«Mit Brigitte Bardot verschied eine starke und unabhängige Frau, die es nicht nötig hatte, sich dem Zeitgeist unterzuordnen oder sich gar – wie leider viele deutsche Prominente – zur Systemnutte machen zu lassen, und die solches auch in der Not nicht getan hätte. Die einfach zu sich stand und standhaft war. Ein schönes Zitat von ihr als Abschluss: ‹Früher habe ich mit meinem Hintern schockiert, jetzt schockiere ich mit meinen Büchern (Meinungen). Das ist das Gleiche!›» (– Nachruf der Seite https://publikum.net/).
Externe Ticker
IREX 25 real estate and construction forum kicks off Tuesday in Damascus
The “IREX 2025” International Forum for Real Estate Development, Engineering, Construction and Contracting will begin Tuesday at the Seven Gates Hotel in Damascus, organized by the Technical Network for Business and Events (TNBE) under the patronage of the Ministry of Public Works and Housing.
More than 1,200 participants from Syria and abroad, including real estate leaders, investors, consulting engineers, construction experts and key decision-makers, are expected to take part in the two-day event.
In a press statement received by SANA, Hussam al-Raees, general manager of TNBE, said the forum serves as a major annual platform to present innovative ideas and visions for Syria’s reconstruction projects, noting that the real estate, engineering and contracting sectors are key pillars in building the country’s future and achieving sustainable development.
The forum will feature over 30 local and international speakers addressing the latest trends, challenges and opportunities in the Syrian market through eight main sessions focusing on investment, legislation, finance, technology, real estate marketing, national architectural identity, sustainability and integrated development.
The program also includes the presentation of the IREX Appreciation Awards, honoring professionals for achievements in contracting, architectural consulting, system design, and real estate investment.
During the event, organizers will also announce the launch of IREX 2026, scheduled to take place at Damascus Fairgrounds from August 6 to 8, 2026, with wide participation from local, Arab and international companies showcasing diverse housing and commercial projects. Thousands of visitors and investors from Syria and abroad are expected to attend.
TNBE, founded in 2005 in Damascus, is a specialized group in media, events and marketing, aiming to empower professionals, decision-makers and experts through knowledge exchange and networking platforms.
UK eyes investment opportunities in Syria despite ongoing challenges
The UK Department for Business and Trade has highlighted Syria as a potential investment destination despite ongoing challenges. The report commended the Syrian government’s efforts to stabilize the economy and implement key reforms under difficult conditions.
Syria is classified as a lower-middle-income country, with growing business opportunities. The UK Department noted that British companies have distinct advantages in the market, where British goods and services are well-regarded. The return of many Syrians to their homeland is also contributing to the economic recovery.
Improved Trade Exchange
The report revealed a significant improvement in trade between Syria and the UK, reaching £6 million by the end of Q1 2025, reflecting a positive shift in the trade relationship.
Sectors with Growth Potential
The UK Department identified key sectors in Syria with strong growth potential, particularly in reconstruction and infrastructure. With the economy still reliant on oil, there is a high demand for rebuilding in areas like water, housing, telecommunications, and energy networks. Additionally, there is an increasing need for cybersecurity and physical security services.
Syria’s healthcare sector faces shortages in medical facilities, equipment, and pharmaceuticals, offering opportunities for investment in hospitals, medical supplies, and training. The financial sector also requires significant reforms, creating space for British companies to offer consulting, banking services, and financial planning.
A Market for Medium and Large Enterprises
The report concluded that Syria’s market is suitable for medium and large companies, particularly those with experience in the MENA region, with options for joint ventures, branches, or partnerships with local firms.
Protesters in New Delhi demand action over worsening air pollution
Hundreds of residents demonstrated in the Indian capital on Sunday, urging authorities to take immediate steps to tackle air pollution after a heavy smog cloud filled the city’s sky with hazardous fine particles.
According to Agence France-Presse (AFP), protesters gathered near the India Gate monument, where concentrations of PM2.5 particles – linked to cancer and respiratory disease – reached 13 times the World Health Organization’s recommended daily limit.
Police detained several demonstrators as the crowd grew larger through the afternoon while the skyline remained covered in smog. Families joined the rally, with children wearing face masks and carrying placards reading “I miss breathing.”
With a population of about 30 million, New Delhi ranks among the world’s most polluted capitals, its skies each winter shrouded in a toxic haze as cold air traps emissions near the ground. The smog is driven by crop burning, industrial smoke, and vehicle exhaust, creating what experts describe as a deadly seasonal mix.
„Heval Birako“: Ein Film über Verlust, Erinnerung und die Kraft des kollektiven Erzählens
Mit dem Film Heval Birako, der demnächst auf der Kinoleinwand zu sehen sein wird, wirft die Filmkommune Rojava einen eindrucksvollen Blick auf die kollektive Kraft des Filmemachens unter schwierigen Bedingungen. Der Film erzählt nicht nur eine Geschichte über Widerstand und Befreiung, sondern spiegelt auch die Realität einer Region wider, in der Kunst untrennbar mit politischem Engagement und gemeinschaftlichem Überleben verbunden ist.
Die Vorlage für das Drehbuch stammt von dem kurdischen Journalisten Nazım Daştan, der 2024 bei einem gezielten Drohnenangriff des türkischen Staates in der Nähe von Kobanê ermordet wurde. Heval Birako ist ein Beispiel dafür, wie die Filmkommune in Rojava Geschichten aus dem Volk gemeinsam erarbeitet, produziert und verbreitet – als Teil eines kulturellen Widerstands. Der Film wird am 13. November das Internationale Filmfestival Rojava eröffnen. Regie führte Numan Yiğit, der zugleich Ko-Vorsitzender der Filmkommune Rojava ist. Für ihn ist Heval Birako weit mehr als ein Film: Es ist ein kollektives Gedächtnisprojekt, das der Geschichte und dem Kampf eines Volkes cineastische Ausdruckskraft verleiht.
Gedreht wurde in Sebahiya, einem Dorf zwischen Raqqa, Qamişlo und Amûdê. Das Drehbuch schrieb der bekannte Autor Önder Çakar. Im Zentrum der Handlung stehen zwei ezidische Geschwister und ihre Flucht aus der Gefangenschaft der Terrormiliz „Islamischer Staat (IS) – eine Geschichte, die auf wahren Erlebnissen basiert. Im Gespräch mit Numan Yiğit geht es um die Entstehung des Films, die Rolle der Filmkommune, die Bedeutung des kollektiven Arbeitens und um die Frage, wie sich in Rojava ein alternatives, widerständiges Filmschaffen trotz Krieg und knapper Ressourcen entwickelt.
Wie ist die Geschichte von „Heval Birako“ entstanden? Und wie kam Ihre Verbindung zur Erzählung von Nazım Daştan zustande?
Vor etwa drei Jahren erhielten wir drei Drehbücher, alle verfasst von Önder Çakar, die jeweils von unterschiedlichen Regisseuren realisiert werden sollten. Die Regie von Heval Birako habe ich übernommen. Erst später erfuhren wir, dass die ursprüngliche Geschichte auf Nazım zurückgeht. Von Beginn an war der Film ein kollektives Werk – ein Produkt gemeinsamer Arbeit. Die Geschichte, die Nazım recherchiert, gefühlt und mit anderen geteilt hatte, wurde in einem kollektiven Prozess zum Drehbuch weiterentwickelt. Durch unsere intensive Auseinandersetzung mit der Geschichte der Ezid:innen und ihren Erfahrungen konnten wir den emotionalen und historischen Gehalt der Erzählung weiter vertiefen. Genau das macht diesen Film besonders: Es ist eine Geschichte, die Nazım tief empfunden hat, und die durch das Medium Film erneut zum Leben erweckt wurde.
Wir haben Nazım nie persönlich kennengelernt, aber in seinen Texten und seinem Lebensweg haben wir viel von uns selbst wiedergefunden. Er war nicht nur Journalist, sondern hatte auch eine filmische Ausbildung und ein ausgeprägtes ästhetisches Empfinden. Als politischer Gefangener hatte er selbst Haft erlebt und war gleichzeitig ein engagierter Chronist der kurdischen Gesellschaft. Besonders seine Arbeit in Şengal trug dazu bei, der ezidischen Bevölkerung Gehör zu verschaffen. Auch ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht – als Filmemacher, aber auch durch Haft und politische Arbeit. Insofern empfinde ich eine tiefe persönliche Verbundenheit mit seiner Geschichte. Diese Verbundenheit hat in mir eine große Verantwortung entstehen lassen – gegenüber dem Film und gegenüber Nazıms Erzählung. Tragischerweise wurde er kurz vor Abschluss der Dreharbeiten getötet. Wir haben den Film mit dem Gefühl fertiggestellt, seine unvollendeten Worte weiterzutragen.
Inwiefern hat Nazım Daştan Sie während des Entstehungsprozesses begleitet?
Das Drehbuch basiert auf einer wahren Geschichte. Nazım war sowohl ihr Zeuge als auch ihr Erzähler. Wir hatten nie die Absicht, ihn im Film als Figur darzustellen – für mich war er vielmehr die Kamera selbst. In Heval Birako ist Nazım präsent als beobachtender Blick, als jemand, der die Gefühle der Figuren versteht und begleitet. Die Trennung der beiden ezidischen Geschwister, ihre Suche, ihre Sehnsucht und die Hoffnung auf ein Wiedersehen – all das wird durch Nazıms Perspektive eingefangen und getragen.
Gleichzeitig war er Zeuge des Widerstands in Raqqa, hat die Kämpferinnen und Kämpfer beobachtet und ihren Weg dokumentiert. In der Geschichte der beiden Geschwister ist er mal der recherchierende Journalist, mal der Kameramann an der Frontlinie. Nazım ist in diesem Film die Kamera selbst und damit eine bewusste, fühlende und erzählende Instanz.
Die Dreharbeiten fanden entlang der Strecke Raqqa–Qamişlo–Amûdê statt. Wie war es, unter diesen Bedingungen einen Film zu realisieren?
Ich lebe seit etwa vier Jahren in Rojava, und in dieser Zeit habe ich unzählige Erfahrungen gesammelt. Jeder Film, jeder Drehort, jede Situation bringt neue Lektionen mit sich. In Raqqa zum Beispiel waren die Spuren des Krieges noch sehr deutlich sichtbar. Wenn man dort durch die Ruinen geht, spürt man die gewaltige Zerstörung, aber gleichzeitig hört man auch das Leben, das sich neu formt. Manchmal richtet sich die Kamera auf einen Trümmerhaufen, manchmal gleich daneben auf ein neu errichtetes Gebäude. Diese Gegensätze erzeugen starke emotionale und politische Eindrücke. Genau das spiegelt auch die Realität Rojavas wider: Auf der einen Seite die offenen Wunden des Krieges, auf der anderen Seite das Leben, das durch Widerstand neu entsteht.
Natürlich waren auch Sicherheitsbedenken ständig präsent. Bei den Dreharbeiten mussten wir Risiken eingehen. Doch durch das kollektive Bewusstsein des Teams, das gegenseitige Vertrauen und die Unterstützung der Bevölkerung konnten wir diese Herausforderungen bewältigen.
Inwiefern wirken sich die Sicherheitslage und die begrenzten technischen Möglichkeiten in Rojava auf Ihre Filmarbeit aus?
In Rojava Kunst zu schaffen, ist an sich schon ein Akt des Widerstands. Selbst der Einsatz einer Drohne für eine Szene kann riskant sein. Bei einem Dreh mussten wir unsere Drohne zurückholen, weil von der gegenüberliegenden Seite eine Warnung kam, ein anderes Mal prallte sie gegen eine Mauer. Was nach einem rein technischen Problem aussieht, verweist in Wahrheit auf eine politische und geografische Realität. Trotz dieser Umstände haben wir unseren ästhetischen Anspruch nie aufgegeben. Auch mit knappen Mitteln haben wir versucht, die visuelle Kraft des Kinos zu bewahren und den emotionalen Kern der Geschichte zu wahren.
Wie hat sich während der Dreharbeiten das Verhältnis zur lokalen Bevölkerung gestaltet?
Das war für uns der lehrreichste Teil des gesamten Prozesses. In den Gegenden, in denen wir gedreht haben, standen die Menschen mit großem Interesse und einer spürbaren Anteilnahme an unserer Seite. In Amûdê haben sie ihre Häuser, Dörfer und Weiler für die Dreharbeiten geöffnet. Auch in Raqqa war das ähnlich: Manche stellten ihre Wohnungen zur Verfügung, andere kochten für das Team, wieder andere wurden Teil des Sets. Diese Form der Solidarität hat den Film erst zu einem wirklich kollektiven Projekt gemacht. In Rojava ist Kino nicht nur eine Kunstform, es ist ein Ausdruck des Volkes. Viele sagten: „Dieser Film ist auch meine Geschichte.“ Und genau darin liegt die Kraft dieser Arbeit.
Ist es nicht besonders schwierig, unter Kriegsbedingungen Kunst zu schaffen?
Natürlich ist es schwierig, aber gerade unter solchen Bedingungen gewinnt Kunst an Tiefe und Bedeutung. Wir verstehen Kunst als eine Form des Selbstausdrucks, aber auch als eine Möglichkeit, das gelebte Leben in ästhetischer Form sichtbar zu machen. Vielleicht erleichtert ein freies und wohlhabendes Umfeld die Kunstproduktion, doch Kunst, die im Krieg entsteht, wird zu einer tieferen, menschlicheren Form des Widerstands.
Heute ist es in Rojava kein unüberwindbares Hindernis mehr, Filme zu drehen. Es gibt mittlerweile Erfahrungen, Methoden und ein kollektives Gedächtnis. Alle sind sich bewusst, dass das Kino ein Teil dieser Revolution ist. Diese gemeinsame Haltung ist nicht nur ein Rückhalt für die Kunstschaffenden, sondern Ausdruck des Widerstands der gesamten Gesellschaft.
Welche Rolle spielte die lokale Bevölkerung in der Besetzung und Produktion? Und wie hat das kollektive Produktionsmodell konkret funktioniert?
Unsere Darstellerinnen und Darsteller sind größtenteils keine Profis. Einige hatten Bühnenerfahrung oder waren an kleineren Projekten beteiligt. Aber etwa 70 bis 80 Prozent hatten keinerlei Vorerfahrung mit Film oder Schauspiel. Dennoch haben sie sich mit großem Engagement eingebracht und durch gezielte Vorbereitung und Schulungen ein beachtliches Niveau erreicht. Unter ihnen waren auch Mütter, Arbeiter oder Lehrkräfte – Menschen, die nie zuvor in einem Film mitgewirkt hatten. Besonders erwähnenswert ist, dass sich auch Mitglieder aus militärischen Strukturen an dem Projekt beteiligten. Ihr Beitrag war wesentlich, und das nicht nur vor der Kamera, sondern auch hinter den Kulissen. Wir haben gemeinsam mit ihnen ein Bewusstsein dafür entwickelt, was der Film ausdrücken soll – emotional wie inhaltlich. Durch diesen Prozess entstand eine gemeinsame Haltung, die über das rein Filmische hinausging. Ihr Einsatz war entscheidend dafür, dass wir dieses Projekt in seiner Tiefe verwirklichen konnten.
Im Trailer sieht man eindrucksvolle Action-Szenen – vergleichbar mit großen Produktionen. Wie haben Sie dieses technische Niveau erreicht?
Die Filmkommune Rojava hat mittlerweile rund zehn Jahre Erfahrung gesammelt. Wir haben Projekte wie den Kobanê-Film, Ji bo Azadiyê und zwei Serien realisiert. In all diesen Arbeiten war eine zentrale Frage: Wie können wir mit sehr begrenzten Mitteln große Produktionen auf die Beine stellen?
Dabei haben wir viel von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen gelernt, insbesondere im Bereich Spezialeffekte. Die Unterstützung der militärischen Kräfte war ebenfalls entscheidend. Für Explosionen oder Gefechtsszenen konnten wir auf ihre Erfahrung zurückgreifen, und zwar so, dass niemand zu Schaden kommt, die Wirkung aber realistisch bleibt.
Diese Expertise floss nicht nur in die Regiearbeit ein, sondern beeinflusste auch die schauspielerische Darstellung und die Inszenierung der Szenen. So ist es gelungen, trotz kleiner Budgets visuell kraftvolle und technisch saubere Sequenzen zu schaffen. Die Filmkommune hat in diesem Bereich viel Wissen aufgebaut und es kontinuierlich weitergegeben.
War es letztlich der kollektive Geist, der geholfen hat, all diese Herausforderungen zu bewältigen?
Ganz klar, ja. Für uns ist es mittlerweile keine Hürde mehr, mit kleinen Budgets große Produktionen zu realisieren. Unsere Erfahrungen ermöglichen es uns inzwischen, bis zu drei Spielfilme pro Jahr zu planen. Dabei geht es uns nicht vorrangig um aufwendige Produktionen, sondern darum, jede Geschichte – unabhängig vom Umfang – mit den vorhandenen Mitteln bestmöglich umzusetzen.
Im Zentrum steht immer der kollektive Geist. Und dieser schließt nicht nur Filmschaffende ein. Mütter, Kämpfende, Lehrkräfte, Kinder – alle, die sich mit einer Geschichte verbunden fühlen, bringen sich mit einem gemeinsamen Ziel, mit einer gemeinsamen Sorge ein. Wenn die Geschichte zu ihrer eigenen wird, spielt das Budget plötzlich keine zentrale Rolle mehr. Diese kollektive Haltung erleben wir ganz konkret während der Dreharbeiten. Und sie ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Erfolgs.
Die Filmkommune Rojava versteht Kino als „Werkzeug, mit dem das Volk seine eigene Geschichte erzählt“. Wo steht „Heval Birako“ in diesem Verständnis?
In Kurdistan – wie auch in vielen anderen Teilen der Welt – gibt es gemeinsame Werte, gemeinsame Schmerzen und gemeinsame Geschichten. Heval Birako erzählt die Geschichte des ezidischen Volkes, das ein wesentlicher Teil des kurdischen Volkes ist. Das Ezidentum ist eine der ursprünglichsten, reinsten Ausdrucksformen der kurdischen Kultur. Ihre Leiden, ihre Traumata und die versuchten Vernichtungen sind tief im kollektiven Gedächtnis unserer Gesellschaft verankert.
Zugleich ist der Film auch eine Erzählung über die Zerstörung von Familien, über Entwurzelung, Trennung und Wiederfinden – Erfahrungen, die viele Menschen im Krieg machen. Wir kennen die Folgen des Kolonialismus, der gegenüber Kurd:innen und Ezid:innen einen kulturellen Genozid betrieben hat. Diese Geschichte gehört uns allen. Aber genauso gehört uns der Kampf, unsere Kultur zu erhalten – und mit ihr die Würde.
Heval Birako spricht also nicht nur das kurdische Publikum an, sondern all jene, die ein moralisches und menschliches Bewusstsein haben. Der Film zeigt auch: Der Krieg ist für Kurd:innen und für die gesamte Region keine Ausnahme, sondern Realität. Die Schlacht um Raqqa im Jahr 2017 war ein bedeutender Moment – nicht nur für Kurdistan, sondern für die ganze Welt. Die YPG, YPJ und heute die QSD haben in dieser Stadt dem Terror des IS ein Ende bereitet.
Damals fürchtete sich die ganze Welt davor, dass der IS seine Schreckensherrschaft weiter ausbreiten könnte. Doch es waren die Kinder dieses Volkes, die diesen Albtraum beendet haben. Heval Birako erzählt genau das und macht deutlich: Diese Geschichte gehört nicht nur Kurdistan. Sie ist ein Stück Menschheitsgeschichte.
In Ihren Filmen spielen häufig Menschen aus der lokalen Bevölkerung statt professioneller Schauspieler:innen. Ist das eine bewusste Entscheidung oder eher den Umständen geschuldet?
Natürlich wünscht sich jede:r Filmschaffende, mit erfahrenen Schauspieler:innen zu arbeiten. Aber unsere Realität in Rojava ist eine andere. Die Filmkunst hier ist eng mit der Revolution verbunden, sie ist also ein relativ neuer Bereich. Es gibt kaum Menschen, die diesen Beruf dauerhaft und strukturiert ausüben. Nur sehr wenige können von ihrer Arbeit als Filmschaffende leben.
Als Filmkommune Rojava versuchen wir, diesen Prozess mit aller Kraft voranzutreiben. Doch Krieg, Unsicherheit und der Mangel an stabilen Strukturen verhindern bislang, dass sich das Filmschaffen vollständig organisieren kann. Viele unserer Darsteller:innen können wir nur für einen einzigen Film gewinnen, danach beginnt der Prozess mit neuen Gesichtern von vorn.
Zwar gibt es mittlerweile einige Schauspieler:innen, mit denen wir regelmäßig arbeiten, aber die Mehrheit besteht weiterhin aus Menschen ohne vorherige Filmerfahrung. Zugleich ist diese Arbeit mit der lokalen Bevölkerung ein bewusster künstlerischer Zugang: Sie bringt eine Authentizität, eine Natürlichkeit mit sich, die man mit Profis nicht immer erreicht.
Mit der wachsenden Zahl an Produktionen, mit Filmfestivals, Workshops und Ausbildungen wird auch die Zahl erfahrener Darsteller:innen steigen. Doch für uns ist und bleibt die Arbeit mit der Bevölkerung beides: eine Notwendigkeit und eine bewusste Entscheidung für ein echtes, nahbares Kino.
Wie bewerten Sie den aktuellen Stand der Filmkommune Rojava, insbesondere im Hinblick auf neue Projekte, Bildungsarbeit und junge Filmschaffende?
Die Filmkommune wurde am 14. Juli 2015 im Geist kollektiven Schaffens und solidarischer Zusammenarbeit gegründet – parallel zur Revolution. Internationale Unterstützer:innen und erfahrene Filmschaffende haben bei der Gründung und den ersten Projekten eine wichtige Rolle gespielt. Seitdem haben wir eigene Filmakademien aufgebaut und neue Generationen ausgebildet. Anfangs standen vor allem Kurzfilme und Dokumentationen im Fokus, Spielfilme waren selten. Damals stellten wir uns Fragen wie: Können wir überhaupt große Produktionen stemmen? Müssen wir dauerhaft auf Unterstützung von außen angewiesen sein? Heute sind diese Zweifel überwunden. Wir können inzwischen mehrere Filmprojekte gleichzeitig entwickeln und realisieren, nicht mehr nur alle paar Jahre.
Natürlich gibt es weiterhin Herausforderungen: Krieg, wirtschaftliche Unsicherheit und die Lebensrealitäten der Menschen erschweren es, das Filmschaffen dauerhaft zu institutionalisieren. Doch es ist klar: Das, was aufgebaut wurde, muss nun systematisch weiterentwickelt und verankert werden. Wir als Filmkommune sind in nahezu allen Regionen Rojavas aktiv: mit Filmvorführungen, Workshops, Kurzfilmprojekten – alles mit dem Ziel, insbesondere junge Menschen für das Kino zu begeistern. In Dêrik und Hesekê wurden sogar zum ersten Mal Studiengänge für Film eingerichtet, mit einem dreijährigen Curriculum. Das ist ein wichtiger Schritt für den Aufbau einer zukünftigen Generation von Filmschaffenden – und für die nachhaltige Entwicklung eines freien, kollektiven Kinos in Rojava.
Wie wird das Modell des kommunalen Kinos international aufgenommen? Gibt es Kooperationen mit Filmschaffenden aus dem Ausland?
Unser Ansatz des kommunalen, kollektiven Kinos wird international vor allem als Ausdruck von Solidarität und gemeinschaftlichem Schaffen wahrgenommen. Mit der Rojava-Revolution ist auch die Aufmerksamkeit für unsere filmischen Arbeiten gewachsen. Viele Menschen auf der ganzen Welt interessieren sich dafür, was und wie wir erzählen. Durch Festivals, direkte Kontakte und gemeinsame Projekte haben sich viele Verbindungen entwickelt. Internationale Filmschaffende haben sich unseren Produktionen angeschlossen, einige haben sogar längere Zeit in Rojava verbracht und mitgearbeitet. Auch für unser kommendes Festival haben wir Gäste aus verschiedenen Ländern eingeladen. So entsteht ein wechselseitiger Austausch von Erfahrungen, Wissen und Perspektiven. Insgesamt lässt sich sagen: Das kollektive Filmschaffen in Rojava – als Teil einer revolutionären Kulturbewegung – stößt weltweit auf Interesse und Unterstützung.
Wie sehen Sie die Zukunft des Kinos in Rojava?
In allen vier Teilen Kurdistans haben sich unterschiedliche filmische Erfahrungen entwickelt. Doch noch herrscht eine gewisse Zersplitterung. Es ist ein entscheidender Schritt, diese Erfahrungen zusammenzuführen – unter dem Dach eines eigenständigen „kurdischen Kinos“, mit einer eigenen Sprache und Identität.
Die Revolution in Rojava hat dem Kino einen neuen Atem eingehaucht. Es wurde kollektiv gedacht, organisiert und hat viele Menschen inspiriert, sich aktiv einzubringen. Unser Ziel ist es, das Kino zu einem festen Bestandteil des Alltags zu machen. Wir glauben, dass uns das durch kontinuierliche Produktionen, Vorführungen und die Ausbildung junger Menschen gelingen kann. Die Spielfilme und Serien, die wir in den letzten Jahren realisieren konnten, zeigen, dass sowohl das kreative Potenzial als auch die handwerklichen Fähigkeiten in der Region schnell wachsen. Mit den neu gegründeten Filmabteilungen an den Akademien in Dêrik und Hesekê wird sich dieser Prozess weiter verstärken. Wir sind überzeugt: In naher Zukunft wird das Kino in Rojava noch kraftvoller, noch sichtbarer werden.
Unsere Botschaft an alle kurdischen Filmschaffenden lautet daher: Bringt eure Erfahrungen und eure Energie in das revolutionäre Filmschaffen Rojavas ein. Rojava ist ein Ort, der sich aus der Asche neu erschafft, und das Kino ist die kraftvollste Sprache dieses Neubeginns. Ein Kino, das aus gemeinsamer Arbeit, kollektiver Verantwortung und entschlossenem Widerstand entsteht und so seinen Weg weitergeht.
Was bedeutet Kino für Sie persönlich? Wie würden Sie es beschreiben?
Für mich ist Kino sowohl Kunst als auch politische Verantwortung – beides untrennbar miteinander verbunden. Kunst von der Politik zu trennen, halte ich für unmöglich, denn Politik ist das Leben selbst. Mein eigener Zugang zum Kino begann mit den Filmen von Yılmaz Güney und Halil Dağ. Ich habe mich gefragt: Wie kann ich meine Geschichte, mein Leben am besten ausdrücken? Und erkannt, dass Kunst genau das kann – die Wahrheit auf eine ästhetische Weise erzählen.
Für mich ist es unmöglich, als Künstler von der Politik getrennt zu sein. Gerade für eine kurdische Person ist das Politische in jedem Lebensbereich präsent – auch in der Kunst. Deshalb verstehe ich Kino nicht nur als politische Verantwortung, sondern als Notwendigkeit. Es ist ein Mittel, um soziale Wirklichkeit mit Feingefühl und Ästhetik sichtbar zu machen. Wenn Kunst sich von der Realität löst, was soll sie dann noch ausdrücken?
Deshalb ist Kino für mich eine unverzichtbare Form des Ausdrucks. Und ich glaube, dass alle Kunstschaffenden mit diesem Bewusstsein arbeiten sollten. Sich von der Politik zu trennen, bedeutet letztlich, sich vom Leben selbst zu entfernen.
Menschen, die Nazım Daştan kannten, beschreiben ihn als zurückhaltend, aber tiefgründig. Was bedeutet er für Sie persönlich?
Ich sehe Nazım nicht nur als Journalisten oder Filmemacher. Wenn ich auf seinen Lebensweg blicke, dann sehe ich einen Gefährten, der das tiefe Bedürfnis hatte, die Geschichte seines Volkes wahrhaftig und würdevoll zu erzählen.
Seine Suche, sein innerer Antrieb sind für mich wie ein Vermächtnis. Es ist unsere Aufgabe, dieses Vermächtnis weiterzutragen – mit der gleichen Sensibilität, mit dem gleichen Verantwortungsgefühl. Als Filmschaffende tragen wir diese Verantwortung in uns, besonders wenn es um visuelle Erzählungen wie Heval Birako geht.
Der Filmtitel und die Geschichte der beiden Geschwister haben auch für mich eine persönliche Bedeutung. Ich erkenne in ihnen etwas von meiner eigenen Biografie, von meinen eigenen Erfahrungen. Vielleicht war das auch einer der Gründe, warum mich diese Geschichte so tief berührt hat. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen – die Suche nach einem Bruder, das Gefühl der Trennung, das Streben nach Wiedervereinigung, das gemeinsame Erinnern: All das habe auch ich selbst erlebt.
Heval Birako ist nicht nur eine filmische Erzählung. Es ist ein Raum, in dem unsere geteilten Erinnerungen und Erfahrungen wieder aufleben – ein Raum, den Nazım mit seiner Geschichte geöffnet hat. Und wir haben diesen Raum mit Bewusstsein und Verantwortung gefüllt.
Über Numan Yiğit
Numan Yiğit wurde 1989 als Sohn einer kurdischen Familie aus Amed (tr. Diyarbakır) in der südtürkischen Stadt Adana geboren. Er studierte Radio, Fernsehen und Film an der Ägäis-Universität in Izmir. Aufgrund seines politischen Engagements wurde er in jungen Jahren zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt und verbrachte rund fünf Jahre in türkischen Gefängnissen – eine prägende Zeit, die nicht nur seinen politischen Blick, sondern auch sein ästhetisches Verständnis von Film nachhaltig formte.
Nach seiner Haft arbeitete Yiğit in Amed weiter im kulturellen und künstlerischen Bereich, bevor er sich im Zuge der Rojava-Revolution ganz dem Aufbau eines alternativen, kollektiven Filmschaffens in der Autonomieregion widmete. Heute ist er Ko-Vorsitzender der Filmkommune Rojava.
Für Yiğit ist Kino mehr als ein künstlerisches Ausdrucksmittel – es ist ein Werkzeug gesellschaftlicher Transformation, ein Ort der Erinnerung und ein Medium des Widerstands. Dieser Ansatz prägt seine gesamte filmische Arbeit. Zu seinen bisherigen Projekten zählen Dokumentationen, Serien und Spielfilme wie Evîna Kurd, Payizok, Pêlava Sor und Tava Sor. In all diesen Arbeiten verhandelt er Themen wie kollektives Gedächtnis, politische Unterdrückung und den ungebrochenen Drang nach Freiheit.
https://deutsch.anf-news.com/pressefreiheit/was-immer-sie-auch-tun-wir-werden-nicht-ausgeloscht-werden-44718 https://deutsch.anf-news.com/kultur/heval-birako-spielfilm-aus-rojava-zu-ehren-von-nazim-dastan-48068
Was bedeutet „Demokratische Integration“?
Der Begriff Integration geht etymologisch auf das lateinische integrare zurück, was so viel bedeutet wie „erneuern“, „wiederherstellen“ oder „vervollständigen“. Über das Französische intégration fand der Begriff Eingang in viele Sprachen – im Sinne von „Zusammenführung“ bzw. „zu einem Ganzen machen“. Im ursprünglichen Wortsinn bezeichnet Integration also keineswegs eine erzwungene Angleichung oder gar Assimilation. Doch gerade in der kapitalistischen Moderne hat sich dieser Begriff zunehmend pervertiert: Er wurde umgedeutet zu einem Instrument der Unterwerfung, in dem das Schwächere sich dem Stärkeren unterzuordnen, sich anzupassen und letztlich in dessen Strukturen aufzulösen habe. Die kapitalistische Ordnung bedient sich des Begriffs der Integration gezielt, um Differenz aufzulösen und Vielfalt in Uniformität zu überführen.
Aus dieser systemischen Erfahrung heraus mag der Begriff bei seinem ersten Auftreten auf Skepsis oder gar Besorgnis stoßen – eine Reaktion, die angesichts der historischen Tatsachen durchaus nachvollziehbar ist.
Die in letzter Zeit laut gewordenen Vorwürfe, wonach durch Abdullah Öcalans Konzept der demokratischen Integration eine schleichende Assimilation eingeleitet werde, entbehren jedoch jeglicher begrifflichen und politischen Grundlage. Solche Aussagen sind vielmehr Ausdruck bewusster Verzerrung oder ideologischer Voreingenommenheit. Denn Assimilation und Integration sind weder inhaltlich noch politisch gleichzusetzen. Während Assimilation auf die Homogenisierung von Differenz durch kulturelle Dominanz und strukturelle Gewalt abzielt – also auf die Auflösung des Anderen im Eigenen –, bedeutet Integration im emanzipatorischen Sinne das genaue Gegenteil: den Zusammenschluss unterschiedlicher kultureller, sozialer oder historischer Elemente zu einem gemeinsamen, gleichberechtigten Ganzen unter Wahrung ihrer je eigenen Identität.
In einer Welt, in der physische Grenzen zunehmend an Bedeutung verlieren, soziale und kulturelle Räume sich überschneiden und insbesondere durch Kriege, politische Repression oder ökonomische Notlagen Migration stark zugenommen hat, gewinnt das Konzept der Integration eine neue politische Bedeutung. Richtig verstanden und angewendet, kann Integration – verstanden als Prozess des gemeinsamen Lebens – ein erster Schritt zu einem freien und solidarischen Zusammenleben in einer globalisierten Gesellschaft sein.
Unabhängig davon, ob es sich um Individuen oder Gemeinschaften handelt: Wenn sie sich in einem neuen sozialen Umfeld wiederfinden, beginnt ein Prozess der gegenseitigen Annäherung, in dem ein neues Leben unter Bewahrung der eigenen kulturellen Identität gemeinsam gestaltet wird. Dieser Prozess ist das, was unter Integration zu verstehen ist. Migration, wie sie in der Gegenwart vermehrt auftritt, stellt eine Konfrontation unterschiedlichster kultureller Lebensentwürfe auf engem Raum dar – und gleichzeitig eine Chance für ein neues, gemeinsames Leben.
Zwar führen nationalstaatliche Politiken, die meist aus machtpolitischem Interesse heraus gestaltet sind, oftmals zu Fehlentwicklungen. Doch richtig verstanden und politisch sinnvoll umgesetzt, stellt Integration den Beginn eines historischen Fortschritts dar. Dies entspricht genau dem, was Abdullah Öcalan unter demokratischer Integration versteht.
Integration und integriert sein
Während „Integration“ den kollektiven Prozess der Einbindung einer sozialen Gruppe in ein größeres Gemeinwesen unter Wahrung ihrer Eigenheiten beschreibt, bezeichnet „integriert sein“ die individuelle Einbindung des Einzelnen in die Gesellschaft. Um einen solchen Prozess politisch zu unterstützen, sind gesetzliche Regelungen notwendig, die nicht Assimilation erzwingen, sondern Gemeinsamkeit und Gleichwertigkeit fördern. Diese Regelungen müssen beide Seiten – die aufnehmende wie die zuwandernde Gesellschaft – gleichermaßen berücksichtigen.
Doch in der Praxis nationalstaatlicher Politik, besonders in der Ausprägung kapitalistischer Moderne, werden Integrationsgesetze häufig instrumentalisiert: nicht als Mittel der Verständigung, sondern als Druckmittel der Assimilation. Migrant:innen sollen ihre Herkunftskultur aufgeben und sich vollständig den hegemonialen Normen unterwerfen. Diese Form der Politik führt faktisch zur kulturellen Auslöschung und läuft damit auf eine autoritäre Vereinheitlichung hinaus.
Die zunehmende Stärke neofaschistischer Bewegungen in vielen Ländern ist Ausdruck dieser Logik. Sie lehnen das gemeinsame Leben in Vielfalt ab – eine Haltung, die von Nationalstaaten oft bewusst gefördert oder zumindest geduldet wird. Denn durch die Verweigerung von Gemeinsamkeit entsteht Isolation – und Isolation erleichtert Kontrolle. Die Zersplitterung der Gesellschaft in voneinander getrennte, gegeneinander gerichtete Gruppen verhindert kollektive Organisation und Widerstand.
Dabei ist bekannt: Wirkliche Integration kann nur auf der Basis geteilter Verantwortung, gemeinsamer Werte und gegenseitiger Anerkennung gelingen. Integration ist kein ökonomisches Arrangement, sondern ein zutiefst menschliches, ethisches Projekt. Genau deshalb fürchten autoritäre Systeme und kapitalistische Machtstrukturen diese Form der Verständigung und versuchen stattdessen, Differenz zu unterdrücken oder auszubeuten.
Wie Lenin einst sagte: „Der Kapitalismus nimmt das Richtige, verändert es zu seinem Vorteil und verkauft es als Wahrheit.“
So ist es auch mit dem Integrationsbegriff: Im Kapitalismus wird Integration ihres emanzipatorischen Gehalts beraubt und zur funktionalen Assimilation umgedeutet. In einem freiheitlichen Sinn jedoch ist Integration – verstanden als freiwillige, gleichberechtigte Koexistenz – einer der ersten Schritte auf dem Weg zu einem neuen, nicht-staatlichen Sozialismus.
Integrationsgesetze und demokratische Integration
Die durch Krieg, Ausbeutung und Verelendung verursachten Migrationsbewegungen des 21. Jahrhunderts sind das Produkt kapitalistischer Weltordnung. In der Folge wurde versucht, Integrationsgesetze zu einem Werkzeug der kulturellen Unterwerfung umzufunktionieren. Bevölkerungsgruppen, die gezwungen waren, ihre Heimat zu verlassen, wurden in vielen Ländern nicht als Subjekte mit Rechten, sondern als Objekte der Anpassung behandelt – mit dem Ziel, sie ökonomisch und kulturell zu funktionalisieren.
In dieser Struktur begegnet man Migrant:innen häufig mit der Botschaft: „Lebt so, wie wir es vorgeben, oder seid den Repressionen jener faschistischen Kräfte ausgeliefert, die wir selbst stillschweigend dulden oder aktiv unterstützen.“ Dies hat dazu geführt, dass sich viele Gemeinschaften aus Angst oder Erfahrung aus dem öffentlichen Leben zurückziehen und abgeschottete Parallelstrukturen bilden, was wiederum das Gegenteil echter Integration bedeutet.
Das ist kein Zufall, sondern ein Resultat systemischer Steuerung: Die Vereinzelung von Menschen und Gruppen dient den Interessen des kapitalistischen Systems, das auf Konkurrenz und Spaltung basiert. Echte Gemeinsamkeit bedeutet hingegen kollektive Organisation – und diese wiederum birgt das Potenzial für Widerstand.
Die Prinzipien demokratischer Integration
Aus dieser Perspektive ist demokratische Integration kein administratives Detail, sondern ein fundamentaler Baustein eines freien, pluralistischen Gesellschaftsmodells. Die entsprechenden gesetzlichen Regelungen dürfen nicht dem politischen Kalkül hegemonialer Kräfte überlassen werden. Sie müssen dem Schutz vor Assimilation dienen und Differenz als gesellschaftlichen Reichtum begreifen.
In ihrem emanzipatorischen Gehalt lassen sich demokratische Integrationsgesetze als konföderale Prinzipien verstehen, die innerhalb eines Nationalstaats die gleichberechtigte Koexistenz unterschiedlicher Gemeinschaften ermöglichen und garantieren sollen. Ziel ist nicht die Dominanz der Mehrheit, sondern die institutionelle Absicherung von Vielfalt und Selbstbestimmung.
Kernprinzipien demokratischer Integration sind eine konsequente Orientierung an den universellen Menschenrechten, die Förderung gemeinsamer Werte als Grundlage des gesellschaftlichen Zusammenlebens, der Schutz individueller und kollektiver Identitäten vor kultureller Auslöschung, die Herstellung realer Chancengleichheit – ohne strukturelle Überlegenheit einer Gruppe, die institutionelle Verhinderung von sozialer Ausgrenzung im Alltag, eine zügige, konkrete Umsetzung von Integrationsmaßnahmen ohne Aufschub, die bewusste Zurückweisung jeglicher exkludierender Politik durch die staatlichen Institutionen selbst.
Demokratische Integration gelingt dort, wo sich Gemeinschaften nicht mehr als „Fremde“ erleben, sondern als vollwertige, gleichberechtigte Mitglieder einer pluralen Gesellschaft. Dieses Ziel zu erreichen ist keine bloß organisatorische Aufgabe, sondern – in Öcalans Worten – Teil der Beantwortung jener zentralen Frage jeder Revolution: „Wie sollen wir leben?“
Fortsetzung folgt in Teil 3 der Reihe
https://deutsch.anf-news.com/hintergrund/demokratische-integration-als-neues-gesellschaftsmodell-48749 https://deutsch.anf-news.com/hintergrund/Oko-Okonomie-als-befreiung-sezai-temelli-uber-Ocalans-alternative-zur-kapitalistischen-moderne-48733 https://deutsch.anf-news.com/hintergrund/kommunen-als-antwort-auf-repression-und-verwaltungshoheit-48703 https://deutsch.anf-news.com/hintergrund/deliberative-demokratie-als-system-des-Ubergangs-zum-sozialismus-48541
Aramäisches Dorf Arbo erhält historischen Namen zurück
Das christlich-aramäische Dorf Arbo in Nisêbîn (tr. Nusaybin) hat seinen historischen Namen wieder. Die Ortschaft am Fuße des Bagok-Gebirges war vor Jahrzehnten im Zuge der Türkisierungspolitik in „Taşköy“ umbenannt worden. Nun wurde die ursprüngliche Bezeichnung Arbo offiziell wieder eingeführt.
Die Rückbenennung erfolgte auf Antrag der Dorfgemeinschaft an die von der DEM-Partei geführte Stadtverwaltung von Nisêbîn. Der Gemeinderat stimmte dem Antrag bereits im Oktober zu; die Entscheidung wurde anschließend von der örtlichen Bezirksverwaltung bestätigt. Mit einer feierlichen Zeremonie wurde die neue Ortstafel am Sonntag am Dorfeingang enthüllt.
„Ein bedeutender Tag für unser Dorf“
An der Veranstaltung nahmen unter anderem die Ko-Bürgermeister:innen von Nisêbîn, Gülbin Şahin Dağhan und Selahattin Ay, sowie die abgesetzte Oberbürgermeisterin von Mêrdîn (Mardin), Devrim Demir, teil. Auch die Parlamentsabgeordneten George Aslan und Saliha Aydeniz sowie Vertreter:innen der Suryoye-Gemeinde und zahlreiche Einwohner:innen waren anwesend.
In einer Ansprache erklärte der aus der Region stammende DEM-Politiker George Aslan: „Heute ist ein historischer Tag für unser Dorf. Der Name, der uns einst genommen wurde, ist heute zurückgekehrt. Wir hoffen, dass dieses Beispiel Schule macht und auch andere Orte in der Region ihre ursprünglichen Namen zurückerhalten.“
Dorfpriester Begendi: Ein Zeichen des Respekts
Seine Fraktionskollegin Saliha Aydeniz betonte die kulturelle Bedeutung des Schrittes: „Die Rückgabe des Namens Arbo ist ein bedeutsames Zeichen. Wir wünschen uns, dass die Menschen in dieser Region ihre Identität, Sprache und Kultur wieder sichtbar leben können.“
Auch der syrisch-orthodoxe Priester der Dorfkirche, Şemun Begendi, äußerte sich zufrieden: In einer Rede auf Aramäisch sagte er, man sei froh über die Wiederherstellung des ursprünglichen Dorfnamens. Es sei ein Zeichen des Respekts vor der Sprache und Kultur der Suryoye.
Ein Foto zum Abschied
Nach dem Durchschneiden des Bandes versammelten sich die Gäste im Dorfhaus, um über die Bedeutung des Namens und mögliche weitere Rückbenennungen in der Region zu sprechen.
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Istanbul to host international humanitarian summit on Gaza
Istanbul will host an international humanitarian aid summit for Gaza on November 11-12, aimed at addressing the ongoing humanitarian crisis in the region. The summit will bring together over 400 participants from 48 countries, representing more than 200 organizations.
The summit’s primary objective is to explore long-term solutions to the humanitarian emergency that has plagued Gaza for over two years. Discussions will focus on addressing the widespread destruction of infrastructure and the urgent needs in sectors such as healthcare, education, housing, and other critical areas.
Key figures at the event will include local and international officials, civil society representatives, human rights advocates, as well as academics and journalists. The summit will also feature five workshops, where experts will delve into sustainable, comprehensive approaches to humanitarian aid.
This initiative follows a ceasefire agreement that came into effect on October 10, 2025, following a brutal two-year Israeli military campaign that has resulted in the deaths of over 69,000 Palestinians and left more than 170,000 others injured. Despite the ceasefire, ongoing Israeli violations and restrictions on the delivery of humanitarian aid continue to pose significant challenges for Gaza.