor euch, weil ihr solche Kinder großgezogen habt. Ihre Mühen haben eine ganz besondere Bedeutung. Vergessen wir sie nicht, niemals.“ Die Kinder dieses Volkes hätten großes Leid erfahren, sagte Ayık. Gerade deshalb müsse man füreinander einstehen: „Unser Kampf ist noch nicht zu Ende. Das Volk, die Mütter, die Väter – wir alle müssen aufrecht bleiben.“

„Durch sie sind wir aufrecht geblieben“

Auch der frühere politische Gefangene Ali Haydar Elyakut, der 2025 nach 32 Jahren aus türkischer Haft entlassen wurde, sprach bei der Trauerfeier. Es sei schwer, über Gefallene zu sprechen und noch schwerer, vor ihren Müttern das Wort zu ergreifen. „Wenn wir unsere Sprache und unsere Identität der Welt bekannt gemacht haben, dann ist das diesen Gefallenen zu verdanken“, sagte Elyakut. Immer wieder werde er gefragt, wie er mehr als drei Jahrzehnte im Gefängnis habe überstehen können. „Durch diese Gefallenen sind wir aufrecht geblieben. Sie haben ihr Leben für unsere Existenz gegeben.“ Man werde ihr Vermächtnis nicht vergessen und ihren Weg weitergehen, erklärte Elyakut. Auch im gegenwärtigen Prozess müsse jede und jeder seinen Beitrag leisten. Mit einer Filmvorführung über Abdullah Öcalan und die Gefallenen ging das dreitägige Gedenken in Amed zu Ende.

 


Gedenken in Istanbul

Auch in Istanbul kamen zahlreiche Menschen zu einer von MEBYA-DER organisierten Trauerfeier für Guerillakämpfer:innen zusammen, deren Tod in den vergangenen Tagen bekannt gegeben worden war. An der Veranstaltung in Okmeydanı nahmen neben den Angehörigen unter anderem auch zahlreiche Politiker:innen und Aktive der Zivilgesellschaft teil. Die Fotografien der Gefallenen standen im Mittelpunkt des Gedenkens. Im Saal waren Bilder Abdullah Öcalans und Transparente mit den Aufschriften „Unsere Gefallenen sind unsere Würde“, „Die Gefallenen sind unsterblich“ und „Wir erinnern an die Gefallenen der Freiheit“ angebracht. Immer wieder kamen Gruppen von Besucher:innen hinzu, um den Angehörigen ihr Beileid auszusprechen und gemeinsam der Gefallenen zu gedenken.

Trauerfeiern von Adana bis Qers

Auch in zahlreichen weiteren Städten wurden die mehrtägigen Gedenkveranstaltungen fortgesetzt. In Adana und Mersin kamen die Menschen am dritten Tag in den Trauerhäusern von Ova und Güneş mit den Familien zusammen. In Qoser (Kızıltepe) bei Mêrdîn (Mardin) begann eine mehrtägige Trauerfeier mit einer Schweigeminute und „Şehîd namirin“-Rufen.

In Bismîl, Farqîn (Silvan) und Karaz (Kocaköy) im Raum Amed sowie in Sêrt (Siirt) beteiligten sich ebenfalls zahlreiche Menschen an den Gedenkveranstaltungen. Neben gemeinsamen Gebeten wurden Filme über das Leben und den Kampf der Gefallenen gezeigt. In Riha (Urfa) finden Trauerfeiern in Wêranşar (Viranşehir), Pirsûs (Suruç) und Eyûbî (Eyyübiye) statt. In Wêranşar nahm auch der DBP-Vorsitzende Keskin Bayındır teil und sprach den Familien sein Beileid aus. Weitere Veranstaltungen wurden in Bursa und Dilovası bei Kocaeli organisiert.

Mûş

In Wan (Van) kamen am dritten Tag erneut Tausende Menschen zusammen. MEBYA-DER-Aktivist Yusuf Dündar erklärte, die Gefallenen hätten für die Freiheit der Bevölkerung und ihrer Sprache gekämpft. Ihr Vermächtnis werde weitergetragen. In Erdîş (Erciş) endete das dreitägige Gedenken mit einem gemeinsamen Marsch junger Menschen, die Fotografien der Gefallenen trugen und von den Familien mit Trillerrufen und Parolen empfangen wurden.

Auch in Milazgir (Malazgirt) bei Mûş fand eine von MEBYA-DER organisierte Trauerfeier statt. Die DBP-Vorsitzende Çiğdem Kılıçgün Uçar erklärte dort, kurdische Jugendliche hätten gegen die Politik der Leugnung gekämpft und die kurdische Bevölkerung weltweit sichtbar gemacht. Nun liege es an der Gesellschaft, ihr Vermächtnis zu bewahren und Sprache, Kultur und Identität zu verteidigen.

In Qers (Kars) wurde gesondert der YJA-Star-Kämpferin Yaprak Yıldırım (Gurbeteli Serhildan) und des HPG-Kämpfers Yusuf Güneşyüz (Azad Dîgor) gedacht. Die Trauerfeiern fanden in ihren Herkunftsorten Pifika Taloya bei Qaxizman und Yemençayır bei Dîgor statt. In Cizîr (Cizre) in Şirnex (Şırnak) zogen zahlreiche Menschen mit „Şehîd namirin“-Rufen gemeinsam zum Ort der Trauerfeier. Dort endete das Gedenken nach gemeinsamen Gebeten.

https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/gedenken-an-gefallene-des-kurdischen-freiheitskampfes-in-istanbul-52695 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/amed-wir-wollen-keine-rache-unsere-einzige-forderung-ist-frieden-52692 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/gedenken-an-gefallene-des-freiheitskampfes-in-mexmur-52688

 

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Mazlum Abdi in Kobanê – Regierungstruppen ziehen sich aus Stadtzentrum zurück

12. September 2026 - 21:00

Nach den schweren Ereignissen der vergangenen beiden Tage ist Mazlum Abdi nach Kobanê gekommen. Der Berater des syrischen Präsidenten berät dort mit den Verantwortlichen der Stadt über die Lage. Unterdessen haben sich die Truppen der syrischen Übergangsregierung aus dem Stadtzentrum zurückgezogen.

An der Zusammenkunft nehmen unter anderem der Verantwortliche der Allgemeinen Sicherheit in Kobanê, die Leitung der Stadtverwaltung, der Kommandeur der Kobanê-Brigade und weitere Verantwortliche teil. Die Beratungen dauerten zunächst an. Nach vorliegenden Informationen befinden sich die aus dem Stadtzentrum abgezogenen Regierungstruppen derzeit etwa zwei Kilometer außerhalb von Kobanê.

 

Video: ANHA

Gemeinsam mit einer Delegation besuchte Abdi anschließend Gefangene, die bei dem Brand im Gefängnis von Kobanê verletzt worden waren und im Krankenhaus der Stadt behandelt werden. Er erkundigte sich nach ihrem Gesundheitszustand und wünschte ihnen eine schnelle Genesung. Bei dem Brand waren neun Gefangene ums Leben gekommen und 17 weitere verletzt worden. Dem Feuer waren Massenproteste gegen die Verschleppung und Ermordung des 26-jährigen Sîpan Hiznî (Samî Şêxmûs Hiso) vorausgegangen. Hiznî gehörte der Hesekê-Brigade an. In Kobanê gingen Truppen der Allgemeinen Sicherheit gegen die Demonstration vor und nahmen zahlreiche Menschen fest.

Ein Teil der Festgenommenen wurde in das Gefängnis der Stadt gebracht. Dort eskalierte die Situation in der Nacht, nachdem bekannt geworden war, dass Gefangene in Haftanstalten der Provinz Aleppo verlegt werden sollten. Bei den anschließenden Unruhen brach in Teilen des Gefängnisses ein Feuer aus. Verletzte Gefangene berichteten später aus dem Krankenhaus, dass die angekündigte Verlegung nach Aleppo Widerstand unter ihnen ausgelöst habe. Die PYD erklärte am Samstag, Regierungstruppen hätten versucht, Gefangene gewaltsam aus Kobanê zu bringen, und machte die syrische Führung für die Eskalation verantwortlich.

https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/nach-gewaltsamem-vorgehen-gegen-proteste-neun-tote-in-gefangnis-von-kobane-52699 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/pyd-macht-Ubergangsregierung-fur-eskalation-in-kobane-verantwortlich-52706 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/msd-warnt-nach-mord-an-sipan-hizni-vor-antikurdischer-gewalt-52700

 

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