Nippons todkranke Gesellschaft: Wie das Land des Lächelns zu weinen beginnt

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Nippons todkranke Gesellschaft: Wie das Land des Lächelns zu weinen beginnt
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Nippons todkranke Gesellschaft

Wie das Land des Lächelns zu weinen beginnt

von Christian Jakob

“Hibakusha” nennt man die Überlebenden der beiden abgeworfenen Atombomben “Little Boy” auf Hiroshima und “Fat Man” auf Nagasaki im August 1945 durch die US-Streitkräfte. Diese menschenverachtenden Greueltaten waren allerdings nicht entscheidend für die Kapitulation Japans. Die USA hatten andere Gründe für den Atombombeneinsatz. Die Amerikaner wollten die Zerstörungskraft der beiden Atombombentypen im Feld testen und mehr über die Auswirkungen der Bomben auf die Opfer herauszufinden. Klaus Scherer schrieb das Buch "Nagasaki. Der Mythos der entscheidenden Bombe", daraus ein Auszug: "Unnötige Atombomben auf Japan" >> Artikel.

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Die Zahl der Todesopfer beläuft sich derzeit auf mehr als 280.000. So hieß es noch vor einigen Jahren wobei der Fernsehsender NHK jährlich einige tausend Namen hinzufügt, die durch die Spätfolgen radioaktiver Strahlung - auch über Folgegenerationen hinweg - zu beklagen sind. Die Dunkelziffer dürfte wohl noch höher ausfallen. Die beiden Städte in den Regionen Chūgoku und Kyūshū wurden buchstäblich pulverisiert und in eine Mondlandschaft verwandelt.

Über die letzten 50 Jahre ist die Rate der Krebserkrankungen, vor allem Brust-, Schilddrüsen-, Lungen- und Blutkrebs (Leukämie), in der Bevölkerung von Hiroshima und Nagasaki signifikant erhöht. Die genaue Zahl kann nicht ermittelt werden, denn die epidemiologische Datensammlung wird sehr unterschiedlich bewertet. Auch andere Krankheiten, wie z.B. Anämie, Grüner Star, Keloiden (eine Art Bindegewebswucherung) sowie angeborene Missbildungen können auf die Atombombenangriffe zurückgeführt werden. Über die Krankheit "Genbaku Bura-Bura" (Genbaku = Atombombenabwurf, Bura-Bura = langwierig), mit den Symptomen Müdigkeit, Schwindel, Krämpfe, usw. wurde mehrfach berichtet. Leber- und Herzkrankheiten sowie psychosomatische Auswirkungen der Traumatisierung sind ebenso unter den Spätfolgen zu verbuchen. (> ippnw-Artikel "Langzeitfolgen der Atombomben")

Diese beiden historischen Schandtaten beeinflussten nachhaltig die kulturelle und gesellschaftliche Entwicklung Japans, deren Auswirkungen heute immer noch erkennbar sind. Durch die Kriegsschäden und den organisierten Wiederaufbau der japanischen Städte manifestierte sich durch Kaiser Hirohito, dem 124. Tennō Japans, der Begriff der Präsenzkultur in der japanischen Gesellschaft weitaus intensiver als woanders auf der Welt. Zwar wurde in der über 2.000 Jahre alten Geschichte Japans das durch die Ahnherrin Amaterasu begründete Tenno-Geschlecht seit jeher von der japanischen Bevölkerung zutiefst verehrt, jedoch standen Aussagen und Haltungen Hirohitos gegen ein offenes Bekenntnis zur Niederlage Japans nach dem Krieg und somit auch einer gesellschaftlichen Aufarbeitung der Geschehnisse gegenüber. Daraus ergab sich der noch heute stark verinnerlichte Ethos innerhalb der Bevölkerung, der Gesellschaft dienlich und in ihrer duldsamen Form ergeben zu sein.

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Der Arbeitgeber - die Gottheit der man folgt

Genährt aus diesem Hintergrund, wurde durch den damaligen Premierminister Shigeru Yoshida in der Nachkriegszeit die Haltung der Japaner gegenüber den Arbeitgebern und Unternehmen zusätzlich bestärkt. Aus seiner Yoshida-Doktrin geht hervor, das eine schnellstmögliche wirtschaftliche Erholung Japans absolutes Prioritätsziel war, dessen alle anderen gesellschaftlichen Belange hinten angestellt und untergeordnet werden müsse. Diese Ausrichtung sorgte ebenso wie die Haltung des Tenno dafür, das die sogenannte “Shushin Koyo”, die langfristige Beschäftigung und die Sozialstruktur des Familismus miteinander verschmolzen. Der Familismus wird in Japan als prägende Produktions-Management-Kultur (JPM) praktiziert und besteht aus 7 Kernprinzipien.

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-Fairness und Ehrlichkeit
-Zusammenarbeit und Teamgeist
-Erbarmungslose Anstrengung zur Verbesserung
-Höflichkeit und Demut
-Anpassungsfähigkeit
-Dankbarkeit

JPM ist allerdings nicht nur eine Form von Prinzipien, sondern es legt auch Definitionen von Produktivität fest. Wobei die Auffassungen von “wertschöpfend” und “verschwenderisch” bis ins kleinste Details des jeweiligen Arbeitsablauf bzw. Arbeitsprozess vordringt. Alle Kostenfaktoren, die mit nicht wertschöpfenden Funktionen verbunden sind, werden als eine Form von Verschwendung betrachtet, die eliminiert werden sollte. Dabei ist unabhängig, ob es sich um Materialpuffer zwischen den Arbeitsabläufen handelt.

arbeitsbelastung-limits-arbeitsstress-arbeitsbedingungen-belastung-ueberforderung-ueberstunden-prekaritaetsrisiken-kritisches-netzwerk-arbeitskraeftepotenzial-ausbeutung-burnout Zeitverlust, Wartezeiten, Gehzeiten, Ruhezeiten, Wege zu den Arbeitsplätzen oder ganz allgemein indirekte Arbeit wie Handwerk und Instandhaltung, alles wird als verschwenderisch betrachtet und muss durch Optimierung verhindert oder beseitigt werden. Urlaub, Feiertage, Pausen in der Ruhezeit, Pausen im Bad oder auf der Toilette, Schweiß abwischen, rauchen, Wassertrinken, gelten ebenso als Verschwendung, wie eine Nacht in der ein Betrieb still liegt und nichts produziert.

Das Verständnis der “Shushin Koyo” erklärt auch die Bindung der Japaner an ihren Arbeitgeber, der fast schon einer bedingungslosen Unterwerfung der Angestellten gleich kommt. Permanente Spitzenleistungen, immerwährende Verfügbarkeit und treue Bindung gelten als Selbstverständlichkeit unter den Japanern. Ein Arbeitsplatzwechsel zu besseren Konditionen gilt gesellschaftlich als verpönt und eine Kündigung wird als Vertrauensbruch, oder gar als Gesichtsverlust verstanden. Als Gegenleistung halten Arbeitgeber und Unternehmen jedoch ebenfalls stringent an dieser Wertevorstellung fest, indem alles nur erdenkliche an Einsparung unternommen wird, bevor ein Angestellter oder Arbeiter entlassen wird. Auch hier greift der Gedanke von persönlicher Schmach und Ansehensverlust. Die gesamte Arbeitswelt Japans ist in allen Bereichen und Branchen nach diesem Schema ausgerichtet.

► Das japanische Arbeitsrecht befindet sich in der Steinzeit

Allerdings hat sich das Arbeitsrecht in der Gesetzgebung seit 1946 nicht verändert. Schon damals wurde die Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden festgelegt [1]. Geregelte Pausenzeiten oder Ruhephasen zwischen zwei Arbeitsschichten, oder eine Überstundenregelung gibt es bis heute nicht. Auf dem ersten Blick klingt ein 8 Stunden-Tag oder eine Arbeitswoche von 5 Tagen hinsichtlich der wirtschaftlichen und arbeitsrechtlichen Entwicklung in Europa, als ziemlich fortschrittlich und modern, jedoch aufgrund fehlender Rahmenbedingungen oder Tarife sind die Regelungen reine Fiktion und nur eine Randnotiz in Japans Arbeitswelt. 12 bis 14 Stunden am Tag sind fast schon Normalität und freiwilliges Arbeiten an den Wochenenden mit kompletten Verzicht auf Lohn sind ebenso keine Seltenheit. Da passiert es schnell, dass aus einer angedachten 40 Stunden Woche eine Regelarbeitszeit von 80 bis 100 Stunden pro Woche wird. [2] Überstundenvergütung gibt es allerdings nur unter der Woche, an Wochenenden hält man sich an Verzicht, zum Wohle des Unternehmens und der Gesellschaft.

armut-pockets-out-pleite-schulden-schuldenfalle-verschuldung-kritisches-netzwerk-insolvenz-privatinsolvenz-erwerbsarmut-arbeitsarmut-working-poor-Japan Dieser Prozess der Intensivierung der Arbeit hat zu Nachtschichtarbeit, erhöhten planmäßigen und außerplanmäßigen Überstunden und Feiertagsarbeit, unbezahlter "freiwilliger" Arbeit und zur Funktionsaufgabe außerhalb der Arbeitszeit geführt. Eine niedrige Grundvergütung zwingt die Arbeitnehmer, hart zu arbeiten, um zusätzliche Vorteile zu erhalten. Geringe Zulagen für Überstunden, Nachtschichten usw. zwingen die Arbeiter zu längeren Arbeitszeiten und mehr Nächten und Feiertagen. Das unter einer solchen dauerhaften Belastung der jüngste und stärkste Körper irgendwann einmal nach gibt, ist die logische Konsequenz und so sind Schlafmangel und Erschöpfung mittlerweile zu einer weit verbreiteten Volkskrankheit geworden.

Durch diese physische und psychische Belastung kam es ab den 1970er Jahren vermehrt zu Todesfällen in der arbeitenden Bevölkerung. Aufgrund von Druck, Stress, Zeit- und Schlafmangel starben immer mehr Menschen an Herzinfarkt, Herz-Kreislaufstillstand oder an Schlaganfällen, weil der Körper dieser Dauerlast nicht mehr gewachsen war. Allerdings erkannte man von staatlicher als auch arbeitsrechtlicher Seite her dieses Phänomen noch nicht. Als Nebenerscheinung schlägt sich diese Belastung auch in der Betrachtung der sozialen Lebensweise und Bindung in der Gesellschaft nieder. Ein japanisches eigenständiges Wort fand in der breiten Öffentlichkeit ab den 1980er Jahren Verwendung und steht seitdem als Synonym für dieses Überlastung-Phänomen.

Karōshi - Tod durch Überarbeitung

Der erste bekannte Fall eines Erschöpfungstodes geht auf einen männlichen verheirateten Arbeitnehmer aus dem Jahr 1969 zurück, der im Rahmen seiner Tätigkeit in der Versandabteilung der größten japanischen Zeitung “Yomiuri Shinbun” einem plötzlichen Herzstillstand erlag. [3] Bis in die späten 1980er Jahre gab es keine epidemiologischen Studien über Karōshi und so wurde aus arbeitsmedizinischer Sicht keinerlei Kausalität hergestellt. Man betrachtete diese Todesfälle als Einzelfälle, verursacht durch eine breite Palette an Möglichkeiten, die alles und nichts ausschlossen. Im Jahr 1982 wurde das erste Buch mit dem Titel "Karōshi" von drei Ärzten veröffentlicht [4]. Dies war der Ursprung des Begriffs Karōshi. Der Hauptansatz für die Karōshi-Forschung bestand darin, den Nachweis der Kausalität auf individueller Basis zu erbringen, das die enormen Belastungen durch Arbeit und Schlafmangel Ursachen der Todesfälle waren.

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1987 sah sich aufgrund von immer häufiger auftretenden Karōshi-Fällen die japanische Regierung gezwungen, erste Statistiken zu erheben und zu veröffentlichen. Das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales gibt seit dem Schätzungen heraus, die bei Experten eher als äußerst zurückhaltend betrachtet werden. Genaue Zahlen gibt es nicht, aber in Fachkreisen geht man heute von einer Dunkelziffer von 10.000 Karōshi-Fällen pro Jahr aus [5].

Das Thema findet immer wieder Erwähnung in japanischen Medien und wird in der japanischen Gesellschaft in breiter Fläche diskutiert. Entschädigungsforderungen gegenüber den Arbeitgebern fanden nur in zaghaften Versuchen statt, da die Beweisführung schwer war und der traditionelle Arbeitsethos für Zurückhaltung sorgten. Aber selbst wenn es Angehörige der Verstorbenen es bis zu einer juristischen Auseinandersetzung schafften, wurden bis in die 1990er Jahre 95% der Fälle von den Gerichten abgelehnt. Bis ins Jahr 2006 stieg die Anzahl bekannter Fälle von Karōshi auf einen neuen Negativrekord an, als das zuständige Ministerium offiziell von 355 Toten sprach, die durch Überarbeitung verstarben [6]. 176 geschahen durch Suizid(Karōshi -Tode), insgesamt nehmen sich 18,8 Menschen pro 100.000 Japaner das Leben, was etwa 23.500 Suizid-Tote jährlich ausmacht.

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Rechtsanwalt und Arbeitsrechtler Hiroshi Kawahito, der sich auf das Phänomen Karōshi spezialisiert hat, stellte mit dem Verlauf von Todesfällen durch Überarbeitung fest, das in früheren Zeiten die Betroffenen meistens Männer zwischen 40 und 50 Jahre waren, die durch Herzstillstand oder Schlaganfall starben. Heute treten immer mehr Fälle von jüngeren Menschen im Alter von 20 bis 30 Jahren auf, wobei immer mehr Selbstmorde zu beobachten sind. Der Anteil zwischen Männern und Frauen ist dabei mittlerweile im gleichen Maß vertreten [7].

Offizielle Statistiken und Daten des Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Soziales zeigten 2016 auf, das es jährlich weit über 2.000 Karōshi-Fälle gibt, die vor dem Arbeitsgericht landeten und einer Entschädigungsklage nach gingen. Lediglich 30% der Fälle wurden anerkannt. Warum es immer noch so wenige anerkannte Fälle gibt, liegt an der gesetzlichen Regelung, die Premierminister Shinzō Abe mit einer Reform der Arbeitsgesetze im Jahr 2016 unternommen hatte. Demnach gelten Fälle von Karōshi erst dann als anerkannt, wenn Angestellte mehr als 100 Überstunden im aktuellen Monat, oder im Schnitt mehr als 80 Überstunden über mehrere Monate geleistet hätten. Für Kawahito ist diese Bemessungsgrundlage zwar der Anfang mit einem Schritt in die richtige Richtung, jedoch hält er diese Reform nicht wie Abe verlauten ließ, als “historischen Durchbruch”.

Die unvernünftig langen Arbeitszeiten beweisen, dass japanische Arbeitgeber dumm sind. Schließlich sei schon lange bewiesen, das ab einer gewissen Arbeitsdauer die Leistung von Arbeitern sinkt.” (Hiroshi Kawahito) Untermauert wird Kawahitos Aussage durch die OECD, die ebenfalls zu dem Schluss kommt, dass die japanische Arbeitsleistung gut ein Drittel unter der von Deutschland liegt, weil für die gleiche Arbeit viel mehr Zeit benötigt würde [8].

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Und dennoch halten die meisten Unternehmen und Arbeitgeber an der alten Philosophie fest, das gute Arbeit nicht in Leistung zu erkennen ist, sondern die Arbeitsdauer als Indiz für gutes Arbeiten steht. Daher umgehen viele Unternehmen und Arbeitgeber diese noch lasche Reform Abes, in dem sie von einer Ausnahmeklausel gebrauch machen. Denn in Auftragsspitzen, wir kennen das aus unserem deutschen Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) hinsichtlich Anwendung von Leiharbeit, ist die Grenze von 100 Überstunden pro Monat ausser Kraft zu setzen. Schlimmer noch, in den Verhandlungen zu dieser Reform wurde durchgesetzt, das von der neuen Regelung LKW-Fahrer und Krankenhauspersonal ausgenommen sind.

► Mangelerscheinungen und künstlicher Ersatz in allen Bereichen

Soziale Kontakte gibt es zwar in den Metropolen Japans, jedoch zeigen aktuelle Studien auf, das sich immer mehr Menschen isolieren. "Hikikomori" nennt man die Menschen, die sich freiwillig von der Außenwelt abkapseln, sich dabei in ihre eigenen 4 Wände zurückziehen und den Kontakt zur Gesellschaft auf ein Minimum reduzieren. (soziale Isolation, "sich wegschließen"). Oftmals über mehrere Jahre. Laut einer Umfrage, die im September 2016 durch die japanische Regierung in Auftrag gegeben wurde, wenden sich über eine halbe Millionen Menschen von der Außenwelt ab und ziehen sich in ihre Wohnungen zurück [9]. Kritiker dieser Umfrage sprechen allerdings von einer noch weitaus höheren Anzahl Hikikomoris, da sich die Umfrage nur auf Menschen im Alter von 15 bis 40 begrenzte [10]. Als Ersatzkontakte suchen immer mehr Japaner im Internet Freundschaften oder Gleichgesinnte für eine Unterhaltung.

Japan-Geburtenrate-Geburtenrueckgang-Gesellschaftskollaps-Gesellschaftszusammenbruch-Gesellschaftskollaps-Kritisches-Netzwerk-Demographie-Ueberalterung-Vergreisung-BirthrateDadurch ergibt sich ein weitaus größeres Problem in der japanischen Gesellschaft. Demographie zum Beispiel. Durch das steigende Rückzugsverhalten und der Isolierung, und der immensen Arbeitszeiten ist die Zahl der Singles in Japan stark angestiegen. Die Anzahl der Single-Haushalte beträgt allein in Tokio rund 50% [11]. Seit 1974 ist die Geburtenrate Japans rückläufig und erreichte 2017 den tiefsten Stand seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 1968 [12],[13]. Brachten Mitte der 1970er Jahren Frauen im Schnitt 3,0 Kinder zur Welt, so waren es am Stichtag 2017 nur noch 1,4 Kinder [14].

Ein weiterer Faktor für die sinkende Geburtenrate Japans liegt in der Tatsache, das im Gegensatz zu früheren Jahren immer mehr Frauen einer Vollzeitbeschäftigung inklusive hoher Überstundenzahl nachgehen. Der Einzug der Feministinnen hat auch vor Nippons Toren nicht Halt gemacht. Da eine zwischenmenschliche Beziehung von Paaren aufgrund hoher Arbeitsstunden im Gegensatz zu anderen Industrieländern kaum noch aufrecht zu erhalten ist, flüchten sich immer mehr Japaner in die imaginäre und virtuelle Welt. Jeder zweite Twen gibt an, einen künstlichen Avatar als (Ersatz)-Freundin in Form einer Smartphone-App zu besitzen.

Überhaupt gibt es einen Boom in der Ersatz-Industrie zu verzeichnen. In “Kyabakuras” (Gastgeber- und Hostessenclubs) gibt es gegen Bezahlung Gesprächspartner, die den Abend mit einem verbringen. Kyabakura ist ein Portmanteau, ein Schachtelwort und setzt sich aus den Begriffen “Kyabarē” (Kabarett) und “Kurabu” (Club) zusammen. Ein identischer Vorgang zeigt sich auch in sogenannten “Cuddle-Cafés”. Der Kunde bezahlt einen Betrag und erhält als Dienstleistung, das er umarmt oder das mit ihm gekuschelt wird. Alles streng kontrolliert und ohne sexuellen Hintergrund.

Wobei auch die Erotik- und Sexindustrie in Japan immer mehr Produkte anbietet. Nach dem Motto “es gibt nichts was es nicht gibt” finden unter anderem originalgetreue Sexpuppen mit scheinbar echter Haut immer mehr Absatz unter der Bevölkerung. Selbst für diese hochwertigen z.T. mehrere tausend US Dollar teuren Silikonpuppen hat sich nebenbei eine ganze Bekleidungsbranche in Japan spezialisiert und etabliert. Allerdings werden solche künstlichen Partnerinnen und -Partner nicht nur als sexuellen Ausgleich gesehen, sondern vielmehr als Partnerersatz, als imaginärer Lebensgefährte und Seelenverwandte betrachtet. Mit ihnen wird kommuniziert, die Echthaare gebürstet, gemeinsam am Tisch sitzend das Essen eingenommen, u.v.m.. Derweil Männer ihren Wunsch nach einem "echten Partner" anhand dieser lebensechten Puppen ausgeleben, kompensieren Frauen ihren Lebenstraum mit künstlichen Hochzeiten. Gegen Bezahlung per Kreditkarte werden Hochzeitskleid, Bräutigam und Limo geliefert und eine iniziierte Trauung ist im Rundum-Sorglos-Paket gleich mit enthalten. Für einen Tag lang - oder nur für ein paar Stunden - das Gefühl zu besitzen, glücklich zu sein.

Die 2008 von Ishii Yuichi gegründete Dienstleistungsfirma Family Romance hat sich auf imaginäre Verbindungen spezialisiert [15]. Er bietet rund 800 Schauspieler an, die für diverse Zwecke gemietet werden können. Was oberflächlich als normaler Hostess-Anbieter anmutet, kristallisiert sich als besondere Form dieser Dienstleistung heraus. Zwar gibt es auch bei ihm die Möglichkeit, sich eine Begleitung zu mieten, wenn man zu einer Veranstaltung oder Feier nicht alleine auftreten möchte, jedoch gehen die Leistungen von Yuichis Firma noch tiefer. Eine alleinerziehende Mutter zählt unter anderem zu seinen Stammkunden. Aufgrund von Mobbing gegen ihre Tochter, weil es keinen Vater hatte, wird Yuichi seit 8 Jahren als Ersatzpapa gemietet. Die heute 12-jährige Tochter weiß bis heute nicht, das Yuichi ein Dienstleister, eine imaginäre Person ist. Krass - nicht wahr?

► Ein Land und seine alte Bevölkerung - Japans Rentner

Ein weiteres Indiz für die immer weiter fortschreitende Vergreisung der japanischen Bevölkerung, zeigt sich anhand der Verkaufszahlen der Firma Uni-Charm. Japans größter Anbieter von Inkontinenzartikeln verkauft seit 2014 mehr Windeln für Erwachsene, als für Babys. Diese Indizien finden sich auch in der veröffentlichten Statistik der japanischen Regierung wieder. Aus ihrem Census-Bericht vom 01.08.2017 geht hervor, das der Bevölkerungsanteil der Menschen, die über 65 Jahre alt sind bei 27,7% liegt. Mehr als ein Viertel der japanischen Bevölkerung befindet sich demnach im Rentenalter. Zum Vergleich, der Anteil der Menschen die unter 15 Jahren alt sind liegt gerade mal bei 12,3% [16]. Das bedeutet, dass die japanische Bevölkerung nicht nur immer älter wird, sondern dass sie schrumpft, weil immer weniger Nachwuchs gezeugt wird. Im internationalen Vergleich sticht Japan damit heraus, lediglich in China und Südkorea sind ähnliche Entwicklungen zu verzeichnen, wobei die dramatische Entwicklung in Japan ein Alleinstellungsmerkmal darstellt.

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► Knast statt Pflegeheim

Dies führt zu einem ganz seltsamen Umstand und Nebeneffekt. Im internationalen Vergleich liegt Japans Kriminalitätsrate seit Jahren unter den besten Statistiken. Bei einer Bevölkerung von 127 Mio. Einwohnern wurden 2017 weniger als 1 Mio. Straftaten vermeldet [17]. Obwohl die Kriminalität so niedrig war wie nie zuvor, ließ sich in einem Bereich ein ganz besonderer Anstieg feststellen - bei Diebstahl. Die meisten Delikte stammen durch Diebstähle, allerdings werden 20% der überführten Diebstähle in Japan von über 65-jährigen verübt [18]. Geschuldet ist dieser Umstand aus Mangel an Altersheimen und Pflegeplätzen. Daher entscheiden sich  immer mehr Rentner dazu einen Diebstahl zu begehen, um dann seinen Lebensabend in einem Gefängnis verbringen zu können. Etwas Essen zu stehlen kann mitunter zu 2 Jahren Haft führen, was allerdings im Umkehrschluss bedeutet - 2 Jahre ohne Miete bei täglicher Verpflegung und Aufmerksamkeit. In Japan spricht man bei diesem Phänomen von der “grauen Welle der Kriminalität”. (treffenderweise könnte man auch von Versorgungskriminalität sprechen; WiKa.)

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Durch diese in Mode gekommene Erscheinung haben sich mittlerweile diverse Justizvollzugsanstalten an diese Situation angepasst. Handläufe auf den Korridoren, altengerechte Abteilungen innerhalb der Haftanstalt, Rampen für Gehbehinderte und ein Großteil der Vollzugsbeamten verfügt mittlerweile über eine zusätzliche Ausbildung als Pflegekraft. Unter den greisen Haftinsassen ist die Wiederholungsrate enorm hoch, da viele nach ihrer Entlassung wieder einen Diebstahl begehen, um so schnell wie möglich wieder “einsitzen” zu dürfen.

► Sonderfall oder Dystopie?

Bei allen kulturellen und gesellschaftlichen Unterschieden Japans zur westlichen Industriewelt scheinen sich dennoch Parallelen erkennen zu geben, die man seit einiger Zeit auch in Europa bzw. in Deutschland beobachten kann. So erinnert die trostlose Ausgrenzung zwischenmenschlicher Beziehungen Japans an die Ellenbogengesellschaft hierzulande. Auch hier gilt das Motto “jeder ist sich selbst der nächste” und durch Aufopferung, Verzicht und Erduldung der Umstände, versuchen die Menschen in der Arbeitswelt ihren Status aufrecht zu erhalten, aus Angst nicht in die soziale Abwärtsspirale zu geraten und als Sozialfall zu enden.

neoliberalismus-endstation-dead-end-marktradikalismus-sozialdarwinismus-ausbeutung-kritisches-netzwerk-Butterwegge-verteilungsfrage-verteilungsgerechtigkeit-sackgasse.jpg Ob Japan oder Deutschland, zu erkennen ist eine Abkehr von familiärer Struktur, ein Bruch mit der Tradition, als noch eine Familie mit 3 oder gar 4 Generationen unter einem Dach lebte. Auch das Schnelllebige hat in Deutschland rasant zugenommen, und in der Anonymität des Internets flüchten sich immer mehr Menschen und bemühen sich um eine imaginäre Aufrechterhaltung von sozialem Miteinander. Durch Reizüberflutung komprimiert sich immer mehr das Beiläufige und oberflächliche, seien es Nachrichten, Konversationen, Musik oder Sex. Es gilt nicht mehr das nachhaltige, sondern nur noch das kurzfristige.

Das dies auch hier in Deutschland dazu führt, das Volkskrankheiten wie Depression und Burnout auf dem Vormarsch sind, wirft ein düsteres Bild auf die Gesellschaft. Und obwohl der kulturelle Unterschied zwischen Japan und Europa recht groß ist, wie auch die geografische Entfernung, kann und sollte man dennoch versuchen, aus diesen Fakten zu lernen und eine Abkehr von diesem wahnsinnigen immer weiter, höher und schneller zu erreichen. Japan steht nicht nur demografisch von einem Kollaps, sondern auch vor einem gesundheitlichen. Es ist ebenso den Auswüchsen des ständigen Wachstums und des immer währenden Wettbewerbs geschuldet, nur die Regionen sind unterschiedlich. Was zur Erkenntnis führt, das für alle Gesellschaften auf der Welt gilt, das die Zeit zum umdenken schon lange reif ist. Allein schon aus dem überliefertem Merkmal, das der Neoliberalismus die Menschlichkeit scheitern lässt.

Nippon leidet, Nippon weint.

Christian Jakob (bitte auch die Videos ansehen und in jedem Fall die weiter unten verlinkten Artikel lesen - es lohnt sich!)

pin_green.gifJapan: Tod durch zuviel Arbeit | ARTE Reportage (Dauer 23:30 Uhr)

pin_green.gif  Aokigahara Forest Suicide Forest in Japan (Dauer 21:08 Min)

Der Aokigahara-Wald ist der beliebteste Ort für Selbstmorde in Japan. Nachdem der Roman Kuroi Jukai veröffentlicht wurde, in dem ein junger Liebhaber im Wald Selbstmord begeht, begannen sich die Menschen dort mit 50 bis 100 Todesfällen pro Jahr das Leben zu nehmen. Die Stätte beherbergt so viele Leichen, dass die Yakuza Obdachlose bezahlt, um sich in den Wald zu schleichen und die Leichen auszurauben. Die Behörden suchen nur einmal jährlich nach Leichen, da der Wald am Fuße des Fuji liegt und zu dicht ist, um häufiger zu patrouillieren.

pin_green.gifExploring Aokigahara Jukai (青木ヶ原) "The Suicide Forest" in Japan (Dauer: auf ca. 55 Min. eingekürzt H.S.)


► Quellen:

[1] Weißbuch 2016 des japanischen Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Soziales (Arbeitsbedingungen, Arbeitsbeziehungen - gesetzliche Arbeitszeitregelung) >> weiter. (PDF, 5,3 MB)

[2] "Tod durch Überarbeiten”: Neuer Diskurs um Karōshi", JapanDigest vom 13.10.2016 >> weiter.

[3] "Karōshi: Death from Overwork. Occupational Health Consequences of Japanese Production Management", International Journal of Health Services >> weiter.

[4] "Karōshi – plötzlicher Tod durch Überarbeitung in Japan", Deutsche Apotheker Zeitung, Heft 16 Seite 80 vom 16.04.2009 >> weiter.

[5] "Arbeiten bis zum Umfallen", Deutsche Welle Audio-Podcast vom 20.10.2017 >> weiter.

[6] "Japan working itself to an early grave", Independet Media Southafrica vom 17.05.2007 >> weiter.

[7] "Warum sich Japaner zu Tode arbeiten", Wirtschaftswoche vom 16.10.2017 >> weiter.

[8] OECD Daten >> weiter.

[9] "Japan home to 541,000 young recluses, survey finds", The Japan Times vom 07.09.2016 >> weiter.

[10] "Jahrelang kein Kontakt zu anderen. Hunderttausende Japaner leben in Isolation", n-TV Panorama vom 07.01.2017 >> weiter. (Gesellschaftsverweigerung, Gesellschaftsekel, Soziale Rückzügler, Rückzugsbedürfnis)

[11] "Japan: Einsamkeit in der Mega-City", ARD Weltspiegel vom 12.04.2015 >> weiter.

[12] "Demografische Zeitbombe Japan schrumpft im Rekordtempo", n-TV Sendung vom 05.07.2017 >> weiter.

[13] "Number of Births an Birthrate, Japan", Wikimedia Commons >> weiter.

[14] "Japans Sexproblem sorgt für wirtschaftliche und soziale Probleme, die das Land so noch nicht gesehen hat", Business Insider vom 24.05.2017 >> weiter.

[15] "How to Hire Fake Friends and Family. In Japan, you can pay an actor to impersonate your relative, spouse, coworker, or any kind of acquaintance.", The Atlantic vom 07.11.2017 >> weiter.

[16] Statistic Bureau of Japan vom 01.08.2017 >> weiter.

[17] "Japan, das sichere Land. Noch nie wurden im Japan der Nachkriegszeit so wenige Kriminalfälle registriert." Asienspiegel vom 21.01.2017 >> weiter.

[18] "Gefängnis statt Seniorenheim – Japans greise Gangster", SIMUKAI - Magazin für Japan vom 19.11.2017 >> weiter.


► Bild- und Grafikquellen:

Achtung: Die Bilder im Artikel sind nicht Bestandteil des Originalartikels und wurden von KN-ADMIN Helmut Schnug eingefügt. Für sie gelten ggf. andere Lizenzen, s.u.

1. Alte Japanerin (Symbolbild): In Japan wird die fortschreitende Vergreisung zum Problem. Maler: Wada Eisaku, 1908. Quelle1: National Museum of Modern Art, Tokyo > Ölgemälde. Quelle2: Wikimedia Commons. Dieses Bild ist nun gemeinfrei, weil sein Urheberrechtsschutz in Japan abgelaufen ist. Gemäß Artikel 51 und 57 des japanischen Urheberrechts fallen alle nicht-fotografischen Werke, die der Gerichtsbarkeit Japans unterliegen, 50 Jahre nach dem Tod des Urhebers (bei mehreren Urhebern der Urheber, welcher zuletzt starb) in die Gemeinfreiheit. Das gilt weltweit.

2. Opfer des Atombombenabwurfes: Der verkohlte Körper eines Jungen im Epizentrum von Nagasaki, 10. August 1945. Diese menschenverachtenden Greueltaten waren allerdings nicht entscheidend für die Kapitulation Japans. Die USA hatten andere Gründe für den Atombombeneinsatz. Die Amerikaner wollten die Zerstörungskraft der beiden Atombombentypen im Feld testen und mehr über die Auswirkungen der Bomben auf die Opfer herauszufinden.

1945 gab es keinen Fotografen, der schneller in Nagasaki ankam, um die Schäden durch die Atombombe zu untersuchen, als Yosuke Yamahata. Er war bereits am Tag nach der Bombardierung in der Stadt und machte innerhalb von zwölf Stunden Hunderte von Fotos - das umfangreichste fotografische Dokument der unmittelbaren Folgen. Innerhalb von zwei Wochen erschienen seine Fotos in der japanischen Zeitschrift Mainichi Shibun. Nachdem die Amerikaner Japan unter ihrer Kontrolle hatten, führten sie eine Zensur ein, die die Verbreitung von Yamahatas Fotos verhinderte. Erst nach der Aufhebung der Beschränkungen im Jahr 1952 würden sie im Leben erscheinen.

Foto: Yosuke Yamahata. Quelle: Wikimedia Commons. Dieses fotografische Werk wurde im Zuständigkeitsbereich der Regierung von Japan entweder vor dem 31. Dezember 1956 veröffentlicht oder vor 1946 aufgenommen und danach 10 Jahre nicht veröffentlicht. Daher gilt dieses fotografische Werk gemäß Artikel 23 des alten japanischen Urheberrechtsgesetzes in Verbindung mit Artikel 2 der Ergänzungsbestimmungen zum japanischen Urheberrechtsgesetz als gemeinfrei.

3. Japan Ensign Flag Icon. Artist / Urheber: Hopstarter. Quelle: IconArcive. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International (CC BY-NC-ND 4.0).

4. LIMITS: Arbeit sollte gerechter verteilt werden, denn während die einen über zu viel Arbeit klagen (Arbeitsbelastung, Überforderung, Überstunden, Burnout), würden viele andere gerne mehr arbeiten oder überhaupt erst einmal in Arbeit gelangen. Cartoon: jbmacros67 / Junah Rosales, Philippines. Quelle: Pixabay. Alle bereitgestellten Bilder und Videos auf Pixabay sind gemeinfrei (Public Domain) entsprechend der Verzichtserklärung Creative Commons CC0. Das Bild unterliegt damit keinem Kopierrecht und kann - verändert oder unverändert - kostenlos für kommerzielle und nicht kommerzielle Anwendungen in digitaler oder gedruckter Form ohne Bildnachweis oder Quellenangabe verwendet werden. >> Cartoon.

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5. ARM TROTZ ARBEIT - WORKING POOR dank der verfehlten zunehmend liberalisierten Lohn- und Arbeitsmarktpolitik (Niedriglohn, Leiharbeit, Zeitarbeit, lächerlich geringer Mindestlohn und andere politische Fehlentscheidungen). Unter den derzeit herrschenden Bedingungen am Arbeitsmarkt birgt besonders die Teilzeitarbeit erhebliche Prekaritätsrisiken. Zum einen kann mit einer Teilzeitbeschäftigung sehr oft kein existenzsicherndes Einkommen erzielt werden, zum anderen führen die mit verkürzter Arbeitszeit verbundenen Lohneinbußen dazu, dass der Aufbau einer eigenständigen Alterssicherung zu kurz greift, um Altersarmut sicher ausschließen.

Grafik: schuldnerhilfe - Horst Tinnes, Linz/Österreich. Quelle: Pixabay. Alle bereitgestellten Bilder und Videos auf Pixabay sind gemeinfrei (Public Domain) entsprechend der Verzichtserklärung Creative Commons CC0. Das Bild unterliegt damit keinem Kopierrecht und kann - verändert oder unverändert - kostenlos für kommerzielle und nicht kommerzielle Anwendungen in digitaler oder gedruckter Form ohne Bildnachweis oder Quellenangabe verwendet werden. >> Bild (ohne Textinlet). Das Textinlet wurde von Wilfried Kahrs (WiKa) eingearbeitet.

6. Arbeiten bis zum Tode: Eine alte Japanerin transportiert eine schwere Last über die Straßen Tokios. Foto: Gideon. Quelle: Flickr. Namensnennung 2.0 Generic (CC BY 2.0).

7. Erhängter im Aokigahara Forest (Symbolbild): Aokigahara, auch Aokigahara-jukai (dt. „Aokigahara-Baummeer“) genannt, ist ein weitläufiger und dichter Wald in der Präfektur Yamanashi in Japan. In der breiten Öffentlichkeit ist der Aokigahara als „Selbstmord-Wald von Japan“ bekannt, weil hier jährlich viele Menschen versteckt Suizid begehen. Die Möglichkeit, tatsächlich Leichen aufzufinden, hat in den letzten Jahren zu einer negativ wahrgenommenen Art von „Nervenkitzel-Tourismus“ geführt. Aufgrund der Dichte und Eintönigkeit des Unterholzes können Personen, welche die offiziellen Wege verlassen, schnell die Orientierung verlieren und sich im Wald verirren. Da der Waldboden zudem äußerst uneben, porös und durchzogen von Höhlungen und Spalten ist, besteht auch ein gewisses Risiko zu verunglücken. Der Aokigahara ist deshalb auch für seine hohe Anzahl an vermissten Personen bekannt; die meisten von ihnen werden jedoch schnell wieder aufgefunden. Foto: Screenshot / Bild aus dem Film "The Forest", dt.-Titel: "Forest - Verlass nie deinen Weg", USA 2016. Ein grottiger Grusel-Trash von Regisseur Jason Zada, Label: splendid film.

8. Japanische ArbeitnehmerInnen pendeln zur ihrer Arbeitsstätte mit der Metro. Foto: moritzklassen, Hamburg. Quelle: Pixabay. Alle bereitgestellten Bilder und Videos auf Pixabay sind gemeinfrei (Public Domain) entsprechend der Verzichtserklärung Creative Commons CC0. Das Bild unterliegt damit keinem Kopierrecht und kann - verändert oder unverändert - kostenlos für kommerzielle und nicht kommerzielle Anwendungen in digitaler oder gedruckter Form ohne Bildnachweis oder Quellenangabe verwendet werden. >> Foto.

9. Mutter mit Baby: Die Anzahl der Single-Haushalte beträgt allein in Tokio rund 50%. Seit 1974 ist die Geburtenrate Japans rückläufig und erreichte 2017 den tiefsten Stand seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 1968. Brachten Mitte der 1970er Jahren Frauen im Schnitt 3,0 Kinder zur Welt, so waren es am Stichtag 2017 nur noch 1,4 Kinder. Foto: Ted Barrera. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0).

10. Ein Land und seine alte Bevölkerung - Japans Rentner. Mehr als ein Viertel der japanischen Bevölkerung befindet sich demnach im Rentenalter. Foto: Thomas E. Smith. Quelle: Wikimedia Commons. Der Urheberrechtsinhaber veröffentlicht dieses Werkes als gemeinfrei. Dies gilt weltweit.

11. Alte Menschen in Japan leiden extrem unter Einsamkeit und Armut. Die meisten Kriminalitätsdelikte stammen durch Diebstähle, 20% der überführten Diebstähle in Japan werden von über 65-jährigen verübt. Geschuldet ist dieser Umstand aus Mangel an Altersheimen und Pflegeplätzen. Daher entscheiden sich immer mehr Rentner dazu einen Diebstahl zu begehen, um dann seinen Lebensabend in einem Gefängnis verbringen zu können. Etwas Essen zu stehlen kann mitunter zu 2 Jahren Haft führen, was allerdings im Umkehrschluss bedeutet - 2 Jahre ohne Miete bei täglicher Verpflegung und Aufmerksamkeit. In Japan spricht man bei diesem Phänomen von der “grauen Welle der Kriminalität”. Foto: nicht genannt (448/1160) Quelle: goodfreephotos.com >> Foto. Verbreitung mit CC0-Lizenz: This photo is under the CC0 / Public Domain License.

12. ENDSTATION NEOLIBERALISMUS. Foto: nick, New Haven (CT). Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 2.0 Generic (CC BY-NC-ND 2.0).