«Und während Sie über Ungarn mal dies hören und mal das, sollten Sie besser schleunigst nach Brüssel sehen, wo von der Leyen das Projekt der Zweckentfremdung der EU, der Vergewaltigung der europäischen Verträge und der finalen Entmachtung der Nationalstaaten vorantreibt, als gäb’s kein Morgen. Ein Projekt, das nie etwas anderes als Ihre eigene Entmachtung, werter Bürger, war, die unter dieser Kommissionspräsidentin natürlich verlässlich aufs Hässlichste verschleiert ist.» (– Martin Sonneborn)
ANF NEWS (Firatnews Agency) - kurdische Nachrichtenagentur
Iran setzt Gaslieferungen in die Türkei aus
Iran hat seine Erdgaslieferungen in die Türkei vorerst eingestellt. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Quellen. Hintergrund ist demnach der israelische Angriff auf das South-Pars-Gasfeld am 18. März. Wie lange die Lieferunterbrechung andauern wird, ist bislang unklar.
Nach Angaben aus Branchenkreisen verfügt die Türkei über alternative Bezugsquellen und ausreichende Reserven. Gasimporte aus Russland und Aserbaidschan laufen demnach weiter. Für Ankara bleibt Iran jedoch ein wichtiger Energielieferant. Nach Daten des Verbands der Gasverteiler deckte das Land im vergangenen Jahr rund 14 Prozent seines Gasbedarfs über iranische Importe.
Der Angriff auf das South-Pars-Feld hat die Energiemärkte erheblich in Bewegung gebracht. Teheran reagierte darauf mit Gegenangriffen auf Energieinfrastruktur im Golf, darunter Anlagen in Katar. Die Eskalation wirkte sich unmittelbar auf die internationalen Gaspreise aus. Europäische Gas-Futures stiegen in der Folge auf den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren.
South Pars liegt unter dem Persischen Golf und wird sowohl von Iran als auch von Katar genutzt. Katar bezeichnet seinen Teil als „North Dome“. Das Gasfeld erstreckt sich von der Nordküste Katars bis nahe an die iranische Küste und gilt als größtes Erdgasvorkommen der Welt. Für Teheran ist es zentral – sowohl für die inländische Stromerzeugung als auch für den Export.
https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/sechs-peschmerga-kampfer-getotet-dutzende-verletzt-50841 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/luftangriffe-auf-iranische-stellungen-an-grenze-zwischen-basur-und-rojhilat-50834 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/israel-greift-syrische-regierungstruppen-in-suweida-an-50788
EU-Abgeordnete fordern Aufklärung über verschwundene Journalist:innen in Syrien
Mehrere Mitglieder des Europäischen Parlaments haben die EU-Kommission aufgefordert, sich stärker für die Aufklärung des Verschwindens der Journalist:innen Eva Maria Michelmann und Ahmed Polad in Syrien einzusetzen. In einem Schreiben an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas verlangen sie konkrete Schritte gegenüber der syrischen Übergangsregierung.
Michelmann, eine Journalistin und Sozialarbeiterin aus Köln, sowie ihr kurdischer Pressekollege Ahmed Polad wurden zuletzt am 18. Januar in Raqqa gesehen. Zu diesem Zeitpunkt berichteten sie über die Offensive der syrischen Übergangsregierung gegen die Selbstverwaltung. Nach Zeugenaussagen suchten sie gemeinsam mit anderen Zivilist:innen Schutz in einem kurdischen Jugendzentrum, bevor sie beim Verlassen von Damaszener Truppen festgesetzt und in ein Militärfahrzeug gebracht wurden.
Seitdem fehlt von beiden jede Spur. Auch mehr als zwei Monate später gibt es keine gesicherten Informationen über den Aufenthaltsort Michelmanns und Polads oder ihren Zustand. Das Auswärtige Amt erklärte bislang lediglich zum Fall der Kölnerin, man bemühe sich „intensiv um Aufklärung“, ohne weitere Details zu nennen.
Fall „ein Prüfstein für das Engagement Europas“
Die unterzeichnenden Abgeordneten sprechen in ihrem Schreiben von einem Fall, der über die beiden Vermissten hinausreiche. „Dieser Fall ist nicht nur für die unmittelbar Betroffenen von größter Bedeutung, sondern hat auch weitreichende Konsequenzen für die Pressefreiheit, den Schutz von Journalistinnen und Journalisten in Kriegsgebieten sowie für die Entwicklung des syrischen Staates, zu dem europäische Länder derzeit Beziehungen aufbauen.“
Weiter heißt es: „Dieser Fall ist ein Prüfstein für das Engagement Europas für Pressefreiheit und Menschenrechte. Die Europäische Union muss mit Dringlichkeit, Konsequenz und Entschlossenheit handeln, um diejenigen zu schützen, die ihr Leben riskiert haben, um aus erster Hand über die Entwicklungen in Syrien zu berichten. Die Glaubwürdigkeit der EU steht auf dem Spiel – und Menschenleben.“
„Unverzügliche Klarheit schaffen“
Konkret fordern die Abgeordneten die EU-Kommission auf, von den syrischen Behörden „unverzügliche Klarheit über das Schicksal“ von Michelmann und Polad zu verlangen und ihre Freilassung zu erwirken. Zudem solle es transparente Informationen über tausende weitere Vermisste in Raqqa geben. Schätzungen der kurdischen Frauenbewegung Kongra Star zufolge könnten während der Offensive gegen die nordostsyrische Selbstverwaltung bis zu 4.000 Menschen verschleppt worden sein. Darüber hinaus verlangen die Parlamentarier:innen Zugang für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz sowie für Menschenrechtsorganisationen zu den festgehaltenen Personen.
Kritik von Angehörigen
Der Fall Eva Maria Michelmann und Ahmed Polad sorgt auch im Umfeld der Angehörigen für Kritik. Die Familie der Kölnerin stellt die Frage, wie es sein könne, dass eine deutsche Staatsbürgerin mutmaßlich von syrischen Regierungseinheiten festgehalten werde, ohne dass es belastbare Informationen über ihren Verbleib gebe – trotz diplomatischer Kontakte der EU und ihrer Mitgliedstaaten zur syrischen Übergangsregierung. Michelmann lebte seit vier Jahren in Rojava und arbeitete unter anderem für kurdische Medien sowie die türkische Nachrichtenagentur ETHA. Ihr letzter veröffentlichter Bericht erschien am 15. Januar und befasste sich mit einer Demonstration in Hesekê.
Liste der Unterzeichnenden
Ob und wie die EU-Kommission auf die Forderungen der Abgeordneten reagiert, dürfte nun auch politisch stärker in den Blick geraten. Unterzeichnet wurde der Brief von Katrin Langensiepen, (Grüne/EFA, Deutschland), Özlem Alev Demirel (Die Linke, Deutschland), Rudi Kennes (Die Linke, Belgien), Francisco Assis (S&D, Portugal), Martin Schirdewan (Die Linke, Deutschland), Damien Carême (Die Linke, Frankreich), Isabel Serra Sánchez (Die Linke, Spanien), Per Clausen (Die Linke, Dänemark), Leoluca Orlando (Grüne/EFA, Italien), Jaume Asens Llodrà (Grüne/EFA, Spanien), Andreas Schieder (S&D, Österreich), Mounir Satouri (Grüne/EFA, Frankreich), Pernando Barrena Arza (Die Linke, Spanien), Thomas Waitz (Grüne/EFA, Österreich), Leila Chaibi (Die Linke, Frankreich), Danilo Della Valle (Die Linke, Italien) Catarina Martins (Die Linke, Portugal), Costas Mavrides (S&D, Zypern) und Rima Hassan (Die Linke, Frankreich).
https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/kundgebung-in-berlin-wo-sind-eva-und-ahmed-50754 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/un-untersuchungsmechanismus-zu-syrien-soll-verlangert-werden-50768 https://deutsch.anf-news.com/frauen/kongra-star-startet-unterschriftenkampagne-fur-geiseln-und-vermisste-50697 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/familie-fordert-aufklarung-uber-verschwinden-der-journalistin-eva-maria-michelmann-50658 https://deutsch.anf-news.com/pressefreiheit/seit-einem-monat-vermisst-sorge-um-zwei-journalist-innen-in-rojava-50522
Schwer kranker Gefangener Mehmet Edip Taşar in Istanbul gestorben
Der schwer kranke Gefangene Mehmet Edip Taşar ist am Dienstag in einem Krankenhaus in der westtürkischen Metropole Istanbul gestorben. Der 70-Jährige befand sich seit Dezember 2022 in einem Isolationsgefängnis im Strafvollzugskomplex Marmara bei Silivri und wurde zuletzt im Bezirkskrankenhaus Başakşehir behandelt.
Taşar litt an mehreren schweren Erkrankungen, darunter Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Diabetes und Prostata-Probleme. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen war er zudem stark in seiner Bewegungsfähigkeit eingeschränkt, auf einen Rollstuhl angewiesen und konnte seinen Alltag nicht mehr selbstständig bewältigen.
Anwaltskammer forderte mehrfach Freilassung
Zuletzt hatte das Menschenrechtszentrum der Istanbuler Anwaltskammer Ende Februar auf den kritischen Zustand des kurdischen politischen Gefangenen aufmerksam gemacht. In einer Erklärung hieß es, Taşar habe „Schwierigkeiten beim Atmen, könne nicht eigenständig aufstehen“ und leide unter starken Schmerzen, die insbesondere nachts ein unerträgliches Ausmaß erreichten. Zugleich wurden erhebliche Probleme bei der medizinischen Versorgung geschildert. So sei es wiederholt zu Verzögerungen bei Krankenhausüberweisungen gekommen, und selbst bei erfolgten Behandlungen habe es an ausreichender Versorgung gefehlt. Der Zustand habe sich im Verlauf der Haft weiter verschlechtert.
Gewalt durch Ärzt:innen
Besonders kritisch bewertete die Anwaltskammer den Umgang bei medizinischen Untersuchungen. Taşar habe angegeben, bei einem Termin trotz seiner Einschränkungen zum Gehen gezwungen worden zu sein. „Obwohl er erklärte, nicht gehen zu können, wurde ihm gesagt: ‚Du lügst, du kannst gehen‘“, hieß es in der Stellungnahme. In der Folge sei er gestürzt und am Boden geschleift worden. Trotz seines schwerwiegenden Gesundheitszustands waren mehrere Anträge auf Haftaufschub von den türkischen Behörden abgelehnt worden. Das dem Justizministerium unterstellte Istanbuler Institut für Rechtsmedizin hatte Taşar wiederholt als haftfähig eingestuft. Die Anwaltskammer betonte dagegen, eine Aussetzung der Haft sei „von lebenswichtiger Bedeutung“.
Auf 40 Kilo abgemagert
Nach Angaben der Familie und von Anwält:innen hatte sich Taşars Zustand zuletzt weiter verschlechtert. Er habe stark an Gewicht verloren und sei auf 40 Kilogramm abgemagert, sei kaum noch mobil gewesen und habe große Schwierigkeiten beim Sprechen gehabt. Der Leichnam von Mehmet Edip Taşar soll im Laufe des Tages in seine Heimatstadt Êlih (tr. Batman) überführt werden.
Menschenrechtswidriger Umgang mit kranken Gefangenen
Menschenrechtsorganisationen kritisieren seit Jahren den Umgang mit schwer kranken Gefangenen in der Türkei. Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass gerade politische Gefangene und hauptsächlich Kurd:innen trotz schwerer Erkrankungen in Haft verbleiben. Internationale Standards, etwa des Europäischen Komitees zur Verhütung von Folter (CPT), sehen vor, dass Haftbedingungen an den Gesundheitszustand angepasst oder Haftaussetzungen geprüft werden müssen. Organisationen und Anwaltskammern sprechen in diesem Zusammenhang von einer restriktiven Praxis bei der Anerkennung von Haftunfähigkeit. Entscheidungen des Instituts für Rechtsmedizin stehen dabei regelmäßig in der Kritik. In den vergangenen Jahren sind mehrfach schwer kranke Gefangene in Haft oder kurz nach ihrer Entlassung gestorben.
https://deutsch.anf-news.com/menschenrechte/kranker-politischer-gefangener-soll-suizid-begangen-haben-48287 https://deutsch.anf-news.com/menschenrechte/politischer-gefangener-an-leberversagen-gestorben-38176 https://deutsch.anf-news.com/menschenrechte/menschenrechtsverein-situation-in-gefangnissen-gradmesser-fur-politischen-prozess-49576 https://deutsch.anf-news.com/menschenrechte/abdulkadir-kuday-im-gefangnis-verstorben-43782 https://deutsch.anf-news.com/menschenrechte/kurdischer-politiker-stirbt-am-tag-seiner-entlassung-43579 https://deutsch.anf-news.com/menschenrechte/politischer-gefangener-yildirim-han-tot-42616
Yıldız Çakar mit „Dunkles Siegel“ unter den Lyrik-Empfehlungen 2026
Der Gedichtband „Mohra Reş / Dunkles Siegel“ der kurdischen Autorin Yıldız Çakar ist in die diesjährigen „Lyrik-Empfehlungen“ aufgenommen worden. Die Liste erscheint seit 2013 jährlich im Vorfeld der Leipziger Buchmesse und hat das Ziel, Neuerscheinungen sowie die Vielfalt zeitgenössischer Poesie stärker in den öffentlichen Fokus zu rücken.
Getragen wird das Projekt von mehreren zentralen Institutionen des deutschsprachigen Literaturbetriebs, darunter die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, die Stiftung Internationale Jugendbibliothek, das Lyrik Kabinett, das Haus für Poesie sowie der Deutsche Bibliotheksverband. Die Auswahl gilt als wichtige Orientierung für aktuelle lyrische Positionen und wird im Rahmen von Lesungen und Gesprächen präsentiert.
Çakars Band vereint neun lyrische Zyklen, in denen Erfahrungen von Gewalt, Flucht und Verlust verarbeitet werden. Zugleich entwickeln die Texte eine poetische Gegenbewegung, in der Identität, Erinnerung und Zukunft miteinander verschränkt sind. Die Gedichte bewegen sich zwischen Klage und Widerstand, zwischen mythologischer Bildsprache und historischer Erfahrung.
Die Autorin wurde 1978 in Amed (tr. Diyarbakır) geboren und lebt heute in Berlin. Neben ihrer literarischen Arbeit war sie als Journalistin für kurdische Medien tätig. Çakar veröffentlichte bereits mehrere Gedichtbände, Romane und Erzählungen und arbeitet auch als Dramatikerin. Ihre Stücke wurden unter anderem am Maxim-Gorki-Theater in Berlin sowie in internationalen Produktionen aufgeführt.
„Mohra Reş / Dunkles Siegel“ ist im Berliner Verlag Dağyeli als zweisprachige Ausgabe in Kurmancî und Deutsch erschienen. Die Interlinearübersetzungen stammen von Isabella Berivan und Lerzan Jandil, die deutsche Nachdichtung von Tobias Roth. Der Band markiert damit zugleich Çakars ersten umfassenden Zugang zum deutschsprachigen Publikum in dieser Form.
„Mohra Reş / Dunkles Siegel“ © Dağyeli-Verlag
In ihren Texten verdichtet Çakar individuelle und kollektive Erfahrungen zu einer poetischen Sprache, die zugleich persönlich und politisch ist. In einem Zyklus heißt es:
Der Spiegel im Zimmer zersprang, die Wände wurden taub, das Gesicht zerbarst, tausendundeine Scherbe. Das ewige Requiem dieses Landes, aus scharfen, aus kräftigen Farben gewebt, wurde in den Händen der Schurken zu einem dunklen, zu einem verfluchten Schicksal. Die hölzerne Wiege schaukelte, die unglückliche Mutter klagte leise vor Schmerz und Kummer: „Lûr, Lûr, wie schön du bist in diesem dunklen All.“ Purpurrot war der Schleier der Morgendämmerung und langsam flossen die Ströme des Blutregens. Sie suchten sich den Weg zu einem Grab. Suchten eine göttliche Stimme, den blauen Stein, den vierzigäugigen Brunnen, legten ihre Hand nicht auf die offenen Wunden. So war der Wind am Morgen, in der Handfläche wärmte sie die Asche des Todes. Einmal blies sie auf die Erde, einmal öffnete sie den Schoß für schöne Seelen und sagte: „Ein gezogenes Schwert verlangt nach Blut.“
Die Bilder greifen Gewalt und Zerstörung auf, öffnen aber zugleich Räume für Erinnerung und Fortbestehen. Mit der Aufnahme des Werks in die Lyrik-Empfehlungen wird eine kurdische literarische Stimme sichtbarer, die Fragen von Identität, Sprache und Geschichte aus einer Perspektive verhandelt, die im deutschsprachigen Literaturbetrieb bislang nur selten präsent ist.
Widerstand gegen Geothermie-Projekt in Gimgim dauert an
In Gimgim (tr. Varto) in der Provinz Mûş dauert der Widerstand gegen ein geplantes Geothermieprojekt weiter an. Bei einer Kundgebung vor dem kommunalen Geschäftsgebäude protestierten zahlreiche Anwohner:innen am Dienstag gegen den Bau einer Geothermieanlage, die nach Angaben lokaler Initiativen bis zu 16 kurdisch-alevitische Dörfer betreffen könnte.
Zu der Aktion hatte die Ökologieplattform Gimgim aufgerufen. Teilnehmende trugen Plakate und Transparente gegen das Projekt und machten auf mögliche ökologische und soziale Folgen aufmerksam.
Die DEM-Abgeordnete Sümeyye Boz erklärte, das Vorhaben werde nicht nur als Umweltproblem gesehen, sondern auch politisch bewertet. „Unsere Natur ist Teil unserer Identität. Solange wir uns dessen bewusst sind, werden wir sie verteidigen“, sagte Boz. Mit Blick auf geplante Bohrungen kündigte sie an: „Unser Widerstand wird andauern.“ Zugleich äußerte sie die Einschätzung, das Projekt könne auch Auswirkungen auf die demografische Struktur der Region haben.
Auch Vertreter:innen anderer Parteien äußerten Kritik. Der CHP-Abgeordnete Doğan Demir bezeichnete die Auseinandersetzung als überparteiliches Thema. Die Ko-Bürgermeister:innen von Gimgim erklärten, man werde das Projekt nicht akzeptieren. „Die Bevölkerung wird ihr Land nicht verlassen“, sagte Ko-Bürgermeister Gıyasettin Aydemir. Seine Amtskollegin Gülbahar Kaya betonte, man werde das Vorhaben nicht zulassen.
Für die organisierenden Initiativen steht vor allem der ökologische Aspekt im Vordergrund. Sıla Yıldız vom Jugendrat der Ökologieplattform erklärte, die Region sei bereits durch frühere Infrastrukturprojekte belastet. „Jetzt soll mit dem Geothermieprojekt ein weiterer Eingriff folgen“, sagte sie. Die Entwicklung werde als Bedrohung für Umwelt, Landwirtschaft und Lebensgrundlagen wahrgenommen. Yıldız forderte einen Stopp des Projekts und kündigte weitere Proteste an. Dabei wollen die Initiativen sowohl rechtliche als auch öffentliche Mittel nutzen.
https://deutsch.anf-news.com/Oekologie/boz-geothermieprojekt-bedroht-kurdisch-alevitische-dorfer-in-gimgim-50703 https://deutsch.anf-news.com/Oekologie/protest-gegen-geothermieprojekt-in-gimgim-50615 https://deutsch.anf-news.com/Oekologie/Okologieplattform-mus-gegrundet-lebensraume-sind-keine-beute-fur-konzerne-50535
Polizeirazzien nach Newroz: Dutzende Festnahmen in mehreren Städten
Nach den Newroz-Feiern vom Wochenende ist es in mehreren Provinzen Nordkurdistans und der Türkei zu Festnahmen und Hausdurchsuchungen gekommen. Polizeieinheiten gingen am Dienstagmorgen zeitgleich gegen zahlreiche Personen vor, denen vorgeworfen wird, während der Feierlichkeiten „Propaganda“ betrieben sowie Verstöße gegen das Versammlungsrecht begangen zu haben.
In der Metropole Amed (tr. Diyarbakır) wurden nach Razzien mindestens sechs Menschen festgenommen. Auch in Istanbul kam es zu Durchsuchungen, bei denen nach Angaben der Behörden mindestens 25 Personen in Gewahrsam genommen wurden. In Izmir wurden 14 Festnahmen gemeldet.
Weitere Maßnahmen gab es in Mêrdîn (Mardin). In den Bezirken Qoser (Kızıltepe) und Nisêbîn (Nusaybin) wurden Wohnungen durchsucht und mindestens neun junge Menschen festgenommen. Sie wurden zur Anti-Terror-Abteilung der Polizei gebracht. In Antalya befinden sich ebenfalls mehrere Menschen in Polizeihaft.
Die Polizei stellt die Maßnahmen in Zusammenhang mit den diesjährigen Newroz-Feiern. Diese waren in vielen Städten mit großer Beteiligung begangen worden. Nach Angaben der Generaldirektion für Sicherheit wurden heute insgesamt 98 Menschen bei Newroz-Razzien in Amed, Mêrdîn, Istanbul, Antalya und Izmir in Gewahrsam genommen. Weitere 72 Personen wurden zwischen dem 17. und 22. März festgenommen.
https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/Uber-zwei-dutzend-festnahmen-bei-istanbuler-newroz-50832
Sechs Peschmerga-Kämpfer getötet, Dutzende verletzt
Bei anhaltenden Angriffen proiranischer Milizen auf die Kurdistan-Region des Irak (KRI) sind mindestens sechs Peschmerga-Kämpfer getötet und 45 weitere verletzt worden. Ziel der Attacke war ein Militärstandort im Gebiet Xelîfan innerhalb des Verwaltungsbezirks Soran.
Nach vorliegenden Informationen wurde am Morgen ein Stützpunkt des 7. Bataillons der 80. Einheit der Peschmerga-Kräfte mit Raketen und bewaffneten Drohnen angegriffen. Die Verletzten wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht.
Auch weitere Ziele in Südkurdistan wurden von Raketen und Drohnen getroffen. Insgesamt wurde die Region innerhalb von 24 Stunden von mindestens 25 Geschossen und Drohnen attackiert. Davon richteten sich 20 gegen die Provinz Hewlêr (Erbil), weitere fünf gegen Silêmanî (Sulaimaniyya).
Neben militärischen Zielen gerieten auch zivile Einrichtungen ins Visier. In der Nähe von Hewlêr wurde die Ortschaft Girdecal angegriffen. Dort traf eine Drohne ein Camp, in dem Familien von Peschmerga-Kräften der Demokratischen Partei Kurdistans-Iran (PDK-I) leben.
Ein ähnlicher Angriff ereignete sich in der Region Sûrdaş bei Silêmanî. Auch dort wurde ein Camp bombardiert, in dem Familien von Parteien aus Rojhilat (Ostkurdistan) untergebracht sind.
Foto: Ala Rengîn über Hewlêr © Daniel Jablonski
https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/luftangriffe-auf-iranische-stellungen-an-grenze-zwischen-basur-und-rojhilat-50834 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/drohnen-und-raketenangriffe-auf-gebiete-in-sudkurdistan-50786 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/drohnen-und-raketenangriff-auf-ehemaligen-koalitionsstutzpunkt-bei-rimelan-50839
KCK würdigt millionenfache Newroz-Beteiligung
Die Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans (KCK) hat den Millionen Menschen gedankt, die sich an den diesjährigen Newroz-Feiern beteiligt haben, und diese als historisches politisches Signal gewertet. In einer Erklärung betonte die der Dachverband der kurdischen Befreiungsbewegung, die Mobilisierung habe eine neue Phase des politischen Prozesses eingeläutet.
Die Feierlichkeiten hatten in allen Teilen Kurdistans, in zahlreichen Städten der Türkei, im Ausland sowie in den Medya-Verteidigungsgebieten stattgefunden und sich durch „große Begeisterung, massenhafte Beteiligung und starke Botschaften“ ausgezeichnet. Bereits jetzt habe sich der Newroz 2026 „ins Gedächtnis eingeprägt“. Unter dem Leitspruch „Freiheit für Abdullah Öcalan und demokratische Einheit in Kurdistan“ sei das Fest zu einer breiten politischen Manifestation geworden. Die KCK erklärt: „Unser Volk hat auf allen Newroz-Plätzen mit größter Entschlossenheit die physische Freiheit Öcalans eingefordert.“
Zugleich wird Newroz in der Erklärung als politisch neu aufgeladen beschrieben. Das Fest, das für „Wiedergeburt, Widerstand und Befreiung“ stehe, habe sich mit dem von Öcalan initiierten „Prozess für Frieden und eine demokratische Gesellschaft“ verbunden. Millionen Menschen hätten diesen Prozess aktiv unterstützt und ihre politische Position deutlich gemacht. Besondere Bedeutung misst die KCK der Rolle von Frauen und Jugendlichen bei. Diese hätten nach den Mobilisierungen rund um den 8. März auch die Newroz-Feiern maßgeblich getragen. In der Erklärung heißt es dazu, Frauen, Jugendliche und die Bevölkerung hätten „lautstark erklärt, dass ihre Geduld mit den fortdauernden Haftbedingungen Öcalans erschöpft ist“.
Darüber hinaus sieht die Organisation in den Feierlichkeiten ein klares Signal für die Notwendigkeit kurdischer politischer Einheit. „Die Bevölkerung hat gezeigt, dass sie für die demokratische Einheit bereit ist und zugleich politische Kräfte aufgefordert, angesichts bestehender Gefahren schnell zu handeln“. Auch die in den Medya-Verteidigungsgebieten organisierten Feiern werden als Ausdruck politischer Entschlossenheit gewertet. Die dort agierenden Guerillakräfte hätten ihre Bereitschaft unterstrichen, „alle Aufgaben im aktuellen Prozess zu erfüllen“.
Insgesamt habe das diesjährige Newroz dem politischen Prozess um eine Lösung der kurdischen Frage „großen Auftrieb verliehen“, so die KCK. Zugleich sei es eine deutliche Warnung an jene Kräfte, die weiterhin auf falsche politische Kalkulationen setzten, und eine Stärkung für alle, die für Freiheit und Demokratie kämpfen. Abschließend dankte die KCK allen Beteiligten und erklärte: „Wir gratulieren unserem Volk und allen Völkern zum Newroz-Fest.“
https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/Ocalan-es-liegt-in-unserer-hand-dieses-jahr-zu-einem-jahr-der-freiheit-zu-machen-50801 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/impressionen-vom-newroz-fest-in-amed-50810 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/istanbul-newroz-als-willensbekundung-50825 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/newroz-feier-am-fusse-der-zagros-berge-50783 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/tausende-bei-fackelmarsch-in-wien-50802Drohnenangriff auf ehemaligen Koalitionsstützpunkt bei Rimêlan
Ein ehemaliger Militärstützpunkt der USA in Nordostsyrien ist am Montagabend Ziel eines Drohnenangriffs pro-iranischer Gruppen geworden. Bei dem angegriffenen Objekt handelt es sich um den Stützpunkt Kharab al-Jir. Die Anlage war erst vor rund einem Monat im Zuge des Integrationsabkommens zwischen den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) und der syrischen Übergangsregierung geräumt worden.
Verschiedene Medien berichteten, dass unter anderem sechs mit Sprengstoff beladene Drohnen den Stützpunkt getroffen hätten. Auch Raketen seien in dem Gelände eingeschlagen. Der für die östlichen Regionen Syriens zuständige Vizeverteidigungsminister und QSD-Kommandant Sîpan Hemo verurteilte den Angriff und erklärte, der Angriff sei von irakischem Gebiet aus verübt worden.
Hemo machte die irakischen Behörden „voll und direkt verantwortlich“, da sie nicht verhindert hätten, dass ihr Territorium für Angriffe genutzt werde. Es sei Sachschaden an der Anlage entstanden, Verletzte unter den syrischen Kräften habe es keine gegeben. Zugleich forderte Hemo die Regierung in Bagdad auf, Maßnahmen zu ergreifen, um ähnliche Angriffe künftig zu verhindern.
Der Stützpunkt Kharab al-Jir liegt bei Rimêlan und galt zuvor als wichtiger logistischer Knotenpunkt der US-geführten internationalen Koalition gegen die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS). Inzwischen befindet sich kein US-Personal mehr auf dem Gelände. Aktuell sind auf dem Areal Kräfte der Asayîş aus Rojava sowie Einheiten der allgemeinen Sicherheitskräfte der syrischen Regierung gemeinsam stationiert.
https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/luftangriffe-auf-iranische-stellungen-an-grenze-zwischen-basur-und-rojhilat-50834 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/iran-baut-militarprasenz-in-rojhilat-aus-50830 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/drohnen-und-raketenangriffe-auf-gebiete-in-sudkurdistan-50786
Köln: Erste Aktivist:innen nach Bundeswehr-Blockade ab Mittwoch vor Gericht
Nach der Blockade eines Karrierecenters der Bundeswehr im vergangenen Sommer in Köln sollen ab Mittwoch (25. März) die ersten Aktivist:innen vor Gericht stehen. Das teilte das antimilitaristische Bündnis „Rheinmetall Entwaffnen“ am Montag mit. Insgesamt sind rund 80 Personen von den Verfahren betroffen.
Die Aktion fand im Rahmen eines Protestcamps statt: Vom 26. bis 31. August waren im Kölner Grüngürtel mehr als tausend Menschen zusammengekommen, um unter dem Motto „Mach was wirklich zählt – Kriegstüchtigkeit stoppen“ gegen die zunehmende Militarisierung Deutschlands zu protestieren. Am 27. August blockierten Beteiligte das Karrierecenter der Bundeswehr in der Konrad-Adenauer-Kaserne. Die Einrichtung ist zentral für die Rekrutierung neuer Soldat:innen und damit auch für die Umsetzung des Wehrdienstes, der an diesem Tag auf parlamentarischer Ebene beschlossen wurde.
„Wer aus der Logik des Krieges ausbricht, wird bestraft“
Das Bündnis sieht die Aktion als bewussten Eingriff gegen die gesellschaftliche Militarisierung. „Die Mobilmachung fängt im Kopf an. Eine Regierung, die kriegstüchtig werden möchte, braucht nicht nur Soldat:innen und Waffen, sondern vor allem gesellschaftliche Zustimmung. Wir waren in Köln, um zu zeigen: Ihr kriegt uns nicht“, erklärte Rheinmetall-Entwaffnen-Sprecherin Luna Hofmann. Mit Blick auf die aktuellen Verfahren spricht sie von politischer Repression. „Wer aus der Logik des Krieges ausbricht, wird bestraft.“
Gleichzeitig betonte das Bündnis, sich nicht einschüchtern zu lassen und die Prozesse politisch nutzen zu wollen. Die Antimilitarist:innen verweisen zudem auf wachsenden Druck auf die Bundeswehr. Es sei absehbar, dass nicht genügend junge Menschen bereit seien, „für Deutschland zu töten und zu sterben“, so Hofmann. Zahlreiche Schulstreiks gegen die Wehrpflicht wertet das Bündnis als Zeichen zunehmenden Widerstands.
Kundgebung vor Kölner Justizzentrum
Die Prozesse sollen von einer Kundgebung begleitet werden, die am Mittwoch ab 12:15 Uhr vor dem Justizzentrum in Köln geplant ist. Nicht nur der Protest vor dem Karrierecenter, sondern auch weitere Aktionen und Demonstrationen im Rahmen der Camp-Woche ziehen Gerichtsprozesse nach sich. Besonders kritisiert wird der umstrittene Polizeieinsatz gegen die angemeldete „Kölner Parade gegen den Krieg“. Dabei waren Teilnehmende über mehr als zehn Stunden in einem Polizeikessel in der Innenstadt festgesetzt worden. Das Bündnis spricht von einem „brutalen Vorgehen“ und ordnet sowohl den Einsatz als auch die laufenden Verfahren in einen größeren politischen Zusammenhang ein.
Repression des Kriegsregimes
„Die Repressionen sind Teil der autoritären Umsetzung dessen, was wir als Kriegsregime bezeichnen“, erklärte Hofmann. „Wir werden die Prozesse nutzen, um deutlich zu machen, dass wir verweigern und weiterhin kollektiv den Krieg verraten.“ Das Bündnis kündigte zudem an, auch in diesem Jahr weiter gegen Militarisierung zu mobilisieren. Geplant sind ein erneutes Protestcamp in Köln sowie Aktionen rund um das NATO-Manöver „Red Storm Charly“, das im September in Hamburg stattfinden soll.
Foto: Demonstration gegen die Wehrpflicht am 28. August 2025 in Köln © Nico Kuhn
https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/rheinmetall-entwaffnen-klagt-gegen-polizeieinsatz-bei-antikriegsparade-48874 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/koln-blockade-des-zentralen-bundeswehr-karrierecenters-47692 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/krieg-dem-krieg-aktionen-im-rheinland-47732
Frankreich: Dutzende Kurd:innen ziehen in Kommunalparlamente ein
Bei den jüngsten Kommunalwahlen in Frankreich haben kurdische Kandidat:innen einen deutlichen politischen Erfolg erzielt. Insgesamt 34 Kurd:innen wurden in Gemeinderäte gewählt und erreichten damit eine bislang nicht dagewesene Repräsentation. Die Wahlergebnisse konzentrieren sich insbesondere auf die Region Île-de-France und die Hauptstadt Paris, wurden jedoch auch in zahlreichen weiteren Städten erzielt. Unter den Gewählten befinden sich Mitglieder der Gemeinderäte sowie stellvertretende Bürgermeister:innen.
Der Kurdische Demokratische Rat in Frankreich (CDK-F) wertete die Ergebnisse als Ausdruck wachsender politischer Organisierung. „Die organisierte Kraft des kurdischen Volkes hat sich an den Wahlurnen gezeigt“, erklärte die Organisation und gratulierte allen Gewählten. In einer ausführlichen Stellungnahme betonte der CDK-F, dass es sich um einen historischen Schritt handle. Erstmals seien mehr als 30 Franko-Kurd:innen landesweit in kommunale Gremien gewählt worden. Dies zeige eine zunehmende Verankerung der kurdischen Community im politischen Leben Frankreichs.
Zugleich hob die Organisation hervor, dass die Ergebnisse auf langjährige Aufbauarbeit zurückgehen. In den vergangenen Monaten habe ein breites Netzwerk kurdischer Vereine gezielt daran gearbeitet, politische Beteiligung zu fördern und Kandidaturen zu unterstützen. „Diese Entwicklung stärkt die Präsenz der Kurdinnen und Kurden in den lokalen Institutionen und erfolgt im Einklang mit den republikanischen Werten und dem Gemeinwohl“, heißt es in der Erklärung.
Der CDK-F kündigte an, die gewählten Vertreter:innen aktiv zu unterstützen und die politische Organisierung weiter auszubauen. Ziel sei es, die Repräsentation der kurdischen Bevölkerung langfristig zu stärken und bei kommenden Wahlen weiter auszubauen. Die Organisation unterstrich zudem, dass sie ihre Koordinations- und Strukturarbeit fortsetzen werde, um die politische Sichtbarkeit der Kurd:innen in Frankreich weiter zu erhöhen.
https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/franzosischer-soldat-bei-angriff-in-hewler-getotet-50694 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/qsd-erklarung-zu-treffen-mit-franzosischem-aussenminister-50175 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/cdk-f-ohne-wahrheit-gibt-es-keine-gerechtigkeit-49613
Rojhilat: PJAK sieht Einheit als Schlüssel für neue politische Phase
Die Partei für ein freies Leben in Kurdistan (PJAK) hat die Bildung und Vertiefung einer politischen Einheit der kurdischen Kräfte in Rojhilat (Ostkurdistan) als strategische Notwendigkeit hervorgehoben. Die Organisation ist selbst Teil der bestehenden Allianz politischer Kräfte des iranischen Kurdistans und versteht sich als aktiver Motor dieses Prozesses. In einer am Montag veröffentlichten ausführlichen Analyse betont die PJAK, dass die kurdische Frage in Iran und im gesamten Nahen Osten zu den komplexesten und zugleich ungelösten Konflikten der Region gehört. Neben der repressiven Politik der Nationalstaaten in Kurdistan und der systematischen Leugnung kurdischer Identität sei insbesondere die Zersplitterung der kurdischen politischen Kräfte ein zentrales Problem.
Fragmentierung führt zu Schwächung
Die Organisation verweist darauf, dass kurdische Bewegungen historisch immer dann an Einfluss gewonnen haben, wenn sie koordiniert und gemeinsam agieren. „Umgekehrt hat die Fragmentierung dazu geführt, dass gesellschaftliches und politisches Potenzial ungenutzt geblieben ist und staatliche Akteure diese Schwäche gezielt ausnutzen konnten.“ Vor diesem Hintergrund bewertet die PJAK die Entwicklung einer gemeinsamen politischen Struktur in Rojhilat nicht als taktische Option, sondern als strategische Voraussetzung für politischen Einfluss. Eine solche Einheit könne die Grundlage für eine abgestimmte politische Praxis, gemeinsame Programme und eine stärkere Präsenz auf nationaler wie internationaler Ebene schaffen.
Gesellschaftliche Verankerung politischer Einheit
Zugleich unterstreicht die PJAK, dass Einheit nicht auf ideologischer Gleichförmigkeit beruhen müsse. Stattdessen solle sie auf der Anerkennung politischer und gesellschaftlicher Vielfalt basieren. In diesem Zusammenhang verweist die Organisation auf ihr Konzept der „demokratischen Nation“, das unterschiedliche politische Strömungen in einem gemeinsamen Rahmen zusammenführen soll. Ein zentraler Aspekt der PJAK-Position ist die gesellschaftliche Verankerung der politischen Einheit. Bündnisse, die sich auf Parteiführungen beschränken, seien nicht dauerhaft tragfähig. Deshalb müsse die Einheit durch soziale, kulturelle und zivilgesellschaftliche Netzwerke gestützt werden. Diese Herangehensweise unterscheidet sich bewusst von rein parteipolitischen Bündnissen und versteht Einheit als langfristigen Prozess gesellschaftlicher Organisierung.
Koordinierung stärkt Handlungsfähigkeit
Gleichzeitig benennt die PJAK auch die bestehenden Hindernisse. Ideologische Unterschiede, historische Rivalitäten und unterschiedliche strategische Ansätze innerhalb der kurdischen Bewegung erschweren eine Annäherung. Hinzu kommen die repressiven politischen Bedingungen in Iran und Rojhilat, die die Handlungsspielräume kurdischer Parteien erheblich einschränken. Dennoch sieht die Partei die aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten als Chance. Erfahrungen aus Nord-, Süd- und Westkurdistan – insbesondere jedoch in Rojava hätten gezeigt, dass koordinierte politische Strukturen die Handlungsfähigkeit kurdischer Kräfte deutlich stärken können. In diesem Zusammenhang wird auch die aktive Rolle der PJAK hervorgehoben. Die direkte Beteiligung der Ko-Vorsitzenden Peyman Viyan im Dialogzentrum ostkurdischer Kräfte und der daraus resultierenden Gründung der Rojhilat-Koalition wird als Ausdruck eines strategischen Engagements für die Einheit bewertet.
Breite, inklusive und stabile Einheit aufbauen
Als Teil der Allianz politischer Kräfte des iranischen Kurdistans sieht die PJAK ihre Aufgabe darin, den Einigungsprozess weiter voranzutreiben und zu vertiefen. Ziel sei es, die kurdische Bewegung in Rojhilat organisatorisch zu stärken und politisch handlungsfähiger zu machen. Eine erfolgreiche und dauerhafte Koalition könne nicht nur die politischen Rechte der Kurd:innen in Iran stärken, sondern auch ihre Rolle in den regionalen Machtverhältnissen neu definieren. Darüber hinaus würde eine geeinte politische Stimme die internationale Sichtbarkeit kurdischer Forderungen erheblich erhöhen. Die PJAK betont abschließend, dass eine solche Entwicklung den Beginn einer neuen Phase für die kurdische politische Bewegung in Iran markieren könnte – vorausgesetzt, es gelingt, eine breite, inklusive und stabile Einheit aufzubauen.
https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/rojhilat-parteien-warnen-im-bundestag-vor-folgen-von-krieg-und-militarisierung-50769 https://deutsch.anf-news.com/hintergrund/peyman-viyan-wir-vertreten-einen-dritten-weg-50756 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/rojhilat-bundnis-ruft-zu-gemeinsamer-demokratischer-bewegung-in-iran-auf-50714
Wan: Mann an Grenze zu Iran getötet
An der türkisch-iranischen Grenze im Landkreis Elbak (tr. Başkale) in der Provinz Wan (Van) ist ein Mann am Montag unter bislang ungeklärten Umständen ums Leben gekommen. Bei dem Getöteten handelt es sich laut der Nachrichtenagentur Mezopotamya um den Kurden Fehim Tosun, der im Viertel Elbês lebte.
Dem Bericht zufolge soll Tosun am Montag in der Nähe eines militärischen Sperrgebiets von einer Kugel am Kopf getroffen und tödlich verletzt worden sein. Zeug:innen berichteten demnach, dass zuvor Schüsse zu hören gewesen seien. Kurz darauf hätten Angehörige des türkischen Militärs die Familie über den Tod informiert.
Den Aussagen zufolge erklärten Soldaten gegenüber den Angehörigen, Tosun sei durch die Explosion einer Mine ums Leben gekommen. Mehrere Zeug:innen widersprechen jedoch dieser Darstellung und sprechen von einem Kopfschuss.
Eine Person aus dem Ort gab demnach an, Tosun sei mit einer Schussverletzung am Kopf aufgefunden worden. Anschließend hätten Dorfbewohner:innen den Leichnam aus dem Gebiet geborgen. Der Bereich sei danach von der Armee abgesperrt worden, ein Zugang derzeit nicht möglich. Der Leichnam soll unterdessen in die Gerichtsmedizin nach Wan überführt werden.
Immer wieder kommt es in Nordkurdistan, insbesondere in der Provinz Wan, zu tödlichen Vorfällen an den Grenzen. Dabei werden Zivilpersonen unter ungeklärten Umständen getötet oder schwer verletzt, häufig im Umfeld militärischer Sperrgebiete. Nicht selten wird im Nachgang bekannt, dass es sich um extralegale Hinrichtungen handelt.
https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/46-jaehriger-in-wan-von-soldaten-erschossen-20781 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/20-jaehriger-in-wan-von-tuerkischen-soldaten-erschossen-19776 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/wan-soldaten-schiessen-fuenfzehnjaehrigem-in-den-ruecken-20426 https://deutsch.anf-news.com/menschenrechte/wan-die-innerkurdische-grenze-ist-eine-todeszone-37950
Luftangriffe auf iranische Stellungen an Grenze zwischen Başûr und Rojhilat
Kampfflugzeuge haben Militärstellungen des iranischen Regimes an der Grenze zwischen Başûr (Südkurdistan) und Rojhilat (Ostkurdistan) bombardiert. Das berichten lokale Quellen aus der Region Qeladizê.
Den Angaben zufolge wurden insbesondere Stellungen in der Ortschaft Cemaldîn im Bezirk Hêro zum Ziel der Angriffe. Auch nach den Bombardierungen halten die Luftaktivitäten in dem Grenzgebiet weiter an. Beobachter:innen berichten von anhaltenden Flügen von Kampfjets.
Die Angriffe stehen im Zusammenhang mit dem andauernden Krieg zwischen den USA sowie Israel und Iran. Seit Beginn der Auseinandersetzungen vor über drei Wochen werden immer wieder militärische Ziele in den innerkurdischen Grenzgebieten ins Visier genommen.
https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/iran-baut-militarprasenz-in-rojhilat-aus-50830 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/iranische-angriffe-in-sudkurdistan-rojhilat-parteien-fordern-internationales-eingreifen-50790 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/iran-setzt-angriffe-auf-lager-ostkurdischer-parteien-fort-50778
Große Newroz-Feier in Şirnex
In Şirnex (tr. Şırnak) haben tausende Menschen das diesjährige Newroz-Fest unter dem Motto „Newroz der Freiheit und demokratischen Einheit“ begangen. Bereits in den frühen Morgenstunden strömten vor allem Frauen und Jugendliche auf das Gelände im Stadtteil Bahçelievler.
Der Platz war mit Fahnen und Bannern in den Farben Grün, Rot und Gelb geschmückt. Viele Frauen trugen traditionelle Kleidung aus der Region Botan, während Jugendliche und Kinder ihre Gesichter in den kurdischen Farben bemalten. Immer wieder wurden Parolen wie „Bijî Serok Apo“ gerufen.
Hatimoğulları und Bayındır als Hauptredner:innen
An den Feierlichkeiten nahmen unter anderem die Ko-Vorsitzende der DEM-Partei, Tülay Hatimoğulları, der Ko-Vorsitzende der DBP, Keskin Bayındır sowie tausende weitere Menschen teil. Für das Organisationskomitee erklärte Selahattin Barınç, man wünsche sich, dass dieses Newroz „zur physischen Freiheit des kurdischen Repräsentanten Abdullah Öcalan beiträgt“.
Die DEM-Sprecherin Ayşegül Doğan betonte die besondere Rolle der Stadt: „Aus diesem Platz kommt der Geruch von Freiheit und Einheit“, sagte sie. Şirnex habe „die kurdische Freiheitsbewegung nie allein gelassen“ und stehe auch heute bereit, für die Freiheit Öcalans einzutreten.
Der DBP-Vorsitzende Keskin Bayındır stellte Newroz 2026 in einen größeren politischen Zusammenhang: „Der Frühling des kurdischen Volkes ist gekommen“, sagte er mit Blick auf den Aufruf Öcalans für Frieden und eine demokratische Gesellschaft. „Wir gehen in Richtung Freiheit.“ Zugleich betonte er, dass die Forderung nach Freiheit für Öcalan eng mit den Rechten und dem Status des kurdischen Volkes verbunden sei.
„Jetzt ist nicht die Zeit des Abwartens“
Tülay Hatimoğulları erinnerte in ihrer Rede an die schweren Menschenrechtsverletzungen in Nordkurdistan und an die zahlreichen Opfer der vergangenen Jahrzehnte. „Wir haben all diese Schmerzen erlebt und trotzdem haben wir nicht aufgegeben“, sagte sie. Zugleich formulierte die Parteivorsitzende klare politische Forderungen. „Jetzt ist nicht die Zeit des Abwartens, sondern die Zeit, den Frieden aufzubauen“, erklärte Hatimoğulları. Die türkische Regierung müsse konkrete gesetzliche Schritte einleiten, um die demokratischen Rechte der kurdischen Bevölkerung anzuerkennen.
Mit Blick auf die regionale Lage und den US-israelischen Krieg gegen Iran sagte Hatimoğulları: „Wir lehnen sowohl autoritäre Regime als auch Angriffe imperialer Mächte ab. Was wir wollen, ist Frieden – hier und in der gesamten Region.“ Die Politikerin verwies zudem auf zentrale Forderungen der DEM: Anerkennung der kurdischen Identität, Bildung in der Muttersprache, Gleichberechtigung sowie die Stärkung lokaler Selbstverwaltungen.
Nach den Reden wurde das Newroz-Feuer entzündet. Die Feierlichkeiten wurden mit Musik und Govend fortgesetzt und mündeten in eine abschließende Demonstration durch das Zentrum von Şirnex.
https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/istanbul-newroz-als-willensbekundung-50825 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/newroz-2026-endet-mit-forderungen-nach-frieden-und-demokratie-50824 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/bakirhan-dieses-newroz-markiert-Ubergang-zur-politischen-gestaltung-50820 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/impressionen-vom-newroz-fest-in-amed-50810
Über zwei Dutzend Festnahmen bei Istanbuler Newroz
Bei der Newroz-Feier auf dem Yenikapı-Platz in der westtürkischen Metropole Istanbul sind am Sonntag 26 Personen festgenommen worden. Unter ihnen befinden sich auch zwei Minderjährige. Die Festnahmen wurden erst am Montag im Zuge der Freilassungen bekannt.
Nach Angaben von Rechtsanwält:innen wurden 25 der Festgenommenen nach Abschluss einer polizeilichen Befragung wieder freigelassen. Eine weitere Person aus Rojava befindet sich jedoch weiterhin in Gewahrsam. Sie wird derzeit in der Ausländerbehörde in Istanbul festgehalten und soll in ein Abschiebezentrum überstellt werden.
Der Verband freiheitlicher Jurist:innen (ÖHD) erklärte, die Festnahmen seien unter anderem wegen Parolen erfolgt, die unter die Meinungsfreiheit fallen, sowie aufgrund des Tragens kurdischer Kleidung. In einer Stellungnahme sprach die NGO von willkürlichen Maßnahmen und kündigte an, den Fall rechtlich weiterzuverfolgen. Die Eingriffe richteten sich gegen grundlegende Rechte und Freiheiten.
An der von der Partei der Völker für Freiheit und Demokratie (DEM) ausgerichteten Newroz-Feier im Istanbuler Bezirk Fatih hatten sich an der Spitze rund eine Million Menschen beteiligt. Es war eine der größten Veranstaltungen anlässlich des kurdischen Neujahrsfestes am 21. März im Westen der Türkei in den letzten Jahren.
https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/istanbul-newroz-als-willensbekundung-50825 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/newroz-2026-endet-mit-forderungen-nach-frieden-und-demokratie-50824 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/Ocalan-es-liegt-in-unserer-hand-dieses-jahr-zu-einem-jahr-der-freiheit-zu-machen-50801
Militärische Ordnungskräfte starten Waffenkontrollen in Kobanê
Die militärischen Ordnungskräfte (Hêzên Disîplîna Leşkerî, HDL) in Kobanê haben am Montag eine Operation zur Kontrolle und Sicherstellung von Waffen im Stadtgebiet gestartet. Hintergrund sind wiederholte Fälle von unerlaubten Schussabgaben in der Stadt.
Der HDL-Sprecher Mîran Kobanê erklärte, dass es in jüngster Zeit vermehrt zu wahllosem Beschuss gekommen sei. „Deshalb haben wir diese Operation eingeleitet“, sagte er. Ziel der Maßnahme sei es, die Sicherheit in der Stadt zu gewährleisten und insbesondere die Zivilbevölkerung vor möglichen Gefahren zu schützen.
Zugleich betonte Mîran Kobanê, dass Waffen im Falle größerer Angriffe weiterhin eine Rolle spielen könnten. „Wenn es zu einem größeren Angriff kommt, können Zivilistinnen und Zivilisten Waffen tragen und die Kräfte bei der Verteidigung unterstützen“, erklärte er.
Mîran Kobanê | Foto: ANHA
Die Behörde, die innerhalb der militärischen Strukturen für Disziplin zuständig ist, rief die Bevölkerung dazu auf, mit den Sicherheitseinheiten zu kooperieren und auf willkürlichen Waffengebrauch wie etwa bei Feiern zu verzichten. Personen, die gegen entsprechende Regelungen verstoßen, müssten mit Maßnahmen rechnen.
„Unser Ziel ist es, zu verhindern, dass durch wahlloses Schießen Schaden entsteht“, sagte Mîran Kobanê. Die Operation werde fortgesetzt, bis Sicherheit und Stabilität in der Stadt gewährleistet seien.
https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/sicherheitskrafte-in-nordostsyrien-suchen-dialog-mit-der-bevolkerung-46954
Iran baut Militärpräsenz in Rojhilat aus
Während der anhaltende Krieg zwischen Iran, Israel und den USA in seine vierte Woche geht, hat das iranische Regime seine militärische Präsenz in Rojhilat deutlich ausgeweitet. Quellen von ANF-Farsi zufolge wurden in den vergangenen Tagen zusätzliche Einheiten in die Grenzregionen verlegt. Besonders betroffen ist die Stadt Meriwan (Marivan), die nahe der Grenze zu Südkurdistan liegt.
Demnach hat Iran innerhalb von drei Tagen weitere Truppen in die Region entsandt. Neben Merîwan wurden auch strategisch gelegene Gebiete im Suren-Gebirge verstärkt. Zudem sollen militärische Einheiten an Positionen stationiert worden sein, die gegenüber dem südkurdischen Bezirk Seyîdsadiq liegen.
Die Quellen gehen davon aus, dass die Verlegung der Truppen im Zusammenhang mit den regionalen Spannungen steht. Insbesondere die Stationierung in schwer zugänglichen Bergregionen wird als Versuch gewertet, militärische Infrastruktur vor möglichen Luftangriffen zu schützen.
https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/iranische-angriffe-in-sudkurdistan-rojhilat-parteien-fordern-internationales-eingreifen-50790 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/kommando-und-kontrollzentren-des-regimes-in-rojhilat-bombardiert-50554 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/rojhilat-parteien-warnen-im-bundestag-vor-folgen-von-krieg-und-militarisierung-50769
Newroz bei der Guerilla in Gare
Guerillaeinheiten der Verbände freier Frauen (YJA Star) und der Volksverteidigungskräfte (HPG) haben in den Gare-Bergen in den Medya-Verteidigungsgebieten das diesjährige Newroz-Fest begangen. Begleitet wurden sie dabei von Journalist:innen der freien kurdischen Presse, die die Feierlichkeiten vor Ort dokumentierten. Die Feier fand auf den Gipfel des Gebirges statt: jenem Raum, in dem die Guerilla seit Jahrzehnten organisiert lebt und kämpft. Auch dort wurde Newroz mit großer Selbstverständlichkeit und Verbundenheit begangen.
Newroz wird in Kurdistan seit jeher nicht nur als Frühlingsfest, sondern als Ausdruck von Widerstand und Erneuerung verstanden. Es ist ein lebendiger Teil der politischen Praxis und wird bewusst als Symbol kollektiven Aufbruchs begangen. Auch die Guerilla knüpft an diese Tradition an. Die Feier steht dabei für Kontinuität, Organisierung und den Anspruch, den Widerstand fortzuführen.
Das Newroz-Feuer in Gare wurde an verschiedenen Punkten in den Bergen entzündet. Die Feierlichkeiten erstreckten sich von den Gipfeln bis in tiefer gelegene Regionen und wurden von den beteiligten Kämpfer:innen als Ausdruck von Moral und Zusammenhalt beschrieben. Für die begleitenden Medienschaffenden bot sich dabei ein unmittelbarer Einblick in die Bedingungen und die symbolische Bedeutung der Feierlichkeiten. Sie beschrieben die Atmosphäre als von tiefer Entschlossenheit geprägt.
Wien: Tausende feiern Newroz und fordern Freiheit für Öcalan
In der österreichischen Hauptstadt Wien haben Tausende KurdÇinnen gemeinsam mit internationalen Unterstützer:innen das diesjährige Newroz-Fest begangen. Die Feier am Sonntagabend stand unter dem Motto „Freiheit für Abdullah Öcalan, Status für Rojava“. Der Veranstaltungsort war mit Fahnen verschiedener kurdischer Organisationen sowie mit Porträts von Abdullah Öcalan geschmückt. Auf der Bühne hing ein großes Banner mit der Aufschrift „Freier Vorsitzender, demokratische Gesellschaft“.
Die Veranstaltung begann mit einer Schweigeminute für die Gefallenen der kurdischen Freiheitsbewegung. Anschließend eröffneten die Ko-Vorsitzenden von Civaka Azad, Dilek Karahan und Zülküf Karatekin, die Feierlichkeiten. In ihrer Ansprache bezeichneten sie Newroz als Symbol für Freiheit, Widerstand und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie erinnerten an die historischen und aktuellen Kämpfe der kurdischen Bewegung und würdigten die Rolle jener, die für diese Ziele ihr Leben verloren haben.
Im Mittelpunkt der politischen Beiträge stand die Rede des DEM-Abgeordneten Ömer Öcalan. Er übermittelte Botschaften des kurdischen Repräsentanten Abdullah Öcalan, die dieser im Rahmen eines Treffens auf der Gefängnisinsel Imrali an die kurdische Bevölkerung in Europa gerichtet habe. Öcalan habe die Rolle der Diaspora hervorgehoben und die Kurd:innen in Europa dazu aufgerufen, organisiert zu handeln und ihre politischen Anliegen aktiv zu vertreten. „Jede und jeder sollte wie ein Diplomat agieren“, zitierte Ömer Öcalan aus den Botschaften seines Onkels. Zugleich habe er die Bedeutung von Einheit und gemeinsamen politischen Handeln betont.
Mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen, insbesondere auf Angriffe gegen die Bevölkerung in Rojava, habe Öcalan die anhaltenden Proteste und Mobilisierungen in Europa gewürdigt. Diese seien Ausdruck eines kollektiven Widerstands und müssten weitergeführt werden. Während der Rede skandierten die Teilnehmer:innen wiederholt Parolen zur Unterstützung Öcalans. Auch Vertreter:innen internationaler politischer Kräfte nahmen an der Veranstaltung teil. Für die Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ) sprach Barbara Urbanic und erklärte: „Wir stehen an der Seite der kurdischen Bewegung und wollen gemeinsam für Frieden und eine gerechte Gesellschaft kämpfen.“
Solidarität mit der Aktivistin Zübeyde Akmese, die unlängst in München verhaftet wurde
Neben den politischen Beiträgen umfasste das Programm kulturelle Darbietungen und einen filmischen Rückblick zur Geschichte von Newroz. Musikalisch wurde die Feier von den Künstler:innen Erol Berxwedan, Hozan Ariana, Gönül Dilan, Hasan Ali, Hamit Urmiye und Ibrahim Bezar sowie der Band Koma Dem begleitet.
[album=22151]
https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/tausende-bei-fackelmarsch-in-wien-50802