Meinungsfreiheit ist nicht nur das Recht, zu Allem seinen Senf dazu zu geben wie an einer Würstelbude. Es ist das Recht, Behauptungen der Mächtigen in Frage zu stellen, Erklärungen und Fakten einzuklagen und Alternativen einzufordern. Das mag unbequem sein, lästig, nerven, bremsen. Aber es ist der Motor des Fortschritts. Ohne Nörgler, Zweifler und Besserwisser kein Fortschritt. Zweifel ist eine gesellschaftliche Produktivkraft. Seine Diffamierung durch angeblich alternativlose Politik ist Rückschritt in vormoderne Zeiten. Deutschland braucht wieder einen Grundkurs in Debatte und Wiederbelebung der Streitkultur.» (- Roland Tichy, Journalist und Publizist)
Externe Ticker
Globalism Always Destroys Domestic Industry, by Paul Craig Roberts
Zionism, the Balfour Declaration, and AI Hallucinations, by Ron Unz
The Foreign Policy Legacy of Emanuel Celler, by Jose Alberto Nino
Having Stolen Our Country, Now They Are Stealing Our Language, by Paul Craig Roberts
Thoughts on the Mass Rape at Cornell University, by Chris Hedges
Trump’s Other War, by Ron Paul
Der ukrainische Bundeskanzler Friedrich Merz
Mexiko gedenkt des Massakers von Tlatelolco vor 58 Jahren
Perus Beitritt zu Trumps Sicherheitskoalition stößt auf Kritik
Argentinien: Dreitägiger Streik an Universitäten
Zionism Is OBVIOUSLY A Racist Ideology
On Sunday the UK Greens adopted a motion asserting that Zionism is a form of racism, defining the ideology as “an ethnonationalist political project.”
Green Party leader Zack Polanski, who is Jewish, was immediately banned by the Israeli government from entering the nation after the motion was passed.
As you might expect, Israel apologists are presently churning out hasbara trying to spin the new Green Party policy as an evil attack on Jews and arguing that Zionism is actually a perfectly lovely and normal thing that we should all support.
“Zionism is just the belief that Jews deserve a homeland and self-determination,” they’ll claim, often adding a suggestion that the real racists are those who would oppose such a reasonable position.
I am a Zionist.
I believe in the Jewish people’s right to a state in our homeland, in our right to live in peace and security.
As we prepare to mark three years since the October 7th massacre, the UK Green Party has chosen to side with terrorists and antisemites.
It is not…
The problem with these arguments is that they have already been soundly refuted by objective reality. You don’t get to just make up your own pleasant-sounding definition of Zionism when there has been a Zionist state showing us in stark terms exactly what Zionism is for eight decades. Zionism means nonstop apartheid, ethnic cleansing, war, genocide, and abuse. That is what Zionism is. The evidence is in. This is a settled matter.
There is no way to implement Zionism without implementing fundamentally racist policies. As Richard Sanders put it, “If you can work out a way to create an ethnically defined political entity in a territory that, at the start of the process, was almost entirely populated by people of a different ethnicity, without resorting to ethnic cleansing and Apartheid, then you need to tell the Israelis. Because they’ve certainly never worked it out.”
The Palestinian author Mohammed El-Kurd summed it up eloquently with the following anecdote:
“At a recent closed-door meeting in London to discuss BDS with various publishers and writers, a well-intentioned, well-known author asked me if Zionism could hold a double meaning: To some, it is a settler-colonial movement motivated by expansion and racial elimination, and to others it is a movement for Jewish self-determination. ‘No,’ I said. ‘Zionism is best defined by its material manifestations — the most recent being genocide. It is irrelevant whether it could contain multitudes.’ “
In other words, Zionism is what it does. And what it does is visible to the entire world.
What remains of Gaza City?
Images show how neighbourhoods across Gaza's largest city have been levelled in recent months https://t.co/H6JaRHOAcG
There is no argument to be made that Zionism doesn’t necessarily entail racism, apartheid and abuse; if it did, the modern state of Israel would have existed without these things at some point.
If you think racism, apartheid and abuse are bad, then you necessarily oppose Zionism. If you support Zionism, then you necessarily support racism, apartheid and abuse. If you tell me you can have Zionism without racism, apartheid and abuse, then you are simply lying to me. And maybe to yourself as well.
Genocidal apartheid ethnostates should not exist, and it is racist to believe that they should. It’s amazing this isn’t obvious to everybody.
_________________
My work is entirely reader-supported, so if you enjoyed this piece here are some options where you can toss some money into my tip jar if you feel inspired. All my work is free to bootleg and use in any way, shape or form; republish it, translate it, use it on merchandise; whatever you want. All works co-authored with my husband Tim Foley. No generative AI used in any works.
Feature image via Adobe Stock.
Brasilien: Bolsonaro gewinnt ersten Durchgang zur Präsidentschaft
How ‘Never Again’ Lost Meaning in Gaza
Protest in Ranya gegen Naturzerstörung und türkische Militärpräsenz
In Ranya haben zahlreiche Menschen gegen die Zerstörung der Natur Kurdistans und die anhaltende türkische Militärpräsenz in Südkurdistan protestiert. Zu der Kundgebung vor dem Volksgarten der Stadt hatte die Koşan-Gruppe unter der Losung „Êdî bes e dagirkerî û xirabkirina jîngeha Kurdistanê“ – „Genug mit Besatzung und Zerstörung der Umwelt Kurdistans“ – aufgerufen.
Şadiye Samed erklärte im Namen der Gruppe, der türkische Staat habe unter dem Vorwand des Krieges gegen die Guerilla der kurdischen Freiheitsbewegung über Jahre weite Gebiete in Behdînan militärisch besetzt. Neben zahlreichen getöteten Zivilist:innen habe dieser Krieg schwere Schäden an Umwelt, Natur und Infrastruktur Südkurdistans hinterlassen.
Mit dem im Februar 2025 eingeleiteten Prozess für Frieden und eine demokratische Gesellschaft sei auch die Rechtfertigung entfallen, den Krieg und die militärische Besatzung in Südkurdistan fortzusetzen, erklärte die Koşan-Gruppe. Dennoch dauerten die Eingriffe in die Natur und die türkische Militärpräsenz an. „Der Schutz der Grenzen und Wälder Südkurdistans ist nicht nur eine ökologische Frage. Er ist zugleich Teil des Schutzes unseres Landes, unserer Kultur und unserer Identität“, hieß es in der Erklärung.
Kritik richtete sich auch gegen die Regierung der Kurdistan-Region des Irak (KRI). Deren Schweigen angesichts der Zerstörung der Wälder wurde als Teil des Problems bezeichnet. Zum Abschluss rief die Koşan-Gruppe Bürger:innen, Institutionen, Aktivist:innen und Umweltbewegungen innerhalb und außerhalb Kurdistans dazu auf, gegen die Naturzerstörung und die türkische Militärpräsenz Stellung zu beziehen. Gefordert wurden der Abzug der türkischen Armee aus Südkurdistan und ein Ende der Eingriffe in das Gebiet.
https://deutsch.anf-news.com/Oekologie/abholzung-in-behdinan-beschaftigt-parlament-der-kurdistan-region-52982
Ferda Çetin: Die Gesellschaft muss zum Subjekt des Friedensprozesses werden
Bei einer Veranstaltung in Gießen hat der Journalist und Politiker Ferda Çetin über den Prozess für Frieden und eine demokratische Gesellschaft und die bisherigen Entwicklungen gesprochen. Das Treffen fand im Rahmen der Konferenz für Frieden und demokratische Integration statt.
Çetin erklärte, Abdullah Öcalans Aufruf für Frieden und eine demokratische Gesellschaft vom 27. Februar 2025 habe eine neue Phase eröffnet. Der Aufruf habe zwei grundlegende Dimensionen: Zum einen gehe es darum, Krieg und bewaffnete Konflikte durch Dialog und Verhandlungen zu beenden, zum anderen um den Aufbau einer demokratischen Gesellschaft.
„Die Bevölkerung muss Teil und Subjekt des Prozesses sein“
Ein dauerhafter Frieden könne nicht allein durch politische Verhandlungen entstehen, betonte Çetin. Entscheidend sei die gesellschaftliche Beteiligung. „Die Bevölkerung muss selbst Teil und Subjekt des Prozesses werden und sich am Aufbau einer demokratischen Gesellschaft beteiligen.“
Bei der anschließenden Diskussion thematisierten Teilnehmer:innen auch Falschbehauptungen und gezielte Desinformation über Abdullah Öcalan, die kurdische Freiheitsbewegung und den laufenden Prozess. Insbesondere über Facebook, YouTube und TikTok würden entsprechende Inhalte systematisch verbreitet, hieß es aus dem Publikum.
Das Treffen wurde mit einer Fragerunde fortgesetzt. Dabei ging es unter anderem um den weiteren Verlauf des Prozesses, demokratische Politik, politische Gefangene, den Frauenkampf und die Entwicklungen in der Region.
https://deutsch.anf-news.com/hintergrund/-52955 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/-52950 https://deutsch.anf-news.com/hintergrund/-52956
Nagihan Akarsel an vielen Orten gedacht
Vier Jahre nach der Ermordung der Journalistin und Jineolojî-Forscherin Nagihan Akarsel ist an zahlreichen Orten Kurdistans und der Türkei an ihr Leben und Wirken erinnert worden. An ihrem Grab in Xelîkan (auch Xalîka Jêr, tr. Gölyazı) in der zentralanatolischen Provinz Konya und am Ort ihrer Ermordung im südkurdischen Silêmanî kamen Angehörige, Weggefährt:innen und Aktivist:innen zusammen. Weitere Gedenkveranstaltungen fanden unter anderem in Amed (Diyarbakır), Êlih (Batman), Mêrdîn (Mardin), Şirnex (Şırnak), Wan (Van), Riha (Urfa) und Istanbul statt.
Nagihan Akarsel war am 4. Oktober 2022 vor ihrem Wohnhaus im Stadtteil Bextiyarî in Silêmanî von einem Auftragsmörder des türkischen Geheimdienstes erschossen worden. Sie gehörte zu den prägenden Mitarbeiterinnen der Jineolojî und wirkte über viele Jahre im Bereich des kurdischen Frauenjournalismus. Bis zu ihrer Ermordung arbeitete sie in Silêmanî am Aufbau eines Forschungs-, Archiv- und Bibliothekszentrums zur Geschichte kurdischer Frauen.
Blumen und Versprechen am Grab in Xelîkan
In Xelîkan bei Cihanbeyli, wo Nagihan Akarsel geboren wurde, gingen die Teilnehmer:innen vom Haus ihrer Familie gemeinsam zum Friedhof in Kulu. An der Gedenkveranstaltung nahmen ihre Mutter und weitere Angehörige sowie Mitglieder des Jineolojî-Forschungszentrums, des Verbands der Journalistinnen Mesopotamiens (MKG) und des Journalistenvereins Dicle-Firat (DFG) teil. Auch Vertreter:innen der DEM-Partei und die Abgeordnete Özgül Saki waren vor Ort.
Am Grab wurden Rosen und Margeriten niedergelegt. Die Anwesenden gedachten Akarsel mit einer Schweigeminute und den Losungen „Şehîd namirin“ und „Jin, Jiyan, Azadî“. Özgül Saki bezeichnete die Ermordung Akarsels als Angriff auf die Philosophie von „Jin, Jiyan, Azadî“. Man habe verhindern wollen, dass sie ihre Suche nach Wahrheit und ihre Erkenntnisse weitergebe. Mit Blick auf die bis heute nicht vollständig aufgeklärten Hintergründe der Ermordung sagte Saki: „Vielleicht wurde derjenige festgenommen, der die Kugel auf Nagihan abgefeuert hat. Aber der Mechanismus dahinter ist noch immer nicht aufgedeckt.“
Gerade in einer Zeit, in der über eine Konfrontation mit der historischen Wahrheit gesprochen werde, bleibe die Aufklärung der Ermordung Akarsels eine Aufgabe. Saki bezog dabei auch die in Rojava durch einen türkischen Drohnenangriff getöteten Journalist:innen Nazım Daştan und Cihan Bilgin sowie weitere Medienschaffende ein, die im kurdischen Freiheitskampf ihr Leben verloren haben.
„Ihre Worte werden nicht unvollendet bleiben“
Die Journalistin Diren Yurtsever von MKG erinnerte an Akarsels jahrzehntelangen Kampf um Wahrheit, den sie sowohl im Journalismus als auch in der Frauenfreiheitsbewegung geführt habe. „Weder Nagihans Stift noch der unserer anderen gefallenen Pressearbeiter:innen wird am Boden liegen bleiben. Auch ihre Worte werden nicht unvollendet bleiben“, sagte Yurtsever. Reyhan Yıldırımcı, die Akarsel als Teil ihrer „geistigen Familie“ bezeichnete, erinnerte an die gemeinsame Zeit mit ihr. Die Ideen, die Akarsel in Silêmanî entwickelt habe, seien nach ihrer Ermordung nicht verschwunden: „Jeder ihrer Gedanken fiel in Silêmanî auf die Erde. Und jeder dieser Gedanken wurde im Denken vieler Frauen zu einem Samen.“
Gedenken am Ort ihrer Ermordung in Silêmanî
Auch in Silêmanî wurde Akarsel am vierten Jahrestag ihrer Ermordung gedacht. Die Gedenkveranstaltung fand im Stadtteil Bextiyarî an dem Ort statt, an dem sie am 4. Oktober 2022 erschossen worden war. Die Teilnehmer:innen hielten Bilder von Akarsel hoch und gedachten ihrer mit einer Schweigeminute. Die politische Aktivistin Ronak Mecîd erinnerte daran, welche Bedeutung Akarsels Arbeit gerade angesichts der gegenwärtigen Entwicklungen in Kurdistan gehabt hätte. „Der tiefe Schmerz über ihren Verlust ist noch immer so lebendig wie am ersten Tag. Würde Nagihan heute leben, hätte sie in dieser Phase eine bedeutende Rolle“, sagte Mecîd.
Sie hob insbesondere Akarsels Engagement für die nationale Einheit der Kurd:innen hervor. Akarsel habe gesellschaftliche Fragen, Kultur und Kunst nicht voneinander getrennt betrachtet, sondern als Bestandteile einer gemeinsamen politischen und gesellschaftlichen Arbeit verstanden. Ein zentrales Projekt ihrer letzten Lebensphase war der Aufbau eines Forschungs-, Archiv- und Bibliothekszentrums zur Geschichte der Frauen Kurdistans. Akarsel hatte daran gearbeitet, Wissen und Zeugnisse aus allen Teilen Kurdistans zusammenzuführen. „Wir werden ihren Kampf und ihre Arbeit nicht unvollendet lassen“, erklärte Mecîd.
Gedenken von Amed bis Istanbul
Auch in zahlreichen Städten Nordkurdistans und der Türkei wurde Akarsel gedacht. Frauenorganisationen, Journalist:innen, politische Parteien und zivilgesellschaftliche Initiativen erinnerten mit Veranstaltungen, Filmvorführungen, Gedichten und Musik an ihr Leben. Wiederkehrendes Thema war dabei Akarsels Verbindung von Journalismus, Jineolojî und Frauenfreiheitskampf.
Mêrdîn
In Amed erinnerten die Jineolojî-Akademie und der MKG insbesondere an Akarsels Arbeit für ein Archiv und eine Bibliothek zur Geschichte kurdischer Frauen. Bahar Akdemir von der Jineolojî-Akademie erklärte, Akarsel habe die Eröffnung des von ihr mitentwickelten Zentrums nicht mehr erlebt. Frauen, die ihre Arbeit fortsetzten, hatten das Projekt 2023 verwirklicht. Akdemir stellte das Gedenken zugleich in den Zusammenhang mit dem gegenwärtigen Prozess für Frieden und eine demokratische Gesellschaft. Bei der Schaffung eines würdevollen Friedens komme der kurdischen Frauenbewegung eine entscheidende Rolle zu.
Amed
Weitere Veranstaltungen fanden in Êlih, Mêrdîn, Silopya, Wan, Izmir, Mersin, Adana, Aydın, Riha, Istanbul und Manisa statt. Vielerorts wurden Texte und Gedichte Akarsels gelesen und Filme über ihr Leben gezeigt. Dabei stand nicht allein die Erinnerung an Nagihan Akarsel im Mittelpunkt. Die Beteiligten verbanden das Gedenken mit dem Versprechen, ihre journalistische Arbeit, ihre Suche nach Wahrheit und ihre Projekte zur Bewahrung des Gedächtnisses kurdischer Frauen weiterzuführen.
https://deutsch.anf-news.com/frauen/tjk-e-verurteilt-attentat-auf-nagihan-akarsel-34282 https://deutsch.anf-news.com/pressefreiheit/-34312 https://deutsch.anf-news.com/frauen/-52959 https://deutsch.anf-news.com/pressefreiheit/vier-jahre-nach-dem-mord-an-nagihan-akarsel-dfg-fordert-aufklarung-52978
Witwenrente und Minijob: Wann eigene Rentenbeiträge kein zusätzliches Geld bringen
Ein rentenversicherungspflichtiger Minijob kann die Witwenrente rechnerisch erhöhen. Doch wer deshalb auf knapp 100 Euro mehr im Monat hofft, sollte genau nachrechnen: In manchen Fällen steigt die Hinterbliebenenrente überhaupt nicht, während vom Arbeitslohn trotzdem Beiträge abgehen.
Entscheidend ist, wie viel Einkommen die Rentenversicherung berücksichtigt und ob die günstigere Berechnung tatsächlich zu einer höheren Zahlung führt. Auch die Beschäftigung im Privathaushalt, ein sehr niedriger Verdienst und der Zeitpunkt der Neuberechnung können den finanziellen Vorteil begrenzen.
Unterhalb des Freibetrags gibt es keine Rentenkürzung zu vermeidenWer neben der Witwenrente ausschließlich einen Minijob mit monatlich 603 Euro ausübt, bleibt unter dem allgemeinen Einkommensfreibetrag. Dieser beträgt vom 1. Juli 2026 bis zum 30. Juni 2027 monatlich 1.122,53 Euro.
Die Hinterbliebenenrente wird in diesem Fall wegen des Minijobs auch dann nicht gekürzt, wenn der volle Verdienst in die Einkommensberechnung einbezogen wird. Eigene Rentenbeiträge können deshalb keine zusätzliche Entlastung bei dieser Rente bewirken.
Für ein Kind, das die gesetzlichen Voraussetzungen für die Erhöhung erfüllt, steigt der Freibetrag um 238,11 Euro auf 1.360,64 Euro. Eine ausführliche Erklärung bietet unser Beitrag zum Freibetrag bei der Witwenrente seit Juli 2026.
Warum der Wechsel trotzdem häufig empfohlen wirdBei einem rentenversicherungspflichtigen Minijob werden für die Einkommensberechnung pauschal 40 Prozent vom Bruttoverdienst abgezogen. Von 603 Euro bleiben damit 361,80 Euro übrig, während bei einem befreiten Minijob regelmäßig die vollen 603 Euro berücksichtigt werden.
Der Unterschied von 241,20 Euro kann die Kürzung der Witwenrente um bis zu 96,48 Euro verringern. Dieser Höchsteffekt entsteht aber nur, wenn sich der gesamte Unterschied auf die tatsächliche Rentenzahlung auswirkt.
Wie die Berechnung funktioniert, erläutert unser Hauptartikel Witwenrente und Minijob: Eigene Rentenbeiträge können fast 100 Euro mehr Witwenrente bringen. Die Grundlage für den Pauschalabzug ist § 18b SGB IV.
Knapp über dem Freibetrag kann der Beitrag höher sein als der VorteilLiegt das bisher berücksichtigte Einkommen nur wenig über dem Freibetrag, fällt auch die bisherige Kürzung gering aus. Mehr als diese Kürzung lässt sich durch die günstigere Berechnung nicht zurückholen.
Wird die Witwenrente beispielsweise nur um zehn Euro gekürzt, kann der Wechsel diese Kürzung höchstens um zehn Euro beseitigen. Bei einem gewerblichen Minijob mit 603 Euro Verdienst kostet der Eigenbeitrag jedoch 21,71 Euro monatlich.
Damit wäre die laufende Rechnung zunächst um 11,71 Euro schlechter, noch bevor mögliche weitere Abzüge berücksichtigt werden. Der zusätzliche Versicherungsschutz muss davon getrennt bewertet werden.
Bei kleinen Verdiensten zählt der MindestbeitragBei einem Monatsverdienst unter 175 Euro kann die Mindestbeitragsbemessungsgrundlage greifen. Dann beträgt der gesamte Rentenversicherungsbeitrag 32,55 Euro, von dem der Arbeitgeber seinen Anteil auf Grundlage des tatsächlichen Lohns übernimmt.
Die 32,55 Euro sind somit nicht automatisch der Eigenbeitrag der beschäftigten Person. Diese trägt die Differenz zwischen dem Mindestbeitrag und dem Arbeitgeberanteil.
Bei 100 Euro Monatsverdienst im gewerblichen Minijob zahlt der Arbeitgeber beispielsweise 15 Euro und die beschäftigte Person 17,55 Euro. Der größtmögliche rechnerische Vorteil bei der Witwenrente beträgt bei diesem Lohn dagegen nur 16 Euro.
Die Mindestbeitragsregel gilt allerdings nicht in jeder Konstellation, etwa bei einer zusätzlichen rentenversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung oder bestimmten anderen Pflichtversicherungszeiten. Die Minijob-Zentrale erläutert die Ausnahmen und die Berechnung.
Im Privathaushalt bleibt vom Höchstbetrag deutlich wenigerIm gewerblichen Minijob beträgt der Eigenanteil zur Rentenversicherung regelmäßig 3,6 Prozent. Im Privathaushalt sind es 13,6 Prozent, weil der Arbeitgeber dort einen geringeren Anteil übernimmt.
Bei 603 Euro Monatsverdienst gehen deshalb im Gewerbe 21,71 Euro und im Privathaushalt 82,01 Euro vom Lohn ab. Selbst bei maximaler Entlastung der Witwenrente fällt der verbleibende Vorteil entsprechend unterschiedlich aus.
Vereinfachter monatlicher Vergleich bei 603 Euro Verdienst und voller Wirkung des Pauschalabzugs Beschäftigung Höchstmögliche Erhöhung der Witwenrente Eigenbeitrag Differenz vor weiteren Abzügen Gewerblicher Minijob 96,48 Euro 21,71 Euro 74,77 Euro Minijob im Privathaushalt 96,48 Euro 82,01 Euro 14,47 EuroDiese Differenz ist kein garantierter Nettogewinn. Auf eine höhere Rentenzahlung können zusätzliche Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sowie gegebenenfalls Steuern entfallen.
Eine höhere Witwenrente kommt nicht immer sofortBei Arbeitsentgelt verwendet die Rentenversicherung grundsätzlich das Einkommen des Vorjahres, soweit keine gesetzliche Ausnahme greift. Einkommensänderungen werden nach § 18d SGB IV grundsätzlich erst zum nächsten 1. Juli berücksichtigt.
Eine frühere Berücksichtigung kommt insbesondere in Betracht, wenn das laufende Einkommen mindestens zehn Prozent unter dem bisher berücksichtigten Einkommen liegt. Bei mehreren Einkünften wird diese Minderung am gesamten zu berücksichtigenden Einkommen geprüft, nicht allein am Minijob.
Deshalb sollten Betroffene nicht nur nach der späteren Rentenhöhe, sondern auch nach dem Beginn der Neuberechnung fragen. Der Eigenbeitrag kann bereits vom Lohn abgehen, während die höhere Hinterbliebenenrente noch nicht gezahlt wird.
Eine bisherige Nullrente schließt einen Vorteil nicht ausIst die Witwenrente wegen der Einkommensanrechnung vollständig auf null gekürzt, muss auch nach der günstigeren Berechnung erneut geprüft werden. Ein bisheriger Zahlbetrag von null bedeutet nicht automatisch, dass der Wechsel wirkungslos bleibt.
Liegt der neue Anrechnungsbetrag weiterhin mindestens so hoch wie die Witwenrente vor Einkommensanrechnung, entsteht tatsächlich keine Auszahlung. Sinkt er dagegen unter den Rentenbetrag, kann die Witwenrente wieder teilweise gezahlt werden.
Ein vereinfachtes Beispiel verdeutlicht den Unterschied: Bei 200 Euro Witwenrente vor Einkommensanrechnung und einem bisherigen Anrechnungsbetrag von 250 Euro wird nichts ausgezahlt. Sinkt der Anrechnungsbetrag auf 160 Euro, entstehen wieder 40 Euro Rente vor weiteren Abzügen.
Kein zusätzliches Geld bedeutet nicht automatisch keinen NutzenDie kurzfristige Haushaltsrechnung beantwortet nicht allein die Frage, ob sich eigene Rentenbeiträge lohnen. Pflichtbeiträge können die eigene Altersrente erhöhen und Beschäftigungsmonate vollständig für Wartezeiten zählen lassen.
Je nach persönlicher Versicherungsgeschichte können außerdem Ansprüche auf weitere Leistungen der Rentenversicherung unterstützt werden. Deshalb sollte eine Vergleichsrechnung sowohl die laufenden Zahlungen als auch den zusätzlichen Versicherungsschutz berücksichtigen.
Seit Juli 2026 lässt sich eine frühere Befreiung im Minijob einmalig für die Zukunft aufheben. Nach den Informationen der Minijob-Zentrale ist diese Rückkehr zur Beitragspflicht für die laufenden Minijobs bindend.
Praxisbeispiel: Mehr Witwenrente, aber weniger Geld im MonatFrau Sommer verdient in einem gewerblichen Minijob 603 Euro monatlich und hat weitere Einkünfte, die nach den vorgeschriebenen Abzügen mit 544,53 Euro berücksichtigt werden. Ohne Pauschalabzug auf den Minijob ergibt sich ein Gesamteinkommen von 1.147,53 Euro, also 25 Euro mehr als der allgemeine Freibetrag.
Ihre ausreichend hohe Witwenrente wird deshalb um zehn Euro gekürzt. Mit Rentenversicherungspflicht sinkt das berücksichtigte Einkommen unter den Freibetrag, sodass diese Kürzung entfällt.
Den zehn Euro mehr Witwenrente steht jedoch ein Eigenbeitrag von 21,71 Euro gegenüber. Sobald die günstigere Einkommensberechnung wirksam wird, bleiben ihr aus diesem Vergleich zunächst 11,71 Euro weniger im Monat, während sie zugleich zusätzliche Rentenversicherungsansprüche erwirbt.
Sechs Fragen und Antworten zu den Grenzen des Minijob-Vorteils Lohnt sich die Rentenversicherungspflicht für jede Witwe?Sie führt nicht bei jeder Witwe zu mehr verfügbarem Geld. Auch ohne höhere Witwenrente können eigene Rentenbeiträge jedoch für die Altersvorsorge und weitere Versicherungsansprüche sinnvoll sein.
Was gilt, wenn neben der Witwenrente nur ein Minijob besteht?Ein Minijob mit 603 Euro Monatsverdienst liegt allein unter dem allgemeinen Freibetrag von 1.122,53 Euro. Eine wegen dieses Einkommens ohnehin ungekürzte Witwenrente lässt sich durch den Pauschalabzug nicht weiter erhöhen.
Muss ich bei einem kleinen Minijob selbst 32,55 Euro zahlen?Nicht automatisch, denn die 32,55 Euro sind der gesamte Mindestbeitrag einschließlich Arbeitgeberanteil. Ob die Mindestbeitragsregel überhaupt gilt und wie hoch Ihr Eigenanteil ausfällt, hängt von Ihrer Beschäftigungs- und Versicherungssituation ab.
Warum ist der finanzielle Vorteil im Privathaushalt geringer?Der Eigenanteil beträgt dort regelmäßig 13,6 statt 3,6 Prozent des Verdienstes. Dadurch bleibt von derselben Erhöhung der Witwenrente weniger übrig.
Kann eine auf null gekürzte Witwenrente wieder ausgezahlt werden?Ja, wenn der neue Anrechnungsbetrag unter die Witwenrente vor Einkommensanrechnung sinkt. Bleibt er mindestens genauso hoch wie die Rente, entsteht weiterhin kein Zahlbetrag.
Wann wird die günstigere Einkommensberechnung wirksam?Einkommensänderungen werden grundsätzlich zum nächsten 1. Juli berücksichtigt; bei einer Minderung des berücksichtigten Gesamteinkommens um mindestens zehn Prozent kommt eine frühere Berücksichtigung in Betracht.
Den konkreten Beginn sollte die Rentenversicherung anhand der persönlichen Einkommensdaten prüfen.
Der Beitrag Witwenrente und Minijob: Wann eigene Rentenbeiträge kein zusätzliches Geld bringen erschien zuerst auf Gegen-Hartz.de – Sozialrecht, Rente, Pflege und Grundsicherung.
Geschichte von unten
Transition News: Herr Henkelmann, vor kurzem ist Ihr Buch «Erinnerung an eine Ausnahmezeit – Zeitzeugen der Corona-Jahre» erschienen, mit Interviews, die Sie zwischen 2021 und 2023 geführt haben. Was ging in Ihnen vor, als Sie sich diese Gespräche mit einiger Zeit Abstand noch einmal durchgelesen haben?
Hannes Henkelmann: Durch den zeitlichen Abstand kommen mir diese Geschehnisse so unwirklich vor – das geht sicher vielen Menschen ähnlich. Ich bin wirklich froh, dass es diese Interviews gibt, denn wenn ich sie lese, ist die Zeit wieder unheimlich schnell präsent.
Was macht diese Erlebnisse so unwirklich?
Aus einer gewissen Distanz betrachtet, waren viele Maßnahmen sogar absolut schwachsinnig. Ich hätte nicht gedacht, dass man die Bevölkerung dazu bewegen kann, diesen Regeln zu folgen. Und was da alles passiert ist, das war so surreal. Die Interviews erinnern daran, wie es wirklich war.
Wie würden Sie die 48 Menschen beschreiben, die Sie in diesem Buch in Wort und Bild verewigt haben?
Alle besitzen eine gewisse Stärke und Klarheit und haben deutlich gemacht: «Bei der ganzen Chose mache ich niemals mit.» Und so haben sie auf unterschiedliche Weise Widerstand geleistet. Die einen ganz offen – sie konnten dann weitere Sanktionen erleben – und andere wiederum hielten in ganz kleinem Rahmen dagegen.
Christian Vetter; Foto: Hannes Henkelmann
Wie zum Beispiel Christian Vetter – er ist Autist –, der Jens Spahn zur Rede stellte. Er baute sich vor dem damaligen Gesundheitsminister auf und sagte, «ich möchte, Herr Minister, dass Sie mir einige Fragen beantworten». Nur wurde Vetter daraufhin von der Polizei weggezerrt.
Oder Monika Ril, eine ältere Frau mit einer schmalen Rente. Ihre Form des Widerstandes war es, kleine Zettel zu schreiben und diese zum Beispiel am Geldautomaten oder in fremden Fahrradkörben liegen zu lassen.
Monika Ril; Foto: Hannes Henkelmann
Wie haben Sie Ihre Gesprächspartner gefunden?
Da möchte ich einiges vorwegschicken: Ich habe nur Menschen interviewt, deren Erlebnisse mich persönlich interessiert und berührt haben. Die meisten Interviews sind in der Wochenzeitung Demokratischer Widerstand erschienen. Niemand hat mir dort reingeredet oder mich zensiert. Das war natürlich ideal, so arbeiten zu können.
In den Interviews wird wirklich deutlich, wie unterschiedlich Menschen, die sich selbst treu geblieben waren, mit dem «Corona»-Regime umgingen. Jede Geschichte ist einzigartig. So wie der erste Satz im Roman «Anna Karenina» von Leo Tolstoi – sinngemäß: Im Glück sind alle Familien gleich und im Unglück unterscheidet sich jede Familie von der anderen.
Und genauso war das hier auch. Jeder ist auf seine Art damit umgegangen. Die Gärtnerin Dorothee zum Beispiel hatte an ihrem Kühlschrank eine Karte mit dem Spruch: «Wir können nicht alle Che Guevara sein, einer muss auch Kartoffeln schälen.» Da dachte ich sofort, mit ihr mache ich ein Interview, denn die Überschrift habe ich damit schon. Und sie hatte auch wirklich Interessantes zu erzählen.
Die Gärtnerin Dorothee; Foto: Hannes Henkelmann
Oft habe ich auch Empfehlungen bekommen, wie den Kontakt zu einem Künstler-Ehepaar, die ein Hinterhoftheater in Essen betrieben. So kamen diese mutigen Menschen irgendwie in mein Leben. Jede Begegnung war etwas Besonderes für mich.
Welche Gespräche sind Ihnen besonders nahegegangen?
In dem Buch gibt es auch ein Interview mit einer angehenden Psychotherapeutin, die in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie arbeitete. Sie hat ihren damaligen Alltag geschildert und wie sehr Kinder gelitten haben. Der aufwühlendste Moment für mich war jedoch, als sie erklärte, dass früher Vierzehn- und Fünfzehnjährige in die Einrichtung kamen, wenn sie suizidal waren, dass es seit «Corona» aber schon zehn- und elfjährige Kinder gebe, die versucht hätten, sich umzubringen und dass damit in diesem Land etwas gehörig nicht stimmt.
Foto: Hannes Henkelmann
Und natürlich das Interview mit Sandra Griesel, die nach der ersten Impfung an Grünem Star erkrankte und sich seither darauf einstellen muss, zu erblinden. Zudem konnte sie sich nicht von ihrer sterbenden Mutter verabschieden, weil sie nicht zur ihr ins Heim durfte. Selbst bei der Beerdigung war das Ordnungsamt vor Ort und erlaubte nur zehn Besucher. Da Frau Griesel sage und schreibe neun Geschwister hat, war es Partnern, Enkelkindern oder sonstigen Freunden und Verwandten nicht gestattet, an der Trauerfeier teilzunehmen. Frau Griesels Kommentar:
«Ich vergesse nicht, ich vergebe nicht!»
Das alles zu hören, ging mir sehr nahe.
Sie sind bestimmt mit einigen Ihrer Interviewpartner noch in Kontakt. Können Sie etwas über deren weiteres Schicksal sagen? Wie geht es zum Beispiel Frau Griesel heute?
Sie ist eine der beeindruckendsten Frauen, die ich je getroffen habe. Die Chargennummer ihrer mRNA-Spritze gilt als sehr toxisch. Und trotz ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen hat sie eine kommunalpolitische Karriere gestartet. Sie ließ sich in Melle für die AfD aufstellen und ist tatsächlich auch in den Stadtrat gewählt worden. Sie kämpft weiter und will, solange sie sehen und gehen kann, gegen das Unrecht ankämpfen. Unglaublich, wie viel Energie sie hat.
Sandra Griesel; Foto: Hannes Henkelmann
Oder das Künstlerehepaar Isabel Katharina Sandig und Ralf Gottesleben: Die beiden haben ihr Theater in Essen verkauft, leben inzwischen in Dänemark und haben da ihr Glück gefunden.
Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie begonnen haben, für alternative Medien zu arbeiten?
Im Sommer 2020 habe ich überlegt, mit welchen Talenten ich dagegenhalten kann. Ich entschied mich, die Proteste mit Fotos zu dokumentieren. Schon auf meiner ersten Großdemo am 29. August 2020 in Berlin gelang das sehr gut. In nur zwei Tagen schoss ich achtzig ausdrucksstarke Bilder, die kurz danach in meinem ersten Bildband erschienen.
Die damalige Verlegerin konnte Anselm Lenz vom Demokratischen Widerstand für das Vorwort gewinnen, und so kam es, dass ich Kontakt zu dieser Wochenzeitung bekam. Später übernahm ich die Rubrik «Alltagsinterviews», in der ich Menschen, deren Meinung im Mainstream nicht vorkam, eine Stimme gab. Dabei ist auch meine Erfahrung als gelernter Sozialarbeiter sehr nützlich gewesen.
Dieses alternative Medium gibt es inzwischen nicht mehr. Was machen Sie heute?
Im Dezember 2025 habe ich einen Bildband mit meinen besten Demo-Fotos im Eigenverlag herausgebracht – Titel: «Widerstand beginnt auf dem Asphalt». Und ich biete Bildervorträge an. Es macht mir Spaß, diese Vorträge zu halten, aus meinem Leben als Schwurbler und von den Geschichten hinter den Bildern zu erzählen. So komme ich in ganz Deutschland herum und sehe, aus wie vielen kleinen Gruppen die außerparlamentarische Opposition eigentlich noch besteht – nachdem die große Bewegung leider zersetzt worden ist.
Sie gehören selbst zu den kritischen Zeitzeugen. Wie würden Sie die Jahre der Scheinpandemie beschreiben?
Vor 2020 war die Gesellschaft ja auch schon gespalten. Aber da waren die kontroversen Themen, wie der Putsch in der Ukraine, eher so ein intellektuelles Ding. Wir haben uns gestritten, aber ohne die Freundschaft in Frage zu stellen. «Corona» hat die Auseinandersetzungen aber auf eine gefühlsmäßige und außerdem angstbesetzte Ebene gebracht. Und es war so perfide inszeniert, dass die lebhaften Diskussionen oft in Spaltung endeten. Das hätte ich nie für möglich gehalten.
Nun habe ich wirklich Mühe, mit meinen alten Freunden wieder zueinander zu finden. Ich musste mich entscheiden: Bestehe ich auf eine Entschuldigung für als die Beleidigungen und die Ausgrenzung oder will ich den Kontakt wieder langsam aufbauen? Ich habe mich für die zweite Variante entschieden.
Inzwischen ist «Corona» kein Thema mehr im Mainstream, denn mit Putin und dem Ukrainekrieg wurde ein neues Fass aufgemacht – omnipräsent und brandgefährlich. Die Propaganda sorgt dafür, dass wir jeden Tag unter Stress und unter Angst gehalten werden. Dazu der wirtschaftliche Niedergang. Der Druck steigt überall. Egal, wen man trifft, alle klagen.
Das heißt, der Druck und die Angst halten an?
Klar. Wenn man mit offenen Augen und Ohren durch die Welt geht, kann man nur konstatieren, dass die Stimmung gereizt und das Gros der Leute genervt ist. Wenn 25 Prozent aller Familien nicht mehr wissen, wie sie ihre Grundbedürfnisse finanzieren sollen, während die Regierung zeitgleich neue Schulden macht und auf Kriegswirtschaft umstellt, dann lässt das wenig Raum für Optimismus.
Welche gesellschaftlichen Umbrüche können Sie in Ihrer Heimat – Sie leben in Deutschland – sonst noch feststellen?
Sorgen muss man sich um alle Altersgruppen machen. Den jungen Menschen wurden während der sogenannten Pandemie zwei Jahre ihrer Jugend und ihrer Entwicklung geraubt. Mit dem Ergebnis, dass der Therapiebedarf bei den älteren Jugendlichen um 80 Prozent gestiegen ist. Die Therapieplätze sind überfüllt, Wartelisten lang, aber genau da will die Regierung wieder kürzen. Statt auf die Couch geht es wohl demnächst zur Bundeswehr. Stichwort Wehrpflicht. Das erinnert mich wieder an das alte Shakespeare-Zitat: Wir sind eine Gruppe von Blinden angeführt von Verrückten.
Die Menschen schimpfen, dass sich nichts verändert, aber bekommen selbst den Arsch nicht hoch. Sie können es irgendwie nicht fassen und kommen trotzdem nicht in den Widerstand. Es ist wirklich eine ganz seltsame Stimmung.
Genau genommen werden die Lebensbedingungen für die einfache Bevölkerung seit 30 Jahren immer schwieriger. Nichts hat sich für sie verbessert. Aber die Regierung und die Massenmedien präsentieren ihnen immer einen Schuldigen: Erst die Querdenker, dann die Ungeimpften, Trump, Putin, die Mullahs im Iran und jetzt die AfD.
Ihr Buch dient der Erinnerung. Es ist Geschichte von unten. Was muss passieren, damit diese Geschichte aufgearbeitet werden kann?
Diejenigen, die das entscheiden können, sind zum Teil doch die Täter von damals – die werden aber kaum gegen sich selber ermitteln. Die Enquete-Kommission ist ein Haifisch ohne Zähne. Wir brauchen einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss, aber dafür gibt es eben im Moment noch keine Mehrheit. Aber wir geben nicht auf.
Das Interview führte Sophia-Maria Antonulas.
Europäischer Statistikwettbewerb für Schüler riecht in Deutschland nach Indoktrination
Die Abkürzung «ESC» steht nicht nur für «Eurovision Song Contest», sondern seit ein paar Jahren auch für «European Statistics Competition». Mit Staats- und Mainstream-Medien – und daher auch mit Propaganda – haben allerdings beide Ausscheide etwas zu tun.
Der Statistikwettbewerb wird jährlich vom europäischen Statistikamt Eurostat veranstaltet und ist nach offizieller Lesart eine Initiative zur Förderung der Statistikkompetenz von Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe. Es gibt eine nationale und eine europäische Phase; Erstere wird von den nationalen statistischen Instituten der Teilnehmerländer organisiert.
In Deutschland hat das Statistische Bundesamt (Destatis) gerade über den Start der diesjährigen Konkurrenz informiert. Während das Ziel laut Eurostat ist, «die Schüler zu ermutigen, sich mit Statistiken und offiziellen statistischen Quellen vertraut zu machen», geben die Deutschen ihrem eigenen Süppchen etwas mehr Würze. Wir lesen:
«Angesichts steigender Desinformation hat sich der Wettbewerb in diesem Jahr zum Ziel gesetzt, neben Datenkompetenz auch die Nachrichtenkompetenz junger Menschen zu fördern, um manipulative Inhalte besser zu erkennen. Die Schülerinnen und Schüler lernen Informationen zu hinterfragen und einzuordnen, zuverlässige Quellen zu erkennen und aus Daten eigene Erkenntnisse abzuleiten.»
Nun wäre das an sich schön, denn in der Tat sind dies wichtige Fähigkeiten. Leider muss an dieser Darstellung der Zielsetzung gezweifelt werden. Unschwer erkennbar stecken darin beliebig definierbare Begriffe, mindestens «Desinformation» und «zuverlässige Quellen». Im Fall der deutschen ESC-Teilnahme werden sie von wenig neutralen Organisatoren mit Inhalt befüllt.
Partner der deutschen Bundesoberbehörde sind dieses Jahr der Verein «Journalismus macht Schule» und die Bildungsinitiative «Spreuweizen». Beide sollen angeblich helfen, die «Fähigkeit zur Faktenüberprüfung» der Jugendlichen zu verbessern.
Der Journalismus-Verein beschreibt sich selbst als «bundesweite Initiative zur Stärkung von Nachrichten- und Informationskompetenz». Man wolle den Schülern «zeigen, wie journalistische Arbeit funktioniert und warum sie für eine demokratische Gesellschaft so wichtig ist». In Vorstand und Kuratorium unterstützen dabei zum Beispiel Vertreter von ARD, SWR, RBB, Zeit, FAZ, SZ, DJV und Correctiv. Auch Christian Drostens Co-Autor des «Pandemie-Gesprächs», der ehemalige Spiegel-Chefredakteur Georg Mascolo, ist mit von der Partie.
Die Bildungsinitiative Spreuweizen behauptet, jungen Menschen dabei zu helfen, «in der Flut von Fälschungen und Fakten den Durchblick zu behalten». Man stärke «die Medienkompetenz» und vermittle Medien, Journalismus und Politik spielerisch. Gegen «Desinformation» wappnet man sich und andere durch einen Rückgriff auf die «Kompetenz» der Weltgesundheitsorganisation (WHO):
«Die Weltgesundheitsorganisation warnt vor einer globalen Bedrohung: der Infodemie. (...) Dieses Phänomen wurde erstmals im Zuge der weltweiten Corona-Pandemie beobachtet und benannt, lässt sich jedoch auf verschiedene komplexe und emotionale Themen übertragen: Migration und Flucht, Krieg, Klimawandel, Gesundheit und Medizin, Geschlechtergerechtigkeit.»
Damit ist der ideologische Rahmen für den deutschen Statistik-Nachwuchs abgesteckt. Wenn sich eine Bundesbehörde, der ÖRR und andere Mainstream-Medien, ein Journalistenverband, der zu den illegalen EU-Sanktionen gegen Journalisten schweigt, sowie sogenannte «Faktenchecker» mit vereinten Kräften um die Informationskompetenz von Jugendlichen bemühen, was soll da schon schiefgehen?
Bei der Beurteilung, ob Destatis selber eine «zuverlässige Quelle» ist, sowie beim Hinterfragen und Einordnen der Informationen, um gegebenenfalls manipulative Inhalte zu erkennen, könnte auch Marcel Barz behilflich sein. Der Wirtschaftsinformatiker und Datenspezialist konnte bereits 2021 in den offiziellen Rohdaten des Statistischen Bundesamtes keine «Pandemie» finden.
Später setzte sich der «Erbsenzähler» mit der Behörde auseinander, um darauf hinzuweisen, dass man dort eine unzulässige Modellrechnung anwende, um Sterbedaten zu vergleichen. Ohne altersstandardisierte Zahlen würde man vor allem die Überalterung der Bevölkerung aufzeigen. Entgegen der irreführenden Darstellung von Destatis sei das «Corona-Jahr» 2020 bezüglich der Sterblichkeit vollkommen unauffällig gewesen.
Dieser Fehler sei jedoch nie korrigiert worden, so Barz, und werde von den meisten Medien weiter abgeschrieben. Eine Korrektur würde am großen Corona-Narrativ rütteln, denn nur durch die Destatis-Methode habe man 2020 in den Daten eine Übersterblichkeit und damit eine «Pandemie» (er)finden und Hysterie produzieren können. Heute engagiert sich Barz in mehreren Gremien zur «Corona-Aufarbeitung» und plädiert für die Arbeit mit harten Zahlen.
Die deutsche ESC-Organisation riecht dagegen nach Manipulation, Indoktrination und weiterer Vertuschung. Die vorgesehene «Betreuung» der Schüler dürfte kaum das eigene kritische Denken fördern. Vielmehr könnte sie dazu beitragen, dass auch die nächste Generation wenige unbotmäßige Fragen aufwirft und die «richtigen» Erkenntnisse gewinnt. Genau das mag hier das Ziel sein.
Von Nord Stream zur «Straße von Trump»: Washingtons Plan zur Deindustrialisierung Europas
Mehr als einmal haben wir dargelegt, dass die eigentliche Ursache der aktuellen großen geopolitischen Krise in der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit der Hegemonialmacht der Ära nach dem Fall der Berliner Mauer auf den Weltmärkten zu suchen ist: den Vereinigten Staaten von Amerika.
Diese mangelnde Wettbewerbsfähigkeit ist nicht nur dem Auftauchen neuer Akteure geschuldet, die in der Lage sind, die USA auf industrieller und wissenschaftlicher Ebene herauszufordern – allen voran China. Dessen Aufstieg wurde im Übrigen durch die Entscheidung des Westens begünstigt, einen Großteil der eigenen Produktion ins Reich der Mitte zu verlagern. Ziel war es, das enorme Reservoir an billiger menschlicher Arbeitskraft zu nutzen und so sowohl die direkten Gewinne (Unternehmensgewinne) als auch die indirekten Profite drastisch zu steigern (sprich: als Katalysator für jene riesige Fabrik synthetischer Dollars namens Wall Street zu dienen).
Das Kalkül der USA erwies sich auf lange Sicht als katastrophaler Fehlschluss: China beschränkte sich nicht darauf, billige Arbeitskräfte zu stellen, sondern nutzte die Chance, den Rückstand zum Westen in Forschung, Technologie und Industrie aufzuholen – und mit der Zeit auch im Finanzsektor sowie folglich auf politischer und militärischer Ebene. Kurzum: Die Vereinigten Staaten haben sich den Konkurrenten, der sie im Machtgefüge der Weltpolitik nun auf einen nachgeordneten Platz verweist, im eigenen Schoß herangezogen.
Damit nicht genug. In seiner Risikobereitschaft – getrieben von dem Glauben, dass nach dem Fall der Berliner Mauer das «Ende der Geschichte» erreicht sei – schuf Washington weitere Konkurrenten, die sich als verhängnisvoll erwiesen. Allen voran die Unterzeichnerstaaten des NAFTA-Abkommens, des nordamerikanischen Binnenmarktes: Mexiko und Kanada gelang es, den USA Millionen von Arbeitsplätzen zu entziehen.
Aber auch Europa (insbesondere nordeuropäische Staaten, allen voran Deutschland) nutzte die Globalisierung, um den US-Markt zu erobern – gestützt auf den Wettbewerbsvorteil, den die Russen den Europäern durch spottbillige Energie und Rohstoffe verschafften. Und schließlich die ostasiatischen Staaten Japan, Südkorea und Taiwan, die dank ihrer enormen Innovationskraft den USA im Hochtechnologiesektor, angefangen bei den Mikroprozessoren, Konkurrenz machten.
Dieser Welle der Deindustrialisierung, begleitet von einer faktischen Kolonisierung der eigenen Märkte, trat Washington einerseits durch die krampfhafte Suche nach technologischer Innovation entgegen – vor allem im IT-Bereich (man denke an das Silicon Valley) –, andererseits durch skrupellose Finanzmanöver wie die Blase der sogenannten Subprime-Hypotheken, die 2008 dramatisch platzte und eine globale Finanzkrise auslöste.
Gerade der Ausbruch der Weltfinanzkrise von 2008 machte es den USA unmöglich, die alte Praxis fortzusetzen, den Staub unter den Teppich zu kehren – oder anders gesagt: die vollständige industrielle Wüstenbildung hinter der Fähigkeit der Wall Street (und der FED) zu verbergen, das System mit Dollars zu überschwemmen und so die Kauf- und Konsumkraft der US-Amerikaner künstlich aufzublähen. Um die Großbanken der Wall Street zu retten, musste sich der Bundesstaat bis dahin unvorstellbar hoch verschulden, was eine Schulden-Zins-Spirale italienischer Prägung in Gang setzte. Ganz zu schweigen vom Hauptproblem: Die Staatsfinanzen (Handelsbilanz, Leistungsbilanz und Nettoauslandsvermögen) gerieten völlig außer Kontrolle.
An diesem Punkt beschloss Washington, einzugreifen, um das Problem an der Wurzel zu packen. Der erste US-amerikanische Vorschlag war, das muss man sagen, durchaus vernünftig und friedlich: die Unterzeichnung der Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP). Ein Abkommen, das klar die Aufgabe hatte, die Handelsbilanz zwischen den USA und der EU und längerfristig auch die Leistungsbilanz wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Europa lehnte starrköpfig ab – woraufhin die US-Amerikaner zu härteren Methoden griffen.
Mit Hilfe osteuropäischer Vasallen (allen voran Polen) zettelten sie einen Staatsstreich in der Ukraine an und provozierten Russland so lange, bis es zu einer Invasion in der Ukraine gezwungen war. Diese Verkettung von Ereignissen, die in einen Großkonflikt mündete, zwang die EU dazu, verheerende Sanktionen gegen Russland (und damit gegen sich selbst) zu verhängen und sich finanziell auszuquetschen, um Kiew im Kampf zu unterstützen. Sanktionspaket um Sanktionspaket drehte die EU so die russische Energiequelle endgültig zu, die mittlerweile ohnehin fast vollständig von China absorbiert wird.
Dass eines der Hauptziele dieser von den USA ausgelösten geopolitischen Krise darin besteht, Europa zu deindustrialisieren und in der Folge einen Großteil der europäischen Industrie in den USA anzusiedeln, liegt auf der Hand. Die USA nutzen dabei ihre dynamischere Wirtschaft und vor allem die deutlich niedrigeren Energiekosten im Vergleich zu Europa aus. Mit dem Amtsantritt von Joe Biden in Washington wurde zudem der sogenannte Inflation Reduction Act verabschiedet – das größte Anreiz- und Investitionspaket, das jemals in den USA aufgelegt wurde, im Wert von rund 370 Milliarden Dollar. Ein üppig gedeckter Tisch, der gezielt Investitionen aus dem Ausland, insbesondere aus Europa, anlocken sollte.
Die EU reagierte umgehend mit dem Net-Zero Industry Act und dem Critical Raw Materials Act, um Bürokratie abzubauen und Anreize zu schaffen, mit dem Ziel, eine Kapitalflucht in die USA zu verhindern. Unter der Oberfläche führen die USA und Europa seit Jahren einen lautlosen, schonungslosen Krieg: Auf europäischer Seite geht es darum, das immense industrielle Erbe und damit den Wohlstand aus der Ära der postkommunistischen Globalisierung zu bewahren; auf US-amerikanischer Seite darum, sich auf Kosten Europas zu reindustrialisieren.
Dass dies eines der großen Ziele der USA ist, zeigen auch die unzähligen Besuche von US-Delegationen in Europa, um europäische Unternehmer zur Abwanderung über den Atlantik zu bewegen. Man denke etwa an die Gouverneurin von Michigan, Gretchen Whitmer, die mehrfach Delegationen nach Europa (unter anderem nach Frankreich und Deutschland) anführte, um Unternehmen aus den Bereichen Luft- und Raumfahrt, Verteidigung und Automobilbau anzuwerben. Aber auch Delegationen aus Georgia, Ohio, Indiana und South Carolina führten gezielte «Rekrutierungsmissionen» durch, insbesondere nach Deutschland und Italien, wobei sie offen mit den im Vergleich zum Nach-Krisen-Europa viel niedrigeren Energiekosten in den USA warben.
Ein weiteres eklatantes Beispiel für diesen Versuch eines «industriellen Raubzugs» ist die Niederlassung von Wirtschaftsförderungsagenturen der US-Bundesstaaten in Europa. Ihr Ziel ist es, strauchelnde europäische Unternehmen abzufangen, indem sie spottbilliges Bauland, null Bürokratie und drastisch niedrigere Energiekosten bieten.
Mit der Krise im Persischen Golf, die durch die im Februar dieses Jahres begonnenen US-Bombardierungen im Iran ausgelöst wurde, dürfte dieser verdeckte Krieg zwischen den USA und Europa weiter eskalieren. Durch die Blockade der Straße von Hormus und die partielle Blockade der Meerenge von Bab al-Mandab wurde der ständige Strom von Öl- und Gastankern aus dem Golf nach Europa und Ostasien unterbrochen. Dies führt einerseits zu drastischen Preissteigerungen und erzeugt andererseits massive Versorgungsunsicherheiten in den hochindustrialisierten Staaten.
Außerdem haben die Angriffe der jemenitischen Ansar-Allah-Rebellen (Huthis) auf saudische Ölfelder und Raffinerien sowie Angriffe des Iran im gesamten Golfraum das Problem weiter verschlimmert. So kündigte Katar dieser Tage an, Gaslieferungen an seine Kunden (darunter Italien) unter Berufung auf höhere Gewalt («Force Majeure») vorübergehend auszusetzen.
Erschwerend kommt die ukrainische Strategie hinzu, russische Raffinerien und Treibstoffdepots gezielt anzugreifen, um dem eurasischen Giganten schwere Versorgungsprobleme zu bereiten. Die getroffenen Anlagen gehen mittlerweile in die Dutzende und die Schäden sind enorm. Dies zwang Putin dazu, ein Exportverbot für Treibstoffe zu verhängen; mittlerweile sind sogar Kasachstan und Belarus zu Treibstoffexporteuren nach Russland geworden – ein Zustand, der noch vor zwei Jahren undenkbar gewesen wäre.
In dieser langen, aber notwendigen Aufzählung dürfen weitere Ereignisse nicht vergessen werden: die vorsätzliche Sprengung der Nord-Stream-Pipeline, die russisches Gas direkt nach Deutschland transportierte und als verheerender Schlag gegen die europäische Energiesicherheit gewertet werden kann. Ebenso bedeutsam ist die aktuelle Nachricht über die Schließung der wichtigen libyschen Sarawiya-Raffinerie aufgrund der Instabilität durch bewaffnete Banden in der Region.
Wichtig ist jedoch die Erkenntnis, dass im Grunde alle europäischen Bezugsquellen für Gas, Öl und Treibstoff entweder als gefährdet oder bereits als abgeschnitten gelten müssen. Die einzige Quelle, die nicht nur offen, sondern auch sicher ist, ist die US-amerikanische. Sie ist mittlerweile nicht nur beim Gas, sondern auch beim Treibstoff von zentraler Bedeutung: Jüngsten Daten zufolge stieg der Anteil der Dieselimporte aus den USA von 29 Prozent im Jahr 2025 auf 42 Prozent im Jahr 2026.
In diesem Kontext wird deutlich, dass Trumps Aussage, die USA dächten über einen Stopp der Dieselexporte nach, weit mehr als eine bloße Ankündigung ist; für Europa stellt sie eine veritable existenzielle Bedrohung dar.
In dieser dramatischen Lage könnte ein Stopp der Dieselexporte sogar die gesamte Logistik zum Erliegen bringen oder bestenfalls einen verheerenden Inflationsschub auslösen. Vor allem aber würde es die klare Erkenntnis reifen lassen, dass der Alte Kontinent seine Energiesicherheit verloren hat – kaum anders, als es derzeit in Kuba geschieht oder vor einigen Jahren in Bangladesch der Fall war. Natürlich – und zu unserem Glück – sind wir im Vergleich zu den genannten Ländern wesentlich resilienter, aber der Schaden wäre dennoch immens.
Nur Naive könnten glauben, dass dieses riesige Puzzle, das hier geduldig gegen Europa zusammengesetzt wurde, dem Zufall entspringt: Nord Stream wurde von jemandem sabotiert; eine Konstellation von Satelliten steuert die ukrainischen Drohnen bis zu den sibirischen Raffinerien; und jemand hat den Iran bombardiert, der daraufhin die Schließung von Hormus erzwang. Das alles kann kein Zufall sein. Es ist die nächste Eskalationsstufe im verdeckten Konflikt zwischen Europa und den USA. Und es ist kein Zufall, dass es ausgerechnet die USA sind, die mit der Drohung eines Dieselexport-Stopps eine geladene Pistole auf den Pokertisch gelegt haben, um unmissverständlich klarzumachen, wer in diesem Spiel das Sagen hat.
So paradox es klingen mag: Trumps Glosse, in der er eine Karte des Persischen Golfs postete, auf der die Straße von Hormus in «Straße von Trump» umbenannt wurde, ist etwas sehr viel Ernsteres: Die vom Iran erzwungene Schließung der Meerenge kommt Trump in seiner Auseinandersetzung mit Europa wie gerufen.
Dieser Beitrag wurde mit freundlicher Genehmigung von l'AntiDiplomatico übersetzt und übernommen.
***
Giuseppe Masala , geboren in Sardinien, hat einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften und spezialisierte sich auf «ethische Finanzen». Er hat unter anderem den preisgekrönten Roman «Una semplice formalità» («Eine reine Formalität») veröffentlicht, der auch in Frankreich unter dem Titel «Une simple formalité» erschienen ist.