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Spanien meldet neuen Hantavirus-Fall

Transition News - 8. August 2026 - 0:01

Für die Inszenierung ihres Hantavirus-Spektakels Anfang Mai hatte sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen Partner ausgesucht, der sich schon während der «Corona-Pandemie» als äußerst zuverlässig erwies: Spanien. Begleitet von einem sagenhaften Medientheater und einem Riesenaufgebot an Polizei und Militär wurde das angeblich betroffene Kreuzfahrtschiff MV Hondius in einen Hafen auf Teneriffa gelenkt, um etwa 150 Passagiere zu evakuieren.

Die Show war einzigartig und ließ Erinnerungen an die Corona-Hysterie wach werden. Grenzüberschreitend hatten sich alle Leitmedien an der Angstmache beteiligt – allen voran hotteten internationale Nachrichtenagenturen wie beispielsweise Associated Press (AP) (wir berichteten hier, hier, hier, hier und hier).

Anfang Juli hatte der Generaldirektor der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, den vermeintlichen Hantavirus-Ausbruch dann für beendet erklärt. Das «dramatische» Endergebnis laut WHO: Drei Tote und 13 positive Testergebnisse.

Kaum einen Monat später versetzen spanische Medien die Bevölkerung nun wieder in den Panikmodus: So berichten sie, das spanische Gesundheitsministerium hätte am Donnerstag einen neuen Hantavirus-Fall bestätigt. Dabei handele es sich um einen französisch-argentinischen Staatsbürger, der sich derzeit in Galicien aufhalte. Dieser sei positiv auf das Anden-Hantavirus getestet worden.

Die vermeintliche Infektion wurde also – wie immer – mithilfe eines betrügerischen Tests festgestellt. Dieser wurde laut den Medien vor einigen Tagen in Frankreich entnommen, denn der Tourist hätte Frankreich in der zweiten Julihälfte auf seiner Reise nach Spanien durchquert.

Anmerkung am Rande: Dass Frankreich auch bei diesem vermeintlichen neuen Hantavirus-Fall eine Rolle spielt, entbehrt nicht der Komik. Denn nur einen Tag nach der Ankunft der MV Hondius auf Teneriffa und der Evakuierung der Passagiere war Frankreich nachgezogen und hatte im Hafen von Bordeaux mehr als 1.700 Passagiere auf dem Kreuzfahrtschiff Ambition unter Quarantäne gestellt.

Als Grund für diese Entscheidung wurde der Tod einer 92-jährigen Passagierin genannt. Wobei anzumerken ist, dass es auf Kreuzfahrtschiffen häufiger zu Todesfällen kommt – aufgrund des hohen Alters der meisten Passagiere. Deshalb gibt es auf solchen Schiffen sogar spezielle Kühlkammern.

Auch das Detail, dasss es sich bei dem neuen Fall angeblich um einen französisch-argentinischen Bürger handeln soll, erscheint höchst verdächtig. Denn die Leitmedien und die WHO hatten den Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff Hondius mit dem Besuch eines niederländischen Ehepaars auf einer Müllkippe in der argentinischen Stadt Ushuaia in Verbindung gebracht. Dort seien sie möglicherweise mit Nagetieren in Kontakt gekommen und hätten sich angesteckt.

Auf jeden Fall teilen die spanischen Medien nun mit, dass die Gesundheitsbehörden – trotz der Diagnose – versuchen würden, die Öffentlichkeit zu beruhigen. Die Person habe in Frankreich wegen sehr leichter Symptome ärztliche Hilfe aufgesucht und sei anschließend symptomfrei nach Spanien eingereist – deshalb sei sie nicht mehr ansteckend.

Dennoch wurde der Mann – laut den Medien – mit seiner Familie in seiner Unterkunft in Galicien isoliert. Der Fall werde vom Zentrum für die Koordinierung von Gesundheitswarnungen und Notfällen (CCAES) gemeinsam mit der galicischen Gesundheitsdirektion und den französischen Behörden bearbeitet.

Kurzum: Die Virus-Show muss weitergehen.

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Wird J.D. Vance Nachfolger von Trump?

Transition News - 8. August 2026 - 0:00

US-Präsident Donald Trump hat sich laut Medienberichten intern auf Vizepräsident J.D. Vance als seinen bevorzugten Nachfolger für die Präsidentschaftswahl 2028 festgelegt. Die Nachricht wurde ursprünglich von der Washington Post verbreitet, die sich auf Insider-Informationen berief. Demnach soll Trump bei einem Treffen mit Parteispendern im Weißen Haus vor rund zwei Wochen gesagt haben: «Letztendlich müssen wir J.D. wählen.»

Ein Berater des Präsidenten erklärte dem Bericht zufolge, Trump habe entschieden, dass Vance die Republikanische Partei künftig anführen solle. Es sei jedoch noch zu früh, um abzuschätzen, wann Vance eine Kandidatur ankündigen oder Trump ihn öffentlich unterstützen werde. Andere namentlich nicht genannte Berater seien hingegen nicht überzeugt, dass die Entscheidung bereits endgültig gefallen sei. Trump könne seine Meinung noch ändern. Bislang galt das Rennen um die Nachfolge Trumps als Zweikampf zwischen Vance und Außenminister Marco Rubio.

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Tacheles # 217 ist online

ANTI-SPIEGEL - Fundierte Medienkritik - 7. August 2026 - 23:34
Diese Woche war Tacheles mit Röper und Stein mal wieder sehr „Ukraine-lastig“, aber es gab auch noch einige andere spannende Themen. Sollte YouTube die Sendung löschen, finden Sie sie auch hier bei NuoViso.
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Amerika ist weitergezogen: Deutschlands Parteien und die neue Weltordnung

Als Donald Trump im Januar 2025 ins Weiße Haus zurückkehrte, verfiel Deutschland in ein vertrautes Ritual. Wieder drehte sich die Debatte um seine Persönlichkeit, seinen Politikstil, seine Provokationen und seine vermeintliche Unberechenbarkeit. Kaum jemand stellte jedoch die eigentliche Frage. Nicht Trump hat Amerika grundlegend verändert. Amerika hat sich verändert, und Donald Trump ist der sichtbarste […]

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Blanche Is (Still) Unfit to Be Named Attorney General

Today, Senator Bill Cassidy, announced that he will vote to confirm Todd Blanche as Attorney General.

Lisa Gilbert, co-president of Public Citizen, issued the following statement in response:

“This is an appalling outcome for the rule of law. Todd Blanche is Donald Trump’s lawyer. He is committed to lawfare and Donald Trump’s political vendettas, not rule of law defense and the American people. He should not become our permanent attorney general. We are disgusted by those who are allowing his confirmation to continue.”

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Ammoniak als Strom und Energiespeicher- Wunschdenken oder realistische Perspektive?

Von Dr. Holger Stienen

Im Kontext der sogenannten Energiewende wird immer wieder von Seiten der Klimalobby, linken NGOs und Grüner Unternehmen Ammoniak als Heilsbringer zur Speicherung Grüner Energie, besonders des Grünen volatilen Wasserstoffs bevorzugt als aus vermeintlich erneuerbaren Energien erzeugt, ins Spiel gebracht. Dieses Szenario wird schöngerechnet und schöngeredet und immer erneut ins Spiel gebracht und in den politischen Diskurs gepeitscht (1). Elektrolytisch soll dann das Ammonium gecrackt werden und der Wasserstoff energetisch zum Einsatz kommen.

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Ammoniak NH3 bildet sich vor allem in der Natur durch Zersetzungsprozesse. Es ist auch ein Schlüsselmolekül bei der Entstehung von Leben und findet sich auch an Objekten im Weltraum (7). Bei seiner Zersetzung wird Stickstoff frei, der düngende Wirkung hat. Künstlich als Dünger wird es im Haber- Bosch- Verfahren seit 1916 erzeugt aus Luftstickstoff und Wasserstoff bei über 500°C, 250 bar Druck und mit Hilfe von Eisen- Alkalihydroxid- Katalysatoren und der Gastrennung in Kühlungskompressoren und Wärmerückgewinnung, 170 Mio. Tonnen pro Jahr weltweit unter Verbrauch von 3% des weltweiten Energiebedarfs. Der Wasserstoff kam traditionell aus gespaltenem Erdgas und wird heute auch energetisch erzeugt, auch etwa mittels Solar- oder Windstrom, aber genauso gut möglich durch andere Energiequellen (2). Im Ruhrgebiet gibt seit der Industrialisierung ein Wasserstoffnetzwerk zwischen solchen Betrieben, die Wasserstoff im Überschuss erzeugen und jenen, die ihn nutzen können. Ein sinnvolles und profitables System ohne Subventionen (3). Dieser Wasserstoff wird unter anderem aus der Elektrolyse von Wasser hergestellt und zum Beispiel bei der Synthese von Ölen und Fetten verwendet. Es wir flüssig bei unter -253 °C gelagert oder transportiert. Es ist kein Klimagas.

Wasserstoff ist nur schwierig unter Hochdruck, Niedertemperatur, oder in chemischer Bindung speicherbar und erleidet beim Transport auch über Pipelines enorme Verluste. Behälter und Leitungen bestehen aus doppelwandige Molybdän- Edelstahl 304L gegen eine Versprödung und unkontrollierter Diffusion. Die Verflüssigung erfordert hohen Energieeinsatz und die Explosionsgefahr ist hoch (Knallgasexplosion). Daher wird die Großindustrielle Zwischenspeicherung mittels flüssigem Ammoniaks bei Niederdruck angedacht und propagiert. Weltweit werden bis heute nur knapp 20% des hergestellten Ammoniaks energetisch im weitesten Sinne genutzt (5).

Sind die Probleme handelbar und NH3- Speicherung energetisch sinnvoll?

Um ein Kilogramm Wasserstoff per Haber- Bosch- Verfahren in Ammoniak zu fixieren, bedarf es ca. 26,5 Kilowattstunden (kWh), zum cracken von Ammoniak per Elektrolyse bedarf es ca. 30 kWh. Das bedeutet einen primären energetischen Prozessverlust von 13,4 % nach eigener Berechnung, um den Wasserstoff zur Energieerzeugung zurückzugewinnen. Hinzu kommen Stoffverluste bei Transport und Lagerung sowie energetische zusätzliche Aufwendungen. Diese bestehen in der Lagerung in flüssiger Form in doppelwandigen Tanks bei bis zu 10 bar Druck oder drucklos bei ca.-33° C. Es gibt Berechnungen, dass der gesamte energetische Prozessverlust bei etwa 30% liegt (4). Bei Batterien, z.B. sogar von Solaranlagen, liegen diese Verluste, besonders bedingt durch Ein- und Ausspeisung, bei maximal nur 20% (6).

Die Explosionsgefahr beim Wassersttoffhandling ist nicht gebannt. In Norwegen wurden Wasserstofftankstellen nach einem Unfall geschlossen (8). Grüner Wasserstoff ist bisher auch kaum verfügbar und Norwegen als Schlüssellieferant hat sich aus europäischen Projekten zurückgezogen (9). Auch neue Verfahren etwa mit Doppelatom- Katalysatoren mit zwei Spitzengeschwindigkeitsregionen oder multimetallische Kats versprechen auch bei Brennstoffzellen noch keine höhere Effizienz und Sicherheit (10).

Im weiteren wird mit der Speicherung von Wasserstoff mittels Methanol oder in Flüssigorganischen Trägern (LOHCs) experimentiert. Methanol setzt aber auch den Kohlenstoff wieder frei, erfordert Hafniumoxidkatalysatoren und ist nur sehr teuer herzustellen (11). LOHCs sind ungesättigte organische Verbindungen wie N-Ethylcarbazol, Benzyltoluol oder Naphtalin. Sie sind zwar reversibel hydrierbar, brauchen aber auch Drücke bis 50 bar und Temperaturen bis 200°C. Einen Einsatz erhofft man sich in der Schifffahrt (12).

Weitere Nutzungsmöglichkeiten von Ammoniak: Sinnvoll oder utopisch ?

Ammoniak ist flüssig ein Lösungsmittel, mit Alkali- und Erdalkalisalzen bekommt es einen Säurecharakter, Amide hingegen sind basisch. Ammoniak wird zur Herstellung von Ammoniumsalzen verwendet, zur Erzeugung von Blausäure, Aminen und Acrylnitrit. Es dient der Produktion von Synthesegasen aus Kohle, Rückstandsölen der Erdöldestillation, Benzin und Raffineriegasen und spielt bei der Dampfreformation bei Entschwefelung in Großanlagen eine Rolle (13). Ammoniak kommt zudem als Kältemittel (R717) in der Großindustrie wie Chemieanlagen und Gewerbe wie Brauereien, Schlachthöfen und Eishallen zum Einsatz 14). Seine Kälteleistung ist sehr hoch, es hat eine hohe Enthalpiedifferenz und benötigt in Prozessen kleine Rohrdurchmesser. Anlagen bestehen aus Verdampfer, Verdichter, Verflüssiger und Expansionsventil. Beim Verflüssigen entsteht Wärme und bei der Expansion ist es umgekehrt. 2000 kG NH3 erbringen etwa 1000 kW Kälteleistung (15).

Ammoniak kann auch direkt als Treibstoff genutzt werden. Es besitzt ein doppelt so hohe Energiedichte wie Wasserstoff. Durch seine langsame Verbrennung verbrennt es aber nicht vollständig und es bedarf im Abgasstrom eines Schlupfkatalysators zur „Nachverbrennung“. Oder man mischt es mit Benzin im Verhältnis 70:30, dann erfolgt eine vollständige Verbrennung. Es gibt Automotoren, die so arbeiten. Aber auf Sicht wird es kein Tankstellennetz für Ammoniak geben. Die Kosten sind auch noch zu hoch. In der Schifffahrt hingegen könnte sich Ammoniak als Treibstoff etablieren (16). Alle diese Einsatzgebiete sind sinnvoll und wurden über Jahrzehnte verbessert und werden weiter optimiert.

Als Wasserstoffzwischenspeicher hingegen ist Ammoniak also nicht sinnvoll einsetzbar (s.o.). Zum Wasserstoff sei abschließend angemerkt, dass es neben dem teuren und subventionieren grünen auch andere Herkünfte gibt, wie jenen als Nebenproduckt chemischer Großprozesse (s.v.), sog. pinker oder gelber Wasserstoff wird durch Elektrolyse in Kraftwerken erzeugt, orangener auf dieselbe Weise in Müllverbrennungsanlagen, blauer Wasserstoff entsteht durch Dampfreformierung. Diese sind günstig und fallen nach einmaliger Installation der Anlage immer nebenher an (17). Spannend ist auch geogener „weißer“ Wasserstoff, der quasi umsonst anfällt und bei Preisen von unter 1 Cent pro kWh liegt. Die Quellen sind mikrobielle Abbauprozesse, radioaktiver Zerfall von Gestein oder die sog. Serpentisierung durch die Oxidation von eisenreichem Gestein im Erdmantel (18), dieser Prozess ist beständig und die Quellen unerschöpflich. Wasserstoff quillt aus Erdspalten an die Oberfläche und muss nur aufgefangen werden. Immer mehr Quellen werden entdeckt, auch in Mitteleuropa. Mali deckt seinen ganzen Wasserstoffbedarf aus solchen Quellen, in Bayern wird es ab 2030 in grösserer Menge gefördert und in ganz Europa wird an vielen Projekten gearbeitet (19).

Literatur

  1. https://www.wasserstoff-leitprojekte.de/
  2. https://www.chemie-azubis.de/chemie-lernen-online/ammoniak/
  3. Wasserstoff. Bockris, J., Justi, E.1990. Augustus Verlag. 395 S.
  4. https://www.energiezukunft.eu
  5. https://www.draeger.com/ammoniak-fluessiger-energietraeger-mit-besonderen-gefahren
  6. https://www.sonnen.de
  7. https://wissenschaft.de/artikel/astronomen-entdecken-ammoniakmolekuele-mit-drei-deuteriumatomen
  8. Ctif.org/de/news/www.wasserstoffbetankungsanlage-explodiert-in-norwegen
  9. https://www.bund.net/klimaschutz-durch-gruenen-wasserstoff?
  10. https://www.bing.com/search?q=basic%20thinking%20doppelatom%20katalysatoren&FORM=ARPSEC&PC=3BTC&PTAG=1370
  11. https://www.basicthinking.de/blog/2026/03/12/wasserstoff-methanol/
  12. https://de.wikipedia.org/wiki/Fl%C3%BCssige_organische_Wasserstofftr%C3%A4ger
  13. Taschenbuch der Chemie. 20. Aufl., Schröter, W., Lautenschläger, K., Bibrack, H. 2005. Harry Deutsch Verlag. 839 S.
  14. https://www.engie-refrigeration.de/de
  15. https://www.deutsche-thermo.de/wiki/ammoniak-kaelteanlagen-fuer-die-industrie/
  16. https://www.youtube.com/watch?v=3z4qVQUFe7Y
  17. https://www.enbw.com/unternehmen/themen/wasserstoff/wasserstoff-farben.html
  18. https://www.bgr.bund.de/geogener-wasserstoff
  19. https:,//www.dw.com/weisser-wasserstoff

 

Der Beitrag Ammoniak als Strom und Energiespeicher- Wunschdenken oder realistische Perspektive? erschien zuerst auf EIKE - Europäisches Institut für Klima & Energie.

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Europa wartet schon: Offenbar nächster großangelegter Migrantensturm auf Ceuta am 15. August geplant

Während sich noch immer Tausende Migranten in und um Ceuta herumtreiben (von denen einer offen erklärte: „Ich will nach Deutschland, Österreich oder Holland. Die Menschen da sollen freundlich sein“ und ein anderer, der bereits sechs Jahre in Freiburg gelebt hat und erst im Februar nach Marokko abgeschoben wurde, die Chance wittert, wieder nach Deutschland zurückzukehren), […]

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Rentenschock mit 60: So lässt sich die spätere Rente noch deutlich erhöhen

Wer mit 60 Jahren feststellt, dass die erwartete gesetzliche Rente deutlich niedriger ausfällt als erhofft, muss sich nicht zwangsläufig damit abfinden. Zwar lässt sich eine jahrzehntelang fehlende Altersvorsorge kurz vor Rentenbeginn kaum noch vollständig ausgleichen.

Es gibt jedoch zwei Möglichkeiten, mit denen Versicherte ihre spätere Monatsrente noch erheblich steigern können: zusätzliche Einzahlungen in die Rentenversicherung und ein späterer Rentenbeginn.

Im Extremfall kann die spätere Rente gegenüber einem sehr frühen Renteneintritt sogar ungefähr doppelt so hoch ausfallen. Dafür sind allerdings erhebliche finanzielle Mittel oder mehrere zusätzliche Arbeitsjahre erforderlich. Eine Garantie für eine Verdopplung gibt es deshalb nicht.

Yasmeena aus Brunsbüttel ist 60 und erschrickt über ihre Rentenauskunft

Yasmeena aus Brunsbüttel ist 60 Jahre alt. Sie hat in ihrem Berufsleben unterschiedlich viel verdient und zeitweise auch weniger Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt. Eine größere private Altersvorsorge konnte sie nicht aufbauen.

Als sie ihre Rentenauskunft genauer betrachtet, ist sie enttäuscht. Sie hatte mit einer deutlich höheren Altersrente gerechnet und überlegt deshalb, bereits mit 63 Jahren in den Ruhestand zu gehen. Yasmeena erfüllt die dafür erforderliche Wartezeit von mindestens 35 Versicherungsjahren.

Doch genau der frühe Rentenbeginn würde ihre Altersrente zusätzlich vermindern. Versicherte können die Altersrente für langjährig Versicherte zwar ab 63 Jahren beziehen. Für jeden Monat vor der persönlichen Regelaltersgrenze werden jedoch dauerhaft 0,3 Prozent abgezogen. Der maximale Abschlag beträgt 14,4 Prozent.

Mit 63 können Yasmeena 14,4 Prozent dauerhaft fehlen

Für jüngere Jahrgänge liegt die Regelaltersgrenze bei 67 Jahren. Beginnt Yasmeena ihre Rente bereits vier Jahre vorher mit 63, liegen zwischen beiden Zeitpunkten 48 Monate. Multipliziert mit 0,3 Prozent ergibt das einen Abschlag von 14,4 Prozent.

Dieser Abschlag verschwindet später nicht wieder. Yasmeena bekommt also nicht plötzlich mit 67 die volle Rente, sondern die Kürzung wirkt grundsätzlich dauerhaft weiter. Deshalb lohnt es sich, einige Jahre vor dem geplanten Ruhestand verschiedene Varianten berechnen zu lassen.

Möglichkeit 1: Rentenabschläge mit Sonderzahlungen ausgleichen

Eine wichtige Möglichkeit bietet die gesetzliche Rentenversicherung bereits ab dem 50. Lebensjahr. Wer voraussichtlich die Voraussetzungen für eine vorgezogene Altersrente erfüllt, kann zusätzliche Beiträge zahlen, um die dadurch entstehenden Rentenabschläge ganz oder teilweise auszugleichen.

Yasmeena müsste dafür zunächst bei der Deutschen Rentenversicherung eine besondere Rentenauskunft beantragen. Darin wird ausgewiesen, wie hoch die voraussichtliche Rentenminderung bei ihrem gewünschten Rentenbeginn wäre und welcher Betrag notwendig wäre, um diese Minderung auszugleichen.

Sie muss den errechneten Höchstbetrag nicht vollständig bezahlen. Auch Teilzahlungen sind möglich. Die Sonderzahlungen können zudem über mehrere Jahre verteilt werden.

Sonderzahlung bedeutet nicht, dass Yasmeena mit 63 gehen muss

Ein wichtiger Punkt wird häufig missverstanden. Entscheidet sich Yasmeena für eine Sonderzahlung zum Ausgleich ihrer geplanten Abschläge, verpflichtet sie sich damit nicht, tatsächlich mit 63 Jahren in Rente zu gehen.

Arbeitet sie später doch länger, gehen die zusätzlichen Beiträge nicht verloren. Sie erhöhen dann grundsätzlich ihren späteren Rentenanspruch. Deshalb kann eine solche Zahlung auch für Versicherte interessant sein, die sich den tatsächlichen Rentenbeginn noch offenhalten wollen.

Allerdings können dafür beträchtliche Summen notwendig werden. Wer über Ersparnisse, eine Abfindung oder anderes Vermögen verfügt, sollte deshalb genau prüfen, ob eine Sonderzahlung zur persönlichen finanziellen Situation passt. Entscheidend ist die individuelle Berechnung der Rentenversicherung.

Möglichkeit 2: Rentenbeginn nach hinten verschieben

Die zweite Stellschraube kostet zunächst kein zusätzliches Kapital, verlangt aber etwas anderes: Zeit. Wer länger arbeitet, zahlt normalerweise weitere Beiträge und erwirbt dadurch zusätzliche Rentenansprüche.

Vor Erreichen der Regelaltersgrenze hat jeder zusätzliche Monat einen weiteren Vorteil. Der Abschlag für einen vorzeitigen Rentenbeginn reduziert sich um 0,3 Prozent. Wartet Yasmeena bis zu ihrer Regelaltersgrenze, fällt der Abschlag schließlich vollständig weg.

Besonders interessant wird es, wenn sie sogar über ihre Regelaltersgrenze hinaus arbeitet und die Altersrente zunächst nicht beansprucht.

Nach der Regelaltersgrenze gibt es 0,5 Prozent Zuschlag pro Monat

Wer die Regelaltersrente trotz erfüllter Voraussetzungen noch nicht beansprucht, erhält für jeden Monat des Aufschubs einen Zuschlag von 0,5 Prozent. Ein Jahr späterer Rentenbeginn erhöht den Rentenanspruch damit um sechs Prozent, bei fünf Jahren sind es bereits 30 Prozent.

Arbeitet Yasmeena in dieser Zeit versicherungspflichtig weiter, kommen außerdem die Rentenansprüche aus den weiteren Beiträgen hinzu. Es wirken also zwei Effekte zusammen: zusätzliche Beitragszeiten und der Zuschlag für den späteren Rentenbeginn.

So kann aus einer kleinen Rente eine deutlich höhere Rente werden

Vergleicht Yasmeena eine stark gekürzte Altersrente mit 63 mit einer erst viele Jahre später beginnenden Rente, kann der Unterschied enorm werden. Mit 63 müsste sie möglicherweise einen Abschlag von 14,4 Prozent hinnehmen und würde gleichzeitig mehrere Jahre keine weiteren Rentenansprüche aus einer Beschäftigung erwerben.

Arbeitet sie dagegen bis 67 weiter, entfallen die Abschläge und zusätzliche Beitragsjahre erhöhen den Anspruch. Verschiebt sie den Rentenbeginn anschließend beispielsweise noch bis 72, kommen weitere Beitragszeiten und insgesamt 30 Prozent Zuschlag für die fünf Jahre nach der Regelaltersgrenze hinzu.

Unter günstigen Voraussetzungen kann sich die spätere Monatsrente dadurch gegenüber der sehr frühen Rente annähernd verdoppeln. Genau deshalb ist die Aussage, man könne selbst mit 60 noch viel an seiner gesetzlichen Rente verändern, grundsätzlich richtig.

Eine Verdoppelung ist jedoch ein Extrembeispiel und keineswegs für jeden Versicherten erreichbar.

Eine höhere Monatsrente hat ihren Preis

Die Rechnung hat eine entscheidende Kehrseite. Wer seine Rente fünf Jahre nach der Regelaltersgrenze aufschiebt, verzichtet in diesen fünf Jahren auf sämtliche Rentenzahlungen, die er ansonsten bereits erhalten hätte.

Eine höhere Monatsrente bedeutet deshalb nicht automatisch, dass sich der spätere Rentenbeginn finanziell für jeden Menschen lohnt. Gesundheit, Lebenserwartung, Einkommen, Steuern, Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sowie vorhandenes Vermögen können die Entscheidung erheblich beeinflussen.

Auch Yasmeena sollte deshalb nicht allein danach entscheiden, wie hoch ihre maximale Monatsrente sein könnte. Entscheidend ist, welcher Rentenbeginn zu Ihrer persönlichen und finanziellen Situation passt.

Mit 60 ist es für die Rentenplanung noch nicht zu spät

Das Beispiel von Yasmeena zeigt, dass Versicherte auch wenige Jahre vor dem ursprünglich geplanten Rentenbeginn noch Handlungsmöglichkeiten haben. Besonders wichtig ist zunächst eine aktuelle Rentenauskunft, damit verschiedene Rententermine miteinander verglichen werden können.

Wer früher in Rente möchte, kann außerdem prüfen lassen, wie hoch eine Sonderzahlung zum Ausgleich der Abschläge ausfallen würde. Wer dagegen gesundheitlich und beruflich länger arbeiten kann und möchte, kann seine Rente durch weitere Beitragsjahre und einen späteren Rentenbeginn deutlich erhöhen.

Die entscheidende Erkenntnis lautet deshalb nicht, dass jeder bis 70 oder noch länger arbeiten sollte. Vielmehr lohnt es sich, vor dem Rentenantrag verschiedene Varianten durchzurechnen.

Zwischen einer frühen Rente mit hohen Abschlägen und einem späteren Rentenbeginn können immerhin dauerhaft mehrere hundert Euro im Monat liegen.

FAQ zur Rentenerhöhung kurz vor dem Ruhestand Kann ich mit 60 noch zusätzlich in die Rentenversicherung einzahlen?

Ja. Sonderzahlungen zum Ausgleich von Abschlägen sind grundsätzlich bereits ab dem 50. Lebensjahr möglich, wenn die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt werden können. Zuvor sollte eine besondere Rentenauskunft beantragt werden.

Wie stark steigt die Rente bei einem späteren Rentenbeginn?

Nach Erreichen der Regelaltersgrenze gibt es für jeden Monat, in dem die Rente noch nicht beansprucht wird, einen Zuschlag von 0,5 Prozent. Ein Jahr Aufschub entspricht damit sechs Prozent.

Kann man seine Rente mit 60 wirklich noch verdoppeln?

In besonderen Konstellationen kann die spätere Monatsrente gegenüber einer stark gekürzten vorzeitigen Rente ungefähr doppelt so hoch ausfallen. Dafür sind jedoch in der Regel mehrere zusätzliche Arbeitsjahre, weitere Beitragszahlungen und gegebenenfalls Sonderzahlungen erforderlich.

Quellenverzeichnis

Deutsche Rentenversicherung: Altersrente für langjährig und besonders langjährig Versicherte; Informationen zu Abschlägen bei vorzeitigem Rentenbeginn. (Deutsche Rentenversicherung)

Deutsche Rentenversicherung: Hinausschieben des Rentenbeginns sowie Zuschläge bei einem Rentenbeginn nach Erreichen der Regelaltersgrenze. (Deutsche Rentenversicherung)

Deutsche Rentenversicherung: Mit Sonderzahlungen Rentenminderung ausgleichen, Informationen zu Sonderzahlungen ab dem 50. Lebensjahr und zur besonderen Rentenauskunft. (Deutsche Rentenversicherung)

 

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Nur Pflegegeld? Das sind die oft vergessenen Pflegeleistungen

Oft vergessene Pflegeleistungen: Bis zu 42 Euro monatlich und 4.180 Euro für den Umbau

Wer einen Pflegegrad erhält, achtet meist zuerst auf Pflegegeld oder die Hilfe durch einen ambulanten Pflegedienst. Daneben gibt es jedoch mehrere Leistungen, die laufende Ausgaben senken, die Wohnung sicherer machen und pflegende Angehörige entlasten können.

Viele dieser Ansprüche werden nicht automatisch umgesetzt, sondern müssen bei der Pflegekasse beantragt oder mit einem zugelassenen Anbieter abgerechnet werden.

Schon bei Pflegegrad 1 kommen Pflegehilfsmittel zum Verbrauch, technische Pflegehilfsmittel, ein Hausnotruf und Zuschüsse zur Wohnungsanpassung in Betracht.

Tages- und Nachtpflege steht mit eigenen Leistungsbeträgen ab Pflegegrad 2 zur Verfügung, während Pflegekurse für Angehörige und andere ehrenamtlich Pflegende unentgeltlich angeboten werden. Ein Überblick über den Pflegegrad und die Leistungen im Jahr 2026 hilft dabei, die einzelnen Bausteine voneinander zu unterscheiden.

Zusatzansprüche bestehen neben dem Pflegegeld

Pflegegeld ist keine abschließende Abgeltung aller Kosten, die bei der häuslichen Pflege entstehen. Mehrere Hilfen können zusätzlich genutzt werden, weil sie einen eigenen Zweck erfüllen und aus einem anderen Leistungsrahmen bezahlt werden.

Wer nur den monatlichen Zahlungseingang prüft, übersieht daher leicht Leistungen im Wert von mehreren Hundert oder sogar mehreren Tausend Euro.

Entscheidend ist die passende Zuordnung des Bedarfs. Einmalhandschuhe gehören zu den Verbrauchsprodukten, ein Pflegebett zu den technischen Pflegehilfsmitteln und eine bodengleiche Dusche zur Wohnungsanpassung. Die Pflegekasse darf für jeden Bereich eigene Nachweise und einen gesonderten Antrag verlangen.

Diese häufig übersehenen Leistungen gelten 2026 Leistung Umfang und wichtige Voraussetzung Pflegehilfsmittel zum Verbrauch Bis zu 42 Euro monatlich bei häuslicher Pflege, grundsätzlich bereits ab Pflegegrad 1; erstattet werden nur anerkannte und tatsächlich benötigte Produkte. Wohnungsanpassung Bis zu 4.180 Euro je Maßnahme ab Pflegegrad 1; bei mehreren Anspruchsberechtigten in einer gemeinsamen Wohnung sind insgesamt bis zu 16.720 Euro möglich. Hausnotruf Seit dem 1. April 2026 bis zu 27 Euro monatlich für die Basisversorgung, wenn ein Pflegegrad und die weiteren persönlichen Voraussetzungen vorliegen. Technische Pflegehilfsmittel Versorgung etwa mit Pflegebett, Lagerungshilfen oder bestimmten Notrufsystemen; bei Erwachsenen kann eine Zuzahlung von zehn Prozent, höchstens 25 Euro je Hilfsmittel, anfallen. Tages- und Nachtpflege Monatlich bis zu 721 Euro bei Pflegegrad 2, 1.357 Euro bei Pflegegrad 3, 1.685 Euro bei Pflegegrad 4 und 2.085 Euro bei Pflegegrad 5. Pflegekurse Unentgeltliche Schulungen vor Ort, digital oder auf Wunsch in der häuslichen Umgebung für Angehörige und andere ehrenamtlich Pflegende. Bis zu 42 Euro für Verbrauchsprodukte im Monat

Die Pflegekasse übernimmt monatlich bis zu 42 Euro für zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel. Dazu zählen je nach individuellem Bedarf beispielsweise Einmalhandschuhe, Hände- oder Flächendesinfektionsmittel, Schutzschürzen, Mund-Nasen-Schutz und saugende Bettschutzeinlagen. Ausführliche Hinweise bietet auch der Beitrag über den 42-Euro-Anspruch für Pflegehilfsmittel.

Die Bezeichnung als Pauschale führt mitunter in die Irre. Es werden nicht automatisch 42 Euro auf das Konto überwiesen, sondern anerkannte Ausgaben bis zu dieser Obergrenze übernommen. Je nach Vereinbarung rechnet ein Vertragspartner direkt mit der Pflegekasse ab oder die versicherte Person reicht Rechnungen zur Erstattung ein.

Der Anspruch setzt häusliche Pflege und einen anerkannten Pflegegrad voraus. Außerdem müssen die Produkte die Pflege erleichtern, Beschwerden lindern oder eine selbstständigere Lebensführung ermöglichen. Die Informationen des Bundesgesundheitsministeriums zu Pflegehilfsmitteln bestätigen den monatlichen Höchstbetrag von 42 Euro.

Nicht verbrauchte Beträge werden nicht wie der Entlastungsbetrag angespart. Wer in einem Monat nur Produkte für 25 Euro benötigt, kann die Differenz deshalb nicht in einen späteren Monat verschieben. Vor der Bestellung einer vorgefertigten Pflegebox sollte zudem geprüft werden, ob Inhalt, Menge und Qualität zum tatsächlichen Bedarf passen.

Bis zu 4.180 Euro für einen pflegegerechten Umbau

Für Maßnahmen, die häusliche Pflege ermöglichen, deutlich erleichtern oder eine selbstständigere Lebensführung fördern, kann die Pflegekasse bis zu 4.180 Euro je Maßnahme zahlen. Förderfähig können etwa eine bodengleiche Dusche, verbreiterte Türen, fest eingebaute Rampen, ein Treppenlift oder pflegegerecht angepasstes Mobiliar sein. Der Anspruch besteht für Pflegebedürftige der Pflegegrade 1 bis 5.

„Je Maßnahme“ bedeutet nicht, dass jeder einzelne Handgriff mit 4.180 Euro gefördert wird. Mehrere Umbauten, die aufgrund derselben Pflegesituation gleichzeitig erforderlich sind, können als eine gemeinsame Maßnahme bewertet werden. Verändert sich der Pflegebedarf später und wird deshalb ein weiterer Umbau nötig, kann erneut ein Zuschuss möglich sein.

Leben mehrere anspruchsberechtigte Pflegebedürftige zusammen, können die Zuschüsse gebündelt werden. Die Obergrenze liegt dann beim Vierfachen des Einzelbetrags, also bei 16.720 Euro. Weitere Hinweise zur Abstimmung verschiedener Kostenträger enthält der Beitrag über die Kombination von Zuschüssen für die Wohnraumanpassung.

Der Antrag sollte vor dem Vertragsabschluss mit Handwerkern und vor Beginn der Arbeiten gestellt werden. Sinnvoll sind Kostenvoranschläge, Fotos des bisherigen Zustands und eine kurze Beschreibung, wie der Umbau die Pflege erleichtert. Mieterinnen und Mieter benötigen bei Eingriffen in die Wohnung regelmäßig auch die schriftliche Zustimmung des Vermieters.

Nach den Angaben des Bundesgesundheitsministeriums zur Wohnungsanpassung soll die Pflegekasse grundsätzlich innerhalb von drei Wochen entscheiden. Wird ein medizinisches Gutachten benötigt, verlängert sich die Frist auf fünf Wochen. Kann die Kasse die Frist nicht einhalten, muss sie dies rechtzeitig schriftlich begründen.

Hausnotruf kann seit April 2026 bis zu 27 Euro abdecken

Ein Hausnotruf verbindet die pflegebedürftige Person über einen tragbaren Sender mit einem rund um die Uhr erreichbaren Rufdienst. Seit dem 1. April 2026 übernimmt die Pflegekasse für die Basisversorgung bis zu 27 Euro monatlich, wie die Verbraucherzentrale zum Hausnotruf erläutert. Damit wurde der zuvor geltende Betrag von 25,50 Euro angehoben.

Ein Pflegegrad allein reicht für die Bewilligung nicht in jedem Fall aus. Die Person muss häufig über weite Teile des Tages allein sein, und aufgrund ihres Gesundheits- oder Pflegezustands muss jederzeit eine Notsituation eintreten können, in der sie ohne das System keine Hilfe erreicht. Der Anbieter muss außerdem Vertragspartner der Pflegekasse sein.

Der Basistarif umfasst üblicherweise das Gerät, einen Funkknopf, die Einrichtung und die ständige Erreichbarkeit des Rufdienstes. Zusatzangebote wie Schlüsselhinterlegung, automatische Sturzerkennung oder ein mobiler GPS-Notruf können private Mehrkosten verursachen. Gegen-Hartz erläutert die Änderung im Beitrag zum Hausnotruf-Zuschuss 2026.

Technische Pflegehilfsmittel werden häufig leihweise bereitgestellt

Technische Pflegehilfsmittel sind langlebige Geräte, die die Pflege erleichtern oder mehr Selbstständigkeit ermöglichen. Dazu können Pflegebetten, Lagerungshilfen, Hebegeräte und bestimmte Notrufsysteme gehören. Größere Geräte werden häufig leihweise überlassen und bleiben dann Eigentum des Leistungserbringers.

Bei Erwachsenen kann für ein bewilligtes technisches Pflegehilfsmittel eine Zuzahlung von zehn Prozent anfallen, die auf 25 Euro je Hilfsmittel begrenzt ist. Bei einer leihweisen Überlassung entfällt diese Zuzahlung in der Regel. Wartung, Reparatur, Einweisung und Ersatz müssen vorab mit Pflegekasse und Anbieter geklärt werden.

Pflegekasse und Krankenkasse haben unterschiedliche Zuständigkeiten. Dient ein Hilfsmittel vor allem der Behandlung einer Krankheit oder dem Ausgleich einer Behinderung, kann die Krankenkasse zuständig sein. Geht es um die Erleichterung der häuslichen Pflege, kommt eher die Pflegekasse in Betracht.

Tagespflege steht zusätzlich zu Pflegegeld und Pflegedienst bereit

Die teilstationäre Tages- oder Nachtpflege betreut Pflegebedürftige für einen Teil des Tages in einer Einrichtung. Die Leistungsübersicht des Bundesgesundheitsministeriums für 2026 nennt dafür ab Pflegegrad 2 monatlich 721 Euro, 1.357 Euro, 1.685 Euro oder 2.085 Euro. Die notwendige Beförderung zwischen Wohnung und Einrichtung gehört grundsätzlich zum Leistungsumfang.

Die Pflegekasse trägt innerhalb der Höchstbeträge die pflegebedingten Aufwendungen, die Betreuung und erforderliche Behandlungspflege in der Einrichtung. Unterkunft, Verpflegung und gesondert berechnete Investitionskosten müssen Betroffene grundsätzlich selbst zahlen. Für solche Eigenanteile kann unter bestimmten Voraussetzungen zusätzlich der Entlastungsbetrag von 131 Euro eingesetzt werden.

Pflegegeld und ambulante Pflegesachleistungen werden durch die Tages- oder Nachtpflege nicht gekürzt. Gerade diese parallele Nutzung wird häufig übersehen. Bei Pflegegrad 1 gibt es keinen eigenen Betrag für teilstationäre Pflege, doch der Entlastungsbetrag kann für entsprechende Kosten eingesetzt werden.

Pflegekurse kosten Angehörige nichts

Pflegekassen müssen unentgeltliche Schulungskurse für Angehörige und andere Menschen anbieten, die ehrenamtlich pflegen oder sich dafür interessieren. Vermittelt werden beispielsweise rückenschonende Handgriffe, sicheres Lagern, der Umgang mit Pflegehilfsmitteln und Möglichkeiten zum Schutz vor Überlastung. Die Kurse können gemeinsam mit Pflegediensten, Bildungsträgern oder anderen Einrichtungen organisiert werden.

Auf Wunsch ist auch eine Schulung in der Wohnung der pflegebedürftigen Person möglich. Das ist besonders hilfreich, wenn konkrete Bewegungsabläufe, ein Pflegebett oder räumliche Schwierigkeiten besprochen werden sollen. Zusätzlich sollen die Pflegekassen digitale Kurse anbieten, wie das Bundesgesundheitsministerium zu Pflegekursen erläutert.

So lassen sich die Leistungen sinnvoll miteinander verbinden

Am Anfang sollte nicht die Frage nach einem einzelnen Zuschuss stehen, sondern eine Bestandsaufnahme des Pflegealltags. Wiederkehrender Materialverbrauch, Sturzgefahr, bauliche Hindernisse, Entlastungsbedarf der Angehörigen und unsichere Pflegetechniken weisen jeweils auf andere Leistungen hin. Eine kostenlose Pflegeberatung oder ein Pflegestützpunkt kann daraus einen Versorgungsplan entwickeln.

Anträge sollten schriftlich gestellt und mit Datum dokumentiert werden. Rechnungen, Bewilligungen, Kostenvoranschläge und der Schriftwechsel mit der Pflegekasse gehören in eine gemeinsame Ablage. Bei einer Ablehnung sollte die Begründung geprüft werden, bevor die einmonatige Widerspruchsfrist verstreicht.

Für das Jahr 2026 ist außerdem zwischen geltendem Recht und politischen Plänen zu unterscheiden. Der vom Bundesgesundheitsministerium veröffentlichte Referentenentwurf für ein Pflegeneuordnungsgesetz sieht Veränderungen bei Pflegeleistungen vor, ist aber noch kein beschlossenes Gesetz. Bis zu einer wirksamen Neuregelung gelten die beschriebenen Ansprüche weiter; aktuelle Entwicklungen zur geplanten Änderung der 42-Euro-Leistung sollten dennoch beobachtet werden.

Kurzes Beispiel aus der Praxis

Frau Becker hat Pflegegrad 2 und lebt allein in einer Mietwohnung. Ihre Pflegekasse übernimmt monatlich benötigte Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel und Bettschutzeinlagen bis zur 42-Euro-Grenze sowie den bewilligten Hausnotruf im Basistarif. Das Pflegegeld bleibt davon unberührt.

Nach einem Sturz beantragt sie vor Beginn der Arbeiten 3.900 Euro für den Umbau der Badewanne zu einer bodengleichen Dusche und legt die Zustimmung des Vermieters bei. Zusätzlich besucht sie zweimal pro Woche eine Tagespflege, deren pflegebedingte Kosten bis zum Betrag für Pflegegrad 2 übernommen werden; Verpflegung und Investitionskosten zahlt sie teilweise selbst. Ihre Tochter nutzt eine kostenlose Schulung zu rückenschonenden Transfers in der Wohnung.

Fragen und Antworten zu oft vergessenen Pflegeleistungen 1. Werden die 42 Euro zusätzlich zum Pflegegeld gewährt?

Ja. Die Kostenübernahme für zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel ist ein eigener Anspruch und mindert das Pflegegeld nicht. Erstattet werden jedoch nur anerkannte Produkte bis zur monatlichen Obergrenze.

2. Kann ein nicht genutzter Betrag für Pflegehilfsmittel angespart werden?

Nein. Anders als beim Entlastungsbetrag lässt sich der nicht ausgeschöpfte Teil der monatlichen 42 Euro grundsätzlich nicht in spätere Monate übertragen. Es handelt sich auch nicht um eine frei verfügbare Auszahlung.

3. Gibt es die 4.180 Euro für den Wohnungsumbau nur einmal im Leben?

Nein. Ändert sich die Pflegesituation später so, dass eine weitere Anpassung notwendig wird, kann ein neuer Zuschuss in Betracht kommen. Mehrere gleichzeitig erforderliche Umbauten können dagegen als eine Maßnahme zusammengefasst werden.

4. Darf der Umbau vor der Bewilligung beginnen?

Davon ist abzuraten. Der Antrag sollte vor Auftragserteilung und Baubeginn gestellt werden, weil eine nachträgliche Kostenübernahme unsicher ist. Bei einer Mietwohnung sollte zusätzlich die schriftliche Zustimmung des Vermieters vorliegen.

5. Wird das Pflegegeld durch Tagespflege gekürzt?

Nein. Ab Pflegegrad 2 kann die Tages- oder Nachtpflege zusätzlich zum vollen Pflegegeld und zu ambulanten Pflegesachleistungen genutzt werden. Private Eigenanteile für Verpflegung, Unterkunft und Investitionskosten können trotzdem entstehen.

6. Sind kostenlose Pflegekurse nur für nahe Angehörige gedacht?

Nein. Das Angebot richtet sich auch an andere ehrenamtlich Pflegende und an Menschen, die sich für eine solche Tätigkeit interessieren. Schulungen können vor Ort, digital oder auf Wunsch in der häuslichen Umgebung stattfinden.

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Krankenkassen erhöhen die Beiträge und dieser wichtige Hinweis fällt jetzt weg

Erhöht eine gesetzliche Krankenkasse ihren Zusatzbeitrag, muss sie ihre Mitglieder seit dem 30. Juli 2026 nicht mehr individuell darüber informieren. Das Sonderkündigungsrecht bleibt bestehen, doch beitragspflichtige Mitglieder müssen die Erhöhung nun selbst bemerken und rechtzeitig handeln.

Betroffen sind Beschäftigte, Selbstständige und Rentner, die eigene Krankenkassenbeiträge zahlen. Familienversicherte Angehörige zahlen keinen eigenen Zusatzbeitrag und haben deshalb auch kein eigenes Sonderkündigungsrecht wegen einer Beitragserhöhung.

Was sich seit dem 30. Juli 2026 geändert hat

Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz wurde am 29. Juli 2026 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Mit dem Inkrafttreten am folgenden Tag entfiel die bisherige Informationspflicht aus § 175 SGB V.

Zuvor musste die Krankenkasse ihre Mitglieder spätestens einen Monat vor der Erhöhung gesondert anschreiben oder auf einem gesetzlich vorgesehenen Weg elektronisch informieren. Die Nachricht musste das Sonderkündigungsrecht, den durchschnittlichen Zusatzbeitrag und die Vergleichsübersicht des GKV-Spitzenverbandes nennen.

Lag der neue Satz über dem amtlichen Durchschnitt, musste die Kasse außerdem auf einen möglichen Wechsel zu einer günstigeren Krankenkasse hinweisen. Bei einer verspäteten Information wurde auch die Wechselfrist zugunsten des Mitglieds verschoben.

Bis 29. Juli 2026 Seit 30. Juli 2026 Mitglieder mussten vor einer Erhöhung gesondert informiert werden. Eine individuelle Information ist gesetzlich nicht mehr vorgeschrieben. Die Kasse musste das Sonderkündigungsrecht und wichtige Vergleichsmöglichkeiten erklären. Mitglieder müssen Beitragssatz und Wechselmöglichkeiten selbst prüfen. Eine verspätete Nachricht konnte die Wechselfrist verschieben. Dieser Schutz ist zusammen mit der Informationspflicht entfallen. Das Sonderkündigungsrecht galt bei einer erstmaligen Erhebung oder Erhöhung. Das Sonderkündigungsrecht gilt weiterhin.

Im Bericht des Gesundheitsausschusses wird die Streichung mit weniger Bürokratie und finanziellen Einsparungen begründet. Krankenkassen dürfen ihre Mitglieder weiterhin freiwillig informieren, sie sind dazu aber nicht mehr verpflichtet.

Welche Frist für das Sonderkündigungsrecht gilt

Wichtig ist: Der fehlende Hinweis beseitigt das Sonderkündigungsrecht nicht. Der aktuelle § 175 SGB V erlaubt einen Wechsel auch dann, wenn die sonst übliche Bindungszeit von zwölf Monaten noch nicht abgelaufen ist.

Der Wechsel muss bei der neuen Krankenkasse bis zum Ende des Monats beantragt werden, für den der höhere Zusatzbeitrag erstmals gilt. Beim Wechsel innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung ist keine eigene Kündigung bei der bisherigen Kasse nötig, weil die neue Kasse die elektronische Meldung übernimmt.

Die bisherige Mitgliedschaft endet zum Ablauf des übernächsten Kalendermonats. Bis dahin muss das Mitglied den erhöhten Zusatzbeitrag weiterzahlen.

Ein Beispiel zeigt, wie schnell die Frist verstreicht

Erhöht eine Krankenkasse ihren Zusatzbeitrag zum 1. Oktober, muss der Antrag bei der neuen Kasse spätestens am 31. Oktober eingegangen sein. Die alte Mitgliedschaft endet in diesem Fall am 31. Dezember und die neue beginnt am 1. Januar.

Für Oktober, November und Dezember gilt noch der höhere Beitrag der bisherigen Kasse. Wer die Erhöhung erst im November bemerkt, kann den Wechsel wegen dieses Beitragsanstiegs nicht mehr über das Sonderkündigungsrecht durchsetzen.

Ein normaler Kassenwechsel kann weiterhin möglich sein. Dafür muss gewöhnlich die zwölfmonatige Bindungszeit erfüllt sein.

Wie viel eine Erhöhung kosten kann

Der Zusatzbeitrag wird als Prozentsatz der beitragspflichtigen Einnahmen berechnet. Arbeitnehmer und pflichtversicherte Rentner tragen ihn nach den Angaben des Bundesgesundheitsministeriums zur Hälfte, während Arbeitgeber oder Rentenversicherungsträger die andere Hälfte übernehmen.

Steigt der Zusatzbeitrag um 0,5 Prozentpunkte, erhöht sich der gesamte Monatsbeitrag bei 3.500 Euro beitragspflichtigem Bruttoeinkommen um 17,50 Euro. Der Arbeitnehmeranteil steigt um 8,75 Euro im Monat oder 105 Euro im Jahr, bevor mögliche steuerliche Auswirkungen berücksichtigt werden.

Bei einer gesetzlichen Monatsrente von 1.600 Euro macht dieselbe Erhöhung insgesamt acht Euro aus. Der Beitragsanteil des pflichtversicherten Rentners steigt um vier Euro im Monat oder 48 Euro im Jahr.

Für freiwillig versicherte Selbstständige kann die Belastung höher ausfallen, weil sie ihren Beitrag gewöhnlich allein tragen. Weitere Einzelheiten erklärt unser Ratgeber zum Zusatzbeitrag der Krankenkasse.

Warum Rentner die Erhöhung zu spät bemerken können

Für Mitglieder in der Krankenversicherung der Rentner ist der Wegfall des verpflichtenden Hinweises besonders heikel. Eine Änderung des Zusatzbeitrags wird bei der gesetzlichen Rente erst mit zwei Monaten Verzögerung berücksichtigt, wie die Deutsche Rentenversicherung erläutert.

Erhöht die Krankenkasse ihren Satz zum 1. Januar, sinkt der ausgezahlte Rentenbetrag gewöhnlich erst ab März. Wer die Veränderung erst dann auf dem Kontoauszug entdeckt, hat die bis Ende Januar laufende Sonderfrist bereits verpasst.

Rentner sollten deshalb nicht allein auf den überwiesenen Betrag achten. Weitere Hinweise zur Berechnung stehen in unserem Beitrag über die Krankenversicherung der Rentner.

So erfahren Mitglieder rechtzeitig von einer Erhöhung

Eine verlässliche Vergleichsmöglichkeit bietet die laufend aktualisierte Krankenkassenliste des GKV-Spitzenverbandes. Sie zeigt die aktuell gültigen Zusatzbeitragssätze und nennt, in welchen Bundesländern eine Krankenkasse geöffnet ist.

Die Übersicht hat allerdings eine wichtige Grenze: Ein geplanter neuer Zusatzbeitrag erscheint dort nach Angaben des Verbandes erst an dem Tag, an dem er gültig wird. Mitglieder sollten die Liste deshalb besonders zu Beginn eines Monats und rund um den Jahreswechsel prüfen.

Auch die Internetseite, die Satzung oder das Kundenportal der eigenen Krankenkasse können Hinweise liefern. Wird eine Erhöhung entdeckt, sollte das Mitglied sofort eine neue Kasse auswählen und den Antrag nicht bis zum letzten Tag aufschieben.

Eine Eingangsbestätigung der neuen Krankenkasse kann später belegen, dass die Frist eingehalten wurde. Wer den Zusatzbeitrag regelmäßig prüft, ist nicht davon abhängig, ob die eigene Kasse freiwillig eine Nachricht verschickt.

Beim Kassenwechsel zählt mehr als der Preis

Ein niedriger Zusatzbeitrag kann das verfügbare Einkommen erhöhen, sollte aber nicht das einzige Auswahlkriterium sein. Unterschiede bestehen etwa beim Kundenservice, bei Geschäftsstellen, Bonusprogrammen, digitalen Angeboten, Satzungsleistungen und freiwilligen Zuschüssen.

Vor dem Wechsel empfiehlt sich deshalb ein Vergleich der Angebote, die im persönlichen Alltag tatsächlich benötigt werden. Unser Ratgeber Krankenkasse wechseln: Fristen, Leistungen und Ablauf erklärt die wichtigsten Schritte.

Besondere Vorsicht ist bei Wahltarifen geboten. Mitglieder mit einem Wahltarif für Krankengeld können das Sonderkündigungsrecht wegen einer Beitragserhöhung während der dreijährigen Bindungszeit grundsätzlich nicht nutzen.

Worauf Mitglieder jetzt achten sollten

Das Sonderkündigungsrecht hilft nur, wenn die Erhöhung rechtzeitig bemerkt wird. Mitglieder sollten deshalb den Zusatzbeitrag zu Beginn jedes Monats prüfen und bei einer Anhebung noch im selben Monat entscheiden, ob sie die Krankenkasse wechseln wollen.

Beitragshöhe, Leistungen und Erreichbarkeit sollten gemeinsam betrachtet werden. Fällt die Entscheidung für einen Wechsel, muss der Antrag fristgerecht bei der neuen Krankenkasse eingehen.

Fragen und Antworten zur Beitragserhöhung Muss die Krankenkasse eine Erhöhung noch individuell ankündigen?

Nein. Seit dem 30. Juli 2026 besteht keine gesetzliche Pflicht mehr, jedes Mitglied gesondert über eine Erhöhung des Zusatzbeitrags zu informieren.

Darf die Krankenkasse trotzdem weiterhin eine Nachricht verschicken?

Ja. Die gesetzliche Pflicht ist entfallen, freiwillige Briefe, E-Mails oder Nachrichten im Kundenportal bleiben aber möglich.

Bleibt das Sonderkündigungsrecht bestehen?

Ja. Wird der Zusatzbeitrag erstmals erhoben oder erhöht, kann die Mitgliedschaft unabhängig von der üblichen zwölfmonatigen Bindungszeit beendet werden.

Bis wann muss der Wechsel beantragt werden?

Der Antrag muss spätestens am letzten Tag des Monats bei der neuen Krankenkasse eingehen, für den der höhere Zusatzbeitrag erstmals gilt. Bei einer Erhöhung zum 1. Januar endet die Sonderfrist am 31. Januar.

Muss die bisherige Krankenkasse selbst gekündigt werden?

Beim Wechsel zu einer anderen gesetzlichen Krankenkasse reicht gewöhnlich die Anmeldung bei der neuen Kasse. Sie informiert die bisherige Kasse elektronisch.

Muss der höhere Beitrag bis zum Wechsel gezahlt werden?

Ja. Der erhöhte Zusatzbeitrag gilt bis zum tatsächlichen Ende der bisherigen Mitgliedschaft.

Was gilt für pflichtversicherte Rentner?

Bei ihnen wirkt sich eine Änderung des Zusatzbeitrags auf die gesetzliche Rente regelmäßig erst zwei Monate später aus. Für die Sonderfrist bleibt trotzdem der Monat entscheidend, in dem der neue Satz erstmals gilt.

Was passiert, wenn die Sonderfrist verpasst wurde?

Ein normaler Krankenkassenwechsel bleibt möglich, wenn die allgemeinen Voraussetzungen erfüllt sind. In der Regel muss dafür die zwölfmonatige Bindungszeit abgelaufen sein.

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Heizung kaputt: Wie viel Mietminderung ist möglich?

Wenn die Heizung im Winter ausfällt, müssen Mieter nicht automatisch die volle Miete weiterzahlen. Nach § 536 BGB ist die Miete gemindert, wenn ein Mangel die Gebrauchstauglichkeit der Wohnung mehr als nur unerheblich beeinträchtigt.

Eine kaputte oder deutlich zu schwache Heizung kann ein solcher Mangel sein; eine feste Prozentzahl schreibt das Gesetz allerdings nicht vor.

Wie warm muss eine Mietwohnung werden?

Der Deutsche Mieterbund nennt für die Heizperiode als Orientierung mindestens 20 bis 22 Grad Celsius zwischen 6 und 24 Uhr. Nachts kann die Temperatur auf ungefähr 18 Grad abgesenkt werden. Werden diese Temperaturen trotz aufgedrehter Heizung nicht erreicht, spricht dies für einen Mietmangel; entscheidend bleiben aber Außentemperatur, Dauer und Ausmaß der Beeinträchtigung.

Besonders relevant ist deshalb nicht nur die Frage, ob ein Heizkörper kalt bleibt. Es kommt darauf an, welche Temperaturen tatsächlich in der Wohnung erreicht werden und welche Räume betroffen sind.

Ein kaltes Schlafzimmer kann beispielsweise anders bewertet werden als ein Totalausfall der Heizung in der gesamten Wohnung während einer Frostperiode.

Wie hoch darf die Mietminderung sein?

Gerichtsurteile sind keine allgemeingültige Mietminderungstabelle. Der Deutsche Mieterbund nennt bei lediglich 16 bis 18 Grad in der Wohnung beispielsweise Minderungen von etwa 20 bis 30 Prozent. Bei einem vollständigen Ausfall im Winter kann die Minderung erheblich höher liegen und unter besonders schweren Umständen sogar bis zu 100 Prozent erreichen.

Beeinträchtigung Mögliche Orientierung Nur 16 bis 18 Grad in der Wohnung etwa 20 bis 30 Prozent Heizung nur zeitweise oder in einzelnen Räumen ausgefallen abhängig von Dauer, Raum und Außentemperatur Kompletter Heizungsausfall im Winter deutlich höhere Minderung, im Extremfall bis 100 Prozent

Diese Werte sind lediglich Orientierungshilfen und keine automatisch geltenden Quoten. Wer die Miete erheblich zu stark kürzt, kann einen Mietrückstand aufbauen. Gerade bei hohen Minderungsbeträgen sollten Betroffene die konkrete Quote deshalb durch einen Mieterverein oder eine mietrechtlich versierte Beratung prüfen lassen.

Wichtig: Von der Bruttomiete rechnen

Für die Berechnung ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs grundsätzlich die Bruttomiete maßgeblich. Dazu gehören neben der eigentlichen Miete auch die vereinbarten Nebenkostenvorauszahlungen oder eine Betriebskostenpauschale. Der BGH hat ausdrücklich entschieden, dass die Mietminderung auf Grundlage dieser Gesamtmiete berechnet wird.

Wer also beispielsweise 600 Euro Kaltmiete und insgesamt 200 Euro für Betriebs- und Heizkosten zahlt, muss bei der Berechnung grundsätzlich von 800 Euro ausgehen. Eine angenommene Minderung von 25 Prozent entspräche bei einem vollen Monat damit 200 Euro.

Besteht der Mangel nur während eines Teils des Monats, muss auch die Minderung entsprechend zeitanteilig berechnet werden.

Beispiel: Herbert aus Bochum sitzt in der kalten Wohnung

Herbert aus Bochum zahlt monatlich 800 Euro Bruttomiete. Anfang Januar fällt seine Heizung aus und in der Wohnung werden tagsüber trotz aufgedrehter Heizkörper nur noch 16 bis 17 Grad erreicht. Herbert meldet den Defekt sofort schriftlich seinem Vermieter und beginnt morgens und abends die Temperaturen in den einzelnen Zimmern zu dokumentieren.

Nimmt man für Herberts Beispiel eine Minderungsquote von 25 Prozent an, beträgt die Minderung für einen kompletten Monat 200 Euro. Wird die Heizung beispielsweise nach zehn Tagen repariert, darf Herbert nicht einfach den gesamten Monat um 200 Euro kürzen, sondern muss den betroffenen Zeitraum berücksichtigen.

Die 25 Prozent sind außerdem nur ein Rechenbeispiel und keine automatisch für Herbert geltende Quote.

Heizungsausfall sofort dem Vermieter melden

Mieter müssen einen während des Mietverhältnisses auftretenden Mangel gemäß § 536c BGB unverzüglich anzeigen. Unterbleibt die Anzeige und kann der Vermieter deshalb keine Abhilfe schaffen, können Minderungs- und weitere Ansprüche verloren gehen. Deshalb sollte die Meldung nachweisbar erfolgen und den Defekt sowie den Zeitpunkt seines Auftretens möglichst genau beschreiben.

Zusätzlich empfiehlt sich ein Temperaturprotokoll über mehrere Tage und verschiedene Tageszeiten. Die Messwerte sollten den jeweiligen Raum, die Uhrzeit und möglichst auch die Außentemperatur erkennen lassen. Fotos des Thermometers, Nachrichten an den Vermieter und Termine mit Heizungsmonteuren können später helfen, Dauer und Schwere des Mangels nachzuweisen.

Muss der Vermieter Stromkosten für Heizlüfter zahlen?

Das kann unter bestimmten Voraussetzungen der Fall sein. § 536a BGB eröffnet bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen Schadens- oder Aufwendungsersatzansprüche. Das Amtsgericht Kreuzberg sprach Mietern nach dem vollständigen Ausfall einer Gasetagenheizung beispielsweise die Anschaffungskosten für Ölradiatoren sowie dadurch entstandene zusätzliche Stromkosten zu.

Das bedeutet aber nicht, dass Mieter ohne Weiteres teure Ersatzgeräte kaufen und anschließend jede Rechnung an den Vermieter weiterreichen können. Entscheidend ist unter anderem, ob die Maßnahme erforderlich war und ob der Vermieter Gelegenheit hatte, den Mangel zu beseitigen. Deshalb sollte auch der Einsatz einer Ersatzheizung möglichst dokumentiert und mit dem Vermieter kommuniziert werden.

Grundsicherung: Mietminderung kann auch das Jobcenter betreffen

Wer Leistungen für Unterkunft und Heizung bezieht und die Miete tatsächlich mindert, sollte dies gegenüber dem Jobcenter offenlegen. Eine tatsächlich ausgeübte Mietminderung kann die laufenden Unterkunftsaufwendungen verändern. Gegen-Hartz berichtete bereits über die sozialgerichtliche Rechtsprechung, nach der es auf die tatsächlich geschuldeten beziehungsweise gezahlten Unterkunftskosten ankommt.

Stellt sich später in einem Mietrechtsstreit heraus, dass die Minderung zu hoch war und deshalb eine Nachzahlung an den Vermieter fällig wird, kann diese Forderung wiederum als Unterkunftsbedarf relevant werden.

Auch zusätzliche Stromkosten einer notwendigen elektrischen Ersatzheizung können im Bürgergeldbezug Heizkosten darstellen. Das LSG Nordrhein-Westfalen hat hierzu bereits zugunsten einer Leistungsbezieherin entschieden.

FAQ zur Mietminderung bei kaputter Heizung Wie viel Mietminderung gibt es bei komplettem Heizungsausfall?

Eine feste Quote gibt es nicht. Bei einem Totalausfall im Winter ist eine erhebliche Mietminderung möglich; nach Angaben des Deutschen Mieterbundes kann sie unter besonders schweren Umständen bis zu 100 Prozent erreichen. Entscheidend sind unter anderem Außentemperatur, Dauer des Ausfalls und die tatsächliche Nutzbarkeit der Wohnung.

Ab welcher Temperatur darf ich die Miete mindern?

Als übliche Orientierung nennt der Deutsche Mieterbund tagsüber mindestens 20 bis 22 Grad Celsius. Werden trotz funktionierender Bedienung der Heizung nur 16 bis 18 Grad erreicht, nennt der Verband als Beispiel eine Mietminderung von etwa 20 bis 30 Prozent.

Muss ich dem Vermieter vor der Mietminderung eine Frist setzen?

Der Mangel muss dem Vermieter unverzüglich angezeigt werden. Die Mietminderung selbst ergibt sich grundsätzlich aus § 536 BGB und benötigt keine Zustimmung des Vermieters.

Quellenverzeichnis

Amtsgericht Kreuzberg: Urteil zum vollständigen Ausfall einer Gasetagenheizung, Az. 7 C 127/22. (BMGEV Archiv)
Bundesgerichtshof: Urteil vom 6. April 2005, Az. XII ZR 225/03, Bemessungsgrundlage der Mietminderung ist die Bruttomiete. (Bundesgerichtshof Juris)
Deutscher Mieterbund: „Heizperiode gestartet“, 16. Oktober 2025; „Strom- und Heizungs-Ausfall durch Sabotage“, 5. Januar 2026. (Deutscher Mieterbund).

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„Grüner Wasserstoff“ will keiner mehr sagen und nur wenige wollen zur Vor – Klimakonferenz auf Fidschi.

Von Jo Nova

Weitere Anzeichen dafür, dass die Klimabewegung am Ende ist

Der Australian Hydrogen Council (~ Australische Wasserstoff Kommission) ändert seinen Namen in Australian Industrial Decarbonisation Council

Das ist eine Möglichkeit, sich aus der grünen Wasserstoff-Katastrophe herauszuwinden, ohne das es jemand merken soll. Sie versuchen nicht einmal, eine vernünftige Erklärung abzugeben.

Australische Wasserstoffbehörde gibt ihren Namen auf, während der Traum von grüner Energie scheitert.

Von Max Aitchison, The Australian

Dies dürfte jedoch der erste dokumentierte Fall sein, in dem ein Verband für „saubere“ Energie seine ursprüngliche Identität aufgibt: Der Australian Hydrogen Council hat sich diesen Monat stillschweigend in Australian Industrial Decarbonisation Council umbenannt. „Australiens Wasserstoffpotenzial wurde anfänglich als breit gefächert und global betrachtet“, erklärt der Branchenverband auf die Frage nach der Notwendigkeit einer neuen Identität. „Mit der Marktentwicklung verlagerte sich der Fokus zunehmend auf die inländischen industriellen Anwendungen, die zur Unterstützung der lokalen Dekarbonisierung, zum Aufbau von Kapazitäten und zur Stärkung künftiger Exportwege erforderlich sind.“

Das ist eine recht höfliche, zurückhaltende Art zu sagen, dass sich der Traum vom grünen Wasserstoff schnell in einen Albtraum verwandelt hat.

Australien wollte vor nur drei Jahren eine grüne Wasserstoff-Supermacht werden. Wasserstoff sollte die wetterabhängige Energieversorgung stabilisieren. Doch diese Illusion zerplatzte innerhalb von 18 Monaten, als ein Projekt nach dem anderen scheiterte.

Um grünen Wasserstoff für 2 Dollar pro Kilogramm herzustellen, so unser ehemaliger Chef-Wissenschaftler Alan Finkel, müsste der Strom für die Wasserstoffproduktion weniger als 30 Dollar pro Megawattstunde kosten. Die große Ironie dabei ist, dass der einzige Generator in Australien, der bezahlbaren Wasserstoff produzieren kann, ausgerechnet jener ist, den sie selbst niemals einsetzen würden: Braunkohle Kraftwerke .

Wind- und Solarenergie können zwar für kurze Zeiträume „billig“ Strom abgeben (wenn er gerade nicht gebraucht wird), aber wie bei jedem anderen industriellen Prozess gilt auch hier: Sobald man das Land gekauft, die Infrastruktur gebaut, das Personal eingestellt und die Versicherung bezahlt hat, macht es keinen Sinn, sie „nur für kurze Zeiträume“ zu nutzen und sie und das Personal den Großteil des Tages ungenutzt herumsitzen zu lassen, während sie Katzenvideos auf YouTube anschauen.

Schon komisch, dass fast nichts effizienter funktioniert, wenn man es nur zeitweise nutzt.

Und noch eine Neuigkeit:

Klimakonferenzen sind nicht mehr der Renner in Fiji

[Fidschi richtet Im Oktober 2026 ein vorbereitendes Treffen (Pre-COP) im Vorfeld der COP31 aus. Die 31. Weltklimakonferenz (COP 31) wird vom 9. bis 20. November 2026 im türkischen Antalya stattfinden]

Vielleicht wollen andere Präsidenten, die wiedergewählt werden wollen, nicht dabei gesehen werden, wie sie im Pazifik Golf spielen, während sie ihre Bürger an die UNO verraten?

Aufmacher Screen shot: Sheraton Fiji, Golf- und Strandresort 

Selbst die Verlockung einer UN-Konferenz im tropischen Urlaubsparadies reichte nicht aus, um die Präsidenten und Premierminister anzulocken, mit denen Chris Bowen gerne verkehren wollte. Also zahlte Australien 4 Millionen Dollar für Fünf-Sterne-Hotelzimmer, doch die Stars bleiben aus.

Chris Bowens Klimagipfel auf Fidschi stößt bei den Staats- und Regierungschefs der Welt auf Ablehnung.

— Von Ben Packham, The Australian

Die Staats- und Regierungschefs der Welt werden der von Australien organisierte UN- Klimakonferenz in Fidschi in diesem Jahr wohl fernbleiben, trotz monatelanger Planung durch Klimaminister Chris Bowen und Investitionen der Regierung in Höhe von mehr als 150 Millionen Dollar.

The Australian enthüllt, dass es Herrn Bowen schwerfällt, Regierungschefs oder Staatsoberhäupter von außerhalb des Pazifiks für die Teilnahme am Vor-COP-Gipfeltreffen vom 5. bis 8. Oktober und einem geplanten Abstecher nach Tuvalu zu gewinnen.

„Er findet wenig Unterstützung“, sagte eine diplomatische Quelle.

Angus Taylor kritisierte, dass die Steuerzahler in Fidschi für ein „leeres Zimmer“ zu zahlen haben, während die Stromrechnungen für die Normalbürger um rekordverdächtige 40 Prozent gestiegen seien und so viele Haushalte wie nie zuvor auf Sozialleistungen angewiesen seien. „Es ist an der Zeit, das Ziel der Klimaneutralität aufzugeben und wieder einen Plan für günstigen Strom und reichlich Energie zu entwickeln“, so der Oppositionsführer.

Vermutlich werden sich die Hotelzimmer trotzdem mit Außenministern, Klimaministern und Greenpeace-Größen füllen – die sich selbst auf die Schulter klopfen können, während sie untersuchen, wie der Klimawandel die Zahl der schweren Zyklone, die Fidschi treffen, verringert hat  und warum 89 % der Pazifikinseln nicht versinken .

Dank Satelliten, die 1000 Inseln und Sandbänke beobachten, wissen wir, dass keine einzige bewohnte Insel im Pazifik kleiner geworden ist, obwohl die Menschheit Unmengen an CO2 freigesetzt hat.

Noch vor nicht allzu langer Zeit wollte jeder bei Klimakonferenzen mit Harry und Meghan, Jane Fonda, Leonardo DiCaprio, König Charles und Al Gore dabei sein.

https://joannenova.com.au/2026/07/winning-green-hydrogen-is-a-dirty-word-and-no-one-wants-to-go-to-the-fiji-climate-conference/

 

Der Beitrag „Grüner Wasserstoff“ will keiner mehr sagen und nur wenige wollen zur Vor – Klimakonferenz auf Fidschi. erschien zuerst auf EIKE - Europäisches Institut für Klima & Energie.

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Ruslan Edelgeriyev held Forum of Best Practices for Combatting Desertification and Land Degradation

PRESIDENT OF RUSSIA - 7. August 2026 - 17:00

Presidential Aide, Special Presidential Representative for Climate and Water Resources Ruslan Edelgeriyev held the First Forum of Best Practices for Combatting Desertification and Land Degradation ahead of the 17th Conference of the Parties under the United Nations Convention to Combat Desertification in countries suffering from severe drought and/or desertification, particularly across Africa.

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Kollektive Demenz

Kunst und Kultur formen das Gedächtnis von Gesellschaften — die heutige kollektive Erinnerung weist dabei eine deutliche Leerstelle auf.
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Brandneue Viren durch KI entwickelt

Transition News - 7. August 2026 - 16:51

Künstliche Intelligenz wurde im Rahmen einer Studie eingesetzt, um völlig neue Viren zu entwerfen, wie zum Beispiel die BBC berichtet. Laut den Forschern der Stanford University in Kalifornien sind diese voll funktionsfähig und können sich im Labor vermehren. Es ist das erste Mal, dass ganze Genome erfolgreich von KI entworfen wurden. Bei den daraus resultierenden 16 neuartigen Viren handelt es sich um Bakteriophagen, die Bakterien infizieren können, aber für Menschen prinzipiell ungefährlich sind.

Die Wissenschaftler nutzten die KI-Modelle Evo1 und Evo2, die ähnlich den textbasierten Sprachmodellen wie ChatGPT mit genetischen Daten verschiedener Organismen trainiert wurden. Von 302 im Labor synthetisierten KI-generierten Designs infizierten und töteten 16 erfolgreich E.-coli-Bakterien.

Der Durchbruch sei als «sehr bedeutender Wendepunkt» in der Wissenschaft bezeichnet worden, der eine neue Ära bei der Behandlung von Krankheiten einläuten könnte, so die BBC. Experten hätten jedoch auch davor gewarnt, dass von KI entworfene Viren «dringende» Sicherheits- und Schutzbedenken aufwerfen.

Der rasante Fortschritt von KI-Werkzeugen habe bereits zur Entwicklung neuer Antibiotika geführt, aber das sei relativ einfach im Vergleich zum Entwurf eines neuen, lebensfähigen Virus «aus dem Nichts», konstatiert das Medium, dem gegenüber Brian Hie, einer der Studienautoren und Assistenzprofessor an der Stanford University, erklärte:

«Dies ist ein nächster Schritt in der Komplexität, die durch generative KI gestaltbar ist; es ist das erste Mal, dass generative KI verwendet wurde, um ein vollständiges Genom zu entwerfen, es ist etwas, das sich vermehren und andere Funktionen in Zellen ausüben kann (…). Das war Neuland für uns.»

Der BBC zufolge könnte die Entwicklung neuer Phagen zu neuen Wegen führen, Infektionen zu behandeln, die gegen Antibiotika resistent geworden sind. Der Durchbruch weise aber auch auf die Fähigkeit von KI hin, eine neue Biologie zu entwerfen, die über die natürliche Welt hinausgeht – was als synthetische Biologie bekannt ist. Laut Hie hat dies das Potenzial, «die menschliche Gesundheit massiv zu verbessern», indem neue Medikamente und Therapien entwickelt werden.

Andere Experten preisen dieses KI-gestützte Genomdesign als Meilenstein für die computergestützte Biologie. Es eröffne neue Möglichkeiten, mithilfe maßgeschneiderter Phagen, Enzyme und Immuntherapie-Antikörper große gesundheitliche Herausforderungen anzugehen.

Es seien jedoch bereits Bedenken geäußert worden, dass dieselbe Technologie böswillig genutzt werden könnte, um neue Krankheiten zu erschaffen, merkt die BBC an. So schrieben Dr. Thomas Inglesby und Dr. Moritz Hanke vom Center for Health Security der Johns Hopkins University in einem Kommentar, der die Veröffentlichung der Studie im Fachjournal Science begleitet, dass die Ergebnisse «dringende Fragen der biologischen Sicherheit und des Biorisikomanagements» aufwerfen. Es sei nicht mehr die Frage, «ob das generative Design von Virusgenomen existieren wird», sondern ob es verwendet werden kann, ohne «schweren Schaden zu ermöglichen». Beispielsweise sollten neue Viren mit dem Potenzial, Krankheiten zu verursachen, «nicht weiterverfolgt werden».

Die Forscher selbst ergriffen Maßnahmen, um die Sicherheit zu maximieren, stellt die BBC fest. In der Tat schlossen sie Viren, die komplexe Organismen infizieren können, aus der Trainingsdatenbank aus. Und sie führten die Forschung an für Menschen ungefährlichen Phagen in einem gesicherten Labor durch. Hie zufolge tragen selbst bestehende Schutzmaßnahmen viel dazu bei, «sicherzustellen, dass die Technologie für das Gute genutzt wird».

Der Sender erklärt abschließend, dass Viren nicht lebendig sind und dass es aufgrund der Genomkomplexität eines weiteren bedeutenden Sprungs für die KI bedarf, um lebende Organismen zu erzeugen. Hie zufolge ist die gezielte Entwicklung einfacher Organismen jedoch möglich.

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Grundsicherungsgeld: Das Jobcenter muss auch eine Autoreparatur zahlen

Eine kaputte Kupplung, defekte Bremsen oder eine fällige Hauptuntersuchung können für Menschen im Leistungsbezug schnell zum finanziellen Problem werden. Trotzdem muss das Jobcenter die Werkstattrechnung nicht allgemein übernehmen.

Eine Förderung kommt vor allem dann in Betracht, wenn das Auto nachweisbar gebraucht wird, um eine konkrete Arbeit aufzunehmen oder eine Beschäftigung zu behalten.

Eine private Autoreparatur ist grundsätzlich selbst zu bezahlen

Wer ein Auto für Einkäufe, Familienbesuche oder andere private Wege nutzt, kann die Reparaturkosten im Regelfall nicht zusätzlich vom Jobcenter verlangen. Der Besitz eines angemessenen Fahrzeugs kann zwar vermögensrechtlich geschützt sein. Daraus folgt aber kein Anspruch darauf, dass die Behörde Wartung, Verschleiß und Reparaturen finanziert.

Das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen hat diese Trennung mit Urteil vom 26. Februar 2026, Az. L 7 AS 1396/23, erneut betont. Nach der Einordnung des aktuellen Autoreparatur-Urteils gehört die Möglichkeit, ein Kraftfahrzeug zu nutzen, nicht ohne Weiteres zum menschenwürdigen Existenzminimum. Fehlendes Geld für eine Werkstattrechnung genügt deshalb allein nicht.

Warum ein Darlehen nach Paragraf 24 SGB II häufig ausscheidet

Paragraf 24 Absatz 1 SGB II ermöglicht ein Darlehen, wenn ein vom Regelbedarf umfasster und unabweisbarer Bedarf nicht gedeckt werden kann. Genau an dieser Voraussetzung scheitern viele Anträge auf eine Autoreparatur. Die Gerichte ordnen die Instandsetzung eines privaten Kraftfahrzeugs regelmäßig nicht als vom Regelbedarf erfassten existenzsichernden Bedarf ein.

Das LSG Nordrhein-Westfalen lehnte im genannten Verfahren daher auch ein solches Darlehen ab. Selbst bei einem grundsätzlich möglichen Darlehen prüft das Jobcenter außerdem, ob der Bedarf aus verfügbarem Vermögen oder auf andere Weise gedeckt werden kann. Die Rückzahlung würde während des Leistungsbezugs nach Paragraf 42a SGB II grundsätzlich durch monatliche Aufrechnung erfolgen.

Auch der Härtefallmehrbedarf hat hohe Hürden

Als weitere Grundlage wird häufig Paragraf 21 Absatz 6 SGB II genannt. Danach kann ein unabweisbarer besonderer Bedarf anerkannt werden; bei einem einmaligen Bedarf muss ein Darlehen ausnahmsweise unzumutbar oder wegen der Art des Bedarfs unmöglich sein. Für gewöhnliche Reparaturkosten reicht es nicht, dass das Fahrzeug den Alltag erleichtert oder der öffentliche Nahverkehr umständlich ist.

Selbst gesundheitliche Einschränkungen führen nicht automatisch zu einem Zuschuss. Betroffene müssten sehr konkret belegen, weshalb ihnen Bus und Bahn medizinisch nicht zugemutet werden können, weshalb andere Beförderungsmöglichkeiten fehlen und weshalb gerade das reparierte Auto den notwendigen Bedarf deckt. Wie streng Gerichte diese Voraussetzungen prüfen, zeigt ein Urteil zum Härtefallmehrbedarf für eine Pkw-Reparatur.

Deutlich bessere Aussichten bei einem konkreten Arbeitsplatz

Anders kann die Lage aussehen, wenn das Auto für eine versicherungspflichtige Beschäftigung gebraucht wird. Bei der Anbahnung oder Aufnahme einer Arbeit kann eine Förderung aus dem Vermittlungsbudget nach Paragraf 44 SGB III in Verbindung mit Paragraf 16 SGB II in Betracht kommen. Das Gesetz erlaubt die Übernahme angemessener Kosten, wenn die Unterstützung für die berufliche Eingliederung notwendig ist und der Arbeitgeber keine gleichartige Leistung erbringt.

Ein bloßer Wunsch nach größerer Mobilität genügt auch hier nicht. Es sollte eine konkrete Einstellungszusage, ein Arbeitsvertrag oder eine unmittelbar bevorstehende Arbeitsaufnahme vorliegen. Schichtbeginn, Arbeitsort und vorhandene Verkehrsverbindungen müssen erkennen lassen, dass die Stelle ohne ein funktionsfähiges Fahrzeug nicht zuverlässig erreicht werden kann.

Wer sich mit der Finanzierung beruflicher Mobilität befasst, findet weitere Hinweise im gegen-hartz.de-Ratgeber Führerschein und Auto vom Jobcenter finanzieren lassen.

Auch dort gilt: Gefördert wird nicht das Auto als allgemeiner Lebensstandard, sondern eine nachvollziehbar erforderliche Hilfe für den Weg in Beschäftigung.

Bestehende Beschäftigung kann über die freie Förderung abgesichert werden

Bei Aufstockern ist die Ausgangslage besonders: Sie arbeiten bereits, beziehen wegen ihres niedrigen Einkommens aber ergänzende Leistungen. Fällt das dringend benötigte Auto aus, kann nicht nur das Erwerbseinkommen wegfallen; zugleich können die Ausgaben des Jobcenters steigen. Für solche Fälle kommt die freie Förderung nach Paragraf 16f SGB II in Betracht.

Der seit 1. Juli 2026 geltende Paragraf 16f SGB II eröffnet den Jobcentern mehr Spielraum, gesetzlich geregelte Eingliederungsleistungen zu erweitern. Es handelt sich weiterhin um eine Ermessensleistung und nicht um einen pauschalen Reparaturanspruch. Die Behörde muss das Förderziel vor Beginn beschreiben und prüfen, ob die Ausgabe die Eingliederung in Arbeit tatsächlich unterstützt.

Die Neufassung ist für Anträge seit Juli 2026 wichtig, weil frühere Grenzen der freien Förderung gelockert wurden. Zugleich sind die dafür verfügbaren Mittel auf einen Teil des Eingliederungsbudgets begrenzt. Eine Zusage hängt deshalb weiterhin vom Einzelfall, von der Notwendigkeit, von den Kosten und von einer fehlerfreien Ermessensentscheidung ab.

Das Urteil aus Mainz zeigt, was das Jobcenter prüfen muss

Das Sozialgericht Mainz gab einer aufstockend beschäftigten Reinigungskraft mit Urteil vom 26. November 2020, Az. S 10 AS 654/18, Recht. Die Frau erreichte ihre zwei Arbeitsstellen nur mit dem Auto und konnte eine Rechnung von knapp 586 Euro für Wartung und Hauptuntersuchung nicht tragen. Ohne Fahrzeug drohte der Verlust der Beschäftigungen und damit eine stärkere Abhängigkeit von Leistungen.

Das Jobcenter hatte vor allem das Alter des Wagens, die Wirtschaftlichkeit der Reparatur und angeblich mögliche Rücklagen betrachtet. Nach Auffassung des Gerichts fehlte jedoch eine tragfähige Abwägung: Die Behörde hatte weder erreichbare Alternativen benannt noch die Reparaturkosten mit den Folgen eines Arbeitsplatzverlusts verglichen. Der ausführliche Beitrag Jobcenter muss Autoreparatur zahlen erläutert die Entscheidung.

Das Urteil stammt von einem Sozialgericht und bindet andere Gerichte nicht. Es belegt aber, dass eine pauschale Ablehnung rechtswidrig sein kann, wenn das Jobcenter den konkreten Arbeitsbezug nicht würdigt. Ein Anspruch auf eine erneute, fehlerfreie Entscheidung kann daher bestehen, ohne dass in jedem Fall bereits eine bestimmte Förderhöhe feststeht.

Welche Fallkonstellationen Aussicht auf Förderung haben Situation Rechtliche Einordnung Das Auto wird überwiegend für Einkäufe und private Wege genutzt. Eine Kostenübernahme ist regelmäßig nicht zu erwarten, weil die Reparatur nicht als gesonderter existenzsichernder Bedarf anerkannt wird. Eine konkrete Arbeitsstelle kann ohne Auto nicht angetreten werden. Eine Ermessensförderung aus dem Vermittlungsbudget kann möglich sein, wenn keine zumutbare Alternative besteht und die Kosten angemessen sind. Eine bestehende Beschäftigung würde ohne Reparatur voraussichtlich verloren gehen. Eine freie Eingliederungsleistung kann geprüft werden, besonders wenn das Einkommen die Hilfebedürftigkeit spürbar verringert. Es werden nur gesundheitliche Gründe genannt. Die Hürden sind hoch; erforderlich wären genaue medizinische Nachweise und der Ausschluss zumutbarer Beförderungsalternativen. Die Werkstatt wurde schon vor dem Antrag beauftragt. Eine nachträgliche Erstattung ist erheblich schwieriger und bei Förderleistungen häufig ausgeschlossen. Der Antrag sollte vor dem Werkstattauftrag gestellt werden

Betroffene sollten den Antrag stellen, bevor sie die Reparatur verbindlich beauftragen oder bezahlen. Die Bundesagentur für Arbeit weist beim Vermittlungsbudget ausdrücklich auf die vorherige Antragstellung hin. In einer akuten Situation kann zunächst ein kurzer, nachweisbar eingereichter Antrag genügen, dessen Begründung und Unterlagen unverzüglich nachgereicht werden.

Der Antrag sollte nicht nur die Formulierung enthalten, dass ein Auto benötigt wird. Sinnvoll sind ein detaillierter Kostenvoranschlag, die Fahrzeugdaten, der voraussichtliche Wert nach der Reparatur sowie eine Erklärung der Werkstatt, dass das Fahrzeug anschließend verkehrssicher und nutzbar ist. Bei hohen Kosten kann das Jobcenter Vergleichsangebote verlangen oder nur die preisgünstige notwendige Reparatur anerkennen.

Hinzu gehören der Arbeitsvertrag oder die Einstellungszusage, Schichtpläne, die Adressen wechselnder Einsatzorte und eine Bestätigung des Arbeitgebers über die notwendige Mobilität. Fahrplanauskünfte sollten zeigen, weshalb der Arbeitsplatz nicht rechtzeitig mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden kann. Wer Fahrgemeinschaften, Fahrrad, Taxi oder vorübergehenden Mietwagen geprüft hat, sollte erläutern, weshalb diese Möglichkeiten fehlen oder deutlich teurer sind.

Zuschuss, Teilförderung oder Darlehen sind zu unterscheiden

Eine Eingliederungsleistung kann je nach Rechtsgrundlage und Entscheidung des Jobcenters als Zuschuss, begrenzte Kostenübernahme oder Darlehen ausgestaltet werden. Es gibt bundesrechtlich keinen festen Betrag, bis zu dem jede Werkstattrechnung bezahlt werden müsste. Örtliche Förderpraxis, Angemessenheit und Erfolgsaussicht der Beschäftigung beeinflussen die Höhe.

Das Jobcenter darf auch prüfen, ob eine Reparatur im Verhältnis zum Fahrzeugwert noch wirtschaftlich erscheint. Es muss dabei aber alle Umstände einbeziehen und darf nicht allein auf das Baujahr schauen. Wenn eine preiswerte Reparatur einen Arbeitsplatz erhält und dadurch der Leistungsbedarf sinkt, kann dies wirtschaftlicher sein als die Ablehnung.

Was nach einer Ablehnung zu tun ist

Eine Ablehnung sollte schriftlich verlangt und auf ihre Begründung geprüft werden. Hat das Jobcenter Arbeitszeiten, fehlende Busverbindungen, den drohenden Arbeitsplatzverlust oder günstigere Folgekosten nicht berücksichtigt, kann dies für einen Ermessensfehler sprechen. Gegen den Bescheid ist grundsätzlich innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Widerspruch möglich; der Beitrag Widerspruch gegen den Grundsicherungsgeld-Bescheid erklärt Frist und Form.

Droht der Arbeitgeber wegen des Fahrzeugausfalls kurzfristig mit Kündigung oder kann eine zugesagte Stelle nicht angetreten werden, kann zusätzlich gerichtlicher Eilrechtsschutz in Betracht kommen. Dafür müssen sowohl die besondere Dringlichkeit als auch die wahrscheinliche Berechtigung des Antrags glaubhaft gemacht werden. Eine Beratungsstelle, ein Sozialverband oder ein Fachanwalt für Sozialrecht kann die Unterlagen kurzfristig prüfen.

Ein Grad der Behinderung allein bezahlt keine gewöhnliche Reparatur

Ein anerkannter Grad der Behinderung führt für sich genommen nicht dazu, dass das Jobcenter eine normale Motor-, Bremsen- oder Verschleißreparatur übernehmen muss. Bei behinderungsbedingt erforderlicher Mobilität können allerdings Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben oder Kraftfahrzeughilfe durch einen Reha-Träger zu prüfen sein.

Für Reparaturen einer behinderungsbedingt notwendigen Zusatzausstattung gelten andere Voraussetzungen als für die gewöhnliche Instandhaltung des Autos.

Im Urteil des LSG Nordrhein-Westfalen vom Februar 2026 genügte selbst der festgestellte Grad der Behinderung nicht für den begehrten Mehrbedarf. Betroffene sollten deshalb klären lassen, welcher Leistungsträger zuständig ist, und den gesundheitlichen sowie beruflichen Bedarf genau dokumentieren. Das Jobcenter darf einen erkennbaren Reha-Antrag nicht lediglich als privaten Reparaturwunsch behandeln.

Fazit: Ohne Arbeitsbezug meist keine Zahlung

Das Jobcenter muss eine Autoreparatur normalerweise nicht aus dem Grundsicherungsgeld, über ein Darlehen oder als Härtefallmehrbedarf finanzieren.

Eine echte Förderchance besteht, wenn das Fahrzeug für eine konkrete Arbeitsaufnahme oder den Erhalt einer Beschäftigung unerlässlich ist und keine zumutbare Alternative zur Verfügung steht. Auch dann entscheidet die Behörde im Regelfall nach Ermessen, muss aber den Sachverhalt vollständig würdigen und ihre Entscheidung nachvollziehbar begründen.

Kurzes Beispiel aus der Praxis

Eine Küchenhilfe bezieht ergänzendes Grundsicherungsgeld und beginnt ihre Frühschicht um 5 Uhr in einem Gewerbegebiet, das zu dieser Zeit nicht mit Bus oder Bahn erreichbar ist. Für die Reparatur der defekten Lichtmaschine verlangt eine Werkstatt 640 Euro; ohne Auto kündigt der Arbeitgeber an, die Frau nicht weiter einsetzen zu können.

Sie beantragt vor dem Werkstattauftrag eine Förderung, legt Kostenvoranschlag, Arbeitsvertrag, Schichtplan, Arbeitgeberbestätigung und Fahrplanauskünfte vor und beantragt hilfsweise ein Darlehen.

Das Jobcenter darf diesen Antrag nicht allein mit dem Satz ablehnen, Autoreparaturen seien Privatsache. Es muss prüfen, ob die Ausgabe geeignet und angemessen ist, die Beschäftigung zu erhalten und den Leistungsbedarf zu verringern. Eine Bewilligung ist in diesem Fall gut begründbar, bleibt ohne besondere Ermessensbindung aber keine automatische Folge.

Häufige Fragen und Antworten zur Autoreparatur durch das Jobcenter 1. Muss das Jobcenter jede notwendige Autoreparatur bezahlen?

Nein. Technische Notwendigkeit bedeutet noch keine sozialrechtliche Zahlungspflicht. Ohne konkreten Bezug zu Arbeit, Ausbildung oder einer außergewöhnlichen Bedarfslage bleiben die Kosten regelmäßig beim Fahrzeughalter.

2. Reicht es, wenn ich mein Auto für den Weg zur Arbeit brauche?

Der Arbeitsweg ist ein starkes Argument, reicht als pauschale Behauptung aber nicht. Sie sollten belegen, dass eine konkrete Beschäftigung besteht oder unmittelbar beginnt und dass Bus, Bahn, Fahrrad, Fahrgemeinschaften oder andere Lösungen nicht zumutbar verfügbar sind. Außerdem müssen Reparaturkosten und Fahrzeugzustand wirtschaftlich vertretbar sein.

3. Kann ich wenigstens ein Darlehen nach Paragraf 24 SGB II verlangen?

In der Regel nicht, weil gewöhnliche Pkw-Reparaturen nach der neueren Rechtsprechung nicht als vom Regelbedarf umfasster unabweisbarer Bedarf gelten. Ein Antrag kann dennoch hilfsweise gestellt werden, damit das Jobcenter alle denkbaren Grundlagen prüft. Ein zugesagtes Darlehen müsste zurückgezahlt werden.

4. Darf ich das Auto schon reparieren lassen und danach die Rechnung einreichen?

Davon ist abzuraten. Förderanträge sollten vor dem Entstehen der Kosten und vor dem verbindlichen Werkstattauftrag gestellt werden. Wer erst nach der Reparatur eine Erstattung verlangt, verschlechtert seine Aussichten erheblich.

5. Welche Unterlagen verbessern die Erfolgsaussichten?

Besonders hilfreich sind ein genauer Kostenvoranschlag, Arbeitsvertrag oder Einstellungszusage, Schichtplan, Arbeitgeberbestätigung, Fahrplanauskünfte und Angaben zu geprüften Alternativen. Auch Fahrzeugwert, bisherige Reparaturen und die voraussichtliche Nutzungsdauer nach der Instandsetzung können wichtig sein. Alle Unterlagen sollten zusammen erklären, weshalb gerade diese Ausgabe die Beschäftigung ermöglicht oder erhält.

6. Was kann ich tun, wenn das Jobcenter den Antrag ablehnt?

Verlangen Sie einen schriftlichen Bescheid und legen Sie bei einer fehlerhaften Ablehnung grundsätzlich innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Widerspruch ein. Benennen Sie übergangene Tatsachen wie Schichtzeiten, fehlende Verkehrsverbindungen und den drohenden Einkommensverlust. Wenn die Stelle unmittelbar gefährdet ist, sollte zusätzlich rasch geprüft werden, ob ein Eilantrag beim Sozialgericht nötig ist.

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30 Jahre die Tochter gepflegt, jetzt drohen Claudia Renteneinbußen

Claudia Geiken aus Weimar pflegt ihre schwerstbehinderte Tochter Cäcilie seit fast drei Jahrzehnten. Weil sie deshalb nicht mehr arbeiten kann, zahlt die Pflegekasse Beiträge für ihre spätere Rente.

Ein Referentenentwurf zur Pflegereform sieht vor, diese Beitragszahlungen ab 2027 auf 70 Prozent des bisherigen Wertes zu begrenzen. Die Kürzung ist noch nicht beschlossen, doch für Claudia und viele andere pflegende Angehörige geht es um die finanzielle Absicherung im Alter.

Seit fast 30 Jahren bestimmt die Pflege den Familienalltag

Cäcilie lebt bei ihren Eltern und besucht tagsüber einen Förderbereich. Gelegentlich unterstützt ein Pflegedienst die Familie, die Hauptpflege übernimmt jedoch Claudia Geiken.

Gemeinsam mit ihrem Mann organisiert sie den Alltag, begleitet ihre Tochter und kümmert sich um die zahlreichen Anträge. Zudem engagiert sie sich in der Elternvertretung der Lebenshilfe. Einer regulären Beschäftigung kann sie wegen der Pflege nicht mehr nachgehen, wie die Tagesschau über die Familie berichtete.

Die tägliche Unterstützung ihrer Familie ermöglicht Cäcilie, weiterhin in ihrem vertrauten Zuhause zu leben. Für Claudia bedeutet diese Entscheidung allerdings, dass ihr neben einem laufenden Erwerbseinkommen auch Rentenansprüche aus einer Beschäftigung fehlen.

Die Beitragszahlungen der Pflegekasse sollen diesen Nachteil bei der späteren Rente teilweise ausgleichen. Sie ersetzen jedoch weder ein reguläres Gehalt noch die vollständige Altersvorsorge, die Claudia während einer jahrzehntelangen Berufstätigkeit hätte aufbauen können.

Millionen Pflegebedürftige werden zu Hause versorgt

Claudias Geschichte steht für eine verbreitete Form der Versorgung. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lebten Ende 2023 knapp 5,7 Millionen pflegebedürftige Menschen in Deutschland.

Rund 4,9 Millionen von ihnen wurden zu Hause versorgt. Bei etwa zwei Dritteln aller Pflegebedürftigen übernahmen Angehörige den größten Teil der Betreuung und Pflege. Die häusliche Pflege trägt damit einen erheblichen Teil der Versorgung.

Häufig schränken Angehörige ihre Arbeitszeit ein oder geben ihren Beruf vollständig auf. Dadurch erwerben sie weniger Rentenansprüche aus einer Beschäftigung und tragen ein höheres Risiko, im Alter finanziell schlechter abgesichert zu sein.

Besonders häufig betrifft dies Frauen. Der Streit über die Rentenbeiträge berührt deshalb auch die Frage, wie sich langjährige Pflegezeiten auf die Alterssicherung und auf bestehende Unterschiede bei den Renten von Frauen und Männern auswirken.

Wann die Pflegekasse Rentenbeiträge zahlt

Nicht jede private Unterstützung eines Angehörigen führt automatisch zu Rentenbeiträgen. Die gepflegte Person muss mindestens Pflegegrad 2 haben und in häuslicher Umgebung versorgt werden.

Die Pflege muss mindestens zehn Stunden in der Woche umfassen und sich regelmäßig auf wenigstens zwei Tage verteilen. Außerdem darf die Pflegeperson nebenher höchstens 30 Stunden wöchentlich erwerbstätig sein.

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, meldet die Pflegekasse die Pflegeperson bei der gesetzlichen Rentenversicherung an und zahlt Beiträge. Wie hoch diese ausfallen, hängt vom Pflegegrad und davon ab, ob Pflegegeld, Pflegesachleistungen oder eine Kombination aus beiden bezogen wird.

Damit wirken sich auch die gewählten Pflegeleistungen bei häuslicher Versorgung auf die spätere Rente der Pflegeperson aus. Je stärker ein professioneller Pflegedienst eingebunden ist, desto niedriger können die von der Pflegekasse berücksichtigten Werte ausfallen.

Was ein Jahr Angehörigenpflege derzeit für die Rente bringt

Im Jahr 2026 zahlt die Pflegekasse nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums monatlich zwischen 139,04 Euro und 735,63 Euro an die Rentenversicherung. Die genaue Höhe richtet sich nach der Pflegesituation.

Für die Berechnung wird ein gesetzlich festgelegtes fiktives Einkommen zugrunde gelegt. Pflegepersonen werden dadurch so gestellt, als hätten sie ein monatliches Arbeitsentgelt zwischen 747,50 Euro und 3.955 Euro erzielt.

Ein Jahr anerkannte Pflegetätigkeit erhöht die spätere monatliche Rente nach den Werten von 2026 um 7,04 Euro bis 37,27 Euro. Die große Spannweite erklärt sich durch die unterschiedlichen Pflegegrade und Leistungsarten.

Diese Beträge werden nicht während der Pflege ausgezahlt. Sie erhöhen den späteren Rentenanspruch und sollen Nachteile ausgleichen, die durch weniger Erwerbsarbeit entstehen.

Was die geplante 70-Prozent-Regel verändern würde

Der Referentenentwurf für das Pflegeneuordnungsgesetz sieht vor, dass die Pflegeversicherung ab dem 1. Januar 2027 nur noch 70 Prozent der bisherigen Rentenbeiträge entrichtet. Entsprechend würden auch die künftig erworbenen Rentenanwartschaften aus der Pflege auf 70 Prozent sinken.

Auf Grundlage der Werte von 2026 ergäbe sich folgende rechnerische Veränderung:

Geltende Werte im Jahr 2026 Rechnerische Wirkung der geplanten Begrenzung Monatlicher Rentenbeitrag: 139,04 bis 735,63 Euro Monatlicher Rentenbeitrag: etwa 97,33 bis 514,94 Euro Mehr Rente nach einem Pflegejahr: 7,04 bis 37,27 Euro monatlich Mehr Rente nach einem Pflegejahr: etwa 4,93 bis 26,09 Euro monatlich Berechnung nach den bisherigen gesetzlichen Werten Begrenzung auf 70 Prozent ab 1. Januar 2027

Die tatsächlichen Beträge des Jahres 2027 können von dieser Modellrechnung abweichen, weil Rechengrößen der Sozialversicherung regelmäßig angepasst werden. Die Tabelle zeigt deshalb vor allem die Wirkung der geplanten Kürzung.

Bereits erworbene Rentenanwartschaften sollen unangetastet bleiben. Betroffen wären ausschließlich Ansprüche, die Pflegepersonen nach einem möglichen Inkrafttreten neu erwerben.

Über viele Pflegejahre wächst der Unterschied

Bei einer Pflegesituation am oberen Ende der derzeitigen Werte bringt ein Pflegejahr monatlich bis zu 37,27 Euro zusätzliche Rente. Nach der geplanten Begrenzung wären es rechnerisch noch etwa 26,09 Euro.

Der Unterschied läge damit bei rund 11,18 Euro monatlicher Rente für jedes künftige Pflegejahr. Wer nach Inkrafttreten weitere zehn Jahre unter vergleichbaren Bedingungen pflegt, könnte nach heutigem Wert monatlich etwa 111,80 Euro weniger Rente erhalten als nach der bisherigen Berechnung.

Dieses Beispiel lässt sich nicht ohne Weiteres auf Claudia übertragen. Ihre persönliche Rentenentwicklung hängt unter anderem vom Pflegegrad ihrer Tochter, der bezogenen Leistungsart, der Dauer der anerkannten Pflege und künftigen Rentenanpassungen ab.

Dennoch zeigt die Rechnung, warum eine Kürzung um 30 Prozent bei langjähriger Pflege erhebliche Folgen haben kann. Der finanzielle Unterschied entsteht nicht einmalig, sondern wirkt sich während des gesamten späteren Rentenbezugs aus.

Pflegeversicherung will Milliarden einsparen

Die geplante Begrenzung ist Teil eines umfangreichen Reformpakets, mit dem die Bundesregierung die Finanzen der Pflegeversicherung stabilisieren will. Steigende Pflegezahlen und wachsende Ausgaben setzen die Versicherung seit Jahren unter Druck.

Nach den Berechnungen des Bundesgesundheitsministeriums sollen durch die niedrigeren Rentenbeiträge im Jahr 2027 rund 1,8 Milliarden Euro eingespart werden. Für 2028 werden 1,9 Milliarden Euro, für 2029 zwei Milliarden Euro und für 2030 rund 2,1 Milliarden Euro angesetzt.

Damit gehört die Änderung zu den finanziell größten Sparmaßnahmen des Entwurfs. Das erklärt zugleich, warum ein vollständiger Verzicht auf die Kürzung eine andere Finanzierung erfordern würde.

Das Ministerium verweist darauf, dass ohne Reform höhere Beiträge oder andere Einschnitte drohten. Kritiker halten dem entgegen, dass die geplanten Einsparungen ausgerechnet Menschen treffen würden, die durch ihre unbezahlte Arbeit hohe Ausgaben für professionelle Pflege vermeiden.

Nina Warken stellte die Kürzung selbst infrage

Der Referentenentwurf entstand unter der damaligen Bundesgesundheitsministerin Nina Warken. Nach heftiger Kritik deutete die CDU-Politikerin im Juni 2026 jedoch an, dass die Regelung noch verändert werden könnte.

Warken bezeichnete die Kürzung der Rentenbeiträge als „keine gute Maßnahme“. Wie t-online unter Berufung auf Reuters berichtete, verwies sie auf weiteren Diskussionsbedarf und mögliche andere Lösungen.

Eine feste Zusage, den Vorschlag zu streichen, gab Warken nicht. Seit ihrem Wechsel ins Bundeskanzleramt liegt die weitere Bearbeitung des Entwurfs bei ihrem Nachfolger Carsten Linnemann, der das Gesundheitsministerium am 29. Juli 2026 übernommen hat.

Linnemann bezeichnete pflegende Angehörige nach seinem Amtsantritt als „Alltagshelden“, die man nicht vor den Kopf stoßen dürfe. Ob er die Rentenkürzung aus dem Entwurf entfernen oder lediglich abschwächen wird, ließ er offen.

Widerstand kommt auch aus den Regierungsparteien

Kritik gibt es nicht nur von Sozialverbänden und Pflegefachleuten. Auch Politiker aus den Regierungsparteien fordern Änderungen.

Die CSU-Gesundheitspolitikerin Emmi Zeulner sprach sich ausdrücklich gegen Einschnitte bei den Rentenansprüchen pflegender Angehöriger aus. Gerade Frauen, die ihre Berufstätigkeit wegen der Pflege einschränken, dürften dadurch nicht zusätzlich belastet werden.

Der Bremer Gesundheitsökonom Heinz Rothgang bezeichnete die geplante Kürzung gegenüber der Tagesschau als einen „Schlag ins Gesicht der pflegenden Angehörigen“. Der Entwurf setze seiner Einschätzung nach zu stark auf Einsparungen und zu wenig auf eine dauerhafte Finanzierung der Pflege.

Auf der Internetseite des Gesundheitsministeriums wird weiterhin der Referentenentwurf vom 5. Juni 2026 geführt. Eine überarbeitete Fassung, in der die umstrittene Rentenregelung gestrichen oder verändert wurde, ist bislang nicht veröffentlicht.

Für Claudia geht es um die Anerkennung jahrzehntelanger Pflege

Für Claudia Geiken ist der Streit keine abstrakte Debatte über Milliardenbeträge. Sie hat ihre Erwerbsarbeit aufgegeben, um ihre Tochter zu versorgen, und vertraut darauf, dass diese Jahre wenigstens teilweise für ihre spätere Rente berücksichtigt werden.

Die geplante Änderung würde ihre bereits erworbenen Ansprüche nicht nachträglich verringern. Jeder weitere Pflegemonat nach einem möglichen Inkrafttreten könnte jedoch weniger neue Rentenansprüche bringen als bisher.

Claudias Fall macht damit einen Konflikt der Pflegereform sichtbar. Die Politik will die Versicherung finanziell entlasten, greift dafür aber auf Einsparungen bei Menschen zurück, die einen großen Teil der Versorgung außerhalb von Heimen und Pflegediensten übernehmen.

Ob die Kürzung tatsächlich kommt, ist weiterhin offen. Solange kein überarbeiteter Gesetzentwurf vorliegt, bleibt für Claudia und andere pflegende Angehörige die Unsicherheit über ihre künftige Rente bestehen.

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‘Darkness, flames, screaming’: Palestinian village terrorized by Israeli settlers

A night-time pogrom by dozens of settlers left residents wounded, houses burned, and solar panels destroyed in the isolated West Bank village of Tuba.

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Mord an Musa Anter: Familie beantragt Wiederaufnahme des Verfahrens

Die Familie des 1992 vom türkischen Militärgeheimdienst JITEM ermordeten kurdischen Journalisten und Schriftstellers Musa Anter hat die Wiederaufnahme des Verfahrens beantragt. Rahşan Yorozlu, die Tochter Anters, reichte über ihren Anwalt Bişar Abdi Alinak einen Antrag bei der Abteilung zur Untersuchung ungeklärter Straftaten im türkischen Justizministerium ein. Ziel ist es, das 2022 wegen Verjährung eingestellte Verfahren erneut aufzurollen. Der Antrag verlangt eine umfassende Neubewertung des Falles sowie weitere Ermittlungen, um sämtliche Verantwortlichen des Mordes strafrechtlich zur Rechenschaft zu ziehen.

Neue Ermittlungen und moderne Forensik gefordert

In dem Antrag fordert die Familie, bislang unterlassene Ermittlungs- und Untersuchungsmaßnahmen nachzuholen und sämtliche im Verfahren gesicherten Beweismittel mit den heute verfügbaren kriminaltechnischen und forensischen Methoden erneut auszuwerten. Darüber hinaus verlangen die Antragsteller:innen die vollständige Aufklärung der Tat sowie Ermittlungen gegen alle Verantwortlichen innerhalb der Befehlskette. Ziel sei es, die materiellen Umstände des Mordes vollständig aufzuklären und die strafrechtliche Verantwortung aller Beteiligten festzustellen.

Jahrzehntelang ohne wirksame Ermittlungen

Musa Anter wurde am 20. September 1992 in Amed (tr. Diyarbakır) ermordet. Der ehemalige JITEM-Killer Abdülkadir Aygan erklärte später, Anter sei von einer Einheit getötet worden, der auch er selbst angehört habe. Dennoch wurden über Jahre hinweg keine wirksamen Ermittlungen geführt. Erst nachdem die Familie den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) angerufen hatte und dieser eine Verletzung des Rechts auf Leben sowohl in materieller als auch in verfahrensrechtlicher Hinsicht feststellte, wurde das Verfahren erneut aufgenommen. 2009 eröffnete die Sonderstaatsanwaltschaft in Amed auf Grundlage der Aussagen Aygans – 17 Jahre nach dem Mord – neue Ermittlungen.

Verfahren endete trotz Geständnissen mit Verjährung

Kurz vor Ablauf der damaligen Verjährungsfrist wurde der Kronzeuge Hamit Yıldırım im Juni 2012 festgenommen. Ein Jahr später erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Hamit Yıldırım, den unter dem Decknamen „Yeşil“ bekannten JITEM-Mörder Mahmut Yıldırım, Abdülkadir Aygan sowie den pensionierten Oberst Savaş Gevrekçi wegen vorsätzlicher Tötung und weiterer Straftaten. 2015 wurde das Verfahren unter Berufung auf Sicherheitsgründe von Amed nach Ankara verlegt und dort mit dem sogenannten JITEM-Hauptverfahren zusammengeführt. Am 21. September 2022 stellte das 6. Schwurgericht Ankara das Verfahren wegen Verjährung ein. Mit dem nun eingereichten Antrag unternimmt die Familie einen neuen juristischen Anlauf, um den Mord an Musa Anter vollständig aufzuklären und die Verantwortlichen trotz der Einstellung des ursprünglichen Verfahrens zur Rechenschaft zu ziehen.

https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/33-jahre-ohne-musa-anter-48031 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/anter-anter-am-todestag-seines-vaters-gestorben-43647 https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/mord-an-musa-anter-bleibt-ungesuhnt-34103

 

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