«Und während Sie über Ungarn mal dies hören und mal das, sollten Sie besser schleunigst nach Brüssel sehen, wo von der Leyen das Projekt der Zweckentfremdung der EU, der Vergewaltigung der europäischen Verträge und der finalen Entmachtung der Nationalstaaten vorantreibt, als gäb’s kein Morgen. Ein Projekt, das nie etwas anderes als Ihre eigene Entmachtung, werter Bürger, war, die unter dieser Kommissionspräsidentin natürlich verlässlich aufs Hässlichste verschleiert ist.» (– Martin Sonneborn)
ANF NEWS (Firatnews Agency) - kurdische Nachrichtenagentur
Drohnenangriff auf ehemaligen Koalitionsstützpunkt bei Rimêlan
Ein ehemaliger Militärstützpunkt der USA in Nordostsyrien ist am Montagabend Ziel eines Drohnenangriffs pro-iranischer Gruppen geworden. Bei dem angegriffenen Objekt handelt es sich um den Stützpunkt Kharab al-Jir. Die Anlage war erst vor rund einem Monat im Zuge des Integrationsabkommens zwischen den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) und der syrischen Übergangsregierung geräumt worden.
Verschiedene Medien berichteten, dass unter anderem sechs mit Sprengstoff beladene Drohnen den Stützpunkt getroffen hätten. Auch Raketen seien in dem Gelände eingeschlagen. Der für die östlichen Regionen Syriens zuständige Vizeverteidigungsminister und QSD-Kommandant Sîpan Hemo verurteilte den Angriff und erklärte, der Angriff sei von irakischem Gebiet aus verübt worden.
Hemo machte die irakischen Behörden „voll und direkt verantwortlich“, da sie nicht verhindert hätten, dass ihr Territorium für Angriffe genutzt werde. Es sei Sachschaden an der Anlage entstanden, Verletzte unter den syrischen Kräften habe es keine gegeben. Zugleich forderte Hemo die Regierung in Bagdad auf, Maßnahmen zu ergreifen, um ähnliche Angriffe künftig zu verhindern.
Der Stützpunkt Kharab al-Jir liegt bei Rimêlan und galt zuvor als wichtiger logistischer Knotenpunkt der US-geführten internationalen Koalition gegen die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS). Inzwischen befindet sich kein US-Personal mehr auf dem Gelände. Aktuell sind auf dem Areal Kräfte der Asayîş aus Rojava sowie Einheiten der allgemeinen Sicherheitskräfte der syrischen Regierung gemeinsam stationiert.
https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/luftangriffe-auf-iranische-stellungen-an-grenze-zwischen-basur-und-rojhilat-50834 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/iran-baut-militarprasenz-in-rojhilat-aus-50830 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/drohnen-und-raketenangriffe-auf-gebiete-in-sudkurdistan-50786
Köln: Erste Aktivist:innen nach Bundeswehr-Blockade ab Mittwoch vor Gericht
Nach der Blockade eines Karrierecenters der Bundeswehr im vergangenen Sommer in Köln sollen ab Mittwoch (25. März) die ersten Aktivist:innen vor Gericht stehen. Das teilte das antimilitaristische Bündnis „Rheinmetall Entwaffnen“ am Montag mit. Insgesamt sind rund 80 Personen von den Verfahren betroffen.
Die Aktion fand im Rahmen eines Protestcamps statt: Vom 26. bis 31. August waren im Kölner Grüngürtel mehr als tausend Menschen zusammengekommen, um unter dem Motto „Mach was wirklich zählt – Kriegstüchtigkeit stoppen“ gegen die zunehmende Militarisierung Deutschlands zu protestieren. Am 27. August blockierten Beteiligte das Karrierecenter der Bundeswehr in der Konrad-Adenauer-Kaserne. Die Einrichtung ist zentral für die Rekrutierung neuer Soldat:innen und damit auch für die Umsetzung des Wehrdienstes, der an diesem Tag auf parlamentarischer Ebene beschlossen wurde.
„Wer aus der Logik des Krieges ausbricht, wird bestraft“
Das Bündnis sieht die Aktion als bewussten Eingriff gegen die gesellschaftliche Militarisierung. „Die Mobilmachung fängt im Kopf an. Eine Regierung, die kriegstüchtig werden möchte, braucht nicht nur Soldat:innen und Waffen, sondern vor allem gesellschaftliche Zustimmung. Wir waren in Köln, um zu zeigen: Ihr kriegt uns nicht“, erklärte Rheinmetall-Entwaffnen-Sprecherin Luna Hofmann. Mit Blick auf die aktuellen Verfahren spricht sie von politischer Repression. „Wer aus der Logik des Krieges ausbricht, wird bestraft.“
Gleichzeitig betonte das Bündnis, sich nicht einschüchtern zu lassen und die Prozesse politisch nutzen zu wollen. Die Antimilitarist:innen verweisen zudem auf wachsenden Druck auf die Bundeswehr. Es sei absehbar, dass nicht genügend junge Menschen bereit seien, „für Deutschland zu töten und zu sterben“, so Hofmann. Zahlreiche Schulstreiks gegen die Wehrpflicht wertet das Bündnis als Zeichen zunehmenden Widerstands.
Kundgebung vor Kölner Justizzentrum
Die Prozesse sollen von einer Kundgebung begleitet werden, die am Mittwoch ab 12:15 Uhr vor dem Justizzentrum in Köln geplant ist. Nicht nur der Protest vor dem Karrierecenter, sondern auch weitere Aktionen und Demonstrationen im Rahmen der Camp-Woche ziehen Gerichtsprozesse nach sich. Besonders kritisiert wird der umstrittene Polizeieinsatz gegen die angemeldete „Kölner Parade gegen den Krieg“. Dabei waren Teilnehmende über mehr als zehn Stunden in einem Polizeikessel in der Innenstadt festgesetzt worden. Das Bündnis spricht von einem „brutalen Vorgehen“ und ordnet sowohl den Einsatz als auch die laufenden Verfahren in einen größeren politischen Zusammenhang ein.
Repression des Kriegsregimes
„Die Repressionen sind Teil der autoritären Umsetzung dessen, was wir als Kriegsregime bezeichnen“, erklärte Hofmann. „Wir werden die Prozesse nutzen, um deutlich zu machen, dass wir verweigern und weiterhin kollektiv den Krieg verraten.“ Das Bündnis kündigte zudem an, auch in diesem Jahr weiter gegen Militarisierung zu mobilisieren. Geplant sind ein erneutes Protestcamp in Köln sowie Aktionen rund um das NATO-Manöver „Red Storm Charly“, das im September in Hamburg stattfinden soll.
Foto: Demonstration gegen die Wehrpflicht am 28. August 2025 in Köln © Nico Kuhn
https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/rheinmetall-entwaffnen-klagt-gegen-polizeieinsatz-bei-antikriegsparade-48874 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/koln-blockade-des-zentralen-bundeswehr-karrierecenters-47692 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/krieg-dem-krieg-aktionen-im-rheinland-47732
Frankreich: Dutzende Kurd:innen ziehen in Kommunalparlamente ein
Bei den jüngsten Kommunalwahlen in Frankreich haben kurdische Kandidat:innen einen deutlichen politischen Erfolg erzielt. Insgesamt 34 Kurd:innen wurden in Gemeinderäte gewählt und erreichten damit eine bislang nicht dagewesene Repräsentation. Die Wahlergebnisse konzentrieren sich insbesondere auf die Region Île-de-France und die Hauptstadt Paris, wurden jedoch auch in zahlreichen weiteren Städten erzielt. Unter den Gewählten befinden sich Mitglieder der Gemeinderäte sowie stellvertretende Bürgermeister:innen.
Der Kurdische Demokratische Rat in Frankreich (CDK-F) wertete die Ergebnisse als Ausdruck wachsender politischer Organisierung. „Die organisierte Kraft des kurdischen Volkes hat sich an den Wahlurnen gezeigt“, erklärte die Organisation und gratulierte allen Gewählten. In einer ausführlichen Stellungnahme betonte der CDK-F, dass es sich um einen historischen Schritt handle. Erstmals seien mehr als 30 Franko-Kurd:innen landesweit in kommunale Gremien gewählt worden. Dies zeige eine zunehmende Verankerung der kurdischen Community im politischen Leben Frankreichs.
Zugleich hob die Organisation hervor, dass die Ergebnisse auf langjährige Aufbauarbeit zurückgehen. In den vergangenen Monaten habe ein breites Netzwerk kurdischer Vereine gezielt daran gearbeitet, politische Beteiligung zu fördern und Kandidaturen zu unterstützen. „Diese Entwicklung stärkt die Präsenz der Kurdinnen und Kurden in den lokalen Institutionen und erfolgt im Einklang mit den republikanischen Werten und dem Gemeinwohl“, heißt es in der Erklärung.
Der CDK-F kündigte an, die gewählten Vertreter:innen aktiv zu unterstützen und die politische Organisierung weiter auszubauen. Ziel sei es, die Repräsentation der kurdischen Bevölkerung langfristig zu stärken und bei kommenden Wahlen weiter auszubauen. Die Organisation unterstrich zudem, dass sie ihre Koordinations- und Strukturarbeit fortsetzen werde, um die politische Sichtbarkeit der Kurd:innen in Frankreich weiter zu erhöhen.
https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/franzosischer-soldat-bei-angriff-in-hewler-getotet-50694 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/qsd-erklarung-zu-treffen-mit-franzosischem-aussenminister-50175 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/cdk-f-ohne-wahrheit-gibt-es-keine-gerechtigkeit-49613
Rojhilat: PJAK sieht Einheit als Schlüssel für neue politische Phase
Die Partei für ein freies Leben in Kurdistan (PJAK) hat die Bildung und Vertiefung einer politischen Einheit der kurdischen Kräfte in Rojhilat (Ostkurdistan) als strategische Notwendigkeit hervorgehoben. Die Organisation ist selbst Teil der bestehenden Allianz politischer Kräfte des iranischen Kurdistans und versteht sich als aktiver Motor dieses Prozesses. In einer am Montag veröffentlichten ausführlichen Analyse betont die PJAK, dass die kurdische Frage in Iran und im gesamten Nahen Osten zu den komplexesten und zugleich ungelösten Konflikten der Region gehört. Neben der repressiven Politik der Nationalstaaten in Kurdistan und der systematischen Leugnung kurdischer Identität sei insbesondere die Zersplitterung der kurdischen politischen Kräfte ein zentrales Problem.
Fragmentierung führt zu Schwächung
Die Organisation verweist darauf, dass kurdische Bewegungen historisch immer dann an Einfluss gewonnen haben, wenn sie koordiniert und gemeinsam agieren. „Umgekehrt hat die Fragmentierung dazu geführt, dass gesellschaftliches und politisches Potenzial ungenutzt geblieben ist und staatliche Akteure diese Schwäche gezielt ausnutzen konnten.“ Vor diesem Hintergrund bewertet die PJAK die Entwicklung einer gemeinsamen politischen Struktur in Rojhilat nicht als taktische Option, sondern als strategische Voraussetzung für politischen Einfluss. Eine solche Einheit könne die Grundlage für eine abgestimmte politische Praxis, gemeinsame Programme und eine stärkere Präsenz auf nationaler wie internationaler Ebene schaffen.
Gesellschaftliche Verankerung politischer Einheit
Zugleich unterstreicht die PJAK, dass Einheit nicht auf ideologischer Gleichförmigkeit beruhen müsse. Stattdessen solle sie auf der Anerkennung politischer und gesellschaftlicher Vielfalt basieren. In diesem Zusammenhang verweist die Organisation auf ihr Konzept der „demokratischen Nation“, das unterschiedliche politische Strömungen in einem gemeinsamen Rahmen zusammenführen soll. Ein zentraler Aspekt der PJAK-Position ist die gesellschaftliche Verankerung der politischen Einheit. Bündnisse, die sich auf Parteiführungen beschränken, seien nicht dauerhaft tragfähig. Deshalb müsse die Einheit durch soziale, kulturelle und zivilgesellschaftliche Netzwerke gestützt werden. Diese Herangehensweise unterscheidet sich bewusst von rein parteipolitischen Bündnissen und versteht Einheit als langfristigen Prozess gesellschaftlicher Organisierung.
Koordinierung stärkt Handlungsfähigkeit
Gleichzeitig benennt die PJAK auch die bestehenden Hindernisse. Ideologische Unterschiede, historische Rivalitäten und unterschiedliche strategische Ansätze innerhalb der kurdischen Bewegung erschweren eine Annäherung. Hinzu kommen die repressiven politischen Bedingungen in Iran und Rojhilat, die die Handlungsspielräume kurdischer Parteien erheblich einschränken. Dennoch sieht die Partei die aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten als Chance. Erfahrungen aus Nord-, Süd- und Westkurdistan – insbesondere jedoch in Rojava hätten gezeigt, dass koordinierte politische Strukturen die Handlungsfähigkeit kurdischer Kräfte deutlich stärken können. In diesem Zusammenhang wird auch die aktive Rolle der PJAK hervorgehoben. Die direkte Beteiligung der Ko-Vorsitzenden Peyman Viyan im Dialogzentrum ostkurdischer Kräfte und der daraus resultierenden Gründung der Rojhilat-Koalition wird als Ausdruck eines strategischen Engagements für die Einheit bewertet.
Breite, inklusive und stabile Einheit aufbauen
Als Teil der Allianz politischer Kräfte des iranischen Kurdistans sieht die PJAK ihre Aufgabe darin, den Einigungsprozess weiter voranzutreiben und zu vertiefen. Ziel sei es, die kurdische Bewegung in Rojhilat organisatorisch zu stärken und politisch handlungsfähiger zu machen. Eine erfolgreiche und dauerhafte Koalition könne nicht nur die politischen Rechte der Kurd:innen in Iran stärken, sondern auch ihre Rolle in den regionalen Machtverhältnissen neu definieren. Darüber hinaus würde eine geeinte politische Stimme die internationale Sichtbarkeit kurdischer Forderungen erheblich erhöhen. Die PJAK betont abschließend, dass eine solche Entwicklung den Beginn einer neuen Phase für die kurdische politische Bewegung in Iran markieren könnte – vorausgesetzt, es gelingt, eine breite, inklusive und stabile Einheit aufzubauen.
https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/rojhilat-parteien-warnen-im-bundestag-vor-folgen-von-krieg-und-militarisierung-50769 https://deutsch.anf-news.com/hintergrund/peyman-viyan-wir-vertreten-einen-dritten-weg-50756 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/rojhilat-bundnis-ruft-zu-gemeinsamer-demokratischer-bewegung-in-iran-auf-50714
Wan: Mann an Grenze zu Iran getötet
An der türkisch-iranischen Grenze im Landkreis Elbak (tr. Başkale) in der Provinz Wan (Van) ist ein Mann am Montag unter bislang ungeklärten Umständen ums Leben gekommen. Bei dem Getöteten handelt es sich laut der Nachrichtenagentur Mezopotamya um den Kurden Fehim Tosun, der im Viertel Elbês lebte.
Dem Bericht zufolge soll Tosun am Montag in der Nähe eines militärischen Sperrgebiets von einer Kugel am Kopf getroffen und tödlich verletzt worden sein. Zeug:innen berichteten demnach, dass zuvor Schüsse zu hören gewesen seien. Kurz darauf hätten Angehörige des türkischen Militärs die Familie über den Tod informiert.
Den Aussagen zufolge erklärten Soldaten gegenüber den Angehörigen, Tosun sei durch die Explosion einer Mine ums Leben gekommen. Mehrere Zeug:innen widersprechen jedoch dieser Darstellung und sprechen von einem Kopfschuss.
Eine Person aus dem Ort gab demnach an, Tosun sei mit einer Schussverletzung am Kopf aufgefunden worden. Anschließend hätten Dorfbewohner:innen den Leichnam aus dem Gebiet geborgen. Der Bereich sei danach von der Armee abgesperrt worden, ein Zugang derzeit nicht möglich. Der Leichnam soll unterdessen in die Gerichtsmedizin nach Wan überführt werden.
Immer wieder kommt es in Nordkurdistan, insbesondere in der Provinz Wan, zu tödlichen Vorfällen an den Grenzen. Dabei werden Zivilpersonen unter ungeklärten Umständen getötet oder schwer verletzt, häufig im Umfeld militärischer Sperrgebiete. Nicht selten wird im Nachgang bekannt, dass es sich um extralegale Hinrichtungen handelt.
https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/46-jaehriger-in-wan-von-soldaten-erschossen-20781 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/20-jaehriger-in-wan-von-tuerkischen-soldaten-erschossen-19776 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/wan-soldaten-schiessen-fuenfzehnjaehrigem-in-den-ruecken-20426 https://deutsch.anf-news.com/menschenrechte/wan-die-innerkurdische-grenze-ist-eine-todeszone-37950
Luftangriffe auf iranische Stellungen an Grenze zwischen Başûr und Rojhilat
Kampfflugzeuge haben Militärstellungen des iranischen Regimes an der Grenze zwischen Başûr (Südkurdistan) und Rojhilat (Ostkurdistan) bombardiert. Das berichten lokale Quellen aus der Region Qeladizê.
Den Angaben zufolge wurden insbesondere Stellungen in der Ortschaft Cemaldîn im Bezirk Hêro zum Ziel der Angriffe. Auch nach den Bombardierungen halten die Luftaktivitäten in dem Grenzgebiet weiter an. Beobachter:innen berichten von anhaltenden Flügen von Kampfjets.
Die Angriffe stehen im Zusammenhang mit dem andauernden Krieg zwischen den USA sowie Israel und Iran. Seit Beginn der Auseinandersetzungen vor über drei Wochen werden immer wieder militärische Ziele in den innerkurdischen Grenzgebieten ins Visier genommen.
https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/iran-baut-militarprasenz-in-rojhilat-aus-50830 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/iranische-angriffe-in-sudkurdistan-rojhilat-parteien-fordern-internationales-eingreifen-50790 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/iran-setzt-angriffe-auf-lager-ostkurdischer-parteien-fort-50778
Große Newroz-Feier in Şirnex
In Şirnex (tr. Şırnak) haben tausende Menschen das diesjährige Newroz-Fest unter dem Motto „Newroz der Freiheit und demokratischen Einheit“ begangen. Bereits in den frühen Morgenstunden strömten vor allem Frauen und Jugendliche auf das Gelände im Stadtteil Bahçelievler.
Der Platz war mit Fahnen und Bannern in den Farben Grün, Rot und Gelb geschmückt. Viele Frauen trugen traditionelle Kleidung aus der Region Botan, während Jugendliche und Kinder ihre Gesichter in den kurdischen Farben bemalten. Immer wieder wurden Parolen wie „Bijî Serok Apo“ gerufen.
Hatimoğulları und Bayındır als Hauptredner:innen
An den Feierlichkeiten nahmen unter anderem die Ko-Vorsitzende der DEM-Partei, Tülay Hatimoğulları, der Ko-Vorsitzende der DBP, Keskin Bayındır sowie tausende weitere Menschen teil. Für das Organisationskomitee erklärte Selahattin Barınç, man wünsche sich, dass dieses Newroz „zur physischen Freiheit des kurdischen Repräsentanten Abdullah Öcalan beiträgt“.
Die DEM-Sprecherin Ayşegül Doğan betonte die besondere Rolle der Stadt: „Aus diesem Platz kommt der Geruch von Freiheit und Einheit“, sagte sie. Şirnex habe „die kurdische Freiheitsbewegung nie allein gelassen“ und stehe auch heute bereit, für die Freiheit Öcalans einzutreten.
Der DBP-Vorsitzende Keskin Bayındır stellte Newroz 2026 in einen größeren politischen Zusammenhang: „Der Frühling des kurdischen Volkes ist gekommen“, sagte er mit Blick auf den Aufruf Öcalans für Frieden und eine demokratische Gesellschaft. „Wir gehen in Richtung Freiheit.“ Zugleich betonte er, dass die Forderung nach Freiheit für Öcalan eng mit den Rechten und dem Status des kurdischen Volkes verbunden sei.
„Jetzt ist nicht die Zeit des Abwartens“
Tülay Hatimoğulları erinnerte in ihrer Rede an die schweren Menschenrechtsverletzungen in Nordkurdistan und an die zahlreichen Opfer der vergangenen Jahrzehnte. „Wir haben all diese Schmerzen erlebt und trotzdem haben wir nicht aufgegeben“, sagte sie. Zugleich formulierte die Parteivorsitzende klare politische Forderungen. „Jetzt ist nicht die Zeit des Abwartens, sondern die Zeit, den Frieden aufzubauen“, erklärte Hatimoğulları. Die türkische Regierung müsse konkrete gesetzliche Schritte einleiten, um die demokratischen Rechte der kurdischen Bevölkerung anzuerkennen.
Mit Blick auf die regionale Lage und den US-israelischen Krieg gegen Iran sagte Hatimoğulları: „Wir lehnen sowohl autoritäre Regime als auch Angriffe imperialer Mächte ab. Was wir wollen, ist Frieden – hier und in der gesamten Region.“ Die Politikerin verwies zudem auf zentrale Forderungen der DEM: Anerkennung der kurdischen Identität, Bildung in der Muttersprache, Gleichberechtigung sowie die Stärkung lokaler Selbstverwaltungen.
Nach den Reden wurde das Newroz-Feuer entzündet. Die Feierlichkeiten wurden mit Musik und Govend fortgesetzt und mündeten in eine abschließende Demonstration durch das Zentrum von Şirnex.
https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/istanbul-newroz-als-willensbekundung-50825 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/newroz-2026-endet-mit-forderungen-nach-frieden-und-demokratie-50824 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/bakirhan-dieses-newroz-markiert-Ubergang-zur-politischen-gestaltung-50820 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/impressionen-vom-newroz-fest-in-amed-50810
Über zwei Dutzend Festnahmen bei Istanbuler Newroz
Bei der Newroz-Feier auf dem Yenikapı-Platz in der westtürkischen Metropole Istanbul sind am Sonntag 26 Personen festgenommen worden. Unter ihnen befinden sich auch zwei Minderjährige. Die Festnahmen wurden erst am Montag im Zuge der Freilassungen bekannt.
Nach Angaben von Rechtsanwält:innen wurden 25 der Festgenommenen nach Abschluss einer polizeilichen Befragung wieder freigelassen. Eine weitere Person aus Rojava befindet sich jedoch weiterhin in Gewahrsam. Sie wird derzeit in der Ausländerbehörde in Istanbul festgehalten und soll in ein Abschiebezentrum überstellt werden.
Der Verband freiheitlicher Jurist:innen (ÖHD) erklärte, die Festnahmen seien unter anderem wegen Parolen erfolgt, die unter die Meinungsfreiheit fallen, sowie aufgrund des Tragens kurdischer Kleidung. In einer Stellungnahme sprach die NGO von willkürlichen Maßnahmen und kündigte an, den Fall rechtlich weiterzuverfolgen. Die Eingriffe richteten sich gegen grundlegende Rechte und Freiheiten.
An der von der Partei der Völker für Freiheit und Demokratie (DEM) ausgerichteten Newroz-Feier im Istanbuler Bezirk Fatih hatten sich an der Spitze rund eine Million Menschen beteiligt. Es war eine der größten Veranstaltungen anlässlich des kurdischen Neujahrsfestes am 21. März im Westen der Türkei in den letzten Jahren.
https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/istanbul-newroz-als-willensbekundung-50825 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/newroz-2026-endet-mit-forderungen-nach-frieden-und-demokratie-50824 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/Ocalan-es-liegt-in-unserer-hand-dieses-jahr-zu-einem-jahr-der-freiheit-zu-machen-50801
Militärische Ordnungskräfte starten Waffenkontrollen in Kobanê
Die militärischen Ordnungskräfte (Hêzên Disîplîna Leşkerî, HDL) in Kobanê haben am Montag eine Operation zur Kontrolle und Sicherstellung von Waffen im Stadtgebiet gestartet. Hintergrund sind wiederholte Fälle von unerlaubten Schussabgaben in der Stadt.
Der HDL-Sprecher Mîran Kobanê erklärte, dass es in jüngster Zeit vermehrt zu wahllosem Beschuss gekommen sei. „Deshalb haben wir diese Operation eingeleitet“, sagte er. Ziel der Maßnahme sei es, die Sicherheit in der Stadt zu gewährleisten und insbesondere die Zivilbevölkerung vor möglichen Gefahren zu schützen.
Zugleich betonte Mîran Kobanê, dass Waffen im Falle größerer Angriffe weiterhin eine Rolle spielen könnten. „Wenn es zu einem größeren Angriff kommt, können Zivilistinnen und Zivilisten Waffen tragen und die Kräfte bei der Verteidigung unterstützen“, erklärte er.
Mîran Kobanê | Foto: ANHA
Die Behörde, die innerhalb der militärischen Strukturen für Disziplin zuständig ist, rief die Bevölkerung dazu auf, mit den Sicherheitseinheiten zu kooperieren und auf willkürlichen Waffengebrauch wie etwa bei Feiern zu verzichten. Personen, die gegen entsprechende Regelungen verstoßen, müssten mit Maßnahmen rechnen.
„Unser Ziel ist es, zu verhindern, dass durch wahlloses Schießen Schaden entsteht“, sagte Mîran Kobanê. Die Operation werde fortgesetzt, bis Sicherheit und Stabilität in der Stadt gewährleistet seien.
https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/sicherheitskrafte-in-nordostsyrien-suchen-dialog-mit-der-bevolkerung-46954
Iran baut Militärpräsenz in Rojhilat aus
Während der anhaltende Krieg zwischen Iran, Israel und den USA in seine vierte Woche geht, hat das iranische Regime seine militärische Präsenz in Rojhilat deutlich ausgeweitet. Quellen von ANF-Farsi zufolge wurden in den vergangenen Tagen zusätzliche Einheiten in die Grenzregionen verlegt. Besonders betroffen ist die Stadt Meriwan (Marivan), die nahe der Grenze zu Südkurdistan liegt.
Demnach hat Iran innerhalb von drei Tagen weitere Truppen in die Region entsandt. Neben Merîwan wurden auch strategisch gelegene Gebiete im Suren-Gebirge verstärkt. Zudem sollen militärische Einheiten an Positionen stationiert worden sein, die gegenüber dem südkurdischen Bezirk Seyîdsadiq liegen.
Die Quellen gehen davon aus, dass die Verlegung der Truppen im Zusammenhang mit den regionalen Spannungen steht. Insbesondere die Stationierung in schwer zugänglichen Bergregionen wird als Versuch gewertet, militärische Infrastruktur vor möglichen Luftangriffen zu schützen.
https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/iranische-angriffe-in-sudkurdistan-rojhilat-parteien-fordern-internationales-eingreifen-50790 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/kommando-und-kontrollzentren-des-regimes-in-rojhilat-bombardiert-50554 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/rojhilat-parteien-warnen-im-bundestag-vor-folgen-von-krieg-und-militarisierung-50769
Newroz bei der Guerilla in Gare
Guerillaeinheiten der Verbände freier Frauen (YJA Star) und der Volksverteidigungskräfte (HPG) haben in den Gare-Bergen in den Medya-Verteidigungsgebieten das diesjährige Newroz-Fest begangen. Begleitet wurden sie dabei von Journalist:innen der freien kurdischen Presse, die die Feierlichkeiten vor Ort dokumentierten. Die Feier fand auf den Gipfel des Gebirges statt: jenem Raum, in dem die Guerilla seit Jahrzehnten organisiert lebt und kämpft. Auch dort wurde Newroz mit großer Selbstverständlichkeit und Verbundenheit begangen.
Newroz wird in Kurdistan seit jeher nicht nur als Frühlingsfest, sondern als Ausdruck von Widerstand und Erneuerung verstanden. Es ist ein lebendiger Teil der politischen Praxis und wird bewusst als Symbol kollektiven Aufbruchs begangen. Auch die Guerilla knüpft an diese Tradition an. Die Feier steht dabei für Kontinuität, Organisierung und den Anspruch, den Widerstand fortzuführen.
Das Newroz-Feuer in Gare wurde an verschiedenen Punkten in den Bergen entzündet. Die Feierlichkeiten erstreckten sich von den Gipfeln bis in tiefer gelegene Regionen und wurden von den beteiligten Kämpfer:innen als Ausdruck von Moral und Zusammenhalt beschrieben. Für die begleitenden Medienschaffenden bot sich dabei ein unmittelbarer Einblick in die Bedingungen und die symbolische Bedeutung der Feierlichkeiten. Sie beschrieben die Atmosphäre als von tiefer Entschlossenheit geprägt.
Wien: Tausende feiern Newroz und fordern Freiheit für Öcalan
In der österreichischen Hauptstadt Wien haben Tausende KurdÇinnen gemeinsam mit internationalen Unterstützer:innen das diesjährige Newroz-Fest begangen. Die Feier am Sonntagabend stand unter dem Motto „Freiheit für Abdullah Öcalan, Status für Rojava“. Der Veranstaltungsort war mit Fahnen verschiedener kurdischer Organisationen sowie mit Porträts von Abdullah Öcalan geschmückt. Auf der Bühne hing ein großes Banner mit der Aufschrift „Freier Vorsitzender, demokratische Gesellschaft“.
Die Veranstaltung begann mit einer Schweigeminute für die Gefallenen der kurdischen Freiheitsbewegung. Anschließend eröffneten die Ko-Vorsitzenden von Civaka Azad, Dilek Karahan und Zülküf Karatekin, die Feierlichkeiten. In ihrer Ansprache bezeichneten sie Newroz als Symbol für Freiheit, Widerstand und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie erinnerten an die historischen und aktuellen Kämpfe der kurdischen Bewegung und würdigten die Rolle jener, die für diese Ziele ihr Leben verloren haben.
Im Mittelpunkt der politischen Beiträge stand die Rede des DEM-Abgeordneten Ömer Öcalan. Er übermittelte Botschaften des kurdischen Repräsentanten Abdullah Öcalan, die dieser im Rahmen eines Treffens auf der Gefängnisinsel Imrali an die kurdische Bevölkerung in Europa gerichtet habe. Öcalan habe die Rolle der Diaspora hervorgehoben und die Kurd:innen in Europa dazu aufgerufen, organisiert zu handeln und ihre politischen Anliegen aktiv zu vertreten. „Jede und jeder sollte wie ein Diplomat agieren“, zitierte Ömer Öcalan aus den Botschaften seines Onkels. Zugleich habe er die Bedeutung von Einheit und gemeinsamen politischen Handeln betont.
Mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen, insbesondere auf Angriffe gegen die Bevölkerung in Rojava, habe Öcalan die anhaltenden Proteste und Mobilisierungen in Europa gewürdigt. Diese seien Ausdruck eines kollektiven Widerstands und müssten weitergeführt werden. Während der Rede skandierten die Teilnehmer:innen wiederholt Parolen zur Unterstützung Öcalans. Auch Vertreter:innen internationaler politischer Kräfte nahmen an der Veranstaltung teil. Für die Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ) sprach Barbara Urbanic und erklärte: „Wir stehen an der Seite der kurdischen Bewegung und wollen gemeinsam für Frieden und eine gerechte Gesellschaft kämpfen.“
Solidarität mit der Aktivistin Zübeyde Akmese, die unlängst in München verhaftet wurde
Neben den politischen Beiträgen umfasste das Programm kulturelle Darbietungen und einen filmischen Rückblick zur Geschichte von Newroz. Musikalisch wurde die Feier von den Künstler:innen Erol Berxwedan, Hozan Ariana, Gönül Dilan, Hasan Ali, Hamit Urmiye und Ibrahim Bezar sowie der Band Koma Dem begleitet.
[album=22151]
https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/tausende-bei-fackelmarsch-in-wien-50802
Wien: Tausende feiern Newroz und fordern Freiheit für Öcalan
In der österreichischen Hauptstadt Wien haben Tausende KurdÇinnen gemeinsam mit internationalen Unterstützer:innen das diesjährige Newroz-Fest begangen. Die Feier am Sonntagabend stand unter dem Motto „Freiheit für Abdullah Öcalan, Status für Rojava“. Der Veranstaltungsort war mit Fahnen verschiedener kurdischer Organisationen sowie mit Porträts von Abdullah Öcalan geschmückt. Auf der Bühne hing ein großes Banner mit der Aufschrift „Freier Vorsitzender, demokratische Gesellschaft“.
Die Veranstaltung begann mit einer Schweigeminute für die Gefallenen der kurdischen Freiheitsbewegung. Anschließend eröffneten die Ko-Vorsitzenden von Civaka Azad, Dilek Karahan und Zülküf Karatekin, die Feierlichkeiten. In ihrer Ansprache bezeichneten sie Newroz als Symbol für Freiheit, Widerstand und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie erinnerten an die historischen und aktuellen Kämpfe der kurdischen Bewegung und würdigten die Rolle jener, die für diese Ziele ihr Leben verloren haben.
Im Mittelpunkt der politischen Beiträge stand die Rede des DEM-Abgeordneten Ömer Öcalan. Er übermittelte Botschaften des kurdischen Repräsentanten Abdullah Öcalan, die dieser im Rahmen eines Treffens auf der Gefängnisinsel Imrali an die kurdische Bevölkerung in Europa gerichtet habe. Öcalan habe die Rolle der Diaspora hervorgehoben und die Kurd:innen in Europa dazu aufgerufen, organisiert zu handeln und ihre politischen Anliegen aktiv zu vertreten. „Jede und jeder sollte wie ein Diplomat agieren“, zitierte Ömer Öcalan aus den Botschaften seines Onkels. Zugleich habe er die Bedeutung von Einheit und gemeinsamen politischen Handeln betont.
Mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen, insbesondere auf Angriffe gegen die Bevölkerung in Rojava, habe Öcalan die anhaltenden Proteste und Mobilisierungen in Europa gewürdigt. Diese seien Ausdruck eines kollektiven Widerstands und müssten weitergeführt werden. Während der Rede skandierten die Teilnehmer:innen wiederholt Parolen zur Unterstützung Öcalans. Auch Vertreter:innen internationaler politischer Kräfte nahmen an der Veranstaltung teil. Für die Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ) sprach Barbara Urbanic und erklärte: „Wir stehen an der Seite der kurdischen Bewegung und wollen gemeinsam für Frieden und eine gerechte Gesellschaft kämpfen.“
Solidarität mit der Aktivistin Zübeyde Akmese, die unlängst in München verhaftet wurde
Neben den politischen Beiträgen umfasste das Programm kulturelle Darbietungen und einen filmischen Rückblick zur Geschichte von Newroz. Musikalisch wurde die Feier von den Künstler:innen Erol Berxwedan, Hozan Ariana, Gönül Dilan, Hasan Ali, Hamit Urmiye und Ibrahim Bezar sowie der Band Koma Dem begleitet.
[album=22151]
https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/tausende-bei-fackelmarsch-in-wien-50802
KCK unterstützt Aufruf zur kurdischen Einheit und fordert breite Beteiligung
Die Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans (KCK) hat zur Unterstützung eines von über 200 Persönlichkeiten initiierten Aufrufs zur demokratischen Einheit der Kurd:innen aufgerufen und die Initiative als bedeutenden politischen Schritt gewertet. In einer am Montag veröffentlichten Erklärung begrüßte das KCK-Komitee für Außenbeziehungen den vergangene Woche in Südkurdistan gestarteten Aufruf als „wichtig, sinnvoll und wertvoll“ und erklärte seine volle Unterstützung. Zugleich kündigte sie an, „alle daraus entstehenden Aufgaben und Verantwortungen mit Entschlossenheit zu übernehmen“.
Die Initiative für einen „nationalen Konsens“ sei vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen in Kurdistan und im Nahen Osten von besonderer Bedeutung. „Wir befinden uns in einer historischen und kritischen Phase“, hieß es in der Erklärung. Diese bringe sowohl Risiken als auch neue Möglichkeiten mit sich. Die KCK verwies darauf, dass die kurdische Bevölkerung trotz einer langen Geschichte des Widerstands ihre politischen Ziele bislang nicht vollständig habe durchsetzen können. Als zentraler Grund wurde die anhaltende Zersplitterung genannt. „Die historische Fragmentierung und das Ausbleiben von Einheit haben verhindert, dass der berechtigte Kampf zu einem Sieg geführt werden konnte“, erklärte die Organisation.
Vor diesem Hintergrund sei die Herstellung einer demokratischen nationalen Einheit dringlicher denn je. Entwicklungen in allen Teilen Kurdistans – von militärischen Angriffen bis hin zu fortbestehenden Repressions- und Verleugnungspolitiken – würden die Notwendigkeit eines gemeinsamen politischen Handelns unterstreichen. Die KCK betonte, dass die Forderung nach Einheit in den vergangenen Monaten auch deutlich aus der Gesellschaft heraus formuliert worden sei. „Unser Volk hat in allen Teilen Kurdistans und auch in der Diaspora mit einer gemeinsamen Stimme die Bedeutung der Einheit hervorgehoben“, hieß es.
Der Dachverband der kurdischen Befreiungsbewegung rief insbesondere politische Parteien, gesellschaftliche Kräfte sowie Frauen- und Jugendorganisationen dazu auf, sich dem Aufruf anzuschließen. Auch Intellektuelle, Kunstschaffende sowie Akademiker:innen sollten sich aktiv beteiligen. Abschließend erklärte die KCK, sie werde weiterhin eine „konstruktive, verbindende und erleichternde Rolle“ im Prozess der kurdischen Einheit einnehmen und bekräftigte ihre Unterstützung für die Initiatorinnen und Initiatoren des Aufrufs.
https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/Uber-200-personlichkeiten-starten-initiative-fur-kurdische-einheit-50780 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/rojhilat-parteien-warnen-im-bundestag-vor-folgen-von-krieg-und-militarisierung-50769 https://deutsch.anf-news.com/hintergrund/die-lehre-aus-aleppo-die-schonungslose-realitat-einer-neuen-epoche-49678
YJK-E und KON-MED danken für breite Beteiligung an Newroz in Deutschland
Nach den diesjährigen Newroz-Feiern in Deutschland haben der Verband der Frauen aus Kurdistan in Deutschland (YJK-E) und die Konföderation der Gemeinschaften Kurdistans in Deutschland e.V. (KON-MED) der Community für die breite Beteiligung gedankt und die Veranstaltungen als Ausdruck kollektiver Stärke und Einheit bewertet.
In einer gemeinsamen Erklärung hieß es, dass das Newroz-Fest in Frankfurt die Kapazitäten des Rebstockparks deutlich überschritten habe. Die Menschenmenge habe sich weit über das eigentliche Gelände hinaus ausgedehnt. Auch in Berlin sei mit den von Oranienplatz ausgehenden „Yekbûn“-Rufen eine starke Botschaft der Einheit sichtbar geworden. „Wir danken jeder einzelnen Person, die diese Atmosphäre möglich gemacht hat“, erklärten die Organisationen. „Zehntausende haben Newroz Seite an Seite unter dem Zeichen der nationalen Einheit gefeiert.“
In der Erklärung wurde betont, dass die diesjährigen Feierlichkeiten weit über eine kulturelle Veranstaltung hinausgingen. Bereits im Vorfeld hätten politische Parteien, gesellschaftliche Organisationen, Frauen- und Jugendstrukturen aus allen Teilen Kurdistans gemeinsam an der Vorbereitung gearbeitet. Diese Zusammenarbeit sei Ausdruck eines gemeinsamen politischen Willens gewesen. Zugleich wurde die breite Unterstützung hervorgehoben – von der Stadt Frankfurt als Gastgeberin bis hin zu den zahlreichen freiwilligen Helfer:innen vor Ort.
Besonders unterstrichen wurde die Rolle von Frauen und Jugendlichen. Ihre starke Präsenz habe die Dynamik der Bewegung widergespiegelt. „Die entschlossene Haltung der Frauen und die Energie der Jugend haben den Platz zu einem Ort des Widerstands und der Willensbekundung gemacht“, hieß es. Auch die Parolen „Jin, Jiyan, Azadî“ und „Bijî Serok Apo“ seien prägend für die Atmosphäre gewesen und hätten die politische Ausrichtung der Feierlichkeiten unterstrichen.
Abschließend zogen YJK-E und KON-MED eine positive Bilanz. Die Beteiligung von etwa hunderttausend Menschen in Frankfurt und Berlin habe gezeigt, welche Kraft gemeinsame Organisierung entfalten könne. Ziel der Feierlichkeiten sei es gewesen, die nationale Einheit zu stärken, politische Forderungen sichtbar zu machen und die Forderung nach Freiheit für Abdullah Öcalan zu unterstreichen. „Gemeinsam haben wir es geschafft – gemeinsam werden wir weiter wachsen“, heißt es in der Erklärung.
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Istanbul: Newroz als Willensbekundung
Die Newroz-Feiern in Istanbul haben für die kurdische Bevölkerung seit jeher eine besondere Bedeutung. Dass sich die kurdische Freiheitsbewegung ausgerechnet in der größten Metropole der Türkei zu einer solchen gesellschaftlichen Kraft entwickeln konnte und trotz massiver Repression, Verboten und Zerschlagungsversuchen bis heute Bestand hat, ist nicht zuletzt Ausdruck dieser Newroz-Tradition.
Was einst in geschlossenen Räumen begann, verlagerte sich ab den 1990er Jahren zunehmend auf die Straßen und Plätze und wurde zu einem sichtbaren politischen Ausdruck kurdischer Existenz. Auch in Zeiten von Verboten wurde Newroz weiter begangen: in Vierteln, auf Straßen und unter hohem Risiko. Die Feiern wurden so zu einem kontinuierlichen Moment des Widerstands und der Selbstbehauptung.
Das Newroz 2026 knüpft an diese Geschichte an – und markiert zugleich einen neuen Abschnitt. Ein Jahr nach dem Aufruf vom 27. Februar 2025 des kurdischen Repräsentanten Abdullah Öcalan und dem damit verbundenen neuen Paradigma wurde auf dem Newroz-Platz sichtbar, wie breit diese Perspektive gesellschaftlich getragen wird.
Und genau das zeigte sich mit aller Deutlichkeit.
Die diesjährigen Newroz-Feiern wurden in der Türkei und in Kurdistan von deutlich größeren Menschenmengen getragen als in den vergangenen Jahren. Auch in Istanbul richtete sich der Blick im Vorfeld auf die Frage, wie stark die gesellschaftliche Resonanz ausfallen würde.
Die Antwort lieferte der 22. März.
Auffällig war insbesondere die Präsenz junger Menschen. Ein großer Teil der Teilnehmenden war zwischen 16 und 22 Jahre alt. Damit wurde sichtbar, dass sich nicht nur bestehende Strukturen halten, sondern dass sich eine neue Generation aktiv in die politische Perspektive einordnet. Die vielfach gerufene Parole „Wir haben jung begonnen, wir werden jung siegen“ zeigte sich hier nicht als bloße Parole, sondern als gelebte Realität.
Zugleich prägte die sichtbare Bezugnahme auf Abdullah Öcalan das Bild des Tages. Seine Porträts wurden durch die Menge getragen, seine Worte auf Transparenten gezeigt. Als seine Stimme über die Lautsprecher erklang, verstummte die Menge, Tänze wurden unterbrochen. Nach dem Ende seiner Botschaft folgten minutenlange Sprechchöre: „Bijî Serok Apo“. Diese Szenen machten deutlich, dass die seit Jahrzehnten betriebene Isolationspolitik ihr Ziel nicht erreicht hat. Im Gegenteil: Die Bindung an Öcalan und sein Paradigma wurde offen und kollektiv zum Ausdruck gebracht.
Auch die gemeinsame Präsenz der Ala Rengîn-Fahnen und Öcalan-Porträts wurde als Ausdruck eines politischen Anspruchs auf Einheit verstanden. Damit machten zahlreiche Teilnehmende deutlich, dass sie den Aufruf Abdullah Öcalans zur nationalen Einheit unterstützen und sich zugleich von Stimmen abgrenzen, die diesen Kurs in Frage stellen.
Insgesamt wirkte das Newroz 2026 in Istanbul wie eine klare Positionsbestimmung. Millionen Menschen machten sichtbar, dass sie sich zu Öcalans Paradigma bekennen und diesen politischen Rahmen als Grundlage für die Zukunft betrachten.
Beim Verlassen des Geländes hielten die Rufe „Bijî Serok Apo“ und „Jin, Jiyan, Azadî“ an. Trotz Provokationen blieb die Haltung geschlossen. Für viele Teilnehmende war dieser Tag vor allem eines: ein öffentliches Bekenntnis zu einer gemeinsamen politischen Perspektive und zu deren Fortführung.
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https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/newroz-2026-endet-mit-forderungen-nach-frieden-und-demokratie-50824 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/arkas-Ocalans-hand-muss-ergriffen-werden-50819 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/istanbul-zehntausende-feiern-newroz-in-yenikapi-50817
Newroz 2026 endet mit Forderungen nach Frieden und Demokratie
Mit Großkundgebungen und Feiern in zahlreichen Städten sind die diesjährigen Newroz-Veranstaltungen in Nordkurdistan und der Türkei zu Ende gegangen. Hunderttausende Menschen beteiligten sich an den Feierlichkeiten und verbanden sie mit klaren politischen Forderungen nach Demokratie, Frieden und einer Lösung der kurdischen Frage.
Im Mittelpunkt stand dabei der Anspruch, den Konflikt politisch zu lösen und eine demokratische Ordnung auf Grundlage der Perspektiven des kurdischen Repräsentanten Abdullah Öcalan aufzubauen, die dieser bereits vor einem Jahr in seinem „Aufruf für Frieden und eine demokratische Gesellschaft“ formuliert hatte. Auf den großen Newroz-Plätzen wurde 2026 vielfach als Jahr eines neuen Abschnitts beschrieben: Weg von Konfrontation, hin zu Verhandlungen und Gestaltung einer Demokratisierung und demokratischer Integration.
Tülay Hatimoğulları
Istanbul
Bei der zentralen Feier in Istanbul versammelten sich Hunderttausende auf dem Yenikapı-Platz. Die Ko-Vorsitzende der DEM-Partei, Tülay Hatimoğulları, erklärte: „Wir werden in diesem Land gemeinsam eine demokratische Republik aufbauen.“ Der Aufruf Öcalans vom 27. Februar 2025 markiere „einen wichtigen Schritt für die gemeinsame Zukunft der Völker“.
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Hatimoğulları betonte, dass es nun nicht mehr um das Verwalten von Konflikten, sondern um deren Lösung gehe: „Nicht Konflikt, sondern Verhandlung; nicht Verleugnung, sondern Demokratisierung.“ Zugleich forderte sie konkrete politische Schritte und kritisierte anhaltende Repressionen, darunter die Inhaftierung oppositioneller Politiker:innen wie Figen Yüksekdağ, Selahattin Demirtaş und Ekrem Imamoğlu sowie die Praxis staatlicher Zwangsverwaltungen.
Ein zentraler Punkt ihrer Rede war die Forderung nach der Freilassung von Abdullah Öcalan und seiner Rolle in einem möglichen Friedensprozess. „Für einen dauerhaften Frieden muss Abdullah Öcalan in eine freie und arbeitsfähige Position kommen“, sagte sie unter dem Applaus der Menge.
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Auch kulturell waren die Feiern von großer Beteiligung geprägt. In Istanbul erreichte die Stimmung mit dem Auftritt von Koma Amed ihren Höhepunkt, begleitet von Tänzen und politischen Parolen.
Wan
In Wan (tr. Van) fand parallel eine der größten Newroz-Feiern der Region statt. Trotz Regen und Kälte strömten Hunderttausende auf das Gelände und machten die Veranstaltung zu einer der größten in der Geschichte der Stadt. Künstler wie Şiyar Berwarî und Hozan Şervan begleiteten die Feier, während die Menge in traditionellen Tänzen zusammenkam.
Cizîr
Die dort gehaltenen Reden griffen ebenfalls den politischen Charakter des diesjährigen Newroz auf. Im Mittelpunkt standen Forderungen nach einem Ende von Gewalt, nach demokratischen Lösungen und nach einer politischen Neuordnung, die die Rechte der kurdischen Bevölkerung anerkennt.
Riha
Neben Istanbul und Wan fanden in Dutzenden weiteren Städten Newroz-Feiern statt. Unter anderem in Riha (Urfa), Midyad, Êlih (Batman), Sêrt (Siirt), Cizîr (Cizre), Tetwan (Tatvan), Xarpêt (Elazığ), Çewlîg (Bingöl), sowie in türkischen Städten wie Konya, Bursa, Eskişehir, Balıkesir, Çanakkale, Izmir, Ankara, Adana, Mersin, Antalya, Muğla, Denizli, Manisa und Osmaniye gingen hunderttausende Menschen auf die Straßen.
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Izmir
Die breite Beteiligung in unterschiedlichen Regionen unterstreicht die anhaltende politische Bedeutung von Newroz als Symbol des Widerstands, der Selbstbehauptung und der kollektiven Perspektive auf eine demokratische Zukunft. Mit dem Abschluss der diesjährigen Feiern bleibt vor allem eine Botschaft präsent: Der Ruf nach Frieden, Demokratie und politischer Anerkennung ist weiterhin zentraler Bestandteil der gesellschaftlichen Auseinandersetzungen in der Türkei und darüber hinaus.
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Gedenken an Nûjiyan Erhan in Şengal
In Şengal ist der Journalistin Nûjiyan Erhan anlässlich ihres 9. Todestages gedacht worden. Mitglieder der Union der freien Presse sowie ezidische Aktivistinnen besuchten ihr Grab auf dem Şengal-Berg, legten Blumen nieder und bekräftigten, ihren Kampf für Wahrheit und Aufklärung fortzusetzen.
Nûjiyan Erhan wurde im März 2017 während der Angriffe auf die Ortschaft Xanesor gezielt getötet. Am 3. März jenes Jahres rückten Einheiten von der Türkei ausgebildeten Kontramiliz „Roj-Peschmerga“ in die Region ein. Bereits zuvor waren rund um Xanesor und Sinun Gräben ausgehoben worden. Als Frauen aus Şengal versuchten, diese zu schließen, wurden sie angegriffen.
Während lokale Verteidigungseinheiten aus YBŞ sowie YJŞ und Sicherheitskräfte der Autonomieverwaltung Şengals versuchten, die Situation zu deeskalieren, kam es noch während laufender Gespräche zu einem militärischen Vormarsch. Mit Dutzenden gepanzerten Fahrzeugen, darunter auch aus Europa für den Kampf gegen die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) gelieferte Militärtechnik, rückten die Angreifer in die Region vor.
Zwei Guerillakämpfer der HPG stellten sich einem der deutschen Panzerwagen vom Typ Dingo entgegen, um den Vormarsch zu stoppen. Sie wurden vor Ort getötet. Inmitten dieser Eskalation dokumentierte Nûjiyan Erhan die Ereignisse mit ihrer Kamera – und geriet selbst ins Visier. Sie wurde durch einen Kopfschuss schwer verletzt und erlag am 22. März im Krankenhaus ihren Verletzungen. Bei den folgenden Auseinandersetzungen kamen außerdem die ezidische Aktivistin Nazê Naif und sieben YBŞ-Mitglieder ums Leben.
An Nûjiyan Erhans Grab wurde heute eine Erklärung der ezidischen Frauenpresse verlesen. Darin wurde die Journalistin als Teil der revolutionären freien Presse gewürdigt und ihr Einsatz während der Angriffe hervorgehoben. „Wir erinnern an unsere Freundin Nûjiyan Erhan und in ihrer Person an alle Gefallenen des Widerstands von Xanesor sowie an die Gefallenen der freien Presse“, hieß es in dem von Hêvîdar Şengalî verlesenen Statement.
Nûjiyan Erhan stammte aus Riha (tr. Urfa) in Nordkurdistan und hieß mit bürgerlichem Namen Tuba Akyılmaz. Sie arbeitete seit 2005 für kurdische Medien und hielt sich ab Frühjahr 2015 in Şengal auf, um den IS-Genozid und den Widerstand dagegen zu dokumentieren. Dabei führte sie Interviews mit Überlebenden, vor allem mit ezidischen Frauen. Zudem bildete sie Ezidinnen für die journalistische Arbeit aus. | Foto: Momentaufnahme, nachdem Kämpferinnen der YJŞ & YJA Star den höchsten Punkt des Kolik-Berges vom IS zurückerobert hatten. Im Hintergrund ist Rojava zu sehen. Nûjiyan Erhan zeigt das Victory-Zeichen. © Joey Lawrence, 2015
Besonders hervorgehoben wurde Erhans Rolle während des vom IS ab August 2014 verübten Genozids an der ezidischen Bevölkerung. „Nûjiyan kam aus den freien Bergen nach Şengal, um die Realität des Völkermords sichtbar zu machen. Mit ihrem Stift und ihrer Kamera hat sie die Wahrheit des Genozids in die Welt getragen“, wurde in der Erklärung betont. Ihr Ziel sei es gewesen, die Stimmen von Frauen, Kindern und Überlebenden hörbar zu machen.
Die Sprecherin unterstrich, dass Nûjiyan Erhan bis heute eine prägende Figur für die ezidische Gesellschaft geblieben sei. Viele Kinder in Şengal trügen inzwischen ihren Namen. Ihr Vermächtnis habe zur Organisierung einer eigenständigen ezidischen Frauenpresse beigetragen. Zugleich wurde betont, dass die Journalistin gezielt angegriffen wurde. „Sie wurde ins Visier genommen, während sie die Wahrheit dokumentierte“, hieß es. Die Verantwortlichen für ihren Tod würden weder vergessen noch vergeben.
Vor dem Hintergrund anhaltender Bedrohungen für die Region riefen die Teilnehmerinnen dazu auf, ihre Arbeit im Sinne Nûjiyan Erhans fortzuführen. „Wir müssen die Pläne gegen unsere Gesellschaft aufdecken und die Stimme unseres Volkes sein“, erklärten sie. Abschließend bekräftigten die Anwesenden ihr Versprechen: „Mit dem Geist der Nûjiyans werden wir den Kampf für Wahrheit und Freiheit bis zum Ende weiterführen.“
https://deutsch.anf-news.com/hintergrund/ein-unvergessliches-bild-aus-Sengal-31049 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/ybS-erinnert-an-den-angriff-auf-xanesor-41242 https://deutsch.anf-news.com/pressefreiheit/gedenken-am-grab-von-nujiyan-erhan-in-Sengal-36770
Kommission für Gefangene und Vertriebene beschlossen
Bei einem Treffen zwischen Vertretern der nordostsyrischen Autonomieverwaltung und der Übergangsregierung in Damaskus ist die Einrichtung einer gemeinsamen Kommission zur Freilassung von Gefangenen und zur Rückkehr Vertriebener beschlossen worden. An dem Treffen im Präsidentenpalast in Damaskus am Rande einer Feier anlässlich des kurdischen Neujahrsfestes Newroz nahmen unter anderem der Gouverneur von Hesekê, Nûredîn Îsa Ehmed, der selbsternannte Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa, sowie weitere Vertreter aus Verwaltung und Sicherheitsstrukturen teil. Auch Delegationen aus Raqqa und der Region waren eingebunden.
Im Zentrum der Gespräche standen zwei zentrale Themen: die Situation von Geiseln und Gefangenen sowie die Rückkehr von Menschen, die infolge von Krieg und Besatzung aus Städten wie Efrîn (Afrin), Serêkaniyê (Ras al-Ain) und Girê Spî (Tall Abyad) vertrieben wurden. Laut Angaben wurde vereinbart, eine offizielle Kommission einzusetzen, die Mechanismen für eine „sichere und würdige Rückkehr“ der Vertriebenen erarbeiten soll. Parallel dazu soll an Lösungen zur Freilassung von Gefangenen gearbeitet werden. Beide Schritte gelten als zentral für den Aufbau von Vertrauen und die Stabilisierung der Lage.
Nûredîn Îsa Ehmed (l.) und Mehmûd Xelîl in Damaskus | Foto: Handout
Der stellvertretende Kommandant der Inneren Sicherheitskräfte in Hesekê, Mehmûd Xelil (auch bekannt als Siyamend Efrîn), bestätigte gegenüber ANHA die Einrichtung des Gremiums. „Auf Anweisung von Präsident Ahmed al-Scharaa wurde eine spezielle Kommission gebildet, um diese Fragen zu verfolgen und konkrete Lösungsmechanismen zu entwickeln“, erklärte er. Neben den politischen Fragen seien auch infrastrukturelle und wirtschaftliche Themen erörtert worden.
Diskutiert wurden demnach unter anderem Projekte zur Wasserversorgung, darunter die Nutzung des Tigris für Trinkwasser und Landwirtschaft sowie die Reaktivierung der Elok-Wasserstation zur Versorgung der Stadt Hesekê und umliegender Gebiete. Zudem sei die Bedeutung des Ausbaus von Infrastruktur, insbesondere des Straßennetzes, für wirtschaftliche Entwicklung und öffentliche Dienstleistungen hervorgehoben worden.
Ein weiterer Schwerpunkt lag laut Xelîl auf der Umsetzung des Abkommens vom 29. Januar zwischen der Autonomieverwaltung und Damaskus. Dabei geht es insbesondere um die Integration von Verwaltungsstrukturen und die Verbesserung staatlicher Dienstleistungen. Die nun eingesetzte Kommission solle dazu beitragen, die Umsetzung des Abkommens zu beschleunigen und konkrete Fortschritte bei zentralen Konfliktfeldern wie Vertreibung und Gefangenen zu erzielen, so der Kommandant.
https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/rassistische-angriffe-auf-kurd-innen-nach-newroz-feiern-in-nordsyrien-50812 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/gefangenenaustausch-300-verschleppte-in-heseke-freigelassen-50782 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/efrin-vertriebene-fordern-ruckkehr-und-aufklarung-uber-verschwundene-50764
QSD-Kommandant Çiya Kobanê wird Vize-Divisionschef
Der Kommandant der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD), Çiya Kobanê (auch bekannt als Çiya Firat), ist zum stellvertretenden Kommandeur der 60. Division der syrischen Armee ernannt worden. Die Entscheidung erfolgte im Rahmen der laufenden Integrationsschritte zwischen der Demokratischen Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien (DAANES) und der Übergangsregierung in Damaskus.
Die 60. Division der syrischen Armee ist vor allem im Norden und Osten von Aleppo stationiert und gilt als zentral für die militärische Kontrolle in der Region. Die Ernennung steht im Zusammenhang mit dem Abkommen vom 29. Januar zwischen der Autonomieverwaltung und der Regierung in Damaskus. Dieses sieht eine schrittweise Einbindung der QSD-Strukturen in staatliche Institutionen vor.
Bereits am 10. März war mit Sîpan Hemo, Kommandant der Volksverteidigungseinheiten (YPG) und Mitglied der Generalkommandantur der QSD, ein weiterer hochrangiger Vertreter in die syrische Militärstruktur integriert worden. Hemo übernahm den Posten des stellvertretenden Verteidigungsministers.
https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/sipan-hemo-wird-stellvertretender-verteidigungsminister-syriens-50653 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/qsd-empfangen-abordnung-aus-damaskus-50182 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/qsd-und-damaskus-sprechen-uber-gefangenenaustausch-50767