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Ed Sheeran und Macklemore: Taktik, Kritik am Vorgehen Israels in Palästina als «antisemitisch» abzukanzeln, geht nicht mehr auf

Transition News - 24. September 2026 - 0:09

Normalerweise funktioniert der Mechanismus beinahe wie ein Automatismus: Wer die Politik der israelischen Regierung im Gazastreifen oder im Westjordanland scharf kritisiert – und sei die Kritik noch so sachlich begründet und richte sich ausdrücklich nicht gegen das jüdische Volk, sondern gegen das konkrete Regierungsgebaren –, wird rasch mit dem Vorwurf des Antisemitismus konfrontiert. Das gilt selbst dann, wenn Berichte über ein mögliches «Projekt Auslöschung» die Runde machen, denen zufolge Israel die Lebensbedingungen der Palästinenser im Westjordanland systematisch zerstören wolle.

Selbst Staatschefs wie der französische Präsident Emmanuel Macron sind vor Angriffen nicht gefeit. Bei der UN-Generaldebatte in New York hatte er die Situation im Gazastreifen heftig kritisiert:

«Sollten wir dieses Schauspiel betrachten, das uns alle beschämt? Niemals.» Mancher würde sich mit Blick auf den Gazastreifen eines angeblichen Friedens rühmen. «Aber dieser Frieden hat nicht eine Sekunde lang die humanitären Korridore wieder geöffnet.»

Kritik äußerte Macron auch an der Lage im Westjordanland. Täglich würden dort Verstöße verübt, dabei habe die Hamas dort nicht gewütet. Es gehe auch um die Bedingungen für Sicherheit für Israel. «Aber alle, die vorgeben, dass die Sicherheit Israels über die Verletzung der Souveränität all seiner Nachbarn entsteht, begehen einen fatalen Fehler.» Vielmehr schwächten sie die Sicherheit des Landes, auch für die Zukunft. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu reagierte empört auf die Rede Macrons. In einer Stellungnahme seines Büros sprach Netanjahu von der «grotesken Absurdität» von Macrons Aussagen, die «atemberaubend» seien.

In Deutschland verteidigen Medien wie die Bild oder auch als «alternativ» geltende Portale wie Achgut.com und Nius, deren Gründer Julian Reichelt eine strikt pro-israelische Haltung vertritt und sogar das Töten von Kindern der Gegner Israels nicht per se verurteilt, das Vorgehen der israelischen Regierung regelmäßig mit Vehemenz und brandmarken abweichende Stimmen oft pauschal als antisemitisch.

Macklemore: Kritik an Israels Apartheidspolitik richtet sich in keiner Weise gegen jüdische Menschen

Im Fall des britischen Superstars Ed Sheeran und des US-Rappers Macklemore (eigentlich Benjamin «Ben» Hammond Haggerty) scheint dieser Reflex jedoch ins Leere zu laufen oder gar zu einer Art Bumerang zu werden. Anfang September 2026 trat Macklemore als Support-Act bei Sheerans «Loop»-Tour im MetLife Stadium in New Jersey auf. Bei den Konzerten am 4. und 5. September rief er «Free Palestine!» und führte seinen Protestsong «Hind's Hall» auf. Dabei richtete er sich auch ausdrücklich an seine jüdischen Zuhörer und betonte, dass Kritik an Israel, an Apartheid oder der Vorwurf eines Genozids sich in keiner Weise gegen sie richte.

Macklemore steht damit bei Weitem nicht alleine da. Mitte 2025 etwa hatten sogar etwa 1000 Rabbiner Israel dazu aufgefordert, die Massentötung von Zivilisten zu beenden und Hunger nicht mehr als Kriegswaffe einzusetzen (wir berichteten). Auch hat Francesca Albanese, die UN-Sonderberichterstatterin für die besetzten palästinensischen Gebiete, das Vorgehen der israelischen Regierung in Gaza als Völkermord (Genocide) bezeichnet. Das Gleiche gilt für die UN Independent International Commission of Inquiry on the Occupied Palestinian Territory, die im September 2025 in einem offiziellen Bericht feststellte, dass Israel in Gaza Genozid begehe und höchste israelische Politiker (einschließlich Netanyahu) zu diesen Taten angestiftet hätten (siehe auch diesen TN-Artikel).

Der Titel des Songs bezieht sich auf die Hamilton Hall an der Columbia University. Im April 2024 hatten Studierende das Gebäude besetzt und es «Hind's Hall» genannt – zu Ehren von Hind Rajab, einem sechsjährigen palästinensischen Mädchen, das im Gaza-Krieg getötet wurde. Damit verbindet Macklemore zwei Ebenen: das Schicksal der Menschen in Gaza und den Protest von Studierenden, die von ihren Universitäten unter anderem Desinvestitionen aus Unternehmen mit Israelbezug und einen Waffenstillstand forderten.


Ein Banner hängt an der Hamilton Hall der Columbia University, nachdem Demonstranten das Gebäude besetzt und es zu Ehren des palästinensischen Mädchens Hind Rajab in «Hind's Hall» umbenannt hatten. Hind wurde am 29. Januar 2024 im Alter von fünf Jahren von der israelischen Armee im Gazastreifen getötet, zusammen mit sechs Familienmitgliedern, darunter vier Kindern, sowie zwei Sanitätern, die sie retten wollten; Quelle: Wm3214, CC0, via Wikimedia Commons

Der Song selbst ist unmissverständlich und politisch klar positioniert. Macklemore kritisiert die militärische und finanzielle Unterstützung Israels durch die USA, fordert einen Waffenstillstand, stellt sich ausdrücklich hinter die pro-palästinensischen Studentenproteste, kritisiert die Räumungen und Verhaftungen von Demonstrierenden, wirft der Musikindustrie vor, angesichts des Krieges zu schweigen, kritisiert den damaligen US-Präsidenten Joe Biden wegen seiner Israel-Politik und bezeichnet die israelische Politik gegenüber den Palästinensern unter anderem als «Apartheid» sowie die Kriegsführung in Gaza als «Genozid».

Diese Begriffe sind Teil von Macklemores eigener politischer Position und Gegenstand intensiver politischer und rechtlicher Debatten. Bemerkenswert ist, dass er im Song ausdrücklich zwischen Kritik an Israel beziehungsweise Zionismus und Antisemitismus unterscheidet und auf jüdische Menschen verweist, die sich ebenfalls an den pro-palästinensischen Protesten beteiligten.

Die Reaktion der Stadionbetreiber folgte allerdings prompt. Angeführt von Robert Kraft, dem Eigentümer der New England Patriots und des Gillette Stadium, setzten mehrere Venue-Besitzer den Tour-Promoter unter Druck. Macklemore wurde von den weiteren Terminen der Tour gestrichen. Ed Sheeran distanzierte sich zunächst und erklärte öffentlich: «Dass Macklemore die Tour vorzeitig abgebrochen hat, war die Entscheidung des Veranstalters, nicht meine.» Er fügte hinzu, er sei «entsetzt über den Konflikt zwischen Israel und Palästina» und habe persönliche Ansichten zu dem «verheerenden Konflikt», wolle diese aber nicht öffentlich machen, weil er seine Konzerte als Ort der Einheit und nicht der politischen Spaltung verstehe.

Doch die gewohnte Diskursstrategie, Kritik an der israelischen Regierung pauschal als antisemitisch abzuqualifizieren, verfing diesmal nicht. Im Gegenteil: Sämtliche weiteren Support-Acts – darunter Finneas (der Bruder von Billie Eilish), Lukas Graham, Aaron Rowe und die irische Band Beoga – stiegen aus Protest aus der Tour aus und positionierten sich klar hinter Macklemore und den Palästinensern. Fans und Künstler übten massive Kritik an Sheerans zurückhaltender Haltung. Die walisische Sängerin Charlotte Church griff ihn bei einem eigenen Konzert frontal an:

«Während er Millionen verdient und eine enorme Reichweite hat, hat er eine enorme Plattform, um in der Welt wirklich Gutes zu bewirken. Er hat sich für Konsum und Kapitalismus entschieden, statt das Richtige zu tun. Ed Sheeran, wir beobachten dich. Free Palestine.»

Selbst Stars wie Pink, die sich in politischen Fragen sonst eher zurückhalten und selten zu Nahost-Themen äußern, gerieten in den Fokus der Debatte. Die Sängerin, die seit 2015 als UNICEF-Botschafterin tätig ist und sich vor allem für Gesundheits- und Ernährungsprogramme für Kinder engagiert, hatte Anfang September auf Instagram eine Story der Organisation StopAntisemitism geteilt. Darin wurde Macklemores Auftritt im MetLife Stadium scharf kritisiert und als «anti-israelische Propaganda» bezeichnet, die jüdische Fans «überrumpelt» habe.

Pink erklärte später, sie sei jüdisch geboren und habe sich durch Macklemores Worte an jüdische Zuhörer erschrocken gefühlt. Gleichzeitig betonte sie, sie habe niemals gefordert, einen anderen Künstler zum Schweigen zu bringen oder von der Tour zu streichen, und verwies darauf, dass Kinder auf beiden Seiten des Konflikts unter dem Krieg litten. Doch ihre erste Stellungnahme löste eine massive Gegenreaktion aus.

Eine Gruppe namens «Swifties Against Genocide» startete am 11. September eine Petition auf Change.org mit dem Ziel, Pink als UNICEF-Botschafterin abzusetzen. Die Initiatoren argumentierten, ihre Äußerungen seien mit der Rolle einer Botschafterin der Kinderhilfsorganisation unvereinbar, weil sie Spaltung statt Neutralität und Mitgefühl förderten und die Not palästinensischer Kinder aus dem Blick verlören. Die Petition sammelte innerhalb kurzer Zeit über 150.000 bis 180.000 Unterschriften. Sogar der spanische Schauspieler und Oscar-Preisträger Javier Bardem, der sich seit Längerem öffentlich für die palästinensische Seite einsetzt, teilte die Petition mehrfach in seinen Instagram-Stories und forderte seine Follower auf, sie zu unterstützen.

«Sheeran war einfach zu feige und hat einen Freund verraten»

Sheeran selbst trat am 19. September in Philadelphia erstmals wieder auf – allein, ohne Vorgruppe – und brach am Ende des Konzerts in Tränen aus. Er räumte Fehler ein und sagte vor dem Publikum:

«Was in Gaza geschieht, ist katastrophal, nicht zu rechtfertigen und unverhältnismäßig.»

Gleichzeitig verurteilte er den Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 als «grauenhaft».

Auffällig ist, dass selbst öffentlich-rechtliche Formate in Deutschland wie das TV-Magazin Brisant kritische Stimmen zu Wort kommen lassen, die fordern, Sheeran hätte sich klarer hinter Macklemore stellen müssen. Ein Mann meinte gar:

«Er war einfach zu feige. Ich verstehe nicht, wie jemand mit so viel Geld einen Freund einfach verraten kann.»

Eine weitere Stimme kritisierte:

«Es wurde klar, dass sich Sheeran sozusagen den wirtschaftlichen Interessen gebeugt hat und dem, was die Stadionbesitzer wollen. Das hat mich total abgestoßen. Als ehemaliger Fan fühle ich mich verraten.»

In einem auf Responsible Statecraft erschienenen Artikel wird die These aufgestellt, der Druck auf Sheeran und seine Tour verändere die Pop-Bühne nachhaltig und zeige, dass politische Positionierungen von Künstlern zunehmend Konsequenzen nach sich ziehen (können):

«In den letzten Jahren haben pro-israelische Befürworter aggressiv versucht, die Meinungsäußerung im Zusammenhang mit dem andauernden Israel-Palästina-Konflikt zu zensieren und zu kontrollieren, insbesondere in den Vereinigten Staaten, und das oft mit beachtlichem Erfolg.

Diesen Monat könnten die zionistischen Zensoren endlich ihren Meister gefunden haben – in der Welt der Popmusik. Ähnlich wie die Popkultur in den 80er Jahren die Südafrikaner mit großem Engagement unterstützte, ist es heute plötzlich nicht mehr akzeptabel, der Cancel Culture der Israel-Lobby nachzugeben.»

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78-jährige Bündnerin sammelt 15'781 Unterschriften – Rekord für Bargeld-Initiative

Transition News - 24. September 2026 - 0:08

4000 Unterschriften wären nötig gewesen. Berta Caminada brachte gleich 15'781 beglaubigte Unterschriften zusammen. Die Unterstützung für das Anliegen der bislang politisch nicht aktiven Rentnerin kam aus allen 100 Bündner Gemeinden. Nach ihren Angaben wurde ihr bestätigt, dass damit ein neuer Rekord für eine kantonale Initiative in Graubünden erreicht wurde.

Caminada will das Bargeld im öffentlichen Alltag erhalten. Ihre Initiative verlangt, dass dort, wo der Kanton oder staatsnahe Betriebe Leistungen anbieten, weiterhin mit Bargeld bezahlt werden kann. Das betrifft etwa den öffentlichen Verkehr, Parkautomaten oder öffentliche Toiletten. Digitale Zahlungsmöglichkeiten sollen weiterhin angeboten werden – sie sollen die Barzahlung aber nicht verdrängen.

Auslöser für Caminadas Engagement war der Fahrplanwechsel im vergangenen Dezember. Im Bündner Postauto wurde der Verkauf von Einzeltickets beim Fahrpersonal eingestellt. Stattdessen stehen in den Bussen Automaten zur Verfügung, die unter anderem Kreditkarten, Twint, SwissPass oder eine Wertkarte akzeptieren. Die Wertkarte kann zwar weiterhin beim Fahrpersonal bar gekauft werden, für Caminada ist das aber keine gleichwertige Lösung.

Aus einem persönlichen Ärgernis wurde damit innerhalb kürzester Zeit eine politische Kampagne. Bereits wenige Tage nach Beginn der Unterschriftensammlung hatte Caminada rund 8000 Unterschriften zusammen. Am Ende waren es fast doppelt so viele.

Das 14-köpfige Initiativkomitee erachtet das Ergebnis als deutliches Signal. Es sieht darin Unterstützung für Menschen, die digitale Zahlungsmittel nicht nutzen können oder wollen und deshalb weiterhin auf Bargeld angewiesen sind.

Nun geht der Ball an die Politik. Als Nächstes muss sich der Bündner Großrat mit der Initiative befassen. Kommt es zu keiner entsprechenden Lösung, entscheidet letztlich das Bündner Stimmvolk an der Urne über die Frage, ob Bargeld bei staatlichen und staatsnahen Dienstleistungen weiterhin garantiert angeboten werden soll.

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Nattokinase baut Spike-Proteine und Blutgerinnsel ab und verringert Ablagerungen in den Arterien

Transition News - 24. September 2026 - 0:06

Wir haben bereits mehrmals über die gesundheitlichen Vorteile von Nattokinase berichtet, insbesondere im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und den Nebenwirkungen der Injektionen gegen «COVID» (zum Beispiel hier und hier).

In Japan werden Sojabohnen seit etwa 1000 Jahren speziell fermentiert, um «Natto» herzustellen. Im Jahr 1973 wurde dann das Enzym «Nattokinase» aus den Bakterien isoliert, die für die Fermentierung der Sojabohnen zuständig sind. Studien haben gezeigt, dass dieses Enzym Blutgerinnsel auflösen kann. Es kann oral verabreicht werden.

Nun hat ein Team um den Epidemiologen Nicolas Hulscher Jahrzehnte an Evidenz zusammengetragen, um die vielfältigen Wirkungen von Nattokinase zu bewerten. Das Enzym kann demnach fehlerhafte Eiweiß-Ablagerungen (Amyloide) und ungewöhnliche Minigerinnsel auflösen sowie das körpereigene Blutgerinnsel-System unterstützen. Zudem kann es den Blutdruck senken, ein Verklumpen der Blutplättchen verhindern und Kalk- sowie Fettablagerungen in den Arterien abbauen. Ebenso konnte eine Wirkung gegen das Spike-Protein ermittelt werden. Dieses ist Bestandteil der Injektionen gegen «COVID» und kommt im angeblich neuen Virus SARS-CoV-2 vor.

Die Arbeit entstand in Zusammenarbeit mit The Wellness Company und der McCullough Foundation. Hulscher zufolge stellt sie eine der bisher umfassendsten Evaluierungen von Nattokinase dar. Etwas detaillierter konnten in der Studie folgende Wirkungen festgestellt werden:

  • Beseitigung schädlicher Proteine: In Labortests baut Nattokinase das SARS-CoV-2-Spike-Protein erfolgreich ab, selbst wenn es an der Oberfläche von Zellen haftet. Es löst außerdem verschiedene Arten von Amyloiden auf, die sich im Körper ansammeln und Schäden verursachen können.
  • Auflösung hartnäckiger Blutgerinnsel: Nattokinase ist außergewöhnlich gut darin, Blutgerinnsel abzubauen. Es kann schwer zu beseitigende Mikrogerinnsel direkt auflösen, indem es sowohl das Gerinnsel selbst als auch das Spike-Protein angreift, das zu dessen Bildung beiträgt. Dazu gehören auch hartnäckige, ungewöhnliche Gerinnsel, die mit Langzeitsymptomen nach COVID-19-mRNA-«Impfungen» in Verbindung gebracht werden. Zusätzlich zum direkten Abbau von Gerinnseln unterstützt Nattokinase das körpereigene natürliche System zur Gerinnselauflösung, indem es ein Protein deaktiviert, das diesen Prozess normalerweise verlangsamt.
  • Befreiung von Arterien und Blutdrucksenkung: Studien am Menschen zeigen, dass die tägliche Einnahme höherer Mengen an Nattokinase (etwa 6.000 FU pro Tag oder mehr) dazu beitragen kann, Plaque-Ablagerungen in den Hauptarterien des Halses um etwa 36 % zu verringern. Niedrigere Dosen zeigten diesen Effekt nicht. Das deutet darauf hin, dass eine höhere Menge erforderlich ist, um arterielle Verstopfungen zu beseitigen. Außerdem sorgt das Enzym für einen leichten Rückgang des Gesamtblutdrucks und hilft dabei, zu starkes Verklumpen der Blutplättchen zu verhindern.

Die Wirkung von Nattokinase ist somit nicht nur im Reagenzglas erwiesen. Bei oraler Einnahme gelangt es in den Blutkreislauf und verbessert bereits innerhalb weniger Stunden die Durchblutungswerte. Langzeitstudien in Japan zeigten, dass Menschen, die regelmäßig Natto essen, ein um 25 Prozent geringeres Risiko haben, an einer Herzerkrankung zu sterben, und ein um 32 Prozent reduziertes Risiko eines tödlichen Schlaganfalls. Den Studien zufolge ist es im Allgemeinen sehr sicher und gut verträglich. Allerdings wird Personen, die verschreibungspflichtige Blutverdünner einnehmen oder schwanger sind, empfohlen, zunächst einen Arzt zu konsultieren.

Hulschers Fazit:

«Nattokinase ist kostengünstig, oral verabreichbar, bereits weit verbreitet und bietet enorme Chancen für die Senkung des kardiovaskulären Risikos in der Zeit nach COVID. Die wichtigste offene Frage ist nicht mehr, ob Nattokinase diese Zielstrukturen unter experimentellen Bedingungen abbauen kann. Das kann es.

Die entscheidende Frage für die klinische Anwendung lautet, ob oral verabreichtes Nattokinase zirkulierendes oder im Gewebe vorhandenes Spike-Protein, fibrinaloide Mikrogerinnsel und andere pathologische Protein-Zielstrukturen in Konzentrationen erreicht, die hoch genug sind, um diese Effekte beim Menschen zu reproduzieren.»

Laut dem Epidemiologen verdient das Enzym nun groß angelegte klinische Studien über die Senkung des kardiovaskulären Risikos und für andere Anwendungen im Zusammenhang mit Impfschäden. Das Team plant, einige dieser Studien in Kürze zu starten. Insbesondere sollen die potenziellen Spike-reduzierenden Wirkungen des Produkts «Ultimate Spike Detox», das 8.000 FU Nattokinase enthält, an einer großen Teilnehmerkohorte untersucht werden.

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Pestiziden ausgesetzte Schwangere haben ein erhöhtes Risiko für Schwangerschaftsdiabetes

Transition News - 24. September 2026 - 0:04

Eine bereits Anfang des Jahres veröffentlichte Studie verdeutlicht, wie wichtig es ist, auf Pestizide zu verzichten, die mit gesundheitlichen Folgen verbunden sind – nicht nur für diejenigen, die Pestizide versprühen oder in deren Umfeld arbeiten, sondern auch für Anwohner. Über die Arbeit berichtet nun The Defender.

Die Forscher stellten fest, dass eine erhöhte Exposition gegenüber Pyrethroid- und Organophosphat-Insektiziden im Umkreis von 500 Metern um Wohngebiete mit einem erhöhten Risiko für Schwangerschaftsdiabetes (GDM) verbunden ist, sowohl im Zeitraum vor der Empfängnis als auch im dritten Trimester. Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) schreiben:

«Schwangerschaftsdiabetes tritt auf, wenn Ihr Körper während der Schwangerschaft nicht genug Insulin produzieren kann. Insulin ist ein Hormon, das von Ihrer Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Es wirkt wie ein Schlüssel, der den Blutzucker in die Zellen Ihres Körpers lässt, damit er dort als Energiequelle genutzt werden kann.»

Diese Forschung ist laut The Defender nur möglich, weil Arizona einer der wenigen Bundesstaaten in den USA ist, der gewerbliche und landwirtschaftliche Pestizidanwender verpflichtet, Menge, Art und Ort (innerhalb eines Systems von einer Quadratmeile) ihrer Sprühanwendungen zu melden.

In der Studie wurden 18 Wirkstoffe analysiert. Die Forscher untersuchten Zusammenhänge zwischen der Pestizidbelastung und Schwangerschaftsdiabetes in vier entscheidenden Zeitfenstern – vor der Empfängnis, im ersten Trimester, im zweiten Trimester und im dritten Trimester. Zu den wichtigsten Ergebnissen gehören:

  • «Eine Exposition gegenüber Organophosphaten (Acephat und Ethephon) im dritten Trimester ist bei den exponierten Müttern mit einem um 34 % bzw. 89 % erhöhten Risiko für Schwangerschaftsdiabetes verbunden.»
  • Die Forscher «stellten für mehrere Pyrethroide» (Beta-Cyfluthrin, Bifenthrin, Cypermethrin und Permethrin) in der Zeit vor der Empfängnis oder im ersten Trimester höhere Risikoverhältnisse im Bereich von 1,17 bis 2,13 fest.
  • Die Chlorpyrifos-Exposition bei Schwangeren war mit einem «um 35 % erhöhten Risiko für Schwangerschaftsdiabetes im Vergleich zu den nie exponierten Frauen» verbunden.
  • Während bestimmte Pestizidklassen und Wirkstoffe mit einem erhöhten GDM-Risiko korrelieren, ergab die allgemeine Pestizidexposition keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen der exponierten (8,1 %) und der nicht exponierten Gruppe (7,8 %).

The Defender zufolge dürfen die Auswirkungen der Pestizidbelastung auf die Bevölkerung durch verschiedene Aufnahmewege (den Mund, die Haut usw.) angesichts der überwältigenden wissenschaftlichen Belege für akute und chronisch gesundheitsschädliche Auswirkungen nicht unterschätzt werden.

Als Beispiel früherer Forschung erwähnt das Portal eine tschechische Studie, in der der Hausstaub in 116 Haushalten untersucht wurde. Dabei wurde festgestellt, dass 93 Prozent der Haushalte in städtischen und ländlichen Gebieten Rückstände von mindestens einem derzeit verwendeten Pestizid enthielten.

Die Arbeit fand zudem Rückstände von Hexachlorbenzol und Pentachlorbenzol, den Abbauprodukten oder Nebenprodukten bestimmter verbotener organochlorhaltiger Pestizide. Diese Verbindungen sowie die DDT-Metaboliten DDE und DDD wurden in mehr als der Hälfte der untersuchten Haushalte nachgewiesen.

Die Ergebnisse dieser Studie und früherer Untersuchungen bestätigen gemäss The Defender, dass im Außenbereich eingesetzte Pestizide ihren Weg in Innenräume finden. Das führe zu einem Expositionsmuster, das bei der Zulassung und Markteinführung von Pestiziden nicht berücksichtigt wird.

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Erneut Schulstreiks gegen den «neuen Wehrdienst»

Transition News - 24. September 2026 - 0:02

Am kommenden Freitag, den 25. September, werden deutschlandweit wieder Schulstreiks gegen die neue Wehrpflicht stattfinden. Schüler in zahlreichen Städten wollen sich daran beteiligen. Der inzwischen vierte Aktionstag dieser Art seit Dezember 2025 wurde bereits im vergangenen Juli beschlossen, bekommt jedoch gerade neue Brisanz.

Entgegen anderslautenden Aussagen seitens der Politik wurden in der letzten Zeit auch bereits etliche junge Männer zur militärischen Musterung vorgeladen, die in dem Fragebogen zur Wehrerfassung kein Interesse am Kriegsdienst bekundet hatten. Zwar ist nach dem neuen Wehrdienstgesetz die Tauglichkeitsprüfung für Männer ab 18 Jahren grundsätzlich verpflichtend, jedoch sollte dies erst ab Juli 2027 flächendeckend greifen.

Der «neue Wehrdienst» sei freiwillig, nur Bereitschaftserklärung und Musterung seien Pflicht, betonen Bundeswehr und Bundesministerium der Verteidigung. Das gilt für Männer ab dem Geburtsjahrgang 2008; für «Personen anderen Geschlechts» ist beides freiwillig. Die Bewegung «Schulstreik gegen Wehrpflicht» hat diesbezüglich Bedenken und befürchtet:

«Heute zwingen sie uns zur Musterung, morgen zur Wehrpflicht.»

Die Proteste richten sich auch gegen die zunehmende Militarisierung, man bezeichnet sich als «Bündnis gegen Wehrpflicht, Aufrüstung und Krieg». Der aktuelle Termin ist gezielt gewählt. Zum einen fällt er in die Woche des sogenannten Weltfriedenstags der UN (21.9.), zum anderen werden die Schüler während der groß angelegten Militärübung «Red Storm Charlie» (24. bis 26.9.) streiken, die der Kriegsvorbereitung diene.

Unter dem Slogan «Hamburg übt für den Ernstfall» findet diese innerstädtische Übung der Bundeswehr ab Donnerstag statt. Wie bereits im vergangenen Jahr werde man dabei «die Verlegung von Truppen und Material an die Ostflanke des Bündnisgebietes» trainieren, heißt es, diesmal mit erweitertem Kreis an Beteiligten.

Die Stadt Hamburg weist darauf hin, dass durch die «Übung zur Stärkung der gesamtstaatlichen Verteidigung» im Stadtgebiet mit erhöhtem Fluglärm durch Hubschraubereinsatz zu rechnen sei – am ersten Tag sogar bis Mitternacht. An den übrigen Tagen sei der «Übungsbetrieb», bei dem auch ein Helikopter des Typs «Super Puma» zum Einsatz komme, lediglich in den hellen Tagstunden geplant.

Die Initiative «Schulstreik gegen Wehrpflicht» kündigt schon weitere Aktionen an. Am 2. Oktober werde man sich an der Konzertkundgebung «Unzwingbar – Kein Bock auf Krieg und Wehrpflicht!» in Berlin beteiligen. Und am 3. Oktober stehen in Berlin und Stuttgart Demonstrationen unter dem Motto «Nein zu Hochrüstung, Wehrpflicht und Krieg!» an.

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33. Musa-Anter-Journalismuspreis in Amed vergeben

In Amed (tr. Diyarbakır) ist der 33. Musa-Anter-Journalismuspreis vergeben worden. Bei der vom Journalistenverein Dicle Fırat (DFG) ausgerichteten Veranstaltung wurden Medienschaffende in mehreren Kategorien ausgezeichnet. Im Mittelpunkt standen zugleich die Erinnerung an ermordete Journalist:innen und der anhaltende Kampf von Medien in der Tradition der freien kurdischen Presse gegen Repression und Zensur.

An der Preisverleihung im Kongresszentrum ÇandAmed nahmen neben zahlreichen Journalist:innen auch Angehörige ermordeter Medienschaffender sowie Vertreter:innen politischer Parteien und zivilgesellschaftlicher Organisationen teil. Auf einer Großleinwand wurden Bilder von Journalist:innen gezeigt, die ihr Leben verloren haben. Die Veranstaltung begann mit einer Schweigeminute und dem Ruf „Şehid namirin“.

Önel: Hindernisse für journalistische Arbeit bestehen fort

Kesira Önel, Ko-Vorsitzende von DFG, verwies auf die jahrzehntelange Geschichte der kurdischen Presse und die dafür gebrachten Opfer. „Die Tradition der freien Presse hat sich über viele Jahre hinweg trotz aller Repression, Zensur, Inhaftierungen und ungeklärten Morde mit ihrem Widerstand behauptet“, sagte sie.

Mit Blick auf den Prozess für Frieden und eine demokratische Gesellschaft machte Önel deutlich, dass sich die Situation für Journalist:innen bislang nicht grundlegend verändert habe: „Wir sind als freie Presse noch nicht an einem Punkt, an dem wir die Auswirkungen dieses Prozesses spüren können. Die Hindernisse für die Ausübung unseres Berufs sind noch immer nicht beseitigt.“ Die Medien trügen Verantwortung dafür, zu einer Sprache des Friedens zurückzukehren. „Wir möchten zugleich betonen, wie wichtig es ist, die Repressionspolitik gegenüber den Medien so schnell wie möglich zu beenden und gesetzliche Schritte einzuleiten.“

In einer Grußbotschaft würdigte der Verband freier Medien (YRA) Musa Anter als Symbol einer journalistischen Tradition, die Wahrheit als gesellschaftliche Verantwortung begreift. „Apê Musa ist nicht nur der Name eines Journalismuspreises“, hieß es darin. Er stehe für einen Journalismus, „der Wahrheit als Verantwortung begreift, Worte zu einer Haltung macht und die Verteidigung des Rechts der Gesellschaft auf Information zu einer zeitlosen Aufgabe werden lässt“. Sein Vermächtnis lebe in den Generationen von Journalist:innen fort, die sich trotz Repression, Inhaftierung und Zensur nicht davon abbringen ließen, nach der Wahrheit zu suchen.

Göktepe: „Er bezahlte mit seinem Leben“

Meryem Göktepe, Schwester des ermordeten Journalisten Metin Göktepe, erinnerte an Musa Anter und dessen Einsatz für Journalismus und Frieden. „Musa Anter bezahlte in diesem Land mit seinem Leben dafür, die Wahrheit zu schreiben und in seiner eigenen Sprache und mit seiner eigenen Wahrheit zu sprechen.“ Göktepe erinnerte zugleich an ihren Bruder, der 1996 in Polizeigewahrsam zu Tode gefoltert wurde: „Mein Bruder Metin war losgegangen, um über eine Beerdigung zu berichten. Er tat lediglich seine Arbeit. Er verteidigte unser Recht auf Information und wollte verhindern, dass die Wahrheit vertuscht wird. Er wurde zu Tode gefoltert.“ Die Aufgabe der nachfolgenden Generationen sei es, diesen Kampf fortzuführen: „Wir dürfen niemals aufhören, die Wahrheit zu schreiben und Frieden zu fordern. Das war der Traum von Musa Anter, von meinem Bruder Metin und von Gurbetelli Ersöz.“

Preis für Emrullah Acar

Im Anschluss wurden die diesjährigen Preise in den verschiedenen Kategorien vergeben. Den ersten Preis für Videoberichterstattung erhielt MA-Korrespondent Emrullah Acar für seine Reportage „Mit 88 Jahren auf der Suche nach einem Grabstein – von Straßburg zum Cûdî“. Darin begleitet er die 88-jährige Fatime auf ihrer Suche nach den Spuren ihres Kindes. Acar nahm die Auszeichnung von der Friedensmutter Xece Yaşar entgegen und widmete sie Fatime, den Samstagsmüttern und den gefallenen Medienschaffenden der freien Presse.

„Dieses Video erzählt eine Geschichte des Widerstands und der Suche nach Wahrheit“, sagte Acar. Solange Mütter wie Fatime nach ihren Kindern suchten, würden auch „unsere Kameras und unsere Stifte ihren Rufen und ihren Stimmen folgen“. Niemand könne die Wahrheit am Cûdî im Dunkeln lassen: „Solange wir unsere Kameras in den Händen halten, werden wir das Auge der Berge, der Schrei der Mütter und die Stimme der Wahrheit sein.“

Auszeichnungen für kurdischsprachige Berichterstattung

In der Kategorie kurdischsprachige Nachrichten ging der erste Preis an Nedim Oruç von Ajansa Welat für seinen Beitrag „Dek û dolabên rêveberên AKPê yên Şirnexê“. Die Auszeichnung widmete er Menschen, die im Kampf ihr Leben verloren haben und von denen nicht einmal Fotografien existieren. Eine Anerkennung erhielt Heval Önkol von Ajansa Welat für den zazaischsprachigen Beitrag „Yado û Telî Xanîme Pîya Ameyî Qirkerdene“. Önkol erklärte, für ihn sei besonders bedeutsam, bei seiner ersten Teilnahme mit einer Arbeit in seiner eigenen Sprache ausgezeichnet worden zu sein.

Den ersten Preis für Fotografie erhielt Ardıl Batmaz für „Yitirilenlerin Işığında“, eine weitere Auszeichnung ging an Sultan Kılıç von Dokuz8 Haber für ihre Arbeit „Rojin İçin Adalet“. Kılıç nahm den Preis von Nizamettin Kabaiş, dem Vater von Rojin Kabaiş, entgegen. Kabaiş bekräftigte, die Familie werde ihren Kampf um die Aufklärung des Todes seiner Tochter fortsetzen.

Preise für türkischsprachige Beiträge

In der türkischsprachigen Kategorie wurden Filiz Gazi und Özlem Temena von Evrensel für ihre Recherche „Fabrikalarda Uzuv Kayıplı Kaza Gerçeği“ über schwere Arbeitsunfälle ausgezeichnet. Der zweite Preis ging an Reyhan Hacıoğlu von Yeni Yaşam für „Kürdün Dağı Taşı Yağmalanıyor“, der dritte an Tuğçe Yılmaz von Bianet für „Trans Kadın Öğretmen Zoe Hedef Gösterildi, İşine Son Verildi“. Den Sonderpreis der Jury erhielt Irfan Aktan für „Kandil Dağlarında Üç Gün“.

Der Karikaturpreis wurde an den seit 30 Jahren inhaftierten Mahmut Ulusan vergeben. Den nach dem in diesem Jahr verstorbenen Journalisten Hüseyin Aykol benannten Pressefreiheitspreis erhielt die Hilfsorganisation MEBYA-DER. Aykols Ehefrau Nuray Çevirmen Aykol überreichte die Auszeichnung an die Friedensmutter Menice Yeni. Die Preisverleihung endete mit dem gemeinsamen Ruf: „Die freie Presse lässt sich nicht zum Schweigen bringen.“

https://deutsch.anf-news.com/pressefreiheit/-51995 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/-52801 https://deutsch.anf-news.com/pressefreiheit/-51271

 

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‘NAZA’ is forcing Israelis to reflect. But we Palestinians are not your mirror

Our suffering cannot be the backdrop for an internal Israeli morality tale: Confronting Israel’s crimes in Gaza means taking action to stop them.

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Ständerat bremst UBS-Chef Ermotti aus: 90 Prozent Eigenkapital für UBS-Auslandstöchter

Transition News - 23. September 2026 - 20:17

UBS-Chef Sergio Ermotti hat im Streit um die künftigen Eigenkapitalregeln im Ständerat eine deutliche Niederlage erlitten. Mit 29 Ja-Stimmen setzte sich ein Kompromiss von Mitte-Ständerat Peter Hegglin durch: Die Auslandstöchter der UBS sollen zu 90 Prozent mit hartem Eigenkapital unterlegt werden. Die Schweizer FDP-Finanzministerin, Bundesrätin Karin Keller-Sutter, hatte 100 Prozent verlangt, während eine von der Zürcher Ständerätin Tiana Moser (GLP) und mehreren bürgerlichen Ständeräten unterstützte Variante nur 50 Prozent hartes Kernkapital und bis zu 50 Prozent AT1-Anleihen vorgesehen hätte.

Für Ermotti war das Ergebnis nach eigenem Bekunden der «schlimmstmögliche Fall». Eine 90- oder 100-Prozent-Lösung bezeichnete er als «zwei blaue Augen und eine gebrochene Nase». Er warnte vor jährlich rund drei Milliarden Dollar Zusatzkosten und Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit der UBS. Die genaue Höhe der Kosten ist allerdings umstritten; der Bundesrat rechnet mit tieferen Beträgen.

Damit ist die Auseinandersetzung aber noch lange nicht beendet. Nach dem Entscheid des Ständerats geht die Vorlage in den Nationalrat. Faktisch geht es dabei vor allem um die Frage, wie viel Eigenkapital die UBS künftig für ihre Auslandstöchter halten muss. Ermotti hat aber wenig Chancen, das Blatt dort noch zu wenden.

Der Tessiner hatte dieser Tage eine bemerkenswerte Botschaft an die Schweiz gesendet: Wenn Bern der UBS mehr Eigenkapital abverlangt, gehe es angeblich nicht mehr nur um eine Bank. Es gehe um die Schweiz.

Das ist eine bemerkenswert arrogante Gleichsetzung. Denn die Schweiz ist ein Land. Die UBS ist eine Bank. Und selbst eine sehr große Bank ist nicht mit dem Gemeinwesen identisch.

Ermotti argumentiert, strengere Kapitalvorschriften (wir haben hier darüber berichtet) gefährdeten die Wettbewerbsfähigkeit der UBS und damit letztlich den Finanzplatz und die Schweizer Wirtschaft. Genau diese Argumentationslinie ist aus der Bankenwelt nicht neu.

Die UBS ist nicht einfach irgendein Unternehmen, das einen schlechten Börsenkurs hatte. 2008 geriet sie in eine existenzielle Krise. Der Bund und die Schweizer Nationalbank (SNB) mussten eingreifen; der Bund stützte die UBS mit sechs Milliarden Franken, während die SNB problematische UBS-Vermögenswerte von bis zu 60 Milliarden Dollar in einen Stabilisierungsfonds übernahm. Letztendlich machten der Staat und die SNB unter dem Strich zwar mehrere Milliarden Franken Gewinn – doch das ist bei einer allfälligen weiteren Rettung keineswegs gegeben.

Mit anderen Worten: Als die Risiken tatsächlich eintraten, musste die Schweiz die UBS retten. Gerade deshalb stellt sich heute die Frage, wie viel Risiko ein systemrelevantes Institut eingehen können soll, ohne dass am Ende erneut die öffentliche Hand betroffen ist.

Die UBS selbst stellt die heutige Situation natürlich anders dar. Sie betont, ihr Geschäftsmodell seit 2008 grundlegend verändert und ihre Kapitalpuffer deutlich erhöht zu haben. Das gehört zur Debatte dazu. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass jede zusätzliche Kapitalanforderung eine Gefahr für die Schweizer Wirtschaft ist.

Genau hier liegt der politische Kern der Auseinandersetzung: Die UBS argumentiert aus ihren unternehmerischen Interessen, während Bundesrätin Keller-Sutter die Frage stellt, wer die Risiken trägt, die eine Bank im Ausland eingeht – die Aktionäre oder die Schweizer Steuerzahlenden. Sie warnte zudem: «Die größte Gefahr für die Arbeitsplätze der Banken ist die Krise, nicht die Krisenvorsorge.»

Bemerkenswert ist auch der Verlauf der Abstimmung. Zunächst setzte sich die 50/50-Variante mit 23 zu 22 Stimmen knapp durch. Danach wechselten eine Ständerätin und sechs Ständeräte von FDP und Mitte die Seite, worauf sich der 90-Prozent-Kompromiss durchsetzte.

Das ist keine Angelegenheit, die Ermotti für die Schweiz entscheiden kann. Er kann argumentieren, lobbyieren und warnen. Aber über die Eigenkapitalregeln entscheiden Parlament und gegebenenfalls später die Stimmberechtigten.

Und genau deshalb gehört diese Auseinandersetzung ins Parlament. Die Frage lautet letztlich nicht, welche Kapitalausstattung für die UBS am bequemsten ist, sondern welche Regeln für eine systemrelevante Großbank gelten sollen. Nach dem Ständerat ist nun der Nationalrat an der Reihe.

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Altersvorsorge ab 2027: 900 Euro Zuschuss noch kurz vor der Rente

Wer nur noch wenige Jahre bis zur Rente hat, sollte das neue Altersvorsorgedepot nicht vorschnell abhaken. Schon mit 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr kommen 180 Euro staatliche Zulage hinzu. Wer fünf Jahre einzahlt, erhält damit 900 Euro Förderung: zusätzlich zum eigenen Geld.

Das neue System startet zum 1. Januar 2027. Die Reform ist beschlossen; bestehende Riester-Verträge dürfen weiterlaufen. Neue Verträge nach dem bisherigen Riester-Modell können Sie ab 2027 jedoch nicht mehr abschließen.

Susen zahlt 1.800 Euro ein – der Staat legt 900 Euro dazu

Ein fiktives Beispiel zeigt, warum das Altersvorsorgedepot selbst kurz vor der Rente noch Vorteile bringt.

Susen aus Worpswede bei Bremen plant ihren Rentenbeginn in fünf Jahren. Sie möchte kein großes neues Vorsorgeprojekt mehr starten, will aber jedes Jahr 360 Euro (30 Euro im Monat) zurücklegen.

Nach den ab 2027 geltenden Förderregeln erhält sie für jeden dieser ersten 360 Euro Eigenbeitrag 50 Cent Grundzulage. Damit fließen jährlich weitere 180 Euro in ihren Vertrag.

Nach fünf Jahren ergibt sich ohne Kursgewinne oder Verluste folgende Rechnung: Eigene Einzahlungen: 5 × 360 Euro = 1.800 Euro. Staatliche Grundzulage: 5 × 180 Euro = 900 Euro. Im Altersvorsorgedepot: 2.700 Euro

Hinzu oder davon abgehen können Wertentwicklung und Vertragskosten. Die 900 Euro sind zunächst die Zulagen, die zusätzlich zu Susens Eigenbeiträgen in den Vertrag fließen.

Gerade die ersten 360 Euro werden besonders stark gefördert

Die neue Förderung funktioniert anders als bei der bisherigen Riester-Rente. Bis zu einem Eigenbeitrag von 360 Euro pro Jahr zahlt der Staat 50 Cent Grundzulage je eingezahltem Euro.

Wer 360 Euro einzahlt, erhält also 180 Euro dazu.

Für weitere Einzahlungen zwischen 361 Euro und 1.800 Euro sinkt die Förderung auf 25 Cent je Euro. Bei einem Eigenbeitrag von insgesamt 1.800 Euro erreicht die Grundzulage maximal 540 Euro pro Jahr.

Für Menschen wie Susen ist deshalb gerade die erste Förderstufe wichtig: Auf 360 Euro Eigenbeitrag kommen 180 Euro Zulage. Das entspricht einer Zulage von 50 Prozent des Eigenbeitrags.

Bei der Auszahlung gibt es einen Haken

Das geförderte Altersvorsorgedepot ist kein normales Wertpapierdepot, aus dem Sparer jederzeit Geld entnehmen können.

Während der Ansparphase bleiben die entsprechenden Erträge im geförderten System steuerlich begünstigt; die Leistungen in der Auszahlungsphase müssen Sie später versteuern.

Wie stark dieser Effekt Susen tatsächlich trifft, hängt von ihrem persönlichen steuerpflichtigen Einkommen im Alter ab. Eine hohe Zulage während der Ansparzeit dürfen Sie deshalb nicht isoliert betrachten.

Das Geld muss grundsätzlich bis ins hohe Alter verteilt werden

Beim Rentenbeginn stehen grundsätzlich zwei Wege zur Verfügung. Das Kapital kann eine lebenslange Leibrente finanzieren oder über einen Auszahlungsplan ausgezahlt werden.

Der Auszahlungsplan muss mindestens bis zum vollendeten 85. Lebensjahr laufen. Noch nicht ausgezahltes Kapital eines solchen Auszahlungsplans kann vererbbar bleiben.

Das schränkt die Flexibilität gegenüber einem gewöhnlichen privaten Depot erheblich ein.

Eine Ausnahme gibt es direkt zu Beginn der Auszahlungsphase: Bis zu 30 Prozent des vorhandenen Kapitals dürfen auf einmal ausgezahlt werden.

Für Susen könnte eine Ausnahme infrage kommen

Für Menschen, die erst kurz vor der Rente beginnen, kann die sogenannte Kleinbetragsrente interessant werden. Ergibt das angesparte Kapital nur eine sehr geringe monatliche Leistung, darf der Vertrag vollständig abgefunden werden.

Maßgeblich ist eine Grenze von 1,5 Prozent der monatlichen Bezugsgröße nach § 18 SGB IV. Diese Regel gilt ab 2027 auch entsprechend für Auszahlungspläne.

Die monatliche Bezugsgröße beträgt 2026 3.955 Euro. 1,5 Prozent davon entsprechen rund 59,33 Euro. Für einen Rentenbeginn in späteren Jahren zählt jedoch die dann maßgebliche Bezugsgröße.

Susen kann also nicht schon heute davon ausgehen, dass sie das Geld auf einmal bekommt. Entscheidend sind das später vorhandene Kapital, die Berechnung der monatlichen Leistung und die dann geltende Bezugsgröße.

Kurz vor der Rente fehlt der lange Zinseszinseffekt

Ein 25-Jähriger kann sein Geld Jahrzehnte am Kapitalmarkt arbeiten lassen. Susen hat dafür nur wenige Jahre. Der Zinseszinseffekt spielt bei ihr deshalb eine wesentlich kleinere Rolle. Gleichzeitig bedeutet eine kurze Laufzeit, dass Kursverluste weniger Zeit haben, sich wieder auszugleichen.

Das ist bei einem Altersvorsorgedepot ohne Kapitalgarantie wichtig. Die Reform erlaubt ausdrücklich Depots mit Kapitalmarktanlagen wie Fonds und ETFs.

Die staatliche Zulage schützt also nicht davor, dass der Depotwert schwankt.

Mehr einzahlen lohnt sich nicht immer

Susen könnte statt 360 Euro auch 1.800 Euro jährlich einzahlen. Dann würde sie die maximale Grundzulage von 540 Euro erhalten.

Die zusätzlichen 1.440 Euro oberhalb der ersten Förderstufe bringen aber nur noch 25 Cent Zulage je Eigenbeitrags-Euro. Deshalb verändert sich das Verhältnis zwischen Eigenbeitrag und Zulage.

Hinzu kommen die spätere Besteuerung, die Wertentwicklung und die Produktkosten. Ob höhere Beiträge sinnvoll sind, lässt sich nicht allein aus der Höhe der staatlichen Förderung ableiten.

Auch Kinder können die Förderung deutlich erhöhen

Für Eltern gibt es zusätzlich eine Kinderzulage. Ein zulageberechtigter Elternteil erhält je Kind für jeden eigenen Euro bis zu einem Eigenbeitrag von 300 Euro einen weiteren Euro Kinderzulage. Maximal sind damit 300 Euro je Kind und Jahr möglich. Damit kann sich die Rechnung erheblich verändern.

Nicht bis Ende 2026 zum Abschluss drängen lassen

Die neuen Altersvorsorgeprodukte werden ab dem 1. Januar 2027 angeboten. Es besteht daher kein Grund, bereits 2026 einen Vertrag für die neue Förderung abzuschließen.

Wer wie Susen nur wenige Jahre bis zum Rentenbeginn hat, sollte vier Punkte vergleichen: die Vertragskosten, das Anlagerisiko, die Steuerbelastung im Alter und die Bedingungen der späteren Auszahlung.

Die 180 Euro Zulage auf 360 Euro Jahresbeitrag sind schnell ausgerechnet. Ob daraus am Ende tatsächlich ein Vorteil gegenüber einer ungeförderten Anlage entsteht, hängt dagegen vom gesamten Vertrag und der persönlichen Situation ab.

FAQ zum Altersvorsorgedepot ab 2027 Wie viel Zuschuss gibt es bei 360 Euro Einzahlung?

Wer unmittelbar zulageberechtigt ist und 360 Euro im Jahr einzahlt, erhält nach den neuen Regeln 180 Euro Grundzulage. Insgesamt fließen damit 540 Euro in den Vertrag.

Kann ich mir das Altersvorsorgedepot bei Rentenbeginn komplett auszahlen lassen?

Grundsätzlich nicht. Bis zu 30 Prozent können zu Beginn der Auszahlungsphase als Einmalbetrag entnommen werden. Eine vollständige Auszahlung kann unter anderem bei einer Kleinbetragsrente möglich sein.

Lohnt sich das Altersvorsorgedepot noch fünf Jahre vor der Rente?

Die Zulage kann auch bei kurzer Laufzeit erheblich sein. Bei fünf Einzahlungen von jeweils 360 Euro ergeben sich zum Beispiel 900 Euro Grundzulage. Ob der Vertrag günstiger ist als andere Sparformen, hängt jedoch auch von anderen Faktoren ab: Kosten, Wertentwicklung, Besteuerung und Auszahlungsbedingungen.

Quellen

Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Sozialversicherungsrechengrößen 2026
Bundesministerium der Finanzen: Fragen und Antworten zur Reform der geförderten privaten Altersvorsorge
Bundesregierung: Fragen und Antworten – Private Altersvorsorge reformiert
Einkommensteuergesetz, § 93 – Kleinbetragsrente

 

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Hält die SPD demnächst gleichzeitig einen CDU-Lügenkanzler und eine linksradikale Enteignungssozialistin im Amt?

Die Berliner Linke ist seit ihrem Wahlsieg am Sonntag in einem Ausmaß als steinzeit-sozialistische judenhassende und von kriminellen Araber-Clans unterwanderte Sekte entlarvt worden, dass sie nie und nimmer die Regierungsverantwortung in der Hauptstadt innehaben darf. Diese gemeingefährliche und ultraradikale Partei würde die Stadt endgültig ins Chaos stürzen. Viele ihrer Kandidaten ließen ihrem Hass auf Israel […]

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Was ist dran an Behauptungen westlicher Medien über Kriegsmüdigkeit in Russland?

ANTI-SPIEGEL - Fundierte Medienkritik - 23. September 2026 - 19:51
Seit Monaten hören wir von europäischen Politikern und Medien, die ukrainischen Angriffe tief ins russische Hinterland, die unter anderem zu einer Benzinknappheit geführt haben, würden die Russen kriegsmüde machen, weshalb der Druck auf die russische Regierung wachse, einem Friedensschluss zu den Bedingungen der EU zuzustimmen. Und aus der EU hört man ja auch ganz offen, […]
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Das „Grüne Evangelium“ des Vatikans

Unter Papst Franziskus und nun auch unter Leo habe die katholische Kirche den „Klima-Nektar“ in vollen Zügen getrunken, sagt Professor Roger Watson. Es sei höchste Zeit, dass sie mit der pseudowissenschaftlichen Panikmache aufhöre und sich wieder der Seelenrettung zuwende.

Dr Roger Watson, THE DAILY SCEPTIC

Wie es dazu kam, dass die römisch-katholische Kirche von ihrem großen Auftrag, Seelen zu retten, zu ihrer heutigen Besessenheit, den Planeten zu retten überging, ist unklar. Es ist jedoch offensichtlich, dass die Kirchenhierarchie den „Nektar“ des Klimawandels in vollen Zügen getrunken hat, und obwohl es unfair wäre zu behaupten, sie habe die Seelenrettung aufgegeben, ist ihre Mission zweifellos erheblich in einen Bereich abgedriftet, der nicht gerade zu ihrem Fachgebiet gehört. Woher auch immer sie ihre Ratschläge zum Klimawandel bezieht – sie hört ganz sicher auf die falschen Leute.

Das Problem, wie es manche Katholiken sehen, wird in einem Artikel in der Septemberausgabe der „Middlesbrough Diocesan Catholic Voice“ – lokal bekannt als „The Voice“ – deutlich, die an die Pfarrkirchen der katholischen Diözese Middlesbrough verteilt und über diese verbreitet wird. Immer mit einem gewissen Unbehagen nehme ich mir nach der Sonntagsmesse ein Exemplar vom Stapel hinten in der Kirche.

Die „Voice“ enthält zwar nützliche Informationen aus der Diözese, Termine für Veranstaltungen und Nachrichten aus den Pfarreien, enthält aber fast immer mindestens einen Artikel, der für mich eine „Anlass zur Sünde“ darstellt, weil das Lesen dieses Artikels Gedanken hervorruft, die weit vom Christentum entfernt sind. Meine einzige Rechtfertigung dafür ist, dass dies durch das Lesen von Inhalten hervorgerufen wird, die weit vom Christentum entfernt sind. Wenn es keinen Bericht über das oxymoronische Konzept der diözesanen LGBT-Messen gibt, wird es unweigerlich ein Artikel über den sogenannten Klimanotstand sein.

Selig sind die sich des CO₂ Bewussten

Die Septemberausgabe der „Middlesbrough Diocesan Catholic Voice“ enthält einen Artikel von Sir John Battle, dem ehemaligen Labour-Abgeordneten für Leeds West und Minister in der Regierung Blair, mit dem Titel „Hört auf, beim Klimawandel zu zocken“. Als römisch-katholischer Christ, der von Papst Benedikt XVI. – der offensichtlich nicht in allem Recht hatte – zum Ritterkommandeur des Ordens des Heiligen Gregor ernannt wurde, stützt Sir John seine Argumentation auf die Glücksspielbranche und die offensichtliche Vorliebe der britischen Bevölkerung für das Glücksspiel.

Der erste Abschnitt des Artikels, in dem es um die Beliebtheit des Glücksspiels und die Aussicht auf schnelle Gewinne geht, lässt sich nur recht vage mit dem Risiko in Verbindung bringen, das wir im Zusammenhang mit dem Klimawandel eingehen. Diese Erwartung schneller Gewinne vernebelt den Blick der Menschen auf die Realitäten dessen, was wir tun können, um die Schäden der globalen Erwärmung abzumildern.

Zur Untermauerung seiner Argumentation werden die üblichen Superlative herangezogen. So „wüten Waldbrände“ in ganz Europa und „verheerende Überschwemmungen“ treffen Bangladesch. Dabei spielt es keine Rolle, dass die Brände in Europa mit ziemlicher Sicherheit vorsätzlich von Brandstiftern gelegt wurden und dass es in Bangladesch schon seit jeher Überschwemmungen gibt. Hinzu kommt die Nachricht, dass die Polkappen keineswegs schmelzen, sondern an Größe zunehmen, dass es den Eisbären und Pinguinen gut geht und die Korallenriffe wachsen. Die Fakten dürfen einem guten Argument nicht im Wege stehen. Schließlich gibt es einen „wissenschaftlichen Konsens“ zu diesem Thema und „tägliche Nachrichtenberichte über weltweite extreme Wetterereignisse“. Also muss es wahr sein.

Sünden der Emissionen

Sir John erklärt, dass das viel zitierte Mantra „Netto-Null“ „nicht bedeutet, null Emissionen zu erzeugen, sondern vielmehr Maßnahmen zu ergreifen, um die Emissionen so weit wie möglich zu reduzieren“. Wenn dem so ist, warum nennt man es dann „Netto-Null“ und warum hat Großbritannien das Ziel, bis 2050 Netto-Null zu erreichen? Laut dem Net Zero Centre der Universität Oxford bedeutet Netto-Null, „die in die Atmosphäre abgegebenen Treibhausgase durch eine gleich große Menge auszugleichen, die wieder aus der Atmosphäre entnommen wird“. Das ist eine Feinheit, die ich noch von keinem der „Zero-Carbon“-Fanatiker in der Sendung „Today“ auf BBC Radio 4 erklärt gehört habe.

Sir John spricht von den „Händlern des Zweifels“ und zeigt mit dem Finger auf die „Big Carbon“-Lobby (nicht Sir Johns Bezeichnung), die ein „finanzielles Interesse“ daran hat, dass wir unseren Verbrauch an Kohlenwasserstoffquellen nicht reduzieren. Dies führt dazu, dass die Menschen bezweifeln, dass ihnen aufgrund des Klimawandels etwas Unangenehmes widerfahren könnte – bedingt durch die in den ersten Absätzen seines Artikels erwähnte Glücksspielmentalität. Diese „mächtigen Interessengruppen“ – so spricht ein wahrer Sozialist wie Sir John – versuchen dann, die Schuld auf die Verbraucher und die Gesellschaft abzuwälzen. Doch die Verbraucher wiederum denken: „Wozu sich die Mühe machen?“, wenn Länder wie China und Amerika weiterhin Treibhausgase ausstoßen, als gäbe es kein Morgen.

Nachdem Sir John scheinbar die großen Energiekonzerne und ähnliche Interessengruppen dafür kritisiert hat, dass sie versuchen, ihre Verantwortung für den Planeten auf die kleinen Leute abzuwälzen, zitiert er anschließend den eingefleischten Klimakatastrophisten Gabriel Winslow-Yost, der den Klimawandel als „Verbrechen“ betrachtet und der Meinung ist, dass wir alle „mitschuldig“ sind. Winslow-Yost, der offensichtlich ein Liebhaber dramatischer Prosa ist, sagt: „Autofahrten und Flugreisen, Kaffee und Burger, Heizen und Kühlen sowie Kleidung werden mit Blut bezahlt und tragen in jedem Augenblick zum Leid und zur Zerstörung bei, die die globale Erwärmung mit sich bringt.“ Meine Güte, er klingt aber so, als wäre er ein echter Spaßvogel, wenn man abends ausgeht, nicht wahr?

Der Katechismus des Klimawandels

Als wolle er seinem Artikel theologisches Gewicht verleihen, zitiert er Papst Leo, der „betont“, dass der Klimawandel „eine wissenschaftliche Realität und eine moralische Verantwortung“ sei. Ich glaube, Sie werden feststellen, Papst Leo, dass Sie in beiden Punkten Unrecht haben. „Laudato Si’“, die verabscheuungswürdige Enzyklika des verstorbenen Papstes Franziskus, wird zweimal zitiert, darunter auch seine lächerliche Aufforderung zur „ökologischen Bekehrung“. Wir Katholiken hatten alle mehr von Papst Leo erwartet, aber er scheint der Katastrophenagenda des Klimawandels ebenso erlegen zu sein wie alle anderen auch, wenn er von Konzepten wie „Umweltgerechtigkeit“ spricht und davon, dass es Teil des Auftrags der Kirche sei, „die Menschenwürde, den Frieden und die Bewahrung der Schöpfung zu fördern“.

Es ist schwer zu sagen, was hinter all diesem Unsinn steckt, den die Hierarchie der katholischen Kirche und hochrangige Katholiken von sich geben, die es eigentlich besser wissen müssten. Sind sie – wie ich befürchte – wirklich von der Katastrophe des Klimawandels überzeugt? Vielleicht versuchen sie, „relevant“ und „nahbar“ zu sein, indem sie aktuelle Themen aufgreifen, in dem vergeblichen Versuch, die Kirchenbänke zu füllen. Wenn dem so ist, warum sollte das funktionieren? Wenn die Menschen wissenschaftlich fundiertes Kauderwelsch über soziale Gerechtigkeit hören wollen, gibt es immer noch die anglikanische Kirche, die BBC oder den Guardian.

Die katholische Kirche ermutigt Christen zu Recht, gute Verwalter der Schöpfung zu sein, aber hat diese Verantwortung begonnen, die Erlösung in den Schatten zu stellen? Die Reduzierung der CO₂-Emissionen scheint eine größere Priorität zu haben als die Verringerung der Sünde. Die einzigartige Mission der Kirche besteht darin, das Evangelium zu verkünden, die Sakramente zu spenden und die Seelen auf die Ewigkeit vorzubereiten. Wenn sie sich dafür entscheidet, nur eine weitere Stimme im Chor des Klimaaktivismus‘ zu werden, sollte sie sich nicht wundern, wenn die Menschen zu dem Schluss kommen, dass sie mehr daran interessiert ist, den Planeten zu retten, als die Seelen der Menschen, die ihn bewohnen.

Professor Roger Watson ist ein pensionierter Wissenschaftler, Herausgeber und Autor. Er schreibt regelmäßig für verschiedene konservative Zeitschriften, darunter die „Salisbury Review“, den „European Conservative“ und den „New Conservative“. Er ist viel im Fernen Osten und im Nahen Osten gereist und hat dort gearbeitet. Sein Substack-Blog finden Sie hier.

Link: https://wattsupwiththat.com/2026/09/20/the-vaticans-green-gospel/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 

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Sanders, Casar Introduce Legislation to Create New Federal Agency to Ban Artificial Superintelligence, Pause Advanced AI Development

Sen. Bernie Sanders (I-Vt.) and Rep. Greg Casar (D-Texas) today introduced the Ban Artificial Superintelligence Act — legislation to stop artificial intelligence (AI) oligarchs from building machines humans cannot control and to pause advanced AI development until we have put in place rigorous federal testing and oversight to ensure AI does not harm humanity.

“When you are racing towards a cliff, you don’t just ease up on the gas pedal. You hit the brakes. When the future of humanity is at stake, we cannot let a handful of Big Tech CEOs write their own rules,” Sanders said. “Scientists have been clear: AI is an existential threat to humanity. It must be treated as such. This legislation will permanently ban the development of artificial superintelligence and would put in place an immediate pause on advanced AI development until we have clear safety rules in place — developed by the most knowledgeable scientists in our country. Congress must act now before it is too late.”

“Experts are warning that AI superintelligence, wielded by the wrong humans or by rogue AI, could kill countless numbers of people. But Donald Trump says he wants to encourage it. Something has to change,” Casar said. “Our bill bans the development of artificial superintelligence and pushes for international agreements so that no one, anywhere, builds AI too powerful for humans to control. Furthermore, our bill would immediately halt other dangerous AI capabilities, such as the capacity to develop biochemical weapons, or the capacity for AI to develop new AI instead of humans.”

Over the past few months, we have learned that AI models can circumvent restrictions to hack into computers. We have learned they can create never-before-seen viruses. And we have learned they can automate research to build smarter AI. Even as the AI companies claim they recognize these dangers and want to slow down, they are racing ahead — investing hundreds of billions of dollars into a technology that nobody can fully predict or control. That is unacceptable. The Ban Artificial Superintelligence Act will protect humanity by:

  • Banning Artificial Superintelligence. No person or entity may develop or deploy Artificial Superintelligence — an AI that exceeds human cognitive performance and capabilities across most domains, or has sufficient capabilities to destroy or disempower humanity, including by overthrowing the federal government.
  • Pausing Advanced AI development until a new, federal AI regulatory body is up and running and has established clear rules and model review processes to ensure safe and secure development and deployment of AI.
  • Establishing a new cabinet-level federal Department of Artificial Intelligence to safeguard the public from the dangers of artificial intelligence, including by enforcing a prohibition on artificial superintelligence. This department will be advised by the most knowledgeable scientists in our country to:
    • Monitor frontier AI systems at all stages of the lifecycle for dangerous capabilities.
    • Supervise the removal of dangerous capabilities like subverting shutdown commands or conducting unauthorized cyberattacks.
    • Supervise the destruction of artificial superintelligence.
  • Setting penalties for any person or entity that attempts to violate or circumvent the pauses and prohibitions laid out in this bill. Entities shall be subject to the corporate death penalty, and persons shall be subject to not more than 20 years in prison, which is similar to existing penalties related to unlawfully developing nuclear weapons.
  • Working to ban superintelligence around the world by setting the international policy of the United States to pursue international agreements, allied coordination, and policies such as export controls to prevent the development of artificial superintelligence anywhere in the world.

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Teure Kfz-Versicherung ab 65: So umgehen Rentner den Alterszuschlag

Jahrzehntelang unfallfrei gefahren, im Ruhestand weniger unterwegs – und trotzdem steigt die Autoversicherung. Für viele ältere Menschen ist das eine teure Überraschung: Neben der persönlichen Schadenbilanz berechnen Versicherer auch das Alter als eigenes Risiko. Eine gute Schadenfreiheitsklasse verhindert deshalb nicht, dass der Beitrag mit den Lebensjahren wächst.

Besonders ärgerlich ist das für Rentner, die auf ihr Auto angewiesen sind und wenig finanziellen Spielraum haben. Allerdings gibt es weder einen gesetzlich vorgeschriebenen Alterszuschlag noch eine feste Grenze, ab der alle Anbieter mehr verlangen. Und der häufig beworbene Ausweg über Tochter oder Sohn ist keine garantierte Sparlösung.

Ab 65 kann es teurer werden – eine feste Altersgrenze gibt es nicht

Wann Versicherer höhere Beiträge berechnen, hängt vom jeweiligen Tarif ab. Manche verlangen bereits um das 65. Lebensjahr mehr, andere setzen andere Altersstufen an. Auch die Höhe der Aufschläge unterscheidet sich erheblich, wie der Finanztip zur Kfz-Versicherung für Rentner erläutert.

Die Schadenfreiheitsklasse und das Alter sind dabei zwei verschiedene Preisfaktoren. Der Rabatt belohnt den bisherigen Schadenverlauf, während die Altersbewertung an das statistische Risiko einer Gruppe anknüpft. Wer unfallfrei bleibt, kann deshalb trotzdem eine höhere Rechnung erhalten.

Modellrechnung: Mit 85 bis zu 172 Prozent mehr

Wie deutlich die Unterschiede ausfallen können, zeigt eine Verivox-Modellrechnung vom 3. März 2026. Untersucht wurde ein VW Golf VIII 1.0 TSI in Berlin mit 10.000 Kilometern jährlicher Fahrleistung. Beim Altersvergleich mit gleicher Schadenfreiheitsklasse ergaben sich folgende Aufschläge gegenüber einem 55-Jährigen.

Alter Mehrbeitrag im Modell gegenüber 55 Jahren 55 Jahre Vergleichsbasis 65 Jahre 14 Prozent 75 Jahre 69 Prozent 85 Jahre 172 Prozent

Das sind Ergebnisse einer bestimmten Berechnung, keine allgemeine Preisliste für Senioren. Weder die Prozentsätze noch daraus abgeleitete Eurobeträge lassen sich auf jedes Auto und jeden Vertrag übertragen. Auch eine über Jahrzehnte aufsummierte Mehrbelastung wäre ohne nachvollziehbare Jahreswerte und Annahmen keine belastbare Prognose.

Warum Versicherer das Alter berücksichtigen dürfen

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verbietet nicht jede unterschiedliche Behandlung nach Lebensalter. Nach § 20 Absatz 2 AGG dürfen private Versicherungen altersabhängig kalkulieren, wenn dies auf anerkannten Prinzipien einer risikogerechten Berechnung beruht. Dazu gehören insbesondere versicherungsmathematische Bewertungen anhand statistischer Daten.

Der Versicherungsverband GDV verweist auf seine Auswertungen von rund 100 Millionen Versicherungsverträgen und auf höhere Schadenhäufigkeiten im höheren Alter. Seine unverbindlichen Berechnungen sehen altersbedingte Zuschläge gegenüber dem durchschnittlichen Schadenbedarf ab 68 Jahren vor. Versicherer müssen diese Einteilung jedoch nicht übernehmen.

Für Betroffene bleibt ein unangenehmer Unterschied: Die persönliche Unfallfreiheit lässt sich nachweisen, das statistische Gruppenrisiko nicht individuell abschütteln. Trotzdem sagt ein Alterszuschlag allein nichts darüber aus, wie sicher eine bestimmte Person tatsächlich fährt.

Eine höhere Rechnung beweist noch keinen Alterszuschlag

Wer mehr zahlt als im Vorjahr, sollte nicht automatisch das Alter verantwortlich machen. Auch veränderte Typ- und Regionalklassen, allgemeine Tarifanpassungen oder geänderte Vertragsdaten können den Preis beeinflussen. Die bloße Differenz zwischen zwei Jahresrechnungen trennt diese Ursachen nicht voneinander.

Sinnvoll ist deshalb, den Versicherer nach den Gründen der Erhöhung und der berücksichtigten Schadenfreiheitsklasse zu fragen. Anschließend sollten Vergleichsangebote mit denselben Angaben und einem vergleichbaren Leistungsumfang eingeholt werden. Ein niedrigerer Preis ist wenig wert, wenn dafür wichtige Leistungen entfallen oder die Selbstbeteiligung deutlich steigt.

Der Vertrag über die Tochter kann helfen – muss aber nicht

In der genannten Verivox-Untersuchung brachte die Kombination aus Versicherung, Zulassung und Übertragung der Schadenfreiheitsjahre auf das Kind beim 75-jährigen Modellfahrer 281 Euro Jahresersparnis. Beim 85-Jährigen waren es 917 Euro. Für den 65-jährigen Modellfahrer erwies sich die Familienlösung dagegen nicht als vorteilhaft.

Halter, Versicherungsnehmer und tatsächlicher Fahrer müssen nicht zwingend dieselbe Person sein. Ob eine abweichende Konstellation akzeptiert wird und wie sie den Beitrag verändert, entscheidet sich nach den Bedingungen des Anbieters. Allein ein anderer Name im Fahrzeugschein beseitigt den Altersfaktor daher nicht zuverlässig.

Vor allem muss die Nutzung stimmen: Fährt der Vater überwiegend, darf die Tochter nicht wahrheitswidrig als Hauptfahrerin angegeben werden.

Der ältere Angehörige muss im vereinbarten Fahrerkreis berücksichtigt sein, und alle Fragen zur Nutzung sind korrekt zu beantworten. Gegen-Hartz.de erläutert ebenfalls, warum die Versicherung über Angehörige sorgfältig geprüft werden sollte.

Die eigenen Schadenfreiheitsjahre lassen sich nicht beliebig verschenken

Eine Übertragung des Schadenverlaufs ist an Bedingungen gebunden. Der Empfänger kann grundsätzlich höchstens die schadenfreien Jahre erhalten, die er seit dem Führerscheinerwerb selbst hätte erreichen können; zusätzlich kann die bisherige Fahrzeugnutzung die anrechenbare Zeit begrenzen. Welche Angehörigen infrage kommen und welche Nachweise verlangt werden, unterscheidet sich nach Anbieter.

Besonders folgenreich ist der Verzicht des bisherigen Rabattinhabers. Die HUK-Coburg beschreibt die Übertragung ausdrücklich als unwiderruflich und schließt eine bloß teilweise Abgabe aus. Wer viele Jahre abgibt, von denen das Kind nur einen Teil übernehmen kann, sollte deshalb vorher klären, welche Vorteile verloren gehen.

Der bessere Weg ist ein verbindliches Angebot vor der Übertragung. Darin sollten die anerkannte Schadenhistorie, der vollständige Fahrerkreis und die tatsächliche Nutzung bereits berücksichtigt sein. Erst dann lässt sich beurteilen, ob die Ersparnis den dauerhaften Verzicht rechtfertigt.

Falsche Fahrerangaben können die Ersparnis zunichtemachen

Wer einen regelmäßig fahrenden Angehörigen verschweigt, riskiert je nach Vertragsbedingungen Nachberechnungen und Vertragsstrafen. Auch eine erhöhte Selbstbeteiligung im Kaskoschaden kann vorgesehen sein, wie Verivox zu nicht eingetragenen Fahrern erläutert. Welche Folge tatsächlich eintritt, hängt vom Vertrag und vom Einzelfall ab.

Pauschale Aussagen, ein nicht eingetragener Fahrer führe immer zu 2.500 oder 5.000 Euro Regress oder automatisch zum vollständigen Verlust des Kaskoschutzes, sind deshalb zu undifferenziert. Die rechtlichen Folgen unterschiedlicher Pflichtverletzungen dürfen nicht miteinander vermischt werden.

Wechseln: Der 30. November gilt nicht für jeden Vertrag

Bei vielen Kfz-Verträgen endet das Versicherungsjahr am 31. Dezember, und die ordentliche Kündigung muss einen Monat vorher eingehen. Für diese Verträge ist der 30. November der übliche Stichtag. Bei einem anderen Ablaufdatum oder besonderen Vertragsbedingungen muss die Frist gesondert geprüft werden.

Ein zusätzliches Kündigungsrecht kann sich aus § 40 VVG ergeben: Erhöht der Versicherer die Prämie aufgrund einer Anpassungsklausel ohne entsprechende Erweiterung des Schutzes, läuft ab Zugang der Mitteilung eine Monatsfrist. Die Kündigung wirkt frühestens zum Zeitpunkt der Erhöhung. Der Versicherer muss auf dieses Recht hinweisen.

Allerdings löst nicht jede Beitragsänderung automatisch dieses Sonderkündigungsrecht aus. Bei einer bereits vereinbarten altersabhängigen Einstufung kommt es auf die konkrete Vertragsgestaltung und die Ursache der Änderung an. Vor allem bei gewünschtem Kaskoschutz sollte die Annahme des neuen Vertrags geklärt sein, bevor der alte endet.

Weniger fahren sollte auch im Vertrag ankommen

Wer seit dem Rentenbeginn keinen täglichen Arbeitsweg mehr hat, sollte die hinterlegte Jahresfahrleistung überprüfen. Eine realistisch niedrigere Kilometerangabe oder ein kleinerer tatsächlicher Fahrerkreis kann den Beitrag senken. Weitere Möglichkeiten beschreibt Gegen-Hartz.de im Beitrag zum Sparen bei der Kfz-Versicherung im Ruhestand.

Auch eine Werkstattbindung oder eine höhere Selbstbeteiligung kann günstiger sein, verändert aber die Bedingungen im Schadenfall. Gerade bei einer kleinen Rente sollte die Selbstbeteiligung nur so hoch ausfallen, dass sie aus vorhandenen Rücklagen bezahlt werden kann. Eine niedrigere Jahresrechnung darf nicht mit einer unbezahlbaren Reparatur erkauft werden.

Beispiel aus der Praxis: Erst rechnen, dann übertragen

Ein Beispiel: Der 76-jährige Werner soll künftig 980 Euro jährlich zahlen und erwägt einen Vertrag über seine Tochter. Ein anderer Anbieter bietet ihm bei vergleichbarem Schutz und korrekt angegebenen 7.000 Jahreskilometern einen eigenen Vertrag für 760 Euro an. Die Familienlösung würde nach Prüfung aller Angaben 720 Euro kosten, erforderte aber den unwiderruflichen Verzicht auf seinen bisherigen Schadenfreiheitsrabatt.

Werner entscheidet sich für den eigenen Vertrag und spart 220 Euro im Jahr. Die weiteren 40 Euro Ersparnis sind ihm die Abgabe seines Rabatts nicht wert. Die Beträge sind beispielhaft gewählt und keine aktuellen Tarifangebote.

Vier Fragen und Antworten zum Alterszuschlag Muss jede Kfz-Versicherung ab 65 teurer werden?

Nein, eine gesetzliche Altersgrenze oder einen einheitlichen Aufschlag gibt es nicht. Entscheidend sind der jeweilige Tarif und die persönlichen Vertragsdaten.

Schützt eine hohe Schadenfreiheitsklasse vor dem Zuschlag?

Sie kann den Gesamtbeitrag reduzieren, verhindert aber nicht die zusätzliche Berücksichtigung des Alters. Beide Merkmale fließen getrennt in die Berechnung ein.

Kann ich mein Auto über meine Tochter versichern und selbst weiterfahren?

Das kann möglich sein, wenn der Versicherer die Konstellation akzeptiert und Ihre tatsächliche Nutzung vollständig angegeben ist. Eine Ersparnis ist damit nicht garantiert.

Sollte ich meine Schadenfreiheitsjahre sofort übertragen?

Nein, zunächst sollten ein verbindliches Angebot und die Übertragungsbedingungen vorliegen. Prüfen Sie insbesondere, wie viele Jahre anerkannt werden und auf welche eigenen Rechte Sie dauerhaft verzichten.

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Bürgergeld abgelehnt: Zu wenig Einkommen kostete den Anspruch

Wer arbeitet und trotzdem nicht genug zum Leben hat, kann grundsätzlich ergänzende Bürgergeld-Leistungen vom Jobcenter erhalten.

Eine rumänische Familie scheiterte jedoch mit ihrem Eilantrag, weil das Gericht die Selbstständigkeit des Vaters nicht als wirtschaftlich ernsthafte Erwerbstätigkeit anerkannte. Der Fall zeigt eine harte Zugangshürde: Bedürftigkeit allein begründet noch keinen Leistungsanspruch.

Schrott verkauft, aber keine Leistungen durchgesetzt

Der Vater hatte ein Gewerbe angemeldet und sammelte Altmetall, das er weiterverkaufte. Für sich, seine Frau und zwei Kinder verlangte er vorläufige Leistungen für Oktober 2025 bis März 2026.

Das Landessozialgericht Sachsen-Anhalt wies die Beschwerde im Eilverfahren zurück, wie Gegen-Hartz über den Beschluss vom 11. Februar 2026, Az. L 2 AS 340/25 B ER, berichtete.

Nach der dort wiedergegebenen Begründung fehlte es an einer ausreichend nachhaltigen, auf Gewinn gerichteten Tätigkeit. Der Mann hatte keinen verlässlichen Überblick über seine Betriebsausgaben; die Suche nach verwertbarem Metall war teilweise planlos und vom Zufall abhängig. Eine Gewerbeanmeldung und Verkaufsquittungen überzeugten das Gericht unter diesen Umständen nicht.

Von mehr als 2.600 Euro blieb kaum etwas übrig

Wie buergergeld.org zum Fall berichtet, belegte der Mann für Juni bis November 2025 Einnahmen von 2.644,38 Euro. In seinen Angaben standen monatlichen Einnahmen von 500 Euro allerdings Betriebsausgaben von null Euro gegenüber. Bei einem für die Schrottsuche eingesetzten Transporter war das nicht plausibel.

Das Gericht berücksichtigte deshalb Fahrzeugsteuer, Versicherung, Kraftstoff und weitere Aufwendungen. Die im Bericht wiedergegebene Rechnung zeigt, wie weit Umsatz und tatsächlicher Ertrag auseinanderlagen.

Berechnung für sechs Monate Betrag Einnahmen aus Schrottverkäufen 2.644,38 Euro Berücksichtigte Betriebsausgaben 2.438,82 Euro Verbleibender Gewinn 205,56 Euro Durchschnittlicher Monatsgewinn 34,26 Euro Es gibt keinen allgemeinen Mindestverdienst fürs Bürgergeld

Aus dieser Entscheidung lässt sich keine Regel ableiten, nach der Selbstständige einen bestimmten Mindestgewinn erzielen müssten, um ergänzende Leistungen zu bekommen. Wenig Einkommen ist für sich genommen kein Ausschlussgrund. Zu prüfen sind vielmehr sämtliche Anspruchsvoraussetzungen und mögliche gesetzliche Ausschlüsse.

Bei EU-Bürgern kann dabei das Aufenthaltsrecht entscheidend sein: § 7 SGB II schließt unter anderem Menschen aus, deren Aufenthaltsrecht sich allein aus der Arbeitsuche ergibt, sowie deren Familienangehörige. Eine tatsächlich ausgeübte selbstständige Erwerbstätigkeit kann dagegen ein anderes Aufenthaltsrecht nach § 2 FreizügG/EU begründen. Genau diese Voraussetzung sah das Gericht hier nicht als ausreichend glaubhaft gemacht an.

Warum eine Gewerbeanmeldung nicht genügt

Eine Anmeldung dokumentiert zunächst, dass jemand ein Gewerbe angezeigt hat. Ob daraus eine tatsächlich ausgeübte wirtschaftliche Tätigkeit entsteht, lässt sich erst anhand des Geschäftsalltags beurteilen. Der geringe Gewinn war hier Teil einer Gesamtbewertung, zu der auch Organisation, Kostenüberblick und die Art der Schrottsuche gehörten.

Die Konsequenz für Betroffene: Wer seinen Zugang zu Leistungen auf eine Selbstständigkeit stützt, sollte Einnahmen und Ausgaben nachvollziehbar gegenüberstellen können.

Rechnungen, Absprachen mit Auftraggebern und Aufzeichnungen über betriebliche Fahrten können helfen, den tatsächlichen Geschäftsbetrieb zu erklären. Vollständige Unterlagen ersetzen jedoch keine Prüfung, ob die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind.

Fünf Jahre gemeldet ist nicht automatisch fünf Jahre hier gelebt

Im damaligen Verfahren kam außerdem die Ausnahme für einen mindestens fünfjährigen gewöhnlichen Aufenthalt nach § 7 Absatz 1 Satz 4 SGB II in Betracht. Nach dem Bericht von buergergeld.org war die Familie seit Februar 2020 gemeldet, konnte einen durchgehenden gewöhnlichen Aufenthalt aber nicht glaubhaft machen. Die Anmeldung allein genügte dafür nicht.

Auch hier lohnt die genaue Unterscheidung: Eine Meldebescheinigung und der tatsächliche Lebensmittelpunkt sind nicht dasselbe. Wer sich auf längere Aufenthaltszeiten beruft, sollte deshalb auch erklären und belegen können, wo er in diesem Zeitraum tatsächlich gelebt hat.

Ein verlorener Eilantrag beendet nicht automatisch den gesamten Streit

Der Beschluss betraf vorläufigen Rechtsschutz, keine abschließende Entscheidung in einem Hauptsacheverfahren. Zum im Ausgangsbericht beschriebenen Verfahrensstand war der Widerspruch gegen die Ablehnung noch offen. Daraus lässt sich keine Aussage darüber ableiten, wie dieses Verfahren später ausgegangen ist.

Gegen eine Ablehnung ist grundsätzlich innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Widerspruch gegen den Jobcenter-Bescheid möglich. Droht eine akute existenzielle Notlage, kommt zusätzlich ein Eilantrag beim Sozialgericht in Betracht. Dabei müssen sowohl der behauptete Anspruch als auch die Dringlichkeit nachvollziehbar dargelegt werden.

Praxisbeispiel: Gleicher Gewinn, unterschiedliche Ausgangslage

Ein fiktives Beispiel: Elena ist deutsche Staatsangehörige und verdient mit einem kleinen Änderungsservice vorübergehend nur 40 Euro monatlich. Dieser geringe Gewinn allein verhindert keine ergänzenden Leistungen, wenn sie die übrigen Voraussetzungen erfüllt.

Beruft sich dagegen ein EU-Bürger für sein Aufenthaltsrecht gerade auf eine vergleichbare Selbstständigkeit, muss zusätzlich geprüft werden, ob tatsächlich eine entsprechende Erwerbstätigkeit vorliegt oder ein anderes Aufenthaltsrecht besteht. Entscheidend ist deshalb nicht nur die Zahl unter der Einnahmenrechnung, sondern auch die rechtliche Ausgangslage.

Vier Fragen und Antworten zum Thema Kann das Jobcenter Bürgergeld allein wegen eines niedrigen Gewinns ablehnen?

Nein, ein geringer Gewinn ist kein allgemeiner Ausschlussgrund. In diesem Fall ging es um die Frage, ob die Tätigkeit ein Aufenthaltsrecht als Selbstständiger begründete.

Reicht ein Gewerbeschein als Nachweis der Selbstständigkeit?

Er belegt die Anmeldung, aber nicht automatisch den tatsächlichen Geschäftsbetrieb. Im beschriebenen Fall verlangte das Gericht eine wirtschaftlich ernsthafte, auf Gewinn gerichtete Tätigkeit.

Müssen EU-Bürger von ihrer Selbstständigkeit vollständig leben können?

Aus den genannten Vorschriften folgt keine pauschale Pflicht, den gesamten Lebensunterhalt selbst zu finanzieren, um ergänzende Leistungen zu erhalten. Zu unterscheiden sind das Aufenthaltsrecht, die Hilfebedürftigkeit und die übrigen Leistungsvoraussetzungen.

Was sollten Betroffene nach einer Ablehnung prüfen lassen?

Neben der Gewinnberechnung sollte geprüft werden, auf welches Aufenthaltsrecht sie sich stützen können und ob eine gesetzliche Ausnahme greift. Die Widerspruchsfrist sollte dabei nicht verstreichen.

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Kuba: UN-Diplomaten verlassen nach Trump-Drohung den Saal

Trump: Kuba "wird fallen" und "die Freiheit wird kommen". Kuba nennt Blockade "Akt des Völkermordes". Unterstützung aus Brasilien New York/Havanna. US-Präsident Donald Trump hat Kuba in seiner Rede vor der UN-Generalversammlung als "völlig gescheiterten Staat" bezeichnet und gedroht: "Sie werden fallen." Die kubanische Delegation stand daraufhin auf und verließ demonstrativ den Saal, wie Liveaufnahmen aus dem... weiter 23.09.2026 Artikel von zu Kuba, USA, Politik, Menschenrechte
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Vermieter muss 1.066 Euro Wasserrechnung für Mieter zahlen

Eine eigene Wasseruhr schützt Vermieter nicht automatisch vor unbezahlten Rechnungen ihrer Mieter. In Kassel fordert die Stadt 1.066 Euro für Wasser und Abwasser von einem früheren Hauseigentümer.

Die Rechnung kommt nach dem Auszug

Nach einem Bericht der HNA betreffen die Rückstände eine Mutter mit drei Kindern, die von 2023 bis 2025 in dem Kasseler Mehrfamilienhaus wohnte.

Die Haushalte rechneten ihren Wasserverbrauch direkt mit dem Versorger ab. Der Vermieter erfuhr nach eigenen Angaben erst durch den städtischen Bescheid von den Schulden, rund zehn Monate nach dem Auszug der Familie.

Die Stadt erklärte gegenüber der Zeitung, sie versuche zunächst, offene Gebühren bei den Mietern einzutreiben. Bleibe dies erfolglos, würden die Eigentümer herangezogen. Ein Gerichtsurteil über die konkrete Forderung wird in dem Bericht nicht genannt.

Warum der Eigentümer trotz eigener Wasseruhr haftet

Die rechtliche Grundlage steht in § 20 der Kasseler Wasserversorgungssatzung: Gebührenpflichtig sind sowohl Anschlussnehmer als auch Wasserabnehmer. Dazu können Grundstückseigentümer und Mieter gehören. Mehrere Gebührenpflichtige haften als Gesamtschuldner.

Für Schmutzwasser enthält § 33 der Kasseler Abwassersatzung eine entsprechende Regelung. Eine getrennte Verbrauchsmessung beseitigt diese öffentlich-rechtliche Verpflichtung nicht. Auch eine Vereinbarung, nach der der Mieter die Rechnung selbst bezahlt, schützt den Eigentümer deshalb nicht ohne Weiteres vor der städtischen Forderung.

Der spätere Verkauf eines Hauses lässt bereits entstandene Zahlungspflichten nicht automatisch entfallen. Bei einer Forderung gegen den früheren Eigentümer müssen deshalb der betroffene Zeitraum und die damals geltenden Satzungsregelungen geprüft werden.

Die Zahlung des Vermieters ist kein Schuldenerlass

Für Mieter wäre es ein teurer Irrtum, die Angelegenheit nach der Zahlung durch den Eigentümer für erledigt zu halten. Zwischen den Beteiligten kann ein Ausgleichsanspruch bestehen; § 426 BGB regelt den Ausgleich unter Gesamtschuldnern. Wer im Verhältnis zwischen Vermieter und Mieter welchen Betrag tragen muss, hängt insbesondere von den Vereinbarungen und der konkreten Forderung ab.

Damit kann sich der Streit lediglich verlagern: Die Stadt erhält ihr Geld, anschließend fordert der Vermieter Erstattung. Ob ein berechtigter Anspruch tatsächlich durchgesetzt werden kann, ist eine weitere Frage. Die rechtliche Zahlungspflicht schafft noch kein verfügbares Einkommen.

Wasserkosten gehören beim Bürgergeld grundsätzlich zur Unterkunft

Nach Angaben des Vermieters bezog die betroffene Mieterin Bürgergeld. Daraus lässt sich aber weder ableiten, warum die Rückstände entstanden, noch ob das Jobcenter die konkreten Wasserrechnungen kannte und berücksichtigt hatte. Der Leistungsbezug allein erklärt keinen Zahlungsausfall.

Kaltwasser- und Abwasserkosten gehören grundsätzlich zu den Unterkunftskosten und müssen nicht pauschal aus dem Regelbedarf für den Lebensunterhalt bezahlt werden. Zur sozialrechtlichen Einordnung erläutert gegen-hartz.de, warum Wasserkosten bei der Angemessenheit zusammen mit der Kaltmiete betrachtet werden. Eine direkte Rechnung des Versorgers sollte deshalb ebenso beim Jobcenter vorgelegt werden wie eine entsprechende Betriebskostenabrechnung.

Das Jobcenter ist keine automatische Ausfallversicherung

Eine unbezahlte Wasserrechnung wird nicht allein deshalb zur Forderung gegen das Jobcenter, weil der Haushalt Leistungen erhält.

Nach § 22 Absatz 7 SGB II können Leistungen für Unterkunft und Heizung auf Antrag unmittelbar an Vermieter oder andere Empfangsberechtigte gezahlt werden. Bei nicht gesicherter zweckentsprechender Verwendung sieht das Gesetz unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls eine Direktzahlung vor.

Für bereits entstandene Schulden gelten zusätzliche Voraussetzungen. Eine Übernahme nach § 22 Absatz 8 SGB II kommt zur Sicherung der Unterkunft oder zur Behebung einer vergleichbaren Notlage in Betracht; Geldleistungen sollen dabei als Darlehen erfolgen. Eine automatische Übernahme alter Rückstände aus einer längst verlassenen Wohnung folgt daraus nicht.

Gebührenbescheid und Nebenkostenabrechnung unterscheiden

Ein städtischer Gebührenbescheid ist etwas anderes als eine Betriebskostenabrechnung des Vermieters. Bei Betriebskostenvorauszahlungen muss der Vermieter grundsätzlich jährlich abrechnen und die Abrechnung spätestens zwölf Monate nach Ende des Abrechnungszeitraums mitteilen. Danach sind Nachforderungen grundsätzlich ausgeschlossen, sofern der Vermieter die Verspätung zu vertreten hat; dies regelt § 556 Absatz 3 BGB.

Diese mietrechtliche Frist lässt sich nicht einfach auf einen kommunalen Gebührenbescheid übertragen. Bei einer späteren Erstattungsforderung des Vermieters muss zudem geklärt werden, auf welcher Anspruchsgrundlage sie beruht. Weitere Hinweise zur Prüfung enthält die Übersicht von gegen-hartz.de zu unzulässigen Positionen in der Nebenkostenabrechnung.

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Welche ist die beste menschliche Faktoren berücksichtigende Klima-Referenz?

Andy May

Der IPCC bezieht sich beim globalen mittleren Temperaturanstieg auf den Mittelwert der Jahre 1850–1900 (IPCC, 2021, Kap. 2 und 4) und beim Anstieg des Strahlungsantriebs auf das Jahr 1750 (IPCC, 2021, Kap. 7) und nutzt diese beiden Werte dann als Grundlage für die Modellierung der Erwärmung seit der vorindustriellen Zeit. Laut Pages 2K erwärmte sich die Erde zwischen 1750 und 1850–1990 um 0,1 bis 0,2 °C (siehe Abbildung 1) (Pages2K, 2019). Der AR6 (S. 150) schätzt eine Veränderung von 0,1 °C (-0,1 bis 0,3 °C):

„Diese geschätzte Temperaturänderung vor 1850–1900 ist in der AR6-Bewertung der bisherigen globalen Erwärmung nicht berücksichtigt, um die Übereinstimmung mit früheren IPCC-Bewertungsberichten zu gewährleisten und aufgrund des geringeren Konfidenzniveaus der Schätzung. Im Zeitraum 1850–1900 gab es im Vergleich zu 1750 wahrscheinlich einen anthropogenen Netto-Strahlungsantrieb von 0,0–0,3 W/m² (mittleres Konfidenzniveau), wobei der Strahlungsantrieb durch den Anstieg der Treibhausgas-Konzentrationen in der Atmosphäre teilweise durch anthropogene Aerosolemissionen und Landnutzungsänderungen ausgeglichen wurde. Der Netto-Strahlungsantrieb durch Sonnen- und Vulkanaktivität wird auf weniger als ±0,1 W/m² geschätzt.“ (IPCC, 2021, S. 150)

Die zentrale Annahme in diesem Zitat aus dem AR6, die meiner Ansicht nach nicht belegt ist lautet, dass der natürliche Klimaantrieb vernachlässigbar ist oder über kürzere Zeiträume als 100 Jahre zufällig variiert.

Belege für den solaren Antrieb

Es gibt zahlreiche Belege für natürliche, sonnenbedingte Klimaschwankungen mit einer Dauer von mehr als 100 Jahren (Stefani et al., 2024) und (Scafetta & Bianchini, 2022). Abbildung 1 zeigt die Temperaturrekonstruktion „Pages 2K“ (Pages2K, 2019) seit 1600 n. Chr.; dies ist eine der Temperaturrekonstruktionen, die im AR6 (IPCC, 2021, S. 61) zitiert und verwendet werden.

Abbildung 1. Die Pages-2K-Proxy-Rekonstruktion mit Unsicherheitsgrenzen für den Zeitraum 1600–2019. Die instrumentellen Messdaten sind von 1850 bis 2017 blau überlagert. Die Kleine Eiszeit und das moderne Sonnenmaximum sind gekennzeichnet. Die blaue Klammer kennzeichnet den Zeitraum zwischen dem AR6-Forcing-Nullpunkt (1750) und dem Temperatur-Nullpunkt (1850–1900). Anomalie bezogen auf den Zeitraum 1961–1990. Datenquelle

Der AR6-„Temperatur-Nullpunkt“ und der „Strahlungsantriebs-Nullpunkt“ beziehen sich nicht auf den gleichen Zeitpunkt und liegen beide innerhalb oder kurz nach der Kleinen Eiszeit, einer Periode rascher natürlicher Klimaveränderungen. In diesem Abschnitt werde ich die Behauptung des AR6 erörtern, dass der natürliche solare Strahlungsantrieb vernachlässigbar sei.

Probleme mit Baumring-Daten

Die von Pages 2K geschätzte globale Erwärmung zwischen 1750 und 1850–1900 ist angesichts der verfügbaren Daten zwar möglich, doch wie im AR6 angemerkt wird, sind die Daten vor 1850 spärlich und von schlechter Qualität. Bei den Daten handelt es sich größtenteils um Baumringdaten (siehe Abbildung 4 hier), doch ihre Genauigkeit ist zumindest seit etwa 1950 – und wahrscheinlich schon früher – durch steigende CO₂-Konzentrationen und möglicherweise andere anthropogene Faktoren beeinträchtigt (Briffa et al., 1998b). Da Baumringaufzeichnungen in der Neuzeit kalibriert werden, führt ein steigender CO₂-Gehalt zu Kalibrierungsschwierigkeiten. Zusätzliches CO₂ beschleunigt das Baumwachstum unabhängig von Temperatur und Niederschlag; dies gilt insbesondere für die kälteren, trockeneren Regionen, die für die Baumringanalyse bevorzugt werden (Briffa et al., 1998b).

Briffa et al. betonen, dass steigende CO₂-Konzentrationen – unabhängig davon, ob sie aus anthropogenen oder natürlichen Quellen stammen – bei der Anwendung standardmäßiger Paläotemperatur-Methoden auf der Grundlage von Baumringen folgende Auswirkungen haben können:

„Sie können zu einer systematischen Überschätzung der Temperaturen in der Vergangenheit führen, insbesondere in Regionen, in denen der Verlust der Temperaturempfindlichkeit bei niedrigfrequenten Schwankungen im Baumwachstum am größten ist (Ostsibirien und Ost-Nordamerika).“ (Briffa et al., 1998b).

Ist die TSI eine angemessene Maßzahl für den Klima-Erffekt der Sonne?

Ein weiteres Problem besteht darin, dass der AR6 bei der Bewertung des solaren Antriebs ausschließlich die TSI (Gesamtstrahlung der Sonne) berücksichtigt, obwohl nachgewiesen wurde, dass auch andere Veränderungen der Sonnenaktivität unser Klima beeinflussen (Lean J., 2017), (Lean & Rind, 1998), (Haigh J., 2011), (Hoyt & Schatten, 1997). Laut Judith Lean verstärkt das Klimasystem der Erde Veränderungen der Sonneneinstrahlung in gewisser Weise, weil die Auswirkungen (Veränderungen der Temperatur) größer sind als sich allein aus den Veränderungen des TSI-Antriebs erklären lassen. Wie genau dies funktioniert, ist aufgrund „mehrdeutiger Beobachtungen, zweifelhafter Korrelationen und fehlender plausibler Prozesse“ nicht vollständig geklärt (Lean J., 2017).

Eine langfristige TSI-Rekonstruktion stammt von Steinhilber et al. Die für Abbildung 2 verwendeten Daten stammen aus Steinhilber et al. 2012, siehe aber auch Steinhilber et al. 2009. Der AR6 greift nicht direkt auf Steinhilbers Rekonstruktionen zurück, sondern verwendet SATIRE-T und NRLTSI2; Steinhilbers Rekonstruktion ist jedoch ähnlich. Ich bevorzuge Steinhilbers Rekonstruktion auf Basis kosmogener Isotope, weil sie in Phasen geringer Sonnenaktivität detailliertere Informationen liefert. Das Problem bei SATIRE-T und NRLTSI2 besteht darin, dass sie sich zu stark auf Sonnenflecken stützen, und das Fehlen von Sonnenflecken ist nicht gleichbedeutend mit null Sonnenaktivität.

Abbildung 2. Die TSI-Rekonstruktion von Steinhilber et al. mit Schattierung zur Darstellung der Unsicherheit. Datenquelle (Steinhilber et al., 2012).

Der AR6 verwendet die Rekonstruktion von Steinhilber nicht, weil er eine jährliche Auflösung erfordert, während die Rekonstruktion von Steinhilber nur 22-Jahres-Mittelwerte liefert. Die im AR6 verwendeten, auf Sonnenflecken basierenden Magnetflussmodelle korrelieren besser mit modernen TSI-Satellitenmessungen, doch leider sind die Korrelationen aufgrund von Problemen mit den Satellitendatensätzen mehrdeutig und interpretationsfähig, wie hier ausführlicher erörtert wird (siehe insbesondere Abbildung 5 im verlinkten Beitrag). Einige auf Sonnenflecken basierende Rekonstruktionen zeigen einen Unterschied bis 5 W/m² zwischen 1700 und der Gegenwart. Die Satellitenaufzeichnungen der gesamten Sonneneinstrahlung sind kurz und mit Problemen behaftet (siehe insbesondere Abbildung 7 im verlinkten Beitrag).

Der AR6 ignoriert explizit:

• Die Stärke des Sonnenmagnetfelds verdoppelte sich vom Beginn des modernen Sonnenmaximums um 1930 bis zum Höhepunkt des Sonnenzyklus 19 (~1958), dem stärksten Sonnenzyklus seit Beginn der Aufzeichnungen. Das Sonnenmagnetfeld stabilisierte sich dann bis etwa 1990, worauf ein langsamer, allmählicher Rückgang folgte (Lockwood, 2003).

• Der Sonnenwind wurde während des modernen Sonnenmaximums geoeffektiver (Effizienz der Energieübertragung in das Erdmagnetfeld). Dies führte zu einer verstärkten Kopplung mit der Magnetosphäre der Erde.

• Die Heliosphäre ist mittlerweile besser darin, den Fluss kosmischer Strahlung zu reduzieren.

• Die Variabilität der solaren UV-Strahlung ist wesentlich stärker als die der gesamten solaren Strahlung (TSI).

• Das stratosphärische Ozon weist beim Sonnenmaximum einen Anstieg von 1–3 % auf.

• Das moderne Sonnenmaximum (~1930–2000) ist das längste seit über 600 Jahren.

Joanna Haigh schreibt:

„Das Verständnis der Rolle der Schwankungen in der Sonnenaktivität ist für die Interpretation des Klimas der Vergangenheit und die Vorhersage der Zukunft von entscheidender Bedeutung. In der Vergangenheit wurde zwar viel über die Zusammenhänge zwischen der Sonnenfleckenzahl und dem Wetter geschrieben, doch das Thema der solaren Einflüsse auf das Klima wurde von Meteorologen oft außer Acht gelassen.“ (Haigh J., 2011).

So sind beispielsweise die Temperaturschwankungen in der oberen Troposphäre und der unteren Stratosphäre (~20 km) dreimal so hoch wie an der Erdoberfläche. Der Kernpunkt, den Joanna Haigh und Judith Lean hervorheben ist, dass der IPCC die Auswirkungen der Sonnenvariabilität auf das Klima zu stark vereinfacht, indem er ausschließlich die TSI berücksichtigt. Die im AR6 enthaltene Schätzung des solaren Antriebs ist kein Maß für den gesamten Einfluss der Sonne auf das Klima, wie Judith Lean schreibt:

„Da die Sonnenstrahlung vor allem in den niedrigen Breitengraden eintrifft, verändert die erhöhte Strahlungsenergie die Temperaturgradienten zwischen Äquator und Polen und löst dynamische Reaktionen aus, die in den mittleren bis hohen Breitengraden sowohl Erwärmungs- als auch Abkühlungsgebiete hervorrufen. Da die Aufnahme von Sonnenenergie aufgrund der höhenabhängigen Absorption in der Atmosphäre von der Höhe abhängt, entstehen durch die sich ändernde Sonnenstrahlung vertikale Temperaturgradienten, welche die dynamischen Bewegungen innerhalb des Erdsystems weiter verändern.“ (Lean J. , 2017).

Wie Christopher Scotese gezeigt hat, ist der Temperaturgradient vom Äquator zu den Polen von grundlegender Bedeutung für die globale durchschnittliche Temperatur im geologischen Zeitmaßstab (Scotese et al., 2021). Ein steiler Gradient bedeutet einen kälteren Planeten, ein flacher Gradient hingegen einen wärmeren (weitere Einzelheiten finden sich in Abbildung 7 von Scotese).

Die Kleine Eiszeit LIA

Die stärkste und am weitesten verbreitete Kälteperiode des Holozäns erstreckte sich ungefähr von 1645 bis 1715 n. Chr. Nach dieser Kälteperiode erreichten die Gletscher in Europa, Island, Alaska und Neuseeland ihre größte Ausdehnung im Holozän. Diese Periode umfasst die historisch kältesten Winter in Europa und Nordamerika und folgt auf fünf aufeinanderfolgende große Sonnenminima, darunter das längste große Sonnenminimum der letzten 6.000 Jahre.

Zudem kam es in diesem Zeitraum zu zahlreichen großen Vulkanausbrüchen, darunter Parker (Philippinen, 1641), Serua (Indonesien, 1693), Fuji (Japan, 1707) sowie drei weitere, deren Standorte zwar in Sedimenten und Eis nachgewiesen wurden, die jedoch unbekannt sind. Darüber hinaus gab es wahrscheinlich drei weitere Eruptionen im westlichen Pazifik in den Jahren 1654 (Japan), 1673 (Indonesien) und 1674 (Indonesien). Die Kleine Eiszeit ist in Abbildung 3 dargestellt und wird mit hochwertigen Temperaturproxies aus Indonesien, Grönland und der Antarktis sowie dem Logarithmus des CO₂-Gehalts aus den Eisaufzeichnungen von Dome C verglichen:

Abbildung 3. Dargestellt sind drei hochwertige Temperaturproxies für das Holozän: Rosenthals 500-Meter-Proxy aus Indonesien (schwarz), Vinthers Grönland-Eis-Proxy und der Proxy vom antarktischen Dome C (blau) sowie der Logarithmus des CO₂-Proxys vom Dome C in Violett. Die Perioden der Kleinen Eiszeit, des Neoglazials und des Holozän-Klimamaximums sind gekennzeichnet. Datenquellen, in der Reihenfolge der Legende: (Jouzel et al., 2007), (Vinther et al., 2009), (Rosenthal et al., 2013), (Bereiter et al., 2015).

Der entscheidende Punkt in Abbildung 3 ist, dass die Kleine Eiszeit die kälteste Periode im gesamten 12.000 Jahre umfassenden Holozän darstellt, zumindest in Grönland, Indonesien, im Nordpazifik und im Raum Neuseeland. Auch in der Antarktis ist es kälter, wenn auch nicht in gleichem Maße. Weitere Einzelheiten zu den Proxies finden Sie hier und hier. Daher ist die im AR6 enthaltene Schlussfolgerung unaufrichtig, wonach diese Periode (die „vorindustrielle Zeit“) den heutigen Temperaturen in gewisser Weise vorzuziehen sei oder eine Art klimatische Basislinie darstelle. Wie kann eine vorindustrielle klimatische Basislinie zudem aus einer Basistemperatur und einem Strahlungsantrieb bestehen, die mehr als 100 Jahre auseinanderliegen und in die klimatisch instabile Kleine Eiszeit fallen? (Parker G. , 2012)?

Antarktisches CO2

Abbildung 3 zeigt zudem, dass der Logarithmus der atmosphärischen CO₂-Konzentration in der Antarktis nicht gut mit der Temperatur in Grönland oder Indonesien korreliert, obwohl er visuell recht gut mit dem Temperaturproxy des Eiskerns von Dome C in der Antarktis korreliert. Regionale Temperaturen erfassen natürlich regionale Verstärkungseffekte, doch da CO₂ ein gut durchmischtes Gas ist, wird angenommen, dass es eine globale Wirkung hat. Die Trends in Abbildung 3 lassen erhebliche Zweifel an dieser Vorstellung aufkommen. Der AR6 stützt sich in seinen Untersuchungen sehr stark auf die CO₂-Daten aus Dome C (Jouzel et al., 2007) und (Lüthi et al., 2008), doch diese scheinen lediglich eine CO₂-Temperatur-Korrelation für die Antarktis zu stützen, nicht jedoch eine globale Korrelation.

Das glaziale Maximum der Kleinen Eiszeit

Zwischen 1809 und 1820 war es recht kalt, was zumindest teilweise auf den berühmten Ausbruch des Tambora im Jahr 1815 zurückzuführen war. Doch bis 1850 war die größte Kälte vorbei, und die Welt begann sich zu erwärmen. Daher ist es schwierig, die Erwärmung von 1850 bis 1900 mit dem Strahlungsantrieb seit 1750 zu vergleichen, da das Klima (oder genauer gesagt die globale mittlere Temperatur) zwischen 1750 und 1900 recht variabel war, wie in Abbildung 1 dargestellt. Tabelle 1 zeigt den Gletscherschwund seit dem Gletschermaximum der Kleinen Eiszeit (~1750) in den Jahren 1900 und 2020.

Tabelle 1. Gletscherschwund nach Regionen in den Jahren 1900 und 2020.

Ich habe Microsoft Copilot beauftragt, eine Darstellung der Gletscherpositionen in Neuseeland, Alaska und den europäischen Alpen zu wichtigen Zeitpunkten zu erstellen. Diese zeigt in Abbildung 4:

Abbildung 4. Darstellungen des Gletscherrückgangs in Neuseeland, Alaska und den europäischen Alpen seit dem Höchststand der Gletscherausdehnung während der Kleinen Eiszeit um 1750. Quelle: Von Microsoft Copilot generiertes Bild.

Die Gletscherausdehnung ist ein sehr sensibler Indikator für den Klimawandel, d. h. für die Veränderung der durchschnittlichen Temperatur in der Region des Gletschers (Bray, 1968) & (Zumbühl & Nussbaumer, 2018). Aus historischen Aufzeichnungen und paläoglazialen Moränen-Daten geht eindeutig hervor, dass die maximale Gletscherausdehnung in den drei in Abbildung 1 dargestellten Regionen zwischen 1700 und 1800 stattfand, wobei das Maximum um 1750 erreicht wurde. Dies war unmittelbar nach der historisch kältesten Phase der Kleinen Eiszeit (~1640–~1715), in der ein Drittel der Weltbevölkerung ums Leben kam (Parker, 2008) & (Parker G., 2012). Zwischen dem Gletschermaximum und der Kälte, die es verursacht hat, besteht eine zeitliche Verzögerung, da es eine gewisse Zeit dauert, bis sich der Schnee verdichtet, Gletschereis bildet und sich bis zu seinem endgültigen Höchststand ausdehnt.

Die Datenquellen für die Darstellungen zu Neuseeland in Abbildung 4 sind die Klima-, Schnee- und Eisaufzeichnungen der NIWA-Klimadatenbank (CliFlo), die Gruppe zur Überwachung von Gletschern und Schnee in hohen Lagen des NIWA-Schnee- und Eisnetzwerks (SIN) sowie die Gruppe zur Gletscherinventarisierung und Aktualisierung der Gletscherendpositionen der NIWA (Teil der neuen Gruppe „Climate Present and Past“).

Die Daten für Alaska stammen vom USGS (hier und hier). Weitere Einzelheiten finden sich bei Connor et al. (Connor et al., 2009), die schreiben:

„Das neoglaziale Klima und die Dynamik der Landschaft schufen schwierige, aber erträgliche Umweltbedingungen für das dort lebende Volk der Huna Tlingit. Die Entscheidung, mit den ökologischen Widrigkeiten zurechtzukommen, war vielleicht der sich außerhalb der Bucht noch stärker verschlechternden Lage sowie Konflikten mit rivalisierenden Gruppen vorzuziehen. Der zentrale Teil der Schwemmebene blieb bestehen, bis er zwischen 1724 und 1794 n. Chr. von Eis überrollt wurde, das in die Icy Strait vordrang. Dieser letzte Eisvorstoß erfolgte nach einer langen Phase des Stillstands sehr abrupt und vertrieb die Huna Tlingit aus ihrer Heimat in der Glacier Bay.“ (Connor et al., 2009)

Demnach wurde der maximale Eisvorstoß in Südalaska um das Jahr 1750 erreicht. Weitere Quellen waren das NOAA NSIDC-Datenportal und das NCEI.

Für die europäischen Alpen stammen die Daten von der WGMS (link, link und link) sowie von swisstopo (link, link und link). Im Jahr 1644 erreichte der Mer de Glace seine maximale Ausdehnung, nachdem er drei Dörfer im Bergtal verschlungen hatte. Die verängstigten und obdachlos gewordenen Dorfbewohner baten Bischof Jean-Amédée de Milliet 1645 in Chamonix in Frankreich ein Exorzismusritual durchzuführen, um das vorrückende Eis aufzuhalten. Die Wirkung des Exorzismus war jedoch nur vorübergehend: 1821 erreichte der Gletscher ein zweites Maximum, das fast so weit den Berg hinunterreichte wie das erste im Jahr 1644. Der endgültige Rückzug des Gletschers setzte schließlich Mitte der 1850er Jahre ein (Zumbühl & Nussbaumer, 2018).

Wie aus Tabelle 2 ersichtlich ist, waren 20–40 % des Rückgangs gegenüber diesem Maximum bis zum Jahr 1900 bereits eingetreten, dem Ende des Temperatur-Referenzzeitraums. Daher ist es schwierig, die in den Gletscheraufzeichnungen seit 1750 beobachteten Veränderungen der Strahlungsantriebe mit den Temperaturänderungen im Zeitraum 1850–1900 in Verbindung zu bringen. Eine weitere Komplikation besteht darin, dass das letzte von fünf aufeinanderfolgenden großen Sonnenminima im Jahr 1680 stattfand und der Beginn des längsten großen Sonnenmaximums seit 600 Jahren etwa im Jahr 1930 lag (Usoskin, 2017).

Zusammenfassung

Aus dieser Diskussion sollte klar hervorgehen, dass die Kleine Eiszeit aus Sicht der Menschen oder der menschlichen Zivilisation keine gute klimatische Bezugsgröße darstellt. Es war eine Zeit voller Kriege, Hungersnöte, Dürren, Seuchen und Elend in Europa, Nordamerika, dem Nahen Osten, Japan, China und wahrscheinlich auch anderswo (Parker G., 2012). Das Klima der Kleinen Eiszeit ist kein Klima, zu dem ein vernünftiger Mensch zurückkehren möchte. Diese Referenz wurde vom IPCC aus wissenschaftlicher Bequemlichkeit gewählt, weil hierfür die besten verfügbaren Daten vorlagen, und nicht aus irgendeinem sinnvollen Grund. Es ist Wahnsinn zu unterstellen, dass das „vorindustrielle“ Klima oder die Kleine Eiszeit ein ideales Klima sei.

[Hervorhebungen vom Übersetzer]

Welche Temperatur ist also die optimal für die Menschheit? Es muss sich um eine Zeit handeln, in der die Landwirtschaft produktiv war, Zivilisationen sich ausbreiteten, Ökosysteme stabil waren, extreme Kälte selten war und Gletscher nicht in Ackerland und Dörfer vordrangen. Wann lagen diese Zeiten historisch gesehen? Ein Blick auf Abbildung 3 und dieser Beitrag zeigen, dass die besten Zeiten für den Menschen das Holozän-Klimamaximum (~8000 v. Chr. bis 4200 v. Chr.), die mittelalterliche Warmzeit (~800 n. Chr. bis 1250 n. Chr.) und die moderne Warmzeit (~1905 bis heute) waren. Dies waren die Zeiten, in denen Zivilisationen wuchsen und florierten. Tabelle 2 listet die Durchschnittstemperaturen in diesen Zeiträumen anhand aller drei Kurven aus Abbildung 3 auf. Der für die moderne Warmzeit angegebene Durchschnittswert stammt größtenteils aus den Pages2K-Instrumentaldaten, nachdem diese auf den gleichen Referenzzeitraum umgestellt wurden, der auch für die Proxydaten verwendet wurde.

Tabelle 2. Temperaturanomalien für das holozäne Klimamaximum (HCO), die mittelalterliche Warmzeit (MWP) und die moderne Warmzeit unter Verwendung einer Referenzperiode von 1961–1990 sowie einer vorindustriellen Referenzperiode (1850–1900).

Die Werte in Tabelle 2 zeigen die Temperaturänderungen während des Holozän-Klimamaximums (HCO), der mittelalterlichen Warmzeit (MWP) und der modernen Warmzeit im Vergleich zum Mittelwert von 1961–1990 (obere Tabelle) und zum „vorindustriellen“ Zeitraum (1850–1900). In beiden Tabellen liegt die moderne Warmzeit zwischen der MWP und dem HCO.

Die Werte in Tabelle 2 sind sehr grob (vielleicht ± 0,2° bis 0,3°C oder so), aber in der richtigen Richtung. Die MWP wies wahrscheinlich in etwa die gleichen Temperaturen auf wie das späte 20. Jahrhundert, und während des HCO war es wahrscheinlich wärmer als heute. Dies ist wichtig, da Menschen und die menschliche Zivilisation während dieser Warmzeiten florierten und während der Kleinen Eiszeit bzw. der vorindustriellen Zeit litten; siehe hier und hier für eine Erörterung und einen Vergleich. Die beste Klimareferenz ist nicht die Kleine Eiszeit, sondern das Klima, wie es in der HCO, der MWP und heute zu beobachten ist.

[Hervorhebung vom Übersetzer]

Download the bibliography here.

Link: https://andymaypetrophysicist.com/2026/09/18/what-is-the-best-human-centric-climatic-baseline/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 

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Friedrich Merz als Trainer auf Abruf: Sind die Koffer schon gepackt?

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Die ungeliebten Warner

Rechts steht für Demokratieverachtung, Fremdenhass, Nationalismus. Bei jedem Wahlerfolg der AfD fragt man sich im Westen: Was stimmt mit dem Osten nicht? Doch das ist die falsche Frage.
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