Kinderarmut: Medien berichten zu oberflächlich und mit zu wenig Nachdruck

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Kinderarmut: Medien berichten zu oberflächlich und mit zu wenig Nachdruck
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Kinderarmut:

Medien berichten zu oberflächlich und mit zu wenig Nachdruck

von Marcus Klöckner | Verantwortlicher: Redaktion NachDenkSeiten

Kinderarmut – dieser Begriff taucht in den Medien immer mal wieder auf. Meistens berichten Journalisten darüber, wenn neue Studien darauf verweisen, wie real Armut unter Kindern in diesem reichen Land ist. Zahlen, Daten, Fakten: Darauf springen Medien an. Das ist verständlich. Doch die Berichterstattung ist zu oberflächlich, sie bleibt im Alibi-Modus, es fehlt am Nachdruck.

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Kürzlich kam wieder so ein Tag, an dem das Thema Kinderarmut die Aufmerksamkeit von Journalisten erregt hat. Anlass war eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung, wonach rund 2,8 Millionen Kinder in Deutschland in Armut leben, also über 21 Prozent aller unter 18-Jährigen.

Lokale, regionale und bundesweit erscheinende Medien berichteten. „Kinderamut in Deutschland – Armutsverschärfer Corona“, lautete die Überschrift bei der ZEIT. „Bertelsmann-Studie: Kinderarmut trifft Millionen“, heißt es bei der Leonberger Kreiszeitung. „Bertelsmann-Studie zur Armut – Das Geld, armen Kindern zu helfen, fehlt nicht“, lautet die Überschrift eines Deutschlandfunk-Kommentars. Wer bei Google news den Begriff Kinderarmut eingibt, findet zahlreiche Treffer.[oder auch hier unter dem Artikel! H.S.]

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Anders gesagt: Den Medien kann man auf den ersten Blick nicht vorwerfen, das Problem der Kinderarmut nicht zu thematisieren. Doch wer sich mit dem Thema schon länger auseinandersetzt, fällt auf: Es ist wie bei so manch anderem wichtigen Thema auch – Berichterstattung ist nicht gleich Berichterstattung.

► Der Alibi-Modus vieler Medien

Die Berichterstattung zum Thema Kinderarmut kommt in Wellen. Wobei diese Wellen – und das ist eines der Probleme – nicht sonderlich hoch sind. Richtig ist: Medien platzieren das Thema durchaus auch prominent, allerdings fehlt der Berichterstattung etwas, was dringend nötig wäre, um Politik zu einem konsequenteren Handeln zu bewegen.

Kindliches-Denken-Denkkraft-Vorstellungsbilder-Vorstellungskraft-Konzentration-Denkverlangsamung-Unkonzentriertheit-Unaufmerksamkeit-Kritisches-Netzwerk Was fehlt ist der Druck. Zwar erzeugen prominent platzierte Artikel durchaus Aufmerksamkeit und dadurch eben auch einen kurzfristigen Druck, doch der Druck, der notwendig ist, um dafür zu sorgen, dass Politik das Problem der Kinderarmut nicht nur im Alibi-Modus angeht, entsteht nicht dadurch, dass hin und wieder Medien für einen Tag in der Berichterstattung auf die Kinderarmut verweisen.

Nachhaken ist gefragt. Immer und immer wieder. Journalisten müssen Politiker bei Pressekonferenzen und Interviews [systemkritische; H.S.] Fragen stellen, nicht aus der Verantwortung lassen. Und vor allem: Die Berichterstattung muss kontinuierlich, über einen längeren Zeitraum erfolgen.

Medien wären eigentlich dazu da, weitreichende Probleme immer wieder in das Bewusstsein der Öffentlichkeit und so auch in das Bewusstsein der Politik zu rufen. Diesbezüglich hat die Berichterstattung noch zu viele Defizite. Die „Armutsberichterstattung“ korrespondiert auf auffällige Weise mit dem oberflächlichen Umgang, der auf politischer Seite mit dem Thema zu beobachten ist. Auch wenn man zu dem Eindruck gelangen kann, dass manchen Journalisten, die über Armut im Land berichten, etwas an dem Thema liegt: Die Berichterstattung ist in ihrer Gesamtheit so alibimäßig wie das Handeln der Politik.

► Armut: Die Mitverantwortung vieler Redakteure

Noch schlimmer ist: Zur Wahrheit gehört auch, dass zahlreiche Medien über viele Jahre unter anderem im Zuge der Agenda 2010 durch eine neoliberale Grundhaltung mit dazu beigetragen haben, dass sich Armutsverhältnisse ausbreiten und verfestigen konnten. Es ist offensichtlich: Die selbsternannten „Wachhunde“ haben nicht rechtzeitig angeschlagen. Kinderarmut – zu dieser bitteren Feststellung muss man gelangen – hat sich unter den Augen der Medien entwickelt und ausgebreitet. Die NachDenkSeiten haben schon frühzeitig auf die Gefahren einer Medienlandschaft hingewiesen, die sich stark neoliberal ausgerichtet und der Agenda-Politik letztlich mit den Weg geebnet hat.

Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2020 und selbst die ebenfalls stark neoliberal ausgerichtete Bertelsmann Stiftung, die gewiss nicht als Frontorganisation eines linken Klassenkampfes verstanden werden kann, macht auf die Gefahren der Kinderarmut aufmerksam, ja, sieht ein reales Problem auch für unsere Gesellschaft. Die fragwürdige Ausrichtung der Bertelsmann Stiftung haben die NachDenkSeiten unter anderem hier oder hier thematisiert.

Christoph-Butterwegge-Z7-Kinderarmut-soziale-Exklusion-Kinderarmutsanteil-Kinderarmutsrate-Jugendarmut-Prekarisierung-Kritisches-Netzwerk-Unterversorgung-Armutsquote

Man fragt sich auch, wann Medien endlich anfangen, zu begreifen, dass in Deutschland nicht nur Kinderarmut ein Problem ist, sondern auch Erwachsenenarmut – und beide Armutssituationen eng miteinander verknüpft sind. Vor allem muss die Frage lauten: Wann stellen Journalisten Politiker zu dem Armutsproblem endlich so zur Rede, dass sie mit Ausflüchten und dem Verweis auf Minimalkorrekturen ihrer desaströsen Armutspolitik nicht mehr so einfach durchkommen?

Zeit wird es. Jedes Kind, das aufgrund von Armut auf der Strecke bleibt, ist eines zu viel. Jeder Erwachsene, der aufgrund von Armut am Ende seiner Kräfte ist, ist ebenso einer zu viel.

"Factsheet Kinderarmut in Deutschland" von Antje Funcke und Sarah Menne, Bertelsmann Stiftung - Juli 2020  >> weiter.

"Materielle Unterversorgung von Kindern" von Dr. Torsten Lietzmann und Dr. Claudia Wenzig, IAB und Bertelsmann Stiftung - Juli 2020  >> weiter.

Marcus Klöckner | Verantwortlicher: Redaktion NachDenkSeiten.
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Marcus B. Klöckner studierte Soziologie, Medienwissenschaften und Amerikanistik. Herrschafts- und Medienkritik kennzeichnen seine Arbeit als Journalist und Buchautor.

christoph_butterwegge_z4_oekonomisierung_des_sozialen_neoliberalismus_sozialdarwinismus_zivilreligion_kritisches_netzwerk_sozialabbau_existenzminimum_wohlstandschauvinismus


pin_green.gif  Lesetipps: (zu Kinder, Kinderarmut, Schule, Bildung, Bildungssysteme, (Früh-)Konditionierung etc.)

"Kinderarmut: Medien berichten zu oberflächlich und mit zu wenig Nachdruck" von Marcus Klöckner / NDS, 08. August 2020, am 10.08. im KN >> weiter.

"Maskenzwang im Unterricht: Ein bizarrer Plan. Für Schüler soll nun teils sogar im Unterricht eine Maskenpflicht gelten. Diese Pläne sind unverantwortlich und unwissenschaftlich." von Tobias Riegel, NDS, 05. August 2020. >> weiter.

"Die Ernüchterungsanstalt: Die Schule erstickt das Interesse für Poesie im Keim, indem sie Schüler zwingt, diese rational zu zergliedern." von Nicolas Riedl / RUBIKON, 26. April 2020, im KN 28. Juli 2020 >> weiter.

"Factsheet Kinderarmut in Deutschland" von Antje Funcke und Sarah Menne, Bertelsmann Stiftung - Juli 2020  >> weiter.

"Materielle Unterversorgung von Kindern" von Dr. Torsten Lietzmann und Dr. Claudia Wenzig, IAB und Bertelsmann Stiftung - Juli 2020  >> weiter.

"Deutschland verlernt seine Kulturtechniken: Die Missachtung des Musikunterrichts ist ein Skandal" von Tobias Riegel / NDS, 18. März 2020 >> weiter.

"Was kosten Kinder?" - Studie "Kosten von Kindern. Erhebungsmethoden und Bandbreiten" von Stefan Humer, Severin Rapp, Judith Lengyel-Wiesinger / A & W blog >> weiter.

"Kosten von Kindern - Erhebungsmethoden und Bandbreiten" von INEQ Wien, Stefan Humer und Severin Rapp, 24. Januar 2020 >> weiter.   

"Kinderarmut: Sie mussten früh erwachsen werden." von Marcus Klöckner (NDS) im Interview mit Dr. Irina Volf, 19. März 2020 >> weiter.

"Kinderarmut in Deutschland verharrt auf hohem Niveau" von Dietmar Gaisenkersting, 10. Februar 2020 >> weiter.

"Lehrermangel und Unterrichtsausfall. Soziale Ungleichheit verschärft sich!" von Harold Hambacher, 23. Januar 2020 >> weiter.

"Unser staatlich geprägtes Bildungssystem ist veraltet. Perspektiven der individuellen und sozialen Selbstverwirklichung.", von Lars Grünewald, 13. April 2019, im KN 28.12.2019 >> weiter.

"Digitale Bildung. Frühe Medienkompetenz oder digitale Verdummung?. Wie die Entwicklung der Kinder durch digitale Bildung schwer geschädigt wird." von Herbert Ludwig, 9.12.2019 >> weiter.

"Lobbyismus: 20 von 30 DAX-Unternehmen bieten Unterrichtsmaterial an" von Felix Kamella / LobbyControl, 30. Oktober 2019 >> weiter.

"Stifter und Schenker. Wie der Kommerz das Klassenzimmer kapert." von Redaktion NachDenkSeiten, 17. Oktober 2019 >> weiter.

"Der kleine Erwachsene – oder die Verdummung des Kindes" von Herbert Ludwig, 26. September 2019 >> weiter.

"Wählen mit 16 – oder die Infantilisierung der Politik" von Herbert Ludwig, 4. Juli 2019 >> weiter.

"Digitale Verdummung – wie sie in der Schule veranlagt wird und in der Politik schon angekommen ist!" von Herbert Ludwig, 12. Juni 2019 >> weiter.

"Abgeordnete: Denn sie wissen nicht, was sie beschließen" von Herbert Ludwig, 26. Februar 2019 >> weiter.

"Wie hat sich die Einkommenssituation von Familien entwickelt. Ein neues Messkonzept", Bertelsmann Stiftung Studie 2018, Februar 2018 >> weiter.

"Digitale Bildung – was macht die Politik? Positionen der Parteien im Bundestag." von Lena Herzog / die Debatte, 02. Februar 2018 >> weiter.

"Digitalisierung von Bildung als neoliberales Projekt. Internet als Brandbeschleuniger der Globalisierung und Infrastruktur des neoliberalen Regimes." von Matthias Burchardt, 30. Juli 2017 >> weiter.

"Allmächtiger Staat – Die Fesselung des Bildungslebens" von Herbert Ludwig, 16. Juni 2017 >> weiter.


► Quelle: Dieser Text erschien als Erstveröffentlichung am 08. August 2020 auf den „NachDenkSeiten – die kritische Website“ >> Artikel. Die Formulierungen der Übernahmebedingung für Artikel der NachDenkSeiten änderte sich 2017, 2018 und 2020 mehrfach. Aktuell ist zu lesen:

"Sie können die NachDenkSeiten auch unterstützen, indem Sie unsere Inhalte weiterverbreiten – über ihren E-Mail Verteiler oder ausgedruckt und weitergereicht. Wenn Sie selbst eine Internetseite betreiben, können Sie auch gerne unsere Texte unter deutlich sichtbarer Nennung der Quelle übernehmen, am besten gleich nach Anfang des Textes. Schreiben Sie uns einfach kurz an redaktion(at)nachdenkseiten.de und wir geben Ihnen gemäß unserer Copyrightbestimmungen eine Erlaubnis."

NachDenkSeiten-politische-Meinungsbildung-Albrecht-Mueller-Kritisches-Netzwerk-subversiv-gegen Neoliberalismus-Helmut-Schnug-Illerich

KN-ADMIN Helmut Schnug suchte zur Rechtssicherheit ein Gespräch mit Albrecht Müller, Herausgeber von www.Nachdenkseiten.de und Vorsitzender der Initiative zur Verbesserung der Qualität politischer Meinungsbildung (IQM) e. V. Herr Müller erteilte in einem Telefonat und nochmal via Mail am 06. November 2017 die ausdrückliche Genehmigung. NDS-Artikel sind im KN für nichtkommerzielle Zwecke übernehmbar, wenn die Quelle genannt wird. Herzlichen Dank dafür.

ACHTUNG: Die Bilder und Grafiken sind nicht Bestandteil der Originalveröffentlichung und wurden von KN-ADMIN Helmut Schnug eingefügt. Für sie gelten ggf. folgende Kriterien oder Lizenzen, s.u.. Grünfärbung von Zitaten im Artikel und einige zusätzliche Verlinkungen wurden ebenfalls von H.S. als Anreicherung gesetzt.

Bild- und Grafikquellen:

1.  Trauriges Kind:  Sobald wir bei einem Kind auffällig viele Einschränkungen feststellen, die im Zusammenhang mit der finanziellen Lage der Familie stehen, sprechen wir von Armutsfolgen und unterscheiden dann die Lebenslagen – je nach Ausprägungen der Einschränkungen – zwischen „Benachteiligung“ oder gar „multipler Deprivation“. Foto: rubberduck1951 / Hans Kretzmann, Berlin. Quelle: Pixabay. Alle Pixabay-Inhalte dürfen kostenlos für kommerzielle und nicht-kommerzielle Anwendungen, genutzt werden - gedruckt und digital. Eine Genehmigung muß weder vom Bildautor noch von Pixabay eingeholt werden. Auch eine Quellenangabe ist nicht erforderlich. Pixabay-Inhalte dürfen verändert werden. Pixabay Lizenz. >> Foto.

2. Mama? . . bist Du das? Mamaaaa? Maskenpflicht für Kinder erscheint grundfalsch und – angesichts zu erwartender psycho-sozialer und weiterer Langzeitschäden – nicht verhältnismäßig. Ein Maskentragen für Kleinkinder ist unverantwortlich - es ängstigt und verstört sie. Ein längeres Maskentragen beeinträchtigt bei Schülern die Leistungsfähigkeit.

Der drastische Eingriff in die Kommunikation sowie die Selbst- und Fremdwahrnehmung der Kinder und damit in ihre ganze weitere Entwicklung könnte nur mit einwandfrei empirisch festgestellten und ernsten Gefahren gerechtfertigt werden. Für diese Feststellung fehlt aber die angemessene Zahlenbasis.

Man kann nur auf einen Aufstand der Eltern hoffen: ausgelöst durch ein Verantwortungsgefühl gegenüber den Kindern, das Teilen von Politik und Medien anscheinend abhanden gekommen ist. >> "Maskenzwang im Unterricht: Ein bizarrer Plan. Für Schüler soll nun teils sogar im Unterricht eine Maskenpflicht gelten. Diese Pläne sind unverantwortlich und unwissenschaftlich." von Tobias Riegel, NDS. >> weiter.

Foto: ali-a / Alina Braha, Kyiv/Ukraine. Quelle: Pixabay. Alle Pixabay-Inhalte dürfen kostenlos für kommerzielle und nicht-kommerzielle Anwendungen, genutzt werden - gedruckt und digital. Eine Genehmigung muß weder vom Bildautor noch von Pixabay eingeholt werden. Auch eine Quellenangabe ist nicht erforderlich. Pixabay-Inhalte dürfen verändert werden. Pixabay Lizenz. >> Foto.

3. Mädchen beim Nachdenken: 

»Sind Kinder und Jugendliche arm oder unterversorgt, macht man dafür gewöhnlich ihre  Eltern, ein von der Norm abweichendes Verhalten (z.B. übermäßigen Alkoholkonsum) oder einschneidende Ereignisse in der Familienbiografie verantwortlich. Kinder gelten –  im Unterschied zu arbeitslosen Erwachsenen, Bettlern und Obdachlosen – als „würdige Arme“. Man schiebt ihnen nicht persönlich die Schuld an ihrer Not zu, sondern blickt viel eher auf die gesellschaftlichen Verhältnisse. Hier liegt tatsächlich der Schlüssel zur Erklärung des Umstandes, dass es heute vermehrt Armut gibt und überwiegend Kinder bzw. Jugendliche davon betroffen sind.« (-Prof. Dr. Christoph Butterwegge, Quelle).

Foto: EME / Esther Merbt, Thale/D. Quelle: Pixabay. Alle Pixabay-Inhalte dürfen kostenlos für kommerzielle und nicht-kommerzielle Anwendungen, genutzt werden - gedruckt und digital. Eine Genehmigung muß weder vom Bildautor noch von Pixabay eingeholt werden. Auch eine Quellenangabe ist nicht erforderlich. Pixabay-Inhalte dürfen verändert werden. Pixabay Lizenz. >> Foto.

4. Butterwegge-Zitat:

»Lebensstandardsicherung und Armutsbekämpfung sind keine Gegensätze, sondern zwei Seiten einer Medaille.

Mittlerweile avanciert Kinderarmut beinahe zu einem Modethema, das immer wieder Schlagzeilen macht. Gleichwohl haben sich die Fachwissenschaft, Massenmedien und etablierte Parteien nie ernsthaft mit dem Problem auseinandergesetzt, dass ein zunehmender Teil der Bevölkerung sozialer Exklusion unterliegt, während eine Minderheit unter maßgeblicher Beteiligung der Regierungspolitik (Senkung der Gewinnsteuern, Entlastung der Unternehmen, Steuergeschenke an Firmenerben) immer mehr Reichtum anhäuft.

(Kinder-)Armut ist jedoch mehr, als wenig Geld zu haben, denn sie bedeutet für davon Betroffene auch, persönlicher Entfaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten beraubt, sozial benachteiligt und (etwa im Hinblick auf Bildung, Gesundheit und Wohnsituation) unterversorgt zu sein.« (Prof. Dr. Christoph Butterwegge)

Originalfoto: © Butterwegge. Bild-Zitattext-Grafik erstellt durch Wilfried Kahrs (WiKa) nach einer Idee von KN-ADMIN Helmut Schnug.

5. Butterwegge-Zitat:

»Die Ökonomisierung des Sozialen wird durch den Neoliberalismus befördert, also eine Wirtschaftstheorie, die ganz auf den Markt setzt und längst aus einer bloßen Wirtschaftstheorie zu einer alle Poren der Gesellschaft durchdringenden Weltanschauung, ja zu einer politischen Zivilreligion avanciert ist. Alles, was das Soziale betrifft, wird mehr und mehr einem ökonomischen Kalkül unterworfen.

Um den "Um-" bzw. Abbau des Sozialstaates zu legitimieren, stellt der Neoliberalismus bisher allgemein verbindliche Gleichheits- und Gerechtigkeitsvorstellungen auf den Kopf. Galt früher der soziale Ausgleich zwischen den Klassen und Schichten als erstrebenswertes Ziel staatlicher Politik, so steht heute nach offizieller Lesart den Siegertypen alles, den "Leistungsunfähigen" oder "-unwilligen" höchstens das Existenzminimum zu. Das widerspricht den Artikeln 20 und 28 GG.« (Prof. Dr. Christoph Butterwegge)

>> Zitat aus »Auf dem Weg in eine andere Republik? Neoliberalismus, Standortnationalismus und Rechtspopulismus", Beltz Verlag 2018, herausgegeben von Christoph Butterwegge / Gudrun Hentges / Bettina Lösch. ISBN 978-3-7799-3776-0. >> Buchvorstellung.

Foto ohne Textinlet: © Raimond Spekking, Software-Berater und freier Fotograf >> https://www.mediawiki-beratung.de/. Quelle: Wikimedia CommonsBildbeschreibung: MAISCHBERGER am 24. Januar 2018 in Köln. Produziert vom WDR. Thema der Sendung: »Ganz unten: Wie schnell wird man obdachlos?« Diese Datei ist lizenziert unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international“ (CC BY-SA 4.0). Bildbearbeitung (Inlet): Wilfried Kahrs nach einer Idee von KN-ADMIN Helmut Schnug.

6. SPD: WIR HABEN EIN HARTZ FÜR KINDER. über 150 Jahre SPD – von einer revolutionären Arbeiterpartei zur willfährigen Geschäftsführung der Monopole. Die SPD als revolutionäre Arbeiterpartei, wandelte sich zu einer bürgerlichen Arbeiterpartei und endete als staatstragende Monopolpartei. Grafikbearbeitung: Wilfried Kahrs (WiKa).