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Aktualisiert: vor 20 Minuten 55 Sekunden

Nationalrat stimmt digitalem Opt-out-«Gesundheitsdossier» zu

15. September 2026 - 10:01

Lediglich knapp 143.000 Menschen haben bislang in der Schweiz ein elektronisches Patientendossier (EPD) eröffnet – etwa 1,5 % der gesamten Schweizer Bevölkerung. So stellte die SRF-«Tagesschau» gestern fest, das Ganze komme «nicht so richtig in die Gänge». Um das zu ändern, wolle der Bund nun eine Widerspruchslösung. Das bedeutet, dass man das Dossier aktiv ablehnen muss, ansonsten bekommt man es automatisch – die sogenannte Opt-out-Option. Zudem soll das EPD künftig «elektronisches Gesundheitsdossier» (E-GD) heißen.

Laut SRF ist der Grundtenor im Nationalrat, dass das E-GD nötig ist. Der Vorstoß fände bei den meisten Fraktionen Unterstützung, doch die Begeisterung sei unterschiedlich. Die Grünen-Nationalrätin Manuela Weichelt erklärte: «Die Grüne Fraktion unterstützt die Schaffung eines Bundesgesetzes über das elektronische Gesundheitsdossier – nicht mit Euphorie, aber aus pragmatischer, staatspolitischer Verantwortung.»

Neben der Opt-out-Option soll das neue E-GD SRF zufolge einfacher aufgebaut sein. Grundlage sei eine einzige zentrale, technische Infrastruktur, die von Bund und Kantonen finanziert und weiterentwickelt werde. Um den Betrieb zu vereinfachen, würden sich die Patientinnen und Patienten an eine einzige, von den Kantonen getragene Anlaufstelle wenden können.

Neu ist zudem, dass Leistungserbringer wie Ärzte verpflichtet sind, das E-GD anzubieten und die Informationen einzutragen. Bei Zuwiderhandlung können sie gebüßt werden. Und es obliegt den Patienten, zu bestimmen, wer darauf Zugriff hat.

Die Verantwortung für den Schutz und die Sicherheit der Daten trägt der Bund. Somit sei für den Erfolg des E-GD entscheidend, ob die Patientinnen und Patienten ihm dort vertrauen, stellt SRF fest. Laut der SP-Nationalrätin Sarah Wyss wurden die Datensicherheit, die Übermittlung der Daten und deren Verschlüsselung «sorgfältig geprüft». Dem Sender zufolge hat die große Kammer auch einigen Verstärkungen beim Datenschutz zugestimmt. So ist vorgesehen, dass nur jene Personendaten bearbeitet werden dürfen, die notwendig für den Betrieb sind.

Dennoch stellte sich laut SRF eine Mehrheit der SVP gegen den Gesetzentwurf. Nationalrat Andreas Glarner habe vor vielen Problemen gewarnt, von ungeklärten Kosten bis hin zu möglichen Cyberangriffen. Auch die angebliche Vereinfachung habe keine Zustimmung gefunden. SRF räumt ein, dass einem bei der Aufzählung der einzelnen Projektschritte «tatsächlich schwindlig werden» konnte. So listete der SVP-Nationalrat auf:

«Wir haben das bisherige EPD, das künftige E-GD, den Swiss Health Data Space, eine Übergangsfinanzierung, eine neue zentrale Gemeinschaft und eine noch zu bestimmende technische Betreiberin.»

Glarner kritisierte demnach auch die geschätzten Kosten. Dabei handle es sich nicht um einen «Blankoscheck», sondern um eine «Dummheit». So weist SRF darauf hin, dass selbst die Finanzkommission des Nationalrats diese Kosten im Vorfeld als ungenau und zu wenig transparent bezeichnete. Das Parlament sehe sich vor der Aufgabe, etwas abzusegnen, ohne Kenntnis von den Kosten zu haben.

Die Digitale Gesellschaft hat sich schon Ende 2025, als der Gesetzentwurf für das E-GD veröffentlicht wurde, entschieden dagegen geäußert. Die Vorlage stelle «einen massiven Angriff auf den Datenschutz, die informationelle Selbstbestimmung und die digitale Freiheit in der Schweiz dar». Und weiter:

«Anstatt die bisherigen Fehler des Patientendossiers zu korrigieren, verschärft der Bundesrat genau diese Fehler in unverantwortlicher Weise: Der Bund schafft neu eine zentrale Datenbank, in der die Gesundheitsdaten der gesamten Bevölkerung verwaltet werden. Das bisherige EPD beruhte auf Freiwilligkeit (Opt-In). Nun soll jede Person automatisch ein E-GD erhalten. Wer kein E-GD wünscht, muss nachträglich aktiv widersprechen.

Diese Abschaffung der Freiwilligkeit steht im direkten Widerspruch zur informationellen Selbstbestimmung, die durch die Bundesverfassung garantiert ist. Ausserdem sollen Personen, die gar kein elektronisches Dossier wünschen, in einem zentralen Register unnötigerweise erfasst werden. Eine Ungleichbehandlung bei den Krankenkassenprämien ist zudem zu befürchten.»

Nach der Zustimmung des Nationalrats geht der Gesetzentwurf nun an den Ständerat.

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Was ist mit der Tiermedizin passiert? (Teil 2)

15. September 2026 - 0:10

Transition News: Nochmal kurz zum Impfregime: Für Haustiere sieht das anders aus als für Nutztiere. Welche Impfungen sind vorgeschrieben, wie hat sich die Impf-Technologie verändert und wie ist Ihre Einschätzung der weiteren Entwicklung?

Claudia Schoene: Es gibt für Geflügel und Pferde vorgeschriebene Impfungen. Für Rinder und Schweine gibt es ebenfalls Leitlinien mit Empfehlungen. Es können auch Impfungen angeordnet werden, wenn in einer Region zum Beispiel die Blauzungenkrankheit ausgebrochen ist, dann kann für die angrenzenden Regionen die Impfung gegen den entsprechenden Erregertyp für große und kleine Wiederkäuer verbindlich vorgeschrieben werden.

Aber geht denn von Tieren tatsächlich eine Pandemiegefahr aus?

Wie ja weithin bekannt ist, hat die WHO 2009 im Rahmen der Schweinegrippe ihre Definition einer Pandemie geändert. Früher hieß es sinngemäß «mit ganz vielen Todesfällen und ganz schweren Krankheitsfällen». Das wurde rausgenommen.

Im Prinzip kann es praktisch gar keine Pandemien geben. Wir haben im Tiermedizinstudium gelernt: Ein Erreger ist entweder pathogen, dann ist er nicht virulent. Oder er ist virulent, dann ist er nicht pathogen. Pathogen heißt, ein Erreger richtet schlimmen Schaden an. Und virulent heißt, er verbreitet sich unheimlich schnell und weit.

Das bedeutet, wenn wir einen Erreger haben, der sich unheimlich schnell und weit verbreitet, dann ist er nicht gefährlich. Und wenn wir einen haben, der gefährlich ist, dann verbreitet er sich nicht unheimlich schnell und weit. Ebola ist relativ selbstbegrenzend, wenn es sich dabei tatsächlich um ein Virus handelt und nicht um mögliche Auswirkungen von den Stoffen, die zum Beispiel in Goldminen zum Einsatz kommen.

Starkes Immunsystem

In Uganda oder im Kongo können die Menschen damit umgehen. Solche Ereignisse bekommen sie relativ schnell in den Griff. Sie meiden diese Orte beziehungsweise verbleiben am Ort – solange die WHO sich nicht einmischt. Wenn die WHO dazukommt, kommt es oft zu einer Fluchtbewegung, weil die Leute eben Angst haben, dass sie sonst von den Mitarbeitern und Helfern der Organisation sehr drangsaliert werden.

Im Fall von Tuberkulose zum Beispiel, mit einer langen Inkubationszeit, kommt es vielleicht zuerst zu einigen Symptomen. Das Immunsystem des Körpers kann die Erreger aber zunächst abkapseln und das über Jahre. Erst wenn Sie an etwas anderem erkranken oder alt werden und das Immunsystem schwächer, bricht dieser Primär-Affekt-Komplex auf, die Tuberkel verteilen sich und dann sterben Sie 20 Jahre später an einer Tuberkulose. Davor gehen Sie hustend durch den Stall und können Ihre Kühe noch anstecken. Oder andersrum, die Kühe stecken Sie an – auch das kommt vor.

Bei Tuberkulose handelt es sich aber um Bakterien, die unter dem Mikroskop sichtbar und auch anzüchtbar sind: In Äthiopien zum Beispiel hatten wir einen Masterstudenten, der in einem Milchviehbetrieb sowohl das Sputum der Melker als auch die Milch der Kühe untersuchte und dann tatsächlich bei zwei oder drei denselben Erreger feststellen konnte – also die tatsächliche Übertragung einer Zoonose.

Ich möchte dazu auch auf folgende Publikation hinweisen: «Situation analysis on the roles and risks of wildlife in the emergence of human infectious diseases.» Die Autoren kommen zu dem Schluss: Nur 47, also 0,912 Prozent, der 5194 untersuchten Fälle von Infektionen beim Menschen wiesen wahrscheinlich auf ähnliche Infektionen beim Wildtier hin und könnten daher eventuell auf den Handel mit Wildtieren zurückzuführen sein.

Wenn von Tieren keine Pandemiegefahr ausgeht, wozu dann diese Überwachung, diese Surveillance, sogar Wildtiere werden aus dem All verfolgt?

Vielleicht mal den Tiefen Staat fragen. Aber es ist generell nicht schlecht, sich Gedanken darüber zu machen, ein krankes Tier nicht durch die ganze Welt zu führen. Ein Tier mit Eiter aus der Nase sollte nicht mit vielen anderen Tieren in Kontakt gebracht werden.

Natürlich gibt es übertragbare Krankheiten. Aber die Frage ist: Sterben alle daran oder können sie sich wieder erholen? Auch eine Kuh kann sich von Maul- und Klauenseuche erholen, bringt dann aber nicht mehr so gute Milchleistung oder kann auch nicht mehr als Fleischrind verkauft werden. Die Kuh kann aber durchaus weiterleben, ist aber natürlich für den Landwirt nicht mehr interessant, weil sich das einfach nicht mehr rechnet. Und der Landwirt möchte nicht den Nachbarn auch noch belasten, wenn er die Stiefel aus dem Stall nicht sauber macht und damit zum Nachbarn geht, der dann drei Tage später auch kranke Kühe hat.

Diese Biosecurity-Sachen – also einfache Hygiene, Reinigung, Desinfektion, Händewaschen – das ist alles sinnvoll.

Das haben Landwirte doch schon gemacht, als es noch nicht «Biosecurity» hieß.

Ich habe zum Beispiel eine gute Freundin, die vor dem Tiermedizinstudium in der DDR, in einem großen Milchviehbetrieb mit 1000 Kühen gearbeitet hat – weil ihr Bruder schon Medizin studierte. Sie hat mir erzählt: «Wir hatten kein Antibiotikum, aber auch keine Mastitis, weil wir uns immer morgens und abends gewaschen und alles gereinigt haben.»

Reinigung und Desinfektion, einfach Hygiene halten, das funktioniert. Viele Grundprinzipien reichen einfach aus.

Außerdem wird immer das Immunsystem vergessen. Es ist erschütternd, dass auch meine Zunft diesen Unsinn, dass ein pathogener Erreger virulent wäre, nicht sofort unterbunden hat. Schon die Änderung der Pandemie-Definition hätten wir nicht zulassen dürfen.

mod-RNA-Injektionen

Und dann diese Idee der mod-RNA-Injektionen – einer körpereigenen Zelle beizubringen, etwas Fremdes auf der Oberfläche darzustellen: Das Immunsystem erkennt darin einen Feind und zerstört diese Zelle. Dass das jetzt als wundervolle und tolle Impfmethode propagiert wird, ist unfassbar. Wir bringen unseren eigenen Körper bei, unser Feind zu werden. Das ist die Blaupause für eine Autoimmunerkrankung.

Wenn ich eine Atemwegsinfektion habe, dann kann ich mit einer intramuskulären Injektion sowieso nichts anfangen – damit bilde ich IgM und IgG. Ich brauche aber IgA, um meine Schleimhäute zu schützen.

Es ist unbegreiflich, warum wir Tiermediziner keine offene Diskussion über die Sinnhaftigkeit von Impfungen führen können. Ich wollte das 2021 auf den Weg bringen, damals leitete ich noch die Fachgruppe Tropenveterinärmedizin und Internationale Tiergesundheit der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG). Aber das wurde verhindert.

Jetzt wollen wir dieselben Fehler in der Tiermedizin bei den Nutz-, Haus- und Heimtieren auch noch machen? Ich werde dann nicht mehr impfen. Ich verspritze dieses Zeug nicht. Und ich kenne genug Leute, die das mit ihren Tieren nicht machen lassen, weil sie am eigenen Körper erfahren haben, wie schädlich der Dreck ist.

Aber was soll denn ein Bauer machen, der von seinem Viehbetrieb lebt?

Das ist die Frage. Und was machen wir, wenn wir das dann essen sollen? Wir können dieses Fleisch nur so lange kochen, bis alles kaputtgeht. Ich habe darauf keine wirkliche Antwort.

Warum sind die offiziellen Stellen so auf Linie?

Weil ihre Projekte und damit sie selbst teilweise davon leben, dass sie Impfungen propagieren. Wir finden zum Beispiel beim Verein «Tierärzte ohne Grenzen» auch Mitarbeiter, die ihre Jobs durch Impfprojekte finanzieren. Solche Projekte werden eben eher unterstützt, als Projekte, bei denen ein paar homöopathische Kügelchen verteilt werden – dafür gibt es kein Geld. Man muss schon die Pharmaindustrie im Hintergrund haben, und dafür dient ja dieser One-Health-Ansatz.


Kühe bekommen ihre Ohrmarken, wenn sie eine Woche alt sind; Foto: Sophia-Maria Antonulas

Das heißt, welche Aufgabe hat die Tiermedizin im großen Schema «One Health»?

Es geht sicherlich um Tierseuchenbekämpfung, was auch sinnvoll ist. Es geht bestimmt auch um Zoonosen. Auch Reptilien können Zoonosen übertragen, zum Beispiel Tuberkelbakterien oder Parasiten. Dadurch, dass die Tiere gesund erhalten werden, soll natürlich die menschliche Gesundheit geschützt werden.

«Corona» hin oder her: Der Hund kann den Menschen anstecken oder umgekehrt, Stichwort Influenza – eine weitere spannende Sache. Es geht um die Gesunderhaltung der tierischen Populationen, Heimtiere, Nutztiere, Wildtiere sowie um den Tierschutz.

Also Tiergesundheitserhaltung im Rahmen der Weltgesundheitserhaltung. Menschen sollen gesund sein, Pflanzen sollen gesund sein, die Umwelt soll gesund sein, Tiere sollen gesund sein.

Das klingt doch eigentlich ganz gut, oder?

Ja, das klingt es auch. Auch die 17 Nachhaltigkeitsziele der UNO klingen prima. Aber ich weise immer darauf hin, dass die Datenbanken in der Tiermedizin schon vorhanden sind. Wenn Menschen gechipt sind, brauchen sie nur noch darin aufgenommen zu werden. Wenn Kuh Erna eine Woche alt ist, muss sie spätestens ihre Ohrmarken bekommen. Wenn sie krank ist, kann ihr Weg zurückverfolgt und geprüft werden, ob auch auf den anderen Höfen eine Kuh krank ist.

Für mich ist das immer ein zweischneidiges Schwert. Denn diese Nachhaltigkeit bedeutet eben auch, Bewegungsüberwachung und genaue Registrierung, also Eigentumsüberwachung und Identitätsmarkierung.

Janusköpfe

Wenn Sie daran gewöhnt sind, dass Ihr Hund gechipt ist, finden Sie es vielleicht ganz klasse, wenn Sie auch gechipt sind, um ins Restaurant zu dürfen. Das ist bei Kühen im Rahmen der Netzwerkanalyse sinnvoll. Aber warum muss mein Auto, mein Elektroroller wissen, wann ich wohin fahre? Kann jemand beobachten, wo ich entlang gefahren bin? Warum muss er oder sie das wissen? Wenn ich nur noch digitales Geld habe, dann weiß jemand, wie viele Gummibärchen ich kaufe. Und wenn ich drei Tüten zu viel kaufen will, was dann? Warum will jemand über mich entscheiden?

Es geht um persönliche Freiheit. Und deshalb nehme ich zum Beispiel in meiner Praxis nur Bargeld an. Wenn ich dem Tier die Analdrüsen ausdrücke und den Gestank habe, möchte ich nicht, dass die Bank davon 50 Cent bekommt. Und außerdem geht das niemandem etwas an – nur den Patienten, seinen zweibeinigen Dosenöffner und mich.

Es ist alles positiv und negativ. Das sind alles Janusköpfe. Alles kann für Böses benutzt werden. Aber vor allen Dingen müssen wir plötzlich eine Autorität über uns akzeptieren, die besser wissen will, was für uns gut ist, als wir selbst.


Oktober 2019: menschenfeindliche Darstellungen im Auswärtigen Amt; Foto: Claudia Schoene

Auch beim One-Health-Dogma scheinen die Menschen im Wege zu stehen. Auf dieser Konferenz im Auswärtigen Amt stand auf einer Folie sinngemäß, die Menschheit störe die Ökosysteme dabei, lebenserhaltend zu wirken.

Warum dürfen wir nicht einfach mal für zehn Jahre ohne alle diese Regularien leben, und dann sehen wir mal, was passiert? Wie sind wir ins 21. Jahrhundert gekommen? Impfungen gibt es erst seit etwas mehr als 200 Jahren. Wenn die so wichtig wären, wichtiger als unser Immunsystem, dann wären wir schon ausgestorben – die Tiere übrigens auch.

Warum gibt es nur noch eine Wahrheit? Das hat nichts mit Wissenschaft zu tun und auch nichts mit Medizin. Nur weil jemand durch verbrecherische Tätigkeiten Geld angehäuft hat, weiß er es nicht besser. Es liegt an uns. Wir lassen das zu, dass man uns ein digitales Gefängnis baut.

One Health

Bei der Konferenz One Health, One Planet, One Future stellte Peter Daszak das Event 201 nur unter einem anderen Namen vor. Mit dabei waren unter anderem Chris Walzer von der Wildlife Conservation Society, Niels Annen (SPD), damals Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Sabine Grabytsch vom Potsdam Institute for Climate Research, Lothar Wieler vom RKI, Eckart von Hirschhausen und natürlich Christian Drosten. Und drei Monate später hatten wir die «Pandemie», die genauso abläuft, wie sie das in New York durchgespielt hatten. Und in New York sitzt übrigens auch die Wildlife Conservation Society, die die Konferenz im Auswärtigen Amt mitveranstaltet hat.

Und Vincent Munster, Leiter der Abteilung für Virusökologie beim US-amerikanischen Gesundheitsinstitut NIH, hielt einen Vortrag über Pandemic Preparedness, also Pandemievorsorge. Inzwischen ist er in den Vereinigten Staaten angeklagt, weil er mutmaßlich Affenpocken-Viren aus dem Kongo in die USA geschmuggelt hat.

In weiterer Folge brachte Niels Annen zusammen mit Cristián Samper einen Artikel über die ach so bösen Märkte mit den Fledermäusen heraus.

Bei dieser ganzen Geschichte wurde und wird nur immer vergessen, dass der Mensch ein Immunsystem hat. Wir kommen damit zurecht – außer wir sind anders angeschlagen.

Vorwegnahme des Pandemievertrags

Lassen die Berlin Principles, die auf dieser Konferenz im Auswärtigen Amt unterzeichnet wurden, darauf schließen, wie gegen die Menschheit vorgegangen werden soll – auch mit Rückblick auf die Scheinpandemie der 2020er-Jahre?

Dabei handelt es sich um eine Weiterentwicklung der Manhattan Principles, die die Wildlife Conservation Society 2004 erarbeitet hatte. Praktisch geht es dabei um ein World Government – eine Weltregierung. Alles müsse weltweit durchgeführt, weltweit identifiziert und weltweit kontrolliert werden.

Für mich sind diese Berliner Prinzipien die Vorwegnahme des WHO-Pandemievertrags und der Änderung der internationalen Gesundheitsregularien. Damals war mir das gar nicht so klar. Wenn wir uns die Inhalte ganz neutral ansehen, hört sich das erst mal ganz sinnvoll an. Aber auch bei der Tierseuchenbekämpfungen muss die Umgebung mit einbezogen werden – bin ich am Meer oder auf den Bergen, gibt es hier viel Wald und so weiter. Wenn alles global durchgeführt wird, fällt das weg. Dafür gibt es dann eine Impfung, und Sie brauchen gar nichts mehr zu verstehen.

Informationen werden zusammengezogen und konzentriert, also typisches Herrschaftswissen.

Wir haben keine Entscheidungsmöglichkeiten mehr, weil eben alles zentralisiert wird. Und während der vorgetäuschten Pandemie haben wir ja gesehen, was mit denen passiert, die gewarnt haben: Wir wurden verhauen, die Praxen wurden gestürmt, wir wurden vor Gericht gezerrt, wir wurden auf Demos mit Pfefferspray besprüht, anstatt dass man einfach mal sagt: Lass uns mal zusammensetzen. Als ich eine wissenschaftliche Diskussion wollte, hieß es, ich wäre «unwissenschaftlich», und ich wurde rausgeschmissen.

Fauci sagte: «I'm Mr. Science.» Aber es gibt nicht «Die» Wissenschaft, die ändert sich jeden Tag. Und wenn wir etwas nicht offen diskutieren dürfen, ist es mit der Wissenschaft vorbei.

Jetzt sollen auch noch in der Tiermedizin vermehrt Leitlinien eingeführt werden. Mit Leitlinien erübrigt sich das Studium. Dann sagt uns die Pharma, heute nehmen Sie dieses Medikament, wenn die Rezeptpflicht abgelaufen ist, nehmen Sie jenes – weil das wieder mehr Geld einbringt.

Die KI versucht sich dann als «Tierarzt»?

Es gibt sogar schon die Möglichkeit, sich mithilfe von KI Diagnosen geben zu lassen. Und Boehringer Ingelheim hat jetzt ein Stethoskop auf den Markt gebracht, das mithilfe von KI das Herz abhört. Nur: Wenn ich als Tiermedizinerin ein Herzgeräusch höre, heißt das nicht, dass das Herz ein Problem hat. Dann schicke ich das Tier zum Ultraschall, um zu sehen, ob die Klappen korrekt schließen. Denn es kann auch zu einem Klappengeräusch kommen, weil das Tier einfach aufgeregt ist.

Mit einem KI-Stethoskop lernen Mediziner überhaupt nicht mehr, ihre Ohren zu trainieren. Wir verlernen, uns auf unsere fünf bis sechs Sinne zu verlassen und diese ständig zu trainieren. Wir werden systematisch verdummt und dann nicht mehr gebraucht – weil die KI das macht.

Die abschließende Frage: Was bleibt zu tun? Konkret: Wie kann sich denn ein Bauer wehren, wenn es heißt, seine Tiere müssten gekeult werden?

Das kann er nicht. Also gesetzlich geht das nicht. Er kann Widerspruch einlegen, das hat aber keine aufschiebende Wirkung.

Wir sind abhängig von Menschen, mit denen wir nichts zu tun haben, die aber das System, so wie es ist, und wie es sich immer weiter ausbreitet, unterstützen.

Ihre Hühner müssen Sie anmelden. Und Herr Schwab hat ja schon gesagt, wenn Sie selber was im Garten züchten, sei das natürlich sehr viel umweltschädlicher, als das, was die Landwirtschaft produziert.

Solange Menschen diesen Schwachsinn glauben, müssen wir uns einfach widersetzen. Wir müssen stur bleiben. Und im Notfall eben untergehen, wenn wir uns nicht beugen wollen. Ich werde mich denen, die immer im Hintergrund bleiben, nicht unterwerfen, ganz bestimmt nicht.

Das Interview führte Sophia-Maria Antonulas.

Den ersten Teil des Interviews mit der Tierärztin Claudia Schoene finden Sie hier.

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Mehr Angst vor dem Heim als vor dem Tod

15. September 2026 - 0:08

Dieser Beitrag erschien am 11. September 2026 zuerst auf Globalbridge. Transition News durfte ihn mit freundlicher Genehmigung der Autorin übernehmen.

Es gibt Themen, die erst dann sichtbar werden, wenn man lange genug über sie schweigt. Die Pflege von Menschen gehört dazu. Sie verschwindet im Lärm des öffentlichen Betriebs – zwischen Reformversprechen, Kostenstatistiken und Schlagzeilen, die den Alltag selten treffen. In Rheinland-Pfalz kam sie einen ganzen Tag lang selbst zu Wort: Ungeschminkt, widersprüchlich und dringlich. In Leutesdorf erzählten Angehörige, Ärztinnen und Helfende von Überforderung, Entmündigung und fehlender Unterstützung. Ihre Berichte über Pflege, Sterben und Selbstbestimmung zeigten, wie ein überfordertes System in Deutschland Menschen abhängig macht und warum Würde dort beginnt, wo Hilfe tatsächlich ankommt. Am Ende stand eine Frage, die weit über diesen Tag hinausweist. Wie wollen wir leben, wenn wir auf andere angewiesen sind?

Manchmal genügt ein einziger Satz, um eine Gesellschaft zu entlarven. An diesem Tag in Leutesdorf war es die Bemerkung einer Frau, die über Jahre gekämpft hatte. «Ich habe mehr Angst vor Pflegeeinrichtungen als vor dem Sterben.» Keine Übertreibung, sie hatte Erfahrung. Spätestens in diesem Moment wurde klar, weshalb die Pflegeethik-Initiative Deutschland e.V. ihr zwanzigjähriges Bestehen nicht mit einer Festrede und Schulterklopfen beging. Dieser Tag war eine Zumutung. Er führte dorthin, wo das deutsche Pflegesystem seine freundlich anmutenden Prospekte verliert, an Krankenbetten, in Nachtdiensten, zu erschöpften Töchtern, überforderten Ehepartnern und alten Menschen, deren Wille hinter Diagnosen, Routinen und Zuständigkeiten verschwindet.

Der bundesweit tätige Verein mit Sitz in St. Katharinen (Rheinland-Pfalz) hatte Mitglieder, Fachleute und Interessierte eingeladen. Viele brachten Geschichten mit, die gewöhnlich hinter Wohnungstüren und Klinikmauern bleiben. Es ging um Sterben und Begleitung, um Vertrauen, medizinische Machbarkeit, die Erfahrungen der Corona-Zeit, die rechtliche Betreuung, den Personalmangel in Heimen und die Frage, ob Pflege wieder als Aufgabe einer Gemeinschaft verstanden werden kann. Im Zentrum stand ein Wort, das in Leitbildern oft harmlos wirkt und an diesem Tag sein ganzes Gewicht zurückerhielt: Ethik.

Verletzlichkeit anderer begegnen

Den ersten Teil des Tages trugen mehrere Frauen. Ihre Berichte führten aus unterschiedlichen Richtungen zu denselben Themen. Wie verändert eine schwere Erkrankung das Vertrauen in die Medizin? Was bedeutet es, Angehörige über Jahre zu begleiten? Und wie lässt sich Verantwortung übernehmen, ohne den eigenen Willen vollständig an Institutionen und Fachleute abzugeben? Moderiert wurde das Gespräch von Adelheid von Stösser, der Gründerin und Vorsitzenden des Vereins.

Dr. Fee Friese benannte ein Menschenbild, das viele der späteren Geschichten miteinander verband. Die moderne Medizin, sagte sie, neige dazu, den Tod als Störung zu behandeln. Als etwas, das beherrscht, hinausgezögert und technisch korrigiert werden müsse. Wo der Körper vor allem als Maschine erscheint, wird Sterben leicht zum Defekt. Selbst die Sprache verrät diese Sicht. Organe funktionieren oder versagen, Systeme werden stabilisiert und Werte optimiert. Am Beispiel der Transplantationsmedizin zeigte Friese, wie schnell ein Mensch in einer solchen Logik auf verwertbare Körperfunktionen reduziert werden kann. Entscheidend war das Dahinterliegende: Was geschieht mit unserer Haltung, wenn Machbarkeit zum wichtigsten Maßstab wird?

Friese stellte diesem Denken eine meditative Praxis entgegen, die sie seit Jahrzehnten begleitet. Zwei Sätze stehen für sie am Beginn. Die Dankbarkeit dafür, überhaupt als Mensch geboren worden zu sein, und die Gewissheit, dass der Tod wirklich ist und ohne Warnung kommen kann. Das sei keine Drohung, erklärte sie. Es sei eine Erinnerung an die Kostbarkeit des Lebens. Wer die eigene Endlichkeit nicht verdrängt, muss den Tod weniger als Niederlage behandeln. Und wer sich der eigenen Verletzlichkeit stellt, begegnet auch der Verletzlichkeit anderer anders.

Angst vor Gericht und Strafe

Von da an öffnete sich der Raum für Erfahrungen, die nicht in Pflegestatistiken erscheinen. Eine Frau berichtete, wie sie während der Corona-Zeit in einer psychiatrischen Einrichtung arbeitete und den Beruf schließlich aufgab. Anordnungen, die von «oben» kamen, gerieten in Konflikt mit dem eigenen fachlichen und moralischen Urteil. Kolleginnen hätten vieles mitgetragen, weil sie auf ihr Einkommen angewiesen waren, Kinder versorgten oder keine Alternative sahen. Was in der Ausnahmesituation als Gehorsam erschien, laufe einem später nach, sagte sie – dann, wenn die äußere Hektik vorbei ist und die eigene Beteiligung sichtbar wird.

Eine andere Teilnehmerin widersprach der Vorstellung, Vertrauen sei das Problem. Ohne Vertrauen könne kein Mensch leben. Gefährlich werde es dort, wo Vertrauen durch unvollständige Information missbraucht werde. Wer krank, erschöpft oder verängstigt ist, kann kaum sämtliche Diagnosen, Leitlinien und Folgen selbst prüfen. Aus Vertrauen wird blindes Vertrauen, wenn entscheidende Informationen fehlen und Zweifel als Störung behandelt werden. Friese nahm diesen Gedanken auf. Sie habe zugelassen, was mit ihr geschehen sei, sagte sie rückblickend auf ihre eigene Behandlung. Nicht als Selbstanklage. Eher als Ausgangspunkt für eine neue Haltung, sich zu informieren, Fragen zu stellen und Verantwortung nicht vollständig an vermeintliche Experten abzugeben.

Im weiteren Gespräch fiel das Wort «Selbstgeborgenheit». Es bezeichnete etwas, das in einer überreizten Gesellschaft leicht verlorengeht. Eine innere Orientierung, die nicht bei jeder neuen Anweisung, Schlagzeile oder Drohung zusammenbricht. Manche Teilnehmer sprachen über Religion, die ihnen keine Zuversicht vermittelt hatte, nur Angst vor Gericht und Strafe. Andere beklagten eine Kultur, die den Tod in Unterhaltung und Halloween-Symbole verlagert, während das ernsthafte Gespräch über Sterben, Abschied und ein gutes Ende kaum stattfindet. Wo diese Sprache fehlt, bleiben Menschen mit ihren Entscheidungen allein.

Bis die Rippen brachen

Besonders deutlich wurde das in der Geschichte einer Frau, deren 88-jährige Mutter dreihundert Kilometer entfernt lebte. Eines Tages setzte sie sich ans Fenster und hörte auf zu essen und zu trinken. Sie wollte nicht mehr leben. Erst Nachbarn bemerkten, wie weit sie sich bereits zurückgezogen hatte, und verständigten die Tochter. Dann begann die Maschinerie. Hilfe, Kurzzeitpflege, Krankenhaus, Untersuchungen, Medikamente und nächtliche Fixierung. Der Satz der Mutter blieb derselbe. Das System hatte dennoch nur eine Antwort: Stabilisieren, behandeln, verlängern.

Die Tochter und ihre Familie fanden schließlich eine Einrichtung, in der mehr Ruhe und Menschlichkeit möglich waren. Die Mutter bekam ein Einzelzimmer. Die Tochter blieb bei ihr, verließ den Raum für kurze Zeit und fand sie bei ihrer Rückkehr tot vor. Bis heute frage sie sich, ob sie hätte bleiben müssen, ob sie zu wenig getan oder den Abschied verpasst habe.

Eine anwesende Ärztin antwortete mit einer Sanftheit, die den Saal für einen Moment still werden ließ, «Sie haben alles richtig gemacht.» Als Ärztin kenne sie die Gedanken, die nach einem Tod zurückbleiben, selbst dann, wenn medizinisch alles korrekt verlaufen sei. Menschen sterben nicht nach einem Plan, den Angehörige vollständig kontrollieren können. Sie berichtete auch von einer Reanimation bei einer 96-jährigen Frau, die auf Wunsch der Familie durchgeführt werden musste. «Wir haben auf ihr herumgedrückt, bis die Rippen gebrochen sind», sagte sie. Der Satz schnitt durch jede abstrakte Debatte. Er führte zur eigentlichen Grenze. Wann ist es genug? Und wer darf diese Entscheidung treffen?

Hinter sauberen Akten

Am Nachmittag veränderte sich der Ton. Die persönlichen Berichte blieben im Raum, doch Adelheid von Stösser zog die politische und institutionelle Linie durch zwanzig Jahre Vereinsarbeit. Von Stösser ist Krankenschwester, Lehrerin für Pflegeberufe und seit Jahrzehnten eine der beharrlichsten Kritikerinnen des deutschen Pflegesystems. 2005 gründete sie mit Mitstreitern den Pflege-Selbsthilfeverband e.V., 2018 wurde daraus die Pflegeethik-Initiative Deutschland e.V..

Am Anfang stand die Hoffnung, über die Politik verbindliche Maßstäbe zu schaffen. Von Stösser arbeitete in einer bundesweiten Gruppe an der «Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen» mit. Das Dokument übersetzte Grundrechte in den Pflegealltag. Selbstbestimmung, Schutz vor Gewalt und Vernachlässigung, eine angemessene Versorgung, Achtung der Privatheit und das Recht, als Person behandelt zu werden. Nichts daran war revolutionär. Gerade darin lag die Brisanz.

Als die Charta fertig war, hätten Vertreter von Trägern und Verbänden eingewandt, ihre Umsetzung erfordere mehr Personal, andere Strukturen und zusätzliche Mittel. Von Stösser erinnerte an die Versprechen derselben Einrichtungen. Auf Webseiten, in Broschüren und Leitbildern wurde längst eine Pflege beschrieben, die den Maßstäben der Charta entsprach. Erst als diese Versprechen überprüfbar werden sollten, galten sie als unrealistisch. Die Charta blieb unverbindlich. Kein Heim, keine Aufsicht und kein Gericht musste sich an ihr messen lassen. Für von Stösser war sie am Ende ein «schönes» Papier für die Ablage.

Aus dieser Ernüchterung entstand die Einsicht, dass Veränderung nicht allein von Ministerien und Verbänden zu erwarten war. Die Initiative begann, eigene Kriterien zu entwickeln, Missstände öffentlich zu machen und Menschen in konkreten Konflikten zu unterstützen. Ein Gutachterteam besuchte Pflegeheime jeweils zwei Tage lang, sprach mit Bewohnern, Angehörigen und Beschäftigten und beobachtete das Klima im Haus. Es ging nicht nur um korrekt ausgefüllte Formulare. Es ging um den Tonfall, um Aufmerksamkeit, um die Sorge, ob jemand im Rollstuhl in die Sonne gebracht wird, obwohl dies Zeit kostet. Zwölf Einrichtungen erhielten eine Auszeichnung.

Doch auch diese Erfahrung hatte eine bittere Seite. In einem ausgezeichneten Heim wechselte die Leitung. Die Person, die eine menschliche Kultur getragen hatte, wurde aus dem Haus gedrängt. Die Atmosphäre veränderte sich. Das Prädikat blieb zunächst, die Wirklichkeit nicht. «Wenn die Haltung verschwindet, verschwindet die Qualität», fasste von Stösser das Problem zusammen. Regeln können Mindeststandards setzen. Sie können keine Menschlichkeit erzeugen, wenn jene fehlen, die sie täglich leben.

2012 stellte die Initiative ihre eigenen Auszeichnungen ein. Angesichts glänzender Pflegenoten wollte kaum eine Einrichtung das Risiko eingehen, bei einer realitätsnahen Prüfung schlechter abzuschneiden. Zur gleichen Zeit etablierte der Medizinische Dienst ein Prüfsystem, das vor allem Dokumentationen bewertete. Die Pflegenoten lagen bald in einem erstaunlich guten Durchschnittsbereich. Ob Menschen wundgelegen, isoliert oder medikamentös ruhiggestellt wurden, ließ sich hinter sauberen Akten verbergen. Wer richtig dokumentierte, konnte eine gute Note erhalten. Das Papier wurde zum Beweis für eine Wirklichkeit, die es nicht gab.

«Was nachts passiert, sieht keiner»

Seit 2014 gehört die Besetzung der Nachtdienste zu den Schwerpunkten der Initiative. Von Stösser schilderte eine Praxis, die außerhalb der Heime kaum vorstellbar ist. Eine einzige Pflegekraft ist nachts mitunter für vierzig oder fünfzig Menschen verantwortlich. In Bayern gilt nachts ein Mindestverhältnis von einer Pflegekraft zu vierzig Bewohnern, in Baden-Württemberg von einer beschäftigten Person zu fünfundvierzig Bewohnern. Schon diese Schlüssel zeigen, wie wenig Raum für individuelle Hilfe bleibt. Wer stürzt, Schmerzen hat, sterbend im Bett liegt oder in einer demenziellen Krise umherwandert, konkurriert mit allen anderen um dieselbe Person.

«Was nachts passiert, sieht keiner», sagte von Stösser. Der Satz erklärt, weshalb dieses Thema politisch so lange im Schatten blieb. In der Corona-Zeit wurde ausführlich über Besuchsverbote gesprochen. Weniger Beachtung fand, dass dieselbe Nachtwache durch viele Zimmer ging und damit zur unfreiwilligen Verbindung zwischen sämtlichen Bewohnern wurde. Schutz wurde über Isolation organisiert, während die strukturelle Unterbesetzung unangetastet blieb.

Auch das Betreuungsrecht wurde für die Initiative zu einem Feld praktischer Gegenwehr. Von Stösser berichtete von Menschen, die gegen ihren Willen unter rechtliche Betreuung gestellt oder in Einrichtungen gebracht worden waren, obwohl sie ihren Willen noch äußern konnten. Manchmal reichten Schwerhörigkeit, Verwirrung nach einem Krankenhausaufenthalt oder das Fehlen durchsetzungsfähiger Angehöriger, damit andere über Wohnung, Vermögen und Lebensort entschieden.

Die Initiative sammelte Fälle und veröffentlichte die Broschüre «Erfahrungen mit rechtlicher Betreuung im Pflegebereich». Von Stösser schickte sie an die Mitglieder des Rechtsausschusses des Bundestages und wurde als Sachverständige zu einer Anhörung eingeladen. Die Reform, die 2023 in Kraft trat, stärkte den Vorrang des Willens der betreuten Person und die unterstützte Entscheidungsfindung. Sie beseitigte den Machtmissbrauch nicht. Sie veränderte jedoch den rechtlichen Maßstab.

Wie viel davon im Einzelfall abhängt, ob jemand genau hinsieht, zeigte die Geschichte einer über neunzigjährigen Frau. Nach einem Schlaganfall war sie halbseitig gelähmt, auf einen Rollstuhl angewiesen und konnte nur schwer sprechen. Geistig war sie klar. Trotzdem galt sie als dement, ein Berufsbetreuer und das Heim entschieden über ihr Leben. Zwei Freundinnen wandten sich an die Initiative. Von Stösser dokumentierte den Willen der Frau, ordnete Unterlagen und konfrontierte die Verantwortlichen mit den Rechtsverletzungen. Am Ende konnte die Frau die Einrichtung verlassen und wieder in einer von ihr gewünschten Umgebung leben. Für von Stösser gehört dieser Fall zu den wichtigsten Erfolgen der Vereinsgeschichte. Er zeigt, was «gelebte Ethik» bedeutet. Den Willen eines Menschen auch dann ernst zu nehmen, wenn er leise, mühsam oder unbequem geäußert wird.

Die Summe der Defizite

Nach der Bilanz der Konflikte rückte ein Projekt in den Mittelpunkt, das die Grundsätze des Vereins in den Alltag übersetzt: Das HelferNetz-daheim. Das Angebot der Pflegeethik-Initiative bringt Menschen mit Unterstützungsbedarf und geschulte Helfende aus der Region zusammen. Ziel ist, ein selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung zu ermöglichen und Angehörigen verlässliche Freiräume zu verschaffen.

Andrea Otten, Heilpraktikerin in Dattenberg und Alltagsbegleiterin, stellte bei der Veranstaltung die Arbeit des Netzwerks vor. Die Helfer erhalten eine Basisschulung, Erste-Hilfe-Kenntnisse und Versicherungsschutz. Ihre Arbeit wird im Rahmen einer Aufwandsentschädigung vergütet. Bei der Tagung berichtete Otten von 21 Helfenden, 40 Betreuungsverträgen und 22 Menschen, die regelmäßig begleitet wurden. Hinter den Zahlen stehen Spaziergänge, Arzttermine, Friedhofsbesuche, Einkäufe, gemeinsames Kochen und Stunden, in denen jemand einfach «nur» da ist.

Ursula Groteclaes erzählte von einem älteren Mann. Alle paar Wochen sollte jemand die Wäsche waschen und das Bett beziehen. Er sei bewusst gern allein gewesen und habe kein Bedürfnis nach Gesprächen gezeigt. Groteclaes hielt sich an die Vereinbarung. Nach einem halben Jahr begann er von seiner Familie, seinem Beruf und seinen Sorgen zu erzählen. Nähe war entstanden.

Eine hochbetagte Frau, fast hundert Jahre alt, kannte ihre Vergesslichkeit und schämte sich dafür. Fragen nach dem vergangenen Tag oder dem Mittagessen versetzten sie in Panik, weil sie die Antwort nicht wusste. Also stellte Groteclaes diese Fragen nicht mehr. Beide gingen denselben vertrauten Weg, besuchten bekannte Cafés und sprachen über frühere Jahre. Dort war vieles wach. Die Frau musste nicht vorgeführt bekommen, was ihr Gedächtnis verloren hatte. Mit ihr buk Groteclaes Kuchen. Namen und familiäre Zusammenhänge waren kaum noch abrufbar. Doch die Hände wussten, wie Teig gerührt und Äpfel geschält werden. Als der Kuchen aus dem Ofen kam, fragte die Frau, woher er stamme. Es gab keinen Grund, sie zu korrigieren. Entscheidend war, dass sie für eine Weile etwas tun konnte, das ihr vertraut war. Die Würde lag im Tun.

Solche Begegnungen zeigen, was im engen Takt eines normalen Pflegedienstes verloren geht. Der Mensch erscheint dort leicht als Summe seiner Defizite. Das HelferNetz-daheim setzt an Fähigkeiten, Gewohnheiten und Beziehungen an. Es ist organisierte Nähe – geschult, versichert und verlässlich.

Wochen im Daueradrenalin

Wie weit Deutschland von einer solchen Verlässlichkeit entfernt ist, zeigte der Bericht von Ingrid Brill aus St. Peter-Ording. Ihre Mutter erlitt im Alter von 89 Jahren eine Hirnblutung, wurde operiert und fiel ins Koma. Kaum war sie erwacht, begannen Diskussionen über künstliche Ernährung, PEG-Sonde und Rehabilitation, als handele es sich um eine junge Patientin mit absehbarer Erholung. Brill setzte später durch, dass die Sonde entfernt wurde, nachdem keine Besserung mehr zu erwarten war. Die Mutter lebte noch sechs Jahre in einem Heim.

Brill versuchte, Missstände über Beschwerden und Strafanzeigen verfolgen zu lassen. Verfahren endeten mit dem Hinweis, es bestehe kein öffentliches Interesse. Später pflegte sie ihren deutlich älteren Ehemann zu Hause. Das Haus wurde umgebaut, die Familie organisierte Tagespflege, Kurse und die Unterstützung der Kinder. Pflege bedeutete rund um die Uhr Verantwortung. Während der Corona-Zeit brachen Entlastungsmöglichkeiten zeitweise weg. Nach dem Tod ihres Mannes musste Brill erst selbst wieder zu Kräften kommen.

Dann stellte sie fest, dass es auf der Halbinsel keine Tagespflege mehr gab. Eine Einrichtung war verkauft worden, Brandschutzauflagen und wirtschaftliche Erwägungen führten zur Schließung. Manche Betroffene fanden Plätze im fünfzig Kilometer entfernten Husum. Andere blieben zu Hause. Im Gespräch mit Pflegediensten, Wohlfahrtsverbänden, Seniorenvertretungen und Kommunalpolitikern begegnete Brill überall demselben Muster. Alle sahen das Problem, doch niemand fühlte sich in der Lage, es zu lösen. Für Kinder werden Kitas, Krippen und Horte als kommunale Infrastruktur geplant, damit Familien leben und arbeiten können. Für alte Menschen fehlt vielerorts ein vergleichbares Selbstverständnis.

Den härtesten Einblick in den Alltag pflegender Angehöriger gab ein Brief von Elke Feit, die selbst nicht zur Tagung nach Leutesdorf kommen konnte. Ihr Vater war nach Komplikationen eines Krankenhausaufenthaltes mit einem Bauchdeckenkatheter nach Hause entlassen worden. Feit musste lernen, Sauerstoff zu geben, den Katheter zu spülen, Medikamente zu kontrollieren und die Ernährung zu organisieren. Zugleich stritt sie mit Klinik, Hausarzt, Pflegedienst, Pflegekasse und Medizinischem Dienst. Die Entlassung war zu früh erfolgt. Für das Krankenhaus war der Vater «kein Fall mehr». Für die Tochter begann der Fall erst.

«Eigentlich muss man als pflegende Angehörige Psychologin, Ärztin, Pflegekraft, Juristin, Kämpferin und Mensch sein. Wie soll das gehen?», schrieb Feit. Sie beschrieb die Müdigkeit nach Wochen im Daueradrenalin, das ständige Fordern, Prüfen, Lernen und Rechtfertigen. Sie wünsche sich keine weiteren Beratungsangebote, erklärte sie, sie brauche aktive Hilfe. Keine Bittstellerrolle und keine neuen Schleifen. Ihr letzter Satz fasste den Tag zusammen, «Ich wünsche mir, dass meine Angst, alt zu werden, nicht noch größer wird.»

Zurück in die Kommune

Aus diesen Geschichten ergab sich die politische Frage fast zwangsläufig. Adelheid von Stösser hält die deutsche Pflegeversicherung in ihrer gegenwärtigen Form für strukturell verfehlt. Zu bürokratisch, zu weit vom Alltag entfernt und zu stark auf die Verwaltung festgestellter Pflegebedürftigkeit sei sie ausgerichtet. Das System verteilt Leistungen über Pflegegrade, Kassen, Gutachten und Träger. Es schafft damit Ansprüche, aber noch kein verlässliches Netz. Angehörige bleiben trotz anerkannter Pflegebedürftigkeit oft die zentrale Versorgungsinstanz.

Von Stösser plädiert deshalb für einen grundlegenden Richtungswechsel. Langfristig hält sie die Abschaffung der Pflegeversicherung und eine steuerfinanzierte Versorgung in Verantwortung von Ländern und Kommunen für den konsequenten Weg. Pflege solle schrittweise dorthin zurückkehren, wo der konkrete Bedarf sichtbar wird. Sie verweist auf Dänemark und andere skandinavische Länder, in denen Städte und Gemeinden die Versorgung organisieren. Wer Hilfe benötigt, wendet sich an eine kommunale Stelle. Eine Fachkraft kommt ins Haus, ermittelt gemeinsam mit dem Betroffenen und der Familie den tatsächlichen Bedarf und erstellt einen Versorgungsplan. Ambulante Hilfe, Tagesbetreuung, Fahrdienste, Mahlzeiten, Kurzzeitpflege und stationäre Angebote gehören zu einem örtlichen Netz. Ein Heim wird erst dann notwendig, wenn andere Lösungen nicht mehr tragen.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Perspektive. Eine Kommune hat ein Interesse daran, dass ihre Bürger möglichst lange selbstständig bleiben und Angehörige nicht zusammenbrechen. Prävention, frühe Hilfe und soziale Einbindung sparen nicht nur Kosten. Sie verhindern, dass aus einer kleinen Einschränkung eine umfassende Pflegebedürftigkeit wird. Pflegefachkräfte müssten in einem solchen System weniger Zeit mit Abrechnung und Minutentakten verbringen. Ihre fachliche und soziale Kompetenz könnte wieder am Menschen ankommen.

Betroffene stoßen auf Wartelisten

Wie brandaktuell von Stössers Kritik ist, zeigt der aktuelle Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums zur Neuordnung der Pflegeversicherung. Vordergründig geht es – so das Ministerium – um Prävention und eine bessere Begleitung pflegebedürftiger Menschen. Tatsächlich soll zugleich der Zugang zu Leistungen erschwert werden. Die Punkteschwellen für die Pflegegrade 1 bis 3 würden steigen. Nach den Berechnungen, auf die sich das Ministerium selbst beruft, könnten allein dadurch bei Erstbegutachtungen knapp zwölf Prozent weniger Menschen als pflegebedürftig anerkannt werden. Zusammen mit Änderungen bei der Bewertung einzelner Fähigkeiten wären es etwa 22 Prozent. Auch Höherstufungen könnten seltener werden.

Besonders einschneidend wäre die Veränderung bei Pflegegrad 1. Der monatliche Entlastungsbetrag von 131 Euro, mit dem bisher anerkannte Hilfen im Haushalt, Betreuung oder Alltagsbegleitung bezahlt werden können, soll ab 2027 entfallen. An seine Stelle träte eine sogenannte «Pflegebegleitung». Sie soll den Bedarf feststellen, beraten, geeignete Angebote vermitteln und darauf achten, dass Empfehlungen zu Prävention und Rehabilitation umgesetzt werden. Menschen, die erstmals in Pflegegrad 2 oder 3 eingestuft werden, sollen zudem in den ersten drei Monaten nur die Hälfte des vorgesehenen Entlastungsbudgets erhalten.

Die Begründung des Ministeriums klingt zunächst schlüssig. Der Entlastungsbetrag werde von weniger als der Hälfte der Berechtigten genutzt und habe eine Verschlechterung der Pflegebedürftigkeit nicht ausreichend verhindert. Eine feste Ansprechperson könne früher erkennen, was fehlt, Angehörige entlasten und Hilfen besser koordinieren. Auch Sozialverbände halten eine solche Begleitung grundsätzlich für sinnvoll. Eine bessere Pflegeberatung ist jedoch nicht das Problem. Problematisch wird sie dort, wo sie eine praktische Leistung ersetzt. Der Verbraucherzentrale Bundesverband warnt, die neue Beratung könne die Lücke beim Pflegegrad 1 nicht schließen.

Denn aus der geringen Nutzung einer Leistung folgt noch nicht, dass sie überflüssig ist. Viele Betroffene finden keinen anerkannten Anbieter, stoßen auf Wartelisten oder wissen nicht, wie sie den Anspruch abrechnen können. Besonders in ländlichen Regionen fehlt es an Menschen, die regelmäßig ins Haus kommen, beim Einkauf helfen, einen Spaziergang ermöglichen oder Angehörige für einige Stunden ablösen. Die Bundesregierung löst damit ein Zugangs- und Angebotsproblem, indem sie den Anspruch streicht. Das ist ungefähr so, als würde man eine selten genutzte Buslinie abschaffen, ohne zu untersuchen, ob sie deshalb leer bleibt, weil sie nur zweimal am Tag fährt.

Rechtzeitig entlasten

Im Kreis Neuwied zeigt sich diese Trennung besonders deutlich. Dort gibt es Pflegestützpunkte und das rheinland-pfälzische Angebot «Gemeindeschwester plus». Die Fachkräfte beraten, führen präventive Gespräche und vermitteln vorhandene Hilfen. Sie übernehmen jedoch keine regelmäßige Alltagsbegleitung. Auch ambulante Pflegedienste sind in erster Linie für körperbezogene Pflege, medizinische Versorgung und Haushaltshilfe im vereinbarten Leistungsrahmen zuständig. Ein gemeinsamer Theaterbesuch, der Weg zum Fußball- oder Golfplatz oder einige Stunden Gesellschaft gehören meist nicht zu ihrem Alltag.

Genau diese Lücke schließt das Angebot «HelferNetz-daheim» der Pflegeethik-Initiative Deutschland. Die Helfer beraten nicht nur. Sie kommen ins Haus, verbringen Zeit mit den Menschen und verschaffen Angehörigen Freiraum. Sie werden durch den Verein geschult, versichert und können für ihre Tätigkeit eine Vergütung im Rahmen der Übungsleiterpauschale erhalten. Trotzdem finden sich nur begrenzt Menschen, die eine solche Aufgabe dauerhaft und verlässlich übernehmen. Denn Alltagsbegleitung ist mehr als eine gelegentliche Gefälligkeit. Sie verlangt Zeit, Verantwortung und die Bereitschaft, wiederzukommen.

Von Stössers Kritik richtet sich deshalb gegen einen grundlegenden Denkfehler. Der Staat formuliert einen finanziellen Anspruch, stellt jedoch kein flächendeckendes Angebot bereit. Vereine, Wohlfahrtsverbände oder engagierte Bürger müssen Helfer finden, schulen, versichern, Einsätze koordinieren und die Abrechnung organisieren. Fehlen solche Strukturen, bleibt der Anspruch ungenutzt. Seine geringe Nutzung wird anschließend als Beleg dafür angeführt, dass man ihn streichen könne.

Dass dabei auch ein Sparziel verfolgt wird, verschweigt der Entwurf nicht. Die veränderte Begutachtungssystematik soll die Pflegeversicherung bereits 2027 um 1,3 Milliarden Euro entlasten, bis 2030 werden 4,2 Milliarden Euro jährlich erwartet. Der Wegfall des Entlastungsbetrags bei Pflegegrad 1 soll weitere 400 bis 500 Millionen Euro einsparen. Nur ein Teil der bisherigen Mittel fließt in die neue Pflegebegleitung. Prävention und Ausgabenkürzung werden damit in derselben Maßnahme verbunden.

Von Stösser bestreitet nicht den Wert guter Beratung. Sie bezweifelt, dass ein Gespräch jene Hilfe ersetzen kann, die Pflegebedürftige und Angehörige im Alltag tatsächlich benötigen. Prävention beginnt für sie nicht mit einer weiteren Verwaltung der Zuständigkeit. Sie beginnt dort, wo jemand kommt und rechtzeitig entlastet. Das «HelferNetz-daheim» zeigt im Kleinen, wie eine solche Hilfe aussehen kann. Zugleich macht es sichtbar, was dem Pflegesystem fehlt. Die öffentliche Gewähr, dass aus einem gesetzlichen Anspruch auch ein erreichbares Angebot wird.

Eine andere Pflegekultur

Der Umbau muss nicht mit einem bundesweiten Großgesetz beginnen. Gemeinden könnten zunächst den tatsächlichen Bedarf erheben. Sie wissen, wie viele ältere Menschen vor Ort leben, verschicken Geburtstagsgrüße und Seniorenkalender. Sie könnten auch fragen, wer allein ist, wer einen Angehörigen pflegt, wo Tagespflege fehlt und an welcher Stelle wenige Stunden Entlastung eine Krise verhindern würden. Hausbesuche, Gespräche und lokale Pflegekonferenzen lieferten ein genaueres Bild als allgemeine Prognosen. Tagespflege könnte als kommunale Aufgabe verstanden werden, ähnlich selbstverständlich wie eine Kita. Bürgergenossenschaften könnten örtliche Pflegezentren, Demenz-Wohngemeinschaften und Begegnungsräume finanzieren. Entscheidend wäre, dass die Infrastruktur nicht bei jedem Betreiberwechsel oder Renditeproblem verschwindet.

Dahinter steht das Subsidiaritätsprinzip. Was eine Familie leisten kann, soll sie leisten können, jedoch ohne daran zu zerbrechen. Wo ihre Kräfte oder Möglichkeiten nicht reichen, ist die Gemeinde gefordert. Danach folgen Kreis und Land. Die gegenwärtige Pflege dreht dieses Verhältnis um. Entscheidungen werden weit entfernt getroffen, während die konkrete Verantwortung vor Ort liegen bleibt.

Die Angst vor dem Altwerden entsteht selten allein aus der Aussicht auf den Tod. Sie wächst aus dem Wissen, wie das Leben davor aussehen kann. Abhängig von überlasteten Diensten, wechselnden Bezugspersonen, anonymen Entscheidungen und Angehörigen, die für jede Entlastung kämpfen müssen. Entscheidend ist, ob Menschen in ihrem vertrauten Umfeld weiterhin am Leben teilhaben können.

Das «HelferNetz-daheim» im Kreis Neuwied zeigt, wie eine Antwort aussehen kann. Seine Bedeutung liegt nicht allein in den einzelnen Einsätzen. Das Projekt führt vor, was auch andernorts fehlt, eine verlässliche Verbindung zwischen professioneller Pflege, familiärer Verantwortung und dem Leben außerhalb der eigenen Wohnung. Ein Spaziergang, ein Theaterabend oder einige Stunden Gesellschaft erscheinen im Leistungssystem nebensächlich. Für einen pflegebedürftigen Menschen können sie den Unterschied zwischen Teilhabe und zunehmender Isolation bedeuten.

Das Beispiel ist regional, das Konzept dahinter reicht viel weiter. Überall, wo ältere Menschen zu Hause leben möchten, braucht es Personen und Strukturen, die zwischen medizinischer Versorgung und privater Aufopferung jene Lücke schließen, in der Alltag überhaupt erst möglich bleibt. Eine andere Pflegekultur beginnt deshalb nicht erst mit dem nächsten Reformgesetz. Sie beginnt dort, wo Gemeinden, Vereine und Bürger Verantwortung so organisieren, dass Hilfe nicht nur bewilligt wird, sondern tatsächlich ankommt.

Quellen und Anmerkungen: (abgerufen am 24.Juli 2026)

1.) Pflegeethik-Initiative Deutschland e.V.: Bericht zur 20.Jahrestagung in Leutesdorf: https://pflegeethik-initiative.de/2025/11/23/was-am-ende-zaehlt/
2.) Pflegeethik-Initiative Deutschland e.V.: Verein, Sitz und Arbeitsfelder: https://pflegeethik-initiative.de/
3.) Vorstand: Funktionen und beruflicher Hintergrund von Adelheid von Stösser, Dr. Fee Friese und Andrea Otten: https://pflegeethik-initiative.de/vorstand/
4.) Vereinsgeschichte: Umbenennung des Pflege-Selbsthilfeverbands zum 18. Januar 2018: https://pflegeethik-initiative.de/ueber-uns/
5.) Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen: https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/service/publikationen/charta-der-rechte-hilfe-und-pflegebeduerftiger-menschen-77446
6.) Charta, vollständige Fassung: https://www.bmbfsfj.bund.de/resource/blob/93450/be474bfdb4016bbbca9bf87b4cb9264b/charta-der-rechte-hilfe-und-pflegebeduerftiger-menschen-data.pdf
7.) Pflege-Selbsthilfeverband: Historisches Projekt „Auszeichnung menschenwürdige Pflege“: https://www.heimauszeichnung.de/
8.) Pflege-Selbsthilfeverband: Kritik am früheren System der Pflegenoten: https://www.pflege-shv.de/index.php?page=pflegenoten
9.) Bayern: Gesetzlicher Mindestpersonaleinsatz im Nachtdienst, § 19 Abs. 5 AVPfleWoqG: https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayAVPfleWoqG-19
10.) Baden-Württemberg: Mindestbesetzung im Nachtdienst, § 10 LPersVO: https://www.landesrecht-bw.de/bsbw/document/jlr-NNLBW00007CCCNN00000000022
11.) Pflegeethik-Initiative: Nachtdienst und personelle Unterbesetzung aus Sicht des Vereins: https://pflegeethik-initiative.de/initiativen/
12.) Bürgerliches Gesetzbuch: Bestellung eines Betreuers nur bei Erforderlichkeit und nicht gegen den freien Willen: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1814.html
13.) Bürgerliches Gesetzbuch: Vorrang der Wünsche und unterstützte Entscheidungsfindung, § 1821 BGB: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1821.html
14.) Pflegeethik-Initiative: Betreuungswillkür und Erfahrungen im Pflegebereich: https://pflegeethik-initiative.de/category/initiativen/
15.) HelferNetz-daheim: Aufgaben, Zielgruppe und Einsatzgebiet Kreis Neuwied: https://pflegeethik-initiative.de/2024/02/07/haeusliche-pflege-auf-mehrere-schultern-verteilen/
16.) Bundesfinanzministerium: Steuerliche Voraussetzungen der Übungsleiterpauschale bei Betreuung und Pflege: https://esth.bundesfinanzministerium.de/lsth/2024/A-Einkommensteuergesetz/II-Einkommen/2-Steuerfreie-Einnahmen/Paragraf-3-Druck/r-3-26.html
17.) Dänemark: Kommunale Zuständigkeit für Altenpflege, häusliche Pflege und Rehabilitation: https://lifeindenmark.borger.dk/healthcare/the-danish-healthcare-system/how-the-danish-healthcare-system-works
18.) Dänemark: Individuelle Bedarfsprüfung und kommunaler Versorgungsplan: https://lifeindenmark.borger.dk/healthcare/the-danish-healthcare-system/holistic-care
19.) Dänemark: Kommunale Prüfung des Bedarfs an betreutem Wohnen oder einem Pflegeheimplatz:
https://lifeindenmark.borger.dk/healthcare/nursing-homes-and-elder-care/nursing-homes
20.) Pflegeethik-Initiative: Adelheid von Stössers Stellungnahme zum Pflegereformvorhaben 2026: https://pflegeethik-initiative.de/2026/06/10/pflegereform-2026-weiter-in-die-falsche-richtung/
21.) Bundesgesundheitsministerium: Geltender Entlastungsbetrag von bis zu 131 Euro monatlich: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/pflege-zu-hause/weitere-leistungen-und-angebote-zur-unterstuetzung-im-alltag
22.) Bundesgesundheitsministerium: Übersichtsseite zum Pflegeneuordnungsgesetz; derzeit laufendes Verfahren: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/gesetze-und-verordnungen/detail/pflegeneuordnungsgesetz-pnog
23.) Bundesgesundheitsministerium: Referentenentwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes vom 5. Juni 2026; Schwellenwerte, Pflegegrade und Pflegebegleitung: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/Gesetze_und_Verordnungen/GuV/P/RefE-Pflegeneuordnungsgesetz_PNOG.pdf
24.) Bundesgesundheitsministerium: Erläuterung der einzelnen Maßnahmen und Finanzwirkungen: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/P/PNOG/PNOG_Erlaeuterung_Massnahmen.pdf
25.) Bund-Länder-Arbeitsgruppen: Fachliche Eckpunkte und Begründung der Neuausrichtung: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/Z/Zukunftspakt_Pflege/20251211_Papier_der_Fachebenen.pdf
26.) Bundesgesundheitsministerium: Fragen und Antworten zum Entlastungsbetrag und zur geplanten Pflegebegleitung: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/gesetze-und-verordnungen/guv-21-lp/pnog
27.) Verbraucherzentrale Bundesverband: Stellungnahme zum Referentenentwurf; Kritik an fehlenden Angeboten und der Kürzung bei Pflegegrad 1: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/Gesetze_und_Verordnungen/Stellungnahmen_WP21/Pflegeneuordnungsgesetz_-_PNOG/vzbv_Stellungnahme_PNOG_bf.pdf
28.) Landkreis Neuwied: Gemeindeschwesterplus; Beratung und Vermittlung, keine pflegerischen Tätigkeiten: https://www.kreis-neuwied.de/leben-im-landkreis/soziales/angebote-zur-pflege/gemeindeschwesterplus/2026-gs-flyer-drei-fk-pr-mit-impressum.pdf?cid=9uv
29.) Landkreis Neuwied: Pflegestützpunkte, Gemeindeschwesterplus und anerkannte Alltagsangebote: https://www.kreis-neuwied.de/leben-im-landkreis/soziales/angebote-zur-pflege/uebersicht-pflegeangebote/stadt-neuwied/
30.) Deutscher Bundestag: Regulärer Weg eines Regierungsentwurfs und drei parlamentarische Lesungen: https://www.bundestag.de/parlament/aufgaben/gesetzgebung_neu/gesetzgebung/weg-255468
31.) Bundesrat: Fristen im Gesetzgebungsverfahren; regulär sechs Wochen, in besonderen Fällen drei oder neun Wochen: https://www.bundesrat.de/DE/aufgaben/gesetzgebung/verfahren/verfahren-node.html
32.) Deutscher Bundestag: Sitzungswochen 2026; mögliche Zeitfenster, keine PNOG-Terminierung: https://www.bundestag.de/parlament/plenum/sitzungskalender/bt2026-1084980
33.) AOK: Fortlaufende Übersicht zum Verfahrensstand des Pflegeneuordnungsgesetzes: https://www.aok.de/pp/gesetz/pnog/

Das Bundesgesundheitsministerium veröffentlicht weiterhin nur den Referentenentwurf. Ein Kabinettsbeschluss sowie verbindliche Termine für die erste, zweite oder dritte Lesung sind noch nicht ausgewiesen. Verbindliche Termine für die parlamentarische Beratung des Pflegeneuordnungsgesetzes stehen bislang nicht fest.

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«Keine gewöhnliche Geschichte über Blutgerinnsel»

15. September 2026 - 0:06

Seit 2021 berichten Bestatter von ungewöhnlichen Strukturen in Blutgefäßen, bei denen der Verdacht besteht, dass sie durch die COVID-«Impfungen» verursacht wurden. Eine Anfang Juli veröffentlichte Studie dokumentiert das Phänomen (wir berichteten). Dabei wurden 808 Einbalsamierer in den USA nach solchen ungewöhnlichen Blutgerinnseln befragt. 75 Prozent von ihnen beobachteten zwischen 2022 und 2025 weiße Faserklumpen in Leichen. Der Anteil der Leichen, bei denen sie diese sahen, lag zwischen 19 und 27 Prozent.

In einer weiteren Studie, die ebenfalls im Juli publiziert wurde fanden die Forscher Hinweise darauf, dass es sich bei diesen Strukturen nicht einfach um gewöhnliche Blutgerinnsel handelt, sondern um abnormale Proteinaggregate, die mit der Zeit zunehmend organisierter und kompakter werden.

An beiden Arbeiten war Daniel Santiago, Pharmakologe aus Florida, beteiligt. An der zweiten Studie nahm auch der australische organische Chemiker Greg Harrison teil. Beide wurden nun vom medizinischen Kommentator John Campbell interviewt.

Wie The Defender berichtet, erklärten die beiden Forscher, dass weitere Untersuchungen erforderlich seien, um festzustellen, um welche Strukturen es sich handelt – und warum sich so wenige Pathologen damit befassen. «Ich möchte nicht, dass dies mit der Zeit als etwas Normales angesehen wird», sagte Santiago. Das sei «keine gewöhnliche Geschichte über Blutgerinnsel».

Den Experten zufolge unterscheiden sich diese Gerinnsel von normalen Blutgerinnseln aufgrund ihrer weißen, langen und gummiartigen Struktur. Sie wurden als «fibrinöse Abdrücke» (fibrous casts) bezeichnet, da sie schwer zu zerreißen seien und teilweise die Form der Blutgefäße beibehalten, in denen sie sich gebildet haben.

Harrison erklärte, dass die Gerinnsel gedehnt werden können und sogar das Gewicht einer Pinzette tragen. Er beschrieb sie eher wie künstlich hergestellten Kunststoff oder Gummi, «den der Körper erzeugt hat», als wie gewöhnliche Blutgerinnsel. Zudem würden die Strukturen den normalen Mechanismen des Körpers zum Abbau von Gerinnseln widerstehen.

Wie The Defender feststellt, fanden die Wissenschaftler Hunderte verschiedener Proteine in den Strukturen, darunter große Mengen an Fibrinogen – ein Protein, das an der normalen Blutgerinnung beteiligt ist. Sie fanden auch Hinweise darauf, dass einige der Proteine eine ungewöhnliche, fehlgefaltete Form aufweisen, die sie als «amyloid-ähnlich» beschrieben.

Amyloid sei eine Art abnormaler Proteinanlagerung, die mit mehreren Krankheiten in Verbindung gebracht wird, darunter Alzheimer. Harrison betonte jedoch, dass die Forscher nicht behaupten, definitiv bewiesen zu haben, dass die Strukturen Amyloid enthielten. In der Studie heiße es ausdrücklich, dass sie «amyloid-ähnlich» sind, betonte er. Laut den Forschern ist diese Unterscheidung wichtig, da sie damit beschreiben, wie die Proteine aussehen, und nicht festlegen, was sie exakt sind oder welche Rolle sie spielen.

Santiago merkte an, dass abnormale Veränderungen von Proteinen schwerwiegende Folgen haben können, da Proteine viele der essenziellen Funktionen des Körpers ausführen. Er stellte klar:

«Diese Proteine sind die Arbeitspferde des Körpers, und wenn mit diesen Proteinen etwas passiert, führt das zu einem Krankheitszustand.»

Die Wissenschaftler gaben auch an, dass sich die Strukturen offenbar sehr viel schneller bilden als die typischen Amyloid-Ablagerungen bei Krankheiten wie Alzheimer. Harrison bezeichnete dies als einen der besorgniserregendsten Aspekte der Ergebnisse. So dauere es Jahre, bis sich im Gehirn so viel Plaque angesammelt hat, dass es sich als Alzheimer manifestiert. Die weißen Gerinnsel treten hingegen «in großen Mengen auf».

Einige der Strukturen sind offenbar bemerkenswert groß. Campbell beschrieb Abdrücke, die groß genug gewesen seien, um die Aorta – die größte Schlagader des Körpers – vollständig zu blockieren. Er ergänzte:

«Und wenn man seine gesamte Aorta blockiert, werden die Beine ziemlich schnell schwarz. Für mich klang das also so, als müssten sie sich nach dem Tod bilden.»

Harrison bot eine andere Erklärung an. Er sagte, die Strukturen könnten als viel kleinere Gerinnsel oder Ablagerungen beginnen, die sich an beschädigten Stellen der Blutgefäße festsetzen und allmählich wachsen. Schließlich würden sie das Gefäß vollständig verschließen, sobald sie eine bestimmte Größe erreichen. Es könne aber Jahre dauern, bis dieser Zustand tatsächlich erreicht sei.

Die Forscher wissen noch nicht, wie schnell die Strukturen wachsen, warum einige wachsen und andere nicht, oder was bestimmt, wo sie sich bilden. Campbell brachte eine weitere Möglichkeit ins Spiel: dass viele Menschen kleinere Mikrogerinnsel entwickeln könnten, die noch nicht zu den großen Strukturen herangewachsen sind, welche von den Einbalsamierern gesehen werden könnten. Laut Harrison ist das der beängstigende Teil. Deshalb müsse das untersucht werden.

Die Wissenschaftler haben mindestens einen historischen Präzedenzfall für ungewöhnliche weiße, gummiartige Gerinnsel gefunden. Harrison identifizierte Berichte aus den Jahren 1988 bis 1992, die ein «White Clot Syndrome» (Weißes-Gerinnsel-Syndrom) beschreiben, das mit hochmolekularem Heparin in Verbindung gebracht wurde – einem Medikament zur Vorbeugung oder Behandlung von Blutgerinnseln. Krankenhäuser stiegen daraufhin auf niedermolekulares Heparin um.

Nach eigenen Angaben haben die Forscher seitdem keine weiteren vergleichbaren Dokumentationen über die weißen, faserigen Strukturen gefunden. Santiago sagte, die neuen Erkenntnisse könnten «eine neue Pathologie darstellen». Auch wenn solche Strukturen schon zuvor beobachtet worden seien, seien die jetzt gemeldeten Strukturen ungewöhnlich genug – und potenziell weit genug verbreitet –, um weitere Untersuchungen zu rechtfertigen.

Unklar bleibt laut den Wissenschaftlern die Häufigkeit dieser Gerinnsel in der Allgemeinbevölkerung. Campbell zitierte die anfangs erwähnte Studie, in der sie laut 808 Einbalsamierern in 19 bis 27 Prozent der Leichen vorkommen. Laut Harrison haben einige Einbalsamierer kürzlich berichtet, die Strukturen in bis zu 80 Prozent der Leichen zu sehen. Andere würden ihren Anteil auf 30 bis 40 Prozent schätzen.

Was könnte die Ursache sein?

Der zeitliche Ablauf des Phänomens bringt die COVID-«Impfstoffe» und SARS-CoV-2 selbst als Ursachen ins Spiel. Die Forscher nehmen nicht für sich in Anspruch, einen Zusammenhang zwischen den Injektionen und den weißen Gerinnseln nachgewiesen zu haben. Harrison warnte ausdrücklich davor, voreilig den Impfstoffen oder dem Spike-Protein die Schuld zu geben. Er stellte klar:

«Wir zeigen nicht mit dem Finger auf die Impfstoffe und wir zeigen sicherlich nicht mit dem Finger auf das Spike-Protein an sich. Aber was wir sagen, ist, dass es mit dem Virus selbst zusammenzuhängen scheint. Wir müssen hier sehr vorsichtig sein, weil wir uns im Rahmen der gesicherten Erkenntnisse bewegen wollen.»

Harrison zufolge deutet einiges darauf hin, dass SARS-CoV-2 selbst zur Bildung amyloid-ähnlicher Mikrogerinnsel beitragen könnte. Er verwies auf Ergebnisse, die zeigten, dass diese abnormalen, klebrigen Mikrogerinnsel bei einer lebenden Person gefunden wurden, die zuvor «mit COVID-19 infiziert war» – also ein positives SARS-CoV-2-Testresultat hatte –, aber keine Injektion gegen «COVID» erhalten hatte. Campbell warf die Möglichkeit auf, dass «Impfung» und Infektion einen kombinierten Effekt haben könnten.

Warum werden die Gerinnsel nicht näher untersucht?

Sowohl Santiago als auch Harrison erklärten, dass sie darum kämpfen mussten, Finanzierung und wissenschaftliche Unterstützung für ihre Arbeit zu erhalten. Sie hätten einen Großteil der Forschung selbst bezahlt, und bislang hätten sich wissenschaftliche Fachzeitschriften geweigert, ihre Ergebnisse zu prüfen oder zu veröffentlichen.

«Wir haben versucht, dies bei einem Pathologie-Journal einzureichen, und wir haben keine Antwort erhalten», so Santiago.

Harrison ergänzte, dass sich die Autoren somit an eine «etwas unterklassigere Zeitschrift wenden» mussten, um die Studie zu veröffentlichen.

Zudem berichtete er von einem Einbalsamierer, der anbot, Proben zur Verfügung zu stellen, aber nicht mehr reagierte, als die Forscher ein Treffen vereinbaren wollten. Campbell hat Ähnliches erlebt, was darauf hindeute, dass «einigen Leuten offenbar gesagt wurde, sie sollten den Mund halten». Er fügte hinzu:

«Es klingt, als gäbe es eine konzertierte Opposition gegen die Erforschung dieses Themas.»

Campbell hinterfragte auch, warum nicht mehr Gerichtsmediziner und Pathologen die Strukturen untersuchen:

«Warum laufen Pathologen auf der ganzen Welt nicht Sturm? Das Schweigen in der Fachwelt der Pathologie ist geradezu ohrenbetäubend.»

Die Wissenschaftler fordern somit Pathologen, Universitäten und Regierungsbehörden auf, die Gerinnsel unabhängig zu sammeln und zu untersuchen. Harrison konstatierte:

«Es ist eine sehr einfache Sache, mit der Erforschung der zusammensetzungsmäßigen Natur dieses Materials zu beginnen. Wenn man dem logisch folgt (...), wird man zum selben Schluss kommen wie wir. Es ist unausweichlich.»

Gemäß Campbell sollten Behörden wie die US-Gesundheitsbehörde CDC, die Arzneimittelbehörde FDA und die australische Therapeutic Goods Administration diese Strukturen untersuchen. Es sei «eine absolute internationale Schande, dass das nicht getan wird».

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Daten-Leak bei Revolut zeigt die Kosten der permanenten ID-Erfassung

15. September 2026 - 0:04

Auf eine gefälschte E-Mail hin hat die britische Online-Bank Revolut sensible Kundendaten an unbefugte Dritte herausgegeben. Wie das Unternehmen am Freitag bestätigte, hielt man das betrügerische Auskunftsersuchen für echt, da es von einer legitimen Mail-Domain einer Regierungsbehörde gekommen sei und mehrere technische Authentifizierungsprüfungen bestanden habe.

Die offengelegten Daten hätten Identitäts-, Kontakt- und Geschäftsdaten von Kunden umfasst. Das gehe aus einer Benachrichtigung hervor, die Revolut an betroffene Kunden gesandt habe, erklärt TechCrunch. Demnach seien in dem Leak Name, Geburtsdatum, Telefonnummern, Post- und E-Mail-Adressen sowie Kopien von amtlichen Ausweisdokumenten wie Reisepässen und Führerscheinen enthalten gewesen. Außerdem könnten auch Verifizierungs-Selfies, Kontoauszüge und Transaktionslisten (einschließlich Bitcoin) weitergeleitet worden sein. Geld sei nicht gestohlen worden.

Laut einem Sprecher von Revolut sei von dem «raffinierten externen Identitätsbetrug» eine begrenzte Anzahl von Kunden betroffen, so TechCrunch. Das Fintech-Unternehmen habe jedoch weder die genaue Anzahl der Geschädigten bekanntgegeben, noch die Frage beantwortet, ob der Vorfall auf einen bestimmten Markt beschränkt war. Auch die beteiligte Regierungsbehörde sei nicht genannt worden.

Bereits 2022 waren bei einem Hackerangriff auf Revolut sensible Daten von mehreren Tausend Kunden gestohlen worden. Der Grund, warum dies ein wiederkehrendes Problem ist, liegt für Reclaim The Net darin, dass Unternehmen hochsensible Informationen über die Identität und Transaktionen ihrer Kunden über einen langen Zeitraum speichern. Diese Daten könnten dann Dritten zugänglich gemacht werden – entweder aufgrund berechtigter oder eben aufgrund gefälschter Anfragen.

Das größere Problem sei daher die wachsende Zahl von Unternehmen, die dazu angehalten oder verpflichtet werden, Kopien unserer sensibelsten Dokumente aufzubewahren, so das Portal. Anlass dafür seien oft die Vorschriften zur Kundenidentifizierung (KYC) und zur angeblichen Bekämpfung der Geldwäsche (AML).

Der Vorfall bei Revolut habe sich zwar im Finanzsektor ereignet, sei aber bei Weitem nicht der einzige, bei dem Kunden heikle Identitätsdaten preisgeben mussten. Beispielsweise habe der Chatdienst Discord im Oktober 2025 bekanntgegeben, dass die Ausweisfotos von rund 70.000 Nutzern möglicherweise offengelegt wurden, nachdem ein externer Kundenservice-Anbieter gehackt worden war.

Obwohl das eine ganz andere Art von Angriff gewesen sei, habe er zu einem ähnlichen Ergebnis geführt, da der zugrunde liegende Geschäftsprozess derselbe gewesen sei: das Anfordern und Speichern sensibler Ausweisdokumente. Im Fall von Discord seien diese zur Prüfung des Alters verwendet worden.

Die kriminelle Verwendung einer Kopie des Reisepasses, eines Gesichtsfotos, einer Wohnadresse oder einer Transaktionshistorie lasse sich im Zweifel kaum verhindern, warnt Reclaim The Net. Diese Daten könnten zur Identifizierung und Profilerstellung einer Person sowie für gezielten Betrug missbraucht werden.

Je mehr Unternehmen gezwungen seien, solche Informationen zu sammeln und zu speichern, desto größer sei das Risiko eines Datenlecks – sei es durch das Unternehmen selbst oder durch Partner. Genau deshalb sei das Drängen der Regierungen auf mehr Identitäts- und Alterskontrollen, selbst für den Zugang zu alltäglichen Lebensbereichen, so leichtsinnig.

Unterdessen ist oft genug auch die öffentliche Verwaltung das Ziel derartiger Attacken. Hier gibt es ebenfalls immer mehr wertvolle und sehr private Daten über Personen und ihre Lebensumstände zu ergattern. Schwachstellen in digitalen Systemen zu finden und auszunutzen, ist heute nicht mehr extrem schwierig (wir berichteten hier und hier).

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Deutschland: Fast jeder dritte Freiwillige nicht fit genug für Wehrdienst

15. September 2026 - 0:03

Viele der Freiwilligen für den neuen Wehrdienst bei der Bundeswehr sind körperlich nicht geeignet. Laut einer internen Statistik des Verteidigungsministeriums wurden im zweiten Quartal dieses Jahres bei ärztlichen Untersuchungen gut 31 Prozent der Interessenten als wehrdienstunfähig ausgemustert.

Insgesamt hat die Bundeswehr von April bis Ende Juni knapp 170.000 junge Menschen angeschrieben und aufgefordert, online einen Fragebogen über ihr Interesse an der Bundeswehr auszufüllen. Während das für Männer verpflichtend war, konnten Frauen das Ersuchen ablehnen.

Die Zahlen der Ausmusterungen sind für die Bundeswehr und das Verteidigungsministerium ein Dämpfer. Ressortleiter Boris Pistorius von der SPD war ursprünglich davon ausgegangen, dass sich hauptsächlich körperlich fitte Bewerber freiwillig melden würden, zumal die Bundeswehr im Zuge der Rekrutierung die Musterungen deutlich vereinfachte, um die Truppe möglichst schnell aufzustocken.

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Die USA bombardieren Somalia – zum 81. Mal in diesem Jahr

15. September 2026 - 0:01

Das Afrika-Kommando der US-Streitkräfte (AFRICOM) gab am Freitag bekannt, dass seine Einheiten einen weiteren Luftangriff in Somalia durchgeführt haben. Somit setzt die Regierung von Donald Trump ihre rekordverdächtige Bombardierungskampagne in dem Land fort, über die in den Medien so gut wie nicht berichtet wird.

AFRICOM teilte mit, der Angriff sei am 8. September durchgeführt worden und habe sich gegen die islamistische Terrororganisation al-Shabaab in der Nähe von Quumbi gerichtet, einem Dorf etwa 50 Meilen nordöstlich der südlichen Hafenstadt Kismayo.

Antiwar.com stellt fest, dass AFRICOM wie üblich keine weiteren Einzelheiten zu dem Angriff bekanntgab. Es habe auch keine Erklärungen von den von den USA unterstützten Streitkräften zu militärischen Operationen in dem Gebiet an diesem Tag gegeben. «Konkrete Details zu Einheiten und Einsatzmitteln werden nicht veröffentlicht, um die Sicherheit der laufenden Operationen zu gewährleisten», erklärte AFRICOM.

Nach Angaben von AFRICOM erhöht sich durch diesen Angriff die Gesamtzahl der US-Luftangriffe in Somalia im laufenden Jahr auf 81. Das sind bereits mehr Angriffe als in jedem Jahr vor 2025 – jenem Rekordjahr, in dem Präsident Trump 124 AFRICOM-Luftangriffe anordnen ließ und damit den Höchststand von 63 aus seiner ersten Amtszeit im Jahr 2019 weit übertraf.

Laut Antiwar.com führen die USA zudem einen Luftkrieg gegen eine ISIS-nahe Gruppe in der nordöstlichen Region Puntland in Somalia. Zudem berichtete Drop Site News kürzlich, dass am 3. September ein US-Luftangriff in der Region durchgeführt wurde, obwohl dieser von AFRICOM nicht bestätigt wurde. Das deutet Antiwar.com zufolge darauf hin, dass nicht jeder US-Angriff bekanntgegeben wird.

Nach Angaben von New America, einer Organisation, die den Luftkrieg verfolgt und auch Luftangriffe erfasst, die zwar gemeldet, aber nicht von den USA beansprucht werden, würde der Angriff vom 8. September die Gesamtzahl der US-Luftangriffe in Somalia in diesem Jahr auf 83 erhöhen. Antiwar.com erklärt:

«Die USA sind seit Jahrzehnten in Somalia engagiert und bekämpfen al-Shabaab, seit die Regierung unter George W. Bush 2006 eine äthiopische Invasion unterstützte, durch die die Union islamischer Gerichte gestürzt wurde – eine muslimische Koalition, die kurzzeitig die Macht in Mogadischu innehatte, nachdem sie die Stadt von CIA-unterstützten Warlords erobert hatte.»

Das Portal erläutert, dass al-Shabaab der radikale Ableger der Union islamischer Gerichte war. Ihr erster dokumentierter Anschlag sei ein Selbstmordattentat im Jahr 2007 gewesen, das sich gegen die in Mogadischu stationierten äthiopischen Truppen richtete. Erst 2012 habe die Gruppe al-Qaida die Treue geschworen. Die ISIS-Zweigstelle in Puntland sei als Ableger von al-Shabaab entstanden und erstmals 2015 in Erscheinung getreten.

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Reservistenverband will wegen AfD Operationsplan Deutschland aus Sachsen-Anhalt zurückholen

14. September 2026 - 15:16

Der Reservistenverband der Bundeswehr will den Operationsplan Deutschland aus der Staatskanzlei von Sachsen-Anhalt zurückholen. Begründet wird dies mit einer möglichen Regierungsübernahme durch die AfD. Diese sei eine Gefahr für das Land, sagte der Verbandsleiter Bastian Ernst, der zugleich für die CDU im Bundestag sitzt.

Nach seinen Worten wird die AfD in Sachsen-Anhalt angeblich mit «ziemlicher Sicherheit» den Operationsplan Deutschland und weitere relevante Informationen an Russland weiterleiten.

Als Alternative zur Rückholung des Plans schlug Ernst vor, diesen «grundsätzlich im Verteidigungsministerium zu deponieren». Dann könnten ihn Personen oder Institutionen nur nach vorheriger Genehmigung einsehen, so der CDU-Politiker. Der mehr als 1.000 Seiten umfassende Operationsplan Deutschland liegt bei allen 16 Landesregierungen.

Das streng geheime Dokument enthält die zentralen Vorkehrungen für die Landes- und Bündnisverteidigung im Ernstfall und umfasst auch vorgesehene Nato-Bewegungen in Europa.

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Israel will Preisträgern von Venedig Staatsbürgerschaft entziehen

14. September 2026 - 15:15

Die israelische Regierung will gegen die Regisseure Rachel Szor und Yuval Abraham vorgehen. Diese hatten beim Filmfestival von Venedig die Gaza-Dokumentation «Naza» präsentiert. Darin berichten israelische Militärvertreter und Geheimdienstler anonym, wie die israelische Armee im Gazastreifen palästinensische Zivilisten tötete. Die Dokumentation erhielt den Spezialpreis der Jury und wurde bei ihrer Premiere mit 25 Minuten andauernden stehenden Ovationen gefeiert (wir berichteten).

Der israelische Kulturminister Miki Zohar reagierte mit dem Vorwurf des Staatsverrats und kündigte an, den beiden Regisseuren die israelische Staatsbürgerschaft zu entziehen. Die Filmemacher seien bereit, «ihrem Heimatland zu schaden, um Beifall von Antisemiten auf der ganzen Welt zu erhalten», schrieb Zohar auf der Plattform X. Er werde daher unverzüglich Maßnahmen ergreifen.

Noch schärfer griff Israels Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir die beiden Filmemacher an: «Ihr seid eine Schande und eine Blamage für das gesamte israelische Volk», schrieb er ebenfalls auf X und forderte sie auf, zu «verschwinden».

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60.000 Namen von palästinensischen Todesopfern auf dem Bundesplatz

14. September 2026 - 9:54

Anfang August wurde am Locarno Film Festival ein 60 Meter langes Banner mit den Namen von 60.000 im Gazastreifen getöteten Palästinensern entrollt (wir berichteten). Zu Beginn der Herbstsession des Parlaments in Bern ist für heute, den 14. September, dieselbe Aktion auf dem Bundesplatz geplant. Die Namen sind nur ein Teil der bestätigten Opfer seit Oktober 2023.

Die Aktion wird vom Verein Swiss Healthcare Workers Against Genocide (SHWAG) organisiert, der auch in Locarno beteiligt war und bereits im September 2025 einen Hungerstreik vor dem Schweizer Parlament organisiert hatte.

Wie SHWAG mitteilt, zielt die Veranstaltung darauf ab, den Opfern – von denen die überwiegende Mehrheit Zivilisten sind, darunter Beschäftigte im Gesundheitswesen und in den Medien – ein Gesicht und eine Stimme zu geben. Es handle sich um einen der schwerwiegendsten Verstöße gegen das Völkerrecht unserer Zeit, dessen Normalisierung wir uns verweigern müssten.

Die Forderungen an die Regierung stammen demnach aus dem Appell an den Bundesrat, der am 18. Juni von Alt-Bundesrätin Ruth Dreifuss in Bern übergeben und von 600 namhaften Persönlichkeiten der Zivilgesellschaft unterzeichnet wurde. Diese lauten:

  1. Die Grenzen von Gaza zu öffnen: Von Israels politischer und militärischer Führung zu fordern, die Grenzen von Gaza zu öffnen, um die Einfuhr von Hilfsgütern zu ermöglichen, die für das Überleben und die Gesundheit der Bevölkerung unerlässlich sind, sowie für unabhängige Medien.

  2. Zivile Opfer in der Schweiz aufzunehmen und zu behandeln: Die Aufnahme und medizinische Versorgung einer neuen Gruppe ziviler Opfer aus Gaza in der Schweiz zu organisieren und zu koordinieren, insbesondere von schwer verletzten oder kranken Frauen und Kindern, wie dies bereits Ende 2025 geschehen ist.

  3. Sanktionen anzukündigen, falls die Verletzungen anhalten : Zu erklären, dass die israelische Regierung – sollte sie Praktiken, die das humanitäre Völkerrecht in Gaza und den besetzten palästinensischen Gebieten verletzen, nicht beenden – Sanktionen unterworfen wird, die sich gegen die an der Umsetzung dieser Politik beteiligten Personen, Unternehmen und Institutionen richten. Dies steht im Einklang mit der Verpflichtung der Schweiz als Vertragsstaat, die Einhaltung der Genfer Konventionen zu gewährleisten (Gemeinsamer Artikel 1).

SHWAG ergänzt, dass die Initiative auch aus der Beobachtung resultiert, dass einige Schweizer Medien «einer humanitären und rechtlichen Tragödie von außergewöhnlicher Schwere nur begrenzte Aufmerksamkeit gewidmet haben». Die Organisatoren erinnern daran, dass eine umfassende und ausgewogene Berichterstattung eine wesentliche Voraussetzung für eine informierte öffentliche Debatte ist. Medienvertreterinnen und -vertreter seien somit herzlich eingeladen, teilzunehmen und im Voraus Kontakt aufzunehmen:

Dr. Mariam El Hadi · +41 76 445 5944 · mariam.elhadi@hin.ch (D/E/Arabic)
Prof. Dr med. Pietro Majno-Hurst · +41 79 220 4330 · pietro@majno.ch (I/F/E)
MSN Yvonne Willems Cavalli · +41 79 677 0018 · yvonne.willemsc@gmail.com (I/E/D/N)

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Was ist mit der Tiermedizin passiert? (Teil 1)

14. September 2026 - 0:07

Transition News: Sie sind nicht nur praktische Tierärztin, sondern auch Fachtierärztin für Epidemiologie und Tropenveterinärmedizin, haben einen Master of Science in Wildlife Management und ein Diploma in Animal Health Management. 2019 haben Sie im Auswärtigen Amt in Berlin an der Konferenz «One Health, One Planet, One Future» teilgenommen. Was ist Ihnen damals klargeworden?

Claudia Schoene: Dass es darum geht, die Leute daran zu gewöhnen, dass alles registriert, alles vermessen und alles in Datenbanken eingepflegt und beliebig ausgewertet wird. Und dass es eben ganz wichtig zu sein scheint, sogar Wildtiere zu impfen – was derzeit in Australien gemacht wird. Obwohl sich zum Beispiel laut den Büchern «Die Impf-Illusion» und «Ist eine Erkältung ansteckend?» die Frage stellt, ob eine solche Infektion tatsächlich möglich ist.

Und es gibt eigentlich gar keine Beweise dafür, dass die weltweiten Impfungen irgendetwas genutzt haben. Oder nehmen wir die Masern-Impfung: Masern gab es in Deutschland fast nicht mehr und erst dann wurde diese Impfung Pflicht. Es geht also nicht um die Gesundheit der Kinder, sondern um die Hersteller der Vakzine, die damit Geld verdienen.

Der One-Health-Ansatz stammt aus Überlegungen zur Arterhaltung, insbesondere durch Beteiligung der Tiermedizin. Daher basieren insbesondere in den Arterhaltungs-NGOs wie dem World Wildlife Fund (WWF) oder der Wildlife Conservation Society (WCS), seit rund 20 Jahren ein Großteil der Projekte auf dem One-Health-Credo.

Wo das Geld fließt

Als die Bill- und Melinda-Gates-Foundation begann – das war so Ende des 20., Anfang des 21. Jahrhunderts –, für HIV, Malaria und Tuberkulose Geld auszugeben, hat jedes Projekt – eben auch Projekte zur Arterhaltung oder zur landwirtschaftlichen Entwicklung in der «Dritten Welt» – versucht, eine dieser drei Krankheiten mit abzudecken, um an diese Fördertöpfe zu gelangen. Finanzierung, Forschung, Ergebnisse und Arzneimittel bilden ein Perpetuum mobile.

Etwa zur gleichen Zeit hat Gates GAVI, die Vaccine Alliance, gegründet, über die er in den Versuch involviert ist, die Tollwut auszurotten, da er eben auch in Firmen investiert, die Impfstoffe vertreiben.

Bei One Health geht es also unter anderem darum, dass einige wenige möglichst viel verdienen. Sie haben selbst viele Jahre in Afrika und Fernostrussland geforscht und waren zeitweise Teil dieser Maschinerie. Seit wann sind Sie wieder zurück in Deutschland?

Ende 2007 kam ich zurück nach Berlin und habe einige Jahre am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) gearbeitet – das ist das Robert-Koch Institut (RKI) für Tiere – und danach war ich am RKI selbst, bei der Informationsstelle des Bundes für biologische Sicherheit (IBBS). Die unterstand damals dem ZBS, dem Zentrum für biologische Sicherheit, das Lars Schaade leitete. Ich war Mitglied der IBBS Einsatzgruppe. Wir haben zum Beispiel vor dem Staatsbesuch des Papstes biologische Proben in seinem Schlafzimmer in Erfurt genommen, haben die nach Berlin geschickt und untersuchen lassen. Im Oktober 2012 habe ich freiberuflich mit Praxisvertretungen angefangen, weil ich mich weder beim FLI noch beim RKI wohlgefühlt habe. Im September 2023 folgte dann die Eröffnung meiner eigenen Kleintierpraxis.

Gewöhnung an Kontrolle

Sie haben oben die Tollwut angesprochen: Wie sinnvoll ist denn eine Tollwut-Impfung? Und gibt es in Deutschland dafür eine Impfpflicht?

In Deutschland gibt es für Klein- und Heimtiere keine Impfpflicht, obwohl es viele Praxen gibt, die darauf bestehen, nur geimpfte Tiere aufzunehmen. Dabei geht der Impfstatus eines Tieres als Zugangserlaubnis zu seiner Praxis einen Tierarzt eigentlich gar nichts an.

Für Hunde, Katzen und Frettchen besteht dann eine Tollwutimpfpflicht, wenn man sein Tier EU-weit verbringen will – hier postuliert der EU-Gesetzgeber die Sinnhaftigkeit dieser Impfung einfach. Das Tier hat einen entsprechenden EU-Heimtierausweis, in dem seine Mikrochipnummer zur eineindeutigen Identifikation und die Impfung angeblich fälschungssicher hinterlegt werden. Dieser EU-Heimtierausweis hat eine Registriernummer und ich als Tierärztin, die den Ausweis ausstellt, muss bei HI-Tier, dem Herdeninformationssystem Tier, registriert sein und bekomme dort ebenfalls eine Nummer. Die Nummer auf dem Ausweis wird, wenn ich neue Heimtierausweise bestelle, mit meiner HIT-Nummer verbunden, so dass immer nachzuvollziehen ist, wer den Ausweis ausgestellt hat. Zusätzlich hinterlegt jeder Tierarzt das auch schriftlich, mit Stempel und Unterschrift, im Ausweis selbst.

Die digitale Erfassung in einer Datenbank ist also redundante Kontrolle und Überwachung.

Auch im Bereich der Veterinärmedizin gibt es neue Technologien – mRNA, RNA. Können Sie dazu etwas sagen? Und gibt es überhaupt neue Erreger, die dieses Vorgehen notwendig machen?

Ich halte nichts von den diesen neuartigen Technologien. Seit den frühen 2000er Jahren gibt es Forschungen und erste Versuche mit mRNA-Vakzinen, insbesondere bei Mäusen, Schweinen und Geflügel.

In der Medizin und eben auch der Tiermedizin gibt es den Bereich Emerging and Re-Emerging Diseases, also neue Krankheiten oder solche, die wiederauftauchen. Auch beim RKI besteht dazu ein WHO-Kooperationszentrum. Natürlich verändern sich Erreger, insbesondere Viren, fortlaufend. Und wenn Leute ständig nach irgendwas auf der Suche sind, finden sie auch etwas Neues. So sollen in den Jahren 2002 und 2003 etwa 5000 Gorillas an Ebola gestorben sein. Die Daten würden das nahelegen, so die Autoren.

Unbrauchbare PCR-Tests

Allerdings müssen wir uns die jeweilige Diagnostik immer ganz genau angucken. PCR-Tests zum Beispiel sind für mich als Virusnachweis unbrauchbar. Wenn wir dem Erfinder des PCR-Tests Kary Mullis glauben und ich mich an das erinnere, was ich im Studium gelernt habe, sind PCR-Tests für diagnostische Zwecke nicht geeignet. Und sie sind schon gar nicht in Ausbruchssituationen einzusetzen. Das lernt eigentlich jeder Tiermedizinstudent. PCR-Tests sind immer mit den Symptomen abzugleichen, wenn sie denn verwendet werden. Sie sind eine zusätzliche Untersuchungsmethode, die zu interpretieren ist. Differenzialdiagnose ist das Zauberwort.

Sich in einer Schlange anzustellen, einen Stab in die Nase bohren zu lassen und sich dann sagen zu lassen: «Sie sind positiv und, falls Sie es noch nicht gemerkt haben, Sie haben jetzt Schnupfen und sind eventuell symptomlos erkrankt.» Dieses Vorgehen hätte eigentlich nach einem halben Tag von sämtlichen Veterinärfakultäten und tiermedizinischen Organisationen untersagt und kritisiert werden müssen. Stattdessen haben sie überzeugt mitgemacht. Und leider hält die modRNA-Technologie auch immer mehr Einzug in die Tiermedizin.

Kann hier überhaupt von «Impfstoffen» gesprochen werden?

Nein, das sind modifizierte RNA-Injektionssubstanzen, die angeblich wie eine Impfung funktionieren sollen, das heißt, das Immunsystem dazu bringen sollen, spezifische Antikörper zu produzieren.

Dem Tierärzteblatt aus dem September 2026 lag ein Werbeblatt von MSD Tiergesundheit bei. Dort wird eine RNA-Partikel-Technologie angepriesen, die sich von den klassischen mRNA-Impfstoffen unterscheidet. In das Virus der Venezolanischen Equiden Enzephaltis (VEE), wird eine Sequenz für das gewünschte Impfantigen, hier das Feline Leukosevirus (FeLV), eingebaut, zusammen mit Replikase-Genen, die nach Aufnahme in die Zelle für eine Vermehrung des Impfantigens sorgen. Dies soll auch ohne die Zugabe von Adjuvanzien, wie Aluminiumhydroxyt, zu einer starken Immunantwort führen. Dieser RNA-Partikel-Impfstoff ist laut Paul-Ehrlich Institut (PEI) der erste Tierimpfstoff mit selbstvervielfältigender RNA (saRNA).

Eine FeLV-Infektion kann verschiedene Verlaufsformen haben. Ein Großteil der Katzenpopulation ist infiziert. Deshalb sollte vor einer Impfung ein Antigen-Schnelltest durchgeführt werden. Dieser weist aber nur bei der progressiven Infektion – mit permanenten Vorkommen des Virus im Blutstrom – dieses auch nach. Oft kommt es erst im Alter, bei nachlassendem Immunsystem, zu Symptomen, wie zum Beispiel Tumoren im Magen-Darm-Trakt.

Überhaupt impfen?


Viele Tierbesitzer lassen ihren vierbeinigen Liebling wegen der Hilfsstoffe, nicht impfen. Foto: Sophia-Maria Antonulas

Welche Impfungen braucht denn ein Hund oder eine Katze wirklich?

Wer mit seinem Tier in der EU oder auch in Drittländer reisen möchte, braucht – wie erläutert – auf jeden Fall eine gültige Tollwutimpfung. Innerhalb Deutschlands benötigt ein Haustier gar keine Impfung. Das wird von der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StiKo Vet) festgelegt. Sie kategorisiert Empfehlungen für verschiedene Krankheiten nach «unbedingt empfohlen», «unter bestimmten Bedingungen empfohlen», «in Ausnahmefällen empfohlen» und «nicht empfohlen».

Die Tollwutimpfung gilt als unter bestimmten Bedingungen empfohlene Impfung, da Deutschland seit 2008 frei von silvatischer Tollwut ist. Wenn ein Tier viel im Wald unterwegs ist, ist vielleicht eine Staupeimpfung ganz sinnvoll. Auch eine Impfung gegen Leptospirose und Parvovirose erachtet die StiKoVet als unbedingt empfehlenswert.

Ich möchte mir nicht verbieten lassen, Viren infrage zu stellen, aber tun wir mal so, als gäbe es Viren: Dann würde ich, wenn ich einen Jagdhund hätte, zu einer Staupeimpfung raten, weil zum Beispiel Marderhunde auch Staupe übertragen können oder auch Fuchs und Wolf – falls der Hund die Begegnung mit einem Wolf überlebt. Wenn Sie nur einen Stadthund haben, sieht das anders aus.

Bedenkliche Hilfstoffe

Viele lassen ihr Tier wegen der Adjuvanzien, der Hilfsstoffe, nicht impfen. Es gibt allerdings eine Firma, die auch herkömmliche Hundeimpfstoffe ohne Adjuvans herstellt. Sonst ist immer zumindest eine Aluminiumverbindung enthalten. Und Aluminium ist hirngängig.

Bei mir ist ein kleiner Dackel in Behandlung, der ohne familiäre Vorbelastung plötzlich epileptische Anfälle bekam. Der war mit seinen vier Jahren relativ ausführlich durchgeimpft. Wir haben dann die Aluminiumkonzentration im Blut bestimmen lassen. Für Tiere gibt es keine Grenzwerte. Der Wert musste daher in einem humanmedizinischen Labor bestimmt werden und lag bei über 250 Mikrogramm pro Liter. Für einen erwachsenen Menschen ergibt das die Diagnose Enzephalopathie – Hirnleiden.

Wir konnten das Aluminium gut ausleiten – der Wert lag fast bei Null – stieg danach aber wieder an. Vermutlich durch Aufnahme aus der Umwelt. Das sollte uns vielleicht alle aufhorchen lassen. Momentan ist der Dackel wieder bei einem Wert von etwa 100 Mikrogramm. Die Anfälle variieren in der Stärke, gehen aber auch unter Behandlung nie ganz weg. Zumindest als Differentialdiagnose kann eine aluminiumbedingte Hirnschädigung als Ursprung der Epilepsie nicht ausgeschlossen werden.

Wie stehen Sie zur Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin? Wer nimmt überhaupt Einfluss auf das Impfregime für Tiere?

Die neun Mitglieder der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin setzen sich aus sieben Professoren von vier der fünf Veterinärmedizinischen Fakultäten in Deutschland sowie zwei praktischen Tierärzten zusammen.

Zwei der Mitglieder sind ebenfalls Autoren der MSD Information zu dem neuartigen FeLV-Impfstoff. Die «Leitlinien zur Impfung von Kleintieren» beginnt mit dem Satz: «Die Impfung ist eine der wichtigsten Maßnahmen zu Verhinderung von Infektionskrankheiten und deren Verbreitung.» Quellen werden für diese Behauptung nicht angegeben.

Das überzeugt mich persönlich nicht. Die Impfleitlinie gibt einen Überblick, welche Krankheiten relativ häufig bei Hunden und Katzen vorkommen. Dabei stellt sich jedoch die Frage der Diagnostik – mir kommen die Differenzialdiagnosen immer zu kurz.

Worauf spielen Sie an?

Jeder Körper hat nur eine bestimmte Anzahl von Symptomen, um zu zeigen, dass mit den Atemwegen, dem Magen-Darm-Trakt und so weiter etwas nicht stimmt. Wenn mit den Atemwegen etwas nicht in Ordnung ist, dann haben Sie vielleicht Nasenlaufen, Husten, Kopfschmerzen, Schmerzen beim Atmen, raue Stimme, Fieber. Das kann aber ganz verschiedene Ursachen haben.

Bei der Differenzialdiagnostik geht es darum, genau das rauszufinden, sich erstmal zu überlegen: Was könnte das denn sein? Und die einzelnen Möglichkeiten, entweder aus- oder einzuschließen. Das passiert durch weiterführende Untersuchungen, und dazu kann im Notfall auch ein PCR-Test dienen. Auch Mischinfektionen sind möglich.

Der Körper hat nur bestimmte Symptome, um zu zeigen: «Ihr müsst mal bitte hier gucken, da stimmt was nicht.» Die Ursache kann aber unterschiedlich sein, und das muss ich eben rausbekommen. Und das mache ich nicht dadurch, dass ich mich in einer Schlange anstelle und mir ein Stäbchen in die Nase drücken lasse und gucke, ob das positiv oder negativ wird.

Missbrauch

Schon die Teststatistik besagt: Je weniger verbreitet oder prävalent eine Krankheit ist, desto höher ist der Anteil der Falschpositiven. So wird eine Krankheit herbeigetestet, die gar nicht vorhanden ist. Da es keinen hundertprozentig akkuraten Test gibt, müssen nur genügend Tests durchgeführt werden, um etwas herbeizutesten.

Im Nutztierbereich kann also genauso Missbrauch getrieben und in weiterer Folge den Menschen ihre Protein-Nahrungsgrundlage genommen werden?

Wenn Sie bei 1000 Männern einen Schwangerschaftstest machen, finden Sie bestimmt drei Schwangere. Und bei 1000 Kühen ohne Maul- und Klauenseuche (MKS), finden Sie bestimmt auch drei mit MKS.

Wenn es dann eine Tierseuchengesetzgebung gibt, die besagt, dass alle Kühe, die zusammen mit den drei Testpositiven auf einem Hof leben, getötet werden müssen, dann ist das so. Drei haben einen positiven PCR-Tests, niemand weiß, warum der positiv ist, und 1000 Tiere sind tot. Keine Milch, kein Fleisch, keine Häute, alles wird vernichtet.

Aber ist die Regelung tatsächlich so streng?

Laut der deutschen Tierseuchengesetzgebung, die auf entsprechenden EU-Verordnungen basiert, schon. Wenn es auf einem Bauernhof oder in einem Stall sagen wir mal 3000 Kühe gibt und einige sind positiv, dann ist der ganze Stall weg – eigentlich der ganze Hof.

Teil 2. des Interviews mit tieferen Einblicken in das Dogam «One Health» finden Sie ab 15. September hier.

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«Vollinvasion» – Die Leitmedien haben einen neuen Kampfbegriff gefunden

14. September 2026 - 0:06

Das Wording in den Mainstreamartikeln ist vielsagend, bereits auf der Sprachoberfläche. «Putinversteher», «Klimaleugner», «Schwurbler»: Wenn es darum geht, Kampfbegriffe zu erfinden, kennt die Fantasie keine Grenzen. Derlei Kreationen dienen genauso als Propaganda-Instrumente wie beispielsweise die Zurückhaltung von Informationen.

Mit Begriffen kann die Bevölkerung gelenkt, aufgewiegelt oder narkotisiert werden, je nachdem, welche Agenda das jeweilige Blatt verfolgt. Im Ukraine-Krieg unterstützt die Mainstreampresse bekanntlich Kiew und damit die transatlantischen Akteure, die im Hintergrund die Fäden ziehen.

Folglich greift sie gerne zu deftigen Etiketten und Formulierungen, um Russland zu dämonisieren, als Aggressor darzustellen, als einen Staat also, der sich nicht an Recht und Gesetz hält. In der westlichen Berichterstattung hatte man lange Zeit von einem «völkerrechtswidrigen Angriff» Moskaus gesprochen.

Doch diese feste Wortwendung verschwand irgendwann, wie die deutsche Politikerin Sahra Wagenknecht im Podcast «ungeskriptet» richtig anmerkte. Warum? Wagenknecht gab eine plausible Erklärung ab: Ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg bedeutet, dass ein Staat gegen das in der UN-Charta verankerte allgemeine Gewaltverbot verstößt. Das tat aber nicht nur Russland, sondern auch die USA, als sie gemeinsam mit Israel gegen den Iran vorzugehen begannen.

Bloß keine Vergleiche!

Auch dieser Krieg ist völkerrechtswidrig. Auch die USA halten sich nicht an Recht und Gesetz, doch das soll und darf sich nicht im kollektiven Bewusstsein festsetzen, weshalb der Begriff nicht mehr verwendet wird, auch nicht im Zusammenhang mit Russland. Warum? Damit keiner auf die Idee kommt, die USA mit Russland zu vergleichen.

Zwischen beiden soll weiterhin die Aufteilung in «Gut» und «Böse» bestehen, weshalb ein neuer Begriff aus dem Hut gezaubert wurde, um das Feindbild Russlands aufrechtzuerhalten: «Vollinvasion». Diese Sprachkreation ermöglicht nun wieder eine Unterscheidung: Anders als Russland sind die USA nicht in das Territorium des Kriegsgegners eingedrungen.

Dieser Aspekt steht nun im Vordergrund, während der Verstoß gegen das Völkerrecht keine Rolle mehr spielt. Und die transatlantischen Propaganda-Medien schießen aus allen Rohren, um es der Bevölkerung einzutrichtern: «Vier Jahre russische Vollinvasion in der Ukraine», titelt das Online-Portal kurz&knapp.

Auch die Tagesschau informiert in ihrer Beschreibung unter einer Karte, dass die russischen Streitkräfte am 24.2.2022 «ihre Vollinvasion in die Ukraine» begonnen hätten. Der Spiegel, in Sachen Propaganda immer vorne dabei, darf da natürlich nicht fehlen: «Mit 50,4 Milliarden Euro hat der Bund Verbraucher und Märkte in der Energiekrise nach Beginn der russischen Vollinvasion in der Ukraine unterstützt», beginnt das Relotius-Blatt einen Beitrag, der die deutsche Regierung trotz ihrer katastrophalen Politik auch noch in den Schutz nimmt.

Agenten in den Redaktionen

Der Begriff selbst ist irreführend. Wer ihn erfunden hat, wollte bewusst eine Schippe drauflegen. Vermutlich ist in solchen Kreationsstuben bekannt, dass die Leitmedienredaktionen alles abnehmen, was ihnen serviert wird. Von einer «Vollinvasion» kann schon deswegen nicht gesprochen werden, weil Russland bislang nur in einen Teil der Ukraine eingedrungen ist. Auch hier wollte man sich wahrscheinlich für den Fall absichern, dass die USA zumindest einen Schritt auf das iranische Territorium macht.

So offensichtlich die verbale Manipulation ist, so blind zeigen sich Spiegel und Co. Da gebe es Abstimmungsmechanismen, erklärte Wagenknecht dieses Phänomen und verwies darauf, dass Geheimdienste seit geraumer Zeit Leitmedienredaktionen mit eigenen Leuten infiltrieren. Als Beispiel nannte sie die aufgeflogene «Operation Mockingbird».

Dabei handelt es sich um ein in den 1970er Jahren begonnenes Projekt des US-Außenministeriums zur Beeinflussung der Medien. Die CIA soll damals über 400 Agenten und kompromittierte Journalisten in die Redaktionen der größten Sender und Blätter eingeschleust haben.

Die Geheimdienstbehörde verfasste die Inhalte und übergab sie ihren Leuten, die sie wiederum in den Nachrichtenmedien veröffentlichten. Nicht wenige gehen davon aus, dass diese Vorgehensweise noch heute Bestand hat und sich nicht nur auf die USA beschränkt.

Am Beispiel von 9/11

Dafür gibt es teils sehr klare Indizien. Als etwa am 11. September 2001 die angeblich von Al-Qaida-Mitgliedern gekaperten Flugzeuge in die beiden Türme des World Trade Centers (WTC) rasten, stürzte auch das WTC-Gebäude Nummer 7 ein. Doch die Fernsehzuschauer erfuhren davon schon zwanzig Minuten früher.

Die BBC-Reporterin verkündete den Einsturz, obwohl WTC 7 noch stand. Als sie später darauf angesprochen wurde, rechtfertigte sie sich damit, dass sie diese Information der Nachrichtenagentur Reuters entnommen habe. Damit verschob sie die Frage lediglich, beantworte sie jedoch nicht. Woher wusste Reuters, dass WTC 7 einstürzen würde? Eben von einem jener CIA-Journalisten, der seine Informationen wohl etwas zu früh gestreut hatte.

Die manipulierenden Geostrategen halten sich stets bedeckt, aber in solchen Ereignissen sind sie genauso erkennbar wie in Kampfbegriffen. «Vollinvasion» wird nicht ihre letzte Kreation bleiben. Umso wichtiger ist es, die Sprachoberfläche genau zu beobachten, ohne sich von deren Rauschen berieseln zu lassen. Wer die verbalen Codes entschlüsselt, findet den Weg zur Agenda. Zur Sensibilisierung eignen sich die einschlägigen Periodika, vom Spiegel bis zur Süddeutschen Zeitung. Eine bessere Einstiegslektüre gibt es nicht.

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Eugen Zentner ist Kulturjournalist und Autor. Zuletzt sind von ihm das Sachbuch «Kunst und Kultur gegen den Strom», der Kurzgeschichtenband «Corona-Schicksale» und der Gedichtband «Die Welt steht Kopf» erschienen.

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Achtung, Satire! – Demokratiehilfe nach deutscher Art

14. September 2026 - 0:05

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Globalbridge. Transition News durfte ihn mit freundlicher Genehmigung der Autorin übernehmen.

Man muss der deutschen Außenpolitik eines lassen, wenn sie Demokratie fördert, kennt sie keine halben Sachen. Russland wählt vom 18. bis 20. September sein Parlament. Deutschland schließt das letzte russische Generalkonsulat im Westen am 18. September. Timing kann man lernen. Oder haben. Das Bonner Wahllokal war bereits eingerichtet. Nummer 8322, Waldstraße 42. Am 20. September hätten dort russische Staatsbürger in Deutschland ihre Stimme zur Duma-Wahl abgeben können. Nun eben nicht.

Der demokratische Rechtsstaat Deutschland verbietet selbstverständlich niemandem zu wählen. Er entfernt nur rechtzeitig das Wahllokal. Das ist ein Unterschied. Wer im Rheinland wohnt, darf weiterhin frei entscheiden, ob er für die Ausübung seines Wahlrechts nach Berlin fährt. Aus Köln sind es schließlich nur einige hundert Kilometer. Demokratie darf auch einmal etwas kosten. Andere Menschen fliegen für ein Wochenende nach Mallorca.

Das Auswärtige Amt brachte den neuen Servicegedanken bereits auf seine kürzeste Formel: «Klar, das wird eingeschränkt.» (1) Schöner kann Verwaltung politische Philosophie kaum verdichten. Für etwa 5.000 Stimmen muss Russland nun etwas reisen. Bei der Präsidentenwahl 2024 kamen 5.071 Menschen nach Bonn. 75 Prozent stimmten für Putin. (2) Doch keine Sorge, 5.000 Menschen können eine russische Wahl mit mehr als hundert Millionen Wahlberechtigten nicht entscheiden. Das wäre also ein ausgesprochen ineffizienter Staatsstreich.

Als diplomatischer Kinderstreich wäre die Konstruktion deutlich plausibler. Man nimmt niemandem das Förmchen weg. Man verlegt nur den Sandkasten, nach Berlin. Interessant lediglich, wie präzise der deutsche Kalender arbeitet. Am 1. September wird die Schließung verkündet, am 18. September ist Schluss. Und am 18. September beginnt in Russland eben die Wahl.

2023 hatte Deutschland vier russischen Generalkonsulaten noch bis zum Jahresende Zeit gegeben – rund sieben Monate also. Diesmal reichen 17 Tage. (3) Offenbar ist auch deutsche Diplomatie inzwischen auf BonPrix-Expressversand umgestellt. Zum Glück gibt es Europa.

Die Sache hat allerdings einen Schönheitsfehler – russische Staatsbürger können ausweichen. Wer aus Nordrhein-Westfalen kommt, kann nach Brüssel fahren. Dort wartet Wahllokal Nr. 8039. Wer aus Rheinland-Pfalz oder dem Saarland kommt, fährt womöglich nach Luxemburg zu Nr. 8192. Und wem die Bundesregierung mit ihrer Russland-Unpolitik endgültig Lust auf skandinavische Gelassenheit gemacht hat, kann sogar in Stockholm wählen – Wahllokal Nr. 8336. Dort muss man nur den gültigen russischen Auslandspass im Original mitbringen, in Stockholm und Brüssel ist ausdrücklich keine Voranmeldung erforderlich. (4)

Denn das russische Wahlrecht besitzt an dieser Stelle eine kleine Bosheit gegenüber deutscher Symbolpolitik. Ein russischer Bürger darf auch an einem anderen Auslandswahllokal erscheinen, wenn er sich dort vorübergehend befindet. Die Wahlkommission kann ihn am Wahltag auf mündlichen Antrag in die Liste aufnehmen. Nur doppelt wählen darf er selbstverständlich nicht. (5)

Man schließt also Bonn, und der Wähler fährt möglicherweise nach Luxemburg. Das ist europäische Integration auf eine Weise, die vermutlich niemand – auch nicht in Brüssel – geplant hatte. Der russische Wähler als Sicherheitsrisiko?

Unterstellen wir nun tatsächlich, der Termin sei bewusst gewählt worden. Dann wollte Deutschland kaum das russische Gesamtergebnis der Duma-Wahl verändern. Selbst alle 8.359 Stimmen, die bei der Präsidentenwahl 2024 in den damals nur noch zwei deutschen Wahllokalen Bonn und Berlin abgegeben wurden, wären dafür mathematisch viel zu wenig.

Doch genau darum geht es womöglich gar nicht. Die 5.071 Bonner Wähler waren nur diejenigen, die 2024 tatsächlich bis zur Wahlurne kamen. Bonn war das Wahllokal für einen Konsularbezirk mit sechs Bundesländern. Die Schließung trifft damit nicht 5.000 Menschen, sie betrifft den Wahlzugang einer wesentlich größeren russischen Bevölkerung in West- und Süddeutschland.

Die Botschaft wäre eine andere: «Ihr dürft wählen. Nur bitte nicht hier!» Man könnte das kleinlich nennen oder diplomatische Schikane. Man könnte es für den politischen Reifegrad eines Schulhofs halten, auf dem ein Kind sagt: «Du darfst mitspielen, aber deinen Ball behalte ich». Die moderne deutsche Variante wäre wesentlich raffinierter. Das Wahlrecht bleibt unangetastet. Man erhöht lediglich die Entfernung zwischen Wähler und Wahlurne. Oder, wie es in der Sanktionssprache heißt, man erhöht den Preis. Grundrechte mit Kilometerpauschale.

Und damit endet auch schon der schwarze Humor. Denn hinter der Pointe bleibt eine vollkommen ernsthafte Frage. Die Wahltermine waren seit Juni bekannt. Das Bonner Wahllokal war offiziell eingerichtet. Die Bundesregierung wusste, dass ihre Entscheidung die konsularische Betreuung russischer Bürger im Westen einschränkt. Sie wählte trotzdem den 18. September als Stichtag. (6)

Warum? Wenn der Termin Zufall war, kann die Bundesregierung das leicht erklären. Wenn er keiner war, wäre die Erklärung noch interessanter. Merz selbst meinte am 7. September, er habe mit der öffentlichen Zuordnung des Anschlagsversuchs zu Russland «nicht länger warten» wollen. Gleichzeitig räumte er ein, die Hintergründe wahrscheinlich noch sehr viel ausführlicher erläutern und «durch mehr Fakten unterlegen» zu müssen.

Hinzu kommt inzwischen eine abweichende Darstellung des ukrainischen Journalisten Anatoli Scharij. (7) Er beruft sich auf einen anonymen Mitarbeiter des Flughafens Leipzig/Halle. Danach habe es sehr wohl eine kleine zivile Drohne gegeben, die ein Mitarbeiter selbst zu Boden gebracht habe. Fragen wirft diese Version beim angeblichen Sprengstoff und beim weiteren Ablauf auf – es gab offenbar überhaupt keinen Sprengstoff. Er beschreibt die Drohne als kleines, billiges ziviles Gerät für Foto- und Videoaufnahmen und bezweifelt, dass sie überhaupt eine zusätzliche Ladung hätte tragen können. Und es kommt etwas hinzu. Die Sicherheitskräfte, Bombenspezialisten, Feuerwehr und vor allem die Medien seien ungewöhnlich schnell vor Ort gewesen, so der Flughafenmitarbeiter. Damit stehen sich zwei sehr unterschiedliche Darstellungen gegenüber.

Und vermutlich werden Sie, liebe Leser, jetzt sagen: Dann ist noch immer nichts geklärt. Genau. Merkwürdig nur, wie schnell daraus eine außenpolitische Gewissheit und eine Konsulatsschließung werden konnten. Denn Demokratien unterscheiden sich von ihren Gegnern unter anderem dadurch, wie sie mit deren Bürgern umgehen. Auch dann, wenn deren Stimmzettel in die falsche Richtung zeigen könnten.

(Red.) Achtung:

Hier findet man alle Informationen, welche Wahllokale wo und wann offen sind.

Quellen und Anmerkungen: (abgerufen am 7. September 2026)

1.) https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/pressekonferenzen/regierungspressekonferenz-vom-2-september-2026-2451314
2.) https://www.t.me/s/GK_RF_Bonn?after=319
3.) https://www.auswaertiges-amt.de/de/newsroom/regierungspressekonferenz-2599836#content_2
4.) https://rushouse.be/ru/novosti-2/
5.) https://pravo.ppt.ru/postanovlenie/tsik/n-6-66-9-338449
6.) https://base.garant.ru/414402159/
7.) https://freedert.online/inland/291027-scharij-stellt-darstellung-drohnenvorfalls-in/
8.) https://www-pp.afp.com/de/anschlagsversuch-von-leipzig-merz-bekraeftigt-entschlossenen-kurs-gegen-russland
9.) https://t.me/s/rusembdeu?before=7986
10.) https://t.me/s/MID_Russia?before=88335
11.) https://t.me/rusluxemb
12.) https://t.me/s/ambrusfrance?before=8682
13.) https://t.me/s/embrusnet
14.) https://t.me/s/MID_Russia?before=88136
15.) https://t.me/s/RusBotWien_RU?q=%23%D0%92%D1%8B%D0%B1%D0%BE%D1%80%D1%8B2026
16.) https://t.me/s/rusembswe?before=6651
17.) https://www.cikrf.ru/
18.) https://t.me/cikrossii

Wichtiger Hinweis für russische Staatsbürger

Nach der Auflösung des Bonner Wahllokals Nr. 8322 bleibt innerhalb Deutschlands nach aktuellem Stand nur das Wahllokal Nr. 8315 bei der russischen Botschaft in Berlin. Russische Staatsbürger können jedoch grundsätzlich auch ein Auslandswahllokal außerhalb Deutschlands nutzen.

Nach Punkt 4.5 der aktuellen Instruktion der Zentralen Wahlkommission Russlands können am Wahltag auch Wähler auf mündlichen Antrag in das Wählerverzeichnis eines im Ausland eingerichteten Wahllokals aufgenommen werden, wenn sie dauerhaft außerhalb Russlands leben oder sich privat, dienstlich, geschäftlich, persönlich oder touristisch im Ausland aufhalten. Wer bereits elektronisch oder in einem anderen Wahllokal abgestimmt hat, darf kein zweites Mal aufgenommen werden.

Wir empfehlen deshalb dringend, das gewünschte Wahllokal vor der Fahrt per E-Mail oder telefonisch zu kontaktieren und sich die Möglichkeit zur Stimmabgabe für den konkreten Fall bestätigen zu lassen. Nach der kurzfristigen Schließung des Generalkonsulats Bonn können sich organisatorische Einzelheiten noch ändern.

Bitte einen gültigen russischen Auslandspass im Original mitnehmen. Die offiziellen Wahlankündigungen mehrerer russischer Auslandsvertretungen nennen dieses Dokument ausdrücklich. In Brüssel, Stockholm und Österreich wird zudem ausdrücklich darauf hingewiesen, dass keine vorherige Registrierung erforderlich ist.

Die folgende Übersicht nennt bestätigte Wahllokale und praktische Ausweichmöglichkeiten für russische Staatsbürger aus den bisher vom Generalkonsulat Bonn betreuten Bundesländern. Stand: 7. September 2026.

Важная информация для граждан Российской Федерации

После ликвидации избирательного участка № 8322 в Бонне на территории Германии, по состоянию на сегодняшний день,остается только избирательный участок № 8315 при Посольстве Российской Федерации в Берлине. Однако российскиеграждане в принципе могут воспользоваться и зарубежным избирательным участком за пределами Германии.

Согласно пункту 4.5 действующей Инструкции Центральной избирательной комиссии Российской Федерации, в деньголосования избиратель может быть включен в список избирателей на зарубежном избирательном участке по устномуобращению. Это относится как к гражданам, постоянно проживающим за пределами Российской Федерации, так и кгражданам, находящимся за рубежом по частным приглашениям, в служебных, деловых, личных или туристическихпоездках. Гражданин, уже проголосовавший на другом избирательном участке или получивший электронный бюллетень, повторно в список не включается.

Перед поездкой мы настоятельно рекомендуем заранее связаться с соответствующим избирательным участком поэлектронной почте или телефону и получить подтверждение возможности голосования в конкретном случае. Послекраткосрочного закрытия Генерального консульства России в Бонне возможны организационные изменения.

При себе необходимо иметь оригинал действующего заграничного паспорта гражданина Российской Федерации. Вофициальных объявлениях ряда российских загранучреждений это требование указано прямо. В Бельгии, Швеции иАвстрии также специально отмечено, что предварительная регистрация для участия в голосовании не требуется.

Ниже приведен перечень подтвержденных избирательных участков и возможных альтернатив для граждан России,проживающих в федеральных землях Германии, ранее относившихся к консульскому округу Генерального консульстваРоссии в Бонне.

Информация актуальна по состоянию на 7 сентября 2026 года.

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Europäischer Agrar-Suizid: Brüssel kauft US-Mais, um Trumps Wirtschaft zu retten

14. September 2026 - 0:04

Es gibt einen perversen Mechanismus, fast einen Automatismus der Katastrophe, den die Europäische Union stur nicht beim Namen nennen will. Europa ist in Not: Die Dürre hat die Ernten dezimiert und der Alte Kontinent muss 25 Millionen Tonnen Mais importieren, um seine eigenen Viehbestände zu retten. Die einzige logische, geografische und wirtschaftliche Lösung wäre: ukrainisches Getreide.

Doch die EU hat diese Selbstverständlichkeit in ihrer Kriegstreiber-Obsession und blinden Unterordnung gegenüber Washington in einen logistischen Albtraum verwandelt.

Die Häfen am Schwarzen Meer, die einst 90 Prozent der Agrarexporte Kiews abwickelten, sind heute ein Schlachtfeld. Das ist keine abstrakte Blockade: Es sind 35 russische Raketenangriffe auf Odessa in einem Monat, 22 Angriffe auf Schiffe, 67 auf die Infrastruktur. Das mit Mais beladene Schiff Golden Leo wurde getroffen und versenkt. Die See-Exporte sind um 75 Prozent eingebrochen.

Aber es handelt sich nicht um einen einseitigen Krieg: Am 12. August trafen ukrainische Drohnen Noworossijsk, einen entscheidenden Knotenpunkt für den russischen Export am Asowschen Meer. Das Ergebnis dieser Eskalation, die vom Kiewer Regime – unterstützt von den üblichen bekannten westlichen Kriegstreibern – gewollt ist, liegt für alle offen zutage.

Und hier schnappt die Falle zu, die die Brüsseler Bürokraten heuchlerisch «Solidaritätskorridore» nennen. Enorme Getreidemengen auf dem Landweg mit Zügen und Lastwagen durch Moldau, Rumänien und Polen zu transportieren, ist langsam, chaotisch und vor allem unbezahlbar. Der ukrainische Verband UCAB schätzt, dass der Ersatz des Seetransports durch den Landtransport pro einzelner Tonne 41 Euro an Zusatzkosten verursacht. Ein Aufpreis von über 1,1 Milliarden Euro, den niemand bereit ist zu zahlen.

Und genau hier betritt der wahre Gewinner dieses Krieges die Bühne: die Vereinigten Staaten von Amerika.

Während das ukrainische Getreide in den Silos verrottet oder an den verstopften Grenzen Osteuropas strandet, richten die europäischen Käufer – verzweifelt und mit bereits leeren Geldbörsen – ihren Blick über den Atlantik. Der US-amerikanische Mais, der ohnehin auf dem Vormarsch war, nimmt mittlerweile mehr als zwei Fünftel aller EU-Importe ein.

Dabei handelt es sich nicht um einen «freien Markt», sondern um einen erzwungenen Transfer von Wohlstand. Europa nutzt das Geld seiner Steuerzahler und seiner Viehzüchter (die bereits unter den Selbstkosten verkaufen, wie die spanischen Schweinehalter anprangern), um die US-Landwirtschaft zu retten. Es ist ein «kommerzieller Erfolg», der Washington wie gerufen kommt. Während die globalen Spannungen die Düngemittel- und Treibstoffkosten für die US-Farmer in die Höhe treiben, bietet sich Europa freiwillig als Absatzmarkt an und schenkt Donald Trump und seiner republikanischen Wählerbasis einen kolossalen propagandistischen und finanziellen Sieg – für das Weiße Haus völlig kostenlos.

Und auch die ukrainischen Bauern verlieren. Agrarminister Taras Wysozkyj ist gezwungen, das Offensichtliche einzuräumen: Ohne das Schwarze Meer werden 30 Millionen Tonnen Agrarprodukte (über zehn Milliarden Dollar) nicht exportiert werden. Das BIP wird um bis zu fünf Prozent einbrechen. In der nächsten Saison werden sieben Millionen Hektar unbestellt bleiben. «Wir können unser Getreide weder exportieren noch zu einem normalen Preis verkaufen. Es ist Diebstahl», prangert der Landwirt Alexander Gramatik an, wie Politico berichtet.

Und während die kleinen ukrainischen Bauern pleitegehen, wer kauft ihr Land zu Schleuderpreisen auf? Die US-amerikanischen Agribusiness-Multis Cargill, Dupont und Monsanto, mit Finanzgiganten wie BlackRock und Blackstone im Rücken, kontrollieren bereits bis zu 17 Millionen Hektar ukrainisches Ackerland.

Das Paradoxon ist unglaublich, aber gewohnt schlüssig im Rahmen der Raubzug-Strategien von US-Konzernen in jedem Bereich: Wie die ukrainische Wirtschaftsministerin Julija Swrydenko einräumte, hat Kiew 2022–2023 zwar mehr Getreide exportiert, aber weniger eingenommen (20,7 Milliarden Dollar gegenüber 22,1 Milliarden). Die Mengen sind gestiegen, aber der Profit landete an der Wall Street.

Unterdessen zerbröckelt die europäische «Solidarität» an der Realität. In Moldau haben die Bauern dem Regierungschef ein Ultimatum gestellt: Die Transitbedingungen überprüfen oder massenhaft auf die Straße gehen, weil das billige ukrainische Getreide ihren Markt zerstört. In Rumänien sind die Terminals verstopft, so dass die einheimische Ernte keinen Platz mehr findet. In Polen haben wir es bereits gesehen: Landwirte, die Güterwaggons mit Flex-Schleifern öffnen und das ukrainische Getreide auf den Asphalt kippen.

Europa hat seine Nahrungssouveränität und die seines Nachbarn, den es angeblich unterstützen will, auf dem Altar der NATO geopfert. Es hätte eine Getreideallianz zwischen Russland, der Ukraine und Kasachstan geben können – eine Art «Getreide-OPEC», die Kiew zu einem globalen Akteur gemacht hätte. Stattdessen hat der Maidan-Putsch den Kurs in Richtung «westliche Zivilisation» eingeschlagen.

Das Ergebnis ist ein perfekter Betrug: Europa zahlt mehr, die Ukraine geht unter, und die Vereinigten Staaten kassieren ab.

***

Dieser Beitrag wurde mit freundlicher Genehmigung von l'AntiDiplomatico übersetzt und übernommen.

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Pflugscharen zu Schwertern?

13. September 2026 - 0:07

Dieser Beitrag erschien zuerst auf apolut. Transition News durfte ihn mit freundlicher Genehmigung des Autors übernehmen.

Die Akteure im politischen Raumschiff Berlin heben unverkennbar ab. Ihre kriegerische Sprache lässt uns den Atem gefrieren. Die auf Frieden und Deeskalation geeichte Verfassung scheint so eine Art Wendejacke zu sein. Wenn die Sonne scheint, tragen wir die durchlässige Seite. Wenn es stürmt und schneit, drehen wir die Jacke einfach um. Gestern in Friedenszeiten die tolerante Demokratie. Heute in Kriegszeiten tragen wir Faschismus und Intoleranz. Das war im Übrigen immer schon so. Zunächst führten die Eliten uns als stramme Nazis in den Krieg, den zumindest wir einfachen Leute auf der ganzen Linie verloren haben. Dieselben Eliten zogen dann zivile Anzüge an und führten uns durch den konsumistischen Frieden. Naja, und jetzt geht die Reise eben wieder anders herum.

Der weltweite Kriegswahn ist ein Krebsgeschwür, das die gesunden Organe des Zivillebens unter seinem unerbittlichen Wachstum zerdrückt. In den Medien ist folglich nur noch die Rede von neuen Waffensystemen, von Kalkulationen über Vernichtungspotential. Von realen Schlachten wird berichtet wie von einer Sportveranstaltung. Wer führt gerade? Israel und USA? Oder vielleicht Russland und der Iran? Im Moment hat der Iran das Spiel fest in der Hand.

Mal eben ein Sondervermögen in Höhe von 100 Milliarden Euro – dort mal eben 60 Milliarden Euro für Familie Selensky. Währenddessen werden Mitarbeiter der Kitas gekündigt. Die Kinder bekommen keinen Sprudel mehr zu trinken. Zu teuer. Trinkwasser aus der Leitung tut es doch auch, oder?! Kein Scherz. Realität in Deutschland. Wir müssen ja schließlich sparen. Dieses Mantra wird Ihnen jeder Kreistagsabgeordnete sofort herunterbeten, wenn Sie ihn fragen. Nicht nur sparen und kürzen für das göttliche Wesen, das wir alle verehren, den Investor. Nein. Wir müssen uns zudem doch auch noch rüsten gegen den bösen Putin.

Und: Die neuen Aufrüstungsvorhaben bringen ja schließlich neue Arbeitsplätze. Das wird Ihnen doch jeder Gewerkschaftsführer bestätigen, der was werden will. Da ist zum Beispiel der neu geschaffene Defence Hub Nordhessen. Hessens Landesvater Boris Rhein prescht lachend zusammen mit Rheinmetall-Boss Armin Papperger durch das neue Drohnentestgelände in Kassel-Calden. Ja, der Defence Hub Nordhessen ist, so schwärmt Landesvater Rhein vor der Presse, ein wahrer «Booster für Investitionen, Innovationen und Wachstum in der Region» (1).

Sicher hat er sich von der letzten Booster-Impfung noch gar nicht richtig erholt. Darum wird Hessen, in Person der Steuerzahler jenes Landes, zu den 280 Millionen Euro Investitionssumme, die Rheinmetall einspritzt, noch einmal 25 Millionen Euro injizieren. Auch der Krauss-Maffei-Wegmann-Nachfolger KNDS wird schwere Ketten- und Radfahrzeuge für das maschinisierte Killen hier in Nordhessen fabrizieren. Europuls GmbH ist wiederum ein so genanntes Joint Venture von jenem KNDS zusammen mit der israelischen Rüstungsschmiede Elbit Systems. Airbus schließlich will hier Hubschrauber herstellen. Die Atmosphäre unter den Politikern und Managern ist fiebrig, wenn sie tönen: «Kassel Airport soll zur militärischen Drehscheibe werden» (2).

Alles dreht sich. Alles wiederholt sich. War da nicht im Jahre 1943 mal was in Kassel?! Kassel war von den Nazis zum gigantischen Defence Hub aufgeplustert worden. Das blieb den Alliierten Kriegern nicht verborgen. Am 22. Oktober 1943 erreichen die fliegenden Festungen der Amerikaner und Engländer unerbittlich Kassel (3). Wie üblich bei den alliierten Bomberattacken öffnen zunächst Sprengbomben alle Fenster und Kanaldeckel. Im zweiten Schub werden jetzt Phosphorbrennstäbe eingesetzt, die bei dem nun erleichterten Luftsog extreme Hitze produzieren. Ein Feuersturm rast durch die Stadt mit extrem hohen Temperaturen und saugt alles Wasser davon. 10.000 Bürger von Kassel ersticken sofort und schrumpfen zu entwässerten Puppen. Die Altstadt von Kassel, das kollektive Gedächtnis, war zu neunzig Prozent ausgelöscht. Die Zeche für den Rüstungswahnsinn zahlten mal wieder wie üblich die kleinen Leute, die damit nicht viel zu tun hatten.

In Osnabrück war früher der Standort für die schicken Cabriolets der Firma Karman Ghia. Einfache Sportwägelchen auf dem Chassis eines VW Käfer. Vor ein paar Jahren ging Karman Ghia pleite. VW übernahm die Fabrik. Alles ging weiter wie gehabt. Zuletzt mit der Cabriolet-Variante des VW T-Roc. Damit ist nun Schluss. Die Mitarbeiter ließ man erst mal Blut und Wasser schwitzen, wie es denn nun weitergeht. Um dann die frohe Kunde zu verbreiten: Halleluja, es geht weiter! Allerdings nunmehr als Rüstungsunternehmen. Investoren aus Israel zeigten Interesse.

Das Scheichtum Katar ist drittgrößter Mitinhaber von VW. Und die wollten die Israelis nicht (4). Also fand die schlaue niedersächsische Landesregierung eine andere Lösung: VW geht pro forma ganz raus. Eine Auffanggesellschaft kümmert sich um Grundstücke, Gebäude und Arbeiter. Eine weitere Gesellschaft kümmert sich um die Produktion. Und zwar das Land Niedersachsen zusammen mit dem israelischen Rüstungskonzern Rafael. Rafael ist bekannt für die Herstellung und Wartung des israelischen Luftabwehrsystems mit dem Namen Golden Dome.

Rafael wird seine Erfahrungen mit der Luftabwehr in Israel nun großzügig in den Aufbau einer europäischen Luftabwehr einbringen. Nun sind also mit Elbit Systems in Kassel und Rafael in Osnabrück in der privilegierten Position, die europäische Luftabwehr zu kontrollieren. Egal. Hauptsache die Arbeitsplätze der Arbeiter in Osnabrück sind gesichert! Das Geld kommt zu achtzig Prozent vom israelischen Investor Aurelius und zu zwanzig Prozent vom Land Niedersachsen, also von den Steuerzahlern (5). Die natürlich niemand um ihre Meinung gefragt hat.

Sparen und Kürzen, Kürzen und Sparen – Verrotten lassen

Das leuchtet doch uns allen ein, dass Arbeitsplätze mit späterer Brennwirkung im Stil von Kassel Vorrang haben vor dem Durst unserer kleinsten Kinder, oder? Unsere weisen Lenker der 32 NATO-Mitgliedsländer hatten sich im Juni 2025 darauf verständigt, dass nunmehr bis zum Jahre 2035 der Anteil der Rüstungsausgaben am Bruttosozialprodukt auf fünf Prozent angehoben werden soll (6). Schließlich bedroht uns der Russe ja so entsetzlich, dass wir ganz hilflos sind und uns wehren müssen. Da müssen eben im Angesicht dieser extremen Bedrohung viele andere, weniger wichtige Dinge wie Bildung, Gesundheit oder Infrastruktur hinten anstehen!

So vieles liegt mittlerweile im Argen. Oder im Dreck. Eigentlich besteht dringender Handlungsbedarf. Über 13 Millionen Deutsche sind mittlerweile armutsgefährdet (7). Das macht schon annähernd 17 Prozent der Gesamtbevölkerung. Das heißt: Diese Leute haben nichts mehr auf der Kante. Wenn Unerwartetes geschieht, können sie nicht mehr auf Erspartes zurückgreifen. Wenn das Auto seinen letzten Schnaufer tut, können diese Leute sich kein neues Auto kaufen: Sie können sich und ihrer Familie keine Urlaubsreise mehr gönnen. Kredite kriegen sie auch nicht mehr. Sie können nicht mal eben Essen gehen oder gar ein Konzert besuchen. Über eine Million Bundesbürger haben keine Wohnung mehr (8). 60.000 von ihnen vegetieren auf der Straße. Für sie hat die Steinzeit schon jetzt begonnen.

Die deutsche Infrastruktur rottet derweil leise weinend vor sich hin. Berühmtes Beispiel ist die Carolabrücke in Dresden, die mal eben so in die Elbe geplumpst ist. Insgesamt sind 16.000 Brücken allein in Bundesbesitz dringend sanierungsbedürftig. Um sie alle zu reparieren, bräuchten wir allerdings 100 Milliarden Euro (9). Die sind natürlich im Bundeswehr-Sondervermögen besser angelegt, oder?

16.000 Eisenbahnweichen und 10.000 Kilometer Gleisstrecken müssen dringend erneuert werden (10). Übrigens: Gesundheit? Wozu brauchen wir Gesundheit? Die Hälfte aller Krankenhäuser in Deutschland arbeitet mit Verlust (11). Im Grunde sollte es ja egal sein, ob Krankenhäuser mit Verlust arbeiten. Denn eigentlich gilt doch der grundgesetzliche Versorgungsauftrag auch für Krankenhäuser. Aber nein. Die marktradikale Logik erzwingt, dass Krankenhäuser als Profitunternehmen geführt werden. Also werden Krankenhäuser im Falle der Insolvenz abgewickelt. Was schon massenhaft geschieht. Es wäre eigentlich höchste Zeit, diesen marktradikalen Wahnsinn zu beenden und endlich mal richtig viel Geld in die Gesundheitsversorgung zu pumpen. Aber das geht doch nicht! Wir müssen ja schließlich «kriegstüchtig» werden.

Und die Bildung? Brauchen wir die noch? Wieso eigentlich? KI wird doch irgendwann die Panzer lenken. Gerade ist die neue PISA-Studie raus. Und so fragwürdig dieses alberne Nationen-Ranking im Grunde auch sein mag: Wir können zumindest erkennen, dass elementare kognitive Fähigkeiten wie Rechnen und Schreiben tatsächlich auf dem Rückzug sind (12). Mit anderen Worten: Was ist das für ein gemeingefährlicher Hirnrindenriss, die eigene Gesellschaft total verkommen zu lassen, und stattdessen alles in unsere Vernichtung zu stecken?

Sind hier Satanisten oder Apokalyptiker am Ruder? Eine einfache Rechnung zeigt, dass die NATO Russland im Militär in fast allen Bereichen um den Faktor vier bis fünf überlegen ist. Die NATO mit ihren 32 Mitgliedsländern verfügt über einen Wehretat von sage und schreibe 1,8 Billionen Dollar (13)! Russland muss mit mickrigen 177 Milliarden Dollar dagegen anstinken (14). Die NATO befehligt 3,4 Millionen aktive Soldaten (15). Russland hat nur 1,3 Millionen Soldaten im aktiven Dienst (16). Bei allen Waffengattungen ist die NATO Russland um etwa den Faktor fünf überlegen.

Dazu kommt die gewaltige Ausdehnung des Russischen Reiches. Das ist ein Problem. Der Westen hat jetzt annähernd fünf Jahre Russland sich abarbeiten lassen am Ukraine-Krieg. Ein Krieg, der schon lange nicht mehr von der Ukraine, sondern von NATO-Ländern wie Großbritannien oder Frankreich geführt wird. Falls es Russland an die Gurgel geht, bleibt für Russland nur die Notwehr mit der Atombombe. Dann erleben wir alle die Bombennacht von Kassel am 22. Oktober 1943. Aber diesmal ohne nochmaligen Wiederaufbau. Für jenen Zeitpunkt haben die Superreichen, die uns die Suppe eingebrockt haben, sich einen Platz im Luxusbunker Rothenstein bei Jena gebucht (17). Dort können sie hundert Meter unter der Erdoberfläche im Swimming Pool die Zeit überbrücken, bis die Luft oben wieder rein ist.

Nicht jammern! Handeln! Denn der Widerstand gegen diesen Wahnsinn nimmt gerade Fahrt auf. Noch funktioniert der Spaltpilz, den die Mächtigen in die Friedensbewegung gepflanzt haben. Corona-Gläubige und Corona-Skeptiker sind noch immer getrennt. Dabei ist dies unser aller Leben, das hier zur Disposition steht. Auch die Generationen sind noch nicht im Dialog. Da jammern die Alten, dass die Jugend nichts tut, während die Jugend die Schulen bestreikt und Camps an den Toren von Rheinmetall aufmacht. Doch die Unterschiede lassen sich überbrücken. Um unser aller Leben zu retten.

Am 25. September gehen unsere Schüler erneut in den Streik gegen Wehrpflicht und Aufrüstung. Sie haben schon eine Reihe Streiks erfolgreich absolviert und dabei viel dazugelernt. In Hamburg will die NATO die Kriegsführung üben, in Zusammenarbeit mit zivilen Strukturen. Gegen dieses Manöver mit dem Namen «Red Storm Charlie» wird es am 24. und 25. September zu umfangreichen Aktionen kommen (18).

Am 29. September veranstalten die Gewerkschaften Großdemos unter dem Motto «unkürzbar» (19). Sie protestieren dagegen, dass im Zivilleben ohne Ende gekürzt wird, um alles in den Krieg zu stecken. Es ist klar, dass die Gewerkschaftsführung das nicht freiwillig tut. Aber die Kollegen an der Basis der Gewerkschaft verstärken den Druck, damit die Bonzen mal den Arsch hoch kriegen.

Am 1. Oktober wird in Münster dagegen demonstriert, dass der «Westfälische Friedenspreis» ausgerechnet an die NATO geht. Schon am 3. Oktober folgen dann unter dem Motto «Nie wieder Krieg» in Berlin und Stuttgart Großdemos. Am 30. November gibt es einen weltweiten Protesttag der Hafenarbeiter gegen den Missbrauch der Hafenlogistik für Kriegstechnik (20). Zudem sind bislang weitere 390 Aktionen gegen den Krieg angekündigt.

Wir müssen uns jetzt mal diesen Aktionen anschließen. Aber es kann auch jeder Einzelne mit kreativen Aktionen den Überlebenskampf aufnehmen. Versucht es doch mal mit paradoxer Intervention!

Wir leben in Zeiten großer Veränderungen. Wenn wir diesen Kampf bestehen, kann eine wirklich lebenswerte neue Welt entstehen.

Quellen und Anmerkungen:

(1) https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-kassel-airport-als-militaerische-drehscheibe-rheinmetall-investiert-hunderte-millionen-100.html
(2) https://www.youtube.com/watch?v=mu867x3z4OE
(3) https://www.youtube.com/watch?v=Hx_0hMV_Jkw
(4) https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/zukunft-von-vw-werk-osnabrueck-steht-heute-fest-volkswagen,vwosnabrueck-100.html
(5) https://www.deraktionaer.de/artikel/aktien/volkswagen-osnabrueck-wird-ruestungsstandort-loesung-fuer-alle-vw-werke-20408274.html
(6) https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/nato-gipfel-den-haag-2025-2355974
(7) https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/02/PD26_039_63.html?utm_source=chatgpt.com
(8) https://www.bagw.de/de/themen/zahl-der-wohnungslosen/uebersicht?utm_source=chatgpt.com
(9) https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/bund-unterschaetzt-offenbar-sanierungsstau-bei-maroden-bruecken%2CUiVR2BO?utm_source=chatgpt.com
(10) https://www.deutschebahn.com/de/presse/pressestart_zentrales_uebersicht/DB-InfraGO-Zustandsnote-des-Schienennetzes-2025-konstant-geblieben-13865538?utm_source=chatgpt.com
(11) https://www.rwi-essen.de/presse/wissenschaftskommunikation/pressemitteilungen/detail/krankenhaus-rating-report-2026-krankenhaeuser-krankenkassen-und-kommunalfinanzen-unter-druck?utm_source=chatgpt.com
(12) https://www.oecd.org/de/about/news/press-releases/2026/09/pisa-2025-students-reading-and-mathematics-performance-declined-sharply-across-the-oecd.html?utm_source=chatgpt.com
(13) https://www.turkiyetoday.com/world/nato-defense-spending-projected-to-top-18t-in-2026-3223488
(14) https://de.tradingeconomics.com/russia/military-expenditure
(15) https://www.morgenpost.de/politik/article405756545/nato-staerke-armee-soldaten-mitglieder.html
(16) https://de.statista.com/statistik/daten/studie/379080/umfrage/vergleich-des-militaers-der-nato-und-russlands/
(17) https://www.youtube.com/watch?v=EL9YHcPF6O4
(18) https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/protest-gegen-nato-manover-banneraktion-am-bismarck-denkmal-in-hamburg-52564
(19) https://www.dgb.de/mitmachen/kampagnen/aktionstag-sozialstaat/
(20) https://netzwerk-verdi.de/2026/08/30/internationaler-aktionstag-gegen-krieg-und-militarisierung-am-30-oktober-2026/

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Hermann Ploppa ist Politologe und Publizist. Kürzlich erschien von Ploppa das Buch «Der Neue Feudalismus – Privatisierung, Blackrock, Plattformkapitalismus». Da Amazon das Buch noch nicht führt, kann es am besten beim Autor bestellt werden unter: liepsenverlag@gmail.com

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F-35: Die Schweiz lernt nichts aus dem Mirage-Skandal

13. September 2026 - 0:04

Warum ist es so schwierig, etwas aus der Geschichte zu lernen? Vor gut sechzig Jahren sorgte die Beschaffung der Mirage III für einen der größten politischen Skandale der Schweizer Nachkriegsgeschichte. 1961 bewilligte das Parlament Geld für 100 französische Kampfflugzeuge. Aus den ursprünglich vorgesehenen Kosten wurde ein finanzielles Desaster. Am Ende standen nur 57 Maschinen zur Verfügung – und eine parlamentarische Untersuchungskommission (PUK), die den Verantwortlichen eine geradezu vernichtende Beurteilung ausstellte. Die Botschaft des Bundesrates sei teilweise tendenziös, unsorgfältig und an einzelnen Stellen sogar irreführend gewesen, hielt die PUK fest. Verantwortliche der Verteidigungsminister, Bundesrat Paul Chaudet (FDP/Waadt) mussten gehen, das Militärdepartement wurde reorganisiert und die parlamentarische Kontrolle der Rüstungsgeschäfte verschärft. Man könnte meinen, die Schweiz hätte daraus gelernt.

Hat sie aber nicht. Beim F-35 drängt sich inzwischen eine unangenehme andere Antwort auf. 36 amerikanische F-35A sollten rund sechs Milliarden Franken kosten. Der Bevölkerung wurde im Abstimmungskampf ein Fixpreis präsentiert. Doch dieser Fixpreis war, wie die Geschäftsprüfungskommission des Nationalrates nun festhält, gar nie realistisch. Kein Anbieter hatte einen solchen pauschalen Fixpreis offeriert. Auch die USA hatten den F-35 zu den üblichen Bedingungen angeboten – ohne Garantie eines unveränderlichen Gesamtpreises. Trotzdem hielt sich die politische Botschaft vom fixen Preis jahrelang. Das ist nicht irgendein Detail eines komplizierten Rüstungsvertrags. Es ist der Kern einer milliardenschweren Beschaffung. Und damit wurde das Volk bei der Volksabstimmung getäuscht und das hauchdünne Ja kam zustande.

Besonders brisant ist, wie das VBS mit dem Vertrag umging. Die GPK stellte fest, dass nur wenige der beteiligten Personen den ausgehandelten Vertrag vollständig gelesen hatten. Gleichzeitig wurde der interne Rechtsdienst umgangen und stattdessen eine externe Anwaltskanzlei beigezogen. Diese wies ihrerseits darauf hin, dass für bestimmte Fragen zusätzliche amerikanische Rechtsexpertise notwendig sei.

Das wirft eine simple Frage auf: Wie kann ein Staat für Milliarden Franken Kriegsmaterial kaufen, wenn die Verantwortlichen den Vertrag nicht einmal vollständig kennen?

Noch schwerer wiegt der zeitliche Ablauf. Bereits 2021 war die Schweizer Seite aus den USA darüber informiert worden, dass ein pauschaler Fixpreis nicht möglich sei. Spätestens 2022 bestanden auch bei der Eidgenössischen Finanzkontrolle Zweifel. Dennoch wurde an der politischen Darstellung des Fixpreises festgehalten. Erst 2024 wurden mögliche Mehrkosten bei Armasuisse konkreter erkannt. Der Gesamtbundesrat wurde darüber erst im März 2025 informiert.

Das ist kein kleiner administrativer Fehler. Das ist ein Versagen der politischen und institutionellen Kontrolle. Und jetzt wird es teuer. Die zusätzlichen Kosten werden auf Milliarden geschätzt. Entweder muss die Schweiz erheblich mehr bezahlen – oder sie bekommt weniger von dem, was ursprünglich versprochen wurde. Beides bedeutet: Die Rechnung, über die die Bürgerinnen und Bürger abstimmten, war nicht die Rechnung, die ihnen heute präsentiert wird.

Damit sind wir wieder bei der Mirage. Auch damals begann das Problem mit einem politischen System, das eine große militärische Vision verwirklichen wollte und dabei die Kostenkontrolle verlor. Sonderwünsche, technische Anpassungen und zusätzliche Anforderungen trieben die Rechnung massiv in die Höhe. Die zuständigen Stellen hatten die tatsächlichen Kosten gekannt oder hätten sie kennen müssen – trotzdem wurde dem Parlament ein zu niedriger Kredit beantragt. Der Unterschied zu heute ist vor allem einer: Damals flog der Skandal früher auf.

Heute sind die Kontrollmechanismen zwar umfangreicher, die Rüstungsgeschäfte aber noch viel größer und technisch komplexer. Und die Abhängigkeit vom Lieferland ist enorm.

Der F-35 ist kein gewöhnliches Flugzeug, das man kauft und anschließend unabhängig betreibt. Seine Wartung, Ersatzteilversorgung, Software und technische Infrastruktur sind Teil eines amerikanisch dominierten Systems. Damit kauft die Schweiz nicht bloß 36 Flugzeuge. Sie kauft sich langfristig in ein ausländisches militärisches Ökosystem ein. Das ist strategisch relevant. Denn die Frage lautet nicht nur: Was kostet der F-35? Sie lautet auch: Wie unabhängig ist die Schweiz mit ihm?

Und genau hier wird die Debatte bisher erstaunlich oberflächlich geführt. Es geht um Milliarden, aber gleichzeitig um Vertragsdetails, die nur wenige Beteiligte vollständig kennen wollten oder konnten. Es geht um die Sicherheit des Landes, aber zentrale Fragen zur langfristigen Abhängigkeit bleiben schwer durchschaubar. Und es geht um einen Kauf, dessen finanzielle Grundlage sich inzwischen als weit weniger solide erweist als ursprünglich dargestellt.

Besonders irritierend ist dabei die Haltung, die sich inzwischen durch die politische Debatte zieht: Als sei die Kostenfrage zwar bedauerlich, der Entscheid für den F-35 aber ohnehin alternativlos gewesen. Doch genau das ist der Punkt. Nichts im Leben ist alternativlos. Auch wenn das der heutigen Verteidigungsminister, Bundesrat Martin Pfister (Mitte/Zug) so sieht. In den 60er Jahren sah das noch anders aus. Da leitete der bissige Kurt Furgler von der gleichen Partei die PUK. Und heute werden Kritiker wie der SP-Parlamentarier Fabien Fivez, der über den Skandal publizierte, als «Verschwörungstheoretiker» oder «Linke» diffamiert. Oder beides. Jüngst wurde das Buch eines anonymen Insiders publiziert. Dieser schildet die Beschaffung von A-Z. Was dort steht, lässt einen die Haare zu Berge stehen.

Demnach soll der F-35 in erheblichem Umfang von den USA abhängig bleiben: Für den Start sei regelmäßig eine Freigabe aus Fort Worth erforderlich; nach längerer Zeit ohne Verbindung könne das Flugzeug gesperrt werden. Auch die Ersatzteile würden demnach nicht in Schweizer Besitz übergehen, sondern in einem von der US-Regierung kontrollierten globalen Pool verbleiben. Zudem seien wichtige Softwarefunktionen – etwa für Radar, Kommunikation und Selbstschutz – an wiederkehrende Lizenzzahlungen gebunden. Selbst die Kontrolle der empfindlichen Stealth-Beschichtung solle ausschließlich durch US-Personal erfolgen.

Als mir ein Insider vor einigen Jahren die Information mit dem «kill switch» steckte, glaubte ich sie nicht und machte auch nicht davon Gebrauch. Aber leider ist es so: Das Flugzeug hebt nur ab, wenn die Freigabe der USA da ist. Als der damalige Verteidigungsminister Ueli Maurer (SVP/Zürich) den schwedischen Gripen besorgen wollte, wurde das leider knapp abgelehnt. Nun kommen wir vom Regen in die Traufe.

Jüngst hat auch die Eidgenössische Finanzkontrolle das Vorgehen hart kritisiert. Es wurde publik, dass kaum jemand den Vertrag richtig gelesen hatte. Die Finanzkontrolle wird regelmäßig als Armeegegnerin an den Pranger gestellt. Aber ist es nicht gerade ihre Aufgabe, den Einkäufern auf die Finger zu schauen?

Was tun? Wenn sich die Rahmenbedingungen einer Beschaffung nachträglich als wesentlich anders herausstellen, muss auch der ursprüngliche Entscheid hinterfragt werden. Die GPK hat ausdrücklich nicht untersucht, ob der F-35 tatsächlich das beste Flugzeug für die Schweiz ist. Sie hat sich auf das Fixpreis-Debakel konzentriert. Damit ist eine der wichtigsten Fragen überhaupt weiterhin offen.

Denn ein günstiger Kauf ist nicht automatisch ein guter Kauf. Und ein technisch hervorragendes Flugzeug ist nicht automatisch die richtige Wahl für ein neutrales Land mit besonderen Anforderungen an Souveränität, Kostenkontrolle und langfristige Verfügbarkeit.

Die Mirage-Affäre führte einst dazu, dass die Schweiz ihre Rüstungsbeschaffung grundlegend neu organisierte. Beschaffung und militärische Führung wurden stärker getrennt, die parlamentarische Kontrolle wurde ausgebaut. Heute braucht es deshalb mehr als ein paar neue Richtlinien. Es braucht die Bereitschaft, die entscheidende Frage zu stellen: Warum hat die Schweiz ausgerechnet bei einem der größten Rüstungsgeschäfte ihrer Geschichte die Lehren vergessen, die sie aus der Mirage-Affäre gezogen hatte?

Meine Antwort: Weil die Schweizer Elite zwar bei jeder Gelegenheit die EU kritisiert, aber an Amerikahörigkeit kaum zu überbieten sind. Die Schweizer Diplomatie – Bern verfügt nach wie vor über sehr gute Diplomaten, wenn man diese politisch richtig brieft – sollte versuchen, die Beschaffung abzubrechen und das bereits bezahlte Geld in andere US-Rüstungsgüter zu stecken.

Und dann braucht es eine Strategie, die die Lehren aus dem Ukrainekrieg zieht und eine realistische Strategie für Rüstung und Armee definiert.

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Kopftuch-Debatte: Wenn selbst eine einfache Frage unbeantwortet bleibt

13. September 2026 - 0:03

Es gibt politische Debatten, die kompliziert sind. Und es gibt Fragen, die erstaunlich einfach sind. In der aktuellen Auseinandersetzung über ein Kopftuchverbot an Schweizer Schulen (hier, hier und hier) wurde eine solche Frage im Radio gestellt. Im «Tagesgespräch» von SRF diskutierte der Islamwissenschaftler Abduselam Halilovic über die Forderung mehrerer Kantone, das Kopftuch an Schulen zu verbieten.

Moderator David Karasek konfrontierte ihn mit einem Argument der Zürcher SVP-Kantonsrätin Sandra Bossert. Sie hatte sinngemäß darauf hingewiesen, dass das Kopftuch nicht einfach ein Stück Stoff sei, sondern ein sichtbares Zeichen einer geschlechtsspezifischen Bekleidungspflicht: Das Mädchen soll sich verhüllen, der Junge nicht.

Dann kam die entscheidende Frage: Warum muss sich das Mädchen verhüllen und der Bub nicht? Halilovic antwortete nicht direkt. Stattdessen folgten Ausführungen über gesellschaftliche Zusammenhänge, unterschiedliche Interpretationen und die Vielfalt muslimischer Lebensweisen. Doch die konkrete Frage blieb stehen. Karasek ließ sie deshalb nicht fallen. Er hakte nach. Mehrfach. Ist es nicht unfair, wenn sich das Mädchen verhüllen muss, der Junge aber nicht? Wieder keine klare Antwort.

Das ist der bemerkenswerte Teil dieses Interviews. Denn man muss weder für ein Kopftuchverbot sein noch gegen den Islam argumentieren, um diese Frage legitim zu finden. Sie betrifft einen elementaren Grundsatz moderner Gleichberechtigung: Warum gelten unterschiedliche Bekleidungsvorschriften für Mädchen und Jungen?

Wer ein Kopftuch als Ausdruck persönlicher Religiosität verteidigt, kann selbstverständlich argumentieren, dass Frauen und Mädchen es freiwillig tragen. Genau hier müsste eine seriöse Debatte ansetzen: Wann ist das Kopftuch tatsächlich Ausdruck einer freien Entscheidung? Wann entsteht sozialer oder familiärer Druck? Und welche Rolle soll der Staat insbesondere bei Minderjährigen spielen? Doch dazu braucht es Antworten – keine Ausweichmanöver.

Denn gerade bei Kindern und Jugendlichen ist die Frage nach Freiwilligkeit nicht nebensächlich. Ein Mädchen, das ein religiös begründetes Kleidungsstück trägt, steht möglicherweise unter familiärem oder sozialem Druck. Das muss nicht so sein. Aber es kann so sein. Und genau deshalb darf man darüber diskutieren.

Ebenso legitim ist die Frage, warum ausgerechnet der weibliche Körper stärker bedeckt werden soll als der männliche. Das ist keine «islamfeindliche» Frage. Es ist eine Frage nach Gleichheit zwischen den Geschlechtern.

Wer ein Kopftuchverbot ablehnt, sollte deshalb nicht einfach mit dem Etikett «Diskriminierung» reagieren. Er müsste erklären, weshalb ein staatliches Verbot problematischer sein soll als eine gesellschaftliche oder religiöse Norm, die Mädchen und Frauen eine bestimmte Bekleidung auferlegt.

Und wer das Kopftuch verteidigt, müsste umgekehrt erklären, weshalb die Gleichheitsfrage keine Rolle spielen soll. Genau diese Auseinandersetzung wäre die Aufgabe eines öffentlich-rechtlichen Interviews: Argumente sichtbar machen, Widersprüche herausarbeiten, nachfragen, wenn ein Gast ausweicht. Karasek hat das getan.

Umso auffälliger ist, dass die zentrale Frage nach minutenlangem Nachhaken letztlich unbeantwortet blieb. Dabei ist Halilovic nicht einfach irgendein Studiogast. Er ist Islamwissenschaftler, hat an der Universität Zürich studiert und promoviert heute an der Universität Freiburg. Zudem ist er Präsident der Interreligiösen Arbeitsgemeinschaft in der Schweiz.

Damit stellt sich eine weitergehende Frage. Die Schweiz finanziert ihre Universitäten mit erheblichen öffentlichen Mitteln. Sie finanziert damit Forschung, Lehre und wissenschaftliche Arbeit – auch in Bereichen, die für gesellschaftliche Debatten von großer Bedeutung sind.

Das ist richtig und wichtig. Aber öffentliche Wissenschaft muss sich auch unbequemen Fragen stellen lassen. Wenn ein Wissenschaftler öffentlich zu einem kontroversen gesellschaftlichen Thema auftritt, darf man deshalb erwarten, dass er zentrale Einwände nicht einfach umkreist, sondern beantwortet. Gerade dort, wo es um Geschlechtergleichheit, Religionsfreiheit und die Erziehung von Kindern geht.

Die Frage bleibt also stehen. Und sie ist vielleicht unbequemer, als es manchen lieb ist: Warum muss sich ein Mädchen verhüllen und ein Junge nicht? Und wenn selbst ein Islamwissenschaftler darauf keine überzeugende Antwort geben kann, müssen wir noch eine andere Frage stellen: Warum finanzieren wir solche Jobs an Universitäten mit unseren Steuergeldern?

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Das andere «Wort zum Sonntag» oder: Auf der Reise

12. September 2026 - 17:26

Auf der Reise − auf welcher Reise? Auf der zu den wirklich eigenen Fragen. Das gilt ja für fast alle Lebensbereiche; ob nun Erziehung, Einrichtung der Wohnung, die Art der Beziehungspflege, die Mode oder auch den Glauben: Man fängt an mit dem, was man kennengelernt hat und einem gesagt worden ist. Dann stellt sich heraus, was sich mehr oder weniger bewährt, und je nach Umständen, nach eigenem Mut oder nach Notwendigkeit gibt es dann zwei Wege:

Wir machen entweder trotzdem weiter, weil man's halt so kennt und es irgendwie zu anstrengend wäre, ein Ruder herumzureißen, oder wir nehmen die eigene Erfahrung samt der neuen Zweifel auf und bohren weiter. Insbesondere beim Glauben, hab ich festgestellt, gibt es noch eine dritte Möglichkeit: dass wir das Thema irgendwie probieren abzuhaken; Reise unterbrochen, Fortsetzung ungewiss.

Seit einigen Jahren bin ich mehrheitlich außerhalb der Kirchen unterwegs und mit vielen Menschen ins Gespräch gekommen. So mache jetzt auch ich eine Zwischenpause und trage 'mal zusammen, was mir dabei so entgegenkommt.

Mitglieder in den großen Kirchen wie auch Freikirchen sind sehr dünn gesät in dem, was sich aufgeklärte Szene nennt oder jedenfalls Klärungen suchende. Eine spontane Umfrage hat eine Trefferquote von fast hundert Prozent an Außen-Stehenden, -Glaubenden, … − was auch immer ergeben. Entsprechend groß ist oft das Staunen, wenn ich mich auf einem Podium oder in einer Gruppe als Pfarrer zu erkennen gebe. Mit «so einem» rechnet man dort offenbar kaum mehr. Oder das andere: Was einem dermaßen weit weggerückt ist im Lauf der Jahre, ist jetzt fast schon wieder interessant.

Die Fragen sind den Menschen ja geblieben; sie sind oft nur nicht gleich erkennbar. Aber fangen wir mit dem an, was ich den Befund nennen möchte. Warum suchen gerade kritische Menschen einen Abstand zu dem, was sie als Kirche und / oder Glauben kennengelernt hatten? Summarisch dargestellt, geht es um Folgendes:

  • Auf wesentliche Fragen zur christlichen Lehre und zur Bibel hatte man keine Antworten bekommen.
  • Was in den Gottesdiensten, Artikeln und Stellungnahmen angeboten wird, hatte mit der eigenen Lebenswirklichkeit kaum etwas zu tun.
  • Der ganze Komplex von sexuellem wie auch Machtmissbrauch hat einem das letzte Zutrauen weggenommen.
  • «Wie konnten die in der C-Zeit nur Menschen von Gottesdiensten aussperren oder einsam sterben lassen?»
  • Alles, was mit Religion zu tun hat, ist einem zu wenig greifbar und schwindet zu einem Nebel an bloßen Meinungen und Vermutungen.

Das sind die wesentlichsten Gründe, die ich immer wieder höre. − Was machen wir damit? Was machen die Betreffenden selber damit?

Grundsätzlich treten sie in eine Phase des Abstands. Die Sache mit dem Glauben hatte sich eher weniger als mehr bewährt, und jetzt hält man sie sich erst einmal vom Leib. − Was bedeutet das für diesen Leib, für diese Seele, diesen Geist?

Je nach Stresspegel, der dem vorangegangen ist, bedeutet es zunächst eine Entlastung. Man braucht sich nicht mehr mit Dingen auseinandersetzen, die einen in der dargebotenen Form nie so recht berührt hatten. Entlastung ist Freiraum, Freiraum ist Offenheit, und Offenheit könnte Neugierde bedeuten. «Was wäre es denn dann? Wie ticke ich denn selber, nachdem ich festgestellt habe, dass der Takt der anderen nicht meiner ist?

Es ist tatsächlich so, wie der politische Autor Hermann Rauschning das in seiner eigenen «Bekenntnisschrift» von 1955, dem «Ruf über die Schwelle», auf den Punkt bringt:

«Es gibt kein äußeres Verstehen, das von sich aus durch Übernahme des von anderen Übermittelten zum wirklichen Glauben führt. Bloß verstandener Glaube ist immer nur Verstehen einer Lehre über den Glauben. Es ist nicht der Glaube selbst.» (Seite 94, Hervorhebungen im Original)

Dafür bräuchte es schon mehr, nämlich «den Absprung von der Reflexion in das Zutrauen» (Seite 100), und das beginnt eigentlich damit, dass ich mich überhaupt erst einmal (wieder) informiere. «Auf keinem anderen Gebiet», schreibt Rauschning, würden denkende Menschen «sich erdreisten, mit so geringer Sachkenntnis der Grundlagen mitzureden wie in Glaubenssachen» (Seite 72).

Der Schritt zu einer guten Neugierde sollte hingegen nicht schwerfallen − jetzt, wo man sich nach seinem Abschied von Bisherigem doch umso freier wissen darf. Zugegeben, die Phase der Verdauung oder auch Heilung geht verschieden lang, mitunter viele Jahre. Aber ich stelle auch fest, wenn man das Eigene zu lange unter dem Deckel hält, stirbt es ab, und die Narbe wird hart.

Bleiben wir doch nicht hinter unseren Möglichkeiten zurück, so wenig weit wie's geht. Bei Menschen, die den Weg ins Freie gesucht und auch gefunden haben, ist das fast immer in zwei Zwischenschritten abgelaufen:

  • Sie haben sich darüber Rechenschaft gegeben, was ihnen bislang gefehlt hatte, «eigentlich».
  • Sie haben weitergetastet und dort, wo es sich angeboten hatte, Fragen gestellt, ihre eigenen Fragen.

Dafür waren sie eine Weile mit dem unterwegs, was ich den Tarnkappen-Modus nenne; einfach vorsichtig, um nicht − wieder? − vereinnahmt und aufs neue verletzt zu werden. Gut so, macht das! Die Fenster an den Wänden des neuen Frei-Raums gehen mal auf, dann wieder zu, und der Mensch prüft die Witterung. Genau so geht das und ist das auch gedacht, dass die Menschen

«Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns» (Apostelgeschichte 17,27).

Insofern gibt es tatsächlich einen «Unglauben» mit Verheißung. Und was könnte nun dazu führen, seinen Weg, seinen eigenen Weg, − wieder? − aufzunehmen? Es sind immer Momente des Innehaltens: wenn ein Gebet erhört worden ist, und sei durch die Fürbitte anderer, wenn man eine überklare Bewahrung erlebt hat oder wenn ein Bibelwort (nach Georges Bernaños «das WORT») in Seele und Gemüt seine Kreise zieht.

Hermann Rauschning, der letzte freigewählte Senatspräsident von Danzig, war Anfang der 30er Jahre von dem aufkommenden Ungeist so erschüttert, dass er seinen bloßen «Kirchenglauben», wie er später schrieb, aufgeben musste. Er hätte nicht getragen angesichts jener Mächte. Er war ihm zu bloßer Religion geworden, die er dann so einschätzte:

«Religion versperrt den Weg zu Gott, weil sie das Suchen und Verkünden eines Weges zu ihm vom Menschen aus beginnt, statt dass im Glauben sich der Mensch dem Handeln und Kommen Gottes öffnet. Wir wollen Gott-offen werden. Darum geht es uns.»

Die Voraussetzungen der Nicht-mehr-so-recht-Gläubigen könnten also kaum besser sein, denn

«die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängsteter Geist, ein geängstetes, zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten» (Psalm 51,19).

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Das andere «Wort zum Sonntag» vom 6. September 2026: «Die Predigt des Ungläubigen»

Lothar Mack war als Gemeindepfarrer und bei verschiedenen Hilfswerken und Redaktionen tätig. Sein kritischer Blick auf Kirche und Zeitgeschehen hat ihn in die Selbständigkeit geführt. Er sammelt und ermutigt Gleichgesinnte über Artikel und Begegnungen und ruft in Gottesdiensten und an Kundgebungen zu eigenständigem gläubigem Denken auf. Sein Telegram-Kanal lautet StimmeundWort.

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Himmel über Europa – Bilder sagen mehr als tausend Worte (Teil 2)

12. September 2026 - 0:08

Letzte Woche habe ich den ersten Teil meiner Serie «Himmel über Europa – Bilder sagen mehr als tausend Worte» veröffentlicht. Ein Leser schrieb dazu in einem Kommentar: «So viel dummes Zeug habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Kaufen Sie sich ein Buch über Meteorologie, dann werden Sie besser verstehen, was Sie am Himmel sehen. Und ja, wenn ein Liter Kerosin verbrannt wird, entstehen 800 Gramm Wasserdampf (Chemieformel studieren). Bei – 54°C logisch, dass sich Eiskristalle bilden.» Auch wiesen Leser darauf hin, dass es schon immer ungewöhnliche Wolkenformationen an unserem Himmel gegeben hat.

Dadurch sind mir einige Dinge klar geworden: Diejenigen, die diese mysteriösen Operationen seit Jahren am europäischen Himmel beobachten, können die künstlich erzeugten Wolkengebilde problemlos von natürlichen unterscheiden. Das haben mir auch unsere Leserinnen und Leser bestätigt, die mir viele Fotos und Videos zuschickten – und mit denen ich mich in den letzten zwei Wochen angeregt ausgetauscht habe. Diejenigen, die ihr Auge diesbezüglich noch nicht geschult haben, erachten die Wolkengebilde zwar als extreme, aber natürliche Phänomene.

Deshalb werde ich in diesem Teil – und auch in den nächsten – nur Fotos von höchst unnatürlichen «Kondensstreifen» präsentieren. Zusätzlich möchte ich Ihnen einen kleinen Einführungskurs geben. In Spanien werden solche Wetter- und Klimamanipulationen zum Beispiel vom Militär ausgeführt, und ich gehe davon aus, dass das auch in anderen europäischen Ländern der Fall ist.

Die Operationen laufen in etwa so ab: Die Flugzeuge ziehen kilometerweite «Kondensstreifen» hinter sich her, gerne erzeugen sie Kreuze und geometrische Formen. Die Streifen lösen sich nicht auf, wie das in der Regel bei «normalen» Kondensstreifen der Fall ist. Stattdessen breiten sie sich aus, und wenn die Substanzen mit der Luft reagieren, fasern diese Streifen aus. In diesem Moment erinnern mich die Streifen immer an einen Kamm.

In der Folge verschmieren die sich ausbreitenden Streifen den ganzen Himmel und im Laufe der Zeit entwickeln sich seltsame Wolkengebilde. Auch die Sonne wird verschleiert. In der letzten Zeit werden auch immer häufiger elektromagnetische Wellen in den Wolkengebilden sichtbar, die manche Beobachter mit dem Einsatz von HAARP (High-Frequency Active Auroral Research Program) in Verbindung bringen.

Auf manchen Fotos, die Sie im Anhang sehen, vereinen sich etliche dieser Phänomene auf einem Bild. Mein Tipp: Zoomen Sie die Fotos heran, dann ist es leichter zu erkennen.

Schweiz


Region Lindhebene, Schweiz, 12. Dezember 2025


Region Lindhebene, Schweiz, 2. Oktober 2025


Region Lindhebene, Schweiz, 15. Februar 2024


Region Lindhebene, Schweiz, 15. Februar 2024


Region Lindhebene, Schweiz, 14. Juli 2023


Region Lindhebene, Schweiz, 28. September 2023


Region Lindhebene, Schweiz, 24. März 2026


Region Lindhebene, Schweiz, 14. Juli 2023


Flüeli-Ranft, Kanton Obwalden, Schweiz, 25. August 2025

Unser Leser Marco Zimmermann hat mir nach dem Erscheinen meines letzten Beitrags über seine eigenen Erfahrungen beim Thema Wettermanipulation und Geoengineering berichtet. Am 21. Mai 2026 hat er Albert Rösti, den Chef des Eidgenössischen Departments für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK), mit Fragen zu den möglichen Ursachen der zunehmenden Luftverschmutzung im Zürcher Oberland konfrontiert. Wobei er unter anderem die These aufstellte, dass diese durch «das absichtliche Versprühen von Partikeln in der Atmosphäre (Chemtrails) ausgelöst werden».

In seinem Schreiben verwies Zimmermann auf die Aussagen von Röstis Vorgängerin Simonetta Sommaruga, die am 14. März 2019 am Rande der 4. Umweltversammlung der UN in Nairobi in einem Interview erklärte:

«Ja, die Schweiz hat versucht, dass das Thema Geoengineering – und vor allem das Versprühen von Partikeln in die Atmosphäre, die sogenannten Chemtrails – dass das mal auf den Tisch kommt, dass man darüber Informationen sammelt, dass man Chancen und Risiken anschaut (...) Das sind Versuche, die man macht, ohne überhaupt deren Auswirkungen zu kennen. Das Thema ist zu wichtig und allenfalls auch zu problematisch, als dass wir da einfach wegschauen können.»

Das sei vor sieben Jahren gewesen, betont Zimmermann. Heute seien Begrifflichkeiten wie Geoengineering und Wettermodifikation keine konspirativen Thesen mehr. Selbst in prominenten staatlichen und privaten Leitmedien seien sie salonfähig geworden. Sogar das Schweizer Fernsehen (SRF) habe sich am 1. Mai 2025 der Thematik des solaren Geoengineering – das Dimmen der Sonne mittels Chemtrails – gewidmet. Zitat:

«Die am besten erforschte Methode ist das Einbringen von Aerosolen in die Atmosphäre (Stratospheric Aerosol Injection/SAI). Aerosole sind mikroskopisch kleine Partikel, welche die Sonneneinstrahlung in den Weltraum zurückwerfen und so die Temperatur auf der Erdoberfläche senken können. Dazu setzen Flugzeuge Milliarden von Schwefeldioxidmolekülen in die Atmosphäre frei. Diese Partikel sorgen dann für die Bildung von Aerosolen, die eine dünne, reflektierende Schicht um die Erde formen.»

Umweltminister Rösti antwortete Zimmermann am 9. Juni 2026. Dieses Schreiben liegt unserer Redaktion vor – und darin erklärt er:

«Vielen Dank für Ihr engagiertes Schreiben. Ihre Bedenken punkto Luftverschmutzung durch die zivile Luftfahrt nehme ich als Umweit- und Verkehrsminister ernst. Die Schweiz verfolgt kein Geoengineering. Ich kann Ihnen versichern, dass keine Chemikalien am Himmel versprüht werden. Vielmehr handelt es sich bei den von Ihnen beschriebenen Mustern um Kondensstreifen aus Flugzeugtriebwerken.

Flugzeugtriebwerke erzeugen tatsächlich Feinstaub, insbesondere beim Start und bei der Landung. Im Vergleich zu anderen Quellen – zum Beispiel Strassenverkehr, Heizungen oder Industrie - ist ihr Anteil an der gesamten Feinstaubbelastung in der Schweiz jedoch relativ gering und räumlich vor allem auf die Umgebung von Flughäfen begrenzt. Die Luftqualität in unserem Land hat sich seit dem Jahr 2000 erfreulicherweise deutlich verbessert und ist insgesamt gut. Um die Belastung der Gesundheit der Bevölkerung weiter zu senken, werden auch in Zukunft Massnahmen für eine saubere Luft zu ergreifen sein.»

Marco Zimmermann teilte mir in seiner E-Mail noch eine amüsante Anekdote mit. Denn am 9. September hat er «ausnahmsweise der Märchenstunde von Radio SRF gelauscht». Dort wurden die Zuhörer in den Neun-Uhr-Nachrichten mit der zunehmend schlechteren Luftqualität in der Schweiz konfrontiert – infolge «sich häufender Waldbrände» und natürlich des «menschengemachten Klimawandels». Eine Information, die den Äußerungen von Umweltminister Rösti vom Juni, wie Zimmermann es ausdrückt, «diametral widerspricht».

Auffällig ist, dass die mysteriösen Aktivitäten am Schweizer Himmel, die Sie auf den Fotos oben sehen konnten, denen in anderen europäischen Ländern gleichen. Das legt die Vermutung nahe, dass es sich nicht um einzelne Operationen auf nationaler Ebene handelt, sondern um ein europaweites Programm, über das die Bürger nicht informiert werden.

Ungarn


Budapest, Ungarn, 28. Mai 2026


Budapest, Ungarn, 28. Mai 2026

Deutschland


Heidelberg, 27. Dezember 2025


Nordrheinwestfalen


Köln, 11. April 2024


Köln, 11. April 2024


Breitenbach, 26. Juli 2024


Breitenbach, 26. Juli 2024

Und zum Abschluss noch ein eindrucksvolles Video aus Osterfeld, südlich von Leipzig. Zum Abspielen des Videos auf das Bild klicken.

Das war es für heute, liebe Leserinnen und Leser, ich hoffe, ich konnte zu Ihrem Erkenntnisgewinn beitragen. Und meine Fragen an alle Zweifler: Finden Sie, dass diese «Kondensstreifen» normal aussehen? Möchten Sie nicht wissen, was mit diesen Operationen bezweckt wird – und wer sie in Auftrag gibt? Würden Sie es nicht für angemessen halten, dass uns unsere Regierungen transparente Erklärungen zu diesen geheimen Aktivitäten am Himmel liefern?

Schreiben Sie mir, liebe Leserinnen und Leser – und schicken Sie mir gerne weiteres Foto- und Videomaterial. Und bitte haben Sie etwas Geduld, wenn Ihre Fotos nicht sofort erscheinen. Denn es gibt eine gute Nachricht: Mein Archiv wächst und wächst und wächst ...

Die Fotos sollten eine Auflösung von 72 dpi haben, bei einer maximalen Höhe und Breite von 40 cm. Wenn Sie mir die Fotos schon in der richtigen Größe schicken, helfen Sie mir. Denn momentan verbringe ich viele freie Stunden damit, das gesamte Material zu archivieren. Bitte senden Sie Ihre Bilder und Videos an meine Redaktionsadresse: ws@corona-transition.org. Sollte diese aus irgendeinem Grund nicht funktionieren, was leider schon einmal passiert ist, können Sie alternativ diese Redaktionsadresse benutzen: info@transition-news.org

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier.

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Nordeuropa bereitet sich auf Unbekanntes vor: Bestattungsunternehmen kaufen Land, Behörden lagern Getreide, Zivilschutzübungen nehmen zu

12. September 2026 - 0:05

Schweden, Finnland und Norwegen bereiten sich schon seit geraumer Zeit sehr ernsthaft auf den Fall vor, dass plötzlich ein unvorhergesehenes Ereignis von großem Ausmaß eintritt. Wie das spanische Portal El Economista berichtet, haben die nordischen Länder einen Gedanken wieder aufgegriffen, den weite Teile Europas nach dem Ende des Kalten Krieges verworfen hatten: Eine hochentwickelte Gesellschaft muss darauf vorbereitet sein, auch dann zu funktionieren, wenn die Strukturen, die den Alltag tragen, vorübergehend ausfallen.

Es gehe dabei nicht zwangsläufig um Kriegsvorbereitungen oder Panikmache, sondern schlicht um Vorsorge, betont El Economista. Als mögliche Ereignisse führt das Portal großflächige Stromausfälle, Extremstürme, Cyberangriffe, Unterbrechungen der Wasserversorgung oder Logistikkrisen an.

Deshalb würden Finnland, Schweden und Norwegen ihre Widerstandsfähigkeit durch eine Strategie der «totalen Verteidigung» stärken, die Staat, Unternehmen und die Bürger selbst einbeziehe. Dazu gehören zum Beispiel Maßnahmen wie das Anlegen von Getreide- und Lebensmittelvorräten. So hat Norwegen kürzlich die öffentliche Getreidelagerung wieder eingeführt, die 2003 aufgegeben worden war. Und Schweden hat im Haushalt für 2026 Mittel in Höhe von 575 Millionen Kronen (etwa 51 Millionen Euro) für den Aufbau von Notreserven im Norden des Landes vorgesehen.

Der schwedische Minister für Zivilschutz, Carl-Oskar Bohlin, fasste das Vorhaben unter einem zentralen Aspekt zusammen: Jeder Haushalt sollte in der Lage sein, «auch in Krisenzeiten Essen auf den Tisch zu bringen». Durch die von der Regierung ergriffenen Maßnahmen könnten nach Angaben der schwedischen Landwirtschaftsbehörde zwischen 90 und 95 % der Bevölkerung drei Monate lang – im Wesentlichen auf der Basis von Getreide – überleben, ohne Mangelerscheinungen zu erleiden.

Die größte Zivilschutzübung

Die zweite Säule der Krisenvorsorge besteht laut El Economista darin, zu lernen, wie man sich im Notfall verhält. Finnland hat deshalb in Kuopio eine Übung durchgeführt, die Euronews als «die größte Zivilschutzübung in Europa seit Ende des Zweiten Weltkriegs» bezeichnete. Mehr als 2.000 Personen – darunter Freiwillige, Studierende und Militärangehörige – nahmen an einem äußerst komplexen Szenario teil. Dabei wurde eine Lage simuliert, in der Cyberangriffe kritische Infrastrukturen wie die Strom- und Wasserversorgung lahmgelegt hatten, während gleichzeitig die Bedrohung durch Raketenangriffe bestand.

Schweden bezieht in diese Planung noch ein anderes Szenarium ein: den Umgang mit einer Situation, in der Tausende von Menschen ums Leben kommen. Im Mai wurde deshalb das Manöver «Aurora 26» organisiert, bei dem Verfahren für den Umgang mit Todesopfern in einem groß angelegten Konflikt erprobt wurden. El Economista zufolge arbeiteten Mitarbeiter der lutherischen Kirche dabei mit Hunderten von Leichensäcken, sie registrierten Identitäten und übten die Abstimmung mit dem Standesamt, ausländischen Botschaften sowie – gegebenenfalls – dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz.

Obendrein wird in Schweden die Sicherung von Flächen speziell für Verstorbene vorangetrieben. Verbände der Bestattungsbranche setzen gemeinsam mit den schwedischen Behörden Empfehlungen um, die eine ausreichende Friedhofsfläche für eine außergewöhnliche Sterberate von 5 % der jeweiligen Gemeindebevölkerung vorsehen. In Göteborg wurden laut El Economista zusätzliche 40.000 Quadratmeter Land erworben, die Platz für rund 30.000 Bestattungen bieten sollen. Diese Fläche kommt zu den etwa 60.000 Quadratmetern hinzu, die für den normalen Bedarf benötigt werden. Gerechtfertigt wird diese Maßnahme mit dem Umstand, dass die Anlage neuer Friedhöfe aufgrund städtebaulicher und administrativer Erfordernisse viele Jahre in Anspruch nehmen kann.

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