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Aktualisiert: vor 12 Minuten 56 Sekunden

Wien: Tausende feiern Newroz und fordern Freiheit für Öcalan

23. März 2026 - 12:00

In der österreichischen Hauptstadt Wien haben Tausende KurdÇinnen gemeinsam mit internationalen Unterstützer:innen das diesjährige Newroz-Fest begangen. Die Feier am Sonntagabend stand unter dem Motto „Freiheit für Abdullah Öcalan, Status für Rojava“. Der Veranstaltungsort war mit Fahnen verschiedener kurdischer Organisationen sowie mit Porträts von Abdullah Öcalan geschmückt. Auf der Bühne hing ein großes Banner mit der Aufschrift „Freier Vorsitzender, demokratische Gesellschaft“.

Die Veranstaltung begann mit einer Schweigeminute für die Gefallenen der kurdischen Freiheitsbewegung. Anschließend eröffneten die Ko-Vorsitzenden von Civaka Azad, Dilek Karahan und Zülküf Karatekin, die Feierlichkeiten. In ihrer Ansprache bezeichneten sie Newroz als Symbol für Freiheit, Widerstand und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie erinnerten an die historischen und aktuellen Kämpfe der kurdischen Bewegung und würdigten die Rolle jener, die für diese Ziele ihr Leben verloren haben.

 


Im Mittelpunkt der politischen Beiträge stand die Rede des DEM-Abgeordneten Ömer Öcalan. Er übermittelte Botschaften des kurdischen Repräsentanten Abdullah Öcalan, die dieser im Rahmen eines Treffens auf der Gefängnisinsel Imrali an die kurdische Bevölkerung in Europa gerichtet habe. Öcalan habe die Rolle der Diaspora hervorgehoben und die Kurd:innen in Europa dazu aufgerufen, organisiert zu handeln und ihre politischen Anliegen aktiv zu vertreten. „Jede und jeder sollte wie ein Diplomat agieren“, zitierte Ömer Öcalan aus den Botschaften seines Onkels. Zugleich habe er die Bedeutung von Einheit und gemeinsamen politischen Handeln betont.

 


Mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen, insbesondere auf Angriffe gegen die Bevölkerung in Rojava, habe Öcalan die anhaltenden Proteste und Mobilisierungen in Europa gewürdigt. Diese seien Ausdruck eines kollektiven Widerstands und müssten weitergeführt werden. Während der Rede skandierten die Teilnehmer:innen wiederholt Parolen zur Unterstützung Öcalans. Auch Vertreter:innen internationaler politischer Kräfte nahmen an der Veranstaltung teil. Für die Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ) sprach Barbara Urbanic und erklärte: „Wir stehen an der Seite der kurdischen Bewegung und wollen gemeinsam für Frieden und eine gerechte Gesellschaft kämpfen.“

Solidarität mit der Aktivistin Zübeyde Akmese, die unlängst in München verhaftet wurde

Neben den politischen Beiträgen umfasste das Programm kulturelle Darbietungen und einen filmischen Rückblick zur Geschichte von Newroz. Musikalisch wurde die Feier von den Künstler:innen Erol Berxwedan, Hozan Ariana, Gönül Dilan, Hasan Ali, Hamit Urmiye und Ibrahim Bezar sowie der Band Koma Dem begleitet.

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https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/tausende-bei-fackelmarsch-in-wien-50802

 

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KCK unterstützt Aufruf zur kurdischen Einheit und fordert breite Beteiligung

23. März 2026 - 11:00

Die Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans (KCK) hat zur Unterstützung eines von über 200 Persönlichkeiten initiierten Aufrufs zur demokratischen Einheit der Kurd:innen aufgerufen und die Initiative als bedeutenden politischen Schritt gewertet. In einer am Montag veröffentlichten Erklärung begrüßte das KCK-Komitee für Außenbeziehungen den vergangene Woche in Südkurdistan gestarteten Aufruf als „wichtig, sinnvoll und wertvoll“ und erklärte seine volle Unterstützung. Zugleich kündigte sie an, „alle daraus entstehenden Aufgaben und Verantwortungen mit Entschlossenheit zu übernehmen“.

Die Initiative für einen „nationalen Konsens“ sei vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen in Kurdistan und im Nahen Osten von besonderer Bedeutung. „Wir befinden uns in einer historischen und kritischen Phase“, hieß es in der Erklärung. Diese bringe sowohl Risiken als auch neue Möglichkeiten mit sich. Die KCK verwies darauf, dass die kurdische Bevölkerung trotz einer langen Geschichte des Widerstands ihre politischen Ziele bislang nicht vollständig habe durchsetzen können. Als zentraler Grund wurde die anhaltende Zersplitterung genannt. „Die historische Fragmentierung und das Ausbleiben von Einheit haben verhindert, dass der berechtigte Kampf zu einem Sieg geführt werden konnte“, erklärte die Organisation.

Vor diesem Hintergrund sei die Herstellung einer demokratischen nationalen Einheit dringlicher denn je. Entwicklungen in allen Teilen Kurdistans – von militärischen Angriffen bis hin zu fortbestehenden Repressions- und Verleugnungspolitiken – würden die Notwendigkeit eines gemeinsamen politischen Handelns unterstreichen. Die KCK betonte, dass die Forderung nach Einheit in den vergangenen Monaten auch deutlich aus der Gesellschaft heraus formuliert worden sei. „Unser Volk hat in allen Teilen Kurdistans und auch in der Diaspora mit einer gemeinsamen Stimme die Bedeutung der Einheit hervorgehoben“, hieß es.

Der Dachverband der kurdischen Befreiungsbewegung rief insbesondere politische Parteien, gesellschaftliche Kräfte sowie Frauen- und Jugendorganisationen dazu auf, sich dem Aufruf anzuschließen. Auch Intellektuelle, Kunstschaffende sowie Akademiker:innen sollten sich aktiv beteiligen. Abschließend erklärte die KCK, sie werde weiterhin eine „konstruktive, verbindende und erleichternde Rolle“ im Prozess der kurdischen Einheit einnehmen und bekräftigte ihre Unterstützung für die Initiatorinnen und Initiatoren des Aufrufs.

https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/Uber-200-personlichkeiten-starten-initiative-fur-kurdische-einheit-50780 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/rojhilat-parteien-warnen-im-bundestag-vor-folgen-von-krieg-und-militarisierung-50769 https://deutsch.anf-news.com/hintergrund/die-lehre-aus-aleppo-die-schonungslose-realitat-einer-neuen-epoche-49678

 

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YJK-E und KON-MED danken für breite Beteiligung an Newroz in Deutschland

23. März 2026 - 11:00

Nach den diesjährigen Newroz-Feiern in Deutschland haben der Verband der Frauen aus Kurdistan in Deutschland (YJK-E) und die Konföderation der Gemeinschaften Kurdistans in Deutschland e.V. (KON-MED) der Community für die breite Beteiligung gedankt und die Veranstaltungen als Ausdruck kollektiver Stärke und Einheit bewertet.

In einer gemeinsamen Erklärung hieß es, dass das Newroz-Fest in Frankfurt die Kapazitäten des Rebstockparks deutlich überschritten habe. Die Menschenmenge habe sich weit über das eigentliche Gelände hinaus ausgedehnt. Auch in Berlin sei mit den von Oranienplatz ausgehenden „Yekbûn“-Rufen eine starke Botschaft der Einheit sichtbar geworden. „Wir danken jeder einzelnen Person, die diese Atmosphäre möglich gemacht hat“, erklärten die Organisationen. „Zehntausende haben Newroz Seite an Seite unter dem Zeichen der nationalen Einheit gefeiert.“

In der Erklärung wurde betont, dass die diesjährigen Feierlichkeiten weit über eine kulturelle Veranstaltung hinausgingen. Bereits im Vorfeld hätten politische Parteien, gesellschaftliche Organisationen, Frauen- und Jugendstrukturen aus allen Teilen Kurdistans gemeinsam an der Vorbereitung gearbeitet. Diese Zusammenarbeit sei Ausdruck eines gemeinsamen politischen Willens gewesen. Zugleich wurde die breite Unterstützung hervorgehoben – von der Stadt Frankfurt als Gastgeberin bis hin zu den zahlreichen freiwilligen Helfer:innen vor Ort.

Besonders unterstrichen wurde die Rolle von Frauen und Jugendlichen. Ihre starke Präsenz habe die Dynamik der Bewegung widergespiegelt. „Die entschlossene Haltung der Frauen und die Energie der Jugend haben den Platz zu einem Ort des Widerstands und der Willensbekundung gemacht“, hieß es. Auch die Parolen „Jin, Jiyan, Azadî“ und „Bijî Serok Apo“ seien prägend für die Atmosphäre gewesen und hätten die politische Ausrichtung der Feierlichkeiten unterstrichen.

Abschließend zogen YJK-E und KON-MED eine positive Bilanz. Die Beteiligung von etwa hunderttausend Menschen in Frankfurt und Berlin habe gezeigt, welche Kraft gemeinsame Organisierung entfalten könne. Ziel der Feierlichkeiten sei es gewesen, die nationale Einheit zu stärken, politische Forderungen sichtbar zu machen und die Forderung nach Freiheit für Abdullah Öcalan zu unterstreichen. „Gemeinsam haben wir es geschafft – gemeinsam werden wir weiter wachsen“, heißt es in der Erklärung.

https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/frankfurt-rekordbeteiligung-bei-newroz-im-rebstockpark-50811 https://deutsch.anf-news.com/kultur/tausende-feiern-newroz-in-frankfurt-50805 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/Ocalan-es-liegt-in-unserer-hand-dieses-jahr-zu-einem-jahr-der-freiheit-zu-machen-50801

 

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Istanbul: Newroz als Willensbekundung

23. März 2026 - 8:00

Die Newroz-Feiern in Istanbul haben für die kurdische Bevölkerung seit jeher eine besondere Bedeutung. Dass sich die kurdische Freiheitsbewegung ausgerechnet in der größten Metropole der Türkei zu einer solchen gesellschaftlichen Kraft entwickeln konnte und trotz massiver Repression, Verboten und Zerschlagungsversuchen bis heute Bestand hat, ist nicht zuletzt Ausdruck dieser Newroz-Tradition.

Was einst in geschlossenen Räumen begann, verlagerte sich ab den 1990er Jahren zunehmend auf die Straßen und Plätze und wurde zu einem sichtbaren politischen Ausdruck kurdischer Existenz. Auch in Zeiten von Verboten wurde Newroz weiter begangen: in Vierteln, auf Straßen und unter hohem Risiko. Die Feiern wurden so zu einem kontinuierlichen Moment des Widerstands und der Selbstbehauptung.

Das Newroz 2026 knüpft an diese Geschichte an – und markiert zugleich einen neuen Abschnitt. Ein Jahr nach dem Aufruf vom 27. Februar 2025 des kurdischen Repräsentanten Abdullah Öcalan und dem damit verbundenen neuen Paradigma wurde auf dem Newroz-Platz sichtbar, wie breit diese Perspektive gesellschaftlich getragen wird.

Und genau das zeigte sich mit aller Deutlichkeit.

Die diesjährigen Newroz-Feiern wurden in der Türkei und in Kurdistan von deutlich größeren Menschenmengen getragen als in den vergangenen Jahren. Auch in Istanbul richtete sich der Blick im Vorfeld auf die Frage, wie stark die gesellschaftliche Resonanz ausfallen würde.

Die Antwort lieferte der 22. März.

Auffällig war insbesondere die Präsenz junger Menschen. Ein großer Teil der Teilnehmenden war zwischen 16 und 22 Jahre alt. Damit wurde sichtbar, dass sich nicht nur bestehende Strukturen halten, sondern dass sich eine neue Generation aktiv in die politische Perspektive einordnet. Die vielfach gerufene Parole „Wir haben jung begonnen, wir werden jung siegen“ zeigte sich hier nicht als bloße Parole, sondern als gelebte Realität.

Zugleich prägte die sichtbare Bezugnahme auf Abdullah Öcalan das Bild des Tages. Seine Porträts wurden durch die Menge getragen, seine Worte auf Transparenten gezeigt. Als seine Stimme über die Lautsprecher erklang, verstummte die Menge, Tänze wurden unterbrochen. Nach dem Ende seiner Botschaft folgten minutenlange Sprechchöre: „Bijî Serok Apo“. Diese Szenen machten deutlich, dass die seit Jahrzehnten betriebene Isolationspolitik ihr Ziel nicht erreicht hat. Im Gegenteil: Die Bindung an Öcalan und sein Paradigma wurde offen und kollektiv zum Ausdruck gebracht.

Auch die gemeinsame Präsenz der Ala Rengîn-Fahnen und Öcalan-Porträts wurde als Ausdruck eines politischen Anspruchs auf Einheit verstanden. Damit machten zahlreiche Teilnehmende deutlich, dass sie den Aufruf Abdullah Öcalans zur nationalen Einheit unterstützen und sich zugleich von Stimmen abgrenzen, die diesen Kurs in Frage stellen.

Insgesamt wirkte das Newroz 2026 in Istanbul wie eine klare Positionsbestimmung. Millionen Menschen machten sichtbar, dass sie sich zu Öcalans Paradigma bekennen und diesen politischen Rahmen als Grundlage für die Zukunft betrachten.

Beim Verlassen des Geländes hielten die Rufe „Bijî Serok Apo“ und „Jin, Jiyan, Azadî“ an. Trotz Provokationen blieb die Haltung geschlossen. Für viele Teilnehmende war dieser Tag vor allem eines: ein öffentliches Bekenntnis zu einer gemeinsamen politischen Perspektive und zu deren Fortführung.

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https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/newroz-2026-endet-mit-forderungen-nach-frieden-und-demokratie-50824 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/arkas-Ocalans-hand-muss-ergriffen-werden-50819 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/istanbul-zehntausende-feiern-newroz-in-yenikapi-50817

 

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Newroz 2026 endet mit Forderungen nach Frieden und Demokratie

22. März 2026 - 22:00

Mit Großkundgebungen und Feiern in zahlreichen Städten sind die diesjährigen Newroz-Veranstaltungen in Nordkurdistan und der Türkei zu Ende gegangen. Hunderttausende Menschen beteiligten sich an den Feierlichkeiten und verbanden sie mit klaren politischen Forderungen nach Demokratie, Frieden und einer Lösung der kurdischen Frage.

Im Mittelpunkt stand dabei der Anspruch, den Konflikt politisch zu lösen und eine demokratische Ordnung auf Grundlage der Perspektiven des kurdischen Repräsentanten Abdullah Öcalan aufzubauen, die dieser bereits vor einem Jahr in seinem „Aufruf für Frieden und eine demokratische Gesellschaft“ formuliert hatte. Auf den großen Newroz-Plätzen wurde 2026 vielfach als Jahr eines neuen Abschnitts beschrieben: Weg von Konfrontation, hin zu Verhandlungen und Gestaltung einer Demokratisierung und demokratischer Integration.

Tülay Hatimoğulları

Istanbul

Bei der zentralen Feier in Istanbul versammelten sich Hunderttausende auf dem Yenikapı-Platz. Die Ko-Vorsitzende der DEM-Partei, Tülay Hatimoğulları, erklärte: „Wir werden in diesem Land gemeinsam eine demokratische Republik aufbauen.“ Der Aufruf Öcalans vom 27. Februar 2025 markiere „einen wichtigen Schritt für die gemeinsame Zukunft der Völker“.

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Hatimoğulları betonte, dass es nun nicht mehr um das Verwalten von Konflikten, sondern um deren Lösung gehe: „Nicht Konflikt, sondern Verhandlung; nicht Verleugnung, sondern Demokratisierung.“ Zugleich forderte sie konkrete politische Schritte und kritisierte anhaltende Repressionen, darunter die Inhaftierung oppositioneller Politiker:innen wie Figen Yüksekdağ, Selahattin Demirtaş und Ekrem Imamoğlu sowie die Praxis staatlicher Zwangsverwaltungen.

Ein zentraler Punkt ihrer Rede war die Forderung nach der Freilassung von Abdullah Öcalan und seiner Rolle in einem möglichen Friedensprozess. „Für einen dauerhaften Frieden muss Abdullah Öcalan in eine freie und arbeitsfähige Position kommen“, sagte sie unter dem Applaus der Menge.

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Auch kulturell waren die Feiern von großer Beteiligung geprägt. In Istanbul erreichte die Stimmung mit dem Auftritt von Koma Amed ihren Höhepunkt, begleitet von Tänzen und politischen Parolen.

Wan

In Wan (tr. Van) fand parallel eine der größten Newroz-Feiern der Region statt. Trotz Regen und Kälte strömten Hunderttausende auf das Gelände und machten die Veranstaltung zu einer der größten in der Geschichte der Stadt. Künstler wie Şiyar Berwarî und Hozan Şervan begleiteten die Feier, während die Menge in traditionellen Tänzen zusammenkam.

 

Cizîr

Die dort gehaltenen Reden griffen ebenfalls den politischen Charakter des diesjährigen Newroz auf. Im Mittelpunkt standen Forderungen nach einem Ende von Gewalt, nach demokratischen Lösungen und nach einer politischen Neuordnung, die die Rechte der kurdischen Bevölkerung anerkennt.

 

Riha

Neben Istanbul und Wan fanden in Dutzenden weiteren Städten Newroz-Feiern statt. Unter anderem in Riha (Urfa), Midyad, Êlih (Batman), Sêrt (Siirt), Cizîr (Cizre), Tetwan (Tatvan), Xarpêt (Elazığ), Çewlîg (Bingöl), sowie in türkischen Städten wie Konya, Bursa, Eskişehir, Balıkesir, Çanakkale, Izmir, Ankara, Adana, Mersin, Antalya, Muğla, Denizli, Manisa und Osmaniye gingen hunderttausende Menschen auf die Straßen.

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Izmir

Die breite Beteiligung in unterschiedlichen Regionen unterstreicht die anhaltende politische Bedeutung von Newroz als Symbol des Widerstands, der Selbstbehauptung und der kollektiven Perspektive auf eine demokratische Zukunft. Mit dem Abschluss der diesjährigen Feiern bleibt vor allem eine Botschaft präsent: Der Ruf nach Frieden, Demokratie und politischer Anerkennung ist weiterhin zentraler Bestandteil der gesellschaftlichen Auseinandersetzungen in der Türkei und darüber hinaus.

https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/arkas-Ocalans-hand-muss-ergriffen-werden-50819 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/bakirhan-dieses-newroz-markiert-Ubergang-zur-politischen-gestaltung-50820 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/aktas-fordert-klarung-von-abdullah-Ocalans-status-50818 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/istanbul-zehntausende-feiern-newroz-in-yenikapi-50817 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/wan-newroz-mit-hunderttausenden-gestartet-50816

 

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Gedenken an Nûjiyan Erhan in Şengal

22. März 2026 - 22:00

In Şengal ist der Journalistin Nûjiyan Erhan anlässlich ihres 9. Todestages gedacht worden. Mitglieder der Union der freien Presse sowie ezidische Aktivistinnen besuchten ihr Grab auf dem Şengal-Berg, legten Blumen nieder und bekräftigten, ihren Kampf für Wahrheit und Aufklärung fortzusetzen.

Nûjiyan Erhan wurde im März 2017 während der Angriffe auf die Ortschaft Xanesor gezielt getötet. Am 3. März jenes Jahres rückten Einheiten von der Türkei ausgebildeten Kontramiliz „Roj-Peschmerga“ in die Region ein. Bereits zuvor waren rund um Xanesor und Sinun Gräben ausgehoben worden. Als Frauen aus Şengal versuchten, diese zu schließen, wurden sie angegriffen.

Während lokale Verteidigungseinheiten aus YBŞ sowie YJŞ und Sicherheitskräfte der Autonomieverwaltung Şengals versuchten, die Situation zu deeskalieren, kam es noch während laufender Gespräche zu einem militärischen Vormarsch. Mit Dutzenden gepanzerten Fahrzeugen, darunter auch aus Europa für den Kampf gegen die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) gelieferte Militärtechnik, rückten die Angreifer in die Region vor.

 


Zwei Guerillakämpfer der HPG stellten sich einem der deutschen Panzerwagen vom Typ Dingo entgegen, um den Vormarsch zu stoppen. Sie wurden vor Ort getötet. Inmitten dieser Eskalation dokumentierte Nûjiyan Erhan die Ereignisse mit ihrer Kamera – und geriet selbst ins Visier. Sie wurde durch einen Kopfschuss schwer verletzt und erlag am 22. März im Krankenhaus ihren Verletzungen. Bei den folgenden Auseinandersetzungen kamen außerdem die ezidische Aktivistin Nazê Naif und sieben YBŞ-Mitglieder ums Leben.

An Nûjiyan Erhans Grab wurde heute eine Erklärung der ezidischen Frauenpresse verlesen. Darin wurde die Journalistin als Teil der revolutionären freien Presse gewürdigt und ihr Einsatz während der Angriffe hervorgehoben. „Wir erinnern an unsere Freundin Nûjiyan Erhan und in ihrer Person an alle Gefallenen des Widerstands von Xanesor sowie an die Gefallenen der freien Presse“, hieß es in dem von Hêvîdar Şengalî verlesenen Statement.

Nûjiyan Erhan stammte aus Riha (tr. Urfa) in Nordkurdistan und hieß mit bürgerlichem Namen Tuba Akyılmaz. Sie arbeitete seit 2005 für kurdische Medien und hielt sich ab Frühjahr 2015 in Şengal auf, um den IS-Genozid und den Widerstand dagegen zu dokumentieren. Dabei führte sie Interviews mit Überlebenden, vor allem mit ezidischen Frauen. Zudem bildete sie Ezidinnen für die journalistische Arbeit aus. | Foto: Momentaufnahme, nachdem Kämpferinnen der YJŞ & YJA Star den höchsten Punkt des Kolik-Berges vom IS zurückerobert hatten. Im Hintergrund ist Rojava zu sehen. Nûjiyan Erhan zeigt das Victory-Zeichen. © Joey Lawrence, 2015


Besonders hervorgehoben wurde Erhans Rolle während des vom IS ab August 2014 verübten Genozids an der ezidischen Bevölkerung. „Nûjiyan kam aus den freien Bergen nach Şengal, um die Realität des Völkermords sichtbar zu machen. Mit ihrem Stift und ihrer Kamera hat sie die Wahrheit des Genozids in die Welt getragen“, wurde in der Erklärung betont. Ihr Ziel sei es gewesen, die Stimmen von Frauen, Kindern und Überlebenden hörbar zu machen.

Die Sprecherin unterstrich, dass Nûjiyan Erhan bis heute eine prägende Figur für die ezidische Gesellschaft geblieben sei. Viele Kinder in Şengal trügen inzwischen ihren Namen. Ihr Vermächtnis habe zur Organisierung einer eigenständigen ezidischen Frauenpresse beigetragen. Zugleich wurde betont, dass die Journalistin gezielt angegriffen wurde. „Sie wurde ins Visier genommen, während sie die Wahrheit dokumentierte“, hieß es. Die Verantwortlichen für ihren Tod würden weder vergessen noch vergeben.

Vor dem Hintergrund anhaltender Bedrohungen für die Region riefen die Teilnehmerinnen dazu auf, ihre Arbeit im Sinne Nûjiyan Erhans fortzuführen. „Wir müssen die Pläne gegen unsere Gesellschaft aufdecken und die Stimme unseres Volkes sein“, erklärten sie. Abschließend bekräftigten die Anwesenden ihr Versprechen: „Mit dem Geist der Nûjiyans werden wir den Kampf für Wahrheit und Freiheit bis zum Ende weiterführen.“

https://deutsch.anf-news.com/hintergrund/ein-unvergessliches-bild-aus-Sengal-31049 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/ybS-erinnert-an-den-angriff-auf-xanesor-41242 https://deutsch.anf-news.com/pressefreiheit/gedenken-am-grab-von-nujiyan-erhan-in-Sengal-36770

 

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Kommission für Gefangene und Vertriebene beschlossen

22. März 2026 - 22:00

Bei einem Treffen zwischen Vertretern der nordostsyrischen Autonomieverwaltung und der Übergangsregierung in Damaskus ist die Einrichtung einer gemeinsamen Kommission zur Freilassung von Gefangenen und zur Rückkehr Vertriebener beschlossen worden. An dem Treffen im Präsidentenpalast in Damaskus am Rande einer Feier anlässlich des kurdischen Neujahrsfestes Newroz nahmen unter anderem der Gouverneur von Hesekê, Nûredîn Îsa Ehmed, der selbsternannte Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa, sowie weitere Vertreter aus Verwaltung und Sicherheitsstrukturen teil. Auch Delegationen aus Raqqa und der Region waren eingebunden.

Im Zentrum der Gespräche standen zwei zentrale Themen: die Situation von Geiseln und Gefangenen sowie die Rückkehr von Menschen, die infolge von Krieg und Besatzung aus Städten wie Efrîn (Afrin), Serêkaniyê (Ras al-Ain) und Girê Spî (Tall Abyad) vertrieben wurden. Laut Angaben wurde vereinbart, eine offizielle Kommission einzusetzen, die Mechanismen für eine „sichere und würdige Rückkehr“ der Vertriebenen erarbeiten soll. Parallel dazu soll an Lösungen zur Freilassung von Gefangenen gearbeitet werden. Beide Schritte gelten als zentral für den Aufbau von Vertrauen und die Stabilisierung der Lage.

Nûredîn Îsa Ehmed (l.) und Mehmûd Xelîl in Damaskus | Foto: Handout

Der stellvertretende Kommandant der Inneren Sicherheitskräfte in Hesekê, Mehmûd Xelil (auch bekannt als Siyamend Efrîn), bestätigte gegenüber ANHA die Einrichtung des Gremiums. „Auf Anweisung von Präsident Ahmed al-Scharaa wurde eine spezielle Kommission gebildet, um diese Fragen zu verfolgen und konkrete Lösungsmechanismen zu entwickeln“, erklärte er. Neben den politischen Fragen seien auch infrastrukturelle und wirtschaftliche Themen erörtert worden.

Diskutiert wurden demnach unter anderem Projekte zur Wasserversorgung, darunter die Nutzung des Tigris für Trinkwasser und Landwirtschaft sowie die Reaktivierung der Elok-Wasserstation zur Versorgung der Stadt Hesekê und umliegender Gebiete. Zudem sei die Bedeutung des Ausbaus von Infrastruktur, insbesondere des Straßennetzes, für wirtschaftliche Entwicklung und öffentliche Dienstleistungen hervorgehoben worden.

Ein weiterer Schwerpunkt lag laut Xelîl auf der Umsetzung des Abkommens vom 29. Januar zwischen der Autonomieverwaltung und Damaskus. Dabei geht es insbesondere um die Integration von Verwaltungsstrukturen und die Verbesserung staatlicher Dienstleistungen. Die nun eingesetzte Kommission solle dazu beitragen, die Umsetzung des Abkommens zu beschleunigen und konkrete Fortschritte bei zentralen Konfliktfeldern wie Vertreibung und Gefangenen zu erzielen, so der Kommandant.

https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/rassistische-angriffe-auf-kurd-innen-nach-newroz-feiern-in-nordsyrien-50812 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/gefangenenaustausch-300-verschleppte-in-heseke-freigelassen-50782 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/efrin-vertriebene-fordern-ruckkehr-und-aufklarung-uber-verschwundene-50764

 

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QSD-Kommandant Çiya Kobanê wird Vize-Divisionschef

22. März 2026 - 20:00

Der Kommandant der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD), Çiya Kobanê (auch bekannt als Çiya Firat), ist zum stellvertretenden Kommandeur der 60. Division der syrischen Armee ernannt worden. Die Entscheidung erfolgte im Rahmen der laufenden Integrationsschritte zwischen der Demokratischen Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien (DAANES) und der Übergangsregierung in Damaskus.

Die 60. Division der syrischen Armee ist vor allem im Norden und Osten von Aleppo stationiert und gilt als zentral für die militärische Kontrolle in der Region. Die Ernennung steht im Zusammenhang mit dem Abkommen vom 29. Januar zwischen der Autonomieverwaltung und der Regierung in Damaskus. Dieses sieht eine schrittweise Einbindung der QSD-Strukturen in staatliche Institutionen vor.

Bereits am 10. März war mit Sîpan Hemo, Kommandant der Volksverteidigungseinheiten (YPG) und Mitglied der Generalkommandantur der QSD, ein weiterer hochrangiger Vertreter in die syrische Militärstruktur integriert worden. Hemo übernahm den Posten des stellvertretenden Verteidigungsministers.

https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/sipan-hemo-wird-stellvertretender-verteidigungsminister-syriens-50653 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/qsd-empfangen-abordnung-aus-damaskus-50182 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/qsd-und-damaskus-sprechen-uber-gefangenenaustausch-50767

 

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Bakırhan: Dieses Newroz markiert Übergang zur politischen Gestaltung

22. März 2026 - 15:00

Bei den Newroz-Feierlichkeiten in Wan (tr. Van) hat der Ko-Vorsitzende der Partei der Völker für Gleichheit und Demokratie (DEM), Tuncer Bakırhan, das diesjährige Newroz-Fest als politischen Wendepunkt bezeichnet und weitreichende Forderungen nach demokratischem Wandel und einer Klärung des Status von Abdullah Öcalan erhoben. „Das Newroz 2026 ist ein anderes Newroz“, sagte Bakırhan vor Hunderttausenden. „Dieses Newroz ist der Übergang vom Aufstand zur Gestaltung. Er ist ein konstituierender Newroz, der Beginn einer neuen Epoche.“

Kritik an Polizei

Zugleich kritisierte der kurdische Politiker das Vorgehen der türkischen Polizei in Wan scharf. Diese hätte „vom neuen Prozess offenbar nichts verstanden“ und würde weiterhin versuchen, die Bevölkerung durch Repression an den Feierlichkeiten zu hindern. „Wir versuchen, ein Leben ohne Gewalt und Konflikt aufzubauen, in dem die kurdische Frage demokratisch gelöst wird“, sagte Bakırhan und äußerte die Hoffnung, dass „die in Ankara spürbaren Friedenssignale auch Wan erreichen“. Sicherheitskräfte hatten zu Beginn der Feier versucht, Bakırhan und weitere Personen einer Durchsuchung zu unterziehen.

Die Grenzen in Nahost stehen in Flammen

Mit Blick auf die Entwicklungen im Nahen Osten sprach Bakırhan von einer eskalierenden Krise: „Fast alle Hauptstädte der Region werden bombardiert. Die Grenzen stehen in Flammen.“ Ursache sei das Fehlen von Demokratie. Staaten ohne demokratische Strukturen würden zu Zielscheiben externer Interventionen. Am Beispiel Iran erklärte Bakırhan: „Wir lehnen sowohl imperialistische Interventionen als auch das unterdrückerische Mullah-Regime ab.“ Stattdessen unterstütze man die Kämpfe der Bevölkerung, insbesondere von Frauen, Jugendlichen und ethnischen Gruppen. Eine Lösung könne es nur geben, wenn „die Rechte von Kurd:innen, Belutsch:innen, Aserbaidschaner:innen und anderen Bevölkerungsgruppen anerkannt werden“.

Forderungen an den Staat

Im Zentrum seiner Rede stand der von Abdullah Öcalan angestoßene „Prozess für Frieden und eine demokratische Gesellschaft“. Dieser Aufruf vom 27. Februar 2025 sei „ein Licht in der Dunkelheit des Nahen Ostens“ gewesen. Ziel sei es, demokratische Lösungen zu entwickeln und externe Eingriffe zu verhindern. Bakırhan formulierte konkrete Erwartungen: „Was wollen die Kurd:innen? Sie wollen die Anerkennung ihrer Identität, gleiche Staatsbürgerrechte, Bildung in der Muttersprache und lokale Demokratie.“ Dazu gehöre auch ein Ende der Politik der staatlichen Zwangsverwaltung in kurdischen Kommunen.

Doch die zentrale Forderung sei die Klärung des Status von Abdullah Öcalan. „Die Kurd:innen wollen keine faktische, sondern eine offizielle Regelung seines Status“, sagte Bakırhan. Der laufende Prozess betreffe jedoch nicht nur die kurdische Bevölkerung, sondern die gesamte Gesellschaft. „Demokratie ist nicht nur für Kurd:innen, sondern für alle 86 Millionen Menschen in der Türkei“, erklärte er. Der Prozess sei kein spaltendes, sondern ein verbindendes Projekt.

Aufruf zur kurdischen Einheit

Abschließend rief Bakırhan zur kurdischen Einheit auf: Angesichts der Entwicklungen in der Region müssten politische Kräfte ihre Differenzen überwinden und eine gemeinsame demokratische Perspektive entwickeln. „In dieser Phase, in der über die Zukunft der Völker entschieden wird, darf sich niemand der Einheit entziehen.“ Die Feierlichkeiten wurden im Anschluss mit einem Kulturprogramm fortgesetzt.

https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/aktas-fordert-klarung-von-abdullah-Ocalans-status-50818 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/wan-newroz-mit-hunderttausenden-gestartet-50816 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/istanbul-zehntausende-feiern-newroz-in-yenikapi-50817

 

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Arkaş: Öcalans Hand muss ergriffen werden

22. März 2026 - 15:00

Bei den Newroz-Feierlichkeiten in Istanbul hat der frühere Mitgefangene Abdullah Öcalans, Çetin Arkaş, vor Hunderttausenden zu politischem Handeln aufgerufen und die Friedensinitiative Öcalans in den Mittelpunkt gestellt. Arkaş eröffnete seine Rede mit einem direkten Appell an die gesellschaftliche Realität der Metropole: „Willkommen, Stadt der Vertriebenen, derer, die zur Migration gezwungen wurden und hierherkommen mussten, um zu überleben.“ Zugleich bezeichnete er Istanbul als „Stadt der Völker der Türkei“ und als Ort des Widerstands gegen Ausbeutung und Unterdrückung.

Abdullah Öcalan hat Verantwortung übernommen

Mit Blick auf die Lage in der Region zeichnete Arkaş ein düsteres Bild: „Der Nahe Osten steht in Flammen. Dieses Feuer breitet sich aus und wir können nicht so tun, als ginge es uns nichts an.“ Die bestehenden politischen Ordnungen stünden vor dem Zerfall, während ungelöste innere Konflikte Staaten besonders anfällig machten. Vor diesem Hintergrund stellte Arkaş die Rolle Öcalans als zentral heraus. „Abdullah Öcalan hat mitten in diesem großen Brand Verantwortung übernommen und den Willen zu Frieden und einer demokratischen Lösung gezeigt“, sagte er. Die entwickelte Perspektive richte sich gegen eine Eskalation von Krieg und Nationalismus und ziele auf einen dauerhaften Frieden zwischen den Völkern.

Warum zögert der Staat?

Zugleich würdigte Arkaş den politischen Schritt als Ausdruck außergewöhnlicher Entschlossenheit: „Einen solchen Frieden zu wagen, erfordert großen Mut. Diesen Mut können nur diejenigen aufbringen, die selbst unter schwierigsten Bedingungen für Würde und Existenz gekämpft haben.“ Scharf kritisierte Arkaş das Zögern der staatlichen Institutionen. „Überall wird uns gefragt: Warum unternimmt der Staat keine Schritte? Was wird noch abgewartet?“, sagte er. Ein Abwarten verschärfe die bestehenden Probleme und verstärke die Unsicherheit in der Bevölkerung. „Hört auf, Zeit zu gewinnen und auszuweichen. Wir wollen endlich den Willen zu Frieden und Demokratie sehen.“

Tore von Imrali öffnen

Eine zentrale Voraussetzung für einen ernsthaften Prozess sei der Umgang mit Öcalan. „Der erste Test für Aufrichtigkeit findet auf Imrali statt“, erklärte Arkaş. „Die Türen müssen geöffnet und sein Status als freier Mensch und Hauptverhandlungspartner klargestellt werden.“ Darüber hinaus forderte Arkaş ein grundsätzliches Umdenken in der „Kurden-Politik“ des türkischen Staates. Die kurdische Bevölkerung dürfe nicht länger als Bedrohung betrachtet werden. Vielmehr müsse eine umfassende politische Lösung entwickelt werden, die alle Teile Kurdistans einbezieht. In diesem Zusammenhang stellte er auch die Frage, ob die türkische Regierung bereit sei, kurdische Akteure aus anderen Teilen Kurdistans in einen politischen Dialog einzubeziehen, wie etwa die in Rojhilat und Iran aktive Partei für ein freies Leben in Kurdistan (PJAK).

Die kurdische Existenz ist heute eine unumkehrbare Realität

Arkaş warnte davor, weiterhin auf nationalistische Polarisierung zu setzen: „Niemand darf Öl ins Feuer eines Konflikts gießen, der die Völker gegeneinander aufbringt.“ Stattdessen müsse eine neue politische Sprache entwickelt werden, die auf Respekt, Dialog und gegenseitiger Anerkennung basiert. Mit Blick auf die kurdische Bevölkerung betonte Arkaş deren gewachsene politische Rolle: „Die kurdische Existenz ist heute eine unumkehrbare Realität. Die Kurdinnen und Kurden sind zu einer bestimmenden politischen Kraft geworden: in ihrer Heimat, in den Metropolen und in der Diaspora.“

Abschließend richtete Arkaş einen Appell an die Gesellschaften der Region: „Wir rufen alle Völker und Glaubensgemeinschaften des Nahen Ostens auf: Ergreift diese Hand. Kommt auf dieser Grundlage zusammen.“ Frieden erfordere Mut, nicht nur im Krieg, sondern auch im politischen Wandel. „Wir werden es schaffen, gemeinsam werden wir es schaffen“, sagte Arkaş zum Abschluss seiner Rede.

https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/istanbul-zehntausende-feiern-newroz-in-yenikapi-50817 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/aktas-fordert-klarung-von-abdullah-Ocalans-status-50818 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/wan-newroz-mit-hunderttausenden-gestartet-50816

 

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Aktaş fordert Klärung von Abdullah Öcalans Status

22. März 2026 - 14:00

Beim Newroz-Fest in Wan (tr. Van) mit Hunderttausenden Teilnehmenden hat Abdullah Öcalans früherer Mitgefangener Veysi Aktaş die Rolle des kurdischen Repräsentanten im aktuellen politischen Prozess hervorgehoben und konkrete Schritte für Verhandlungen eingefordert. „Der am 27. Februar 2025 initiierte Prozess für Frieden und eine demokratische Gesellschaft soll durch Abdullah Öcalan zu einem Abschluss gebracht und auf Grundlage der geschwisterlichen Freiheit der Völker gelöst werden“, sagte Aktaş in einer Rede.

Öcalan strebe an, „die bestehende Republik und Gesellschaft zu demokratisieren und den Prozess mit einer demokratischen Verfassung zu vollenden“. Ziel sei es, eine auf Recht basierende Ordnung zu schaffen, die gesellschaftlichen Frieden und Gerechtigkeit garantiere. Zugleich betonte Aktaş die grundlegende Bedeutung politischer Organisierung: „Freiheit entsteht durch Organisierung, Gerechtigkeit durch politischen und juristischen Kampf.“ Notwendig sei es heute, „anstelle von Gewalt und Konflikt demokratische Verhandlungen, Dialog und eine friedliche Lösung in den Mittelpunkt zu stellen“.

Demokratische Ordnung nicht Option, sondern historische Notwendigkeit

Scharfe Kritik übte Aktaş an der staatlichen Praxis der Einsetzung von Zwangsverwaltern in oppositionell regierten Kommunen sowie an repressiven Politiken gegenüber der kurdischen Bevölkerung. Diese Politik ignoriere den demokratischen Willen der Gesellschaft und unterdrücke Vielfalt und Rechte, sagte er. Dem müsse mit einem verstärkten Kampf für eine demokratische Republik begegnet werden. „Eine solche Ordnung ist nicht nur eine Option, sondern eine historische Notwendigkeit“, erklärte Aktaş. Die demokratische Republik lehne „monistische und verleugnende Politiken“ ab und basiere auf der Anerkennung von Vielfalt, gleichberechtigter Teilhabe und dem Schutz gesellschaftlicher Ressourcen.

Im Hinblick auf den laufenden Prozess seien konkrete rechtliche Schritte erforderlich. „Wenn von demokratischem Wandel und Frieden gesprochen wird, dann ist es zwingend notwendig, die entsprechenden gesetzlichen Regelungen anzupassen“, sagte Aktaş. Zentral sei dabei die Frage gleichberechtigter Verhandlungsbedingungen. „Wenn die demokratische Verhandlungsmethode als Grundlage festgelegt wurde, müssen die Parteien über gleiche Bedingungen und Freiheiten verfügen“, betonte er. Dafür sei „die Festlegung des Status des Aufenthaltsortes von Abdullah Öcalan unerlässlich“. Der türkische Staat und die Regierung müssten „angesichts der Entwicklungen in der Region schnell handeln und die Bedingungen auf der Gefängnisinsel Imrali an einen demokratischen Verhandlungsprozess anpassen“, forderte Aktaş.

Frieden bedeutet, für Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit zu kämpfen

Abschließend unterstrich er, dass Frieden aktiven politischen Einsatz erfordere: „Frieden ist nicht Passivität oder Verantwortungslosigkeit. Frieden bedeutet, aktiv für Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit zu kämpfen.“ Er sei nicht nur das Schweigen der Waffen, sondern „ein grundlegendes Prinzip beim Aufbau einer demokratischen und gemeinschaftlichen Ordnung“.

Der laufende Prozess werde sich durchsetzen, während „diejenigen, die von Blutvergießen profitieren, verlieren werden“, erklärte Aktaş. Nach der Rede skandierten die Teilnehmer:innen der Feier minutenlang Parolen zur Unterstützung Öcalans. Das Programm wird mit weiteren Reden und musikalischen Beiträgen fortgesetzt.

https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/wan-newroz-mit-hunderttausenden-gestartet-50816 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/Ocalan-es-liegt-in-unserer-hand-dieses-jahr-zu-einem-jahr-der-freiheit-zu-machen-50801 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/istanbul-zehntausende-feiern-newroz-in-yenikapi-50817

 

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Istanbul: Zehntausende feiern Newroz in Yenikapı

22. März 2026 - 14:00

In der westtürkische Metropole Istanbul hat auf dem Yenikapı-Platz die diesjährige Newroz-Feier mit Zehntausenden Teilnehmenden begonnen. Unter dem Motto „Newroz der Freiheit und demokratischen Einheit“ strömen weiterhin Menschen auf das Gelände, während die Stimmung mit jeder Minute an Intensität gewinnt.

Zum Auftakt der Veranstaltung wurden Parolen wie „Şehîd namirin“ gerufen, anschließend sorgten Musikgruppen sowie traditionelle Trommel- und Zurna-Klänge für eine ausgelassene Atmosphäre. Die Menge tanzte über längere Zeit Govend, während große Transparente mit Aufschriften wie „Der Imperialismus ist der Hauptfeind, die Völker sind Geschwister“ und „Es lebe die Freiheit, nieder mit der Sklaverei“ das Bild bestimmten.

Reden der Istanbuler DEM-Vorsitzenden

Zum Auftakt wandten sich die Ko-Vorsitzenden des Istanbuler Provinzverbands der DEM-Partei, Arife Çınar und Çınar Altan, an die Menge. Arife Çınar würdigte die Mobilisierung der Teilnehmenden und erklärte, die gefüllten Plätze seien Ergebnis eines langjährigen Kampfes. Sie betonte die Bedeutung des diesjährigen Newroz für die Bevölkerung der Türkei und insbesondere für die Kurd:innen. Die kurdische Bevölkerung werde seit Jahrzehnten marginalisiert, sagte Çınar.

Zugleich verwies sie auf den Anspruch eines demokratischen Zusammenlebens und kritisierte, dass trotz des vor über einem Jahr durch den kurdischen Vordenker Abdullah Öcalan eingeleiteten „Prozess für Frieden und eine demokratische Gesellschaft“ bislang keine konkreten Schritte erfolgt seien. „Sollten Staat und Regierung ernsthaft an einer Lösung interessiert sein, müssen umgehend konkrete Schritte folgen“, forderte sie.

Çınar Altan erklärte, der diesjährige Newroz könne zu einem Wendepunkt werden. Ziel sei ein gerechter Frieden und Freiheit, die weiterhin durch politischen und gesellschaftlichen Kampf erstritten werden müssten. In Richtung der Menge stellte er mehrfach Fragen, die von den Anwesenden mit Zustimmung beantwortet wurden. Zugleich wurde die Freiheit von Abdullah Öcalan sowie weiterer politischer Gefangener gefordert.

Botschaft vom Bündnis für Arbeit, Frieden und Demokratie

Im weiteren Verlauf wurde eine Erklärung des Bündnisses für Arbeit, Frieden und Demokratie verlesen. Darin wurde Newroz als Symbol für Widerstand, Hoffnung und Gleichheit beschrieben. Kritisiert wurden insbesondere Kriege, Armut, Diskriminierung sowie politische Repression. Auch regionale Entwicklungen wurden thematisiert: Die Erklärung verurteilte Angriffe auf Kurd:innen und Alawit:innen in Syrien sowie militärische Interventionen in der Region.

Zugleich wurde betont, dass Lösungen nicht durch Krieg, sondern durch Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und demokratische Prozesse erreicht werden müssten. Darüber hinaus wurde auf soziale und wirtschaftliche Probleme in der Türkei verwiesen. Steigende Lebenshaltungskosten, Einschränkungen von Gewerkschaftsrechten sowie Eingriffe in demokratische Prozesse wurden kritisiert.

Botschaft von Özgür Özel

Im Rahmen der Veranstaltung wurde zudem eine Botschaft des CHP-Vorsitzenden Özgür Özel verlesen. Darin stellte er Newroz als Symbol für Erneuerung, Zusammenhalt und Hoffnung dar. Özel erklärte, in jedem entzündeten Newroz-Feuer und in jedem gemeinsamen Tanz komme der Wille zum Ausdruck, die Vergangenheit nicht zu vergessen und zugleich an eine gemeinsame Zukunft zu glauben. Die Bevölkerung sei nicht des Widerstands müde, wohl aber der anhaltenden Konflikte, Polarisierung und Ausgrenzung. „Um die Last dieses dunklen Winters abzuschütteln, gibt es nur einen Weg: den Frieden“, hieß es in der Botschaft.

Mit Verweis auf die aktuelle Lage betonte Özel, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt und Solidarität entscheidend seien. Wer angesichts von Leid und Gewalt – etwa in Syrien – Gleichgültigkeit oder Schadenfreude zeige, stelle sich außerhalb dieser gemeinsamen Werte. Zugleich unterstrich er die Position seiner Partei gegen Gewalt und für eine politische Lösung. Versuche, die Gesellschaft zu spalten oder Konflikte zwischen Bevölkerungsgruppen zu schüren, wies er zurück. Stattdessen müsse ein gleichberechtigtes Zusammenleben auf Grundlage von Demokratie und Gerechtigkeit gestärkt werden.

Özel kritisierte zudem politische Entwicklungen in der Türkei, darunter Eingriffe in demokratische Prozesse sowie die anhaltende Praxis von Zwangsverwaltungen in kurdischen Kommunen. Die Hoffnungen auf Frieden dürften nicht zum Gegenstand politischer Taktik werden. Abschließend betonte er, dass ein gemeinsames Leben in Würde und Gleichberechtigung möglich sei: „Es gibt keinen Ausweg allein – entweder gemeinsam oder gar nicht.“

Breites Programm geboten

Das Programm in Yenikapı dauert an. Neben Reden, die unter anderem vom AABF-Vorsitzenden Hüseyin Mat, der TJA-Aktivistin Sebahat Tuncel, Öcalans Ex-Mitgefangenem Çetin Arkaş, der DEM-Vorsitzenden Tülay Hatimoğulları, ihrer Fraktionskollegin Meral Danış Beştaş kommen sollen, sind auch musikalische Beiträge des Sängers Suavi und der Band Koma Amed sowie das Entzünden des Newroz-Feuers angekündigt.

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Wan: Newroz mit Hunderttausenden gestartet

22. März 2026 - 14:00

In der nordkurdischen Großstadt Wan (tr. Van) hat die diesjährige Newroz-Feier mit Hunderttausenden Teilnehmenden begonnen. Unter dem Motto „Newroza Azadî û Yekîtiya Demokratîk“ strömen seit den frühen Morgenstunden Menschen in den Newroz-Park, wo sich die historische Kulisse von Wan-Festung und Wan-See verbindet.

In traditionellen Kleidern und mit Fahnen in den kurdischen Farben versammelt sich die Menge auf dem Gelände. Aus allen Richtungen halten die Zugänge an, während Musik und Gesänge die Atmosphäre prägen. Immer wieder werden Parolen wie „Bijî Serok Apo“ und „Şehîd namirin“ angestimmt. Auf dem Gelände sind zahlreiche Symbole sichtbar, darunter Bilder von Abdullah Öcalan sowie von Gefallenen der kurdischen Befreiungsbewegung. Auch Fahnen und Symbole kurdischer Organisationen aus Rojhilat werden getragen, wodurch Solidarität mit der Bevölkerung in Ostkurdistan zum Ausdruck gebracht wird.

Große Beteiligung, aber verspäteter Beginn nach Polizeieingriff

Der Beginn der Veranstaltung hat sich aufgrund von Spannungen mit der türkischen Polizei verzögert. Sicherheitskräfte hatten versucht, mehrere Politiker:innen, darunter den DEM-Vorsitzenden Tuncer Bakırhan, den Aktivisten und Öcalans Ex-Mitgefangenen Veysi Aktaş sowie Derya Aslan von der DEM-Leitung einer Durchsuchung zu unterziehen.

Die betroffenen Politiker:innen wiesen diese Maßnahme zurück, woraufhin es zu Auseinandersetzungen kam. In der Folge kehrten sie zunächst zu ihren Fahrzeugen zurück. Zudem ließ die Polizei zeitweise zahlreiche Menschen nicht auf das Gelände, was die Lage zusätzlich zuspitzte. Erst nachdem die Behörde von den Durchsuchungen abgesehen hat, konnte die Veranstaltung beginnen.

Das Programm startete mit einer Schweigeminute. Anschließend hielt Umut Tayanır vom Organisationskomitee die Eröffnungsrede. In ersten Redebeiträgen wurde die politische Bedeutung von Newroz hervorgehoben. Die Lokalpolitikerin Gülşen Kurt erinnerte an die Newroz-Gefallenen und betonte den anhaltenden Widerstand der kurdischen Bevölkerung für Freiheit, Frieden und Demokratie. Zugleich verwies Kurt mit Blick auf den von Abdullah Öcalan initiierten „Prozess für Frieden und eine demokratische Gesellschaft“ auf die Rolle von Frauen. Sie bekräftigte, dass sich kurdische Frauen im Aufbau eines neuen Lebensmodells an vorderster Front beteiligen werden. 

Im weiteren Verlauf treten Musikgruppen und Künstler:innen auf, darunter Agirê Jiyan, Koma Rojhilat, Şiyar Berwarî und Hozan Şervan. Weitere Reden, unter anderem von Tuncer Bakırhan und Veysi Aktaş, sowie die Verlesung der Newroz-Botschaft von Abdullah Öcalan sind angekündigt.

https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/impressionen-vom-newroz-fest-in-amed-50810 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/Ocalan-es-liegt-in-unserer-hand-dieses-jahr-zu-einem-jahr-der-freiheit-zu-machen-50801 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/bakirhan-kurd-innen-wollen-mit-dem-staat-verhandeln-50807

 

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Tote bei Hubschrauberabsturz in Katar

22. März 2026 - 12:00

In Katar sind beim Absturz eines Militärhubschraubers mindestens sechs Menschen ums Leben gekommen. Eine Person werde noch vermisst, teilte das katarische Innenministerium am Sonntag mit. Das Verteidigungsministerium erklärte, der Absturz habe sich während eines Routineeinsatzes ereignet. Erste Erkenntnisse deuteten auf eine technische Störung als Ursache hin. Hinweise auf einen Abschuss im Zusammenhang mit dem US-israelisch-iranischen Krieg gebe es bislang nicht.

Der Hubschrauber stürzte offiziellen Angaben zufolge in katarischem Hoheitsgebiet im Persischen Golf ab. Spezialteams wurden unmittelbar für die Such- und Rettungsarbeiten eingesetzt. Details zur Mission des Fluges wurden zunächst nicht bekannt gegeben.

Nach Angaben des türkischen Verteidigungsministeriums befanden sich unter den Todesopfern auch türkische Staatsangehörige. Demnach kamen ein Soldat der türkischen Streitkräfte sowie zwei Techniker des Rüstungsunternehmens Aselsan ums Leben. Die militärische Zusammenarbeit zwischen der Türkei und Katar werde trotz des Vorfalls fortgesetzt, teilte das Ministerium weiter mit.

Der Absturz ereignete sich vor dem Hintergrund der angespannten Lage in der Region. Katar ist im Zuge des seit drei Wochen andauernden Krieges zwischen den USA, Israel und Iran wiederholt Ziel von Angriffen geworden. Die katarische Luftabwehr fing dabei mehrfach iranische Drohnen und Raketen ab, zudem schoss Katars Armee zwei iranische Kampfflugzeuge ab.

https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/iranische-angriffe-in-sudkurdistan-rojhilat-parteien-fordern-internationales-eingreifen-50790 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/israel-greift-syrische-regierungstruppen-in-suweida-an-50788 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/drohnen-und-raketenangriffe-auf-gebiete-in-sudkurdistan-50786

 

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Takva: Menschen in Iran zeigen bemerkenswerte Haltung

22. März 2026 - 12:00

Der seit über drei Wochen andauernde Krieg zwischen den USA sowie Israel und Iran wirkt sich zunehmend auf die Region aus. Während die Angriffe zahlreiche Länder wirtschaftlich und materiell betreffen, zeigen sich die Menschen in Iran entschlossen, sich sowohl dem Krieg als auch dem bestehenden System zu widersetzen. Zugleich wird in breiten Teilen der Bevölkerung betont, dass ein politischer Wandel nicht durch äußere Interventionen, sondern durch den eigenen Willen der Menschen in Iran erfolgen müsse. In diesem Sinne lehnt ein großer Teil der Bevölkerung einen von außen erzwungenen Regimewechsel ab und hält trotz der Angriffe an seinem Land fest.

Wan verfolgt Krieg mit großer Sorge

Die anhaltenden Bombardierungen führen jedoch dazu, dass viele Menschen ihre Wohnorte vorübergehend verlassen. Vor allem aus den Städten ziehen sie sich in Dörfer und ländliche Regionen zurück, die derzeit als vergleichsweise sicherer gelten. Auch in der nordkurdischen Grenzstadt Wan (tr. Van) wird der Krieg mit großer Sorge verfolgt. Die Bevölkerung beobachtet die Entwicklungen aufmerksam, während gleichzeitig wirtschaftliche Auswirkungen und die Angst vor möglichen Fluchtbewegungen spürbar sind. In der Stadt wird vielfach ein „demokratisches Ergebnis“ des Konflikts gefordert, während die Menschen im Iran selbst mehrheitlich daran festhalten, ihre Heimat nicht zu verlassen.

Wan beobachtet Krieg mit Sorge

Der Journalist Ruşen Takva, der die Entwicklungen sowohl vor Ort in Iran als auch an der Grenze verfolgt, beschreibt die aktuelle Lage als widersprüchlich. Einerseits gebe es eine starke Bindung der Bevölkerung an ihr Land, andererseits wachse mit der Dauer des Krieges die Unsicherheit. Takva betont, dass sich die Bevölkerung in Iran trotz aller Ungewissheiten bislang gegen eine massenhafte Flucht entschieden habe. „Die Menschen zeigen eine respektable Haltung. Sie haben trotz der schwierigen Bedingungen ein starkes Zugehörigkeitsgefühl zu ihrem Land“, sagt er. Im Vergleich zu anderen Konfliktregionen sei bislang keine breite Fluchtbewegung zu beobachten.

Gleichzeitig verweist er darauf, dass bestimmte Entwicklungen eine solche Bewegung jederzeit auslösen könnten. Dazu zählen insbesondere ethnische oder konfessionelle Konflikte, Störungen in der Versorgung oder eine direkte militärische Intervention von außen. Besonders mit Blick auf Ûrmiye (Urmia) warnt Takva vor gezielten Versuchen, Spannungen zwischen Bevölkerungsgruppen zu schüren. Dort gebe es Hinweise darauf, dass einzelne Akteure versuchten, Aserbaidschaner:innen und Kurd:innen gegeneinander aufzubringen.

Menschen suchen Schutz in ländlichen Regionen

Bislang habe die Bevölkerung jedoch besonnen reagiert und eine Eskalation verhindert. „Die Menschen sind angespannt wie ein gespannter Bogen, aber sie handeln weiterhin kontrolliert“, so Takva. Ein offener Konflikt in dieser Region könnte sich auch auf die Türkei auswirken. Gleichzeitig berichten Quellen aus Iran von anhaltend intensiven Luftangriffen auf zahlreiche Städte. Diese Situation habe eine verstärkte Binnenmigration ausgelöst. Viele Menschen verlassen urbane Zentren und suchen Schutz in ländlichen Regionen, ohne jedoch eine endgültige Entscheidung über eine Ausreise getroffen zu haben.

Takva geht davon aus, dass die Bevölkerung in den kommenden Wochen – abhängig vom Verlauf des Krieges – klarere Entscheidungen treffen wird. Dabei spielen unterschiedliche gesellschaftliche Motivationen eine Rolle: Oppositionelle vermeiden eine Ausreise, um sich nicht zu exponieren, während andere auf einen möglichen politischen Umbruch hoffen. Anhänger:innen des bestehenden Systems bleiben hingegen bewusst im Land, um dessen Fortbestand zu sichern.

Große Fluchtbewegungen kann Wan nicht stemmen

Langfristig, so Takva, werde dieser Krieg jedoch zwangsläufig eine Fluchtbewegung auslösen. „Deren Ausmaß und Richtung hängen maßgeblich davon ab, ob das bestehende System bestehen bleibt oder zusammenbricht.“ Für Wan hätte eine solche Entwicklung erhebliche Konsequenzen. Nach aktuellen Einschätzungen würde bereits eine kurzfristige Ankunft von rund 50.000 Menschen die Infrastruktur der Stadt an ihre Belastungsgrenze bringen.

Zugleich verweist Takva auf die engen sozialen und wirtschaftlichen Verbindungen zwischen Wan und Iran. Viele Menschen in der Provinz sprechen Farsi oder stehen in engem Austausch mit der Bevölkerung jenseits der Grenze. Entsprechend stark wird der Krieg auch emotional wahrgenommen. „In Wan ist die Hoffnung verbreitet, dass der Konflikt nicht weiter eskaliert und letztlich zu einem demokratischen Wandel in Iran führt“, so der Journalist.

https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/iranische-angriffe-in-sudkurdistan-rojhilat-parteien-fordern-internationales-eingreifen-50790 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/rojhilat-parteien-warnen-im-bundestag-vor-folgen-von-krieg-und-militarisierung-50769 https://deutsch.anf-news.com/hintergrund/peyman-viyan-wir-vertreten-einen-dritten-weg-50756
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Proteste gegen Angriffe auf Kurd:innen in Efrîn und Aleppo

22. März 2026 - 10:00

Nach Angriffen auf Kurd:innen im Umfeld der Newroz-Feierlichkeiten in Efrîn und Aleppo haben in mehreren Städten Nordostsyriens Proteste stattgefunden. Demonstrierende verurteilten die Übergriffe und forderten Schutz für die kurdische Bevölkerung.

Kurdische Familien waren in Efrîn und Aleppo im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten Ziel von Angriffen geworden. In Efrîn griffen Gruppen gezielt Jugendliche und Frauen an, beschädigten Fahrzeuge und gingen gegen kurdische Symbole vor. Auf Videos, die die Täter und Übergriffe zeigen, sind antikurdische und rassistische Parolen zu hören.

Auch aus Aleppo wurden Vorfälle gemeldet. Demnach sollen Sicherheitskräfte der syrischen Übergangsregierung dort Kontrollpunkte im kurdischen Stadtteil Şêxmeqsûd entfernt haben, wodurch Angreifer leichter Zugang erhielten.

Proteste in Hesekê und Qamişlo

Als möglicher Auslöser der Eskalation gilt ein Vorfall in Kobanê, bei dem während der Newroz-Feiern eine syrische Fahne entfernt wurde. Die Inneren Sicherheitskräfte (Asayîş) erklärten, es habe sich um die Handlung einer Einzelperson gehandelt, die nicht die politischen Werte der Region widerspiegele. Die verantwortliche Person sei festgenommen worden.

 


Gleichzeitig betonten die Sicherheitskräfte, dass die darauf folgenden Angriffe – insbesondere in Efrîn – gezielt angeheizt worden seien und eine Gefahr für die Stabilität der Region darstellten. Die Bevölkerung wurde zu Besonnenheit und Zusammenhalt aufgerufen.

Als Reaktion auf die Übergriffe versammelten sich in Hesekê aus Efrîn vertriebene Menschen sowie Einwohner:innen der Stadt vor dem Gouverneursgebäude. Sie forderten ein Ende der Angriffe und riefen Parolen gegen Spaltung und Hetze. Auch in Qamişlo protestierten Hunderte Menschen vor dem Mihemed-Şêxo-Kulturzentrum. Die Teilnehmenden solidarisierten sich mit den Betroffenen in Afrin und Aleppo und verurteilten die Angriffe.

Hemo ruft zu Ruhe auf

Auch der stellvertretende Verteidigungsminister der syrischen Übergangsregierung, Sîpan Hemo, äußerte sich zu den Vorfällen. Er erklärte, einzelne Ereignisse seien instrumentalisiert worden, um Spannungen zwischen Bevölkerungsgruppen zu verschärfen. Hemo rief alle Seiten zur Ruhe auf und betonte, dass sowohl Angriffe auf Bevölkerungsgruppen als auch auf staatliche Symbole abzulehnen seien. Zugleich kündigte er rechtliche Schritte gegen Personen an, die die Sicherheit gefährden.

https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/rassistische-angriffe-auf-kurd-innen-nach-newroz-feiern-in-nordsyrien-50812

 

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Rassistische Angriffe auf Kurd:innen nach Newroz-Feiern in Nordsyrien

21. März 2026 - 20:00

Nach den diesjährigen Newroz-Feierlichkeiten ist es in mehreren Städten Nordsyriens am Sonnabend zu teils brutalen, rassistischen Angriffen auf Kurd:innen gekommen. Die Übergriffe richteten sich vor allem gegen Menschen, die von den Feierlichkeiten zurückkehrten.

In Efrîn griffen Gruppen von Angreifern kurdische Frauen und Jugendliche sowie teilweise ganze Familien an. Dabei wurden Fahrzeuge beschädigt und kurdische Symbole beleidigt und zerstört. In Videos, die in sozialen Medien verbreitet wurden, sind rassistische und sektiererische Parolen zu hören, die von angreifenden Arabern skandiert werden.

Auch aus Aleppo wurden ähnliche Vorfälle gemeldet. Im kurdisch geprägten Stadtteil Şêxmeqsûd sollen sogenannte Sicherheitskräfte der syrischen Übergangsregierung Kontrollpunkte geöffnet oder abgebaut haben, um antikurdischen Mobs leichter Zugang zu den Vierteln zu verschaffen.

Kurdish civilians are being stopped, dragged out of their vehicles and their vehicles are being destroyed.

Another Kurdish residents motorcycle has been burned down

Alongside militant mobs forming, looking for Kurds - burning Kurdish flags. https://t.co/ONap2QYoDj pic.twitter.com/beGDwPGVZi

— ScharoMaroof (@ScharoMaroof) March 21, 2026

Übergriffe auf Rückkehrende aus den Feierlichkeiten

Weitere Berichte sprechen von gezielten Kontrollen entlang der Straße zwischen Efrîn und Aleppo. Dabei wurden vor allem kurdische Zivilist:innen gestoppt, aus Fahrzeugen gezerrt, nach ihrer Herkunft befragt und teilweise misshandelt. Wie viele Menschen verletzt wurden, ist unklar.

In mehreren Orten, darunter auch Azaz, wurden Fahrzeuge beschädigt oder in Brand gesetzt. Zudem wurden kurdische Fahnen beschlagnahmt oder öffentlich verbrannt. Ein Fall betrifft einen jungen Mann aus Efrîn, der in Azaz angegriffen wurde, nachdem er anlässlich Newroz eine kurdische Flagge gezeigt hatte.

The barbaric fans of the Syrian terrorist regime are attacking the Kurds and their properties in Afrin following the celebration of Nowruz yesterday. pic.twitter.com/zo3HaBArCx

— The Alawite Echo (@TheAlawiteEcho) March 21, 2026

Mehrere Videos zeigen zudem bewaffnete Gruppen und Menschenansammlungen, die gezielt nach Kurd:innen suchen. Gleichzeitig gibt es Hinweise darauf, dass sich Gruppen in Richtung kurdischer Wohngebiete bewegten, was die Sorge vor weiteren Angriffen verstärkt.

Escorted by Syrian Government Forces - Syrian mobs continue to hunt and beat down Kurds whom are celebrating Newroz. pic.twitter.com/dcYWxJAQ7L

— ScharoMaroof (@ScharoMaroof) March 21, 2026

 

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Frankfurt: Rekordbeteiligung bei Newroz im Rebstockpark

21. März 2026 - 20:00

Die diesjährigen Newroz-Feierlichkeiten in Frankfurt haben mit einer Rekordbeteiligung neue Maßstäbe gesetzt. Der Rebstockpark war bereits früh vollständig gefüllt, zahlreiche Teilnehmende wichen auf umliegende Flächen aus. Nach Angaben der veranstaltenden Konföderation der Gemeinschaften Kurdistans in Deutschland e.V. (KON-MED) waren an der Spitze mehr als 50.000 Menschen auf dem Gelände.

Unter dem Motto „Newroz der Einheit – für Frieden, Demokratie und Würde“ entwickelte sich die Veranstaltung zu einer der größten Newroz-Feiern in Europa. Teilnehmende aus verschiedenen Städten sowie internationale Gäste prägten das Bild. Besonders die starke Beteiligung von Frauen und Jugendlichen verlieh der Veranstaltung eine dynamische Atmosphäre.

Klare politische Forderungen

Auf dem Gelände waren zahlreiche Symbole der kurdischen Bewegung sowie Fahnen der YPG und YPJ sowie die Ala Rengîn zu sehen. Parolen wie „Bijî Serok Apo“ und „Jin, Jiyan, Azadî“ begleiteten die Feierlichkeiten über den gesamten Tag hinweg.

Der Ko-Vorsitzende des Nationalkongress Kurdistans (KNK), Ahmet Karamus, betonte in seiner Rede die Bedeutung der kurdischen Einheit. Angesichts aktueller Entwicklungen – insbesondere im Kontext von Angriffen auf Rojava und der Lage in Rojhilat und Iran – sei eine gemeinsame politische Haltung entscheidend. Die kurdische Bevölkerung befinde sich an einem historischen Wendepunkt, erklärte er.

Im weiteren Verlauf wurde eine Videobotschaft der Frankfurter Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg eingespielt. Zudem wurde die Newroz-Botschaft des kurdischen Repräsentanten Abdullah Öcalan auf Deutsch und Kurdisch verlesen, die im Publikum mit Jubel und Applaus aufgenommen wurde.

Grußbotschaften, Musik und Tanz

Auch die YPJ-Kommandantin Rohilat Efrîn richtete sich an die Teilnehmenden. Sie betonte, dass Newroz nicht nur ein Fest, sondern ein Symbol für Widerstand und Wiederaufbau sei. Die Errungenschaften in allen Teilen Kurdistans müssten geschützt und weiterentwickelt werden. Weitere Beiträge kamen von Vertreter:innen politischer Parteien und Organisationen, darunter Janine Wissler für Die Linke sowie Vertreter:innen kurdischer Parteien und Bewegungen. Für die SPD sprach Kaweh Mansoori.

Neben den politischen Beiträgen prägten kulturelle Darbietungen das Programm. Künstler:innen wie Dilo Doxan, Tîtalê Fevzo, Rojda und Mustafa Demir traten auf. Die Teilnehmenden begleiteten die Auftritte mit Tänzen und Gesängen. Die Feierlichkeiten dauerten bis in den Abend an und endeten mit Musik und Govend. Das diesjährige Newroz in Frankfurt gilt damit als eines der größten und bedeutendsten der vergangenen Jahre in Europa.

https://deutsch.anf-news.com/kultur/tausende-feiern-newroz-in-frankfurt-50805 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/impressionen-vom-newroz-fest-in-amed-50810 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/Ocalan-es-liegt-in-unserer-hand-dieses-jahr-zu-einem-jahr-der-freiheit-zu-machen-50801

 

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Impressionen vom Newroz-Fest in Amed

21. März 2026 - 20:00

Die diesjährigen Newroz-Feierlichkeiten in der nordkurdischen Metropole Amed (tr. Diyarbakır) haben eindrucksvolle Bilder hervorgebracht. Unter dem Motto „Newroza Azadî û Yekîtiya Demokratîk“ versammelten sich Hunderttausende im Newroz-Park und machten die Veranstaltung zu einem der prägendsten Momente des Jahres.

Bereits in den frühen Morgenstunden strömten Menschen auf das Gelände. In traditionellen und farbenfrohen Kleidern zogen sie unter Parolen und Jubelrufen ein. Begleitet von Musik und Gesängen tanzten die Teilnehmenden stundenlang Govend und verwandelten das Gelände in ein kollektives Fest.

Zahlreiche Menschen trugen Bilder von Abdullah Öcalan. Mit dem Entzünden des Newroz-Feuers erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt. Trotz anhaltenden Regens blieb die Beteiligung bis zum Ende ungebrochen.

Die Feierlichkeiten vereinten Menschen aller Generationen – von Kindern bis zu Älteren – und brachten eine Vielzahl eindrucksvoller, symbolträchtiger Momente hervor. Die Aufnahmen zeigen Newroz als Ausdruck von Gemeinschaft, Widerstand und kollektiver Erinnerung.

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https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/Ocalan-es-liegt-in-unserer-hand-dieses-jahr-zu-einem-jahr-der-freiheit-zu-machen-50801 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/hunderttausende-feiern-in-amed-newroz-50799 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/bakirhan-kurd-innen-wollen-mit-dem-staat-verhandeln-50807 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/newroz-in-amed-botschaften-rufen-zu-einheit-und-politischer-losung-auf-50806

 

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Newroz in Qendîl trotz Kälte und Regen

21. März 2026 - 20:00

In den Bergen von Qendîl haben zahlreiche Menschen aus allen Teilen Kurdistans die diesjährigen Newroz-Feierlichkeiten begangen. Trotz anhaltenden Regens und niedriger Temperaturen hielten sich die Teilnehmenden den ganzen Tag über auf dem Gelände auf und feierten mit großer Beteiligung.

Bereits in den frühen Morgenstunden strömten Menschen nach Qendîl. Die Feier begann mit einer Schweigeminute, anschließend wurde das Newroz-Feuer durch Angehörige von Gefallenen entzündet. Auf dem Gelände waren zahlreiche Fahnen sowie Bilder von Abdullah Öcalan und Gefallenen der kurdischen Bewegung zu sehen.

Qendîl als Symbolort von Einheit und Widerstand

Im Verlauf der Feierlichkeiten wurden zahlreiche politische Botschaften verlesen. Vertreter:innen des Volksrats der Berggemeinde Binarê Qendîl betonten in einer Erklärung, dass die Region angesichts der Entwicklungen im Nahen Osten vor einem historischen Umbruch stehe. Die bestehende Ordnung, die auf der Aufteilung Kurdistans beruhe, gerate zunehmend ins Wanken.

Als zentrale Perspektive wurde eine politische Organisierung auf Grundlage der Idee der demokratischen Nation sowie der kurdischen Einheit hervorgehoben. Qendîl wurde dabei als Ort beschrieben, an dem sich diese Einheit konkret formiere, auch durch die Zusammenarbeit zahlreicher Dörfer und lokaler Strukturen.

Auch in weiteren Beiträgen wurde die Bedeutung von Newroz als Ausdruck von Widerstand, Selbstorganisation und kollektiver Identität betont. Zugleich wurde auf die Entwicklungen in den verschiedenen Teilen Kurdistans verwiesen und die Notwendigkeit einer gemeinsamen politischen Perspektive unterstrichen.

 


Rede von Sozdar Avesta, Botschaft von KJK

Eine zentrale Rolle nahm zudem die Newroz-Botschaft von Abdullah Öcalan ein, die während der Feierlichkeiten verlesen wurde. Sozdar Avesta, Mitglied des Exekutivrats der Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans (KCK), erklärte, es sei Aufgabe, die darin formulierten Perspektiven umzusetzen und den politischen Prozess weiterzuführen.

Auch die Gemeinschaft der Frauen Kurdistans (KJK) hob in ihrer Botschaft die Bedeutung von Newroz als Ausdruck von Widerstand und gesellschaftlicher Transformation hervor. Zugleich wurde die Rolle von Frauen innerhalb der kurdischen Bewegung betont sowie die Forderung nach der physischen Freiheit Öcalans erneuert.

Auftritt von Awazê Çiya

Neben den politischen Beiträgen prägten kulturelle Darbietungen das Bild der Feier. Zahlreiche Künstler:innen und Gruppen aus verschiedenen Regionen Kurdistans traten auf, darunter Luqman Selîm, Chopy Fatah, Ensembles aus Şengal und Mexmûr sowie die Guerillaband Awazê Çiya. Die Teilnehmenden begleiteten die Auftritte mit traditionellen Tänzen und Gesängen. Trotz der schwierigen Wetterbedingungen riss die Beteiligung über den gesamten Tag nicht ab. Die Feierlichkeiten endeten am Abend mit gemeinsamen Tänzen und Parolen.

https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/fackelzug-in-binare-qendil-tausende-stimmen-sich-auf-newroz-ein-50795 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/Ocalan-es-liegt-in-unserer-hand-dieses-jahr-zu-einem-jahr-der-freiheit-zu-machen-50801 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/newroz-in-kobane-derik-girke-lege-und-amude-50808

 

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