Die Rentenerhöhung, nur ein Schlückchen aus der Pulle!

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Die Rentenerhöhung, nur ein Schlückchen aus der Pulle!
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Die Rentenerhöhung, nur ein Schlückchen aus der Pulle!

von Holger Balodis und Dagmar Hühne

Nun gab es sie doch: die Rentenerhöhung zum 1. Juli 2020 von 3,45 Prozent im Westen und 4,2 Prozent in Ostdeutschland. Kritiker wollten sie eigentlich wegen Corona ausfallen lassen. Doch die geforderte Nullrunde kommt mit großer Wahrscheinlichkeit im nächsten Jahr, so will es die Rentenanpassungsformel.

Grundrentner-Lebenserwartung-Rentenschwindel-Rentner-Rentenbezieher-Rentenluege-Kritisches-Netzwerk-Rentenkuerzung-Abgehaengte-Altersarmut-Altersrente Was bei diesen Rechenspielen leicht vergessen wird: Es gab in den vergangenen 30 Jahren ein Bündel von staatlichen Maßnahmen, die massiv in Rechte der Versicherten und Rentner eingegriffen haben. Darunter die radikale Streichung der Anrechnung von Ausbildungszeiten, die Einführung von rentensenkenden Dämpfungsfaktoren, die schrittweise Einführung der Rentenbesteuerung und vieles mehr.

Für die meisten bedeutet das eine Entwertung ihrer Rente um rund 40 Prozent.

Mit anderen Worten: Die Renten in Deutschland sind viel, viel zu niedrig. Im Durchschnitt werden Altersrenten von weniger als 1.000 Euro monatlich ausgezahlt. Das liegt klar unter der Armutsgefährdungsschwelle, die das Statistische Bundesamt bereits im Jahr 2018 für Einpersonenhaushalt mit 1.035 Euro bezifferte. Dabei ginge das auch anders.

Der Bundesrat hat in seiner 990. Sitzung am 5. Juni 2020 der von der Bundesregierung vorgeschlagenen Verordnung zugestimmt. Sie wurde am 17. Juni 2020 im Bundesgesetzblatt verkündet. Zum 1. Juli 2020 werden also die Renten erhöht.

Der aktuelle Rentenwert liegt nun bei 34,19 Euro im Westen und 33,23 Euro im Osten liegt, könnte aber auf 45,00 Euro bundesweit erhöht werden. Erst dann würde die Standardrente nach 45 Versicherungsjahren in Ost wie West auf 2.025 Euro brutto klettern und dadurch würden auch jene, die schlechter verdienen und weniger Arbeitsjahre schaffen, eine halbwegs armutsfeste Rente bekommen.

SPD-Rueckgrat-1-Sozialchauvisten-Sozialdemokraten-Sozialdemokratie-soziale-Schieflage-Verelendung-sozialer-Kahlschag-Sozialverraeter-Kritisches-Netzwerk-Prekariat

Wie das geht, rechnen wir haarklein in unserem neuen Buch „Rente rauf! So kann es klappen“ vor. Die wichtigsten Maßnahmen: Der Einstieg in eine Erwerbstätigenversicherung, moderate Beitragssatzsteigerungen und ein fairer Bundesanteil, so wie er bereits 1957 bei der großen Rentenreform vorgesehen war. Gewinner wären alle Rentner, aber auch die heutigen Beitragszahler, also die Jungen. Die marschieren nämlich, wenn nicht schleunigst etwas passiert, fast zur Hälfte in Richtung Altersarmut.

Etwas mehr belastet würden Arbeitgeber und Staat, doch verglichen mit den coronabedingten Lasten, wären das wahrlich nur Peanuts. Und die gesellschaftlichen Kosten, die ein Rentensystem verursacht, das immer mehr Menschen in die Altersarmut stürzt, sind fraglos sehr viel höher.

Holger-Balodis-Dagmar-Huehne-Rente-rauf-Kritisches-Netzwerk-Altersarmut-Rentenluege-Rentenfinanzierung-Rentenniveau-Riesterrente-Armutsrente-Etikettenschwindel Heute, Donnerstag, 2. Juli 2020, wurde nach einstündiger Aussprache vom Bundestag mit der Mehrheit der Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD für die Einführung der Grundrente gestimmt, gegen die Stimmen der AfD und der FDP bei Enthaltung der Grünen und Linken. Voraussetzung sind aber mindestens 33 Beitragsjahre in der Rentenversicherung. Außerdem darf das Einkommen eine bestimmte Grenze nicht übersteigen. Nun kann das Gesetz am Freitag auch vom Bundesrat behandelt werden - und bei Zustimmung zum 1. Januar 2021 in Kraft treten.

Saskia Esken, seit 6. Dezember 2019 eine der Bundesvorsitzenden der SPD, lobte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD), «der das Projekt unermüdlich vorangetrieben hat» und sich jetzt als "Sieger" brüstet.

Diese verabschiedete Grundrente hat nichts mit der oben erwähnten Rentenerhöhung zu tun. Die Grundrente hilft so gut wie niemandem über die Armutsgefährdungsschwelle. Und denen, die am schlechtesten verdient haben, hilft sie gar nicht. Das ist ärgerlich und peinlich zugleich.

Matthias W. Birkwald, rentenpolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke, warf der Union vor, aus einem ursprünglich guten Gesetzentwurf „nach einem Jahr Sperrfeuer ein bürokratisches Monster“ gemacht zu haben. Die Union habe dafür gesorgt, dass die Folgen viel zu niedriger Löhne weiter in die Altersarmut führten. Als „haarsträubend kompliziert und beschämend“ kritisierte er die von CDU/CSU durchgesetzte Einkommensprüfung. Gegen Altersarmut helfe die Anhebung des Mindestlohnes auf zwölf Euro und des Rentenniveaus von aktuell 48 Prozent auf 53 Prozent wie im Jahr 2000.

Es wäre die richtige Zeit, einen mutigeren Schritt zu tun, doch . . . .

Holger Balodis und Dagmar Hühne


Leseprobe aus: "Rente rauf! – So kann es klappen"

DVS (Verlag und Druckerei), 1. Auflage, © 2020 H. Balodis, D. Hühne

kartoniert, 210 Seiten, ISBN 978-3-932246-98-2, Preis: 18,00 €

portofrei direkt über die Autoren (info@vorsorgeluege.de)

1. Bessere Renten sind möglich

„Rente rauf!“ Das finden fast alle gut, jedenfalls bei der eigenen Rente. Und bei der Rente des Partners. Da sollten es schon ein paar Euro mehr sein, keine Frage. Aber insgesamt betrachtet, verlässt viele von uns schnell der Mut und es kommen leise Zweifel: Sind wir nicht wirklich viel zu viele, die demnächst eine Rente wollen? Werden die Jungen – Stichwort „Generationengerechtigkeit“ – dadurch nicht maßlos überfordert? Wer nun verschämt mit Ja antwortet, hat rentenpolitisch schon die weiße Fahne gehisst. Und gesteht sich still ein: Höhere Renten wären womöglich wirklich unfinanzierbar und unverantwortlich.

Altersrente-Respektrente-Alterseinkommen-Armutsrente-Aufstocker-Beduerftigkeit-Beduerftigkeitspruefung-Kritisches-Netzwerk-Grundrente-Altersarmut-Ueberfluessige

Genau genommen, so wäre dann die logische Folge, kann es noch nicht mal so weitergehen wie bisher. Die Renten müssten womöglich sogar sinken. Sonst bräche das Sozialsystem zusammen. Angelangt an diesem Punkt, erfasst viele Verzagtheit und Ratlosigkeit. Richtig wäre stattdessen, kräftig Einspruch einzulegen: Denn dieses Szenario ist grober Unfug, der aber leider sehr gesellschaftsfähig ist. Wer so argumentiert, hat nur vermeintlich die Logik auf seiner Seite, sondern ist vielmehr der jahrzehnte langen Einflüsterung von Finanzwirtschaft und Arbeitgeberverbänden auf den Leim gegangen. Es ist eine Propaganda, die uns weismachen will, dass das Ende der gesetzlichen Rente und das Ende des Sozialstaats insge samt kurz bevorstünden. Zwar werden uns noch ein paar wenige Jahre Schonfrist zugestanden, aber dann soll der rententechnische Weltuntergang folgen. Derzeit datieren die Apologeten diesen ungefähr auf das Jahr 2030.

► Demografie als Vorwand

Holger-Balodis-Dagmar-Huehne-Die-grosse-Rentenluege-bezahlbare-Alterssicherung-Kritisches-Netzwerk-Rentendesaster-Rentengehirnwaesche-Altersarmut-RentnerverarschungIn Reinform betreibt diese Propaganda die "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" (INSM). Sie ist eine PR-Truppe der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie. Mit tendenziösen Studien und als Experten auftretenden Botschaftern (darunter die Professoren Bernd Raffelhüschen und Michael Hüther sowie der Unternehmensberater Roland Berger) versucht die INSM immer wieder, die öffentliche Meinung zu manipulieren.

Ihr Mantra: Höhere Renten kosten Wachstum und Wohlstand. Stattdessen soll mehr private Vorsorge betrieben werden. Die Arbeitgeber bekämpfen gute Renten schlicht deshalb, weil sie möglichst niedrige Rentenbeiträge zahlen wollen. Das Demografie-Argument, also zu viele Alte, zu wenig Junge, dient hierfür nur als Vorwand.

Wer die demografische Entwicklung als Begründung heranzieht, hätte nahezu jeden Zeitpunkt in den vergangenen 100 Jahren nehmen können, um das nahe Ende der gesetzlichen Rente zu prophezeien. Die Geburtenzahlen sinken nämlich schon genau so lange mit großer Regelmäßigkeit – nur unterbrochen von einem Geburtenboom zwischen 1955 und 1970. Somit sank auf lange Sicht auch das Verhältnis von Jungen im erwerbsfähigen Alter zu den Alten im Rentenalter beständig: von einem Verhältnis von über 10 zu 1 im Jahr 1910 bis auf aktuell knapp 3 zu 1.7 Der demografische Wandel ist also Fakt. Nur ist er keine künftige Bedrohung. Er hat in ganz wesentlichen Teilen längst stattgefunden (siehe Rente kompakt: Demografie, Seite 123).

Wichtiger als das Verhältnis von Alten zu Jungen ist zudem das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentenempfängern. Und noch wichtiger ist, wie sich die Wirtschaftskraft entwickelt und wie die Arbeitnehmer daran beteiligt werden. Steigen die Bruttoeinkommen kräftig und dauerhaft an, so war und ist die Versorgung von mehr Rentnern kein Problem. Deshalb ist der Zusammenbruch des Rentensystems bis heute ausgeblieben.

Die Furcht davor ist dennoch verbreitet. Die heute Jungen glauben vielfach schon gar nicht mehr daran, dass sie später überhaupt eine Zahlung aus der gesetzlichen Rentenversicherung bekommen werden. Dieser Fatalismus ist gefährlich: Wer die Rente schon abgeschrieben hat, ist auch nicht bereit, für bessere Renten zu kämpfen.

„Rente rauf!“ erscheint ihnen wie eine völlig unrealistische Forderung. Dabei übersehen die jungen Resignierten das Wesentliche: Die gesetzliche Rente bietet im Umlageverfahren ausgezeichnete Möglichkeiten, eine wachsende Rentnergeneration gut zu vorsorgen. Die Rezepte liegen auf dem Tisch: gute Beschäftigung und bessere Löhne, mehr Beitragszahler durch Einbeziehung aller Arbeitnehmer, politisch verordnete Einnahmeverluste beenden, höhere Beiträge und ein fairer, deutlich höherer Bundesanteil an den Renteneinnahmen.

Diese Stellschrauben bilden den Kern unseres 8-Punkte-Programms „Rente rauf!“. Zusammen eingesetzt, können sie den Niedergang der gesetzlichen Rente korrigieren, der Ende der 1980er Jahre Fahrt aufnahm und sich mit der Riester-Rentenreform 2001 beschleunigte. Nur wenn wir diese Wende zu besseren Renten schaffen, hat die gesetzliche Rente eine gute Zukunft. Wird sie weiter kaputtgespart, verliert sie zunehmend ihre Legitimation und die Jungen würden dann wirklich mit allem Recht fragen: Wozu sollen wir noch einzahlen?

► Retter als Täter

In die Existenzkrise geriet die Rente paradoxerweise erst durch ihre selbst ernannten Retter Gerhard Schröder, Walter Riester und all die anderen Politiker, die zur Jahrtausendwende willig den Interessen der Finanzwirtschaft folgten. Ihr Glaubensbekenntnis lautete:

1. Die Rentenbeiträge seien überhöht und schuld an der hohen Arbeitslosigkeit.

2. Die private, sogenannte kapitalgedeckte Geldanlage biete eine erheblich höhere Rendite.

3. Die gesetzliche Rente werde an der Alterung der Gesellschaft scheitern.

Gerhard-Schroeder-Hartz-IV-Neoliberalismus-Armut-Arbeitsarmut-Erwerbsarmut-Niedriglohn-Niedriglohnsektor-Prekarisierung-Kriegsverbrecher-Kritisches-NetzwerkAlle drei Annahmen waren falsch, doch Schröder und Riester setzten ihre Reform durch und schalteten ihre Kritiker gezielt aus. Tatsächlich kreierten sie ein Dreisäulenmodell aus gesetzlicher Rente, betrieblicher Rente und Riester-Rente. Während die erste Säule, die gesetzliche Rente, ohne Not langsam, aber sicher durch zahlreiche Kürzungsmaßnahmen auf die Intensivstation geschickt wurde, sollten die beiden anderen Säulen diese Verluste ausgleichen.

Knapp 20 Jahre später wissen wir: Es funktioniert nicht.

Die von der Finanzwirtschaft bereitgestellten Vorsorgeprodukte der zweiten und dritten Säule liefern klägliche Ergebnisse. Ohne die staatlichen Zuschüsse lägen die meisten Renditen wohl tief im Minus. Und das liegt keineswegs nur an der Niedrigzinsphase. Es sind die gigantischen Kosten der Finanzwirtschaft, die Erträge nahezu unmöglich machen. Wer Jahr für Jahr allein im Bereich der Lebensversicherungen rund 9 Milliarden Euro an Kosten produziert, hat am Ende wenig zu verteilen.
 
► Die Qualität der Rentenkasse

Das sieht beim Non-Profit-Unternehmen Deutsche Rentenversicherung ganz anders aus. Hier verdienen keine Aktionäre, hier muss kein Heer von Außendienstmitarbeitern finanziert werden. Die Kosten sind mit 1,3 Prozent der Ausgaben sehr gering. Und ob die Zinsen am Kapitalmarkt hoch oder niedrig sind, kann der Rentenkasse praktisch egal sein. Sie verteilt die Einnahmen aus Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträgen sowie Bundesanteilen direkt um. Dieses Umlageverfahren ist ein besonders effektives und von den Kapitalmärkten unabhängiges Verfahren, das nicht nur bei uns, sondern in ähnlicher Form in nahezu allen Nachbarländern praktiziert wird.

Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Bund zahlen ein und rund 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner bekommen eine Rente. Rund 300 Milliarden Euro werden so derzeit pro Jahr ausgezahlt: als Altersrente, als Hinterbliebenenrente, als Erwerbsminderungsrente für jene, die wegen dauerhafter Erkrankung vorzeitig ausscheiden, und als Kranken- und Pflegekassenbeitrag für die Rentner. Auch die noch Aktiven profitieren, da die Rentenkasse darüber hinaus Reha-Maßnahmen bezahlt, um die Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen. Das ist ein Leistungspaket, das Allianz & Co. privat niemals in dieser Form bereitstellen könnten.

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Dennoch wird gerade vonseiten der privaten Finanzwirtschaft die Zukunftsfähigkeit der gesetzlichen Rente in Zweifel gezogen. Dabei sprechen die Fakten eine andere Sprache. Alle ökonomischen Rahmendaten untermauern, dass die Basis für gute Renten seit Jahren exzellent ist. Die Einnahmen der Rentenkasse wachsen seit Jahrzehnten kräftig, Jahr für Jahr. Und die Rücklagen erreichten Ende 2019 einen neuen Rekordstand.

Selbst in Zeiten von Börsencrash und Finanzkrise ging es stetig nach oben. Ein Grund: Seit vielen Jahren steigt die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. In den vergangenen zehn Jahren kamen fast sechs Millionen Beschäftigte hinzu. Zwar hat auch die Zahl der Rentner zugenommen, doch das Verhältnis von Einzahlern zu Rentenbeziehern ist heute deutlich günstiger als etwa vor 20 Jahren. Und die Lohn- und Gehaltssumme der Arbeitnehmer wächst sowohl absolut als auch bezogen auf den Einzelnen Jahr für Jahr an. Auch das Bruttoinlandsprodukt, aus dem letztlich aller Sozialaufwand finanziert werden muss, steigt mit einer beeindruckenden Konstanz an.

Wer die Daten der Deutschen Rentenversicherung nüchtern analysiert, stellt fest, dass alle noch vor einem Jahrzehnt gemachten ökonomischen Prognosen sich nicht erfüllten: Die Zahl der Beitragszahler liegt um 17 Prozent höher, die Zahl der Arbeitslosen um 34 Prozent niedriger und der Beitragssatz um fast einen Prozentpunkt niedriger als erwartet. Wie so oft in den vergangenen Jahrzehnten lagen die Renten-Kassandras daneben. Wir sind davon überzeugt, dass dies auch für die Zukunft gelten wird, wenn die Weichen heute richtig gestellt werden (siehe Rente kompakt: Umlageverfahren statt Kapitaldeckung, Seite 114).

► Viel Potenzial für gute Renten

Zwar werden Millionen „Babyboomer“ in den nächsten Jahren in Rente gehen, doch lässt sich dieser Rückgang an Beschäftigung weitgehend kompensieren, wie eine Untersuchung des "Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung" (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung gezeigt hat.

Die Forscher sehen noch erhebliche Reserven bei Migranten, Frauen und Personen über 60 Jahren. Speziell für die gesetzliche Rente ist sogar noch ein riesiges Potenzial an Beitragszahlern relativ einfach zu gewinnen: durch die Eingliederung aller Erwerbstätigen in die Rente. Derzeit gibt es in Deutschland 33,6 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, doch die Zahl der Erwerbstätigen liegt mit rund 45,3 Millionen weit höher. Mit anderen Worten: Es gibt aktuell fast 12 Millionen Personen – Beamte, Selbstständige, Freiberufler, Politiker, Spitzenmanager, geringfügig Beschäftigte –, die sich in die Rentenkasse integrieren ließen, wenn das politisch gewünscht wäre. In Österreich und der Schweiz ist dieses Prinzip bereits verwirklicht. Dort zahlen alle in die Rentenkasse ein.

Die ökonomischen Grundlagen für „Rente rauf!“ sind also vorhanden. Dies belegt auch das Portal „Fakten zur Rente“, das das zuständige Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) seit dem Sommer 2019 auf seiner Internetseite präsentiert. Unter dem Titel „Ist die Bevölkerungsentwicklung eine Gefahr für das Sozialsystem?“ findet sich eine eindrucksvolle Grafik. Sie zeigt, dass die Last, die unsere Gesellschaft für die nicht arbeitenden Alten und Jungen tragen muss, heute deutlich niedriger ist als in den vermeintlich goldenen 1970er Jahren. Das liegt daran, dass der leicht steigende Altenquotient durch einen sinkenden Jugendquotienten mehr als ausgeglichen wird. So betrachtet, kann von einer demografischen Überlastung keine Rede sein. Das Schaubild zur Entwicklung der Rentenbeiträge im Ministeriumsportal belegt, dass diese Beiträge aktuell sehr niedrig sind. Mit 18,6 Prozent vom Bruttoeinkommen liegen sie immerhin 1,7 Prozentpunkte niedriger als vor 20 Jahren. Doch das ist keineswegs eine gute Nachricht: Dieser niedrige Rentenbeitragssatz ist einer der Gründe, warum die deutschen Renten im internationalen Vergleich so kümmerlich ausfallen.

Holger-Balodis-Dagmar-Huehne-Rente-rauf-Kritisches-Netzwerk-Altersarmut-Rentenluege-Rentenfinanzierung-Rentenniveau-Riesterrente-Armutsrente-EtikettenschwindelDazu passt ein weiteres Schaubild, das das Ministerium unter dem Titel „Wie viel Rentenausgaben hat Deutschland im Vergleich zum europäischen Ausland?“ veröffentlicht. Es dokumentiert, dass Deutschland hier noch reichlich Luft nach oben hat. Gemessen am jeweiligen Bruttoinlandsprodukt, liegt Deutschland klar unter dem EU-Durchschnitt. Soll heißen: Wir leben bei den Renten eindeutig unter unseren Verhältnissen.

Prozentual deutlich mehr vom gesellschaftlichen Reichtum gönnen Spanien, Belgien, die Niederlande, Finnland, Dänemark, Österreich, Portugal, Frankreich, Italien und Griechenland ihren Rentnerinnen und Rentnern. Die schwache deutsche Position wird sogar noch dadurch geschönt, dass in die Darstellung auch die hierzulande vergleichsweise hohen Beamtenpensionen sowie die Betriebsrenten und sogar die private Vorsorge in die Berechnung eingeflossen sind.

Bezogen auf die gesetzliche Rente für Arbeitnehmer sieht der internationale Vergleich noch düsterer aus. Genau diesen Vergleich stellt regelmäßig die "Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung" (OECD) an. Hier landet Deutschland mit einer Lohnersatzquote von kümmerlichen 38 Prozent auf einem hinteren Platz, weit abgeschlagen hinter Ländern wie den Niederlanden (97 Prozent), Dänemark (86 Prozent) oder Österreich (78 Prozent). Eine Lohnersatzquote von 38 Prozent besagt, dass ein deutscher Arbeitnehmer später mit einer Rente rechnen kann, die nur 38 Prozent seines durchschnittlichen früheren Bruttoeinkommens ausmacht. Es ist höchste Zeit, das zu ändern: „Rente rauf!“

Leseprobe aus: "Rente rauf! – So kann es klappen", DVS (Verlag und Druckerei), © 2020 Holger Balodis und Dagmar Hühne; kartoniert, Kt., 210 Seiten, leicht überarbeitete 2. Auflage, ISBN 978-3-932246-98-2, Preis: 18,00 € inkl. Versandkosten über DVS oder portofrei direkt über die Autoren (info@vorsorgeluege.de).


► Inhalt:

Über das Buch

Es muss etwas geschehen!

A: "Rente rauf!"

        Der Kampf um höhere Renten ist nicht verloren
        Wie die Rente demontiert wurde
        Zaghafte Reparaturversuche – die Zerstörung geht weiter
        Wer es besser macht als wir: Österreich, Schweiz, Frankreich, Luxemburg, Belgien, Niederlande, Dänemark
        Der Widerstand wächst: Wer für die Rentenwende kämpft
        Das Modell "Rente rauf!" – Wie viel Rente brauchen wir? Wie kann "Rente rauf!" funktionieren?
        Wie lässt sich "Rente rauf!" finanzieren?

B: Rente kompakt

        Wie funktioniert die gesetzliche Rente?
        Rätselhaftes Rentenniveau
        Ramsch-Riester-Rente
        Etikettenschwindel Entgeltumwandlung
        Überlegenes Umlageverfahren statt riskanter Kapitaldeckung
        Achtung, Altersarmut
        Dämon Demografie

C: Positionen von Unterstützern

        DGB
        IG Metall
        ver.di Baden Württemberg
        Der Paritätische
        SoVD Sozialverband Deutschland
        Seniorenaufstand
        Rente zum Leben
        Bündnis für Rentenbeitragzahler und Rentner
        ADG Aktion Demokratische Gemeinschaft

Anmerkungen

Literatur

Anhang


Über die Autoren

Holger Balodis und Dagmar Hühne leben in Köln. Sie forschen und berichten seit über 30 Jahren zu den Themen Rente und Altersvorsorge. Sie waren Fachautoren für TV-Magazine wie Monitor und plusminus im „Ersten“, haben zahlreiche Ratgeber für die Stiftung Warentest und Verbraucherzentralen geschrieben sowie mehrere Bücher veröffentlicht, darunter den Spiegel-Bestseller „Die Vorsorgelüge. Wie Politik und private Rentenversicherungen uns in die Altersarmut treiben“. Daneben bieten sie Schulungen zum Thema Renten, sind als Vortragsreisende unterwegs und erstellen Studien zu Fragen der Rente und Altersvorsorge.

Die beiden engagierten Autoren Holger Balodis und Dagmar Hühne sind zu erreichen über

balodis [@] vorsorgeluege.de / huehne [@] vorsorgeluege.de

www.vorsorgeluege.de

Das Portal „vorsorgeluege.de“ informiert die kritische Öffentlichkeit mit einem aktuellen Newsletter aus dem Bereich der Altersversorgung, ganz egal ob gesetzlich oder privat. Immer provokant, immer unabhängig. Zeitungen, online- Dienste oder TV-Sender sind gerne eingeladen, mit Holger Balodis und Dagmar Hühne weiter über die angerissenen Themen zu diskutieren. Gerne kommen die beiden auch als Referenten im Rahmen von Vortragsveranstaltungen, Lesungen und Diskussionen zu den Themen Rente, Private Altersvorsorge und Altersarmut zu Ihnen.


► Quelle: Pressemitteilung von Holger Balodis und Dagmar Hühne, von Helmut Schnug redigiert (zusätzl. Textpassagen ergänzt).


Lesetipps: (bitte auch die älteren Artikel zum Thema Altersarmut, Rente, Grundrente etc. lesen)

"Die Rentenerhöhung, nur ein Schlückchen aus der Pulle!" von von Holger Balodis und Dagmar Hühne, 2. Juli 2020 >> weiter.

"Plan zur Rettung der Rente. Rente rauf! – So kann es klappen." von Tobias Weißert / isw MÜNCHEN e.V., 3. April 2020, im KN am 14. April 2020 >> weiter.

"Rentnerverarschung: Grundrente – kaum Wirkung gegen Altersarmut. Schon der Name Grundrente ist eine Fälschung." von Tobias Weißert / isw München, 26. Feb. 2020 >> weiter.

"Verdeckte Altersarmut: zustehende Grundsicherung oft nicht beansprucht. Rund 60 % der Personen in Privathaushalten, denen Grundsicherung zustünde, nehmen diese nicht in Anspruch." von Laurenz Nurk, 27. Jan. 2020 >> weiter.

"Die Sackgasse private Altersvorsorge wird immer deutlicher." von Berger, NachDenkSeiten, 20. Jan. 2020, im KN am 23. Jan. 2020 >> weiter.

"Die Ruhigstellung der Massen. Das Existenzminimum als Musterbeispiel politischer Bigotterie." von Egon W. Kreutzer, 22. Dez. 2019 >> weiter.

SPD: Aufbruch in die neue Zeit. Beschluss Nr. 1 vom Bundesparteitag Dezember 2019 - 17 Seiten >> weiter. [ein Etikettenschwindel par excellence! H.S.].

"Mehr GROKO, weniger GROKO, Hauptsache GROKO. Das Abbruchunternehmen SPD. AUFBRUCH IN DIE NEUE ZEIT." von Ulrich Gellermann, 9. Dez. 2019 (im KN am 13. Dez.) >> weiter.

"Rentnerverarschung: Grundrente für langjährig Versicherte. Fauler Kompromiss mit beschämendem Ergebnis." von Tobias Weißert / isw München e.V., 12. Dezember 2019 >> weiter.

"Der SPD-Parteitag in Berlin: ein Parteitag der Verzweiflung. Aufbruch in die Vergangenheit und Verschärfung des Klassenkampfs." von Ulrich Rippert, wsws, 10. Dezember 2019 >> weiter.

"Parteispitze der SPD: Neue Gesichter - gleiche rechte Politik." von Peter Schwarz, wsws, 2. Dezember 2019 >> weiter.

"Die Ruhigstellung der Massen. Das Existenzminimum als Musterbeispiel politischer Bigotterie." von Egon W. Kreutzer (EWK), 28. November 2019 (im KN am 22. Dez. 2019) >> weiter.

"Weitere Demontage und letztlich die Zerstörung der gesetzlichen Rentenversicherung. Die Rentenpläne der Bundesbank. Bis zum Umfallen arbeiten und dann kaum noch Rente?" von Tobias Weißert / isw München e.V., 23. November 2019 >> weiter.

"Skandalöse Ungleichheit. Der Bluff mit der Grundrente" von Marianne Arens, 14. November 2019 >> weiter.

"Armutspolitischer Etikettenschwindel: Sollbruchstelle Grundrente" von Egon W. Kreutzer (EWK), 4.11.2019 >> weiter.

"Einkommensungleichheit auf neuem Höchststand. Arme Haushalte zunehmend tiefer unter der Armutsgrenze. Neuer WSI-Verteilungsbericht" von Hans-Böckler-Stiftung, 18.10.2019 >> weiter.

"Heils-Versprechen und die Teufelsaustreibe" von Tobias Weissert / isw München e.V., 21. Juni 2019 >> weiter.

"Die SPD modernisiert Hartz IV. Neue Runde sozialer Angriffe ist eingeläutet." von Peter Schwarz, 12. Februar 2019 >> weiter.


► Bild- und Grafikquellen:

1. Rentnerpärchen beim Spaziergang: Kann man nach erbrachter Lebensleistung zukünftig noch in Würde alt werden? Kaum vorstellbar angesichts der asozialen Vorstellung der Deutschen Bundesbank. Die Lebensarbeitszeit müsse über das 67te Lebensjahr hinaus angehoben werden, nachdem die Lebenserwartung von 84,4 im Jahr 2018 bis auf 89,0 Jahre in 2070 ansteige. 

Das Renteneintrittsalter soll in 2070 dann bei 69 Jahren und vier Monaten liegen. Danach am besten sterben. Der dann überflüssige Mensch hat der neoliberalen Agenda zufolge seine Schuldigkeit getan. Urheber: cozmicphotos / Nathan Wright, Berlin. Quelle: Pixabay. Alle Pixabay-Inhalte dürfen kostenlos für kommerzielle und nicht-kommerzielle Anwendungen, genutzt werden - gedruckt und digital. Eine Genehmigung muß weder vom Bildautor noch von Pixabay eingeholt werden. Auch eine Quellenangabe ist nicht erforderlich. Pixabay-Inhalte dürfen verändert werden. Pixabay Lizenz. >> Foto.

2. DER SPD FEHLT ES AN RÜCKGRAT. Deshalb: Tschüss SPD. Niemand braucht Sozialchauvinisten und Arbeiterverräter. Originalfoto (ohne Inlet und SPD-Logo): marcelabr / Marcela Bolívar, Colombia. Quelle: Pixabay. Alle Pixabay-Inhalte dürfen kostenlos für kommerzielle und nicht-kommerzielle Anwendungen, genutzt werden - gedruckt und digital. Eine Genehmigung muß weder vom Bildautor noch von Pixabay eingeholt werden. Auch eine Quellenangabe ist nicht erforderlich. Pixabay-Inhalte dürfen verändert werden. Pixabay Lizenz. >> Foto. Bildbearbeitung von Wilfried Kahrs (WiKa) nach einer Idee von Helmut Schnug.

3. Buchcover: "Rente rauf! – So kann es klappen", DVS (Verlag und Druckerei), 1. Auflage, © 2020 von Holger Balodis und Dagmar Hühne; kartoniert, Kt., 210 Seiten, ISBN 978-3-932246-98-2, Preis: 18,00 € inkl. Versandkosten über DVS oder portofrei direkt über die Autoren (info@vorsorgeluege.de).

4. Die angedachte Grundrente ist asozial weil viel zu niedrig. Die Bezeichnung "Respektrente" für erbrachte "Lebensleistung" ist menschenverachtend! Millionen Menschen werden als Überflüssige in Altersamut (ver-)enden. Foto/Grafik: Alexas_Fotos. Quelle: Pixabay. Alle Pixabay-Inhalte dürfen kostenlos für kommerzielle und nicht-kommerzielle Anwendungen, genutzt werden - gedruckt und digital. Eine Genehmigung muß weder vom Bildautor noch von Pixabay eingeholt werden. Auch eine Quellenangabe ist nicht erforderlich. Pixabay-Inhalte dürfen verändert werden. Pixabay Lizenz. >> Bild.

5. Buchcover "Die große Rentenlüge! Warum eine gute und bezahlbare Alterssicherung für alle möglich ist." von Holger Balodis und Dagmar Hühne. 1. Auflage, © 2017 Westend Verlag, kartoniert, 208 Seiten, ISBN 978-3-86489-177-9, Preis: 18,00 € inkl. Versandkosten portofrei direkt über die Autoren (info@vorsorgeluege.de).

Eine gute Rente für alle ist machbar – gerecht und bezahlbar! Rund die Hälfte der heute Erwerbstätigen ist im Alter akut von Altersarmut bedroht. Das ist die unmittelbare Folge eines politisch gewollten Zerstörungsprozesses, sagen die Bestseller-Autoren Holger Balodis und Dagmar Hühne. In ihrem 2017 erschienenen Buch "Die große Rentenlüge" fordern sie einen radikalen Kurswechsel in der Altersversorgung und deutlich mehr Geld für alle Rentner. Und sie zeigen auch, wie es geht: Weg mit der Riester-Rente und dem Popanz des Drei-Säulen-Modells. Statt die Finanzwirtschaft zu subventionieren, muss sich Altersvorsorge auf den Kern konzentrieren: die gesetzliche Rente. Die ist sicher, krisenfest und preiswert. Und sie kann deutlich höher ausfallen, wenn endlich alle einzahlen – auch Politiker, Beamte und Topmanager.

6. Gerhard Schröder - SPD-Wahlplakat 2005, leicht modifiziert mit Protest gegen die Hartz-IV-Gesetze. Fotograf: © Diplomsoziologe / Dr. phil. Michael Westdickenberg, Berlin. Danke für die ausdrückliche Freigabe zur Veröffentlichung im KN. Die Bildrechte verbleiben beim Autor. Quelle: Flickr.

7. Pflege im Alter: Gab es 2015 noch 2,86 Millionen, so werden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes für 2030 schon 3,62 Millionen Pflegebedürftige erwartet. Foto: rawpixel. Quelle: Pixabay. Alle Pixabay-Inhalte dürfen kostenlos für kommerzielle und nicht-kommerzielle Anwendungen, genutzt werden - gedruckt und digital. Eine Genehmigung muß weder vom Bildautor noch von Pixabay eingeholt werden. Auch eine Quellenangabe ist nicht erforderlich. Pixabay-Inhalte dürfen verändert werden. Pixabay Lizenz. >>  Foto.

8. Buchcover: "Rente rauf! – So kann es klappen", DVS (Verlag und Druckerei), 1. Auflage, © 2020 von Holger Balodis und Dagmar Hühne; kartoniert, Kt., 210 Seiten, ISBN 978-3-932246-98-2, Preis: 18,00 € inkl. Versandkosten wenn direkt über den Verlag oder portofrei direkt über die Autoren (info@vorsorgeluege.de).