Vom Instinkt zum Gewissen. Was gewinnt im Menschen?

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Peter Frey
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Vom Instinkt zum Gewissen. Was gewinnt im Menschen?
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Vom Instinkt zum Gewissen

Was gewinnt im Menschen? Seine Instinkte, seine Triebe – oder sein Gewissen?

von Peter Frey / Peds Ansichten

Der Mensch als biologisches Wesen ist von Instinkten geleitet. So wie er in der Vergangenheit über die darin entwickelten Strategien sein Überleben sicherte, so „funktioniert“ er auch heute in seinem Dasein als soziales Individuum. Wenn er in Notsituationen gerät, gewinnt ein auf tiefem Egoismus basierender Kampf mit den Artgenossen die Oberhand über friedliches gemeinschaftliches Zusammenleben. Deshalb sind Kriege zwischen Gesellschaften unvermeidlich. Die These vom homo sapiens als einem grundsätzlich egoistisch ausgerichteten Wesen ist Basis aller marktwirtschaftlichen, vor allem neoliberalen Gesellschaftsmodelle.

Nur: Ist das wirklich so? Sind wir als Menschen tatsächlich machtlos gegen unsere unterbewussten über unzählige Generationen verinnerlichten Verhaltensweisen, sind diese per se egoistisch – und wir deshalb zu dauerhaften Frieden gar nicht fähig?

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Das Thema inspirierte mich nach einer diesem recht nahe stehenden Diskussion mit Menschen, die mich eh durch ihre Tiefgründigkeit, Ernsthaftigkeit und Wahrhaftigkeit beeindrucken, mit der sie sich an Aspekte unseres menschlichen Wesens heranwagen. Daher an dieser Stelle mein herzlicher Dank an Demos, Daniel und Nathanael [a1]! Zwei Thesen stellten sie gegenüber, die sich deutlich vom eingangs skizzierten Mantra eines naturbedingt die Gesellschaft dominierenden Homo oeconomicus abheben und die ich nachfolgend (ganz leicht modifiziert) wiedergebe:

Unser Verstand ist unser Gesetz“ versus „Unser Gewissen ist unser Gesetz.

Da schwingen hohe ethische Normen mit. Die äußerst interessante, dazu stattgefundene Diskussion ist nicht Thema des Artikels. Was mich aber bei der Auseinandersetzung umtrieb, waren die Begrifflichkeiten: Verstand, Gesetz, Gewissen.

Wissen wir, was sie bedeuten und wenden sie an der richtigen Stelle an? Welche der in diesem Kontext oben genannten Thesen ist gültig? Haben vielleicht beide ihre Richtigkeit oder sind sie vielmehr Baustein für eine andere These, die es noch auszuformulieren gilt? Tauchen wir deshalb im Folgenden auf (so hoffe ich) allgemein verständliche Weise ein in die menschliche Psyche und suchen über diesen Weg nach einer schlüssigen Antwort.

Keine Frage, wir sind biologische Wesen und unsere Sinne, die auf Wahrnehmung (Sinneseindrücke; engl. perception) unbewusst, affektiv und damit sehr effektiv reagieren, haben eine im Sinne des Überlebens überragende Bedeutung. Und als Überlebenswerkzeuge werden sie selbstredend auch in jeder Situation angewandt, in der das Überleben (das muss nicht immer nur das eigene Überleben sein) gefährdet ist.

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Aber haben wir nicht auch ein Bewusstsein? Wo ist eigentlich die Grenze zwischen Bewusstem und Unterbewusstem? Kann es sein, dass wir oft meinen, bewusst zu handeln, wir aber viel mehr vom Unterbewussten gesteuert werden? Gerade die letzte Frage ist von Bedeutung. Müssen wir uns doch im Klaren sein, das gewaltsame geistige Manipulation – dazu zählt Propaganda und Werbung – eben genau auf dieser unterbewussten Ebene stattfindet; wir aber, so geleitet, oft überzeugt sind, rationale Entscheidungen zu treffen.

Das wollen wir zuerst untersuchen und dabei einmal betrachten, wie wir überhaupt Informationen aufnehmen und verarbeiten.

► Die menschliche Verarbeitungskette

Schauen wir uns das Muster unserer Informationsverarbeitung und dem daraus resultierenden Tun näher an, kommen wir um die Betrachtung einiger psychologischer Begriffe nicht herum. Diese Begriffe erläutere ich im Folgenden in einer gewissen logischen Reihenfolge, ohne diese als ehern betrachtet zu wissen.

Reiz

Wahrnehmung, Instinkt, Sinne

Emotion (Instinkte, Gewissen)

Verstand (Gewissen)

Vernunft (Gesetz)

Das Gewissen ist in dieser modellhaften Darstellung zweimal aufgeführt, denn in mir lebt die Frage, was denn unser Gewissen tatsächlich bestimmt. Das ist das Problem jeder modellhaften Abstraktion, nämlich, dass das, was ineinander verwoben ist und verschwimmt, mehr oder willkürlich voneinander abzugrenzen ist, um den betrachteten Aspekt besser verstehen und erklären zu können. Auf jeden Fall „beißt“ sich der (tierische) Instinkt mit dem (menschlichen) Gewissen, so wie sie da nebeneinander der Emotion zugeordnet sind.

Reiz und Wahrnehmung

Ein Reiz (auch Stimulus) ist die wahrgenommene Aktivität von Objekten der Umwelt, aber auch unseres Ichs durch unsere Sinne. Die Entwicklung unserer Sinnesorgane mit ihren spezialisierten Fähigkeiten (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen) ist ein seit Jahrmillionen andauernder genetischer Prozess.  Naturgemäß sind uns bei der Wahrnehmung der Welt Grenzen gesetzt. Einmal quantitativ, weil unsere Sinne eine begrenzte Sensibilität besitzen, womit sie durch einen Ereignishorizont limitiert werden und natürlich auch qualitativ, denn unsere Sinne sind auf die Wahrnehmung ganz bestimmter Aktivitäten spezialisiert (eben Sehen, Hören und so weiter).

Wahrnehmung ist das Produkt zweier nacheinander ablaufender Prozesse, dem Prozess der Informationsaufnahme und dem Prozess der Informationsverarbeitung.“ (>>Quelle). Wahrnehmung (Reiz) geschieht unbewusst und seine Ausprägung ist bei jedem Menschen einzigartig. In dieser Diversität (Vielfalt) liegt sicher auch einer der Gründe, warum wir Menschen in uns vielfältige Talente in ganz bestimmte Richtungen entwickeln. Weil wir Wahrnehmung nicht ausschalten können, landet jeder Reiz in der – ich nenne sie mal so – Halle des Unterbewussten. Und dort warten die Emotionen.

Emotionen

Emotionen sind komplexe, in weiten Teilen genetisch präformierte Verhaltensmuster, die sich im Laufe der Evolution herausgebildet haben, um bestimmte Anpassungsprobleme zu lösen und dem Individuum ein schnelles und der Situation adäquates Handeln zu ermöglichen.“ (>> Artikel v. Werner Stangl)

Emotionen „warten“ also in der Halle des Unterbewussten, mal eher dämmernd, mal voller Erwartung, und „bewerten“ die eingegangenen Informationen (die über die Sinne wahr genommenen Reize). Informationen, welche zu einer Emotion „passen“ (wie eine Art Schlüssel), regen diese Emotion an. Das Stirnhirn (präfrontaler Cortex) integriert die aus der Halle des Unterbewussten rufenden Emotionen und kann sie in bestimmtem Maße auch kontrollieren. Emotionen sind Empfindungen die man weit nuancieren kann; Trauer und Freude, Wut und Angst, Verwunderung und Überraschung, Lust und Abneigung sind nur einige Beispiele für Emotionen.

Unsere Emotionen bilden ein lernendes System, sie schulen unsere Instinkte. Mehr noch aber sind sie hoch sensibel. Sie sind empfänglich für Reize. Ja, diese Empfänglichkeit kann sich gar bis zur Gier steigern und daher möchte ich auf etwas aufmerksam machen:

Emotionen, die übermäßig oft angeregt werden, erliegen einer Konditionierung und sind dann dauerhaft hellwach. Das kann unter Umständen für einen Menschen auch gefährlich werden, weil es das System überlastet und dauerhaften Stress auslöst. Diese Art von Stress aber kann zu psychischer Erschöpfung führen, zu Verhaltensstörungen, welche nicht selten die tiefe Ursache anderer Krankheiten sind.

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Wir können Emotionen nicht wirklich unterdrücken, allenfalls verbergen. Und ich meine schon, dass unsere Emotionen heutzutage in völlig unnatürlicher Weise angeregt werden, wir viel zu oft und zu lange in Stress sind, weil wir uns ständig entsprechenden Triggern aussetzen.

Nehmen wir (und ich schaue auf unsere Gesellschaft hier) die überlebenswichtigen Dinge heraus, wage ich zu behaupten, dass mindestens 80 Prozent unserer Kaufentscheidungen, nicht nur rein emotional angelegte Entscheidungen sind (denn das sind sie immer), sondern von Dritten bewusst mit Vorsatz erzeugte Emotionen. Und auf die gleiche Weise wird die (emotionale) Kriegsbereitschaft im Menschen hergestellt, mittels ganz bestimmter Reize.

Aber dazu weiter unten mehr. Übrigens können wir unsere Emotionen verstehen und aus ihnen lernen. Und wir haben ja den Verstand, inwieweit bringt der uns weiter?

Verstand

Verstand ist das Substantiv zu „verstehen“ von althochdeutsch „farstān“ mit der ursprünglichen Bedeutung „davor stehen“ (wodurch man z. B. eine Sache genau wahrnehmen kann), was von Anfang an im übertragenen Sinn („begreifen“, „durchschauen“) verwendet wurde. “ (zit. nach Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache; Friedrich Kluge)

Das „Ver“ kommt in diesem Zusammenhang also aus dem Altdeutschen „far“ wie „davor“. Der Verstand ist mit der Genese des Tieres Mensch gewachsen und wird durch die Kette (sehr vereinfacht) Wahrnehmung – Emotion – Präfrontaler Cortex angeregt. Der Verstand ist eine jedem Menschen innewohnende Fähigkeit, allerdings von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ausgeprägt. Verstand lernt durch Erfahrung, wobei auch die Lernfähigkeit stark zwischen den Individuen divergiert und durch vielfältige Komponenten beeinflussbar ist.

Vernunft

Vernunft ist das geistige Vermögen des Menschen, Einsichten zu gewinnen, Zusammenhänge zu erkennen, etwas zu überschauen, sich ein Urteil zu bilden und sich in seinem Handeln danach zu richten.“ (>>DUDEN) Ohne Vernunft hängt der Verstand in der Luft. Erst die Vernunft erlaubt kreatives Handeln, sie schließt kognitives Denken ein, kann verschiedene Sichten und Handlungsebenen überschauen und in einen gemeinsamen Kontext bringen. Handlungen beruhen allgemein auf Erkenntnissen (Erfahrungen) und sind das Ergebnis des Zusammenspiels von Verstand und Vernunft. Und wir sind an einem sehr wichtigen Punkt angelangt, an dem wir Eines erkennen können:

All das bisher Beschriebene ist absolut lebensnotwendig und „funktioniert“ auch ohne Gewissen. Die enthaltenen Verhaltensmuster sind unbewusst – und das ist gut so. Sie sind das Ergebnis unzähliger Generationen menschlicher Geschichte und der seiner Vorfahren.

► Die reine Vernunft

Bei dieser (Teil-)Überschrift ist der gedankliche Weg zur „Kritik der reinen Vernunft“ des Philosophen Immanuel Kant nicht weit. Dort schrieb er: „Jede Erkenntnis besteht aus Sinnlichkeit und Verstand, denn die Sinnlichkeit ist auf den Verstand angewiesen, und der Verstand ist auf unsere fünf Sinne angewiesen. Daher: Gedanken ohne Inhalt sind leer. Anschauungen ohne Begriffe sind blind.

Meine Erkenntnis, die ich nicht aus dem Studium des Kantschen Werkes gewann, deckt sich mit der seinen Zitierten. Bemerkenswert finde ich aber eben den Ausdruck „reine Vernunft“. Vermittelt er uns doch indirekt, dass es auch eine „angereicherte Vernunft“ gibt. Eine Vernunft mit Seele. Gar einer mit Gewissen?

Die reine Vernunft scheint mir nicht ausreichend zu sein, um als menschliches Wesen beispielsweise tiefes anhaltendes Glück zu empfinden. Menschen, die aus was für Gründen auch immer, in der reinen Vernunft verharren, erscheinen mir arm. Weil sie das beschriebene Gefühl nicht empfinden können. Ihre Empfindungen sind verkrüppelt und damit komme ich zu Psychopathen.

► Psychopathen und die reine Vernunft

Gerade Psychopathen agieren prinzipiell pragmatisch, konsequent oder kompromisslos. Sie handeln extrem rational – vernünftig. So gesehen, wird der Begriff „Vernunft“ oft – da sehr positiv konnotiert und mit ethischen Werten verknüpft – an den falschen Stellen genutzt. Zum Beispiel hat die Redewendung: „Die Vernunft sollte die Oberhand gewinnen.“ natürlich einen anderen ethischen Ansatz, als im Sinne des Satzes tatsächlich ausgedrückt wird. Es bedeutet nämlich, dass, im Kontext planvollen Handelns, die Vernunft die Oberhand gewinnen soll – über das Gewissen!

Nur, ist das bislang erläuterte Prinzip von Informationsaufnahme, Verarbeitung, Erkenntnis und vernünftigen Handelns nicht eigentlich ein sehr gut funktionierendes, man möchte meinen perfektes System?

An diesem Punkt bestätigt sich für mich das Bild einer in hohem Maße pathologisch (im Sinne von Psychopathen) gesteuerten Gesellschaft, der auch wir angehören. Dafür genügt es, die Ideologien zu untersuchen, auf die sich beispielsweise der Neoliberalismus stützt. Sie gehen in ihren Schlussfolgerungen immer nur bis zur Kategorie „Vernunft“ – und blenden das, was eben auch noch dem Menschen eigen ist (siehe weiter unten), einfach aus. Nun, für den Psychopathen ist demnach ein solches System tatsächlich perfekt!

Und dafür ist er nicht zu verurteilen, denn es kann für ihn nicht anders sein. Er hat ein Manko, ein Defizit, dass er (nach jetzigen wissenschaftlichen Erkenntnissen) nicht beheben kann. Er ist also nicht schuld daran – auch wenn er über dieses Defizit gerade die Schuldgefühle anderer Menschen für sich nutzt, um Machtgefühle auszuleben. Aber was fehlt ihm denn und warum ist es so wichtig, zu diesem Fehlenden befähigt zu sein?

Der Psychopath ist nicht in der Lage, die Folgen seines eigenen Denkens (Verstand plus Vernunft) und Handelns selbstkritisch zu hinterfragen (zu reflektieren). Er ist damit unfähig, eigene Fehler zu erkennen – anzuerkennen. Es fehlt die kritische Rückkopplung, um eigene vernünftige Handlungen anzupassen. Für überlebenswichtige, affektive Handlungen eines biologischen Systems (was der Mensch ja auch darstellt) mag das gut sein, für ein kooperatives gemeinsames Handeln mit anderen Menschen dagegen ist es fatal.

► Selbstreflexion – Empathie – Gewissen

Das „Gewissen“ ist kaum zu erklären, ohne sich zuvor mit Selbstreflexion und Empathie beschäftigt zu haben: „Selbstreflexion bezeichnet die Fähigkeit des Menschen, über die eigene Situation nachzudenken. Reflexionen von äußeren oder inneren Beobachtungen können als Chancen zum Erkennen von Problemen und Ansatzpunkten für Veränderungen angesehen werden. Selbstreflexion setzt das Vermögen zur differenzierten Selbstbeobachtung und eine gewisse Distanz zu sich selbst voraus.“ (>>Quelle)

Selbstreflexion hängt eng mit Empathie (Selbstempathie) zusammen und beschreibt die Fähigkeit, zu seinen Gefühlen, zu seinem tiefsten Innern zu stehen, OHNE dabei seine Persönlichkeit bedroht zu fühlen. Damit ist ein gewissermaßen objektiver Blick von außen auf das eigene Ich möglich. Die mögliche Kritik an sich selbst führt nicht zum Konflikt mit der eigenen Persönlichkeit. Man kann auch sagen, Selbstreflexion ist der Mut in den anderen hineinzuschauen und dabei Wesensmerkmale des eigenen Ichs zu erkennen und Empathie ist die Kraft, das, was man dort erkennt, wahrzunehmen UND auszuhalten.

Wir sind der Selbstreflexion, die zum Beispiel ein grenzenlos egoistisches Verhalten verhindert, allesamt (bis auf oben beschriebene Ausnahme) fähig. Selbstreflexion ist beim Menschen völlig normal. Aber sie kann blockiert werden. Propaganda, einschließlich Werbung, verhindert wirkungsvoll Selbstreflexion. Die uns innewohnende Selbstreflexion erlaubt uns Empathie – womit wir eben keine Humanroboter sind, die in dem einen System so funktionieren und in dem anderen wiederum anders, halt nach angewandtem System.

Diese Systemsteuerung wurde und wird aber mit großem Nachdruck versucht, in gesellschaftlichen Projekten einzuführen – und das in großen Teilen erfolgreich. Es lohnt sich hierzu die Geschichte der "RAND Corporation" und die von John Forbes Nash zu erforschen. (>>Artikel) In deren Projekten wurde und wird der Mensch rein auf seine Instinkte reduziert – und diese Reduzierung wird versucht, am Menschen selbst umzusetzen!

Die Empathie ist jedoch das, was unser alltägliches Zusammenleben über unsere unbewussten genetisch vererbten und weiterentwickelten Überlebensmechanismen hinaus tatsächlich ausmacht. Mehr noch ist sie eine Weiterentwicklung dieser Mechanismen. Kooperation hat sich als ein universelles Erfolgsmodell bewiesen. Man hat zwei Formen von Empathie erkannt; die kognitive Empathie:

Von kognitiver Empathie spricht man, wenn man wahrnimmt, was in einem anderen vorgeht, jedoch ohne dabei die emotionale Reaktion seines Gegenübers zu zeigen. Dazu gehört z.B. auch die Anwendung eines Persönlichkeitsmodells. Zur kognitiven Empathie gehören aber auch unbewusste, intuitive Bestandteile, so lange sie auf rationalen Abläufen im Gehirn basieren. Kognitive Empathie bedeutet also, dass man versteht, was in einem anderen vorgeht.

und die emotionale Empathie:

Von emotionaler Empathie spricht man, wenn man die Gefühle eines anderen annimmt – im wahrsten Sinne des Wortes. Man fühlt das, was auch der andere fühlt. Emotionale Empathie ist also dasselbe wie Mitgefühl, Mitleid oder auch die Teilhabe an der Freude anderer. Emotionale Empathie wird oft auch affektive Empathie genannt.“ (>>Artikel "Empathie-Definition – was bedeutet Empathie eigentlich genau?")

Selbstreflexion kann so im Zusammenspiel mit der Empathie auch affektives Verhalten auswerten (sowohl das Eigene als auch das Anderer) und uns befähigen, bis zu einem gewissen Maße besser mit unseren und anderen Gefühlen umzugehen (zum Beispiel um zu verhindern, dass unsere Gefühle andere Menschen verletzen). Wir prägen über diese Fähigkeit zukünftige Entscheidungsprozesse, die dann schließlich von unserem Gewissen hinterfragt werden können.

Das Gewissen ist eine emotionale Reaktion auf die eigenen Handlungen, Worte und Entscheidungen. Es definiert, ob wir eine Entscheidung für gut oder schlecht befinden, da wir uns auf die eine oder andere Weise damit identifizieren können.“ (>>Artikel "Glossar der Psychologie-Fachbegriffe") Diese Bewertung auf gut und schlecht wird gespeist aus den Erfahrungen unserer Selbstreflexion. Und mit unserem Gewissen ist uns tatsächlich Bewusstsein gegeben, wir sind uns dessen, was wir selbst tun, bewusst. Wir haben den Mut in den Spiegel zu schauen und die Fähigkeit, daraus Schlussfolgerungen zu ziehen.

► Egotismus

Lässt sich das Gewissen eigentlich abschalten? Ja – und dafür gibt es den Egotismus; aus gutem Grund, denn ohne den Egotismus wären wir schlicht nicht lebensfähig: „Der Egotismus bezeichnet die übertriebene Neigung eines Menschen, sich selbst in den Vordergrund zu spielen. Der Egotismus ist im heutigen Sprachgebrauch vor allem mit negativen Konnotationen belegt, denn er beschreibt die Tendenz mancher Menschen, für sich selbst nur positive Eigenschaften in den Vordergrund zu stellen und diese weitschweifig und verstärkt zu beschreiben. Dies kann objektiv aber auch in den Augen anderer zu Selbstüberschätzung und Realitätsverlust führen. In Bezug auf die Umwelt kann sich Egotismus destruktiv auswirken und oft das Gegenteil von dem erreichen, was ursprünglich durch die Selbstdarstellung bezweckt werden sollte. Der Egotismus ist in diesem Sinne nahe verwandt mit dem Narzissmus.“ (>>Quelle)

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Ich wiederhole es – auch wenn die zitierte Definition (wie sie selbst anmerkt) den Begriff negativ konnotiert – dass Egotismus eine wichtige, sinnvolle Funktion für unser Leben hat. Stellen wir uns einfach nur vor, wir würden alles Geschehen um uns herum ununterbrochen reflektieren und mit Empathie verarbeiten. Wir gerieten in einen Konflikt, den wir nicht lösen könnten. Jeder Schmerz, jede Krankheit, Gewalt, empfundenes Unrecht würde uns emotional erschüttern, der Lebensalltag wäre nicht mehr zu bewältigen. Egotismus verhindert das, als natürlicher Schutzmechanismus blockt er unsere Empathie.

Das hat auch im sozialen Umfeld seine Bedeutung, denn in Gemeinschaften können wir nur dann positiv wirken, wenn wir – durch einen gesunden Egoismus (als spezieller Form des Egotismus) – auf unsere Gesundheit und unser eigenes Glück achten. Ein ganz einfaches, triviales Beispiel dafür ist, es mag überraschend sein – der Schlaf. Unser Schlafbedürfnis ist egoistisch, wir müssen dafür irgendwann die Empathie für unsere Mitmenschen herunterfahren, wir müssen uns in diesem Fall schlicht um uns selbst kümmern. Wir können es eine Zeitlang unterdrücken, wenn wir aber diesem egotistischen Zug dauerhaft widerstehen, werden wir mit Sicherheit krank.

Und wer kennt es nicht? Dass wir nicht schlafen können, wenn uns das Gewissen peinigt.

Es gibt weitere (natürliche) Bedürfnisse, Emotionen unseres Ichs, die grundsätzlich erst einmal egotistisch sind – sein müssen, wie gerade erläutert. Eine besondere Rolle dabei spielen Gier und Angst, die mutwillig getriggert werden können, um die Empathie von Menschen zu unterdrücken und damit den Menschen selbst zu unterdrücken, zu beherrschen – und zwar dauerhaft! Wenn das passiert, werden Menschen folgerichtig auf eine niedrigere Stufe der Evolution zurück geworfen – sie werden gewissenlos!

Der Egotismus wird aber auch deshalb kritisch gesehen, weil man in ihm narzistische Züge erkennt – also eine übersteigerte Selbstliebe (siehe Zitat oben). Allerdings kommt dadurch nur unzureichend zum Ausdruck, dass wir ohne eine tiefe Liebe zu uns selbst, kaum in der Lage sind, auch andere Menschen wahrhaftig zu lieben. Die Liebe macht ihr Objekt wertvoll und behandelt es deshalb mit Aufmerksamkeit und Sorgfalt. Ein – ich nennen ihn mal – gesunder Egotismus sorgt dafür, dass wir uns selbst achten und als wertvollen Teil innerhalb sozialer Gemeinschaften empfinden. Der Egotismus erlaubt uns auf diese Weise auch einen Egoismus, der uns innerlich umfänglich berechtigt, zu gegebenen Zeiten unsere eigenen Belange in den Vordergrund zu stellen.

► Angst und Gier versus Gewissen

Wer mehr zum Thema Angst wissen möchte, kann auch gern in den Artikel "Die Angst und der Krieg" schauen, hier deshalb nur kurz:

Angst ist ein völlig normales, ja unbedingt notwendiges emotionales Wesensmerkmal des Menschen; erzeugt durch subjektiv alarmierende, bedrohliche Ereignisse. Für den außen Stehenden können die Bedrohungen real aber auch irreal sein, für den Betroffenen allerdings sind die Bedrohungen immer real. Als lernendes System konditioniert sich der Mensch darauf, Situationen als Gefahren zu erkennen oder nicht; ganz nach dem oben beschriebenen Prozess (Wahrnehmung – Emotion – Verstand – Vernunft).

Unschön ist allerdings in der Regel, dass der Mensch auf Angst auch missbräuchlich konditioniert werden kann. Angst erzeugt Stress und setzt einen Mechanismus zur Lebenserhaltung in Gang, dieser Vorgang der eigenen Existenzsicherung muss egotistisch sein und blockiert damit Empathie. Angst ist also – und gut das es so ist – nicht abschaltbar, aber das lässt sich eben auch missbrauchen. Wenn wir Angst haben, sind wir nur noch begrenzt oder gar nicht in der Lage empathisch zu denken und zu handeln.

Angst blockt also auch unser Gewissen, dass ja seine Gabe aus Empathie bezieht. Menschen die Angst haben, schalten in einen Fluchtmodus, Starre oder in einen Kriegsmodus, um der Gefahr zu entgehen, sich unsichtbar zu machen oder aber die Gefahr mit Gewalt zu beseitigen. Fällt uns eigentlich auf, dass in unserer Gesellschaft mit der Erzeugung von Ängsten geradezu inflationär umgegangen wird?

Und Gier? Ich bezeichne sie als übersteigertes Bedürfnis, einen Mangel auszugleichen. Auch ein Mangel ist, wenn dauerhaft auftretend, bedrohlich für unsere Existenz. Deshalb sind wir bestrebt, einen wahrgenommenen Mangel auszugleichen, daher entwickeln wir Bedürfnisse. Wenn ein Mangel wiederholt oder anhaltend auftritt – von uns also so empfunden wird (und jede Emotion ist für den Betroffenen, wie schon bei der Angst erwähnt, real), dann steigert sich das Bedürfnis zum Ausgleich des Mangels hin zur Gier.

Auch die Gier ist also grundsätzlich überhaupt nicht verwerflich, sie sichert unser Überleben – und muss deshalb Empathie blockieren. Wer denkt in Empathie an den Frieden der Welt oder hat in irgendeiner Form Gewissensbisse, wenn ihm kurz vor dem Verdursten ein Becher Wasser gereicht wird?

Aber so wie die Angst lässt sich natürlich auch Gier im Menschen bewusst fördern. Einerseits kann man ihm die lebensnotwendigen Ressourcen entziehen – sprich bewusst Mangel herbeiführen. Hinterhältig ist auch das Schüren eines bislang natürlich vorhandenen Bedürfnisses oder gar das Erzeugen eines neuen Bedürfnisses, welches zuvor gar nicht für den Angegriffenen existierte.

Es lässt sich so weit treiben, dass Menschen pausenlos mit Reizen geflutet werden, um deren Emotionen aus Bedürfnissen und Gier zu stimulieren. So etwas nennt man heutzutage euphemistisch: „Kaufreize schaffen". Fällt uns eigentlich auf, dass in unserer Gesellschaft mit der Erzeugung von Bedürfnissen und Gier ebenso inflationär umgegangen wird, wie mit dem Schüren von Ängsten? Das ist kein Wunder, denn Gier speist sich aus – per se existenziellen – Ängsten.

Wenn Emotionen wie Angst und Gier pausenlos in den Menschen getriggert werden, wirkt sich das unweigerlich auf ihre Fähigkeiten zu reflektierendem, empathischem Denken und Handeln aus. Sie werden in einer gewissen Weise gewissenlos!

Einen – im Eingangsteil erwähnten – Begriff gilt es noch kurz zu untersuchen, das „Gesetz“

► Gesetz

Betrachten wir hier den Begriff nicht im Sinne eines Naturgesetzes oder einer juristischen Verordnung, sondern als universelle Kategorie für menschliches Handeln. In Auswertung der gerade erarbeiteten Erkenntnisse lässt er sich dann in etwa so beschreiben: Ein Gesetz im Kontext menschlichen Handelns ist eine durch Selbstreflexion und Empathie vom Menschen selbst entwickelte Richtschnur für eigenes Denken und Handeln sowohl in seinem unterbewussten Wirken als menschliches Wesen, als auch im planvollem Wirken in Rücksicht und Gemeinschaft mit anderen Menschen.

Und daher schlussfolgere ich in Bezug auf eingangs erwähnte Thesen (meiner Freunde) und sage: Unsere Vernunft ist unser Gesetz und(!) unser Gewissen ist unser Gesetz. Denn: „ [. .] der Verstand [und weitergehend die Vernunft] veranlasst die wohl notwendigen Handlungen, wo das Gewissen selbst in Konflikt mit den Gefühlen [dem Gewissen] gerät.“ (>>Quelle)

Wir sind einer höheren Vernunft fähig, einer die das Gewissen einbezieht, müssen aber auch anerkennen, dass nicht alle vernünftigen Entscheidungen im Leben empathisch und selbstreflektiert sein können.

► Vernunft – Mit und ohne Gewissen

Vernünftiges Handeln kann also ohne Gewissen stattfinden. Affektives und instinktives Handeln ist demnach als vernünftiges Handeln zu bewerten. Und es geschieht natürlich auch über den „Umweg“ des Gewissens. Zwingend erforderlich dafür ist dann aber Empathie und Selbstreflexion.

Es ist eben so, dass sowohl das Unterbewusste unseres Ichs als auch das Bewusste lernende Systeme sind, die in komplexer Weise voneinander abhängen. Lernen aber können sie nur durch die Verarbeitung der damit verbundenen Erfahrungen und gemachten Fehler. Im Einzelfall kann das bitter sein, allgemein jedoch brauchen wir es jedoch überhaupt nicht bedauern, denn diese Erfahrungen müssen gemacht werden, um reifer und reicher zu werden.

Daher schützt uns auch unser Gewissen nicht vor Fehlentscheidungen, im Gegenteil sind gerade gemachte und (!) erkannte Fehler Antrieb für Veränderung, für Lernprozesse. Vernunft, die zusätzlich durch Selbstreflexion gespeist wurde, sehe ich als eine höhere Vernunft. Und eines benötigt gerade höhere Vernunft neben der Empathie: Wissen – Wissen über die Welt, andere Menschen und uns selbst. Dieses Wissen kann uns auch davor schützen, dass unsere Empathie, unsere Selbstreflexion durch pathologische Handlungen (psychopathische Manipulation) missbraucht wird.

adam_smith_5_der_wohlstand_der_nationen_wealth_of_nations_kritisches_netzwerk_wirtschaftsliberalismus_nationaloekonomie_neoliberalismus_kapitalismus_unsichtbare_hand_deregulierung.jpg Die Frage, ob wir nach dem Prinzip des homo oeconomicus „funktionieren“ und nur das passende System dafür zu entwickeln ist, das war ja die Ursprungsfrage. Sie hat der „Gottvater“ der Marktwirtschaft, Adam Smith, so beantwortet: „Es ist nicht die Wohltätigkeit des Metzgers, des Brauers oder des Bäckers, die uns unser Abendessen erwarten lässt, sondern dass sie nach ihrem eigenen Vorteil trachten.“ (Zitat aus "Der Wohlstand der Nationen" ,1776 )

Bedenken wir: In dieser Aussage bildet sich vollständig das Paradigma unserer heutigen gesellschaftlichen Leitkultur ab. Und, hatte er recht? Handeln wir Menschen im Prinzip ohne Gewissen? Diese Frage muss nicht für die Menschheit gestellt werden. Denn, was Adam Smith nicht bewusst war: Auch er projizierte mit dieser Aussage vor allem sein eigenes Wesen und meinte aber, es auf die Menschheit verallgemeinern zu können.

Smith war Ökonom. Es liegt mir fern, hier das Feindbild des Ökonomen zu postulieren, doch die Denkweise der Ökonomie, so wie sie seit Jahrhunderten den Kapitalismus durchorganisiert, betrachte ich äußerst kritisch. Schließlich steckt in ihr ein gehöriges Maß pathologischen Denkens. Der renommierte BBC-Filmregisseur Adam Curtis sagte dazu:

Das, was Adam Smith die ´unsichtbare Hand´nannte, ist unsichtbar, weil sie tatsächlich gar nicht da ist. Und Politiker haben eine starke Rolle darin zu spielen, die Märkte zu kontrollieren. Und eine neue Disziplin, genannt ‚Verhaltensökonomie‘ (‚behavioral economics‘) ist dabei, zu studieren, ob Menschen sich wirklich so benehmen, wie das vereinfachte Modell sagt, dass sie es tun. Deren Studien besagen, dass sich tatsächlich nur zwei gesellschaftliche Gruppen in allen experimentellen Situationen rational und selbstsüchtig verhalten: Die einen sind die Ökonomen selbst. Die anderen sind Psychopathen.“ (>>Quelle)

(Fast) jeder kann die Frage, ob sein Handeln grundsätzlich von Empathie (Gewissen) oder von Selbstsucht geprägt ist, an sich selbst stellen – und dann auch beantworten. Damit ist möglicherweise auch klar, dass es ganz und gar nicht klar ist, von was wir uns treiben lassen – unseren Instinkten oder unserem Gewissen.

Übertragen wir das zweite auf den Mut, zu unseren eigenen Gefühlen zu stehen, auf unser Herz zu hören, verwandelt sich das „verkopfte“ Gewissen in ein wärmendes einigendes Gefühl. Das dürfen wir gern öfter in uns zulassen – mit dem wunderbaren Nebeneffekt, auch andere Menschen herzerwärmend zu bereichern. Wenn wir nun noch begreifen, dass unser Herz Teil unseres Unterbewussten ist und quasi einen Teil des Gewissens darstellt, zerfällt das Bild eines von Natur aus vorrangig egoistischen Wesens namens Mensch endgültig.

Bleiben Sie in dem Sinne schön aufmerksam.

Peter Frey
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Peter Frey, Jahrgang 1960, ist seit 1965 Dresdner, gelernter Autoschlosser, war LKW-Fahrer, Taxifahrer, selbständig in der IT-Beratung. Nach der Insolvenz war er Sozialhilfeempfänger, Hartz-IV-Empfänger, und studierte schließlich ab 2004 Informationstechnik und ist seit Jahren in Dresden in der Friedensbewegung aktiv. Er will Menschen aufwecken und so zu aktivem, selbst bestimmten, dem kleinen wie dem großen Frieden gewidmeten Handeln bewegen. Seit einigen Jahren ist er hauptberuflich als Administrator tätig und betreibt nebenher den Blog Peds Ansichten. >> bitte weiterlesen.

[a1]: Die drei von mir erwähnten Menschen waren oder sind Teilnehmer der Mahnwache für Frieden Dresden; einem Forum, dass nicht nur für Themen dieser Art bis heute jederzeit offen ist.

Anmerkung KN-ADMIN H.S.: Adam Smith wird meist nicht richtig verstanden bzw. falsch interpretiert, da seine Aussagen nur allzuoft verkürzt und vereinfacht dargestellt oder aus dem Zusammenhang gerissen werden. Viele wissen nicht einmal, dass Smith eigentlich ein bedeutender Moralphilosoph war, der danach fragte, wie wir Menschen gemeinsame ethische Werte finden und wie wir zu einem harmonischen Miteinander gelangen können. Smith´ Wirtschaftstheorie in "Wohlstand der Nationen" setzt das Menschenbild aus "Theorie der ethischen Gefühle" voraus, welches er als sein wichtigtes Werk betrachtete. Tatsächlich macht sein Werk „Der Wohlstand der Nationen“ ohne sein bereits 17 Jahre früher veröffentlichtest Hauptwerk von 1759 „Die Theorie der ethischen Gefühle“ nur wenig Sinn. (siehe weiter unten!)



► Quelle: Der Text ist die umfangreiche Überarbeitung eines Artikels, den Peter Frey am 13. Februar 2016 auf seinem Blog veröffentlichte. Die hier vorliegende neue Ausarbeitung wurde am 01. Juni 2018 auf peds-ansichten.de/ veröffentlicht. >> Artikel. Das Werk ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert >> CC BY-NC-ND 4.0. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann es gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden. ACHTUNG: Die Bilder und Grafiken im Artikel, welche nicht Bestandteil des Originalartikels sind, wurden von KN-ADMIN Helmut Schnug eingefügt. Für sie gelten ggf. andere Lizenzen, s.u..

► Bild- und Grafikquellen:

1. Fußgänger auf dem Zebrastreifen: "A city is a large community where people are lonesome together" (- Herbert V. Prochnow). "Wir sind eine Gesellschaft notorisch unglücklicher Menschen: einsam, von Ängsten gequält, deprimiert, destruktiv, abhängig - Menschen, die froh sind, wenn es ihnen gelingt, die Zeit totzuschlagen, die sie ständig zu sparen versuchen". (- Erich Fromm, Psychoanalytiker aus seinem Buch „Haben oder Sein“,1976).

Foto: B_Me / Brian Merrill, Sydney/Australia. Quelle: Pixabay. Alle bereitgestellten Bilder und Videos auf Pixabay sind gemeinfrei (Public Domain) entsprechend der Verzichtserklärung Creative Commons CC0. Das Bild unterliegt damit keinem Kopierrecht und kann - verändert oder unverändert - kostenlos für kommerzielle und nicht kommerzielle Anwendungen in digitaler oder gedruckter Form ohne Bildnachweis oder Quellenangabe verwendet werden. >>  Bild.

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2. Perception (engl.) - Als Perzeption (lateinisch perceptio von percipere „erfassen, ergreifen, wahrnehmen“) wird sowohl die Gesamtheit der Vorgänge der Wahrnehmung, als auch der Inhalt der Wahrnehmung selbst bezeichnet. Foto: geralt / Gerd Altmann, Freiburg. Quelle: Pixabay. Alle bereitgestellten Bilder und Videos auf Pixabay sind gemeinfrei (Public Domain) entsprechend der Verzichtserklärung Creative Commons CC0. Das Bild unterliegt damit keinem Kopierrecht und kann - verändert oder unverändert - kostenlos für kommerzielle und nicht kommerzielle Anwendungen in digitaler oder gedruckter Form ohne Bildnachweis oder Quellenangabe verwendet werden. >> Bild.

3. Angsterkrankungen, depressive Verstimmungen und Depressionen samt ihren somatoformen Äquivalenten wie Rückenschmerzen oder Herzbeschwerden: die Betroffenen selbst sind einem hohen psychischen und körperlichen Leidensdruck ausgesetzt. Emotionen, die übermäßig oft angeregt werden, erliegen einer Konditionierung und sind dann dauerhaft hellwach. Das kann unter Umständen für einen Menschen auch gefährlich werden, weil es das System überlastet und dauerhaften Stress auslöst. Diese Art von Stress aber kann zu psychischer Erschöpfung führen, zu Verhaltensstörungen, welche nicht selten die tiefe Ursache anderer Krankheiten sind.

Foto: whoismargot / Małgorzata Tomczak, Bielsko-Biała. Quelle: Pixabay. Alle bereitgestellten Bilder und Videos auf Pixabay sind gemeinfrei (Public Domain) entsprechend der Verzichtserklärung Creative Commons CC0. Das Bild unterliegt damit keinem Kopierrecht und kann - verändert oder unverändert - kostenlos für kommerzielle und nicht kommerzielle Anwendungen in digitaler oder gedruckter Form ohne Bildnachweis oder Quellenangabe verwendet werden. >> Bild.

4. Prof. Dr. Butterwegge. «Mittlerweile ist der Neoliberalismus eine Weltanschauung, ja eine politische Zivilreligion geworden, welche die Hegemonie, das heißt die öffentliche Meinungsführerschaft, erobert hat. Globalisierung fungiert als Schlüsselkategorie und darüber hinaus – neben dem demografischen Wandel und der Digitalisierung – als dritte große Erzählung unserer Zeit, die Neoliberale benutzen, um ihre marktradikale Ideologie zu verbreiten und den Um- bzw. Abbau des Sozialstaates zu legitimieren.» (Prof. Dr. Christoph Butterwegge) Foto: © Butterwegge. Quelle: www.christophbutterwegge.de/ . >> Originalfoto. Bildbearbeitung d. Wilfried Kahrs nach einer Idee von KN-ADMIN Helmut Schnug.

5. ICH - ANDERE. Grafik: KasparLunt / Kaspar Lunt, Kiel. Quelle: Pixabay. Alle bereitgestellten Bilder und Videos auf Pixabay sind gemeinfrei (Public Domain) entsprechend der Verzichtserklärung Creative Commons CC0. Das Bild unterliegt damit keinem Kopierrecht und kann - verändert oder unverändert - kostenlos für kommerzielle und nicht kommerzielle Anwendungen in digitaler oder gedruckter Form ohne Bildnachweis oder Quellenangabe verwendet werden. >> Bild.

6. Wandgraffito: "Wir machen Jobs die wir hassen und kaufen dann Scheisse, die wir nicht brauchen." Foto: Flickr-user redhope. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung-Nicht kommerziell 2.0 Generic (CC BY-NC 2.0).

7. Buchcover "Der Wohlstand der Nationen. Eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen" (engl. Originaltitel: "An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations") von Adam Smith. Aus dem Englischen von Franz Stöpel. Mit einer Einführung des Wirtschaftswissenschaftlers H.C. Recktenwald. Verlag ZWEITAUSENDEINS; 1.056 Seiten. Broschur. € 7,99. Das Foto zeigt das Cover eine älteren, antiquarisch erhältlichen Ausgabe >> booklooker.de

adam_smith_2_theorie_der_ethischen_gefuehle_the_theory_of_moral_sentiments_kritisches_netzwerk_gefuehl_mitgefuehl_moralische_regeln_gesellschaft_nationaloekonomie_neoliberalismus.jpgAdam Smith wird meist nicht richtig verstanden bzw. falsch interpretiert, da seine Aussagen nur allzuoft verkürzt und vereinfacht dargestellt oder aus dem Zusammenhang gerissen werden. Viele wissen nicht einmal, dass Smith eigentlich ein bedeutender Moralphilosoph war, der danach fragte, wie wir Menschen gemeinsame ethische Werte finden und wie wir zu einem harmonischen Miteinander gelangen können. Tatsächlich macht sein Werk „Der Wohlstand der Nationen“ ohne sein bereits 17 Jahre früher veröffentlichtest Hauptwerk von 1759 „Die Theorie der ethischen Gefühle“ nur wenig Sinn.

8. Buchcover "Theorie der ethischen Gefühle" (engl. Originaltitel: "The Theory of Moral Sentiments") von Adam Smith. Herausgegeben von Horst D. Brandt, 2010. Auf der Grundlage der Übersetzung von Walther Eckstein. Verlag: Felix Meiner Verlag GmbH, Hamburg. LXIV, 604 Seiten. 978-3-7873-1936-7. Gebunden. EUR 28,90. Auch als E-Book erhältlich, ISBN 978-3-7873-2205-3. EUR 21,99.

Mit seinem philosophischen Hauptwerk, der "Theorie der ethischen Gefühle", legte Adam Smith den Grundstein für die Ausbildung einer Moralphilosophie, die sich ausdrücklich auf die Ideen der Sympathie und der Solidargemeinschaft beruft.

Die Gründung der Moral auf den Begriff des Mitgefühls oder der "Sympathie" steht im Zentrum des philosophischen Hauptwerks von Adam Smith (1723-1790), der 1759 publizierten Schrift "The Theory of Moral Sentiments". Methodisch orientiert an den Werken der englischen Empiristen Shaftesbury, Mandeville, Hutcheson und Hume, untersucht Smith die Moralsysteme der Vergangenheit, kritisiert die Bemühungen seiner Zeitgenossen um eine Grundlegung der Moralphilosophie und nimmt so zukünftige wichtige Ansätze auf dem Gebiet der Ethik vorweg; sein Werk ist ein Sammelplatz heterogenster, scheinbar konträrer Richtungen der Moralphilosophie.

Es kombiniert unterschiedliche Theorien zu einem bemerkenswerten System des "sittlich Richtigen", das sich nicht an Kriterien wie dem der Nützlichkeit ausrichtet, sondern an der Konvention des ausgebildeten Mitgefühls. Der zentrale Begriff ist dabei "Sympathie", ergänzt durch die Einführung der Idee eines unparteiischen Zuschauers, in den sich laut Smith jeder einzelne immer dann versetzt, wenn er moralische Entscheidungen zu treffen hat: "Der impartial spectator läßt die Individuen überlegen, daß sie an der Stelle desjenigen stehen könnten, dem sie ihre Sympathie zuwenden. Daraus entsteht nach Smith ein Motiv, aktuell so zu handeln, wie man an dessen Stelle behandelt werden wollte" (B. Priddat).

"The Theory of Moral Sentiments" wurde mehrfach überarbeitet und ergänzt; diese Ausgabe bietet den Text in der letzten Fassung nach der 6. Auflage von 1790 in der deutschen Übersetzung von W. Eckstein. >> Text Felix Meiner Verl.)

Inhalt

Einleitung

Bibliographie

Theorie der ethischen Gefühle . . . . . . . . 1

Vorwort des Verfassers . . . . . . . . 3

Erster Teil: Über die Schicklichkeit oder sittliche Richtigkeit der Handlungen . . . . . . . . 5

Zweiter Teil: Von Verdienst und Schuld oder von den Gegenständen der Belohnung und Bestrafung . . . . . . . . 103

Dritter Teil: Über die Grundlage der Urteile, die wir über unsere eigenen Gefühle und unser eigenes Verhalten fällen, und über das Pflichtgefühl . . . . . . . . 177

Vierter Teil: Über den Einfluß der Nützlichkeit auf das Gefühl der Billigung . . . . . . . . 287

Fünfter Teil: Von dem Einfluß, welchen der Brauch und die Mode auf die Empfindungen der sittlichen Billigung und Mißbilligung üben . . . . . . . . 313

Sechster Teil: Wen nennen wir tugendhaft? . . . . . . . . 343

Siebenter Teil: Über einige Systeme der Moralphilosophie . . . . . . . . 435

Anmerkungen des Herausgebers . . . . . . . . 565

Namenregister . . . . . . . . 601

9. Wieviele haben die "Theorie der ethischen Gefühle" gelesen? Quelle: Bildscan ohne Textinlet aus YOUTUBE.

adam_smith_3_theorie_der_ethischen_gefuehle_the_theory_of_moral_sentiments_kritisches_netzwerk_gefuehl_mitgefuehl_moralische_regeln_gesellschaft_nationaloekonomie_neoliberalismus.jpg