«Und während Sie über Ungarn mal dies hören und mal das, sollten Sie besser schleunigst nach Brüssel sehen, wo von der Leyen das Projekt der Zweckentfremdung der EU, der Vergewaltigung der europäischen Verträge und der finalen Entmachtung der Nationalstaaten vorantreibt, als gäb’s kein Morgen. Ein Projekt, das nie etwas anderes als Ihre eigene Entmachtung, werter Bürger, war, die unter dieser Kommissionspräsidentin natürlich verlässlich aufs Hässlichste verschleiert ist.» (– Martin Sonneborn)
ANF NEWS (Firatnews Agency) - kurdische Nachrichtenagentur
„Das wirklich freie Leben der Gesellschaft hängt von der konstruktiven Rolle der Frau ab“
Die folgende Botschaft von Abdullah Öcalan zum Internationalen Frauentag am 8. März 2026 wurde im Kontext der aktuellen politischen Entwicklungen rund um den Aufruf zu „Frieden und einer demokratischen Gesellschaft“ vom 27. Februar 2025 verfasst. In dem Text setzt sich Öcalan mit der Bedeutung der Frauenbefreiung für gesellschaftliche Transformation, Demokratie und Sozialismus auseinander. Dabei greift er zentrale Konzepte seiner politischen Theorie auf, darunter das Paradigma der „demokratischen Moderne“, die von der kurdischen Bewegung entwickelte Frauenwissenschaft Jineolojî sowie die Idee kommunaler gesellschaftlicher Organisation.
Die Botschaft versteht die Frage der Frauenfreiheit als grundlegenden Ausgangspunkt für die Lösung gesellschaftlicher Probleme und formuliert Überlegungen zu Geschichte, Gegenwart und Perspektiven der Frauenbewegung. Vor diesem Hintergrund würdigt Öcalan den Kampf von Frauen weltweit und hebt die Rolle von Frauen für Frieden, Demokratie und gesellschaftliche Erneuerung hervor.
Die Frage der Frauenrevolution steht über allen anderen Fragen
„Ich grüße euren Kampf, das 21. Jahrhundert zu einem Jahrhundert der Frauen zu machen. Der am 27. Februar 2025 veröffentlichte „Aufruf für Frieden und eine demokratische Gesellschaft“ sowie das im Anschluss entwickelte Manifest für Frieden und eine demokratische Gesellschaft behandeln die Freiheit der Frau als das grundlegende Thema des Sozialismus und machen zugleich ihre gegenwärtige Lösung zur Grundlage der Lösung sämtlicher gesellschaftlicher Probleme. Die Frage der Frauenrevolution steht über allen anderen Fragen. Ich setze die Freiheit der Frau an die erste Stelle.
Die Frage der Frauenbefreiung stellt heute das zentralste und entscheidende Problem unserer Zeit dar. Die grundlegende Voraussetzung für das Erreichen einer demokratischen Gesellschaft und für die Verwirklichung des Sozialismus ist eine demokratische, gleichberechtigte und freie Beziehung zur Frau. Sowohl auf der Grundlage des von uns entwickelten Paradigmas der demokratischen Moderne als auch des konzeptionellen und theoretischen Rahmens der Jineolojî wurde in dieser Hinsicht ein bedeutender Anfang gemacht. Doch steht nun die Entwicklung einer entsprechenden praktisch-politischen Umsetzung, das heißt ihres konkreten gesellschaftlichen Aufbaus, als grundlegende Verantwortung und Aufgabe vor uns.
Aus der Perspektive der Frau ist es von entscheidender Bedeutung, die Relation zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft richtig herzustellen. In der Geschichte der Menschheit wurde gesellschaftliches Leben durch die aufbauende Kraft der Mutter-Frau erst möglich. Die konstruktive Kraft der Frau hat zur Vergesellschaftung des Menschen geführt. Der zentrale Punkt besteht darin, dass die Herausbildung der Menschheit durch die Frau und auf kommunaler Grundlage erfolgte. Dieser Umstand ist von großer Bedeutung und steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Frauenfreiheit unserer Gegenwart und Zukunft. Ebenso ist es für den Aufbau der freien Frau in Gegenwart und Zukunft notwendig, die Versklavung der Frau bewusst zu machen. Zugleich muss jedoch auch verstanden werden, wie das gesellschaftliche Problem überhaupt seinen Anfang nahm.
Aktualisierung des Sozialismus
Ohne ins Bewusstsein zu heben, wie die Frau die mutterzentrierte Gesellschaft auf kommunaler Grundlage aufgebaut hat, wie anschließend der jagende Mann als kastischer Mörder diese mutterzentrierte Gesellschaft durchbrach und damit sowohl die Geschichte der Versklavung der Frau als auch der Gesellschaft ihren Anfang nahm, können weder eine freie Frau hervorgebracht noch eine demokratische Gesellschaft aufgebaut werden. Die mutterzentrierte Gesellschaft ist eine Gesellschaft der Frau. Die Zerschlagung dieser mutterzentrierten Ordnung durch den kastischen Mörder und der Beginn jenes Prozesses, den wir als staatliche Zivilisation bezeichnen – einen urbanen, klassenbasierten und staatlich organisierten Entwicklungsprozess –, stellen den Ausdruck der Versklavung der Frau dar.
Demgegenüber bildet es unseren grundlegenden Ausgangspunkt, im Sinne einer demokratisch-kommunalistischen Zivilisation und im Rahmen des Verständnisses der demokratischen Moderne sämtliche in der mutterzentrierten Gesellschaft verlorengegangenen Werte zur Grundlage einer neuen Gesellschaft, Zivilisation und Moderne zu machen. Ausgehend davon stellt eine korrekte Diskussion über den Sozialismus – man könnte auch von einer Aktualisierung des Sozialismus sprechen – zugleich den richtigen Weg dar, den Realsozialismus zu überwinden. In der realsozialistischen Theorie wurden die gesellschaftlichen Probleme nicht angemessen formuliert; die mutterzentrierte Gesellschaft wurde nicht korrekt theoretisch gefasst, was wiederum dazu führte, dass auch die darauf aufbauende etatistische Zivilisation nicht adäquat analysiert werden konnte. Insofern sind sowohl die im Manifest formulierte Kritik als auch die darin entwickelten Lösungsansätze von erheblichem Wert.
Von einem zutreffenden sozialistischen Aufbruch kann nur in dem Maße gesprochen werden, in dem die drei tragenden Säulen der von uns entwickelten demokratischen Moderne – Frauenbefreiung, ökologische Gesellschaft und eine anti-kapitalistische demokratisch-sozialistische Gesellschaftsordnung – tatsächlich aufgebaut werden. Auch für die sozialistischen und antikapitalistischen Bewegungen weltweit kann nur auf dieser Grundlage ein neues Manifest entwickelt werden, das einen Sozialismus der demokratischen Gesellschaft sowie die entsprechenden Formen von Organisation und Kampf hervorbringt.
Frau als „Königin der Waren“ muss analytisch in Mittelpunkt gestellt werden
Die Analysen von Marx und der marxistischen Tradition, die den Kapitalismus vor allem über Mehrwert, Ware und Verdinglichung zu erklären versuchen, haben in den Erfahrungen der letzten zweihundert Jahre zwar eine bestimmte Form der Kapitalismusanalyse ermöglicht, zugleich jedoch den Weg für eine begrenzte Interpretation des Kapitalismus eröffnet, die langfristig zum praktischen Scheitern des Sozialismus beigetragen hat. Um die Weise zu beschreiben, in der das System die Frau instrumentalisiert, haben wir die Bezeichnung „Königin der Waren“ entwickelt. Im kapitalistischen System wird die Frau tatsächlich zur Königin der Waren gemacht und damit zu einem zentralen produzierenden Element des Systems. Daher wird es für das Verständnis des Kapitalismus angemessener sein, nicht primär die Ware selbst zu analysieren, sondern die Position der zur Königin der Waren gemachten Frau. Erst auf dieser Grundlage kann auch eine realistische Theorie des Sozialismus entwickelt werden.
Es gilt daher, nicht irgendeine Ware, sondern die Frau als Königin der Waren zum Gegenstand der Analyse zu machen. Um das über die Frau errichtete System zu definieren, ist es notwendig, die Kommodifizierung der Frau aufzuklären. Denn die Verwandlung der Frau in eine Ware und ihre schrittweise Erhebung zur Königin der Waren markiert den Beginn des gesellschaftlichen Problems. Das Manifest für Frieden und eine demokratische Gesellschaft nimmt daher die Frauenproblematik als „Königin der Waren“ zum Ausgangspunkt seiner Analyse. Wenn wir dies formulieren, beschränken wir uns nicht auf eine bloß literarische oder politische Metapher; vielmehr wollen wir verständlich machen, dass die Frau im wörtlichen Sinne in eine Ware verwandelt worden ist. Im staatlich organisierten System ist die Frau ein Besitzobjekt, ja sogar die Königin der Güter. Denn jeder einzelne Teil ihres Körpers wird separat zur Ware gemacht; darin liegt der Ausgangspunkt jener Mechanismen von Ausbeutung, Entfremdung und Erniedrigung, die das System kennzeichnen.
Frauen müssen die Mentalität des kastischen Mörders genau erkennen
Die „Königin der Waren“ bezeichnet die wertvollste Ware. Solange Bedarf besteht, erscheint sie als Objekt von Liebe, Zuneigung oder Begehren; entfällt dieser Bedarf, wird sie zu einem Wesen, das brutal getötet werden kann. Dass die Täter häufig „leidenschaftlich verliebte“ Partner, Väter oder Brüder sind, verweist auf eine weitere Dimension dieser Tragödie. Die Serie von Tötungen, die gemeinhin als „Frauenmorde“ bezeichnet werden, stellt im Kern einen Feminizid, einen Frauenmassenmord, dar. Ihre Inspiration bezieht sie aus den Praktiken des kastischen Mörders zu Beginn der Geschichte. Der kastische Mörder, der sich die kommunale Gemeinschaft aneignet, tötet die Männer und nimmt Kinder und Frauen gefangen.
Das Unterbewusstsein des Mannes hat die Erniedrigung der Frau legitimiert und bis in die Gegenwart fortgeschrieben. Während er die Frau unterdrückt, tötet oder wie ein Objekt benutzt, hinterfragt er sein Handeln nicht; vielmehr betrachtet er es als sein Recht. Gegenüber der Frau herrscht eine erschreckende Form der Respektlosigkeit. Früher habe es noch eine gewisse Achtung gegeben, doch mit der Entwicklung des Kapitalismus sei auch diese weitgehend verschwunden. Dies ist die Mentalität des kastischen Mörders. Für Frauen ist es daher notwendig, diese Mentalität klar zu erkennen und zu verstehen und auf dieser Grundlage zu einer eigenen Lebensrealität zu gelangen, die es ermöglicht, die gegenwärtige, männlich dominierte Lebensweise zu überwinden.
Ein adäquater Sozialismus muss von der Frauenproblematik ausgehen
In Verbindung mit meinen früheren Verteidigungsschriften stellt das Manifest einen Versuch dar, hierfür eine theoretische Analyse zu entwickeln. Entscheidend ist jedoch, diese Frage zum Grundproblem der Sozialwissenschaft zu machen. Eine angemessene Soziologie muss die Frauenproblematik in den Mittelpunkt stellen. Mehr noch: Ein zutreffender Sozialismus muss vollständig von der Frauenproblematik ausgehen. Ein Sozialismus, der nicht von der Frauenfrage ausgeht, vermag Freiheit, Gleichheit und Demokratie nicht in einem wirklichen Sinne erfahrbar und lebbar zu machen.
Wenn sämtliche bisherigen Freiheitsbestrebungen unvollständig geblieben oder gescheitert sind, wenn die grundlegendsten Fragen – von der individuellen Freiheit bis zur nationalen Befreiung – weiterhin Gegenstand kontroverser Debatten sind, so liegt der grundlegende Grund darin, dass emanzipatorische Aufbrüche auf der Grundlage der Frau, also das eigentliche Fundament der Freiheit und damit eine auf der Frau beruhende gesellschaftliche Freiheitsordnung, nicht zum Ausgangspunkt genommen worden sind.
Jineolojî lediglich richtiger Anfang – sie muss konkretisiert und vertieft werden
Bis heute hat insbesondere eine männlich dominierte Geschichtsschreibung die Existenz der Frau und ihre Problematik weitgehend ignoriert und sie selbst als gesellschaftliches Subjekt ihres gesamten historischen Gehalts beraubt. In Mythologie, Philosophie, Religionen, Wissenschaft und gesellschaftlichen Institutionen wurde die Frau unsichtbar gemacht. Selbst in der als Zeitalter der Freiheit propagierten Moderne sah sich die Frau im Verlauf der gesamten Geschichte mit einer Form der Ausgrenzung konfrontiert, in der sie zwar dem Namen nach existiert, tatsächlich jedoch abwesend bleibt.
Diesen Zustand wollten wir mit dem Konzept der Jineolojî überwinden. Als eine Ideologie der Frauenbefreiung wurde Jineolojî sowohl in der akademischen Welt als auch in der progressiven internationalen Öffentlichkeit intensiv diskutiert und durch zahlreiche Beiträge weiterentwickelt. In dieser Hinsicht kann durchaus von beträchtlichen Fortschritten gesprochen werden. Es wurde zweifellos ein richtiger Anfang gemacht. Dennoch muss dieser Schritt zunächst als Ausgangspunkt verstanden werden. Die Konkretisierung und Vertiefung dieses anfänglichen Ansatzes wird erst durch die zukünftige praktisch-politische Umsetzung möglich sein.
Der Aufbau von Kommunen ist für ein freies Leben unverzichtbar
Zweifellos ist es von großem Wert und notwendig, das Problem zunächst theoretisch zu formulieren. Doch ist es für ein freies und würdiges Leben ebenso unerlässlich, dass die theoretischen Erkenntnisse auch praktisch und auf angemessener Grundlage umgesetzt werden. Die Verwirklichung der Theorie in der Praxis bedeutet in diesem Zusammenhang Kommunalisierung. Ein freies und würdiges Leben kann nur dadurch entstehen, dass in allen Bereichen des Lebens Kommunen aufgebaut werden. Das wirklich freie Leben der Frau – und damit auch der Gesellschaft – hängt von der schöpferischen Aufbaukraft der Frau und von der von ihr angeführten kommunalen Organisierung ab. Von Frauenkommunen bis hin zu den Bereichen Ökonomie, Gesundheit, Bildung, Sprache, Kultur und Ökologie sowie allen weiteren Dimensionen des gesellschaftlichen Lebens ist die aufbauende Rolle der Frau unverzichtbar. So wie die Frau im ersten Prozess der Vergesellschaftung der Menschheit die mutterzentrierte kommunale Gesellschaft aufgebaut hat, kann sie heute auch deren aktualisierte Form – die neue Kommunalisierung – verwirklichen. Daher muss der kommunale Aufbau im Wesentlichen als Verantwortung der Frau verstanden werden.
Frauen müssen das Wesen der frühen kommunalen Gesellschaft erneuern
Die grundlegende Philosophie des Manifests beruht auf einem solchen Ansatz. Im Paradigma der demokratischen Zivilisation wurden sowohl Jineolojî als auch die daraus abgeleiteten Lösungswege in angemessener Weise formuliert. Für die kommende Periode ist es daher entscheidend, im Prozess der Herausbildung eines Sozialismus der demokratischen Gesellschaft als neuem sozialistischen Aufbruch sowie bei der Bildung einer neuen Internationale die Frauenproblematik und die Freiheit der Frau zum zentralen Ausgangspunkt zu machen. Ebenso ist es von vitaler Bedeutung, dass sie entsprechend den jeweiligen konkreten Bedingungen der einzelnen Länder zum Ausgangspunkt für die Ausarbeitung von Programmen und den Aufbau von Organisationen wird.
Unter unseren eigenen Bedingungen und im Rahmen des von uns für unser Volk geführten Kampfes um Existenz und Freiheit, mit anderen Worten innerhalb unseres Verständnisses der demokratischen Moderne, haben wir diesen Ansatz als einen grundlegenden Eckpfeiler und als eine der drei tragenden Säulen aktualisiert. Der in diesem Zusammenhang geführte umfassende Kampf sowie die daraus hervorgegangene Praxis besitzen einen hohen Wert und historischen Charakter. Ohne Zweifel stellt die freie Frau den wichtigsten Freiheitswert unserer revolutionären Arbeit und unserer Anstrengungen dar. Es ist eine gewaltige Frauenbewegung entstanden – ein Zustand, der im Gegensatz zu den Mustern des klassischen gesellschaftlichen Lebens steht.
Frauen sollten das Wesen der früheren kommunalen Gesellschaft erneuern und die Kultur der Muttergöttin weiterentwickeln. Sie müssen sich auf der Grundlage ihres eigenen Willens und ihrer eigenen Autonomie entfalten. Ich habe mit jungen Frauen gearbeitet; für mich war dies stets eine Quelle der Ermutigung und Hoffnung. Die Frau ist die grundlegende Quelle des Lebens. Wir sagen: „Jin, Jiyan, Azadî“ – Frau, Leben, Freiheit. Die wahren Erbauerinnen des Friedens sind die Frauen. Frieden und Demokratie können von Frauen hervorgebracht werden. Das neue Leben können Frauen durch kommunale Organisierung aufbauen. Die Frau steht heute nicht länger als „Königin der Waren“, sondern als Göttin der Freiheit vor einer Form des Lebens, die auf aktualisierte und sich verwirklichende Freiheit ausgerichtet ist. Nach Jahrtausenden, in denen sie als „Königin der Waren“ verausgabt wurde, stellt die Entwicklung hin zur Göttin des freien Lebens eine höchst würdige und wertvolle historische Verwirklichung dar.
Keine Herausforderung ist bedeutsamer als der Kampf gegen die Kultur der Vergewaltigung
In der kommenden Periode muss diese historische und würdige Verwirklichung als Grundlage von allem weiter aufgebaut werden. Genau an diesem Punkt ist es notwendig, die Philosophie von „Jin, Jiyan, Azadî“ in Erinnerung zu rufen. Die weitere Konkretisierung und Lebbarmachung des in dieser Philosophie angelegten Ansatzes bildet die Grundlage für die Lösung aller grundlegenden Wertefragen, aller emanzipatorischen politischen Aufbrüche und letztlich auch aller aktuellen gesellschaftlichen Probleme. Die auf diesem Gebiet bereits erzielten Fortschritte verdienen große Anerkennung. Zugleich ist offensichtlich, dass wir alle unsere Kräfte dafür einsetzen müssen, damit das kommende Jahrhundert zu einem Jahrhundert der Befreiung der Frau wird. Keine Schwierigkeit kann bedeutender sein als der Kampf gegen eine seit Zehntausenden von Jahren bestehende Kultur der Vergewaltigung.
Es gilt daher, einen Sozialismus zu entwickeln, der von der Frauenproblematik ausgeht. Eine entsprechende Soziologie muss damit beginnen, die um die Frau herum konstituierte Form gesellschaftlicher Beziehungen zu untersuchen. Den Sozialismus der demokratischen Gesellschaft sowie den darauf gegründeten gegenwärtigen Ausdruck dieses Lebens – den Kampf der freien Göttin – begrüße ich ausdrücklich. Ich bin überzeugt, dass sich dieser bedeutsame und würdige Weg von Tag zu Tag mit wachsendem Erfolg weiterentwickeln wird.
Mit diesen Gedanken gratuliere ich zum 8. März, dem Internationalen Frauentag, grüße den Kampf der freien Frau und wünsche allen Frauen, die an diesem Kampf beteiligt sind, viel Erfolg.
8. März 2026, Abdullah Öcalan“
https://deutsch.anf-news.com/frauen/Ocalan-zum-8-marz-die-grundlegende-kraft-des-gesellschaftlichen-wandels-ist-die-frau-50597 https://deutsch.anf-news.com/frauen/kjk-der-8-marz-ist-der-geist-von-demokratie-und-freiheit-50620 https://deutsch.anf-news.com/frauen/ypj-zum-8-marz-wir-sind-entschlossen-unsere-errungenschaften-zu-verteidigen-50619 https://deutsch.anf-news.com/frauen/kck-frauenkampf-am-8-marz-soll-freiheit-von-abdullah-Ocalan-naherbringen-50606 https://deutsch.anf-news.com/frauen/frauenorganisationen-aus-rojhilat-rufen-zum-8-marz-zu-verstarktem-widerstand-auf-50607
Drohnenangriffe auf Hewlêr: Ein Toter und drei Verletzte
Bei Drohnenangriffen auf die südkurdische Stadt Hewlêr (Erbil) ist ein Sicherheitsmitarbeiter des Flughafens ums Leben gekommen, drei weitere wurden verletzt. Die Angriffe ereigneten sich in der Nacht, als mehrere mit Sprengstoff beladene Drohnen auf die Hauptstadt der Kurdistan-Region des Irak (KRI) abgefeuert wurden. Nach Angaben des Gouverneurs Umed Xoşnaw wurde Hewlêr in der Nacht insgesamt neunmal von Drohnen angegriffen.
Ein Großteil der unbemannten Fluggeräte sei jedoch von den Luftabwehrsystemen der internationalen Koalition abgefangen worden. Eine der abgeschossenen Drohnen stürzte jedoch in der Nähe des Flughafens von Hewlêr ab. Durch den Einschlag kam der Flughafensicherheitsmitarbeiter Welat Tahir ums Leben. Der Familienvater hinterlässt zwei Kinder. Zudem wurden drei weitere Sicherheitskräfte verletzt.
Drohnenangriff auf Militärstützpunkt in Bagdad vereitelt
Auch in Bagdad kam es zu einem Drohnenangriff. Die Luftabwehr fing zwei Maschinen ab, die auf den Victory Base Complex zusteuerten. Der Angriff ereignete sich gegen 4.00 Uhr morgens. Die Drohnen wurden von den Luftverteidigungssystemen abgefangen, bevor sie die Militärbasis am Flughafen Bagdad erreichen konnten, auf der sich auch Berater der internationalen Koalition aufhalten. Zu möglichen Schäden oder Verletzten in Bagdad lagen zunächst keine offiziellen Angaben vor.
Angriffe im Zusammenhang mit US-israelischem Krieg gegen Iran
Während der Angriffe wurden die Sicherheitsmaßnahmen rund um militärische Einrichtungen und wichtige Einrichtungen in der irakischen Hauptstadt verstärkt. Gleichzeitig halten die Drohnenangriffe in der Region an. Irakische Milizen, die dem iranischen Regime nahestehen, hatten zuvor angekündigt, im Rahmen ihrer Unterstützung für Iran US-Stützpunkte, Einrichtungen und Personal im Irak sowie in der KRI anzugreifen. Seitdem kommt es nahezu täglich zu Raketen- und Drohnenangriffen auf Ziele in Südkurdistan. Auch ostkurdische Parteien mit Lagern in der KRI werden gezielt angegriffen.
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https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/mehrere-drohnenangriffe-erschuttern-silemani-50618 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/drohnenabsturze-in-Coman-angriff-auf-sendemasten-in-helebce-50611 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/ein-toter-bei-iranischem-angriff-auf-pak-stutzpunkt-bei-hewler-50563 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/iran-droht-mit-angriffen-auf-alle-einrichtungen-in-sudkurdistan-50599
KJK: Der 8. März ist der Geist von Demokratie und Freiheit
Die Gemeinschaft der Frauen Kurdistans (KJK) hat anlässlich des Internationalen Frauenkampftags am 8. März eine umfangreiche Erklärung veröffentlicht. Darin würdigt der Dachverband der kurdischen Frauenbewegung den weltweiten Kampf der Frauen für Freiheit, Gleichberechtigung und Selbstbestimmung und ruft zu einer globalen Organisierung der Frauen gegen Patriarchat, Krieg und kapitalistische Ausbeutung auf. „Der 8. März ist der Geist von Demokratie und Freiheit“, heißt es in der Erklärung.
Zugleich erneuere die kurdische Frauenbewegung aus Anlass dieses Tages ihr Versprechen, „mit der Kraft und dem Licht des gemeinsamen Frauenkampfes die Dunkelheit von Herrschaft und Patriarchat aus unserem Leben zu reißen und jeden Tag zu einem 8. März zu machen“. Die KJK gratuliert allen Frauen weltweit zum Internationalen Frauentag und erinnert zugleich an die Frauen, die im Kampf um Freiheit ihr Leben verloren haben. Trotz Repression, Gewalt und Massakern haben Frauen ihren Widerstand in allen Bereichen des Lebens organisiert – in Gefängnissen, in den Bergen, auf den Straßen, in Betrieben, auf Feldern und in den Familien, betont sie.
21. Jahrhundert zu einem Zeitalter der Frauenfreiheit machen
Seit mehr als vier Jahrzehnten kämpfe die kurdische Frauenbewegung dafür, die Ideologie der Frauenbefreiung zu vertiefen, die Selbstverteidigungskraft von Frauen zu stärken und ihre gleichberechtigte politische Repräsentation zu sichern. Ziel sei es, patriarchale Strukturen in allen Bereichen des Lebens zu überwinden und die Frauenbefreiung voranzutreiben. „Wir haben den Errungenschaften dieses Kampfes immer große Bedeutung beigemessen und sie mit Frauen weltweit geteilt“, erklärt die KJK. Zugleich wolle die Bewegung ihren Beitrag dazu leisten, das 21. Jahrhundert zu einem Zeitalter der Frauenfreiheit zu machen und „die zweite große Frauenrevolution“ voranzutreiben.
Kritik an globaler Ordnung und Nationalstaat
In der Erklärung analysiert die KJK auch die aktuellen globalen Entwicklungen. Die Welt bewege sich rasant in Richtung einer multipolaren und fragmentierten Ordnung, während das bisherige internationale System zerfalle. Populistische und autoritäre Führungsfiguren stellten ihre Machtinteressen zunehmend über demokratische Werte und gesellschaftliche Bedürfnisse. „Unsere Welt wird durch feindliche Konkurrenz und Machtpolitik immer unbewohnbarer“, heißt es in der Erklärung. Kapitalismus, Patriarchat und Machtpolitik ließen den gesellschaftlichen Boden unter den Füßen der Menschen wegbrechen. Das internationale System, das angeblich auf Regeln und Rechten beruhe, stehe deshalb vor dem Zusammenbruch.
Auch die Rolle des Nationalstaates wird in der Erklärung scharf kritisiert. Der Nationalstaat habe die kommunalen Strukturen der Gesellschaft zerstört und zentrale gesellschaftliche Bereiche wie Wirtschaft, Bildung, Gesundheit oder Sicherheit monopolisiert. Dadurch seien Gesellschaften und Gemeinschaften ihrer eigenen Selbstorganisierung und Selbstverteidigung beraubt worden.
Kriege und globale Krisen
Die KJK verweist zudem auf zahlreiche Kriege und Konflikte der vergangenen Jahrzehnte, darunter die Kriege im ehemaligen Jugoslawien, im Irak, die Aufstände des „Arabischen Frühlings“, den Krieg zwischen Russland und der Ukraine sowie den Krieg in Gaza. Auch in den verschiedenen Teilen Kurdistans dauerten seit Jahrzehnten Konflikte an. Diese Kriege hätten die globalen Probleme nicht gelöst, sondern weiter verschärft, heißt es. „Wie Antonio Gramsci sagte: Die alte Welt stirbt, die neue kämpft darum, geboren zu werden – und jetzt ist die Zeit der Monster.“ Die Menschheit lebe zunehmend in einer Epoche, in der das Recht des Stärkeren dominiere.
Ökologische Krise und soziale Ungleichheit
Die KJK warnt zudem vor den Folgen der globalen ökologischen Krise. Obwohl der Planet seit langem „SOS“ sende, würden ökologische Zerstörung, Kriege, Vertreibungen und Ausbeutung fortgesetzt, um Profite zu sichern. Wissenschaft und Technologie würden zunehmend im Interesse von Macht- und Profitinteressen eingesetzt, statt zur Lösung globaler Probleme beizutragen. Armut, soziale Ungleichheit, autoritäre Politik, Umweltzerstörung und technologische Kontrolle seien direkte Folgen der kapitalistischen Konkurrenzordnung. „Die Antwort auf all diese Fragen ist sehr einfach: Damit einige wenige noch mehr Profit machen können“, erklärt die Organisation.
Frauen ohne Staat
In der Erklärung betont die KJK, dass Frauen weltweit weiterhin struktureller Gewalt und Diskriminierung ausgesetzt seien. „Als Frauen haben wir keinen Staat“, heißt es. Auch Arbeiterinnen, Migrantinnen oder indigene Gemeinschaften hätten keinen Staat, der tatsächlich ihre Interessen vertrete. Frauen seien weiterhin systematischer Gewalt ausgesetzt, würden erniedrigt, objektiviert und aus gesellschaftlichen Machtstrukturen ausgeschlossen. Diese patriarchalen Strukturen würden durch ideologische Instrumente wie Nationalismus, Religiosität, Sexismus und technokratische Ideologien aufrechterhalten.
Kritik am kapitalistischen Patriarchat
Besonders scharf kritisiert die KJK das patriarchale System und dessen Verbindung mit kapitalistischen Machtstrukturen. Die Organisation verweist dabei auch auf die internationalen Debatten um die Verbrechen des US-amerikanischen Finanzierers Jeffrey Epstein. Die Enthüllungen über sexualisierte Gewalt durch mächtige und wohlhabende Männer seien kein Einzelfall oder Systemfehler, heißt es in der Erklärung. Vielmehr seien sie Ausdruck eines patriarchalen Systems, das Gewalt strukturell hervorbringe. „Der eigentliche Vergewaltiger ist das kapitalistische System selbst, das durch patriarchale Codes geformt wurde“, erklärt die KJK.
Frauen als zentrale Kraft gesellschaftlicher Veränderung
Die Organisation ruft Frauen weltweit dazu auf, ihre eigenen politischen und gesellschaftlichen Alternativen aufzubauen. Frauen müssten ihre eigenen Institutionen, Strukturen und Formen des Zusammenlebens entwickeln, um sich gegen patriarchale Machtstrukturen zu verteidigen. „Die Frauenbewegung ist die längste und universellste soziale Bewegung der Geschichte“, betont die KJK. Sie könne zentrale Antworten auf Fragen von Menschenrechten, sozialer Gerechtigkeit, Umweltzerstörung, Bildung und Gesundheit liefern. „Die treibende Kraft des Sozialismus ist die Frau.“ Eine sozialistische Bewegung, die die Befreiung der Frauen nicht verwirkliche, könne keinen nachhaltigen gesellschaftlichen Wandel erreichen.
Aufruf zu globaler Frauenorganisation
Angesichts der globalen Krisen ruft die KJK Frauen weltweit dazu auf, eine internationale demokratische Frauenallianz aufzubauen. Frauen müssten zu einer zentralen Kraft für Frieden und Demokratie werden und den Kriegen sowie der Gewalt patriarchaler Systeme entgegentreten. In vielen politischen Umbrüchen seien Frauen zwar die treibende Kraft auf den Straßen gewesen, doch ihre Rechte seien in politischen Verhandlungen häufig ignoriert worden. Deshalb müsse die Frage der Frauenrechte überall als strategisches Thema auf die politische Agenda gesetzt werden.
Die KJK appelliert daher an Frauen, sich über Grenzen hinweg zu organisieren und solidarisch zu handeln. Die zunehmenden Angriffe auf Frauenrechte weltweit seien eng mit der Krise des patriarchalen kapitalistischen Systems verbunden. Von sexualisierter Gewalt in den USA über Massenvergewaltigungen in Asien bis zu Feminiziden in Lateinamerika oder der Versklavung von Frauen durch bewaffnete Milizen in Afrika und im Nahen Osten – all diese Entwicklungen müssten als Teil desselben Systems verstanden werden.
„Jeden Tag zu einem 8. März machen“
Gleichzeitig betont die KJK, dass das patriarchale System heute stärker unter Druck stehe als jemals zuvor. Die Bedingungen für eine neue Phase der Frauenbefreiung seien so weit entwickelt wie selten zuvor. „Wir gratulieren allen Frauen weltweit zum 116. Internationalen Frauentag. Mit der Kraft und dem Licht des gemeinsamen Frauenkampfes erneuern wir unser Versprechen, die Dunkelheit von Herrschaft und Patriarchat aus unserem Leben zu reißen und jeden Tag zu einem 8. März zu machen“, heißt es weiter. Abschließend würdigt die KJK die historischen Symbolfiguren des Frauenwiderstands und erklärt: „Grüße an unsere Symbole des Widerstands – von Rosa bis Sara.“
https://deutsch.anf-news.com/frauen/kjk-ruft-neue-strategische-phase-aus-jetzt-ist-die-zeit-der-frauen-50507 https://deutsch.anf-news.com/frauen/kck-frauenkampf-am-8-marz-soll-freiheit-von-abdullah-Ocalan-naherbringen-50606 https://deutsch.anf-news.com/frauen/ypj-zum-8-marz-wir-sind-entschlossen-unsere-errungenschaften-zu-verteidigen-50619
YPJ zum 8. März: Wir sind entschlossen, unsere Errungenschaften zu verteidigen
Die Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) haben zum Internationaler Frauenkampftag am 8. März eine schriftliche Erklärung veröffentlicht. Darin würdigt die Generalkommandantur des autonomen Kampfverbands den weltweiten Widerstand von Frauen und betont die Entschlossenheit, die in der Revolution erkämpften Errungenschaften zu verteidigen.
Der 8. März sei ein Tag, der seine Bedeutung aus dem historischen Widerstand und den Opfern der Frauen schöpfe, heißt es in der Erklärung. Die Stimme der Frauenfreiheit habe sich an diesem Tag über Generationen hinweg erhoben und Gesellschaften immer wieder neue Perspektiven eröffnet. Dabei stehe der 8. März nicht nur für den Kampf der Arbeiterinnen in New York City.
Er trage zugleich das Erbe jener Frauen in sich, die in den Regionen zwischen dem Zagros-Gebirge und dem Taurusgebirge sowie in den fruchtbaren Ebenen Mesopotamiens gegen Unterdrückung gekämpft hätten. Der Widerstand der Frauen gegen das „System des kastischen Mörders“ habe sich in jeder Epoche als ein Kampf um Existenz und Würde fortgesetzt.
Ohne die Freiheit der Frauen gibt es kein Leben
Die YPJ gratulieren allen Frauen weltweit zum Internationalen Frauentag und erklären: „Aus dem Herzen dieser Erde, aus dem Feuer des Freiheitskampfes der Völker und zwischen den Blumen, die mit dem Blut der Gefallenen gewachsen sind, rufen wir: Ohne die Freiheit der Frauen gibt es kein Leben.“
In der Erklärung wird zudem auf die Bedeutung der Ideen des kurdischen Repräsentanten Abdullah Öcalan verwiesen. Seine Gedanken hätten der Frauenbewegung eine neue Perspektive eröffnet und seien zu einer Grundlage für den Kampf um Frauenbefreiung geworden. Die Philosophie „Jin, Jiyan, Azadî“ (Frau, Leben, Freiheit) sei heute ein zentraler Ausdruck dieses Kampfes.
Tausende Kämpferinnen der Rojava-Revolution stünden heute in den Reihen des Widerstands, heißt es weiter. Trotz der anhaltenden Isolation Öcalans habe sein Denken für die Frauenbewegung weiterhin eine prägende Bedeutung. Seine physische Freiheit sei zugleich eine Voraussetzung für die Freiheit der Frauen und der Gesellschaft insgesamt.
Weltweite Inspiration
Zugleich verweisen die YPJ darauf, dass die Regionen in Nord- und Ostsyrien seit Jahren Ziel schwerer Angriffe sind. Die Revolution und ihre Errungenschaften würden immer wieder bedroht – zeitweise durch den sogenannten Islamischer Staat, zeitweise durch andere Kräfte. „Dennoch haben sich die Frauen den Angriffen und dem Terror niemals gebeugt“, betonen die YPJ. „Um unser Land, unsere Existenz und unser Leben zu verteidigen, haben wir alles eingesetzt.“ Für diese Werte werde der Kampf weitergeführt, ungeachtet der Opfer.
Die Frauenverteidigungseinheiten unterstreichen zudem die Rolle der Frauen in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens – von der Verteidigung über Politik bis hin zu Kultur und sozialem Engagement. Die Frauen von Rojava hätten damit nicht nur ihre eigene Zukunft geprägt, sondern auch Frauen weltweit inspiriert.
Zum Abschluss erinnert die Erklärung an die gefallenen Kämpferinnen des Freiheitskampfes. Stellvertretend werden unter anderem Deniz, Sîdar, Şîlan, Siyajîn, Arîn und Çiyajîn genannt. Sie hätten „die Samen der Freiheit in diese Erde gesät“, deren Vermächtnis mit dem Kampf für ein freies und gleichberechtigtes Leben weitergetragen werde.
Aufruf an die Frauen der Welt
Abschließend rufen die YPJ Frauen weltweit – junge Frauen, Mütter, Künstlerinnen, Arbeiterinnen, Revolutionärinnen und Aktivistinnen – dazu auf, ihre Stimmen zu vereinen. Wenn die Stimmen der Frauen wie ein großer Fluss zusammenflössen, könne das Meer der Freiheit wachsen und dauerhaft werden. „Jin, Jiyan, Azadî ist dabei nicht nur eine Parole, sondern der Schlüssel zur Befreiung der gesamten Gesellschaft.“
https://deutsch.anf-news.com/frauen/Ocalan-zum-8-marz-die-grundlegende-kraft-des-gesellschaftlichen-wandels-ist-die-frau-50597 https://deutsch.anf-news.com/frauen/frauenorganisationen-aus-rojhilat-rufen-zum-8-marz-zu-verstarktem-widerstand-auf-50607 https://deutsch.anf-news.com/frauen/yja-star-bereiten-sich-in-den-bergen-kurdistans-auf-den-8-marz-vor-50610
Mehrere Drohnenangriffe erschüttern Silêmanî
Die Stadt Silêmanî in der Kurdistan-Region des Irak (KRI) ist in der Nacht zum Sonntag von einer Serie von Drohnenangriffen Iran-gesteuerter Milizen erschüttert worden. Nach Angaben der Sicherheitsbehörden wurden die Attacken auf militärische Einrichtungen und Ziele im Stadtgebiet verübt. Einsatzkräfte haben ihre Präsenz an strategischen Punkten in Silêmanî verstärkt, da weiterhin Drohnengeräusche über der Stadt zu hören sind.
Wie die Asayîş der Kurdistan-Region mitteilte, richteten sich mehrere Angriffe gegen das Hauptquartier der 70. Peschmerga-Einheit. Die Einrichtung sei in kurzer Folge von vier Drohnen attackiert worden. Weitere zwei Drohnen gingen in der Nähe diplomatischer Einrichtungen im Stadtzentrum nieder. Betroffen waren demnach Bereiche unweit der Vertretung der Vereinten Nationen sowie des türkischen Konsularbüros, in dem sich auch ein Visazentrum befindet. Nach Angaben der Asayîş gab es bei diesen Angriffen keine Verletzten.
The series of drone strikes against the city of Slemani in the autonomous region of Kurdistan illustrate the problem we are facing:
We do not have the means to effectively defend ourselves against the threat of fast moving and mobile suicide-drones.
The footage shows the… pic.twitter.com/AGOTVXUPdu
Angriff auf Peschmerga-Lager
Die schwersten Folgen hatte ein Angriff auf ein Lager der Komala-Fraktion der Werktätigen Kurdistans im Grenzdorf Zirguêz. Bei zwei Attacken auf das Lager wurde ein Peschmerga-Kämpfer getötet. Nach Angaben der Organisation handelt es sich um Ako Rahimi. Ein weiterer Kämpfer wurde verletzt, sein Zustand sei jedoch stabil.
Drohne über Flughafen gesichtet
Auch der Bereich um den internationalen Flughafen von Silêmanî war Ziel der Angriffe. Sicherheitskreisen zufolge wurde eine Drohne über dem Flughafengelände gesichtet, bevor sie im angrenzenden Raperîn-Viertel abstürzte. Auch in weiteren Teilen der Stadt waren Explosionen zu hören. Besonders aus der Umgebung des Titanic-Hotels wurden starke Detonationen gemeldet. Videos aus sozialen Netzwerken zeigten Rauchwolken über Teilen des Stadtgebiets.
https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/drohnenabsturze-in-Coman-angriff-auf-sendemasten-in-helebce-50611 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/iran-droht-mit-angriffen-auf-alle-einrichtungen-in-sudkurdistan-50599 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/drohnen-uber-hewler-abgeschossen-50601
8. März in Europa: Kurdinnen rücken Frauenbefreiung und Solidarität in den Mittelpunkt
In zahlreichen europäischen Städten sind Kurdinnen und internationale feministische Gruppen am Sonnabend zum Internationalen Frauenkampftag auf die Straße gegangen. Von Paris über Düsseldorf bis Zürich und Kopenhagen standen Demonstrationen, Versammlungen und kulturelle Veranstaltungen im Zeichen von Frauenbefreiung, Solidarität und internationalem feministischen Widerstand. Im Mittelpunkt vieler Aktionen stand die kurdische Losung „Jin, Jiyan, Azadî“ – „Frau, Leben, Freiheit“ –, die in den vergangenen Jahren auch zu einem zentralen Symbol internationaler feministischer Kämpfe geworden ist.
Zürich
Düsseldorf: Kampf gegen Imperialismus, Patriarchat und Faschismus
In der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf beteiligten sich nach Angaben der Veranstalterinnen mehr als tausend Menschen an einer Demonstration. Dazu aufgerufen hatte das Bündnis Feministischer Kampftag, dem auch der Verband der Frauen aus Kurdistan in Deutschland (YJK-E) angehört. Los ging es ab 15 Uhr mit einer Kundgebung am Gustav-Gründgens-Platz, wo sich FLINTA* aus verschiedenen Organisationen und Initiativen unter dem Motto „Feminismus kennt keine Grenzen – Kampf gegen Imperialismus, Patriarchat und Faschismus“ versammelten.
Nach Redebeiträgen und einer Schweigeminute für Frauen, die im Kampf um Freiheit und Gleichberechtigung ihr Leben verloren haben, zog die Demonstration durch die Innenstadt Richtung Fürstenplatz. Viele Teilnehmenden trugen Transparente in deutscher und kurdischer Sprache, die auf Gewalt gegen Frauen, Feminizide und patriarchale Strukturen aufmerksam machten. Immer wieder waren Parolen wie „Jin, Jiyan, Azadî“ zu hören. Besonders sichtbar war ein Block kurdischer Frauen in traditionellen Kleidern, begleitet von Trommeln und Bildern von Frauen aus der kurdischen Freiheitsbewegung.
Große Demonstration in Zürich
Auch in der Schweizer Stadt Zürich beteiligten sich zahlreiche Frauen und weitere Geschlechter an einer Demonstration zum 8. März. Der Protestzug startete am Paradeplatz und wurde von einem breiten Bündnis feministischer Gruppen organisiert. Neben verschiedenen Schweizer Frauenorganisationen beteiligten sich auch kurdische Aktivistinnen an der Demonstration. In Redebeiträgen wurde auf die internationale Bedeutung feministischer Kämpfe hingewiesen, insbesondere auf die Rolle von Frauen in politischen und sozialen Bewegungen im Nahen Osten.
Während der Demonstration kam es zeitweise zu Spannungen zwischen Teilnehmenden und Polizei, die den Protestzug begleitete. Dennoch setzte sich der Zug mehrere Stunden lang durch die Innenstadt fort.
Feministische Mobilisierung in Lausanne
In Lausanne riefen feministische Gruppen zu einer breiten Mobilisierung gegen Krieg, soziale Kürzungen und patriarchale Strukturen auf. Der Demonstrationszug begann vor der Kathedrale der Stadt und endete am Esplanade de Montbenon. In Redebeiträgen wurde die Verbindung zwischen sozialen Kämpfen, feministischen Forderungen und internationaler Solidarität betont. Aktivistinnen verwiesen dabei auch auf die Rolle von Frauenbewegungen im Nahen Osten und insbesondere auf die Entwicklungen in Rojava. Zum Abschluss der Demonstration wurden Solidaritätsaktionen organisiert, unter anderem mit Informationsständen und gemeinsamen Aktivitäten im öffentlichen Raum.
Demonstration und Gedenken in Sion
Auch in der Stadt Sion (Sitten) im Schweizer Kanton Wallis fand eine Demonstration zum 8. März statt. Die Aktion wurde von feministischen Initiativen und kurdischen Gruppen organisiert. In Redebeiträgen erinnerten Aktivistinnen an historische Figuren der internationalen Frauenbewegung, darunter Clara Zetkin und Rosa Luxemburg, sowie an die kurdische Revolutionärin Sakine Cansız. Die Demonstration endete mit Musik, Tänzen und Parolen der kurdischen Frauenbewegung.
Veranstaltungen in Frankreich und Dänemark
Auch in Frankreich und Dänemark organisierten kurdische Frauen eigene Veranstaltungen. In einem Vorort von Paris fand eine Versammlung statt, bei der Aktivistinnen die Geschichte des Internationalen Frauentages und die Rolle der kurdischen Frauenbewegung in den vergangenen Jahrzehnten thematisierten.
In Kopenhagen versammelten sich Frauen zu einer Demonstration durch das Stadtzentrum. Während des Protestzugs wurde erneut die Parole „Jin, Jiyan, Azadî“ in mehreren Sprachen gerufen. Redebeiträge erinnerten auch an die Rolle der Frauenverteidigungseinheiten in Nord- und Ostsyrien im Kampf gegen die Terrororganisation „Islamischer Staat“.
Internationale Solidarität im Mittelpunkt
Bei allen Veranstaltungen wurde betont, dass der 8. März nicht nur ein symbolischer Gedenktag sei, sondern ein Tag internationaler feministischer Mobilisierung. Aktivistinnen verwiesen darauf, dass Kämpfe gegen patriarchale Gewalt, Krieg, Rassismus und soziale Ungleichheit eng miteinander verbunden seien. Viele Rednerinnen hoben hervor, dass die Erfahrungen der kurdischen Frauenbewegung für feministische Bewegungen weltweit eine wichtige Inspiration darstellen.
https://deutsch.anf-news.com/frauen/kjk-ruft-neue-strategische-phase-aus-jetzt-ist-die-zeit-der-frauen-50507 https://deutsch.anf-news.com/frauen/kck-frauenkampf-am-8-marz-soll-freiheit-von-abdullah-Ocalan-naherbringen-50606 https://deutsch.anf-news.com/frauen/Ocalan-zum-8-marz-die-grundlegende-kraft-des-gesellschaftlichen-wandels-ist-die-frau-50597
Mazlum Abdi empfängt Angehörige von Gefangenen und Vermissten
Der Oberkommandierende der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) Mazlum Abdi hat sich mit einer Delegation von Familien von Gefangenen und Vermissten getroffen. Bei dem Gespräch ging es um den Verbleib von Verschleppten während der jüngsten Offensive der syrischen Übergangsregierung gegen die Selbstverwaltung sowie um mögliche Schritte zu ihrer Freilassung.
Abdi betonte, dass das Thema Gefangene und Vermisste eine zentrale Rolle im Rahmen der Umsetzung des Abkommens vom 29. Januar spiele. Die Klärung dieses Dossiers habe unmittelbare Auswirkungen auf den weiteren Verlauf der Vereinbarungen. Er sagte, dass sich derzeit 1.070 Gefangene in syrischen Gefängnissen befänden, darunter sowohl Zivilpersonen als auch Kämpfer:innen. Die Klärung ihres Schicksals habe höchste Priorität und sei nicht Gegenstand politischer Verhandlungen.
Rückkehr der Gefangenen angekündigt
Der QSD-Generalkommandant kündigte an, dass intensiv an einer Lösung des Problems gearbeitet werde. Grundlage sei ein zeitlich abgestimmter Plan, der die Rückkehr der Gefangenen zu ihren Familien ermöglichen solle. „Die Bemühungen werden mit hoher Intensität fortgesetzt. In der kommenden Zeit sollen Gefangene zu ihren Familien zurückkehren“, erklärte Abdi. Nach seinen Angaben sind in den vergangenen Tagen bereits mehrere Gefangene auf beiden Seiten freigelassen worden. Diese Schritte seien Teil praktischer Maßnahmen zur Lösung der Gefangenenfrage.
Freilassungen auch in Nord- und Ostsyrien geplant
Abdi betonte zudem, dass die Freilassung von Gefangenen auch im Rahmen eines Programms zur Entlastung der Gefängnisse in Nordostsyrien fortgesetzt werde. Dabei gehe es um Maßnahmen zur Reintegration ehemaliger Gefangener. Gleichzeitig würdigte er die Rolle der gefangenen Kämpfer:innen. Diese hätten mit ihrem Einsatz entscheidend zum Schutz der Bevölkerung beigetragen. „Ihre Opfer und ihre Standhaftigkeit im Kampf waren ein zentraler Faktor für den Schutz der Menschen“, sagte Abdi. Es sei wichtig, dass sie zu ihren Familien zurückkehren und am Aufbau einer sicheren Zukunft mitwirken könnten.
https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/familienrat-in-kobane-fordert-aufklarung-uber-vermisste-und-freilassung-von-gefangenen-50612 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/qamislo-familien-fordern-freilassung-der-gefangenen-50488 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/nrls-bericht-1-200-zivilist-innen-bei-angriffen-auf-kurd-innen-getotet-50434
Protest gegen Geothermieprojekt in Gimgim
In dem Dorf Xwarik im Kreis Gimgim (tr. Varto) bei Mûş haben Bewohner:innen gemeinsam mit Umweltinitiativen gegen den Bau eines geplanten Geothermiekraftwerks protestiert. Zu der Kundgebung rief die Ökologieplattform Mûş auf. Nach Angaben der Initiativen könnte das Projekt langfristig bis zu 16 kurdisch-alevitische Dörfer in der gesamten Provinz betreffen.
An der Aktion nahmen neben Dorfbewohner:innen auch Vertreter:innen politischer Parteien und zivilgesellschaftlicher Organisationen teil, darunter die DEM-Abgeordnete Sümeyye Boz. Die Demonstrierenden trugen Transparente und riefen Parolen gegen das geplante Kraftwerk. Immer wieder war zu hören: „Wir verteidigen unsere Lebensräume“ und „Diese Erde gehört uns“.
Kritik an Energie- und Bergbauprojekten
Boz erklärte, dass viele Energie- und Bergbauprojekte in Kurdistan unter dem Vorwand wirtschaftlicher Entwicklung umgesetzt würden, tatsächlich aber vor allem den Interessen großer Unternehmen dienten und die Lebensgrundlagen der angestammten Bevölkerung zerstörten. Die Folge: Entvölkerung, Abwanderung, Verlust von Weide- und Anbauflächen.
„Die Menschen hier leben seit Generationen auf diesem Land“, sagte Boz. „Ihre Beziehung zu dieser Region lässt sich nicht mit wirtschaftlichen Interessen messen.“ Projekte, die das Leben der Bevölkerung oder die natürlichen Lebensgrundlagen gefährden, würden auf Widerstand stoßen. Die Politikerin kündigte an, dass der Protest auch in anderen Dörfern fortgesetzt werden solle, die von dem Vorhaben betroffen sein könnten.
„Region wird gezielt für Projekte ausgewählt“
Der Vorsitzende der Föderation der Varto-Vereine (VADEF), Nurettin Gömek, äußerte Kritik an der zunehmenden Vergabe von Abbau-Konzessionen an Unternehmen. Große Teile der Region würden Schritt für Schritt für Energie- und Bergbauprojekte freigegeben, sagte er. Gimgim sei dabei nicht durch Zufall im Fokus, sondern gezielt ausgewählt worden.
Forderung nach sofortigem Projektstopp
Für die Ökologieplattform Mûş verlas Alev Yılmaz eine gemeinsame Erklärung der beteiligten Initiativen. Darin wird davor gewarnt, dass die Region unter dem Schlagwort „Entwicklung“ an den Rand einer ökologischen Krise gebracht werde. Geothermiekraftwerke würden häufig als umweltfreundliche Energiequelle dargestellt, könnten jedoch erhebliche Folgen für Böden, Wasserressourcen sowie Landwirtschaft und Viehzucht haben.
Die Plattform fordert daher einen sofortigen Stopp aller geplanten Geothermieprojekte in Gimgim, die Aufhebung von Bergbau- und Energie-Lizenzen in den umliegenden Dörfern, sowie den Schutz der Region als Lebens- und Landwirtschaftsraum. „Ein Projekt, das gegen den Willen der Bevölkerung durchgesetzt wird, kann nicht im öffentlichen Interesse sein“, hieß es in der Erklärung. Stattdessen müsse der Schutz der Umwelt und der Lebensgrundlagen der Menschen im Mittelpunkt stehen.
https://deutsch.anf-news.com/Oekologie/Okologieplattform-mus-gegrundet-lebensraume-sind-keine-beute-fur-konzerne-50535 https://deutsch.anf-news.com/Oekologie/30-000-eicheln-in-gimgim-gepflanzt-49064 https://deutsch.anf-news.com/frauen/geothermieprojekt-in-Cewlig-bedroht-traditionelle-lebensweisen-47650
SAMER-Bericht: 95 Feminizide und verdächtige Todesfälle seit Anfang des Jahres
In der Türkei sind seit Jahresbeginn mindestes 48 Frauen Opfer eines Feminizids worden, während 47 weitere Frauen unter ungeklärten Umständen starben. Das geht aus einem Bericht des Zentrums für soziopolitische Feldforschung (SAMER) hervor, der auf Medienauswertungen zu Gewalt gegen Frauen und Mädchen basiert. Der Report enthält Daten bis zum 5. März. Zusätzlich dokumentiert der Bericht zahlreiche weitere Gewaltformen, darunter körperliche Angriffe, sexualisierte Gewalt und Zwang zur Prostitution.
Die Untersuchung basiert auf einer Auswertung von Berichten verschiedener Medien und Organisationen, darunter Bianet, Jin News, die Plattform „Wir werden Frauenmorde stoppen“, die Mesopotamische Nachrichtenagentur sowie die Webseite Anıt Sayaç, übersetzt „Denkmal-Zähler“. Die gesammelten Daten wurden anschließend statistisch ausgewertet.
Zwang zur Prostitution häufigste dokumentierte Gewaltform
Besonders häufig registrierte der Bericht von SAMER Fälle, in denen Frauen zur Sexarbeit gezwungen wurden. Insgesamt 262 Frauen waren davon betroffen. Darüber hinaus dokumentierte die in Amed (tr. Diyarbakır) ansässige Einrichtung 68 Fälle körperlicher Gewalt oder schwerer Verletzungen, 17 Fälle von Missbrauch von Mädchen, sechs Kindstötungen sowie mehrere Fälle sexueller Belästigung und sexueller Übergriffe. Insgesamt wurden in den ersten Wochen des Jahres 474 Gewaltfälle gegen Frauen und Mädchen in den Medien erfasst.
Täter häufig aus dem persönlichen Umfeld
In vielen Fällen bleibt der Täter unbekannt. Laut Bericht ist in 59,5 Prozent der Fälle keine klare Täterschaft ermittelt worden. In anderen Fällen stammen die Täter häufig aus dem direkten Umfeld der Betroffenen. 9,5 Prozent der Frauen wurden von ihren Ehemännern getötet, weitere Feminizide gehen auf Partner, frühere Partner oder andere männliche Familienangehörige zurück.
Istanbul an der Spitze der Statistik
Besonders viele Frauenmorde wurden laut Bericht in großen Städten registriert. Istanbul steht mit 14,6 Prozent der Fälle an erster Stelle, gefolgt von Ankara und Antalya. Auch bei Todesfällen unter verdächtigen Umständen liegt Istanbul vorne, gefolgt von Städten wie Samsun, Hatay, Adana sowie Amed, Mêrdîn (Mardin) und Sakarya.
Gewalt konzentriert sich auf die ersten Monate des Jahres
Der Bericht zeigt außerdem, dass sich ein Großteil der dokumentierten Fälle bereits zu Jahresbeginn ereignete. 57,6 Prozent der Gewaltfälle wurden im Januar registriert, 40,3 Prozent im Februar und 2,1 Prozent in den ersten Tagen des März. SAMER weist allerdings darauf hin, dass die Analyse ausschließlich auf öffentlich bekannten Fällen basiert. Die tatsächliche Zahl der Gewaltverbrechen gegen Frauen dürfte deutlich höher liegen.
https://deutsch.anf-news.com/frauen/feminizid-bericht-5-600-frauen-in-zwolf-jahren-in-der-turkei-getotet-50502 https://deutsch.anf-news.com/frauen/bericht-aus-istanbul-armut-gewalt-und-kinderarbeit-nehmen-deutlich-zu-50573 https://deutsch.anf-news.com/frauen/bericht-mindestens-420-femizide-2025-in-der-turkei-49508
Verfahren gegen Journalistin Ceylan Şahinli wegen Bericht über Gedenkaktion
Die Staatsanwaltschaft in der nordkurdischen Provinz Mûş hat ein Ermittlungsverfahren gegen die Journalistin Ceylan Şahinli wegen des Vorwurfs der „Propaganda für eine Terrororganisation“ eingeleitet. Hintergrund ist eine Gedenkaktion für mehrere getötete kurdische Politikerinnen und Aktivistinnen. Konkret steht das Verfahren im Zusammenhang mit einer Aktion am 9. Januar in Mûş. An diesem Tag wollten Aktivistinnen auf einer Fußgängerüberführung ein Banner mit Fotos von Frauen anbringen, die in den vergangenen Jahren bei politischen Attentaten oder staatlicher Gewalt getötet wurden.
Dazu gehören die kurdischen Revolutionärinnen Sakine Cansız, Fidan Doğan und Leyla Şaylemez, die 2013 in Paris von einem Auftragskiller des türkischen Geheimdienstes erschossen wurden. Ebenso erinnerten die Frauen an Emine Kara, die 2022 ebenfalls in Paris getötet wurde, sowie an Sêvê Demir, Fatma Uyar und Pakize Nayır, die 2016 in Silopiya von türkischen Militärs erschossen wurden. Die Staatsanwaltschaft wirft Şahinli vor, an der Aktion beteiligt gewesen zu sein. Die Journalistin weist dies zurück und erklärt, sie habe lediglich journalistisch über das Ereignis berichtet. Şahinli erschien gemeinsam mit ihrem Anwalt Servet Ekmekçi zur Aussage bei der Polizeidirektion in Mûş. Dort habe sie erklärt, die Aktion ausschließlich im Rahmen ihrer journalistischen Tätigkeit verfolgt zu haben.
Polizeieinsatz bei Gedenkaktion
Die inkriminierte Gedenkveranstaltung in Mûş war von der Bewegung Freier Frauen (TJA) organisiert worden. Die beteiligten Aktivistinnen hatten versucht, auf einer Überführung an der Verbindungsstraße zwischen Mûş und Bedlîs (tr. Bitlis) ein Transparent mit den Fotos der getöteten Aktivistinnen aufzuhängen. Dabei kam es zu einem Polizeieinsatz. Die Beamten gingen gewaltsam gegen die Frauen vor, einige wurden gezielt angegriffen. Betroffen von der Gewalt waren auch die DEM-Abgeordnete Sümeyye Boz sowie die Lokalpolitikerinnen Çiçek Tutuş und Nurten Akman.
Kriminalisierung freier kurdischen Presse
Kurdischer Journalismus wird in der Türkei seit Jahren durch Ermittlungsverfahren, Festnahmen und Gerichtsprozesse unter Druck gesetzt. Immer wieder werden Reporter:innen wegen ihrer Berichterstattung über politische Ereignisse, Proteste oder Gedenkaktionen mit dem Vorwurf der „Propaganda“ oder „Unterstützung“ einer als terroristisch eingestuften Organisation konfrontiert. Medienverbände und Menschenrechtsorganisationen kritisieren diese Praxis als systematische Praxis, kritische Berichterstattung zu kriminalisieren und einzuschüchtern.
https://deutsch.anf-news.com/pressefreiheit/journalistin-ceylan-Sahinli-von-propaganda-vorwurf-freigesprochen-37854 https://deutsch.anf-news.com/pressefreiheit/ermittlungen-gegen-journalistin-nach-bericht-uber-baumfallungen-in-ezidischem-dorf-50596 https://deutsch.anf-news.com/pressefreiheit/dfg-bericht-30-journalist-innen-in-der-turkei-in-haft-50553
Familienrat in Kobanê fordert Aufklärung über Vermisste und Freilassung von Gefangenen
Der Rat der Familien von Gefallenen, Verletzten, Gefangenen und Vermissten hat in Kobanê die syrische Übergangsregierung aufgefordert, das Schicksal verschwundener Personen aufzuklären, Gefangene freizulassen und die Leichname der Gefallenen an ihre Familien zu übergeben. Die Erklärung wurde auf dem Platz der freien Frau in Kobanê verlesen. Beteiligte hielten Transparente mit Aufschriften wie „Wir fordern unsere Gefallenen und Vermissten“ sowie „Wir wollen unsere Kinder zurück“.
Verlesen wurde die Erklärung vom Ko-Vorsitzenden des Rates, Mustafa Eytu. Darin werfen die Angehörigen der syrischen Übergangsregierung und den mit ihr verbundenen bewaffneten Milizen schwere Menschenrechtsverletzungen während der Anfang Januar gestarteten Offensive gegen die Demokratische Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien (DAANES) vor.
Vorwürfe schwerer Übergriffe
In der Erklärung heißt es, die Angriffe, die zunächst im kurdisch geprägten Norden von Aleppo begangen und sich in der Folge auf weitere Gebiete Nordostsyriens ausweiteten, hätten Sicherheit und Stabilität in der Region untergraben und die Spannungen zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen vertieft.
Den unter dem Kommando von Damaskus operierenden Milizen werden unter anderem Tötungen, Misshandlungen von Leichnamen, Massaker sowie Plünderungen und Raub vorgeworfen. Zudem habe es Tötungen aufgrund kultureller, politischer oder religiöser Zugehörigkeit gegeben. Die Angehörigen kritisieren außerdem, dass trotz des Waffenstillstands- und Integrationsabkommens zwischen den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) und der syrischen Übergangsregierung weiterhin Übergriffe stattfinden würden.
Forderung nach internationalem Druck
Nach Angaben des Rates setzen die bewaffneten Gruppen ihre Praktiken fort, indem sie Menschen willkürlich festnehmen, Informationen über Vermisste zurückhalten und die Übergabe der Leichname von Gefallenen verweigern. Dies stelle einen klaren Verstoß gegen internationale Vereinbarungen sowie gegen humanitäre und gesellschaftliche Normen dar, heißt es in der Erklärung.
Der Rat der Familien von Gefallenen, Gefangenen und Vermissten fordert daher die Übergangsregierung auf, das Schicksal der Betroffenen offenzulegen und konkrete Schritte zur Lösung dieses humanitären Problems einzuleiten. Zugleich rief das Gremium internationale Organisationen und Menschenrechtsinstitutionen dazu auf, Druck auf die Verantwortlichen auszuüben. Ziel müsse es sein, den Verbleib der Vermissten zu klären, Gefangene freizulassen und die Leichname der Gefallenen an ihre Angehörigen zu übergeben.
https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/qamislo-familien-fordern-freilassung-der-gefangenen-50488 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/parteien-in-kobane-fordern-rucknahme-der-ernennung-eines-distriktleiters-50575 https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/ein-monat-nach-dem-29-januar-abkommen-integration-auf-bewahrung-50515
Drohnenabstürze in Çoman, Angriff auf Sendemasten in Helebce
In Südkurdistan sind am Samstag mehrere Drohnenvorfälle gemeldet worden. Während in der Stadt Çoman zwei unbemannte Fluggeräte abstürzten, wurden in Helebce Sendemasten durch einen Drohnenangriff beschädigt. Hinter den Angriffen werden die iranische Revolutionsgarde beziehungsweise im Irak operierende Stellvertretergruppen der Islamischen Republik Irans vermutet.
Im rund 150 Kilometer nordöstlich von Hewlêr (Erbil) gelegenen Çoman bestätigte der Landrat des Kreises, Ahmed Barzan, dass zwei Drohnen an unterschiedlichen Orten abgestürzt seien. Eine der Drohnen ging demnach in der Nähe des Gebäudes der Sozialbehörde nieder, die zweite im Bereich der Wohnsiedlung Werdî.
Laut Barzan gab es bei dem Vorfall keine Verletzten oder Todesopfer. Allerdings entstand am Gebäude der Sozialbehörde Sachschaden. Sicherheitskräfte der Kurdistan-Region des Irak hätten nach dem Absturz Untersuchungen am Ort des Geschehens eingeleitet, erklärte Barzan.
Angriff in Helebce
Parallel dazu wurde aus der Stadt Helebce (Halabdscha) ein Drohnenangriff auf Kommunikationsinfrastruktur gemeldet. Ziel des Angriffs waren Sendemasten auf dem Berg Befrî Mîrî in der Şinro-Bergkette. Behördenangaben zufolge verursachte der Angriff erhebliche Schäden an den Anlagen. In der Folge kam es zu Störungen im Telefonnetz, zeitweise brach die Verbindung vollständig zusammen. Verletzte wurden auch hier nicht gemeldet. Dieselbe Telekommunikationsanlage war bereits vor drei Tagen Ziel eines ähnlichen Angriffs gewesen.
https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/drohnen-uber-hewler-abgeschossen-50601 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/drohnenangriffe-auf-kurdische-parteien-in-koye-50598 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/iran-droht-mit-angriffen-auf-alle-einrichtungen-in-sudkurdistan-50599
YJA Star bereiten sich in den Bergen Kurdistans auf den 8. März vor
Guerillakämpferinnen der Verbände freier Frauen (YJA Star) bereiten sich in den Bergen Kurdistans mit verschiedenen Aktivitäten auf den Internationalen Frauenkampftag vor. In Gesprächen mit ANF schilderten mehrere Kämpferinnen ihre Erwartungen an den diesjährigen 8. März und betonten die Bedeutung des Tages für den Kampf um Frauenbefreiung.
Die Guerillakämpferin Gulan Çiya erklärte, die Vorbereitungen seien zugleich Ausdruck der historischen Kontinuität des Frauenkampfes. Die Kraft, diesen Weg weiterzugehen, schöpften die Kämpferinnen aus den Ideen des kurdischen Repräsentanten Abdullah Öcalan. „Mit der Stärke der Ideen und der Philosophie Abdullah Öcalans konnten wir diesen Punkt erreichen. Auch unsere Vorbereitungen für den 8. März schöpfen daraus ihre Kraft“, sagte sie. Ziel der Aktivitäten sei es, die Rolle der Frauenarbeit und den Fortschritt der Frauenrevolution sichtbar zu machen.
Von Rosa Luxemburg bis Sakine Cansız
Gulan Çiya erinnerte dabei auch an frühere Generationen von Kämpferinnen. „Von Rosa Luxemburg bis zu Sakine Sara Cansız und bis heute wollen wir die Erinnerung an die revolutionärenFrauen lebendig halten“, erklärte sie. Mit Blick auf den Frauenbefreiungskampf formulierte die Kämpferin einen ambitionierten Anspruch: „Unsere Überzeugung ist, dass dieses Jahr ein Jahr des Sieges für die Frauen und die Frauenrevolution sein wird. Das ist jedoch nur möglich, wenn alle Frauen zusammenstehen.“
„2026 wird ein Jahr des Sieges der freien Frau“
Auch die Guerillakämpferinnen Aljîn Şahîn und Viyan Lewend betonten ihre Vorfreude auf den 8. März. Die Vorbereitungen würden mit großer Motivation geführt, erklärten sie. Besonders hob das Duo die moralische Bedeutung der Botschaften und Bilder von Abdullah Öcalan hervor. „In diesem Jahr Öcalan zu sehen und seine Grüße zu erhalten, hat uns große moralische Stärke gegeben“, erklärten sie. Mit dieser Motivation wollten sie die geplanten Veranstaltungen vorbereiten.
„Die Aktivitäten, die wir vorbereiten, werden eine wichtige Botschaft an Frauen auf der ganzen Welt sein“, sagten sie. Zugleich betonten sie ihre Entschlossenheit, den Kampf gegen patriarchale Gewalt und Unterdrückung fortzuführen. „Mit dieser moralischen Stärke werden wir unseren Kampf fortsetzen, um die angreifende Mentalität zu überwinden“, erklärten die Kämpferinnen.
Aufruf zur Einheit der Frauen
Die Guerillakämpferin Evîn Goyî erklärte ebenfalls, dass die Vorbereitungen auf den 8. März mit großer Begeisterung fortgesetzt würden. Ziel sei es, Frauen weltweit zu erreichen und ihnen Mut zu geben. „Die Veranstaltungen, die wir organisieren, und unsere Einheit werden für Frauen, die vom System unterdrückt werden und patriarchaler Gewalt ausgesetzt sind, eine wichtige Kraftquelle sein“, sagte sie. Die Stimmen von Frauen könnten nur durch Organisation und gemeinsame Kämpfe stärker werden. Abschließend gratulierte Goyî allen Frauen weltweit zum 8. März und erklärte: „Wir feiern diesen Tag im Namen Abdullah Öcalans, unserer gefallenen Gefährtinnen und aller Frauen der Welt.“
https://deutsch.anf-news.com/frauen/Ocalan-zum-8-marz-die-grundlegende-kraft-des-gesellschaftlichen-wandels-ist-die-frau-50597 https://deutsch.anf-news.com/frauen/kjk-ruft-neue-strategische-phase-aus-jetzt-ist-die-zeit-der-frauen-50507 https://deutsch.anf-news.com/frauen/frauenorganisationen-aus-rojhilat-rufen-zum-8-marz-zu-verstarktem-widerstand-auf-50607
Samstagsmütter erinnern an verschwundene Frauen
Die Initiative der Samstagsmütter hat bei ihrer 1093. Mahnwache auf dem Galatasaray-Platz in Istanbul erneut Aufklärung über das Schicksal von Menschen gefordert, die in Obhut des türkischen Staates verschwunden sind. Anlässlich des Internationalen Frauenkampftags am 8. März stand diesmal das Schicksal von Frauen im Mittelpunkt, die seit ihrer Festnahme vermisst werden.
Mit Nelken und Fotos der Verschwundenen versammelten sich Mitglieder der Initiative und Angehörige von Verschwundenen auf dem Platz, um an die Opfer zu erinnern und die strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen zu verlangen. Die Erklärung verlas die Ko-Vorsitzende des Menschenrechtsvereins IHD, Oya Ersoy. Sie betonte, der 8. März sei nicht nur ein Symbol für den Kampf der Frauen um Gleichberechtigung, Freiheit und Gerechtigkeit, sondern auch ein Tag, um der Frauen zu gedenken, die gewaltsam verschwunden sind.
Der IHD thematisierte das Schicksal von 19 Frauen und einem dreijährigen Mädchen, die in den 1990er Jahren in verschiedenen Städten der Türkei nach Festnahmen verschleppt wurden und seither verschwunden sind. „Nur von vier Frauen wurden später ihre schwer gefolterten Körper gefunden, heimlich verscharrt. Von den anderen fehlt bis heute jede Spur“, erklärte Ersoy.
„Eine der dunkelsten Formen staatlicher Gewalt“
Ersoy bezeichnete das gewaltsame Verschwindenlassen als eine der schwersten Formen staatlicher Gewalt gegen Frauen. „Jedes Jahr am 8. März sagen wir es erneut: Das Verschwindenlassen in Gewahrsam ist eine der dunkelsten und brutalsten Formen staatlicher Gewalt gegen Frauen“, sagte sie. Das Verschwindenlassen eines Menschen bedeute nicht nur, eine Person auszulöschen. „Es zielt auch darauf ab, ihre Geschichte, ihre Worte und ihren Kampf zum Schweigen zu bringen.“
Zugleich kritisierte Ersoy die anhaltende Straflosigkeit bei solchen Verbrechen. Die Ignoranz gegenüber der Gerechtigkeit für die Opfer fördere weitere Formen gesellschaftlicher Gewalt, erklärte sie. „Straflosigkeit stärkt die patriarchale Mentalität. Auch die zunehmenden Feminizide stehen in diesem Zusammenhang.“
„Erinnerung lässt sich nicht zum Schweigen bringen“
Die Initiative kündigte an, weiterhin an die verschwundenen Frauen zu erinnern. „Erinnerung lässt sich nicht zum Schweigen bringen“, sagte Ersoy. Die Angehörigen würden weiterhin für Wahrheit und Gerechtigkeit eintreten und sich gegen Versuche wenden, die Verbrechen in Vergessenheit geraten zu lassen. „Wir haben nicht vergessen, wir werden nicht vergessen“, erklärte sie.
Zum Abschluss der Kundgebung verlasen die Samstagsmütter die Namen der ermordeten und vermissten Frauen:
• Makbule Ökdem: Die Kurdin wurde 1991 in Cizîr (tr. Cizre) festgenommen. 18 Jahre später wurde ihr Leichnam bei Straßenbauarbeiten gefunden.
• Ayten Öztürk: Als 32-Jährige wurde sie am 27. Juli 1992 in Dersim (Tunceli) von JITEM, dem informellen Geheimdienst der türkischen Militärpolizei, vor dem Haus ihrer Nachbarin entführt. Elf Tage später fanden Straßenhunde ihren von Folter gezeichneten Leichnam in Xarpêt (Elazığ). Ayten Öztürk waren sogar die Augen ausgestochen worden.
• Rıdda Yavuz: Sie wurde am 14. August 1992 in Dêrika Çiyayê Mazî (Derik) in der nordkurdischen Provinz Mêrdîn (Mardin) gemeinsam mit zwei weiteren Personen festgenommen. Seitdem ist sie verschwunden.
• Sedika Dal: Die aus Nisêbîn (Nusaybin) stammende Kurdin wurde im September 1993 von Angehörigen der islamistischen Todesschwadron Hizbullah entführt. Mitten im belebten Stadtteil Selahaddin Eyyubi wurde ihr ein Sack über den Kopf gezogen, bevor sie verschleppt wurde. Sie wird noch immer vermisst.
• Hamide Şarlı: Sie wurde am 24. Dezember 1993 gemeinsam mit ihrem Bruder Ramazan in ihrem elterlichen Haus in Wanîk, einem Dorf in Bedlîs/Tetwan, von türkischen Soldaten festgenommen. Danach tauchte sie nie wieder auf.
• Hatun Işık, Yeter Işık, Elif Işık, Gülizar Serin und deren dreijährige Tochter Dilek Serin: Sie alle verschwanden am 24. September 1994 nach einer türkischen Militäroperation in ihrem Dorf Mirik in Dersim.
• Lütfiye Kaçar: Sie wurde am 5. Oktober 1994 in Istanbul festgenommen. Seitdem gilt sie als verschwunden.
• Gülnaz Talu und Kadriye Talu: Am 17. Oktober 1994 führten die beiden Frauen aus Mûş ihr Kleinvieh zum Weiden auf eine Alm in der Nähe ihres Dorfes im Landkreis Dêrxas (Hasköy). Dort gerieten sie in eine Militäroperation des türkischen Militärs. Ihr Schicksal ist seitdem ungewiss.
*Ayşenur Şimşek: Am 24. Januar 1995 wurde die Apothekerin in Ankara von der Konterguerilla entführt. Tage später fand man ihren entstellten Körper im etwa hundert Kilometer entfernten Kırıkkale an einem Straßenrand. Der Zustand der Leiche von Ayşenur Şimşek stellte eine neue Stufe in der Politik des Verschwindenlassens dar. Im Obduktionsbericht hieß es, dass Einschüsse in Kopf, Brust und Kinn festgestellt wurden. Außerdem wies ihr Körper zahlreiche Folterspuren auf. Ayşenur Şimşek starb am 28. Januar 1995. Ihre Mörder wurden nicht zur Rechenschaft gezogen und sind noch immer frei.
• Hatice Şimşek: Sie wurde am 1. Mai 1995 in Bismîl in der Provinz Amed (Diyarbakir) festgenommen. Danach tauchte sie nicht mehr auf.
• Şükran Daş: Wurde am 7. September 1996 in Amed-Rezan (Bağlar) von Polizeibeamten in Zivil bei einer Razzia festgenommen. Seitdem ist sie verschwunden.
• Fahriye Mordeniz: Gemeinsam mit ihrem Ehemann Mahmut wurde sie am 28. November 1996 in Amed entführt. Etwa zwei Jahre später wurde bekannt, dass ihr Leichnam auf einem Friedhof in Cizîr im Bereich für „Namenlose Tote“ begraben wurde. Dennoch wurde die genaue Stelle noch immer nicht gefunden.
• Zozan Eren: Sie und ihr Ehemann Orhan verschwanden am 26. September 1997, nachdem ihr Fahrzeug auf dem Verkehrsweg Pasûr-Amed angehalten wurde und vermummte staatliche Kräfte in einem berüchtigten weißen Fahrzeug der Marke Renault Toros beide entführten. Sie gelten bis heute als verschwunden.
• Neslihan Uslu: Sie wurde am 31. März 1998 im Urlaubsort Çeşme-Alaçatı in der westtürkischen Provinz Izmir gemeinsam mit drei ihrer Freund:innen festgenommen. Danach wurde nie wieder etwas von ihr gehört.
• Konca Kuriş: Die muslimische Feministin aus Mersin hatte sich von der islamistischen Todesschwadron Hizbullah losgesagt, weil sie mittlerweile Positionen der Glaubensrichtung al-Quranniya vertrat, die religiöse Autoritäten ablehnt und sich ausschließlich auf den Koran beruft. Später beschäftigte Kuriş sich mit dem Thema Identität und Gleichstellung muslimischer Frauen.
Am 16. Juli 1998 wurde sie in Mersin unter vorgehaltener Waffe vor ihrem Haus entführt. Am 20. Juni 1999 wurde ihre Leiche einbetoniert im Keller eines Hauses in Meram in der Provinz Konya aufgefunden. Kuriş war während ihrer Geiselhaft schwer gefoltert worden. Gemeinsam mit ihr wurden auch die Leichname drei weiterer einbetonierter Personen gefunden, die versucht hatten, die Hizbullahzu verlassen.
Die Aktion der Samstagsmütter endete mit dem Niederlegen von Nelken auf dem Galatasaray-Platz.
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https://deutsch.anf-news.com/menschenrechte/samstagsmutter-wir-werden-unsere-forderung-nach-wahrheit-nicht-aufgeben-50495 https://deutsch.anf-news.com/menschenrechte/samstagsmutter-wir-werden-nicht-aufhoren-nach-murat-yildiz-zu-fragen-50391 https://deutsch.anf-news.com/menschenrechte/samstagsmutter-fordern-wahrheitskommission-im-parlament-50374
Wan: Plattform warnt an iranischer Grenze vor neuer Fluchtbewegung
Angesichts des US-israelischen Angriffs auf Iran hat die Plattform für Migrationsforschung vor einer möglichen neuen Fluchtbewegung in der Region gewarnt. Bei einer Presseerklärung am Grenzübergang Kapıköy im Landkreis Mehmûdî (tr. Saray) in der an Iran grenzenden kurdischen Provinz Wan riefen Vertreter:innen der Organisation zu einem politischen Lösungsansatz auf, der auf Frieden, Demokratie und Menschenrechten basiert.
An der Erklärung nahmen Mitglieder der Parteien DEM und DBP sowie zivilgesellschaftlicher Organisationen aus der Provinz teil. Auf einem Transparent stand: „Die Völker sollen nicht den Preis des Krieges zahlen. Nein zu Zwangsvertreibungen.“ Für die Plattform sprach anschließend der Ko-Vorsitzende des Forschungsvereins für Migration (GÖÇ-DER), Mehmet Vecih Aydoğan. Er erklärte, dass der Angriffskrieg gegen Iran eine bereits bestehende fragile Situation weiter verschärfe.
„Die Angriffe der USA und Israels auf Iran haben die ohnehin instabile Lage im Nahen Osten in eine noch tiefere Krise gestürzt“, sagte Aydoğan. Seit Beginn der Angriffe Ende Februar und den anschließenden Gegenschlägen Irans habe sich die Spannung in der Region erheblich verschärft.
Tausende Menschen verlassen ihre Städte
Nach Angaben der Plattform wurden bei den Angriffen zahlreiche Wohngebiete getroffen. Hunderte Zivilist:innen seien ums Leben gekommen, tausende Menschen verletzt worden, während zentrale Infrastrukturen zerstört wurden. „Seit den ersten Tagen der Angriffe mussten zehntausende Menschen ihre Städte verlassen“, erklärte Aydoğan. Vor allem aus den westlichen Regionen Irans beziehungsweise Ostkurdistans und aus größeren Städten sei eine Fluchtbewegung in Richtung der Nachbarländer, insbesondere in die Türkei, zu beobachten. Sollten die militärischen Angriffe andauern, sei mit einer deutlich größeren Fluchtbewegung zu rechnen.
Kritik an Angriffen und Repressionen
Die Plattform verurteilte sowohl militärische Angriffe auf zivile Gebiete als auch Repressionen gegen die kurdische Bevölkerung in Iran. Gewalt gegen Zivilist:innen könne unter keinen Umständen legitimiert werden, erklärte Aydoğan. „Unabhängig davon, von wem sie ausgeht – Gewalt gegen Zivilist:innen ist nicht legitim“, sagte er. Militärische Operationen und sicherheitspolitische Maßnahmen, die grundlegende Rechte verletzen, müssten beendet werden. Zugleich forderte die Plattform ein Ende der Angriffe und Unterdrückung der Islamischen Republik Iran gegen die kurdische Bevölkerung sowie gegen andere Minderheiten im Land.
Verantwortung für Schutz von Geflüchteten
Die Aktivist:innen betonten außerdem die Verantwortung von Staaten, Zivilist:innen zu schützen, die aufgrund von Krieg und Gewalt fliehen müssen. Internationale Menschenrechtsnormen verpflichteten Staaten dazu, auch in Kriegszeiten den Schutz von Zivilpersonen sicherzustellen. „Die Sicherheit von Menschen, die zur Flucht gezwungen sind, sowie ihre Versorgung mit Unterkunft, Nahrung und medizinischer Hilfe ist eine rechtliche und humanitäre Verantwortung der Staaten“, erklärte Aydoğan. Die Betroffenen seien keine Akteure politischer Konflikte, sondern Zivilist:innen, deren Recht auf Leben bedroht sei.
Aufruf an internationale Institutionen
Die Plattform rief staatliche Stellen und internationale Organisationen dazu auf, Maßnahmen zum Schutz der Rechte von Geflüchteten zu ergreifen und Diskriminierung zu verhindern. „Menschen, die vor Krieg und Repression fliehen, Schutz zu gewähren, ist keine politische Entscheidung, sondern eine menschliche Verpflichtung“, erklärte Aydoğan. Auch der DEM-Abgeordnete Mahmut Dündar kritisierte die anhaltenden Konflikte im Nahen Osten. Nationalstaatliche Politik habe vielfach zur Unterdrückung und Assimilation von Völkern geführt, sagte er. Weil Staaten die Probleme der Gesellschaft nicht auf demokratischem Wege lösen könnten, würden regionale Konflikte zunehmend zu einem Feld internationaler Machtpolitik.
https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/drohnen-uber-hewler-abgeschossen-50601 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/iran-droht-mit-angriffen-auf-alle-einrichtungen-in-sudkurdistan-50599 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/barzani-und-al-sudani-warnen-vor-ausweitung-des-krieges-auf-irak-50600
Frauenorganisationen aus Rojhilat rufen zum 8. März zu verstärktem Widerstand auf
Fünf Frauenorganisationen aus Ostkurdistan haben anlässlich des Internationalen Frauenkampftags eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht. Darin würdigen sie die historische Rolle kurdischer Frauen im politischen und gesellschaftlichen Kampf und rufen zu verstärktem Engagement für Demokratie, Gleichberechtigung und gesellschaftliche Veränderung auf.
Die Organisationen betonen, dass Frauen seit jeher eine prägende Rolle im nationalen und sozialen Kampf der kurdischen Gesellschaft gespielt hätten. „Freiheitssuchende kurdische Frauen waren nicht nur Teilnehmerinnen, sondern auch Vorreiterinnen bei der Entwicklung politischen Bewusstseins und gesellschaftlicher Veränderungen“, heißt es in der Erklärung. Der Kampf der Frauen habe sich dabei nie ausschließlich auf einzelne Rechte beschränkt, sondern sei Teil einer umfassenderen Vision gesellschaftlicher Transformation gewesen. Ziel sei eine gerechte und egalitäre Gesellschaft ohne Unterdrückung.
Kritik an struktureller Diskriminierung in Iran
In ihrer Erklärung kritisieren die Organisationen die rechtlichen und politischen Strukturen in Iran. Unter der Herrschaft der Islamischen Republik werde Diskriminierung von Frauen institutionell verankert. „In Bereichen wie Familienrecht, Erbrecht, Zeugenaussagen vor Gericht, Kleidungsvorschriften und politischer Teilhabe befinden sich Frauen in einer strukturell ungleichen Position gegenüber Männern“, erklären die Organisationen. Diese Ungleichheiten seien Teil eines umfassenderen politischen und gesellschaftlichen Umfelds, das geschlechtsspezifische Diskriminierung normalisiere und Frauen in ihrer gesellschaftlichen und politischen Teilhabe einschränke.
Frauen als zentrale Kraft des Widerstands
Trotz dieser Bedingungen hätten sich Frauen in Iran, insbesondere in Ostkurdistan, zu einer wichtigen Kraft des Widerstands und gesellschaftlichen Wandels entwickelt. Ihre aktive Rolle bei Protesten, politischen Initiativen und in zivilgesellschaftlicher Organisierung zeige, dass Frauen eine zentrale Rolle bei der Gestaltung der Zukunft spielten. „Durch politisches Bewusstsein, Entschlossenheit und kollektive Organisierung haben Frauen die ihnen auferlegten Grenzen infrage gestellt und die Forderungen nach Gleichberechtigung und Gerechtigkeit in den Mittelpunkt der öffentlichen Debatte gerückt“, heißt es weiter.
Kampf für Demokratie und Gleichberechtigung
Die fünf Organisationen betonen, dass der Kampf um Frauenrechte untrennbar mit dem Einsatz für ein demokratisches und säkulares politisches System verbunden sei. Ein solches System müsse Gleichheit vor dem Gesetz garantieren und sicherstellen, dass niemand aufgrund von Geschlecht, Nationalität, religiöser Zugehörigkeit oder politischer Überzeugung diskriminiert werde. Zugleich erinnerten die Organisationen an Frauen und Aktivistinnen, die im Kampf für Freiheit und Gleichberechtigung ihr Leben verloren haben. Ihr Einsatz sei Teil eines langfristigen Kampfes für gesellschaftliche Veränderung. „Der Kampf der Frauen ist untrennbar mit dem Kampf der Völker für Freiheit verbunden“, heißt es in der Erklärung. Fortschritte bei den Frauenrechten seien nicht nur ein Sieg für Frauen, sondern auch für Demokratie, Gerechtigkeit und die gesamte Gesellschaft.
Unterzeichnende Organisationen
Die Erklärung wurde von fünf Frauenorganisationen aus Ostkurdistan unterzeichnet: Der Gemeinschaft der freien Frauen Ostkurdistans (KJAR), Asoye Jina Kurd (Frauenorganisation der Komala), Organisation für die Freiheit der Frauen Kurdistans (NINA), Demokratische Frauenunion von Iranisch-Kurdistan und Organisation kurdischer Kämpferinnen Irans.
https://deutsch.anf-news.com/frauen/kjar-die-welt-erlebt-einen-beispiellosen-widerstand-von-frauen-50584 https://deutsch.anf-news.com/frauen/kjk-ruft-neue-strategische-phase-aus-jetzt-ist-die-zeit-der-frauen-50507 https://deutsch.anf-news.com/frauen/irakische-frauenrechtlerin-yanar-mohammed-in-bagdad-ermordet-50538 https://deutsch.anf-news.com/frauen/deklaration-alevitischer-frauenverbande-zum-8-marz-50587
KCK: Frauenkampf am 8. März soll Freiheit von Abdullah Öcalan näherbringen
Der Ko-Vorsitz des Exekutivrats der Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans (KCK) hat anlässlich des Internationalen Frauenkampftags zu einer Ausweitung des globalen Frauenkampfes aufgerufen. In einer Erklärung wird der 8. März als Symbol weltweiter Solidarität von Frauen und als Ausdruck des Kampfes für Freiheit und Demokratie gewürdigt.
Die Erklärung erinnert daran, dass der Frauentag seit Beginn des 20. Jahrhunderts als Tag des Widerstands gegen Ausbeutung und Unterdrückung begangen wird. Zugleich würdigt die KCK die Rolle von Frauen, die den Tag zu einem globalen Symbol des Freiheitskampfes gemacht hätten. „Die Unterdrückung von Frauen ist historisch eng mit der Entstehung von Ausbeutungssystemen verbunden. Alle Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung begannen damit, dass Frauen versklavt und kolonisiert wurden“, heißt es in der Erklärung. Die männliche Vorherrschaft über Frauen sei der Ausgangspunkt gesellschaftlicher Unterdrückung.
Frauen als globale Kraft des Widerstands
Mit wachsendem Bewusstsein über diese Formen der Unterdrückung hätten sich Frauen weltweit zu einer zentralen gesellschaftlichen Kraft entwickelt, die für Freiheit und Demokratie kämpfe, erklärt die KCK. Die Frauenbewegung sei heute eine internationale politische Kraft, die ihren Widerstand kontinuierlich ausweite. Eine wichtige ideologische Grundlage für diese Entwicklung sieht die KCK in den Konzepten des kurdischen Repräsentanten Abdullah Öcalan. Mit der Einführung der Ideologie der Frauenbefreiung habe es ab der 1990er Jahre einen entscheidenden Impuls für die Entwicklung des Frauenkampfes gegeben.
Die Dynamik der kurdischen Frauenbewegung habe sich seither auch international verbreitet und dem Kampf für Frauenbefreiung weltweit neue Impulse gegeben. Als Beispiele für die internationale Wirkung der Frauenbewegung nennt die Erklärung unter anderem die Widerstände unter dem Motto „Jin, Jiyan, Azadî“ sowie Frauenproteste in verschiedenen Ländern, etwa in Chile. Diese hätten gezeigt, dass Frauen weltweit zunehmend gemeinsam gegen patriarchale Gewalt und gesellschaftliche Unterdrückung aufstehen.
Frauen als Kraft gegen Krieg
Die KCK stellt den Frauenkampf auch in einen Zusammenhang mit globalen Konflikten. In einer Zeit zunehmender Kriege und Krisen, insbesondere im Nahen Osten, sei die Frauenbewegung eine zentrale Kraft für Frieden. „Die Wurzel aller Kriege liegt in der männlichen Vorherrschaft über Frauen“, heißt es in der Erklärung. Gewalt und Krieg seien Ausdruck patriarchaler Herrschaftsverhältnisse. Daher sei die Stärkung des Frauenkampfes auch entscheidend für die Überwindung von Krieg und Gewalt. „Frauen haben historisch eine wichtige Rolle als Verteidigerinnen des Friedens gespielt und werden diese Rolle auch künftig einnehmen.“
Aufruf zur Unterstützung des politischen Prozesses
Besondere Bedeutung misst die KCK dem von Abdullah Öcalan angestoßenen Prozess für „Frieden und eine demokratische Gesellschaft“ bei. Dieser Prozess solle eine demokratische und freie Zukunft für Kurdistan, die Türkei und den gesamten Nahen Osten ermöglichen. Frauen kämen dabei eine zentrale Rolle zu, heißt es in der Erklärung. Sie sollten eine führende Rolle bei der Weiterentwicklung dieses politischen Prozesses übernehmen.
Zugleich betont die KCK, dass die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Abdullah Öcalan eine entscheidende Voraussetzung für dessen Fortführung sei. „Für die Entwicklung des Prozesses für Frieden und eine demokratische Gesellschaft ist es entscheidend, dass Abdullah Öcalan in seinen Lebens- und Arbeitsbedingungen frei ist“, erklärte die Organisation.
Freiheit Öcalans als Ziel des diesjährigen 8. März
Vor diesem Hintergrund ruft die KCK Frauen weltweit dazu auf, sich verstärkt für die Freiheit Öcalans einzusetzen. Ein wichtiges Ziel des diesjährigen Internationalen Frauentages solle es sein, den Kampf für seine physische Freiheit voranzubringen. „Die Freiheit Abdullah Öcalans wird eine neue Phase eröffnen, in der der Kampf für die Befreiung der Frauen nicht nur im Nahen Osten, sondern weltweit an Dynamik gewinnen wird“, heißt es in der Erklärung. Abschließend gratuliert die Organisation Frauen weltweit zum Internationalen Frauentag und würdigt ihren Einsatz für Freiheit, Demokratie und eine gerechte Gesellschaft.
https://deutsch.anf-news.com/frauen/Ocalan-zum-8-marz-die-grundlegende-kraft-des-gesellschaftlichen-wandels-ist-die-frau-50597 https://deutsch.anf-news.com/frauen/kjar-die-welt-erlebt-einen-beispiellosen-widerstand-von-frauen-50584 https://deutsch.anf-news.com/frauen/kjk-ruft-neue-strategische-phase-aus-jetzt-ist-die-zeit-der-frauen-50507
Guerillakämpferin: Kommune ist Antwort auf patriarchale Gewalt
Unter der Losung „Jetzt ist die Zeit der Frauen“ hat die Gemeinschaft der Frauen Kurdistans (KJK) Anfang März eine neue Kampagne gestartet. Ziel der Offensive ist es, zentrale Herausforderungen für Frauen zu thematisieren und Formen kollektiver Organisierung zu stärken. Einer der Schwerpunkte der Kampagne ist die Idee der Kommune als grundlegende Form gesellschaftlicher Organisation. Nach Auffassung der KJK bildet sie eine zentrale Grundlage für kollektives Leben und Selbstbestimmung von Frauen.
Die Guerillakämpferin Göksu Gabar aus den Reihen der kurdischen Befreiungsbewegung erklärte gegenüber ANF, dass kommunale Strukturen eine wichtige Antwort auf patriarchale Gewaltverhältnisse darstellen könnten. „Der 8. März ist das Symbol eines Aufstands gegen ein Massaker“, sagte Gabar. Der Tag dürfe nicht allein auf Parolen reduziert werden. „Es reicht nicht, nur Freiheitsslogans zu rufen. Entscheidend ist, das gemeinsame Leben der Frauen stärker zu organisieren.“
Kommune als Grundlage gesellschaftlicher Organisation
Gabar verwies auch auf den Aufruf des kurdischen Repräsentanten Abdullah Öcalan zu Frieden und einer demokratischen Gesellschaft. In diesem Zusammenhang komme Frauen eine besondere Rolle zu. Nach ihrer Einschätzung müsse die von der KJK initiierte Kampagne weiter ausgeweitet werden. Eine zentrale Voraussetzung dafür sei die Entwicklung kommunaler Strukturen innerhalb der Gesellschaft. „Wir müssen mit der Perspektive handeln: Die Kommune erhält das Leben“, erklärte Gabar. Kommunale Organisation ermögliche es Frauen, sich gegen patriarchale Gewaltstrukturen zu organisieren und kollektive Lösungen zu entwickeln.
„Die Kommune entsteht aus der Moral der Gesellschaft“
Ein entscheidender Ausgangspunkt sei dabei das Verständnis der Geschichte der Frauen, betonte Gabar. Nur wenn diese Geschichte richtig verstanden werde, könne auch eine alternative gesellschaftliche Organisation aufgebaut werden. „Die Kommune können wir weder durch Gesetze noch durch Regeln schaffen“, sagte sie. „Wir können sie nur durch die Moral der Gesellschaft erschaffen – und diese Moral ist ein Werk der Frauen.“ Diese von Frauen geschaffene gesellschaftliche Grundlage zu verteidigen und weiterzuentwickeln, sei ein zentrales Ziel der Bewegung, so die Guerillakämpferin. Frauen in der Guerilla würden diesen Anspruch weiterhin entschlossen vertreten.
https://deutsch.anf-news.com/frauen/kjk-ruft-neue-strategische-phase-aus-jetzt-ist-die-zeit-der-frauen-50507 https://deutsch.anf-news.com/frauen/Ocalan-zum-8-marz-die-grundlegende-kraft-des-gesellschaftlichen-wandels-ist-die-frau-50597 https://deutsch.anf-news.com/frauen/tjk-e-mobilisiert-europaweit-aktionswoche-zum-8-marz-angekundigt-50383
Ausgrabungen bei der Burg von Wan legen historischen Basar frei
Archäologische Ausgrabungen am Fuße der historischen Wan-Burg geben neue Einblicke in die Geschichte der Altstadt von Wan (tr. Van). Bei Arbeiten in der Umgebung der Hüsrev-Pascha-Moschee wurden Überreste eines historischen Marktes aus dem 19. Jahrhundert freigelegt. Die Grabungen finden im Bereich der ehemaligen Altstadt statt, die sich südlich der Burganlage erstreckte.
Ein Team von 36 Archäolog:innen unter Leitung der Universität von Wan untersuchte ein rund 2.000 Quadratmeter großes Areal. Die Arbeiten erfolgten mit Genehmigung der Generaldirektion für Kulturgüter und Museen und erreichten eine Tiefe von etwa 1,5 Metern. Dabei stießen die Forschenden auf zahlreiche Funde, darunter verbrannte Dokumente und Stoffreste, Glasarmbänder, Perlen, Bronzemünzen, Keramikteller und Tonpfeifen für Tabak. Die Gegenstände liefern Hinweise auf das Alltagsleben in der damaligen Stadt.
Besonders aufschlussreich sind jedoch die freigelegten architektonischen Strukturen unmittelbar neben der Moschee. Untersuchungen ergaben, dass die Steinmauern und Raumaufteilungen aus dem 19. Jahrhundert stammen. Die Anordnung der Mauern und Räume erinnert stark an Ladenstrukturen eines historischen Basars. Archäolog:innen gehen daher davon aus, dass das Gebiet rund um die Moschee nicht nur als religiöses Zentrum diente. Vielmehr deuteten die Funde darauf hin, dass sich hier einst ein belebtes städtisches Handels- und Begegnungszentrum befand.
Historische Stadt mit vielfältigen Kulturen
Die Altstadt von Wan galt über Jahrhunderte als eines der wichtigsten urbanen Zentren der Region. Historische Quellen belegen, dass hier verschiedene Bevölkerungsgruppen lebten – darunter muslimische, armenische und syrisch-christliche Gemeinschaften. Diese Vielfalt spiegelte sich auch im Stadtbild wider. Moscheen, Kirchen und Handelsgebäude existierten innerhalb derselben städtischen Struktur. Wan entwickelte sich dadurch zu einem wichtigen Ort kultureller Begegnung und wirtschaftlicher Aktivität. Die Lage der Stadt an bedeutenden Handelsrouten zwischen Anatolien und dem iranischen Raum trug wesentlich zu dieser Entwicklung bei. Für das 19. Jahrhundert wird angenommen, dass sich rund um die Moschee ein Netz aus Basaren, Karawansereien und anderen Handelsstätten befand.
Weitere Funde erwartet
Die archäologischen Untersuchungen in der Altstadt von Wan dauern an. Fachleute hoffen, durch weitere Grabungen ein umfassenderes Bild der historischen Stadtstruktur zu gewinnen. Parallel dazu werden die freigelegten Strukturen dokumentiert und konserviert. Langfristig ist geplant, das Gelände als archäologische Stätte zugänglich zu machen. Das Grabungsareal wurde zudem in das staatliche Programm „Erbe für die Zukunft“ aufgenommen, das der Erforschung und dem Schutz bedeutender historischer Stätten dient.
https://deutsch.anf-news.com/kultur/Uberraschungsfund-1-500-jahre-alte-mosaike-in-midyad-entdeckt-48381 https://deutsch.anf-news.com/kultur/topferei-aus-der-eisenzeit-freigelegt-49434 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/tausende-jahre-alte-siedlung-bei-farqin-entdeckt-47923
„Unsere Geschichten sind verschieden, unsere Armut ist dieselbe“
Während sich Frauen in Kurdistan und der Türkei auf Demonstrationen und Versammlungen zum Internationalen Frauenkampftag vorbereiten, verbringen viele Arbeiterinnen den 8. März wie jeden anderen Tag: bei der Arbeit. Hausarbeit, kleine Geschäfte oder prekäre Jobs in Werkstätten sichern ihren Lebensunterhalt – oft ohne Anerkennung, soziale Absicherung oder ausreichendes Einkommen.
Im Gespräch mit ANF berichten drei Frauen aus unterschiedlichen Lebensrealitäten von ihren Erfahrungen. Ihre Geschichten unterscheiden sich, doch die Diagnose ist ähnlich: Armut, unsichtbare Arbeit und strukturelle Ausbeutung prägen ihren Alltag. „Unsere Geschichten sind verschieden, aber unsere Armut ist dieselbe“, sagt eine von ihnen. Für sie ist der 8. März kein Tag romantischer Gesten, sondern ein Tag des Widerstands gegen Gewalt, Armut und Ausbeutung.
Frauenarmut in Amed
Statistische Daten bestätigen diese Realität. Laut dem türkischen Statistikamt (TÜIK) leben rund 31,5 Prozent der Frauen im Land unter dem Risiko von Armut oder sozialer Ausgrenzung. Bei Männern liegt dieser Wert bei 27,1 Prozent. In der kurdischen Provinz Amed (tr. Diyarbakır) ist die Lage besonders angespannt.
Eine Studie der Union der Kommunalverwaltungen in Südostanatolien (GABB) zeigt, dass rund 75 Prozent der Frauen in der Stadt über kein eigenes Einkommen verfügen. Viele der befragten Frauen gaben an, dass ihr Einkommen nicht bei ihnen selbst bleibt, während andere berichteten, an manchen Tagen nicht einmal genug zu essen zu haben. Zudem werden rund 70 Prozent der Frauen durch unbezahlte Hausarbeit weitgehend aus wirtschaftlichem und sozialem Leben ausgeschlossen.
„Du arbeitest, aber bleibst immer am selben Ort“
Eine der Frauen, mit denen wir gesprochen haben, ist die Hausfrau Fatma Eker. Seit Jahrzehnten kümmert sie sich um Haushalt und Familie – ohne Bezahlung und ohne Anerkennung. „Du stehst morgens auf und arbeitest bis zum Abend ohne Pause“, sagt sie. „Selbst der demokratischste Mann lädt am Ende alle Verantwortung bei der Frau ab.“
Eker beschreibt ihren Alltag als endlose Abfolge von Hausarbeit. „Du kochst, wäschst, bügelst, kümmerst dich um die Kinder und versuchst irgendwie den Haushalt zusammenzuhalten. Man arbeitet, als hätte man vier Hände.“ Trotz jahrzehntelanger Arbeit habe sie nie das Gefühl gehabt, dass ihre Arbeit anerkannt werde. „Mein Leben besteht aus Arbeit, aber ich habe nie etwas dafür bekommen. Nicht einmal ein ‚Danke‘.“
Besonders prägend sei für sie ein Gefühl des Stillstands. „Das Leben geht weiter, aber du bleibst immer in der Mitte dieses Wohnzimmers stehen“, sagt Eker. „Du gehst und gehst, aber am Ende stehst du wieder genau dort.“ Für viele Frauen bestehe die Welt aus wenigen Zimmern. „Unsere Welt sind drei Räume. Dort wiederholen sich jeden Tag dieselben Dinge. Es gibt Arbeit, aber keinen Gegenwert.“
„Am Monatsende denke ich nur an die Miete“
Auch Sarya Demir kämpft mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die ehemalige Lehrerin wurde vor rund zehn Jahren aus dem Staatsdienst entlassen. Heute versucht sie, mit einem kleinen Atelier in Amed ihren Lebensunterhalt zu sichern. Dort verkauft sie selbstgemalte Bilder und handgefertigten Schmuck. „Als Frau stößt man ohnehin in allen Bereichen des Lebens auf Hindernisse“, sagt Demir. Besonders schwierig sei es, als Frau im Einzelhandel zu arbeiten, da dieser Bereich gesellschaftlich oft als Männerdomäne gelte. Gleichzeitig verschärften die wirtschaftlichen Bedingungen im Land die Situation. „Das ist kein individuelles Problem. Viele Menschen erleben derzeit dieselben Schwierigkeiten.“
Die größte Herausforderung sei jedoch die fehlende Wertschätzung von Arbeit. „Es gibt sehr viel Ausbeutung“, sagt Demir. „Die Arbeit, die Zeit und die Gedanken, die ich in meine Arbeit stecke, werden nicht entsprechend entlohnt.“ Monatelang arbeite sie an einem Bild, während gleichzeitig die Preise für Materialien ständig steigen. „Und am Ende des Monats denke ich nur darüber nach, wie ich die Miete bezahlen soll.“ Für sie ist der 8. März daher vor allem ein politischer Tag: „Es ist ein Tag der Arbeit und des Kampfes. An diesem Tag müssen Millionen Frauen gemeinsam ihre Stimme erheben.“
Entlassen wegen Forderung nach Versicherung
Noch prekärer sind die Bedingungen für Elif Ay. Die 59-Jährige arbeitet seit rund 30 Jahren in der Textilbranche, häufig in informellen Werkstätten ohne soziale Absicherung. Tagsüber arbeitet sie in einer Werkstatt, abends setzt sich die Arbeit zu Hause fort. Von ihrem Einkommen unterstützt sie auch ihre kranke Mutter. „Ich habe mein ganzes Leben gearbeitet, aber nie Sicherheit bekommen“, sagt Ay. „Überall wurde ich entlassen, weil ich eine Versicherung verlangt habe.“
„Mein einziger Wunsch ist schlafen zu können“
Ihr Arbeitstag beginnt um acht Uhr morgens und endet am frühen Abend. „Ich stehe den ganzen Tag auf den Beinen“, erzählt sie. „Und am Ende mache ich das nur, um Brot und etwas Öl nach Hause zu bringen.“ Selbst kleine Wünsche bleiben unerreichbar. „Wir schreiben das Jahr 2026, aber ich lebe noch immer in einer Wohnung ohne Aufzug und mit einem Ofen. Meine Mutter ist krank und kann die Treppen kaum steigen.“ Am Ende eines langen Arbeitstages bleibe nur ein Wunsch: „Ich bin so müde, dass mein einziger Traum ist, abends früh schlafen zu können.“
Am 8. März wird sie nicht an Demonstrationen teilnehmen können – sie muss arbeiten. Dennoch richtet sie eine Botschaft an die Frauen, die auf die Straße gehen werden: „Ich kann nicht dort sein. Aber sie sollen auch für Frauen wie mich kämpfen.“
https://deutsch.anf-news.com/frauen/studie-zeigt-dramatische-frauenarmut-in-amed-50303 https://deutsch.anf-news.com/Oekologie/tomatenernte-unter-extrembedingungen-saisonarbeit-in-amed-47561 https://deutsch.anf-news.com/frauen/saisonarbeiterinnen-in-amed-kampfen-ums-Uberleben-46976