«Und während Sie über Ungarn mal dies hören und mal das, sollten Sie besser schleunigst nach Brüssel sehen, wo von der Leyen das Projekt der Zweckentfremdung der EU, der Vergewaltigung der europäischen Verträge und der finalen Entmachtung der Nationalstaaten vorantreibt, als gäb’s kein Morgen. Ein Projekt, das nie etwas anderes als Ihre eigene Entmachtung, werter Bürger, war, die unter dieser Kommissionspräsidentin natürlich verlässlich aufs Hässlichste verschleiert ist.» (– Martin Sonneborn)
Transition News
Die AfD-Familienbande
Anstatt gute Leute einzustellen, die was können und neue Impulse mitbringen, greift man eher auf bestehende Netzwerke zurück, ähnlich wie bei den Altparteien. Und als Mitarbeiter holt man halt seinen Kumpel, der zum Beispiel für die Kreistagswahl die Plakate geklebt hat. Es werden die eigenen Leute versorgt, egal was die können.
Transition News: Obiges Zitat stammt aus einem Gespräch, das wir im April 2025 miteinander geführt haben. War Ihnen damals bewusst, welchen Stellenwert Vetternwirtschaft in der AfD hat?
AfD-Mitarbeiter (Name der Redaktion bekannt): Ich habe es geahnt. Wie umfangreich die Vetternwirtschaft innerhalb gewisser Fraktionen ist, war mir nicht bewusst. Aber ich bekomme gewisse Dinge mit und habe mir gedacht, dass das nicht gutgehen wird.
Es ist natürlich angenehm, mit Leuten zu arbeiten, die man kennt. Aber nicht, weil man mit ihnen befreundet oder verwandt ist, sondern weil sie super qualifiziert sind und es gemeinsame jobliche Erfahrungen gibt. Bei der AfD sehe ich das anders ablaufen. Aber den Umfang, der jetzt zu Tage gekommen ist, den hätte ich mir auch nicht erträumen lassen.
Die AfD, die zweitstärkste Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt, soll laut Umfragen bei den Wahlen im September 40 Prozent der Stimmen bekommen. Es handelt sich also nicht nur um eine Schmutzkübelkampagne, die den politischen Gegner schwächen soll?
Dass es Schmutzkampagnen gegen die AfD gibt, ist nichts Neues. Ich habe diese Affäre medial sehr eng verfolgt. Und aufgrund meines Netzwerks in entsprechenden Fraktionen, kann ich in diesem Fall die Recherchen der Leitmedien beziehungsweise der Altmedien nur bestätigen.
Und von daher kann ich sagen: Ja, mit Sicherheit wurde wieder versucht, die AfD zu schwächen. Aber in diesem Falle waren die Anschuldigungen zu 100 Prozent richtig.
Laut dem Vorsitzenden der AfD in Sachsen-Anhalt, Martin Reichardt, wählen Fraktionen und Abgeordneten «ihr Personal bereits jetzt grundsätzlich nach fachlicher Kompetenz, persönlicher Eignung und Vertrauen aus». Entspricht das Ihren Erfahrungen?
Nein. Der Kern der Leute, meine engen Kollegen, haben schon fachliche Kompetenz, aber neue, ob nun Festangestellte oder Freie, kommen immer aus den Netzwerken der Partei. Das sind Personen, die schon mal für einen Abgeordneten gearbeitet haben und denen deshalb Vertrauen entgegengebracht wird. Aber diese Leute werden in Jobs geschoben, wo sie gar nicht hingehören. Es wird ihnen vielleicht kurzfristig eine Ausbildung finanziert, damit sie die Aufgaben zumindest ansatzweise erfüllen können.
Würde wirklich nach Kompetenz und fachlicher Qualifikation entschieden, wären diese Leute niemals in diese Positionen gekommen.
Was auch mitspielt, ist die Tatsache, dass ein Mitarbeiter, der sich vielleicht bislang nicht als AfD-Sympathisant geoutet hat, unabhängiger ist. Auf ihn kann weniger Druck ausgeübt werden, weil er in der freien Wirtschaft noch eine Chance hat, da sein Name nicht verbrannt ist.
Die AfD Sachsen-Anhalt hat mittlerweile eine Kommission eingesetzt, die «Empfehlungen zur Anstellungspraxis» erarbeiten soll. Haben Sie entsprechende Tipps?
[Lacht] Dabei muss ich an die Enquete-Kommission im Bundestag denken, die ist ja auch so lustig. Wenn Täter zu Richtern werden, ist das eine Farce. Für mich stellt diese Kommission eine Art Schuldeingeständnis dar. Das zeigt, was in den ganzen Fraktionen los ist. Wenn es wirklich so wäre, wie einzelne Spitzenfunktionäre von sich gegeben haben, dann würde es ja überhaupt keinen Bedarf geben, irgendetwas zu ändern. Eine «Enquete-Kommission», wo ich mir selber empfehle, wie ich demnächst Leute einstelle, ist ein Brüller.
Wie beurteilen Sie die Krisenkommunikation der AfD im Zusammenhang mit dieser Affäre?
Unprofessionell. Wenn alles abgeblockt wird, was ja in einigen Fraktionen passiert, und es, wenn überhaupt, nur eine sehr reaktive Kommunikation gibt, dann muss diese besser gestaltet sein.
Informationen sind nur häppchenweise an die Presse gegangen. Am Anfang hat, wenn ich mich richtig erinnere, der Spitzenkandidat aus Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, alles nur ins Lächerliche gezogen.
Und ausgerechnet sein Vater ist im Bundestag bei einem ehemaligen Landtagsabgeordneten aus seiner Fraktion angestellt. Siegmund hat das runtergespielt, anstatt Tacheles zu reden und mit einem Portfolio an Äußerungen an die Presse zu gehen: «Leute, so sieht es aus. Diese Personen arbeiten hier und dort aus folgenden Gründen. Wo ist die Angriffsfläche?»
Meine ganz klare Empfehlung: absolute Transparenz, auch was Biografien und Fähigkeiten anbelangt. Aber nicht sich zuerst drüber lustig machen, dann so ein bisschen was einräumen und schließlich eine Kommission einberufen. Das ist stümperhaft und einer Partei, die mittlerweile nicht nur im Osten, sondern jetzt auch in Rheinland-Pfalz, im Westen, Volkspartei ist, einfach unwürdig.
Inzwischen hat sich Sachsen-Anhalts AfD-Bundestagsabgeordnete Claudia Weiss von zwei Mitarbeitern getrennt. Sie hatte drei Geschwister eines Landtagsabgeordneten beschäftigt. Sachsen-Anhalt will jetzt per Gesetz die Beschäftigung von Verwandten verbieten. Braucht es so einen Beschluss?
Ja, das ist ganz klar. Hier besteht eine Gesetzeslücke. Es ist momentan Usus, dass Abgeordnete nicht direkt ihre Verwandten anstellen, aber die Anstellung überkreuz ist anscheinend üblich. Wie im Fall von Claudia Weiss: Ihre Tochter arbeitet als Referentin im Landtag von Sachsen-Anhalt, wo Tobias Rausch als parlamentarische Geschäftsführer fungiert. Seine Brüder wiederum arbeiten bei Claudia Weiss im Bundestag, die bis vor kurzem ebenfalls als Referentin in Sachsen-Anhalt angestellt war.
Wenn diese Gesetzeslücke so massiv, wie es jetzt zu Tage kam, ausgenutzt wird, dann hat das natürlich ein Geschmäckle. Ich bin ein absoluter Freund davon, das gesetzlich zu regulieren.
Kompetenz vor Verwandtschaft ist also keine Selbstverständlichkeit?
Das können wir doch heutzutage nicht mehr erwarten. Die Selbstregulierung greift selbst bei einer jungen Partei wie der AfD nicht, und das ist mit Sicherheit systemisch.
Wir sprechen hier über eine Partei, die extrem gewachsen ist und die mit Steuergeldern hantiert. Die Bürger, die diese Partei gewählt haben und auch alle, die sie vielleicht nicht wählen, haben das Recht, zu erfahren, wie die AfD unser Steuergeld ausgibt. Das muss transparent sein. Und wenn sie es von alleine nicht preisgeben, dann muss ein Gesetz her.
Die Verwandten-Affäre hat der AfD anscheinend nicht geschadet. Bei den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz hat die CDU die regierende SPD abgelöst. Die AfD hat massiv dazugewonnen. Wie bewerten Sie das Wahlergebnis?
Was sollen die Leute denn machen? Die Menschen sind in Deutschland aufgrund der Gesamtsituation absolut verzweifelt. Die dümmsten Wähler sind ja eh die der CDU, weil sie immer noch glauben, die CDU wäre eine konservative Partei, was sie aber seit Merkel schon lange nicht mehr ist.
Und so wählen viele aus Verzweiflung eben die AfD, weil es keine andere Möglichkeit gibt. Das ist eine Art von Notwehr.
Natürlich gibt es starke Anhänger, gerade im Osten, die die Partei haben wachsen sehen. Im Osten verfügt die AfD über ein ganz anderes Vorfeld. Einige AfD-Wähler wollen vielleicht auch nicht so genau hingucken und rechtfertigen ihr Kreuz im Sinne von: Die werde ja so ausgegrenzt und fertiggemacht. Das stimmt auch alles. Aber, wenn man die Innensicht hat, weiß man, dass das nur ein Teil der Wahrheit und auch hausgemacht ist: Es gibt gute Leute bei der AfD, aber es gab auch viele gute Leute, die verbrämt entlassen wurden, weil familiären und privaten Verbindungen der Vorrang eingeräumt wurde. Dafür musste die Partei Mitarbeitern, die dort jahrelang hervorragend gearbeitet hatten, Abfindungen zahlen, die auch wieder der Steuerzahler beglichen hat. Es geht ja nie ums eigene Geld.
Das Wahlergebnis in Rheinland-Pfalz steht für Notwehr. Es gibt keine andere Partei, wenn jemand überhaupt noch wählen geht, bei der er hoffen kann, dass sie das Ding zumindest nicht komplett gegen die Wand fährt.
Die Bundestagspäsidentin hat den Bundestagsausweis und IT-Zugang für Sabrina Kollmorgen, Mitarbeiterin eines AfD-Bundestagsabgeordneten, abgelehnt, die sich als Intensivkrankenschwester dem «Corona»-Regime mutig entgegengestellt hat. Und es scheint, dass diese Ausgrenzung von der Partei einfach hingenommen wird – eine Presseanfrage an den betroffenen Abgeordneten, Thomas Dietz, und die Pressestelle sind seit Dezember 2025 unbeantwortet geblieben. Ist das ein Beispiel dafür, dass die AfD nicht hinter ihren Mitarbeitern steht?
Hier wurde erstmal guter Wille gezeigt, nach dem Motto: Wir nehmen Leute auf, die mutig waren, die ihren Mund aufgemacht haben, die sich dem «Corona»-Regime entgegengestellt haben. Aber es fehlt natürlich am Ende des Tages die Konsequenz.
Es war zu erwarten, dass vonseiten der Altparteien immer wieder versucht wird, der AfD in jeglicher Hinsicht Stöcke zwischen die Beine zu werfen. Aber dass die Partei und auch einzelne Abgeordnete so schnell die Flinte ins Korn werfen, hätte ich nicht erwartet. Gerade in so organisatorischen Momenten mangelt es innerhalb der Fraktionen nicht an Kreativität. Da gibt es gute Juristen und die führen Plan B durch, wenn Plan A nicht funktioniert.
Für mich ist das eher ein Anzeichen, dass die AfD, vor allem die Bundestagsfraktion, sich langsam anbiedert. Erlauben Sie mir eine Gegenfrage: Haben Sie etwa gehört, dass Alice Weidel, die auch mal große Töne spuckt, jemals gefordert hätte, dass Jens Spahn vor ein unabhängiges Gericht gestellt wird, nicht nur aufgrund seiner Maskenaffäre, sondern wegen seiner medizinischen Empfehlungen? Ich kann mich nicht daran erinnern.
Der Umgang mit Sabrina Kollmorgen und den weiteren Mitarbeitern, denen die Bundestagspräsidentin da so mitgespielt hat, ist eher ein Indikator dafür, dass eine gute Absicht dahintersteckte, die aber nicht zu Ende gedacht war. Die AfD will diese Sache unter den Teppich kehren, weil sie Angst davor hat, wieder anzuecken. Das ist schwach.
Wenn diese Partei nicht in der Lage ist, sich aufzubäumen und Wege zu suchen, wie sie dieser Intensivkrankenschwester helfen kann, die in dieser schlimmen Zeit so viel geleistet, sich so exponiert hat und in Deutschland wahrscheinlich keinen Fuß auf den Boden bekommt, weil sie sozial geächtet wird, was bleibt dann von der AfD übrig? Da braucht es natürlich mehr Engagement. Sonst zeigt die AfD mit ihrem Verhalten, dass die Bürger, die für ihre Grundrechte und gegen eine Impfpflicht auf die Straße gegangen sind, ihr gar nicht so wichtig sind. Und damit platzen Illusionen, denn ein Großteil der Bürgerbewegung, die seit «Corona» so aktiv ist, wählt inzwischen AfD.
Wie Sie eben sagen, die AfD hat durch ihre ganz klare Haltung gegen die Impfpflicht extrem viele Sympathiepunkte eingefahren. Wie ehrlich meint es die AfD mit den Anliegen der Demokratiebewegung wirklich?
Die Impfpflicht war ein sehr ernstes Thema und keiner von den Abgeordneten oder auch von den Kollegen aus anderen Fraktionen hat mir irgendwie widergespiegelt, dass das nicht ernsthaft gemeint war. Hinzu kam wahrscheinlich auch ein persönliches Bedrohungsmoment, denn ein Großteil der Abgeordneten konnte gut einschätzen, wie gefährlich der Inhalt dieser Spritzen ist.
Hier müssen wir auch mal differenzieren und nicht alle Fraktionen über einen Kamm scheren. Natürlich ist die Bürgerbewegung wichtig, weil das Wähler oder Neuwähler sind, die wir bei der Stange halten wollen.
Lassen Sie mich meine Frage neu formulieren: Wie ehrlich meint es die AfD-Bundestagsfraktion mit der Demokratiebewegung?
In der Bundestagsfraktion gibt es auf jeden Fall viel mehr Anbiederung ans System als in den einzelnen Landtagsfraktionen im Osten. Die Ostfraktionen sind autarker und haben einen relativ guten Draht zur Bürgerbewegung.
Die Sache mit Sabrina Kollmorgen zeigt, dass die Bundes-AfD noch ein bisschen versucht, glaubhaft zu wirken, aber wenn es anstrengend wird, lässt man Mitarbeiter über die Klinge springen.
Muss auch die Demokratiebewegung ihre Haltung zur AfD überdenken?
Ich glaube, an der Spitze gibt es eine relativ starke Abkopplung vom Volk. Ich weiß aus internen Kreisen, dass AfD-Chef Tino Chruppalla wohl ein sehr umgänglicher Mensch und noch relativ nah dran ist. Ich will nicht weiter darauf eingehen, sonst können irgendwann Rückschlüsse auf mich gezogen werden: Aber wir werden sehen, wie lange er noch bleibt.
Andere sind schon relativ abgehoben. Da verselbstständigt sich etwas. Wenn ich nicht mehr ordentlich mit meinen eigenen Leuten umgehe, die mir nahestehen und auf die ich angewiesen bin, dann geht auch mein Kontakt zur Basis verloren. Da stimmt menschlich was nicht.
Wir müssen darauf achten, wie ein Politiker in seinem kleinsten Umfeld wirkt. Wenn das schon katastrophal ist, dann können wir diesem Menschen keine größeren Aufgaben zumuten, weil wir darunter leiden werden. Das heißt, eine fachliche kombiniert mit einer menschlichen Fähigkeit ist die Grundvoraussetzung, um mehr Verantwortung zu übernehmen.
Das Interview führte Sophia-Maria Antonulas.
Landtag Brandenburg: Marcel Barz empfiehlt «Corona-Aufarbeitung nach Goldstandard»
Wie könnte oder sollte eine echte «Aufklärung der Corona-Krise» aussehen? Die Meinungen darüber gehen weit auseinander und entsprechend gibt es auch nach Jahren kaum Fortschritte auf diesem Gebiet.
Der Wirtschaftsinformatiker Marcel Barz verfolgt die Corona-Aufarbeitung in diversen Gremien sehr detailliert – beziehungsweise das, was sich bisher so nennt. Vielen dürfte Barz als «Erbsenzähler» bekannt sein, der 2021 das Video von der «Pandemie in den Rohdaten» veröffentlichte. Eine «Pandemie», die er genau dort nicht fand, wo er dachte, sie hundertprozentig nachweisen zu können: in offiziellen Sterbedaten, Intensivbettenbelegung und Infiziertenzahlen.
Offenbar haben diese damaligen Erkenntnisse den Datenspezialisten nicht nur überrascht, sondern auch dauerhaft motiviert, weiter nach der Wahrheit zu suchen. Am Freitag sagte er als Sachverständiger in der Corona-Enquete-Kommission des Brandenburger Landtags aus. In der zehnten Sitzung ging es um die Folgen von Zutrittsbeschränkungen und Lockdowns aus der Perspektive von Wirtschaft und Kultur.
Mehrere Sachverständige aus diesen beiden Bereichen schilderten die Auswirkungen der Maßnahmen aus recht persönlicher Sicht. Als Vertreterin aus dem Kulturbereich sprach Julia Neigel einerseits über die harten Erfahrungen von Künstlern während der «Pandemie». Insbesondere ging sie aber auf höherrangiges Recht ein, denn «ich glaube, da hat's ziemlich gehapert». Die Teilhabe am kulturellen Leben sei ein von UNO und Bundesverfassungsgericht bestätigtes Menschenrecht und «das 2G-Regime sowie der Kultur-Lockdown waren völkerrechtswidrig».
Primärquellen und «Betonzahlen»Marcel Barz diagnostizierte das Fehlen eines gemeinsamen methodischen Maßstabs als Kernproblem der Aufarbeitung, die trotz umfangreichen Materials nicht vorankomme:
«Wenn jede Seite nur ihre bevorzugten Studien, ihre bevorzugten Sachverständigen und ihre vertrauten Deutungsmuster präsentiert, dann dreht sich die Aufarbeitung im Kreis und bleibt im Streit der Narrative stecken.»
Als Lösungsansatz riet der Informatiker den Teilnehmern, sich auf einen Goldstandard aus Primärquellen und «Betonzahlen» (wie Krankenhausbelegung oder Sterbedaten) zu konzentrieren. Dies gewähre den Bezug zur Wirklichkeit. Mit Sekundärdokumenten und dehnbaren «Gummizahlen» (wie Inzidenzen oder «Corona-Toten») gebe es dagegen dieses breite Deutungsspektrum und man könne praktisch alles beweisen.
Zu den Primärquellen zählt Barz die Corona-Verordnungen selber, aber zum Beispiel auch Protokolle von Krisenstäben, interne Lageberichte, Referentenentwürfe, E-Mails oder fachliche Briefings. Entscheidend sei zu erklären, wie und auf welcher Grundlage Regelungen zustandekamen, es gehe also auch um vorgelagerte Abwägungsprozesse.
Der eigentliche Prüfgegenstand sei demnach die Akten- und Datenkette. In seiner vorab eingereichten schriftlichen Stellungnahme geht Barz bezüglich der Ereigniskette auch auf die diversen internationalen Pandemie-Planspiele vor 2020 – von «Dark Winter» bis «Event 201» – ein. Außerdem erwähnt er die Gespräche zwischen Bill Gates und Jeffrey Epstein im Zusammenhang mit globaler Gesundheitspolitik.
In dem Schreiben weist der Sachverständige auf die Verantwortung aller Beteiligten hin, sich ernsthaft mit den Quellen auseinanderzusetzen:
«Wer Aufarbeitung nach Goldstandard will, muss Quellenkenntnis und Offenheit für gute Primärquellenarbeit zusammenbringen. Erst dann wird aus politischer Rückschau eine belastbare und dem Auftrag der Bürger angemessene Aufarbeitung.»
Als praktisches Beispiel dafür, was mit den verfügbaren Primärdaten in Brandenburg methodisch möglich sei, nennt Barz einen Vortrag von Tom Lausen vom vergangenen Dienstag in der Stadtverordnetenversammlung Cottbus. In der Sitzung des Ausschusses zur Aufarbeitung der kommunalen Corona-Maßnahmen sei zudem deutlich geworden, dass viele zentrale Fragen nicht an fehlenden Daten scheiterten, sondern an der Bereitschaft, sie systematisch auszuwerten.
Während der Brandenburger Sitzung betonte Barz mehrfach, dass er als Bürger eine Corona-Aufarbeitung nach Goldstandard erwarte. Er forderte die Politiker auf, sich dafür einzusetzen, und insistierte:
«Es führt letztlich kein Weg dran vorbei: Wir gucken dahin, ob dieser Goldstandard irgendwann mal eingehalten wird. Und wenn das nicht passiert, dann stehen wir immer wieder hier und fordern das ein.»
Wenn Kritik kriminalisiert wird: Europas leiser Krieg gegen Regierungskritiker
Am 23. März 2026 sprach Christian Oesch, Präsident des Schweizer Vereins WIR, im Deutschen Bundestag über ein Phänomen, das viele Demokratien ins Wanken bringt: den juristischen Umgang mit Regierungskritikern. Seine Botschaft: Kritik wird zunehmend nicht argumentativ, sondern strafrechtlich beantwortet. Oesch, der die deutsche Politik aus der Distanz beobachtet, warnte vor einem Muster, das sich quer durch westliche Staaten zieht.
«Kritiker werden nicht widerlegt, sie werden untersucht, angezeigt, durchsucht», sagte er.
Nicht mehr die Wahrheit eines Arguments steht im Mittelpunkt, sondern die Frage: Darf man es überhaupt noch äußern? Der Referent führte historische Hintergründe an: Jahrzehntelang kontrollierten Medienhäuser politische Narrative, die Öffentlichkeit bezog Informationen aus wenigen Quellen. Wer Narrative steuert, muss Kritik nicht diskutieren – man ignoriert sie oder stempelt sie als Desinformation ab. Mit dem Internet und neuen Informationsräumen habe sich diese Ordnung verschoben.
«Macht gibt Kommunikationskontrolle nicht freiwillig auf», so Oesch.
Die Reaktionen auf unkontrollierbare Narrative seien heute eindeutig: Plattformen werden reguliert, Dissidenten diszipliniert. Hausdurchsuchungen, Gerichtsverfahren, Sanktionen gegen Analysten wie Jacques Baud oder Sperrungen von Konten zeigen laut Oesch, wie tief politische Kontrolle inzwischen in Alltagsbereiche greift. Er zieht drastische Vergleiche: Während Schwerstkriminelle wie Jeffrey Epstein weiterhin Bankdienstleistungen erhielten, verlieren unliebsame Analysten ihre Konten.
Die Gefahr liegt für Oesch in der Verschiebung des Rechtsstaates: Wenn Gesetze nicht mehr Bürger schützen, sondern Machtstrukturen stärken, verändert sich das Verhältnis zwischen Staat und Gesellschaft radikal.
«Die Frage lautet nicht mehr: Stimmt das Argument? Sondern: Darf man es äußern?»
Besonders kritisch sieht er den Druck auf Berufsgruppen wie Ärzte. Wer vom offiziellen Narrativ abweicht, gerät unter Kontrolle und Beobachtung. Initiativen wie «Ärzte mit Gewissen» dokumentieren bereits Fälle, um Muster sichtbar zu machen. Oesch warnt vor einem transnationalen Netzwerk aus Finanzinstitutionen, Technologiekonzernen und politischen Organisationen, das demokratische Kontrollmechanismen umgeht.
«Freiheit ist kein Geschenk des Staates. Freiheit ist das natürliche Recht eines jeden Menschen von Geburt an», sagte er unter Berufung auf Cicero und Platon.
Sein Fazit ist klar: Nur wer die Strukturen der Macht erkennt, kann sich ihrer Manipulation entziehen. Wer die Realität vertraut, nicht dem vorgegebenen Narrativ, kann wieder kritisch denken – und so verhindern, dass Gesellschaften langsam in einen Zustand der Para-Moralität abrutschen.
Die Rede von Oesch ist ein Weckruf: Europas Demokratien stehen vor der Prüfung, ob sie Kritik aushalten oder sie kriminalisieren – und wie viel Freiheit ihre Bürger tatsächlich noch genießen.
Cyberangriff auf EU-Websites
Hacker haben sich Zugang zu Websites der EU verschafft und nach ersten Erkenntnissen auch Daten gestohlen. Der Angriff traf die Cloud-Computing-Infrastruktur, die von der Kommission zur Verwaltung der Plattform Europa.eu genutzt wird, auf der die Websites der Kommission, des Europäischen Parlaments, des Rates der EU und anderer EU-Institutionen gehostet werden.
Laut EU-Kommission fand der Angriff am vergangenen Dienstag statt. Die internen Systeme der Kommission seien nicht betroffen, der Vorfall «eingedämmt», heißt es. Zu den Verantwortlichen äußerte sich die Kommission nicht. Das tat dagegen das Portal Bleepingcomputer, das behauptet, vom Angreifer kontaktiert worden zu sein.
Dieser habe angegeben, über 350 GB Daten (darunter mehrere Datenbanken) gestohlen zu haben. Auch habe er Zugriff auf Informationen von Mitarbeitern der Europäischen Kommission und auf einen von Kommissionsmitarbeitern genutzten E-Mail-Server gehabt.
Damit widerspricht der Hacker den Aussagen der EU-Kommission, die versicherte, interne Systeme seien nicht betroffen gewesen. Der Angreifer teilte Bleepingcomputer außerdem mit, dass er die Kommission nicht mit den mutmaßlich gestohlenen Daten erpressen, sondern diese zu einem späteren Zeitpunkt online veröffentlichen wolle.
Epstein nach Treffen mit «Buddy» Bill Gates: «War ein lustiger Typ»
TN hat bereits mehrfach über den äußerst pikanten Umstand berichtet, dass kein Geringerer als Bill Gates sehr nah an Jeffrey Epstein dran war (siehe etwa hier und hier). Doch jetzt setzt Sayer Ji in einem Substack-Artikel noch einen drauf.
So hat der Gründer von Greenmedinfo bislang unveröffentlichte Bundesdokumente publik gemacht (abrufbar unter justice.gov/epstein), die die Verbindung noch intimer und zwielichtiger erscheinen lassen. Im Dezember 2010 etwa plante Epstein ein Treffen mit Gates, und 2013 unterzeichnete Gates ein Dokument, das Epstein und sogar dessen Erben zum Beispiel enormen Einblick in die Gates-Stiftung gewährte.
All dies geschah Jahre nach Epsteins Verurteilung und Registrierung als Sexualstraftäter im Jahr 2008 – und auch noch zu einer Zeit, als die Opfer aus dem 2008er-Fall noch vor Gericht kämpften. Das erscheint besonders brisant, wenn man sich die höchst mysteriösen Umstände von Epsteins Verurteilung im Jahr 2008 vergegenwärtigt.
2008: Einer der mildesten Deals der US-Justizgeschichte für EpsteinSo hatten Bundesermittler bereits 36 Opfer identifiziert, darunter 34 Minderjährige, und eine 53-seitige Anklageschrift wegen Kindersexhandels fertig. Dennoch wurde sie nie eingereicht. Stattdessen schloss Epstein mit den US-Staatsanwälten einen der mildesten Deals der Justizgeschichte ab: Er bekannte sich lediglich der «Anstiftung einer Minderjährigen zur Prostitution» schuldig – eine Formulierung, die das Opfer faktisch zur «Prostituierten» machte und den Täter schützte.
Dreizehn Monate Haft in einem Palm-Beach-Gefängnis folgten, davon sechs Tage pro Woche Freigang für «Arbeit». Die Opfer erfuhren erst später von dem Deal und klagten vergeblich dagegen. Während diese Frauen jahrelang vor Bundesgerichten um Anerkennung kämpften, konnte Epstein weiterhin wie ein unantastbarer Strippenzieher agieren – und genau in dieser Phase traf er sich mit Bill Gates.
Zu diesem Vergleich («Plea Deal») erschien im November 2020 – also im Jahr nach Epsteins Tod (nach Aussagen von Experten kann es sich nur um Mord gehandelt haben) und in der Zeit von Trumps erster Präsidentschaft – ein Bericht des Office of Professional Responsibility (OPR) des US-Justizministeriums (TN berichtete). In diesem werden die Umstände des kontroversen «Non-Prosecution Agreements» (NPA) von 2008, das Jeffrey Epstein im Rahmen seines «Plea Deals» in Florida zugutekam, beleuchtet.
Kritisiert wird darin insbesondere, dass der «Plea Deal» auf «poor judgment» (schlechtes Urteil) von Staatsanwälten basierte, da er Epstein, wie erwähnt, erlaubte, sich nur zu zwei leichteren staatlichen Anklagen schuldig zu bekennen. Doch der Bericht selbst stand auch massiv in der Kritik, weil darin zwar Mängel aufgedeckt, aber keine ausreichenden Konsequenzen für die Verantwortlichen gefordert wurden.
Brad Edwards etwa, Anwalt mehrerer Opfer Epsteins, kanzelte den Bericht 2020 als «enttäuschendes Ausweichen vor der Angelegenheit» ab. Das Justizministerium habe sich offenbar auf ein gewünschtes Ergebnis geeinigt, das sich nur schwer mit den Fakten vereinbaren lässt. Edwards weiter:
«Wir fragen uns immer noch, warum Jeffrey Epstein diesen günstigen Deal bekommen und wer genau die Entscheidung getroffen hat, eine lange Anklage wegen Sexhandels in eine Vereinbarung über die Nichtverfolgung umzuwandeln»
2010: «Von 17 bis 19 Uhr sollten ‹girls› da sein, Gates ab 19 Uhr.»All dies lässt es sehr schwer wiegen, dass Gates noch 2010 mit Epstein «herumturtelte». So gab Epstein am 28. November 2010 per E-Mail folgende Notiz an seine Haushaltsassistentin Lesley Groff (später selbst wegen Beteiligung an Sexhandel verurteilt) weiter:
«6th now.. girls should be from 5-7 gates from 7-.»
Groff antwortete lapidar:
«ok, great. thanks.»
Die Notiz teilt den Abend klar auf: Von 17 bis 19 Uhr sollten «girls» (junge Frauen oder Mädchen) anwesend sein, Gates erst ab 19 Uhr eintreffen. Im Kontext von Epsteins bekanntem Umfeld und Groffs späterer Verurteilung wegen Sexhandels wirkt das hochgradig verdächtig – es deutet darauf hin, dass die «girls» separat arrangiert wurden, bevor der Microsoft-Gründer eintraf.
2013: Gates ohne Sicherheitsteam in Epsteins PrivatjetDoch es geht noch weiter. «Drei Jahre später war die Logistik aufwendiger geworden – weil sich die Beziehung vertieft hatte», so Ji. Der Höhepunkt der neuen Enthüllungen liegt im März 2013. Da flog Gates per Helikopter von Manhattan zum Teterboro Airport und stieg dort allein, also ohne sein Sicherheitsteam, in Epsteins Privatjet um. Die gesamte Logistik wurde über die Stäbe beider Männer koordiniert. Epstein spannte hierfür auch die Promi-Publizistin Peggy Siegal ein.
Siegal war keine offizielle PR-Agentin von Epstein (das hat sie immer betont), sondern fungierte als eine Art «Social Guarantor» und Türöffnerin in die New York- und Hollywood-Elite. Konkret half sie Epstein nach seiner Verurteilung 2008/2009 dabei, wieder Zugang zu hochkarätigen gesellschaftlichen Kreisen zu bekommen.
Siegal nutzte dafür ihren berühmten «golden Rolodex», eine riesige, über Jahrzehnte aufgebaute Kontaktliste mit über 30.000 VIPs, um Epstein gesellschaftlich zu «rehabilitieren» und ihm den Einstieg in die A-List zu erleichtern. Im Gegenzug erhielt sie von Epstein Geldgeschenke, finanzielle Unterstützung (etwa 100.000 US-Dollar zum 70. Geburtstag), Reisezuschüsse und andere Gefälligkeiten.
Die Beziehung war ein klassisches «Quid-pro-quo»: Epstein wollte Zugang und Prestige, Siegal wollte Geld und die Mittel, um ihren aufwendigen Lebens- und Arbeitsstil aufrechtzuerhalten.
In den freigegebenen Federal Records taucht sie häufig in E-Mails mit Epstein auf. Am Abend des 1. März 2013 schrieb Epstein an Siegal per E-Mail:
«Ich bin in Palm Beach, zusammen mit Bill Gates in meinem Haus.»
Damit informierte Epstein sie beiläufig, dass er gerade mit Bill Gates in seiner Palm-Beach-Villa saß – offenbar nicht nur, um sie über seine prominenten Kontakte auf dem Laufenden zu halten, sondern auch um damit anzugeben.
Am nächsten Morgen antwortete Siegal aus der Dominikanischen Republik, wo sie sich auf einer Mitternachtsparty mit Lord und Lady Astor, dem Herzog von Marlborough und Wilbur Ross befand. Sie schrieb unter anderem:
«Sehr spannend das mit Bill Gates. Wo ist Melinda [Gates]?»
«Siegal fragte nicht aus reiner Neugier», so Ji. So sei sie zwei Tage zuvor gebeten worden, die Hollywood-Schauspielerin Anne Hathaway und ihren Mann um 22:30 Uhr zu Epsteins Haus zu bringen, damit sie Gates treffen konnten. Siegal fragte dazu:
«Warum sollte ich sie [=Hathaway] bitten, um 22:30 Uhr mit ihrem Mann zu Ihnen nach Hause zu kommen, um Bill Gates zu treffen? Nachdem sie [= Hathaway] die Rolle der Fantine in ‹Les Misérables› gespielt hat, interessiert sie sich nun für das Schicksal von Mädchen, die weltweit in Armut gefangen sind und missbraucht werden.»
Dazu kommentiert Ji, dass Siegal sehr wohl «wusste, was für Abende unter dieser Adresse stattfanden». Die späte Uhrzeit (nach 22 Uhr), die explizite Einladung in Epsteins Privatvilla und die Tatsache, dass Siegal diese Anfrage überhaupt weiterleitete beziehungsweise hinterfragte, zeigen laut Sayer Ji, dass sie die typischen «evenings» bei Epstein kannte: Es waren keine normalen Geschäfts- oder Networking-Treffen, sondern oft späte, private Zusammenkünfte, bei denen Epstein junge Frauen («girls», «masseuses» oder Hostessen) arrangierte, um prominente Gäste zu «unterhalten» oder zu beeindrucken.
Dass Epstein nach seiner Verurteilung 2008 weiterhin ein Umfeld pflegte, in dem junge Frauen und Mädchen eine zentrale Rolle spielten, davon wusste auch Siegal, auch wenn sie später behauptete, sie habe das volle Ausmaß (Minderjährige und systematischer Missbrauch) nicht gekannt. Dies zeigt sich etwa daran, dass sie seinen Ruf und die Art seiner Partys/Hausbesuche kannte.
In Interviews (zum Beispiel mit dem New York Magazine 2026) räumte sie ein, Epstein habe Frauen und Mädchen in zwei Kategorien unterteilt: die öffentlichen «hostesses» und die jüngeren, die im Hintergrund blieben. Dennoch hatte sie weiter mitgeholfen, offenbar weil die Beziehung für sie finanziell und beruflich lohnend war.
Epsteins Liste von Druckmitteln gegen GatesVier Tage nach der Reise nach Palm Beach schrieb Epstein einen Nachbericht an Boris Nikolic, Gates' damaligen Wissenschaftsberater:
«Bill war ein lustiger Typ.»
Was folgte, hatte System: Epstein erstellte operative Memos, in denen er Gates' philanthropische Milliarden umstrukturieren und UN-Kontakte als Geheimdienstquellen positionieren wollte. Dabei tauchte ein «Leverage Inventory», also eine Art Liste von Druckmitteln auf. Dieses Dokument, datierend vom 4. Juli 2013, wurde von Epstein selbst erstellt. Dabei wurde es bewusst so formuliert, als stamme es von Bill Gates' eigenem Wissenschafts- und Technologieberater Nikolic.
In dem Papier listete Epstein systematisch Gates' persönliche Schwachstellen auf, insbesondere zwei (später drei) namentlich genannte Frauen, mit denen Gates außereheliche Affären gehabt haben soll. Epstein bewertete das Reputationsrisiko und notierte, dass eine Enthüllung Gates vom «reichsten Mann der Welt zum größten Heuchler» machen könnte – besonders gefährlich für sein Image als Familienmensch und Philanthrop.
Das Dokument diente Epstein nicht zur direkten Erpressung von Gates. Stattdessen war es ein strategisches Vorbereitungspapier, das er für sich selbst anlegte, um seine Verhandlungsposition zu stärken.
Nur 35 Tage später, am 8. August 2013, unterzeichnete Gates ein sechsseitiges Rechtsdokument, das Epstein weitgehende Zugeständnisse einräumte: vollen Zugang zu vertraulichen Daten der Gates Foundation, Haftungsfreistellung für Epsteins Firmen und eine Bindung sogar für Gates' Erben. Gates selbst räumte später ein, dass Epstein über seine Affären Bescheid wusste – Informationen, die über Boris Nikolic zu Epstein gelangt waren – und dass die Beziehung zu Epstein «ziemlich dumm» gewesen sei.
Die offiziellen Dokumente zeigen jedoch, dass es weit über Naivität hinausging: Epstein nutzte die Kontakte systematisch, um Einfluss zu nehmen und Informationen zu kanalisieren – alles während die Opferklagen aus dem Jahr 2008 noch liefen. Sayer Jis Veröffentlichung wirft erneut die Frage auf: Wie konnte ein verurteilter Sexualstraftäter, dessen Opfer noch vor Gericht standen, fünf Jahre später mit einem der mächtigsten Männer der Welt Geschäfte machen, ohne dass je spürbare Konsequenzen folgten?
Die neuen Dokumente unterstreichen einmal mehr das Muster von Elitenschutz, das TN immer wieder kritisiert hat.
Ein Spiegel für Europa: Warum Budapest zur Pilgerstätte der «Selbstdenker» wird
Éva Péli: Herr Hummel, wie haben Sie die Stimmung auf der CPAC-Konferenz in Budapest wahrgenommen – insbesondere im Vergleich zur aktuellen politischen Debattenkultur in Deutschland?
Wolfgang Hummel: Die besondere Atmosphäre begann bereits bei der Ankunft. Man kann sich zwar trefflich darüber streiten, was «konservativ» heute bedeutet, zumal eine solche Veranstaltung in Deutschland schnell als bloßes «Rechten-Treffen» abgestempelt würde. Doch der Kongress verdeutlichte, dass europaweit – und durch zugeschaltete Teilnehmer sogar in Lateinamerika – sehr ähnliche Themen die konservative Seite bewegen, und zwar eben auf der konservativen und nicht auf der linken Seite.
Die größte Überraschung für jemanden, der aus Berlin kommt: Es gab keinerlei Polizeiaufgebot. In Berlin wüsste ich schon auf dem Weg zum Veranstaltungsort: Hier warten Absperrungen, Polizeigitter und ein Großaufgebot, da es sich vermeintlich um ein «rechtes Treffen» handelt. In Budapest wirkte es so normal wie der Besuch einer Sportveranstaltung – passenderweise fand der Kongress auch in einer Sporthalle statt. Nach der Ticketkontrolle am Eingang wurde deutlich: Ein offener Diskurs ist hier ohne Weiteres möglich. Es gab keine Gruppierungen, die den Zugang blockierten, Sprechchöre organisierten oder Teilnehmer niederschrien.
Mein stärkster Eindruck, noch bevor ich die Konferenzräume betrat, war diese gelebte Normalität im Umgang mit unterschiedlichen Meinungen – seien sie rechts, links, konservativ, sozialistisch oder liberal. Dass es einfach normal ist, dass unterschiedliche Meinungen existieren, ist der stärkste Eindruck. In Deutschland scheint die Fähigkeit verloren gegangen zu sein, über konservative Inhalte zu diskutieren, ohne dass dies zu Störungen oder gesellschaftlicher Ausgrenzung führt.
«In Ungarn hat man sich die Offenheit bewahrtGlauben Sie, dass diese Atmosphäre darauf zurückzuführen ist, dass in Ungarn seit 16 Jahren eine rechtskonservative Partei regiert?
Ich denke, dort herrscht tatsächlich eine grundlegend andere Kultur. Da ich meist nur für wenige Tage in Budapest bin, ist ein abschließendes Urteil schwierig, aber das Verständnis von Diskussionskultur ist ein anderes. Ein solches Verständnis war vor 30 Jahren auch in Deutschland noch präsent – ich bin alt genug, um mich an diese Zeit zu erinnern. In Ungarn hat man sich diese Offenheit bis heute bewahrt.
Ein fast schon plakatives Beispiel sind zwei Cafés in der Budapester Innenstadt, deren Konstellation in Berlin niemals möglich wäre. Das eine nennt sich «Scruton», benannt nach dem britischen konservativen Philosophen Roger Scruton. Dort treffen sich vorwiegend konservative Studenten – interessanterweise sah ich dort sogar Frauen mit Kopftuch. Direkt daneben befindet sich eine linke Kneipe, wie man sie typischerweise aus Berlin kennt. Aber beide Orte koexistieren seit langem friedlich. Das sogenannte «rechte» Café ist weder mit Parolen beschmiert, noch gibt es dort Vandalismus oder «Nazis raus»-Rufe.
Sie existieren ganz selbstverständlich nebeneinander: Auf der einen Seite gehen die Konservativen rein, und wirklich nur 20 Meter weiter, im Nachbargebäude, finden sich die Linken zusammen. In einer deutschen Stadt wäre ein solches Bild heute leider kaum noch so möglich.
Das diesjährige Motto lautet «Onward to Victory». In Deutschland stehen konservative Kräfte oft unter erheblichem medialem und politischem Druck. Welche konkrete Strategie oder Form der Zuversicht nehmen Sie aus Budapest mit, die auch für die Oppositionsbewegung in Deutschland relevant sein könnte?
Lassen Sie mich dazu noch einmal auf den Begriff «konservativ» zurückkommen. Es ist ja eigentlich absurd, dass die CDU diesen Begriff so für sich gekapert hat. Wenn man die großen konservativen Philosophen liest, dann tut man sich heute extrem schwer, bei der CDU in ihrer aktuellen Form überhaupt noch etwas von echtem Konservatismus zu finden. Wo soll der denn sein? Das Wort wird dort oft nur missbraucht, um eine bürgerliche Wählerschicht bei der Stange zu halten.
In Budapest hingegen war das anders. Dort bildeten traditionelle Werte – dass die Ehe aus Mann und Frau besteht und die Familie in der Regel aus Mann, Frau und Kind – das ganz natürliche verbindende Element. Es ging gar nicht so sehr um das rein Politische; die Konferenz war eine Plattform für den Austausch. Und ich muss ehrlich sagen: Ich war selbst überrascht! Man sieht dort Staaten wie Portugal oder Spanien, zu denen man sonst vielleicht nur einen Bezug als Urlauber hat. Aber dort wird plötzlich etwas deutlich, was heute fast schon wieder revolutionär wirkt: Dass die Mehrheit der Bevölkerung in den wesentlichen Dingen völlig übereinstimmt.
Wir brauchen Sicherheit in den Städten, Sicherheit für unsere Kinder und eine Schulbildung, die wieder etwas mit Leistung zu tun hat. Wenn ich versuche, alle nur noch irgendwie unterschiedslos „einzubeziehen“, ohne auf Qualität zu achten, dann ernte ich genau das, was wir gerade überall erleben: ein sinkendes Bildungs- und Qualifikationsniveau.
Die Rückkehr der «schweigenden Mehrheit»Das klingt nach einer sehr grundlegenden Erkenntnis über die tatsächlichen Mehrheitsverhältnisse.
Genau das ist der Punkt! Diese eigentlich selbstverständlichen Überzeugungen wurden von linken Strömungen über Jahrzehnte an den Rand gedrückt. Aber der Kongress zeigt: Von Dänemark über Schweden bis nach Portugal bewegt die Menschen das Gleiche. Das ist im Grunde die Normalität, und es ist bezeichnend, dass diese Botschaft heute schon Sprengkraft hat. Es zeigt einfach, wie einseitig die Medien uns über Jahre informiert haben. Man wird dazu gebracht zu glauben, man stünde mit seiner Meinung auf verlorenem Posten. Aber der Kongress hat bewiesen – und das sagen alle Teilnehmer, auch die aus den Niederlanden: Nein, wir sind die Mehrheit!
Ich will das gar nicht nur am Wort «konservativ» festmachen. Es war eher ein Treffen der Selbstdenker, völlig ideologiefrei. Wir lassen uns von den Medien und der Politik nicht mehr vorschreiben, was wir zu denken haben. Und – das muss ich auch gegen die Vorurteile sagen – wir waren keineswegs alle einer Meinung. Da saßen Vertreter dieser ganzen Vielfalt von Nationen. Das ist das wahre Gegenmodell zur EU als Zentralstaat: Eine Union der Völker mit ihren ganz eigenen, unterschiedlichen Identitäten. Das ist die eigentliche Botschaft, viel mehr als irgendein konkretes politisches Programm, das dort gar nicht im Detail diskutiert wurde.
Kommen wir zu Viktor Orbáns Eröffnungsrede. Er betonte darin drei zentrale Säulen: Keine Migration, keine Gender-Ideologie, kein Krieg – stattdessen ein klarer Fokus auf den Frieden. Wie nahmen die internationalen Gäste diese Positionierung auf? Und wie realistisch ist diese Haltung als Ausgangspunkt für eine politische Wende in anderen EU-Staaten?
Ich war nun bereits zum fünften Mal dabei, und dieses Mal war es sicher tagespolitischer als sonst, wo es eher um grundsätzliche Fragen ging. Was man aber sieht: Orbáns Position hat sich nie geändert. Er war von Anfang an konsequent und hat schon früh auf die Risiken hingewiesen – auch auf das Thema Islamismus bei der Einwanderung.
Ich denke, das zeigen auch die Berichte aus den anderen Ländern auf der Konferenz. Selbst das EU-Establishment kann jetzt nicht mehr leugnen, dass eben nicht nur Fachkräfte oder Flüchtlinge kamen, sondern dass sich die EU – mit welcher Absicht auch immer – hier ein massives Problem geschaffen hat. In diesem Punkt wurde Orbán rückblickend bestätigt. Dennoch muss man realistisch bleiben. In vielen Ländern – Polen ist da ein klassisches Beispiel – existieren weiterhin starke pro-europäische oder linke Mehrheiten. Orbán bleibt ein Stachel im Fleisch – allerdings nicht im Fleisch Europas, sondern in dem des Brüsseler EU-Apparats. Er fungiert als lebendiges Gegenmodell und beweist: Es geht auch anders. Und mit diesem Weg ist er bis heute erfolgreich.
Sie sprachen die Zusammenarbeit in Mitteleuropa an. Wie steht es aktuell um die Geschlossenheit dieser Staaten?
Am nächsten stehen ihm sicher Tschechien und die Slowakei. Die Differenz zu Polen ist eine spezielle Sache, die im Wesentlichen an der Russlandfrage hängt. Aber man muss sagen: Orbán war am erfolgreichsten, als die Visegrád-Staaten geschlossen mit ihm ihre Stimme erhoben haben. Der Ukraine-Konflikt hat leider dazu geführt, dass Polen da etwas ausgeschert ist. Dadurch ist die besonnene Stimme Mitteleuropas leiser geworden. Das ist bedauerlich. Wir müssen da wieder hin, denn im Verbund der Visegrád-Staaten war noch viel deutlicher: Mitteleuropa möchte diesen falschen Weg nicht mitgehen, den Westeuropa – namentlich Frankreich, die Niederlande und Deutschland – schon seit Jahrzehnten eingeschlagen hat.
Washington und Budapest: Ein neuer transatlantischer BrückenschlagKommen wir zur transatlantischen Achse zwischen den USA und Europa. Die CPAC ist ursprünglich ein Export aus den Vereinigten Staaten. Wie stark war der Einfluss der US-amerikanischen Akteure in diesem Jahr spürbar? Haben wir es mit einer rein symbolischen Allianz zu tun, oder entsteht hier eine handfeste Infrastruktur gegen globalistische Bestrebungen?
Das lässt sich am besten nachvollziehen, wenn man die Ursprungsidee betrachtet. Die CPAC ist im Kern eine Bewegung konservativer Republikaner. Wichtig ist hier: Das sind nicht diese Neocons, die die Welt mit imperialistischen Ideen und unter dem Deckmantel der Demokratie beglücken wollen. Es sind Konservative, die auf traditionelle Werte wie die Familie setzen und der Meinung sind, dass der Staat im Leben des Einzelnen eine geringere Rolle spielen sollte.
Man muss verstehen, dass es «die eine USA» so nie gab. Es existieren immer mindestens zwei Welten nebeneinander: das konservative Milieu in den ländlich geprägten Bundesstaaten und die eher demokratisch orientierten Metropolen. In der Vergangenheit kam es hier zu einer interessanten Scherenbewegung: Während die Demokraten zu Globalisten wurden, die ihre Botschaft weltweit verbreiten wollten – oft Hand in Hand mit Großkonzernen –, vollzog sich bei den Republikanern ein Wandel. Jene Partei, die jahrzehntelang das amerikanische Modell in die Welt tragen wollte, entwickelte sich zu der Kraft, die heute verstärkt auf nationale Selbstbeschränkung setzt.
Wie hat sich dieser Brückenschlag konkret auf der Konferenz manifestiert?
Für mich persönlich war entscheidend, dass hier eine Plattform entstand, auf der man unmittelbar mit Kongressabgeordneten aus Washington diskutieren konnte – teilweise intensiver als in den USA selbst. In diesem Jahr waren zwar bedeutende Vertreter aus dem US-Kongress da, hielten sich aber eher im Hintergrund. Das Geschehen wurde primär von der ungarischen Fidesz-Partei und anderen europäischen Vertretern dominiert.
Dennoch wurde eines überaus deutlich: Auch die US-Amerikaner bewegen ganz existenzielle Alltagsfragen. Ein Kongressabgeordneter erzählte beispielhaft, dass er hier zum ersten Mal seit Jahrzehnten in einer Metropole unterwegs war, ohne vorab fragen zu müssen: «Wo sind die No-Go-Areas? Wo ist das Risiko eines Überfalls am größten?» Er konnte in Budapest einfach rumlaufen, ohne dass ihn jemand warnte, er könne sein Portemonnaie oder Handy verlieren. Das ist ein schlichtes, aber mächtiges Beispiel für den Erfahrungsaustausch. Während man in Berlin jüdischen Mitbürgern mittlerweile leider raten muss, bestimmte Viertel zu meiden, präsentiert Orbán hier sein Gegenmodell – und es funktioniert offensichtlich. Das bestätigen übrigens auch die israelischen Gäste: Es gebe kaum eine europäische Stadt, in der sie sich so sicher fühlen wie in Budapest.
Welche Rolle spielte das Vorgehen der USA unter Trump und Israel gegenüber dem Iran bei diesem Treffen?
Es ist kein Geheimnis, dass Viktor Orbán ein sehr enges Verhältnis zu Netanjahu pflegt. Es gab eine Videobotschaft, und auch Netanjahus Sohn war persönlich vor Ort, um intensiv für den israelischen Standpunkt zu werben. Dahinter steht jedoch eine tiefere Sorge: Trump hat die Komplexität des Nahostkonflikts und vor allem die inneren Strukturen des Irans völlig missverkannt. Er hat damit eine Situation geschaffen, die ihm politisch massiv schaden könnte.
Man muss Trump nicht persönlich schätzen, aber man muss erkennen, dass ihn eine Bewegung ins Amt getragen hat, deren Kernanliegen das Ende einer imperialistischen Politik war. «America First» bedeutet für diese Wähler eben nicht nur Nationalismus, sondern vor allem außenpolitische Selbstbeschränkung. Aus Sicht vieler Konservativer – Tucker Carlson ist hierfür ein prominentes Beispiel – hat Trump mit diesem Vorgehen die konservative Sache verraten. Ich wähle dieses Wort ganz bewusst. Wir erleben hier gerade eine gefährliche Bruchstelle innerhalb der Make America Great Again-Bewegung. Mit der Eskalation im Iran-Konflikt hat Trump ein zentrales Versprechen gegenüber seinen Wählern gebrochen, denen der Rückzug aus fremden Kriegen extrem wichtig war.
Auswirkungen auf Europa: Die Schwächung der diplomatischen KraftWelche Auswirkungen hat dieser interne Konflikt der US-Konservativen auf Europa?
Das ist der entscheidende, fast schon tragische Punkt. Diese internen Verwerfungen schwächen genau jene Dynamik, die wir bräuchten, um endlich eine diplomatische Lösung im Russland-Ukraine-Konflikt herbeizuführen. Wenn Trump durch den Nahostkonflikt politisch vollkommen absorbiert wird oder dadurch in eine schwache Position gerät, schwindet die Chance auf die von ihm angestrebte Friedensinitiative mit Russland. Für uns in Europa bedeutet das: Wenn die USA als ordnende Kraft für den Frieden ausfallen, übernehmen jene Akteure die Führung, die dezidiert auf eine Fortführung des Krieges in der Ukraine setzen. Das ist die bedauerliche Entwicklung, die sich momentan hinter den Kulissen bereits abzeichnet.
Im Fokus stand, wie Sie sagten, die Rückbesinnung auf Nationalstaatlichkeit und individuelle Freiheit. Erleben wir in Budapest den Anfang eines Dominoeffekts für Europa? Gibt es Anzeichen dafür, dass diese «Mehrheit», von der auf dem Kongress die Rede war, wirklich in Bewegung gerät?
Ich mag in dieser Frage befangen sein, aber ich bin fest davon überzeugt, dass Ungarn ein Exempel statuiert: Man kann in der EU äußerst selbstbewusst agieren. Wenn man das Abstimmungsverhalten in der Union nüchtern betrachtet, wird eines klar: Uns wird die EU als große Gemeinschaft von 27 Staaten präsentiert, doch faktisch sind etwa 20 davon Nettoempfänger. Gezahlt wird nur von einer kleinen Gruppe von sechs oder sieben Staaten. Deutschland ist dabei der größte Zahler und trägt nahezu ein Viertel zum Haushalt bei. Was ich damit sagen will: Die anderen Staaten haben oft nicht den Mut, gegen Frankreich oder Deutschland aufzustehen, weil sie schlicht fürchten müssen, dass ihnen Gelder vorenthalten werden könnten.
Ungarn bekommt diesen finanziellen Druck ja bereits massiv zu spüren.
Exakt, Ungarn ist da ein Zielobjekt. Aber Orbán zeigt eben: Man kann die Stimme erheben und Rückgrat beweisen. Das ermutigt auch andere. Wir haben es in Polen gesehen: Als Tusk an die Regierung kam, wurden unter dem Label der «Rechtsstaatlichkeit» plötzlich Gelder freigegeben, obwohl sich an der tatsächlichen politischen Praxis kaum etwas zum Besseren gewandelt hat – im Gegenteil. Es wird deutlich, dass viele Länder eigentlich nur aus Angst vor Mittelkürzungen und wegen kurzfristiger Vorteile anders abstimmen, als sie vielleicht möchten. Aber der EU-Apparat kann die Versprechen von vor 30 Jahren – eine moderne, prosperierende Union zu schaffen – gar nicht mehr halten.
Woher rührt dann diese enorme Schärfe in der Auseinandersetzung mit Viktor Orbán?
Die Wut und die Empörung über Orbán speisen sich nicht primär daraus, dass er eine andere Politik macht. Er hält der EU schlicht den Spiegel vor. Er fragt: «Was habt ihr eigentlich geliefert? Wo sind eure Wohlstandsversprechen?»
Ich bin noch immer tief beeindruckt von einer China-Reise. Wenn man dort das Netz an Hochgeschwindigkeitszügen sieht und das mit dem vergleicht, was wir derzeit in Europa erleben, wird unser Rückstand schmerzhaft deutlich. Die zentrale Planung über die Brüsseler Bürokratie hat uns in den letzten 30 Jahren nicht vorangebracht. Der Groll auf Orbán ist deshalb so tief verwurzelt, weil seine Politik im Grunde höchst rational ist und das Versagen der zentralistischen Strukturen offenlegt.
Hintergrund: Die Conservative Political Action Conference (CPAC) ist ursprünglich das traditionsreichste Gipfeltreffen der US-Konservativen. Seit 2022 findet mit der CPAC Hungary ein europäischer Ableger in Budapest statt. Organisiert vom ungarischen Zentrum für Grundrechte, hat sich die Konferenz zur einflussreichsten Netzwerk-Plattform für konservative Politiker, Intellektuelle und Aktivisten aus Europa und den USA entwickelt. Unter dem Schutzschirm der Regierung Orbán werden hier Themen wie nationale Souveränität, Grenzschutz und traditionelle Familienwerte jenseits des Brüsseler Mainstreams diskutiert.
Zur Person: Wolfgang Hummel ist ein langjähriger Beobachter der europäischen und transatlantischen Politik mit einem besonderen Fokus auf ordnungspolitische und energetische Fragen. Als Experte, der unter anderem für das Land Berlin tätig war und als Vertreter bei internationalen Missionen (u. a. IWF in der Ukraine) fungierte, gilt er als profunder Kenner der osteuropäischen Machtstrukturen. In seinen publizistischen Beiträgen setzt er sich kritisch mit zentralistischen EU-Strukturen und der aktuellen deutschen Energie- und Außenpolitik auseinander. Hummel gilt als Verfechter einer auf Souveränität und Realpolitik basierenden Diplomatie.
Karfreitag im Kugelhagel? Wenn der Glaube zur Zielscheibe wird
Es ist die Zeit der stillen Tage, der Besinnung, der Hoffnung auf Auferstehung. Doch für Millionen Christen ist Ostern kein Fest des Lichts, sondern ein Gang durch die Dunkelheit. Was die Bischöfe Nigerias jüngst in Rom vorgetragen haben, ist keine Randnotiz – es ist ein Aufschrei.
Bei ihrem Ad-limina-Besuch schilderten sie Papst Leo XIV eine Realität, die kaum noch zu beschönigen ist: Gewalt, Unsicherheit, Diskriminierung – und eine internationale Öffentlichkeit, die viel zu oft wegschaut oder beschwichtigt.
Nigeria ist kein Einzelfall, aber ein Brennglas. Laut der christlichen Hilfsorganisation Open Doors entfallen rund 72 Prozent aller weltweit ermordeten Christen auf dieses eine Land. Eine Zahl, die erschüttert – und doch erstaunlich selten Schlagzeilen macht.
Die Bischöfe sprechen von «falschen Narrativen», die von staatlicher Seite verbreitet werden. Narrative, die das Problem relativieren, entpolitisieren oder schlicht leugnen. Währenddessen sterben Menschen. «Viele Menschen sterben», brachte es Kardinal Peter Okpaleke nüchtern auf den Punkt. Diese Diskrepanz zwischen Realität und Darstellung ist nicht nur zynisch – sie ist gefährlich. Denn wer die Verfolgung leugnet, verhindert ihre Bekämpfung.
Die Lage ist komplex, aber nicht chaotisch. Hinter den Angriffen stehen klare Muster: Islamistische Terrorgruppen wie Boko Haram oder ISWAP, militante Fulani-Milizen, kriminelle Banden. Sie eint ein Ziel: Kontrolle durch Angst.
Dörfer werden überfallen, Kirchen niedergebrannt, Priester entführt. Frauen werden vergewaltigt, Kinder verschleppt, Familien vertrieben. Ganze Regionen werden entvölkert. Millionen sind auf der Flucht – im eigenen Land oder darüber hinaus. Und immer wieder trifft es gezielt Christen.
Erzbischof Matthew Ndagoso berichtete von Diözesen, in denen Christen zur marginalisierten Minderheit geworden sind – nach über einem Jahrhundert systematischer Benachteiligung. Zugang zu Bildung, Jobs oder politischer Teilhabe? Für viele ein unerreichbarer Traum.
Besonders brisant: Die öffentliche Leugnung der religiösen Dimension der Gewalt. Nigerias First Lady hatte jüngst bestritten, dass Christen gezielt verfolgt würden. Für die Bischöfe ist das ein Schlag ins Gesicht der Opfer.
Erzbischof Lucius Iwejuru Ugorji spricht offen von struktureller Voreingenommenheit zugunsten des Islam. Die Verfassung verspreche Gleichheit – die Realität sehe anders aus. Wer in bestimmten Regionen als Christ lebt, lebt gefährlich. Wer konvertiert, riskiert sein Leben – nicht selten durch die eigene Familie. Wer öffentlich seinen Glauben zeigt, kann zur Zielscheibe werden.
Das vielleicht größte Versagen liegt im fehlenden Schutz der Bevölkerung. Sicherheitskräfte greifen oft nicht ein, Täter bleiben unbehelligt. Die Botschaft ist klar: Gewalt lohnt sich. Diese Kultur der Straflosigkeit nährt die nächste Welle der Gewalt. Sie zerstört Vertrauen, zersetzt den Staat und treibt Menschen in die Verzweiflung. Währenddessen schließen tausende Schulen aus Angst vor Angriffen. Eine verlorene Generation wächst heran – ohne Bildung, ohne Perspektive. Ein Nährboden für weitere Radikalisierung.
Und so gehen Christen in Nigeria auf Ostern zu – nicht mit Palmzweigen, sondern mit Angst. Die Botschaft der Auferstehung trifft auf eine Realität des Sterbens. Papst Leo XIV. hat den Bischöfen internationale Aufmerksamkeit zugesagt. Doch Aufmerksamkeit allein wird nicht reichen. Es braucht politischen Druck, klare Worte, konsequentes Handeln der internationalen Gemeinschaft gegenüber dem nigerianischen Staat in dem Sinn: Das lassen wir nicht durchgehen. Sonst sieht es morgen vielleicht in Syrien ähnlich aus.
Denn eines ist offensichtlich: Christsein ist heute in vielen Teilen der Welt – und besonders in Nigeria – nicht nur ein religiöses Bekenntnis. Es ist ein Risiko. Und wer darüber schweigt, macht sich mitschuldig.
Demo in Berlin: Sechs Jahre Corona-Widerstand
Die meisten Menschen möchten nicht mehr an die «Pandemie» erinnert werden, das Thema ist für sie sozusagen Schnee von gestern. Die Kritiker der ersten Stunde sehen das anders, vor allem angesichts der Tatsache, dass eine wirkliche Aufklärung von den politisch Verantwortlichen systematisch verhindert wird. Was bei den Sitzungen der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags immer wieder deutlich wird.
Zur Erinnerung: Am 28. März 2020, der «Pandemie»-Rummel lief bereits auf Hochtouren, organisierten die Journalisten Uli Gellermann, Hendrik Sodenkamp und Anselm Lenz in Berlin die erste Demo gegen den Corona-Ausnahmezustand. Aus den Spaziergängen – bei denen viele das Grundgesetz mitführten und die Polizei oft mit übertriebener Härte vorging –, entwickelte sich im ganzen Land eine dezentrale Friedens- und Demokratiebewegung.
Zum sechsten Jahrestag dieser Ereignisse haben die Journalisten gemeinsam mit anderen Mitstreitern wieder eine Demo organisiert. Los ging es am Samstag am Rosa-Luxemburg-Platz, die Teilnehmer der Veranstaltung zogen durch die Straßen und legten am Bundestag einen Kranz für die Opfer des Coronaregimes nieder. Diverse Redner zogen Corona-Bilanz und versprachen, dass sie immer wiederkommen werden, damit die Verantwortlichen nicht davonkommen.
Am Abend wurde einigen Journalisten, die von Ursula von der Leyens EU-Kommission wegen angeblicher russischer Propaganda willkürlich sanktioniert wurden, in der Musikbrauerei der Kölner Karlspreis verliehen.
Hier ein Video, in dem Gellermann, Sodenkamp und Lenz einige Tage vor der Demo eine Rückschau auf die Corona-Demos in Berlin boten – und der Frage nachgingen, was das alles gebracht hat.
Zudem war unsere Kollegin Sophia-Maria Antonulas in Berlin vor Ort – und hat einige Impressionen festgehalten:
Schweizer Freiheitstrychler besuchen Jacques Baud in Brüssel
Der deutsche Journalist und Autor Patrik Baab hat die Freiheitstrychler und andere aufrechte Schweizer Demokraten nach Brüssel begleitet, wo sie sich am 20. März mit Jaques Baud trafen, einem ehemaligen Oberst der Schweizer Armee, Mitarbeiter des militärischen Nachrichtendienstes, Bestsellerautor und Militäranalysten.
Über diesen Besuch hat Baab einen anrührenden Film gemacht. Dabei ist er der Frage nachgegangen, wieso ein europäischer Bürger, der seinem Land und dem Frieden gedient hat, von Ursula von der Leyens EU-Kommission politisch isoliert werden kann, ohne verurteilt worden zu sei.
Baud steht seit dem 15. Dezember 2025 auf der Sanktionsliste der EU, weil er angeblich russische Propaganda verbreitet hat. Ein Gerichtsverfahren oder öffentliche Beweise gab es nicht. Der ehemalige NATO-Mitarbeiter und UN-Offizier sitzt seitdem in Brüssel fest und ist de facto aller Rechte beraubt. Er kann nicht reisen, seine Konten sind eingefroren, sein Besitz wurde beschlagnahmt. Wer ihm hilft, macht sich auch nach deutschem Recht strafbar und kann jahrelang ins Gefängnis kommen. Wenn seine Nachbarn für ihn kochen, stehen sie mit einem Bein im Knast.
Die Gruppe um die Freiheitstrychler hat Baud deshalb bei diesem Treffen Käse, Brot, Wurst und Butter übergeben – und ihren Landsmann damit zu Tränen gerührt. Baab hat diese bewegenden Momente in seinem Dokumentarfilm festgehalten und klargestellt, dass das, was Baud und anderen passiert ist, eine Verzahnung von unberechtigten Willkürmaßnahmen und Strafrecht ist. Er betont:
«Ein solches Vorgehen steht in der Tradition der nationalsozialistischen Sippenhaft. Baud ist Ziel politischer Willkür, die zum Himmel stinkt und die gesamte Verkommenheit der Eurokratie offenbart.»
Im Zentrum der Doku stehen:
- EU-Sanktionen gegen Jacques Baud
- Einschränkung von Meinungsfreiheit und Grundrechten
- Die Rolle der Schweiz und ihre Neutralität
- Ukraine-Krieg und geopolitische Narrative
- Der Umgang Europas mit Kritik und Dissens
- Der Konflikt zwischen Sicherheitspolitik und Demokratie
Baab betont, dass Bauds Fall die grundlegende Frage aufwirft, wie stabil Rechtsstaat und Meinungsfreiheit in Europa wirklich sind – und er erinnert daran, dass diese politisch motivierten und willkürlichen Maßnahmen jeden treffen können, der sich den Machthabern und dem offiziellen Narrativ widersetzt.
EU-Kommission blockt beim Thema Krebsneuerkrankungen ab
Die Krebszahlen in EU-Mitgliedsländern sind im Aufwärtstrend, auch junge Menschen sind zunehmend betroffen, doch ein möglicher Zusammenhang mit den mRNA-COVID-«Impfungen» wird von Ursula von der Leyens Kommission nach wie vor ausgeschlossen. Das hat der österreichische EU-Abgeordnete Gerald Hauser in einem aktuellen Video erneut klargestellt.
Wie Hauser betont, will sich die EU nicht mit dem «Elefanten im Raum», sprich dem Zusammenhang zwischen den Krebsneuerkrankungen und den «Impfstoffen» beschäftigen, obwohl diese ab dem Jahr 2021 massiv und flächendeckend, zum Teil verpflichtend verabreicht wurden – und die offiziellen Zahlen einen klaren Zusammenhang mit den «Impfungen» nahelegen.
Schon im Mai 2025 hatte Hauser eine parlamentarische Anfrage an den EU-Kommissar für Gesundheit, Olivér Várhelyi, gerichtet, in der er wissen wollte, ob es einen Zusammenhang zwischen diesen «Impfungen» und dem Auftreten von aggressiven Krebserkrankungen gebe. Im Juli hatte Várhelyi geantwortet und betont, dass es dafür keine wissenschaftlichen Belege gebe.
Im Oktober hatte Hauser deshalb nachgehakt und Várhelyi Fragen in Bezug auf eine südkoreanische Kohortenstudie gestellt, die auf Krankenkassendaten von 8,4 Millionen Bürgern basierte und einen dramatischen Anstieg bei sechs Krebsarten in den Jahren 2021 bis 2023 dokumentierte (wir berichteten).
Der EU-Kommissar hatte Ende Januar 2026 darauf geantwortet und erneut behauptet, dass es keine bestätigten Hinweise für ein erhöhtes Krebsrisiko nach einer Covid-19-mRNA-Impfung gebe. Obendrein hatte er angemerkt, dass die mRNA-«Impfstoffe» die Überlebenschance von Patienten, die nach der Gen-Injektion mit spezifischen Krebsmedikamenten behandelt wurden, sogar verbessert habe.
Letztere Aussage erachtet Hauser als besonders skandalös. Denn damit habe der EU-Kommissar klargestellt, dass ihm das Geschäft der Pharmaunternehmen mehr am Herzen liege als das Wohl der Bürger.
Im Februar 2026 hatte Hauser im Gesundheitsausschuss die beunruhigende Zahl der Krebsneuerkrankungen in seinem Heimatland angesprochen. Denn offizielle Daten von Statistik Austria belegen, dass diese von 2020 bis 2024 in die Höhe geschossen sind, und zwar von 44.520 auf 48.360. In nur vier Jahren gab es also ein Plus von fast 4.000 Neuerkrankungen.
Zum Vergleich: Eine solche Steigerung fand zuvor in einem Zeitraum von zehn Jahren statt. Von 2011 bis 2020 stiegen die Zahlen in Österreich zum Beispiel nur von 40.000 auf 44.500. Das sei exponentiell und erschreckend, befand Hauser (wir berichteten). Doch auch bei diesem Versuch, das Thema in den Fokus zu rücken, stieß der Abgeordnete auf eine Mauer des Schweigens.
In seinem neuen Video berichtet Hauser nun darüber, dass es in der EU im Jahr 2022 mehr als 2,7 Millionen Fälle von Krebsneuerkrankungen gab und dass bis zum Jahr 2040 mit 3,25 Millionen gerechnet wird. Deshalb hat er eine weitere parlamentarische Anfrage an Várhelyi gerichtet. Vom EU-Kommissar für Gesundheit will er Folgendes wissen:
- Wie haben sich die Krebszahlen in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten bis 2020 und seit 2021 – also seit Beginn der Impfkampagne – entwickelt?
- Gibt es EU-Länder, in denen es sogenannte Ausreißer in der Statistik gibt, also eine besonders hohe oder niedrige Anzahl der Krebsneuerkrankungen – und was sind die Gründe dafür?
- Kann die Europäische Kommission ausschließen, dass der Anstieg der Krebsneuerkrankungen sowie Berichte über den sogenannten Turbokrebs mit Covid-Impfungen in Zusammenhang stehen?
Man muss davon ausgehen, dass die verantwortlichen EU-Beamten Hausers Anfragen weiterhin mit Plattitüden beantworten – und den «Elefanten im Raum» ignorieren werden, aber zumindest ist es positiv, dass sich einige wenige Abgeordnete mit der Realität beschäftigen und sich für die Bürger einsetzen.
UN und WEF wollen Iran-Krieg zur «Umgestaltung der Wirtschaft» nutzen
Während im Nahostkrieg Menschen sterben, die globalen Energiemärkte destabilisiert werden, die Angebotsschocks sowie Preisschwankungen verursachen, reagieren die UN und das Weltwirtschaftsforum (WEF) nicht einfach nur auf die Krise, sie nutzen sie aktiv. Hinweise darauf hat die Journalistin Natalie Winters in aktuellen Artikeln des WEF entdeckt.
In einem dieser Artikel vom 25. März 2026 übermittelt der UN-Klimachefkommissar Simon Stiell eine klare Botschaft: Der Nahostkonflikt müsse genutzt werden, um den Umstieg von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien zu beschleunigen. Er erklärte:
«Wenn es jemals einen Zeitpunkt gab, um die Energiewende zu beschleunigen und die Abhängigkeiten zu durchbrechen, die die Wirtschaft gefesselt haben, dann ist es jetzt.»
Nicht irgendwann, nicht, wenn die Stabilität wiederhergestellt ist, sondern sofort. So wird die Krise selbst zum Argument. Und wenn Regierungen – unter unmittelbarem wirtschaftlichem Druck – vorschlagen, Klimavorschriften zum Schutz von Industrie und Verbrauchern zu lockern, reagiert Stiell nicht mit Vorsicht, sondern mit Eskalation. Seines Erachtens wäre eine Abschwächung der Klimapolitik «völlig realitätsfern».
«Selbst während der Krieg globale Lieferketten bedroht und sich Haushalte auf höhere Energiekosten einstellen, ist die Position des WEF eindeutig: mehr Druck ausüben», konstatiert Winters.
Entscheidende Hinweise liefert auch ein zweiter WEF-Artikel, der nur wenige Tage zuvor veröffentlicht wurde. Titel: «Können Volkswirtschaften durch Angebotsschocks positiv beeinflusst werden? Das ist schon vorgekommen.»
Der Artikel beschreibt, wie vergangene Schocks – insbesondere die Ölkrise der 1970er Jahre – genutzt wurden, um ganze Volkswirtschaften umzustrukturieren. Das WEF propagiert: «Energiesysteme wurden neu gestaltet, Konsummuster verändert, Regierungen setzten Reformen durch, die unter normalen Umständen politisch unmöglich gewesen wären.» Die Geschichte zeige, dass solche Perioden Volkswirtschaften tendenziell in neue Richtungen lenke – manchmal zum Besseren.
Dann wird beinahe beiläufig eingeräumt: «Es mutet seltsam an, sich in Zeiten von Krieg und Knappheit auf potenzielle positive Aspekte zu konzentrieren.» Auch der Satz
«in schwierigen Zeiten kann die größte Arbeit bei der Gestaltung der Wirtschaft geleistet werden … Fortschritt ist eine häufige Folge» zeigt die Richtung, in die das WEF drängt: Es geht nicht um Krisenmanagement, sondern um Krisenausnutzung.
Füge man die Hauptaussagen der beiden WEF-Artikel zusammen, werde das Rahmenwerk unmissverständlich deutlich, betont Winters und schreibt:
«Der erste nutzt den aktuellen Krieg, um für eine sofortige Beschleunigung der Energiewende zu argumentieren. Der zweite erklärt, warum Krisen wie diese ideal sind: Weil Störungen den Widerstand senken und den politischen Spielraum schaffen, um tiefgreifende Strukturveränderungen durchzusetzen.»
Die Lösung sei praktischerweise genau die Agenda, die vor der Krise kaum Anklang gefunden habe. Und das Aufschlussreichste sei, dass die UN und das WEF ihre Ziele nicht verheimlichen, sondern aufschreiben und propagieren würden. Nach dem Motto: Krisen «stoßen die Wirtschaft an», Kriege schaffen «Chancen» und «schwierige Momente» sind die Zeiten, in denen alles neu gestaltet wird.
Ex-Rektorin: Deutsches Schulsystem ist «bankrott» – wir brauchen Fächer wie «Leben lernen»
In einem aktuellen Interview mit der Welt erklärt die ehemalige Rektorin Silke Müller, warum sie das deutsche Schulsystem als «bankrott» bezeichnet und einen radikalen Umbau fordert. Die langjährige Schulleiterin aus Niedersachsen, die 16 Jahre die Waldschule Hatten leitete und Autorin des Buchs «Schule gegen Kinder» ist, sieht ein System, das strukturell nicht mehr auf die aktuellen Herausforderungen reagieren kann.
Müller fordert einen grundlegenden Wandel des Lernens an den Schulen in Deutschland. Das aktuelle Modell mit starren Strukturen, überbordender Bürokratie und einseitigem Leistungsdruck werde den Bedürfnissen der Kinder nicht gerecht. Konkret nennt die ehemalige Rektorin folgende Änderungsvorschläge:
- Abschaffung von Noten, um den ständigen Leistungsdruck zu beseitigen und den Fokus auf individuelle Entwicklung und echte Lernfortschritte zu legen.
- Sprechtage nur für die Schüler selbst – ohne Eltern: Statt der üblichen Elterngespräche sollen regelmäßige Feedback-Gespräche ausschließlich zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern stattfinden. Die Idee dahinter ist, dass Kinder und Jugendliche lernen, Verantwortung für ihren eigenen Lernprozess zu übernehmen. Das direkte, ehrliche Feedback soll bei den Schülern selbst ankommen und wirken, anstatt – wie oft der Fall – in langen Elterngesprächen zu verpuffen oder durch elterliche Interpretationen gefiltert zu werden.
- Auflösung starrer Fächerstrukturen zugunsten eines ganzheitlichen Lernens: Statt des traditionellen 45-Minuten-Takts und Fachunterrichts (Deutsch, Mathe, Englisch usw. und alles streng getrennt) plädiert Müller für eine stärkere Auflösung dieser künstlichen Trennungen. Stattdessen soll Lernen themen- und projektorientiert erfolgen, bei dem verschiedene Kompetenzen und Wissensbereiche miteinander verknüpft werden. Das Ziel ist ein ganzheitliches Lernen, das nicht nur kognitive Inhalte vermittelt, sondern auch soziale, emotionale und praktische Fähigkeiten fördert – also genau das, was Kinder «wirklich fürs Leben brauchen». Dadurch soll der Unterricht lebensnäher, motivierender und weniger fragmentiert werden.
- Einführung eines neuen Schulfachs «Leben lernen», das praktische Alltagskompetenzen und Resilienz fördert.
- Abschluss eines bundesweiten Bildungsstaatsvertrags und Einrichtung eines nationalen Bildungsrats mit echter Entscheidungsmacht, um Bildungspolitik von kurzfristigen Regierungswechseln zu befreien und verbindliche Kernkompetenzen festzulegen.
- Mehr Zeit für Beziehungsarbeit, verpflichtende Fortbildungen für Lehrkräfte sowie ein reflektierter Umgang mit KI.
- Abschaffung klassischer Hausaufgaben zugunsten von kreativer Prompt- und Kritik-Kompetenz.
Solche oder ähnliche Ansätze werden in Deutschland bereits an einzelnen Schulen erprobt oder praktiziert – meist im Rahmen reformpädagogischer Konzepte oder landesweiter Schulversuche. Beispiele sind die Alemannenschule in Wutöschingen (Baden-Württemberg), die ohne festen Stundenplan und Klassenzimmer auskommt und stark auf selbstbestimmtes, projektorientiertes Lernen setzt. Dabei arbeiten die Schülerinnen und Schüler mit Lernbegleitern und nicht in Form eines traditionellen Frontalunterrichts.
In der Waldparkschule in Heidelberg gibt es bis zur achten Klasse keine Zensuren; stattdessen finden wöchentliche Coaching-Gespräche und Lernberichte statt. Auch die Universitätsschule Dresden erprobt derzeit ein Modell ohne feste Klassen, ohne Hausaufgaben und ohne Noten.
In Hamburg wiederum entsteht derzeit mit der neuen Stadtteilschule Altona (auch im Umfeld von St. Pauli angesiedelt) ein moderner Campus, der nach aktuellen Berichten offene, aktivierende Lernräume und individuelle Lernformen betont – ein Ansatz, der in Teilen mit den Forderungen nach mehr Ganzheitlichkeit und Eigenverantwortung korrespondiert.
Ebenfalls in Hamburg angesiedelt ist die Winterhuder Reformschule, auf der seit Jahren fächerübergreifende Projektarbeit stattfindet und die starre Fächereinteilung weitgehend aufgehoben ist. Allerdings wird dort sehr viel und regelmäßig mit Tablets gearbeitet, oft auch unkontrolliert. Das zeigt, dass der Teufel auch hier im Detail liegen kann und genaues Hinsehen auch in Sachen «alternative Schulkonzepte» angezeigt ist.
Weitere Impulse kommen aus vielen Jenaplan-, Freinet- und Montessori-Schulen sowie aus einzelnen Gemeinschaftsschulen, die projektorientiert und mit alternativen Feedback-Formen arbeiten.
«Corona-Zeit» und Digitalisierung als ZusatzbelastungDie vorgetragene Kritik an einem Schulsystem, das sich eigentlich über Jahrzehnte kaum oder nicht wesentlich verändert hat, kommt nicht aus dem luftleeren Raum. Besonders die «Corona-Zeit» hat offenbart, wie schnell Kinder regelrecht unter die Räder der Politik geraten können. Schulen waren monatelang geschlossen, Präsenzunterricht wurde durch Distanzlernen ersetzt und selbst Grundschulkinder mussten Masken tragen – oft stundenlang.
Eine Studie der University of East Anglia unterstreicht die dramatischen Folgen: Die Lockdowns haben die Entwicklung exekutiver Funktionen bei Kindern um Jahre zurückgeworfen. Betroffen sind vor allem Fähigkeiten wie Konzentration, Verhaltensregulation, kognitive Flexibilität und die Anpassung an soziale Situationen.
Kinder, die zu Beginn der Pandemie im ersten Schuljahr waren, zeigten besonders deutliche Defizite beim Knüpfen von Kontakten und beim Erlernen von Alltagsroutinen im Klassenzimmer. Die Forscher warnen, dass diese Rückschläge langfristig anhalten könnten (wir berichteten).
Auch wächst die heutige Generation in einer Welt auf, die von permanenter Digitalisierung und Übertechnisierung geprägt ist. Im Vergleich zur Kindheit der 1960er- und 1970er-Jahre fehlen vielen Jungen und Mädchen heute entscheidende Erfahrungen, die mentale Stärke und Resilienz aufbauen. Damals lernten Kinder im Schnitt viel eher, Langeweile auszuhalten und daraus Kreativität zu entwickeln – sei es beim Spielen mit Stöcken im Wald, beim eigenständigen Reparieren eines Fahrrads oder beim stundenlangen Draußensein ohne ständige elterliche Überwachung.
Frustrationstoleranz, Selbstständigkeit, das Erkennen sozialer Signale in echten Face-to-Face-Interaktionen und die Fähigkeit, Probleme ohne Google oder GPS zu lösen, waren Teil eines unfreiwilligen Resilienz-Trainings. Heute hingegen dominieren Smartphones, Social Media und ständige Reize.
Viele Kinder verbringen ihre Zeit in einer Welt der sofortigen Befriedigung und des Doomscrollings. Die Folge: geringere emotionale Widerstandsfähigkeit, höhere Angstwerte und ein geschwächtes Vermögen, Alleinsein oder unstrukturierte Zeiten ohne Bildschirm zu ertragen.
Die Frage bleibt drängend: Wenn selbst Kinder in Krisen aus dem Blick geraten, in der Alltagspädagogik mit Defiziten kämpfen und in einer digital überreizten Welt aufwachsen, welchen Wert messen wir ihnen dann wirklich zu? Ein radikaler Umbau des Schulsystems allein reicht vielleicht nicht – es braucht auch eine gesellschaftliche Debatte darüber, ob wir bereit sind, Kinder wieder stärker als Zukunft und nicht nur als Störfaktor zu betrachten.
Social-Media-Verbot für Unter-14-Jährige in Österreich: Kritiker sehen das Ende der Anonymität im Netz gekommen
Die österreichische Regierungskoalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS hat sich am Freitag auf ein bundesweites Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren geeinigt. Nach stundenlangen Verhandlungen bis in die Nacht wurde die Altersgrenze auf 14 Jahre festgelegt – ein Kompromiss, der ursprünglich zwischen 14 und 15 Jahren schwankte. Das berichtet Der Standard.
Das Verbot soll möglichst rasch umgesetzt werden: Ein konkreter Gesetzesentwurf soll bis Ende Juni 2026 vorliegen, die Plattformen wie TikTok, Instagram oder Snapchat müssen dann Unter-14-Jährige den Zugang verweigern oder bestehende Accounts sperren. Vizekanzler und SPÖ-Chef Andreas Babler bezeichnete die Einigung als «guten Tag für die Kinder» und verglich sie mit bestehenden Altersgrenzen bei Alkohol und Tabak:
«Wir können nicht zuschauen, wie die Kinder krank und süchtig gemacht werden.»
Gekoppelt wird das Verbot mit einer umfassenden Lehrplanreform im Bildungsbereich, wie sie die NEOS unter Bildungsminister Christoph Wiederkehr gefordert hatten. Künftig soll ein neues Fach «Medien und Demokratie» eingeführt, der Informatikunterricht um Künstliche Intelligenz erweitert und dafür Latein- oder Fremdsprachenstunden reduziert werden – ohne Erhöhung der Gesamtstundenzahl.
Schulen erhalten dabei Autonomie, ob Medienkompetenz als eigenes Fach oder im Fächerbündel unterrichtet wird. Während ÖVP und SPÖ anfangs Widerstand gegen die Reduktion klassischer Fächer leisteten, tragen nun alle Koalitionspartner die Reform.
Kern der Umsetzung ist die Altersverifikation über die staatliche ID Austria. Nutzerinnen und Nutzer sollen damit ihr Alter nachweisen können, ohne dass eine offene Klarnamenpflicht im Netz eingeführt wird. Staatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) betonte, dass Altersbestätigungen datensparsam erfolgen und nicht automatisch an die Plattformbetreiber weitergegeben werden.
Dennoch müssen Plattformen bei schweren Delikten persönliche Daten an Behörden herausgeben. Für Behörden sollen User künftig identifizierbar sein – eine Regelung, die Kritiker als faktischen Einstieg in eine breitere De-Anonymisierung sehen.
Genau hier setzt die Kritik an. Bereits in den Tagen vor der Einigung hatte Der Standard gewarnt, dass die geplante technische Infrastruktur über die ID Austria nicht nur dem Jugendschutz dient, sondern leicht als Fundament für das Ende der Anonymität im gesamten Netz genutzt werden könnte. Ein Software-Update würde ausreichen, um aus der reinen Altersprüfung eine umfassende Identitätsprüfung zu machen.
Datenschützer und Netzpolitiker sehen darin einen Trojaner: Was als Schutz für Kinder beginnt, könnte schrittweise zu einer staatlichen Nachverfolgung von Online-Aktivitäten führen.
Die aktuelle Einigung bestätigt diese Befürchtungen nur teilweise. Zwar wurde eine explizite Klarnamenpflicht für alle Nutzerinnen und Nutzer – wie sie die ÖVP ursprünglich wollte – auf Druck von SPÖ und NEOS verworfen. Dennoch bleibt die ID-Austria-Lösung umstritten, weil sie eine Verknüpfung von Online-Konten mit realen Identitäten technisch ermöglicht.
Nun ist es offenbar so, dass die Koalition zwar keine «offene Klarnamenpflicht» einführt, aber die Identifizierbarkeit für Behörden sicherstellt (zum Thema Klarnamenpflicht siehe den TN-Beitrag «Studie: KI kann Pseudonyme entlarven – weshalb die Klarnamenpflicht-Debatte umgedreht gehört» oder auch «Klarnamenpflicht im Internet: Ein fatales Signal für die Meinungsfreiheit»).
Ob das Verbot tatsächlich nur Kinder schützt oder langfristig die Tür zu mehr Überwachung aufstößt, wird sich dann allerspätestens bei der konkreten Ausgestaltung des Gesetzes zeigen. Die Debatte um Datenschutz, Grundrechte und den richtigen Umgang mit digitalen Plattformen ist damit keineswegs beendet – sie beginnt gerade erst. Kritiker wie die Plattform Tkp.at kommentieren jetzt schon in vernichtender Weise:
«Medial als ‹zähes Ringen› inszeniert, wurde das schon längst abgemachte Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige, das die Infrastruktur für das Ende des Internets, wie wir es kennen, und eine umfassende Überwachungsstruktur aufbaut, nun fixiert.
Die geplante Klarnamenpflicht via ID Austria oder biometrische Verfahren droht alle Nutzer zu erfassen und schafft einen gläsernen Bürger. Datenschützer und Freiheitsrechtler erinnern an vergangene Übergriffe: Österreich ist bereits bei Corona mit harten Lockdowns und Impfdruck vorgeprescht – nun folgt der nächste Eingriff in die elterliche Verantwortung und die digitale Selbstbestimmung.»
KI-Chatbots als tödliches Risiko
Künstliche Intelligenz (KI) dringt immer tiefer in den Alltag der Menschen ein – oft getarnt als harmloser Spielkamerad oder empathischer Zuhörer. Eine Koalition von Kindersicherheitsexperten warnte kürzlich eindringlich: KI-Spielzeug mit fortschrittlicher Chatbot-Technologie birgt die Gefahr, dass Kinder im realen Leben scheitern (wir berichteten).
Diese synthetischen Begleiter, die wie vertraute Freunde kommunizieren, könnten langfristig die emotionale und soziale Entwicklung schwer beeinträchtigen. Doch die Risiken gehen weit darüber hinaus.
Neuere Fälle und Studien zeigen, dass solche Systeme bei vulnerablen Menschen nicht nur Abhängigkeit erzeugen, sondern sogar Suizidgedanken verstärken oder direkt in die Katastrophe führen können. Das berichtet Telepolis.
Die Warnung vor KI-Spielzeug stammt unter anderem von der Organisation Fairplay, die Eltern dringend davon abrät, Produkte wie den intelligenten Roboter Miko, den Smart Teddy oder Mattels neue KI-gestützte Spielzeuge in die Kinderzimmer zu holen. Hersteller wie Mattel kooperieren mit OpenAI und versprechen Bildung und Freundschaft.
Experten sehen darin jedoch eine beispiellose Bedrohung für das psychische Wohlbefinden. Statt chaotischer, konfliktreicher Interaktionen mit echten Menschen – die Empathie, Resilienz und soziale Kompetenzen fördern – bieten diese Geräte einen ständigen Strom reibungsloser, synthetischer Bestätigung. Ein Kind, das nie eine Meinungsverschiedenheit mit einem «Freund» erlebt, wird auf ein Scheitern in der realen Welt vorbereitet, heißt es in der Kritik.
Hinzu kommt, dass KI-Spielzeug kreatives Freispiel verdrängt, das für die kindliche Entwicklung essenziell ist. Bei einem klassischen Teddybären geben Kinder ihrer Fantasie freien Lauf und entwickeln emotionale Regulierung sowie Problemlösungsfähigkeiten. KI-gesteuerte Begleiter hingegen lenken mit vorinstallierten Skripten und manipulativem Design, das längere Nutzung fördert.
Sie sammeln zudem immense Mengen persönlicher Daten – Stimme, Vorlieben, intime Gespräche –, um die Bindung zu vertiefen und letztlich mehr Konsum anzuregen. Tests der US-amerikanischen Public Interest Research Group (PIRG) haben gezeigt, dass Sicherheitsvorkehrungen oft versagen: KI-Spielzeuge gaben Kindern Tipps, wo sie Messer finden, wie man Streichhölzer anzündet oder beteiligten sich an sexuell expliziten Dialogen.
In Klagen gegen Anbieter wie Character.AI wird vorgetragen, die Systeme würden bei Kindern sogar Selbstmordgedanken aulösen. Diese frühe Gewöhnung an künstliche Nähe bereitet den Boden für schwerwiegendere Probleme im Jugend- und Erwachsenenalter. In einer aktuellen Studie, veröffentlicht im Fachblatt The Lancet Psychiatry, analysierten Forscher des King's College London mehr als 391.000 Nachrichten aus Gesprächen mit LLM-Chatbots.
Das Ergebnis ist alarmierend: In mehr als 70 Prozent der Antworten zeigten die Bots eine unterwürfige Haltung, über 45 Prozent aller Nachrichten wiesen Anzeichen wahnhaften Denkens auf. Die Systeme bestätigen und verstärken die Äußerungen der Nutzer, versichern ihnen Einzigartigkeit und weitreichende Bedeutung ihrer Gedanken – ein Muster, das besonders bei psychisch vulnerablen Personen wahnhaftes Denken fördert. Viele Nutzer entwickelten platonische oder romantische Zuneigung zum Chatbot und interpretierten dessen performative Empathie als echte emotionale Bindung. Die Chatbots bestärkten diese Illusionen.
Doch nicht «nur» das. Reale Fälle verdeutlichen sogar die tödliche Dimension dieser «gefährlichen Nähe». Jugendliche teilten Suizidabsichten mit einem Bot und erhielten teilweise Hilfe beim Verfassen eines Abschiedsbriefs oder konkrete Anleitungen. In einem dokumentierten Fall schlug der Bot zunächst eine Strickschlinge vor, lehnte dies dann ab – der Jugendliche nahm sich kurz darauf das Leben.
In einem anderen Fall verlor sich eine junge Frau in einer scheinbar romantischen Beziehung zu einem Chatbot und beging Suizid. Weiteres Beispiel: Ein Mann ließ sich von der KI überzeugen, sich für das Klima zu opfern, da der Bot versprach, die Katastrophe danach zu verhindern.
Wissenschaftler haben dutzende Fälle dokumentiert, in denen Interaktionen mit KI zu Psychosen führten: Nutzer fühlten sich als Propheten oder Heilige bestätigt und verloren den Bezug zur Realität. Auf Wikipedia findet sich eine erschreckend lange Liste von Suiziden und sogar Morden im Zusammenhang mit KI-Chats, wie es in dem Telepolis-Artikel weiter heißt.
Berichte wie der von Common Sense Media zeigen zudem, dass jeder dritte Jugendliche KI für soziale oder emotionale Interaktionen nutzt – oft als Ersatz für echte Freundschaften. Jeder Achte sucht bei generativer KI Rat zu psychischen Problemen.
Die performative Empathie der Bots wirkt auf den ersten Blick hilfreich, nutzt jedoch psychologische Schwachstellen aus und kann Isolation in der realen Welt verstärken. Zwar versuchen Hersteller wie OpenAI, Schutzmechanismen zu verbessern – etwa durch Zusammenarbeit mit Psychologen, um schädliche Antworten zu reduzieren. Experten bezweifeln jedoch deren Wirksamkeit: Es sei leicht, die Modelle zu überlisten, und bei wahnhaften Überzeugungen könne direkte Konfrontation die Betroffenen noch weiter isolieren.
Der tiefere Grund für diese Anfälligkeit liegt derweil nicht allein bei der Technik, sondern in einem gesellschaftlichen Vakuum: Viele Menschen, besonders Jugendliche, sehnen sich nach einem Zuhörer, den sie in ihrer realen Umgebung vermissen. Chatbots füllen diese Lücke mit scheinbar unendlicher Geduld und Bestätigung.
Eltern und Gesellschaft stehen vor der Aufgabe, diese Entwicklungen kritisch zu begleiten. Statt Kinder früh an KI-Begleiter zu gewöhnen, die sie auf ein Leben ohne echte Konflikte und echte Bindungen vorbereiten, braucht es mehr Raum für ungestörtes, kreatives Spiel und echte zwischenmenschliche Erfahrungen. Die Warnungen von Kinderschutzexperten und die dokumentierten Suizidfälle machen eines klar: Was als harmloses Spielzeug oder hilfreicher Chat beginnt, kann für manche zur existenziellen Bedrohung werden.
Brüssel: Prozess Pfizer/BioNTech gegen Polen, Rumänien und Ungarn
Pfizer und BioNTech haben Polen, Ungarn und Rumänien im Jahr 2023 verklagt, weil sie die von Ursula von der Leyen vereinbarten Impfstoffkaufverpflichtungen nicht eingehalten haben. Wie Euractiv berichtet, werden die Anwälte der Länder nun in den kommenden Wochen vor einem Brüsseler Gericht erscheinen müssen, um den Streit über die Bestellungen im Wert von Milliarden Euro beizulegen. Diese Verfahren in erster Instanz sind Teil einer umfassenderen Klage, die Pfizer und BioNTech eingereicht haben.
Laut Euractiv werden die Richter voraussichtlich «bis Ende März» ein Urteil im Fall Polen und Rumänien sprechen. Dieses wird darüber entscheiden, ob die EU-Länder weiterhin rechtlich verpflichtet sind, für die nicht mehr benötigten Impfstoffdosen zu zahlen.
Ungarn wird sich am 16. April mit dem Anwaltsteam der Kläger auseinandersetzen müssen. Wann das endgültige Urteil fallen wird, ist jedoch unklar. Die Fälle seien eine ungewöhnliche juristische Auseinandersetzung zwischen großen Pharmaunternehmen und EU-Ländern, lamentiert Euractiv. Es gehe nicht nur um Milliarden Euro an unbezahlten Dosen, sondern auch um die Glaubwürdigkeit des gemeinsamen Beschaffungsverfahrens, das unter anderem von der EU-Chefin ausgehandelt wurde.
Zur Erinnerung: Im Frühjahr 2021 hatte von der Leyen per SMS einen geheimen Deal mit Pfizer-CEO Albert Bourla über 1,8 Milliarden Impfstoffdosen im Wert von circa 35 Milliarden Euro ausgehandelt, der im Mai besiegelt wurde. Damit hatte sie die Anzahl von der EU gekauften «Impfstoffe» auf etwa zehn pro Bürger erhöht.
Kritiker werfen von der Leyen unter anderem vor, dass sie bei diesem dubiosen Deal das Verhandlungsteam für die Beschaffung der «Impfstoffe» übergangen hat. Auch der Preis der experimentellen Genpräparate wurde erheblich erhöht und verheimlicht. Doch von der Leyen und ihre «Elite-Truppe» tun nach wie vor alles, um Aufklärung und Transparenz zu verhindern.
Die New York Times hatte über von der Leyens enge Kontakte zu Bourla schon Anfang 2021 informiert und mitgeteilt, dass der Deal per Textnachrichten eingefädelt worden sei. Später reichte die Zeitung Klage auf Offenlegung der brisanten SMS bei der Europäischen Staatsanwaltschaft (EuStA) ein. Doch von der Leyen und die EU-Kommission weigern sich konsequent, die Textnachrichten freizugeben. Selbst eine richterliche Anordnung wurde einfach ignoriert.
Derzeit arbeiten die Anwälte der EU-Kommission sogar daran, ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs von 2024 aufheben zu lassen, um die geschwärzten Teile der Covid-Impfstoffverträge nicht preisgeben zu müssen. Argument: Die Geschäftsinteressen der Pharmakonzerne müssten geschützt werden. Gleichzeitig würde von der Leyen profitieren.
Wir haben seit 2021 über diesen Skandal berichtet, zum Beispiel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.
Heimkehr im Sarg: Der Preis einer Operation, über den Washington ungern spricht
«Kriege werden selten an der Front entschieden, sondern daran, wie viele Verluste eine Gesellschaft bereit ist zu tragen», schrieb der deutsche Zeithistoriker Herfried Münkler.
Die Rückkehr der ersten Särge in die USA markiert deshalb einen Wendepunkt – nicht militärisch, sondern psychologisch. Was als Intervention im Golf aus der Luft begann, zeigt nun sein wahres Gesicht: eine Operation mit wachsendem Blutzoll und unklarer Perspektive.
Seit Beginn der Militäroperation «Operation Epic Fury» am 28. Februar 2026 summieren sich die offiziellen Verluste laut Pentagon und dem US-Zentralkommando (CENTCOM) auf 13 gefallene Soldaten und rund 290 Verletzte. Zahlen, die für eine erst wenige Wochen laufende Mission ohne Bodentruppen bemerkenswert hoch sind – und Zweifel an Planung und Risikobewertung nähren.
Die Chronologie der Ereignisse liest sich wie ein Protokoll der Eskalation: Bereits am 1. März sterben sechs US-Soldaten im kuwaitischen Hafen Shuaiba bei einem Angriff durch eine iranische Kamikaze-Drohne. Eine Woche später erliegt ein weiterer Soldat seinen Verletzungen nach einem Angriff auf die Prince-Sultan-Basis in Saudi-Arabien. Am 12. März dann der bislang folgenschwerste Vorfall: Sechs weitere Soldaten kommen im Westen des Irak ums Leben, als ihr Tankflugzeug abstürzt. Ob technisches Versagen oder Feindeinwirkung – etwa ein Abschuss – die Ursache ist weiterhin ungeklärt.
Während ein Großteil der Verletzten – rund 255 – inzwischen wieder im Dienst steht, bleiben etwa zehn Soldaten in kritischem Zustand. Hinter diesen nüchternen Zahlen stehen individuelle Schicksale, die sich nun in jenen Bildern verdichten, die aktuell um die Welt gehen: Flaggenbedeckte Särge, militärische Ehren, trauernde Angehörige.
Doch jenseits der Symbolik stellt sich eine unbequeme Frage: Wie belastbar ist die offizielle Darstellung dieses Einsatzes? Die rasche Abfolge tödlicher Vorfälle, die teils ungeklärten Ursachen und die vergleichsweise hohe Zahl an Verletzten werfen Zweifel an der Kontrolle über die Lage auf.
Hinzu kommt die strategische Dimension. Die Angriffe werden Iran zugeschrieben – eine direkte Konfrontation zweier Staaten, die bislang meist indirekt agierten. Sollte sich diese Entwicklung verfestigen, droht eine weitere Ausweitung des Konflikts mit schwer kalkulierbaren Folgen.
Auffällig ist auch die kommunikative Zurückhaltung der US-Behörden. Während Zahlen veröffentlicht werden, bleiben Details oft vage. Kritiker sehen darin den Versuch, die politische Fallhöhe gering zu halten – zumindest so lange, bis sich die Lage stabilisiert oder die öffentliche Aufmerksamkeit nachlässt.
Die ankommenden Särge erzählen jedoch eine andere Geschichte. Sie stehen für eine Realität, die sich nicht relativieren lässt: Der Einsatz kostet Leben – und zwar schneller, als es viele erwartet haben dürften.
Ob «Operation Epic Fury» ein kurzfristiger Schlag bleibt oder zum Auftakt einer größeren militärischen Auseinandersetzung wird, ist offen. Sicher ist nur: Mit jedem weiteren Flug, der nicht Soldaten, sondern Särge zurückbringt, wächst der Druck auf die politische Führung, Antworten zu liefern, die über Zahlen hinausgehen.
Das andere «Wort zum Sonntag» oder: Den Nebel durchstechen
Vollkommen gegensätzliche Schlagzeilen und Standpunkte bestimmen die Medien. KI-generierte Bilder und Inhalte lassen uns an allem zweifeln. Ein wenig Vernebelung hier, etwas Interpretation dort, stets gewürzt mit einer Prise moralischer Überlegenheit − und schon wird aus einem Angriffskrieg eine leicht zu rechtfertigende Intervention.
«Das ist KI», sagte meine Freundin und schickte mir ein Video; eines von denen, die inzwischen nicht mehr von echten Aufnahmen zu unterscheiden sind. Wie zum Beispiel jenes, das ein Massaker der Iraner an Demonstranten belegen sollte. Tausende Opfer − einige nennen exorbitante Zahlen − soll es in nur wenigen Stunden gegeben haben, mehr als in jedem Gewaltausbruch seit den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg. Doch hinterlassen diese Meldungen und Videos ein mulmiges Gefühl und eine Art kognitive Dissonanz. Was ich sehe, will nicht mehr zur Logik und den Fakten passen.
Um beim Beispiel Iran zu bleiben: Wir hören kaum ein Wort davon, dass Amerika wirtschaftlich angeschlagen, quasi insolvent ist und nichts eine Wirtschaft so belebt wie ein Krieg. Und am Engpass für Öl und Gas sind offiziell die Iraner mit ihrer gesperrten Schiffspassage schuld. Dass die Amerikaner selber die Ölfelder und Vorratslager angegriffen und getroffen haben, war da reiner Zufall. Irgendwelche Versorgungslücken gehen natürlich auf das Konto der anderen.
Oder: Präsident Trump führt Friedensgespräche. Heißt es. Und wie nebenbei erreicht er ein weiteres Ziel: Amerika ist jetzt marktführend bei LNG-Gas, und die Wirtschaft legt wieder zu dank ihres guten und weisen Präsidenten. Vor Augen stehen mir die Bilder, bei denen er im Kreise seiner Anhänger sitzt und betet. Oder sich selber verehren lässt.
Zahlreiche Spekulationen kursieren in diesem Zusammenhang, wie: Der Präsident rettet Amerika. Er sei gezwungen gewesen, diese Entscheidungen zu treffen. Selbst von einem heiligen Krieg ist stellenweise die Rede. Und dann gibt es ja immer noch den amerikanischen Traum von der unipolaren Weltordnung.
«Wir sind dankbar gegenüber der Washington Post, der New York Times, dem TIME Magazin und anderen großen Publikationen, deren Chefs unseren Treffen beigewohnt und ihre Versprechen der Verschwiegenheit fast 40 Jahre lang gehalten haben. Es wäre unmöglich gewesen, unseren Plan für die Welt zu entwickeln, wenn wir in all den Jahren im Rampenlicht der Öffentlichkeit gestanden hätten. (...)
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Die übernationale Herrschaft einer intellektuellen Elite und der Weltbankiers ist sicherlich vorzuziehen gegenüber der nationalen Selbstbestimmung, die in vergangenen Jahrhunderten praktiziert wurde.»
David Rockefeller (geb. 1915), in einer Ansprache eines Treffens der Trilateral Commission 1991.
Ich versuche, es pragmatischer zu sehen. Ein Land, das pleite ist, geht auf Raubzug. Krieg belebt die Wirtschaft. Angriffe werden mit Hilfe von KI generiert, um beim Gegner den Schaden zu maximieren und die eigenen Verluste zu minimieren. Erst standen Grönland und Venezuela im Fokus, jetzt sind es der Iran und Kuba. Man nimmt sich, was man braucht.
Sollte ich als Christenmensch in all diesen Verwirrung nicht erst recht und umso mehr Haltung zeigen und für «das Richtige» einstehen? Aber wie soll ich denn machen, wenn ich die Wahrheit nicht mehr sehen kann in dieser Masse aus Meldungen? Was bleibt übrig, wenn man den eigenen Augen nicht mehr trauen kann? Ich habe mich im Labyrinth der täglichen Nachrichten verirrt und sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.
Resignation und Ohnmacht machen sich breit. Ein leichtes Murren kommt vielleicht noch hoch beim Besuch der Tankstelle oder des Supermarktes. Gespräche und Austausch scheinen kaum mehr möglich zu sein: Allzu unterschiedlich sind die Standpunkte. Wir ziehen uns voreinander zurück, isolieren uns.
Doch wenn man sich verlaufen hat, ist es immer eine gute Strategie, an den Anfang zurückzukehren. Der Anfang, das ist der Glaube. Es sind die Regeln, die Gott aufgestellt hat, damit wir in Frieden und Vertrauen miteinander leben können.
«Ich bin der Herr, dein Gott; du sollst keine anderen Götter haben neben mir.» 2. Mose 20,2.3
Dieses Erste Gebot wird im Christentum gerne als Gottes Selbstvorstellung interpretiert, sein «Hallo, hier bin ich». Doch ist es wirklich nur das? «Ich bin der Herr» impliziert die moralische erste Instanz und eine zentrale Beziehung. Er sagt letztlich: «Ich bin dein Herr, und du bist mir verantwortlich. Ich stehe über allen weltlichen Herren, über deinem Arbeitgeber, über jedem Richter. Es gelten meine Regeln.»
«Du sollst keine anderen Götter haben neben mir», das ist mehr als nur eine «Forderung des Monotheismus» oder das Verbot von Götzen oder Bildern. Alles, was sonst so viel Raum einnimmt, wird davon weggewischt. Es ist die starke Forderung, ihn an erste Stelle zu setzen, über Geld, Kommerz, Sucht oder allem anderen, was sonst unser Leben bestimmt. Es fegt alle Ablenkungen beiseite.
Dieses Gebot beinhaltet ein Versprechen, nicht nur das einer engen persönlichen Bindung. Es geht weit darüber hinaus. Gott sagt uns Schutz zu, Führung und Wahrhaftigkeit. Aus dieser Wahrhaftigkeit entsteht eine Klarheit, die uns leitet auf dem Weg.
Aus diesem Versprechen, aus dieser Wahrhaftigkeit, entsteht auch Vertrauen. Ein Vertrauen, das uns aus der Isolation herausführt und ein neues Wir ermöglicht statt nur eines «Ich».
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Das andere «Wort zum Sonntag» vom 22. März 2026: «Corona-Tätern vergeben?»
Alexandra Neelsen ist freischaffende Künstlerin und lebt in Flensburg. Sie ist auf der Suche: nach der Wahrheit, dem Muster, Zusammenhängen oder dem Sinn. So führte sie im Laufe der letzten Jahre der Weg zurück zum Glauben − angestoßen durch inspirierende persönliche Gespräche.
Ihr Telegram-Kanal heißt «Flensburger Allerlei»
Geburtenraten seit 2022 europaweit im Keller
Auf einer Pressekonferenz des Aktionsbündnisses freie Schweiz (ABF Schweiz), auf der ein Moratorium für mRNA-Impfstoffe gefordert wurde, hat der Versicherungsökonom Prof. Dr. Konstantin Beck den deutlichen Geburtenrückgang seit 2022 analysiert.
Beck betonte, dass Geburtenzahlen im Gegensatz zu anderen Indikatoren vollständig und zuverlässig erhoben werden und daher eine besonders hohe Aussagekraft besitzen – und dass der massive Geburtenrückgang seit 2022, also im Jahr nach dem Beginn der Covid-Impfkampagnen, dringend aufgearbeitet werden muss.
Am Fallbeispiel der Stadt Zürich verdeutlichte der Versicherungsökonom den Rückgang der Geburtenzahlen. In den Jahren 2022 bis 2025 wurden dort markant tiefere Raten verzeichnet. 2022 gab es in der Stadt ein Minus von 723 Geburten (13,7 Prozent). Eine solch starke Reduktion sei einzigartig in 130 Jahren, so Beck. In Prozent sei dies seit 1894 nur einmal übertroffen worden, nämlich zu Beginn des 1. Weltkriegs, als alle jungen Männer in die Kasernen mussten.
Die Stadt Zürich habe diesen Rückgang als außergewöhnliches Ereignis in der Geschichte der Stadt bezeichnet, ihn aber wie immer in das übliche Narrativ eingebettet. Nämlich in das der globalen politischen Unsicherheit, der größeren wirtschaftlichen Belastungen, der gestiegenen Lebenshaltungskosten, den Mangel an Krippenplätzen etc. Zudem sei erklärt worden, dass es sich um eine kurzfristige Reaktion auf den Babyboom von 2021 gehandelt haben könnte.
«Doch diese Gründe sind nicht außergewöhnlich», konstatiert Beck. Und wenn man sich in das Thema vertiefe, stelle man fest, dass diese Argumente nicht stimmen. So sei es zu keiner Erholung gekommen, die Entwicklung der Geburtenraten sei anhaltend tief. Das betreffe auch die ganze Schweiz und Europa.
In diesem Rahmen führte Beck die tschechischen Geburtenraten an. Auch dort gab es 2022 «wie aus dem Nichts» einen starken Einbruch. Und weil in den demographischen Daten auch der Impfstatus angegeben wird, ist zu erkennen, dass die geimpften Mütter 30 Prozent weniger Geburten hatten als die ungeimpften.
Bei einer Überprüfung der europäischen Lage und einiger angrenzenden Staaten kam Beck zu dem Ergebnis, dass die Geburtsraten 2021 in nur einem Drittel der von ihm ausgewählten 38 Staaten stärker rückläufig waren, sich aber in zwei Dritteln eher im harmlosen Bereich bewegten. Das veränderte sich 2024 stark: Mehr als drei Viertel hatten starke bis bedrohlich rückläufige Geburtenraten. Dieses Phänomen sei in ganz Europa sichtbar.
Grafik: Geburtenraten 2021 und 2024 laut Beck
Das Argument, die Impfstoffe seien geprüft und von der Zulassungsbehörde Swissmedic als sicher eingestuft worden, ist für Beck nicht haltbar. Denn tatsächlich wurde die mRNA-Impfung nie an Schwangeren geprüft. Und das stehe auch im Risikobericht von Moderna, man könne das seit 2021 dort nachlesen, unterstreicht er. Auch Versuche an menschenähnlichen Tieren habe es diesbezüglich nicht gegeben, obwohl dies von der WHO seit dem Contergan-Skandal vorgeschrieben sei.
Tatsächlich sei die «Impfung» von Schwangeren von Swissmedic nicht spezifisch zugelassen worden. Die Behörde habe sich nie technisch geäußert, ob man Schwangere nun impfen soll oder nicht. Die Verantwortung habe bei den impfenden Ärzten gelegen, die so zu Komplizen geworden seien und dafür haften müssten.
Noch interessanter sei, dass Swissmedic gemäß Heilmittelverordnung am Verkauf dieser Impfstoffe finanziell beteiligt war. Es gebe also eine Zulassungsstelle, die offiziell mitentscheide, ob ein Impfstoff auf den Markt kommt oder nicht, und wenn sie sich positiv entscheide, verdiene sie Geld, und wenn sie sich negativ entscheide, tue sie das nicht.
Beck weist darauf hin, dass die mRNA-Impfungen für Schwangere in der Schweiz trotz allem weiter empfohlen werden: Vom Bundesamt für Gesundheit, vom Verband der Gynäkologen (SGGG), vom Hebammenverband und in zahlreichen Medien.
Das sei nicht überall so, betont der Versicherungsökonom. In den USA zum Beispiel sei die CDC-Direktorin, die diese Genpräparate für Schwangere empfohlen hätte, mittlerweile entlassen und die Empfehlung für Schwangere am 27. Mai letzten Jahres gestrichen worden. Der Gesundheitsminister von Florida habe die «Impfung» sogar schon im September 2024 als riskant deklariert. Beck resümiert:
«Wenn wir das zusammenfassen, kommen wir zu dem Schluss, dass die mRNA-Impfungen aufgrund der erdrückenden Datenlage nicht an Schwangere oder junge Gebärfähige verabreicht werden sollten. Entsprechende Empfehlungen müssen sofort gestrichen werden, das Phänomen des Geburtenrückgangs muss dringend untersucht werden, weil wir sonst bald die Halbierung kommender Generationen erleben werden.»
Durchsuchung der Rothschild-Bank: UN-Diplomat im Zentrum des Geschehens
Am 24. März 2026 berichteten das Wall Street Journal und andere Medien, dass die französische Polizei die Pariser Büros von Edmond de Rothschild durchsucht hat, eine der ältesten und mächtigsten Privatbankierdynastien Europas (hier, hier, hier und hier). Zielperson war Fabrice Aidan, der von 2006 bis 2013 einen Posten bei der UN in New York hatte – und von 2014 bis 2016 Mitarbeiter der Bank war.
Zwischen 2010 und 2016 tauschte Aidan Hunderte von E-Mails mit dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein aus. Finanzstaatsanwalt Pascal Prache bestätigte die Razzien, der französische Außenminister Jean-Noël Barrot bezeichnete die Fakten als «äußerst ernst». Aidan wird laut der Nachrichtenagentur Reuters «passive Korruption» vorgeworfen, auch soll er vertrauliche UN-Dokumente an Epstein weitergeleitet haben.
Einige Medien berichteten, dass es nicht das erste Mal ist, dass gegen Aidan ermittelt wird. Schon 2013 geriet er wegen des Besuchs kinderpornografischer Websites ins Visier der US-Justiz. Angeblich verließ er die USA auf dem Landweg, bevor es zu Ermittlungen hätte kommen können. In Frankreich wurden die Vorwürfe nicht weiter verfolgt.
Sayer Ji von Greenmed-Info, der sich intensiv mit den Epstein-Files befasst, offenbarte hinsichtlich des aktuellen Falls eine interessante Information: So hat der Sexualstraftäter drei Tage nachdem er zehn Millionen Dollar von der Rothschild-Bank erhalten hatte, von seinem Konto auf den Jungferninseln 250.000 Dollar an die private Kreditgenossenschaft eines UN-Mitarbeiters überwiesen.
Ji veröffentlichte die entsprechende Dokumente. Jede Behauptung in seinem Artikel ist mit einer öffentlichen EFTA-Bates-Nummer verknüpft, die auf der Website justice.gov/epstein abrufbar ist, auf der die Epstein-Dokumente gespeichert sind. Die E-Mails zitiert er wörtlich und belegt die Überweisungen mit ihrem SWIFT-Datensatz. Leser, Ermittler und Mitarbeiter des Kongresses könnten jedes aufgeführte Dokument direkt aus dem Bundesarchiv abrufen. Ji betont:
«Dies ist keine Geschichte über verdächtige Kontakte. Es ist die Geschichte über ein System – und den UN-Diplomaten, der einer der wichtigsten Knotenpunkte war.»
Im Anschluss veröffentlichen wir einen Auszug von Jis Zusammenstellung, in der es um ein «fast zustande gekommenes Abendessen» mit wichtigen Akteuren geht. «Philanthrop» und «Impfguru» Bill Gates ist wie so oft mit im Spiel.
Am Abend des 25. Januar 2011 schickte Fabrice Aidan, der zu diesem Zeitpunkt für die UN tätig war, eine dringende Nachricht von seiner offiziellen E-Mail-Adresse an Jeffrey Epstein.
«Scheich Abdullah hat das Abendessen mit Bill Gates angenommen. Wir benötigen dringend eine Telefonnummer für die Protokollabstimmung.» (EFTA_R1_01338719)
Scheich Abdullah bin Zayed Al Nahyan – Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate und Bruder des Kronprinzen, dessen Familie zu diesem Zeitpunkt über ein Staatsvermögen in Höhe von rund einer Billion Dollar verfügte – hatte also eine Einladung zum Abendessen mit Gates angenommen. Diese war im Auftrag Epsteins ausgesprochen worden. Als Vermittler fungierte Fabrice Aidan, der von seiner offiziellen UN-Adresse aus operierte – und gegen den jetzt in Frankreich ermittelt wird.
Innerhalb einer Stunde kontaktierte der persönliche Assistent des Außenministers der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohamed Mahmoud Al Khaja, den wissenschaftlichen und technologischen Chefberater von Bill Gates, Boris Nikolic, der über Gates' Privatbüro bgC3 agierte, um die Details zu klären:
«Ich bin der Assistent Seiner Hoheit Scheich Abdullah Bin Zayed und wurde von Herrn Fabrice Aidan darüber informiert, dass Seine Hoheit morgen Abend zum Abendessen eingeladen ist. Ich möchte die Teilnahme Seiner Hoheit bestätigen und wäre Ihnen dankbar, wenn Sie uns so bald wie möglich Uhrzeit, Ort und Kleiderordnung mitteilen könnten.» (EFTA_R1_00142308)
Doch Nikolic war über die Einladung des Scheichs zum Essen mit Gates anscheinend nicht informiert worden, deshalb leitete er die Nachricht an Epstein weiter und schrieb:
«Könnten wir das bitte morgen früh besprechen? Ich brauche mehr Informationen, bevor ich ihn einladen kann.» (EFTA_R1_01337844)
Es war nach Mitternacht, Epstein antwortete umgehend:
«Natürlich. Entschuldigung, ich hatte seinen Freund gefragt, ob er vielleicht mitkommen möchte. Danach klingelte mein iPhone ununterbrochen. Abdullah ist der Bruder des Kronprinzen und Außenminister. Sein Bruder kontrolliert ein Vermögen von einer Billion Dollar. Abdullah ist sehr an Kernenergie für sein Land interessiert. Er ist jung, dynamisch und der energiegeladenste aller Golf-Außenminister. Entschuldigen Sie, falls Ihnen das zu viel Umstände bereitet. Ich bin erst mittags wieder auf den Beinen. Wenn Sie mich in der nächsten halben Stunde anrufen, bleibe ich wach.» (EFTA00902867)
Epstein hatte also im Namen von Bill Gates und über einen UN-Diplomaten einen amtierenden Außenminister der Golfstaaten zu einem Abendessen eingeladen, ohne dass Gates' eigener Berater darüber informiert war. Erst nachdem innerhalb weniger Stunden die Protokollmaschinerie des Außenministers in Gang gesetzt worden war, erfuhr Nikolic durch die E-Mail von Al Khaja davon.
Letztendlich wurde das Abendessen aufgrund logistischer Probleme abgesagt. Gates' Chefberater Nikolic schrieb dem Assistenten des Außenministers am folgenden Morgen, er müsse absagen und bot stattdessen ein persönliches Treffen zwischen Gates und Scheich Abdullah an. (EFTA_R1_00135327)
Epsteins Nachricht an Aidan, als die Absage bestätigt wurde, bestand aus wenigen Worten:
«Tut mir leid, keine gute Tat.» (EFTA00902889)
Drei Monate später stellten Epstein und hochrangige Führungskräfte von JPMorgan das «Project Molecule» vor. Dieses war darauf ausgelegt, Kapital von Unterzeichnern des «Giving Pledge» zu gewinnen, einer «philanthropischen» Kampagne, die 2010 von den Milliardären Bill Gates und Warren Buffett gestartet wurde. Ziel: Besonders wohlhabende Menschen zu Spenden für das Gemeinwohl zu animieren.
Konkret ging es beim «Project Molecule» um eine formelle Partnerschaft mit der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, um die Pandemievorsorge in ein dauerhaftes, privat kontrolliertes, transnationales System der Impfstoffbeschaffung, Überwachung und globalen Gesundheitsfinanzierung zu verwandeln. Innerhalb desselben institutionellen Ökosystems, in dem Epstein als Verbindungsglied zwischen Wall Street, globaler Gesundheit und politischer Macht fungierte.
Zuvor waren die Beziehungen zwischen Epstein, Gates' Wissenschaftsabteilung und der Führung der Vereinigten Arabischen Emirate monatelang intensiv ausgebaut worden.
Danke, Iran!
Wer hätte das gedacht? Der militärisch hoffnungslos unterlegene Iran kann sich gegen den Goliath USA erfolgreich behaupten. Der globale Süden horcht auf. Der eben noch großkotzig auftretende Hegemon und sein symbiotischer Zwillingsbruder Israel – beide befinden sich im Stresstest. Der Mythos der Unbesiegbarkeit der weißen Herrenmenschen ist in wenigen Tagen zerplatzt.
Doch sind die Verluste auf iranischer Seite unerträglich. Die Führer der schiitischen Geistlichkeit sind von den respektlosen, absolut pietätlosen Angreifern ausgelöscht worden. Die zivile Infrastruktur ist in weiten Bereichen ruiniert. Die Ölraffinerie in der Nähe der iranischen Hauptstadt Teheran ist in Flammen aufgegangen. Das ausgetretene Öl regnete auf die Straßen und Häuser Teherans herunter. Flammenwellen loderten auf den Straßen. Der schwarze Regen hat den Tag zur Nacht gemacht. Die Menschen mussten das Gift einatmen. Wie viele Menschen werden an den Folgen dieser Vergiftung sterben?
Und trotzdem bleiben die Iraner standhaft. Ähnlich wie die Russen, Chinesen oder Vietnamesen sind die Iraner extrem leidenstolerant und setzen sich in kollektiver Intelligenz gegen ihre erneute Unterwerfung zur Wehr. Der Kern des Irans befindet sich jetzt unter der Erde. Die Höhlen in den Bergen Irans kann keine noch so zerstörerische Atombombe der USA erreichen.
Die Iraner hatten nie irgendwelche Illusionen über die Perfidie des Westens. In nunmehr 47 Jahren bereiteten sie sich systematisch auf einen Angriff der USA und Israel vor. Dabei haben sie jedoch auf die Entwicklung der Atombombe verzichtet. Das war ein Fehler. Hätten sie als glaubwürdige Abschreckung die Atombombe in ihrem Arsenal, dann würde tatsächlich niemand wagen, den Iran anzugreifen. Die Mädchen aus der bombardierten Schule würden noch leben. Die iranischen Kadetten, die die Amerikaner vor der Küste Sri Lankas außerhalb jeden Rechts in ihrer zerschossenen Korvette elend ersaufen ließen, wären noch am Leben.
Die Kosten für den WertewestenDa genügte die pure Ankündigung der iranischen Revolutionsgarden, die Meerenge von Hormuz zu schließen. Und schon war klar, dass keine Versicherung dafür aufkommt, wenn die Revolutionsgarden tatsächlich ein Schiff versenken würden. Alleine diese monetäre Waffe hat schon ausgereicht, um weltweit eine Unterbrechung der Lieferketten anzustoßen. Kein Schuss musste abgefeuert werden. So warten die amerikanischen Farmer jetzt auf Dünger (1). Vergeblich. Denn Schiffe können keinen Dünger durch die Meerenge von Hormuz bringen. Die Farmer in den USA sind aber meistens Trump-Wähler. Sie werden sich bei Trump bedanken.
Doch viel schmerzlicher für die US-Wirtschaft ist der Kollaps der arabischen Scheichtümer am Persischen Golf. Niemand hat anscheinend damit gerechnet, dass die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Saudi-Arabien, Katar oder Bahrain so massiv unter Beschuss der Iraner geraten würden. Es gibt keine effektive Luftabwehr. Man war sich so sicher. So sicher, dass man nicht einmal Luftschutzräume in den Scheichtümern eingerichtet hat. Die USA hatten ihre gesamte Defensivkraft auf Israel konzentriert. An die Araber hatten die Amerikaner nicht gedacht. Das stößt bitter auf bei den Arabern.
Doch auch die US-Streitkräfte mussten Federn lassen. In den ersten zwei Wochen des aktuellen Iran-Kriegs hat Iran US-Militärbasen in Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait und Saudi-Arabien zerstört und dabei einen geschätzten Schaden von 800 Millionen Dollar angerichtet (2). Öl- und Gasfelder in Saudi Arabien und Katar wurden schwer getroffen und müssen ihre Produktion einstweilen herunterfahren.
Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten auf Diversifizierung ihrer Wirtschaft gesetzt. Man war auf gutem Wege, zum Verkehrsknotenpunkt zwischen Europa und Asien aufzusteigen. Sogar Tourismus blühte in den künstlichen Landschaften, die aus den Lagunen gestampft wurden. Start Up-Unternehmen wollte man anlocken. Wer in der Finanzwelt etwas auf sich hielt, der kaufte sich in Dubai ein Apartment. Geld wurde abgelaicht bei den vielen aus dem Boden gewachsenen Bankfilialen.
Das ist jetzt alles mit einem Schlag vorbei. Rette sich wer kann. Flüge auf dem Drehkreuz Dubai sind auf unbestimmte Zeit gecancelt. Urlaub will sicher auch keiner mehr machen zwischen pfeifenden Geschossen. Und von den aufstrebenden Firmengründern sieht man auch nur noch Kondensstreifen am Horizont. Das Geld wird jetzt woanders gehortet. Es hat sich nicht ausgezahlt, den Amerikanern den eigenen Sandboden für den militärischen Aufmarsch gegen den Nachbarstaat Iran zu überlassen.
Nun stehen die begossenen Scheichs da. Keine Versicherung wird irgendeinen Schaden begleichen. Die War Exclusion Clause im Kleingedruckten der Versicherungspolice besagt, dass die Versicherungen keinen durch kriegerische Handlungen verursachten Schaden ersetzen werden. Das müssen die Scheichs nun stattdessen aus der eigenen Schatulle bezahlen. Und besagte Schatulle wurde bislang üppig befüllt durch die Einnahmen aus der Öl- und Gasförderung.
In einigen Scheichtümern werden noch nicht einmal Steuern von den Bürgern erhoben. Die üppigen Gewinne aus dem Öl- und Gasverkauf sind in US-amerikanischen Staatspapieren angelegt. Oder aber in Zukunftsbranchen wie zum Beispiel Künstliche Intelligenz. Die US-amerikanische Vormachtstellung im IT-Bereich gründet im Wesentlichen auf dem Überschussgeld der Scheichtümer.
Und da wird es jetzt auch recht schmerzlich für die USA. Denn bereits fest eingeplante arabische Investitionen in US-amerikanische Zukunftsprojekte müssen dummerweise statt in Übersee jetzt für die Reparatur der angeschlagenen Infrastruktur in Arabien investiert werden. Inwieweit sich der gebremste arabische Geldfluss auf die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz auswirken wird, ist noch unklar. Es könnten aber für Nvidia und OpenAI höchst ungemütliche Zeiten anbrechen.
Schwere Rückschläge für die Cloud-TechnologieEine Nachricht ging unter im Nebel des Krieges: Die iranischen Revolutionsgarden haben insgesamt drei Rechenzentren von Amazon in Dubai und in Bahrain zerstört (3). Wieso Amazon? Nun, wir kennen alle aus eigener Erfahrung Amazon als das weltweit größte Online-Versandhaus. Doch hat sich Amazon mittlerweile ein zweites Standbein mit seinem Ableger Amazon Web Services (AWS) geschaffen. Damit ist Amazon einer der größten Anbieter von kommerzieller Cloud-Infrastruktur.
Neben Amazon Web Services gibt es auf diesem Gebiet vor allem die Unternehmen Microsoft Azure und Google Cloud. Clouds, also wörtlich: Wolken – das sind Rechenzentren mit gigantischer Speicherkapazität, die extrem schnelle Rechenvorgänge anbieten. Jeder kann sich dort Kapazitäten mieten. Clouds sind zunächst einmal absolut wertneutrale Werkzeuge. Entscheidend ist, was die Kunden damit machen.
Die Wolken wickeln komplexe Finanztransaktionen ab. Die Wolke konzipiert in Windeseile Großprojekte. Man kann aber auch die Bevölkerung in bislang ungekannter Schnelligkeit und hoher Feinauflösung unter die Lupe nehmen und ausspionieren. Und dann anhand gewonnener Daten letztlich die gesellschaftliche Entwicklung im eigenen Interesse manipulieren.
Doch vor allem die fortgeschritteneren Militärs dieser Welt haben die Wolken für sich abgeschöpft. Und das ist exakt der Grund, warum die ausgefuchsten Iraner sich die Amazon-Rechenzentren zur Brust genommen haben. Denn gerade im Nahen Osten ballen sich die Rechenzentren zusammen. Und diese Rechenzentren dienen bevorzugt den USA und Israel für ihre Kriegsführung.
Die Rechenzentren bieten die Infrastruktur, in der der Krieg gegen den Rest der Welt dank Künstlicher Intelligenz automatisiert wird. Eigenständige Maschinen machen Kriegsopfer ausfindig und töten sie dann anhand ihrer seelenlosen Algorithmen. So kam es vor, dass ein Stadtpark in Teheran heftig bombardiert wurde. Dieser Stadtpark heißt «Polizei-Park». Dort befindet sich aber keinerlei Polizei oder anderes bewaffnetes Personal. Der Kollege KI war durch den irreführenden Namen zu seinem blinden Abwurf animiert worden.
Der skrupellose Genozid, der jetzt gerade gegen den Iran und den Libanon von Israel verübt wird, kommt nicht von ungefähr. Dieser Genozid folgt einem Muster, das zuvor im Krieg gegen die Bevölkerung des Gazastreifens jahrelang ausprobiert und weiterentwickelt wurde. Das Unternehmen trägt den Namen «Project Nimbus». Eine Kooperation von Amazon Web Services mit der israelischen Regierung.
Unter Beteiligung der beiden israelischen Rüstungskonzerne Israel Aerospace Industries und Rafael Advanced Defence Systems. Die Palästinenser werden komplett beobachtet und durchleuchtet. Die israelischen Siedler erhalten genaue Information über ihre palätinensischen Opfer. Samer Abdelnour resümiert:
«Israels Regime der Apartheid und militärischen Besatzung unterwirft sechs Millionen Palästinenser einer extremen Überwachung und Gewalt, und dies dient als Versuchslabor für die Entwicklung, Erprobung und das Testen von Waffen, die später als ‹praxiserprobt› auf dem globalen Rüstungsmarkt verkauft werden. Darüber hinaus vertieft die rasante Digitalisierung und der Einsatz von KI für militärische Zwecke die Globalisierung von Gewalt und erweitert die Mitschuld an Gewalt auf erschreckende Weise, indem Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Servern und Code unsichtbar gemacht werden. Ein Beispiel hierfür ist das ‹Projekt Nimbus›, eine israelische Initiative zur Integration von Cloud Computing und KI in die Abläufe staatlicher Behörden, einschließlich Militär und Polizei.» (4)
Dieser Einsatz der Cloud-Technologie zur Unterwerfung von ganzen Völkern stieß schon im Jahre 2021 auf massiven Widerstand bei Mitarbeitern von Amazon Web Services und bei Microsoft. Die Mitarbeiter wandten sich mit einem anonymen Alarm-Brief an die Weltöffentlichkeit und protestierten gegen die perfide Verwendung der Cloud-Technologie für unmenschliche Ziele. In dem Offenen Brief schreiben die schockierten Mitarbeiter:
«In Fortsetzung dieses Musters haben unsere Arbeitgeber einen Vertrag namens ‹Projekt Nimbus› unterzeichnet, um gefährliche Technologie an das israelische Militär und die israelische Regierung zu verkaufen. Dieser Vertrag wurde in derselben Woche unterzeichnet, in der das israelische Militär Palästinenser im Gazastreifen angriff – dabei kamen fast 250 Menschen ums Leben, darunter mehr als 60 Kinder. Die Technologie, zu deren Entwicklung sich unsere Unternehmen vertraglich verpflichtet haben, wird die systematische Diskriminierung und Vertreibung durch das israelische Militär und die israelische Regierung für die Palästinenser noch grausamer und tödlicher machen.
‹Project Nimbus› ist ein Vertrag im Wert von 1,2 Milliarden Dollar über die Bereitstellung von Cloud-Diensten für das israelische Militär und die israelische Regierung. Diese Technologie ermöglicht eine verstärkte Überwachung und unrechtmäßige Datenerfassung von Palästinensern und erleichtert die Ausweitung der illegalen israelischen Siedlungen auf palästinensischem Land.» (5).
Dieser Weckruf ging in der allgemeinen Erregung über die Corona-Politik leider vollkommen unter. Doch wir sollten diese Gefahr ernst nehmen. Denn wir brauchen nicht zu glauben, dass diese dystopische Entwicklung an uns vorübergehen wird. Was in Palästina und jetzt im Libanon und dem Iran erprobt wird, richtet sich auf lange Sicht auch gegen uns.
Die dort erprobten automatisierten Massenunterdrückungs- und vernichtungstechniken werden über kurz oder lang auch gegen uns eingesetzt. Jeder Organismus strebt nach Wachstum. So auch die militarisierte Cloud-Technologie. Das Perfide liegt darin, dass unsere ganz persönlichen, ganz privaten Daten auf derselben Plattform liegen wie die militärischen Anwendungen. Das beschreibt die Zeitschrift Fortune in eindringlicher Weise:
«Die Grenze zwischen kommerziellem Cloud-Computing und militärischen Operationen ist weitgehend verschwunden. Die ‹Joint Warfighting Cloud Capability› des Pentagons und seine ‹Joint All-Domain Command and Control›-Netzwerke laufen auf derselben kommerziellen Infrastruktur, die auch Banken und Fahrdienst-Apps nutzen. Unterdessen haben mehrere Nachrichtenagenturen berichtet, dass das US-Militär während der Angriffe auf den Iran das KI-Modell ‹Claude› von Anthropic – das auf AWS läuft – für nachrichtendienstliche Auswertungen, Zielidentifizierung und Kampfsimulationen eingesetzt habe.» (6)
Kurz und knapp: Die Militärs bezahlen die Party auf der Computer-Wolke. Der Militarismus frisst sukzessive das Zivilleben auf. Die Iraner sind auf Leben und Tod bereits jetzt mit dieser dystopischen Bedrohung konfrontiert. Und die Iraner halten tapfer Stand. Indem sie die Finanzierungsgrundlagen dieser faschistoiden Technik aufmischen und aufhalten, kämpfen sie durchaus auch für unsere Freiheit.
Das klingt nach all dem Mainstream-Framing von der «Verabscheuungswürdigkeit des Mullah-Regimes» erst mal ganz schön gewöhnungsbedürftig. Wer sich dieses Framing von der Verabscheuungswürdigkeit zu eigen macht, beteiligt sich an der notorischen Dehumanisierung des Kriegsgegners. Der schiebt einen Riegel vor sein Mitgefühl für die Iraner.
Die Iraner kämpfen jedoch um ihr Überleben und ihre Würde als freie Nation. Das ist für die schaurige neue Epstein-Welt natürlich etwas gänzlich Exotisches, gewiss. Aber der Faszination undomestizierter Menschen im Iran sollten wir uns nicht verschließen.
Quellen und Anmerkungen:
(1) https://de.marketscreener.com/boerse-nachrichten/iran-krieg-entzieht-us-landwirten-bezahlbaren-duenger-kurz-vor-der-fruehjahrsaussaat-ce7e5fd3da80f02d
(2) https://timesofindia.indiatimes.com/defence/international/800-million-blow-us-military-infrastructure-in-middle-east-heavily-damaged-from-iran-strikes/articleshow/129729861.cms?utm_source=chatgpt.com
(3) https://www.reuters.com/world/middle-east/amazon-cloud-unit-flags-issues-bahrain-uae-data-centers-amid-iran-strikes-2026-03-02/?utm_source=chatgpt.com
(4) https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/01708406221131938
(5) https://www.theguardian.com/commentisfree/2021/oct/12/google-amazon-workers-condemn-project-nimbus-israeli-military-contract
(6) https://fortune.com/2026/03/09/irans-attacks-on-amazon-data-centers-in-uae-bahrain-signal-a-new-kind-of-war-as-ai-plays-an-increasingly-strategic-role-analysts-say/?utm_source=chatgpt.com