Meinungsfreiheit ist nicht nur das Recht, zu Allem seinen Senf dazu zu geben wie an einer Würstelbude. Es ist das Recht, Behauptungen der Mächtigen in Frage zu stellen, Erklärungen und Fakten einzuklagen und Alternativen einzufordern. Das mag unbequem sein, lästig, nerven, bremsen. Aber es ist der Motor des Fortschritts. Ohne Nörgler, Zweifler und Besserwisser kein Fortschritt. Zweifel ist eine gesellschaftliche Produktivkraft. Seine Diffamierung durch angeblich alternativlose Politik ist Rückschritt in vormoderne Zeiten. Deutschland braucht wieder einen Grundkurs in Debatte und Wiederbelebung der Streitkultur.» (- Roland Tichy, Journalist und Publizist)
Sammlung von Newsfeeds
Wie wurde diese Gesinnung zerstört? Oder wurden sie einfach vom Teufel selbst eingespannt?
Zeke Hausfather.
Stefan Rahmstorf.
James Hansen.
Michael Mann.
Gavin Schmidt. (versteckt sich… @ClimateOfGavin)
Fünf Männer mit einer Ausbildung, die sie eigentlich zu Wissenschaftlern hätte machen sollen. Stattdessen verbrachten sie 20 bis 40 Jahre damit, eine parallele Realität aus Modellausgaben, angepassten Aufzeichnungen und rhetorischer Panik zu errichten.
Betrachten Sie, was sie tatsächlich taten:Sie nahmen ein Spurengas, das für alles Leben essenziell ist, und brandmarkten es als Schadstoff.
Sie nahmen Computersimulationen, die die Vergangenheit nicht reproduzieren können, und verkauften sie als Vorhersagen für die Zukunft.
Sie nahmen einen flächengewichteten arithmetischen Mittelwert von Oberflächenthermometerablesungen – eine Zahl ohne thermodynamische Bedeutung – und nannten es die Temperatur der Erde.
Sie nahmen die Mittelalterliche Warmzeit, dokumentiert in Hunderten unabhängiger Proxys auf jedem Kontinent, und löschten sie mit einer einzigen fehlerhaften Rekonstruktion aus.
Sie nahmen eine Satellitenära, die einen grüner werdenden Planeten, schrumpfende Wüsten und eine blühende Biosphäre zeigt, und sagten der Öffentlichkeit das Gegenteil.
Sie nahmen eine Waldbrandbilanz, die einen Rückgang des verbrannten Gebiets in den USA um 80 Prozent seit den 1930er Jahren und global um 25 Prozent seit 1998 zeigt, und sagten der Öffentlichkeit, die Brände seien schlimmer denn je.
Sie nahmen eine Bilanz zu wetterbedingten Todesfällen, die pro Kopf in einem Jahrhundert um mehr als 99 Prozent gesunken ist, und sagten der Öffentlichkeit, das Wetter töte uns.
Sie nahmen eine Ertragsbilanz für Feldfrüchte, die in 60 Jahren verdreifacht wurde – größtenteils dank CO2-Düngung – und sagten der Öffentlichkeit, die Landwirtschaft stehe unter Bedrohung.
Sie nahmen jede Messung, die eine vorteilhafte Reaktion der Biosphäre auf mehr CO2 zeigt, und begruben sie unter Modellprojektionen, die das Gegenteil behaupten.
Sie nahmen die Thermodynamik, einen abgeschlossenen und gesicherten Zweig der Physik, und taten so, als ob allein der Strahlungstransfer die Oberflächentemperatur steuert, während sie Konvektion, Verdunstung und den gesamten hydrologischen Kreislauf ignorierten.
Sie nahmen die Peer-Review und machten daraus ein Torwächterritual, um jeden auszuschließen, der ihre Rechenarten überprüfte.
Sie nahmen das Vorsorgeprinzip und kehrten es um, um den Abbau der Energiesysteme zu rechtfertigen, die 7 Milliarden Menschen aus der malthusianischen Misere gehoben haben.
Und hier ist das Verräterische. Die Lüge, die sie errichtet haben, ist nicht zufällig. Sie kehrt jede Wahrheit um, die sie berührt. Das Molekül, das alles Leben nährt, nennen sie Verschmutzung. Die Energie, die den Hungersnot ein Ende setzte, nennen sie eine Bedrohung für die Zivilisation. Die Biosphäre, die gedeiht, nennen sie kollabierend. Die Kinder, die gesünder, länger lebend, besser genährt und freier sind als jede Generation zuvor, lehren sie, in Verzweiflung zu versinken. Die industrielle Zivilisation, die die Sklaverei beendete, die menschliche Lebensspanne verdoppelte und 7 Milliarden Menschen aus dem Elend des Existenzminimums zog, nennen sie den Feind.
Das ist kein Fehler. Fehler streuen. Dies zeigt in eine Richtung.Jede Behauptung kehrt eine Wahrheit um. Jede Politik greift die Armen an.
Jede Vorschrift erhöht das Leid.
Jede Doktrin lehrt die Jungen, die Welt zu hassen, die ihnen alles gegeben hat.
Nennen Sie es, wie Sie wollen. Karriereversklavung. Fördergeltsucht. Ideologische Besessenheit. Die Verlockung, die Welt zu retten. Oder etwas Älteres und Dunkleres, das sich immer darauf spezialisiert hat, Männer davon zu überzeugen, Gutes als Böse und Böses als Gut zu bezeichnen und die Kornkammer niederzubrennen, während sie sich für ihre Tugend gratulieren. Wählen Sie Ihre Erklärung.
Die Messungen scheren sich nicht darum. Die Atmosphäre tut, was die Physik vorhersagt. Die Biosphäre gedeiht. Die Menschheit blüht auf, dank der billigen, dichten Energie, die sie abschaffen wollen. Und dennoch predigen sie die Apokalypse. Die Geschichte wird ungnädig sein. Was immer nach der Geschichte kommt, noch mehr.
Original von Jonathan Cohler https://x.com/SHomburg/status/2084174170380718550?s=20
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Diese Teilrentner verlieren ab 2027 ihren gesetzlichen Krankengeldanspruch
Ab dem 1. Januar 2027 entfällt der gesetzliche Krankengeldanspruch, wenn eine Altersrente als Teilrente mehr als zwei Drittel der Vollrente beträgt. Betroffen sind vor allem Rentnerinnen und Rentner, die neben der Rente sozialversicherungspflichtig weiterarbeiten.
Besonders relevant ist die Änderung für Menschen mit einer 99,99-Prozent-Teilrente. Der Verzicht auf wenige Cent Rente reicht künftig nicht mehr aus, um nach dem Ende der Entgeltfortzahlung Krankengeld von der gesetzlichen Krankenkasse zu erhalten.
Die Änderung ist nicht mehr nur geplant. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz wurde am 29. Juli 2026 im Bundesgesetzblatt 2026 I Nr. 228 verkündet.
Was ändert sich beim Krankengeld?Der neue § 50 Absatz 1 Satz 1 Nummer 1 SGB V nennt neben der Altersvollrente künftig auch eine „Teilrente wegen Alters von mehr als zwei Dritteln der Vollrente“. Ab Jahresbeginn 2027 schließt deshalb auch eine solche Teilrente den gesetzlichen Krankengeldanspruch aus.
Wichtig ist: Eine Teilrente von genau zwei Dritteln oder weniger wird durch diese neue Vorschrift nicht allein wegen ihrer Höhe ausgeschlossen. Die übrigen Voraussetzungen für Krankengeld müssen dennoch erfüllt sein.
Die Änderung kürzt nicht die Altersrente. Sie betrifft ausschließlich die Absicherung durch die gesetzliche Krankenversicherung, wenn wegen einer längeren Arbeitsunfähigkeit kein Arbeitsentgelt mehr gezahlt wird.
Gilt die Grenze auch für bereits laufende Teilrenten?Eine besondere Übergangsregelung für bereits vor dem 1. Januar 2027 bezogene hohe Teilrenten enthält das Gesetz nicht. Damit erfasst der neue Ausschluss grundsätzlich auch Versicherte, deren Teilrente von mehr als zwei Dritteln schon vor diesem Datum begonnen hat.
Wer über den Jahreswechsel bereits Krankengeld bezieht, sollte die weitere Zahlung vorab schriftlich mit der Krankenkasse klären. Der konkrete Versicherungs- und Leistungsfall muss dann individuell geprüft werden.
Warum können 66,67 Prozent bereits zu viel sein?Der Gesetzestext spricht ausdrücklich von „mehr als zwei Dritteln“. Mathematisch entsprechen zwei Drittel 66,666… Prozent.
Eine Teilrente von 66,67 Prozent liegt damit geringfügig über der Grenze. Mit 66,66 Prozent bleibt der gewählte Rentenanteil dagegen darunter.
Rentenbezug ab 1. Januar 2027 Folge für das gesetzliche Krankengeld Altersvollrente mit 100 Prozent Anspruch nach § 50 SGB V ausgeschlossen Teilrente über zwei Dritteln, etwa 99,99 Prozent Anspruch nach § 50 SGB V ausgeschlossen Teilrente von genau zwei Dritteln oder weniger Kein Ausschluss allein wegen der RentenhöheWer den Krankengeldschutz erhalten möchte, sollte sich den gewählten Prozentsatz und den daraus folgenden Rentenzahlbetrag schriftlich bestätigen lassen. Eine Festsetzung auf 66,67 Prozent kann bereits zu einem anderen Ergebnis führen als erwartet.
Bleibt die 99,99-Prozent-Teilrente erlaubt?Das Rentenmodell selbst wird nicht abgeschafft. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung kann eine Altersrente weiterhin zwischen 10 und 99,99 Prozent der Vollrente als Teilrente gewählt werden.
Das Bayerische Landessozialgericht bestätigte ebenfalls, dass eine Teilrente von 99,99 Prozent rentenrechtlich zulässig ist. Ab 2027 vermittelt eine Teilrente in dieser Höhe jedoch keinen gesetzlichen Krankengeldanspruch mehr.
Rentenrecht und Krankenversicherungsrecht müssen deshalb getrennt betrachtet werden. Warum die 99,99-Prozent-Teilrente bisher für manche Beschäftigte interessant war, zeigt der interne Ratgeber zum Verzicht auf 0,01 Prozent der Rente.
Wer ist von der neuen Regel betroffen?Die Änderung trifft vor allem sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, die eine Alters-Teilrente von mehr als zwei Dritteln beziehen. Sie kann außerdem freiwillig gesetzlich versicherte Selbstständige betreffen, wenn ihre Mitgliedschaft einen Krankengeldanspruch umfasst.
Eine entsprechende Wahlerklärung sieht § 44 Absatz 2 SGB V für hauptberuflich Selbstständige vor. Ohne einen solchen Schutz kann die neue Rentengrenze keinen bereits bestehenden Krankengeldanspruch beseitigen.
Ein Minijob vermittelt regelmäßig keinen eigenen Anspruch auf Krankengeld. Privat Versicherte erhalten kein gesetzliches Krankengeld; bei ihnen kommt es auf eine eventuell abgeschlossene Krankentagegeldversicherung an.
Einen Überblick über die Abgrenzung bietet der interne Beitrag Krankengeld trotz Rente – das gilt für Rentner.
Was geschieht mit der Entgeltfortzahlung?Der neue Ausschluss betrifft die Zahlung der gesetzlichen Krankenkasse. Die arbeitsrechtliche Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber wird dadurch nicht aufgehoben.
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erhalten bei erfüllten Voraussetzungen grundsätzlich bis zu sechs Wochen weiter Arbeitsentgelt. Erst danach entsteht die finanzielle Lücke, weil die Krankenkasse bei einer Teilrente von mehr als zwei Dritteln nicht mehr einspringt.
Bei wiederholten Erkrankungen, Vorerkrankungen oder einem endenden Arbeitsverhältnis können andere Regeln gelten. Solche Fallgestaltungen sollten gesondert geprüft werden.
Kann der Krankenversicherungsbeitrag sinken?Für das Arbeitsentgelt gilt bei Mitgliedern ohne Krankengeldanspruch grundsätzlich der ermäßigte Beitragssatz. § 243 SGB V nennt 14,0 statt 14,6 Prozent; der Zusatzbeitrag der jeweiligen Krankenkasse kommt weiterhin hinzu.
Bei einem beitragspflichtigen Bruttolohn von 3.000 Euro kann der Arbeitnehmeranteil dadurch um rund neun Euro im Monat sinken. Das entspricht der Hälfte des Unterschieds von 0,6 Prozentpunkten.
Diese Entlastung gleicht den möglichen Verlust des Krankengeldes bei einer längeren Arbeitsunfähigkeit in der Regel nicht aus. Für Renten und andere Einnahmen können zudem abweichende Vorgaben gelten.
Warum hat die Bundesregierung die Regel verschärft?Die Bundesregierung bezeichnet die Verbindung einer fast vollständigen Teilrente mit Krankengeld als systemwidrigen Mitnahmeeffekt. Aus ihrer Sicht war der geringe Abstand zur Vollrente nicht mit einem fortbestehenden Anspruch auf die Entgeltersatzleistung vereinbar.
Im Regierungsentwurf zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz werden die Einsparungen auf rund 30 Millionen Euro pro Jahr geschätzt. Dabei handelt es sich um eine Prognose der Bundesregierung und nicht um bereits festgestellte Einsparungen.
Die Wahl einer 99,99-Prozent-Teilrente war rentenrechtlich zulässig und bleibt es weiterhin. Der Gesetzgeber beendet jedoch ihre bisherige Verbindung mit dem gesetzlichen Krankengeld.
Was bedeutet das frühere Urteil zur Teilrente?Das Landessozialgericht Baden-Württemberg entschied am 28. Januar 2022, dass eine bereits vor der Arbeitsunfähigkeit bezogene Teilrente von zwei Dritteln einem ungekürzten Krankengeldanspruch nicht entgegensteht. Das Urteil mit dem Aktenzeichen L 4 KR 2461/20 unterschied zwischen einer Teilrente und einer Altersvollrente.
Die neue Vorschrift hebt diese Entscheidung nicht rückwirkend auf. Für Teilrenten von genau zwei Dritteln oder weniger bleibt ihre Aussage weiterhin bedeutsam, sofern die übrigen Bedingungen für Krankengeld vorliegen.
Auch der Beginn der Teilrente ist wichtig. Mehr dazu steht im internen Beitrag Krankengeld gibt es auch bei Teilrente.
Was sollten Teilrentner jetzt prüfen?Wer den Krankengeldschutz durch eine niedrigere Teilrente erhalten möchte, sollte nicht nur die möglichen Krankengeldmonate betrachten. Die geringere Rentenzahlung fällt bereits ab der Herabsetzung an und damit möglicherweise lange vor einer späteren Erkrankung.
Die niedrigere Teilrente sollte außerdem vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit wirksam sein. Wird eine Teilrente erst nach Beginn der Arbeitsunfähigkeit zuerkannt, kann das Krankengeld nach § 50 Absatz 2 SGB V um den Rentenzahlbetrag gekürzt werden.
Eine einmal gewählte niedrigere Teilrente muss nicht unverändert für alle kommenden Jahre gelten. Vor einer Änderung sollten jedoch mögliche Folgen für den späteren Rentenzahlbetrag, Betriebsrenten, Steuern, private Versicherungen und weitere vertragliche Leistungen geprüft werden.
Die Rentenversicherung kann eine Vergleichsberechnung erstellen. Die Krankenkasse kann schriftlich Auskunft darüber geben, ob Krankengeldschutz besteht und welcher Beitragssatz auf das Arbeitsentgelt angewendet wird.
Kurzes Beispiel aus der PraxisEin 68-jähriger Arbeitnehmer hat einen rechnerischen Vollrentenanspruch von 1.800 Euro und verdient weiterhin 3.000 Euro brutto im Monat. Mit einer 99,99-Prozent-Teilrente erhält er monatlich 1.799,82 Euro Rente, hat ab 2027 nach dem Ende der Entgeltfortzahlung aber keinen gesetzlichen Krankengeldanspruch mehr.
Um den Schutz zu erhalten, lässt er seine Teilrente mit Wirkung zum 1. Januar 2027 auf 66,66 Prozent festsetzen. Seine monatliche Rentenzahlung sinkt dadurch auf 1.199,88 Euro und damit um 599,94 Euro.
Am 20. Juni 2027 wird der Arbeitnehmer arbeitsunfähig. Sein Arbeitgeber zahlt das Arbeitsentgelt unter den angenommenen Voraussetzungen bis zum 31. Juli weiter, anschließend bezieht er von August bis Oktober für drei volle Monate Krankengeld.
Bei einem angenommenen Nettoarbeitsentgelt von 2.050 Euro kann das Krankengeld höchstens rund 1.845 Euro im Monat vor den üblichen Sozialversicherungsabzügen betragen. Für drei Monate ergeben sich damit rund 5.535 Euro vor Abzügen.
Von Januar bis Oktober wurden dem Arbeitnehmer wegen der niedrigeren Teilrente insgesamt 5.999,40 Euro weniger Rente ausgezahlt. Das mögliche Krankengeld von 5.535 Euro gleicht diesen Unterschied bereits vor den Abzügen nicht vollständig aus.
Das Beispiel zeigt, dass die niedrigere Teilrente eine Absicherung gegen einen längeren Verdienstausfall ist und nicht automatisch zu einem finanziellen Vorteil führt. Beginnt die Erkrankung früher oder dauert der Krankengeldbezug länger, kann die Rechnung anders ausfallen.
Fragen und Antworten zur neuen Krankengeld-Grenze Ist die Änderung bereits beschlossen?Ja. Das Gesetz wurde am 29. Juli 2026 verkündet, die neue Grenze tritt am 1. Januar 2027 in Kraft.
Reichen 66,67 Prozent Teilrente für den Krankengeldschutz?Nein. 66,67 Prozent liegen mathematisch knapp über zwei Dritteln und damit im Ausschlussbereich; 66,66 Prozent liegen darunter.
Darf die 99,99-Prozent-Teilrente weiterhin gewählt werden?Ja. Sie bleibt rentenrechtlich zulässig, führt ab 2027 aber zum Ausschluss des gesetzlichen Krankengeldanspruchs.
Können auch Selbstständige betroffen sein?Ja. Freiwillig gesetzlich versicherte Selbstständige können betroffen sein, wenn ihre Mitgliedschaft aufgrund einer Wahlerklärung Krankengeld umfasst und sie eine Alters-Teilrente von mehr als zwei Dritteln beziehen.
Was gilt bei einem bereits laufenden Krankengeldbezug?Das Gesetz enthält keine besondere Übergangsregelung für bereits bezogene hohe Teilrenten. Wer am 1. Januar 2027 schon Krankengeld erhält, sollte sich die weitere Zahlung deshalb rechtzeitig schriftlich von seiner Krankenkasse bestätigen lassen.
Was sollten Betroffene jetzt veranlassen?Sie sollten bei der Rentenversicherung eine Vergleichsberechnung und bei der Krankenkasse eine schriftliche Auskunft zu Krankengeldanspruch und Beitragssatz anfordern. Eine Änderung der Teilrente sollte erst nach Prüfung der finanziellen und versicherungsrechtlichen Folgen erfolgen.
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Der Spiegel und der Drohnenvorfall von Leipzig
Jobcenter erkennt Wohnungskosten an – trotzdem droht Obdachlosigkeit
Nach Angaben der Kreiszeitung erkennt das Jobcenter für Tobias Manus in Weyhe Mietkosten von gut 500 Euro an. Tobias Manus heißt in Wirklichkeit anders; er möchte Nachteile bei der Wohnungssuche vermeiden. Welche Kostenbestandteile in dem Betrag enthalten sind, geht aus dem Bericht nicht hervor.
Zu dem anerkannten Betrag fand der gelernte Tischler keine Wohnung. Als er schließlich eine kleine Wohnung in Aussicht hatte, zog der Vermieter die Zusage kurzfristig zurück.
Für den Mann in seinen 50ern geht es nicht nur um ein Dach über dem Kopf. Er lebt seit vielen Jahren mit einer Angststörung, wird inzwischen gesetzlich betreut und fürchtet, dass sein Hund nicht mit in eine Notunterkunft darf.
Der im Bericht der Kreiszeitung vom 11. Juli 2026 angekündigte Auszug sollte zwischen Mitte und Ende Juli erfolgen. Wie es danach weiterging, ist bis zum 8. August 2026 öffentlich nicht dokumentiert.
Wie Tobias trotz anerkannter Mietkosten in Not gerietWeyhe ist Tobias’ Zuhause. Dort suchte er zunächst nach einer kleinen Wohnung, später weitete er die Suche auf ländlichere Teile des Landkreises Diepholz aus.
Mitte Juni schien die drohende Wohnungslosigkeit abgewendet. Über eine Bekannte hatte Tobias eine Wohnung gefunden, die nur wenige Euro über der örtlichen Mietgrenze lag.
Tobias berichtete, dass das Jobcenter die Miete nicht vollständig übernehmen und er die Kaution selbst aufbringen müsse. Ob er die Übernahme der Kaution beantragt hatte und darüber bereits schriftlich entschieden worden war, geht aus dem Ausgangsbericht nicht hervor.
Dann sagte der Vermieter ab. Mehrere Wochen, in denen Tobias von einem sicheren Mietverhältnis ausgegangen war, waren verloren, während das Ende seiner bisherigen Wohnmöglichkeit näher rückte.
Nach seiner Schilderung verwies ihn das Jobcenter für die weitere Suche an die Wohnungslosenhilfe der Caritas in Twistringen. Sollte er nichts finden, blieb nach dem Gespräch nur die Aussicht auf eine kommunale Notunterkunft.
Die Angst vor Wohnungslosigkeit ist für Tobias nicht neuDie Situation trifft einen Mann, dessen Kräfte ohnehin begrenzt sind. Tobias berichtete, dass er wegen seiner Angststörung zeitweise keine Briefe mehr geöffnet habe und seine gesetzliche Betreuung unter anderem Schulden bei der Krankenkasse kläre.
Von 2019 bis 2022 lebte er nach eigenen Angaben ganzjährig auf einem Campingplatz an der Weser. Erst danach ermöglichte ihm eine Bekannte die Unterkunft, aus der er nun wieder ausziehen sollte.
Sein Hund gibt ihm nach seiner Schilderung Halt, wenn die Angst stärker wird. Deshalb bedeutet die Aussicht auf eine Notunterkunft für Tobias möglicherweise auch die Trennung von seinem wichtigsten Begleiter.
Warum gut 500 Euro noch keine Wohnung sichernDie örtliche Mietgrenze beschreibt, welchen Betrag das Jobcenter grundsätzlich anerkennt. Sie garantiert weder ein freies Angebot zu diesem Preis noch die Bereitschaft eines Vermieters, einen Leistungsbezieher auszuwählen.
Nach den im Ausgangsbericht genannten Daten gab es im Landkreis Diepholz 363 Sozialwohnungen. Zugleich lebten dort knapp 2.500 alleinstehende Menschen von Leistungen des Jobcenters; beide Zahlen beschreiben allerdings unterschiedliche Gruppen.
Auch überregional fehlt bezahlbarer Wohnraum. Der Soziale Wohn-Monitor 2026 beziffert den Mangel in Deutschland auf rund 1,4 Millionen Wohnungen, fast ausschließlich im bezahlbaren Segment und bei Sozialwohnungen.
Damit zeigt sich eine Lücke zwischen behördlichem Richtwert und tatsächlichem Wohnungsangebot. Menschen mit geringem Einkommen, gesundheitlichen Einschränkungen oder einem Haustier haben in Konkurrenz mit zahlreichen anderen Interessenten oft schlechtere Chancen.
Was bei einem Umzug in eine teurere Wohnung giltSeit dem 1. Juli 2026 heißt die bisher als Bürgergeld bezeichnete Geldleistung Grundsicherungsgeld, wie das Bundesministerium für Arbeit und Soziales erläutert. Nach Paragraf 22 SGB II übernimmt das Jobcenter Unterkunft und Heizung grundsätzlich in tatsächlicher Höhe, soweit die Aufwendungen angemessen sind.
Liegt die neue Wohnung über der örtlichen Mietgrenze, werden die höheren Kosten nach dem Umzug nur anerkannt, wenn der zuständige Träger dies vorab schriftlich zugesichert hat. Eine mündliche Auskunft oder die bloße Einreichung eines Mietangebots genügt dafür nicht.
Wer bereits in einer zu teuren Wohnung lebt, befindet sich in einer anderen Situation. Nach einer Kostensenkungsaufforderung können die tatsächlichen Kosten weiter anerkannt werden, solange eine Senkung unmöglich oder unzumutbar ist, in der Regel jedoch höchstens sechs Monate.
Situation Was Betroffene beachten sollten Neue Wohnung liegt über der örtlichen Grenze Die höheren Kosten benötigen vor dem Umzug eine schriftliche Zusicherung. Notwendiger Umzug verursacht weitere Kosten Umzugskosten und Mietkaution müssen vorher beantragt und zugesichert werden; die Kaution soll gewöhnlich als Darlehen gewährt werden. Wohnungslosigkeit steht unmittelbar bevor Neben dem Jobcenter sollte sofort die für die Notunterbringung zuständige Kommune informiert werden. Was Suchnachweise bewirken könnenEine erfolglose Suche verpflichtet das Jobcenter nicht automatisch dazu, jede beliebig hohe Miete zu bezahlen. Die Nachweise können aber zeigen, dass eine Kostensenkung trotz ernsthafter Bemühungen nicht möglich war.
Nach dem Urteil des Bundessozialgerichts vom 27. November 2025, Az. B 4 AS 28/24 R, ist regelmäßig keine gesonderte Liste konkret freier Wohnungen erforderlich, wenn ein methodisch tragfähiges Konzept die tatsächliche Verfügbarkeit günstigen Wohnraums bereits berücksichtigt. Daraus folgt: Eine Mietgrenze muss nachvollziehbar aus den Verhältnissen des örtlichen Wohnungsmarktes hergeleitet sein.
Für Betroffene bleibt die persönliche Dokumentation trotzdem wichtig. Ein Suchprotokoll sollte Datum, Anbieter, Miethöhe, Kontaktweg und Ergebnis enthalten; auch Absagen und Screenshots vergebener Angebote helfen.
Eine bundesweit vorgeschriebene Mindestzahl an Bewerbungen gibt es nicht. Entscheidend ist eine fortlaufende und nachvollziehbare Suche bei unterschiedlichen Anbietern.
Wer wegen einer Krankheit oder Behinderung nicht beliebig weit umziehen oder nicht jede Wohnform nutzen kann, sollte die Einschränkungen ärztlich erläutern lassen. Suchbelege können eine höhere Kostenübernahme unterstützen, ersetzen bei einer neuen Wohnung aber nicht die schriftliche Zusicherung vor dem Umzug.
Mehr dazu erklärt der Beitrag Neue Grundsicherung: Sinnlose Wohnungssuche nach Aufforderung vom Jobcenter. Wie sich örtliche Grenzwerte kontrollieren lassen, zeigt der Ratgeber KdU-Grenze prüfen: So findet man die Mietobergrenze für den eigenen Bezirk.
Darf Tobias seinen Hund in eine Notunterkunft mitnehmen?Für einen gewöhnlichen Haushund besteht kein allgemeiner Anspruch auf Aufnahme in jede kommunale Notunterkunft. Ob Tiere erlaubt sind, hängt häufig von der Einrichtung, ihrer Hausordnung und der konkreten Einweisungsentscheidung ab.
Ein Hund, der einem Menschen emotional Halt gibt, ist rechtlich nicht automatisch einem anerkannten Assistenzhund gleichgestellt. Ist das Tier für Tobias’ psychische Stabilität bedeutsam, sollte eine behandelnde Fachperson dies möglichst konkret bestätigen.
Eine solche Bescheinigung schafft keinen sicheren Aufnahmeanspruch. Sie kann aber die Prüfung tierfreundlicher oder anderweitig geeigneter Unterbringungsmöglichkeiten unterstützen.
Was Jobcenter und Kommune jeweils tun müssenDas Jobcenter prüft nach dem SGB II, welche Unterkunftskosten, Umzugskosten und Kautionsaufwendungen übernommen werden. Die nach dem jeweiligen Landesrecht zuständige Kommune muss dagegen handeln, wenn eine unfreiwillige Obdachlosigkeit unmittelbar bevorsteht und der Betroffene sich nicht selbst helfen kann.
Der Beschluss des Niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts vom 15. April 2024, Az. 11 ME 110/24, betraf einen obdachlosen Mann, dessen Verhalten die Unterbringung erschwerte. Das Gericht stellte klar, dass die Unterbringungspflicht grundsätzlich bestehen bleibt, solange nicht alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft wurden.
Die Kommune schuldet zunächst eine einfache Unterkunft, die vor dem Wetter schützt und Raum für die notwendigsten Lebensbedürfnisse bietet. Eine solche Unterkunft verhindert akute Obdachlosigkeit, ersetzt aber keine eigene Wohnung.
In besonderen Fällen können Hotel- oder Hostelkosten als Unterkunftsbedarf anerkannt werden. Der Beschluss des Sozialgerichts Leipzig vom 7. März 2024, Az. S 9 AS 1774/23 ER, verpflichtete ein Jobcenter vorläufig zur Übernahme von Hostelkosten für ein wohnungsloses Paar.
Die erstinstanzliche Eilentscheidung unter besonderen Umständen ist keine allgemeine Hotelgarantie. Mehr dazu steht im Beitrag Wohnungssuche scheitert: Wann das Jobcenter ein Hotel zahlen muss.
Worauf Betroffene jetzt achten solltenDrohende Wohnungslosigkeit sollte dem Jobcenter und der zuständigen Kommune sofort schriftlich mit dem genauen Auszugs- oder Räumungsdatum mitgeteilt werden. Liegt ein konkretes Mietangebot vor, sollten Betroffene vor der Unterschrift die Übernahme der Unterkunftskosten, ein mögliches Kautionsdarlehen und notwendige Umzugskosten beantragen.
Lehnt das Jobcenter den Antrag durch Bescheid ab, kann dagegen in der Regel innerhalb eines Monats Widerspruch eingelegt werden. Bei unmittelbar drohendem Verlust des Schlafplatzes kommt zusätzlich ein Eilantrag beim Sozialgericht in Betracht; die Rechtsbehelfsbelehrung und eine Beratungsstelle helfen bei Frist und Vorgehen.
Kurzes Beispiel aus der PraxisMiriam ist 54 Jahre alt und muss ihre bisherige Unterkunft in drei Wochen verlassen. Trotz einer dokumentierten Suche findet sie nur eine Wohnung, deren Miete 70 Euro über der örtlichen Grenze liegt.
Vor der Unterschrift reicht sie das Mietangebot beim Jobcenter ein und beantragt die schriftliche Übernahme der höheren Kosten sowie ein Kautionsdarlehen. Ihre Absagen und ein ärztliches Schreiben zu ihrer psychischen Erkrankung fügt sie als Nachweise bei.
Weil die Zeit drängt, meldet Miriam der Kommune zugleich das genaue Auszugsdatum und bittet hilfsweise um eine geeignete Notunterbringung. Bleibt eine rechtzeitige Entscheidung aus, lässt sie prüfen, ob ein Eilantrag nötig ist.
Fragen und Antworten zur Miete bei drohender Wohnungslosigkeit Muss das Jobcenter jede teurere Wohnung bezahlen, wenn keine günstige Wohnung frei ist?Nein. Suchnachweise können eine höhere Kostenübernahme unterstützen, bei einer neuen Wohnung ist aber eine schriftliche Zusicherung vor dem Umzug erforderlich.
Wie viele Wohnungsbewerbungen müssen Betroffene nachweisen?Eine bundesweit feste Zahl gibt es nicht. Die Suche sollte fortlaufend, nachvollziehbar und unter Berücksichtigung gesundheitlicher oder familiärer Einschränkungen erfolgen.
Übernimmt das Jobcenter eine Mietkaution?Eine Mietkaution kann bei vorheriger Zusicherung als Darlehen übernommen werden. Der Antrag sollte vor der Zahlung und vor dem Vertragsabschluss gestellt werden.
Muss eine Notunterkunft den Hund aufnehmen?Für gewöhnliche Haustiere besteht kein pauschaler Aufnahmeanspruch. Eine nachgewiesene gesundheitliche Bedeutung des Hundes kann jedoch eine Prüfung anderer Unterbringungsmöglichkeiten unterstützen.
Wer ist bei unmittelbar drohender Obdachlosigkeit zuständig?Betroffene sollten das Jobcenter und die für die Notunterbringung zuständige Kommune gleichzeitig informieren. Das Jobcenter prüft die Finanzierung, während die Kommune eine kurzfristige Unterbringung veranlassen muss, wenn der Betroffene sich nicht selbst helfen kann.
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Politischer Gefangener seit drei Wochen ohne Behandlung trotz gebrochenem Fuß
Dem politischen Gefangenen Aydın Oğuz wird trotz eines gebrochenen Fußes seit rund drei Wochen eine notwendige Krankenhausbehandlung verweigert. Nach Angaben seiner Familie scheiterten bereits mehrere angeordnete Verlegungen ins Krankenhaus daran, dass Oğuz die von Soldaten verlangte Mundinnenkontrolle ablehnte. Menschenrechtsorganisationen kritisieren diese Praxis seit Jahren als rechtswidrige Schikane, die insbesondere gegen politische und kurdische Gefangene eingesetzt werde und wiederholt zur Verweigerung medizinischer Versorgung führe.
Oğuz verletzte sich am 19. Juli beim Sport im geschlossenen L-Typ-Gefängnis Espiye in der Schwarzmeer-Provinz Giresun im Nordosten der Türkei. Während eines Telefonats mit seiner Familie berichtete er, Mitgefangene hätten nach dem Unfall Alarm geschlagen, woraufhin er zunächst in die Krankenstation des Gefängnisses gebracht worden sei. Dort sei eine Erstversorgung erfolgt und anschließend eine Einweisung ins Krankenhaus angeordnet worden.
Krankenhaustransport zweimal verhindert
Nach Angaben der Familie verlangten die Soldaten vor dem Transport eine sogenannte Mundinnenkontrolle. Oğuz habe dies mit dem Hinweis abgelehnt, dass Sicherheitsbedenken auch auf andere Weise ausgeräumt werden könnten. „Wenn es um Sicherheit geht, kann ich in Ihrer Anwesenheit husten oder Wasser trinken. Aber diese Mundinnenkontrolle akzeptiere ich nicht“, zitierten Angehörige. Daraufhin sei der Transport ins Krankenhaus verweigert worden.
Am folgenden Tag habe der Gefängnisarzt wegen des Bruchs einen dringenden Krankenhaustransport angeordnet. Obwohl Oğuz bereits zur Verlegung bereitgestanden habe, sei auch dieser Transport wegen derselben Forderung der Soldaten verhindert worden.
Nur verbunden und mit Gehstock versorgt
Nach Angaben der Familie ist der gebrochene Fuß seit dem Unfall nur verbunden worden. Oğuz habe lediglich einen Gehstock erhalten. Während des Telefonats berichtete der Gefangene, dass ihm in den ersten Tagen lediglich eine Salbe verschrieben worden sei. „Nachdem die Salbe aufgebraucht war, bekam ich keine neue mehr. Die Schwellung ist zwar etwas zurückgegangen, aber die Schmerzen dauern an.“ Auch zwanzig Tage nach dem Bruch sei er noch immer nicht in ein Krankenhaus gebracht worden.
Seit 16 Jahren in Haft
Aydın Oğuz wurde vor 16 Jahren gemeinsam mit seinem Vater auf einer Baustelle im Landkreis Mezitli in der südtürkischen Provinz Mersin festgenommen. Unter dem Vorwurf der „Mitgliedschaft in einer Terrororganisation“ – gemeint war die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) – wurde er inhaftiert und seither in verschiedene Gefängnisse verlegt, darunter Haftanstalten in Mersin, Şirnex (tr. Şırnak), Hatay und zuletzt Giresun.
https://deutsch.anf-news.com/menschenrechte/turkei-bericht-dokumentiert-anhaltende-menschenrechtsverletzungen-in-112-gefangnissen-52331 https://deutsch.anf-news.com/menschenrechte/ahmet-tamir-gefangnisse-sind-zu-zentren-systematischer-rechtsverletzungen-geworden-52372 https://deutsch.anf-news.com/menschenrechte/menschenrechtsgruppen-fordern-freilassung-schwerkranker-gefangener-52337
Cicero spricht im Deutschen Bundestag
Der große Marcus Tullius Cicero, begnadeter Rhetoriker Roms, zudem Staatsmann, Anwalt und Philosoph, war zu Gast im Deutschen Bundestages des Jahres 2026. Der Mann in der weißen Toga sprach dort als Gesandter aus einer Zeit, in der ein Staat noch wusste, was seine Pflichten und Aufgaben waren und weshalb er eigentlich bestand. Cicero trat ebenso […]
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Die Krise der Feigheit in der Wissenschaft
Cap Allon
Die Standardargumentation der Klima-Orthodoxie gegenüber Realisten lautet immer gleich:
„Also liegen Tausende von Wissenschaftlern falsch – und Sie haben recht?“
Nicht ganz.
Ein kleiner Aktivistenkern mag jede katastrophale Behauptung aufrichtig glauben, die er verbreitet. Doch um ihn herum gibt es eine weitaus größere Gruppe von Wissenschaftlern, die sehr wohl wissen, dass die Beweislage schwach, die Unsicherheiten groß und die Modelle unzuverlässig sind – und dennoch schweigen sie.
Jason Locasale, ein US-amerikanischer Biomediziner und außerordentlicher Professor für Pharmakologie und Krebsbiologie an der Duke University, veröffentlichte kürzlich eine private Nachricht eines Wissenschaftlers, der seiner Kritik zustimmte, sich jedoch weigerte, öffentlich Stellung zu beziehen:
„Angesichts meiner Situation kann ich mich nicht zu Wort melden. Ich betreibe einfach still und leise meine Wissenschaft und boykottiere Pseudowissenschaft.“
Locasales Fazit: „Das akademische System bestraft Ehrlichkeit.“
Wissenschaftlicher Konsens wird häufig so dargestellt, als hätten Tausende unabhängiger Forscher die Beweislage geprüft und unabhängig voneinander die gleiche Schlussfolgerung gezogen. In der modernen Wissenschaft funktioniert das selten so.
Auch ist die wissenschaftliche Gemeinschaft weder politisch neutral noch repräsentativ für die breite Öffentlichkeit. In der groß angelegten Pew-Umfrage unter US-Wissenschaftlern aus dem Jahr 2009 bezeichneten sich nur 6 % als Republikaner. Studien zu politischen Spenden und Wählerregistrierungen haben seitdem das gleiche ausgeprägte Ungleichgewicht aufgezeigt, insbesondere an den Universitäten. Tatsächlich ergab eine Analyse der Spendenunterlagen des Bundes aus dem Jahr 2022, dass sich dieses Ungleichgewicht noch weiter verschärft hatte.
Dies führt zu einer ideologischen Monokultur, in der immer wieder die gleichen Annahmen wiederholt und bekräftigt werden, die schließlich fälschlicherweise für objektives wissenschaftliches Urteilsvermögen gehalten werden. Forscher sind auf Fördermittel, Institutionen, Fachzeitschriften, Gutachter und leitende Kollegen angewiesen. Ihre Karrieren werden von Menschen gesteuert, die innerhalb des gleichen ideologischen und finanziellen Systems agieren. Wer die etablierte Sichtweise in Frage stellt, riskiert den Verlust von Fördermitteln, die Ablehnung von Veröffentlichungen, das Stocken von Beförderungen und den Ruin seines Rufs.
Die meisten Wissenschaftler verstehen das ganz genau.
Politische Etikettierung stellt ein besonders wirksames Mittel zur Durchsetzung dar. Kritik an Fauci und der offiziellen Pandemiedarstellung wurde routinemäßig als „rechtsgerichtet“, „Trump-freundlich“ oder verschwörungstheoretisch abgestempelt – unabhängig von den Beweisen.
Klimaskeptizismus wird genauso behandelt. Wer ein Modell in Frage stellt, eine Zuordnungsbehauptung anzweifelt oder das Ausmaß der prognostizierten Erwärmung bestreitet, dessen Argument wird als konservative Ideologie abgetan, noch bevor es überhaupt geprüft wird.
[Hervorhebung vom Übersetzer]
Sobald wissenschaftliche Meinungsverschiedenheiten als Zugehörigkeit zu einer verachteten politischen Gruppe umgedeutet wurden, müssen Wissenschaftler diese nicht mehr widerlegen. Sie können sich einfach davon distanzieren – und jüngere Forscher warnen, dass eine Auseinandersetzung mit diesen Themen ihrer Karriere schaden könnte.
In einem überwiegend von der politischen Linken dominierten Berufsfeld ist es nicht nur eine Beleidigung, als „rechts“ abgestempelt zu werden. Es ist eine berufliche Bedrohung. Und die Klimawissenschaft ist von diesem Verhalten völlig durchdrungen.
Forscher sehen zu, wie übertriebene Modellprognosen Schlagzeilen machen, schweigen aber. Eine einzige Überschwemmung wird als Beweis für eine „Klimakatastrophe“ dargestellt, selbst wenn die zugrunde liegenden Daten keinen Trend erkennen lassen. Nun beteiligt sich zwar eine Handvoll Wissenschaftler begeistert daran und genießt das Rampenlicht (Michael Mann). Die meisten halten sich jedoch bedeckt und kassieren ihre Gehälter: „Ich betreibe einfach still und leise meine Wissenschaft …“
Das gleiche institutionelle Versagen, das im Zuge der Nachwirkungen der Fauci-Ära offenbart wurde, reicht weit über einen einzelnen Mann oder ein einzelnes Fachgebiet hinaus. Wissenschaftler setzen eine einheitliche Darstellung durch, selbst wenn dies die Öffentlichkeit darüber irreführt, was die Forschung tatsächlich zeigt.
Die Klimawissenschaft funktioniert seit Jahrzehnten auf diese Weise.
Die Menschen können Unsicherheiten verzeihen. Sie können ehrliche Fehler verzeihen. Was sie jedoch nicht verzeihen werden, ist die Erkenntnis, dass Experten ihre Gewissheit übertrieben, Meinungsverschiedenheiten verschwiegen und diejenigen bestraft haben, die ihre Meinung offen geäußert haben.
Die Wissenschaft kann das Vertrauen nur dann zurückgewinnen, wenn Forscher beginnen, für die Wahrheit Risiken einzugehen.
Doch die Physikerin Sabine Hossenfelder warnt, dass die Wissenschaft bereits nicht mehr zu retten ist:
„Für die ist es vorbei. Sie wissen es nur noch nicht.“
Link: https://electroverse.substack.com/p/andes-buried-as-211-tourists-rescued?utm_campaign=email-post&r=320l0n&utm_source=substack&utm_medium=email (Zahlschranke)
Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE
Der Beitrag Die Krise der Feigheit in der Wissenschaft erschien zuerst auf EIKE - Europäisches Institut für Klima & Energie.
Wohngeld zweckentfremdet: Ganzer Monatsanspruch entfällt
Wer Wohngeld vollständig oder zu mehr als der Hälfte nicht für Miete oder Belastung einsetzt, verliert den Anspruch für den betroffenen Monat. Sind die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt, muss die Wohngeldbehörde die Bewilligung für diesen Monat vollständig aufheben und den ausgezahlten Betrag grundsätzlich zurückfordern.
Das gilt auch, wenn ein Teil des Geldes beim Vermieter angekommen ist. Werden beispielsweise 100 Euro Wohngeld gezahlt, aber insgesamt nur 40 Euro Miete überwiesen, sind nach der Wohngeld-Verwaltungsvorschrift 60 Euro und damit mehr als die Hälfte des Zuschusses zweckwidrig verwendet.
Wichtig ist: Anders als bei einem Auszug wird der Bescheid hier nicht automatisch unwirksam. Nach § 28 Absatz 2 Wohngeldgesetz fällt der Anspruch für den Monat weg; die Behörde muss den Bescheid anschließend mit Wirkung zum Monatsersten aufheben.
Warum entfällt wegen eines Teilbetrags das gesamte Wohngeld für diesen Monat?Wohngeld ist ein zweckgebundener Zuschuss zur Miete oder zur Belastung selbst genutzten Eigentums. Das Gesetz sieht keine anteilige Kürzung vor, wenn der Zuschuss vollständig oder überwiegend anderweitig verwendet wurde.
Die Wohngeld-Verwaltungsvorschrift zu § 28 WoGG erläutert, wie die Wohngeldbehörden diese Regel anwenden sollen. Sie ist kein eigenes Gesetz, beschreibt aber ausdrücklich die vollständige Aufhebung für den betroffenen Monat.
Bereits ausgezahltes Wohngeld ist nach § 50 Absatz 1 SGB X grundsätzlich zu erstatten. Zurückgefordert wird daher nicht nur der zweckwidrig verwendete Anteil, sondern das gesamte für diesen Monat gezahlte Wohngeld.
Nach § 29 Absatz 1 WoGG haften neben der wohngeldberechtigten Person auch volljährige Haushaltsmitglieder, die bei der Berechnung berücksichtigt wurden, als Gesamtschuldner. Die Rückforderung kann unter diesen Voraussetzungen daher auch ein anderes volljähriges Haushaltsmitglied treffen.
Verwendung im betreffenden Monat Folge nach § 28 Absatz 2 WoGG Das Wohngeld wird vollständig nicht für Miete oder Belastung eingesetzt. Der Monatsanspruch fällt vollständig weg. Mehr als die Hälfte des Wohngeldes wird anderweitig verwendet. Der Monatsanspruch fällt ebenfalls vollständig weg. Genau die Hälfte oder weniger wird anderweitig verwendet. Eine überwiegend zweckwidrige Verwendung liegt nach dem üblichen Wortverständnis nicht vor; ob aus einem anderen rechtlichen Grund eine Änderung möglich ist, muss gesondert geprüft werden. Wie prüft die Behörde die Verwendung des Wohngeldes?Die Verwaltungsvorschrift stellt in ihrem Beispiel auf die tatsächlich geleistete Mietzahlung ab. Die Behörde vergleicht den bewilligten Wohngeldbetrag deshalb mit dem Betrag, der nachweisbar für Miete oder Belastung aufgebracht wurde.
Wer die vollständige Miete bezahlt hat, sollte dies durch Kontoauszüge, Quittungen oder ein Mietkonto des Vermieters belegen können. Bei Teilzahlungen muss nachvollziehbar sein, welcher Betrag im jeweiligen Monat tatsächlich für die Wohnung gezahlt wurde.
Beim Lastenzuschuss für selbst genutztes Eigentum gilt dieselbe Regel für die anerkannten finanziellen Belastungen. Eigentümer sollten deshalb insbesondere Darlehenszahlungen und weitere berücksichtigte Aufwendungen lückenlos dokumentieren.
Entfällt das Wohngeld für den ganzen Bewilligungszeitraum?Nein, § 28 Absatz 2 WoGG betrachtet jeden Monat gesondert. Wurde das Wohngeld nur in einem Monat überwiegend anderweitig verwendet, betrifft der Wegfall zunächst nur diesen Monat.
Wird der Vorfall während des Bewilligungszeitraums bekannt, muss die Behörde unverzüglich prüfen, ob künftige Zahlungen an den Vermieter oder ein anderes Haushaltsmitglied gehen können. § 26 Absatz 1 WoGG erlaubt dies mit schriftlicher Einwilligung und im Einzelfall auch ohne Einwilligung. In bestimmten Heimfällen kann zudem der zuständige Leistungsträger Empfänger sein; die wohngeldberechtigte Person muss über die geänderte Auszahlung informiert werden.
Wird die Auszahlung entsprechend umgestellt, kann der bisherige Bewilligungszeitraum bestehen bleiben. Beendet die Behörde die Bewilligung dagegen vollständig, setzt ein erneuter Bezug grundsätzlich einen neuen Antrag voraus.
Welche Fristen und Ausnahmen gelten?Eine Aufhebung wegen zweckwidriger Verwendung ist nicht unbegrenzt möglich. Die Bekanntgabe des Bewilligungsbescheids darf nicht länger als zehn Jahre und die Kenntnis der Behörde von der zweckwidrigen Verwendung nicht länger als ein Jahr zurückliegen.
Beide Zeitgrenzen sollten anhand des Bescheids und der Behördenkorrespondenz geprüft werden. Sind die Voraussetzungen erfüllt, sieht die Verwaltungsvorschrift keine weitere Prüfung dazu vor, ob die betroffene Person auf den Fortbestand der Bewilligung vertrauen durfte.
§ 28 Absatz 2 WoGG nennt Ausnahmen für eine gesetzlich geregelte Aufrechnung, Verrechnung oder Pfändung. Die Vorschrift greift ebenfalls nicht, soweit der Wohngeldanspruch auf einen anderen Sozialleistungsträger übergegangen ist.
Vereinfacht gesagt betrifft dies Beträge, über die die wohngeldberechtigte Person wegen eines gesetzlich geregelten Zugriffs nicht selbst verfügen konnte. Ob die Ausnahme den gesamten Betrag oder nur einen Teil erfasst, hängt von den jeweiligen Unterlagen ab.
Welche Nachweise schützen vor einer falschen Rückforderung?Kontoauszüge mit einem eindeutigen Verwendungszweck sind meist der einfachste Nachweis. Hilfreich sind außerdem Mietkonten des Vermieters, Quittungen über Barzahlungen, Darlehenskontoauszüge sowie schriftliche Vereinbarungen über Stundungen, Verrechnungen oder Mietminderungen.
Barzahlungen sind nicht allein wegen der Zahlungsart unbeachtlich, lassen sich ohne datierte Quittung aber nur schwer belegen. In einem anderen wohngeldrechtlichen Zusammenhang zeigt auch der Beitrag Wohngeld bei Mietverträgen unter Angehörigen, wie wichtig nachweisbare Mietzahlungen sind.
Wer Wohngeld beantragt oder Änderungen meldet, sollte sämtliche Angaben zu Miete, Nebenkosten und Haushalt widerspruchsfrei dokumentieren. Weitere praktische Hinweise enthält der Ratgeber Sieben häufige Fehler beim Wohngeldantrag.
Was sollten Betroffene bei einer Anhörung oder Rückforderung tun?Zuerst sollten der betroffene Monat, die Wohngeldhöhe und die von der Behörde angenommenen Mietzahlungen miteinander verglichen werden. Fehlende Kontoauszüge, Quittungen oder Bestätigungen des Vermieters sollten bereits während einer Anhörung oder spätestens nach Erhalt des Bescheids vorgelegt werden.
Der Aufhebungsbescheid muss erkennen lassen, welche Monate betroffen sind und wie sich die Rückforderung zusammensetzt. Eine Rückforderung für den gesamten Bewilligungszeitraum ist nicht allein deshalb richtig, weil in einem einzelnen Monat zu wenig Miete gezahlt wurde.
Gegen eine fehlerhafte Entscheidung kommt je nach Verfahrensweg ein Widerspruch oder eine Klage in Betracht. Die Rechtsbehelfsbelehrung ist zu beachten, weil die Frist nach § 70 VwGO für einen Widerspruch regelmäßig einen Monat nach Bekanntgabe beträgt.
Bei einer hohen Rückforderung oder drohendem Wohnungsverlust kann eine Sozialberatungsstelle oder anwaltliche Beratung sinnvoll sein. Betroffene sollten nicht bis zum Ende der Rechtsbehelfsfrist warten, wenn noch Zahlungsbelege beschafft werden müssen.
Kurzes Beispiel aus der PraxisEine Rentnerin erhält monatlich 180 Euro Wohngeld bei einer Miete von 620 Euro. Wegen anderer dringender Ausgaben zahlt sie in einem Monat insgesamt nur 80 Euro an den Vermieter und verwendet die vom Wohngeld verbleibenden 100 Euro für Lebensmittel und offene Rechnungen.
Damit wurde mehr als die Hälfte des Wohngeldes nicht für die Miete eingesetzt. Die Behörde muss die Bewilligung für diesen Monat vollständig aufheben und grundsätzlich 180 Euro zurückfordern, nicht nur die anderweitig verwendeten 100 Euro.
Für die folgenden Monate kann die Auszahlung unmittelbar an den Vermieter umgestellt werden. Bleibt der Bewilligungszeitraum dadurch bestehen, beseitigt der Fehler aus dem früheren Monat nicht automatisch die Ansprüche für alle späteren Monate.
Fragen und Antworten zur zweckwidrigen Verwendung von Wohngeld Wird nur der zweckwidrig verwendete Teil zurückgefordert?Nein. Wurde der Zuschuss vollständig oder überwiegend anderweitig verwendet, fällt der Anspruch für den betroffenen Monat weg und der gesamte Monatsbetrag ist grundsätzlich zu erstatten.
Geht der Anspruch auch bei genau 50 Prozent zweckwidriger Verwendung verloren?Eine genau hälftige zweckwidrige Verwendung ist nach dem üblichen Wortverständnis nicht „überwiegend“. Ob aus einem anderen rechtlichen Grund eine Aufhebung oder Änderung möglich ist, muss gesondert geprüft werden.
Muss die Mietzahlung vom selben Konto erfolgen?Das Wohngeldgesetz schreibt für die Mietzahlung kein bestimmtes Konto vor. Wichtig ist, dass sich die tatsächliche Zahlung für den betreffenden Monat zuverlässig belegen lässt.
Kann die Wohngeldstelle direkt an den Vermieter zahlen?Ja, mit schriftlicher Einwilligung und im Einzelfall auch ohne Einwilligung, wenn dies geboten ist. Die wohngeldberechtigte Person muss über die geänderte Auszahlung informiert werden.
Wie lassen sich Barzahlungen nachweisen?Geeignet ist eine datierte Quittung mit Betrag, Mietmonat, Wohnungsanschrift und Unterschrift des Vermieters. Ohne einen belastbaren Beleg steigt das Risiko, dass die Behörde die behauptete Zahlung nicht anerkennt.
Was ist bei einer Rückforderung zuerst zu prüfen?Zu prüfen sind der betroffene Monat, der Wohngeldbetrag, die tatsächlich geleistete Mietzahlung und die Rechtsbehelfsfrist. Stimmen die Annahmen der Behörde nicht, sollten die vorhandenen Zahlungsnachweise innerhalb der Frist eingereicht werden.
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Arbeitslosengeld: Zwei nicht gezählte Tage kosten 19.288 Euro
Nur zwei Tage fehlen einem Arbeitslosen bis zur entscheidenden 150-Tage-Grenze bei der Berechnung seines Arbeitslosengeldes. Dadurch erhält er statt 63,13 Euro lediglich 36,34 Euro pro Tag. Über 720 Anspruchstage entsteht eine Differenz von 19.288,80 Euro.
Nun prüft das Bundessozialgericht, ob diese Berechnung zulässig ist.
Zwei Tage entscheiden über die BerechnungsartDie Höhe des Arbeitslosengeldes richtet sich grundsätzlich nach dem beitragspflichtigen Arbeitsentgelt innerhalb des Bemessungszeitraums. Reichen die Entgelttage dort nicht aus, kann der Bemessungsrahmen auf zwei Jahre erweitert werden.
Werden auch dann weniger als 150 Tage mit Anspruch auf Arbeitsentgelt erreicht, greift die sogenannte fiktive Bemessung. Dabei wird statt des tatsächlichen Verdienstes ein pauschales Entgelt nach Qualifikationsgruppe angesetzt.
Genau an dieser Grenze scheiterte der Kläger. Sein letztes Versicherungspflichtverhältnis endete wegen eines Krankengeldbezugs am 29. Mai 2022, sodass der erweiterte Bemessungsrahmen am 30. Mai 2020 begann.
Damit lagen aus dem bereits abgerechneten Monat Mai 2020 noch der 30. und 31. Mai innerhalb des Zeitraums. Die Bundesagentur für Arbeit berücksichtigte diese beiden Tage jedoch nicht.
Warum die beiden Tage nicht gezählt wurdenNach der bisherigen Rechtsprechung werden nur Entgeltabrechnungszeiträume berücksichtigt, die vollständig innerhalb des Bemessungsrahmens liegen. Weil der Mai 2020 nur teilweise erfasst war, blieb der gesamte Abrechnungsmonat außen vor.
Dadurch kamen lediglich 148 statt 150 Entgelttage zusammen. Hätten die beiden Maitage gezählt, wäre die gesetzliche Grenze exakt erreicht worden.
Die Folge war eine deutlich niedrigere Leistung. Bei Berücksichtigung der beiden Tage hätte die Bundesagentur ein tägliches Bemessungsentgelt von 173,72 Euro zugrunde gelegt, woraus sich ein Leistungssatz von 63,13 Euro ergeben hätte.
Tatsächlich bewilligt wurden nach der fiktiven Bemessung in Qualifikationsgruppe 3 nur 36,34 Euro täglich. Die Differenz beträgt damit 26,79 Euro pro Anspruchstag.
Fast 20.000 Euro weniger ArbeitslosengeldBei 30 Leistungstagen entspricht das 1.893,90 Euro statt 1.090,20 Euro Arbeitslosengeld. Die monatliche Differenz beträgt damit 803,70 Euro. Über die bewilligten 720 Anspruchstage summiert sich der Nachteil auf 19.288,80 Euro. Die Beträge beruhen auf den Berechnungsvarianten, die die Bundesagentur für Arbeit im Gerichtsverfahren mitgeteilt hat.
Das Sozialgericht Dortmund hatte die beiden Tage zunächst berücksichtigt und dem Kläger höheres Arbeitslosengeld zugesprochen. Das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen hob diese Entscheidung jedoch am 19. Februar 2026 auf.
Nach seinem Urteil mit dem Aktenzeichen L 9 AL 44/25 darf ein nur teilweise innerhalb des Bemessungsrahmens liegender Abrechnungsmonat vollständig unberücksichtigt bleiben. Damit blieb es bei der fiktiven Bemessung.
Landessozialgericht verweist auf MassenverwaltungDas Landessozialgericht begründete seine Entscheidung unter anderem mit einer praktikablen Bearbeitung in der Massenverwaltung. Die Bundesagentur müsse nicht einzelne Tage aus abgerechneten Monaten herauslösen und gesondert berücksichtigen.
Zugleich erkannte das Gericht an, dass die Regelung für den Kläger erhebliche finanzielle Folgen hat. Auch der beitragsfinanzierte Anspruch auf Arbeitslosengeld fällt grundsätzlich unter den Eigentumsschutz des Grundgesetzes.
Damit ist der Rechtsstreit noch nicht beendet. Beim Bundessozialgericht läuft die Revision unter dem Aktenzeichen B 11 AL 5/26 R. Dort muss geklärt werden, ob eine fiktive Bemessung verfassungsrechtlich zulässig ist, wenn die 150-Tage-Grenze nur wegen eines nicht berücksichtigten Teilabrechnungszeitraums verfehlt wird.
Die Entscheidung kann auch für weitere vergleichbare Fälle Bedeutung haben.
Welche Arbeitslosengeld-Bescheide betroffen sein könnenRelevant ist der Fall vor allem für Arbeitslose, bei denen der Bemessungsrahmen auf zwei Jahre erweitert wurde und nur wenige Tage bis zur 150-Tage-Grenze fehlen. Zusätzlich müsste am Anfang oder Ende dieses Zeitraums ein bereits abgerechneter Teilmonat vollständig unberücksichtigt geblieben sein.
Entscheidend ist außerdem, dass die Berechnung nach dem tatsächlichen früheren Verdienst zu einem höheren Arbeitslosengeld führen würde. Nicht jede fiktive Bemessung ist daher automatisch mit diesem Verfahren vergleichbar.
Hinweise finden Betroffene häufig direkt im Arbeitslosengeld-Bescheid. Begriffe wie „fiktive Bemessung“ oder „Qualifikationsgruppe“ zeigen, dass nicht das tatsächliche frühere Arbeitsentgelt zugrunde gelegt wurde. Dann lohnt sich ein Vergleich des zweijährigen Bemessungsrahmens mit den Lohnabrechnungen an dessen Anfang und Ende.
Der aktuelle Fall zeigt, dass bereits wenige nicht berücksichtigte Tage den gesamten Leistungssatz verändern können.
Bundessozialgericht entscheidet über die BerechnungIm Verfahren geht es nicht um einen einfachen Rechenfehler der Bundesagentur für Arbeit. Strittig ist vielmehr, ob die bisherige gesetzliche und gerichtliche Berechnungslogik in einer solchen Grenzkonstellation zulässig ist.
Bis zu einer Entscheidung des Bundessozialgerichts bleibt die bisherige Praxis bestehen. Für den Kläger geht es dabei um 19.288,80 Euro.
FAQ zum Arbeitslosengeld-Verfahren Warum sind 150 Tage beim Arbeitslosengeld wichtig?Wer im maßgeblichen Bemessungsrahmen weniger als 150 Tage mit Arbeitsentgelt erreicht, kann nach einem fiktiven statt nach dem tatsächlichen Verdienst eingestuft werden. Das kann das Arbeitslosengeld deutlich senken. Im vorliegenden Fall fehlten lediglich zwei Tage.
Welche Bescheide könnten betroffen sein?Wichtig sind in ester Linie Bescheide mit „fiktiver Bemessung“ oder einer „Qualifikationsgruppe“. Besonders genau sollte geprüft werden, wenn nur wenige Tage bis zur 150-Tage-Grenze fehlen. Auch nicht berücksichtigte Teilmonate am Rand des Bemessungsrahmens können wichtig sein.
Hat das Bundessozialgericht schon entschieden?Nein. Die Revision läuft unter dem Aktenzeichen B 11 AL 5/26 R. Bis zur Entscheidung gilt die bisherige Berechnungspraxis weiter.
QuellenLandessozialgericht Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 19. Februar 2026, Az. L 9 AL 44/25.
Bundessozialgericht, Revisionsverfahren Az. B 11 AL 5/26 R. Berechnungswerte nach den im Verfahren mitgeteilten Angaben der Bundesagentur für Arbeit.
Der Beitrag Arbeitslosengeld: Zwei nicht gezählte Tage kosten 19.288 Euro erschien zuerst auf Gegen-Hartz.de – Sozialrecht, Rente, Pflege und Grundsicherung.
Pflegegeld kann auf ein Viertel sinken wegen doppelter Kürzung
Pflegebedürftige können für einzelne Tage nur noch 25 Prozent des regulären Pflegegeldes erhalten. Dazu kommt es, wenn die Pflegekasse das Pflegegeld wegen eines fehlenden Beratungsnachweises bereits auf 50 Prozent gekürzt hat und anschließend Kurzzeitpflege oder tageweise Verhinderungspflege genutzt wird.
Für die dazwischenliegenden Leistungstage zahlt die Pflegekasse grundsätzlich die Hälfte des zuvor bezogenen Pflegegeldes weiter. War dieser Betrag schon halbiert, bleiben 25 Prozent; der erste und letzte Leistungstag sowie eine Verhinderung der Pflegeperson von weniger als acht Stunden werden günstiger behandelt.
Wichtig ist: Die zweite Halbierung ist keine weitere Strafe wegen des versäumten Beratungstermins. Sie folgt aus der gesetzlichen Regel zur Fortzahlung des Pflegegeldes während Kurzzeit- und Verhinderungspflege.
Warum aus 50 Prozent nur noch 25 Prozent werden§ 37 Absatz 2 SGB XI bestimmt, dass während Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege jeweils bis zu acht Wochen je Kalenderjahr die Hälfte des bisher bezogenen Pflegegeldes fortgezahlt wird. Die Formulierung „bisher bezogen“ ist für die Rechnung entscheidend.
Erhielt die pflegebedürftige Person unmittelbar vor Beginn der Kurzzeit- oder Verhinderungspflege nur noch 50 Prozent, wird von diesem gekürzten Betrag ausgegangen. Die Rechnung lautet: reguläres Pflegegeld × 50 Prozent wegen des fehlenden Nachweises × 50 Prozent während der Ersatz- oder Kurzzeitpflege.
Das gemeinsame Rundschreiben des GKV-Spitzenverbandes vom 2. April 2026 bestätigt diese Berechnung ausdrücklich. Es spricht für diesen Fall von der Hälfte des gekürzten Pflegegeldes und damit von einem Viertel.
Wann die Pflegekasse wegen des Beratungsbesuchs kürzen darfWer mit Pflegegrad 2 bis 5 Pflegegeld nach § 37 Absatz 1 SGB XI bezieht, muss einmal pro Kalenderhalbjahr einen Beratungsbesuch abrufen. Menschen mit Pflegegrad 4 oder 5 dürfen die Beratung vierteljährlich nutzen, verpflichtet sind sie nach der geltenden Fassung jedoch nur zu einem Termin je Halbjahr.
Der erste Beratungseinsatz muss in der eigenen Häuslichkeit stattfinden. Auf Wunsch kann bis einschließlich 31. März 2027 jede zweite Beratung per Videokonferenz erfolgen.
Die Beratung soll die häusliche Versorgung absichern und pflegende Angehörige praktisch unterstützen. Meist übermittelt der Pflegedienst oder die anerkannte Beratungsstelle den Nachweis an die Pflegekasse, dennoch sollten Betroffene sich die Weiterleitung bestätigen lassen.
Fehlt der Nachweis, muss die Pflegekasse das Pflegegeld nach § 37 Absatz 6 SGB XI angemessen kürzen. Nach den Hinweisen des GKV-Spitzenverbandes gelten 50 Prozent beim ersten Versäumnis als angemessen, wobei die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen sind.
Wird der Beratungsbesuch auch im folgenden Halbjahreszeitraum nicht nachgewiesen, muss die Pflegekasse die Pflegegeldzahlung einstellen. War die Zahlung vor Beginn der Kurzzeit- oder Verhinderungspflege bereits beendet, gibt es keinen Betrag, der während dieser Zeit hälftig fortgezahlt werden könnte.
Der Zeitpunkt der ersten Kürzung kann die Rechnung verändernDer Viertelbetrag setzt voraus, dass das Pflegegeld beim Beginn der Kurzzeit- oder Verhinderungspflege bereits wegen des fehlenden Beratungsnachweises gekürzt war. Beginnt die Kürzung erst während einer laufenden Kurzzeit- oder Verhinderungspflege, sieht das Rundschreiben weiterhin die Zahlung des hälftigen Pflegegeldes vor.
Betroffene sollten deshalb den Beginn der Ersatzpflege, den Beginn der Pflegegeldkürzung und das Datum des Kassenbescheids miteinander vergleichen. Eine pauschale Rechnung ohne diese Daten kann zu einem falschen Ergebnis führen.
So hoch ist der rechnerische ViertelbetragDie folgende Tabelle zeigt die regulären monatlichen Pflegegeldbeträge und den rechnerischen Viertelbetrag. Sie stellt nicht automatisch die Auszahlung für einen konkreten Monat dar, weil Beginn und Ende der Pflege sowie einzelne Kalendertage gesondert berechnet werden.
Pflegegrad Regulärer Betrag → rechnerisch 25 Prozent Pflegegrad 2 347,00 Euro → 86,75 Euro Pflegegrad 3 599,00 Euro → 149,75 Euro Pflegegrad 4 800,00 Euro → 200,00 Euro Pflegegrad 5 990,00 Euro → 247,50 EuroDer Viertelbetrag ist damit eine Rechengröße für die betroffenen Tage. Bei einer Teilmonatsberechnung setzt die Pflegekasse den Monat mit 30 Tagen an.
Am ersten und letzten Tag gilt eine günstigere BerechnungAm ersten und letzten Tag der Kurzzeit- oder Verhinderungspflege wird das Pflegegeld nicht noch einmal halbiert. War es wegen des fehlenden Beratungsnachweises bereits auf 50 Prozent gekürzt, bleibt es an diesen Tagen bei diesem Betrag.
Stundenweise Verhinderungspflege fällt nicht unter die zweite HalbierungIst die bisherige Pflegeperson an einem Tag weniger als acht Stunden verhindert, wird das Pflegegeld wegen der Verhinderungspflege nicht zusätzlich gekürzt. Es kommt auf die tatsächliche Abwesenheitsdauer der Pflegeperson an und nicht darauf, wie lange die Ersatzpflegeperson anwesend ist.
Eine schon bestehende Kürzung wegen des fehlenden Beratungsnachweises bleibt bestehen. Ab einer Verhinderung von acht Stunden wird der Tag dagegen auf die Höchstdauer von 56 Tagen angerechnet und das zuvor bezogene Pflegegeld grundsätzlich hälftig fortgezahlt; die Ausnahme für den ersten und letzten Tag gilt weiterhin.
Mehr zu den seit Juli 2025 geltenden Regeln erklärt der interne Beitrag Verhinderungs- und Kurzzeitpflege: Mehr Freiheit, aber auch mehr Verantwortung. Einen breiteren Überblick über mögliche Kürzungsgründe bietet außerdem Pflegegrad: Zehn Fallen, die das Pflegegeld kürzen.
Pflegegeld und gemeinsamer Jahresbetrag sind zwei verschiedene LeistungenSeit dem 1. Juli 2025 steht für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege ein gemeinsamer Jahresbetrag von bis zu 3.539 Euro zur Verfügung. Daraus werden die Kosten der Ersatzpflege oder des vorübergehenden Aufenthalts finanziert, soweit die Voraussetzungen erfüllt sind.
Davon zu trennen ist das monatliche Pflegegeld für die selbst organisierte häusliche Pflege. Das Jahresbudget kann noch nicht ausgeschöpft sein, obwohl das laufende Pflegegeld für bestimmte Tage nur mit einem Viertel angesetzt wird.
Was Betroffene nach einer Kürzungsmitteilung tun solltenWer eine Mitteilung über einen fehlenden Nachweis erhält, sollte umgehend einen Beratungstermin vereinbaren und klären, ob der Nachweis vielleicht bereits durchgeführt, aber noch nicht übermittelt wurde. Nach den Hinweisen des GKV-Spitzenverbandes wird die volle Pflegegeldzahlung ab dem Tag wieder aufgenommen, an dem der Beratungseinsatz durchgeführt wurde.
Der Kürzungsbescheid sollte außerdem das versäumte Halbjahr, den Beginn der Kürzung und die Berechnung erkennen lassen. Fehlen diese Angaben oder wurden ein fristgerechter Termin und der zugehörige Nachweis übersehen, sollten Betroffene schriftlich eine Überprüfung verlangen und die Rechtsbehelfsbelehrung beachten.
Bei einer anschließenden Kurzzeit- oder Verhinderungspflege empfiehlt sich eine tagegenaue Abrechnung. Aufnahme- und Entlassungstag, die tägliche Abwesenheitsdauer der Pflegeperson sowie der vor Beginn tatsächlich gezahlte Pflegegeldbetrag können das Ergebnis verändern.
Fragen und Antworten zur doppelten Pflegegeldkürzung Warum werden aus einer Kürzung auf 50 Prozent später 25 Prozent?Weil während Kurzzeit- oder tageweiser Verhinderungspflege die Hälfte des zuvor bezogenen Pflegegeldes fortgezahlt wird. War dieser Betrag schon halbiert, entspricht die weitere Hälfte einem Viertel des regulären Pflegegeldes.
Gilt der Viertelbetrag für den gesamten Monat?Nein, er gilt grundsätzlich nur für die Tage, an denen die hälftige Fortzahlung während der Kurzzeit- oder Verhinderungspflege anzusetzen ist. Andere Tage sowie der erste und letzte Leistungstag werden anders berechnet.
Wird bei stundenweiser Verhinderungspflege ebenfalls auf 25 Prozent gekürzt?Nicht, wenn die bisherige Pflegeperson weniger als acht Stunden am Tag verhindert ist. Dann bleibt es bei dem zuvor bezogenen Pflegegeld, also bei einer schon bestehenden Nachweiskürzung regelmäßig bei 50 Prozent.
Wie oft muss der Beratungsbesuch nachgewiesen werden?Pflegegeldbeziehende mit Pflegegrad 2 bis 5 müssen einmal je Kalenderhalbjahr eine Beratung abrufen. Bei Pflegegrad 4 oder 5 ist freiwillig auch eine vierteljährliche Beratung möglich.
Kann eine verspätete Beratung die volle Zahlung wiederherstellen?Ja, nach dem Rundschreiben des GKV-Spitzenverbandes wird die volle Pflegegeldzahlung ab dem Tag des durchgeführten Beratungseinsatzes wieder aufgenommen. Betroffene sollten den Nachweis unverzüglich an die Pflegekasse übermitteln lassen und eine Neuberechnung anfordern.
Was passiert, wenn das Pflegegeld bereits vollständig entzogen wurde?Dann fehlt ein Pflegegeldbetrag, der während Kurzzeit- oder Verhinderungspflege hälftig fortgezahlt werden könnte. In diesem Fall wird nach den Verwaltungshinweisen kein hälftiges Pflegegeld gezahlt.
Der Beitrag Pflegegeld kann auf ein Viertel sinken wegen doppelter Kürzung erschien zuerst auf Gegen-Hartz.de – Sozialrecht, Rente, Pflege und Grundsicherung.
Gedenken an Journalistin Deniz Firat in Wan
Mit einer Zeremonie an ihrem Grab in der nordkurdischen Provinz Wan (tr. Van) ist am Samstag an die kurdische Journalistin Deniz Firat (Leyla Yıldıztan) erinnert worden. Die Kriegsreporterin kam am 8. August 2014 während eines Angriffs der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) auf das Flüchtlingslager Mexmûr ums Leben. Sie wurde 40 Jahre alt.
Deniz Firat gehörte zu den ersten Medienschaffenden, die im Sommer 2014 über den Vormarsch des IS in Kurdistan berichteten. Während die Dschihadisten in Şengal einen Genozid an der ezidischen Bevölkerung verübten und zugleich das Flüchtlingslager Mexmûr angriffen, dokumentierte sie die Ereignisse für ANF sowie die kurdischen Fernsehsender Stêrk TV und Ronahî TV.
Blieb in Mexmûr, um weiter zu berichten
Als die Evakuierung des Camps zum Schutz der Zivilbevölkerung beschlossen wurde, entschied sich Deniz Firat, vor Ort zu bleiben. Mit ihrer Kamera dokumentierte sie die Angriffe und informierte die Öffentlichkeit über die Lage an der Front. Am 8. August 2014 meldete sie sich ein letztes Mal telefonisch, während sie die Kämpferi:nnen der kurdischen Guerilla begleitete, die Mexmûr gegen die Islamisten verteidigten. Kurz darauf wurde sie durch einen Granatsplitter des IS tödlich verletzt.
Deniz Firat
Gedenken am Grab
Anlässlich des zwölften Jahrestages ihres Todes versammelten sich Angehörige, Journalist:innen und Vertreter:innen zivilgesellschaftlicher Organisationen an Firats Grab im Stadtteil Xecxatûn des Landkreises Ebex (Çaldıran). An der Gedenkfeier nahmen unter anderem Mitglieder des Verbands der Journalistinnen Mesopotamiens (MKG), des Journalistenvereins Dicle-Firat (DFG), von der Organisation MEBYA-DER, die sich um Menschen kümmert, die Angehörige im kurdischen Befreiungskampf verloren haben, der Initiative der kurdischen Friedensmütter, der DEM-Partei sowie zahlreiche Medienschaffende teil.
„Sie kämpfte mit ihrer Kamera gegen den IS“
Für die Wan-Vertretung des MKG erklärte Ceylan Şahinli, Deniz Firat habe die Tradition jener Journalist:innen fortgeführt, die ihr Leben in der Wahrheitssuche riskierten. „Als sich die ganze Welt vor dem IS fürchtete, kämpfte Deniz Firat mit ihrer Kamera gegen diese Terrororganisation. Wie viele vor und nach ihr bezahlte sie ihren Einsatz für die Wahrheit mit dem Leben.“
Ihr Bruder Seyat Yıldıztan betonte, Deniz Firat gehöre nicht allein ihrer Familie. „Deniz ist nicht nur unsere Gefallene. Sie ist die Gefallene ihrer Bewegung und ihres Volkes. Sie kämpfte nicht für sich oder ihre Familie, sondern mit ihrer Kamera für die gesamte Gesellschaft.“
Auch der Ko-Vorsitzende des DEM-Kreisverbands Ebex, Abbas Aksak, würdigte ihre Rolle während der IS-Offensive. „Als der IS die Kurd:innen angriff, arbeitete Deniz mit ihrer Kamera und ihrem Stift daran, diese Verbrechen der Welt zu zeigen. Bis zu ihrem Tod am 8. August setzte sie diesen Kampf fort. Sie ist eine Gefallene Kurdistans und der freien Presse.“
Die Gedenkfeier endete mit einer Kranz- und Blumenniederlegung an ihrem Grab.
https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/grabbesuch-bei-journalistin-deniz-firat-38554 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/volksrat-von-mexmur-organisierung-verhinderte-grossangriff-des-is-52362 https://deutsch.anf-news.com/pressefreiheit/erinnerungen-an-die-journalistin-deniz-firat-27712Kete: Gegen Dersim wird heute kultureller Genozid als Strategie eingesetzt
Seit Jahrzehnten zählt die kurdische Provinz Dersim (tr. Tunceli) zu den Regionen, in denen die türkische Spezialkriegspolitik besonders systematisch umgesetzt wird. Drogenhandel, organisierte Kriminalität, die bis heute ungeklärte Verschleppung der Studentin Gülistan Doku sowie Eingriffe in Sprache, Glauben und gesellschaftliche Strukturen werden dabei als Ausdruck einer langfristigen staatlichen Strategie bewertet. Der Ko-Vorsitzende der Föderation der Demokratischen Aleviten-Vereine (DAD), Zeynel Kete, ordnet diese Entwicklungen im Gespräch mit ANF historisch ein und spricht von einer Kontinuität, die von den ersten Jahren der Republik bis in die Gegenwart reiche.
Dersim passte nie in das Konzept des türkischen Nationalstaats
Für Kete beginnt diese Entwicklung nicht erst mit dem Genozid von Dersim 1937/38. Ihre ideologischen Grundlagen seien bereits bei der Gründung der Republik gelegt worden. Mit der Verfassung von 1924 habe der türkische Nationalstaat begonnen, den „akzeptablen Staatsbürger“ nach den Maßstäben seiner nationalistischen Staatsdoktrin zu definieren. Kurd:innen, Alevit:innen und zahlreiche weitere gesellschaftliche Gruppen, einschließlich sunnitischer Kurd:innen, seien aus diesem Verständnis ausgeschlossen worden. Dahinter stehe, so Kete, ein bis heute wirksames „hundertjähriges Staatsdenken“.
Bereits zuvor habe der Staat gegenüber unterschiedlichen ethnischen und religiösen Gemeinschaften eine Politik der Kontrolle und Unterwerfung verfolgt. Besonders deutlich werde dies in den seit der osmanischen Zeit verfassten Berichten über Dersim. „Wenn wir diese Berichte lesen, sehen wir, dass Dersim stets als ein ,Geschwür‘ beschrieben wurde – als ein Gebiet, das unterworfen, beherrscht und beseitigt werden müsse. Der Grund war offensichtlich: Dersim entsprach weder sprachlich noch kulturell oder religiös der offiziellen Ideologie. Die Region verfügte über ihre eigene Sprache, den Glauben der Rêya Heq, eine jahrtausendealte Kultur und ihre kurdische Identität. Aus Sicht des türkischen Einheitsstaates war Dersim deshalb das ,Andere‘, das kontrolliert werden musste.“
Nicht nur das Land, sondern auch Frauen und Glaubensstätten im Visier
Laut Kete richtete sich die staatliche Politik von Beginn an nicht allein gegen das Gebiet selbst, sondern gegen die gesellschaftlichen Grundlagen Dersims. Bereits in frühen staatlichen Planungen seien Eingriffe gegen heilige Orte, Abstammungslinien, Pirs und andere gesellschaftliche Autoritäten vorgesehen gewesen. Gleichzeitig habe sich insbesondere gegen Frauen eine entwürdigende Sprache entwickelt, die sich später auch in der Literatur der frühen Republik wiederfinden lasse. „In den Dersim-Berichten finden sich konkrete Pläne gegen unsere heiligen Orte, gegen unsere Pirs und Ocax-Strukturen. Zugleich wurden Frauen herabgewürdigt und ihrer Würde beraubt. Diese Sprache setzte sich bis in die Literatur der frühen Republik fort. Sie war Teil derselben Politik der Vernichtung und Entwertung.“ Dass Dersim trotz der Massaker von 1937/38 nicht dauerhaft unterworfen werden konnte, habe nach Ketes Einschätzung zu einer grundlegenden Veränderung der staatlichen Strategie geführt.
Nach 1938 begann der kulturelle Genozid
Kete bezeichnet den Völkermord von damals nicht als Endpunkt, sondern als Wendepunkt staatlicher Politik. „Dersim konnte trotz der Massaker und der physischen Vernichtung nicht gebrochen werden. Deshalb begann ein neues Konzept – der kulturelle Genozid.“ Während die Region militärisch nicht dauerhaft habe kontrolliert werden können, seien nun Sprache, Kultur, Glaube und gesellschaftliche Erinnerung zum Angriffsziel geworden. Als Beispiel verweist Kete auf die Rolle Sıdıka Avars, eine türkische Lehrerin, die zwischen 1939 und 1959 das staatliche Mädcheninstitut in Xarpêt (Elazığ) leitete und als zentrale Figur der staatlichen Assimilationspolitik in Dersim gilt. „Während und nach dem Massaker sind zahlreiche Mädchen und Kinder aus Dersim in diese Einrichtung gebracht worden. Dort wurden sie im Sinne der herrschenden türkischen Kultur erzogen und später als Instrumente der Assimilation in ihre Herkunftsorte zurückgeschickt. Auch die bis heute bekannte Geschichte der ‚verlorenen Mädchen von Dersim‘ ist Teil dieser Assimilationspolitik.“ Frauen und Kinder hätten dabei bewusst im Mittelpunkt gestanden.
Gesellschaftliche Umgestaltung mit neuen Mitteln
Nach Auffassung Ketes setzt sich dieselbe Politik heute in veränderter Form fort: „Heute erleben wir kein offenes Töten mehr, sondern einen schrittweisen Prozess. Drogen, Prostitution, Populismus, Massenkultur, die Entfremdung von der eigenen Geschichte und sogar Scham gegenüber dem eigenen Glauben – all das soll eine Gesellschaft hervorbringen, die ihre Wurzeln verliert." Parallel dazu werde versucht, über die dem türkischen Kultur- und Tourismusministerium unterstellte „Behörde für alevitisch-bektaschitische Kultur und Cemhäuser“ eine staatlich definierte Form des Alevitentums in Dersim zu etablieren. Für Kete handelt es sich dabei um ein umfassendes Projekt gesellschaftlicher Umgestaltung. „Wer über einen Ort herrschen will, greift immer auch Frauen, Kinder und Kultur an. Dersim steht für Erinnerung, Sprache, Kultur, Wahrheit, Widerstand und Bewusstsein. Wird dieses Bewusstsein zerstört, kann eine Gesellschaft zu einem Objekt gemacht werden, über das beliebig verfügt wird.“ Gleichzeitig betont Kete, dass es gegen diese Entwicklungen weiterhin gesellschaftlichen Widerstand gebe.
Gülistan Doku steht für mehr als einen ungeklärten Vermisstenfall
Vor diesem Hintergrund ordnet Kete auch das Verschwinden der Studentin Gülistan Doku im Jahr 2020 ein, den er ausdrücklich nicht als Einzelfall bezeichnet. Nach seiner Auffassung offenbart der Umgang staatlicher Institutionen mit dem mutmaßlichen Feminizid an der damals 21-Jährigen vielmehr ein grundlegendes Muster der Politik gegenüber Kurd:innen in Dersim. Der Staat sei nach geltendem Recht verpflichtet, seine Bürger:innen zu schützen – körperlich, geistig und seelisch. Diese Verpflichtung sei im Fall der jungen Kurdin jedoch nicht erfüllt worden.
„Gülistan Doku war eine junge kurdische Frau, die zum Studium nach Dersim gekommen ist. Doch wenn wir betrachten, was im Zuge der Ermittlungen über die Verwaltungsbehörden, Uniformträger des Sicherheitsapparats und führende Polizeivertreter in Dersim bekannt geworden ist, erkennen wir ein seit Jahren bestehendes Muster im Umgang mit Frauen und jungen Menschen. Im Fall Gülistan Doku sehen wir die Folgen des Blicks staatlicher Verwaltungsbehörden und der mit ihnen zusammenwirkenden Strukturen auf eine kurdische Frau und auf Kurd:innen insgesamt. Verwaltungsbeamte haben die Aufgabe, die öffentliche Verwaltung zu gewährleisten und das Verhältnis zwischen Staat und Bevölkerung zu schützen. Stattdessen stehen heute Vorwürfe im Raum, wonach sogar der Sohn eines Gouverneurs sowie rund 30 weitere Personen unmittelbar mit dem Fall in Verbindung stehen.“
In Dersim ist das gesamte System in die Krise geraten
Für Kete wirft der Fall Gülistan Doku nicht nur Fragen an Polizei und Justiz auf. Auch die Rolle der Zivilverwaltung, des Gesundheitswesens und weiterer staatlicher Institutionen müsse aufgearbeitet werden. Die Entwicklungen der vergangenen Jahre zeigten, dass es sich nicht um das Versagen einzelner Behörden handele, sondern um ein strukturelles Problem. „Wir müssen das Geschehen als die Ausprägung eines Systems in Dersim begreifen. Bevor der Fall öffentlich wurde, vermittelte der Gouverneur mit seinem Auftreten und seiner Öffentlichkeitsarbeit das Bild eines vorbildlichen Verwaltungsbeamten. Später wurde die Familie Gülistan Dokus in eine bestimmte Richtung gelenkt. Es wurde eine Wahrnehmung geschaffen: Es hieß, sie werde gefunden, Suchaktionen wurden an verschiedenen Orten eingeleitet, der Familie wurde Hoffnung gemacht. Doch heute sehen wir, dass nicht nur die Verwaltungsbehörden – allen voran der Gouverneur –, sondern auch die Sicherheitsbehörden, das Gesundheitswesen, Krankenhäuser, Ärzt:innen und sogar die Erstellung von Gutachten Teil dieses Komplexes waren.“
Kete kommt zu dem Schluss, dass der Fall Gülistan Doku Ausdruck eines Systems sei, das „in sich zusammengebrochen, verrottet und unfähig geworden ist, Antworten zu geben“. Was sich in Dersim zeige, sei keine isolierte Entwicklung, sondern Teil einer langfristigen staatlichen Politik. „Die Ereignisse in Dersim sind kein von diesem System losgelöster Vorgang. Sie sind die heutige Ausprägung eines hundertjährigen Projekts. Es spiegelt den staatlichen Blick auf Kurd:innen, Frauen und Studierende wider. In Dersim ist diese Haltung zu einem Bestandteil der allgemeinen Politik geworden.“
https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/gulistan-doku-hinweise-auf-organisiertes-vertuschungssystem-verdichten-sich-51234 https://deutsch.anf-news.com/hintergrund/dersim-im-fokus-des-spezialkriegs-teil-1-47387 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/zwei-angriffe-auf-alevitische-glaubensorte-binnen-weniger-tage-51618 https://deutsch.anf-news.com/hintergrund/dersim-tertele-im-zentrum-von-debatten-uber-erinnerung-und-gerechtigkeit-51978 https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/bislang-unbekannte-fotos-dokumentieren-hinrichtung-von-seyid-riza-und-weggefahrten-52174
Bruderkrieg der Marktradikalen
West-östliche Maulkorbpolitik
Die Bibliothek von Alexandria brennt nicht
Der Held von Leipzig: Wie ein Busfahrer die NATO vor dem Untergang bewahrte
Es war eine finstere Augustnacht auf dem Flughafen Leipzig/Halle, als die deutsche Flugsicherheit Geschichte schrieb. Nicht etwa Hochleistungsradar, digitale Abwehrsysteme oder millionenschwere NATO-Technik retteten die Republik vor der Eskalation – nein, es war der entschlossene Fuß eines sächsischen Busfahrers. Mit der Präzision eines geschulten Elitesoldaten brachte der Nahverkehrs-Goliath eine feindliche Angriffsdrohne eigenhändig zu Boden. Dass […]
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Ist die Steuer auf die Witwenrente verfassungswidrig?
Der Bundesfinanzhof prüft im Verfahren X R 26/25, ob gesetzliche Hinterbliebenenrenten steuerlich benachteiligt werden. Wer einen noch anfechtbaren Steuerbescheid hat, sollte prüfen, ob ein Einspruch möglich ist und das Verfahren bis zur BFH-Entscheidung ruhen kann.
Eine Entscheidung liegt noch nicht vor. Der Bundesfinanzhof führt X R 26/25 weiterhin als anhängiges Verfahren.
Geprüft werden zwei Fragen: die unterschiedliche Behandlung gesetzlicher und beamtenrechtlicher Hinterbliebenenbezüge sowie das Verbot der doppelten Besteuerung. Daraus folgt weder ein sicherer Prozesserfolg noch eine automatische Steuererstattung.
Warum Hinterbliebenenbezüge unterschiedlich besteuert werdenEine gesetzliche Witwen- oder Witwerrente gehört zu den sonstigen Einkünften nach § 22 Einkommensteuergesetz. Der steuerpflichtige Anteil richtet sich nach dem Jahr des Rentenbeginns und dem daraus folgenden Besteuerungsanteil.
Folgen Renten aus derselben Versicherung aufeinander, wird auch die Laufzeit der vorherigen Rente berücksichtigt. Diese Folgerentenregel kann dazu führen, dass für die Witwenrente ein früheres fiktives Rentenbeginnjahr und damit ein günstigerer Besteuerungsanteil gilt.
Beamtenrechtliches Witwen- oder Waisengeld ist dagegen ein Versorgungsbezug nach § 19 Einkommensteuergesetz. Steuerfrei bleiben können ein Versorgungsfreibetrag und ein Zuschlag.
Folgt der Hinterbliebenenbezug auf einen früheren Versorgungsbezug, bestimmen sich Prozentsatz, Höchstbetrag und Zuschlag nach dem Beginn dieses früheren Bezugs. Die Einzelheiten ergeben sich aus § 19 Absatz 2 EStG und § 22 EStG.
Gesetzliche Witwen- oder Witwerrente Beamtenrechtlicher Hinterbliebenenbezug Sonstige Einkünfte nach § 22 EStG Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit nach § 19 EStG Besteuerungsanteil und steuerfreier Teil der Rente Versorgungsfreibetrag und Zuschlag innerhalb der gesetzlichen Grenzen Bei einer Folgerente wird die Laufzeit der vorherigen Rente berücksichtigt Bei einem folgenden Hinterbliebenenbezug zählt das Beginnjahr des vorherigen Versorgungsbezugs Der steuerfreie Rentenbetrag wird grundsätzlich in Euro festgeschrieben Versorgungsfreibetrag und Zuschlag gelten grundsätzlich für die Laufzeit des BezugsDie verschiedenen Regeln sind noch kein Beweis für einen Verstoß gegen Artikel 3 Absatz 1 des Grundgesetzes. Der BFH muss entscheiden, ob die Unterschiede weiterhin sachlich gerechtfertigt sind.
Warum eine doppelte Besteuerung möglich sein könnteBei der Prüfung werden die aus versteuertem Einkommen gezahlten Altersvorsorgebeiträge den voraussichtlich steuerfrei bleibenden Rentenzuflüssen gegenübergestellt. Problematisch kann es werden, wenn die steuerfreien Zuflüsse hinter den bereits versteuerten Beiträgen zurückbleiben.
Bei einer Hinterbliebenenrente stammen die Beiträge vom verstorbenen Versicherten, während die Witwe oder der Witwer die Rente versteuern muss. Hinzu kommt der niedrigere Rentenartfaktor: Eine gesetzliche Witwenrente fällt regelmäßig geringer aus als die Altersrente des Verstorbenen, sodass auch der absolute steuerfreie Rentenbetrag niedriger sein kann.
Der BFH hielt es im Beschluss X B 58/23 vom 30. August 2023 für möglich, Beitragszahlungen und steuerfreie Rententeilbeträge des ursprünglichen Rentenbeziehers in die Prüfung einzubeziehen. Er stellte damit aber noch keine doppelte Besteuerung im konkreten Fall fest.
Ob diese Vergleichsrechnung weiterhin für jeden einzelnen Steuerfall verlangt werden kann oder nur eine strukturelle Doppelbesteuerung ganzer Gruppen unzulässig ist, gehört zu den offenen Fragen des Revisionsverfahrens.
Mehr zu diesem Verfahrensschritt steht im internen Beitrag „Witwenrente: Doppelte Besteuerung kann jetzt überprüft werden“.
Warum das Hessische Finanzgericht die Klage abwiesDas Hessische Finanzgericht wies die Klage am 12. November 2025 ab. Es verstand das Verbot der doppelten Besteuerung nach den Nichtannahmebeschlüssen des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2023 nicht als Schutz jedes Einzelfalls, sondern als Schutz ganzer Gruppen oder Jahrgänge.
Das Gericht erkannte zwar, dass wegen niedrigerer Rentenartfaktoren bei Hinterbliebenen eher eine rechnerische Doppelbelastung entstehen kann. Es hielt Alters- und Hinterbliebenenrenten wegen ihrer unterschiedlichen Sicherungszwecke aber nicht für unmittelbar vergleichbar und sah die gesetzlichen Vereinfachungen als gerechtfertigt an.
Bei der Weitergewährung des Versorgungsfreibetrags verwies das Gericht auf den Vertrauensschutz während der schrittweisen Umstellung der Alterseinkünftebesteuerung. Die Revision ließ es wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Rechtsfragen zu.
Der BFH muss seine frühere Rechtsprechung nun im Licht der Nichtannahmebeschlüsse des Bundesverfassungsgerichts vom 7. November 2023 zu 2 BvR 1140/21 und 2 BvR 1143/21 prüfen. Er kann die Revision zurückweisen, das Urteil aufheben und die Sache zurückverweisen oder das Verfahren dem Bundesverfassungsgericht vorlegen, wenn er die anzuwendende Regelung für verfassungswidrig hält.
Wer jetzt einen Einspruch prüfen sollteEin Einspruch kommt besonders für Witwen und Witwer infrage, deren gesetzliche Hinterbliebenenrente die festgesetzte Einkommensteuer erhöht. Der Bescheid muss noch anfechtbar sein.
Die Einspruchsfrist beträgt grundsätzlich einen Monat ab Bekanntgabe des Steuerbescheids. Fehlt eine ordnungsgemäße Rechtsbehelfsbelehrung, kann nach § 356 Absatz 2 AO ausnahmsweise eine Jahresfrist gelten.
Ein bereits laufendes Einspruchsverfahren hält den angegriffenen Punkt ebenfalls offen. Ist ein Bescheid dagegen bestandskräftig und greift keine Änderungsvorschrift, öffnet ein späteres günstiges Urteil ihn nicht automatisch wieder.
Wichtig ist auch: Das Finanzamt prüft den Steuerfall im Einspruchsverfahren grundsätzlich vollständig. Eine Änderung zum Nachteil ist nach § 367 Absatz 2 AO nach einem vorherigen Hinweis möglich.
Warum der Vorläufigkeitsvermerk genau geprüft werden mussDie Finanzverwaltung hat die frühere Anweisung aufgehoben, neue Bescheide wegen der allgemeinen Frage der Rentenbesteuerung vorläufig zu erlassen. Nach der Mitteilung des Bundesfinanzministeriums vom 10. März 2025 enthalten danach ergehende Bescheide diesen bisherigen Vermerk nicht mehr.
Bei älteren Bescheiden entscheidet der genaue Wortlaut. Ein allgemeiner Vermerk zur Rentenbesteuerung muss die besondere Frage einer gesetzlichen Hinterbliebenenrente nicht vollständig erfassen, wie bereits X B 58/23 zeigt.
Mehr zur Entwicklung der Besteuerungsanteile erklärt der interne Beitrag „Doppelbesteuerung der Rente? Tabelle zeigt Steueranteil“.
Wann das Einspruchsverfahren ruhen kannDer Einspruch sollte die Besteuerung der eigenen Hinterbliebenenrente angreifen und ausdrücklich auf X R 26/25 verweisen. Betrifft das BFH-Verfahren dieselbe Rechtsfrage, ruht das Einspruchsverfahren nach § 363 Absatz 2 AO grundsätzlich im betroffenen Umfang.
Das gilt nicht, soweit der Bescheid wegen genau dieser Frage bereits vorläufig ergangen ist. Die Finanzbehörde kann ein ruhendes Verfahren außerdem durch eine entsprechende Mitteilung wieder aufnehmen.
Der Einspruch stoppt die Steuerzahlung nicht. Eine Nachzahlung bleibt fällig, sofern das Finanzamt nicht auf gesonderten Antrag die Vollziehung nach § 361 AO aussetzt.
Welche Angaben und Unterlagen hilfreich sindDer Einspruch sollte den Steuerbescheid mit Datum und Steuerjahr benennen und die Besteuerung der gesetzlichen Hinterbliebenenrente ausdrücklich angreifen. Ein kurzer fristwahrender Einspruch ist möglich; die Begründung kann nachgereicht werden, doch eine vom Finanzamt gesetzte Frist muss eingehalten werden.
Hilfreich sind der eigene Rentenbescheid, der Bescheid über die Hinterbliebenenrente und der Versicherungsverlauf des Verstorbenen. Soweit vorhanden, sollten auch frühere Steuerbescheide sowie Nachweise über Altersvorsorgebeiträge und deren steuerliche Abziehbarkeit gesichert werden.
Hiermit lege ich gegen den Einkommensteuerbescheid für das Jahr [Jahr] vom [Datum] Einspruch ein. Ich wende mich gegen die Besteuerung meiner gesetzlichen Hinterbliebenenrente, soweit die im BFH-Verfahren X R 26/25 geprüfte Ungleichbehandlung gegenüber beamtenrechtlichen Hinterbliebenenbezügen und das Verbot doppelter Besteuerung betroffen sind. Ich beantrage, das Einspruchsverfahren insoweit nach § 363 Absatz 2 Satz 2 AO bis zur Entscheidung des Bundesfinanzhofs ruhen zu lassen. Eine ergänzende Begründung und weitere Nachweise bleiben vorbehalten.
Das Muster muss an den eigenen Bescheid angepasst werden. Für die Aussetzung der Vollziehung ist ein gesonderter Antrag erforderlich; weitere Streitpunkte sollten einzeln benannt und begründet werden.
Was die BFH-Entscheidung bewirken könnteJe nach Inhalt der Entscheidung könnten offene Steuerfälle neu geprüft oder zunächst an das Finanzgericht beziehungsweise das Bundesverfassungsgericht weitergegeben werden. Selbst ein Erfolg der Klägerin würde nicht bedeuten, dass jede gesetzliche Witwenrente steuerfrei wird.
Denkbar wären neue Vorgaben für die Vergleichsrechnung oder eine begrenzte steuerliche Entlastung. Weist der BFH die Revision zurück, können die Finanzämter ruhende Einsprüche in diesem Punkt ablehnen.
Kurzes Beispiel aus der PraxisEine 72-jährige Rentnerin erhält neben ihrer Altersrente eine gesetzliche Witwenrente. Ihr Einkommensteuerbescheid 2025 erfasst beide Renten und enthält keinen passenden Vorläufigkeitsvermerk.
Sie legt innerhalb eines Monats Einspruch ein, verweist auf X R 26/25 und beantragt das Ruhen des Verfahrens. Die festgesetzte Steuer zahlt sie zunächst, weil der Einspruch die Fälligkeit nicht aufhebt.
Wie ihr Bescheid später behandelt wird, hängt vom Inhalt der BFH-Entscheidung ab. Weitere Grundlagen zur steuerlichen Behandlung stehen im internen Ratgeber „Witwenrente: Das ändert sich bei der Rentenbesteuerung“.
Fragen und Antworten zur Besteuerung der Witwenrente Ist die Besteuerung der gesetzlichen Witwenrente bereits für verfassungswidrig erklärt worden?Nein. X R 26/25 ist noch anhängig, und der Ausgang des Verfahrens ist offen.
Wie lange kann Einspruch eingelegt werden?Die Frist beträgt regelmäßig einen Monat ab Bekanntgabe des Bescheids. Bei einer fehlenden oder fehlerhaften Rechtsbehelfsbelehrung kann ausnahmsweise eine Jahresfrist gelten.
Ruht der Einspruch automatisch?Bei derselben Rechtsfrage und einem ausdrücklichen Bezug auf das BFH-Verfahren sieht § 363 Absatz 2 AO grundsätzlich ein Ruhen im betroffenen Umfang vor. Der Antrag sollte trotzdem ausdrücklich gestellt werden.
Muss die festgesetzte Steuer trotz Einspruch gezahlt werden?Ja. Nur eine gesondert gewährte Aussetzung der Vollziehung kann die Zahlung vorläufig aufschieben.
Kann ein bestandskräftiger Bescheid später noch geändert werden?Ein günstiges Urteil allein reicht dafür nicht. Eine Änderung setzt voraus, dass der Bescheid noch offen ist oder eine gesetzliche Änderungsvorschrift greift.
Der Beitrag Ist die Steuer auf die Witwenrente verfassungswidrig? erschien zuerst auf Gegen-Hartz.de – Sozialrecht, Rente, Pflege und Grundsicherung.
Landraub der Serverfarmen
Neue Studie zeigt: Steigende CO₂-Konzentrationen führen zu einer Abkühlung in der unteren Atmosphäre über der Arktis
Die von Klimaalarmisten verbreitete These der CO₂-bedingten „polaren Verstärkung“ hat gerade einen weiteren Rückschlag erlitten.
Zuvor wurde bereits gezeigt, dass ein Anstieg des CO₂-Gehalts um über 120 ppm (von 278 ppm auf 400 ppm) das Klima in der Antarktis abkühlt (Notholt et al., 2024).
Diese Wissenschaftler stellten fest, dass der CO₂-Einfluss seit 1750 insgesamt zu einer leichten Nettoabkühlung (-0,01 °C) geführt hat.
Quelle: Notholt et al., 2024
Nun zeigt eine neue Studie, dass ein Anstieg der Treibhausgase CO₂ und CH₄ ebenfalls zu einer strahlungsbedingten Abkühlung der Arktis führt.
Steigende Konzentrationen von Treibhausgasen – die vermutlich auf anthropogene Emissionen zurückzuführen sind – führen zu einer Abkühlung der Arktis, „vor allem aufgrund der nahezu vollständigen Sättigung der Infrarotabsorption [von CO₂ und CH₄] in der unteren Atmosphäre“.
„In der unteren Atmosphäre (>700 hPa) nimmt die Stärke des CO₂-Kerns deutlich ab, was auf eine schwächere Unterdrückung der ausgehenden langwelligen Strahlung durch erhöhte CO₂-Konzentrationen hindeutet.“
„In der unteren Atmosphäre, von der Oberfläche bis etwa 400 hPa, weist die [aus steigendem CO₂ abgeleitete] Erwärmungsrate relativ große negative Werte auf, was auf eine starke Strahlungskühlung hindeutet.“
„…die Erwärmungsrate bleibt auf allen Höhenstufen negativ, was darauf hindeutet, dass die langwellige Strahlung zu einer Netto-Strahlungskühlung der Atmosphäre führt.“
„…die beobachtete vertikale Struktur verstärkt die ausgehende langwellige Strahlung im Vergleich zur gleichmäßigen Verteilung und verstärkt dadurch die Strahlungskühlung in der arktischen Atmosphäre.“
Quelle: Qin, 2026
Wenn steigende CO₂-Konzentrationen zu einer Strahlungskühlung in der Antarktis und Arktis führen, kann CO₂ kein treibender Faktor für das Abschmelzen der polaren Eisschilde, Gletscher oder des Meereises sein.
Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE
Der Beitrag Neue Studie zeigt: Steigende CO₂-Konzentrationen führen zu einer Abkühlung in der unteren Atmosphäre über der Arktis erschien zuerst auf EIKE - Europäisches Institut für Klima & Energie.
Neue Xwebûn-Ausgabe widmet sich dem Thema Selbstverteidigung
Die 36. Ausgabe der Zeitschrift Xwebûn ist erschienen. Das seit 2017 herausgegebene Magazin richtet sich insbesondere an junge kurdische Frauen, die in Europa aufgewachsen sind. Die Beiträge erscheinen überwiegend auf Deutsch, einzelne Texte werden auch auf Kurdisch veröffentlicht.
Im Mittelpunkt der aktuellen Ausgabe steht das Thema Selbstverteidigung. Die Redaktion versteht darunter weit mehr als den Schutz vor körperlicher Gewalt. Angesichts gesellschaftlicher, kultureller und ideologischer Angriffe sei Selbstverteidigung für junge Frauen eine grundlegende Voraussetzung, um die eigene Identität, Selbstbestimmung und Handlungsfähigkeit zu bewahren.
Selbstverteidigung als gesellschaftliche Praxis
In ihrem Editorial schreibt die Redaktion, jede Form des Lebens verfüge über natürliche Mechanismen der Selbstverteidigung. Auch Frauen müssten sich die Frage stellen, welche „Dornen“ sie gegen die vielfältigen Angriffe der Gegenwart entwickeln können. Selbstverteidigung sei für junge Frauen „keine Option, sondern eine Notwendigkeit“. Die Redaktion verweist dabei sowohl auf die anhaltende Bedrohung körperlicher Unversehrtheit als auch auf Versuche, das Selbstverständnis und die Persönlichkeit von Frauen zu beeinflussen oder zu entleeren. Voraussetzung für wirksame Selbstverteidigung sei deshalb zunächst, diese Angriffe überhaupt zu erkennen.
Gleichzeitig gehe es nicht nur um die Frage, wogegen sich Frauen verteidigen müssten, sondern auch darum, wofür sie einstehen. Die Wiederbelebung von Kultur, moralisch-politischen Werten und einer selbstbewussten Persönlichkeit sei ebenso Teil von Selbstverteidigung wie kollektive Organisierung und Solidarität unter Frauen.
Erinnerungen und Filmkritik
Neben dem Schwerpunktthema enthält die neue Ausgabe einen Beitrag in der Rubrik „Sterne der Revolution“, in dem eine Weggefährtin an die im Aleppo-Widerstand gefallene Kämpferin Denîz Çîya erinnert. Außerdem erscheint eine Filmrezension zu „Women Talking“, die sich mit Formen weiblichen Widerstands und kollektiver Entscheidungsfindung auseinandersetzt. Die Redaktion versteht die neue Ausgabe als Beitrag zur Diskussion über Selbstverteidigung, gesellschaftliche Teilhabe und Frauenorganisierung und möchte damit insbesondere junge Frauen in der Diaspora zum Austausch anregen. Die Zeitschrift kann per E-Mail unter kovara.xwebun@protonmail.com bestellt werden.
https://deutsch.anf-news.com/frauen/neue-ausgabe-von-xwebun-fragt-nach-rolle-junger-frauen-im-sozialismus-51650