«Mit Brigitte Bardot verschied eine starke und unabhängige Frau, die es nicht nötig hatte, sich dem Zeitgeist unterzuordnen oder sich gar – wie leider viele deutsche Prominente – zur Systemnutte machen zu lassen, und die solches auch in der Not nicht getan hätte. Die einfach zu sich stand und standhaft war. Ein schönes Zitat von ihr als Abschluss: ‹Früher habe ich mit meinem Hintern schockiert, jetzt schockiere ich mit meinen Büchern (Meinungen). Das ist das Gleiche!›» (– Nachruf der Seite https://publikum.net/).
Transition News
Ukraine-Krieg vermutlich bald formell beendet – doch es droht permanenter hybrider Krieg
Dieser Beitrag wurde mit freundlicher Genehmigung von l'AntiDiplomatico übersetzt und übernommen.
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Gestern verkündete die russische Armee offiziell die Einnahme von Pokrowsk und die gleichzeitige Eroberung von Woltschansk. Im vergangenen Monat eroberte die russische Armee 505 Quadratkilometer Territorium. Für ein Land von der Größe der Ukraine ist dies zwar noch eine geringe Fläche, signalisiert aber im Vergleich zum vorherigen Zeitraum deutliche Fortschritte.
Die allgegenwärtige Drohnenpräsenz verhindert zwar schnelle Vorstöße mit Panzern und gepanzerten Fahrzeugen, macht die erzielten Gebietsgewinne aber auch widerstandsfähiger gegen Gegenangriffe. Die Anzeichen für eine Schwächung der ukrainischen Einsatzfähigkeit an der Front sind deutlich, doch ob der Konflikte ein baldiges Ende findet, ist umstritten.
Von der Front aus ließen einige ukrainische Kommandeure Selenskyj wissen, dass sie einem Abkommen über einen Rückzug aus dem Donbass nicht Folge leisten würden, sollte er es unterzeichnen. Natürlich handelt es sich in einem modernen Krieg eher um eine Geste als um eine ernsthafte Aussicht auf umfassenden Widerstand: Würde die Versorgung durch eine zentrale Entscheidung unterbrochen, würde die Front innerhalb weniger Wochen zusammenbrechen. Genauso würde es zusammenbrechen, wenn die USA, wie wiederholt angedroht, ihre Satelliteninformationen und Geheimdiensterkenntnisse zurückzögen.
Letztendlich liegt die Entscheidung, ob der Krieg fortgesetzt oder eine ehrenvolle Niederlage akzeptiert wird, ungeachtet der radikaleren nationalistischen Elemente innerhalb der ukrainischen Streitkräfte allein beim politischen Entscheidungsträger. Alles deutet darauf hin, dass sich der russisch-ukrainische Konflikt in seiner Endphase befindet; vermutlich wird er zwischen Frühjahr und Sommer formell beendet werden.
Doch dieser Abschluss – und das ist das große Problem, vor dem wir stehen – wird kein wirklicher Frieden sein. Wir stehen vor einem langfristigen strukturellen Bündnis zwischen den Überresten der radikalisierten ukrainischen Streitkräfte und der europäischen Kriegstreiberei.
In der Ukraine werden radikalisierte Nationalisten jeden Friedensvertrag als ihre Version der Dolchstoßlegende betrachten, die deutsche Veteranen nach dem Ersten Weltkrieg antrieb. Das Narrativ, der Krieg sei nicht auf dem Schlachtfeld, sondern durch politischen Verrat hinter den Linien verloren gegangen, bildete die Wurzel der paramilitärischen Bewegungen in Deutschland der 1920er Jahre, die mit den Sturmabteilungen verschmolzen und den Aufstieg der NSDAP befeuerten.
Gleichzeitig können europäische Staats- und Regierungschefs Frieden nicht als Option in Betracht ziehen, obwohl sie wissen, dass sie realistischerweise nicht in der Lage sind, eine direkte militärische Konfrontation mit Moskau zu führen. Entscheidungsträger wie Ursula von der Leyen und Kaya Kallas folgen dem Motto «Solange Krieg herrscht, gibt es Hoffnung», wie es ein berühmter Film von Alberto Sordi ausdrückte. Solange die absurde Erzählung «Es gibt einen Angreifer und einen Angegriffenen – wir hatten keine Wahl» fortbesteht, kann das gesamte katastrophale Verhalten der herrschenden Klassen Europas einer endgültigen Abrechnung entgehen.
Aus diesem Grund erwartet uns die Aussicht auf einen permanenten hybriden Krieg, in dem ukrainische Paramilitärs einen Teil der Streitkräfte stellen und Europa die technologischen und wirtschaftlichen Mittel bereitstellt. Daher werden Sabotageakte, Terroranschläge, Cyberkrieg usw. – allesamt Handlungen, die der «plausiblen Abstreitbarkeit» unterliegen und oft nicht von zufälligen, alltäglichen Fehlfunktionen zu unterscheiden sind – uns in ein Klima des Krieges stürzen, ohne Bombenangriffe, aber für einen langen Zeitraum. Ich hoffe natürlich, dass sich niemand der Illusion hingibt, dass nur Europa Russland über die Ukraine zerschneiden wird, während es selbst in Sicherheit bleibt und keine Gegenreaktionen zu befürchten hat.
Ich befürchte, dass dies der natürliche Ausgang der gegenwärtigen Situation sein wird, mit einem weiteren Vorstoß zur Beschlagnahmung öffentlicher Mittel zur Finanzierung der Rüstungsindustrie der Freunde von Freunden und einer weiteren Einschränkung aller verbleibenden Freiheiten der Meinungsäußerung, des Denkens und der Rede auf europäischem Boden.
Die russische Bedrohung wird zu einem ständigen Refrain werden, und im Namen der angeblich höchsten Verteidigungsanforderungen wird der feuchte Traum des Neoliberalismus in seiner ganzen Reinheit Wirklichkeit: eine Gesellschaft von Sklaven, militarisiert in Geist und Geldbeutel, zum Nutzen der neuen feudalen Herren des Finanzwesens.
Die Geschichte ist nie endgültig geschrieben, aber sie hat träge, eingebaute Tendenzen. Wenn wir diesen Tendenzen nicht entschieden entgegentreten, werden sie sich in naher Zukunft als fatal erweisen.
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Andrea Zhok, geboren 1967 in Triest, studierte an den Universitäten von Triest, Mailand, Wien und Essex. Er promovierte an der Universität Mailand und erwarb einen Master of Philosophy an der Universität Essex. Neben Essays und Artikeln, die in Italien und im Ausland erschienen sind, hat er zahlreiche philosophische Bücher geschrieben, darunter «Fenomenologia e genealogia della verità» (Phänomenologie und Genealogie der Wahrheit) und «L'etica del metodo. Saggio su Ludwig Wittgenstein» (Die Ethik der Methode. Ein Essay über Ludwig Wittgenstein).
Warum der Schulstreik gegen die Wehrpflicht ein starkes demokratisches Signal sendet
Ein Soldat, der auf einer grauen Betontreppe sitzt, den Rücken dem Betrachter zugewandt, während eine Taube neben ihm herumläuft: Das Bild wirkt beinahe symbolisch für die Debatte, die gerade quer durch Schulen, Familien und politische Gremien zieht. In diesem Klima der Unruhe und Unsicherheit haben junge Menschen angekündigt, sich am Freitag dem «Schulstreik gegen Wehrpflicht» anzuschließen – und damit ein eindrucksvolles Zeichen zu setzen.
Der Hintergrund: Das Bundeskabinett hat die Einführung des Neuen Wehrdienstes zum 1. Januar 2026 beschlossen. Jeder Mann, der die Volljährigkeit erreicht, soll künftig einen Fragebogen beantworten, der der Musterung dient und später möglicherweise in ein Losverfahren münden könnte. Für viele Jugendliche ist genau das ein Wendepunkt, an dem sie nicht mehr schweigend zusehen möchten, wenn politische Entscheidungen tief in ihre Lebensplanung eingreifen.
Dass sich rund 90 lokale Streikkomitees gebildet haben – verteilt über Berlin, Hamburg, Köln, Leipzig, Rostock und weitere Städte – zeigt, wie breit der Protest getragen ist. Initiativen aus der Friedensbewegung, Gewerkschaften und das BSW unterstützen das Bündnis. Sie wenden sich nicht nur gegen die möglichen Folgen des neuen Wehrdienstsystems, sondern grundsätzlich gegen jede Form von verpflichtenden Diensten, die junge Menschen aus ihrem Alltag herausreißen könnten.
Besonders bemerkenswert ist, dass Schülerinnen und Schüler trotz hoher persönlicher Hürden auf die Straße gehen möchten. Behörden machten bereits klar, dass eine Teilnahme während der Unterrichtszeit als unentschuldigte Fehlzeit gilt. Wer dennoch streikt, nimmt also bewusst in Kauf, dafür später geradezustehen. Genau diese Bereitschaft, Konsequenzen nicht nur zu kennen, sondern sie zu tragen, unterstreicht die Ernsthaftigkeit des Engagements.
Unterstützung kommt auch aus den eigenen Reihen der Bildungsgemeinschaft. Der Berliner Landesschülerausschuss betonte, dass die Perspektiven junger Menschen in politischen Entscheidungen häufig zu kurz kommen. Die geplanten Regelungen zur Zwangsmusterung seien ein weiteres Beispiel dafür, dass die Lebensrealitäten der Jugendlichen übergangen würden. Ähnlich äußerte sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft: Sie begrüßt die Auseinandersetzung mit Fragen von Frieden, Demokratie und sicherheitspolitischen Weichenstellungen und warnt vor einer zunehmenden Präsenz der Bundeswehr an Schulen, die den Debattenraum verenge.
Die Regierung verweist dagegen auf die gestiegene Bedrohungslage seit dem russischen Angriff auf die Ukraine und will das Gesetz am Freitag im Bundestag verabschieden. Parallel dazu sind weitere Aktionen und Kundgebungen geplant, die die Debatte in der Öffentlichkeit halten sollen.
Das Engagement der Jugendlichen zeigt, wie wichtig ihnen eine offene demokratische Auseinandersetzung ist. Sie stellen Fragen, verlangen Erklärungen und weigern sich, Entscheidungen einfach hinzunehmen, die tief in ihr zukünftiges Leben eingreifen können. Dass sie dabei sogar mögliche schulische Sanktionen riskieren, verleiht ihrem Protest eine besondere Glaubwürdigkeit. In einer Zeit, in der politisches Interesse junger Menschen oft unterschätzt wird, wirkt dieser Streik wie ein entschlossenes «Wir sind da – und wir haben etwas zu sagen.»
Der Schulstreik in Deutschland scheint ziemlich professionell organisiert – die Webseite macht einen entsprechenden Eindruck. Schülerinnen und Schüler, die Ihr Gesicht zeigen, die es wagen, Einspruch gegen eine verhängnisvolle Entwicklung einzulegen – und bereit sein, die entsprechenden Sanktionen zu tragen.
Diese jungen Menschen lernen damit für das Leben, nicht für die Schule, wie Umkehrung des Spruches von Seneca, «Non scholae, sed vitae discimus» («Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir») zeigt. Man möge ihnen gutes Gelingen wünschen!
Warum der Schulstreik gegen die Wehrpflicht ein starkes demokratisches Signal sendet
Ein Soldat, der auf einer grauen Betontreppe sitzt, den Rücken dem Betrachter zugewandt, während eine Taube neben ihm herumläuft: Das Bild wirkt beinahe symbolisch für die Debatte, die gerade quer durch Schulen, Familien und politische Gremien zieht. In diesem Klima der Unruhe und Unsicherheit haben junge Menschen angekündigt, sich am Freitag dem «Schulstreik gegen Wehrpflicht» anzuschließen – und damit ein eindrucksvolles Zeichen zu setzen.
Der Hintergrund: Das Bundeskabinett hat die Einführung des Neuen Wehrdienstes zum 1. Januar 2026 beschlossen. Jeder Mann, der die Volljährigkeit erreicht, soll künftig einen Fragebogen beantworten, der der Musterung dient und später möglicherweise in ein Losverfahren münden könnte. Für viele Jugendliche ist genau das ein Wendepunkt, an dem sie nicht mehr schweigend zusehen möchten, wenn politische Entscheidungen tief in ihre Lebensplanung eingreifen.
Dass sich rund 90 lokale Streikkomitees gebildet haben – verteilt über Berlin, Hamburg, Köln, Leipzig, Rostock und weitere Städte – zeigt, wie breit der Protest getragen ist. Initiativen aus der Friedensbewegung, Gewerkschaften und das BSW unterstützen das Bündnis. Sie wenden sich nicht nur gegen die möglichen Folgen des neuen Wehrdienstsystems, sondern grundsätzlich gegen jede Form von verpflichtenden Diensten, die junge Menschen aus ihrem Alltag herausreißen könnten.
Besonders bemerkenswert ist, dass Schülerinnen und Schüler trotz hoher persönlicher Hürden auf die Straße gehen möchten. Behörden machten bereits klar, dass eine Teilnahme während der Unterrichtszeit als unentschuldigte Fehlzeit gilt. Wer dennoch streikt, nimmt also bewusst in Kauf, dafür später geradezustehen. Genau diese Bereitschaft, Konsequenzen nicht nur zu kennen, sondern sie zu tragen, unterstreicht die Ernsthaftigkeit des Engagements.
Unterstützung kommt auch aus den eigenen Reihen der Bildungsgemeinschaft. Der Berliner Landesschülerausschuss betonte, dass die Perspektiven junger Menschen in politischen Entscheidungen häufig zu kurz kommen. Die geplanten Regelungen zur Zwangsmusterung seien ein weiteres Beispiel dafür, dass die Lebensrealitäten der Jugendlichen übergangen würden. Ähnlich äußerte sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft: Sie begrüßt die Auseinandersetzung mit Fragen von Frieden, Demokratie und sicherheitspolitischen Weichenstellungen und warnt vor einer zunehmenden Präsenz der Bundeswehr an Schulen, die den Debattenraum verenge.
Die Regierung verweist dagegen auf die gestiegene Bedrohungslage seit dem russischen Angriff auf die Ukraine und will das Gesetz am Freitag im Bundestag verabschieden. Parallel dazu sind weitere Aktionen und Kundgebungen geplant, die die Debatte in der Öffentlichkeit halten sollen.
Das Engagement der Jugendlichen zeigt, wie wichtig ihnen eine offene demokratische Auseinandersetzung ist. Sie stellen Fragen, verlangen Erklärungen und weigern sich, Entscheidungen einfach hinzunehmen, die tief in ihr zukünftiges Leben eingreifen können. Dass sie dabei sogar mögliche schulische Sanktionen riskieren, verleiht ihrem Protest eine besondere Glaubwürdigkeit. In einer Zeit, in der politisches Interesse junger Menschen oft unterschätzt wird, wirkt dieser Streik wie ein entschlossenes «Wir sind da – und wir haben etwas zu sagen.»
Der Schulstreik in Deutschland scheint ziemlich professionell organisiert – die Webseite macht einen entsprechenden Eindruck. Schülerinnen und Schüler, die Ihr Gesicht zeigen, die es wagen, Einspruch gegen eine verhängnisvolle Entwicklung einzulegen – und bereit sein, die entsprechenden Sanktionen zu tragen.
Diese jungen Menschen lernen damit für das Leben, nicht für die Schule, wie Umkehrung des Spruches von Seneca, «Non scholae, sed vitae discimus» («Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir») zeigt. Man möge ihnen gutes Gelingen wünschen!
Geschlechterbinarität bleibt – doch neue Bundesratspläne sorgen für Unruhe
Die gute Nachricht vorweg: Die Schweiz behält offiziell die klare Unterscheidung zwischen Frau und Mann bei. Wer befürchtete, das Personenstandsrecht werde über Nacht umgekrempelt, kann aufatmen. Doch diese Entwarnung kommt mit einem Sternchen. Denn der Bundesrat, die Schweizer Landesregierung, legt gleichzeitig ein Bündel neuer Maßnahmen auf den Tisch, das plötzlich wieder alte Debatten entfacht – rund um Meinungsfreiheit, Sicherheit im öffentlichen Raum und die Grenzen staatlicher Regulierung.
Auslöser des Ganzen ist der neue Bericht zu Menschen, die sich nicht als Mann oder Frau identifizieren. Prominente Betroffene wie der ESC-Gewinner Nemo haben das Thema sichtbar gemacht, und nun prüft der Bund, wie diesen Personen der Alltag erleichtert werden kann – ohne die Grundarchitektur des Rechts umzubauen. So weit, so pragmatisch. Doch in der Praxis könnten die Vorschläge des Bundesrats noch zu hitzigen Diskussionen führen.
Ein zentrales Element sind verschärfte Regeln gegen Hassrede. Zwar sollen diese nicht nur nichtbinäre Menschen schützen, doch der Fokus liegt auffällig stark auf diesem Bereich. Kritikerinnen und Kritiker warnen bereits, dass aus gut gemeinten Schutzbestimmungen schnell ein regulativer Überbau werden könnte, der die freie Debatte einschränkt. Der Wunsch, verletzliche Personen zu stärken, ist legitim – aber wo beginnt die Gefahr, dass kontroverse Meinungen kriminalisiert werden? (Siehe zum Beispiel den Fall von Emanuel Brünisholz hier und hier).
Ebenfalls auf der Agenda: administrative Erleichterungen. Wer künftig nur den Vornamen ändern möchte, ohne den Geschlechtseintrag anzupassen, soll dies einfacher tun können. Das ist bis zu einem gewissen Grad verständlich. Doch gleichzeitig wird ein dritter Geschlechtseintrag im Pass geprüft – ein Schritt, der international heikel ist und technisch komplex wäre. Der Bundesrat lässt die Tür offen, aber nur einen Spalt.
Besonders viel Sprengstoff birgt jedoch ein anderes Thema: genderneutrale Toiletten und Garderoben. Immer mehr Institutionen experimentieren damit, Hochschulen richten sie ein, einzelne Gemeinden folgen. Auch der Bundesrat erwähnt solche Lösungen als mögliche zukünftige Option.
Für viele Frauen hingegen ist dieser Trend kein Fortschritt, sondern ein Unsicherheitsfaktor. Sie fürchten, dass Schutzräume verwässert werden und Grenzen verschwimmen – gerade in Bereichen, in denen Privatsphäre und Sicherheit zentral sind. Der Bundesrat betont, er wolle lediglich pragmatische Lösungen prüfen. Doch die gesellschaftliche Wirkung solcher Eingriffe lässt sich nicht wegdiskutieren.
Der Bericht sagt: Menschen, die sich als nichtbinär sehen, stehen vor realen Alltagsproblemen. Formulare, Ausweise, getrennte Räume – das binäre System kann für sie belastend sein. Diese Schwierigkeiten nicht ernst zu nehmen, wäre falsch.
Doch ebenso falsch wäre es, aus einem Minderheitenanliegen weitreichende politische Reformen abzuleiten, die große Teile der Bevölkerung verunsichern oder Grundrechte einschränken. Genau diese Ambivalenz spürt man zwischen den Zeilen des Bundesratsberichts.
Die Schweiz hält offiziell an der Binarität von Mann und Frau fest – doch gleichzeitig beginnt sie, an neuralgischen Punkten des gesellschaftlichen Zusammenlebens herumzuschrauben. Und das in einer Zeit, in der Diskussionen über Geschlecht ohnehin mit maximaler Emotionalität geführt werden.
Fazit: Es ist richtig, niemanden unnötig zu belasten. Es ist richtig, Diskriminierung zu bekämpfen. Aber es ist ebenso richtig, die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger nicht unter dem Deckmantel des Schutzes zu beschneiden und Frauen nicht mit unüberlegten «neutralen» Konzepten zu verunsichern. Der Bundesrat will pragmatische Lösungen. Doch der Weg zwischen Unterstützung und Übergriff ist schmal. Und genau dort wird die nächste politische Auseinandersetzung stattfinden.
Korruptionsbeben in Brüssel – und die EU-Staatsanwaltschaft zeigt Zähne
Brüssel erlebt einen politischen Schockmoment, wie ihn die EU-Politik nur selten erlebt. Belgische Ermittler haben einen mutmaßlichen Korruptionskomplex offengelegt – und im Zentrum steht ausgerechnet Federica Mogherini, einstige EU-Außenbeauftragte, Ex-Vizepräsidentin der Kommission und heute Rektorin des College of Europe. Mit ihr wurden Stefano Sannino, früherer Spitzenbeamter des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD), sowie ein leitender Manager des Colleges festgenommen. Alle drei sind inzwischen wieder frei, doch der Verdacht wiegt schwer.
Die Europäische Staatsanwaltschaft (EPPO) ermittelt wegen Beschaffungsbetrugs, Korruption, Amtsmissbrauchs und der Weitergabe vertraulicher Informationen. Im Fokus steht die European Diplomatic Academy, ein millionenschweres Prestigeprojekt. Der Verdacht: Insiderhinweise aus dem EAD sollen gezielt an Mogherinis College geflossen sein – wodurch die Institution anschließend lukrative EU-Aufträge erhielt. Für die Ermittler deutet vieles auf ein strukturiertes Manipulationsmuster hin, das öffentliche Gelder in eine abgeschottete EU-Führungsschicht gelenkt haben könnte.
Brisant ist der Fall vor allem aus einem Grund: Kaum eine EU-Gruppe hielt in den vergangenen Jahren so lautstarke Vorträge über Transparenz, Rechtsstaatlichkeit und Korruptionsbekämpfung wie jene Personen, die nun selbst im Fadenkreuz stehen. Regierungen in Osteuropa sprechen bereits von «blanker Heuchelei». Kritiker sehen sich bestätigt: Die moralischen Autoritäten der EU scheinen weniger unangreifbar, als sie es gern darstellen.
Doch in diesem Skandal zeigt zumindest eine europäische Institution klare Haltung: die Europäische Staatsanwaltschaft. Ihr Vorgehen ist entschlossen, transparent und konsequent. Immunitäten wurden aufgehoben, Räume durchsucht, Verantwortliche vernommen – ohne Blick auf Rang, frühere Ämter oder politische Netzwerke. Die EPPO macht vor, was vielen EU-Bürgern seit Jahren fehlt: Sie zeigt, dass auch höchste Funktionsträger nicht über dem Recht stehen.
Während Mogherini und die weiteren Verdächtigen die schweren Vorwürfe zurückweisen, arbeitet die Staatsanwaltschaft weiter an der Aufklärung. Das Europaparlament fordert bereits umfassende Transparenz. Und eines ist jetzt schon klar: Dieser Fall wird tiefe Spuren in der politischen Architektur der EU hinterlassen.
Wenn Europa etwas aus diesem Korruptionsbeben mitnehmen sollte, dann dies: Vertrauen entsteht nicht durch Sonntagsreden über Werte – sondern durch Behörden, die bereit sind, selbst mächtige Akteure konsequent zur Rechenschaft zu ziehen. Genau das tut die EPPO. Und genau das braucht die EU dringender denn je.
Die rumänische EU-Generalstaatsanwältin Laura Kövesi macht seit Jahren sichtbar, wie tief Korruption und Finanzkriminalität in allen EU-Staaten verankert sind – «sauber» ist nach ihrer Erfahrung kein einziges Land. Als Leiterin der Europäischen Staatsanwaltschaft stellt sie mit grenzüberschreitenden Ermittlungen milliardenschwere Betrugsfälle bloß, etwa bei Subventionen, Mehrwertsteuerbetrug oder veruntreuten EU-Geldern, und schreckt dabei weder vor Regierungen noch vor Spitzenpolitikern zurück.
Ihre Arbeit führte in Griechenland sogar zur Aufdeckung fataler Versäumnisse, die zum tödlichen Zugunglück von 2023 beitrugen. Kövesi, die schon in Rumänien hunderte Politiker und Beamte vor Gericht brachte und dafür massive Gegenwehr erlebte, sieht in Korruption eine Gefahr für Leben, Staatlichkeit und Demokratie – und betont, dass nur eine unabhängige Justiz dieses Vertrauen wiederherstellen kann.
NachDenkSeiten: Ukraine-Konflikt: Verhandlungen in Moskau – Westeuropäer bleiben außen vor
Tages-Anzeiger: Lockerungen des Kriegsmaterialgesetzes: Bürgerliche Allianz im Nationalrat will mehr Waffenexporte zulassen
Rockefeller Foundation gewinnt YouTuber «MrBeast» für «Psy-Op»-Partnerschaft
Die Rockefeller Foundation hat eine strategische Partnerschaft mit dem YouTube-Megastar Jimmy Donaldson, bekannt als «MrBeast», angekündigt. Wie Natural News berichtet, sei das Ziel, sein riesiges jugendliches Publikum durch «Next-Gen-Storytelling» für «philanthropische» Botschaften zu nutzen.
Kritikern zufolge handele es sich bei der Allianz allerdings um eine ausgeklügelte Soft-Power-Operation, die darauf abziele, globalistische und progressive Narrative in die Inhalte einzubringen, die von der Generation Z und jüngeren Zielgruppen konsumiert würden. Die Partnerschaft werde als Teil einer umfassenderen Bemühung traditioneller Institutionen angesehen, die Kontrolle über die Narrative zurückzugewinnen, nachdem sie ihren Einfluss auf junge Menschen an unabhängige Medienplattformen verloren hätten.
Der Präsident der Rockefeller Foundation, Dr. Rajiv Shah, gab laut Natural News gegenüber The Associated Press zu, dass es der traditionellen Philanthropie nicht gelungen sei, eine emotionale Verbindung zu diesen jungen Menschen herzustellen. Das Portal erläutert den historischen Kontext der Vereinbarung:
«Um die Bedeutung dieser Partnerschaft zu verstehen, muss man die historischen Spuren der Rockefeller Foundation untersuchen. Die Stiftung wurde 1913 mit dem Vermögen von Standard Oil gegründet und ist seit langem eine treibende Kraft bei der Gestaltung der öffentlichen Gesundheit, der Landwirtschaft und der Wissenschaft.
Ihre Finanzierung der Eugenikforschung zu Beginn des 20. Jahrhunderts und ihre zentrale Rolle bei der Gründung von Institutionen wie den Vereinten Nationen zeugen von einem Vermächtnis der Verfolgung groß angelegter, systemischer Veränderungen – oft im Einklang mit Visionen einer globalen Regierungsführung.
Im modernen Kontext ist die Stiftung ein wichtiger Geldgeber für Klimainitiativen, die Förderung digitaler Identitäten und Rahmenwerke für die öffentliche Gesundheit. Diese Geschichte lässt vermuten, dass ihre Unternehmungen selten rein karitativ, sondern strategisch sind.»
Die operativen Merkmale der Partnerschaft seien den Fachleuten für nationale Sicherheit bekannt, so Natural News weiter. Diese sind: «Identifizieren Sie eine Zielgruppe, rekrutieren Sie eine kulturell relevante Person, der sie vertrauen, und liefern Sie maßgeschneiderte Botschaften in einem ansprechenden Paket.» Der Inhalt werde wahrscheinlich Themen wie die folgenden hervorheben:
- Technokratische Lösungen für globale Probleme
- Die Notwendigkeit supranationaler Zusammenarbeit
- Eine Neudefinition von «Gerechtigkeit» und «Nachhaltigkeit», die mit den Zielen der Stiftung übereinstimmt
Das Portal kommentiert:
«Dies ist keine Philanthropie im traditionellen Sinne uneigennütziger Wohltätigkeit. Es handelt sich um eine strategische Kommunikationskampagne, die von einer der mächtigsten Nichtregierungsorganisationen der Welt finanziert wird. Das ‹Storytelling der nächsten Generation ist eine moderne Form psychologischer Operationen (Psy-Ops), die sich von Taktiken auf dem Schlachtfeld in die digitale Landschaft des kulturellen Einflusses im Inland verlagert haben.»
Gemäß Natural News hängt der Erfolg dieser Kampagne letztlich davon ab, dass die Öffentlichkeit ihr gegenüber ein mangelndes Urteilsvermögen an den Tag legt. Sie stehe für genau die Zentralisierung der Informationskontrolle, vor der Verfechter der Meinungsfreiheit seit langem warnen: Eine Handvoll mächtiger, nicht gewählter Instanzen würde «durch fesselnde Medien die Grenzen des akzeptablen Denkens diktieren». Das Portal schließt:
«In einem offenen Marktplatz der Ideen wäre diese Partnerschaft nur eine Stimme unter vielen. Die Gefahr liegt in ihrer Größe, ihrer Ausrichtung auf leicht zu beeinflussende Menschen und ihrem Potenzial, unabhängige Kritik unter einer Flut von viralen Inhalten zu begraben. Die Verteidigung gegen solche manipulativen Überzeugungsversuche ist nicht Zensur, sondern ein lebhafter Wettbewerb auf diesem Markt: die Unterstützung unabhängiger Kreativer, die Förderung der Medienkompetenz und das Beharren auf Transparenz hinsichtlich der Motive hinter den Botschaften, die unsere Bildschirme überschwemmen.
Der Kampf um die Gedanken der nächsten Generation wird nicht nur auf dem Campus oder in den Kabelnachrichten ausgetragen, sondern auch auf YouTube, und die effektivsten Geschichtenerzähler haben möglicherweise die ältesten Agenden.»
Russland verwandelt Tauben in Drohnen
Das russische Neurotechnologieunternehmen Neiry hat laut NOVA.news in Moskau Tests mit Tauben durchgeführt, die mithilfe implantierter Gehirnschnittstellen und elektronischer Geräte in Biodrohnen verwandelt wurden. Dies gehe aus einer Pressemitteilung des Unternehmens hervor.
Nach Angaben des Unternehmens habe die erste Taubenschar mit neuronalen Chips Testflüge vom Labor und zurück absolviert. Bei dem Experiment seien Elektroden verwendet worden, die in das Gehirn der Vögel implantiert und mit einer solarbetriebenen Steuerungs- und Stimulationseinheit verbunden seien.
Das System ermögliche es, die Flugrichtung mit Hilfe von GPS-basierter Navigation zu beeinflussen. Neiry behaupte, dass die Vögel kein Verhaltenstraining benötigen würden und dass die Überlebensrate nach der Implantation dank stereotaktischer Operationstechniken garantiert sei. Die Biodrohnen seien mit Kameras ausgestattet, deren Bilder mit Hilfe künstlicher Intelligenz verarbeitet würden, um den Datenschutzbestimmungen zu entsprechen.
Das Unternehmen plant demnach, dieses System einzusetzen für die Überwachung kritischer Infrastrukturen, industrielle Inspektionen, Umweltschutzmaßnahmen sowie Such- und Rettungsaktionen. Die Kosten einer einzelnen Biodrohne seien mit denen herkömmlicher Drohnen vergleichbar, die Leistung in Bezug auf Autonomie und Reichweite jedoch deutlich überlegen.
Firmengründer Alexander Panov habe erklärt, das System könne je nach Art des Einsatzes auch bei anderen Vögeln wie Krähen, Möwen und Albatrossen angewendet werden. Neiry habe die Absicht, die Technologie international zu etablieren.
Bernd Bayerlein: Der Ex-Vorstand der «Polizisten für Aufklärung» bittet um Unterstützung für sein Disziplinarverfahren gegen den Freistaat Bayern
«Aufgrund seines Engagements für unsere Grund- und Freiheitsrechte wurde Bernd Bayerlein von der bayerischen Polizei suspendiert», schreibt Markus Haintz in seinem Telegram-Kanal in einem Post. Darin geht es um einen «Unterstützungsaufruf für den mutigen Polizisten».
Bayerlein sei Gründungsmitglied und ehemaliger Vorstand der «Polizisten für Aufklärung». Am 8. August 2020 sei Bernd Bayerlein zudem der erste aktive Polizeibeamte in Deutschland gewesen, der auf einer Demo gegen die Corona-Maßnahmen seine Stimme erhoben habe, so Haintz. Bayerlein habe des Weiteren eine Woche nach der Großdemonstration in Berlin am Tag des Augsburger Friedenfests eine Rede in Augsburg gehalten, die Haintz habe anmoderieren dürfen.
Bayerlein wurde durch ein erstinstanzliches und nicht rechtskräftiges Urteil des Verwaltungsgerichts Ansbach vom 20. Oktober 2025 (Aktenzeichen: AN 13b D 23.1971) aus dem Beamtenverhältnis entfernt. Das Gericht wies damit die Klage Bayerleins gegen den Entlassungsbescheid des Freistaats Bayern ab. Der Freistaat Bayern hatte im Rahmen eines Disziplinarverfahrens die Entfernung beantragt, nachdem Bayerlein bereits seit August 2020 suspendiert war – also seit über fünf Jahren.
Die Entscheidung des Gerichts basiert auf einer umfassenden Prüfung von Bayerleins Verhalten und Äußerungen, die als schwerwiegende Verstöße gegen beamtenrechtliche Pflichten gewertet wurden. In dem Urteil wird die Entfernung damit begründet, dass Bayerleins Handlungen das Vertrauen in seine Integrität als Beamter nachhaltig beschädigt hätten und eine Wiederaufnahme des Dienstes nicht mehr zumutbar sei. Dies ist die schwerste disziplinarrechtliche Maßnahme nach dem Bayerischen Beamtengesetz (BayBG) und dem Bundesdisziplinargesetz (BDG), die nur bei groben Pflichtverletzungen anwendbar ist.
Der zentrale Vorwurf lautet, dass Bayerlein als aktiver Polizeibeamter wiederholt und öffentlich gegen die Corona-Maßnahmen der bayerischen und Bundesregierung verstoßen hat, was als Verletzung der Pflicht zur Verschwiegenheit, zur Treue gegenüber der Verfassung und zur Neutralität (gemäß Art. 33 Abs. 2 GG und § 61 BayBG) gilt.
Auch öffentliche Äußerungen auf Demonstrationen sind den Entscheidungsträgern dabei «sauer aufgestoßen»: Auf besagter Anti-Corona-Demonstration in Augsburg etwa hatte die Maßnahmen scharf als «unverhältnismäßig» und «verfassungswidrig» kritisiert, was dann zu seiner Suspendierung führte.
Bayerlein will nun Berufung beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof einlegen, weshalb das Urteil derzeit keine unmittelbaren Vollstreckungseffekte hat. «Dabei trägt er die Kosten des Rechtsstreits», so Haintz. Und weiter:
«Die noch offenen Anwalts- und Gerichtskosten belaufen sich auf knapp 10.000 €. Für die Berufung werden weitere Kosten im hohen 4-stelligen Bereich entstehen. Die Dienstbezüge von Bernd sind darüber hinaus seit Jahren zwischen 35 Prozent und 45 Prozent gekürzt.»
Entsprechend benötigte er Unterstützung, um sich rechtlich zur Wehr setzen zu können. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, gibt Haintz zu bedenken, würde Bernd nicht nur seinen Beamtenstatus, sondern auch seine Pensionsansprüche verlieren. Bayerlein selbst meldet sich in einem Video wie folgt zu Wort:
Der Polizist Bernd Bayerlein bittet um finanzielle Unterstützung, um sich juristische gegen seine Suspendierung zur Wehr setzen zu können; Quelle: Telegram-Kanal von Markus Haintz
Durch die Schenkungen würde Bayerlein zunächst in seinem Rechtsstreit gegen den Freistaat Bayern Unterstützung erhalten. Sollte am Ende des Prozesses ein darüber hinausgehender Betrag übrig bleiben, käme dieser dem Lebensunterhalt von Bernd zur freien Verfügung zugute.
Unterstützen können man Bayerlein via PayPal oder mittels Überweisung auf das Fremdgeldkonto von Haintz legal:
Haintz legal Rechtsanwalts-GmbH
Kreissparkasse Ulm
IBAN: DE94 6305 0000 0021 3607 81
BIC: SOLADES1ULM
Vorschlag für Betreff: «Bernd, 1246–25, Schenkung zur freien Verfügung»
Haintz macht in diesem Zusammenhang noch darauf aufmerksam, dass Bayerlein in seinem Disziplinarverfahren nicht von Haintz legal anwaltlich vertreten werde.
Die Zeit: Jugendorganisation ruft zu Streik und Protesten gegen Wehrdienst auf
Zeitpunkt: Die Nato muss «aggressiver und proaktiver» werden und einen «Präventivschlag» gegen Russland in Betracht ziehen, sagt der Chef des Nato-Militärausschusses, der italienische Admiral Giuseppe Cavo Dragone
Drosten in Enquête-Kommission: Man hätte ihn nach der Rolle von Medikamenten für die Übersterblichkeit fragen müssen
Schon 2023 sprach sich eine Mehrheit der Bürger für eine politisch unabhängige Aufarbeitung der «Corona-Zeit» aus. In der Corona-Kritiker-Szene dürfte der Anteil derjenigen, die so einen Wunsch hegen, bei 100 Prozent liegen. Denn eine wirkliche Aufarbeitung der Geschehnisse während der «Pandemie» hat ja noch nicht stattgefunden.
Die Bundesregierung entschied sich dann für eine Enquête-Kommission. Doch was bringt sie? Dazu haben TTV und TN aktuell den Datenanalysten Tom Lausen interviewt, der als Sachverständiger für die AfD an diesem Gremium teilnimmt. Darin gibt er seine Einschätzung darüber ab, ob die Kommission ein Tiger mit Zähnen ist oder letztlich doch ein zahnloser Tiger, der nur Millionen an Steuergeldern wegschlürft. Seine Einschätzung ist dabei nicht vollends pessimistisch. So sagt er:
«Es wird so gesehen, dass sie eine ‹Vollverarsche› ist, das heißt ja aber noch nicht zwingend, dass dies auch so ist. Letztlich können wir nur das nehmen, was wir haben. Ich bevorzuge da auch die Enquête-Kommission gegenüber einem Untersuchungsausschuss.»
Das Interview haben wir noch vor dem gestrigen Montag geführt – also vor dem Tag, an dem Christian Drosten seinen Auftritt in der Corona-Enquête-Kommission hatte. Und wenn man sich diesen vergegenwärtigt, kann man durchaus so hin- und hergerissen sein zwischen «Vollverarsche» und «vielleicht doch irgendwie sinnvoll».
Befragung von Drosten geht leider ins LeereSo wurde Drosten von Stefan Homburg befragt. Doch dabei kam irgendwie nicht wirklich was bei rum. So konnte Drosten erneut das Vorgehen der damaligen Bundesregierung unter Angela Merkel mit Lockdowns und Maskenpflicht verteidigen, ohne großartig ins Schlingern zu kommen. Das lag vor allem auch daran, dass Homburg «so ausführlich wurde, dass Drosten kaum Zeit für eine Erklärung blieb», wie es die Bild formulierte, und sich somit ziemlich leicht aus der Schlinge, die ihm Homburg zu legen suchte, herauswinden konnte.
Auch versäumte es Homburg, an entscheidender Stelle dezidiert nachzuhaken. So fragte der 64-jährige pensionierte Professor für Öffentliche Finanzen den Charité-Virologen in der Anhörung, warum Schweden in der Rückschau eine so viel geringere Pro-Kopf-Sterblichkeit verzeichnen könne, obwohl es dort keine so tiefgreifenden Maßnahmen gegeben habe wie in Deutschland. Hier verwies Drosten dann darauf, dass dort nach der ersten Welle fünfmal so viele Menschen gestorben seien wie in Deutschland.
Christian Drosten bei der 5. öffentlichen Sitzung der Enquête-Kommission «Aufarbeitung der Corona-Pandemie» mit dem Fokus «Vorsorge, Krisenpläne und Frühwarnsysteme» am gestrigen Montag im Paul-Löbe-Haus des Bundestags (Raum 4900); Quelle: Telegram-Kanal von Henning Rosenbusch
Homburg unterbrach ihn daraufhin und machte noch mal deutlich, er beziehe sich auf den Zeitraum der gesamten Pandemie – und nicht nur auf den von Drosten ins Spiel gebrachten kurzen Zeitraum. Dieser kurze Zeitraum wurde dann von Homburg auch nicht weiter zum Thema gemacht, obwohl Drosten selbst etwas später auf diesen nochmal kurz abhob (siehe ab Minute 3:47 im Video oben) – und genau dies sich auch gerade gelohnt hätte.
Das länderübergreifende epidemiologische war nicht «Virus-like»So mag Schweden, das sich ja dadurch auszeichnete, praktisch gar keine Corona-Maßnahmen umgesetzt zu haben, zwar in der «ersten Welle» eine deutlich höhere relative Übersterblichkeit verzeichnet haben als Deutschland. Doch im Vergleich zu etlichen anderen Ländern, darunter Spanien, Großbritannien und Frankreich, verzeichnete das skandinavische Land eine merklich geringere relative Übersterblichkeit. Das legen Claus Köhnlein und ich dezidiert dar in unserem Artikel «Die Medikamenten-Tragödie», veröffentlicht am 29. September 2020 bei Rubikon.
Darin verweisen wir auch darauf, dass beispielsweise Belgien achtmal mehr Todesfälle (pro 100.000 Einwohner) als sein direkter Nachbar Deutschland hatte – oder darauf, dass zum Beispiel Spanien stolze 22-mal mehr Todesfälle zu beklagen hatte als Polen, während Portugal, der direkte Nachbar Spaniens, keine überhöhte Sterblichkeit aufwies. Man hätte Drosten also fragen müssen, wie er mit einem solchen epidemiologischen Muster eine Viruspandemie erklären möchte.
Weiter schreiben wir in unserem Beitrag, dass Claus Köhnlein genau vor diesem Hintergrund einen Brief an das Deutsche Ärzteblatt geschickt hatte und darin ausführte:
«Angesichts der Tatsache, dass in verschiedenen europäischen Staaten über sehr unterschiedliche Übersterblichkeiten berichtet wird, drängt sich die Vermutung auf, dass eine unterschiedlich aggressive Therapie dafür verantwortlich sein könnte.»
Hier hätte man Drosten fragen müssen, wie er ausschließen wolle, dass Medikamente für die Übersterblichkeitsmuster zumindest mitverantwortlich gezeichnet haben.
Zumal ja der allergrößte Teil der Übersterblichkeit in diesen Ländern eben nur während eines sehr kurzen Zeitraums stattfand, nämlich innerhalb von etwa zwei bis drei Wochen im April. Und dass innerhalb sehr weniger Wochen außerhalb der Grippesaison sozusagen «auf einen Schlag» viele Zehntausend Menschen mehr ums Leben kommen als sonst, kann schlichtweg nicht mit einem Virus erklärt werden.
Ja, ein solches Virus kann es schlicht nicht geben. Und selbst wenn es ein solches supertödliches Virus geben würde, dann müsste es im Chart von Schweden, einem Land, das ja praktisch keinen Lockdown gemacht hat, einen gigantischen «Zacken» erzeugt haben. Das ist aber nicht der Fall. Stattdessen ist in der Grafik nur ein flacher «Huckel» zu erkennen.
Folglich kann es nur eine nicht-virale Erklärung für diese vorübergehende massive Übersterblichkeit geben.
Geringerer Einsatz toxischer Präparate könnte Situation in Deutschland erklärenBemerkenswert in diesem Zusammenhang ist auch ein weiterer Aspekt, auf den wir in unserem Artikel aufmerksam machen, nämlich dass am 20. März auf YouTube ein Russia-Today-Interview mit Claus Köhnlein ausgestrahlt wurde, in dem er explizit den experimentellen Einsatz hochtoxischer Medikamente kritisierte. Das Interview hatte innerhalb kurzer Zeit 900.000 Views. Wenige Tage später bekam Claus Köhnlein dann einen Anruf einer damaligen Doktorandin an der Charité am Institut für Sozialmedizin namens Felicia Kleimaier.
Und Kleimaier fragte Claus Köhnlein, ob er sich darüber bewusst sei, dass seine kritischen Äußerungen die Anwendung der antiviralen Therapie im Zusammenhang mit «COVID-19» torpediert hätten. Seine Antwort: Sollten seine Interviewaussagen wirklich dazu beigetragen haben, dass deutlich weniger Medikamente eingesetzt worden sind, dann hätte er genau das erreicht, was er erreichen wollte. Denn die Medikamente seien nicht nur allesamt überhaupt nicht behördlich genehmigt, was «COVID» angeht, auch seien sie immunsuppressiv und könnten daher gerade für bereits schwerkranke Menschen tödlich sein.
Man hätte Drosten gestern also auch fragen müssen:
Wie können wir sicher ausschließen, dass die relative Übersterblichkeit in Deutschland im Vergleich zu Schweden zum Beispiel geringer ausfiel, weil weniger potenziell tödliche Medikamente auf experimentelle Weise eingesetzt worden sind?
Tom Lausen sorgt doch noch für HighlightTom Lausen konnte Drosten dann aber doch noch eine spektakuläre Aussage entlocken, wie Nius berichtet. So wendet sich Lausen nach einer Frage an den Statistiker Gerd Antes an den Virologen und fragt ihn:
«‹Herr Drosten, was würden Sie dazu sagen?› Drosten entgegnet: ‹Sie fragen, ob die Maßnahmen zusätzliche Todesfälle verursacht haben?› Lausen ergänzt: ‹Ja, drastische (Maßnahmen). Also Ausgangssperre, Pflege und so weiter.› Drosten: ‹Ja, richtig, genau. Also das glaube ich, dass das so war. Es ist aber eben so...› Lausen unterbricht ihn: ‹Danke, das reicht schon.›»