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Aktualisiert: vor 1 Stunde 44 Minuten

Von den Serhildan zur Jineolojî: Die Entwicklung der kurdischen Frauenbewegung

11. März 2026 - 9:00

Die Periode der Serhildan-Aufstände, die als eine der entscheidenden Phasen des kurdischen Volkskampfes gilt, markiert zugleich einen grundlegenden Wendepunkt in der Entwicklung der kurdischen Frauenbewegung. In dieser Phase entwickelten sich kurdische Frauen zunehmend zu Akteurinnen, die den Prozess des Widerstands nicht nur unterstützten, sondern aktiv gestalteten und mitführten. Damit endete eine Phase, in der Frauen primär als Instrumente politischer Parteien fungierten oder innerhalb institutioneller Strukturen auf die Rolle von Akteurinnen in „Frauenabteilungen“ beschränkt waren. An ihre Stelle trat eine neue Konstellation, in der Frauen den Widerstand selbst organisieren und im Rahmen dieses Prozesses zugleich eine eigenständige ideologische Perspektive entwickeln.

Die auf die Serhildan-Periode folgende Phase kann daher als eine Zeit beschrieben werden, in der kurdische Frauen nicht lediglich den Anspruch auf ein eigenständiges Leben formulierten. Vielmehr ging diese Entwicklung weit über die Vorstellung eines „eigenen Zimmers“ hinaus und eröffnete einen Prozess, in dessen Verlauf kurdische Frauen begannen, neue Vorstellungen gesellschaftlicher Organisation und eines alternativen Lebensmodells zu artikulieren.

Serhildan als Aufstände der weiblichen Wiedergeburt

Vor dem Hintergrund der Analyse Abdullah Öcalans, wonach im gesellschaftlichen Verständnis Kurdistans der Begriff „Familie“ eng mit der Figur der Frau verbunden ist – während Frauen zugleich innerhalb der familialen Struktur eingeschlossen und von öffentlichem Leben sowie gesellschaftlicher Teilhabe weitgehend ausgeschlossen werden –, entwickelte die kurdische Freiheitsbewegung Strategien, um kurdische Familien stärker in den revolutionären Kampf einzubeziehen. Die Auswirkungen dieser Strategie wurden insbesondere ab Mitte der 1990er Jahre sichtbar. In dieser Phase kam es sowohl zum Aufbau eigenständiger militärischer Frauenstrukturen innerhalb der Guerilla als auch zur Institutionalisierung von Frauenorganisationen. Gleichzeitig wurde die Rolle von Frauen innerhalb dieser Strukturen neu definiert: Frauen fungierten nun nicht länger als bloße Instrumente oder als symbolische Repräsentantinnen formaler Gleichberechtigung.

Die 1990er Jahre stellten jedoch nicht allein im Hinblick auf die Entstehung kurdischer Fraueninstitutionen oder den Aufbau einer Frauenguerilla einen zentralen historischen Abschnitt dar. Ebenso bedeutsam war diese Periode im Kontext der Serhildan. Die Aufstände in Cizîr (tr. Cizre), Amed (Diyarbakır) und Licê, die Serhildan im Umfeld des Newroz-Festes sowie zahlreiche weitere Erhebungen nehmen einen bedeutenden Platz in der Geschichte Kurdistans ein und spielten zugleich eine zentrale Rolle für die Formierung der kurdischen Freiheitsbewegung.

Ein besonders auffälliges Merkmal dieser Aufstände war die zunehmend sichtbare Präsenz kurdischer Frauen an vorderster Front der Straßenproteste. Dieser Prozess bildete zugleich eine wesentliche Voraussetzung für die erste große Phase der Massenmobilisierung der heutigen kurdischen Frauenbewegung. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass sich unter den Akteurinnen der vordersten Reihen zahlreiche kurdische Mütter befanden, die zuvor überwiegend auf den häuslichen Raum beschränkt gewesen waren.

Der Kampf der kurdischen Mütter

Die Geschichte des Kampfes kurdischer Mütter nimmt eine so bedeutende Stellung ein, dass sie eine eigenständige Untersuchung und Analyse verdient. Denn sie stellt einen praktischen historischen Prozess dar, der sowohl in der Geschichte revolutionärer Bewegungen als auch in der globalen Geschichte der Frauenbewegungen kaum ein vergleichbares Gegenstück findet.

Die Beteiligung kurdischer Mütter am Widerstand begann symbolisch mit der Selbstverbrennungsaktion einer Mutter im Gefängnis von Diyarbakır. In den 1990er Jahren entwickelte sich diese Beteiligung weiter, als ihre eigenen Kinder auf die Straßen gingen. Angesichts der Repressionspolitik des Staates – der Festnahmen, Inhaftierungen und Tötungen – begannen Mütter zunehmend, an die Stelle ihrer Kinder zu treten. Im Laufe dieses Prozesses entwickelten sie eigene Organisationsformen und institutionelle Strukturen und gelangten zu einer Position, in der sie eigenständig Entscheidungen treffen, ihre eigenen Aktionen organisieren und ihre politischen Forderungen selbst artikulieren.

Als kurdische Journalist:innen auf den Straßen ermordet wurden, nahmen kurdische Mütter deren Kameras in die Hand und verfolgten selbst die Nachrichtenereignisse; als kurdische Musiker:innen verhaftet wurden, traten sie an ihre Stelle und sangen deren Lieder. Heute organisieren sich kurdische Mütter neben der Initiative der Friedensmütter auch als Mütter politischer Gefangener sowie als Angehörige Gefallener und setzen ihren politischen Ausdruck weiterhin in eigener Stimme fort. Die Friedensmütter nehmen heute sowohl in der Türkei als auch in Kurdistan eine bedeutende gesellschaftliche Rolle ein und verfügen über eine spürbare politische Wirkung.

 

Im Zusammenhang mit den Bemühungen, die Familie als Institution neu zu denken, insbesondere im Hinblick auf ihre durch koloniale Herrschaftsverhältnisse geprägte Ausrichtung gegen den revolutionären Kampf, formuliert Abdullah Öcalan:

„Die Partei verfolgt einen wissenschaftlichen Ansatz gegenüber der Institution der Familie. Wir wollen die in diesem Bereich begangenen Fehler korrigieren und bestehende Defizite überwinden. Seit fünfzehn Jahren kämpfen wir zugleich dafür, die negativen Auswirkungen dieses Herds – des familiären Haushalts – zu überwinden. Der Kaderkampf der PKK ist zugleich eine Rebellion gegen die reaktionären Eigenschaften dieser Institution, gegen ihre Wertvorstellungen und ihre auferlegten Normen. Wir erheben uns gegen diese Institution und ihre überholten Wertvorstellungen, gegen ihr falsches Verständnis von Ehre – eine Institution, die mindestens ebenso schädlich ist wie Feudalismus, Faschismus und Kolonialismus.

Für diesen Aufstand wurden große Anstrengungen unternommen, und diese Bemühungen bewegen sich heute in Richtung eines Erfolgs. Der Kampf zeigt also Wirkung. Denn die Kultur der Familie und ihre Sakralisierung beginnen zunehmend, einem Verständnis von Patriotismus und Freiheit Platz zu machen. Jede Familie sagt nun: ‚Wenn wir Kinder erziehen, dann für das Vaterland und für die Freiheit.‘ Sie sagt: ‚Zumindest eine Person aus unserer Familie sollte sich an dieser Bewegung beteiligen.‘ Das ist keineswegs eine unbedeutende Entwicklung.“

Symbolische Momente der Sichtbarkeit kurdischer Frauen

Ein weiteres Beispiel für die Bedeutung, die Abdullah Öcalan und die PKK der Rolle kurdischer Frauen beimessen, stellte eines der wichtigsten politischen Ereignisse der 90er dar: die kurdischen Worte, die Leyla Zana während der Vereidigungszeremonie im türkischen Parlament sprach, sowie das grün-rot-gelb-farbene Haarband, das sie dabei trug. Dieser Moment kann zugleich als einer der bedeutendsten Augenblicke des Widerstands in der Geschichte der kurdischen Frauenbewegung gelten. Aufbauend auf dem Gefängniswiderstand in Amed, der mit Persönlichkeiten wie Sakine Cansız verbunden ist, sowie auf der Präsenz kurdischer Frauen in den Serhildan-Aufständen der frühen 90er, in denen sie die Straßen nicht verließen, stellte dieser Auftritt eine symbolische Verdichtung eines umfassenderen politischen Prozesses dar. Die kurdische Freiheitsbewegung hatte Frauen dazu ermutigt, ihre eigene Existenz erneut bewusst wahrzunehmen und aktiv in den Kampf einzutreten. In diesem Moment artikulierte eine kurdische Frau im Parlament der Republik Türkei eine Präsenz, deren Existenz lange Zeit politisch negiert worden war.

Eine Frauenbewegung mit eigenen Organisationen und eigener Ideologie

Ein wichtiger Wendepunkt in der politischen Präsenz kurdischer Akteur:innen stellte die Phase der HADEP dar, die auf die zuvor gegründete HEP folgte. In dieser Phase wurde die Frage der Frauen erstmals explizit in das Programm einer politischen Partei integriert. Die HADEP war zudem eine der ersten Parteien, die das Prinzip der positiven Diskriminierung institutionell umsetzte und damit die Voraussetzungen dafür schuf, dass Frauen in allen Bereichen des politischen Kampfes sichtbarer wurden und stärkeren Einfluss auf Entscheidungsprozesse ausüben konnten. Diese Entwicklung bildete zugleich die Grundlage für das später weithin bekannte Ko-Vorsitz-System, das heute in vielen politischen Strukturen Anwendung findet. Zugleich stellte dieser Ansatz auch innerhalb der Bewegung einen Bruch mit klassischen Organisationsmodellen der Linken dar. Anstelle der traditionellen Struktur, in der politische Parteien über separate Frauen- und Jugendabteilungen verfügen, entwickelte sich ein Modell, in dem Frauen selbst zu zentralen Entscheidungsträgerinnen und politischen Orientierungspunkten innerhalb der Freiheitsbewegung wurden.

Die 2000er Jahre markieren schließlich eine Phase, in der die kurdische Frauenbewegung über ihren ursprünglichen organisatorischen Rahmen hinauswuchs und begann, auch auf die internationale Frauenbewegung Einfluss auszuüben. Eine zentrale Rolle spielte hierbei insbesondere die von Öcalan im „Manifest der Demokratischen Zivilisation“ entwickelte Wissenschaft der Jineolojî. Diese wurde von Frauenbewegungen innerhalb der kurdischen Freiheitsbewegung weiter ausgearbeitet und theoretisch vertieft. Heute gilt Jineolojî neben der als neue sozialwissenschaftliche Perspektive verstandenen Soziologie der Freiheit als ein Ansatz der Frauenwissenschaft, der zunehmend internationale Aufmerksamkeit und Anerkennung findet.

„Keine Frau soll unorganisiert bleiben“

Ein bedeutender organisatorischer Aufbruch der kurdischen Frauenbewegung in der Mitte der 2000er Jahre vollzog sich mit der Gründung von Kongreya Jinen Azad (KJA). Ausgehend von dem Grundsatz, dass „keine einzige Frau unorganisiert bleiben darf“, nahm der Kongress der freien Frauen seine Aktivitäten in Kurdistan und in der Türkei auf und initiierte in der Folge zahlreiche öffentlichkeitswirksame Kampagnen und Aktionen. Zu den bekanntesten gehörte die Kampagne „Mit Jin, Jiyan, Azadî zur Freiheit“, die sich zu einem der zentralen Parolen und zugleich zu einer grundlegenden Lebensphilosophie der internationalen Frauenbewegung entwickelte.

Die Losung „Jin, Jiyan, Azadî“, die aus der Lebensphilosophie der Jineolojî hervorging, wurde im Laufe der Zeit zu einem der bedeutendsten Leitsprüche feministischer Bewegungen weltweit. Frauen in unterschiedlichen Teilen der Welt griffen diesen Slogan auf, skandierten ihn sowohl in ihren eigenen Sprachen als auch auf Kurdisch und machten ihn zu einem gemeinsamen Ausdruck feministischer Mobilisierung.

Für Kurdinnen, die die 90er Jahre durch umfassende Widerstandsprozesse geprägt hatten, markierten die 2000er einen qualitativen Wandel: Der Fokus verlagerte sich von einem Kampf um bloße Existenz und Sichtbarkeit hin zu einer aktiven Einflussnahme auf politische und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse. In diesem Kontext spielten nicht nur Organisationen wie KJA sowie die nach ihrem Verbot gegründete TJA oder verschiedene Frauenräte eine zentrale Rolle. Auch im Bereich der Medien kam es zu einer bedeutenden Entwicklung: Die kurdische Frauenbewegung gründete eigenständige Medienorganisationen, die von Frauenjournalistinnen getragen wurden und damit ein international beachtetes Beispiel für alternative Medienstrukturen darstellten.

In einem Feld wie dem Journalismus, das traditionell stark von männlicher Dominanz geprägt ist, stellte die Entwicklung einer eigenständigen feministischen Praxis des Journalismus einen wichtigen Schritt dar. Obwohl einige der gegründeten Agenturen und Zeitungen im Laufe der Zeit geschlossen wurden, hat sich kurdischer Frauenjournalismus inzwischen als eigenständige Tradition etabliert und setzt seine Arbeit auf unterschiedlichen medialen Plattformen fort. Darüber hinaus gründeten Frauen seit den 2000ern in zahlreichen gesellschaftlichen Bereichen eigene Institutionen und begannen, ihre politischen und sozialen Anliegen zunehmend selbstbestimmt zu artikulieren.

Gegenwärtige Perspektiven der kurdischen Frauenbewegung

Auf der gegenwärtigen Entwicklungsstufe ist der Kampf kurdischer Frauen zu einem Bezugspunkt geworden, der nicht nur für kurdische Frauen selbst, sondern zunehmend auch für Frauenbewegungen weltweit orientierende Bedeutung besitzt. Sowohl innerhalb der Guerillabewegung als auch in politischen und kulturellen Lebensbereichen beschränken sich Frauen nicht mehr darauf, politische Forderungen zu artikulieren. Vielmehr beteiligen sie sich aktiv an der praktischen Gestaltung eines neuen gesellschaftlichen Lebens, das sich sowohl gegen die strukturellen Zwänge des bestehenden Systems als auch gegen patriarchale Herrschaftsverhältnisse richtet.

Nach der Auffassung Abdullah Öcalans hängt der Grad der eigenen Revolutionierung wesentlich von der Art und Weise ab, wie Beziehungen zu Frauen gestaltet werden. Die Erfahrungen der kurdischen Frauenbewegung zeigen nach dieser Perspektive, welche Bedeutung der Frauenbefreiung für die Entwicklung einer revolutionären Lebensweise und für die Formulierung einer erneuerten sozialistischen Perspektive zukommt. Öcalan formuliert dies folgendermaßen:

„Ein wesentlicher Grund dafür, dass viele von euch nicht vollständig revolutionär werden konnten, liegt in der Art der Beziehungen, die ihr zur Realität der Frau entwickelt habt. Während Gefühle entwickelt wurden, wurden grundlegende Maßstäbe des Widerstands oder des Sozialismus in den Beziehungen beiseitegelassen. Es entstanden Beziehungen, die in die Knechtschaft führen. Ihr müsst wissen, dass eine Frauenbeziehung, die für euch vorbereitet und bereitgestellt wird, eine Falle ist. Auch der Gegner nutzt dies sehr geschickt. Hier liegt eine der wichtigsten Quellen von Ausbeutung und Instrumentalisierung, und gerade junge Männer verhalten sich in dieser Hinsicht sehr nachlässig. Deshalb versuchen wir in unserer Parteiarbeit, diese Beziehung beispielhaft neu zu entwickeln. Es ist ein Thema, mit dem wir uns mindestens ebenso intensiv beschäftigen wie mit dem Kolonialismus.“

Teil 1 der Artikelreihe:

https://deutsch.anf-news.com/hintergrund/die-kurdische-freiheitsbewegung-ist-eine-frauenrevolutionsbewegung-50643 https://deutsch.anf-news.com/frauen/das-wirklich-freie-leben-der-gesellschaft-hangt-von-der-konstruktiven-rolle-der-frau-ab-50622 https://deutsch.anf-news.com/frauen/kjk-ruft-neue-strategische-phase-aus-jetzt-ist-die-zeit-der-frauen-50507

 

Kategorien: Externe Ticker

100 Verschleppte aus syrischer Haft freigelassen

11. März 2026 - 0:00

In der nordostsyrischen Stadt Hesekê ist eine neue Gruppe von Gefangenen eingetroffen, die zuvor von der syrischen Übergangsregierung festgehalten worden waren. Insgesamt 100 Personen wurden freigelassen und kehrten am Dienstag zu ihren Familien zurück.

Die Freilassung erfolgt im Rahmen der Umsetzung des Abkommens vom 29. Januar zwischen den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) und der Führung in Damaskus. Das Abkommen sieht unter anderem die schrittweise Freilassung von Gefangenen vor, die im Zuge der Offensive syrischer Regimetruppen und Proxymilizen festgenommen oder verschleppt worden waren.

 


Emotionale Szenen bei der Ankunft

Zahlreiche Bewohner:innen der Stadt versammelten sich am Panorama-Kreisverkehr im Stadtzentrum, um die Ankunft der freigelassenen Menschen zu erwarten. Als die Gefangenen eintrafen, kam es zu emotionalen Szenen: Familienangehörige begrüßten ihre Angehörigen nach langer Trennung mit großer Erleichterung. Unter den Anwesenden waren auch Behördenvertreter:innen und Persönlichkeiten der Stadt. Der Gouverneur von Hesekê, Nûredîn Îsa Ehmed, begrüßte die Freigelassenen und bezeichnete ihre Rückkehr als wichtigen Schritt zur Linderung des Leids vieler Familien.

Hoffnung auf weitere Freilassungen

Die freigelassenen Menschen stammen aus verschiedenen Städten Nord- und Ostsyriens, darunter Raqqa, Tabqa, Deir ez-Zor, Kobanê und Qamişlo. Unter ihnen befinden sich neben Kämpfer:innen der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) auch zahlreiche Zivilist:innen. Viele Angehörige hoffen nun, dass in den kommenden Phasen des Abkommens weitere Gefangene freikommen und auch das Schicksal der noch Vermissten geklärt wird.

Kölner Journalistin unter Verschleppten

Bei der Offensive der syrischen Übergangsregierung gegen die Selbstverwaltung von Nordostsyrien im Januar waren nach Angaben des Zentrums für strategische Studien Rojava (NRLS) mindestens 1.200 Zivilist:innen getötet worden. Die meisten Opfer waren Frauen und Kinder. Zusätzlich zu den Todesopfern waren mehr als 2.000 Zivilist:innen entführt worden. Etwa 1.070 Gefangene wurden zuletzt in syrischen Haftanstalten festgehalten, hauptsächlich in Aleppo, über 900 von ihnen sind weiterhin Kriegsgefangene. In über 500 Fällen ist der Verbleib der Verschleppten bis heute unbekannt. Unter den Vermissten befinden sich auch die Kölner Journalistin Eva Maria Michelmann und ihr kurdischer Kollege Ahmed Polad.

https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/familie-fordert-aufklarung-uber-verschwinden-der-journalistin-eva-maria-michelmann-50658 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/nrls-bericht-1-200-zivilist-innen-bei-angriffen-auf-kurd-innen-getotet-50434 https://deutsch.anf-news.com/frauen/8-marz-in-rojava-frauen-fordern-freilassung-von-gefangenen-50627

 

Kategorien: Externe Ticker

Familie fordert Aufklärung über Verschwinden der Journalistin Eva Maria Michelmann

11. März 2026 - 0:00

Die Familie der in Nordsyrien verschwundenen Journalistin Eva Maria Michelmann hat bei einer Pressekonferenz in Köln eindringlich zur Aufklärung des Verbleibs der 37-Jährigen aufgerufen. Angehörige, der Familienanwalt sowie Medienorganisationen forderten die Bundesregierung und internationale Institutionen auf, sich stärker für die Suche nach der deutschen Staatsbürgerin und ihrem kurdischen Kollegen Ahmed Polad einzusetzen.

Die Pressekonferenz fand am Dienstag im Kulturzentrum Alte Feuerwache statt und wurde von Avîn Hummitzsch, Sprecherin der Rojava-Solidaritätsstruktur People’s Bridge, moderiert. Zahlreiche Medien nahmen daran teil, darunter WDR, n-tv, Deutschlandfunk, Deutsche Welle und RTL sowie kurdische und internationale Medien.

Anwalt: Hinweise auf Gefangenschaft

Der Familienanwalt Roland Meister, der von Michelmanns Angehörigen beauftragt wurde, um die Auffindung und Freilassung Michelmanns zu erreichen, erklärte, dass nach bisherigen Erkenntnissen vieles dafürspreche, dass sich die Journalistin in Gefangenschaft befinde. Ihr Aufenthaltsort sei jedoch weiterhin unbekannt.

Das Verschwinden der beiden Journalist:innen ereignete sich während der Anfang Januar gestarteten Offensive der syrischen Übergangsregierung unter Ahmed al-Scharaa und verbündeter Dschihadistenmilizen gegen die Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien (DAANES) und die Demokratischen Kräfte Syriens (QSD). In diesem Zusammenhang wurde auch die Stadt Raqqa belagert.

  Nach Informationen des QSD-Oberkommandierenden Mazlum Abdi befinden sich seit Januar mindestens 1.070 Zivilist:innen und Kämpfer:innen aus Rojava als Kriegsgefangene in syrischen Gefängnissen. Das Bündnis bemüht sich um ihre Freilassung | Video: Pressekonferenz in Köln


Nach Angaben der Istanbuler Nachrichtenagentur ETHA wurden Michelmann und Polat zuletzt während ihrer Berichterstattung in der Stadt gesehen. Zeug:innen zufolge sollen sie nach der Evakuierung eines Gebäudes, in dem sich rund 40 Zivilist:innen aufgehalten hatten, von bewaffneten Kräften in ein Fahrzeug gesetzt worden sein. Seitdem fehlt jede Spur von ihnen.

Diplomatische Bemühungen laufen

Anwalt Meister erklärte weiter, dass das Auswärtige Amt Anfang März über den Fall informiert worden sei. Verschiedene Journalist:innenorganisationen und zivilgesellschaftliche Initiativen hätten daraufhin ihre Unterstützung zugesagt, darunter die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju), Reporter ohne Grenzen, Committee to Protect Journalists, die Internationale Föderation der Journalisten sowie die Gewerkschaft ver.di. Auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz sei eingeschaltet worden und habe Kontakte in die Region aufgenommen. Nach Angaben der Familie wurde zudem die Bundestagsabgeordnete Cansu Özdemir (Die Linke) informiert, die sich ihrerseits an das Auswärtige Amt gewandt habe.

Eva Maria Michelmann hat in Köln Soziale Arbeit studiert und lebte seit einigen Jahren in Rojava. Dort arbeitete sie für verschiedene Medien, unter anderem für die linke türkische Agentur ETHA und Özgür TV. Auch Ahmed Polat arbeitete für den Sender. Zudem war er Autor bei Kurdistana Azad | Foto: Auf einem Transparent bei der Demonstration zum feministischen Frauenkampftag in Köln steht „Kein 8. März ohne Eva“ © ETHA


Weiterer Kontakt mit dem Auswärtigen Amt

Am Tag der Pressekonferenz habe es ein weiteres Gespräch mit dem Auswärtigen Amt gegeben. Demnach habe die deutsche Regierung inzwischen zahlreiche Stellen im Nahen Osten über das Verschwinden der Journalistin informiert und Informationen zu ihrer Person weitergeleitet. Eine Rückmeldung der syrischen Übergangsregierung liege bislang jedoch nicht vor.

Mehrere mögliche Szenarien

Meister erklärte, derzeit seien mehrere Szenarien denkbar. Möglich sei, dass Michelmann sich in Gefangenschaft befinde oder von bewaffneten Gruppen verschleppt worden sei, ohne offiziell registriert zu sein. Ebenso könne nicht ausgeschlossen werden, dass sie getötet worden sei. Eine weitere Möglichkeit bestehe darin, dass sie an türkische Stellen übergeben wurde, da ihr Kollege Ahmed Polad türkischer Staatsbürger ist und die Türkei an der Offensive gegen die Selbstverwaltung beteiligt war. „Seit über 50 Tagen ist Eva Maria spurlos verschwunden. Das ist äußerst beunruhigend“, sagte Meister.

Nach Angaben des Verbands freier Medien (YRA) in Rojava hatten die QSD am 18. Januar versucht, Zivilist:innen aus dem Kriegsgebiet in Raqqa zu evakuieren, was aber wegen des schnellen Vormarsches der Truppen der syrischen Übergangsregierung nicht gelang. Viele Zivilist:innen wurden von ihnen festgenommen oder verschleppt, darunter auch Michelmann und Polad. Beide hatten am Tag zuvor ihr Büro verlassen und zusammen mit anderen Zivilpersonen Zuflucht in einem Gebäude gesucht, das anschließend von den Truppen der syrischen Übergangsregierung belagert wurde. Viele der Menschen in dem Gebäude wurden später nach Verhandlungen der QSD mit Damaskus an einen anderen Ort gebracht. Obwohl Michelmann und Polad ebenfalls in diese Überführung einbezogen werden sollten, wurden sie von den übrigen Zivilist:innen getrennt und in ein Fahrzeug der syrischen Armee gesetzt. Seither gelten sie als vermisst. Dass ihr Verschwinden erst nach mehr als einem Monat bekannt wurde, erklärte der YRA mit unterbrochenen Kontakten und der unübersichtlichen Situation in Nordostsyrien im Zuge der Offensive der Übergangsregierung | Foto: Demo in Rojava am 8. März für die Freilassung der Kriegsgefangenen © RIC


Familie zwischen Sorge und Hoffnung

Michelmanns Mutter Rotraut Hake-Michelmann berichtete von der Situation der Familie. Das letzte Lebenszeichen ihrer Tochter habe es Mitte Januar gegeben. Seitdem sei kein Kontakt mehr möglich gewesen. Trotz der großen Sorge halte sie an der Hoffnung fest, ihre Tochter wiederzusehen. Viele Journalist:innen berichteten derzeit aus gefährlichen Konfliktregionen und riskierten dabei ihr Leben, sagte sie.

Auch Michelmanns Bruder Dr. Antonius Michelmann äußerte sich besorgt. Seine Schwester sei stets eine offene und engagierte Person gewesen und habe in Rojava einen Ort gesehen, an dem Solidarität und Zusammenleben verschiedener Bevölkerungsgruppen praktisch gelebt würden. Er rief die Bundesregierung dazu auf, sich stärker für die Aufklärung des Falls einzusetzen.

Zugleich verwies Michelmann auf die engen Beziehungen zwischen Deutschland und der syrischen Übergangsregierung. Im Januar hatte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen finanzielle Unterstützung für Syrien zugesichert. Diese politischen Kontakte müssten nun genutzt werden, um das Schicksal der verschwundenen Journalistin zu klären, forderte er.

https://deutsch.anf-news.com/pressefreiheit/seit-einem-monat-vermisst-sorge-um-zwei-journalist-innen-in-rojava-50522 https://deutsch.anf-news.com/frauen/8-marz-in-rojava-frauen-fordern-freilassung-von-gefangenen-50627 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/mazlum-abdi-empfangt-angehorige-von-gefangenen-und-vermissten-50616
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Drohnenangriffe auf kurdische Parteien bei Xelîfan

10. März 2026 - 21:00

In der Kurdistan-Region des Irak (KRI) sind auch am Dienstag wieder Stellungen kurdischer Parteien aus Rojhilat (Ostkurdistan) Ziel von Drohnenangriffen geworden. Die Angriffe ereigneten sich in der Xelîfan-Region nahe Hewlêr (Erbil) und richteten sich unter anderem gegen Lager ostkurdischer Gruppen in Dola Alan. Berichten zufolge gab es dabei keine Todesopfer.

Allerdings wurden zwei Beamte der KRI-Asayîş verletzt, als ein Camp einer Gruppe namens „Zagros-Freiheitskräfte“ (Zagros Freedom Forces) in Xelîfan unweit eines Sicherheitspostens von einer Drohne getroffen wurde. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen befinden sich beide außer Lebensgefahr.

Declaration of Existence of “Zagros Freedom Forces” Following Recent Developments in Iran and the Region

A group calling itself the “Zagros Freedom Forces”
( نیروهای آزادی زاگرس - هازەیل ئازادیی زاگرۆس)
has officially announced its existence through a statement published in… pic.twitter.com/cT01Q8IrYr

— Rojhelat Info (@RojhelatInfo_En) March 1, 2026

Bereits vergangene Nacht verzeichnete Südkurdistan eine Vielzahl von Drohnenangriffen, die dem Regime Irans sowie Teheran-treuen Milizen zugerechnet werden. Nach Angaben der Verwaltung der Soran-Region wurden mehrere Ziele in dem Gebiet mindestens ein Dutzend Mal bombardiert. Die meisten Geschosse gingen auf den Bergen Korek und Benî Herîr (Harir) nieder, auch der nahegelegene Luftwaffenstützpunkt wurde ins Visier genommen.

Seit Beginn des US-israelischen Angriffskrieges gegen Iran und den Gegenangriffen der Islamischen Republik Ende Februar waren Stellungen kurdischer Parteien aus Rojhilat sowie Peschmerga-Positionen in der KRI wiederholt Ziel von Drohnen- und Raketenangriffen geworden. Laut einem Bericht der Friedensinitiative Community Peacemaker Teams Iraqi Kurdistan (CPT-IK) vom Montag wurden dabei mindestens vier Menschen getötet und rund 20 weitere verletzt.

https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/bericht-rund-200-angriffe-auf-kurdistan-region-des-irak-50641 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/pro-iranische-milizen-drohen-sudkurdistan-mit-angriffen-50631 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/rojhilat-bundnis-verurteilt-iranische-angriffe-in-sudkurdistan-50630

 

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Strategische Fernstraße M4 wieder geöffnet

10. März 2026 - 19:00

Die internationale Fernstraße M4, die die Region Cizîrê mit Aleppo verbindet, ist wieder für den Verkehr geöffnet worden. Die Wiederöffnung erfolgte im Rahmen der Umsetzung des Abkommens vom 29. Januar zwischen den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) und der syrischen Übergangsregierung.

An der Öffnung der wichtigen Autobahn am Dienstag nahmen Vertreter:innen der Inneren Sicherheitskräfte (Asayîş) aus den Regionen Cizîrê und Aleppo teil. Unter den anwesenden Sicherheitsverantwortlichen befand sich auch der Asayîş-Kommandant Mehmûd Xelîl, der auch als Siyamend Efrîn bekannt ist.

 


Parallel zur Wiedereröffnung der M4 wurden im Dorf Tawila westlich von Til Temir (Tell Tamer) neue Checkpoints eingerichtet. Zugleich wurden entlang der Strecke neue Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt und mehrere Kontrollpunkte neu positioniert.

Die Maßnahmen wurden nach einer Phase umgesetzt, in der die Straße aufgrund der Offensive Damaszener Truppen und Milizen gegen die nordostsyrische Selbstverwaltung zeitweise geschlossen gewesen war.

Eine der wichtigsten Verkehrsachsen Nordsyriens

Die M4 gilt als eine der wichtigsten Verkehrs- und Versorgungsrouten im Norden Syriens. Sie verbindet mehrere große Städte, darunter Hesekê, Raqqa, Kobanê, Minbic und Aleppo. Die Straße spielt eine zentrale Rolle für den zivilen Verkehr sowie für den Transport von Waren und Versorgungsgütern zwischen den Regionen Nord- und Ostsyriens und anderen Teilen des Landes.

https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/ilham-ehmed-begrusst-ruckkehr-erster-kurdischer-familien-nach-efrin-50647 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/gefangenenaustausch-zwischen-qsd-und-Ubergangsregierung-vorbereitet-50639 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/sipan-hemo-wird-stellvertretender-verteidigungsminister-syriens-50653

 

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Zweite Rückkehrwelle nach Efrîn geplant

10. März 2026 - 19:00

Nach der ersten Rückkehr von Vertriebenen nach Efrîn laufen die Vorbereitungen für eine zweite Rückkehrwelle. Nach Angaben der lokalen Räte sollen in den kommenden Tagen rund 200 Familien in den Bezirk Raco sowie in umliegende Dörfer zurückkehren. Die Rückkehr erfolgt im Rahmen des Abkommens vom 29. Januar zwischen der Demokratischen Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien (DAANES) und der syrischen Übergangsregierung, das eine schrittweise und sichere Heimkehr der Vertriebenen vorsieht. Bereits am Montag war ein erster Konvoi mit rund 400 Familien aus Hesekê und dem Umland in Richtung Efrîn aufgebrochen. Die Familien erreichten die Region am Dienstagmorgen und wurden dort von Bewohner:innen feierlich empfangen.

 


Vorbereitung der zweiten Rückkehr

Die Sprecherin des Frauenrats der Vertriebenen aus Efrîn und Şehba, Sewsen Ehmed, erklärte gegenüber ANF, die Vorbereitungen für die nächste Rückkehrphase liefen bereits. Der Fokus liege derzeit besonders auf Vertriebenen in der Region Qamişlo, wo die größte Zahl von Familien aus Efrîn lebt. Viele von ihnen sind seit Jahren in Schulen und provisorischen Unterkünften untergebracht. Für die zweite Rückkehrwelle würden derzeit die Familien registriert und ihre Bedürfnisse erfasst, um die Heimkehr zu organisieren.

Rückkehr als Hoffnung nach Jahren der Vertreibung

Ehmed betonte, dass viele Menschen aus Efrîn in den vergangenen Jahren mehrfach vertrieben wurden. Die Rückkehr in ihre Heimat habe deshalb eine große symbolische und emotionale Bedeutung. Sie selbst sei ebenfalls eine Vertriebene aus Efrîn, sagte Ehmed. Den Schlüssel zu ihrem Haus und ihrem Auto habe sie all die Jahre bei sich getragen – als Zeichen der Hoffnung auf eine Rückkehr. Auch für viele Kinder sei die Rückkehr ein besonderer Moment. Ein Kind, das mit seiner Familie nach Efrîn zurückkehrt, habe gesagt: „Ich habe Efrîn noch nie gesehen, aber meine Familie hat mir immer von seiner Schönheit erzählt. Jetzt werde ich es selbst sehen.“

https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/ilham-ehmed-begrusst-ruckkehr-erster-kurdischer-familien-nach-efrin-50647 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/erste-ruckkehr-nach-acht-jahren-konvoi-mit-vertriebenen-erreicht-efrin-50645 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/400-familien-aus-efrin-kehren-aus-heseke-in-ihre-heimat-zuruck-50640

 

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QSD geben Tod von drei Kämpfern bekannt

10. März 2026 - 19:00

Die Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) haben den Tod von drei Kämpfern bekannt gegeben. Nach Angaben des Pressezentrums der QSD sind Ehmed Têkoşîn, Şivan Oskotko und Tolhildan Efrîn im Januar während der Offensive der syrischen Übergangsregierung gegen die nordostsyrische Selbstverwaltung bei Gefechten mit Damaszener Truppen und Milizen gefallen.

In einer Erklärung würdigten die QSD die Gefallenen als Kämpfer, die ihr Leben im Einsatz für den Schutz der Bevölkerung und die Errungenschaften der Revolution verloren haben. „Ihr Einsatz steht für Verbundenheit, Entschlossenheit und den Willen, unser Volk zu verteidigen.“

Codename: Ehmed Têkoşîn

Vor- und Nachname: Murad Çetin

Name der Mutter: Taybet

Name des Vaters: Abdulrezak

Geburtsort: Adana / Türkei

Todesort und -tag: Sirrîn, 24. Januar 2026

Codename: Şivan Oskotko

Vor- und Nachname: Şivan Oskotko

Name der Mutter: Emîne

Name des Vaters: Mistefa

Geburtsort: Aleppo

Todesort und -tag: Hesekê, 20. Januar 2026

Codename: Tolhildan Efrîn

Vor- und Nachname: Mecid Korîş

Name der Mutter: Fewziya

Name des Vaters: Mihyedîn

Geburtsort: Efrîn

Todesort und -tag: Kobanê, 19. Januar 2026


Die Kämpfer „standen in den vordersten Reihen und übernahm trotz schwieriger Bedingungen Verantwortung für ihre Heimat“, erklärte das Bündnis. Ihr Tod sei Ausdruck der Opfer, die im Kampf für Sicherheit, Würde und Freiheit gebracht würden. Den Angehörigen der Gefallenen und der Bevölkerung von Rojava sprachen die QSD ihr Beileid aus.

https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/qsd-veroffentlichen-namen-von-sechs-gefallenen-50547 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/qsd-diyar-qamislo-und-Servan-qamislo-im-widerstand-von-Celebiye-gefallen-50537 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/qsd-gedenken-acht-gefallener-kampfer-innen-50496

 

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Sîpan Hemo wird stellvertretender Verteidigungsminister Syriens

10. März 2026 - 17:00

Der Kommandant der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) Sîpan Hemo ist zum stellvertretenden Verteidigungsminister Syriens für die östliche Region ernannt worden. Die Ernennung steht im Zusammenhang mit dem Abkommen vom 29. Januar zwischen der nordostsyrischen Selbstverwaltung und der Übergangsregierung in Damaskus, das eine schrittweise Integration militärischer und administrativer Strukturen vorsieht.

Eine Quelle im syrischen Verteidigungsministerium bestätigte gegenüber dem Sender Syria TV, dass Hemo künftig als stellvertretender Verteidigungsminister für die östlichen Gebiete zuständig sein wird. Auch Sîpan Hemo bestätigte die Information gegenüber Nûmedya24 und erklärte, dass er seine neue Aufgabe in Kürze antreten werde.

Integration militärischer Strukturen geplant

Das am 29. Januar unterzeichnete Abkommen sieht eine Integration der QSD in die staatlichen Sicherheitsstrukturen Syriens vor. So ist in Artikel 3 der Vereinbarung vorgesehen, dass das syrische Verteidigungsministerium eine militärische Division für die Provinz Hesekê aufstellt, in die Einheiten der QSD in Form von drei Brigaden integriert werden sollen. In Artikel 6 des Abkommens ist zudem festgelegt, dass der stellvertretende Verteidigungsminister auf Vorschlag der QSD ernannt wird.

Weitere Schritte im Rahmen der Vereinbarung

Bereits zuvor war ein weiterer Schritt im Rahmen des Abkommens umgesetzt worden. Mitte Februar wurde der Kurde Nûredîn Îsa Ehmed per Dekret des sogenannten Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa zum Gouverneur der Provinz Hesekê ernannt. Die Ernennung Hemos zum stellvertretenden Verteidigungsminister gilt als weiterer Schritt bei der Umsetzung der Vereinbarung zwischen der Selbstverwaltung in Nordostsyrien und der Führung in Damaskus.

https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/das-abkommen-ist-der-beginn-des-politischen-kampfes-um-die-anerkennung-der-kurdischen-identitat-50176 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/abdi-wir-wollen-internationale-garantien-fur-die-umsetzung-der-vereinbarungen-50319 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/ilham-ehmed-begrusst-ruckkehr-erster-kurdischer-familien-nach-efrin-50647

 

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Handy von Rojin Kabaiş kann nicht entschlüsselt werden

10. März 2026 - 17:00

Im Fall der Studentin Rojin Kabaiş, die vor rund eineinhalb Jahren unter verdächtigen Umständen in Wan (tr. Van) tot aufgefunden wurde, ist ein zentraler Beweis bislang nicht ausgewertet worden. Das Mobiltelefon der jungen Frau, das zur technischen Untersuchung nach Spanien geschickt worden war, konnte nach Angaben der Ermittler nicht entschlüsselt werden.

Rojin Kabaiş hatte am 27. September 2024 ihr Wohnheim in Wan zum Einkaufen verlassen. Knapp drei Wochen später wurde ihre Leiche in der Nähe des Wan-Sees gefunden. Im Zuge der Ermittlungen wurde das Mobiltelefon der Studentin zur digitalen Analyse ins Ausland geschickt, um mögliche Hinweise auf die Umstände ihres Todes zu erhalten. Laut dem nun vorliegenden Bericht sei es jedoch nicht gelungen, die Zugangssperre des Geräts zu überwinden, sodass die darauf gespeicherten Daten bislang nicht ausgewertet werden konnten.

Rojin Kabaiş © Nizamettin Kabaiş

Anwaltskammer will Verfahren weiter verfolgen

Der Präsident der Anwaltskammer von Wan, Sinan Özaraz, erklärte am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur MA, man werde die Ermittlungen weiterhin aufmerksam verfolgen. „Wir werden den Prozess weiterhin sorgfältig begleiten, damit der Fall aufgeklärt und die materielle Wahrheit ans Licht gebracht wird“, sagte Özaraz. Für die Aufklärung sei es von großer Bedeutung, dass digitale Daten vollständig und nachvollziehbar untersucht würden. Die Anwaltskammer werde weiterhin alles in ihrer Macht Stehende tun, um zur Aufklärung des Falls beizutragen. „Wir bleiben an dem Fall dran“, erklärte Özaraz.

Der Fall Rojin Kabaiş

Rojin Kabaiş war Studentin an der Universität Yüzüncü Yıl in Wan. Im Oktober 2024 wurde die 21-Jährige 18 Tage nach ihrem Verschwinden aus einem Wohnheim für Studentinnen am Ufer des Wan-Sees tot aufgefunden. Die Ermittlungsbehörden stellten frühzeitig die These eines Suizids in den Raum – eine Deutung, die von ihrer Familie und deren Rechtsbeistand von Beginn an entschieden in Zweifel gezogen wurde. Auf das erste forensische Gutachten, das Hinweise auf mögliche sexualisierte Gewalt enthält, erhielt der Rechtsbeistand der Familie erst fast ein Jahr nach dem Tod der Frau Zugriff.

Die Umstände des Todes von Rojin Kabaiş, die Reaktion der Behörden und die bisherigen Ermittlungsfortschritte werfen aus Sicht der Anwaltskammer Wan und Angehörigen viele Fragen auf. Die Verteidigung der Familie geht von einem möglichen Feminizid aus und fordert vollständige Transparenz, insbesondere hinsichtlich der Ermittlungen, der medizinischen Gutachten und der staatsanwaltschaftlichen Bewertungen.

Rojin Kabaiş‘ Familie fordert zudem Aufklärung darüber, warum der Rektor der Universität in Wan, Hamdullah Şevli, der in der Vergangenheit für die regierende AKP im türkischen Parlament saß, sich ohne jegliche medizinische Qualifikation an der Autopsie von Rojin Kabaiş beteiligte. Auch verlangen die Angehörigen, dass die Geheimhaltungsverfügung über die Ermittlungsakte aufgehoben wird.

https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/tod-von-rojin-kabais-familie-kritisiert-ermittlungen-und-berichtet-von-drohungen-48837 https://deutsch.anf-news.com/frauen/dna-funde-kontamination-im-fall-rojin-kabais-ausgeschlossen-48827 https://deutsch.anf-news.com/menschenrechte/ihd-fordert-luckenlose-aufklarung-des-todes-von-rojin-kabais-48463

 

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Türkei stationiert Patriot-System in Meletî

10. März 2026 - 16:00

Nach dem Abschuss zweier Raketen mutmaßlich aus Iran verstärkt die Türkei ihre Luftabwehr. Im Rahmen entsprechender Maßnahmen der NATO werde ein Patriot-Raketenabwehrsystem in der kurdischen Provinz Meletî (tr. Malatya) für den Einsatz vorbereitet, teilte das Verteidigungsministerium am Dienstag mit. Damit werde die Verteidigung des Luftraums verstärkt. In Meletî befindet sich das Hauptquartier der 2. Armee der türkischen Landstreitkräfte.

Am Montag hat die Türkei das zweite Mal innerhalb einer Woche eine Rakete abgefangen, die laut Ankara von Iran auf türkisches Staatsgebiet abgefeuert wurde. Einige Trümmer fielen offiziellen Angaben zufolge auf eine freie Fl#che in der Provinz Dîlok (Gaziantep) nahe der Grenze zu Syrien.

Bereits in der vergangenen Woche hatte ein NATO-Abwehrsystem in der Türkei eine ballistische Rakete abgefangen, deren Trümmer in der südlichen Provinz Hatay auf ein unbewohntes Gelände fielen. In beiden Fällen kam niemand zu Schaden. Bislang ist unklar, welches Ziel die Raketen hatten. In der Türkei befinden sich mehrere militärische Einrichtungen der NATO und der USA, darunter der Luftwaffenstützpunkt Incirlik in Adana.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan sprach nach dem jüngsten Vorfall telefonisch mit seinem iranischen Amtskollegen Massud Peseschkian. Nach Angaben aus Ankara bestritt dieser, dass die abgefangenen Raketen aus Iran stammten. In einer Mitteilung des Regimes in Teheran hieß es, der Vorfall solle untersucht werden.

https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/bakirhan-warnt-vor-regionalem-krieg-und-verweist-auf-Ocalan-aufruf-zur-zuruckhaltung-50649 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/turkei-fangt-ballistische-rakete-aus-iran-ab-50564 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/bericht-rund-200-angriffe-auf-kurdistan-region-des-irak-50641

 

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Kurdischer Dichter Ehmed Huseynî gestorben

10. März 2026 - 15:00

Der kurdische Dichter Ehmed Huseynî ist am Dienstag an den Folgen einer Krebserkrankung im Exil in Schweden gestorben. Das teilten Familienangehörige gegenüber kurdischen Medien mit. Mit seinem literarischen Werk gehörte er zu den wichtigen Stimmen der modernen kurdischen Poesie und prägte über Jahrzehnte hinweg die kurdische Literatur.

Huseynî wurde1955 in Amûdê in Rojava geboren. Nach dem Schulbesuch studierte er Philosophie an der Universität Damaskus. Wie viele kurdische Intellektuelle seiner Generation war er jedoch mit politischen Einschränkungen konfrontiert und konnte lange Zeit nicht frei in seinem Beruf arbeiten.

Ende der 1980er Jahre verließ Huseynî Syrien und ging ins Exil nach Schweden, wo er seit 1989 lebte. Dort setzte er seine literarische Arbeit fort und veröffentlichte mehrere Gedichtbände in kurdischer Sprache. Seine Lyrik, die sich häufig mit Themen wie Exil, Erinnerung, Identität und dem Leben in Kurdistan beschäftigte, machte ihn zu einer wichtigen Stimme der kurdischen Literatur im Exil. Ein Teil seiner Arbeiten wurde später im Sammelband „Dîwan“ vom Avesta-Verlag veröffentlicht.

Über Jahrzehnte hinweg engagierte sich Huseynî für die kurdische Sprache und Literatur und beeinflusste mit seinem Werk zahlreiche jüngere Autor:innen, unter anderem in der Union der kurdischen Intellektuellen, deren Ko-Vorsitzender er war. Neben seiner literarischen Arbeit war Huseynî auch journalistisch und medial tätig. Er gestaltete Programme für verschiedene Fernsehsender, darunter ROJ TV, und veröffentlichte Beiträge und Kolumnen in Zeitungen wie Xwebûn.

Literarisches Werk

Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen zählen unter anderem:

• Mistek ji şîna bêcir, Stockholm, 1990, Weşanên Komeleya Jinên Kurdistanê

• Bi xewna we pênûsê dilorînim, Stockholm, 1993, Weşanên Jina Nû

• Rono û sirûdên bêrîkirinê, Stockholm, 1994, Weşanên Jina Nû

• Sîriskên hesinî (Selîm Berekat) Wergerandin, Stocholm, 1997, Weşanên Apecê

• Dîwan (Berhemên Giştî), Stenbol, 2002, Weşanên Avestayê

• Bajarê Dirinde, 2003, Weşanên Belkî

• Çend Dîmenên Xemgîn ên Kurmanciya Nivîskî 2004, Weşanên Aram

Mit seinen Gedichten hinterließ Ehmed Huseynî bleibende Spuren in der kurdischen Literatur. Wann und wo er beigesetzt werden soll, ist derzeit noch nicht bekannt.

Foto Ehmed Huseynî © Shnoyi Mendan/Aryen TV

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Bakırhan warnt vor regionalem Krieg und verweist auf Öcalan-Aufruf zur Zurückhaltung

10. März 2026 - 15:00

Der Ko-Vorsitzende der Partei der Völker für Gleichheit und Demokratie (DEM), Tuncer Bakırhan, hat vor einer weiteren Eskalation der Konflikte im Nahen Osten gewarnt und auf einen Aufruf des kurdischen Repräsentanten Abdullah Öcalan verwiesen. Dieser habe dazu geraten, sich nicht an regionalen Kriegen zu beteiligen, sondern angesichts von Ungerechtigkeit und Rechtsbrüchen auf die Einheit der Kurd:innen und einen gemeinsamen politischen Kampf zu setzen.

Kritik an autoritären Regimen und militärischer Logik

Bakırhan äußerte sich am Dienstag auf der wöchentlichen Fraktionssitzung seiner Partei im türkischen Parlament zur Lage in der Region und zur politischen Situation in der Türkei. Der DEM-Vorsitzende erklärte, der Nahe Osten befinde sich derzeit „im Chaos“. Die Stärke eines Staates bemesse sich nicht an militärischer Macht, sondern an der Zustimmung der Bevölkerung. Am Beispiel Irans kritisierte Bakırhan, dass das Regime enorme Ressourcen in militärische Strukturen investiere, während Frauenrechte eingeschränkt, oppositionelle Stimmen unterdrückt und ethnische sowie religiöse Gruppen nicht anerkannt würden.

Ende äußerer Interventionen gefordert

Bakırhan warnte zugleich vor einer weiteren Eskalation der Konflikte in der Region. Wenn Kriege sich ausweiten, würden nicht Grenzen wachsen, sondern das Leid der Menschen. „Während globale und regionale Mächte miteinander ringen, sind es vor allem die Bevölkerung, Werktätige sowie gesellschaftlich marginalisierte Gruppen, die den Preis zahlen. Externe Interventionen müssen daher beendet werden“, sagte Bakırhan. Gleichzeitig dürfe dies jedoch nicht bedeuten, autoritäre Systeme zu legitimieren. Man stelle sich nicht nur gegen äußere Eingriffe, sondern auch gegen Regime, die Völker und Glaubensgemeinschaften unterdrückten, Menschen hinrichten ließen und grundlegende Rechte verweigerten. Diese Haltung habe seine Partei auch im Hinblick auf die Situation in Iran deutlich gemacht.

Kritik an Kommentaren über die Rolle der Kurd:en

Bakırhan kritisierte zudem Stimmen, die versuchten, der kurdischen Bewegung Ratschläge zu erteilen oder ihre Rolle in regionalen Konflikten zu interpretieren. Obwohl seine Partei ihre Haltung mehrfach deutlich gemacht habe, gebe es weiterhin Kommentator:innen, die den Kurd:innen erklärten, wie sie sich verhalten sollten. Diese betrachteten die Kurd:innen nicht als politisches Subjekt, das eigene Strategien entwickeln und über seine Zukunft entscheiden könne. „Sobald irgendwo auf der Welt ein Schuss fällt, richten sich ihre Blicke sofort auf die Kurd:innen“, sagte Bakırhan. Solche Analyst:innen würden schnell mit Erklärungen auftreten, die eher wie vorbereitete Stellungnahmen wirkten. Wären ihre Aussagen wenigstens teilweise realitätsnah, könne man ihnen zugutehalten, dass sie einen Beitrag zur Debatte leisten.

„Die Kurd:innen wissen sehr genau, wann sie politische Kooperation suchen und wann sie sich verteidigen müssen. Die kurdische Bewegung ist in der Lage, ihre politischen Entscheidungen eigenständig zu treffen. Dass die Kurd:innen in regionalen Konflikten dennoch immer wieder in den Mittelpunkt rücken, ist Ausdruck ungelöster politischer Fragen, an erster Stelle der kurdischen Frage“, betonte Bakırhan. Solange Kurd:innen in den Nationalstaaten ihrer Siedlungsgebiete keine gleichen Rechte und keine Anerkennung ihrer Identität erhielten, würden sie weiterhin Teil der politischen Debatten bleiben.

„Historische Chance“ zur Lösung der kurdischen Frage

Bakırhan erklärte mit Blick auf den Prozess für Frieden und eine demokratische Gesellschaft in der Türkei, es gebe eine historische Möglichkeit, einen über hundert Jahre währenden Konflikt – die kurdische Frage – zu überwinden. Voraussetzung dafür sei, dass die Rechte der Kurd:innen anerkannt würden, einschließlich ihrer Sprache, Identität und kulturellen Existenz. Er verwies darauf, dass führende kurdische Politiker:innen in verschiedenen Teilen Kurdistans eine ähnliche Position vertreten würden. Weder sollten Kurd:innen als Instrument fremder Mächte dienen, noch dürften ihre Regionen zu Schauplätzen regionaler Kriege werden.

Öcalans Botschaft: Keine Beteiligung an regionalem Krieg

Im Zusammenhang mit der aktuellen Situation in Iran erinnerte Bakırhan an Gespräche mit Abdullah Öcalan. Dieser habe schon vor längerer Zeit davor gewarnt, dass militärische Entwicklungen in Iran eskalieren könnten. Öcalan habe betont, dass die Anerkennung ethnischer und religiöser Gruppen sowie der Rechte von Frauen entscheidend für eine demokratische Lösung seien. Gleichzeitig habe er der kurdischen Bewegung geraten, kein Teil eines regionalen Krieges zu werden, sondern sich für gemeinsame demokratische Kämpfe einzusetzen.

Appell an regionale Staaten

Bakırhan erklärte zudem, dass kurdische politische Akteure, darunter auch Vertreter:innen der autonomen Kurdistan-Region des Irak (KRI), deutlich gemacht hätten, dass kurdische Gebiete nicht als militärische Frontlinien genutzt werden dürften. Er verurteilte Angriffe iranischer Truppen und ihrer Stellvertretergruppen auf die KRI und auf kurdische Städte in Iran und forderte ein Ende solcher Operationen. „Kurdistan kann stattdessen eine Brücke für Frieden und Diplomatie im Nahen Osten sein“, erklärte Bakırhan. Langfristig plädierte der DEM-Vorsitzende für eine demokratische Zusammenarbeit der Staaten im Nahen Osten. Eine solche Kooperation könne Stabilität schaffen und die Grundlage für Frieden und wirtschaftliche Zusammenarbeit bilden. Ein demokratischer Wandel in der Region müsse auf der Anerkennung der Rechte aller Völker und religiösen Gemeinschaften beruhen, sagte Bakırhan.

Kritik an Politik und Justiz in der Türkei

Neben regionalpolitischen Fragen kritisierte Bakırhan auch die politische Situation in der Türkei. Er forderte ein Ende der staatlichen Zwangsverwaltungen in kurdischen Kommunen und die Rückkehr gewählter Bürgermeister:innen in ihre Ämter. Darüber hinaus rief Bakırhan dazu auf, Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) umzusetzen. In diesem Zusammenhang forderte er die Freilassung politischer Gefangener, darunter der ehemaligen HDP-Vorsitzenden Selahattin Demirtaş und Figen Yüksekdağ.

Warnung vor wirtschaftlichen Folgen des Krieges

Abschließend warnte Bakırhan vor den wirtschaftlichen Folgen eines regionalen Krieges. Steigende Energiepreise infolge des Konflikts könnten die ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage in der Türkei weiter verschärfen. Die Bevölkerung spüre bereits jetzt die Auswirkungen steigender Preise und wachsender Lebenshaltungskosten. Viele Arbeitnehmer:innen und Rentner:innen hätten Schwierigkeiten, ihre grundlegenden Ausgaben zu decken. „Soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Stabilität sind eng mit Frieden und Demokratie verbunden“, so Bakırhan.

https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/bericht-rund-200-angriffe-auf-kurdistan-region-des-irak-50641 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/treffen-der-allianz-kurdischer-parteien-aus-iran-50642 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/pro-iranische-milizen-drohen-sudkurdistan-mit-angriffen-50631 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/drohnenangriffe-auf-hewler-ein-toter-und-drei-verletzte-50621

 

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Impressionen vom 8. März in den Bergen Kurdistans

10. März 2026 - 15:00

Mit Zeremonien, kulturellen Beiträgen und einem abendlichen Fackelzug haben Kämpferinnen der Frauenguerilla YJA Star in den Medya-Verteidigungsgebieten den Internationalen Frauentag am 8. März begangen. Die Feierlichkeiten standen unter der Losung „Jin Jiyan Azadî“ (Frau, Leben, Freiheit) und waren zugleich ein Bekenntnis zur Fortführung des Frauenbefreiungskampfes.

Besuch am Gefallenenfriedhof

Die Feierlichkeiten begannen am frühen Morgen mit einem Besuch am Gefallenenfriedhof. Die Guerillakämpferinnen legten Narzissen auf die Gräber ihrer gefallenen Weggefährtinnen und erinnerten an diejenigen, die im Kampf für Freiheit ihr Leben verloren haben. Nach einer Schweigeminute wurden an den Grabsteinen weitere Blumen gepflanzt.

 


Im Anschluss ergriff die YJA-Star-Kommandantin Şafak Yekbûn Evîn das Wort. Sie gratulierte zum Internationalen Frauenkampftag und würdigte insbesondere die Rolle von Frauen im Befreiungskampf. „Wir gratulieren zum 8. März – allen widerständigen Frauen, den kämpfenden Frauen in der Guerilla und unseren gefallenen Genossinnen“, sagte sie. Zugleich erinnerte sie an Abdullah Öcalan, den sie als Wegbereiter der Frauenbefreiung und der gesellschaftlichen Freiheit bezeichnete.

Kulturelles Programm und Botschaft Öcalans

Am 9. März wurden die Feierlichkeiten mit einem weiteren Programm fortgesetzt. Im Mittelpunkt stand dabei eine Botschaft von Abdullah Öcalan an die Frauen. Darüber hinaus organisierten die Guerillakämpferinnen ein kulturelles Programm. Musik, Beiträge und Vorbereitungen wurden vollständig von Frauen getragen; ihre Arbeit und ihre Farben prägten das gesamte Fest.

Die YJA-Star-Kämpferin Zîlan Cudî erklärte, dass der Frauentag in der kurdischen Freiheitsbewegung eine besondere Bedeutung erhalten habe. „Wir widmen diesen Tag unserem Vordenker Öcalan, allen kämpfenden Frauen und den Frauen, die für Freiheit Widerstand leisten“, sagte sie. „Die Freiheitsbewegung hat dem 8. März eine neue Bedeutung gegeben. Er ist nicht mehr nur ein symbolischer Tag, sondern Ausdruck eines Kampfes, der jeden Tag geführt wird.“ Als Kämpferinnen der YJA Star sähen sie ihre Aufgabe darin, diesen Kampf weiter voranzutreiben.

Erinnerung an Sakine Cansız

Eine weitere Guerillakämpferin, Sara Ereb, erinnerte in ihrer Ansprache besonders an Sakine Cansız (Sara), eine der Mitbegründerinnen der kurdischen Freiheitsbewegung, die 2013 in Paris ermordet wurde. Der Frauentag sei zugleich ein Anlass, die Rolle der Gefallenen im Kampf für Freiheit und gesellschaftliche Veränderung zu würdigen, erklärte sie. Die heutigen Entwicklungen seien ohne ihren Einsatz und ihre Opfer nicht denkbar.

Fackelzug in den Bergen

Am Abend endeten die Feierlichkeiten mit einem Fackelzug durch die Berge Kurdistans. Zwischen Trillerrufen und traditionellen Govend-Tänzen zogen die Guerillakämpferinnen mit Fackeln durch die Nacht. Die Kämpferinnen der YJA Star beendeten die Veranstaltung schließlich mit den Parolen „Bê Serok Jiyan Nabe“ und „Jin Jiyan Azadî“.

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https://deutsch.anf-news.com/frauen/frauenguerilla-begeht-8-marz-in-den-medya-verteidigungsgebieten-50624 https://deutsch.anf-news.com/frauen/das-wirklich-freie-leben-der-gesellschaft-hangt-von-der-konstruktiven-rolle-der-frau-ab-50622 https://deutsch.anf-news.com/frauen/kjk-ruft-neue-strategische-phase-aus-jetzt-ist-die-zeit-der-frauen-50507

 

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Ilham Ehmed begrüßt Rückkehr erster kurdischer Familien nach Efrîn

10. März 2026 - 12:00

Die Ko-Außenbeauftragte der Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien (DAANES), Ilham Ehmed, hat die Rückkehr erster kurdischer Familien in die Region Efrîn (Afrin) begrüßt. Rund 400 Familien sind in ihre Heimat zurückgekehrt, nachdem sie im Zuge der türkischen Invasion von 2018 aus der Region vertrieben worden waren.

Die Rückkehr aus Hesekê erfolgte unter Begleitung von Einheiten der Inneren Sicherheitskräfte (Asayîş), Ehmed überwachte am Vortag die Abfahrt des Konvois aus Hesekê, der am Dienstagmorgen die Efrîn-Region erreichte. Dort erhalten die Familien nun Unterstützung von der Selbstverwaltung, darunter humanitäre Hilfe sowie Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen.

„Ein bewegender Moment“

Für die Familien bedeutet die Rückkehr die erste Heimkehr nach Jahren der Vertreibung. Ehmed bezeichnete dies als bedeutenden Schritt. „Die heutige Rückkehr von etwa 400 Familien Efrîn Afrin nach Jahren wiederholter Vertreibung ist ein bewegender Moment“, erklärte sie. „Die Verbundenheit der Menschen in Efrîn mit ihrem Land blieb trotz aller Umstände bestehen. Für sie ist das Land nicht nur ein Wohnort, sondern auch Erinnerung, Leben und tiefe Wurzeln.“

Die Kurdin Dîlara aus Cindirês gehört zu den Vertriebenen, die nach Efrîn zurückkehren konnten. Mit im Konvoi fuhr auch ihre Katze © ANHA

Die Rückkehr könne ein erster Schritt auf einem längeren Weg sein, der es allen Vertriebenen ermögliche, in ihre Heimat zurückzukehren, so Ehmed weiter. Zugleich brauche es ernsthafte Maßnahmen zur Wiedergutmachung sowie zur Wiederherstellung von Stabilität in Efrîn.

Rückkehr Teil eines Abkommens

Das Recht syrischer Binnenvertriebener auf Rückkehr in ihre Heimatregionen ist ein zentraler Bestandteil des Abkommens vom 29. Januar zwischen der syrischen Übergangsregierung in Damaskus und der Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien. Die DAANES fordert die Europäische Union und die Bundesregierung auf, die Umsetzung dieses Abkommens zu unterstützen. Internationale Unterstützung sei notwendig, um den Rückkehrprozess zu sichern und die Wiedereingliederung der Vertriebenen zu ermöglichen.

Abfahrt aus Hesekê nach Efrîn © ANHA

Einst sicherste Region Syriens

Die kurdische Region Efrîn wurde im März 2018 von der Türkei und mit Ankara verbündeten dschihadistischen Milizen besetzt. Mit Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffs zwei Monate zuvor wurde die zuvor als sicherste Region Syriens geltende Gegend zum Schauplatz systematischer Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen. Die türkische Besatzungsmacht verfolgte neben einer klassischen Kolonialpolitik auch eine Politik der ethnischen Säuberung. Mehr als 400.000 Menschen wurden in der Folge aus ihren angestammten Siedlungsgebieten vertrieben. Gleichzeitig wurde die Region gezielt demografisch umgestaltet, indem islamistische Milizen und deren Familien angesiedelt wurden.

Efrîn praktisch vollständig ausgeplündert

Entführungen, Folter, Erpressung, Mord, Plünderungen sowie Artillerieangriffe prägten den Alltag der verbliebenen kurdischen Bevölkerung Efrîns – vielfach unter faktischer Duldung der internationalen Staatengemeinschaft. Ende Januar dieses Jahres wurde im Rahmen eines Abkommens zwischen den QSD und der syrischen Übergangsregierung die Rückkehr der Vertriebenen beschlossen. Noch ist jedoch unklar, welche Bedingungen die Rückkehrer:innen in der ehemals besetzten Region vorfinden werden. Im Zuge der Invasion angesiedelte Araber:innen aus verschiedenen Ländern haben Efrîn vor ihrem Abzug geplündert und zahlreiche Häuser sowie öffentliche Einrichtungen ausgeräumt.

https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/erste-ruckkehr-nach-acht-jahren-konvoi-mit-vertriebenen-erreicht-efrin-50645 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/400-familien-aus-efrin-kehren-aus-heseke-in-ihre-heimat-zuruck-50640 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/ruckkehr-nach-efrin-beginnt-erster-konvoi-mit-vertriebenen-startet-morgen-50623

 

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Erstes Newroz-Feuer in Amed wird auf den historischen Stadtmauern entzündet

10. März 2026 - 12:00

In der nordkurdischen Metropole Amed (tr. Diyarbakır) beginnen die diesjährigen Newroz-Feierlichkeiten mit einem symbolträchtigen Auftakt auf den historischen Stadtmauern. Dort soll schon am 11. März das erste Newroz-Feuer entzündet werden. Der Höhepunkt der Feierlichkeiten ist für den 21. März im Newroz-Park der Stadt geplant.

Newroz wird in diesem Jahr unter den Parolen „Newroza Azadî û Yekîtiya Demokratîk“ sowie „Newroz der Freiheit und Demokratie“ begangen. Landesweit sind Feierlichkeiten in mindestens 53 Orten angekündigt. Neben den großen Veranstaltungen in den Stadtzentren werden auch in vielen Bezirken, Dörfern und ländlichen Regionen traditionelle Newroz-Feuer entzündet.

 


Nach den Feuern in Amed und Istanbul am 21. März sollen weitere große Newroz-Feste folgen, unter anderem am 23. März in Wan (Van) sowie in zahlreichen weiteren Städten. Arzu Kahraman vom Newroz-Vorbereitungskomitee von Amed erklärte, dass in der gesamten Stadt verschiedene Programme organisiert werden. Dazu gehörten auch Veranstaltungen, die speziell von Frauen gestaltet werden. „Wir werden die Newroz-Feuer mit Botschaften von Frieden und Einheit entzünden“, sagte Kahraman und rief die Bevölkerung dazu auf, sich zahlreich an den Feierlichkeiten zu beteiligen.

Erinnerung an Zekiye Alkan

Der Auftakt auf den historischen Mauern von Amed habe eine besondere symbolische Bedeutung, betonte Kahraman. Die Mauern seien ein zentraler Ort der Geschichte der Stadt und stünden für die Erinnerung und den Widerstand der kurdischen Bevölkerung. Zugleich sei die Eröffnung der Feierlichkeiten auf den Mauern der Erinnerung an Zekiye Alkan gewidmet. Alkan hatte sich 1990 an Newroz selbst in Brand gesetzt und gilt seither als eine der symbolischen Figuren des kurdischen Widerstands.

Feierlichkeiten in Stadt, Dörfern und Bezirken

Die Newroz-Feiern sollen sich nicht nur auf das Stadtzentrum beschränken. Auch in den Bezirken, Dörfern und ländlichen Gebieten rund um Amed werden Newroz-Feuer entzündet und Feierlichkeiten organisiert. Für die kurdische Bevölkerung sei Newroz weit mehr als ein Fest, erklärte Kahraman. Es stehe für den Widerstand gegen Unterdrückung sowie für Geschichte, Tradition und den kollektiven Wunsch nach Freiheit. Am 21. März werde die Bevölkerung daher in traditionellen und farbenfrohen Kleidern im Newroz-Park zusammenkommen. Besonders Frauen und Jugendliche rief Kahraman dazu auf, sich an den Feierlichkeiten zu beteiligen.

Newroz im Zeichen von Frieden und Einheit

In diesem Jahr stehe Newroz unter dem Zeichen von Frieden, Demokratie und der Einheit der Völker, so Kahraman. In einer Phase politischer Diskussionen über die Demokratisierung der Gesellschaft und demokratische Integration komme den Feierlichkeiten eine besondere Bedeutung zu, gerade auch in Städten im Westen der Türkei, wo das Fest ebenfalls begangen wird. Ein zentrales Thema der diesjährigen Feierlichkeiten sei daher die Einheit der Völker im Nahen Osten. 

Kahraman erklärte, dass die Menschen im Geist der Einheit auf die Straßen gehen werden: „Unsere Botschaft zu diesem Newroz lautet: Die Angriffe auf Rojava haben gezeigt, dass das kurdische Volk enger zusammenrückt und seine Einheit stärkt. Wir sind überzeugt, dass dieses Newroz besonders die Einheit und den Zusammenhalt der Völker des Nahen Ostens sichtbar machen muss. In diesem Jahr werden wir die Einheit aller Völker laut verkünden. Denn heute brauchen alle Völker Zusammenhalt. In diesem Bewusstsein werden wir Newroz im Zeichen der Einheit feiern.“

https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/newroz-deklaration-in-amed-aufruf-zu-kurdischer-einheit-und-ausbau-des-kampfes-50633 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/zentrale-koordination-stellt-newroz-programm-fur-nordkurdistan-vor-50501 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/kon-med-ruft-zu-newroz-der-einheit-in-frankfurt-auf-50407

 

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Erste Rückkehr nach acht Jahren: Konvoi mit Vertriebenen erreicht Efrîn

10. März 2026 - 10:00

Acht Jahre nach ihrer Vertreibung ist die erste Gruppe von Vertriebenen aus Efrîn (Afrin) in ihre Heimat zurückgekehrt. Ein Konvoi mit rund 400 Familien erreichte die Region in den frühen Morgenstunden. Die Kolonne war am Vortag aus der Stadt Hesekê aufgebrochen. Die Rückkehr erfolgt im Rahmen der Umsetzung des Abkommens vom 29. Januar zwischen den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) und der syrischen Übergangsregierung.

Die etwa 400 Familien mit mehreren tausend Menschen waren Anfang 2018 während des türkisch-dschihadistischen Angriffskriegs gegen Efrîn aus ihrer Heimat vertrieben worden. Der Konvoi bestand aus hunderten privaten Fahrzeugen der Rückkehrer sowie aus Bussen, die vom Rat der Vertriebenen aus Efrîn und Şehba und vom syrischen Zivilschutz bereitgestellt wurden.

 


Begleitet wurden die Familien von Einheiten der Inneren Sicherheitskräfte. Anwesend waren unter anderem der stellvertretende Kommandant der Inneren Sicherheitskräfte in Hesekê, Mehmud Xelîl (Siyamend Efrîn), sowie die Asayîş-Kommandantin Nesrîn Abdullah. Die Route des Konvois führte von Hesekê über Raqqa, Tabqa und Aleppo in Richtung Efrîn. Dort wurden die Rückkehrer:innen am frühen Morgen von Bewohner:innen empfangen. Zur Begrüßung erklangen traditionelle Instrumente wie Def und Zurna, die zur kulturellen Musiktradition der Region gehören.

Die Inneren Sicherheitskräfte in Hesekê hatten am Wochenende angekündigt, dass die erste Gruppe von Vertriebenen am Montag in ihre Heimat zurückkehren werde. Zielorte sind unter anderem Şiyê, Cindirês und Mabeta. Mehmûd Xelîl erklärte zudem, dass innerhalb weniger Tage ein Sicherheitsübergang in Richtung Efrîn eröffnet werden soll, um die Rückkehr weiterer Vertriebenengruppen zu erleichtern. Ziel sei es, möglichst viele der Vertriebenen noch vor dem Newroz-Fest am 21. März in ihre Heimat zurückkehren zu lassen.

https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/400-familien-aus-efrin-kehren-aus-heseke-in-ihre-heimat-zuruck-50640 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/gefangenenaustausch-zwischen-qsd-und-Ubergangsregierung-vorbereitet-50639 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/sieben-kurd-innen-in-aleppo-und-efrin-getotet-50634

 

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Türkische Armee errichtet Kontrollpunkt in Dorfgebiet bei Zaxo

10. März 2026 - 8:00

Die türkische Armee hat im Verwaltungsbereich von Zaxo einen Kontrollpunkt innerhalb eines Dorfgebiets eingerichtet und damit die Bewegungsfreiheit der lokalen Bevölkerung eingeschränkt. Darauf weist die Friedensinitiative Community Peacemaker Teams – Iraqi Kurdistan (CPT-IK) hin.

Demnach errichteten türkische Besatzungstruppen bereits am Dienstag vor einer Woche einen Kontrollpunkt auf der Hochebene von Şîva Meziya im Gebiet des Dorfes Kaşan im Distrikt Batîfa. Nach Angaben von CPT-IK hindern die Soldaten die Bewohner:innen daran, ihre landwirtschaftlichen Flächen und Obstgärten zu erreichen. Der Kontrollpunkt schränkt damit den Zugang zu wichtigen Lebensgrundlagen der Bevölkerung erheblich ein.

Die Organisation berichtet, dass der Kontrollpunkt offenbar im Zusammenhang mit militärischen Bauarbeiten steht. So solle er den Bau einer Militärstraße zwischen den türkischen Stützpunkten in Kukê Dîpşka und Kukê Malahî ermöglichen. Diese Straße soll die beiden Basen mit weiteren türkischen Militärposten und Kommandozentren im Großraum von Batîfa verbinden. Die Stadt liegt etwa 40 Kilometer östlich von Zaxo und gehört zum Gouvernement Duhok.

Obwohl die türkische Armee ihre Luftangriffe und Artilleriebeschüsse auf die Kurdistan-Region des Irak im Zuge des Friedensprozesses zwischen dem kurdischen Repräsentanten Abdullah Öcalan und der Regierung in Ankara sowie der Beendigung des bewaffneten Kampfes der PKK weitgehend eingestellt hat, setzt sie laut CPT-IK den Ausbau ihrer militärischen Infrastruktur in den Grenzgebieten fort. Dazu gehören die Verstärkung bestehender Stützpunkte sowie der Bau neuer militärischer Verbindungsstraßen.

https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/sprengungen-und-schwere-gerate-zerstoren-natur-im-resava-tal-50418 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/turkische-militaraktivitaten-und-bombardierungen-in-sudkurdistan-50474 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/turkisches-militar-baut-neue-versorgungsroute-im-resava-tal-50275 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/cpt-ein-kalter-frieden-48392

 

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Die kurdische Freiheitsbewegung ist eine Frauenrevolutionsbewegung

10. März 2026 - 8:00

Die Frage der Befreiung der Frauen in Kurdistan ist seit vielen Jahren Gegenstand intensiver Diskussionen. Dass kurdische Frauen heute in nahezu allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens eine bedeutende Rolle einnehmen, ist eng mit der Geschichte der Freiheitsbewegung verwoben. Die kurdische Freiheitsbewegung, die im chaotischen politischen Umfeld der 1970er Jahre entstand, brachte nicht nur eine neue Perspektive auf den Sozialismus in der Türkei und in Kurdistan hervor, sondern setzte zugleich die ersten Schritte eines tiefgreifenden Wandels innerhalb der gesellschaftlichen Realität des kurdischen Volkes in Gang.

Obwohl Frauen unter den spezifischen gesellschaftlichen Bedingungen Kurdistans lange Zeit daran gehindert waren, in vollem Umfang am öffentlichen Leben teilzunehmen, und selbst innerhalb sozialistischer Strukturen häufig kein gleichberechtigtes Mitspracherecht besaßen, nahm die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) von ihren ersten ideologischen Formierungsprozessen an eine Position ein, die Frauen den Zugang zu sämtlichen politischen und organisatorischen Bereichen eröffnete. Auch wenn der Beginn der kurdischen Frauenbewegung gemeinhin auf die Mitte der 1980er Jahre datiert wird, lässt sich festhalten, dass Frauen in Kurdistan von Anfang an an der Freiheitsbewegung beteiligt waren und innerhalb dieser eine besondere Stellung einnahmen.

Eine von Beginn an bestehende Suche nach Freiheit

Im ersten Manifest der PKK mit dem Titel „Der Weg der Revolution Kurdistans“ erläutert Abdullah Öcalan die Ziele der Organisation mit folgenden Worten:

„Die Schaffung eines demokratischen Kurdistans hängt davon ab, die schweren feudalen und kompradorischen Unterdrückungsstrukturen zu beseitigen, die auf der gesellschaftlichen Ordnung Kurdistans lasten. Die Aufhebung der vom feudalen-kompradorischen Klassenbündnis ausgeübten Unterdrückung und Ausbeutung wird die Befreiung der Frauen, der Bauern, der Minderheiten und der gesamten gesellschaftlichen Struktur ermöglichen.“

Die Freiheitsbewegung ging damit über die in vielen linken Strömungen verbreitete Vorstellung hinaus, grundlegende gesellschaftliche Veränderungen erst nach einer Revolution umzusetzen. Stattdessen rückte sie die notwendigen Transformationen bereits auf dem Weg zur Revolution in den Mittelpunkt – und überschritt dabei auch die bis dahin vorherrschenden allgemeinen Vorstellungen über die Stellung der Frau im gesellschaftlichen Leben.

Eine kurdische Friedensmutter mit einem Bild von Sakine Cansız am 8. März in Istanbul-Kadiköy © ANF

In der Erklärung des Gründungskongresses der PKK beschreibt Öcalan die Situation der kurdischen Frauen folgendermaßen:

„Es sind die Frauen Kurdistans, die bereits beim Eintritt in die Klassengesellschaft versklavt wurden, die unter schwerem feudalem Druck eines menschenwürdigen Lebens beraubt wurden, die – da sie kein Mitspracherecht über ihre eigene Zukunft besitzen – gekauft und verkauft werden und deren Horizont von unzähligen Sorgen verdunkelt ist. Um sich von diesen Formen der Unterdrückung zu befreien, eine aufgeklärte und freie Persönlichkeit zu entwickeln und über die eigene Zukunft sowie die Zukunft der Gesellschaft mitentscheiden zu können, müssen wir uns – ebenso wie ihr nach Freiheit dürstend – dem von der PKK geführten Kampf anschließen, um Kurdistan zu einem unabhängigen und demokratischen Land zu machen.“

Die Entwicklungen bis zum Militärputsch von 1980 machen zugleich deutlich, weshalb kurdische Frauen in den klassischen linken sowie in kurdisch-nationalistischen Organisationen nur begrenzt vertreten waren. Ideologische Diskurse, die die konkreten gesellschaftlichen Bedingungen Kurdistans außer Acht ließen, fanden innerhalb der kurdischen Bevölkerung kaum Resonanz; vielmehr führten sie häufig dazu, dass sich Teile der Bevölkerung von den entsprechenden Organisationen distanzierten. Die ersten Angriffe auf jene Personen und Strukturen, die Öcalan als „feudale Kompradorenstruktur“ bezeichnete, ebenso wie der große Widerstand von Riha (tr. Urfa), wirkten sich daher nicht nur auf die kurdische Bevölkerung insgesamt aus, sondern auch auf kurdische Frauen, die bis dahin innerhalb ihrer eigenen Gesellschaft häufig unter starkem Druck und in sozialer Isolation lebten.

Mit dem Aufkommen der PKK hörten kurdische Frauen erstmals auf, lediglich im Hintergrund zu stehen oder als „schutzbedürftige“ und „hilfsbedürftige“ Personen wahrgenommen zu werden. Stattdessen traten sie zunehmend als handelnde Subjekte hervor, die Entscheidungen treffen und aktiv politisch agieren.

Das Erbe Sakine Cansız’ und die kurdische Frauenbewegung

Zu den prägendsten Erfahrungen für kurdische Frauen gehörten die Widerstände im Gefängnis von Diyarbakır (ku. Amed). Trotz der dort systematisch angewandten Folter entwickelte sich im Frauentrakt unter der Führung von Sakine Cansız ein bedeutender Widerstand, der auch Frauen außerhalb der Gefängnismauern dazu bewegte, sich mit diesem Kampf zu solidarisieren. Die standhafte Haltung Sakine Cansız’ gegenüber dem Gefängnisdirektor Esat Oktay wird heute vielfach als einer der frühen Ausgangspunkte der Parole und Philosophie „Jin, Jiyan, Azadî“ („Frau, Leben, Freiheit“) betrachtet, die inzwischen weltweit Aufmerksamkeit erlangt hat.

Während Cansız im Inneren des Gefängnisses durch ihre unbeugsame Haltung den Widerstand verkörperte, begann außerhalb eine neue Phase des Protests, in der kurdische Mütter vor den Gefängnistoren Aktionen organisierten. Handlungen, die zuvor vor allem als Widerstand einzelner PKK-Mitglieder wahrgenommen worden waren, entwickelten sich zunehmend zu einem kollektiven Widerstand kurdischer Frauen. Der Selbstverbrennungsversuch einer Mutter vor dem Gefängnis aus Protest gegen die dortigen Folterpraktiken wurde dabei auch als Hinweis darauf interpretiert, dass die PKK sich nicht auf die Rolle einer bloßen Organisation beschränken würde, sondern zu einer umfassenderen gesellschaftlichen Bewegung anwuchs.

Die Entwicklungen nach den Ereignissen im Gefängnis von Diyarbakır trugen dazu bei, dass kurdische Frauen zu zentralen Akteurinnen dieser Revolution und zu Trägerinnen einer Ideologie wurden, die den weiteren Verlauf der Bewegung maßgeblich prägen sollte. Abdullah Öcalan wiederum richtete von Beginn an einen besonderen Fokus auf die Lebensrealität kurdischer Frauen und bemühte sich darum, ihre gesellschaftliche Situation analytisch zu erfassen und darauf aufbauend politische Antworten zu formulieren.

In einer seiner Analysen formuliert er: „Zwischen dem Ausmaß des Kolonialismus in Kurdistan und der spezifischen Situation der Frau lässt sich eine enge Verbindung herstellen. Der Kolonialismus, der in Kurdistan Gestalt angenommen hat, weist nicht nur in der Gegenwart, sondern auch in dem Prozess, in dem sich die Realität der Frau seit Jahrhunderten befindet, bemerkenswerte Parallelen auf.“ Damit betont er, dass Unterdrückung, gesellschaftliche Isolation und die Behandlung kurdischer Frauen als Menschen zweiter oder dritter Klasse im selben historischen Kontext zu betrachten seien wie die Kolonialisierung Kurdistans selbst.

„Unsere Zöpfe sind eure Furcht“ © ANF

Die PKK als Organisation der Selbstbehauptung der Frau

Nach dem Militärputsch und der darauf folgenden Phase massiver Repression trat die PKK als die einzige Bewegung hervor, die weiterhin Bestand hatte und Widerstand leistete. Damit begann für sie zugleich eine neue Etappe. Die Verantwortung für das Schicksal eines ganzen Volkes lag nun in ihren Händen, und gerade jene Teile der Bevölkerung, die am stärksten isoliert und marginalisiert worden waren, stellten sich an ihre Seite. Die PKK der 1970er Jahre existierte in dieser Form nicht mehr; eine neue Phase und damit auch eine erneuerte PKK waren erforderlich. Die Mitte der 1980er Jahre einsetzende Guerillabewegung entstand vor diesem Hintergrund als Ausdruck dieser Erneuerung. Gegen Ende der 1980er Jahre begann sich die PKK zudem von einer klassischen „Kaderorganisation“, wie sie für viele linke Bewegungen typisch war, zu einer breiteren Volksbewegung zu entwickeln.

Wie die im Südkrieg gefallene Kommandantin Bêrîtan Hêvî (Gülnaz Karataş) in ihren Notizen hervorhebt, leisteten kurdische Frauen während des Newroz-Festes von Cizîr (Cizre) im Jahr 1992 – dem ersten großen Newroz, der in Form öffentlicher Straßenkundgebungen begangen wurde – trotz der mit scharfer Munition durchgeführten Angriffe staatlicher Kräfte entschlossenen Widerstand und ermöglichten so, dass die Feierlichkeiten in der Stadt tatsächlich stattfinden konnten. Das Newroz von Cizîr war daher nicht lediglich eine Festveranstaltung; vielmehr stellte es, in den Worten Öcalans, eine „Verwirklichung der Wiedergeburt“ dar. Den entscheidenden Anteil an dieser Wiederbelebung hatten jene kurdischen Frauen, die trotz der Gewalt die Straßen nicht verließen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, weshalb kurdische Frauen – obwohl sowohl vor als auch nach der Gründung der PKK zahlreiche linke und nationalistische Organisationen existierten – gerade die PKK unterstützten und sich mit ihr identifizierten. Lässt sich dies allein durch ein wachsendes nationales Bewusstsein erklären? Offensichtlich nicht. Öcalan äußerte sich hierzu in einer seiner Analysen mit folgenden Worten:

„Der Zustand der Frauenbefreiung, dem wir heute in sozialistischen Ländern begegnen, beschränkt sich im Wesentlichen darauf, dass Frauen stärker an ökonomischen Tätigkeiten beteiligt sind, innerhalb der Gesellschaft über etwas mehr Mitspracherecht verfügen und sich ihre physische Gesundheit verbessert hat. So ist beispielsweise der Anteil von Frauen im politischen Bereich sehr begrenzt. Es scheint beinahe eine Logik zu wirken, die nicht im Widerspruch zu einem allgemeinen Gleichheitsverständnis stehen möchte. Als Ergänzung zu dieser allgemeinen Gleichheit wird Frauen durch offizielle Beschlüsse eine bestimmte Beteiligungsquote in Parteien, staatlichen Institutionen und anderen gesellschaftlichen Tätigkeitsfeldern eingeräumt. (…) Der so festgelegte Status der Frau überschreitet jedoch weitgehend nicht den Status, der von Männern bestimmt wurde. Während der für Frauen festgelegte Status in der feudalen Gesellschaft deutlich vom Stempel männlicher Vorherrschaft geprägt ist, wird in der sozialistischen Gesellschaft zwar eine begrenzte Beteiligung von Frauen verwirklicht; doch selbst die positive Bestimmung eines Status, der die männliche Vorherrschaft in Richtung Gleichheit transformieren soll, trägt weiterhin den Stempel männlicher Dominanz.“

Die Umwandlung der Suche in konkrete Schritte

Gerade diese Perspektive bildet die Grundlage für die Entwicklungen der Gegenwart. Denn Abdullah Öcalan betonte, dass das Verständnis von der Stellung der Frau in Kurdistan nicht aus einem anderswo übernommenen Modell abgeleitet werden könne, sondern nur aus den spezifischen gesellschaftlichen Bedingungen Kurdistans selbst heraus entwickelt werden müsse.

Die 1990er Jahre stellten in Kurdistan eine Phase tiefgreifender Veränderungen dar. Die zunehmende gesellschaftliche Verankerung der Freiheitsbewegung und die breite Unterstützung der Bevölkerung für die PKK führten zugleich zu einer Ausweitung organisatorischer Strukturen in nahezu allen Lebensbereichen. Es entstanden legale politische Parteien, zivilgesellschaftliche Organisationen, Vereine und Kulturzentren. Auch die kurdische Frauenbewegung begann in dieser Zeit, sich entsprechend ihren eigenen spezifischen Bedingungen institutionell zu organisieren. In diesem Zusammenhang wurden zahlreiche Vereine und Einrichtungen gegründet, darunter der Verein patriotischer Frauen („Yurtsever Kadınlar Derneği“), der Verein freier Frauen („Özgür Kadın Derneği“), das Frauenkulturzentrum Dicle, der Nationaldemokratische Frauenverein, die Initiative Kurdische Frauensolidarität, die Stiftung zur Erforschung von Frauenfragen, sowie Organisationen und Einrichtungen wie ARJÎN, das JIYAN-Frauenkulturhaus und der Frauenverein Roza. Auch wenn einige dieser Institutionen später wieder aufgelöst wurden, entstanden an ihrer Stelle neue Strukturen, die deren organisatorisches und politisches Erbe weiterentwickelten.

An dieser Stelle ist eine wichtige Bemerkung erforderlich: Ein charakteristisches Merkmal in der Geschichte der kurdischen Freiheitsbewegung besteht darin, dass sie von Beginn an keinen Namensfetischismus entwickelte, sondern ihre organisatorischen Formen entsprechend den jeweiligen politischen Prozessen erneuerte. Wenn sich daher die ursprünglichen Gründe für die Gründung bestimmter Institutionen veränderten oder wenn organisatorische Strukturen begannen, sich zu wiederholen und an Dynamik zu verlieren, wurden auch ihre Formen angepasst. Diese Veränderungen waren nicht ausschließlich eine Folge staatlicher Repression, sondern Ausdruck eines Organisationsmodells, das sich aus praktischen Erfordernissen heraus entwickelte und – in Anlehnung an eine in der türkischen Linken häufig verwendete Formulierung – dem Prinzip der „konkreten Analyse der konkreten Bedingungen“ folgt.

Die in den 1990er Jahren entstandenen Frauenorganisationen, die zunächst weitgehend unabhängig voneinander agierten, machten mit dem weiteren Wachstum der kurdischen Freiheitsbewegung in den 2000er Jahren sowie angesichts der praktischen Erfordernisse des Freiheitskampfes die Notwendigkeit einer übergreifenden Dachstruktur deutlich. Mit der Gründung der Gemeinschaft der Frauen Kurdistans (KJK) wurde eine solche Dachorganisation geschaffen, die zugleich als Modell für vergleichbare organisatorische Strukturen auch in der Türkei diente. Der Prozess der Dachorganisierung begann mit der Demokratische Bewegung Freier Frauen, setzte sich anschließend mit den Freien Frauen Kurdistans fort und wurde später in der Struktur der Bewegung Freie Frauen (TJA) weitergeführt.

Feministischer Nachtmarsch am 8. März in Istanbul-Beyoğlu © ANF

Während sich dieser organisatorische Prozess in der Türkei und in Kurdistan entwickelte, markierten die 1990er Jahre auch für den kurdischen Guerillakampf eine entscheidende Schwelle. In dieser Zeit entstand ein neues Modell der militärischen Organisation. Öcalan vertrat die Auffassung, dass zur vollständigen Überwindung der gesellschaftlichen Situation, in der sich kurdische Frauen befanden, sowie zur Entwicklung einer eigenständigen revolutionären Praxis die Gründung einer Frauenarmee notwendig sei.

Mit dieser Perspektive ging Öcalan weit über das klassische Verständnis der Linken hinaus. Indem er den Frauen den Raum eröffnete, sich als politische Subjekte selbst zu konstituieren, setzte er einen ersten Schritt mit dem Ziel, sie von den ideologischen und mentalen Formen männlicher Dominanz zu befreien. Der Grundstein für die Organisierung einer Frauenguerilla, die bis heute weltweit sowohl für revolutionäre Bewegungen als auch für feministische Kämpfe als Inspirationsquelle gilt, wurde somit bereits in den 1990er Jahren gelegt.

Existenzkampf sowohl gegen das System als auch gegen patriarchale Strukturen

Die mit diesem Schritt entstandene neue Realität bedeutete zugleich einen grundlegenden Bruch mit den bis dahin vorherrschenden Denksystemen der Linken. Kurdische Frauen, die einem doppelten Prozess der Unterdrückung und Auslöschung ausgesetzt waren, begannen – anders als es die bisherigen linken Konzepte vorgesehen hatten – ihre politischen Vorstellungen unmittelbar in den Praxisfeldern des Kampfes zu entwickeln. Während sie einerseits gegen das bestehende System kämpften, führten sie zugleich innerhalb der Freiheitsbewegung und innerhalb der kurdischen Gesellschaft einen umfassenden ideologischen Kampf gegen patriarchale Denkweisen. Diese Situation ermöglichte es ihnen, ihre theoretischen Ansätze direkt im Kontext praktischer Erfahrungen zu formen und so die Grundlagen für eine neue Theorie von Sozialismus und Widerstand zu entwickeln. Entgegen der lange vorherrschenden Auffassung, Krieg sei eine „männliche Angelegenheit“, begann sich inmitten eines von Frauen organisierten und geführten Kampfes die Figur einer Frau herauszubilden, die nicht nur gegen staatliche Machtverhältnisse, sondern zugleich gegen vielfältige Formen von Männlichkeit kämpfte.

In einer seiner Analysen zur Frauenfrage erläuterte Öcalan auch, wie es der PKK gelang, innerhalb der kurdischen Bevölkerung eine derart breite gesellschaftliche Verankerung zu erreichen. In einer Analyse zur Rolle der Familie formulierte er:

„Die Revolutionierung der Familie werden wir in unsere Massenarbeit einbeziehen. Bei der Organisierung der Frauenbewegung werden wir der Entwicklung revolutionärer Prozesse innerhalb der Familie eine wichtige Aufgabe zuweisen. Viele von euch berühren eure eigene Familie kaum. Das ist nicht richtig und bringt auch ihnen keinen Nutzen. Es ist eine wichtige politische Aufgabe, sie auf die Situation aufmerksam zu machen, in der sich die Familie befindet, sie zu Achtsamkeit und Sensibilität anzuhalten und dies dauerhaft zu verankern. (…)

Indem wir das große Spiel des Feindes umkehren, müssen wir jede Familie in eine Stätte des Patriotismus verwandeln. Wenn jede Familie zu einer kleinen Zelle der Partei wird, wird Kurdistan bereits errichtet sein. Gelingt dies nicht, so muss man festhalten, dass die Befreiung entweder sehr schwierig sein wird oder sich nur im Maße entwickeln kann, in dem die Familien revolutioniert werden.“

Fortsetzung folgt.

https://deutsch.anf-news.com/frauen/das-wirklich-freie-leben-der-gesellschaft-hangt-von-der-konstruktiven-rolle-der-frau-ab-50622 https://deutsch.anf-news.com/frauen/kjk-ruft-neue-strategische-phase-aus-jetzt-ist-die-zeit-der-frauen-50507 https://deutsch.anf-news.com/frauen/feminizid-bericht-5-600-frauen-in-zwolf-jahren-in-der-turkei-getotet-50502

 

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Treffen der Allianz kurdischer Parteien aus Iran

10. März 2026 - 2:00

Die Koalition der politischen Kräfte Ostkurdistans (Hevpeymaniya Hêzên Siyasî yên Kurdistana Îranê) hat ein Lagetreffen abgehalten. Bei der Zusammenkunft wurden politische Entwicklungen in Iran und in Rojhilat sowie organisatorische Fragen zur Arbeit des Bündnisses beraten, hieß es am Abend auf der Webseite der PJAK.

Nach Angaben der Allianz standen dabei unter anderem die aktuelle politische Lage in Iran, die Auswirkungen regionaler Konflikte sowie laufende politische Entwicklungen in Kurdistan auf der Tagesordnung. Darüber hinaus befassten sich die Teilnehmer:innen mit der organisatorischen Struktur des Bündnisses und legten zentrale Zuständigkeiten innerhalb der Allianz fest.

Weitere Themen waren die interne Satzung des Bündnisses, die Bestätigung des gemeinsamen Logos sowie Fragen der politischen Koordination und Entscheidungsfindung. Auch diplomatische Aktivitäten und die Beziehungen der Allianz zur internationalen Gemeinschaft wurden diskutiert. Am Ende des Treffens wurden die Verantwortlichkeiten innerhalb der Exekutivstrukturen der Allianz bekanntgegeben.

Der Koalition gehören mehrere Parteien aus Ostkurdistan an. Dazu zählen die Partei für ein freies Leben in Kurdistan (PJAK), die Demokratische Partei Kurdistans-Iran (PDKI), die Komala der Werktätigen Kurdistans unter der Führung von Reza Kaabi, die Organisation Xebat (Khabat), die Freiheitspartei Kurdistans (PAK) sowie die Komala des iranischen Kurdistan unter Abdullah Mohtadi. Nicht Teil der Allianz ist die kommunistische Komala-Fraktion unter der Führung von Ebrahim Alizade.

https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/pjak-exekutivratsmitglied-fuad-beritan-einheit-ist-die-starkste-waffe-50594 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/komala-fraktion-schliesst-sich-allianz-ostkurdischer-parteien-an-50570 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/rojhilat-bundnis-verurteilt-iranische-angriffe-in-sudkurdistan-50630 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/pro-iranische-milizen-drohen-sudkurdistan-mit-angriffen-50631

 

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Bericht: Rund 200 Angriffe auf Kurdistan-Region des Irak

10. März 2026 - 2:00

Seit Beginn des Krieges der USA und Israels gegen Iran Ende Februar ist auch die Kurdistan-Region des Irak (KRI) verstärkt Ziel von Angriffen geworden. Nach Angaben der christlichen Friedensinitiative Community Peacemaker Teams – Iraqi Kurdistan (CPT-IK) wurden zwischen dem 28. Februar und dem 8. März rund 200 Angriffe durch iranische Truppen und mit ihnen verbündete Gruppen registriert.

Die Angriffe erfolgten dem am Montag vorgelegten Bericht zufolge überwiegend mit ballistischen Raketen, Raketenartillerie und sogenannten Kamikaze-Drohnen. Besonders stark betroffen war die Provinz Hewlêr (Erbil). Dort wurden 162 Angriffe verzeichnet, was mehr als 80 Prozent aller registrierten Attacken entspricht. Weitere 26 Angriffe ereigneten sich in der Provinz Silêmanî, fünf in Duhok und drei in Helebce.

Angriffe auf US-Einrichtungen, Rojhilat-Parteien und zivile Ziele

Zu den Zielen gehörten laut CPT-IK neben dem US-Generalkonsulat in Hewlêr und US-Militärstützpunkten auch Einrichtungen ostkurdischer Oppositionsparteien, der internationale Flughafen von Hewlêr, Ölfelder, Hotels, Wohngebiete sowie Infrastruktur des südlichen Kurdistans. Insgesamt richteten sich 43 der Angriffe gegen Hauptquartiere und Lager ostkurdischer Organisationen in der KRI. Weitere 58 Angriffe zielten auf die US-Botschaft in Hewlêr sowie Einrichtungen der USA. Die übrigen 95 Angriffe trafen zivile Ziele wie Hotels, Wohngebiete, Unternehmen, Ölanlagen sowie Basen der Peschmerga.

Vier Tote und 19 Verletzte

Nach Angaben von CPT-IK wurden durch die Angriffe bislang vier Personen getötet, 19 weitere sind verletzt worden. Die meisten Opfer wurden in der Provinz Hewlêr registriert, wo 15 Betroffene gezählt wurden. In Silêmanî wurden sieben Opfer registriert, in Duhok eine Person. Unter den Betroffenen befinden sich laut CPT-IK 14 Mitglieder ostkurdischer Oppositionsparteien. Weitere sechs Opfer gehören zu Sicherheitskräften der Kurdistan-Region und standen dem Bericht zufolge in keinem direkten Zusammenhang mit der militärischen Konfrontation zwischen Iran und den USA beziehungsweise Israel. Drei der Betroffenen waren Zivilpersonen.

Untersuchung möglicher Kriegsverbrechen

Die Organisation verurteilt sowohl die Angriffe der USA und Israels auf Iran, die nach ihrer Einschätzung zu einer raschen Eskalation des Konflikts im Nahen Osten geführt haben, als auch die Angriffe Irans und Stellvertretergruppen auf die Kurdistan-Region im Irak. Besonders kritisiert wird die wiederholte Zielerfassung ziviler Wohngebiete, Arbeitsplätze und Einrichtungen der Regionalregierung. CPT-IK äußerte zudem große Besorgnis über die zunehmende Eskalation und rief alle Konfliktparteien zu sofortigen Schritten zur Deeskalation sowie zum Schutz der Zivilbevölkerung auf. Die Organisation kündigte an, die Auswirkungen der Angriffe weiterhin zu dokumentieren und mögliche Kriegsverbrechen in der Kurdistan-Region zu untersuchen.

https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/ein-toter-bei-iranischem-angriff-auf-pak-stutzpunkt-bei-hewler-50563 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/pro-iranische-milizen-drohen-sudkurdistan-mit-angriffen-50631 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/drohnenangriffe-auf-hewler-ein-toter-und-drei-verletzte-50621 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/iran-droht-mit-angriffen-auf-alle-einrichtungen-in-sudkurdistan-50599 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/drohnenangriffe-auf-kurdische-parteien-in-koye-50598

 

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